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Lizumer Reckner, 2.886 m – über Tarntaler Köpfe

Zum höchsten Gipfel der Tuxer Alpen, dem Lizumer Reckner, führt ein malerischer Anstieg aus dem Wattental über die Tarntaler Köpfe, der zum Geier fortgeführt und mit dem Abstieg zur Lizumer Hütte zur Rundtour erweitert wird. Die landschaftlichen Eindrücke im Oberen Tarntal können es dabei nach der – gegebenenfalls verwegenem – Überzeugung des Verfassers mit den Eindrücken der Landschaften im Dead Valley, Kalifornien, aufnehmen, im des Landes gleichen geografischen Maßstab versteht sich, farblich aber allemal und inmitten des Oberen Tarntals stehend, ohne jeglichen Zweifel.

Aussicht auf die Große Runde über die Lizumer Sonnenspitze und den Lizumer Reckner

Diese Reise möge jener speziell dann unternehmen, welcher der Meinung ist, die Berge der Heimat bestünden einerseits aus Kristallin, andererseits aus Kalk, oder umgekehrt und – zum verschwindenden Teil in Nordtirol – aus Dolomit. Eine neue Variante der heimatlichen Vielfältigkeit ist dem Begeher dieses Wunderlands absolut sicher, wobei Erinnerungen an Wintertouren dorthin nicht statthaft sind, denn, weiß bedeckt vermögen die Eindrücke im Winterkleid die geologische und farbliche Wirklichkeit der Landschaft völlig zu verschleiern denn widerzugeben. Dies soll der hier vorgestellte Grund sein die Reise über die alpinistisch harmlosen Gipfel des Sommers zu unternehmen, die auch als ein Naturgeheimnis der Tuxer bezeichnet werden könnten. Enttäuschung ist dabei ausgeschlossen, Magie des Augenblicks und Erinnerung auf Dauer dabei garantiert.

 

Edit auf der Lizumer Sonnenspitze

Dieser Bericht stellt die Fortsetzung der Runde über die Tarntaler Köpfe dar, die mit dem Abstieg von der Tarntaler Scharte die vom Verfasser im Bericht „Tarntaler Köpfe, 2.756 m – Runde zur Lizumerhütte“ beschrieben wird. Die Erweiterung dieser kleinen Runde startet an der Tarntaler Scharte und beginnt mit dem zunächst mühsamen Aufstieg über die nördliche Schuttflanke der beeindruckenden Lizumer Sonnenspitze. Sie gipfelt mit dem einprägsamen Rundblick nach dem Aufstieg zum Lizumer Reckner in ungewöhnlichem Gestein. Sie endet mit dem geologisch weiterhin interessanten Abstieg über den Geier und zur Lizumer Hütte.
Es empfiehlt sich somit den Bericht über die Tarntaler Köpfe vorher zu lesen.

Kieselschiefer mit schraubenförmiger Gestalt

Hinweis: In der Bildergalerie des vorliegenden Berichtes befinden sich ein paar Bilder von den außergewöhnlichen Eindrücken der vielfältig geformten Gesteine im Anstieg zu den Tarntaler Köpfen. Diese überlappen mit dem Bericht des Zustiegs über die Tarntaler Köpfe und sind nicht Gegenstand der nachfolgend beschriebenen Strecke, jedoch müssen die Impressionen davon einfach zugänglich gemacht werden, so sehenswert und mystisch sind diese Naturerscheinungen (!) -, sowie auch ein Bild aus dem Dead Valley, das der Verfasser zur Untermauerung zu seinen gewagten Aussagen in der Einleitung erwähnt und damit beides, seine Heimat und die Natur in der Fremde würdigen möchte. Was gibt es „natürlicheres“ als dieses statische Chaos, gestalt- sowie farbenfroh und geduldig, hie und dort?

Anstieg zur Nordkante der Lizumer Sonnenspitze knapp vor der Tarntalscharte

Die phantastisch anzusehenden Oberflächen in den Tarntaler Bergen und der Reckner stellen eine außergewöhnliche Laune der Natur dar, indem geologisch-tektonischen Prozesse in vielen Millionen von Jahren eine Insel von gegensätzlichem Ursprung zur weithin sichtbaren Umgebung geschaffen haben.
Eine, ähnlich aus fremder Umgebung herausgebildete, in Gestein, Entstehung und Ausprägung dennoch gänzlich unterschiedliche Landschaft, die sich etwa 27 km perfekt westlich des Lizumer Reckners in den einzigartigen Kalkkögeln ergab und ein weiters einzigartiges Geschenk für die heutigen Bewohner des Landes darstellt, mag kein Zufall sein. Beides Relikte des Erdmittelalters, beide völlig verschieden, beide einzigartig.

Anstieg zur Nordkante der Lizumer Sonnenspitze von der Tarntalscharte

Der Blick entlang gleißendem Sonnenlicht des Vormittags von der Tarntaler Scharte auf die deutlich erkennbare Gratscharte mit dem Durchstieg am massiven Nordgrat, der sich vom Gipfel der Sonnenspitze in Richtung Oberes Tarntal hinzieht und dessen Mächtigkeit dorthin abnimmt, mag von unten als verwegenes Ziel erscheinen, in Wahrheit und mit nur wenig ausgeprägter Entschlossenheit bewältigt es jeder ernsthaft interessierte Bergwanderer mit Leichtigkeit. Der Aufstieg auf schlechtem Steig über die schiefrigen und erdigen Schutthänge erscheint mühsam, ernsthaft gefährlich, oder ausgesetzt ist er aber keinesfalls. Zwischenraste gibt es an Schrofen im Hang bevor das Felsgelände am Durchstieg erreicht wird.

Rückblick auf den Zustieg zur Tarntalscharte von den Tarntaler Köpfen

Tonschiefer, dunkler und heller Dolomit, Dolomitmarmor sowie Plattenkalk prägt den Aufstieg zur kurzen Rinne auf den Westgrat der Lizumer Sonnenspitze. Im unteren Teil oberhalb der Tarntalscharte befindet sich unter einem mächtigen dachartigen Vorsprung der darüberliegenden Felswand des Nordgrates ein unzureichend stabil gebauter und daher bereits in Auflösung begriffener Holzbau, der wohl eine Art Unterstand darstellen soll. Es macht den Anschein, daß er nie vollendet, ja in halbfertigem Zustand aufgelassen wurde – kein Ruhmesblatt.

im ersten Drittel des Aufstiegs zur Nordkante der Lizumer Sonnenspitze (Dolomite Kössen Fm.)

In der kurzen Rinne, die eigentlich eine stark erweiterte Rissfuge am Grat darstellt, werden die letzten Höhenmeter in angenehmen Stufen überklettert und dabei eine Linse rötlichen Kieselschiefers in eher grün gehaltener Umgebung des selben Gesteins angetroffen. Der Einsatz der Hände über diese Stufen ist notwendig, jedoch stellen die Felsbänke keine Schwierigkeit dar.

kurz vor der Nordkante der Lizumer Sonnenspitze mit leichten Kletterstellen

Oberhalb der Felsen wechseln die Kieselschiefer ihre Gestalt und zeigen dichten Wiesenbewuchs, bis hinauf zum Gipfelkreuz, das an dieser kleinen Flachstelle nach den Felsen bereits sichtbar ist.

Rückblick auf den schräg erfolgten Aufstieg (beachte die rote Kieselschiefer am unteren Bildrand)

Im Süden fallen gleich Lizumer und Naviser Reckner auf, die bei der ersten Betrachtung angebrannt erscheinen, oder als völlig schwarze Kohlenhaufen. Ebenfalls fällt das Blockgelände an deren Nordfuß auf, das mit dunkelbraunen Tönen wiederum eine andere Färbung zeigt und sich in das Obere Tarntal erstreckt.

Gipfelkreuz der Lizumer Sonnenspitze in Sicht

Am Steig geht es nun dem Gipfel der Lizumer Sonnenspitze entgegen. Teilweise verschwindet der Steig am felsigen Grat, die Richtung ist aber nicht zu verfehlen. Man kann die äußerste Gratkante vor dem Nordabbruch wählen und muß gegen das Gipfelkreuz hin leicht in die Flanke hinein. In gut zehn Minuten wird der Gipfel erreicht.

erster Blick ins Obere Tarntal mit dem Lizumer Reckner

Das schöne und massive Holzgipfelkreuz auf der Lizumer Sonnenspitze der Bergrettung Wattens, auf 2.831 m, wurde 2002 zum 50-jährigen Vereinsjubiläum errichtet und bald wird es das 75—jährige Bestandsjubiläum feiern dürfen. Viel Platz prägt den Gipfelbereich nicht und  Sitzgelegenheiten auf den spitzen Schichtungen sind rar, dennoch legten wir eine 20 minütige Pause am zentralsten Hochpunkt der Tarntaler Berge ein, um die Landschaft in Augenschein zu nehmen.

Lizumer Sonnenspitze, 2.831 m

Gegen Süden, in Marschrichtung der Rundtour, bietet sich ein sagenhaftes Bild mit vielfältigen Eindrücken. Dominierend der Lizumer Reckner mit seiner „kohlrabenschwarzen“ Erscheinung und im Vordergrund die Farbspiele der vielfältigen Gesteine im Oberen Tarntal zeichnen etwa Eindrücke wie man von jenen etwa der Artist’s Palette oder am Zabriskie Point kennt – in anderen Farben, jedoch genauso wechselhaft (siehe Fotos des Verfassers in der Bildergalerie).

phantastische Szene im Obere Tarntal mit Lizumer Reckner und den Gipfeln des Tuxer Hauptkamms

Bei dem aus der Ferne schwarz erscheinenden Gestein des Lizumer Reckners handelt es sich um Serpentinit, einem Gestein das im Ozeanboden vor etwa 187 +/- 14 Ma* durch Umwandlung unter hohem Druck und nicht sehr hohen Temperaturen gebildet wurde.
Hinter dem Reckner im Süden, nun ganz und gar nicht mehr mit dem Dead Valley vergleichbar, die Zillertaler Alpen mit dem Olperer.

Naviser Reckner mit den mannigfaltigen Gesteinen im Oberen Tarntal, dahinter die südöstlichen Stubaier Alpen

Im Westen fällt das Obere Tarntal nach dem Naviser Reckner in die Knappenkuchl hin ab. Durch das nicht von Blockwerk bedeckte Hochtal und über die Kante zum Abhang ziehen sich verschiedenfarbige Kalk- und Kieselschiefer sowie Bänderkalkmarmore dahin. Weit in der Ferne die Stubaier Alpen, davor die sanften grünen Tuxer Kämme des Navis- und Schmirntals.

die mächtige Kalkwand (ein aufgesetzter Dolomitgipfel) im Osten

Der Abstieg von der Lizumer Sonnenspitze führt, wie am Aufstieg oberhalb der Einschartung am Westgrat über die steilgestellten grüngrauen Kieselschieferplatten, die sich, nach dem unmittelbaren Gipfelaufbau, mit Kalkschiefer (an der beigebraunen Farbe leicht zu erkennen) und Breccien abwechseln.

Tarntaler Köpfe im Norden

Der Abstieg wird flacher und erreicht einen Tiefpunkt in der etwa 1,5 km langen Strecke von der Lizumer Sonnenspitze bis zur Einsattelung zwischen Geier und Lizumer Reckner. Auf dieser Strecke wechselt sich der Kieselschiefer mehrfach mit dem nun erstmals auf der Begehung auftretenden Serpentinit ab. Deutlich sind die Übergänge anhand der Farben und Formen zu erkennen während man sich dem schwarzen Koloss des Lizumer Reckners nähert.

Abstieg über steil gestellte Kieselschieferplatten

Etwa nach 25 Minuten vom Aufbruch auf der Sonnenspitze wird etwa am Nordostgrat des Reckners eine tiefe Senke erreicht, die bei unserer Begehung noch mit einem Restschneefeld gefüllt war. Anschließend an die Senke führt der – nur mehr anhand von vereinzelten Steinmännern erkennbare – Steig durch ein Bergsturzblockfeld mit tollsten Formen und Farben. Zumindest an dieser Seite des Lizumer Reckners hätten wir keinen Blockgletscher mit Toteis erkennen können.

 

letztes Schneefeld in tiefer Senke am Nordostgrat des Lizumer Reckners; das Trümmerfeld links beinhaltet phantastische Gesteine

Die Gesteine, die im Bergsturzblockfeld liegen stammen von der Ostseite des Lizumer Reckners und man findet dort beispielsweise eine, auch in der weiteren Umgebung nicht auftretende, außergewöhnliche grünliche Breccie, die aus dunklen Karbonaten (Kalken) und Serpentinit besteht – Ophikarbonat genannt. Eine Mischung aus Serpentinit und Sedimenten dürfte auch die feinkörnige Kluftfüllung darstellen.

Ophikarbonat – grünliche Breccie, dunkle Karbonate (Kalken) und Serpentinit

Das Trümmerfeld besteht jedoch weitestgehend aus Serpentinit, ein Umwandlungsgestein das charakteristisch glänzenden Bruchflächen und grüne, grünschwarze und schwarze Farbtöne, durchzogen von roten bis rotbraunen Flecken, aufweist. Es wird im Natursteinhandel, für Kunstobjekte und als Schmuck genutzt.

Handstück Serpentinit mit typisch glatter, glänzender Bruchfläche

Die eigenartigsten Oberflächen können hier bewundert werden. Zum Bild oben findet man in der Literatur die Erklärung: „…ist Scherung aufgrund der Kräfte üblich, die durch die positive Volumenänderung bei der Hydratation von Mantellithologien in Verbindung mit einer geringen Scherfestigkeit und oft einem etwas chaotischen Taumeln aufgrund von Auftriebskräften erzeugt werden…“.

Scherfläche an Serpentinit

Nun, der wissenschaftlichen Wahrheitsgehalt wird hier nicht zu erörtern sein, jedoch ist vorstellbar, daß die Zähigkeitseigenschaften und das Kristallwachstum dieses Gesteins bei Scherung solche ungewöhnlichen Flächen hervorzubringen imstande sind. Wobei sich in der Literatur häufig die Aussage von Bindung von Wasser bei der Entstehung von Serpentinit, und darüber hinaus die Aussage „…von maßgebender Bedeutung für den Wasserhaushalt der Erde…“ findet – um ein abgerundetes Bild der obigen Aussage wiederzugeben – welch unbekannte Schätze uns doch in der Heimat widerfahren.

Quer durch das sagenhafte Trümmerfeld führt die Route, bei der mitten im Feld die Steinmänner verschwinden, auf die Einsattelung zwischen Geier und Reckner.
Der Anstieg führt auf schuttig-erdigen Flächen empor, wobei wir die unterhalb der Einsattelung wieder sichtbaren Markierungen nicht ansteuerten, sondern links davon über flacheres Gelände aufstiegen.

Rückblick auf den Steig von der Lizumer Sonnenspitze zum Reckner mit dem phantastischen Trümmerfeld

Der Grund für den Schwenk war der schlechte Zustand des Steigverlaufes in losem, rutschhaftem Gelände, das zu steil für dessen lose Oberfläche erschien. Mittels Spitzkehre und dem Aufstieg auf der Leeseite einer Wechte am Sattel erreichten wir denselben.

Aufstieg zum Sattel zwischen Geier und Lizumer Reckner; wir sind links auf die Kuppe und dann über das Schneefeld zum Sattel

Am Sattel erspäht man auch gleich das Gipfelkreuz und den Aufstieg, der im oberen Teil durch Fels, der in leichter Kletterei bewältigt wird, führt. Zunächst setzt ein Steig am Sattel nach Norden fort und die Stöcke können noch eingesetzt werden.
Dem Aufmerksamen wir dort und auf dem weiteren Aufstieg auffallen, daß auf Serpentinit spärlich und vereinzelt Pflanzenwachstum zu beobachten ist. Dies hängt mit den reichen Schwermetallanteilen im Gestein zusammen.

Naviser (li) und Lizumer Reckner – die beiden einzigen Serpentinitgipfel in den Tuxern

Nach kaum fünf Minuten wird eine Stelle erreicht an der Chrysotilfasern vom Felsblock abgewittert wurden und am Boden liegen. Chrysotil ist ein Schichtsilikat, das bei der Entstehung von Serpentinit gebildet wird, es ist eines der Asbestminerale, somit krebserregend, und wurde früher für hitzebeständige Kleidung und für Dachverkleidungen verwendet.

Chrysotilgestein und -fasern am Boden während des Aufstiegs

Kurz danach steht Fels am Steig an, der mit Hilfe von Klammern erklettert wird. Kleinere Klettereien setzen ab dort bis zum Gipfel fort, der in wenigen Minuten erreicht wird. Der Aufstieg vom Sattel bis zum Gipfel beträgt lediglich 77 Hm. Serpentinit sein rutschig, so ein Alpenvereinsführer zum Aufstieg auf den Reckner. Wir konnten diese Eigenschaft im Aufstieg nicht feststellen, die oben beschriebenen glatten Bruchflächen des Gesteins stellen aber höchstwahrscheinlich die Ursache für diese Aussage dar, vor allem im nassen Zustand.

die erste zu überkletternde Felsstelle; mit Klammern keine wirkliche Herausforderung

Die Aussicht vom Lizumer Reckner ist phänomenal. Als Höchster der Tuxer Alpen mit einer Dominanz von 7,7 km im Süden (Kleiner Kaserer) und nur einem sichtbaren höheren Gipfel im nördlichen Halbkreis, der Zugspitze in 56 km Entfernung. Streng westlich befindet sich die Haidenspitze in 43 km und streng östlich der Kuchelmooskopf in der Reichenspitzgruppe mit 35 km Entfernung als jeweils naheste höhere Erhebung.

Lizumer Reckner, 2.886 m – gegen die hohen Gipfel des Tuxer Hauptkamms

Der Ausblick an diesem Tag war durch Bewölkung und dadurch Abschattung in den Norden begrenzt, die Zillertaler Alpen mit den gegenüberliegenden Gipfeln des Tuxer Hauptkamms jedoch eindrucksvoll zu betrachten. Zwischen Gfrorene Wand Spitzen und Olperer blickt man auf den höchsten Zillertaler Gipfel, den Hochfeiler. Zwischen Hohem Riffler und den Gfrorene Wand Spitzen blickt man auf den Großen Möseler und noch weiter links (östlich) auf den Schwarzenstein. All jene in zwischen 20 und 23 km Entfernung.

Hochfeiler in 20 km Entfernung

Der Naviser Reckner ist dem Lizumer westlich vorgelagert, um 62 m niedriger, und mit einem brüchigen Grat verbunden, dem man, so wie dem Aufstieg auf den Lizumer von der Einsattelung zum Geier aus, mäßige Schwierigkeit in der Kletterei attestiert. Den Übergang haben wir aus Zeitgründen nicht unternommen.

Naviser Reckner – ein anschauliches Beispiel der geringen Verwitterungsbeständigkeit des Serpentinits

Durch ihre Farbe eindrucksvoll zu betrachtende Felsstürze umgeben den Naviser Reckner sowohl als den Lizumer. Serpentinit verwittert mit rötlich brauner Färbung (aufgrund der darin enthaltenen Eisenoxide?). Beide Bergstöcke bestehen vollständig aus Serpentinit, wobei die Südflanken der Sonnenbestrahlung ausgesetzt sind, junge Abbrüche im Süden bestätigen die zeitliche Entwicklung. Nur die südlichen Flanken, nicht die solar bestrahlten Nordflanken und nicht die jungen Abbrüche im Süden, zeigen rötlich braune Verwitterungsfärbung.

Kalkwand im Nordosten – auf ihrer Nordseite wartet sie mit geringen Malachitvorkommen auf

Phantastische Farbspiele sind im gesamten Umkreis der beiden Reckner festzustellen. Diese bilden das Tarntaler Mesozoikum (Erdmittelalter) bzw. größtenteils, denn die Kalkwand, nordöstlich talgegenüber, und Teile der Mölser Berge gehören auch dazu, wenn auch in einer anderen Decke.

Griffjoch mit Schafseitenkamm in den südlichen Tuxern; in der Tiefe das Kluppental

Eindrucksvoll ragen die Tarntaler Köpfe mit dem Blick vom Lizumer Reckner in der Frontalansicht nach Norden vom Grat auf. Darunter, in deren Bergstock, sind die tieferliegenden Gesteine als Schrofenbänder sichtbar. Es handelt sich dabei um ein schmales Band von Dolomiten der Kössener Schichten und darunter Kalkschiefer.

Tarntaler Köpfe im Norden, rechts Lizumer Sonnenspitze

Am Abstieg, nahe der Einsattelung, kann eindrucksvoll das Vorkommen von Chrysotil im Serpentinit betrachtet werden, sowie dessen vom Fels abgewitterte Fasern, die daneben aufgestreut lagern. Die Bruchstücke des Chysotilminerals besitzen etwa die Größe eines Zündholzes und an den Enden kann man die feinen Fasern erkennen, aus denen das Bruchstück besteht. Die Proben liegen direkt neben dem Steig und sind leicht zu finden, wenn man genau schaut.

Chrysotilfasern (auch Weißasbest) am Südgrat

Der Übergang zum Geier gestaltet sich in sehr ebenflächigem, rundem Terrain, topographisch völlig unverständlich im Vergleich zu den Felsgestalten der Reckner. Und der Geier selbst, obwohl ebenfalls von Serpentinit aufgebaut, ist kofelartig rund geformt mit keiner nennenswerten Erhebung über seine Kuppenfläche hinaus. Welch Gegensatz zu seinen felsigen nördlichen Nachbarn.

epischer Blick nach Süden – mittig in der Tiefe die wunderbare Hornspitze

Dem ungestörten Ausblick vom Geier auf die Größen des Tuxerkammes der Zillertaler Alpen muß ein Kleinod hinzugefügt werden, das man leicht übersieht, blickt man nur in Schnee und Eis. Es ist dies die Hornspitze, welche als südlichster Gipfel den Übergang von den Tuxer Alpen zu den Zillertalern markiert, genau bildet das Tuxer Joch die Grenze. Ihre reizvolle Besteigung kann nur empfohlen werden.

Kind des Phyllits – silbrig glänzende Hornspitze

Knapp 50 Hm Schartenhöhe zwischen ihm und dem Lizumer Reckner sichern dem Geier gerade noch Gipfelstatus, jedoch ist er durch seine Lage bedeutend, denn er stellt die südlichste Erhebung im Reckner Komplex dar, dem oberen Teil des Tarntaler Mesozoikums. Er begrenzt die geologische Besonderheit mit seiner steil nach Süden abfallenden Flanke zum Junssee hin. Mit dem Ende des Abhangs beginnt das Glockner-Deckensystem mit Kalkphyllit und Bündnerschiefer.

Rückblick nach Norden auf die Reckner

Der Abstieg vom unspektakulären Geier beginnt eher flach und zieht über einen interessanten Hangabschnitt, bei dem die Lagerung der unteren Gesteine des Tarntaler Mesozoikums noch einmal sehr anschaulich betrachtet werden können.

die Fremde in Bildmitte – Pluderling; ein völlig anderes Gestein anderer Entstehungsgeschichte bildet die Grenze zum Erdmittelalters

Dort findet man oberhalb des Steigs als unterste Schicht Dolomite, Kalkmarmore, mit Auftreten von Rauwacke, darüber die schon mehrfach fotografierten Kieselschiefer und darüber Breccie.

malerischer Junssee vor der Kulisse der südlichsten Tuxer Gipfel und des Tuxer Hauptkamms

Am Joch zwischen Geier und Pluderling dringen bereits die Bündnerschiefer der Glockner-Decke in das Tarntaler Mesozoikum ein und dies ist anschaulich durch die fast homogen mit Schieferplaten bedeckte Oberfläche des Pluderlings im Osten erkennbar. Vergleicht man die Landschaft unmittelbar im Vordergrund (Nordwesthang Pluderling) mit der dahinter liegenden der Kalkwand, dann stellt man völlige Unterschiedlichkeit fest und hat einen weiteren Beleg für das hoch wechselhafte geologische Gebiet.

schön sichtbare chronologische Entwicklung der Gesteinsschichten am Südostabhang des Geiers (zuoberst die Breccien-„Tatze“)

Um die Felskante herum und bereits im Kar zum Lizumer Boden hinab gibt es einen einzigartigen Blick auf eine Vielzahl verschiedener Gesteinsarten hin zur Lizumer Sonnenspitze als da wären: Serpentinit, Kalkschiefer, Kieselschiefer (rot?, grün), Jurabreccie, Rhät-Dolomit (hellgrau bis gelbbraun), bunter Tonschiefer, blaugrauer Plattenkalk, grauer Mergelschiefer.

 

Vorstoß der Bündnerschiefer der Glockner-Decke von Süd am Pluderling

Am weiteren Abstieg gäbe es noch ein für das Tarntaler Mesozoikum typisches Gestein zu sehen, die Quarzitschollenbreccie. Leider ist diese fotografisch der Hektik des angestrebten Hüttenbesuches in der Lizumer Hütte zum Opfer gefallen und muß ein anderes Mal abgelichtet werden.

 

Rückblick in den Norden mit phantastischen Farben der Gesteine zur Lizumer Sonnenspitze

Für die phantastische und lehrreiche Rundtour über die Tarntaler Köpfe auf den Lizumer Reckner und Geier mit Aufstieg und Abstieg vom und zum Parkplatz Walchen, sowie alle Pausen und dem Hüttenbesuch haben wir 11:45 Stunden benötigt.
Die Strecke beträgt 24,2 km und die Aufstiegsarbeit 1.785 Hm. Im oben verlinkten Bericht über die Tarntaler Köpfe ist die Möglichkeit mit dem Hüttentaxi in die Lizum anzureisen beschrieben. Benützt man dieses, dann verringert sich der Aufstieg auf etwa 1.200 m und die Strecke beträchtlich.

 

Mils, 03.07.2022

* Millionen Jahre

Tarntaler Köpfe, 2.756 m – Runde zur Lizumerhütte

Die kleine Schwester der sagenhaft schönen Runde über die Tarntäler zu Lizumer Reckner und Geier stellt die kürzere Runde über die Tarntaler Köpfe mit dem Abstieg von der Tarntaler Scharte zur Lizumer Hütte dar. Im Gesamten auf Steigen verlaufend, mit einer kurzen, durch einen Felssturz verlaufenden Passage ohne Markierungen, jedoch mit eindeutig sichtbarer Route, findet der versierte Wanderer eine leichte Bergtour mit verzaubernden Formen, Farben und Natureindrücken.

Großer Tarntaler Kopf vom nördlichen Vorbau

Am Schönsten wird die Runde mit dem langen Anstieg vom Parkplatz vor dem Lager Walchen in der Wattener Lizum erlebt. Durch den Aufstieg über Außermelan- und die idyllische Innermelanalm und den phantastischen Zirbenwald nähert man sich den Tarntaler Köpfen allmählich und genießt den Vorzug die Eindrücke aus vielen Blickwinkeln zu erleben.

Blick von der Außermelanalm auf die Tarntaler Sonnenspitze

Der Transfer mit dem Hüttentaxi ist eine weitere Möglichkeit des Aufstiegs in die Wattener Lizum, sie mag dem weniger konditionsstarken Geher vorbehalten sein. Die Nutzung zum Abstieg ist ebenfalls möglich, Details über das Hüttentaxi finden sich im Internet.
In jedem Fall meide man den Aufstieg über die Straße in die Lizum, auf der linken Talseite wandert es sich wesentlich schöner als auf der Mölserbergseite. Zum Abstieg kann man sich die Straße ja einmal ansehen.

Innermelanalm im Rückblick vom Zirbenweg

Am Fußweg muß vor der Brücke zum Hauptgebäude des Militärlagers auf der linken Seite neben dem Wattentalbach aufgestiegen werden. Die ersten 700 m neben dem Bach führen als Eintrittskarte über teilweise rutschiges Augelände, bevor der aufsteigende Waldweg beginnt. Der breite Waldweg erstreckt sich über 1,8 km bis zur Innermelanalm, zum Beginn des Steiges durch den Zirbenwald.

Tarntaler Sonnenspitze links, Tarntaler Köpfe recht davon

Nach dem Ende der Waldgrenze steigt der wieder zum breiten Weg sich ändernde Steig durch kleine Felsschrofen hindurch auf das Plateau der Lizum, östlich des Militärgeländes mit den Kasernengebäuden. Dort führt eine Gasse zwischen Abgrenzung des Militärgeländes und einem Stall auf die Zufahrt zur Lizumer Hütte. Diese kann man nehmen, wenn man nicht bis zur Hütte aufsteigen will. Wenn man es dennoch will, kann man auch bei der Hütte quer über den Bach und über die Almweiden in Richtung Westen den Steig nach Schotteben erreichen.

nun auch die Klammspitzen ganz rechts zu sehen; links die Tarntaler Scharte, über die abgestiegen wird

Den kürzeren Weg über den elektrischen Weidezaun durch das Kasernengelände meide man in jedem Fall, der OVT des Lagers dort muß Haltung zeigen ist meist sehr angerührt, wenn blutige Zivilisten das Gelände betreten von dem aus die lustig anzusehende Holländertruppe Frühsommers immer ihre Übungen mit Quads abhält. Auf einem der beiden Wege gelangt man jedenfalls auf die Westbegrenzung des Plateaus mit dem Beginn des Aufstiegs nach Schotteben, in Richtung der Lifttrasse.

Alpen-Milchlattich beim Brunnen am Weg zur Kaserne

Vermeiden lassen sich die Schotterwege auf das Klammjoch – das nun angesteuert wird – nur durch hohe Almrosenbüsche, die auf der direkten Linie über den Hang flächendeckend den Aufstieg über freies Gelände bewachsen. Da kommt man zu Beginn des Sommers, in dem die im Saft stehenden, knorrigen Zwergsträucher jedem Schritt des Begehers ihren drahtigen Wuchs dem offenen Schienbein entgegensetzen, gerne wieder auf den Schotterweg zurück, um kratzerschonender und rascher weiterzukommen.

Lager Lizum; bei den Gebäude am linken Bildrand kommt man durch auf die Straße, ohne das Kasernengelände zu betreten

Der beim Schild zugewucherte, vom TVB markierte Beginn eines Steigs, stellt möglicherweise eine Option des Aufstiegs in der Liftrasse dar, aber das müßte man aber erst erkunden – und so wurden die ausgerundeten Kurven der Fahrstraße vorgezogen und in voller Länge abgeschritten, um zu den Almgebäuden auf Schotteben zu gelangen.

am Weg zum Klammjoch; links die Klammspitzen, rechts die Tarntaler Köpfe

Auf Schotteben hätte man die Möglichkeit direkt auf Steigspuren zu den Klammspitzen aufzusteigen und somit die Runde abzukürzen. Allerdings wird dadurch der schöne Klammsee ausgelassen und der weniger Versierte findet nach dem Grat einen sehr steilen relativ weglosen Abstieg zum Steig auf die Klammspitzen vor. Die Empfehlung lautet daher die Schotterstraße zum Aufstieg zum Klammjoch zu benutzen und am Weg dorthin an einem steiler zur Mölser Scharte hin geneigten Hang vorbei zu kommen, der im Frühsommer mit der Heilpflanze Arnika in der, der Natur eigenen, unaufdringlich verschwenderisch üppigen Weise bewachsen ist.

malerisch, der Klammsee auf 2.350 m

Nach dieser satt orangen Pracht zur Rechten wartet einige Minuten weiter am Aufstieg am Abhang zur Linken ein auffällig marineblaues Feld von Schusternägeln, dem sogenannten Frühlings-Enzian. Überhaupt muß man während des gesamten Anstiegs feststellen, daß auf allen Böden im Wattental, sowohl auf den silikatischen im Anstieg zur Lizum als auch auf den karbonatischen des unteren Tarntaler Geländes eine Blumenpracht herrscht, die fasziniert.

am Beginn des Wilke Steigs

Westseitig des Klammjochs könnte man über die atemberaubende Steilwiese auf das beliebte Schitourenziel der Mölser Sonnenspitze aufsteigen. Nahe im Süden hinter dem Klammjoch liegt der Klammsee auf 2.350 m und direkt am Weidezaun zweigt nach Südosten der Klaus-Wilke-Steig ab, der den nun alpineren Aufstieg auf die Tarntaler Köpfe bildet. Hinter dem Namensgeber verbirgt sich ein Offizier des Heeres, der in der Sektion Alpinismus des HSV Absam in den 90ern verunglückt und dessen Gedenktafel am Fels beim Gipfelkreuz angebracht wurde.

punktierter gelber Enzian

Am unteren Teil des Steigs bieten die kleinen Felsköpfchen, durch die der Aufstieg erfolgt, eine herrliche Perspektive auf den Klammsee und die weit in der Ferne liegenden südöstlichen Stubaier Gletscher, frontal sichtbar die sagenhaften drei Feuersteingipfel, der Klassiker des Wilden Freigers, links davon die Tribulaune (auch als Schitour)und rechts davon der gewaltige Habicht und noch weiter westlich die zentralen Gipfel der Stubaier Alpen, von denen hier am Blog Berichte existieren, beispielsweise vom Lüsener Fernerkogel, oder von der Hohen Villerspitze.

gelbbeiger Radiolarit der Ruhpodling-Formation

Der Steig taucht in seinem lehrreichen Verlauf über verschiedene Gesteine weiter in das leicht ansteigende Tal zwischen dem Kamm der Klammspitzen und dem Stock der Tarntaler Köpfe ein, bevor er in Serpentinen den aufsteilenden Anstieg auf das Jöchl zwischen dem Kamm und dem Stock vollführt.
Auf dem Weg dorthin säumt in typischer Manier der punktierte gelbe Enzian den Steig. Ein häufig anzutreffendes Bild in den Tuxer Alpen sind Steige an denen die gleichermaßen Disteln und den gelben Enzian entweder direkt am Steigrand oder in kaum einem oder wenigen Metern wachsen. Einen solchen Abschnitt bildet der unterste Teil des Steiges zum Jöchl.

Kalk- und Dolomitbreccie mit Radiolarit

Bereits nach wenigen Minuten am Wilkesteig fallen eigenwillige Erscheinungen an Steinblöcken ins Auge. Es handelt sich hierbei samt und sonders um Sedimentgestein, Kalke, die wesentlich früher gebildet worden sind als die Gesteine des Karwendels im Inntal gegenüber. In der Mulde links neben dem Steig beginnen die recht ungewohnten Gesteinsserien mit einem gelbbeigen Radiolarit der Ruhpodling-Formation. Ein sehr hartes Sediment gebildet aus Resten von Radiolarien, einzelligen Strahlentierchen.

gefalteter Kieselschiefer, hier grünlich

In der Folge führt der Steig in den kleinen Talkessel (altes Kartenwerk nennt es Eisenkar, die Flurnamenerhebung bei TIRIS „is Karl“) wo schöne Kalk- und Dolomitbreccien zu erkennen sind. Jene auf den Bildern wurden gefaltet und sind verbunden mit Radiolarit.

Rückblick auf Klammsee und die Mölser Sonnenspitze

Gleich darauf macht man mit farblich auffälligem Gestein Bekanntschaft, das den Aufstieg etwa 100 Hm über dem Jöchl zwischen Klammspitzen und dem Nordabhang der Tarntaler Köpfe  deutlich prägt. Es handelt sich dabei um grünen, roten, manchmal violetten und dunkelgrauen Kieselschiefer auch Meta-Radiolarit. Die unterschiedlichsten Formen treten dabei auf und man kommt während des Anstiegs bei der Ausschau nach den abwegigsten Formen und Oberflächen gar nicht mehr aus dem Staunen heraus.

Tarntaler Köpfe vom Jöchl aus gesehen

Vorher noch wird das Jöchl (P. 2.478 m) erreicht, von dem Ostseitig die Sonntagsrinne auf den Lizumer Boden hinunterzieht. Steigspuren verraten eine Verbindung mit den Almgebäuden in Schotteben, ein offizieller Steig ist es aber keiner.

Tiefblick auf den Lizumer Boden

Erstmals genießt man am Jöchl den beeindruckenden Ausblick auf die Kalkwand in der Lizum auf der Talgegenseite. Die Kalkwand stellt eine sagenhaft schöne, mittelschwierige Kletterei in festem Dolomit dar, ist unwegsam durch freies, schuttbeladenes Gelände mit massigem Blockwerk erreichbar. Sie liegt außerhalb der gesicherten Wanderwege und es empfiehlt sich, wie für alle Touren im Truppenübungsgebiet, an der Tafel im Lager Walchen sich nach den Aktivitäten der Militäreinheiten zu informieren. Nicht selten am Zustieg begegnet man Resten von abgetaner Munition.

Kalkwand im Osten

Einige Minuten läuft der Steig entlang des breiten Rückens, der sich zunehmend zum Nordabhang der Tarntaler Köpfe ausbildet. Auf diesem Abschnitt herrschen vorwiegend Kalkschiefer, speziell gleich nach dem Jöchl und weiter oben auch Breccien vor. Am Aufstieg gewinnt man einen guten Überblick über den Zugang zur Kalkwand vom Junsjoch nordwärts.

Kalkschiefer mit Einlage

Der Steig führt bis knapp unter die Felsen der Tarntaler Köpfe, bevor er in grobblockigem Reisengelände sich von Süd nach Südwesten wendet. Während des Aufstiegs begegnet man in kurzer Entfernung am Steig den unterschiedlichsten und sehenswerten Formen von Kalk- und Kieselschiefern.

Rückblick auf den Aufstieg unterhalb der Klammspitzen

Nach dem Richtungswechsel müssen die farbenfrohen Blockschuttreisen von den Tarntaler Köpfen herab durchquert werden. Im Frühsommer traf der Verfasser dort noch ein relativ großflächiges Schneefeld an, das sich in einer seichten Grube auf 2.560 m erfolgreich gehalten hat, durch die Hangneigung vor der flachen Sonneneinstrahlung im Frühjahr lange geschützt.

grüner Kieselschiefer mit eindrucksvoller Bruchfläche

Nach der Vertiefung mit dem Schneefeld steigt die Route merklich an. Die Schuttreisen laufen aus, an ihre Stelle tritt Bergwiesengelände mit größeren Blöcken Kalk- und Kieselschiefers. Der Steig vollführt dort die Runde auf den Nordwesthang der Tarntaler Köpfe.

Rückblick auf den Klammsee und den Kamm zum Voldertal im Hintergrund

Auffallend im weiteren Aufstieg ist die beträchtlich zunehmende Größe der Felsblöcke am Nordwesthang. Diese Blöcke sind von der Deckschuppe der Tarntaler Köpfe herabgebrochen und bedecken ein großes eher flaches Areal unterhalb. Der Abbruch dürfte vor nicht vielen hunderten Jahren stattgefunden haben und die größten Blöcke nur gerutscht sein, wenn man den unterschiedlichen Flechtenbewuchs betrachtet.

Rückblick nach der Kurve vom Nordabhang auf den Nordosthang

In diesem Gelände gibt es noch vereinzelt schöne Fundstücke von Bergkristall, der von den Mineraliensammler der 70er Jahre verschmäht worden ist. Der damalige Boom des Mineraliensammelns wirkte sich dermaßen massiv aus, daß heute im gesamten Ötztal und auch im Zillertal kein einziges Stückchen Granat oder andere Mineralien mehr auf der Geländeoberfläche aufzufinden sind.

Bergkristall neben dem Steig

Das Gebiet der Tarntäler gehörte ebenfalls zum Eldorado der gierigen Süchtler, die der Jagd danach alles unterordneten und teilweise ihren Lebensunterhalt damit bestritten. Alles und Jedes an der Oberfläche wurde dort umgedreht und in Klüften wurde einfallend ohne Sicherung, mit dem Körper nach unten und die Füße noch an der Oberfläche, gegraben, um Stufen von Mineralien zu heben.

Bergkristallspitze

Umso erfreuter darf man heute daher sein, wenn man das Glück hat ein schönes mittelgroßes Bergkristallprisma mit dem typisch sechseckigen prismatischen Wuchs und der facettenreichen Spitze anzutreffen. Ein solcher, und mit etwa 12 bis 15mm Höhe gar kein kleiner Kristall, befindet sich direkt neben dem Steig links im flachen Teil an einer engeren Passage zwischen den massiven Blöcken. Wer den Steig auf der linken bergseitigen Seite entfernt erkundet wird weitere Kristallnester finden.

im Blockgelände knapp unterhalb der Deckschuppe

Nach diesem kristallischen Highlight auf der Tour verstärkt sich das Blockgelände und führt zu einer schuttig, sandig, erdigen Passage an der der Steigverlauf durch die lockeren Partien etwas in Mitleidenschaft gezogen wurde, jedoch kein Hindernis darstellt. Man kann diese auch im Blockwerk umgehen. Damit steht man schon fast unter der Abbruchlinie der massiven Blöcke, die nach etwa 70 m weit und 40 m tief nach unten gerutscht sind. Sonderbarerweise kommt dieser Abbruch nur auf einer schmalen Linie vor, die Nordflanke der Tarntaler Köpfe steht fest und ohne größere Blöcke im Hangschutt darunter da.

steiles Gelände bis zum Felsansatz

Steil führt der sandige Geländeansatz zu den stark gefalteten Kalkschiefern hinauf, zwischen deren mittlerweile weit geöffneten Klüften sich der Überstieg auf deren Oberkante befindet. Eine kleine Stufe von zwei Metern wird mit wenigen Tritten und Griffen erklommen, um auf der flächigen Oberseite der Deckschuppe der Kieselschiefer anzukommen.

Großer Tarntaler Kopf, 2.556 m

Von unten ist bereits das nur mehr 60 Hm entfernte Gipfelkreuz zu sehen. Am Aufstieg stellen sich drei breite Bruchzonen in den Weg, Markierungen gibt es vereinzelt, sind aber auch nicht vonnöten mit dem Ziel im Blickfeld. Die erste Bruchzone ist nicht nur breit, sondern auch bemerkenswert tief (2-3 m) und zerteilt die plattig-schieferige Oberfläche sichtlich. Mit leichtem Höhenverlust wird sie an geeigneter Stelle durchschritten, die anderen, schmalen Klüfte können zum Gipfel hin umgangen werden.

Tarntaler Sonnenspitze im Süden mit imposanter Nordwand, links hinter den Köpfen die Tarntaler Scharte

Am Hauptgipfel der Tarntaler Köpfe, dem Großen Tarntaler Kopf, läßt sich das Obere Tarntal zum Teil einsehen, vor allem aber die imposant wirkende Tarntaler Sonnenspitze und den gewaltigen Lizumer Reckner, dem mit 2.886 m höchsten Gipfel der Tuxer Alpen.  Auf ihn kann man auch im Winter steigen, wenn man die Schitour zum Geier unternimmt.

Lizumer Reckner mittig, links Hoher Riffler, rechts Olperer, Fußstein und Schrammacher

Zwischen den Tarntaler Köpfen und der Tarntaler Sonnenspitze befindet sich die Tarntaler Scharte, über die in diesem Bericht zur Lizumer Hütte abgestiegen wird. Vom Gipfelkreuz am Großen Tarntaler Kopf aus ist sie nicht sichtbar, da die anderen drei Köpfe, der Mittlere Tarntaler Kopf gleich etwas tiefer südöstlich gegenüber, der Tarntaler Turm dahinter und der Südliche Tarntaler Kopf dieselbe verdecken. Ein mit Steinmännern markierter Steig führt über die 130 Hm Abstieg.

Blick vom Großen Tarntaler Kopf nach Norden auf den Mölser Berg

Der Rückblick vom Gipfel nordwärts zeigt nahezu den gesamten Anstieg im Verlauf vom Wattental, den Mölser Berg und dahinter das Karwendel.

Ansicht der Abstiegsstrecke von der Tarntaler Scharte mit bemerkenswerten Rissen in der Decke am Gipfel

Ebenfalls besteht ein vorzüglicher Blick auf den Lizumer Boden. Nördlich und östlich des Gipfelkreuzes ziehen sich mächtige Risse in die Deckschuppe und bilden einen interessanten Vorbau mit Steinschlichtung, von der die Höhe der Gipfelfelsen eindrucksvoll betrachtet werden kann.

Kalkwand mit Salzscharte nördlich; dahinter die Reichenspitzgruppe

Der vielleicht schönste Blick besteht auf die Kalkwand im Osten. Gut kann der Gratweg vom Reuterturm bis zum Gipfelkreuz betrachtet werden und der Abstieg über den Südgrat in den  „Salzsattel“ – der seine Namensgebung der weißen Gipsschichten verdankt – zur Torwand hin. Zwischen der Kalkwand und dem Salzsattel finden sich in 37 km Entfernung die atemberaubenden Gipfel der Reichenspitzgruppe genau im Osten.

Hinter dem Lizumer Reckner ragen in der Ferne die bedeutenden Gipfel des Hohen Rifflers, des Olperers in 12 km Entfernung, des Fußsteins und des Schrammachers im Tuxer Kamm der Zillertaler Alpen auf.

im Westen die Stubaier Gipfel

Im Westen dominieren die Stubaier Alpen bis hinab zu den Brennerbergen und im Vordergrund die Gipfel des Rosenjoch-Kamms der Tuxer, auf die bärige Schitouren führen, die auf diesem Blog beschrieben sind. Das Rosenjoch wies bis ins 19. Jhd. einen Gletscher auf der Nordostseite auf und noch heute hält sich der Schnee im Frühjahr sehr lange für ein tolles Figlerlebnis.

Tiefblick zu den Klammspitzen über die Felsen des Großen Tarntaler Kopfs

Nach Südosten, gegen die anderen Tarntaler Köpfe hin, wird der Gipfel des Großen Tarntaler Kopfes mit dem Abstieg auf festem Schiefer verlassen und eine Einsattelung dazwischen angesteuert.

Mittlerer Tarntaler Kopf im Abstieg zur Tarntaler Scharte gesehen

Die anderen drei Köpfe können überklettert werden, diese Route ergibt einmal einen eigenen Bericht darüber. Am Abstieg nach der Einsattelung schnürt sich der zunächst weglose Abhang mit den hausgroßen Felsblöcken etwas ein und bildet  entlang der Schrofenwand zur Linken vom mittleren Kopf herab ein kleines Steiglein, das weiter verfolgt wird.

am Steig zur Tarntaler Scharte

Seine Ausprägung verschwimmt am Weg unterhalb der Köpfe hin zur Scharte ein wenig, wodurch mit zufälligen Steinmandln abgeholfen wird, allerdings bräuchte es dieselben aber gar nicht, denn die Richtung dorthin ist durch das Gelände klar vorgezeichnet. Abschließend nach der Querung führt eine Schuttreise im Kalkschiefer hinab zur Scharte und passiert eine schöne Formation von Kalk- und Dolomitbreccie.

Steig zur Tarntaler Scharte

Auf der Gegenseite der Tarntaler Scharte kann die Runde über die Lizumer Sonnenspitze, das Obere Tarntal und den Lizumer Reckner bis zum Geier fortgesetzt und ein wieder gänzlich anderer geologischer Abschnitt erkundet werden. Diese bärige Erweiterung wird in Kürze auf diesem Blog beschrieben und an dieser Stelle verlinkt.

Formation von Breccie nahe der Tarntaler Scharte

Unten hat man die Scharte noch nicht ganz erreicht, vorher müssen noch die gelblichen Radiolaritfelsen passiert werden, bevor man an deren Südende einen vergilbten roten Markierungspunkt erkennen kann, der die Abstiegsroute anzeigt.

Blick Richtung Aufstieg zur Tarntaler Sonnenspitze

Dieser Abstieg wird nicht mehr gewartet und stellt einen aufgelassenen Steig dar. Der Grund für die Auflassung liegt mit Sicherheit im jungen Abbruchmaterial der Felsen in der Scharte. Die Trümmer der Abbrüche überdecken den Steig und über etwa 60 bis 80 Hm ist keine Markierung sichtbar.

unteres Tarntal von der Scharte aus gesehen

In der heutigen Zeit kann man es angesichts der Haftung eines Wegerhalters den alpinen Vereinen nicht verdenken, wenn ein Steig mit Felssturzgefahr aufgelassen und aus dem Kartenwerk genommen wird.

Tarntaler Scharte gegen Norden auf die Tarntaler Köpfe

Die kaum erbringbaren Verpflichtungen nach dem – für alpine Verhältnisse völlig untauglichen – § 1319a ABGB, im Zusammenspiel mit der zunehmend dreisteren Verfolgung von persönlich erlittenem Schaden, dessen nach sich ziehende Kosten durch oft erfolgreiche Abschüttelung von Eigenverantwortung stets Dritten überbürdet werden sollen, lassen die Menschheit vor sich selber kapitulieren und dadurch Schönheiten brach liegen, wenn es diesen Steig rein rechtlich heute offensichtlich nicht mehr gibt.

Lizumer Boden in der Tiefe; hier wird abgestiegen

Zum guten Glück gibt es den Steig noch physisch und seine Begehung mag lediglich eine kleine Portion Versiertheit in blockigem Gelände bedeuten, um sicher zur Lizumer Hütte abzusteigen.

Abstiegsgelände im obersten Teil (etwa über 20 Hm)

Im oberen Teil erweisen sich die Stöcke als vorteilhaft, das Terrain ist dort steil und zwischen den Blöcken schuttgefüllt, wodurch eine gute Abstützung damit erreicht werden kann. Nach etwa 50 Hm des Abstiegs gibt es keine Schwierigkeiten mehr und die ersten Markierungen von unten tauchen in der Ferne auf, an denen man sich orientieren kann.

Rückblick auf die Scharte nach der überschütteten Abstiegsstrecke

Bald ist das untere Ende der Felssturzbahn erreicht und der Wiesenansatz erfreut an seiner Blumenpracht. Selbst ohne immer gleich Markierungen im weiteren Verlauf zu erkennen gibt es keine Abstiegsprobleme, die richtige Route führt stets nach Nordosten auf die Almweide vor der Lizumer Hütte hin und der Elektrozaun der Weide, noch weit im Hang heroben, wird einfach überstiegen. Schräg abwärts querend erfolgt der Abstieg auf Steigspuren, bevor die Weide ostwärts gequert und der Wattenbach über die Brücke an der Hütte erreicht wird.

in fast direkter Linie die Lizumer Hütte angesteuert

Die Einkehr auf der Lizumer Hütte stellt das Abschlußerlebnis der bärigen Runde mit den vielfältigen landschaftlich phantastischen Eindrücken dar.  Meist wartet der ungarische Koch mit deftiger alpenländischer Kost auf, der Schweinsbraten des Verfassers war der Hit.

erneutes Vorkommen von Enzian am Ostabhang beim Abstieg

Die Lizum verlassen und die Rückkehr zum Parkplatz Walchen kann man auf drei Arten: Abstieg über den Zirbenweg des Aufstiegs, Abstieg auf der Lizumer Straße und Ausfahrt mit dem Hüttentaxi, das man bestellen muß.

Rückblick auf den reizvollen Abstieg (Scharte bei Schneefeld)

Die Runde über die Tarntaler Köpfe mit Aufstieg und Abstieg vom und zum Parkplatz Walchen, sowie alle Pausen und der Hüttenbesuch erforderte 8:25 Stunden, wobei der Aufenthalt in der Hütte sicher eine knappe Stunde Anteil daran besitzt.

leichtes Abstiegsgelände zur Lizumer Hütte

Die Strecke im oberen mittellangen Bereich misst 19 km und dabei wurden 1.370 Hm auf- und abgestiegen. Mit dem Hüttentaxi in beide Richtungen schrumpft nicht nur das Füllhorn an Erlebnissen, aber auch die Länge etwa um 11 km auf 8 km (bei nur einer Strecke mit dem Taxi auf 13,5 km) und der Aufstieg ab der Lizumer Hütte um etwa 580 m auf verbleibende 790 m, sowie der Abstieg entsprechend der Wahl.

Mils, 02.07.2022

 

Kalkwand, 2.826m – Überschreitung zur Torwand, 2.770m

Eine sprichwörtliche Liebe auf den zweiten Blick entwickelt sich in der Kalkwand frühestens an ihrem felsigen Fuße, den zu erreichen eine mühsame Querung vom Junsjoch über stark steigende Schuttflächen vorausgeht. Überhaupt ist die Zuwegung aus dem Wattental zu dem unerwarteten Juwel an Abenteuerreichtum völlig anders als gewohnt, sowohl vom Südwesten, als auch vom Nordosten. Die Entschädigung an Kletterei aber dafür ist überwältigend und unvergesslich.

Kalkwand, 2.826m

Einem begeisterten Gratkletterer, der das Karwendel hinter seiner Haustüre weiß, würde es kaum einfallen dies Abenteuer ausgerechnet in den Tuxern suchen zu wollen, schon gar nicht in der Umrahmung des Wattentals, wenn er sich bei seinen winterlichen Begehungen nicht schon einmal von den schroffen Westwänden der Kalkwand hätte beeindrucken lassen und diese von seinem Schitourenziel aus mit dem Glas nicht schon näher „recognoscirt“ hätte.

Kalkwand im Detail

So kann es vorkommen, daß man die Kalkwand als mehr oder weniger begehrenswertes Ziel geistig aufnimmt, von Zeit zu Zeit dies und das, aber allgemein fast nichts darüber hört und sie einige Jahre mit sich herumträgt, bevor sich irgendwann, zwischen hehren Zielen in weit schrofferen Gefilden, das Langzeitgedächtnis regt und die Kalkwand wieder ins Bewußtsein befördert. Das ist dann der Zündfunke für die Liebe auf den zweiten Blick, die man zu ahnen vorerst nicht in der Lage ist und die sich zum lodernden Feuer ausbilden kann.

tolle Formen am Grat zum Gipfel der Kalkwand

Die Kalkwand stellt in vielerlei Sicht ein sonderbares Ziel dar. Zum einen paßt die geologische Herkunft ihrer triassischen Deckscholle1, bestehend aus verschiedenen Dolomiten (Hauptd., Rhätd. sowie Dolomit des Ladin) wenig in das Bild des Tarntaler Mesozoikums und in die in den Tuxern dominierende Quarzphyllit- und Grauwackenzone überhaupt. Die Fremdartigkeit der Kalkwand-Deckscholle ihn ihrem Gebirgszug ist auch an den umgebenden Bergformen eindrucksvoll zu sehen, verfolgt man den Kamm in beide Richtungen. Sehr auffallend zu verfolgen ist die Änderung der From zum abgerundeten Pluderling im Südwesten, der aus den Bündner Schiefern der Hohen Tauern besteht.

Rückblick

Zum anderen benutzte die Wehrmacht2 in den vierziger Jahren den am Grat leicht abgesetzten Reuterturm als Ziel und zerschoss diesen zu seiner noch heute äußert bizarren Erscheinung, was mächtige, schneeweiße Schuttreisen hinab in die farbfremden dunkleren Schieferhänge der Lizum zur Folge hatte.

Kalkwand und Lizumer Sonnenspitze von der Außerlannalm

Die Zuwegung zur Kalkwand erfolgt aus dem Wattental über weite Strecken ohne markiertem Pfad oder Steig, welches auch einen Hauch von Orientierungsfähigkeit voraussetzt, will man auf den steilen und schuttigen Westhängen bei gleichzeitig notwendigem Höhengewinn nicht zu weit abgedrängt werden.

schönes volkstümliches Wegkreuz mit dem Hl. Johannes Nepomuk – Patron: von Tschechien, von Böhmen, der Stadt Salzburg; der Beichtväter, Priester, Schiffer, Flößer, Müller; der Brücken; des Beichtgeheimnisses; gegen Wassergefahren; für Verschwiegenheit

Zu guter Letzt bilden die gewaltigen Dolomitblöcke bis weit hinab ins Tal eine optisch psychologische Barriere, jedoch versprechen sie, nach eingehender Beschäftigung mit dem Glas, auch einen gewissen Abenteuerreiz.

Innerlannalm (1.684 m)

Sie wurde 1893 erstmals bestiegen und dient heute dem Truppenübungsplatz als alpines Ausbildungsgelände im Klettern, wobei mehrere Routen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades mit blau markierten Bohrhaken erschlossen wurden. Niemand geringerer als Franz Oppurg, den der Autor noch persönlich in der AV Sektion Wattens kennenlernen durfte, hat 1971 mit E. Reisigl die erste Nordwandroute, den „Pfeilerweg“, im linken Wandteil von eröffnet, ein Anstieg im vierten Grad. Einige Jahre darauf, 1976, wurde links der Schlucht der Absamerweg von Aschaber, Haim und Hinteregger eröffnet.

Schmalblättriges Weidenröschen vor Lizumer Sonnenspitze und Tarntaler Köpfen

Die Entdeckungsreise beginnt am Parkplatz vor dem Lager Walchen, am Ende der Landesstraße im Wattental auf 1.410m. Orografisch rechts beginnt der Steig auf dem schmalem Streifen zwischen der Stieralm und dem Wattenbach auf abschnittsweise meist sehr lettigem Steig bis zum Ende der Alm, wo sich der Steig bergwärts wendet.

schöne Kalkbreccie mitten im Tal, inmitten in anderer Geologie

Am Südende der Alm beginnt ein Fahrweg durch den Wald, der über die erste Talstufe zur Innerlannalm (1.684 m) führt. Die Innerlannalm liegt in einem recht flachen Talbecken und wiederum bildet deren Südende den Beginn der nächsten Stufe auf den Lizumer Boden.

Kalkbreccie im Detail

Dieser Teil im Aufstieg ist der Wattentaler Zirbenweg, bzw. der alte Sommerweg in die Lizum. Der Aufstieg durch den Wald ist sehenswert, die Zirbenbestände nehmen mit der Höhe zu und aufgrund der wenig exponierten Lage finden sich längs des schönen Steiges auch sehr alte Exemplare von Zirben, wenn man weiß, daß ein Stammdurchmesser von etwa 40cm einem Alter von etwa 200 Jahren entspricht und diese Größenordnung auf die gewaltigen Stämme dort überträgt. Ihr Zeitgefühl ist für menschliche Begriffe beachtlich, bedenkt man, daß es 50 bis 80 Jahre dauert bis die Zirbe zu blühen beginnt.

Grauer Alpendost

Moderne Zeitgenossen mögen diesen lehrreichen Abschnitt, der mit der Ankunft unweit der Militärgebäude des Lagers Lizum auf knapp 2.000 m endet, mit dem Radl auf der sonnigen Seite der Fahrstraße umgehen und dabei viel vom Reiz des Tales am Asphalt einbüßen. Extreme Zeitgenossen würden gar das Hüttentaxi benutzen und beim Ausstieg an der Lizumer Hütte auf 2.019 m noch weniger von der Natur über die ersten knapp 6km und 600 Hm mitbekommen haben. Ihnen fehlt dann jegliche Vorbereitung auf die Größe des Tales, der topographischen Stufen, der Änderung der Vegetation und sie entbehren des erhebenden Gefühls sich auf den alpinen Teil vorbereitet zu haben.

Kalkwand und zu begehende Westflanke

Für den alpinistischen Normalaufstieg von Walchen bis zur Lizumer Hütte gibt das Führerwerk und die Wegweiser des Tourismusverbandes eine Zeit von etwa 2,5 Stunden an, wobei die Strecke mit zügigem Schritt in 1,5 Stunden leicht gemeistert wird und man muß um seinen Bergtag auch ohne technische Aufstiegshilfen keine Angst haben, wenn man etwa um 7:30 Uhr in Walchen startet, was nicht zu viel verlangt scheint, für ein Abenteuer dieser Größenordnung.

Kalkwand vom Junsjoch gen Nordosten

Die Lizumer Hütte, im Aufstieg rechts liegen gelassen, wird später, nach der tollen Runde, Als Abschlußeinkehr aufgesucht, zunächst geht es am Fahrweg taleinwärts. Hätte der Autor seine alte AV-Karte gründlich studiert, so hätte er den alten Aufstieg zum Junsjoch genommen – und somit sicher eine gute Viertelstunde abgekürzt. Dafür erfreute er sich mitten in den verbleibenden Lizumer Böden von der Hütte bis zum Talschluß an einem unvermittelt aus den flachen Wiesen aufgerichteten Hügelchen von Kalkdolomitbreccien, schneeweis und von herrlicher Struktur, die unbedingt näher in Augenschein genommen werden müssen.

Junsalm

Der weitere Weg über die letzte Talstufe hinauf, der nach wenigen Minuten zum Steig – orografisch links – im Tal sich wandelt, stellt bis auf die Geiermulde mit der Abzweigung Junsjoch/Geier hinauf einen einzigen geologischen Lehrpfad dar. Breccien jeden Gesteins, unterschiedlichste Gesteinstypen in knapper Folge und herrliche Verwitterungsformen  lassen die Anstrengungen des Aufstiegs vergessen. Des Gebirgssommers Flora kommt in der Geiermulde auf 2.350 ebenfalls nicht zu kurz.

Lizumer Reckner und Lizumer Sonnenspitze

Unspektakulär führt der Steig von der Geiermulde zum Junsjoch hinauf. Nach ein paar Serpentinen sind die etwa 130Hm überwunden und man steht am Junsjoch in der Längsachse der Kalkwand am Grat und kann den sich aufbauenden Koloss bewundern.

Kalkwand im Detail

Vom Joch aus werden ein paar Meter in Richtung Nordosten, auf die westliche Flanke des Grats in Richtung Reuterturm, vorbei an sonderbaren roten Platten (möglicherweise Zieltafeln) abgestiegen und unten in die schuttige Westflanke eingestiegen.

in der schuttbedeckten, schiefrigen Westflanke am Weg zum Reuterturm

Die Schafe stieben schon vor der Näherung des Autors auseinander, als er versuchte sich so hoch wie möglich zu halten um Höhenverlust zu vermeiden. Da auch die Schafe so nahe als möglich unter den steil geneigten Schuppenplatten des Grates Schatten zu finden, war eine Begegnung nicht zu vermeiden und in die Schutthänge hinab weichen mußten die Schafe.

Überbleibsel von Militärmaterial

Trotz guten Vorsatzes zu Beginn der wenig erstrebenswerten Querung kommt man offensichtlich nicht ohne Höhenverlust durch, da herab reichende Ausläufer der glatten Grauwackenschiefer und dem Geröll von Quaritzschollenbreccie einen immer wieder etwas nach unten zwingt.

unterhalb Reuterturm im mühsamen Gelände

In dieser Art an das Ende der Querung gelangt wartet ein etwa 100 m hoher Aufstieg zum Reuterturm. Diesen Aufstieg unternahm der Autor vorzugsweise im groben Blockwerk in der Falllinie des Reuterturms, in dem es sich vorzüglich steigen ließ, im Gegensatz zum schuttigen Hang davor.

Rückblick zum Junsjoch – darüber Pluderling, mittig Geier und rechts Lizumer Reckner

Am Weg zum groben, auffällig hellen Blockwerk unter dem Reuterturm passiert man eine eher flache Mulde mit allerlei Resten von Kriegsspielzeug, wenn man genau beobachtet, alles zusammen jedoch uralt und augenscheinlich keine atomaren Sprengköpfe, jedoch auch nicht erstrebenswert näher zu untersuchen. Fernhalten ist eine gute Wahl.

am Reuterturm mit Blick auf die Einstiegswand der Kalkwand

Unterhalb der bizarren Formen des Reuterturms hielt sich der Autor eher rechts, betrat die Grathöhe am Südwestende desselben und wurde mit einem unerwartet eindrucksvollen ersten Blick auf die Kalkwand belohnt. Diese Ansicht ist gleichzeitig auch jene, die den leichtesten Aufstieg über die senkrechten Westwände auf den Gipfelaufbau zeigt und die zur näheren Erkundung zu einer kurzen Rast am Turmfuß in der Sonne einlädt.

Einstiegswand zur Kalkwand im Detail

Nahezu der gesamte Aufstieg kann von dort eingesehen werden, auch wenn man es noch nicht ahnt. Mit dem Glas mag man einige der berühmten blau markierten Bohrhaken finden, aber diese zu kleinen Details reichen nicht einmal zur Orientierung bis zum Grataufbau. Bereits auf der glatten Flanke oberhalb der tollen Einstiegsszene in die Wand entschwinden die Markierungen dem Auge hinter dem Glas.

Abbruchmaterial und dunkle Nordwestwand der Kalkwand; Hintergrund Graue Wand und Hippold

Die einzig markante Stelle, die weiter oben erkannt werden kann ist eine offensichtliche Wandbuchschachtel, von der man sich weigert zu glauben, daß sie den Aufstieg markiert, ist man doch ohne Seil und Seilpartner unterwegs. Die Route bleibt also zunächst ungewiss, obwohl das Gipfelkreuz kaum 200 m höher zu sehen ist.

 

auf die Schiefer der Tuxer aufgeschobener Reuterturm – deutlich ist die Grenze zu sehen

Auf schmalem Band am Turmfuß wird die Einstiegsstelle erreicht, zuletzt von einem vorgelagerten begrünten Hügel über Blockwerk kurz absteigend.
Die Stelle kann kaum verfehlt werden, ein Bronzeschild bescheinigt der Route „Alpenjägersteig“ den vierten Grad und rechts davon, über einen abgetreppten Sockel gelangt man zum leichteren Aufstieg, der sich rechts nach oben zieht und an seiner Oberkante in einem kleinen Kamin endet, der zu schmal zum Spreizen ist, jedoch genügend Griffe und Tritte in seinen Rändern aufweist, sodaß die Genusskletterei im festen Dolomit bereits auf den ersten Metern ausgekostet werden kann.

Blick vom Einstieg zur Ausstiegskante mit schiefem schmalem Kamin

Über ein Band im unteren Drittel der Einstiegswand und ein breites darüber erfolgt der Gutteil der Querung nach rechts oben und nach diesem Band beginnt der Riss sich zu öffnen, der oben zum schmalen Kamin sich weitet.

 

nach 2/3 der Einstiegswand

Dem Karwendelgeher gereicht nach den ersten Zügen der wunderbar strukturierte, griffige und stets feste Dolomitfels zum Jauchzen gut. Nirgendwo scheinen Brocken sich zu lösen, jedes Griffleistchen sitzt bombenfest und in überschwänglich leichter Kletterei ist die erste Wandstufe erreicht.

 

Rückblick auf den Einstieg in die Kalkwand

Oben belohnt die erste Wandstufe ihre Eroberung mit einem schönen Blick auf einen langen Zopf von Breitblättrigem Hornkraut, das im Kanal über der Wandkante auf über 2.600m wunderbar gedeiht.

Rückblick von der Ausstiegskante auf die Einstiegswand der Kalkwand

Auf schuttigem breitem Band geht es unspektakulär mittelsteil nach oben weiter und ein auffälliger Steinmann wird passiert. Am Ende des Bandes befindet sich wieder ein Bohrhaken, bei dem das Gelände durch einen jähen Abbruch in die Junsgrube nach Südosten eine 90° Kurve erzwingt, um etwas steiler der Falllinie des Plattengeländes zu folgen.

Ausstiegskante mit Breitblättrigem Hornkraut

Am Ende des Plattengeländes wird eine gelbliche Wand erreicht, die eine Wendung nach rechts erzwingt und wenige Meter nach der Wendung erblickt man einen Durchschlupf auf die nächst höhere Wandstufe, der man folgt und etwas schuttbedecktes Gelände erreicht, das gleich luftiger wird und den Blick auf das tief unten liegende Wattental wieder freigibt. Hier beginnt sich der Grat auszubilden.

breites Schuttband bis Steinmann

Mit großer Erwartung auf den Grat und Freude über die wunderbar festen und gut strukturierten Felsverhältnisse wurden die nun wieder etwas schwierigeren Meter am Gratansatz gemeistert.

bei der gelblichen Wand mit Richtungsänderung oberhalb

Die plötzliche Ausgesetztheit und steileres Gelände verstärkten den Eindruck, daß der Gratansatz etwas schwieriger erscheint, von der klettertechnischen Einstufung her betrachtet ist diese Sequenz jedoch mit der Einstiegswand gleichzusetzen.

Rückblick von der Südwestflanke der Kalkwand

Der rasch erreichte Grat bietet erstmals den Blick zum Gipfelbereich und nach einer Minute über die sich verschmälernde Gratschneide auch zum Gipfelkreuz. Die letzte Viertelstunde zum Gipfel erfolgt nun auf dem Gustostück der Tour mit bärigen Gratabschnitten und einem fulminanten Ausstieg auf den Gipfelbereich.

 

herrlicher Tiefblick in die Wattener Lizum

Mit ein wenig Auf- und Ab erfolgt die leichte Kletterei über den moderat steigenden Grat, der immer schärfer wird und durchgängig auf seiner Nordwestseite geklettert wird. Wie auf den Bildern zu sehen befindet man sich in festem Fels, der genügend Risse und kleine Absätze als Tritte bietet. Die Kante der Gratschneide bietet hervorragende Griffe.

steileres Gelände zum Grat mit allzeit wunderbar festem Fels

Die Wand unterhalb wäre großteils auch begehbar, ist jedoch mit Schutt und Geröll belegt, das zur Verschneidung mit dem Gipfelbereich hin zunimmt.

Ausbildung zum Grat, Gratansatz

Nach ein paar nett zu kletternden Aufschwüngen und ein paar schmalen, ausgesetzten Passagen erreichte der Autor einen letzten Gratzacken, der den auslaufenden Grat einleitet.

am Grat erstmals das Gipfelkreuz sichtbar

Hinter diesem muß noch einmal ein paar Meter zu einer wenig ausgebildeten Scharte abgestiegen werden, in der der Grat seine schärfste Stelle aufweist – zumindest nach der subjektiven Empfindung des Autors.

schärfer werdender Grat

Am Bild im Rückblick erscheint es, daß das Trümmerfeld am Fuße der Kalkwand dem Grat recht nahe ist. Man lasse sich davon nicht täuschen, der Höhenunterschied beträgt etwa 200 m und wirkt durch die gewaltige Größe der Blöcke geringer.

tolle Formen am Grat zum Gipfel der Kalkwand

Aus der Scharte steigt der Grat buchstäblich auf seiner Schneide die letzten Meter zum letzten Highlight im Aufstieg, einem sozusagen Endzacken, auf, der über ein paar Meter leicht auf die Gipfelflanke abkletterbar ist.

schönster Teil am Grat zur Kalkwand im Rückblick

Er stellt den Endpunkt der anregenden Gratstrecke dar und als letztes Sahnehäubchen bietet er über ein paar Meter einen schmalen Ansatz auf Reibung als abschüssiges, kaum ausgebildetes Band als Trittfläche und auf der Oberseite der Scholle die Schneide als Griffkante. An seinem Ende bricht der Grat jäh zur Gipfelflanke ab.

letzte Meter am Grat zum Gipfelaufbau

Der Abstieg ist gestuft und leicht zu meistern, wobei ein großer Felsbrocken die unterste Stufe sozusagen als Treppenabsatz auf die Gipfelflanke zur Kalkwand überleitet. Bequemer geht es nicht.

beeindruckender Ausstieg vom Grat zum Gipfel der Kalkwand

An der Gipfelflanke angekommen muß man sich nach der wirklich genussvollen leichten Kletterei erst einmal umdrehen und das wohl meist abgelichtete Bild vom südwestlichen Teil des Grates der Kalkwand anfertigen, bevor der schöne Aufstieg mit den letzten Metern zum mächtigen Gipfelkreuz endet.

Gipfelkreuz der Kalkwand – es hätte eine Auffrischung nötig, nicht?

Den nordöstlichen Teil des Grates hat der Autor sogleich in Augenschein genommen und feststellen müssen, daß vom Gipfel der Kalkwand aus nicht viel eingesehen werden kann, außer, daß der folgende Gratsattel mit einer schauerlichen, brüchigen Kante nach Osten, zur Junsalm hin, abbricht.

Nebengipfel der Kalkwand

Also zuerst eine Stärkung und Studium des tollen Gipfelbuches aus dem Jahre 1988, in dem bei der Einweihung des Gipfelkreuzes, das über nun mehr als 30 Jahre allerdings bereits signifikant in Mitleidenschaft gezogen wurde und eine Reparatur dringend nötig hätte, soll es Bestand haben, auch der Kasernenkommandant zur Zeit der Diensterbringung des Autors in Absam sechs Jahr zuvor, teilgenommen hat.  Eine erstaunliche Entdeckung nach 38 Jahren Absenz vom Heer.

edles Gipfelbuch Kalkwand

Die Aussicht von der Kalkwand in die Zillertaler Alpen kann als grandios bezeichnet werden. Mit ihrer zentralen Lage deckt sie in einem Winkel von knapp 90° und einer durchschnittlichen Entfernung von 25km alle hohen Gipfel ab, von denen die meisten in voller Größe zu sehen sind.

Hintere Stangenspitze (3.225 m), Wollbachspitze (3.210 m), im Vordergrund (dunkel) Nestspitze (2.966 m), Großer Löffler (3.378 m) und Spitz vom Großen Mörchner (3.285 m) rechts

Mittlerweile, während dem Genuss der Landschaft, traf ein junges Pärchen vom Nordostteil des Grates ein, die den Aufstieg vom Salzsattel aus in Angriff genommen hatten, Pascal und Christina aus Tux.

Bildmitte Hochfeiler (3.510 m)

Somit waren wir drei die einzigen Besucher des bärigen Gipfels an diesem Tag. Und auch das Gipfelbuch bescheinigt, daß er nicht sehr häufig bestiegen wird. Die Eintragungen pro Jahr umfassen wenige Seiten mit Eintragungen, sieht man von den großen Gruppen verschiedener, auch ausländischer Militäreinheiten ab, die sich darin verewigt haben.

Großer Möseler (3.479 m) links, Hoher Riffler (3.231 m) und eindrucksvoller Bergsturz vom Schmittenberg herab

Die Überschreitung mit Aufsteigenden aus der Gehrichtung fortzusetzen erschien dem Autor eine kluge Wahl – zwar etwas faul, aber bequem an einem „Lazy Sunday“ nach einer kräfteraubenden Tour über die Villerspitzen im Stubai. Und wer fragt dem wird geantwortet; die beiden hatten nichts dagegen und im Gespräch stellte sich heraus, daß die Kalkwand zu einem der Hausberge von Pascal zählt, der auch viel darüber zu berichten wußte.

die beiden Erhebungen der Torwand (2.771 m) mit dem Gipfel links

Zunächst muß am Abstieg die gelbliche Zone von Rhätdolomit zwischen den beiden Gipfeln der Kalkwand in Form einer nach Osten hin brüchigen Einsattelung durchschritten werden.

Nordostgrat in der Achse

Hierzu erfolgt der Abstieg über feste und oberflächlich sehr raue Platten in eine erdig, schuttbedeckte Verschneidung und auf der Gegenseite auf einem Band in bequemen Gehgelände auf die Flanke des Nebengipfels. Der Pfad ist mit Steinmännern markiert, obwohl auch auf dieser Seite die blau markierten Bohrhaken den Weg weisen.

Nordöstlicher Nebengipfel und Grat bis zum Salzsattel (weißer Sattel) rechts

Hinter der Rippe mit dem auffälligen Band aus der Verschneidung steigt man ein paar Meter nach oben, um in besserem Fels zu queren, als die Steinmänner unten vorschlagen.

Abstieg mit Pascal und Christina in die Scharte zum Nebengipfel

Oben passiert man von Zeit zu Zeit die Bohrhaken und steigt mit etwas mehr Auf und Ab als unten, dafür interessanter. Im Allgemeinen ist der Nordostteil des Grates weniger scharf und leichter, teilweise auch im Wechsel mit Gehgelände und zwischendurch öffnen sich imposante Blicke über die schauerliche Ostwand zur Kalkgrube hinab.

Rückblick zum Gipfel der Kalkwand

Der stetig absteigende Gratteil und das Ende der Grattour überhaupt werden mit gemütlichem Schritt etwa nach einer Viertelstunde ab Verlassen des Gipfels erreicht. Am Ende des Grates spitzt sich selbiger noch einmal zu einer auslaufenden Schneid zu, deren Totalabbruch zunächst rechts (östlich), dann links eindrucksvoll eingesehen werden kann und der letzte Bohrhaken auf einer lose aufgelagerten Felsplatte markiert das nahe Ende des Grates, der nach einem schmalen Band mit einer Abseilstelle senkrecht abbricht.

Rückblick zur Kalkwand

Bei der Platte mit dem Bohrhaken führt der Abstieg in die schuttbedeckte Nordflanke der Kalkwand. Über undeutlich zu erkennende Steigspuren erfolgt der Abstieg zu ebenfalls schwer erkennbaren Steinmännern in gerader Linie südwestwärts hinab.

letzte leichte Gratsequenz

Die Geländeform gibt die Richtung fast vor, man folgt ihr bis zur Sichtung der Steinmänner mit nicht zu steilem Abstieg.

Übergang zur Abseilstelle – hier knapp 180° umgedreht südwestwärts zu Steinmännern hinab

Sobald der als Art Absperrung errichtete Steinmann erreicht ist und etwas darüber hinaus abgestiegen wurde, öffnet sich hinter einer herabziehenden Felsrippe die Sicht auf einen kleinen Turm mit auffälligem Steinmann der angesteuert wird (Bild).

Abstieg schräg querend, Steinmänner schwer sichtbar am Bild

Damit ist der ungewisse Teil des Abstiegs eigentlich schon überwunden, denn von dort wird nur mehr über Rippen und Türmchen unterhalb der hohen Nordwestwand auf das Schuttfeld Richtung Torwand hin gequert.

Rückblick vom zweiten Steinmann

Natürlich folgen über die Querung bis zum Schuttfeld hin noch einige schöne Kletterstellen, aber die Richtung ist klar und kann durch das sichtbare Schuttfeld eigentlich nicht mehr verfehlt werden. Der Abstieg erfolgt also im Wesentlichen nur mit einer signifikanten Hauptrichtungsänderung.

auffälliger Steinmann im Nordosten nach Richtungsumkehr

Am Schuttfeld muß wieder zur Grathöhe aufgestiegen werden. Dabei passierte Pascal eine Stelle mit Trümmern von Fahlerz3, das aus einem Brocken herausgeschlagen wurde und die Minerale Azurit (blau) und der Malachit (grün) schön anzusehen sind.

Steinmännern folgend über ein paar kleine Rippen bis unterhalb die Abbruchwand

Unter vorwiegend Gehgelände am Grat wird über einen reichen Wechsel an Gestein zum Salzsattel abgestiegen. Es begleiten dort, von oben nach unten: Raibler Schichten (Tonschiefer, Sandsteine, Dolomit und Breccien), Dolomit des Ladin, Hautdolomit, Bänderkalk und zuletzt wieder Dolomit und auffällig dabei ist die dünne Schicht von schwarzen Kalken, zwischen den mächtigen Dolomitlagen.

Rückblick vom Aufstieg auf den Grat auf das letzte Kaminschen am Abstieg

Die Bezeichnung „Salzsattel“ für den Sattel zwischen Kalkwand und Torwand ist natürlich als Metapher zu sehen und stellt die salzweiße Farbe in den Fokus. Geologisch gesehen besteht dieser kurze Teil aus Rauhwacke mit Gips und hier findet sich eine gute Erklärung über die Funktion dieser Schicht am Sattel, die zu verstehen hilft wie die Kalkwand durch Deckenüberschiebung an ihren Platz gekommen ist.

Fahlerz mit Malachit und Azurit

Am Salzsattel endet der bergsteigerisch interessante Teil der Kalkwandüberschreitung.
Jenseits des Sattels stiegen wir in leichtem Gehgelände wieder über den in den Tuxern typischen, von verschiedenen Schiefergesteinen gebildeten Gratrücken auf die Torwand auf.

unterer Teil des Grates zum Salzsattel

Mit einem schönen Rückblick auf die tolle Kalkwand  verabschiedeten sich die Bergkameraden am Gipfel der Torwand, Pascal und Christina über den Zinten und der Autor über den Westhang der Torwand absteigend.

Rückblick auf die Kalkwand am Aufstieg zur Torwand

Weglos über den Hang, der im Winter eine schöne Schitour bietet, hinab in den Melkboden wird am Torjoch der Weg zur Lizumer Hütte erreicht. Zur Einkehr in der Hütte muß man den breiten Schotterweg auf einem abzweigenden alten Weg verlassen, da der Schotterweg an der Hütte vorbei zum Kasernenlager führt.

Gipfel Torwand gegen Kalkwand

Die Einkehr in die Lizumer Hütte lohnt sich nicht nur wegen dem grandiosen Rückblick, sondern auch wegen heimischen Bieres uns der g‘schmackigen Kasknödelsuppe oder anderen Speisen.

Rückblick vom Melkboden zum zerrissenen Nordostgrat

Auf der Bank vor der Hütte kann ein Großteil am Grat vom Junsjoch bis zur Torwand mit dem Glas eingesehen werden.

Route Gratüberschreitung Kalkwand

Unter schnellem Schritt über den Zirbensteig ist man einer guten Stunde in Walchen am Parkplatz.

 

Überblick über die Gratstrecke der Kalkwandüberschreitung von Melkboden links bis Junsjoch rechts

Die Tour erfordert den Anstieg über 1.620m und über eine Strecke von knapp 21km. Mit einem Gipfelaufenthalt von etwa einer Stunde und einer dreiviertel Stunde in der Lizumer Hütte betrug die Gesamtzeit 9:44 Stunden. Die Rundenzeit von der Hütte bis zur Hütte betrug knapp 6 Stunden incl. Gipfelpause.

Mils, 09.08.2020

1 Enzenberg-Praehauser, Mechthild 1976: Zur Geologie der Tarntaler Breccie und ihrer Umgebung im Kamm Hippold-Kalkwand (Tuxer Voralpen, Tirol). Mitt. Ges. Geol. Bergbaustud. Österr. S. 163-180

2 Dingeldey, Christian: Bericht 1998 über geologische Aufnahmen im Quartär der Tarntaler Berge auf Blatt 149 Lanersbach.- Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, 142/3, S.304-305, 2000.

3 https://www.uibk.ac.at/geologie/schausammlung_cs/fahlerz.html

 

N

Wattentalreibn – Geier, 2.857m und Mölser Sonnenspitze, 2.489m

Die Idee zu dieser schönen Umrundung, der Wattentalreibn, entstand diesen Winter anlässlich der Schitour zum Nördlichen Klammer Schober unter herrlichem Sonneneinfluß beim Träumen während der Gipfelrast. Der Schluß, daß die Möglichkeit besteht lag nahe, da man den Geier auch vom Navistal aus als Schitour besteigen kann und eine Verbindung über die obere Knappenkuchl vom Klammer Schober aus gut sichtbar war. Bei der Vorbereitung der Schitour mußte dann festgestellt werden, daß die Umrundung schon beschrieben wurde und so muß zumindest der Titel der Tour unterscheiden.

untere Knappenkuchl – 2.175m

Von den Tourdaten her kann diese Schitour mit dem Klassiker im Karwendel nicht mithalten, sie ist nur eine Reibn „light“, aber landschaftlich eine sehr schöne und lohnende. Auch vom Anspruch, der Steilheit und Lawinengefährdung her ist sie eher zahm im Vergleich mit dem Karwendeloriginal und somit eine ideale Runde für jeden der etwas mehr – aber nicht das Extreme – möchte und die Abwechslung schätzt.

Lizumer Reckner

Wie immer bei Vorhaben im hinteren Wattental ist der Parkplatz vor dem Lager Walchen Ausgangspunkt für die Tour. Wir starteten dort kurz vor sieben Uhr an einem Traumtag und mußten die Schi zunächst bis zum Zaun der Stieralm tragen.

Aufstieg im Wald bis zum Kraftwerk

Der Aufstieg auf der eisigen Piste am Weg durch den Wald war mit einigen Rutschern durchzogen, ungeglättete Stellen mit guter Haftung gab es dort nur noch ganz am Rand – typische Frühjahrssituation dort.

Sonnenaufgang Ende März auf 1.750m

Vorbei am Kraftwerk und nach einigen hundert Metern hinein in den schönen Zirbenwald nahmen wir den Normalaufstieg zur Lizumer Hütte. Wohltuend im Wald im Frühjahr ist der Sonnenaufgang um kurz vor 6 Uhr auf etwa 1.750m.

der Straße entlang auf immer noch hohen Wänden

Unter Sonne im Wald ist die Wattentalstraße bald erreicht. Bei unserer Begehung fanden wir die Schneewächten talseits der Straße gut zur Begehung vor – kleines Training für Gratüberschreitungen obendrein.

Blick talauswärts

Der Blick taleinwärts in der Lizum war grandios, hier war von Frühjahr nichts zu erkennen, die Schneewächten standen einem dort noch bis zur Schulter. Eine Pracht war die Strecke bis zur Lizumer Hütte mit einer kleinen Naturbrücke über den Wattentalbach.

Idylle in der Wattener Lizum

Gut zwei Stunden nach dem Start erreichten wir den Aufstieg zum Geier am Talende. Größere Gruppen von Hüttengästen waren vor uns aufgestiegen und somit gab es mehrere Spuren zum Überholen.

am Plateau etwa in Aufstiegsmitte zum Geier

Der Aufstieg machte dem Autor plötzlich arg zu schaffen und er kämpfte sich mühsam zur Scharte des klassischen Aufstiegs, während alle anderen Tourengeher den Hang vor der Scharte rechts aufstiegen. Allein im letzten Hangteil mußten mehrere Verschnaufpausen her – gut, daß niemand zuschauen konnte, Britta war bereits weit voraus in der Querung der Südflanke knapp 100Hm unter dem Gipfel.

Rückblick in die Wattener Lizum

Recht abgekämpft trudelte der Autor dann am Gipfel des Geiers ein und grübelte über den plötzlichen Leistungseinbruch. Ein solches Erlebnis hatte er noch nicht oft. Im Gespräch war dann zu wenig Essen unter der Woche als wahrscheinlichste Ursache der Schluß und dieser sollte sich bei der Schitour auf den Malgrübler am Folgetag als richtig erweisen.

Blick auf die Geierscharte und dem Geier im Hintergrund

Der tiefe Griff in die Studentenfutterschachtel und die hastig verspeisten Äpfel – Standardmenü des Autors auf Bergreisen – vermochten jedoch kein Wunder zu vollbringen, aber diese Erkenntnis kam erst beim nächsten Aufstieg zu Bewußtsein.

Blick nach Südosten

Zunächst stellte sich trotz überzogenem Zeitbudget gute Stimmung aufgrund des grandiosen Erlebnisses der umliegenden Bergwelt ein und die Rast viel mit 40min etwas länger als gewöhnlich notwendig aus.

Blick auf das Kluppen- und Schmirntal

Highlight der Aussicht am Gipfel des Geiers ist zweifellos der Lizumer Reckner, der mächtige Sporn im Norden des Geiers mit seinem leichten Kletteranstieg. Dieser Gipfel könnte natürlich in die Wattentalreibn eingebaut werden, nicht aber bei dieser Erstbegehung und nicht unter Kraftmangel.

Blick nach Osten

Erkundet werden wollte hauptsächlich die Abfahrt nach Westen zum Griffjoch, das den südwestlichsten Punkt der Umrundung darstellt. Über das Griffjoch herauf führt der Anstieg auf den Geier von Navis.

Abfahrt zum Griffjoch – die abzweigende Spur sichtbar

Auf den Fotos sieht man das Griffjoch anhand der Spuren gut und abzweigend beim Staffelsee war auch eine Spur erkennbar, die scheinbar auf das Plateau oberhalb der Felsen führt und von dem wir angenommen haben, daß es sich um eine Alternative zum Griffjoch handelt. Später sollten wir den anderen Zweck dieser Spuren erkennen.

mit tollem Pulverschnee

Einigermaßen erholt und gestärkt traten wir die Abfahrt durch das westseitige Kar vom Geier an. Natürlich verfolgten wir die Spur, in der Meinung, daß sie das Griffjoch abkürze und stellten an der Felskante angekommen fest, daß kein ersichtlicher Durchschlupf mit Abfahrt in die Knappenkuchl vorhanden war und die Spur sich dort verlor.

der geheimnisvollen Spur nach…

Da der Rückweg zur Normalabfahrt (Normalaufstieg) zum Griffjoch jedoch mit einer Flachstrecke, bzw. sogar mit einem leichten Gegenhang verbunden ist entschieden wir ein paar Höhenmeter Aufstieg (etwa fünf) auf den Kopf nordseitig der Spur zu unternehmen, weil eine Spur ja nicht einfach so enden kann.

Abfahrt über den Durchlass im oberen Teil

Am Scheitel des Kopfes konnten wir erkennen, daß die Spur am Gegenhang wieder vorhanden und auf den nächsten, einigermaßen höheren Felskopf führte. Diesen wollten wir aber nicht erklimmen, da uns das Gelände dahinter nicht bekannt war. Allerdings war auch erkennbar, daß am Weg zum Gegenhang ein Durchkommen über einen komfortabel breiten Felsdurchschlupf mit unten steiler Abfahrt in die Knappenkuchl –  unserem Tiefpunkt – möglich war.

Engstelle und steilster Teil unten im Durchlass

 

Diese Abfahrt ist nur bei besten LWS-Verhältnissen zu empfehlen. Sie war noch gut befahrbar, im unteren Teil eng und möglicherweise zwei bis drei Wochen später schon aper.
Der Vorteil dieses Durchschlupfes ist die Höhe an der man den gewaltigen Hang von den Recknern und vom Tarntal herab hoch oben nordwärts in die Knappenkuchl queren kann und mit guter Fahrt am Tiefpunkt ankommt.
Die gesamte Höhe wird aber am Tiefpunkt in der Knappenkuchl auf 2.175m verloren, egal welche Route vom Geier herab.

Blick auf die untere Knappenkuchl

Die Knappenkuchl ist einer jener Plätze in unserem Touren-Aktionsradius an dem man eine Stecknadel fallen hören könnte; vergleichbar mit dem Rossloch im Karwendel. Die wunderbare Ruhe in dem unglaublich umfassen Weiß zu allen Seiten regt eine Stimmung an die man mit dem berühmten faustischen Zitat „oh Augenblick verweile!“ beschreiben könnte.

untere Knappenkuchl im Überblick

Beim Blick zurück konnten wir nun auch die Abfahrtsspur zur Aufstiegsspur auf die nächste Felsrippe nach dem Kopf, von dem aus wir die Abfahrt unternahmen, entdecken. Sie zog sich von der Felsrippe zunächst Richtung Tarntal und dann über einen prächtig aussehenden Steilhang in die Knappenkuchl herunter, sieht toll aus und ist am Bild gut sichtbar. Einstimmig beschlossen wir diese Variante bei der nächsten Reibn mit einzubauen.

Rückblick auf die Querung des Recknermassives von der unteren Knappenkuchl

Auf einem schweißtreibenden Südhang stand nach knapp 700m Abfahrt vom Geier der Aufstieg auf das Klammjoch und ein weiterer Gipfel der Reibn – die Mölser Sonnenspitze – am Programm.
Der Anstieg ist zunächst moderat steil, dann sehr flach, er beträgt kaum 200Hm bis zum Klammjoch.

das nächste Ziel in Sicht – Mölser Sonnenspitze

Eine Variante zum Klammjoch wäre die Westflanke der Mölser Sonnenspitze. Hierzu wird nicht weit nordöstlich aufgestiegen, sondern bald nordwestlich abgezweigt und der Sattel westlich vor der Mölser Sonnenspitze angepeilt. Vom Sattel sind es dann wenige Meter bis auf den Gipfel.

die beiden Klammer Schober (nördl. u. südl.)

Die Strecke bis zum Klammjoch entwickelte sich noch einmal zu einer schlappen Partie beim Verfasser. Das Essen am Geier griff noch nicht genug, sodaß er weit abgeschlagen die flachen Hänge mit einigen Rastpunkten und immer mit brennender Sonne im Genick absolvierte. Am Klammjoch mußte dann eine weitere Ration Rosinen her, die dann an der Mölser Scharte endlich zu wirken begannen.

Querung der Nordflanke der Mölser Sonnenspitze

Vom Klammjoch aus wird der schöne Nordhang der Mölser Sonnenspitze durchquert. Mit wenig Höhenverlust wird ein Aufstiegspunkt wenig unterhalb der Mölser Scharte erreicht, an dem nochmals aufgefellt wird (in unserem Fall war eine Spur gezogen, die wir mit Fellen befuhren).

Rückblick auf das Klammjoch

Zu fortgeschrittener Zeit erreichten wir die Scharte und nachdem der Autor das Aufgeben nie so richtig erlernt hat, wurde der kurze Nordanstieg zum Gipfel der Mölser Sonnenspitze in Angriff genommen. Die rd. 80Hm sind zwar rasch erreicht, jedoch mit vielen kleinen Spitzkehren und Richtungswechseln verbunden. Meist ist es dort auch ein wenig abgeblasen, dann verringert sich die Breite des Gratkammes nochmals.

Aufstieg zur Mölser Scharte, 2.379m

Vom Gipfel aus hat man nach Süden den phantastischen Blick in die inneren Tuxer und nach Norden auf den Gegenhang – das „Skispitzl“ und den Mölser Berg – ersteres auch einfach möglich in die Reibn einzubauen, zumal nur wenige Meter Aufstieg.

Nordhang Mölser Sonnenspitze

Der Nordhang der Mölser Sonnenspitze ist bei gutem Schnee traumhaft zu fahren und führt, über die Almen an Schotteben, nach der Bergstation des Schleppliftes, hinab zur Lizumerhütte und auch talauswärts.

Mölser Sonnenspitze, 2,389m

Wir setzten aber die Reibn im Mölstal fort und fuhren zunächst über den breiten Kamm zum westseitigen Sattel ab, um dann wieder leicht nach Osten zur Mölser Scharte zu gelangen, von der aus wir dann die schönen gestuften Hänge in Angriff nahmen.

Rückblick im Zoom (mit Abfahrtsspuren vom Recknermassiv)

Der Fahrweg im Mölstal wird etwa gut 500m talauswärts vom Mölser Hochleger erreicht. Dies nach toller Abfahrt über meist wenig befahrene Hänge und – spaßeshalber slalomartig  – durch einzelne Baumgruppen hindurch.

Blick auf die Abfahrt in das Mölsertal im Norden

Am Weg wird mit wenig Schiebeunterstützung die Kehre erreicht ab der die Fahrt bis zum Lager Walchen fortgesetzt wird, im Frühjahr – je nach Schneelage – mit aperer Straße über den Mölser Niederleger.

Mölser Sonnenspitze mit Querung von der Westflanke zurück zur Mölser Scharte

Mit den beiden Gipfeln des Geiers und der Mölser Sonnenspitze kommen auf der kleinen Reibn 1.840Hm Aufstieg zusammen. Durch den Lizumer Reckner und das Skispitzl könnte der Aufstieg nochmals um 160Hm auf 2.000Hm gesteigert werden.

traumhafte Hänge hinab ins Mölser Tal

Wir haben für die Wattentalreibn 7:30 Stunden gebraucht und die von uns gewählte Strecke betrug 24,7km. Sie ist in kürzerer Zeit machbar, wenn niemand einen Leistungseinbruch erleidet.

Mils, 30.03.2019

Schitour Torwand, 2.771m

Wer die Torwand im Wattental im Jänner früh am Morgen angeht, steigt über lange Passagen im Schatten auf. So ist es mir heute ergangen – trotzdem gefiel mir der abwechslungsreiche Aufstieg in felsigem Gelände und die gesamte Tour.

Panorama von der Torwand zum Talschluß der Wattener Lizum

Vom Parkplatz vor dem Lager Walchen wird zunächst über die linke Bachseite und Stieralm auf der Schiroute in Richtung Lizumerhütte aufgestiegen. Einige hundert Meter nach der Abzweigung zur Lizumerhütte weiter wird über die links aufsteigenden Hänge in Richtung Rosskopf – einem markanten runden Buckel – der etwas dem Weg zum Torjoch vorgelagert ist, aufgestiegen.

Torwand, 2.771m

Ich habe heute  eine Variante gewählt, um den flachen Teil der Straße zur Lizumerhütte zu vermeiden und bin hinunter zu den Kasernengebäuden gefahren und zur Kapelle aufgestiegen.
Dort fand ich eine frische  Spur vor, die zur Grauen Wand führen sollte und bald sah ich zwei Mann vor mir in der sehr abgeblasenen Flanke in Richtung Graue Wand aufsteigen. Muß kein sonderliches Hochgefühl sein hier abzufahren.

rechts geht’s ab

Oberhalb des kleinen Einschnittes zweigte ich von der Spur ab und stieg etwas steiler in Richtung Karmulde des Torjoches weiter, wodurch ich den Rosskopf praktisch links (nördlich) in Aufstiegsrichtung umgangen bin. Der Vorteil – neben einer Abkürzung von geschätzt 10min – dieser Routenführung war, daß ich gegen 10:20 Uhr den bereits besonnten Bereich erreichte und länger darin aufsteigen konnte, als bei der Originalroute.

bei der Abzweigung zur Torwand, rechts geht es direkt der Sonne zu

Allerdings wird die untere Karmulde dabei in der vollen Tiefe erreicht, was einen etwas steileren Aufstieg in Serpentinen notwendig macht, wenn man nicht zur deutlich höher gelegen Spur von der Lizumerhütte herauf aufsteigen. Diese führt in der Flanke der rechten Karbegrenzung ohne Serpentinen aufwärts, bis zur nächsten flacheren Stufe. Später habe ich erfahren, daß durch diese Spur kurz vor mir Kollege Jürgen eine kleine Tuxer Reib’n absolviert hat und sein lesenswerter Bericht sich lohnt bei ihm vorbeizuschauen.

unberührtes Aufstiegsgelände

Oben angekommen breitet sich eine leichte Mulde aus und im Sommer gibt es dort offenbar einen kleinen See oder eine Lacke, im Winter ist nichts davon sichtbar.
Die Spur zum Torjoch setzt sich nun mit einigen wenigen Metern Höhenverlust fort.

der Anstieg durch die Steilstufe (rechts oben der Anstieg von der Lizumerhütte)

In etwa auf Punkt 2.370m zieht rechter Hand eine auffällige Rippe ziemlich direkt südlich zu einer Flachstelle im Kamm auf die Torwand hinauf und diese muß man für den weiteren Anstieg wählen, das Torjoch (2.386m) wird nicht erreicht, ca. 150m vorher zweigt die Route auf die Torwand ab.

in Richtung Torjoch weiter

Der Aufstieg erfolgt wieder im Schatten, da gegen 11 Uhr die Sonne vollständig vom Gipfelaufbau der Torwand abgedeckt wird. Dies ändert sich erst oben, nachdem der Kamm erreicht wurde (siehe Foto).

der Aufstieg wird etwas steiler

Ab der Flachstelle – ich habe sie Podest genannt, obwohl sie viele Meter breit ist – taucht man wieder in Sonnenhänge ein, die jedoch immer wieder unterbrochen werden, da die Nordwestflanke der Torwand am Spätvormittag exakt parallel zur erst auftauchenden Sonnenbahn liegt.

Rückblick auf das Gelände des Torjoches

Die schneebedeckten Hänge zum Gipfel muß man sorgfältig aussuchen und von unten die beste Route einschätzen, denn im heurigen Winter hat der Föhn ganze Arbeit geleistet. Nicht nur, daß er die Flanke recht ausgiebig abgeblasen hat, er hat auch harsche, harte Windgangln geschaffen, die manchmal recht unangenehm zu queren sind.

steiles Aufstiegsgelände vom „Podest“ aus gesehen

Überhaupt bieten die letzten 250Hm einige Herausforderung. Die Flanke ist recht steil und für eine Erstbegehung die beste Variante trügerisch einzuschätzen weil die Steilstufen nicht vollständig überblickbar sind.

Rückblick auf den bisherigen Aufstieg

So bin ich etwas zu weit nach Süden abgekommen, fand aber zwischen den Blöcken rasch wieder heraus und kam auf breite Flächen, die die Normalroute darstellen.

vorletzter Steilhang

Im Großen und Ganzen bietet der Anstieg über die teilweise rassige Steilflanke jedoch keine Schwierigkeiten und über eine schöne steile Kuppe wird dann der Gipfelbereich betreten.

Kalkwand 2.826m

Die Torwand wartet nicht mit einen Gipfelkreuz auf. Eine schlichte Holzstange im Steinmandl gesockelt stellt die gesamte Zier des Gipfels dar. Es gibt kein Gipfelbuch, zumindest nicht offensichtlich.

Panorama von der Torwand zum Talschluß der Wattener Lizum

Als erstes fällt am Gipfel der Torwand der südlich gelegene und um 55Hm höhere und imposant steil aufragende Gipfel der Kalkwand auf – eine schöne Tour muß die Kalkwand wohl sein.

Panorama Wattener Lizum gen Inntal

Über den Ausblick möchte ich mich zu den Touren im Wattental heuer nicht wiederholen – er ist einfach auch von der Torwand großartig. Besonders das Trio der Riesen im Südwesten (Geier, Reckner und Sonnenspitze) bieten Grundlage für tolle Fotos.

Geier, Reckner und Lizumer Sonnenspitze

Von Osten Bis Süden warten die Zillertaler Giganten mit ihrer weißen Pracht auf und oberhalb der Grüblspitze, über der Junsbergalm im Tuxertal erkennt man deutliche Ansätze von tückisch breiten Anrissen der heuer auf Wiesenhängen so problematischen Gleitschneelawinen.  Südlich ausgerichtete Wiesenhänge – kein gutes Aufstiegsgelände heuer.

Gleitschneelawinen und -anrisse oberhalb der Junsbergalm

Immer wieder imposant ist der breite und nach den kräftigen Schneefällen nun besonders schöne Talkessel der Wattener Lizum mit dem weiten Hochtal, der zum Talabschluß die Mölser Sonnenspitze hat – eine empfehlenswerte, traumhafte Rundtour vom Lager Walchen.

Panorama Wattener Lizum West

Kaum ein Lüftl heute auf der Torwand machte mir den Gipfelaufenthalt zur Freude. Die zeitlose Schönheit des Panoramas und wieder einmal kein einziger weiterer Bergsteiger – alle Pracht für mich alleine. Leider aber auch keine Möglichkeit die Freude verbal und den Gipfelschnaps zeremoniell zu teilen.

Olperer in der Ferne und Kalkwand zum Greifen nahe

Hoch inspiriert trat ich den Rückweg an. Die steilen Hänge schnell überwunden und aufgrund der festen Windpressung recht gut fahrbar tauchte ich oberhalb der Höhe des Podestes in pulverige Passagen ein, ebenfalls nicht übel zu fahren.

Abfahrtsgelände im Überblick

Vom Gipfel aus fiel mir der schöne breite Kamm, der sich zu einem weiteren Kopf (nicht dem Rosskopf) hinauszieht ins Auge und ich beschloss diesen erreichen zu wollen.

weichere Hänge etwas weiter unten

Leider war der untere Verbindungsteil vom Podest bis zum Kamm total abgeweht und ich mußte ihn nordseitig in Gelände mit und über 35° Neigung umfahren (Vorsicht bei zweifelhaften Schneebedingungen!).

bereits am Kamm der umfahren wurde

Die vorsichtige Umfahrung war das kleine Risiko bei LWSII heute wert, denn am Sattel in diesem Kamm, an dem man direkt in die „Melkböden“ abfahren kann erwartete mich aufgrund der Hangausrichtung eine gewaltige Firnabfahrt.

Ausblick auf die weitere Abfahrt

Der Rest der Abfahrt zieht sich dann durch flacheres Gelände, bis zum noch etwas steileren Schlußhang kurz vor der Lizumerhütte hinab und rundet die schöne Tour ab.

Abfahrt im Rückblick

Einige Minuten Seelebaumel vor der Hütte in voller Sonnenbestrahlung und dann Suppe und Bier – Herz was willst du mehr?

Schlußhang zur Lizumerhütte

Der Rückweg über die Militärstraße und dann durch den tollen Zirbenwald ist der übliche und vielfach hier am Blog nachzulesen, er wird in diesem Bericht nicht beschrieben.

ein letzter Blick auf die Torwand

Der Aufstieg ab dem Parkplatz hat knapp 4 Stunden in Anspruch genommen, die zurückgelegte geodätische Höhe betrug gem. Bergsteigeruhr 1.450m und die gesamte Tour mit Gipfelaufenthalt (ca.30min) und Einkehr in der Lizumerhütte (ca. 30min) hat 6 1/4 Stunden gedauert.

Mils, 27.01.2018

 

 

 

 

Schitour Geier, 2.857m

Als Talabschluß ist der Geier nach dem Lizumer Reckner der höchste Berg in der Wattener Lizum und er ist der am weitesten entfernte Gipfel vom Ausgangspunkt der Schitouren in der Lizum, dem Lager Walchen.

Geier, 2.857m

Die Schitour mit ihren knapp 10km Länge hat einen Stützpunkt, die Lizumerhütte des AV und heute mußte ich diese für eine gute Viertelstunde sogar im Aufstieg in Anspruch nehmen. Bei -10°C und einem ganz schwachen Lüftl, nordseitig im Schatten ab 8:15 vom Parkplatz aufzusteigen, war für die Finger kein besonderes Vergnügen und mit dem alten Problem der unfühlbaren Fingerspitzen mußte ein Tee in der Hütte her.

Aufstieg im Wald oberhalb des Wasserschlosses

Die gut 600Hm vom Parkplatz bis zur Lizumer Hütte waren in 1 3/4 Stunden bewältigt. Die Hütte hat in der Schitourensaison durchgehend geöffnet – es gibt auch ein Shuttletaxi vom Parkplatz.

kurz nach der Einmündung auf die Straße

Den Aufstieg zur Lizumerhütte beschreibe ich hier nicht detailliert, er folgt dem Waldweg links vom Wattenbach über das Wasserschloss und dann im Wald, bevor er ca. 1km vor der Hütte auf die Militärstraße trifft und dieser bis zur Hütte folgt.

schneidend kalt – hier Gelände der Lizum mit den Militäreinrichtungen und der Lizumerhütte im Hintergrund

Nach dem Tee und Handschuhwechsel konnte die Tour endlich in der Vormittagssonne fortgesetzt werden, zumindest die erste halbe Stunde.

Nach dem Hüttenaufenthalt weiter im Hochtal

Malerisch schlängelt sich der kleine Wattenbach durch das zuerst relative ebene Hochtal nach der Hütte und dort wo es eine entsprechende Strömung gibt, vermochte der Winter den Bach für den Betrachter nicht gänzlich unter der reichlichen Schneedecke zu verbergen.

nach der Abzweigung in die Flanke unterhalb der Lizumer Sonnenspitze

Nach einigen Minuten entschied ich mich für die Inangriffnahme einer steileren Variante, als den Spuren zum Ende des Talkessels weiter zu folgen und schnitt den moderat steilen Hang, der sich von der Lizumer Sonnenspitze herunterzieht, an. Die Schneeverhältnisse ließen dies zu.

unter Sonnenschein geht es weiter

Rasch an Höhe gewinnend ging es durch große Steinblöcke hindurch und bald ereilte mich trotz fortgeschrittener Vormittagsstunde das Schicksal wieder in den Schatten des Nordhanges einzutauchen, den der flache Kopf des Pluderling so früh im Jahr am Vormittag wirft.

die Sonne hinter dem Pluderling versteckt

Der Hang wurde noch etwas steiler aber die Verhältnisse ließen zu, daß mit stetigem Höhengewinn eine nicht unbedeutende Strecke gegenüber der von Talgrund heraufziehenden Spur gespart wurde. Allerdings wieder mit dem Preis des Spurens und dieser war nicht klein.

kurz vor Einmündung in die Spuren aus dem Talgrund

Offensichtlich fand meine Idee und Route Gefallen, denn knapp vor der Einmündung meiner Abkürzung in die vorhandene Spur (ca. 2.450m) erreichten mich vier weitere Tourengeher, die mir gefolgt waren.

unterhalb der Felsen entlang

Nachdem der lange Osthang oberhalb der Mulde links unten einmündet, zieht sich der Hang in leichtem Bogen als sehr breite Rinne südwestlich weiter hinauf. Dabei werden Steilpartieen über 35° durch die Routenwahl und in Spitzkehren umgangen.

unbefahrene Hänge ziehen hinauf

Oberhalb wird das Gelände wieder etwas flacher, dreht etwas mehr nach Süden aber die Rinne prägt sich deutlicher aus. Man begeht sie östlich und schneidet dabei den Hang.

ein Rückblick auf die Gipfel von Torspitze bis Hirzer

Sonne in diesem Teil und weiter bis zum mittelbreiten Sattel zwischen Pluderling und dem Gipfelaufbau des Geier ließen die Stimmung zusätzlich zum windfreien guten Wetter weiter ansteigen.

im ausgeprägteren Teil des Hanges Richtung Süden

Man könnte nun knapp vor Erreichen der Kote 2.700m den steilen Schattenhang zur Rechten weiter ansteigen und somit eine kleine Ersparnis an Weglänge erreichen. Dies ist der Abfahrtshang, wie man später feststellen wird. Ich folgte jedoch dem allgemeinen Trott auf den Sattel.

im muldenartigen Teil

Am Sattel öffnet sich ein überwältigend Bild der Zillertaler Alpen. Zumindest für einen Rundblick und ein Foto muß man hier nach bereits gut 1.300Hm Aufstieg innehalten, bevor der letzte Anstieg auf den Geier gen Westen – mit unerwarteter Länge – unternommen wird.

Aufstieg auf den Sattel – rechts der dunkle Hang ist der Abfahrtshang

Mit ein paar Metern Höhenverlust muß eine Mulde überquer werden, um zum Gipfelaufbau zu gelangen.

der Sattel im Rückblick

An ihm steigt man mit einer Spitzkehre auf ein kleines Sattelchen zwischen einem Felskopf und dem weiteren Anstieg. Diese Verflachung und der Nordhang dahinter wird zur Abfahrt genutzt.

vom Sattel aus westlich auf den Restaufstieg auf den Geier geblickt

Von dort in moderater Steigung weiter bis auf den kofelartig flachen Gipfel des Geier werden in etwa 10min benötigt.

kurz vor dem Gipfel – das Sattelchen zur Abfahrt gut erkennbar, es ist das linke

Am Geier befindet sich eine aus Edelstahl geschweißte Geierfigur auf zu niedrigem Stahlprofilsockel (dieser majestätische Vogel hätte sich einen guten Meter mehr Höhe verdient) und heute bewunderten ihn mit mir ein knappes Dutzend Tourengeher insgesamt. Weniger Zierde stellt das Vermessungszeichen dar, aber es ist eben notwendig und vielleicht muß der Greif wegen Unverwechselbarkeit mit dem amtlichen Zeichen in der Tiefe leben.

Gipfelzierde am Geier, 2.857m – Lizumer Reckner im Hintergrund

Am Geier fasziniert am meisten der Ausblick nach Süden. Zum Greifen nahe breiten sich die Reisen der Zillertaler Alpen vor dem Betrachter aus, von ganz rechts dem Schrammacher, Fussstein und Olperer bis dahinter der höchste Zillertaler, der Hochfeiler, über Großer Möseler bis, weiter östlich, zum Großen Löffler und weiter.

Blick nach Südwesten mit Olperer, Hochfeiler (zwischen Olperer und Gfr. Wandspitzen) und ganz links Großer Möseler

Blickt man vom Geier nach Westen, so fallen die Talschaften des Schmirn und etwas weiter entfernt vom Navis auf. Tiefe Einschnitte mit dem Kamm, der Scheibenspitze, Schafseitenspitze und das Naviser Kreuzjöchl trägt. Von dort kann ebenfalls zum Geier aufgestiegen werden, wobei das eine Tour für erfahrene konditionsstarke Bergsteiger darstellt.

Blick nach Westen – links das Schmirntal, rechts neben dem Kamm das Navistal

Der Blick nach Norden zeigt den nahegelegenen Bruder des Geier, den Lizumer Reckner, der auch mit dem Geier mitgemacht werden kann. Dieses Vorhaben empfiehlt sich in der Gruppe. Weiter nördlich die Gipfel des Karwendel.

Lizumer Reckner vom Geier aus betrachtet, dahinter das Karwendel

Im Osten fallen die senkrechten und kaum schneebedeckten Wände der mächtigen Kalkwand auf, wobei der Blick aber bis zum geschlossenen Massiv des Steinernen Meer reicht.

links Kalkwand und rechts davon Zillertal und nach hinten auslaufend das Pinzgau

Nach gut 20min entschied ich mich zur Abfahrt. Das Ziel auf den Geier hat sich gelohnt, auch wenn der Gipfel an sich alles andere als spektakulär oder formschön ist, aber die Lage ist die Tour allemal wert. Man könnte zur Erreichung eines bergsteigerisch ehrgeizigeren Ziele ja auch den Reckner mitmachen. Da ist sogar eine kleine Kletterei dabei.

Abfahrt im Pulverhang nach dem Sattelchen

Die Abfahrt erfolgt wie vor beschrieben über die kleine Flachstelle am Gipfelaufbau des Geier und heute wartete der nach Nord ausgerichtete Steilhang dahinter mit Pulverschnee auf.

schöne Pulverhänge – dafür im Schatten

In der weiteren Abfahrt blieben die Pulverhänge bis in etwa auf 2.500m erhalten, dann, in den Osthang des Aufstieges gequert, nimmt die Pulverschneequalität sukzessive ab, jedoch herrscht momentan kein schweißtreibender Harschdeckel vor.

im steileren Teil der Aufstieghanges

Flach geht es bis zur bereits wieder in den Schatten eingetauchten Lizumerhütte hinaus, wo eine deftige Knödelsuppe mit internationalem Flair eingenommen wurde.

links gehalten entlang meiner Aufstiegsspur

Die Abfahrt beschert nach der Hütte zwei kleinen Anstiege auf der Straße über ein paar Minuten, die mit geschulterten Schi rasch überwunden werden.

Auf der Militärstraße wird vorsichtig abgefahren. Dort ist das Hüttentaxi und Militär unterwegs. Man blicke immer auch auf die Schilder rechts neben der Straße und versäume die Abzweigung zur Schiroute nicht, die man herauf gegangen ist.

von der Militärstraße auf die Gipfel und Almen im östlichen Wattental geblickt

Insgesamt habe ich für die Tour 6 1/2 Stunden gebraucht, mit drei Pausen von je gut 20min. Insgesamt zeigte die Bergsteigeruhr eine Aufstiegshöhe von 1.535m an, wobei der geodätische Höhenunterschied zwischen Parkplatz und Gipfel des Geier 1.447m beträgt.

Schitour Geier – Wattener Lizum

Mils, 13.01.2018