Schlagwort-Archive: Trins

Schitour Padasterkogel, 2.301 m

Er wird vom sonnigen Trins aus begangen und dank seiner Lage erfreut sich die Schitour auf den Padasterkogel auch an kalten Tagen eines guten Teils angenehmster Sonnenbestrahlung. Zwar nicht über die gesamte Länge wie die Schitour auf die Kesselspitze, aber dennoch über etwa die Hälfte der Strecke, abhängig von der Route, die man wählt.

welch ein Ausblick!

Die Normalroute folgt dem Anstieg zum Padasterjochhaus, beschreibt nach dem Waldanstieg einen großen Linksbogen um das Tal, das sich zwischen dem Padasterjochhaus  und dem Padasterkogel liegt und wartet mit viel Sonne und einer herrlichen Ansicht der Hochfläche sowie auf die mächtige Kirchdachspitze im Nordwesten auf, während die Variante der Kenner der Tour noch im Wald vor dem „Käferloch“1 links abzweigt und über das Tal zu den „Padaster Mähdern“ führt und von dort den Rechtsbogen ins „Grübl“ beschreibt und vom Grübl über den Osthang auf den Gipfel des Padasterkogel. Über diese Variante kann auch die Abfahrt erfolgen.

Vormittagsstimmung auf der Burgfamilie

In Trins stehen zwei Parkplätze zur Verfügung. Der besser bekannte ist jener direkt am Almweg zum Padasterjochhaus, der über den steilen Weg nach dem Ortskern beim Cafe Max, in dem man übrigens einen lohnenden Tourenausklang findet, erreicht, Parkplatz Egarte genannt, auf knapp 1.300 m.  Den zweiten, größeren, kennt man weniger, er ist der P4 und befindet sich auf der Gschnitztallandesstraße 800 m vom Cafe Max entfernt, Waldfest genannt. Dieser liegt etwa auf 1.240 m und die Tour beginnt nach der Brücke am Weg gegenüberliegend des Parkplatzes und führt über die Wiese (Burgfelder), vorbei an der Kapelle St. Barbara, zu einem Sommerwanderweg hinauf, der oben mit dem Almweg zusammentrifft. Beide Parkplätze konnten zum Zeitpunkt dieses Berichtes kostenlos benützt werden, der Bericht beschreibt die Route vom Parkplatz Egarte über den Normalanstieg.

die Egarte mit den drei sich teilenden Tälern

Am lange geradeaus in das Tal zum „Burgwald“ führenden Almweg gibt es einige Passagen unter dichtem Baumbewuchs, die auch im Winter aper werden können, weswegen für eine längere Abfahrt die Parkplatzvariante Waldfest vorteilhaft sein kann.
Auf der ersten freien Wiesenfläche „Egarte“ wird der Blick auf die drei Täler frei, die sich am Ende der Wiese verzweigen. Im äußerst linken Tal, hinter der felsigen Barbeleswand versteckt, befindet sich der Waldanstieg zum Padasterkogel. Es wird erst am Ende der zweiten Freifläche, der „Windlahne“.

auf der Windlahne

Das mittlere Tal führt ins Loosloch und auf die Padeilemähder2, die heute noch von Hand gemäht werden und die vor Kurzem noch in die Tiroler Natura 2000 Gebiet aufgenommen wurden.
Das rechte Tal, über den Burgwald, führt in die Falschwernalm und auf die Kesselspitze, mit ihrem zauberhaften Schitourenanstieg.

Waldaufstieg mittlerer Teil

In der ersten Freifläche führt meist eine Spur zur rechten oberen Begrenzung hinauf, der man nicht folgt, sie führt auf den Kesselspitze und auf die Peilspitze. Die Route auf den Padasterkogel führt im Flachteil links, neben dem Bach, zur Bachquerung in die linken Täler hinein.

Rückblick im mittleren Teil

Einige Minuten im noch flachen Aufstieg nach der Bachquerung wird eine zweite, längere Freifläche mit vereinzeltem Lärchenbewuchs erreicht. Die Route führt durch die herrliche Landschaft bis etwa auf 1.650 m und zweigt dort in den teilweise steilen Wald links ab; dies ist die schattseitige Teil der Schitour, der, je nach fortgeschrittenen Datums und Tageszeit im Winter, über etwa 200 bis 300 Hm ohne Sonnenbeleuchtung stattfindet. Zum Jahreswechsel beträgt der schattseitige Aufstieg am frühen Vormittag etwa 35 bis 45 min.

wieder einmal den Weg gekreuzt

Im Wald quert man manchmal die Fahrstraße zum Padasterjochhaus und befindet sich Großteils am Herrensteig, der manchmal beschildert ist.

Waldaufstieg oberer Teil – hier Blick auf den Inneren und Äußeren Buambichl, sowie auf die Hohe Burg rechts

Zwischendurch, im oberen Teil des Waldaufstiegs mit  bereits lichterem Baumbewuchs, werden Blicke auf die schöne Felsformation aus standfestem Hauptdolomit der Hohen Burg frei und Wildspuren über das steile Nordkar zwischen dem „Inneren und Äußeren Buambichl“ sichtbar.

der Waldaufstieg neigt sich dem Ende zu

Im abflachenden Teil des Waldaufstiegs, eigentlich bereits an der Waldgrenze, könnte man links, fast flach zur Aufstiegsvariante durch das Käferloch abzweigen. Der sonnigere Aufstieg erfolgt jedoch über den Normalweg, der weiter beschrieben wird.

herrliche, mäßig steigende Hänge setzen fort

Mit dem Baumbestand ändert sich auch die Hangneigung und ab dem Hügel „Drissl“ führt der angenehm steigende Normalweg über eine bärig kupierte Bilderbuchlandschaft mit letztem Lärchenbewuchs bis auf über 2.000 m hinauf, wo auch das Ziel, der Padasterkogel, erstmals sichtbar wird. Der Sommerweg wird hierbei verlassen und eher nahe dem Almweg aufgestiegen.

erstmals das Ziel, der Padasterkogel sichtbar

Die malerisch weiße Landschaft mit ihren mannigfaltig ausstreichenden Schattierungen von Kuppen und Mulden sowie den vereinzelten rostroten Lärchenfassaden der Almhütten  zwingt zum Innehalten und Aufsaugen des einzigartigen Moments.

Idylle pur am Aufstieg zum Padasterjochhaus

Beim letzten längeren Almgebäude beginnt der große schöne Bogen um das Tal zum Gratrücken herum, der von der Hammerspitze herabfällt und der den Padasterkogel trägt. Bis zum Schluß, zum Gipfel, führt die Route in angenehmer Steigung weiter.

zum letzten längeren Almgebäude der unteren Padasteralm

An diesem Eckpunkt des Anstiegs zum Padasterjochhaus befindet man sich bereits in 2.100 m Seehöhe, womit nur noch 200 Hm zum Gipfel fehlen, die Strecke aber noch 1,8 km lang ist. Wenig geeignet für Freunde von Ampfersteinverhältnissen.

Hohe Burg mit Sattel zum Padasterkogel

Begrenzt wird der schöne Kessel, in dessen Mitte das Padasterjochhaus weithin sichtbar auf einer Kuppe erhöht erbaut, von Hammerspitze (2.641 m), Wasenwand (2.563 m) und Foppmandl (mit Gipfelkreuz, jedoch aufgrund fehlender Prominenz kein bezeichneter Gipfel, eher ein entsandter Südgrat der Wasenwand), die aus Gesteinen des metamorphen Kalkkomplexes (vorwiegend Bänder-Kalkmarmor, Kalkphyllit und Quarzphyllit) gebaut werden. In der Ferne im Nordwesten, westlich der Hammerspitze, lugt der Gipfel der Kirchdachspitze (2.840 m) hervor.

Rückblick über das beeindruckend schöne Gelände

Kurz vor dem Padasterjochhaus folgt die Schitour einem kleinen Graben, der auf die Hänge unterhalb der Hammerspitze hinüber leitet. Gleich nach dem Beginn muß eine etwas steilere Passage gequert werden bevor der schöne Bogen zum Padasterkogel über flaches Gelände weiterführt.

die zentrale Padasteralm mit dem Padasterjochhaus

Die Bilder auf dieser Strecke verleihen der leichten Tour auf den Padasterkogel einen eigenen Reiz, wofür sich der längere Normalweg allemal lohnt, auch wenn er gut 20 min in Anspruch nimmt.

Rückblick auf die untere Padasteralm

Mit mäßig Auf und wenig Ab strebt die Querung auf den Südgrat der Hammerspitze zu, wo sich, hinter dem Bergrücken nicht sichtbar, die kleine Schäferhütte befindet. Über eine wenig mächtige Wechte wird der Gratrücken erreicht, der, scharf zur Linken, den Blick auf den unverkennbar dolomitischen Aufbau der Kirchdachspitze freigibt, und den Gipfelspitz auf seinem eindrucksvollen Sockel in voller Größe zeigt.

Übergang zum Padasterkogel vom Padasterjochhaus

Nach dem Übergang verliert man wenige Höhenmeter zum Padasterjoch hin, die jenseits desselben mit einem letzten kurzen Aufstieg über 40 Hm zum Padasterkogel wettgemacht werden. Der Aufstieg erfolgt dabei auf der Luvseite nach Belieben oberhalb oder unterhalb  der abgeblasenen Steilwiesen.

Rückblick auf das Padasterhaus und die Querung der etwas steileren Passage (links)

Die Kuppe des Padasterkogels ist selber nur hauchdünn ein eigenständiger Gipfel, wenn man die Konvention der Definition der Schartenhöhe von mindestens 30 m zugrunde legt. Seine Stellung im Serleskamm und seine wunderbare Aussicht dürften jedoch bereits weit vor Einführung von Definitionen nach UIAA ausschlaggebend für seine Kür als Gipfel verantwortlich zeichnen.

letzte Meter zum Padasterjoch mit dem Gipfelkreuz des Padasterkogels

Ein massives Holzkreuz seltener Bauart ziert den Padasterkogel. Die verstärkenden Verstrebungen der Kreuzform zum diagonal gestellten Quadrat sichern den Verbund im Knoten. Diese Kreuzform sieht man kaum, bisweilen aber doch auf unseren Bergen.

Gipfelkreuz Padasterkogel, 2.301 m

Sie stellt keine eigene zu recherchierende Kreuzform dar, sie dürfte rein aus Stabilitätsgründen entstanden sein.

gewaltiges Massiv der Kirchdachspitze

Im Blick nach Nordosten öffnet sich das Navistal mit den schönen Schitourenzielen, beispielsweise die Schafseitenspitze genau in Bildmitte. Etwas rechts davon, mehr im Osten, vom Schmirntal aus die Schöberspitzen und den Kleiner Kaserer bereits in den Zillertaler Alpen.

bärige Kulisse mit der Hohen Burg und dahinter die Tuxer und Zillertaler Alpen; Schafseitenspitze, Schöberspitzen und Kleiner Kaserer

Weiter im Südosten finden sich die Schitouren auf die Hohe Kirche und den Kluppen, der durch die dahinterliegenden höchsten Gipfel der Zillertaler Alpen, Hochfeiler und Hochferner durch den fehlenden Kontrast fast nicht sichtbar ist, sowie der Wolfendorn an der Grenze zu Südtirol.

Aussicht nach Südosten mit Hoher Kirche, Kluppen und Wolfendorn

Gegen den Süden hin reicht der Blick bis in die Dolomiten (Geislergruppe, Marmolata, Sella und Langkkofel) und etwas rücken die bärigen Schitouren aus dem Obernbergtal in den Vordergrund, hier sei die Rötenspitze und der Muttenkopf genannt.

Die Dolomiten im Hintergrund Rötenspitze und Muttenkopf rechts

Auf den Obernberger Tribulaun als leichtesten Vertreter aller Tribulaune führt eine unvergessliche Schitour, weiter folgt der markante Doppelgipfel des Pflerscher Tribulauns und die hohen Schitourenziele des Pflerscher Pinggls und des Hohen Zahns in Bildmitte und den südwestlich gelegenen Feuersteinen.

Obernberger Tribulaun, Pflerscher Tribulaun, Pflerscher Pinggl und Hoher Zahn

Die empfohlene Abfahrt vom Padasterkogel führt über seinen Nordosthang hinab in das Käferloch. Der gesamte Hang steht dafür zur Verfügung und die Schneeverhältnisse sind eher immer dort die besten, wo kaum Sonnenbestrahlung einwirken kann, also eher im südöstlichen Teil des Tals, zu dem in der Abfahrt gequert wird, um den Nordhang zu erreichen.

bereits im Nordosthang das Abfahrt; deutlich sind die Abfahrtsspuren über die alternative Route in der Sonne zu erkennen

Unten in Talnähe kann man, wenn man rechtzeitig auf die sonnenbeschiene Nordseite im Tal wechselt, die Ausfahrt aus dem Käferloch ohne Anschieben ausführen. Wer zu weit hinunter fährt muß im Talgrund bis zum Wald fahren und hat hier auch wieder zwei Möglichkeiten.

im unteren Teil der Nordabfahrt

Links am Ende des Käferlochs auf dem flachen Weg mit Anschieben über etwa 400 m bis zu den schönen strauchbewachsenen Hängen vom Foppmandl herab, oder rechts über noch weiterführende freie Wiesen bis zur selektiven Steilabfahrt im lichten Wald nahe der Barbeleswand.
Weiters wird die Normalabfahrt über die freien Hänge unter dem Foppmandl beschrieben.

Rückblick vom Käferloch auf die Nordabfahrt

Am Ende des Käferlochs müht man sich im Grätschschritt leicht bergauf um die Geländerippe herum bis der Sommerweg flacher wird und das Fortkommen mit Anschieben möglich wird.

Beginn des Käferlochs im Aufstiegssinn gesehen

Ein paar Minuten erfordern die 400 m Schiebestrecke bis der Weg abfällt und die Abfahrt fortgesetzt werden kann. Die Fortsetzung lohnt sich allerdings, sie führt über schöne steile Hänge mit jeder Menge Hindernissen, sodaß Reaktionsschnelligkeit gefordert wird.

Flachstrecke

Mit der Sonnenbahn zu Silvester liegt der schöne Hang bis über die Freifläche der „Windlahne“ hinab leider bereits im Schatten der Barbeleswand, wenn um die Mittagsstund abgefahren wird. Lediglich der obere Teil ist noch in Licht getaucht. Die passablen Schneeverhältnisse noch weichen Pulvers boten dafür Entschädigung.

Rückblick nach dem ersten Teil des Hanges zur bäriger Hang zur Windlahne hinab

Kurz vor der Querung des Fallschwernbaches entweicht man der Abdeckung der Barbeleswand wieder und setzt die letzten Minuten der bärigen Tour unter Sonne fort.

letzter Rückblick auf den unteren Teil der Abfahrt

Die Schitour absolvierte der Verfasser in 3:56 Stunden mit einem Aufenthalt am Gipfel von gut 30 min . Der gesamte Aufstieg beträgt 1.090 m und die Streckenlänge bis zum Gipfel 5,6  km.

Mils, 31.12.2020

1 in Anführungszeichen angeführt sind Flurbezeichnungen nach TIRIS

2 Karte des Schutzgebietes Padeilemähder: https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Landesnormen/LTI40044768/Anlage.pdfsig.pdf

 

Schitour Kesselspitze, 2.728m

Die Schitour auf die Kesselspitze, von Trins aus unternommen, beeindruckt in außergewöhnlichem Maß durch ihre beiden offenen Steilhänge und der großartigen Kulisse im oberen Teil unterhalb der Kugelwand. Mit der Ausrichtung nach Südosten versprechen die beiden Hänge, vor allem der sehr lange untere Hang, zum einen frühmorgendliche Sonnenbestrahlung im Hochwinter – deshalb aber auch steigende Lawinengefahr im Tagesverlauf im Spätwinter bzw. Frühjahr – zum anderen lange und hindernisfreie Abfahrten auf Pulver oder Firn über gut 1000Hm.

Herwig auf dem Gipfel der Kesselspitze – beachte die roten Liaskalkfelsen

Aufgrund der Hangneigung wird empfohlen die Tour nur bei einwandfreien Verhältnissen anzugehen, wobei durch die Exposition der Hänge meist eine Begünstigung besteht, wenn in diesen Höhenlagen vor Triebschnee oder dem Altschneeproblem gewarnt wird. Und so präsentierte sich der Lagebericht bei unserer Begehung – keines der beiden Probleme in der zutreffenden Höhenlage im Sektor Südost bis Südwest.

Blick nach Süden

Vom kostenlosen Parkplatz 4 oberhalb Leiten in Trins (von der Hauptstraße Richtung Padasterjochhaus) wird auf der Forststraße in Richtung Westen zum Burgwald aufgebrochen.

Parkplatz 4 in Trins Leiten

Anfänglich mußten wir die Schi eine Minute tragen, auch über etwa 100m in der langen Rechtskurve in der sich der Anstieg nach Norden wendet. Ab etwa 1.400m lag dann Schnee genug, sodaß nur mehr ein letztes Mal über den etwa 50m langen Steig im dichten Wald vom unteren Weg auf den oberen (siehe Aufzeichnung) getragen werden mußte (~1.480m).

Almweg zum Padasterjochhaus

Durch den schönen Burgwald, der immer lichter wurde, stiegen wir den Weg entlang auf, bis sich der Weg nach zum Padasterjochhaus nach links wendet. Die Route auf die Kesselspitze führt dort geradeaus weiter, rechts vom trockenen Fallschwernbach, und kreuzt noch mehrmals den Weg auf das Kalbenjoch.

freie Wiesenfläche unterhalb des Burgwaldes

Gegen 1.800m hin lösen vereinzelte junge Bäumchen die noch vereinzelten lichten Baumgruppen des Burgwalds ab und ab etwa 1.900m liegen die tollen Hänge unterhalb des Hangs zum Kalbenjoch, der sich mit dem Steilhang auf die Kesselspitze verschneidet und oben die imposante Kugelwand trägt. Der weite Kessel im dem wir äußerst rechts, Richtung Nordwest, aufsteigen sind die Padeilemähder1, die ihren Namensursprung im Lateinischen haben und auf pedrūle „steinige Gegend“ zurückzuführen ist.

etwa auf 1.700m

Durch die nach dem Start der Tour aufziehende Föhnbewölkung befanden wir uns ohne Kontrast durch Bewuchs oder Fels in einem ziemlich kontrastlosen Gelände, bei dem die Sicht ziemlich erschwert war. Die Spur vom Vortag war auch wegen des eingewehten Triebschnees teilweise nicht mehr zu sehen.

an der Baumgrenze

Mit steiler werdendem Hang besserte sich die Sicht und auch die Bewölkung lockerte rasch wieder auf.
Allmählich, oberhalb von 2.000m, steilt das Gelände zunehmend auf und in gut 30 Spitzkehren erfolgte unser Aufstieg über die Talstufe auf das schöne Hochtal mit der Kugelwand als rechte (ostseitige) Begrenzung.

im unteren Teil am ersten Steilhang

Die Route dorthin führt über Gelände mit bis zu 40° Hangneigung, siehe Bildarchiv mit Ausschnitt TIRIS. Eng am unteren Felskopf (ca. 2.220m) vorbei führte unser Aufstieg in enger werdenden Spitzkehren durch die größte Steigung hindurch auf die Kante mit anschließender Verflachung etwa 2.320m.

schöner Aufstieg über den freien Hang

Über diese 100Hm stiegen wir im steilsten Teil durch ein breites Band von kleinen Lockerschneeschollen und – schnecken, die über Nacht gefroren und eine raue, griffige Spur schafften. Gleichzeitig mußten wir diese Anzeichen natürlich auch für den Tagesverlauf entsprechend deuten – eine späte Abfahrt wäre an dem warmen Tag wohl mit einer nicht notwendigen Risikosteigerung verbunden gewesen.

die Kugelwand kommt näher und der Hang wird steiler

Der Ausstieg aus dem Hang führt direkt am untersten Rand der Hauptdolomitfelsen der Kugelwand vorbei. Der Kamm von der Kesselspitze in beide Richtungen, in den Nordosten vor zur Serles und in den Südwesten zurück zur Kirchdachspitze, liegt im Brennermesozoikum.

Rückblick im noch diffusen Licht

Jenes könnte als geologischer Einschub zwischen dem Ötztal-Stubai-Altkristallin, das vom Südwesten bis in den Norden reicht, dem Bündnerschiefer im Südosten des Wipptals und dem Quarzphyllit im Nordosten bezeichnet werden. Besonders eindrucksvolle Übergänge vom Kristallin auf den Kalk finden sich am Seejöchl unterhalb der Kalkkögel.

die letzte Spitzkehre unterhalb der Kugelwand

Eine interessante, sehens- und wissenswerte Eigenheit der Kesselspitze folgt oben, und zwar ganz am Gipfel. Noch wenige Meter des obersten Gipfelaufbaus bestehen aus jurassischen Schichten aus Liaskalk, mit ihrer, für den Jurakalk typisch roten Färbung.

kurz vor dem Ausstieg aus dem Steilhang

Man muß sich zwar jetzt noch nicht beeilen diese schönen roten Schichten in Augenschein zu nehmen, aber in ein paar Millionen Jahren wird diese Schicht vollständig erodiert, damit abgetragen sein und das darunterliegende Kalkgebirge wird den Gipfelbereich bilden – womit es dann für die Erkundung für immer zu spät wäre.

Ausstieg direkt an den Felsen der Kugelwand

Nach der Kante der Talstufe findet sich ein trefflicher Platz für eine kurze Trinkpause mit bemerkenswerter Aussicht. Der Blick nach Nordwesten durch das Hochtal im weiteren Aufstieg, gebildet vom Gratrücken direkt zur Kesselspitze links und der beeindruckenden Kugelwand rechts, erscheint nach dem langen steilen Aufstieg recht flach bis zur nächsten Steilstufe zu verlaufen.

Trinkpause nach erstem Steilhang – das prächtige Hochtal zur nächsten Steilstufe vor uns

Daß dem aber bei weitem nicht so ist, merkt man an seiner Atemfrequenz bereits auf den ersten paar Dutzend Metern nach der Pause und man sollte dieses Hochtal mit seinen immerhin 180Hm bis zur nächsten Steilstufe nicht unterschätzen.

schöner Ausblick zur Peilspitze

Über angenehm gestuftes Gelände, aber doch mit Anstrengung geht es durch die Hänge in den hintersten kleinen Talkessel auf etwa 2.500m Höhe.

Aufstieg zur nächsten Steilstufe, etwa auf 2.500m – man sollte die Steigung im Hochtal nicht unterschätzen

Im Hintergrund zum Tourenverlauf befindet sich etwa der Gipfelbereich der Peilspitze und wir fragten uns, ob man über den schönen steilen Hang am Nordgrat zum Kalbenjoch nicht auch eine Schitour unternehmen könnte. Der Hang sowie eine nachfolgende Gratbegehung zum Gipfel wären jedenfalls eine Nachforschung wert.

Schrofenwiese die links im Bild umgangen werden – steiler Aufstieg dorthin

Die zweite Steilstufe ist ein kurzes, aber ebenfalls anstrengendes Unterfangen. Der Aufstieg auf den darüberliegenden Flachbereich beträgt etwa 120Hm – von 2.480m bis 2.600m und führte uns bereits im Februar an den linken (westlichen) Rand der bereits freiliegenden, wiesendurchsetzten Schrofen. Diese Stelle dürfte im Frühjahr die kritische Stelle für die Durchgängigkeit des Aufstiegs ohne Abschnallen sein und zu beiden Seiten hin werden die Flanken noch steiler als die Schrofen selbst.

Rückblick noch unterhalb der Schrofenwiese

Die Kunst besteht in der optimalen Wahl der Spitzkehren, sodaß man knapp oberhalb der aperen Schrofenwiese und der westlich begrenzenden noch steileren Flanke nach oben durchflutscht. Die Spur, die am Vortag angelegt wurde präsentierte eine unbegehbare Steilheit für unsere Schneeverhältnisse, um scharf oberhalb der Schrofen auf den folgenden flacheren Teil durchzusetzen. Allerdings mussten wir aufgrund der Haftung der Felle aber flacher steigen und waren somit gezwungen über zwei Meter die Schrofenwiese zu begehen, bevor uns eine Spitzkehre im flacheren Teil oberhalb wieder auf die alte Spur zurückbrachte.

oberhalb der zweiten Steilstufe mit Blick zum Gipfelkreuz der Kesselspitze

Dieser Teil des zweiten Steilhanges ist kein grundsätzlich schwieriger, er präsentierte sich bei den Verhältnissen unserer Begehung und mit der bereits gelegten Spur aber als ziemlich kraftraubend. Vielleicht sollte man sich – als Empfehlung des Autors – eine vorhandene Spur aus genügender Entfernung von unten ansehen und entscheiden ob selbige würdig ist, oder ob einen eignen Durchschlupf zu spuren klüger wäre.

ein kurzes Stück am Grat entlang

Sobald die Steilstrecke erledigt wurde konnten wir auf dem flacheren Teil bereits das nur mehr 120Hm entfernte Gipfelkreuz der Kesselspitze einsehen.
Über eine Mulde wird im weiteren Verlauf der Tour der Gipfelhang erreicht. Er wird jedoch nicht direkt genommen, sondern über eine nordöstlich sich wendende Anstiegsrichtung zum Grat nordöstlich der Kesselspitze kurzzeitig wieder verlassen.

etwa 100m unterhalb des Gipfels der Kesselspitze

Am Grat angekommen, erblickt man Neustift in der Tiefe im Norden. Es wird ihm jedoch nur wenige Höhenmeter gefolgt (etwa 20 bis 30m), bevor er wieder verlassen und abermals, schräg nach oben querend, über den Gipfelhang zur Wechtenkante am Südgrat aufgestiegen wird.

der Grat wird wieder in Richtung Gipfelhang verlassen

Vom breiten Südgrat erreichten wir über wenige Meter recht flachen restlichen Anstiegs das Schidepot vor dem Gipfelkreuz der Kesselspitze auf 2.727m.

letzte Meter vor der Wechte auf den Südostgrat

Über den letzten Gratbuckel hinweg fallen sofort die roten Felsen ins Auge auf denen man sich befindet, ein Anblick der in Tirol nicht oft zu finden ist (Stellen im Karwendel und Rofan) und diese lokale Erscheinung auf der Kesselspitze verblüfft und erfreut zunächst bei der Erstbegehung.

Kesselspitze, 2.727m

Natürlich besteht von dieser schon beträchtlichen Höhe in den nordöstlichen Stubaiern ein grandioser Ausblick, vor allem Richtung Südwesten, bei dem der massive Stock des Habichts (3.277m) als nächster Dreitausender in nur 8,5km Entfernung und bereits im Ötztal-Stubai-Kristallin gelegen, eine bärige Kulisse vor den zentralen Gletschern der Stubaier im Westen dahinter bildet.

Ansicht Südosten – im Vordergrund die Kirschadachspitze, rechts der Habicht

Unmittelbar links (südlich) des Habichts treten der Botzer, weit im Hintergrund, wieder links und näher im Blick gen Südsüdwest, der Östliche Feuerstein, sowie noch weiter links der Pflerscher Pinggl in Erscheinung. Unmittelbar rechts (nördlich) des Habichts erscheinen Wilder Pfaff und das Zuckerhütl, sowie weiter rechts, von der Kesselspitze aus gesehen die eindrucksvolle Ruderhofspitze mit ihrem dunklen Südgrat und die östlich die im Alpeinerkamm davor liegenden Seespitzen. Weiter rechts im Westen beeindruckt der Lüsener Fernerkogel in 19km Entfernung.

die zentralen Stubaier im Westen

Gegen Nordnordwest imponieren – neben einigen bedeutenden Erhebungen in den Lechtaler Alpen – in unmittelbarer Nähe die formschönen Kalkkögel, die den nördlichen Teil des Brennermesozoikums darstellen.

Blick nach Nordwesten mit den Kalkkögeln im Norden

Von Nordosten bis Nordwesten beeindrucken das Wettersteingebirge und das Karwendel, sowie in unmittelbarem Vordergrund die Serles mit ihrem dolomitisch geprägtem Bau, gleich den Kalkkögeln.

Kalkkögel, Wettersteingebirge und Karwendel (v.l.n.r.)

Von Osten bis Südosten liegen die eher sanften Tuxer Alpen mit ihren beeindruckenden weitläufigen und abgeschiedenen Tourenzielen, von denen sich ein Großteil hier auf diesem Blog befindet.

im Osten die Tuxer Alpen

Der Südosten birgt in den Zillertaler Alpen deren höchste Erhebung – in direkter Richtung über dem Valsertal und zwischen Hoher Wand und Kraxentrager – den Hochfeiler (3.510m).

die Zillertaler Apen im Südosten

Ein selten schöner Blick eröffnet sich im Süden, bei dem nicht nur der 65km entfernte und markante Langkofel  (3.181m) mit seinen imposanten Felswänden, sondern auch weite Teile der Südtiroler Dolomiten eingesehen werden können.

die Dolomiten in etwas mehr als 60km Entfernung; der markante Langkofel – wie ein Zapfen in der Landschaft

Die Aussicht nach Süden runden die drei sehr imposanten Tribulaune ab, wobei der höchste und bizarrste, der Pflerscher Tribulaun mit seinem unverkennbaren Doppelgipfel, unverwechselbar ins Auge sticht und der niedrigste, der Obernberger Tribulaun ein bäriges Schitourenziel darstellt.

Blick nach Süden zu den Tribulaunen

Mit den föhnigen Böen aus Südwest hielten wir keine lange Gipfelpause, zumal auch eine Deckung vor den Böen nicht wirklich gefunden werden konnte. Der Felszacken, den wir zum Schutze aufsuchten verlief ziemlich parallel zur Einfallrichtung der Böen.

Rastplatz unterhalb des Gipfels der kaum vor den Böen schützte

Nach der Pause warteten 1.000Hm Abfahrt durch großteils unverspurtes Gelände und durchaus einem Hohen Anteil an wenig gesetztem Pulverschnee.

über die Wechte in den Gipfelhang

Am Gipfelhang nach der Wechte fanden wir mit abnehmender Höhe immer bessere Pulverschneeverhältnisse bis zum Ansatz der Steilstufe vor.

tolle erste Schwünge zur zweiten Steilstufe hinab

Die Einfahrt zum Steilhang präsentierte sich etwas feucht und schwerer zu drehen. Wir beschlossen deshalb eine lange Querung in den westseitigen Hang, da dieser weniger von der starken Mittagssonne beschienen wurde.

im oberen Teil der zweiten Steilstufe

Bei der Einfahrt zeigt das Foto den Durchschlupf zwischen Schrofengelände und steiler Flanke.

Rückblick – die Umgehung der Schrofenwiese gut zu erkennen

Eine wahrhaft tolle Kulisse bildete das Tal in dem wir durch einwandfreien Pulverschnee bis zur nächsten Steilstufe abfuhren. Die Entscheidung, die westliche Talseite zu nehmen war genau richtig.

phantastische Abfahrtsverhältnisse im Hochtal

An der Kante dann wuchs die Spannung, wie denn der lange Hang über die Steilstufe hinab zu fahren sein würde und dies kann hier im Video selbst beurteilt werden.

Abermals querten wir ein bisschen westwärts, um auf eine von mehreren Rippen zu gelangen, die sich trefflich abfahren ließ. Die Schneequalität nicht ganz so gut wie im Tal oben, doch einwandfrei zu Drehen.

mit langer Abfahrt

Im flacheren Teil unten, etwa ab der Baumgrenze, hatte die Sonnenbestrahlung weitgehend Sulzschneeverhältnisse geschaffen und die Abfahrt wurde merklich anstrengender als oben.

die Schneequalität gut zu sehen

Über die flachen Wiesen jedoch ließ sich eine Route mit weiten Schwüngen finden, die die Anstrengung in Grenzen hielt.

was will man mehr?

Weiters reichte der Sonneneinfluß aus, um am Weg hinaus zum Parkplatz über größere Strecken die Schi tragen zu müssen – allerdings immer noch nur einige Hundert Meter.

Rückblick auf den beeindruckend Abfahrtshang

Zur Einkehr können wir aus nun mehrmaligem Besuch das Café – Pizzeria Max in Trins wärmstens empfehlen; die Speisen befriedigen auch den Hunger nach einer langen Tour.

letzte Abfahrtshänge in schönem halbflachen Gelände des Burgwaldes

Aus den Aufzeichnungen gehen folgende Tourdaten hervor: Aufstieg 1.425m – 3:26h, Gesamtzeit 4:53h und Streckenlänge 12,2km.

letzter Rückblick auf die schöne Tour

Für die auch landschaftlich exzellente Schitour sollte Einschätzungsvermögen über die Schneeverhältnisse mitgebracht werden, sowie, für verhärtete Passagen aus Schmelzdeckeln, eventuell sogar für den gesamten unteren Steilhang sollten Harscheisen und im Frühjahr das Fellwachs nicht vergessen werden.

Mils, 16.02.2020

1Vgl. FINSTERWALDER, 1990 Band 1, I 4. Seite 43; ANREITER, Das lateinische Suffix -īle in der Tiroler Toponymie, Seite 9