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Roßkopfspitze, 2.015 m – Überquerung Gamsjochgruppe

Die Idee zur Besteigung der unspektakulären Roßkopfspitze in der nördlichen Gamsjochgruppe fiel bei der Betrachtung der Latschenhänge vom Gipfel des westlich gelegenen Totenfalk, von dem aus der westsüdwestlich gelegene Gipfel, bzw. deren Anstieg aus dem Laliderertal, recht einladend aussieht. In Kombination mit der Ruederkarspitze und dem Abstieg ins Engertal müsse sich gegenüber den Falken eine interessante, wenig begangene Überquerung machen lassen, bei der nicht viel Höhenmeter anfallen und die weite Anreise auch nicht noch halbwegs des Nächtens erfolgen muß. So die Motivation.

Gamsjochgruppe mit den drei Gipfeln von Norden, Ruederkarspitze links und dahinter rechts die Dreizinkenspitze

Vom Parkplatz P6 im Engertal startet das Abenteuer Roßkopfspitze gegen neun Uhr auf dem zunächst von einem Wasserlauf durchzogenen Steig, dem Normalweg ins Laliderertal.

Roßkopfspitze, 2.015 m

Nach genau 2,5 km und 130 Hm Anstieg am Almweg schien die Stelle zum Abzweig in den Wald gefunden. Wenn sich dort auch keine Ausweiche auf der Straße befindet, die der AV-Führer nennt, so doch eine leichte Wegverbreitung und ein deutlicher Ansatz einer Forstzufahrt in das abgeholzte Gebiet zur Linken. Diese Stelle erschien sinnvoller für den Weg durch den Wald, als die Verflachung, von dem im AV-Führer die Rede ist und die sich etwa 150 m weiter taleinwärts befindet.

von der Laliderertalstraße abzweigender Stich in den Wald

Im Grunde ist es aber egal welche Stelle man nach dem Möserkarbach für den Aufstieg nutzt, denn das Gelände verjüngt sich nach oben hin ohnehin so, dass man mit einiger Orientierungsgabe den Felssporn anpeilt, der sich etwa auf 1.460 m von den mit Unterholz bewachsenen Reisenhängen absetzt. Weiter oben im Wald sieht man ihn dann deutlich und er wird links ansteigend rechts liegen gelassen.

sich abflachende Laliderertalstraße

Zunächst geht es aber über den Wald empor, im Falle des Verfassers dieses Berichtes in einem deutlichen Graben und zur Rechten bald eine Schotterreise sichtbar.
An der oberen Mündung des Grabens auf eine schwach ausgeprägte Rippe kann man im Rückblick alte Wegmarkierungen entdecken und folgt den noch vorhandenen Steigspuren auf den mächtig aufsteilenden Hang in lichteres Gelände mit knorrigem Baumbestand, rechter Hand dichtes Latschengelände.

Markierungen auf der Rippe im Rückblick

Nach einer Steilstufe von etwa 50 Hm, im lichten Baumbestand lockt eine kleine Lichtung zur Querung des Hangs nach links und kurz nach deren Ende entdeckt man eine schmale Reise, die wie ein Steig anmutet. Dieser folgt man auf eine kleine Rippe von der aus sich bereits der Blick auf das untere Möserkar öffnet und man den Geländeüberblick völlig wiedererlangt hat.

Lichtung im Hang am Aufstieg

Ein vor längerer Zeit letztmalig ausgeschnittener Steig leitet linkshaltend aus dem letzten Latschenfeld auf die offenen Reisenflächen und auf festen Fels unterhalb der Abbrüche der Nordflanke eines Gratausläufers vom Gamsjoch herab.

Steigspuren auf einer schmalen Reise nach deutlicher Linksquerung im Aufstieg

Der Steig zum Möserkar verläuft nun durch die Schotterreisen mit Passagen auf reinen Felsflächen und er ist recht gut erkennbar, bzw. kann auch jede andere Route unterhalb der Felswand bis hin zu einer gewaschenen Fläche unterhalb eines Wasserfalls aus dem Möserkar herab genommen werden.

Anstieg zum Sattel Pkt. 1.789 m sichtbar

Gegenüber, im Rückblick, das gewaltige Blausteigkar, das eine sagenhaft schöne Begehung des Laliderer Falk erlaubt.

das gewaltige Blausteigkar in der Falkengruppe; es bildet den unteren, bereits nicht einfachen Aufstieg auf den Laliderer Falk

Ab dieser Stelle tritt man wieder in die Latschen ein, geleitet durch den Steig, der dort gut ausgeschnitten ist. Nach wenigen Minuten wird der Bach aus dem Möserkar erreicht, an dem Steigspuren ohne nennenswertem Höhenverlust oder –gewinn in den Graben, der vom Pkt. 1.7891 m (im AV-Führer 14. Auflage 1996 Pkt. 1.784 m) herabziehen soll, leiten.

Blick zur Roßkopfspitze; unterhalb des Wasserfalls; die Rippe mittig im Bild trennt den oberen Möserkargraben vom Möserkar und sie muß bewältigt werden

An der Flachstelle dort, etwa auf 1.580 m, endet der Steig urplötzlich mit dem Übertritt in die Freifläche. Geradeaus, das wäre die Richtung in die der Steig weiterführen sollte, erblickt man einen dichten Latschenwald, zur Rechten eine Felsrippe hinter der der Möserkarbach in schönen kleinen Katarakten auf die Flachstelle zufließt und östlich oberhalb die Felsriegel auf den Verbindungsgrat zwischen Roßkopfspitze und Ruederkarspitze. Nicht erkennbar ist allerdings ein weiterer Steig zum vorgenannten Graben.

die letzten Meter auf den Steig durch die Latschen

Um einen besseren Überblick zu bekommen wurde die kleine Felsrippe zur Rechten bestiegen, die einen Höhenunterschied von etwa 10 m bot. Allerdings vergebens, denn jenseits des Baches ließ sich kein Steigverlauf, auch keine weiterführende Latschengasse ausmachen.

die hinderliche Rippe im Detail am Ende des Steiges

Also mußten die lichten Einschnitte durch die Latschen zu Fuß erkundet werden und der Verfasser überschritt den Bach mit dem Versuch eine Stelle zu finden, die das Durchkommen bis zum Graben ermöglichte. Die Distanz zum Graben beträgt von der Freifläche etwa 150 m und es wäre gelacht, fände man keine Passage.

Blick ins Möserkar (südöstlich) vom Ende des Steiges; es gibt ein Bächlein rechts und eines links der Rippe am Steigende

Nun sei hier vorweggenommen, daß alle Versuche eine Passage zu finden vergebens waren. Immer wieder leiteten Latschengassen steil hangabwärts, die dem Verlauf gemäß Karte nicht entsprechen konnten und auch bald in dichten Versperrungen endeten.

freie Fläche gegenüber dem Möserkarbach

Also zurück auf die Felsrippe um eine Umgehung oberhalb zu erkunden. Dort sah es so aus, daß ein signifikanter Bogen im Schuttreisenfeld unternommen werden müsste, um unterhalb dem Felsriegel wieder Richtung Graben an Höhe zu verlieren und gegebenenfalls im Steig zu enden, den der Betrachter in Form von dürren grauen Ästen auf einer steilen Passage im Felsriegel auszumachen glaubt. Eine andere Möglichkeit schien es oberhalb nicht zu geben und auch diese Passage entspricht ganz und gar nicht den Steigmarkierungen in der Karte.

hier unten müßte lt. AV-Karte der Steig weiterführen

Nachdem aber der dem Menschen innewohnende Erfolgsdrang nicht locker ließ wurde die sozusagen „Übersteigung“ des Latschenhanges unternommen. Hierzu diente eine nasse Felsfläche in der Südostecke der Freifläche und der Möserkarbach diente am Weg als letztmalige Wasserstelle am schwülen Julitag.

Versuch des weiteren Aufstiegs über die Südostecke der freien Fläche /links der Katarakte

Tatsächlich fanden sich Steigspuren durch das Unterholz, die sich auf die steile Reise hin auch gleich wieder verflüchtigten, also nur ein Gamsdurchschlupf. Die Reise muß man etwa 50 Hm aufsteigen, bis am oberen Ende, zwischen ihr und den Felsen, ein Durchkommen durch die Latschen möglich ist, um im Anschluss daran diese Steigarbeit fast völlig wieder zu verlieren. Schon beim Aufstieg widerstrebte diese Variante dem Gefühl des Verfassers, aber eine andere Möglichkeit schien es nicht zu geben.

Querung unterhalb der Felsen nach mühsamem Aufstieg auf der Reise; links der Bildmitte kann man den Unterbruch der Latschen erkennen, der von weiter entfernt wie ein gehauener Steig aussieht

In der Nähe der dürren Latschen stellte sich nun heraus, daß diese in dem steilen Gelände keine Passage zum Graben sein konnten, denn sie markierten eigentlich nur beginnenden Kletterfels anstelle eines ausgeschnittenen Pfades. Dies hätte auch schon mit dem Fernglas vom Bach aus erkundet werden können, allerdings hätte man dann die Passage oberhalb des von Latschen eingekesselten Verfassers nicht einsehen können und so die Tour vielleicht abgebrochen.

Rückblick auf das Steigende und die mit den beiden Bächen umströmte Rippe im oberen Bildteil in Bildmitte

In allen Richtungen am Durchkommen im Steilgelände gehindert schien nun die einzige Möglichkeit ein steiler Hang oberhalb des Standplatzes, der von zwei Felsstufen durchzogen war, die kletterbar erschienen. Eine völlig absurde Idee den Steig über diesen felsdurchsetzten Einschnitt zu suchen war der erste Gedanke, er war aber auch gleich verworfen, da dies nun die einzige Möglichkeit darstellte den Aufstieg fortzusetzen.

die einzige Möglichkeit aus der eingekesselten Lage weiter zu kommen besteht im Durchstieg dieser Felsmulde

Da ein Nachteil auch meist einen Vorteil in sich birgt konnten bei Durchstieg zwischen den abschüssigen Felsen auch geometrisch extrem schön geformte Faltenbildungen der Felsen gesichtet werden. Einem Rundgewölbe gleich präsentierten sich Schichten auf Schichten von recht kompetentem Kalk der Reichenhall Formation und bewegten den Verfasser zu einem gewagten Bild im Felsgelände.

bilderbuchhaft schöne Faltenbildungen im Reichenhaller Kalk

Über die Stufen ließ es sich leicht steigen und zuoberst leitet ein begrüntes Band unterhalb eines leichten Überhangs in gebückter Haltung auf flacheres Gelände über.

Aufstieg in der Mulde über abschüssige Bänder in Felsstufen

Die Spannung war groß welche Erkenntnis der Blick nach der Steilstufe wohl bringen würde und leider war selbiger eher enttäuschend, da nichts außer mehr als mannshohe Latschen die Sicht auf das unmittelbare davor liegende Gelände versperrte.

Möserkar

Hinabgeblickt in Richtung Ende des Steigs beim Bach war nun klar, warum man den Einschnitt als Aufstiegsmöglichkeit nicht einsehen konnte, eine Felsnase deckt die Sicht zur Gänze ab.

Pkt. 1.789 m hinter der hohen Lärche sichtbar

Allerdings, und das ließ eine letzte Hoffnung aufkeimen, befindet sich zur Linken eine kleine freie Fläche von wenigen Quadratmetern, die einen Blick auf den unweit entfernten Graben zuließ und diese paar Schritte stellten die entscheidende Erkenntnis dar, daß es eine Schneise zum Graben geben muß.

Durchstieg durch die alte Gasse auf die Freifläche zum oberen Möserkargraben

Tatsächlich konnte man eine zwar verwachsene Gasse erkennen, die nicht so dicht ausgeprägt anmutete als das mächtige Latschenfeld in Hangrichtung. Also wurde ein Durchstieg versucht und nach ein paar Metern traf der Verfasser auch den Beweis für einen alten Pfad an, als mehrere gesägte Stirnflächen von dicken Latschenästen den Weg zum Graben wiesen. Der Durchstieg war geschafft und käme man von oben zeigte eine auffällig hohe Lärche den Einstieg zur Latschengasse etwa 20 m unterhalb an.

oberer Möserkargraben

Hinter dem Latschenfeld leitete eine hohe Grasflanke zum Wasserlauf in den Graben hinab in dem sich – als nächste Verwunderung bei diesem Abenteuer – bei einer Gabelung zweier Wasserläufe, ein recht gediegener Steinmann befand. Der Steinmann zeigte allerdings die weitere Aufstiegsrichtung nicht an und dürfte wohl über einige Jahrzehnte seinen obersten Richtungsstein eingebüßt haben.

obwohl das Steinmandl bei der Gabelung der Wasserläufe links in Steigrichtung errichtet wurde

Da er aber eindeutig auf der linken Seite der Gabelung errichtet wurde, sollte dies wohl die Steigrichtung markieren. Nach einigen Metern im hohen Gras verwarf der Verfasser den Aufstieg durch den mit viel Unterholz gesäumten Graben, der auch in Teilflächen abgebrochen erschien und setzte den Aufstieg im kleineren aber mit kaum abgebrochenen Hangschotterflächen geprägten steilen Hang rechts der Gabelung fort. Dies mit dem noch unbekannten Ausgang etwas zu weit rechts (südlich) des Pkt. 1.789 m am Gratrücken anzukommen).

Ankunft etwas zu weit südlich von Pkt. 1.789 m, im Hintergrund die Roßkopfspitze

Mittlerweile, nachdem auch die Wegfindung ab dem Möserkarbach mehr als eine Stunde in Anspruch genommen hatte, war die Mittagsstunde angebrochen und die Hitze in den Latschengassen, kombiniert mit dem anstrengenden Aufstieg durch die steilen Grasflächen erreichten ein schwer erträgliches Ausmaß.

Tiefblick in das Laliderertal mit dem gewaltigen Laliderer Falk kurz vor Pkt. 1.789 m

Wie erwähnt erreichte der Verfasser den Ausgangspunkt zur Roßkopfspitze zu weit südlich und mußte – rechtzeitig, mit moderatem Höhenverlust – leicht unterhalb der Gratlinie nördlich queren. Am Weg dorthin und auch im Aufstieg zur Roßkopfspitze in weiten Abständen gelbe Stoffbänder als Wegmarkierungen an Latschenästen.

Großer Totengraben im Osten von Pkt. 1.789 m

Endlich im Schatten der knorrigen Tannen auf Pkt 1.789 m öffnet sich nach Osten in das Engertal der schauerliche Blick in den Großen Totengraben, eine alte Erosionsschlucht, wie Otto Ampferer sie beschreibt, gefüllt mit ockerfarbenen Rauhwacken der Reichenhaller Schichten.

der Steigverlauf auf die Roßkopfspitze gleicht einem Gamssteig und war vielleicht einmal ein solcher

Ein brüchiger Graben mit instabilen seitlichen Begrenzungen, der direkt vom Grat bis in die flacheren Hangteile ins Engertal hinabfällt und mit allerlei Türmchen und Rippchen gespickt ist. Alles in allem kein homogener Fels und mit wenig Festigkeit, an die meist nördlich vorgeschobenen Raibler Schichten im Karwendel erinnernd.

hanggegenüber der Anstieg zu Pkt, 1.972 m und der Ruederkarspitze

Von diesem markanten Punkt – der bei weitem nicht die Ausdehnung besitzt die uns die Höhenschichtlinien der AV-Karte Glauben mach will – führt ein wilder Steig auf die 220 Hm höher liegende Roßkopfspitze.
Wild möge so verstanden sein, daß der Aufstieg eher vielen hintereinander geschalteter Gamswechsel gleicht, als einem normalen Steig von Bergsteigerhand geschaffen. Die Vermutung liegt nahe, daß Jäger hier die Tierpfade etwas ausgebaut haben, um menschliches Durchkommen zu gewährleisten.

Rückblick auf das steile Aufstiegsgelände

In einigem Auf und Ab geht es unter ungeschützt unter Sonne in stehend schwüler Luft steil bergauf, durch Latschenhöhlen hindurch und wieder in Schuttrinnen in Falllinie zwischen Latschenstreifen hindurch. Sehr mühsame 220 Hm sind hierbei zu bewältigen und erst im oberen Teil lichtet sich das Unterholz hin zu freien Schrofenflächen.

Gipfelaufbau der Roßkopfspitze vom langen südseitigen Sattel

Der letzte langgezogene Sattel vor dem markanten Gipfelaufbau der Roßkopfspitze wird ostseitig umgangen und hierzu ist am vorderen Hochpunkt des Sattels ein kurzer Abstieg nach rechts erforderlich, der, wenn man ihn übersieht im Kampf gegen die Latschen auf der Ostseite am Sattel endet.

direkter Aufstieg zur Roßkopfspitze über eine Kletterfelsmulde

Die direkte Linie auf den Gipfel der Roßkopfspitze besteht in der Fortsetzung der Gratlinie über eine breite Rinne sehr steil empor (II+) bis zur Abflachung gegen das Gipfelplateau hin, der leichtere Aufstieg besteht in der westseitigen Umgehung des Kamms in etwas weniger steilem Schrofengelände. Erstere Variante mit Kletterei lohnt für den Aufstieg, letztere für den  leichteren Abstieg.

Unterer Roßkopf, 1.814 m und Risstal dahinter

Ein Gipfelsteinmann mit Gipfelbuchschachtel in Plastikbehälter erwartet den Bezwinger der Roßkopfspitze. Das Buch aus dem Jahre 1987 hält bei der durchschnittlichen Besucherfrequenz seiner ersten Tage bis dato noch etwa 200 Jahre.

Plumssattel, Bettlerkarspitze und Schaufelspitze im Osten

Faszinierend von der an sich niederen Roßkopfspitze ist der Talblick, der durch ihre, von West bis Ost, durchgehend sehr steil abfallenden Wände dem Gipfel eine besondere Höhe zu verleihen scheint und ein nicht minder spektakuläres Bild vom Tal von Osten zeigt ihren schroffen Bau sehr deutlich.

Sonnjoch, Hochnissl, Lamsenspitze, Hochglück und rechts Ruederkarspitze

Ähnlich den niederen Falkengipfeln bietet der Blick gen Süden ein tolles Panorama der Karwendelhauptkette, allerdings mit weit weniger Abdeckung durch die vorgelagerten Berge.

späterer mühsamer Aufstieg von Pkt. 1.789 m auf Pkt. 1.972 m durch die Latschengürtel

Auffallend auch dem geologisch wenig Interessierten ist der unterschiedliche Bau der Ruederkarspitze (geschichteter Muschelkalk) gegenüber dem Gamsjoch (massiger Wettersteinkalk). Die großen Schneefelder am Felsfuß im Nordschatten des Gamsjochs werden sich wohl bis in den Hochsommer zu halten vermögen.

einzigartiger Blick auf Karwendelhauptkette und Falkengruppe mit den markanten Sonnenspitzen und Kaltwasserkarspitze sowie der knapp noch hinter dem Steinfalk zu sehenden Birkkarspitze

Der recht verschleißende Anstieg mit seinen bis jetzt gemeisterten Tücken erforderte doch tatsächlich viereinhalb Stunden, weswegen nun Eile geboten war, um die Ruederkarspitze noch zu absolvieren.

Falkengruppe im Westen (Steinfalk, Laliderer Falk, Risser Falk im Hintergrund, Turmfalk und Totenfalk, der Kleine Falk hinter dem Totenfalk nicht sichtbar)

Die Hitze in den Latschen am Abstieg erforderte nach dem Tiefpunkt 1.789 m eine kurze Pause bei der selbst bei bester Erinnerung an den Blick vom Gipfel an die freien Latschengassen eine Orientierung im Gelände nicht mehr nachvollziehbar war. Tendenziell steigt man nach der Scharte zu wenig rasch zum Gratrücken auf, höchstwahrscheinlich unter falscher Einschätzung der Ausdehnung des Großen Totengrabens.

Blick zu Pkt. 1.972 m vom Beginn des Aufstiegs gesehen

So mußte der Aufstieg über die kleinen Felsrippen noch auf der Westseite des Gratrückens führen und zusätzliche Anstrengung bedingen. Anschließend konnte unter viel Schweiß und Blessuren an Schienbein und Unterarm der Durchstieg durch die hohen Latschenfelder auf die Ostseite des Rückens gefunden werden, jedoch mit der Aussicht, daß das große freie Feld an seiner oberen Begrenzung wieder in einem dichten Latschengürtel endete, ein verzweifelnder Kampf mit kraftraubenden Passagen im schweren Unterholz.

Rückblick auf den Aufstieg zur Roßkopfspitze

Nach einer guten Stunde war der Gratkopf Pkt. 1.972 m (nur in AV-Karte) um 14:36 erreicht und der Bezwinger in ausgemergelter Verfassung mit aufgekratzten Schienbeinen, schweißgebadet und ohne nennenswerten Trinkvorrat. An dieser Stelle muß dem AV-Führer entschieden widersprochen werden, der den Aufstieg von Pkt. 1.789 m auf die Ruederkarspitze mit einer Stunde angibt. Das wäre möglich, jedoch nicht unter vorgenannten Bedingungen.

Blick zu Pkt. 1.972 m von ungünstigem Aufstieg an der Westflanke – es empfiehlt sich hier – rückblickend gesehen – eher gleich nach Pkt. 1.789 m ein Wechsel durch die Latschen auf die Ostseite (nach respektablem Abstand zum Großen Totengraben)

Die Wetteraussichten auf den Spätnachmittag waren mit Gewittern beschrieben und der Rückweg zum Parkplatz auf der Engerstraße über den unbekannten Abstieg und guten drei Kilometern Fußmarsch auf der Straße ließen die Entscheidung nicht schwerfallen, die Ruederkarspitze ein andermal zu absolvieren und noch bei gutem Wetter den Rückweg anzutreten.

auf Pkt. 1.972 m angekommen und bereits in den Osthang übergewechselt; rechts Ruederkarspitze

Mit einem letzten Blick auf den schönen Schichtenbau der Ruederkarspitze und auf die aufgesetzt scheinende Gipfelkuppe der Roßkopfspitze verließ der Verfasser nahe dem Pkt. 1.972 m in Richtung Engertal, um die Steigspuren zu finden, die sich erst auf etwa 1.700 m einstellen wollten.

Plumsjoch gegenüber und dahinter Seebergspitze (10 km)

Die obersten Schrofen mögen im hohen Gras sorgsam beschritten werden, sie sind sehr steil und bei Nässe heikel.

Gipfelaufbau Roßkopfspitze

Weiter unten am wirklich erlebenswerten Steig erfährt man urtypisches Karwendelerlebnis über archaische Passagen mit großer Steilheit, verschlungener Routenführung durch die abwechslungsreiche Vegetation und an einer markant gebogenen Lärche (1.585 m) einen guten Einblick in den gewaltigen Großen Totengraben.

an dieser markanten Lärche bietet sich ein atemberaubender Blick in die Schlucht des Großen Totengraben hinein

An der Grenze zwischen dem festen alpinen Muschelkalk und den Reichenhall Formationen zieht der teilweise sehr undeutlich ausgeprägte Steig im Graben weiter abwärts, immer recht steil und in kleinen Serpentinen.

Großer Totengraben mit beigen Rauhwackentürmen mittig; links oben Pkt. 1.789 m und rechts die Roßkopfspitze

Im engen Graben begegnet man großen Ausbuchtungen (Gufeln) und für das Karwendel untypischen großen Felsblöcken, die von Felsstürzen herrühren, besonders im unteren Teil des sich zur Schlucht ausformenden schmalen Grabens, zwischen 1.300 und 1.400 m.

die kleine Klamm mit sichtbarem Steig

Auf 1.300 m quert man aus dem Graben nach rechts und umgeht eine von links aufsteigende und nach rechts senkrecht abfallende Felsschuppe durch den Wasserlauf hindurch, mit einem kurzen Gegenaufstieg jenseits (undeutlich platzierter Steinmann). Damit werden die steilen Schluchtpassagen hinab zum Tal vermieden.

Felsschuppe im untersten Teil die links liegen gelassen wird

Die senkrechte Felswand zur Linken werden die letzten 175 Hm zur Straße im Engertal abgestiegen und zuletzt pfadlos durch den Wald und über die abgezäunte Wiese auf die Straße zurückgelegt. Von dort geht es 3,2 km talauswärts bis zum Parkplatz P6.

letzter Absteigsteil mit Engertal und links der Senkrechtabbruch der Felsschuppe

Für diese Tour möge man nebst Abenteuerlust eine ausgeprägte Orientierungsgabe, sowie – für die langen Partien in den Latschen im Hochsommer – genügend Wasser und keine Gewittervorhersagen am Nachmittag mitbringen, oder entsprechend früh losziehen.

Überquerung Gamsjochgruppe vom Engertal aus gesehen; links Ruederkarspitze, rechts Roßkopfspitze, dazwischen Pkt 1.972 m und Großer Totengraben

An Zeit sind für die abenteuerliche Runde 7:30 Stunden angefallen, die Streckenlänge beträgt knapp 12 km und der gesamte Aufstieg incl. der zahlreichen Suchen von Pfad und Durchkommen etwa 1.400m.

Mils, 24.07.2021

In diesem Bericht wird die Höhe des Punktes 1.789 m gemäß der AV-Karte Stand 2000 verwendet

Turmfalk, 2.200 m – Überschreitung zum Totenfalk, 2.130 m

Kaum mit ausführlicher Beschreibung in der Literatur zu finden sind Turmfalk und Totenfalk im östlichen Schenkel des wildromantischen U-förmigen Falkenkars. Diese beiden Falken stellen das nicht so lange und bergsteigerisch erbauende Gegenstück der Überschreitung vom Kleinen Falk auf den Risser Falk dar, sollen aber vom begeisterten Entdecker der Gipfel der Falkengruppe nicht unberührt bleiben. Das Abenteuer ist kurz und aufgrund der Brüchigkeit am scharfen Grat im ersten Teil durchaus anspruchsvoll.

Blick vom Turmfalk zum Totenfalk

Wer dem Zauber der freistehenden Falkengruppe bereits erlegen ist kommt nicht umhin sich mit einer Begehung aller sechs Gipfel zu befassen, möglicherweise auch einer Überschreitung  der gesamten Falkengruppe, unter Auslassung des sich nicht auf der gekrümmten Hauptkette befindlichen Steinfalk, und trifft spätestens mit diesen Gedanken auf diese beiden kleinen Gipfel, die deutlich im Schatten des mächtigen Laliderer Falk stehen, nach dessen Ersteigung man sie im Abstieg auch „mitnehmen“ kann. Vom Tal aus bestiegen bildet das archaische Falkenkar den einzigen Ausgangspunkt dieser Bergfahrt.

Totenfalk, Laliderer Falk und Risser Falk rechts am Weg ins Falkenkar

Vom Parkplatz P4 im Risstal wird das Falkenkar angesteuert. Eine Beschreibung mit mehr Bilder zum Zugang zum Einstieg ins Falkenkar findet sich im Bericht  vom Risser Falk, jedoch ist zu beachten, daß der Aufstieg vom unteren Karboden (dort endet die gute Fahrstraße) im Aufstiegssinn links vom Falkenbach, direkt am Ufer erfolgt, nicht rechts davon wo sich der Jagerstand befindet. Der Wasserfall (links im Aufstiegssinn) wird direkt angesteuert und rechts davon beginnt das wilde Steiglein zunächst über ein breites Band inmitten der senkrechten Felsen zur oberen Talstufe.

Wasserfall über die beiden Talstufen des Falkenkars

Des Morgens bietet der Steig ähnliche Verhältnisse wir nach Regen am Vortag – er ist teilweise sehr rutschig, was man im Abstieg nicht unterschätzen sollte, ist man der Meinung daß dieser so rasch wie gewohnt erfolgt. Das Nordkar trocknet nie richtig aus.

Einstiegpunkt in die Westflanke des Totenfalk

Nach dem dichten Latschengürtel – Baumbewuchs ist im Falkenkar weniger vorhanden – lichtet sich der Bewuchs allmählich auf etwa 1.600 m und weitere knapp 200 m sind bis zum Einstieg in die Westflanke von Totenfalk und Turmfalk zu bewältigen. Vom Wasserfall aus beträgt die Strecke bis zur Abzweigung vom oberen Karboden bis in die Westflanke (lt. TIRIS auf 1.780 m) eine gute Stunde.

Rückblick ins Falkenkar am Ende der Steigspuren

Die Steigspuren verlieren sich nach wenigen Minuten des Aufstiegs (in Gegenrichtung der bisherigen Richtung) an den felsendurchzogenen Schrofen der Westflanke des Totenfalks. An die Stelle von Steigspuren treten kleine Steinmänner, die nach einer Latschengruppe, deren Wurzeln man noch den Steig ansieht in direkter Linie durch die Westflanke führen.

durch die felsige Rinne zum oben wieder sichtbaren Steig

Nach kurzer Zeit im Schrofengelände wird eine felsig schuttige Wasserrinne erreicht, die vom Totenfalk herunterzieht. Dieser folgt man mit Stecken weiter solange sie noch nicht felsig ist und später in leichter Kletterei unter teilweisem Einsatz der Hände.

wieder am Steig

Am oberen Ende der Rinne befindet sich ein Schuttrichter mit deutlicher Ausprägung des nach rechts oben führenden Steigs. Geradeaus, in direktem Anstieg weiter, führt eine wenig erstrebenswert begehbare Rinne hinauf zum Totenfalk.

Westflanke zum Totenfalk – links von Simon mündet die Westflanke im Abstieg ein

Nun ist die Route bis hinauf zur großzügigen Scharte zwischen Turmfalk und Laliderer Falk sichtbar vorgegeben und es bedarf hier keiner weiteren Detailerklärung (Siehe auch Bild im Bericht Laliderer Falk).

steiles Falkenkar, grüne Rinn Scharte und Risser Falk

Kurz vor der Scharte mit dem nachfolgenden breiten und ebenförmigen Nordostrücken des Laliderer Falk zweigt man links in der schuttgefüllten Rinne zum Nordaufstieg des Turmfalken ab. Eine runde Scharte zwischen Turmfalk und einem Vorkopf  am Nordgrat bildet den Ausgangspunkt des Aufstiegs.

Abzweig links hinauf zur Grathöhe zum Turmfalk

Aus dieser Scharte kann der Aufstieg über die jenseitige Bergflanke bis zum Grat eingesehen werden. Sie ist im AV-Führer als Rinne bezeichnet, in Wahrheit jedoch handelt es sich um eine schmale Flanke mit jenseitiger Gratrippe, da sie in keiner Weise rinnenartig ausgemuldet Schutt transportiert noch einen sie formenden klassischen Wasserlauf darstellt.

Aufstieg jenseits des Nordgrates in der Nordostflanke, leichtes Gelände

Der Aufstieg ist unter Bedacht auf lose Trittpartien leicht, steil und erfordert den Einsatz der Hände. Die Stöcke haben wir deshalb bereits an der Abzweigung vom Steig zum Laliderer Falk verräumt. Oben wird der direkte Grat betreten.

Anstieg auf die Grathöhe am Nordgrat zum Turmfalk

Am Grat bietet sich ein guter Blick auf den nahegelegenen Steinmann des Gipfels am Turmfalk und rückwärts auf des Laliderer Falken Nordostflanke. Wenige Dutzend Meter leiten über den mittelbreiten geschwungenen Grat zum Gipfel.

Auf Grathöhe zum Turmfalk Richtung Norden

Die Aussicht am Turmfalk auf das umgebende Karwendel bietet keine bessere als jene vom Laliderer Falk, sie gibt jedoch einen Eindruck des Höhenverhältnisses auf die Gipfel in der Hauptkette der Falken.

Turmfalk, 2.200 m, im Hintergrund von Simon Laliderer und Risser Falk

Der Laliderer Falk in 700m Entfernung überragt den Turmfalk um 227 m, der Risser Falk in 1.380 m Entfernung um 215 m und der Kleine Falk in 1.420 m Entfernung unterragt ihn um 10 m. Schließlich beträgt die Entfernung zum Totenfalk 300 m und die Höhendifferenz -70 m, welche ein Grund wäre die Überschreitung besser in die Gegenrichtung zu unternehmen.

Simon beim „recognosciren“ der Überschreitung, im Hintergrund Hinterriss

Fasst man letztere Gegebenheit ins Auge muß man allerdings auch gewahr sein, daß man einen Zickzack Kurs auf die Falken unternimmt, es sei denn man unternimmt den Aufstieg in der Westflanke (unseren Abstieg) anstelle des bestehenden Alternativzustiegs (siehe dazu Foto der  Routen).

Überschreitung zum Totenfalk – erster Abstieg über losen Schutt mit großer Vorsicht

Der Abstieg vom Turmfalk und der folgende Übergang zum grasigen Vorkopf des Totenfalk stellen das Herzstück der Überschreitung dar. Sie sind durch zwei schwierige Passagen geprägt, von denen wir eine ausgeschlagen haben.

vorgelagerter Gratkopf mit Schlüsselstelle

Er erfolgt zunächst durch Schutt mit Bedacht auf einen kleinen Vorkopf hinter dem sich nach wenigen Metern eine schwierige Stelle verbirgt, die durch einen Haken und ein kurzes Stück Reepschnur mit Schlaufen entschärft wurde.

Schlüsselstelle – entschärft durch Reepschnur über ca. 2 m senkrechtem Abbruch

Im Prinzip wäre der Fels an dieser Stelle gut, um rein mit Tritten und festen Griffen abzusteigen. Die Hilfe durch die Reepschnur allerdings lässt diese normale Abstiegsart nicht ganz zu und so glaubten auch wir die Hilfe annehmen zu müssen. Von unten betrachtet, mit allen von oben der Sicht beraubten Tritten, sieht die Situation dann anders aus.

Schlüsselstell von unten, Tritte im Abstieg kaum sichtbar, jedoch recht fester Fels

Der restliche Abstieg in die nächste Scharte erfolgt in klettertechnisch leichtem Gelände, jedoch anfänglich auf schmalem Grat und unter beträchtlicher Brüchigkeit, deren Kombination die volle Konzentration erfordert.

weiterer Abstieg unterhalb, leichtes Gelände aber wieder jeder Griff auf Halt zu prüfen

Simons Trinkflasche rutschte im Abstieg, nahe der unten liegenden Scharte, aus der Seitentasche und polterte etwa 50 Hm falkenkarseitig hinab, wo sie sich zufällig verfing, er sie von oben erspähte und Willens war sie zu bergen.

Rückblick aus der Scharte auf den Abstieg vom Turmfalk

Der Punkt an dem sie lag befand sich nahe am alternativen Zustieg zum Totenfalk, sozusagen nahe am Normalweg. Wir hatten vereinbart, daß ich mir bis zu seiner Rückkehr zwischenzeitlich den weiteren Grat ansehen werde und dies über eine wackelige Zinnenburg von Gratmauer aus auf die nachfolgende Scharte unternahm.

weitere Aussichten am Grat, die Brüchigkeit rät zur Umgehung – im Hintergrund der zahme Gipfel des Totenfalk

Einige Schritte darüber hinaus konnte ein nächster kleiner und recht schmaler Felskopf mit einer Unmenge an Schutt auf seiner diesseitigen Flanke festgestellt werden, der die Lust auf die weitere Gratkletterei jäh schwinden ließ. Nicht einmal bis über das Köpfchen wollte das Bauchgefühl den alten Mann mehr führen, nein es entschied bei dessen Anblick den Rückzug. Schnell war dem erstaunten Simon zugerufen, daß er den Aufstieg nicht mehr zu unternehmen brauche, die Passage erschien nicht sicher kletterbar.

Umgehung 30 – 40 m unterhalb des Grates auf dem Normalweg

Im Abstieg zum Kameraden keimte sofort der Gedanke auf, daß die Begebenheit mit der Flasche eventuell keine zufällige sein mochte. Die Betrachtung der Gegenseite des Grates würde gleich zutage fördern, ob die Einschätzung des Gratabbruchs und die entschiedene Umgehung richtig war oder nicht.

Rückblick auf die schmale Gratschneide im unteren Teil der Überschreitung

Wir umgingen den mit ca. 30 bis 40 Hm geschätzten Gratabbruch auf dem Steig und drehten vor dem Graskopf, nach der ersten scharfen Gratschneide die der Führer bei der Begehung in die Gegenrichtung als „Umgehung auf einem Gamswechsel“ beschreibt, um, wobei uns ein sehr steiler und schneidig scharfer Grat entgegenblickte.

Totenfalk vom Graskopf aus betrachtet

Mit diesem Anblick waren wir einverstanden, bzw. mit der Entscheidung des Abbruchs der Kletterei am oberen schmalen Kopf. Zu beiden Seiten kaum die Möglichkeit einem drohenden Ausbruch an der Schneide auszuweichen, eher noch ostseitig denn falkenkarseitig, generell aber im Duo ohne Seilsicherung ein unnötig großes Wagnis – wie schön wäre dieses Sägeblatt mit einer Topsicherung im Aufstieg gewesen.

Totenfalk, 2.130 m, Simon beim Studium des Gipfelbuchs; leider kein Schreibgerät vorhanden

In bestätigter Stimmung keine leichte Passage in Feigheit ausgelassen zu haben marschierten wir dem Graskopf vor dem Totenfalk zu. Nach der Passage und einer weiteren seichten Scharte führten uns etwa 30 Hm zum flachen, grasigen Gipfel des Totenfalk.

die schwer zugänglichen – Roßkopfspitz und Ruederkarspitz

Dem unspektakulären Gipfel des Totenfalk ist eine interessante Überschreitung zu dessen nördlichem Bruder vorgelagert und diese Begehung erfreut am Ende der Überschreitung mit einigen schroffen Gratzähnen in solcherart Ausprägung unerwartet.

Gamsjoch, 8 km dahinter Hochglück und rechts Turmfalk

Zunächst besteht ein steiler und wiederum sehr brüchiger Abstieg über etwa 15 Hm bevor eine enge Scharte rechts entweder über ein paar Meter auf einen glatten Felsturm hinauf, oder etwa 2m darunter eine Kante auf dessen ausgesetzte Ostflanke führt, die ohne Höhenverlust in die wenig entfernte Scharte zum durchgehenden Gipfelgrat führt.

Übergang zum nördlichen Gipfel des Totenfalk

Wir entschieden uns für letztere und querten in sehr steilem Gelände auf guten Tritten und Griffen zwischen solchen, die nur zum Schein fest ausschauten. Jede Belastung eines potentiellen Stützkörpers mag in diesem Gelände einer echten Prüfung unterzogen werden.

hoher Gratkopf im Übergang

Durch die Querung ersparten wir uns den Eckzahn, sowie den kurzen jenseitigen Abstieg sowie einen zweiten, etwas höheren Zahn und gelangten fast direkt in die letzte Scharte vor dem Beginn des Schlussteils des Verbindungsgrates, der geringfügig mehr als 100 m Länge mißt.

Schlußteil am Nordgrat

Der Grat zum Abschluß  beginnt ostseitig mit einer wackeligen Zinnenwand wie im letzten Teil des Übergangs vom Steinfalk, glücklicherweise im Gehgelände. Man möge hier vorsichtig sein, im Vorbeigehen die spitzen Plattenfische nur anzusehen.

Aufstieg über höchst wackelige Partien auf den nördlichen Gipfel des Totenfalk

In der Folge führt der Grat fast im Gehgelände ein paar Meter aufwärts zum Nordgipfel des Totenfalk, dessen Plateau ein kleiner Steinmann ziert.

Nordgipfel Totenfalk mit Blick auf Hinterriss

Der Zugewinn dieses Übergangs besteht aus einer kurzen, anregenden Kletterei des ohnehin kurzen Abenteuers über die beiden östlichen Falken, einem sagenhaften Tiefblick auf das Risstal und der Möglichkeit mit dem Abstieg durch die Westflanke eine Runde zu beschreiben, sodaß kein Weg doppelt begangen werden muß, welches letztere wir auch unternahmen, um das Abenteuer erneut zu verlängern.

atemberaubende Sicht in die Tiefe des Risstals

Nach dem Rundblick und der Erinnerung an die schönste ausgeführte Überschreitung, die vom Kleinen Falk auf den Risser Falk führt und ein paar Minuten der Verinnerlichung machten wir uns auf den Weg über Schuttreisen ein paar Dutzend Meter abzufahren bzw. an eine günstige Stelle zur Querung nach Südwesten abzusteigen und eine noch unbekannte Anzahl von Rippen zu übersteigen, um in die breite, seichte Rinne zum Steig ins Falkenkar zu gelangen.

Rückblick vom Nordgipfel des Totenfalk auf den östlichen Schenkel der Falkengruppe

An günstiger Stelle verließen wir den direkten Weg in der grasig schuttigen Flanke und querten auf ein schanzenähnliches Band, um über die Klippe (geziert auf deren Schneide durch einen weithin sichtbaren runden Block mit etwa einem Meter Durchmesser) ins nächste Flankenteil zu übersetzen. Diese Passage war die leichte.

bizarres unbekanntes Abstiegsgelände in der alten Allgäudecke

Die etwas anspruchsvollere nächste Rippe, in reinem Felsgelände, erforderte einen weiten Grätschschritt, jedoch darüber hinaus keine wesentlichen Künste. Brüchig allemal, jedoch keine echte Schwierigkeit in die nächste schmale Rinne und auf eine erneute Rippe zu gelangen.

die Bänder wie Girlanden genutzt

Dahinter öffnete sich die sehr breite Westflanke, die von der Scharte zwischen Grashöcker und Totenfalk herunterzieht. In dieser Flanke führt der steile Abstieg direkt auf den Steig zum Falkenkar.

zum Trichterkar hinab über die Westflanke ins Falkenkar

Wir stiegen über die durchgehenden Grasbüschel abwärts, passierten vor dem Steig noch die oberste Latschengruppe und gelangten bequem auf den Steig, dem man etwa 100 m rechts abwärts folgt, bevor er in die oben beschriebene Felsrinne links in direkter Linie zum unten wieder sichtbaren Steig abzweigt und von dort in mäßiger Steigung in südwestlicher Richtung ins Falkenkar leitet.

Abstiegsgelände in der Westflanke

Von unten, vom oberen Falkenkar im Nachmittagslicht betrachtet leitet ein auffälliger kleiner Sporn in die Westflanke (roter Pfeil im Bild in der Galerie). Der Gipfelbereich des Totenfalk ist wegen der durchgehenden Steilheit der Westflanke von dort aus kaum richtig sichtbar, noch weniger im Aufstieg durch dieselbe. Man präge sich daher die Route so gut wie möglich ein, da beim Aufstieg sowieso alles anders aussieht als vom Karboden.

letztlich über Bergwiesen und an Latschen vorbei zum Steig

Der Aufstieg durch die Westflanke ist lohnender, vor allem aber schneller als die Zickzackroute und dem Normalsteig von Süden nach Norden. Wir haben in der Westflanke sogar einen Steinmann entdeckt und zwischendurch könnte man Steigspuren ausmachen.

Rückblick auf die Westflanke

Abschließend erfolgte das Erlebnis Falkenkar im Abstieg. Wer mit offenen Augen durch das Karwendel zieht, der erkennt im späten Frühjahr – und der beginnende Sommer muß im abgedunkelten Nordkar noch als das solche erkannt werden – kaum Blumen. Der auch für das Tier keineswegs förderliche Weiße Germer treibt sein Unwesen teilweise mitten am Steig und wenige Blütenfarben säumen den wildromantischen Steig selbst zu Beginn des Julis.

Rast im Falkenkar – der Riss durch den Nordteil der Muldung zur Nordwand wäre auch ein Aufstiegsweg zur Scharte zwischen Turmfalk und Laliderer Falk

Erst unterhalb des Wasserfalls, am unteren Karboden decken die mächtigen Erhebungen das grüne Kar nicht mehr dauerhaft vor dem Licht ab und tut es das Falkenkar dem sonst mit mannigfaltiger Flora so üppig überzogenen Karwendel gleich und läßt einige Arten sprießen. Eine Eigenheit, die der Karwendelgeher nur vom Falkenkar kennt.

Wasserfall über die Talstufen des Falkenkars hinab

Die Reise führt über 1.300 Hm Anstieg über die Gipfel, gesamt wurden für die Besteigung der beiden einsamen Falken in Ruhe knapp 7:30 Stunden benötigt, wobei es durchaus schneller ginge.

atemberaubendes Falkenkar

Sie lohnt als Einzelbegehung selbst beider Gipfel in Überschreitung eine lange Anfahrt nicht, es sei denn man ist besessen von der spürbaren Eigenheit der Falken innerhalb des Karwendels, oder hat sein Herz an sie verloren, oder beides.

Mils, 10.07.2020

Laliderer Falk, 2.427m

Der höchste Gipfel in der Falkengruppe, der Laliderer Falk, ist durch seine nicht ganz mühelose Besteigung ein eher einsames Ziel und sie kann als eine schöne Runde ausgeführt werden, mit einer rassigen Kletterei zu Beginn der Tour.

Laliderer Falk, 2.427m

Ausgehend vom Parkplatz P6 im Risstal wird zur Begehung als Rundtour über das Laliderertal in das Blausteigkar eingestiegen und von diesem über die Sprungrinne auf den Gipfel. Der Abstieg erfolgt über den Nordgrat und die Flanke des Turmfalken hinab in das Falkenkar mit Vollendung der Runde über einen bereits recht unbegangenen, halb verfallenen Steig um die nordöstlichen Waldhänge der Falkengruppe herum zurück zu P6.

links die runde Kuppe des Laliderer Falk, mittig Turmfalk und rechts Totenfalk

Wegen des wieder früh am Tag gewitterträchtig vorausgesagten Wetters starteten wir kurz nach sieben Uhr vom Parkplatz zum Steig in das Laliderertal, der Risstalstraße gegenüberliegend.

Das Team der Bergkameraden bestand aus Simon, Jürgen und Holger sowie dem Autor, wobei letztere beiden, Jürgen und Holger, bekannte Blogger sind und ihre Berichte zur Tour auf den Laliderer Falk unter folgenden Links nachgelesen werden können:
Jürgen auf Hikalife
Holger auf Gipfelträume

Das Laliderertal beginnt mit einer kleinen Geländestufe von etwa 100 m zum Risstal und der Steig führt auf den Fahrweg zur Lalidersalm. In der Morgenstimmung erscheinen die imposanten Laliderer Wände als mächtiger, unüberwindbarer Talabschluß im Morgenlicht.

auf dem Almweg ins Laliderertal einwärts

Nicht ganz auf halbem Weg zur Lalidersalm führt der eher flache Weg über zwei Kurven hinab in die Talsohle und östlich davon wieder mit leichter Steigung taleinwärts. Rechterhand öffnet sich mit zunehmender Einsichtigkeit eine Schlucht hinter der bis dorthin uneinsehbaren Flanke, die den Marchgraben bildet.

das Blausteigkar oben wird sichtbar, der Einstieg noch nicht

Über den Bachlauf oder dem begrenzenden südlichen Schuttkegel wird zum Beginn der Schlucht aufgestiegen.

die imposanten Laliderer Wände im Morgenlicht

Massive Reste des ungewöhnlichen Winters 2018/19 konnten wir selbst im späten August noch bestaunen. Gebrochene und abgerutschte Eisschneebrocken im
Bachlauf mit Dimensionen von Wohnzimmern nebst meterhohen Lawinenresten schafften eine Atmosphäre wie am Gletscher auf etwa 1.300 m – im Karwendel.

Anstieg zum Marchgaben

Die Schlucht zwingt zur Besteigung auf der rechten Seite im Aufstiegssinn und hier treten auch bereits die schwierigsten Abschnitte der gesamten Tour deutlich hervor.

gewaltige Dimensionen der Brocken

Wir hielten uns recht nahe am Bach und konnten die eine etwas ausgesetzte Stelle genau feststellen, die der Beschreibung des AV-Führers mit III- entspricht. Das restliche Gelände mit Bewertung II haben wir ebenfalls so empfunden.

Einstieg im Marchgarben

Möglicherweise könnte weiter entfernt vom Bach, bzw. von der Grabenverschneidung, über die begrünten Partien leichter aufgestiegen werden.

nach der Schlüsselstelle

In unserem Aufstieg waren vor und nach der Dreierstelle allerdings zwei alte Haken erhalten, die für die Wahl unserer Route als Normalaufstieg in der nordöstlichen Grabenflanke sprachen.

Schlüsselstelle

Nach Überwindung der ersten Steilstufe betritt man nach wenigen Minuten weiteren Aufstieges eine Flachstelle des Bachbettes, von der aus das folgende Gelände um den Bach weniger steil fortsetzt. Rechts im Aufstiegssinn muß jedoch noch eine unangenehme, eher griffarme Plattenfläche erklommen werden, bevor leichteres Gelände erreicht wird.

flacherer oberer Teil des Marchgrabens

Der AV-Führer spricht hier von einem Wechsel auf die linke Seite und der Fortsetzung des Aufstiegs in einem Rechtsbogen bis unter die Latschen.

Blick auf die Felsflanke gemäß Aufstieg AV-Führer

Gleich nach dieser Stelle trafen wir auf die nächsten Lawinenreste, die in ihren Dimensionen recht beeindruckend wirkten, nimmt man geodätische Höhe und Jahreszeit ins Kalkül. Dieser obere Bereich im Graben mutet an als könnte er gerne von beachtlichen Schneemassen gefüllt werden, die möglicherweise manchen Sommer überleben. Angesichts der heuer im späten August noch signifikant vorhandenen Massen jedenfalls den heurigen.

das einsame Kar beherbergt eine heute seltene Alpenblume

Mit unserer Entscheidung rechts vom Lawinenrest anzusteigen erkauften wir uns auch eine Querung der Flanke vom Laliderer Falken herunter. Oberhalb der Schlucht mit steilte die Flanke auf, bot aber guten Wettersteinfels zur Querung nach Osten in das unters Blausteigkar.

Erkundung einer Querung in die gegenüberliegende Flanke ohne Aussicht auf Erfolg

Ein Steinmandl inmitten der Querung ließ und wissen, daß nicht nur die Route des Führers, die unterhalb der Lawinenreste bereits die Flanke gewechselt hätte, sondern auch unsere Route eine öfters begangene Route sein sollte.

Querung oberhalb der Latschen beschlossen

Am Weg durch den eher abwärts geschichteten Fels in der Flanke lösten wir einige lose Partien aus, die mit dem typischen Geruch organischen Materials auf die Lawinenreste talwärts sausten und rasch verstummten. Ein Zeichen, daß der Anstieg ins Blausteigkar doch nur wenig frequentiert wird.

Querung durch die Felsflanke (Stellen II)

Wie noch jede wenig sympathische Querung endete auch jene mit dem positiven Gefühl anschließend erstrebenswerteres Aufstiegsgelände zu erreichen. Tatsächlich setzte sich der weitere Aufstieg in einer bewachsenen Steilflanke mit gutem Untergrund und Gamssteigspuren fort, bevor wir das Gelände, im Ansatz zum eigentlichen Blausteigkar hin, noch mit – für das Karwendel – untypischem und sehr großem Blockwerk gefüllt vorfanden.

Rückblick am Ende der Querung

Die Strecke durch das Blockwerk war mit etwa weniger als 100 Hm allerdings auch kurz und am Neigungswechsel zum Kar hin verschwand dieses auf knapp oberhalb von 1.900 m sehr rasch wieder.

am Ende der Querung

Das Blausteigkar erscheint nicht als typisches Karwendelkar, bei dem alle begrenzenden Flanken ihre Schuttreisen in das Kartiefste abladen.

daher der Name Blausteigkar?

An seiner Nordostbegrenzung, zur Sprungrinne des Laliderer Falken hin begrünt, vom Süden des Steinfalk herunter mit mächtigen Reisen beladen und im Westen mit einer fest erscheinenden und ebenfalls begrünten Flanke auf den Verbindungsgrat zwischen dem Pkt. 2.317 m und dem Steinfalken hin eher flach anmutenden Flanke erscheint es atypisch, vor allem bei der Begehung von unten.

im blockgefüllten Teil des unteren Blausteigkars

Die Sprungrinne, vom begrünten Schuttkegel aus gut einsehbar, erfordert vom Tiefsten des Blausteigkars aus noch einen kurzen mühsamen Aufstieg durch die Schuttreisen unterhalb ihres Endes.

die Sprungrinne erstmals sichtbar

Mag die erste Einschätzung der Sprungrinne von ihrem unteren Ende aus für das Auge recht undeutlich die linke Begrenzung als die geeignete erscheinen lassen, so wird noch weit vor Erreichen der ersten hundert Aufstiegsmeter klar, dass die rechte die richtige Wahl ist.

die Sprungrinne erreicht

Beide Flanken der Rinne neigen sich bald leicht gegen Osten und der Plattenfels der rechten Begrenzung tritt klar als die bessere Aufstiegsroute hervor.

Beginn der Kletterei in der Sprungrinne

Leicht zu klettern und weg von der uneinsehbaren, teils beklemmenden Rinnenverschneidung steigt es sich in der rechten Flanke der Sprungrinne komfortabel bis zur Verschmälerung, etwa nach zwei Drittel des Gesamtaufstieges zum Grat.

Rückblick auf das Blausteigkar

An dieser Stelle tritt der geologische Wechsel zwischen Muschelkalk und Wettersteinkalk – wie uns ein Altmeister der Geologie Tirols, Otto Ampferer, lehrt – deutlich zutage und sogar dem Laien muß die Andersartigkeit der Felsflächen westlich und östlich der Sprungrinne ins Auge fallen. Der Autor nimmt an, daß die Bezeichnung „Sprungrinne“ mit großer Wahrscheinlichkeit ihren Ursprung von dem von Ampferer beschriebenen „Sprung“ der geologischen Abfolge abgeleitet ist.

guter Fels rechts der Rinnenverschneidung

Im Aufstiegssinn rechts der Sprungrinne klettert man also auf (etwa ein paar Millionen Jahre) jüngerem Wettersteinkalk und die Unterschiede der beiden Rinnenseiten treten auch topografisch deutlich zutage.

Rückblick auf die ersten 50Hm Kletterei

Im Mittelteil folgt dem gutgriffig steil geschichteten Fels eine interessant kletterbare Plattenfläche, durchzogen von feinen bis groben Rissen, die in verschiedenen Schwierigkeitsstufen geklettert werden kann.

schöner Plattenkalk über etwa 40Hm

Die Verschneidung dieser (offenbar die Scherfläche des Sprungs) Fläche mit dem links (westlich) anlagernden Muschelkalk erwies sich in der Kletterei nicht so fein als die offene glatte Fläche, sodaß Holger nach anfänglichem Probieren auch auf die Platte wechselte.

Holger versucht in der Verschneidung zu klettern – quert dann auf die Platte

Gegen das obere Ende der Platte hin wird wieder gegen die Verschneidung hin gequert. In dieser Querung befanden sich bei unserer Begehung ein zwei kurze Züge, bei denen wir zwischen Feuchtflächen über die Platte herab auf Reibung angewiesen waren, die man durchaus als etwas anspruchsvoller (II bis -III) empfunden könnte.

rassige Stellen auf der Platte

Die Querung erfolgt zu einem schwarzen Schlund aufsteigend, der rechts liegen gelassen wird (leider hat der Autor verabsäumt die höhlenartige Vertiefung näher zu inspizieren) und an dessen Westseite durchaus steil zu einer gelblichen Störzone mit viel jungem Bruch weiter aufgestiegen wird.

unterhalb des Seitenwechsels

Wenig oberhalb der gelben Stellen verschwindet die schlechte Geologie wieder und die Rinne verbreitert sich. Unter viel Schutt als Füllung der flachen oberen Partie der Rinne wird die Scharte zwischen dem südwestlichen Vorgipfel und dem Hauptgipfel des Laliderer Falk erreicht.

durch die Störzone in den obersten Teil der Rinne

Über eher glatten jedoch genügend strukturierten Fels kann nun kurz vor der Scharte in leichter Kletterei östlich auf den Gipfelkamm, oder von der Scharte nordöstlich ohne Kletterei direkt zum Gipfel aufgestiegen werden.

Rückblick auf den Seitenwechsel

Den Gipfel des Laliderer Falk ziert kein Kreuz, obwohl er die höchste Erhebung in der Falkengruppe darstellt. Das Gipfelbuch wird im üblichen Gipfelsteinmandl verwahrt.

Jürgen und Holger oberhalb der Scharte – links von ihnen geht es auf Steigspuren zum Gipfel

Der Tiefblick auf die Ausgangsstelle im Laliderertal – dem Marchgraben –  erscheint vom Laliderer Falk in besonders eindrucksvollem Winkel von 50° zur Horizontalen, den man mit dem großen Höhenunterschied von 1.300 Hm nicht sehr häufig im Karwendel in dieser Dimension vorfindet.

den Gipfel des Laliderer Falk erreicht

Natürlich mit Ausnahme der naheliegenden Laliderer Wände, die zwar über einen weit steileren Winkel, allerdings nicht über einen dermaßen großen Höhenunterschied zur Basis verfügen.

beeindruckender Tiefblick auf den Ausganspunkt Marchgraben

Glücklicherweise schien uns das Wetter hold zu bleiben. Die umliegenden Gipfel waren zwar teilweise von Nebeln gesäumt, besonders eindrucksvoll das sieben Kilometer und 40 m höhere Sonnjoch im Osten.

Sonnjoch im Osten mit Nebelhaube, rechts Gamsjoch

Leider erlaubte die Bewölkung auch keine sonnenbeschiene Aufnahme der grandiosen Gratüberschreitung vom Kleinen Falk zum Risser Falk, die wir wenige Wochen zuvor mit großem Vergnügen durchgeführt haben.

Risser Falk und Kleiner Falk gegenüber – dazwischen die tolle Gratüberschreitung

Die weitere Planung – falls das Wetter halten sollte – bestand in der Erweiterung der Tour zur Runde über die Scharte zwischen Laliderer und Turmfalk, sowie dem Abstieg durch die Westflanke des Turmfalks (im Bild vom Risser Falk aufgenommen und mit Abstiegsroute) und diese gingen wir nach einer moderaten Gipfelpause an.

Abstieg über die Westflanke am Turmfalk

Zunächst muß vom Hauptgipfel des Laliderer Falk einige Dutzend Meter abgestiegen werden, um die Verbindungsscharte mit dem vorgelagerten Nordgipfel zu erreichen.

Abstieg über Rinnen vom Hauptgipfel bis zur Querung zur Verbindungsscharte mit dem Nordgipfel

Der Abstieg ist zum Teil mit Steinmandln gekennzeichnet, es bedarf jedoch guter Augen, um jene von oben immer auszumachen.

Querung zur Scharte

Aber auch ohne diese wird der Weg in der Nordwestflanke gefunden. Bei einem etwas größeren Schuttfeld nach dem Abstieg in kurzen Rinnen wird gegen Nordosten gequert und mit einigen Aufstiegsmetern die Scharte erreicht.

Querung in die Scharte

Jenseits derselben steigt es sich vorzüglich über ein gewendeltes schuttiges Band, das vom Hauptgipfel au gut auszumachen ist, bis zur Ostkante des Nordgipfels. Über diese steigen wir dann hinab auf den breiten schuttigen Nordostrücken des Laliderer Falk.

Scharte

Am Rücken hielten wir uns in Gratnähe zum Abbruch ins Laliderertal hinab (der Abstieg direkt auf der zentralen Fläche am Rücken wäre der Mühlviertlerweg) und über die grasigen Hänge in Schartennähe zum Turmfalk hin querten wir wieder auf diese zu.

erste Abstiegsmeter auf der Nordseite

Beim Anblick des Turmfalken von der Scharte aus reifte die Idee eines weiteren Abenteuers, aber dieses wird später einmal beschrieben werden.

phantastisch anzusehender Nordgrat mit Turmfalk und Totenfalk

Der Abstieg über die Nordostflanke ist kein sonderlich schwieriger, jedoch erfordert er eine gute Portion Orientierungsvermögen. Die Hangneigung ist groß und über die gesamte Strecke von oben uneinsehbar.

Vorbereitung auf den Abstieg

Kommt man also erstmals im Abstieg auf den teilweise vorhandenen Steig, so ist man sehr auf die Steinmandln und eben auf eigenes Orientierungsvermögen angewiesen.  In unserem Fall erwies sich das „Recognosciren“ von der Gegenseite – einige Wochen vorher, vom Risser Falk aus – als vorteilhaft für das Vorhaben.

Abstieg von der Scharte aus gesehen

Im Prinzip folgt der Abstieg im oberen Teil einem langen, abfallenden Band, das eine Trennfläche im Gebirgsaufbau darstellt. An der entscheidenden Stelle, in der man das Band verläßt und über eine Rinne in der Falllinie weiter absteigt, fehlt die Markierung durch ein Steinmandl – höchstwahrscheinlich aufgrund der ungünstigen Geländeform, die eine dauerhafte Markierung erschwert.

Rückblick auf die Nordostflanke des Laliderer Falk

Die Steigspuren verschwinden in grobem Kies und auf dem gewachsenen Fels in der Rinne, sodaß wir zunächst vor der Situation standen, am schrägen Band, dem wir so lange gefolgt sind, schon auf der nächst folgenden flacheren begrünten Rippe plötzlich keine Steinmandln und Steigspuren mehr vorzufinden und andererseits den Abzweig nach links in die Rinne aber auch nicht klar als Fortsetzung des Abstieges zu erkennen.

Rückblick auf den ersten Teil des Abstieges am abfallenden Felsband

Zunächst suchten wir vergebens auf der nächsten Rippe in etwa 200 m Entfernung eine Markierung mittels Steinmandl zu entdecken. Diese nächste Rippe ist leicht erkennbar, da sie vollflächig mit Latschen bewachsen ist und somit einen markanten Punkt darstellt.

typischer Steigverlauf über Rippen hinweg mit Steinmandln

Etwas irreführend sind die Steigspuren durch die Latschen, die wahrscheinlich nur Gamsspuren sind.
Damit lag also relativ klar auf der Hand, daß das lange abwärtsführende Band an dieser Stelle zu verlassen und in die Rinne vor der begrünten Rippe auf der wir standen einzusteigen ist.

an dieser Stelle im Steig zieht sich eine breitebegrünte Rinne bis zur Scharte zwischen Totenfalk und Turmfalk – das ist noch nicht die Abstiegsrinne

Als zweite Möglichkeit kam die breitere Rinne nördlich voraus in Betracht und ehe wir alle einig waren welche wir nehmen sollten steig Simon zur Erkundung nördlich voraus hinab.
Wir drei nahmen nun die Rinne am Ende der Steigspuren vor der Rippe auf der wir standen und entdeckten einige Dutzend Meter tiefer wieder Steinmandln – die Entscheidung war also richtig.

Ausblick auf die noch bevorstehenden Rippen

Weiter unten, etwa 100 Hm, sahen wir dann auch schon Simon beim rückwärtsqueren zur Rinne, in der wir uns befanden.

weiterer Abstieg durch steiles Gelände zur nächsten Rippe; unten sieht man die nächste Rippe vor der man ohne Steigspuren links in die Falllinie dieser Rinne absteigt

Die Rinne wird bis zu einer größeren Latschenfläche abgestiegen und dort wendet sich die Route im Abstiegssinn nach links (südlich) und quert recht flach zum Falkenkar hinaus.

Holger im Abstieg; hinten sieht man die letzte Rippe, die nicht mehr überschritten wird

Die Querung umgeht quasi noch einen letzten Steilabbruch und mündet in einen Schuttkegel sanft auf die Karwiesen ein. Das Falkenkar wird etwa auf einer Höhe von 1.780 m erreicht.

der Ausgang aus der Westflanke zeichnet sich ab

In der Frontalansicht vom Risser Falk gegenüber sieht die gesamte Route durch die Westflanke des Turmfalk logisch aus, die Tücke bei der Erstbegehung von oben ist aber, daß jeweils recht wenig des Abstieges einsehbar ist und über den Großteil der Westflanke im untersten Teil ungangbare, oder nahezu ungangbare Abbrüche warten, die man im Abstieg nicht herausfordern muß.

unten quert Simon zurück

Der restliche Abstieg über das malerische Falkenkar erfolgt bis zur Forststraße auf etwa 1.130 m auf gut sichtbarem, schmalem Jagdsteig mit einigen Quellen zum Nachtanken. Eine Beschreibung davon ist hier zu finden.

Ausgang aus der Westflanke ins Falkenkar

Um von der Forststraße möglichst auf kurzem Wege zurück zu P6 zu kommen, wählten wir auf der AV-Karte einen Steig um das nordöstliche „Eck“ der Falken, um den in der Karte benannten „Äuerlstuhl“ herum, der unweit des Parkplatzes in die Rißtalstraße einmündet.

Rückblick auf den Steig – zwischen den Latschen in der linken Bildhälfte wird bis zur unteren rechte Bildecke abgestiegen

Der Steig wird über die Forststraße erreicht, über die mit leichter Steigung bis zu ihrem Ende angestiegen wird. Kurz vor dem Ende befindet sich ein Jägerstand und durch den Wald sieht man auf der dahinterliegenden Bergwiese einen kleinen Felssporn, der vom Ende des Weges aus im Abstieg erreicht wird.

oberhalb des mit Latschen bewachsenen Kopfes in der unteren Bildhälfte wird von links nach rechts gequert

An diesem Felssporn beginnt der halb verfallene Steig, der sich lange sehr höhenparallel durch den Wald zieht, bevor er in einen Forstweg einmündet und fallend zur Rißtalstraße ausläuft. Von dort zurück zu P6 über kaum 10 min entlang der Straße.

Ansicht vom Holzplatz auf das untere Falkenkar; links oben befindet sich die Rippe, die schon nicht mehr begangen wird, auf der Rippe vorher wird abgestiegen

Somit benötigten wir vom Holzplatz im Falkenkar (1.130 m) bis zu P6 nur 50 min, kürzten somit signifikant ab und entkamen dem einsetzenden Regen bei Bier und Kuchen in der Garberlalm.

verfallener Steig um den Äuerlstuhl herum

Die gesamte Tour erstreckt sich über 1500 Hm Aufstieg und 8 ¼ Stunden Gehzeit incl. Pausen. Die Länge der Strecke beträgt etwa 12,5 km.
Anmerkung: Wenn der Abstieg nach Norden nicht bekannt ist und aus Wettergründen (Nebel?) ein zügiger Abstieg zurück durch die Sprungrinne erforderlich erscheint, kann auch der klettertechnisch einfachere Weg über den Kamm, der das Blausteigkar westlich bildet und die Grüne-Rinn-Scharte ins Auge gefasst werden. Allerdings erfordert diese Variante einen weiteren Aufstieg aus dem Blausteigkar bis auf den Kamm (etwa 250m), sowie die Überschreitung der Erhebungen bis vor die Flanke des Risser Falk mit weiteren Aufstiegsmetern. Jeder Rückzug aus dem Blausteigkar ist also mit nicht zu unterschätzendem Aufwand verbunden – ins Laliderertal mit einem bei Nässe unangenehmen bzw. gefährlichen Abklettern in den Marchgraben und über die Grüne-Rinn-Scharte mit weiterem Aufstieg sowie erheblich größerem Zeitbedarf.

Mils, 25.08.2019

 

Risser Falk, 2.414m – über Falkenkar mit Überschreitung zum Steinfalk

Wenig bekannt und zumeist nur von Spezialisten begangen sind die rassigen Gipfel der Falkengruppe im Nordosten des Karwendels, und ein Recke in Gestalt und Kühnheit unter ihnen, der Risser Falk, bietet einen unvergesslichen Anstieg aus dem Falkenkar.

Kleiner Falk und Grat zum Risser Falk von Hinterriß aus gesehen

Unglaubliche 170km Autofahrt sind vom Raum Innsbruck aus für diese Tour nötig (Maut 4,50.- für die Hinterrissstraße) und angesichts der Autokennzeichen möchte man meinen sich in Bayern zu befinden und doch befindet sich die Falkengruppe tief auf Tiroler Boden. Einige vereinzelte „SZ“ Fahrzeugkennzeichen lassen darauf schließen, daß die von Süden nur zu Fuß über die Vomperkette zugängliche Berggruppe zum dem Verwaltungsbezirk Schwaz und darin zum Gemeindegebiet von Vomp zugeordnet ist.

Parkplatz P4 gegen Kleiner Falk

Wenn man sich ein Bild von der Lage und Zugänglichkeit der Falkenruppe (dies gilt, mit etwas kürzeren Anreisen aus dem Osten und Süden, ebenso auch für die Gamsjochgruppe) machen möchte, dann seien folgende Möglichkeiten erwähnt, die in ihren Dimensionen ein untrüglich Zeugnis der Mächtigkeit der sperrenden Karwendelketten geben:
Wollte man eine Begehung der Falkengruppe vom Inntal aus begehen, so bräuchte man allein für die Anreise vom Süden, vom Parkplatz Bärenrast (Fiecht, Ortsteil von Vomp) zum Ausgangspunkt – der derzeit wegen Sanierung immer noch geschlossenen Falkenhütte – etwa sieben Stunden für 19km und 1.700Hm, von Hall aus über die Halltal- und Karwendelhauptkette etwa 13 Stunden für 32km und 3.450Hm. An einen Zugang von Süden her ist also nur mit Übernachtung zu denken.

Vom Westen her, von Scharnitz aus – hier könnte das Radl dienen – sieht es wesentlich besser aus, hier gibt es eine durchgehende Straße für die Radlfahrt, die in etwa vier Stunden bezwungen werden kann und mit 27km und 1.330Hm pro Weg für den konditionsstarken Fahrer in Kombination einer mittellangen Begehung in der Falkengruppe noch im Bereich einer Tagestour läge. Vom Osten bietet sich die auch schon nicht mehr kurze Autofahrt ins Falzthurntal bis in die Gramei an. Von dort besteht dann die streckenmäßig kürzeste Anreise von fünfeinhalb Stunden mit 14km und 1.380Hm, die großteils der Anreise von Fiecht entspricht und allerdings wiederum nur zu Fuß zu unternehmen ist sowie für den Normalbergsteiger ebenfalls eine Übernachtung bedingt.

Kleiner Falk mit Aufstiegsgelände links davon

P4 der Hinterrissstraße dient als Ausgangspunkt für die Rundtour mit dem Hauptziel des Risser Falken. Der Risser Falk ist mit 2.414m der zweithöchste Gipfel der Gruppe und nur um 14m niedriger als der Laliderer Falk etwa 1.000m leicht südöstlich davon.

Weg neben dem Rissbach, ca. 650m bis zur Abzweigung

Die Brücke über den Rissbach bildet den einzigen Zugang aus dem Risstal für alle Almen und Hütten im Johannestal (auf alten Wegweisern findet sich die Schreibweise Johannistal), auch für die Zufahrt aus dem Osten zum Karwendelhaus.

obere Abzweigung, links geht es in das Falkenkar

Dem Schotterweg wird zunächst 650m gefolgt, bevor rechts ansteigend abgezweigt wird. Nach wenigen Minuten wird die zweite Abzweigung ins Falkenkar erreicht, die durch einen Hochsitz und der rein optisch weniger benutzten Straße leicht erkenntlich ist.

Weg ins Falkenkar

Abermals nach wenigen Minuten biegt der Weg nach Süden und man erreicht auf 1.128m eine Flachstelle des Falkenkarbaches, die durch Spuren von LKW Befahrung einer Nutzung unterliegt.

am Bachboden zu Beginn des unteren Falkenkars angelangt

Links des Bachlaufes (im Aufstiegssinn; der Bach ist derzeit nicht zu sehen) setzt sich die Straße noch etwa 200m weiter in Richtung Kar fort und dies ist der richtige Anstieg im Gegensatz zum verlockend ausgeschnittenen Pfad rechts des Baches, dem man kurz vor Ankunft bei der Flachstelle geneigt wäre zu folgen (dieser äußerst gepflegte Steig führt in wenigen Minuten zu zwei Ansitzen und dient der hohen Jägerschaft zum schmutzfreien Erreichen Beobachtungsstände und endet dort auf der für den Aufstieg falschen Karseite).

dies ist der falsche Steig!

Am Ende des genutzten Weges, oder etwas weiter bergwärts muß sich der Anschluß an  einen Jägersteig finden lassen. Leider gibt es davon nur ein Foto vom Rückblick auf dem Steig, der der Autor nach Querung des Karbodens in der Höhe der ersten Felsabbrüche erreicht hat, weil er den falschen Pfad zu den Ansitzen gewählt hat und den Karboden queren mußte.

über den falschen Steig am Ansitz angelangt; auf der linken Talseite, etwa oberhalb der Höhle verläuft der Steig ins Falkenkar

Da der Aufstieg in der schattigen Nordseite der Falkengruppe verläuft ist selbst Mitte Juli des Morgens mit Tau auf dem hohen Gras zu rechnen und dies – nebst den Schneefeldern im obersten Karteil – ist ein Grund warum am Berg stets ordentlichen Bergschuhen gegenüber den lustigen Bergläuferpatschln (sog. Zustiegsschuhe) der Vorzug zu geben ist.

Steig gefunden – Aufstieg entlang der Felslinie

Den Steig erlebt man zusehends als ein Gustostück an Aufstiegshilfe, ist er doch interessant angelegt, kein ausgetretener Trampelpfad sondern eher ein recht selektiver schmaler Pfad durch eine total unberührte und großartige Zunternlandschaft. An dieser Stelle muß ein großes Lob an die Errichter – wahrscheinlich, wie so häufig in diesem Gebirge, Jagdgehilfen eines Adeligen Ende des 19. Jhdts – sowie an die heutigen Erhalter erteilt werden.

Rückblick auf den beginnenden Steig in der Schuttflanke mit Fahrstraße unterhalb

Wasser gibt es an mehreren Stellen, erstmals auf etwa 1.400m links neben dem Steig durch etwa 100m Zunterngebüsch, jedoch bequemer etwa 150Hm weiter oben als Quelle direkt am Weg (siehe Bildergalerie) und es lohnt sich diese Möglichkeiten zu nutzen.

Ansicht des Aufstieges in den Zuntern

Am Übergang des unteren in das obere Falkenkar – etwa auf 1.700m – wird der Zunternbewuchs deutlich aufgelockerter und weicht den Bergwiesen. Selbst dort wo der Aufstieg leicht zu finden wäre gibt es noch jede Menge Steinmandln, die wahrscheinlich eher von Bergsteigern errichtet wurden.

Rückblick am Beginn des oberen Falkenkares

Die Schuttreisen im oberen Falkenkar waren bei der Begehung Mitte Juli noch von beachtlich mächtigen Restschneefeldern bedeckt, welche den Aufstieg an deren Übergang zum Geröll etwas erleichterten.

im oberen Falkenkar

An der Engstelle des Kars tut man gut daran sich eher im linken Teil zu bewegen, die Brocken im Altschnee zeugen auf nicht unbeachtlichen Steinschlag über die rechte Flanke herab und einig kleinere Brocken donnerten auch bei des Autors Begehung herab.

Verlauf des oberen Falkenkars

Die Engstelle – etwa 50m Breite – befand sich unter völliger Schneebedeckung über die gesamte Breite. Auf der linken Begrenzung hätte man das Schneefeld über allerdings sehr abgerundeten, wenig griffigen und nassen Fels einen Kletteraufstieg eintauschen können, die selbst geschlagenen Stufen in den noch erstaunlich festen Schnee waren jedoch vorzuziehen.

Blick zur Engstelle im oberen Falkenkar

Die Strecke ist zwar eher steil, jedoch kurz und für den sicheren Steiger wären Grödel nicht von nennenswertem Vorteil gewesen (allerdings ist es gut vorstellbar, daß dieser Anstieg noch drei Wochen zuvor Steighilfen erfordert hätte und man denke zu Beginn des Sommers nach einem guten Winter daran, daß es sich beim Falkenkar um einen Nordaufstieg handelt).

Rückblick unterhalb der Engstelle

Im obersten Karabschnitt – die dunklen und senkrechten umrahmenden Felsen vor und in der Engstelle hinterlassen beim Ersteiger mächtig Eindruck – kam gegen 10:20 Uhr durch Sonnenbeleuchtung Aufhellung hernieder und gepaart mit der Aufweitung des Karkessels erfuhr der mühsame weitere Aufstieg über die Schuttreise plötzlich eine angenehme Freundlichkeit.

Aussicht auf die Grüne-Rinn

Angepeilt wird die markant sichtbare „Grüne-Rinn-Scharte“ im Westen des Karkessels mit ihrer ebenso markanten Schichtbauweise der durch Überschiebung entstandenen aufgestellten Kalkbänke.

Rückblick oberhalb der Engstelle

Die Grüne-Rinn selbst ist leicht zu ersteigen, wenn auch die Stöcke besser verstaut werden und wegen der Steilheit dann und wann die Hände zur Unterstützung zum Einsatz kommen.

Anstieg über Schuttflanken zur Grünen Rinn

Wegen dem Kollegen (übrigens der einzige angetroffene Bergsteiger an diesem Tag), der vor dem Schneefeld an der Engstelle überholt wurde, beeilte sich der Autor die Scharte zu erreichen, da er in der Rinne keinen Steinschlag erzeugen wollte. Deckungsmöglichkeiten sind in der Rinne nicht richtig vorhanden.

mitten in der Grünen Rinn

Über die Scharte hinausgeblickt bestätigt sich das sonderbare Gefühl ob der noch bei weitem nicht erreichten Höhe in der Beschreibung und man ist etwas verblüfft über die Bedeutung dieser Scharte in der AV-Karte, ist sie doch keine Scharte im Sinne eines Festpunktes für einen weiteren direkten Gipfelanstieg. Leider fehlt auch die Sicht auf das weitere Ziel und die Fortführung der Route muß erst erkannt werden.

Grüne-Rinn-Scharte mit Blick auf die andere Seite oben (gelbe Reepschnurschlinge um Felszacke schwer erkennbar – etwa Bildmitte

Hinter der Scharte wird zunächst einmal etwa 10Hm über ein Wiesenband abgestiegen (gelbe Reepschnurschlinge um ein Felsköpfchen markiert die Abstiegsrampe), bevor es jenseits davon in den Aufstieg zur nächsten, höhere und noch nicht sichtbaren Scharte weitergeht, die den direkten Aufstieg zum Risser Falken einleitet.

Rückblick auf die Querung mit Abstieg nach der Grünen-Rinn-Scharte (sieht schlimmer aus als es tatsächlich ist)

Der Aufstieg zur Scharte zum Risser Falk nach dem Übergang dürfte in etwa 50Hm betragen und liegt in der Draufsicht sehr nahe an der Grüne-Rinn-Scharte. Daher ist es auch recht schwierig in dem gebotenen Maßstab der AV-Karte die richtige Position darzustellen, genauso wie der Ersteiger erst nach eigenem optischem Eindruck der – zum Zwecke der Richtigstellung verfassten – Beschreibung im AV-Führer (Klier, 1996) einigermaßen folgen kann.

auf dem Weg nach oben zur nächsten Scharte nach der Grünen-Rinn-Scharte

Allerdings sei festgehalten, daß das Gelände in dem Bereich der beiden höchsten Falken in der Karte generell falsch, jedoch der weitere Anstieg von der Scharte im Kammverlauf auf den Risser Falk logisch ist und man sich keinesfalls versteigen kann, auch wenn man Karte und Führer nicht versteht bevor man das Gelände selbst erkundet hat.

Blick von der Verbindungsscharte hinab zum Aufstieg

Nun beginnt der Aufstieg mit Einlagen leichter Kletterei in nordwestliche Richtung auf den Risser Falk. Dem Autor ist es unverständlich warum dieser Gipfel zu Zeiten H. v. Barths als unersteiglich galt, sind die Kletterpassagen doch im Schwierigkeitsgrad II anzusiedeln und die möglichen Aufstiege über Falkenkar und vom Steinfalk her dem versierten Hermann sicher kein Geheimnis geblieben.

auf der Verbindungsscharte zum Risser Falk angelangt – Blick auf die Südostflanke

Warum also eröffnete er den schwierigen Anstieg über den nach ihm benannten Kamin auf der Südflanke, wenn es direkt an der Südostkante vorwiegend im Gehgelände möglich ist. Die Erklärung kann nur sein, daß es zu jener Zeit noch niemand ernsthaft probiert hat und angesichts des leichten Südostanstiegs auch sein offensichtlich gewählter Anstieg über einen sichtbaren Kamin (den der Autor beim besten Willen nicht ausmachen konnte) ein völliger Irrtum war.

rechts Scharte mit Übergang auf die rechte Gratseite

Nach der Scharte wird die Westflanke zu einem Steinmandl etwa auf gleicher Höhe gequert und jenseits davon, über ein paar kleine Rippen auf ein Schuttband zugestiegen, das in ein Wiesenband übergeht und zur Grathöhe leitet.

Aufstieg nach dem Übertritt und einigen Metern am Band entlang

Die Scharte wird nach rechts überschritten und auf einem schmalen Band, fast ein Steig, zu einer Steilpassage weitergegangen, die direkt durchstiegen wird und oben der Grat in Wiesengelände wieder erreicht wird.

schmales Band nach dem Übertritt

Anschließend folgt schräg nach unten gerichteter plattiger Fels, bei dem man sich nur trauen muß ihn auf Reibung zu nehmen. Alternativ hat er einen Riß, der einem Tritt Halt bietet.

Rampe zur Verschneidung hinab

Die Stelle leitet zu einer Verschneidung über die oben zum Kamin wird mit einem Klemmblock an der oberen Begrenzung. Durch diese schöne Passage wird entweder unter dem Klemmblock durchgestiegen, oder seitlich rechts davon oberhalb vorbei.

breiter Kamin mit Klemmblock oben nach der Verschneidung

Weiter folgt eine schöner Abschnitt am recht flachen und ausgesetzten Grat, mit einer Gehbreite von etwa knapp einem Meter, im ausgesetztestem Teil etwas schräg geneigt, jedoch sicher auf Reibung zu begehen.

unterhalb des Klemmblockes

Am Ende des schmalen Grates hinweg bis zum Abbruch der Grathöhe, der zum Absteigen über etwa drei bis vier Meter in eine Scharte zwingt und in der ein Türmchen rechts umgangen wird. Der weitere Verlauf leitet zum Gipfelaufbau über.

schöne ausgesetzte Schmalstelle

Anschließend an die Scharte wird über flachere glatte Felsen bester Gesteinsqualität zur nächsten Steilpassage aufgestiegen und die Grathöhe nach rechts in wiesendurchzogenes Steilgelände verlassen.

weiterführendes Gratstück mit erkennbarer Scharte links unten

Durch dieses hinauf in die echte Ostflanke des Risser Falk und oben flacher, in leichtem Gehgelände weiter bis zu einem mit Almrosen durchsetzten Rinne mit Steinmandl oben (möglicherweise kann man die Rinne auch rechts umgehen, beim Autor stand jedoch der Klettergedanke im Vordergrund).

Aufstieg jenseits der Scharte über festen, plattigen Fels und oben schräg nach rechts weiter

Am oberen Ende über weitgehend reines Gehgelände am flacheren Gratkamm in etwa 5min bis zum Gipfel.

nächste Kletterstelle – blumenbewachsene Rinne mit Steinmann oben

Der schöne und weithin sichtbare Risser Falk Gipfel entbehrt leider eines Gipfelkreuzes. Ein Gipfelsteinmann stellt die Verwahrung des Gipfelbuches sicher und die Häufigkeit der Besuche des Risser Falks kann an den jährlich etwa fünf Seiten Einträge in das Gipfelbuch abgeschätzt werden. Das Buch stammt aus dem Jahr 1983 und enthält wohl noch Raum für Einträge der nächsten 20 Jahre.

Gipfel des Risser Falk, 2.414m

Zum Zwecke des „recogniscirens“ verbrachte der Autor eine gute Stunde in diesem ihm neuen Teil des Karwendels. Ein lohnende rassige Überschreitungstour, die sofort ins Auge fällt fährt man nach Hinterriß ein scheint die Ersteigung des Kleinen Falk und die Überschreitung auf den Risser Falk. Dieser Übergang dürfte einer der schönsten in der Falkengruppe sein und fällt unter unbedingtes Interesse noch in diesem Sommer.

Gratverlauf Kleiner Falk bis Risser Falk

Gewaltig steht dem Risser Falk im Süden die Mauer aus den höchsten Gipfeln der Karwendelhauptkette gegenüber.

Blick auf die Ladizalm (links Falkenhütte)

Hier ein Blick auf das Gelände der Ladizalm mit den schauerlichen Nordabbrüchen der Karwendelhauptkette – es beherrschen das Bild die Sonnenspitzen und die Kaltwasserkarspitze.

Im Osten des Karwendels thronen Bettlerkarspitze, Schaufelspitze und Sonnjoch (letztere verdeckt durch den Laliderer Falk).

Gipfelaussicht nach Osten – von Guffert über das Rofan bis zur Bettlerkarspitze

Im Südosten kann rechts der runden Schulter der Gamsjochspitze in der Ferne sogar noch der 11,5km entfernte Hochnissl eingesehen werden.

Schaufelspitze im Hintergrund, Laliderer Falk und Gamsjoch bis Lamsenspitze

Über Lamsenspitze, Hochglück und der wenig bekannten und schwer zu erreichenden Spritzkarspitze über die Grubenkarspitze zur auffälligen Dreizinkenspitze und den Laliderer Wänden reicht der Blick.

von Hochglück bis zur Dreizinkenspitze

Im Süden ragt die bekannteste aller Gipfel mit der längsten zusammenhängenden senkrechten Wandflucht in den Nördlichen Kalkalpen auf, die Lalidererspitze, exakt über dem Ladizköpfl tief unterhalb in der Ladizalm gelegen.

im mittleren Bilddrittel die Lalidererspitze, der östliche und westliche Ladizturm (links neben dem dem östlichen L. lugt die Speckkarspitze hervor) sowie rechts davon die gewaltige Bockkarspitze; weiter rechts die Sonnenspitzen, sowie westlich davon die Kühkar- und die Moserkarspitze

Es folgen jeweils links und rechts der Ladizalm die Bockkarspitze, die mächtigen Sonnenspitzen, sowie weiter westlich die Kühkar-, die Moserkar- und die Rauhkarlspitze. Zwischen all den eindrucksvollen Gipfeln dringen immer wieder die Gipfel der Gleirsch-Halltalkette durch und es wird dem Autor ab nun ein leichtes sein, von jenen im Süden den Risser Falk im Norden auszumachen.

Rauhkarlspitze und gleich rechts daneben die Kaltwasserkarspitze, sowie die Birkköpfe im Hintergrund, die Birkkarspitze, die Ödkarspitzen, Seekar-, Breitgrießkar- Riedlkar-, Larchetkar- und zuletzt die Pleisenspitze;
die Arnspitzen (dunkler Turm in der Ferne) und die beginnende Nördliche Karwendelkette

Recht genau mit Peilung Südwest findet sich die gewaltige Kaltwasserkarspitze und links davon lugt sogar noch der höchste der Sägezähne in ihrem Südgrat hervor.
Nach der Kaltwasserkarspitze in Richtung Westen erspäht man bei guter Sicht in der Senke zwischen dem Pkt. 2.552 und dem Hochjöchl (2.413m) den Hohen Gleirsch mit 14,2km Entfernung bevor die Birkköpfe im langen Südgrat der mächtigen Birkkarspitze zu jener gewaltigen Erhebung überleiten.

In der Folge werden die Ödkarspitzen, in Verschneidung mit der Marxenkarspitze gerade noch die Große Seekarspitze, niedriger aber dafür gut zu sehen die Kleine Seekarspitze und rechts davon die Breitgrießkarspitze als markanter Punkt mit steilem dunklen Nordabbruch.

Weiter im Westen dann die Große Riedlkarspitze und fast in deren Flucht, Larchetkarspitze und Pleisenspitze.

Den auffallend dunkle abgerundete Turm im Westen stellen die Arnspitzen in ihrer Flucht dar bevor in deren rechten Flanke die Nördliche Karwendelkette mit Brunnstein- und Kirchlspitze beginnt. Dahinter das gewaltige Massiv der Wettersteiner mit der Zugspitze.

Östliche Karwendelspitze, Grabenkarspitze, Lackenkarkopf und Kuhkopf, rechts die Soierngruppe

Dem Risser Falk gegenüber die höchste Erhebung in der Nördlichen Karwendelkette, die Östliche Karwendelspitze und näher am Grat Grabenkarspitze, Lackenkarkopf und Kuhkopf. Direkt gegenüber die Talelespitze mit dem scharfen Übergang zum Kuhkopf, ein reizvoller Übergang, klettertechnisch nicht sehr anspruchsvoll. Ganz rechts finden sich die Vorkarwendelberge der Soierngruppe.

Gratverlauf über die Köpfe von Norden nach Süden

Da die einzelnen Scharten in der Falkengruppe einer genauen Erkundung bedürfen, die auch durch die Beschreibung im AV-Führer über die falsche Darstellung in der AV-Karte geweckt wurde, beschloss der Autor kurzerhand die Überschreitung zum Steinfalk (Steinspitze, auch Südlicher Falk genannt) fortzusetzen und die Runde über das Johannestal zu schließen.

Blick zum Gegenaufstieg nach der Scharte – der Aufstieg auf den ersten folgenden Kopf aus dieser Perspektive nicht sichtbar

Bei der Betrachtung der beiden im Süden folgenden Köpfen im Übergang kann man sich zuerst kaum eine mögliche Route ausmalen – diese Feststellung trifft man oft in Gratgelände an, da es den Anschein macht, daß ein frontaler Anblick eine senkrechte Wand darstellt, weil das Tiefenrelief fehlt. So ergeht es einem, der erstmalig von der Südostflanke des Risser Falk die beiden zu überwindenden Gratköpfe erblickt.

Scharte mit Gegenaufstieg

Zurück an der Ausgangsscharte wurde der untere Teil des Anstieges gleich klar. Zunächst geht es ein paar Meter auf die steile Ausgangsrampe in nordöstlicher Richtung und dann in der Kehrtwendung nach Süden die eher glatte Felsrutschung hinauf bis zur Verschneidung. An dieser auf schmalem Band nach Westen, also zur Abbruchkante hinaus und von dort mit einer Linkswendung recht bequem und leicht wieder nach Süden über die letzten Meter am Fels auf die Wiesenfläche des Gratkopfes. Es sollte sich bei diesem Kopf um den im AV-Führer benannten Pkt. 2.317 handeln.

Rückblick zur Südostkante des Risser Falk

Von diesem Punkt am Kopf führt die Route weiter zu einem weiteren, etwas höheren Kopf am Grat, wahrscheinlich der Pkt. 2.339 im AV-Führer. Dieser ist eigentlich der Kopf, an dem alle drei Grate auseinanderstreben.

Flanke des nächsten Gratkopfes

Wieder scheint aus der Ferne ein Aufstieg zunächst kaum möglich, aber über den breiten Gratkamm zum Tiefsten der seichten Einschartung angelangt gewinnt der jenseitige Aufstieg gleich an Idee im Kopf und noch bevor die Scharte erreicht ist erkennt man die Route rechts schräg über moderat steilen Fels guter Qualität einem Steinmandl am oberen Ende.

hier wird die Route deutlich

Die Schwierigkeit beider Aufstiege kann wohl mit I bis II- eingestuft werden und es besteht überall fester, nicht brüchiger Fels aus Muschelkalk.

Tiefblick ins Falkenkar

Der Kopf wirkt nur von Norden betrachtet als Kopf, in Wahrheit ist er ein längeres Gratstück, das mit einer schmalen Abbruchkante steil in eine tiefere Scharte abfällt, die im oberen Teil zum Falkenkar hin etwas ausgesetzt ist abgeklettert werden muß.

Gratabstieg in die tiefe Scharte

Das Abklettern erfolgt weitgehend über längsgeschichtete Rippen mit kaum querstehenden Leisten, die am besten mit Klemmung der Tritte gegen die Rippen bewältigt wird. Die Schwierigkeit würde der Autor mit II+ bewerten. Die Abkletterstelle ist kurz, erfordert aber ein wenig Zeit.

Rückblick auf den Gratabstieg mit längsstehenden Felsrippen (etwa im Tiefsten der Scharte abgestiegen)

Am Schutthang angekommen wird ein langes Stück auf recht festem Untergrund, teilweise wiesendurchwachsen gequert, bis die nächste Scharte erreicht ist, zu der noch ein sichtbarer Höhenverlust besteht.

Gratverlauf zum Steinfalk

Es folgt eine Umgehung des Gratkopfes auf dessen Westseite und erstmals wird eine rote Punktmarkierung sichtbar, die bis zum Gipfelkreuz des Steinfalken anhält.

Blausteigkar

In den Wiesen im Westen des Grates geht es nun relativ ohne Höhenverlust weiter bis zu einer markanten, auf den Steinfalk durchgehend hinaufziehenden Felsrippe, die eine unüberwindbar scheinende Barriere zum steilen Wiesenhang bildet. An einer ebenfalls markanten Stelle jedoch zeigt sich eine Unterbrechung der steilen Felswand und dies ist gleichzeitig der Zielpunkt des markierten Steiges auf dem man sich befindet.
Vom Felsdurchschlupf an der Steinfalk Westflanke besteht ein toller Rückblick zum Risser Falk.

Querung auf markiertem Steig – der Ausstieg durch die Felsrippe gut sichtbar

Die Flanke zum Steinfalk ist, wie schon vorher beschrieben, ebenfalls mit ausgebleichten, jedoch dem geübten Auge nicht verborgen, Markierungen versehen. Etwa 140Hm führen über Schutt und Wiesen auf den Steinfalk auf 2.348m.

Ausstieg durch die Felsrippe des Steinfalk

Der Rückblick auf den schönen Kopf des Risser Falken ist hier nochmals einen solchen wert. Auch tritt vom Steinfalk aus der Verlauf des Nordgrates vom Kleinen Falk hinauf näher ins Blickfeld, sowie die sogenannte Sprungrinne, der Normalaufstieg zum Laliderer Falk vom Blausteigkar aus.

Rückblick vom Ausstieg

Die weitere Runde führt nun über den bezeichneten Normalweg in Richtung zur Ladizalm hinab, wobei hier noch die Umgehung der Arzklamm (Arzgraben) erwähnenswert erscheint.

Steinfalk, 2.348m

Diese Klamm wurde aus Gesteinen der Lechtaldecke gebildet (Rauhwacken und Reichenhaller Schichten) und ist unbegehbar.

Blick auf die Gratüberschreitung vom Risser Falk

Der Steig führt unterhalb der Grathöhe  in der Flanke hinab und vor dem Erreichen der tektonischen Grenze der beiden aufeinandertreffenden Gesteinsdecken erfolgt eine Umgehung auf der Stirnfläche des Wettersteinkalks durch Aufstieg zur abgeflachten Grathöhe in nur wenigen Meter Entfernung von furchtbaren Abbrüchen in der enorm gestörten und zerscherter Geologie der Reste der Lechtaldecke. Ein eindrucksvoller Übergang verschiedener Zeitepochen.

Abstieg vom Steinfalk am Normalweg Richtung Ladizalm

An diese wilden Abbrüche anschließend befindet man sich auf eher flachem Almgelände mit dem Steig zur Falkenhütte hinab.

Arzklamm – bizarre Abbrüche

Um Zeit zu sparen beschloß der Autor in der Bachverschneidung direkt zur Ladizalm abzusteigen. Dies ersparte den Umweg im Bogen zur Falkenhütte, die ohnehin geschlossen und daher kein ansteuerbares Ziel für eine Erfrischung in Frage kam.

Almidylle auf der Ladizalm

Nach der Ladizalm blieb der 8,5km lange Fahrweg mit wenigen Abkürzungsmöglichkeiten als Rückweg zum Parkplatz, der in etwa ein dreiviertel Stunden bis zum Parkplatz in Anspruch nahm. Er mag zwar als Hatscher bezeichnet werden, ist aber zum Erreichen eines vollständigen Eindruckes der Falkengruppe notwendig zu Fuß begangen zu werden.

Überschreitung im Rückblick unterhalb der Ladizalm

Auf die Minute pünktlich erreichte der Autor unter den ersten Regentropfen eines sich schnell gebildeten Gewitters dann den Parkplatz P4 wieder.

Risser Falk vom Johannestal aus

Die gesamte Strecke der grandiosen Runde betrug 18,5km (horizontal gemessen) bei 1.700m Aufstieg und einem Zeitbedarf incl. der einstündigen Gipfelpause am Risser Falk von knapp neun Stunden.

Mils, 20.07.2019

Sonnjoch, 2.457m

Ein letzter mächtiger Ausläufer des Karwendelhauptkammes vor dem Achensee, der Sonnjochkamm, trägt als höchste und namensgebende Erhebung das schöne Sonnjoch. Freistehend zwischen der Lamsenspitze und dem nächst höchsten Gipfel im Kamm, der Schaufelspitze, bildet der massive Felsbau des Sonnjoches von allen erdenklichen Positionen des Karwendels aus den auffälligen Blickfang einer recht gleichseitigen Pyramide.

Sonnjoch, 2.458m

Darüber hinaus hat sie hat auch geologisch einiges Besonderes für Karwendelverhältnisse zu bieten wodurch ihre Ersteigung also nahe lag.
Allerdings wollte der Verfasser nicht den Normalweg von Süden als den Aufstieg wählen, sondern den wesentlich reizvolleren und rassigeren Steig über den Bärenlahner, der bergsteigerisch und auch landschaftlich viel mehr zu bieten hat.

vom Sonnjochgipfel zum Achensee geblickt

Aus dem wunderbar alpinen Anstieg und dem leichten Abstieg über die Südwestflanke mit Besuch des Gramei Hochlegers läßt sich somit eine interessante Rundtour schmieden, die einen wenig begangenen Aufstieg und einen – bei viel Gegenverkehr – gut nutzbaren breiten Abstieg bietet, sodaß der eher schnellere Geher nicht verzagen muß. Die Runde eignet sich für ein Halbtagesunternehmen.

das mächtige Felsmassiv des Sonnjoches

Allerdings bietet die Mautstraße am Ausgangspunkt nicht viel Platz zum Parken, sodaß ein frühmorgendlicher Aufbruch nicht nur mit einem vielleicht sogar schattigen Abstellplatz bei der Rückkehr am Nachmittag, sondern auch mit nur leichter Sonneneinstrahlung über die Bergänger hinauf bis zum Bärenlahner belohnt wird. Die Änger sind durch ihre südöstliche Lage bereits ab dem Sonnenaufgang im effektivsten Winkel voll bestrahlt.

Steig von der Falzhurntalstraße

Zu Beginn des Steiges, der sich zunächst einige Minuten flach in Richtung Bachbett hinzieht, fällt am Wegweiser des Tourismusverbandes der Hinweis auf, daß für den Steig gewisse Voraussetzungen vonnöten sind und dies mag als Ausnahme für diesen Steig auch vom  Verfasser bestätigt werden. Für einen Wanderer ohne alpine Erfahrung ist der Steig nicht geeignet und es ist leicht möglich, daß so mancher Ungeübte im oberen Teil innerhalb der steilen Nordostflanke in Bedrängnis gerät.

der Bärenlahnersattel ca. 700Hm oberhalb

Bevor der Steig steiler wird und in den Mischwald rechts dem Bärental eintaucht kreuzt er noch den Bach, einmal nach links und gleich wieder zurück nach rechts im Aufstieg.
Der Wald spendet über schätzungsweise 250Hm Höhenmeter im August bereits am Vormittag wohltuenden Schatten.
Am Ende der Waldstrecke quert der Steig einen steilen Anger mit einer kleinen Hangrutschung, worauf gleich danach, etwas unterhalb des Steiges oberhalb eines höheren Abbruches , eine Quelle zum Auftanken der Wasservorräte genutzt werden soll, dies ist die einzige wasserführende Stelle im Anstieg.

Rückblick oberhalb des Waldes

Weiter wird über Bergwiesen mit wenig Bewuchs angestiegen, abgesehen von einem gleich folgenden und dichten letzten Latschenfeld, zur Rechten immer dichter an die Felsmauer der Schaufelspitzensüdwand annähernd.

Querung oberhalb des Waldes

Weiter oben, die 1.700m Marke bereits überschritten, bildet sich rechts ein Schuttkar mit Brocken der hohen Wand oberhalb und links davon die weiterhin wiesenbedeckte Rippe von den weniger beeinflussenden Gratpartien des Grates zum Sonnjoch aus. Der Steig wendet sich auch eher nach links, den Wiesen folgend.

Aufstieg durch Reichenhaller Schichten

Auf den letzten 200Hm zum Bärenlahnersattel auf 1.993m, knapp 700Hm nach dem Start im Falzthurntal,  kann linkerhand eine besondere Felsformation betrachtet werden, die sich vom sonst dominierenden Wettersteinkalk abhebt, die Reichenhaller Schichten, ebenfalls Kalkgestein, jedoch älter und aus seichterem Ursprung des Meeres.

die senkrechte Wand der Schaufelspitze deren unterer Sockel aus Muschelkalk gebildet wurde

Am Bärenlahnersattel wird ein toller Blick gen Westen, zur Gamsjochspitze und dahinterliegend zur imposanten Falkengruppe, mit dem auffällig massigen Massiv des Laliderer Falks erreicht. Die kecke Felsspitze hinten mittig ist die Steinspitze, der Südliche Falk.

am Bärenlahnersattel gen Westen zur Sonnjochgruppe geschaut

Der Blick gegen die Abbruchkante zur Schaufelspitze läßt den IVer im oberen Teil deutlich vermuten. Der Wunsch einer Gratüberschreitung des gesamten Sonnjochkammes mag bei vielen, so auch beim Verfasser, an dieser Wand scheitern – vor allem, wenn sie im Abstieg genommen werden soll. Vom Falzthurnjoch bis zur Schaufelspitze können die Überschreitungen auf diesem Blog nachgelesen werden, nicht aber diese Wand.  Vielleicht noch nicht.

die Südkante zur Schaufelspitze – mit Stellen IV

Am Bärenlahnersattel beginnt ein Gratabschnitt, der mit etwas Auf und Ab aber grundsätzlich stetiger Steigung nach Süden gegen die Nordostflanke des Sonnjoches hin führt.
Die AV-Karte täuscht hier etwas, der Grat ist einerseits strukturierter als dargestellt, andererseits seine Lage im oberen Teil weiter in der Ostflanke, denn am Grat. Dieser Abschnitt ist der rassige und für den bloßen Wanderer nicht geeignete.

etwas westlich des Grates geht es weiter zum Sonnjoch

Über Wiesen geht es zunächst etwas westlich der Abbruchkante zum Bärenlahner dahin. Gleich fällt die gewaltige Schichtstärke der Wettersteinkalkplatten an der dunklen Nordflanke des Sonnjoches auf. Es ist diese eine der stärksten Ausprägungen im Karwendel. Und nicht nur die Schichtstärke sondern auch der eigenartige Verlauf der Abbrüche, der Rätsel über die Ursache der sonderbar u-förmigen Abbrüche mit langen Gleitbahnen aufgibt.

Gratverlauf zum Sonnjoch – der nächste nicht mehr bewachsene Gratkopf besteht aus Muschelkalk und wird westseitig umgangen

Angesichts dieser Erscheinungen wird der sich im Aufstieg zum letzten Felskopf vollziehende geologische Wechsel zwischen Wettersteinkalk und Muschelkalk übersehen. Der letzte schräg gelagerte und im Abstieg zu umgehende imposante Gratkopf ist bereits aus Muschelkalk gebildet. Für den Laien kaum sichtbar, mit der Investition von etwas Zeit aber strukturelle Unterschiede in Form, Farbe und Oberfläche erkennbar.

imposante Abbruchszenen des Wettersteinkalksockels an der Sonnjoch Nordflanke

Der Aufstieg aus der westlichen Umgehung erfolgt über unangenehmes Schuttgelände, über den Steig dicht neben der Felskante angelegt. Etwas leichter mit weniger Rutschgeröll kann der Aufstieg weiter rechts in mehr blockigerem und festerem Schuttgelände erarbeitet werden.
Oben gelangt man in eine kleine Scharte hinter der man endlich Klettergelände vermuten würde und das Gegenteil zutage tritt.

dieser Muschalkalkkopf wird durch kurzen Abstieg und längerem Aufstieg im Schutt westseitig umgangen

Wiesendurchsetzte Geländepartien leiten um eine Kante herum in die Ostflanke des Sonnjoches und die Kletterei läßt auf sich warten. Dieser Abschnitt scheidet unter den Begehern die Streu vom Weizen, denn nun befindet man sich in einer steilen Flanke, die nicht jedermanns Sache ist.
Sie führt in wenigen Serpentinen hinauf zum Grat, immer in wiesendurchsetztem Gelände und unschwierig für den der solche Partien gewohnt ist.

am Ende des Aufstieges in der Gratscharte zurückgeblickt

Der untere Teil des Sonnjochmassives besteht aus dem üblichen Wettersteinkalk im Karwendel, dessen Ausbildung auch im Norden in äußerst imposantem Plattenbau zu besichtigen ist. Gewaltige ausgebildete Plattenstärken von Wettersteinkalk, die – für Karwendel – in fast einzigartigen Dimensionen mächtiger Abbrüche ins Grameikar zu sehen sind.

der imposante Gratturm aus Muschelkalk gebildet

Dem empfindsamen Naturbeobachter fällt die ungewöhnlich dunkle Farbe des Deckgesteines am Sonnjochplateau und dem Rücken zum Südwestabstieg so richtig  ins Auge.

Blick in die Ostflanke – hier wird zunächst über Wiesen- und Felsbänder aufgestiegen

Er kennt eine solch untypische Kombination von Erscheinungsbild und Farbe von seinen Karwendeleindrücken kaum bis gar nicht. Es handelt sich um den alpinen Muschelkalk, der optisch just an der Südflanke und am Gratrücken des Sonnjoches besonders augenfällig in Erscheinung tritt. Tatsächlich bildet Muschelkalk das obere Drittel der Sonnjochpyramide, aber am Rücken zur Südwestflanke erkennt ihn mit etwas Beobachtungsgabe auch der Laie.

kurze Kletterstelle – leicht

Weiter unten an der Südwestflanke treten nicht minder imposante Reichenhaller Breccien auf, die oberhalb der Schafrinne den Steig hinab zum Gramei Hochleger mit bizarren Türmen und steilen Abbrüchen deutlich vom östlichen Teil der Bergflanke scheiden.

Rückblick in die Ostflanke

Die Überschiebung des Karwendels mit Gesteinsschichten unterschiedlichsten Alters ist hier besonders gut zu erkennen und der Blick auf die gegenüberliegende Seite im Süden zum Hahnkampl zeigt erneut anderen Fels und zwar vorwiegend Hauptdolomit mit eingelagerten Raiblerschichten. Farbe und Form in deutlichem Unterschied zur Südwestflanke des Sonnjoches – eine geologische Party mit Nachbarn aus allerlei Zeiten – deren unterschiedliches Alter in Millionen von Jahren jeder Vorstellung entbehrt – dicht an dicht gelagert.

ein paar Minuten zum Gipfel des Sonnjoches

Zum Kessel des Gramei Hochlegers hin ist es für den geologisch Interessierten augenscheinlich vorbei mit Entdeckungen, die zunehmende Almwiesenfläche verdeckt das Grundgestein.

Rückblick auf den tollen Anstieg – unten am Grat der Muschelkalkkopf

Dafür tritt die Almwirtschaft mit Jungrindern optisch und zunehmend akustisch ins Blickfeld. Zahlreiche Gruppen von Galtvieh bevölkern die Wiesen neben dem Steig und sie sind an den sonderbaren Artgenossen, die mit nur zwei Beinen im Leben stehen und mit unpassenden Farben am Leib und mit Gepäck am Rücken durch die Gegend stolpern rein gar nicht interessiert, wie es eben äußerst aggressive behornte Untiere so an sich haben.

Blick vom Sonnjoch nach Westen ins Zentralkarwendel – im Vordergrund Muschalkalkterassen

Die Schutzhütte am Gramei Hochleger sollte nicht links liegen gelassen werden. Zum einen bietet sie einen phantastischen Blick in den Kessel zu Hahnkampl und Grameijoch sowie zu den bizarren Hauptdolomitbauten des Rauhen Knöll und der Rappenspitze, zum anderen lohnt das kulinarische Angebot eine Rast in jedem Fall.

der Muschelkalkkopf des Sonnjoches vom Westen aufgenommen

Unterhalb der Alm führt ein Steig mit ungeahnter Schönheit talauswärts hinab durch prächtige Bergwiesen, gespickt mit dem Blauen Eisenhut – von alters her ein tödlich Gift und frei für alle, die Übles im Schilde führten und als Pflanze auch heute noch ein Blickfang.

Grameier Hochleger

Die imposante Bach-Kaskade vom Einschnitt zum Künigskopf herunter wäre fast einen Versuch wert seitlich davon aufzusteigen, um die vermuteten Gumpenbecken zu erkunden – eine seltene Schönheit.

der giftige Blaue Eisenhut

Nach einem Waldstück und der Querung des Baches wird der Abstieg etwas flacher. Die Bergtour als solches gleitet nun in die Rückwanderung ins Falzthurntal aus.

tolle Bachkaskade

Die letzte fotografisch interessante Position befindet sich bei einer Rastbank im flachen Teil nach der Bachquerung. Von dort kann man hinter der Melkstation des Gramei Niederlegers mit Holzzuberfreiluftbadewannenkarwendelblick das schöne Falzthurntal aus erhöhter Position letztmalig bis weit hinaus einsehen.

Blick in das Falzthurntal auf den Grameier Grund

Über den Grameier Grund führt die Rundtour wieder aus dem hinaus Falzthurntal und die anregende Landschaft dort zieht junge Familien auf Sonntagsausflug gleichermaßen an wie den Bergsteiger, nur daß deren Räder am Wagen die kleinen Gipfelstürmer früher stoppen als ihnen lieb ist.

die gewaltige Südflanke des Sonnjoches

Manchmal trifft man dort sogar seine eigenen Verwandten und rechnet damit so wenig, daß man fast aneinander vorbeigeht.

Abschlußblick in die Gramei

Die abwechslungsreiche kurze Runde mißt knapp 10km und kann incl. einer halbstündigen Rast am Hochleger in gut 5 Stunden absolviert werden. Knapp 1.300Hm werden erklommen. Der Erholungssuchende rechne eine oder eineinhalb Stunden mehr.

Mils, 18.08.2018

Seebergspitze, 2.085m – kurze Spritztour von Pertisau

Die Seebergspitze hoch über Pertisau stellt eine leichte und eine ideale Runde für Schnellentschlossene dar und für jene, die auf der Suche nach einem Halbtagstraining sind.
In phantastischer Kulisse geht es die 1.155Hm von Pertisau hinauf und je höher man steigt desto schöner die Aussicht.

auf der Seebergspitze

Blicke, tief in den zentralen Teil des bizarren Karwendels im Westen, das schöne Rofangebirge im Osten und die Vorkarwendelberge im Norden – alle Schönheiten der Gegend nur durch einen kurzen Anstieg und eine moderate Parkgebühr erlebbar.

Start vom Parkplatz einem zunächst unscheinbaren Steig folgend

Gleich anschließend des Parkplatzes um die Kurve auf der der Asphaltstraße nahe der Seepromenade zu einem der hangseitigen Hotels zweigt der etwas versteckte Steig in den Mischwald zur Seebergspitze ab.

in das Falzthurntal g’schaut

Im Wald quert der Steig über Serpentinen zunächst zwei Spazierwege und nach einer Minute bildet er sich hangparallel zum Seebergsteig aus, der flach nach Westen führt. Diesem kann man auch folgen und weiter westliche bergauf ansteigen, die Beschreibung hier bezieht sich aber auf die direkte Route, die in weiteren Serpentinen bis zu einer flacheren Stelle „Hochried“ führt (siehe Karte in Bildergalerie).

über zuerst Mischwald, dann Nadelwald führt der Steig aufwärts

Kurz danach dreht der Steig leicht nach rechts im weiten Bogen um Schrofengelände zur Linken herum, um oberhalb wieder nach links zu drehen. Dieser Bogen ist von lichtem Wald und toller Aussicht auf den Achensee gekennzeichnet.

bis eine steile Querung herrliche Blicke freigibt

Oberhalb des Bogens im Aufstieg vereinigt sich der Steig wieder mit dem alternativen Anstieg über den Seebergsteig – die Geländestufe, die somit umgangen wird ist die „Schafgufel“ (siehe Karte). Anm.: „Gufel“ bedeutet so viel wie Felsnische, die bei Wettern Schutz bietet. Eine solche Stelle kann beim Aufstieg nicht leicht ausgemacht werden.

der Steig führt durch leicht felsiges Gelände

Nach der Umgehung der Wände der Schafgufel leitet der Steig auf etwas falscherem Terrain weiter zur Roßalm und der bewaldete Hang bildet sich mehr und mehr zum latschenbewachsenen Bergrücken aus.
Die Lichtungen zwischen den Latschenfeldern der verfallenen Roßalm (es gibt keine Almgebäude mehr, dafür eine Jagdhütte rechterhand) verjüngen sich weiter oben – auf etwa 1.800m – wieder und das Ziel, die Seebergspitze,  wird in der Ferne erstmals sichtbar.

in das ehemalige Almgelände der Roßalm

An dieser Stelle und in der Folge begleiten den Wanderer tolle Blicke nach links und rechts ins Karwendel und auf das Rofangebirge. Der Bergrücken wird nun schmaler und bildet sich zum sanften Grat aus, der etwa einen guten Kilometer lang bis zur Seebergspitze aufgestiegen wird.

ab ca. 1.800m wird der Gipfel der Seebergspitze sichtbar

Zumeist befindet sich der Steig am Gratrücken ganz oben mit kurzen Abweichungen nach links und rechts, in günstigen Passagen der Vegetation ausweichend.

am Kamm wird der Anstieg teilweise flacher

Manche Stelle am durchwegs leichten Gratsteig führt über Schärtchen mit steilen Abbrüchen rechterhand und es empfiehlt sich an diesen wenigen Stellen übermütige Kinder gut im Auge zu behalten.

und führt über einige Schärtchen mit auf und ab entlang

Abschließend, kurz vor dem Gipfel wird der Grat nochmals etwas steiler, bevor das schöne große Holzkreuz der Bergrettung Maurach erreicht wird.

beeindruckend tiefe Schluchten ab und an in der Ostflanke des Grates

Die Seebergspitze besticht durch ihre freistehende Lage mit wirklich erlebenswerten Aussichten rundum. Besonders gut ist das Abklingen der wilden Kolosse des Karwendels nach Nordosten und die Gesamtansicht des Rofangebirges zu betrachten.

dem Gipfel nahe

Erlebenswert muß auch die knapp 1,7km lange Gratstrecke zur Seekarspitze sein, die sich von der Seebergspitze aus vollständig einsehbar präsentiert.

Seebergspitze, 2.083m

Diese Überschreitung könnte gleich noch etwas spektakulärer zur 18km langen Rundtour mit Abstieg über die Seebergalm und dem Rückweg über den Steig am Westufer des Achensees erweitert werden – heute jedoch ist auf der Seebergspitze Schluß.

Übergang zur Seekarspitze

Eine weitere Möglichkeit die Besteigung der Seebergspitze zur Rundtour auszubauen ist der Abstieg über den westwärts ausgerichteten Steig zum Pasillsattel und zur Pletzachalm.

die ersten Boten des Frühlings

Die Begehung des Autors an dem so schön begonnenen Maitag mußte im Abstieg rasch erfolgen, wollte er nicht nass werden – von Westen her näherte sich eine Gewitterzelle, die einen kurzen Schauer über die Achenseeregion brachte, die tollen Eindrücke der Besteigung aber in keiner Weise zu trüben vermochte.

Anstieg zur Seebergspitze: über den Mischwald geht es hinauf; ab der freien Almfläche in den Latschen weiter, zuletzt am schönen Grat entlang.

Die Strecke vom Parkplatz bis zum Gipfel beträgt knapp 5km und führt über 1.155m Anstieg ans Ziel. Man plane 4 1/2 Stunden für Hin- und Rückweg ein, in 3:19 gesamt wäre der schöne Berg in unnötiger Hast erledigt.

Mils, 19.05.2018

 

Stanser Joch 2.102m – Überschreitung über Kaserjoch nach Pertisau

Das Stanser Joch, von Einheimischen „Staner Joch“ genannt erhebt sich mit auffallend glatter Flanke über das Inntal und bietet einen langen, kraftraubenden Aufstieg ab Stans.

Stanser Joch Gipfel, 2.102m

Die direkte Route bis zum Mittelgebirge ist für den ortsunkundigen mittels der AV-Karte leicht zu finden und führt vom Parkplatz vor der Wolfsklamm (570m) rechts davon, über die auslaufende Siedlung, in einem auffälligen Graben zur netten Kirche Maria Tax östlich der Wolfsklamm.
Beim Kirchlein Maria Tax wendet sich der Anstieg westlich wodurch man auf den Heuberg gelangt.

am Heuberg angekommen

Auf der Asphaltstraße am Heuberg, nach rund 300m weiteren Marsches nach Westen, befindet sich die Abzweigung zum Stanserjoch. Zuerst geht es gut 100Hm auf dem Schotterweg weiter, bevor bei ca. 1.000m Höhe ein Steig direkter als die Almstraße den langen Rücken bergauf führt. Dort beginnt nach bereits zurückgelegten 450Hm der fast 1.000Hm Aufstieg zur Stanser Alm.

die alte Stanser Alm

Von der Stanser Alm kann man dem weiteren Steigverlauf folgen, oder, zwecks Einsparung von Weglänge zuerst auf einem Schotterweg zu den Lawinenverbauungen gefolgt werden, um dann etwas höher und weiter östlich querfeldein auf Almwiesen den langgezogenen Gipfel zu erreichen.

Stanser Alm mit Hochnisslkamm im Hintergrund

Das imposante Gipfelkreuz – errichtet 1964 – markiert den höchsten Punkt, jedoch ist der gesamte Gipfelbereich westlich davon kaum niedriger, während er östlich davon gleich zum schmäleren Rücken abfällt.
Die Verbauungen gegen den Wind auf der nördlichen Seite prägen das Bild des Gipfelbereiches stark und er bildet keine Bereicherung für Fotos in den Achenseeraum.

Achensee bis Gerntal

Bis zum Gipfel habe ich 2 3/4  Stunden benötigt, mit einer kurzen Pause auf der Alm.
Nun beginnt ein langer Teil am Rücken der Kette mit alleine 3,8km Luftlinie bis zum Kaserjoch. Die Auf- und Abstieg sind zwar nicht besonders hoch, dennoch empfand ich diesen Teil der Überschreitung als recht anstrengend im Schnee.

Lawinenschutz über Stans

Die Schneedecke präsentierte sich überraschend hart gefroren, wodurch es möglich war ohne Gamaschen zu gehen. Eingebrochen bin ich nur auf steileren Hangstrecken – wie üblich – mit entsprechend stumpfem Winkel zur Sonne.

Pkt. 2.136m

Am Abstieg vom Ochsenkopf ändert sich das Gestein. Nach dem Gipfelbereich des Stanser Joches gebildet aus Wettersteinkalk fielen mir nun Muschelkalk, Rauhwacke und Brekzien auf. Ab dort ändert sich das Gestein häufig und ist von der Reliefüberschiebung geprägt.

Abstieg vom Ochsenkopf mit Bilderbuchaussicht nach Westen

das Gipfelgelände des Ochsenkopfes ist aus Muschelkalk gebaut.

Muschelkalk am Ochsenkopf

Brekzien tauchen in einem Gelände auf an dem sie nicht gebildet worden sein können. Ein Indiz für die Reliefüberschiebung.

Brekzie am Ochsenkopf

Das weite Schneekarl macht derzeit seinem Namen alle Ehre, die Schneeauflage ist dort im oberen Teil schon fast durchgehend vorhanden.

in der Flanke des Schneekarls

Zwischen Gamskar- und Kaserjochspitze wird ein Abstieg über ca. 50m zum Verbindungsweg notwendig. Er kreuzt hier Murenrinnen.

phantastischer Blick in die Nauders Alm mit der Lamsenspitze dahinter

In diesem Teil des Kamms befanden sich die meisten Gämsen, an die zehn Gruppen mit fünf oder mehr Tieren bekam ich über und unter mir zu sehen.

die dominierende Rappenspitze am Kamm, am Fuße das Kaserjoch

Am Kaserjoch beschloss ich eine kurze Rast. Zwei Bergsteiger befanden sich am Südabstieg von der Rappenspitze und ein dritter kam den selben Weg hinter mir auf das Joch. Eine seltsame Begegnung mit Gleichzeitigkeit im abgeschiedenen, teilverschneiten Karwendel im November.

der kühne Hauptdolomitbau der Rappenspitze

Im Nordhang der Rappenspitze war der Schnee auch am frühen Nachmittag bock hart gefroren was einen komfortablem Abstieg ins Nauderer Karl ermöglichte. Ab dort galt es den Anstieg für die Schitour auf die Rappenspitze zu erkunden.

vom Kaserjoch in das Nauderer Karl geschaut

Der oberste Hang nach dem Karl bedarf aufgrund seiner Steilheit wirklich guter Schneeverhältnisse, um die Schitour sicher ausführen zu können.

Stimmung am Nauderer Karl an einem Novembernachmittag

Selbst bei den momentanen Schneeverhältnissen steigt man lieber neben den ausgetretenen, gefrorenen Steigspuren, um nicht ins Rutschen zu kommen. Das Tiris zeigt Geländeneigungen von durchgehend 30-35° und Stellen, unten bei der Querung des Steilkars unterhalb der aufsteigenden Wände mit 40°.

Der Steilhang unterhalb des Nauderer Karls

Unterhalb der Felswände führt der Steig mit mäßigem Gefälle quer zum Schutthang zu einem Wiesenhang weiter.

Querung unterhalb der Abbrüche von der Kaserjochspitze

Nach der Querung Richtung Nordost geht es flacher durch den Wiesenhang weiter.

Abstieg am Hang zum Verbindungsgrat

Der Steig trifft dann weiter unten rechterhand an die Felsen des Verbindungsgrates zum Dristlköpfl und hier wir das Gelände teilweise wieder steiler.
In der Flanke des Hanges führt der Steig mit Anstieg auf den Verbindungsgrat und weiter über schätzungsweise 40-50Hm auf das Gelände der Dristlalm.

unterhalb der Felsen zum Verbindungsgrat, der Steig führt wieder aufwärts

Es stellte sich hier die Frage wie diese Passage im Winter begangen wird, hier ist ein zweimaliger Höhenunterschied zu absolvieren, der wohl Abfellen im Aufstieg und Auffellen in der Abfahrt bedeutet.

Rückblick vom Rand des Almgeländes auf den Verbindungsgrat

Über das konstant fallende Almgelände erreicht man die malerische Dristl Alm auf 1.645m. Von allen umrahmenden Seiten betrachtet würde man das Gelände dieser Alm nie so groß einschätzen wie es wirklich ist, ein abgeschiedener toller Rastplatz.

die Dristlalm mit dem Hintergrund des Sonnjochkammes

Der restliche Abstieg erfolgt über das untere Almgelände und anschließend durch das Legertal bis zur Falzthurnalm.

unteres Almgelände der Dristlalm mit wunderbarem Blick zur Roten Wand und der Hohen Gans

Ich konnte es wieder nicht lassen zu erkunden und stieg auf 1.200m nicht zur Falzthurnalm ab, sondern folgte dem Weg talauswärts weiter, der nach einigen Hundert Metern endet. Allerdings sah ich am Ende einen kaum sichtbaren Wildsteig weiterziehen und folgte diesem  teilweise weglos bis zur Kreuzung bei dem die Straße über die Brücke auf die orografisch rechts Talseite quert und die asphaltierte Fußgängerstraße nach Pertisau beginnt.

Blick zurück Richtung Dristlalm

Diese Abkürzung sei nur demjenigen empfohlen dem Tannenadeln im Nacken und hindurch schlüpfen zwischen Ästen nichts ausmacht. An die 150Hm Abstieg sind so zu bewältigen.

diese Fortstraße führt nicht bis zum Talboden

Der Rest der Tour bis Pertisau erfolgt fast strafweise auf der für Fußgänger asphaltierten Straße bis knapp nach der Mautstelle. Dort befindet sich die Bushaltestelle des Postbusses, der den Bergsteiger um 5,40.- Euro zum Bahnhof Jenbach fährt (an Samstagen zu jeder Stunde, jeweils ein paar Minuten nach voller Stunde und über VVT im Internet per Handy abrufbar). Vom Bahnhof Jenbach erreichte ich eine S-Bahn nach Stans (1 Station) um 2,90.- Euro und ab Pertisau benötigte ich dafür 1 1/4 Stunden. So komfortabel hätte ich mir die Rückreise nach Stans nicht vorgestellt.

Stanser Joch im Rückblick von Pertisau

Weil noch etwas Zeit bis zum Bus blieb gab es noch ein Bier am See und da der Bus auch am Bootshaus hält konnte ich dort bequem einsteigen.

Die Gesamtdauer der Tour betrug 7 1/4 Stunden und die Bergsteigeruhr zeigte genau 1.800Hm. Die Streckenlänge der Tour, über Outdooractive ermittelt, beträgt 20km.

Mils, 04.11.2017

 

 

Hohe Gans 1.951m – auf erdgeschichtlich interessanten Pfaden

Bei gut einer Hand tief relativ frischer Schneedecke bereits unterhalb der 2.000m Marke – und das auf Südhängen – erscheint am Nationalfeiertag eine höher angelegte Bergtour nicht besonders passend, vor allem nass und rutschig, wenn es einen nicht gerade auf einen Nordhang verschlägt.

Die Rote Wand am Fonsjoch im Morgenlicht, dahinter die Hohe Gans

Also kam eine Erkundung eines, gegenüber vom Plumssattel aus recht auffällig sichtbaren, roten Felsabsturzes am südlichen Rande des Grates des langgezogenen Fonsjoches in Frage, sowie der Grat selber. Natürlich nicht ohne Vorbereitung, was denn wohl dieser, in der Abendsonne tiefrot leuchtende Abbruch interessantes zu bieten habe. Rote Kalkfelsen im Karwendel – ein sonderbar Ding – und da ich bereits immer wieder ein wenig mit der Geologie kokettiere, erwies sich, nach dem Studium einiger Facharbeiten im Internet, meine Vermutung als richtig, daß es sich um jurassische Schichten handeln müsse.

die Rote Wand am Fonsjoch im Zoom vom Weg zum Schleimssattel gesehen

Darüber hinaus erbrachten die angestellten Nachforschungen, daß es sich sogar um äußerst fossilreiche Gesteinsschichten handelt, wenngleich auch der eigentlich reichlich verfügbaren aber ungemein mühsam zugänglichen Literatur zu entnehmen ist, daß das Auffinden von Ammoniten in diesem Gebiet heutzutage nur mehr Zufälle darstelle und nur bei Ereignissen wie Hangrutschungen die Chance auf interessante Funde bestünde.

am Schleimssattel, rechts zur Schleimsalm, links zur Montscheinspitze

Ammoniten? Es handelt sich dabei um Meerestiere, die besonders im Erdmittelalter weltweit verbreitet waren, seit der Kreidezeit aber ausgestorben sind. Ihr Name „Ammoniten“ oder „Ammonshörner“ rührt von der ägyptischen Gottheit Ammon her, dessen Widderkopf immer mit gewundenen Hörnern dargestellt wurde. (Quelle.: Wolfgang Voigtländer, Die Ammoniten vom Fonsjoch im östlichen Karwendelgebirge).
Ammoniten, auch Kopffüßler, „Cephalopoden“ genannt, gehören zu den Tintenfischen. Ihre Bedeutung für die Bestimmung des Erdalters ist beträchtlich, deshalb spielen sie in der Geologie und Paläontologie eine wichtige Rolle. Hier wird jedoch nicht näher darauf eingegangen, aber es sei erwähnt, daß erst in den letzten 20 Jahren in den USA eine neue Spezies entdeckt wurde, Psiloceras spelae, dessen Unterart, Psiloceras spelae tirolicum n. ssp, just hier in unserer aufregenden Bergwelt des Karwendel, am Kuhjoch, 5km entfernt vom Fonsjoch gefunden wurde.
In der Galerie befinden sich zwei Grafiken mit den Bezeichnungen der Körper- und Schalenteile eines Ammoniten.

vor der Überschüssalm

Die Hohe Gans war eigentlich nicht als primäres Ziel der Tour geplant aber es sei an dieser Stelle erwähnt, daß sich ihre Ersteigung vom Rundblick her lohnt. Wer nicht an den Ammonitenfunden, sondern an der Hohen Gans interessiert ist der lese weiter unten beim Kartenausschnitt weiter.

Hervortreten des Liaskalkes am Sattel der Roten Wand, darüber jüngere Schichten arg aufgeworfen

Zunächst erfolgt der Aufstieg vom Parkplatz nach der Pletzachalm über die Almstraße auf den Schleimssattel und nordöstlich davon zur Überschüssalm auf 1.640m.
Bereits auf ca. 1.450m kann das Gebiet der Begierde, die ausstreichenden Abbrüche der Roten Wand, in vortrefflich rötlicher Farbe im Morgensonnenlicht eingesehen werden.

Schichtenabfolge am Kamm der Roten Wand im Detail (Kössener Schichten, „Oberrhätischer Grenzmergel“?)

Von der Überschüssalm habe ich zunächst den Anstieg mehr oder weniger dicht an der Geländekante über das weglose Almgelände genommen.  Bald wird dort die scharfe Abbruchkante erreicht, über die das Felsengelände teilweise eingesehen werden kann.

Am Kamm zwischen Roter Wand und Pasillalm

Wegen der Schneeauflage verzichtete ich auf einen Einstieg in den Fels sondern stieg bis zum Gratrücken auf, in der Hoffnung dort einen einfachen Abstieg zu finden. Tatsächlich bot eine mannshohe Rinne auf der Westseite einen komfortablen Abstieg, in meinem Falle jedoch in knietiefem Schnee.
Unten angekommen muss ca. 20Hm zurück auf den Gratrücken gestiegen werden, um auf die begehrtere Ostseite dieser Liaskalkfelsen zu gelangen.

Blick zum Juchtenkopf

Dort erkennt man gleich die schönen gelblich bis roten Felsen mit fester, blockiger Bauweise, aufragend aus dem steil abschüssigen, teils erdigen Gelände mit vielen, teils Kubikmeter großen Trümmern darin. Seit weit über 100 Jahren – so meine spätere Recherche aus Fachartikeln im Internet – befaßt man sich paläontologisch sehr detailliert mit diesem kleinen Stück Erde. Das Fonsjoch ist neben dem Kuhjoch eine der wenigen Fundstätten von speziellen Ammoniten (Psiloceras planorbis) die eine wichtige Zeitkartierung darstellen.

Blick vom Sattel über die Rote Wand hinab

Steigspuren gibt es keine ersichtlichen, was nicht gerade auf reges Interesse an der geschichtsträchtigen Felsenfront hindeutet. Also stieg ich an den Felsen hinab und versuchte sie vom Fuße bis in eine überblickbare Höhe auf Spuren von Ammoniten ab. Leider wurde ich bis weit den Steilhang hinab nicht fündig, weshalb die größeren Brocken in der weichen Steilrinne in die engere Wahl meiner laienhaften Untersuchung kamen.

Graben mit erdigem Material vor der Roten wand

Ich kann hier vorwegnehmen, daß es sich kaum bis gar nicht gelohnt hat einen Hammer und einen Meißel mit hierher zu nehmen, denn bei der Härte der Kalke ist die Spaltung eines verdächtigen, signifikant großen Brockens nicht möglich. Weiters muß man nicht glauben, daß ohne eine – zumindest geringe – Vorbildung in der Fossiliensuche einerseits die richtigen Felsbrocken auswählen und andererseits die richtige Art der Zerlegung durchführen kann. Somit kam ich mir ziemlich verlassen und erfolglos mit den Werkzeugen in der Hand vor und packte diese rasch wieder in den Rucksack.

tonig mergelige Lagen im Graben vor der Roten Wand, im Vordergrund der harte Liaskalk

Ungeduldig streifte ich mit vom schmelzenden Schnee in der Erde verdreckten Bergschuhen von Felskante und erdiger Steilrinne hin und her und hatte knapp vor der Hälfte der Steilrinne die Hoffnung aufgegeben, daß etwas brauchbares gefunden werden könne, bis sich in der Steilrinne ein besonderer Blick auftat.

erster Fund – gleich ein Abdruck eines sehr großen Tieres

Dort trat ein markanter, in seiner Höhe horizontal gespaltener Felsbrocken mit ca. 50x50cm ebener Fläche aus dem Hang herausragendem Teil, der – so schien es mir – fachmännisch gespalten wurde und ein wunderschönes Bild eines Negatives eines ca. 25cm im Durchmesser über die Wohnkammer (siehe Erklärung weiter unten) messenden Ammoniten freigelegt zeigt.

links daneben kleinere Abrücke und ein sehr kleiner Ammonit noch unzerstört (links vom Hammerschaftbeginn)

Neben dem großen befinden sich zwei Negative von kleineren Ammoniten (etwa 10cm Durchmesser) und ein freigelegter kleiner Sektor von einem unzerstörten Miniexemplar von etwa 3 bis 4 cm Durchmesser. Der Anblick ließ natürlich das Herz höher schlagen und ich versuchte die Fläche mit Tee aus dem Proviant etwas abzuspülen, um bessere Ablichtungen zu erhalten. Dies jedoch mit mäßigem Erfolg wegen der Menge Tees die ich bereit war zu opfern und Schnee half nicht, weil er nicht rasch zerschmolz.

erster Fund aus anderer Perspektive, nach Teiltrocknung der Oberfläche

Nachdem ich bis zum Zurückspringen des Meißels vorher vergeblich versucht habe den tiefer roten festen, homogenen und sehr kompakten Liaskalk zu knacken, war mir nun zumindest die optische Erscheinung des Trägermaterials bekannt, die potentiell diese Geheimnisse in sich birgt. Erfahrung lehrt eben – allerdings konnte ich den Scherflächten dieses festen Liaskalk-Gesteines auch etwas abgewinnen und zwar hexagonalen Kristallwuchs – bei weitem nicht so klar wie ein Bergkristall, aber auch nicht so matt wie üblicherweise der im Kalk sehr heimische Calcit. Dieser Kristall muß noch untersucht werden, weswegen ich eine Probe abgeschlagen habe.

Kristallbildung am beinharten Liaskalkfelsen

Zur Auffindung von Ammoniten mußte also nach gelblich-ockerfarben und rotem bis tiefrotem Gestein Ausschau gehalten werden, das teilweise auch durch graue bis dunkelgraue runde Farb-Einschaltungen (m. E. Peripherieformen oder Versteinerungsprodukte der Körper von Muscheln) durchzogen war (Schöll Fm.?). In jedem Fall mußte es ein Felsband sein, daß keine homogene Farbe aufweist, sondern eben die geschilderte fleckige Erscheinung zeigte.

viele kleine Zeugen der Zeit fest eingespannt

Mit dieser Erkenntnis ausgestattet kam ich im Trümmerfeld der Steilrinne zu zahlreichen interessanten Entdeckungen, jedoch geprägt von weniger Ammoniten – und wenn, dann nur von sehr kleinen (<30mm)  Exemplaren – als von Fels mit Muschel an Muschel, wie am Teller im Restaurant am Meer. Eine unheimliche Anzahl an Tieren muß vor rd. 200Mio Jahren im Sediment verendet sein.

Rote Wand etwa von mittiger Längsausdehnung

Zurück zu markanten gelblichen Stellen am Fels fand ich nun mehr von dem weswegen ich die Begehung unternommen habe. Wahrscheinlich auch durch den geologischen Wechsel der Gesteinsschichten ist ein Fund aus dem Hettangium (Zeitabschnitt der Epoche „Lias“ aus der Periode „Jura“ und damit die älteste Stufe des Juras 196,5 +/- 1,0 bis 199,6 +/- 0,6 Mio. Jahre) erst in dieser Zone der Roten Wand möglich.

einzigartiger Fund mitten im Fels

Die Zone mit Funden direkt am Fels erstreckt sich schätzungsweise über 30-40Hm und liegt, beginnend in etwa knapp nach der Hälfte der Steilrinne abwärts, in einer über einheitliche Richtung abgerissenen Felsflanke bis zu deren unterem Verlaufwechsel, von oben aus gesehen.

Ammonit an eindrucksvoller Stelle in der Roten Wand

Ein markanter und riesiger Ammonit (nach Größenvergleich mit dem Hammer hat dieser gut 30cm Durchmesser über die Wohnkammer) tritt plötzlich in ca. 2m über der Geländeoberkante am Fels in Erscheinung.

Schnitt- oder besser Rissführung schräg durch das Fossil hindurch – der untere Teil noch als Fossil vorhanden

Dieser gewaltige, wunderschöne Fund ist dadurch gekennzeichnet, daß der Riss bei der Spaltung des Felses direkt aber leicht schräg durch die Schmalseite des Tieres erfolgte – was die Freilegung in seiner gesamten Dimension überhaupt erst möglich machte – und daß der Körper sozusagen schräg abgelöst wurde. Somit ist im unteren Teil der Körper noch vollständig im Fels erhalten  und auf der anderen Seite (Wohnkammer), noch die konkave Rundung als Negativ des herausgerissenen Körpers sichtbar.

muschelführendes Band im Fels

Die vorgenannten Bänder in denen Muscheln und Ammoniten vorkommen ziehen im fossilienführenden Teil der Wand schräg nach links und rechts nach oben, für mich – ohne entsprechendes geologisches Wissen – jedoch nicht klar und logisch, also konnte ich sie nur bis zur Änderung des Felses entlang verfolgen, wenn sie in Erscheinung traten, jedoch nicht gezielt  sichten.

schönes Fossil mit ca. 12cm Durchmesser

Ein weiterer schöner Fund war ein Ammonit (ca. 12cm im Durchmesser), der quer zu seiner Spiralachse im Fels abgebrochen ist. Deutlich ist der flachere, in der Spirale dünnere Teil des Tieres zu sehen und die seitliche Begrenzung des Panzers zum dickeren weiter außen liegenden  Teil der Spirale. In der Mitte, Versteinerung mit anderer Farbe.

quer abgerissenes Ammonitenfossil – deutlich der Schnitt durch das dünne Gehäuse sichtbar, die inneren Teile im roten Kalk hellgelb versteinert

Im unteren Teil der Roten Wand konnte ich wiederum keinerlei Sichtungen von Fossilien machen, obwohl ich sie erst nach dem Übergang des Felsabbruches in den schroffigen Wiesenhang verließ und sehr steil wieder auf die Abbruchkante hinaufklettern mußte.

Negativabdruck eines Ammoniten

Eine überaus interessante, lehrreiche, fast dreistündige Erkundung war somit zu Ende und mit einem Schatz aus Fotos kehrte ich auf das Almgelände zurück, am frühen Nachmittag der Hohen Gans einen Besuch abzustatten.

fast 200Mio Jahre trennen diese beide Leben – bestaunbar mitten in der Heimat!

Es bleibt in weiteren Begehungen zu klären, ob am „Fonsjoch gem. AV-Karte“ tatsächlich auch Ammonitenfossilien gefunden werden, denn jener Teil der in der Literatur immer als Fonsjoch (in sehr alten Publikationen Pfonsjoch) bezeichnet wird, ist – zumindest nach der AV-Karte – nicht mehr dem Fonsjoch (in der Karte Fansjoch) zugehörig. Es erhebt sich die Frage ob die Publikationen oder die Karte fasch sind, denn einerseits könnte man in den Publikationen die Gegend mit „Rote Wand“ bezeichnen, andererseits könnte die Karte den Schriftzug (Fansjoch) bis zur Roten Wand hin gezogen haben. In der Karte endet die Bezeichnung 870m nördlich der Roten Wand.

rot _ Anstieg Hohe Gans
grün – Runde durch die Rote Wand auf Ammonitensuche

Der Sporn der Hohen Gans ist zwar kein Gipfel in der Art wie wir sie hier normalerweise pflegen zu veröffentlichen, er hat jedoch auch eine überraschende Besonderheit und verdient deshalb eine nähere Beschreibung.

Im Almgelände Richtung Hohe Gans

Vom Almgelände aus versuchte ich ohne viel schneebedeckte Passagen über die steilen Hänge an die Grathöhe zu kommen, um in den Genuß der Gratbegehung zu kommen.

Aufstieg zur Hohen Gans über Almgelände

Tatsächlich erreichte ich den Grat auf weglosem Almgelände an der letzten südlichen Einsattelung vor dem Gipfel und das Graterlebnis war kurz. Der Gipfelaufbau stellt an seiner Südkante eine ungemein steile Wiese dar (schätzungsweise über 50° Hangneigung), die sich ungefähr über 40Hm erstreckt und vor einem Latschenfeld endet, das den Gipfelbereich im Süden abgrenzt. Das Latschenfeld wird unten einige Meter umgangen, bis ein Durchschlupf auf den latschenfreien Gipfel leitet.

Seebergspitze im Osten von der Hohen Gans aus gesehen

Das nette kleine Gipfelkreuz ist für den Erstbegeher in die falsche Richtung gerichtet, wurde 2007 errichtet und hat zwei fleißige Erhalter, die oft im Jahr aufsteigen. Wenn man das Gipfelbuch studiert findet man den Hinweis über die Aufstellungsrichtung darin, daß sich die Errichter in der Pasillalm befinden, zu der die Vorderseite gerichtet ist.

Hohe Gans, 1.951m

Zuerst fällt – neben der generell großartigen Aussicht am Gipfel der Hohen Gans – der lange Grat nach Norden auf – nach der AV-Karte das eigentliche Fonsjoch (Fansjoch), beginnend an dem markanten Köpfchen in ca. 740m Entfernung (Pkt. 1.930m). Dieser Grat ist ebenfalls eine geologische Besonderheit, die hier jedoch nicht beschrieben wird.

Grat über das Fonsjoch zur Schreckenspitze

Der Grat zur Schreckenspitze ist in etwa 3km lang und, nach den im Internet zu findenden Berichten, bergsteigerisch ein leichter, jedoch zum großen Teil ein richtiger Kampf mit  Unterholz. Dichter Latschenbewuchs macht das Ausweichen in die teilweise ungangbare Ostseite und auch signifikante Passagen mit Abstiegen in der Westseite notwendig. Ein herausforderndes Ziel für das nächste Jahr.

Überschüssalm mit Zentralkarwendel

Der Rundblick beginnt im Nordwesten mit dem Guffert und den Hochunnützen, über die gegenüberliegenden Gipfeln Seekar- und Seebergspitzen, im Süden die Hochebenen des Stanserjoches und der Sonnjochkamm, im Westen die mit vertikal aufgerichteten Felsplatten toll ausgeformte Montscheinspitze mit den Karwendelriesen dahinter, und im Nordwesten die eher sanft abklingenden Hügel der Karwendelvorberge.
Ein Gipfel der mit 1.951m nicht hoch, aber durch seine Lage zum längeren Bleiben einlädt.

Blick zum Rether Horn und auf die Almen im Tal nördlich der Montscheinspitze

Für den Abstieg glaubte ich einen Pfad finden zu müssen, der hinter dem ich vom Almgelände aus sichtbaren Rücken zu liegen vermutete. Es war mir klar, daß mein Aufstieg nicht den Normalaufstieg darstellte, da ich ja unvermittelt im Gelände damit begann. Für den Abstieg jedoch wollte ich es nicht wahrhaben, daß mir trotz geschultem Orientierungssinn und einigem geschärften Spürsinn für die Pfadsuche dieser nicht und nicht über den Weg kam.

Montscheinspitze

Also stieg ich vorsichtig über die teilweise schneebedeckten Steilflächen wieder weglos ab und möchte an dieser Stelle warnen, die Hohe Gans bei nassen Verhältnissen zu begehen. Das hohe Gras und Nässe oder Schnee ist eine gefährliche Mischung, die man dem Steilhang der Hohen Gans auf den ersten Blick nicht ansieht. Eine Rutschung über den Hang kann böse enden, denn nach wenigen Metern vergeblich versuchten Haltes an Grasbüscheln ist eine nicht mehr zu bremsende Geschwindigkeit erreicht. Man unterschätze diesen Hang also nicht und lasse sich von den Fotos nicht irreleiten, der Hang ist wesentlich steiler als er aussieht.

Rückblick auf den weglosen Abstiegshang

Ich habe eine Abstiegsroute oberhalb eines mittig liegenden Latschenfeldes genommen, das unten in einem Bereich endet an dem die Steigung des Hanges wieder gefahrlos zu begehen ist. Somit schritt ich das Latschenfeld im Schnee an seiner nördlichen Begrenzung ab, immer die Latschen als Bremsmöglichkeit in Fallrichtung zu haben.

Grat von der Roten Wand zur Hohen Gans

Bald endet das Stück größter Steilheit und es ging über bereits freigeschmolzene Wiesen entlang eines schwachen Rückens gegen die Alm weiter, die in wenigen Minuten erreicht war.

Rückblick auf die Hohe Gans

Oberhalb der Alm befand sich durch die Schneeschmelze eine recht lettige Passage bei der eine Entscheidung über die sofortige Querung der Quelle, oder eine weit seitlich zu wählende Route besser erscheint. Jedenfalls im Aufstieg dieser Tage ab hier das „Aus“ für Turnschuhe.

Überschüssalm 1.640m

Für den Aufstieg vom Parkplatz bis zur Überschüssalm habe ich etwa eine Stunde benötigt. Von der Alm zur Roten Wand ca. 25min und wenn man von der Alm direkt auf die Hohe Gans weitergeht benötigt man etwa 30 bis 40min, je nach Route.

Rote Wand von der Überschüssalm aus

Die Alm – bereits im Winterschlaf – verließ ich nach einer Rast auf der empfehlenswerten Bank knapp nach dem Weg abwärts begonnen hat. Von dort aus ist das gesamte Gerntal mit seinem Knick einzusehen. Wunderbares Karwendelgelände.

Gerntal in kompletter Länge

Mils 26.10.2017

 

Versuch der Zuordnung meiner Funde an der Roten Wand zu wissenschaftlichen Artikeln:

Fig 12a,b: Quelle: Axel von Hillebrandt and Kurt Kment 2015, Psiloceratid ammonites from the Lower Hettangian of the Karwendel Mountains (Northern Calcareous Alps, Austria) and their biostratigraphic significance

Fig. 12a,b Psiloceras Strongolum – Calliphyllum

 

Fig 3, Quelle: RAKÜS (1999), Lower Liassic (Hettangian) Ammonites from Zlambach Graben near Bad Goisern, Upper Austria

Fig. 3: Psiloceras calliphyllum (Neumayr, 1879), juvenile specimen with radiate to rursiradiate ribs, Lower Hettangian, loc. Pfonsjoch,
Austria, 0,5x.

Fig. 3 Psiloceras Calliphyllum