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Nördlicher Ramolkogel (Anichspitze), 3.427 m

In Vorerkundung einer Ramolkammüberschreitung kam der einfach zu besteigende Nördliche Ramolkogel als Gipfelziel sehr gelegen. Als ein hoher Dreitausender stellt der Gipfel, der auch als Anichspitze bekannt ist, von Obergurgl aus ein schon nicht mehr alltägliches Tagesziel dar.

Stefan am Nördlichen Ramolkogel angekommen

Zwischen dem Weißkamm mit den höchsten Gipfeln der Ötztaler Alpen, der Wildspitze und der Weißkugel sowie dem Grenzkamm zum südlichen Landesteil mit der Hochwilde, der Hinteren Schwärze und dem Similaun gelegen, birgt der innere Ramolkamm bärige Gipfelziele.

Stefan auf dem Nördlichen Ramolkogel, der Anichspitze, 3.427 m

Es finden sich neben der Anichspitze noch die Schwestergipfel Großer und Kleiner Ramolkogel, der leicht vom Ramolhaus erreichbare Hintere Spiegelkogel sowie die Firmisanschneide und schließlich der Schalfkogel, letzterer mit 3.529 m an den höchsten der Ramolkögel heranreichend. Dieser Kammteil sollte für das Vorhaben einer Gratüberschreitung erkundet werden.

Blick vom Ramolweg auf den Ramolkamm

Um 7:30 Uhr starteten wir im Zentrum von Obergurgl, in dem Dorf beim Durchschlendern noch kaum Aktivität zum Urlauberschichtwechsel der wenigen verbliebenden Fahrzeugen mit nicht österreichischen Kennzeichen zu bemerken war. Durch verschlafene Gassen erreichten wir den Wanderweg zum Ramolhaus, der anfangs breit ins Gurglertal zieht und erst nach der Brücke über die tosende Gurgler Ache zum Steig sich wandelt.

Aufstieg auf „am Beil“

Vorbei an bunten blühenden Wiesen mit hohem Gras, das auf seine Ernte wartete, erreichten wir den Steig, der durch Almgelände über die erste Steilstufe auf den Hochpunkt „Am Beil“ führt. 150 Hm schlängelt sich der Steig über den in den frühen Jahren des beginnenden Hochtourismus vor 140 Jahren aufwändig und gediegen angelegten Steig auf den Hochpunkt, ins gerade ausgewählte Aufenthaltsgebiet des Almviehs, das uns im Vorbeigehen stoisch musterte.

Almgelände am Beil mit Blick auf den Hangerer (3.020 m) und den Ramolkamm rechts mit dem Schalfkogel (3.537 m)

Am Beil genießt man den ersten freien Ausblick auf den „Hangerer“, einen Dreitausender mit einem sagenhaft mächtigen Blockgletscher[1] über seinen Nordhang, der des öfteren die Hüttenzuwegung zur Langtalereckhütte verlegt, wenn sich die enormen Gesteinsmassen auf dem langsam fließenden Eisstrom talwärts bewegen. Im Blick links vom Hangerer besteht die Sicht auf den Vorderen Seelenkogel.

die Dimensionen des Hochebenkar-Blockgletschers werden sichtbar, wenn man das Fahrzeug am abfallenden Weg etwa 50 m links von der Kreuzung Blockgletscher/Straße zum Vergleich nimmt

Etwas weiter am Steig zum Ramolhaus kann man dieses imposante Naturschauspiel in voller Größe bewundern.

Im Bild der aufsteigende Steig zum Ramolhaus

Weiter drin im Gurglertal thront der mächtige Schalfkogel mit seiner unvergletscherten Gipfelkappe und seinem weißen Latz, dem Rest des östlich in das Gurglertal abfallenden Ferners. Links davon ein weiterer Restgletscher, der Kleinleitenferner, von dem ein Übergang vom Gurglertal zum Niedertal besteht und das den Hüttenübergang von der Langtalereckhütte zur Martin-Busch-Hütte darstellt. Rechts im Bild ist bereits das Tagesziel, der Nördliche Ramolkogel in schleifendem Schnitt oberhalb des Südosthangs sichtbar.

herrliche Szenen am frühen Vormittag auf die Hohe Mut und den den Schönwieskopf hinter denen das Rotmoostal beginnt und einen geologischen Lehrpfad eröffnet

Der Steigverlauf, der vom Am Beil aus ebenfalls über eine weite Strecke eingesehen werden kann, verrät, daß der folgende Abschnitt mit mäßiger Steigung hangaufwärts zieht. Dies ist über die erste Viertelstunde der Fall, bevor Steilstücke am Steig auftreten.

Rückblick auf Obergurgl und die Ausläufer des Gurgler Kamms

Beeindruckende Aussichten ergeben sich am Aufstieg zum Ramolhaus, zunächst oberhalb eines kleinen Bergsees unterhalb des Steigs, an dem ein bestechender Blick auf den Ötztaler Hauptkamm mit Granatenkogel, Heuflerkogel, Trinkerkogel, Scheiberkogel und Rotmooskogel besteht. Hochfirst und Liebenerspitze werden durch den vorgeschobenen Hohe Mutkogel verdeckt.

Küppelehütte – eine Hirtenhütte

Im Blick talauswärts verschwammen im gleisenden Gegenlicht der Vormittagssonne die Gipfel und eindrucksvoll trat die Gratstrecke zwischen den Dreitausendern Kirchenkogel und Schermerspitze hervor.

eindrucksvoller Hochebenkar-Blockgletscher am Nordhang des Hangerers

Nach einer Stunde Aufstieg erreicht man auf 2.300 m eine Schafhirtenhütte, die sogenannte Küppelehütte, gemauert im ursprünglichen Stil aus flachen Steinplatten. Wir verweilten an ihr zum Zwecke einer Trinkpause. Eine halbe Stunde im Aufstieg später bietet sich die Gelegenheit der Ablichtung des gegenüberliegenden eindrucksvollen Hochebenkar-Blockgletschers, dessen Ausprägung von dort aus vollständig erblickt werden kann.

mit wechselnder Steigung wandert man durch das eindrucksvolle Gurglertal. Die Streckenlänge zum Ramolhaus beträgt rd. 7 km

Mittlerweile querten wir bereits den zweiten Bachlauf von der vergletscherten Region oberhalb des Aufstiegs, die sich zum Auffüllen des Wasservorrats eignen. Das Langtal wird am Weg dorthin langsam in seiner vollen Länge einsehbar.

nach und nach nimmt der Einblick in das beeindruckende Langtal an Tiefe zu, hinten der Langtaler Ferner, der mit der Besteigung der eine ideale Kombination mit der Besteigung der Hochwilde darstellt

Es wurde durch den Langtalerferner gebildet, der zwischen Seelenkögel und Hochwilde das Tal ausgeschliffen hat. Im Abstieg vom Hochwilde Südgipfel wanderten wir vor einem Jahr über diesen Ferner auf seine immer noch lange Eiszunge talwärts, die mit tiefen Wasserrinnenfurchen und einigen beeindruckenden Gletschermühlen gekennzeichnet ist. Im Abstieg macht das Langtal mit seiner schier nicht enden wollenden Länge seiner Bezeichnung alle Ehre.

am Ramolfernerbach wird das Ramolhaus gesichtet; der Bach fließt mit einem Versatz zur Falllinie westlicher als die Lage des Ferners zu Tal; ideal zum Fassen frischen Wassers

Nach und nach am Steig taucht in zunehmend sichtbarer Ausdehnung der Gurgler Ferner auf. Imposant flach zieht er von der Talzwinge oberhalb der Mündung des Gletscherbachs aus dem Langtal in einer Kurve in Richtung der höchsten Gipfel empor und erreicht am Nordhang der Falschungspitze im Schnalskamm auf etwa 3.300 m seine höchste Ausdehnung, etwa über 5 km Länge und 750 Hm Höhenunterschied.

Abzweigung zum Langtal bzw. der Langtalereckhütte und dem Gurgler Ferner; links unter der Wolke der Hintere Seelenkogel

Ebenfalls wird das Ramolhaus auf seiner vorgeschobenen Position sichtbar. Stolz ragt es auf einem exponierten Plateau in den Hang hinaus und es wirkt größer als es ist. Ein erhabener Bauplatz für eine Hütte. Am Ramolfernerbach stoppten wir nochmals für frisches Gletscherwasser, da wir nicht vor hatten am Weg zum Gipfel am Ramolhaus einzukehren.

am Sonnenberg, knapp unterhalb des Ramolhauses, das mit einer Kehre von Westen her erreicht wird

Kurz nach dem Bach trifft man auf die erste Abzweigung ins Tal, weiter oben auf die zweite, die den Übergang von der Langtalereckhütte zum Ramolhaus darstellt. Die lange Gletscherzunge des Langtalferners kann dort gut eingesehen werden.

herrliche Aussicht auf den Gurgler Ferner

Unterhalb des Ramolhauses steilt der Steig auf. Knapp 200 Hm unterhalb wandert man am Plateau vorbei, um über eine einzige Kehre den gesamten noch fehlenden Höhenunterschied auf 3.006 m zum Ramolhaus zu überwinden. Diese Strecke zieht sich bereits ab dem Bach und die Hütte möchte beim ständigen Blick vom Steig aus nur langsam näherkommen, bevor die 1.110 Hm vom Ramolweg in Obergurgl zur Hütte geschafft sind.

an der Kehre des Steigs zum Ramolhaus, das am „Köpfle“ erbaut wurde

Mehr als eine Trinkpause und eine Fotosession gönnten wir uns an der Hütte nicht, denn der Weg zum Nördlichen Ramolferner bedeuteten noch 420 Hm unbekannten Aufstiegs, eine Strecke von 2,5 km und eine kurzen Gletscherquerung. Natürlich war dies um halb elf Uhr mit Leichtigkeit zu schaffen, eine zeitige Gipfelankunft ist aber in diesen Höhen stets anzustreben.

Schwärzenkamm, Gurgler Ferner und Ramolkamm im Süden des Ramolhauses; an der Westflanke des Schwärzenkamms ist das geschlossene Hochwildehaus zu erkennen

Umwerfend – kann als passendes Eigenschaftswort für den Blick auf den Gurgler Ferner und die ihn eingrenzenden Gipfel verwendet werden. Das Ramolhaus steht sozusagen auf dem bestmöglichen Aussichtspunkt auf den Ferner und wahrscheinlich hat Martin Scheiber, als er 1881 das Ramolhaus erbaut hat, diesen Ort nicht allein wegen des topografischen Vorteils hinsichtlich der Naturgefahren gewählt.

Gedenktafel für den Errichter des Ramolhauses, Martin Scheiber aus Obergurgl

Ein Mann mit unternehmerischem Weitblick muß er gewesen sein, denn zu dieser Zeit stand der Hochtourismus noch in der Aufbauphase. Zwar waren wesentliche Schritte dazu durch die Geistlichen Trientl und Senn bereits getan, eine Schutzhütte, die ausschließlich über den Sommer bewirtschaftet werden konnte, jedoch noch lange kein abgesichert lukratives Geschäft.

Blick auf (v. li.) Granatenkogel, Hochfirst, Liebenerspitze, Kirchenkogel im Vordergrund, Hochebenkamm, Vorderer, Mittlerer und Hinterer Seelenkogel

Das mittlerweile ausgebaute und wesentlich erweiterte Ramolhaus verfügt auch über eine Materialseilbahn, deren Talstation am Weg knapp vor der Langtalereckhütte liegt. Somit verfügt es über eine wesentlich leichtere Versorgung als durch die alte Materialseilbahn, die am Steig zum Ramolhaus liegt (noch sichtbare Installationen) und bis dorthin mit Saumtieren versorgt werden mußte.

schleifender Blick auf Schalfkogel, Firmisanschneide und Hinterer Spiegelkogel

Der Blick vom Ramolhaus auf die Umgebung besticht mit fast zwei Dutzend Dreitausender. Durch die vorgelagerte Position und die Krümmung im Ramolkamm können die Ramolkögel sowie die südlich der Hütte gelegenen Gipfel eingesehen werden.

vom Ramolhaus bereits am Anstieg zum Nördlichen Ramolkogel

Im Süden gegenüber besteht ein toller Blick auf den Gurgler- und den Schnalskamm vom Granatenkogel über Hochfirst, Kirchenkogel, Liebener Spitze, Vorderem, Mittlerem und Hinterem Seelenkogel, Hochwilde, Bankkogel, Falschungsspitze bis zur Karlesspitze.

Blick von der Rippe am Steig zum Ramoljoch auf Großen, Mittleren und Nördlichen Ramolkogel

Bereits hinter dem Ramolhaus kann der Nördliche Ramolkogel mit seinem westlich ausgerichteten Hangferner gesichtet werden. Auffällig dabei am Verbindungsgrat zum Großen Ramolkogel links der hellgraue Zug von Granitgneis, der die rostbraunen Schiefergneise der Gipfelaufbauten durchzieht und separiert. Ein zweites, schmaleres Band von Granitgneis, das den Kleinen Ramolkogel durchzieht, kann vom Gipfel der Anichspitze aus gesichtet werden. Dieses zieht bis südlich des Ramoljochs durch den Kamm.

von der Rippe aus kann das Gelände zu den Ramolkögeln hin gut eingesehen werden; fast wie ein Tal zieht sich die Route nordwärts

Unser Aufstieg führte uns auf eine Rippe hinter dem Ramolhaus, die vom Hinteren Spiegelkogel herabzieht und im Südosthang ausläuft. Von der Hütte aus muß dazu ein Aufstieg von 60 Hm zurückgelegt werden, ehe auf der Hinterseite der Rippe ein Abstieg von 35 m wartet, der auf einem Gletscherrest des Küppeleferners endet. Im beginnenden Juli liegt dort noch Firn, der auf den Ferner, der nur noch stellenweise im Hang darüber existiert, überleitet.

nach dem Abstieg von der Rippe auf die Firnreste des ehemaligen Küppeleferners am Steig zum Ramoljoch

Am Übergang auf den Ramolferner lösten sich bei unserer Begehung aus den Gletscherresten im Hang tischgroße Gesteinsblöcke ab und donnerten gegen die Senke zwischen dem Ramolgrat und einem durch den Gletscher ausgeschliffenen Tal.

Abzweigung vom Steig in Richtung Nördlicher Ramolkogel

Die Steinbrocken lassen den Begeher je nach Größe durch ihr Getöse erschrecken, werden aber vor dem Taleinschnitt, durch den der Aufstieg führt, gebremst und bleiben liegen. Eine unmittelbare Gefahr drohte uns nicht.

zunächst in der Senke auf Firn weiter

Interessant am Weg durch den Taleinschnitt erschien uns ein fahrzeuggroßer jung abgebrochener Gneisblock auf einem wesentlich älter freigelegten und geschliffenen Felsrücken. Als hätte man den jungen auf den alten draufgelegt, hat eine zufällige Fügung das Gletschereis beide übereinandergelegt, schmolz über Jahrzehnte weg und bildete somit an der richtigen Stelle eine natürliche Wiege.

bärige Naturwerke säumen den Weg, Alt und Jung aufeinander; die rotbraune Oberfläche der geschliffenen Felsen ergibt sich durch die Verwitterung von Biotit, die aufliegenden jungen Blöcke zeigen keine Verwitterung

Wenig geneigt stiegen wir im Firn am Rand des Eises den Ramolferner auf. An der Gegenseite war ein wenig geneigtes Blankeisfeld zum nächsten Tiefpunkt im Taleinschnitt zu überwinden. Nach einem neuerlichen Aufstieg über Moränenreste erreichten wir das Gletscherbecken unterhalb des Nördlichen Ramolkogels.

über eine sanfte Kuppe auf den Ramolferner, dahinter Übergang zum nächsten Senkenpunkt auf Blankeis

Von dort schlugen wir die im Aufstieg rechte Seite des Tals ein, um auf die südliche Rippe zu gelangen, die dem Gipfel entspringt und die rechte Einfassung des Ferners bildet. Es wäre von der Rippe aus möglich, den Nördlichen Ramolferner auf der rechten Seite zu besteigen.

schön geformte Eisströme am Gletscher; rechts die Aufstiegsroute durch den Firn

Da sich allerdings noch andere Gruppen am Berg befanden und wir sie möglicherweise mit Steinschlag bedroht hätten, beschlossen wir den Ferner auf dem alternativen Weg über den Ferner zu queren und dort den Normalweg aufzusteigen.

Rückblick auf den Eisansatz auf der Anichspitze; keine Randkluft zu sehen

Mit Grödeln ausgerüstet querten wir den Ferner links aufwärts. Sie stellten sich als kein besonders zuverlässiges Werkzeug heraus, weswegen davon abgeraten sei. Der Autor wollte die Grödel aber einmal ausprobieren und stellte fest, daß diese eher noch zusätzlich Firn anpappen, als für einen zuverlässigen Halt zu sorgen. Auf Blankeis wirken Grödel, jedoch nur bis zu mäßiger Hangneigung.

Aufstieg auf den Grat nach Überquerung des Gletschers auf die Westseite

Am Ende der Querung gelangten wir auf den horizontalen Gletscheransatz im Fels. Randspalten bzw. einen Bergschrund stellten wir nicht fest. Den Aufstieg zum Gipfel, der sich nur mehr etwa über 100 Hm erstreckt, wählten wir nicht exakt an der Scharte am Grat zum Kleinen Ramolkogel, sondern etwa 20 m davor, durch eine schuttübersäte seichte Mulde, die etwa 20 Hm direkt auf den Grat hinaufzieht.

Panorama am Aufstieg über den Südwestgrat auf den Nördlichen Ramolkogel

Vom Gratpunkt aus führt ein zum Steig ausgetretener Felsaufstieg über 85 Hm zum Gipfel. Dabei kommen an wenigen kurzen Stellen die Hände zum Aufziehen zum Einsatz, als echte Kletterstellen kann man diese jedoch nicht einstufen.

leichte Partien am Grat zur Anichspitze, keine Kletterei vonnöten

Berggranat eingebettet in Schiefergneis am Aufstieg zum Nördlichen Ramolkogel

Am Weg zum Gipfel kommt man immer wieder an granatführenden Schiefergneis Schollen vorbei. Die Minerale sind eher klein, jedoch in großer Dichte festzustellen.

Gipfelkreuz der Anichspitze in Sicht

Zuletzt führt ein kurzer überwechteter Gratabschnitt zum Gipfelkreuz, das von den Errichtern aus Oberperfuß aus Edelstahl gefertigt und vor 21 Jahren eingeweiht wurde. Diese weit entfernte Gemeinde im Großraum Innsbrucks war der Geburts- und Arbeitsort von Peter Anich[2], dem berühmten Geografen Tirols, der den „Atlas Tyrolensis“, dem umfassendsten und exaktesten Kartenwerk im 18. Jhdt. verdient gemacht hat. Er hat den Nördlichen Ramolkogel als Aussichts- und Vermessungspunkt benutzt und der Militärgeograf Oberst von Sonklar (vgl. Sonklarspitze, Stubaier Alpen) hat ihm zu Ehren später die Gipfelbezeichnung „Anichspitze“ eingeführt.

Anichspitze, 3.427 m; Gipfelkreuz mit dem Erdball mittig der Oberperfer Errichter zu Ehren Peter Anichs

Zurecht hat Anich diesen Gipfelpunkt als lohnend für die Kartografie erkannt und genutzt. Von ihm aus öffnet sich ein atemberaubender Fernblick von Nordwest über Ost bis Südwest mit den umliegenden Gipfeln, von der Wildspitze und dem Hinteren Brochkogel im Weißkamm über die hohen Gipfel im Kaunergrat, dem Geigenkamm, den Stubaier Alpen bis zum Gurglerkamm sowie auf die inneren Gipfel im Ramolkamm und darüber hinaus auf nahezu den gesamten westlichen Schnalskamm. Das Panorama ist einleuchtend von Peter Anich für seine Vermessungsarbeiten genutzt worden zu sein.

der erste Blick am Nördlichen Ramolkogel gilt dem Panorama nach Süden mit dem Gurgler Ferner, Schwärzenkamm, Hochwilde, Bankkogel, Falschungspitze, Karlesspitze, Querkogel, Kleinleitenspitze und Schalfkogel

Im Nordwesten beginnt der Reigen mit dem der gerade noch sichtbaren Gipfelkuppe des Fluchtkogels, weiter nördlich mit der höchsten Erhebung Nordtirols, dem Koloss der Wildspitze und ihrem Trabanten, dem Hinteren Brochkogel, im Kaunergrat ragen die markante Watzespitze sowie die Verpeilspitze, der Gsallkopf und die Rofelewand auf.

ganz links im Bild der Fluchtkogel, weiter nördlich die Wildspitze, links davon der Hintere Brochkogel

Im Norden im Geigenkamm die Innere Schwarze Schneide oberhalb des Ötztaler Gletscherschigebietes, der Puitkogel, die Namensgeberin des Kamms, die Hohe Geige selbst sowie Hoher und Breiter Kogel, bevor die Talsenke des Ötztals den Blick auf die Nördlichen Kalkalpen mit dem Grünstein in der Mieminger Kette freigibt.

mittig der Kaunergrat mit Watzespitze, Verpeilspitze, Gsallkopf sowie Rofelewand; mittig der Geigenkamm mit Puitkogel und Hoher Geige

Am nordwestlichen Rand der Stubaier Alpen ragt der majestätische Acherkogel auf, die Spitze des Hochreichkopfs ist noch zu sehen, die Zugspitze in 64 km Entfernung, der Sulzkogel im Kühtai, der Breite Grieskogel sowie davor und tiefer der Lochkogel bei Huben, der Gleirscher Fernerkogel, der Hohe Seeblaskogel, der mächtige Schrankogel, der Windacher Daunkogel sowie die Warenkarseitenspitze, auf beide letztere sich wunderbare Schitouren vom Stubaier Gletscher unternehmen lassen.

im Vordergrund der vordere Teil des Ramolkamms, links davon in der Ferne der Grünstein und die nordwestlichen Gipfel der Stubaier Alpen mit Acherkogel, Sulzkogel und Breitem Grieskogel, rechts vom Kamm der Gleirscher Fernerkogel, Hohe Seeblaskogel, Schrankogel und Ruderhofspitze

Nordöstlich im Reigen weiter die Ruderhofspitze, deren Südkaraufstieg seit Jahren sehr vom schwindenden Permafrost betroffen ist, die Gruppe Aperer- und Wilder Pfaff mit dem Zuckerhütl in der Mitte. Die rundliche Sonklarspitze, den beiden Feuersteinen, dem Botzer sowie dahinter gegen Osten die Zillertaler Alpen mit Olperer und Schrammacher in 54 km Entfernung und an unserem Tag durch den Dunst leider nicht mehr sichtbar.

in der linken Bildhälfte die zentralen Stubaier Gipfel mit Windacher Daunkogel sowie die Warenkarseitenspitze, Stubaier Wildspitze, Zuckerhütl und Wilder Pfaff sowie die Sonklarspitze, Westlicher und Östlicher Feuerstein sowie Botzer

Im Vordergrund im Osten etwas tiefer die Hohe Kreuzspitze, der südliche Eckpfeiler der Stubaier Alpen, darauf gegen Süden folgend im Gurglertal gegenüber Granatenkogel, Hochfirst, Liebener Spitze, Hinterer Seelenkogel und Hochwilde, hinter denen sich die Dolomiten im südlichen Landesteil verbergen.

links Hohe Kreuzspitze in der Ferne, der südliche Eckpfeiler der Stubaier Alpen, im Gurglertal gegenüber Granatenkogel, Hochfirst, Liebener Spitze, Hinterer Seelenkogel dahinter Dolomiten in der Ferne

Anschließend ein grandioser Blick auf den dahinsiechenden Gurgler Ferner mit dessen westlicher Begrenzung durch Bankkogel, Falschungspitze, Karlesspitze, Querkogel, Kleinleitenspitze und Schalfkogel.

nördlicher Ausläufer des Gurglerkamms mit Granatenkogel, Hochfirst, Liebener Spitze, Heuflerkogel, Trinkerkogel, Vorderer, Mittlerer und Hinterer Seelenkogel

Den Abschluß im Südwesten bilden die Firmisanschneide mit dem niedrigeren Hinteren Spiegelkogel im Vordergrund, die majestätische Hintere Schwärze sowie der Similaun und dem Ortler in 50 km Entfernung, der an unserem Tag nicht sichtbar war, bevor der Kleine, der Mittlere und der Große Ramolkogel die Sicht nach Südwesten versperren.

Wildspitze (3.768 m) im Nordwesten gegenüber

Wie aus dem Nichts tauchte eine Gruppe Vögel mit lautem Gekrähe aus dem Putzachkar auf, denen sofort unsere Aufmerksamkeit zuteilwurde. Bei der Annäherung konnte ein großer Vogel und drei kleine erkannt werden. Zunächst sah die Gruppe genauso aus, wie man es im alpinen Raum kennt, wenn Krähen einen Adler durch Attackieren ärgerten.

Aus der Nähe aber konnte der große Vogel als ein Bartgeier erkannt werden, der die lästigen Angreifer rasch loswurde und seelenruhig über unser Gipfelkreuz segelte. Eine solche Begegnung hat man nicht oft im Leben und daher wurde augenblicklich das Handy gezückt und gefilmt. Leider verschwand der Bartgeier rasch in Richtung Großer Ramolkogel.

Blick auf den Ferner am Fuß des Nördlichen Ramolkogels mit Zustieg vom Ramolhaus und Kleinem Ramolkogel rechts d. Bildhälfte

Eine gewisse Versuchung, die beiden gegenüberliegenden Ramolkögel mitzunehmen, konnten wir nicht abstreiten. Eine zweite Gruppe, die den Großen Ramolkogel bestiegen hat, ließ uns wissen, daß der Gratübergang ziemlich brüchig wäre und sie gesichert hätten. Mit dieser Aussage ließen wir die Gelüste für diesen Tag fallen, auch aus dem Grund, ohne Sicherungsmittel unterwegs zu sein.

Übergang auf den Mittleren sowie Großen Ramolkogel

Mit dem nächsten Ziel, der Einkehr im Ramolhaus, verließen wir den bärigen Aussichtsgipfel der Anichspitze. Über das Firnfeld benutzten wir nochmals die Grödel, obwohl deren Nutzen im tiefen Firn eigentlich entbehrlich ist.

die Flachstelle zwischen Berghang und Fernerrand ist frappierend

Immer wieder zog der phantastische Anblick des Gurgler Ferners mit seinen einfassenden Gipfeln unsere Aufmerksamkeit auf sich. Vom Südhang am Ramolferner brachen wieder einige größere Gesteinsbrocken ab und donnerten den Hang hinunter, blieben aber weit vor unserer Route in der Senke liegen.

Abstieg als Querung über den oberen Firnrest am Ferner

Die Bewölkung mehrte sich rasch, während wir auf den letzten Firnfeldern unterhalb des Ramoljochs in Richtung der Rippe, bei der wieder der kurze Aufstieg zum Ramolhaus zu bewältigen war, hinabstapften.

in der Gletscher-Talsenke zurück zum Ramolhaus

Nach der Rippe hatten wir nochmals das Glück, den Segelflug des Bartgeiers zu filmen. Leider nur kurz verschwand er in der Nähe der Hütte durch rasches Absteigen in das Kar.

der wohl bekannteste Blick auf Ramolhaus und Gurgler Ferner

Nach der Jause traten wir den gut zweistündigen Marsch nach Obergurgl an, vorbei an den Wildbächen, die im Vergleich zum Vormittag durch die Firnschmelze des Ramolferners kräftig angewachsen waren.

angeschwollene Gletscherbäche am Nachmittag

Die schöne Tour haben wir in einer Gesamtzeit von 9:25 Stunden bewältigt. Davon betrugen die Pausen etwa 60 min. Die Steigarbeit auf die Anichspitze erfolgt über 1.590 m.

Ankunft mit Rückblick von Obergurgl mit selbst auf 1.900 m Seehöhe ungewöhnlich warmer Temperatur von über 25 °C

Die Streckenlänge von Obergurgl zum Ramolhaus möge dabei nicht unterschätzt werden. Die Gesamtstrecke der Tour beträgt etwas mehr als 20 km.

Mils, 11.07.2026

[1] Karl Krainer, Geologie und Geomorphologie von Obergurgl und Umgebung. Kapitel 2, in: Publikationen Alpine Forschungsstelle Obergurgl, 2010, 45–48.

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Anich