Archiv der Kategorie: Bergtouren

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Schitour Kleine Kreuzspitze, 2.518 m

Etwas im Schatten der mächtigen Hohen Kreuzspitze steht ihre niedrigere Schwester, die Kleine Kreuzspitze, die als Schitour von Flading aus, am Ende des Ratschingstales in Südtirol, begangen wird. Bei der Schitour auf die Kleine Kreuzspitze fallen gut 300 Hm weniger Aufstieg an, als auf die große Schwester.

Kleine Kreuzspitze, 2.518 m

Der Anstieg auf beide Kreuzspitzen ist bis zur Abzweigung am Steindamm nach der Klammalm der selbe. Am Talende am privaten Parkplatz in Flading (um eine freiwillige Spende für die Parkplatzpflege wird gebeten) startet der Almweg, der auch als der Pfeifer-Huisile Weg bezeichnet wird. Ein historischer Bericht über die Sagengestalt Pfeifer-Huisiles befindet sich verlinkt beim Bericht über die Schitour auf die Hohe Kreuzspitze. Oberhalb der Schlucht des Ratschingserbaches hat man eine Aussichtsplattform zur Begutachtung seiner Schlucht errichtet.

Ausgangspunkt ist der Privatparkplatz Flading

Auf derart kulturhistorischem Gebiet führt ein Schotterweg hinauf auf die Hänge unterhalb der Klammalm. Man kann auch über das Feld mit dem unangenehmen Ende durch einen schlecht durchsteigbaren Holzzaun aufsteigen, um auf den oberen Teil des Wegs zu kommen.

unbequemer Durchlass im Zaun

Bei unserer Begehung war der Sonne zugewandte Teil des Wegs zur Flading Alm weitgehend aper, sodaß bei der Abfahrt die Schi getragen werden mußten. Ebenso einige Minuten im Aufstieg später, wo mächtige Bäume apere Stellen bedingen – diese können aber im Jungwald rechts umgangen werden.

im Almgelände; die Zirmaidspitze bereits unter Sonne

Nach etwa 20 Minuten Aufstieg endet der Wald und eine weite Almfläche wird betreten. Der Aufstieg ist dort geprägt von großen Felsblöcken, die Zimmergröße erreichen. Zwischen Mulden im Gelände und den Blöcken steigt mit teilweise engen Kehren auf, bis der Bach überwunden wird.

teilweise in Stufen aufwärts

Jenseits des Baches geht es mit etwas weniger Felsblöcken weiter und es wird gegen den Hang zur Klammalm steiler. Oberhalb, unter dem markanten Felszacken mitten im Kessel, sieht man schon den Almweg zur Klammalm. Unterhalb davon befindet sich der Durchstieg auf das Plateau der Alm, der angesteuert wird. Einige Spitzkehren sind im oberen Teil vor dem Durchstieg nötig und dort führt auch der Sommerweg durch.

Querung des Ratschingserbachs

Spätestens beim Durchstieg taucht man in Sonnenlicht ein und die kalte herabziehende Thermik läßt nach. Ein paar Minuten nach dem Durchstieg wird die Klammalm auf 1.925 m erreicht. Sie ist im Sommer bewirtschaftet und eine Jausenstation.

Andrea im Durchlass

Westlich an der Alm vorbei führt der Aufstieg in einer Linkskurve zum Verzweigungspunkt der beiden Schitouren – rechts über das Wehr geht es auf die Hohe Kreuzspitze, links auf die Kleine Kreuzspitze.

Klammalm, 1.925 m

Wir nehmen die Route Richtung Südosten auf die Kleine Kreuzspitze, die nach kurzem Marsch über die zunächst flachen Kuppen hinter der Rippe im Vordergrund als kleine wenig spitze Erhebung gesichtet wird. Der Blick auf sie währt nur kurz, bald verdecken die Erhebungen auf der Rippe die Sicht wieder.

kurz nach der Abzweigung in Richtung Kleine Kreuzspitze geblickt

Etwa 300 hm Aufstieg führen vom Wehr auf die Rippe, die vom Hauptkamm zum Fladinger Berg nach Norden zieht.

auf eine Kuppe

Da der Aufstieg durch das kupierte Gelände recht lang ist, fällt der Höhenunterschied, der bewältig werden muß nicht besonders auf, erst im Rückblick auf der schmalen Rippe fällt er auf.

Anstieg auf die Rippe

Gleichzeitig ist ab dem Erreichen der Rippe die Kleine Kreuzspitze dauerhaft zu sehen. Eine recht steile Erhebung auf der Rippe wird ostseitig umgangen und leitet in das große Kar unterhalb der Kleinen Kreuzspitze.

auf der Rippe, vorne Schlüsselstelle (wem das zu steil ist, der kann westseitig die Rippe weiter südlich aufsteigen und so den schmalen Grat umgehen

Hinter dieser Querung erreicht man einen Sattel über den wir die Erhebung bei der Abfahrt im Schatten umfuhren und gute Schneebedingungen vorfanden.

am Kamm der schönen Rippe

Der Restaufstieg von etwa 200 Hm im Kar wird auf der rechten Seite begonnen. Dort ist das Gelände weitgehend ebenförmig und keine Steinblöcke sind zu umgehen.

die Kleine Kreuzspitze mit Gipfelkreuz links im Bild

Ein Linksbogen wird zum Nordhang der Kleinen Kreuzspitze hin ausgeführt und je weiter man sich dem Nordhang nähert desto steiler wird das Gelände.

Blick zur Kleinen Kreuzspitze, von rechts unten wird gequert

Bei unserer Begehung führte die Spur unterhalb des Gipfels querend auf den nordostseitigen Grat, von dem noch 20 Hm vom Gipfel trennen.

in der Querung unterhalb des Gipfels

Dort richteten die meisten Tourengeher ihr Schidepot ein, während wir unter Schi über eine unangenehm felsige Stufe bis zum Gipfel weiterstiegen.

herrlicher Rückblick mit der Hohen Kreuzspitze

Das Gipfelplateau der Kleinen Kreuzspitze ist nicht gerade groß für die Besuchsfrequenz, die an diesem Tag herrschte. Wir fanden dennoch einen Rastplatz und waren nach 20 Minuten wieder fast alleine.

Rückblick auf das Schidepot

Die Aussicht auf der Kleinen Kreuzspitze büßt gegenüber der großen Schwester nicht viel an Fernsicht ein, lediglich im Nordwesten ist sie deutlich eingeschränkt, endet an der Wildspitze im Ötztal und beginnt wieder mit der Sonklarspitze im Stubai. Gleich neben letzterer ist der Botzer gut sichtbar.

Andrea und Herwig auf der Kleinen Kreuzspitze

Im Vordergrund, den Talkessen einfassend ragen die Zirmaidspitze und die des tollen Schitourenziels Ratschinger Weißen auf, beide noch etwas höher als die Hohe Kreuzspitze.

rechts neben dem Ratschinger Weißen die Sonklarspitze, dann der Botzer in 9,3 km Entfernung, dann, vor dem Gletscher am Botzer, der Wilde Freiger in 14 km Entfernung und vor dem rechten Bilddrittel die Feuersteine; ganz rechts der hohe Zahn

Genau nördlich ragen die Feuersteine auf, weiter nordöstlich ist die Kuppe des Hohe Zahns gerade noch zu sehen, bevor die gegenüberliegende Bergkette mit der Hohen Ferse die weiter entfernten Gipfel abschneidet und nur mehr der Pflerscher Tribulaun, sowie der Nördliche Rosslauf  in der Ferne sichtbar sind. Im Aggls-Rosskopf-Kamm ist die schöne Wetterspitze zu bewundern.

links der graue Spitz ist der Pflerscher Tribulaun, etwas rechts der Nördliche Rosslauf, dann die Brennerberge, dann Kleiner Kaserer und Olperer, dann Hochfeiler und dunkel die Wilde Kreuzspitze

Die Tuxer Ziele sind weit weg, können aber auf diesem Blog nachgelesen werden. Im Vordergrund wären im Nordosten der Kleine Kaserer und der Olperer zu nennen.

weiter im Südwesten die Sarner Alpen, rechts und dunkel das Sarner Weißhorn

Einen schönen Tourenberg stelle die Hohe Warte im Schmirn dar und am Tuxer Hauptkann sind der Kraxentrager und der Wolfendorn tolle Schitourenziele.

im Vordergrund der Fleckner und das Glaitner Hochjoch, kurz vor der Bildmitte das Schrotthorn in den Sarner Alpen, dann die Puetzspitze und Furchetta sowie ganz rechts der Langkofel gerade noch sichtbar, dann im Vordergrund der Hochwarte und rechts dahinter der Kesselkogel und die Rosengartenspitze

Direkt im Osten des Jaufenkamms finden sich die Schitouren auf den Fleckner und auf das Glaitner Hochjoch (Schlotterjoch).

im rechten Bilddrittel der Hirzer und der spitze Ifinger bei Meran

Im Südosten finden sich die Sarner Alpen mit dem Schrotthorn und weiter südlich schauen die tollen Spitzen der Dolomitengruppen durch und im Süden die Gipfel der Brentagruppe.

Südwesten mit Hochwilde in Bildmitte, links davon Hohe Weiße, weiter links der Lodner

Die Gipfelschau schließt sich mit der Hochwilden im Südwesten, dem Hinteren Seelenkogel, der Liebener Spitze, dem Hochfirst und dem Granatenkogel in den Ötztalern.

markante Ötztaler mit dem Hinteren Seelenkogel, Liebener Spitze, Hochfrist, und Granatenkogel rechts; schon weiter entfernt der Große Ramolkogel und ganz rechts vor der Hohen Kreuzspitze die Wildspitze in 28 km Entfernung 

Die Abfahrt vom Gipfel war durch den vergleichsweise wenigen Schnee und die durch die Felsblöcke führenden Schneisen früherer Befahrungen bereits recht hart. Dort blieben wenig Möglichkeiten für eigene Schwünge, etwa 50 Hm hinab.

Rückblick auf das Kar der Kleinen Kreuzspitze

Weiter unten querten wir auf den sonnenbeschienen Osthang im Kessel, der ein paar Schwünge in Lockerschnee zuließ. Anschließend führte der bereits vollständig verspurte Hang zum o. e. Sattel, der in den Schatten hinter der imposanten Graterhebung führte.

In diesem Teil trafen wir die besten Schneebedingungen an und kosteten diese aus bis hinab auf die weiten flachen Hänge oberhalb der Klammalm. Im flachen Teil vor der Alm war der Schnee schon fortgeschritten umgewandelt, Schwünge waren dort harte Arbeit.

schattiges Gelände nach dem Sattel

Nach der Klammalm wurden die Schneeverhältnisse noch etwas anstrengender, bzw. richtig schweißtreibend. Harte Fahrbänder zogen sich in den unbesonnten Kessel der unteren Alm hinab, denen wir großteils folgen mußten, da der Schnee bereits so tief gefroren war, daß er kaum befahrbar war.

Abfahrtsgelände unterhalb der schattigen Nordwestabfahrt

Mit Dutzenden Kurven mühten wir uns den Hang hinab bis auf den Almweg der Flading Alm und legten dort die Schi an den aperen Stellen ab. Unbequem durch die Zaunlücke gestiegen erreichten wir dann den verhärteten Schlußhang über den wir bis zur Brücke hin raspelten. Frischer Schnee ist nach fast drei Wochen nun dringend erforderlich.

Rückblick auf die schönen Abfahrtshänge der Kleinen Kreuzspitze

Auf die Kleine Kreuzspitze rechne man mit 3:45 Stunden, für die gesamte Schitour incl. Pausen mit 4:30 Stunden. An Steigarbeit sind 1.050 Hm zu bewältigen und die Streckenlänge zum Gipfel beträgt 5,1 km.

Mils, 07.01.2023

Schitour Glaitner Hochjoch (Schlotterjoch), 2.389 m

Wie sein Genosse im Bergkamm, der Fleckner, liegt die schöne und leichte Schitour auf das Glaitner Hochjoch, oder auch Schlotterjoch genannt – nordseitig in Ratschings und stellt die Verbindung vom Ursprung des Grates bei der Hohen Kreuzspitze zum Jaufenpaß dar.

Herwig schlotternd am Glaitner Hochjoch

Der Aufstieg erfolgt vom Parkplatz auf der Straße nach Flading, dem Ausgangspunkt der Hohen und der Kleinen Kreuzspitze. Der Anstieg ist auf der Infotafel ersichtlich und es gibt eine Variante, die direkt am Ausgangspunkt hinter dem Schranken südlich in den Wald hinaufführt (der auf der Infotafel gezeigte Einstieg in den Wald geht erst nach ein paar hundert Meter später rechts hinauf).

gleich nach dem Schranken rechts hinauf in dichten Wald

Der Aufstieg sieht zunächst nach einem Hohlweg aus, verliert sich aber sofort in relativ dichtem Wald und wird steil. Davon darf man sich aber nicht beirren lassen, diese Stufe erstreckt sich aber nur über die ersten etwa 50 Höhenmeter, bevor der Wald lichter wird und auch die Steigung absinkt.

gleich wird es wieder lichter und die Spur führt vom Jungwald in alten Wald

Nach 10 Minuten erreicht man in südöstlicher Richtung eine Forstfläche, die rechts liegen gelassen und auf eine Lichtung zugesteuert wird. Am Ende der Lichtung wird ein Weg erreicht, dem nur 100 Meter gefolgt wird, bevor der Wegweiser auf das Schlotterjoch abermals in den Wald führt. Dieser Abschnitt befindet sich bereits auf der offiziellen Aufstiegsroute.

ganz kurz auf dem Weg, dann gleich rechts in den Wald

Das kurze Waldstück endet wieder auf einem Weg, der aber nur überquert wird, um jenseits davon wieder am Waldweg fortzusetzen. Dort erreicht der Aufstieg etwa die Steilheit wie zu Beginn der Tour, eine Geländestufe wird überwunden.

jenseits des Weges beginnt die steilere Stufe auf die Wumblsalm

Oberhalb flacht das Gelände dauerhaft ab und stellt den Beginn der Almflächen dar, die kurz darauf in flachem Anstieg erreicht werden.

die Hegefläche wird links liegen gelassen

Entlang einer Hegefläche führt der Weg aus dem Wald auf die Innere Wumblsalm, die auf dem Wirtschaftsgebäude eine andere Bezeichnung als in AV-Karten und in den Webmedien führt, und zwar „Innere Umels Alm“.

in Almgelände

Hinter der Alm Richtung Süden nimmt man nun einen Übergang auf der Rippe nach Westen ins Visier, der erst bei der Annäherung im Aufstieg auf die Rippe erkennbar wird. Er befindet sich im unteren Drittel der Rippe, seine Hangneigung erreicht nur stellenweise 30° Hangneigung und er stellt den Sommerweg dar. Je näher man dem Hang kommt, desto klarer wir die Route.

Aufstieg auf die Rippe rechts oberhalb

Der unschwer zu meisternde Übergang setzt auf seiner Westseite mit einer kleinen Mulde fort, die auf eine Kuppe führt und auch nach derselben bleibt die Route stets nahe an der linksseitigen Rippe.

Rückblick auf den Übergang auf der Rippe

Nach einigen Minuten erreicht man Gelände mit eingestreuten Felsblöcken, durch die es mit kleinen Richtungsänderungen weitergeht.

oben wechselt die Route links in eine Unterbrechung, in einen Sattel auf der Rippe

Die Spur steuert dann auf einen kleinen Sattel zur Linken zu, in dem vermehrt Felsblöcke vorkommen. Durch sie erfolgt der Aufstieg mit einer kleinen Entfernung zu einer Steinschlichtung (Steinmann) in einer Unterbrechung der herabziehenden Rippe.

Wiederaufstieg auf die Rippe, nun aber als ausgeprägter Nordosthang

Nun befindet man sich wieder auf der östlichen Seite der Rippe. Die Steinschlichtung hat den Sinn eine Markierung für die Findung des Aufstiegs aus der Sicht bei der Alm darzustellen.

Aufstieg am Nordosthang

Über den nun folgenden Nordosthang führt die Route bis zum Gratkamm.  Man folgt dem Kamm bis rechts unterhalb unter die vermeintlichen Gipfelschrofen. Die Geländeneigung bleibt während dem Aufstieg nach rechts oben immer unter 30°, wenn die Spur danach ausgerichtet ist. Steiler als 35° wird es auch bei ungünstiger Spuranlage aber nicht.

am Gipfelgratkamm mit Gipfelkreuz des Schlotterjochs

Am Gratkamm erreicht man ein kleines Plateau von dem aus der nicht höhere wirkende Gipfel in Form eines massiven Holzgipfelkreuzes im Südwesten gesichtet wird. Dorthin führt ein – für Mancher Empfinden – scharfer Grat, der jedoch auch mit Schi machbar ist. Man sollte am Gipfel angekommen beachten, daß der Rückweg ohne Felle unklug ist, da der Übergang nicht nur aufsteigend, sondern mehrere Girlanden beinhaltet.

Glaitner Hochjoch (Schlotterjoch), 2.398 m

Am eher kleinen Gipfelplateau blies uns der Südföhn um die Ohren, sodaß wir nach dem einzigen  Foto vom Gipfelkreuz beschlossen, ohne Abzufellen zum kleinen Plateau vor dem Nordosthang zurückzukehren und dort die Gipfelpause abzuhalten.

Abfahrt auf dem Übergang auf der Rippe

Im Lee des Gratrückens verbrachten wir stehend eine kurze Gipfelpause in der der Nebel noch dichter wurde. Die unerwünschte zusätzliche Sichtbehinderung veranlasste uns die Pause kurz zu halten und rasch die Abfahrt anzutreten. Im Stemmbogen ging es bis auf etwa 2.000 m abwärts – irgendjemand hat am Vortag nicht aufgegessen…

Unterhalb etwa 2.150 m tauchten wir wieder unter der Nebelschicht auf und konnten halbwegs vernünftig abfahren. Die Schneeverhältnisse waren zwar nicht berauschend, aber besser an zuhause.

hinter dem Abfahrtshang die Rippe, die westseitig umgangen wird

Nach der Wumblsalm erreichten wir derart warmen Schnee, sodaß wir fast auf der Piste klebten. Im Wald und dann auf dem Almweg wurde dieses Phänomen besser. Zuerst aber mußten wir uns – weitgehend westlich der freien Fläche – über die Steilstufe nach der Wumblsalm (im Abfahrtssinn) hinab quälen.

Blick auf das Abfahrtsgelände der Inneren Wumblsalm

Die Schitour auf das Glaitner Hochjoch ist bei gutem Wetter eine schöne und leichte Schitour mit 890 Hm Aufstieg unterhalb 35° und man rechne dafür einen Zeitbedarf mit kurzen Pausen von 3:20 Stunden. Die Streckenlänge beträgt 4,2 km.

Mils, 02.01.2023

Schitour Fleckner, 2.233 m

Eine kurze, nette und sonnige Schitour auf den Fleckner wollten wir jenseits des Brenners unternehmen, da mangels Schnee und einer etwas angespannten Lawinensituation hierzulande kaum Tourenmöglichkeiten bestanden. Wir wählten dafür einen Tag in der letzten Dezemberwoche, der zumindest heiteres Wetter in der Gegend Sterzing versprach.

Fleckner, 2.233 m

Auf der Autobahn staunten wir dann nicht schlecht, als gegen den Brenner hin durchgehende Bewölkung und nebelverhangene Gipfel auftauchten. Leider änderte sich dies über den Tagesverlauf nicht wesentlich.

Start am Almweg zu den Wumblsalmen

Der Fleckner eignet sich als leichte Schitour mit dem Ausgangspunkt im Inntal, wenn im Süden Tirols mehr Schnee liegt als im Norden. Er stellt mit 830 Hm Aufstieg nur eine kurze Tour dar und für diese würde man sonst die lange Anreise nicht unternehmen.

dem Weg ca. 1,5 km über drei Kehren folgen

Kurz nach den Bergbahnen in Bichl im Ratschingstal gelangt man auf die südliche Talseite nach Flading. Der Parkplatz auf der Straße nach Flading stellt den Ausgangspunkt auf den Fleckner dar. Rechts gibt es mehrere Parkflächen, links die Infotafel über die drei Schitouren vom Parkplatz aus (Fleckner, Saxner und Glaitner Hochjoch oder Schlotterjoch, alle etwa die selbe Anstiegslänge und -höhe).

eine Abkürzung der zweiten Kehre ist möglich

Recht lang entlang des Almwegs und zwar bis nach der dritten Kehre (knapp 1,5 km) führt die Route aufwärts, bevor ein Wegweiser (kurz nach der dritten Kehre) in den Wald leitet. Im Wald führt die Spur aber auch nur kurz nach oben und zwar bis zu einer Wegkreuzung auf einer ebenen Fläche mit hölzernen Hinweisschildern zu den Wumblsalmen und zum Fleckner.

nach der dritten Kehre verläßt man den Almweg in den Wald

Flach führt der Almweg weiter gegen Süden.  Nach kurzer Strecke zweigt die Spur über eine kleine Steilstufe vom, Weg ab und man erkennt bereits vom Weg aus lichteres Gelände oberhalb. Dort erreicht man schöne freie Almflächen, die Klinglermähder.

nach wenigen Minuten im Wald wird der Almweg wieder erreicht

Eigentlich sollte vom unteren Rand der Alm bereits das Ziel der Fleckner eingesehen werden können, was bei unserer Begehung jedoch leider nicht der Fall war. Am rechten Rand der Mähder steigt man weiter auf, dem steiler werdenden Hang, der sich von rechts herunterzieht, entgegen.

auf der freien Almfläche angekommen

Links türmt sich die Saxendlespitze auf und begrenzt somit die Äußere Wumblsalm.

rechts hinauf, vorbei an einem entfernt gelegenen Wetterkreuz

Rechts trennt die Rippe zum Saxner, mittig der Fleckner, der nun an der rechten Flanke der Rippe erstiegen wird. Zunächst erfolgt der Anstieg auf einen vermeintlichen Sattel zu, der sich oben nur als Talstufe herausstellt und der über eine leicht steile Hangpartie erstiegen wird. Dabei läßt man ein schönes Wetterkreuz am Ratschinger Almenweg weit rechts liegen.

Geländestufe oberhalb

Hinter dieser Stufe führt der Anstieg so weiter wie vor der ersten Talstufe, durch ein seichtes Tal. Am Ende dieses Tales öffnet es sich und die Route führt wieder rechts über einen steileren Hang – jedoch merklich weiter als bei der ersten Stufe – auf die letzte Stufe, die zugleich den Grat darstellt.

ein weiteres Tal wird durchwandert

Der Anstieg vom unteren Hangteil ist weniger weit wie der aussieht. Dort trennen vom Gipfel kaum 120 Hm.

Schlußhang

Oben am Gratkamm fällt der Blick auf St. Leonhard in Passeier ins Auge. Der Tiefblick erstreckt sich auf 1.500 Hm und war bei unserer Begehung nur schemenhaft zu erkennen.
Auf den Gipfel führt ein kleiner Aufschwung von etwa 30 Hm, die vom Grat aus in ziemlich direkter Linie, oder tiefer im  Nordwesthang.

am Gratkamm; entweder links über die Flanke oder direkt am Kamm zwischen den Schrofen

Hat man diese letzte kleine Stufe überwunden, befindet man sich auf dem weiten Gipfelplateau mit dem Holzgipfelkreuz am östlichen Ende vor den Schrofen hinab in das Passeiertal. Zu unserem Unmut verschlechterte sich die Nebelsituation innerhalb der knappen halben Stunde zusehends und die Gipfel, die man von dort aus sehen kann müssen alle geschuldet bleiben.

langgezogenes Gipfelplateau am Fleckner

Einzig die Hohe Kreuzspitze soll hier erwähnt werden, da es ein Bild von ihr direkt auf den Fleckner gibt.

der Fleckner im Jaufenkamm von der Hohen Kreuzspitze aus gesehen

Die Abfahrt über die weiten Bergwiesen kann sehr individuell erfolgen. Anhand der Hangneigungskarte gibt es kaum Bereich mit Neigungen über 35°, meist bleibt das Gelände zwischen 30 und 35° und im unteren Teil darunter.

Leider konnten wir aufgrund fehlenden Kontrastes die Hänge nicht weit abseits der Aufstiegsspur befahren, auch die noch nicht sehr gute Schneelage verhinderte das.

in Bildmitte wäre der Gipfel des Fleckners zu suchen – leider unter Nebel

Für den Fleckner rechne man einen Gesamtzeitbedarf von 3:30 Stunden. Die Aufstiegshöhe beträgt 830 Hm, die Streckenlänge 4,6 km.

Mils, 30.12.2022

 

Guffert, 2.195 m – Runde über den Guffertstein

Imposant sieht er aus der völlig freistehende, massiv bankig erbaute Guffert, oder die Guffertspitze, wie der Berg auch genannt wird. Von Karwendel und Rofan aus wird der Guffert trotz seiner unspektakulären Höhe, als freistehendes Massiv jedoch herausragend, als unübersehbares und magisch anziehendes Ziel mit wohlgestaltetem Bau wahrgenommen. Ob seiner Höhe für den Bergsteiger allemal ein Ziel für den Spätherbst, auch noch nach launischen Feldzügen von schattseitig dauerhaft das Gelände beherrschenden Schneefällen gegen den besiegten Sommer.

Guffert vom Guffertstein aus; die Jahreszeit zaubert universe Blicke hervor, anregende Blicke

Der Guffert bildet ein eigenes Massiv, wobei man eher von einem Kamm als von einer Gebirgskette sprechen kann. Er geizt auch nicht mit landschaftlichen Reizen, und wer darüber hinaus ein wenig geologisch interessiert, der wird spannende Literatur vorfinden, die dem alpinistisch leichten Ziel Würze und für den Anspruchsvollen Würde verleihen.

Guffert und sein Westgrat am Herbstvormittag

Der Kamm klingt nach Osten ab und die einzigen Gipfel sind die beiden Guffertgipfel, der Westliche (nicht benannt, jedoch nach der Schartenhöhendefinition klar ein Gipfel) und der Hauptgipfel. Tektonisch gesehen gehört er der sogenannten Achentaler Schubmasse an, geologisch gesehen wird er im Süden vollständig aus Wettersteinkalk gebaut, der Sockel aus dickbankigem Riffkalk, der Gipfel aus  lagunärem Wettersteinkalk, den man bereits vom Tal aus eindrucksvoll studieren kann und auf dessen Bänken sich der stufenartige Aufstieg am Grat vollzieht.

der Runde erster Teil von Vordersteinberg auf den Sattel links des rechten Kopfes

Seine Bezeichnung reicht weit zurück, ein von Finsterwalder1 zitiertes schriftliches Vorkommen findet sich bereits bei Peter Anich » bei Anich steht dort „Gufelberg“; demnach ist Guffert der „guflet Berg“, „Berg mit Gufeln, Höhlen“ was beim Guffert wohl zutrifft « so Finsterwalders Ausführungen.

Abzweig auf den Steig in Vordersteinberg im Rückblick

Die Runde gegen den Uhrzeigersinn über den Guffertstein besitzt den Charme, daß man beim Aufstieg bis hinter die Senke zwischen Guffert und Guffertstein völlig allein unterwegs ist, weil der gebräuchlichere Anstieg über das steilere Südkar führt, die meisten Tourenberichte diesen beschreiben, und die Variante über den Guffertstein erst als Abstieg erwähnen. Der Abstieg über den Guffertstein ist auch länger, da er zunächst weit nach Südosten auf den Rücken des Guffertstein führt und dann in großem Bogen über die Luxeggalm, hinab nach Vordersteinberg, zurück zum Parkplatz.

frühvormittäglicher Blick auf Steinberg mit der Nordmauer des Rofans im Hintergrund

Die Asphaltstraße gleich nach den Häusern in Vordersteinberg hinter sich gelassen, befindet man sich auf einer Forststraße, die nach zwei Minuten in den Wald verlassen wird. Am Herbstvormittag zunächst etwa eine gute Viertelstunde im Schatten, dann durch die Bäume schleifend hindurch unter Sonne erreicht man ein Plateau mit einem Schotterweg, auf dem östlich zu Almen abgebogen werden kann.

am Sattel ist dem Andi bereits wieder viel zu warm; von rechts erreicht man den Sattel

Der spitze Stein mit der Markierung links neben dem Weg ist ein erratischer Block, kristallines Gestein, das die Eiszeiten von den südlich vom Inn situierten Tuxer oder Zillertaler Alpen herübergetragen haben.

großartiges Rofangebirge im Süden – vom Sagzahn bis zur Hochiss

Es folgt ab dieser Stelle ein Aufstieg nur noch in Sonne mit schönen Waldpassagen. Auf einem Flachstück befindet sich rechts am Steig eine Art Aussichtsfelsplateau, das sofort ins Auge sticht und mit einem Ausblick auf die östlichen, zahmen Brandenberger Gipfel aufwartet. Ein noch grandioser Ausblick besteht auf die beiden Kaisergebirge links davon, mit ihren höchsten Erhebungen in 36 und 38 km Entfernung.

Zahmer und Wilder Kaiser im Osten – von der Kesselschneid bis zur Elmauer Halt und dem markanten Großen Hundstod bei Saalfelden

Zur Luxeggalm beschreibt der Steig ab dieser Stelle einen großen Linksbogen. Die AV und Outdooractive Karten zeigen eine Abkürzung, die bereits vor dem Flachstück links abgezweigt wäre, die uns aber nicht ins Auge gestochen wäre. Oben, auf dem flachen Stück zur Luxeggalm konnten wir keine Einmündung der Abkürzung erkennen, möglicherweise sind die Abzweigungen zugewuchert. Nebenbei ist es die etwas längere Variante landschaftlich auch wert einige Minuten mehr dafür zu benötigen.

das Ziel, der Guffert von der Luxeggalm aus wieder sichtbar

Kurz vor der freien Almfläche, die man unter etwas Höheneinbuße nach dem Linksbogen erreicht, wird die Guffertspitze wieder gesichtet, nachdem sie seit Vordersteinberg hinter den Rücken verschwand.

Luxeggalm gen Süden

Die Alm scheint nur eine reine Viehweide zu sein, vielleicht wurde sie auch schon aufgelassen, jedenfalls existieren im November keinerlei Zeichen von Bewirtschaftung mehr. Eine einzige Hütte befindet sich auf dem kleinen Gelände und diese wird links liegen gelassen, während der Steig am Nordostrand der Freifläche auf den Guffertstein hinaufzieht.

Aufstieg auf den Guffertstein

Der Steig wird im Almbereich wieder steiler und erreicht mit etwa 100 Hm Aufstieg das Südeck des Plateaubereiches des Guffertsteins. Der Hochpunkt selber befindet sich gut 300 m weiter nordwestlich in Richtung Guffertspitze. Dorthin bildet sich eine leichte Senke von knapp 20 m Höhenunterschied bis zum Sattel rechts neben dem Hochpunkt beim Wegweiser.

auf der Hochplatte vor dem Guffertstein

Weiters folgt ein Abstieg über 115 m in den Graben, der den Guffertstein vom Guffertmassiv trennt. Entlang des Grabens findet sich nicht nur die unergiebige Schmiedtquelle, sondern ebenso einige Schächte, von denen zwei ob ihrer Dimensionen Bekanntheit erfahren haben und denen durch Uran/Thorium-Untersuchungen ein Alter zwischen um und über eine halbe Million Jahre bescheinigt wird.

Abstieg in den Graben zur Schmiedtquelle

Wir haben am Abstieg eine Schachthöhle an ihrem Rand besichtigt und festgestellt, daß sie von tektonischen Prozessen geprägt ist und wenige Meter untertage von Schnee und Eis gefüllt ist. Es dürfte sich dabei um den tiefsten Eisschacht im Graben südwestlich der Schmiedtquelle handeln, der vom Steig aus sichtbar ist.

man möchte es nicht glauben aber die Sonne hatte noch Kraft genug

Gleich jenseits des Grabens leitet der Steig zum Vereinigungspunkt mit dem Steig aus dem Südhang des Guffert, dem Normalaufstieg von Steinberg, hinauf. Im anschließenden Abschnitt schlängelt er sich zwischen einem Karsttal links und Latschen rechts stufenartig auf einen flacheren Abschnitt. Die Oberflächen der Felsen dort zeigen ausgeprägte Rillen- und Rinnenkarren (Verwitterungserscheinungen durch Lösung des Gesteins), die ins Auge fallen. Über solche Oberflächen, auf denen auch eiszeitliche Gletscher ihre Spuren hinterlassen haben, erfolgt der Aufstieg bis zum sich ausbildenden Ostgrat der Guffertspitze.

an der Schmiedtquelle

Eine Viertelstunde später wird ein abflachender Rücken erreicht, der an den Ostgrat heranführt. Er ist mit einer vollständigen Bergwiese überzogen und fällt im Süden steil in das Kar ab, mit einer schön anzusehenden Abbruchkante von der zimmergroße abgetrennte Felsblöcke nur kleine Strecken zum Abgrund zurückgelegt haben. Möglicherweise durch Erosion des Untergrundes abgebrochene Plattenkalkbänke.

am Sattel hin zum Gipfelmassiv

Starker Föhn ließ uns am Gipfelaufbau zu Bekleidung in den Rucksack greifen und dieser wurde in der folgenden Ostflanke, die sich hinter der Gratwulst eines gewissen Schutzes erfreut, etwas abgeschwächt. Dort verläuft sich der Steig, bei nicht exakter Betrachtung in einigen Einzelrampen, vielmehr Rinnen, denen beliebig gefolgt wird, wie auch wir es handhabten. Steinschlag aufgrund der Hangneigung ist in dem etwa 50 Hm messenden Abschnitt bei hochfrequenter Begehung durchaus zu beachten.

Rückblick auf den Guffertstein

Am oberen Ende wird der direkte Gipfelgrat erreicht und dessen Aufbau formt sich allein zwischen Süd- und Nordflanke aus, die beide extrem steil auf jeweils breitere Bänke abbrechen, stufenartig, mit senkrechten Bankabschnitten.

der Steig zieht über die etwas geschützte Aufstiegsflanke empor

Der Gipfelgrat erweist sich stets breit, er ist ohne Schneeauflage leicht zu begehen und die einzelnen Stufen sind, gegebenenfalls mit dem Einsatz der Hände, ungefährlich für den sicheren, schwindelfreien Geher.

Guffert Ostgrat

An einigen Stellen kann im Süden ausgewichen werden, wobei der Gratfreund diese Passagen auf ihrer Höhe begehen wird. Kurz vor dem unmittelbaren Gipfelplateau leitet ein Bergwiesenabschnitt auf die letzten felsigen Bänke über, die diesen schönen Gipfel bilden.

der Gipfelgrat kann südlich umgangen werden, oder auf seiner Höhe

Aufgrund des starken Föhns zogen wir es vor etwa unterhalb des Gipfels zu lagern. Die Bank auf der wir saßen bot Schutz von dem Föhn, sodaß wir nahezu windgeschützt die Gipfelpause verbringen konnten und die gierig dreisten Dohlen ihre Flugkünste vollführten, sobald ein Brotstück in die Luft geworfen wurde.

eine letzte sanfte Stufe trennt den Gipfelbereich, das weiche Raiblergeschiebe im Norden hat den dauerhaften Wetterstein längst freigelegt, seine Reste befinden sich Hunderte Meter tiefer

Der kaum durch Luftfeuchtigkeit getrübte herbstliche Blick auf die Umgebung darf als großartig beschrieben werden. Zunächst bestechen die im unmittelbaren Westen gelegenen Unnutze mit ihren rassigen Schitourenanstiegen aus dem Nordosten und der schmalen Rinne auf den Grat. Dahinter das Karwendel mit dem auf den Achensee aussichtsreichen Gipfelpaar Seebergspitze und Seekarspitze sowie der interessanten, spitzen Montscheinspitze und den hohen Karwendelgipfeln leicht recht von ihr, unvergessliche Bergtouren, auf diesem Blog beschrieben.

Andi und seine Dohlen

Direkt hinter dem Köglalmsattel südlich des Vorderunnutzes in südwestlicher Richtung  blicken die Stubaier Alpen durch und zwar unverkennbar das Zuckerhütl und der Wilde Freiger in 80 km Entfernung,

einen magisch anziehenden Westgrat nennt der Guffert sein Eigen, beeindruckende Szenen, die im Kopf umher gehen; solcherart Stufenbänke finden sich speziell im Kirchl des Karwendels

Im Südosten befindet sich der Großglockner in 86 km Entfernung und südlich reihen sich Gipfel des Zillertaler Hauptkamms hinter den großen Erhebungen des Rofan, die mit dem Sagzahn, der Rofanspitze  und der Hochiss beste Kletterberge und auch touristisch leicht erreichbare Ziele darstellen.

Guffert gegen den Südosten, das alpinistische Highlight verdeckt durch das Symbol des Höheren der beiden

Der Abstieg am Normalaufstieg führte uns über latschenbewachsene Karstflächen und fast hätten wir durch Zufall den Kuntscher Eisschacht aufgefunden. Anstelle dessen entdeckten wir an der langen Passage, an der der Steig oberhalb des Trennungsgrabens zwischen Guffertstein und Guffertmassiv parallel entlang führt, den Eisschacht, den wir besuchten.

Rofan vor dem Tuxer Hauptkamm und der Gratverlauf über weite Strecken nahezu parallel – oh Augenblick verweile!

Sehr viel von seiner Tiefenausdehnung konnten wir nicht einsehen, da wir keine entsprechende Ausrüstung mit hatten. Schnee um den unbeleuchteten Schachtkopf herum behinderte tiefere Einblicke, die auch über einen Seitenschlot nicht eindeutig erkennbar wurde. Die Schneelage vermittelte jedoch gut, warum hierbei von einem Eisschacht gesprochen wird.
Der Eindruck, sich in einer tektonischen Verbruchszone zu befinden, stieg mit der Entdeckung von Karstmarken wie Trittkarren auf einfallenden Blöcken am Schlottrichterrand, eine höchst interessante Linie.

Blick in den oberen Eingangsbereich

Der Abstieg in das Südkar des Guffert führt zunächst durch Latschen über einen interessanten Felssporn aus bestem Wettersteinkalk auf dessen Unterkante – ein Klettergarten, wie anhand der Bohrhaken ersichtlich ist.

Steigführung unterhalb der Felsen

Weiter schlängelt sich der teilweise steile Steig in die Tiefe und erreicht nach einer guten halben Stunde, etwa knapp unterhalb von 1.400 m den dichten Wald. Von dort führt der Steig teilweise über einen Forstweg hinab zum Parkplatz.

und im Tiefblick auf Steinberg

Die landschaftlich großartige Rundtour über den Guffertstein auf den Guffert, mit allen Pausen und zurück zum Parkplatz in Steinberg, benötigt sechs bis sieben Stunden (ohne Umweg über den Eisschacht).

letzter Gruß vom Guffert nach Steinberg

Die Strecke beträgt 11,5 km, der Aufstieg 1.350 Hm und beim durchschnittlichen Aufstiegsobjekt von 80kg Masse wird reine Hubarbeit von 1060 kNm verrichtet, welche, physikalisch gesehen, in Steinberg angekommen, zur Kompensation ohne Energiespeicherung (=Gewichtszunahme, nicht -tsunami!) ein großes Bier als Belohnung bedeutet. Nicht mehr – kein Kuchen und schon gar kein Schnitzel, geschweige denn Pommes Frittes –  aber auch nicht weniger. Der Abstieg, der, im Gegensatz zur Physik, für uns zum Glück einen Energieaufwand bedeutet, wurde dabei vernachlässigt. Möglicherweise ist damit der Kuchen, oder ein Kinderwiener drin?

Mils, 13.11.2022

1 Finsterwalder: Tiroler Ortsnamenkunde Bd. 2, S. 754

Freihut, 2.625 m – Runde über das Jöchlegg

Bekannt ist die Freihut in den Südlichen Sellrainer Bergen durch die Anstiege von Praxmar sowie vom Gleirschtal bzw. der Möglichkeit der Besteigung vom Gleirschtal ins Lüsenstal oder umgekehrt. Der Name gibt Rätsel auf, während der Tour wird jedoch klar, daß es sich beim Gipfelplateau um eine große Weide gehandelt haben muß – auf der „gehütet“ wurde -, die einst sehr wahrscheinlich „frei“, also kostenlos zugänglich gewesen ist. Leicht zugängliche, ertragreiche und wirtschaftlich gut nutzbare Flächen vereinnahmten immer Fürst, Lehensherr oder Kirche für sich, steile, steinige, mühsam zu erschließende und wirtschaftlich kaum nutzbare Flächen überließen die Mächtigen den Bauern.

Freihut, 2.625 m

Auf die Freihut führen mindestens drei Anstiege, wobei der unbekannteste und wahrscheinlich schönste jener über das Jöchlegg ist. Der Anstieg ist leicht, jedoch verschwindet der Steig kurz nach dem Jöchlegg auf dem Gratrücken, wobei selbst mit nur schwach ausgeprägter Orientierungsgabe der Aufstieg leicht gefunden wird, bleibt man doch stets auf dem breiten grasigen Rücken und vollführt erst knapp unterhalb des Hauptrückens eine langgezogene Südwendung hin zum vermeintlichen Gipfel der Freihut, mit dem Gipfelkreuz.

Aufstieg zum Jöchlegg nach dem Regen

Von der Kehre beim Weiler Narötz1 führt die asphaltierte Straße etwa 150 m an eine Forstwegabzweigung heran, die rechts in den Wald führt. Man parke nicht am Holzstapel an dieser Abzweigung, wenn Forstarbeiten zu erwarten sind. Unten an der Kehre kann geparkt werden, wie wir von verärgerten Anrainern gelernt haben, die mit den langen Bäumen Mühe hatten mit dem Traktor aus dem Forstweg heraus an unserem Auto vorbei auf die Asphaltstraße zu kommen.

Kuppe auf 1.700 m

Dem Forstweg folge man von der Abzweigung wieder etwa 150 m, bevor links eine Abzweigung zum Steigansatz führt (Markierung auf Aluminiumstange oben), der über den bald steil werdenden Hang hinaufführt. Nach etwa 15 min Anstieg tritt der Steig aus dem Wald heraus und sogleich wird eine Holzhütte sichtbar.

Tiefblick auf Juifenau

Nun schlängelt sich der Steig auf der Freifläche bergan und führt schräg nordwestwärts auf eine Erosionsrinne zu, die überquert wird. Auf der Gegenseite führen zwei Serpentinen in eine lichte Baumgruppe und weiter nordwärts auf die nächste Freifläche.

bereits knapp unterhalb des Jöchleggs mit bärigem Ausblick auf das äußere Sellraintal

Wieder steuert man auf eine Erosionsrinne zu und wieder wird sie überquert. Von dort beträgt der Aufstieg bis zum Jöchlegg noch gut steile 400 Hm. Zunächst bleibt der Steig auf der Nordseite der Rinne bevor er abermals wieder in den Wald leitet, der zusehends dichter wird. Im Wald folgt er dann der südlichen Begrenzung der Steinlehnen, einer großflächigen Hangrutschung mit etwa 800 m Höhe, die die Siedlung darunter über lange Zeit gefährdet hat, bevor der Hang zu Ruhe gekommen ist und Schutzmaßnahmen ergriffen worden sind.

Blick auf die Steinlehnen, die durch ihre Massenbewegungen in der älteren und jüngeren Geschichte des Tales für Katastrophen gesorgt haben

Bereits im Wald werden großartige Aussichten auf das Lüsens- und vor allem auf das äußere Sellraintal erkennbar, die auf der vorgelagerten Kuppe noch grandioser wirken. Dort, am Jöchlegg, befindet sich eine komfortable Rastbank, die wir zur Trinkpause nutzen und den kurzen Abstieg zum Kreuz nehmen, um dieses zu betrachten.

Freihut knapp unterhalb des Jöchleggs

Die Aussicht an diesem Sternpunkt ist sagenhaft, das Inntal abwärts reicht der Blick zum Wilden Kaiser.

herrlicher Blick auf das Lüsenstal

Nach Süden überblickt man das gesamte Lüsenstal bis auf den Lüsener Ferner. In West-/Ostrichtung kann der gesamte Kamm der Nördlichen Sellrainer Berge betrachtet werden und diesem Blick huldigt auch die Widmung im Gipfelbuch der Schützenkompanie Gries im Sellrain.

schönes Kreuz der Schützenkompanie am Jöchlegg vor Peiderspitze und Weißstein

Das Kreuz selbst trägt ein hölzernes, flammendes Herz Jesu und eine ausgeklügelte, kupferne Gipfelbuchschachtel, die das Buch vor den Wettern schützt. Bei all der Gediegenheit des Ortes fällt es einem schwer das Kreuzjöchl – wie das Jöchlegg auch heißt – nicht als Gipfel wahrzunehmen.

Kreuzjöchl vor der Freihut

Ein kurzer Gratrücken führt den Sporn des Jöchleggs an das Bergmassiv der Freihut heran. Eine kurze, fast ebene Strecke, die links von ihr die auffällige Eigenschaft des Schiefergneis zur Bergzerreißung so richtig zur Geltung kommen läßt, so können dort ausgeprägte Nackentälchen festgestellt werden, über die auch die alte Steigführung des sogenannten Kirchsteigs gelegt wurde, der eine Verbindung von St. Sigmund nach Praxmar darstellt.

einzigartiger Talblick ins Sellraintal und bis zur 93 km entfernten Ellmauer Halt

Auf einer deutlich erkennbaren Linie zeichnen sich die kleinen Spitzen mit den bergseitig gebildeten Tälchen dahinter ab. Der Kirchsteig verläuft durch die Tälchen wie in einer Wanne.

Merkmale von Massenbewegung; Bergzerreißung, Hangkriechen, -gleiten

Die kurze intensive Sonnenbestrahlung nach dem Regen lies einige bärige Bilder zu, hatte aber auch den Nachteil der Verdunstung auf den Bergwiesen und im Verein mit der entstehenden Thermik bescherte uns der Wetterwechsel teilweise dichten Nebel im Aufstieg.

teilweise steil über Bergwiesen und vereinzelte Schrofen

Die Richtungsfindung war jedoch einfach, der grasige Rücken, teilweise mit vereinzelten Schrofen versehen, wird am Kamm bestiegen und bei jedem Abriss der rasch aufsteigenden Nebel wird das Gipfelkreuz sichtbar.

Gipfelkreuz der Freihut immer im Blick

Gegen den Nordkamm hin vollführt der Steig die oben erwähnte Linkswendung, in Richtung zum Sporn auf dem das Gipfelkreuz errichtet wurde. Die Reste eines ehemaligen Hirtenunterstandes werden dabei passiert, die nicht nur den Eindruck machen als wäre die Freihut schon weit vor ihrer touristischen Erstbesteigung erstiegen worden, sie sind Zeuge dessen.

phantastischer Aufstieg über herbstliche Bergwiesen

Über oberflächliche Hangrutschungen steigt man oberhalb der vor dem Nordkamm obersten sich bildenden Nackentäler auf flacheres Gelände, gebildet durch enorme Massenbewegungen des Gebirges. Im flachen Gelände findet man wieder Steigspuren vor, die zum Sporn mit dem Gipfelkreuz hinführen.

die Route ändert sich nach links zu den obersten Hanggleitungen hin

Die Steigspuren führen durch trogartig geformtes, felsiges Gelände, gebildet durch die Bergzerreißung, das nach oben hin  mit einer kleinen Überraschung aufwartet. Wer den Blick für die türkisgrünen Anlagerungen von Malachit auf Gesteinsstücken hat, kann solche dort noch wenige vorfinden.

durch Oberflächenrutschungen führen Steigspuren den Flachstellen zu

Der Sporn, den es zu besteigen gilt, ist nicht der geodätische Gipfel der Freihut, es ist dies übrig gebliebene Erhebung an der Ostseite am Plateau aus standfestem Granodiorit, der eigentliche Gipfel der Freihut befindet sich 300 m südöstlich davon, er ist um zehn Meter höher und trägt ebenfalls ein Gipfelkreuz. Wir haben ihn nicht bestiegen, da er nicht direkt am Weg lag und schneidiger Wind uns von dem unspektakulären Gupf abhielt.

am Plateau der Freihut angekommen

Rasch ersteigt man vom Plateau aus den Sporn, der sich als Ort für das Gipfelkreuz bestens eignet, nimmt man den Ausblick ins Tal in Betracht.

ein deutlicher Steig leitet bergwärts

Rasch wechselnde Bewölkung, Regenstriche in der Ferne und Nebel machten während der Gipfelrast das Warten auf geeignete Bildaufnahmen spannend und schließlich wurden die Bilder in den Süden wenig interessant.

Blick in den Südosten von der Freihut

Von Südost bis Südwest befanden sich die zentralen Stubaier Alpen unter durchgehender Bewölkung und auch der Kontrast fehlte weitgehend. Erwähnenswert ist die schöne Aussicht auf die Hohe Villerspitze und den Lüsener Fernerkogel, ersterer links im Lüsenstal, letzerer rechts davon, mittig der ehemals lange Lüsener Ferner, der bereits bis hinter die „Mauer“, seinem Nordabhang, zurückgebildet ist. Hinter dem Lüsener Ferner lag die Gipfel der Ruderhofspitze und der Seespitzen bereits unter Bewölkung.

Blick in den Süden von der Freihut

Bereits in südwestlicher Richtung bot sich uns ein schöner Blick auf die Hintere Grubenwand (3.173 m), den Ausgangspunkt des gesamten Nordgrates auf dem wir uns auf seiner nördlichsten Erhebung befanden. Rechts davon, zwischen dem Grieskogel und der Lampsenspitze (runde Kuppe) lugt der rassige Gleirscher Fernerkogel durch, weiter rechts noch die kühne Hintere Sommerwand.

Blick in den Südwesten von der Freihut

Links und rechts vom eigentlichen Gipfelkreuz der Freihut finden sich konzentriert schöne Schitourenziele mit dem Zwieselbacher Rosskogel und der Haidenspitze.

Blick in den Westsüdwesten von der Freihut

Im Westen reicht der Blick auf die Schitourenziele Weitkarspitze, Kraspesspitze und weiter in den Nordwesten gehend auf Steintalspitze, Pockkogel und Gaiskogel .

Hellmut mit den kurz zuvor angekommenen Damen auf der Freihut

Die Nördlichen Sellrainer Berge sind in ihrer gesamten Kette eindrucksvoll zu sehen.

Blick auf die Kühtainer Berge im Westen der Freihut

Von Pirchkogel und Hochalter über Mitterzaigerkopf und Rietzer Grieskogel windet sich der Kamm über das Seejoch zur Peiderspitze.

im Nordwesten ein ebenfalls schönes Herbstziel mit dem Seejoch (2.808 m) im Nordwesten

Schließlich folgt der rassige Weißstein und den Abschluß der Kette bildet der Roßkogel, bevor der 14 km lange Kamm nach Osten ins Inntal abfällt.

Peiderspitze mit dem schönen Grat zu den Koflerspitzen im Norden

Im Osten endet die Gipfelschau über dem Kamm oberhalb der Juifenau Alm der Gipfelsaum der Kalkkögel mit den drei höchsten Zielen, der Großen Ochsenwand, der Riepenwand und der Schlicker Seespitze.

Weißstein und Roßkogel als die letzten scharfen Zähne in den Nördlichen Sellrainer Bergen

Während des Aufstiegs am Plateau und am Kreuzgipfel kann man ein Symbol aus Stein beobachten, das wohl die Freude an der Heimat ausdrücken soll. Vollständig lesbar ist es nicht; um einen runden, durch ein Kreuz geviertelten Kreis herum befindet sich der Schriftzug TIROL und im Kreis der Schriftzug „ich lebe“, sowie ein Schriftzug darunter, der nicht mehr lesbar ist. Südlich davon befinden sich drei weitere unleserliche Schriftzüge und ein Dreieck. Hier haben sich wohl mehrere Künstler geübt.

Freihut vor Kalkkögeln

Den Abstieg, und so die Rundtour gebildet, unternahmen wir bei scharfen Brisen über den Steig nach Praxmar. Ohne Handschuhe kein Auskommen, der Wind legte zu und erst in der Grube konnten wir uns derer wieder entledigen.

Anstieg am Kamm vom Jöchlegg

Der Abstieg in die Grube erfolgt zunächst in Gratnähe, bevor sich der obere  Trichter zur Grube öffnet. Den geodätischen Gipfel der Freihut ließen wir dabei rechts liegen.
Bis zur Grube werden über 400 Hm abgestiegen, teilweise über grobblockige alte Steinreisen, bei denen Hellmut das Tempo zugunsten der Sicherheit zurücknehmen mußte.

Gratpassage am Abstieg in die „Grube“, voraus der Praxmerer Grieskogel

Dies bot die Gelegenheit eine verfallene Almunterkunft am tiefsten Punkt der Grube näher zu inspizieren. Die geschlichteten Mauerreste sprechen von einem Vorraum und einem Hauptraum, der Eingang entgegen der Wetterrichtung. Das Dachgebälk ist vollständig verschwunden. Mehr kann nicht entdeckt werden, jedoch ist die Umgebung interessant.

Blick auf die Grube mit Steig nach Praxmar

Unmittelbar neben der Alm befindet sich ein Felsblock mit einer senkrechten Fläche, die, dem Steig zugeneigt, einen Schriftzug zeigt, der mittlerweile sein 135. Jubiläum feiert.

Rückblick auf das mächtige, 400 m hohe Kar der Grube

Das untere Wort ist leicht erkennbar, es handelt sich um den Nachnamen des Innsbruckers August Endres, ein alter Bekannter der Alpingeschichte, der im ausgehenden 19. Jhdt. einige Erstbesteigungen vollführte.

Inschrift „Endres“ an der Alm

Der Schriftzug darüber ist nicht mehr lesbar und er sollte eigentlich den Namen Pock zeigen. Die beiden haben 1887 die Freihut touristisch erstbestiegen. Endres war Mitglied in der von Julius Pock gegründeten Bergsteigergesellschaft der Wilden Bande. Pock hat viele Gipfel im Sellrain erschlossen, ihm zu Ehren wurde der Pockkogel benannt.

verfallenes ehemaliges Almgebäude

Auf historischen Pfaden wanderten wir also Praxmar entgegen. Warum die beiden diesen langen Anmarsch auf den allseits vom vorderen Tal aus leicht zu erreichenden Gipfel nahmen bleibt unbeantwortet. Einen Steig bis zur Grube gab es wahrscheinlich schon aufgrund der Almwirtschaft, welcher die Zuwegung ins Kar erleichterte.

Steig nach Praxmar

Stetig abwärts führt der Steig aus der Grube inmitten von Almrosen und anderen alpinen Zwergsträuchern mit malerischem Blick auf den Talabschluß des Lüsenstales der Ansiedlung Praxmar entgegen und nach dem Eck zwischen „Die Grieser“ und „Leger“ erfolgte unser geplanter Abstieg in den Narötzer Wald.

am Eck zwischen „Die Grieser“ und „Leger“

Der Steig, bzw. die Abzweigung des in den Narötzer Wald hinab führenden Steigs ist leider nicht mehr sichtbar.

an diesen Almhüttenresten geht es direkt hinab auf den überwucherten Steig in den Narötzer Wald

Jedenfalls steigt man bei den Resten eines Almgebäudes einfach auf die weichen Bergwiesenböden direkt hinab und findet, unter Konzentration auf einen Steigverlauf, tatsächlich einen schräg talauswärts verlaufenden Steig, der völlig überwachsen ist und nur als Verflachung der Geländekante auszumachen ist. Hat man ihn erreicht, führt er bis zum Forstweg am Talgrund hinab.

erkennbarer Steigverlauf nach links unten

Dabei taucht der Steig nach einem talseitig am Waldrand erkennbaren Hochstand in den dichten Schlagwald ein und führt an fünf Ruinen von Almhütten vorbei, die man im dichten Wald nicht vermuten würde.

verfallene Almgebäude im Schlagwald

Am unteren Ende des Waldwegs wird eine Wildfütterung erreicht, von dort führt der Forstweg zurück nach Narötz. Am Forstweg talauswärts nehme man die untere (markierte) der beiden Möglichkeiten, das erspart das Überklettern eines Weidezauns kurz vor den Häusern.

Steig im Schlagwald

Da wir mit Schirmen im Regen die Abzweigung vom Forstweg fotografisch nicht aufgenommen hatten begingen wir abschließend nochmals die etwa 150 m des Weges ab der Asphaltstraße, um sie abzulichten.

Gehöft vor der Asphaltstraße

Auf der phantastischen Herbstrunde werden 1.250 Hm über eine Strecke von knapp 10 km gemeistert und Hellmuts Idee eine Runde ersparte uns den Weg nach Praxmar und auf der Landesstraße zurück zum Ausgangspunkt.

Abzweigung vom Forstweg auf den Steig zum Jöchlegg

Wir haben für die Tour incl. aller Pausen sieben Stunden benötigt und bei dieser Zeitangabe ist zu berücksichtigen, daß wir in Summe mehr als 140 Lebensjahre auf den Gipfel zu tragen hatten, der eine jedoch nur dreiviertel vom anderen.

Mils, 26.10.2022

1  Finsterwalder: Tiroler Ortsnamenkunde Bd. 2, S. 641: Narötz, von „orezza – bei der kühlen Luft“, einstiger Lagerplatz für die Mittagsruhe des Viehs mit Kühlung und Schutz vor Insekten

 

Seejoch, 2.808 m – Flaurlinger Roßkogel oder Haggerspitz

Gleich drei Namen besitzt der schöne Aussichtsberg in den Nördlichen Sellrainer Bergen. Und er ist, mit einem Meter mehr als die schön geformte Peiderspitze, nach Osten hin der höchste Gipfel in der Kette. Seine Besteigung von Haggen eignet sich für späte Herbsttage an denen die Sonneneinstrahlung den Südanstieg erwärmt.

oder direkt auf der leicht zu begehenden Gratschneide

Der Ausgangspunkt auf das Seejoch vom Sellraintal  kann von Haggen, oder von zwei Steigen, die etwas höher in Richtung Kühtai, an der Landesstraße beginnen. Am Rückweg kann somit ein geänderter Abstieg zu einer kleinen Runde ausgebaut, und die Forstfläche mit interessanten Informationen besichtigt werden.

Seejoch vom Parkplatz bei der Schärmeralm aus gesehen

Die vorliegende Tour beginnt am Parkplatz jenseits des Zirmbachs, in Haggen. Von dort ist das Ziel gut sichtbar. Vorbei an der kleinen Kapelle führt der Steig nordostwärts auf den grasigen Hang, der so eigentümlich kahl im hellbraunen, verdorrten Herbstkleid steil nach oben führt.

Andreaskapelle Haggen

Deutlich sichtbar von unten erscheinen die Markierungen auf den Blöcken im Hang. Der Steig führt im unteren Teil durch ein paar sumpfige Stellen, bevor der Hang steiler wird und in zunächst weiten Serpentinen aufwärts führt.

Beginn Steig auf den Haggener Sonnberg

Nach einer etwas weiteren Nordostpassage setzt der Steig auf dem Westrücken einer Wasserrinne fort und die Serpentinen werden enger. Auf diesem Rücken bleibt der Anstieg bis der Steilhang oben zum Haggener Sonnberg, der seinen Namen zurecht trägt, stetig abflacht.

Rückblick nach einigen Minuten Aufstiegs

Im Flachteil kreuzt der Steig mit dem Sellrainer Höhenweg, der östlich zur Sonnbergalm und weiter in Richtung Roßkogel führt. Vorbei an den Resten von Almwirtschaft, die aus Unwirtschaftlichkeit und Mühe aufgegeben wurde, leitet der Steig in mäßig steilem Gelände auf den Rücken hinter dem sich die Roßgrube mit dem kleinen See befindet. Am Hochpunkt des Rückens findet sich eine einsame Bank, die für eine Trinkpause genützt wurde.

am Sellrainer Höhenweg angelangt; zum Seejoch geradewegs nach Norden über eher flache Bergwiesen

Von dort kann die „Haggener Wand“ unterhalb des Gipfels des Seejochs und das davon rechts, nach Ost, sich erstreckende Peiderwandl aus der Nähe betrachtet werden, eine nach Ost ansteigende Wandstufe, die höchstwahrscheinlich durch das Abrutschen der Gneisglimmerschiefermassen gebildet wurde. Oberhalb zeichnet sich das Gipfelkreuz des Seejochs deutlich ab.

an der Inneren Roßgrube angelangt

Das Peiderwandl ist es auch das nun, nach der Umwanderung der innersten Rossgrube mit leichtem Höhenverlust, angepeilt wird, um auf die Peiderscharte im Osten zu gelangen.

alte und junge Steinmuren werden überschritten

Am Weg dorthin durchquert der Steig eine Murenrinne, die viele Eindrücke der in den Felsen darüberliegenden geologischen Einheiten in die Roßgrube gefördert hat und nicht nur Gneisglimmerschiefer sowie Schiefergneis sondern auch den dunkelbläulich feinkörnigen Biotitgranitgneis und den ebenfalls dunklen aber eher schwarzen Amphibolit zeigt.

über ein Blockfeld führt der Steig an die Felslinie heran

Der Steig entlang des Peiderwandls überquert einige Murenrinnen direkt am Felsfuß, sodaß die unterschiedlichen Farben, Muster und Bruchformen der Gesteine schön studiert werden können.

typischer Aufstieg durch Murenrinnen mit jung herabgefördertem Gestein

Kurz vor der Peiderscharte, auf dem letzten felslosen Anstieg zur Scharte, taucht der Steig für eine kurze Strecke in Granodioritgneis ein, der den Grat und die Südabhänge der Peiderspitze bildet. Die kurzen Felspassagen gleich westlich der Scharte bestehen dann bereist wieder aus dem dunklen Amphibolit, der sich bis zum Gipfel fortsetzt.

Rückblick auf die Innere Roßgrube

Auf der Peiderscharte fällt der Blick natürlich auf den schönen Grat zur Peiderspitze, ein eigenes Abenteuer, das man auch mit dem Seejoch verbinden kann, falls man ein zweites Fahrzeug in Gries platziert hat, oder den Anstieg am Rückweg über den Sellrainer Höhenweg nicht scheut.

Peiderscharte, Blickrichtung Ost zur Peiderspitze

Am Gratverlauf wird das Seejoch Gipfelkreuz zum Greifen nahe während im festen Amphibolit entweder am Steig, oder schöner, am direkten Grat zum Gipfelaufbau angestiegen wird. Unter mäßiger Steigung werden die harmlosen Gratspitzln hin zum Fuß überwunden.

Auf dem ersten Gratkopf (dunkler, blockiger Amphibolit)

Die letzten 100 Hm zum Gipfel erfolgen nahe der Kante zwischen Südabbrüchen und Nordosthang in kleinen Serpentinen, teilweise auf einem schuttigem Rutschhang.

entweder am Weg, südlich der Grathöhe

Einen besseren Tag für die Aussicht vom Seejoch als einen Herbsttag gibt es wohl nicht. Zwar steht die Sonne generell tief, treibt sie aber doch ein Licht und Schattenspiel im Süden, das  die Grate richtig zur Geltung kommen läßt. Die trockene Luft erlaubt weite Fernblicke in die restlichen Himmelsrichtungen.

Aufstieg auf der Kante des Osthangs zum Seejoch

Im Nordwesten erhebt sich die schön geformte Pyramide des Rietzer Grieskogels, die, um wenige Meter, nur knapp die 2.900 m Grenze verfehlt und somit den höchsten Berg bis Kufstein, der direkt im Inntal steht bildet.

Seejoch, 2.808 m

Nach Westen hin wird seine Höhe nur von Wildgratspitze und Parseierspitze übertroffen, wobei man ernsthaft darüber diskutieren mag ob erstere in  vorderster Reihe zum Inntal angesiedelt werden kann und letztere noch dem Inntal zuzurechnen ist, bevor der räterromanische Piz Alpetta, westlich von Hochfinstermünz, mit 2.980 m direkt am dort entspringenden Inntal den Rietzer überragt.

Blick vom Seejoch nach Nordwest mit dem Pirchkogel links, dem Rietzer Grieskogel und dem Hocheder in der rechten Bildhälfte

Weit reicht der Blick im Herbst in den Norden auf die Wettersteingipfel mit der schönen Leutascher Dreitorspitze, die den östlichen Teil der Wettersteinhauptkette dominiert, und ins Karwendel im Nordosten, das man an einem langen Sommertag von Absam bis nach Krün durchwandern, und die gesamte Strecke incl. aller Gipfel, bis hin zur Soiernspitze in Bayern, vom Seejoch aus nachvollziehen kann.

Flaurlinger Alm in der Tiefe, links hinten die Leutascher Dreitorspitze, die Ahrnspitzgruppe und die Karwendelvorberge in Bildmitte und rechts das Karwendel

Direkt im Osten, im Seetal gegenüber, reicht der lange und nach Norden hin milder werdende Grat, den die Peiderspitze entsendet, bis zum Rauhen Kopf, bevor er in das Inntal abfällt.

sanft steigender und zerklüftet endender Nordgrat von der Peiderspitze nach Norden mit Karwendel im Hintergrund

Dieser Grat trägt die Schlossköpfe, über die es sich in leichter Kletterei in festem Fels auf die Peiderspitze ansteigen läßt. Genau über der Palderscharte ragt der kühne Turm des Weißsteins auf und links davon der Roßkogel, die man in einer interessanten Runde über den Mitterkogel ab der Inzinger Alm begehen kann.

Schlossköpfe und Peiderspitze – eine bärige Überschreitung

Im Südosten reicht der Blick bis in die Zillertaler Alpen, sowie nach Süd geschwenkt über die famosen Kalkkögel und dem Habicht zu den zentralen Stubaier Gipfeln. Gegenüber, im Tiefsten des Gleirschtals thront der rassige Gleirscher Fernerkogel und östlich davon, im hinteren Lüsenstal, seien die Dreitausender der Hohen Villerspitze und des Lüsener Fernerkogels erwähnt.

Von links: Peiderspitze, Kalkkögel mit Zillertaler Alpen im Hintergrund, Habicht und Hoher Villerspitze rechts

Im gleißenden Licht der flach stehenden Sonne im Herbst finden sich gegenüber die Südlichen Kühtaier Berge, von denen die wohl bekanntesten Gaiskogel, Pockkogel und Neunerkogel eine schöne Überschreitung im Sommer bilden, sowie im Winter der Zwieselbacher Rosskogel und der Sulzkogel sehr beliebte Touren darstellen.

Hohe Villerspitze und Lüsenser Fernerkogel in der linken Hälfte, Schrankogel mittig weit hinten, Grubenwand, Gleirscher Fernerkogel, die spitze Vordere Sonnenwand, der Breite Grieskogel und der Zwieselbacher Roßkogel rechts

Als leichte Tour im Vordergrund kann die Runde über die Freihut empfohlen werden; mit Aufstieg ab und nach Narötz, in der Juifenau.

phänomenaler Blick vom Seejoch auf Gleirsch- und Kraspestal

Den Abschluß des Panoramas im Westen bildet der Blick auf Kühtai mit dem grünen Stausee und dem dahinter aufragenden Stock des Maning- und Acherkogels, die mit einer atemberaubenden Nordostkante aufwarten.

links der Sulzkogel, der Maning- und der Acherkogel, dann Kühtai und rechts der Pirchkogel

Ebenfalls gen West fällt der Grat vom Seejoch zum Metzten und dahinter, zur Flaurlinger Scharte hin ab – eine nächste Tour als Überschreitung von West nach Ost, über die Peiderspitze, bis zum Roßkogel hin und unter Nutzung des Linienbusses möglich.

Grat von Peiderscharte auf die -spitze

Der schöne Grat von der Peiderscharte auf die gleichnamige Spitze kann im Abstieg erforscht werden. Der Führer attestiert für diese mäßige Schwierigkeit, welche auch optisch stimmen sollte, bis auf eine schwierige Stelle, die Roman & Jürgen beschreiben.

Blick von der Peiderscharte auf den Abstieg

Am Haggener Sonnberg kann ein alternativer Abstieg nach Westen erfolgen, der durch die Aufforstungsfläche, die ab dem Jahr 1963 als Reaktion von verheerenden Lawinenabgängen angelegt wurde. Es empfiehlt sich die Informationstafel am unteren Ende des Steigs durch den Wald zu lesen.

südwestlich den Sonnberg querend hinab auf den Sellrainer Höhenweg

Der Abstieg dorthin ist bestens markiert und ein Bankl oberhalb der durch Lärchen bunt gefärbten Forstfläche lädt zum Baumeln der Seele ein, vor den herbstlich goldbraun gewordenen Bergwiesenflächen im Sellraintal.

Abzweig vom Höhenweg Richtung Haggen

Auf der sonnigen Herbstrunde werden 1.380 Hm über eine Strecke von 10,5 km gemeistert. Man rechne incl. Gipfel- und kurze Trinkpausen mit 5 1/2 bis 6 Stunden. Im Sommer empfiehlt sie sich aufgrund der Temperaturen nur bei sehr frühem Start.

am Steig neben der Kühtaistraße bis zurück zur Andreaskapelle, hoch oben das Seejoch

Zur Einkehr eignet sich der legendäre Forellenhof, in dem man immer gut isst, wenn man denn am Nachmittag nach dem Mittagsansturm als Einzelner auf einem Tisch im Garten beachtet wird.

Mils, 30.10.2022

Mitterkogel, 2.583 m – Überschreitung Nordgrat, Weißstein und Roßkogel

Der kurze und leichte Nordgrat, der sich zwischen Roßkogel und Peiderspitze in das Becken der Inzinger Alm vorschiebt, trägt den Mitterkogel, dessen Besteigung zu einer schönen Runde ausgebaut werden kann, mit dem Weißstein und dem Abstieg über den Roßkogel, zurück zur Inzinger Alm. Die ungerechte Beschreibung der Begehung von Norden im Alpenvereinsführer mag Grund für seinen wenig häufigen – und dem Gipfelbuch nach vorwiegend von ansässigen Kennern – ausgeführten Besuch sein.

Mitterkogel, 2.583 m

Weiters beinhaltet kaum ein klassisch alpines Kartenwerk den Anstieg zu seinem Kreuzgipfel, der auf dem 2.376 m hohen Spitzl extrem weit nördlich des geodätisch richtigen Gipfels entfernt errichtet wurde, das keinen eigenen Gipfel nach der allgemeinen Definition darstellt, und das augenscheinlich keinen offiziellen Zustieg zu besitzen scheint. Beim Vergleich des Kartenwerkes mit der Realität in natura fällt dies besonders auf und zieht die Aufmerksamkeit jedes alpinistisch Interessierten auf sich das Geheimnis zu ergründen.

Mitterkogelgrat von der Straße zur Inzinger Alm gesehen

Wer letzteres unternehmen möchte, findet zunächst keinerlei Literatur über das kleine Spitzl, das am Mitterkogelgrat von hoher Stelle aus gegen die Inzinger Alm blickt und, bei genauer Betrachtung mit dem Glas von unten, zwei Gipfelkreuze trägt. Der AV-Führer enthält darüber keine Aussage, zumindest nicht der alte. Selbst bei der Karten-Recherche auf den Apps des AV oder Outdooractive über Anstiegsmöglichkeiten bedarf es der sogenannten „Pro+ Version“ der App, um auf anderen als den Alpinkartenanbietern zumindest einen Steig zum Kreuzgipfel auszumachen – Kartenanbieter1, die ganz und gar nicht den alpinistischen zugerechnet werden, paradoxerweise aber den Anstieg beinhalten.

das „Spitzl“ als Kreuzgipfel am Mitterkogelgrat

Diese Tatsache beflügelt den Entdeckergeist noch weiter, sowie das Grübeln über diese beschämende Situation, für die der Autor seine Meinung hat, die der eifrige Leser dieses Blogs bereits kennt: „Die Dosis [Verf.: Haftung] macht das Gift“ – wie Paracelsus bereits vor Jahrhunderten erkannte – könnte hier als indirektes Zitat der Situation dienen, welche sich, nach Meinung des Verfassers, als solche heute immer noch in §1319a ABGB aufgearbeitet findet.

Harvey Maps Karte; eine Karte, nicht speziell für alpines Gelände

In der Folge gibt es den Steig somit in englischen und anderen internationalen Karten, nicht aber in heimischen, die heute streng der ursprünglich Theresianischen Ordnung im Gebirge folgen, welche damals nicht für diese Extremität vorgesehen war. Und es gibt ihn gottlob im Herz von Eingeweihten.

im Kessel des Hundstales gegen den Grünerlenhang und den Kreuzgipfel geschaut

Der Anstieg führt vorbei an der Inzinger Alm, hinauf in den aufsteilenden Talkessel des Hundstales. Der Parkplatz auf 1.627 m und darüber hinaus – bei großem Andrang – entlang der Straße ist kostenlos, im Sommer ist die Straße frei benutzbar, sonst herrscht Fahrverbot. Wie überall im Gebirge empfiehlt sich die Erkundung über die Situation vor der Tour, es könnten ja Wetterereignisse die Auffahrt temporär verunmöglicht haben, oder die Aktualität des vorliegenden Berichtes überholt sein.

gewaltiger Abbruch des Mitterkogelgrats mit Gletschermoräne

Nach den Almwiesen, zu Beginn des Grünerlengürtels, quert der Steig den Enterbach und führt über eine Kehre unterhalb des steil abfallenden Fußes des Nordgrates in Richtung der  mittleren Stufe des Hundstales, vorbei am Schafhüttl und unterhalb einer Gletschermoräne mit beachtlich großen Gesteinsblöcken.

Abzweigung des Anstieges zum Kreuzgipfel im Rückblick, rechts das Blockfeld

Die Abzweigung auf den Nordgrat nach dem Erreichen der nächsten Talstufe ist nicht sichtbar vom Steig zum Hundstalsee aus. Knapp neben dem Hundstalbach steigt man gegen die Flachstelle auf und übersieht dabei ein schmales, spitz nach links abzweigendes Steiglein, hinauf auf eine Ansammlung größerer Blöcke, das auch als Gamswechsel durchgehen könnte und nicht sofort als Steig erkannt wird.

Rampe nach rechts ansteigend in horizontaler Bildmitte

Das Blockfeld wird durchquert, oder im Norden umgangen, bevor der schwach sichtbare Steig auf eine Art Rampe nach Süden führt, über die bis zu einer Verschanzung der Jäger aufgestiegen wird. Nach der Verschanzung aus Schieferplatten verschwindet der Steig zunächst bis in den schuttüberzogenen Hang, der nordöstlich in die Ausmuldung zum Kreuzgipfel hin führt. Mitten im Hang findet sich der Steig dann wieder.

Rückblick von der Flachstelle mit der Jägerschanz links

Eine mittelbreite junge Murrinne erschwert den Aufstieg dadurch ein wenig, daß der Steig unterbrochen wird, neue Steigspuren sind spärlich vorhanden und jenseits der Rinne wurde zur Orientierung ein Steinmandl errichtet.

Rückblick nach der Murrinne

In der Folge führt der Steig in die Mulde hinein und – zunächst wieder ohne sichtbaren Steig – auf die Gegenflanke, auf der man weit oben einen Steinmann erkennt, zu dem aufgestiegen wird. Von dort ist der weitere Aufstieg recht logisch nachvollziehbar und bei Durchlässen von deutlichen Steigspuren belegt.

weglos zum nächsten Steinmandl hoch oben

Weiter oben muß auf die Nordseite gewechselt werden, um knapp jenseits aufzusteigen und rechts der Felswand zum Kreuzgipfel wieder auf die Südseite zurückzusteigen und entlang der Felswand die Wiesen des oberen Teils der Mulde zurückzukehren, über die der Aufstieg auf steilen Grasflächen zum Gipfelkreuz erfolgt.

Rückblick vom Steinmann zurück auf den Steig in die Muldenverschneidung

Da es in den Vortagen zur Begehung des Verfassers geregnet hat und die Hangneigung entsprechend groß ist (≥ 40°), sei hier die Empfehlung ausgesprochen, diesen Aufstieg nicht nach Regen am Vortag, oder zu erwartender starker Taubildung zu unternehmen. Gleiches gilt auch für den Aufstieg am Grat zum eigentlichen Gipfel des Mittergrates. Weiters muß man bei der im unteren Teil eher abgedeckten Lage des Aufstiegs im Spätsommer oder Herbst nicht zu früh starten, um eher ins Sonnenlicht einzutauchen.

 

kurz vor dem Wechsel auf die Nordostseite am Grat

Wie oben erwähnt stellt der Punkt an dem die beiden Kreuze errichtet wurden, nicht der eigentliche Mitterkogelgipfel, sondern nur eine Gratspitze, die vom Talboden aus schön sichtbare ist und höchstwahrscheinlich deshalb als Mitterkogel adaptiert wurde. Sie weist als Merkmal für einen eigenständigen Gipfel jedoch keinerlei Schartenhöhe auf und der eigentliche Mitterkogel kann von dort nicht eingesehen werden.

Mitterkogel Kreuzgipfel, 2.376 m

Eine raffinierte und eigenwillige Rohrkonstruktion der Gipfelbuchschachtel schützt das dadurch aufgerollte Gipfelheft wirkungsvoll vor Nässe und das Gipfelbuch zeugt von wenigen Besteigungen übers Jahr, darunter manche, deren Hausrunde der Mittergrat wohl sein dürfte, die mehrmals im Jahr diese Tour unternehmen. Wobei, den reinen Aufstieg zum Gipfelkreuz dürften nur wenige zum Ziel haben, meist wird die folgende Gratüberschreitung zum Ostgrat der Nordöstlichen Sellrainer Berge oder dieselbe Runde angegeben, wie in vorliegendem Bericht beschrieben. Liegt aber auch auf der Hand, wenn man diesen schönen, leichten und einsamen Grat einmal begangen hat.

weiterer Anstieg auf den Mitterkogel; links das nächste Ziel, der Weißstein

Das alte Holzkreuz, ein sogenanntes Patriarchenkreuz – es könnte als ein Wetterkreuz für die darunter liegende Alm gedeutet werden -, wurde nach der Errichtung des neuen Stahlkreuzes nicht entfernt sondern belassen. Zweck und Form wären ansonsten nicht erklärbar.

Rückblick vom Nordgrat auf den Kreuzgipfel

Nun am Grat, der zuerst nur als leicht begehbarer Rücken ausgebildet ist, wird über Wiesenflecke mit eingestreuten Felspartien auf den nächsten Gratbuckel aufgestiegen. Spätestens ab dort gilt die Beschreibung im AV-Führer (Klier, Stubaier Alpen, 8. Auflage 1976) „…Anstieg von Nord weniger schwierig als mühsam und nicht ungefährlich über steile, brüchige Flanken emporführt.“ Wenn Julius Pock 1888 dies so beschrieben und die Beschreibung Vorlage für den Führer war, dann hat er sicher den Anstieg zum Kreuzgipfel mit „nicht ungefährlich über steile Flanken“ gemeint (siehe Empfehlung weiter oben), als „brüchig“ könnte der Verfasser aus seiner Beobachtung jedoch keinen Teil der Route bis zum Auslaufen am Ostgrat bezeichnen. Im Gegenteil, die Gratpartien verlaufen nach dem Kreuzgipfel in festem Amphibolit- und Hornblendefels.

kurze Strecke von Gratspitzln

Am Weg zum Hochpunkt auf den Gratkopf (2.508 m) findet sich ein kurzer Abschnitt mit Gratzacken, die überklettert, oder westseitig umgangen werden können und unmittelbar unterhalb des Hochpunktes ein kurzer Kletterabschnitt in festem Blockwerk.

Rückblick vom Gratkopf zum Kreuzgipfel

Vom Hochpunkt aus reicht der Blick über den gesamten folgenden Grat bis zum Mitterkogel. Nicht, daß man den Grat in seinen Einzelheiten ausmachen könnte, aber dessen gesamten Verlauf mit den schmaleren Partien die das Herz schon höher schlagen lassen.

Anstieg auf den Mitterkogel im Überblick vom Gratkopf aus

Mit einem kurzen Abstieg von etwa 20 bis 30 Hm in die tiefste Einschartung zwischen Gratkopf und Mitterkogel beginnt der zweite Abschnitt der Gratüberschreitung. Der Abstieg führt vorwiegend über Gehgelände, bevor die Gegenseite mit einem schönen Aufstieg im Fels aufwartet. Dieser Abschnitt und die folgenden, relativ flachen schärferen Gratpartien hin zum Gipfelaufbau des Mitterkogels stellen das Highlight der kletterbaren Abschnitte der Überschreitung dar. Leider sind sie viel zu kurz.

Aufstieg zum Mitterkogel von der tiefsten Einschartung aus gesehen: im Vordergrund der tolle Felsaufstieg

Am Aufstieg stellen sich schräge plattig, ebene Felsflächen direkt am Grat entgegen, die genügend Risse für eine leichte Begehung aufweisen. Das Gelände steilt auf und wer am Grat bleibt erlebt einige schöne Partien in mäßig schwieriger Kletterei, bevor ein kleiner grasbewachsener Kopf den nächsten, nun schärferen Teil der Gratverbindung zum Gipfelaufbau einleitet und der in luftiger Kletterei an der Gratschneide begeht, bevor er auf der breite Flanke des nördlichen Gipfelaufbaues abrupt ausklingt.

am schärferen Grat zum Gipfelaufbau des Mitterkogels

Anschließend an diesen schönsten Teil der Überschreitung führt ein auffällig gut ausgetretener Steig auf die Westflanke des Mitterkogels, wohl als Umgehung des Gipfels gedacht. Er wurde nicht weiter verfolgt, da das Ziel ja die Gratüberschreitung zum Mitterkogel darstellte. Daher rechts vom Steig am Grat weiter und über einen auffälligen, wenige Meter mächtigen Einschub eines anderen Gesteins wieder auf die Grathöhe.

Rückblick über den bärigen, scharfen Teil des Grates

Nach ein paar Minuten auf der leicht zu begehenden Grathöhe wird der Gipfelpunkt mit dem Steinmandl sichtbar und auch gleich erreicht. Das Steinmandl stellt die Zier des richtigen Mitterkogels dar und das Gipfelplatzl für die Rast fällt denkbar klein aus. Im Süden vor dem Gipfelaufbau befindet sich eine tiefe Scharte zum nächsten Felskopf mit annähernd gleicher Höhe an der Mitterkogel, dessen westseitig wegbrechende Aufstiegsflanke zuerst optisch abstößt.

Rückblick auf den schönsten Teil der Überschreitung

Die Aussicht am Mitterkogel (2.583 m) gegen Westen zeigt die 1.600 m entfernte Peiderspitze (2.808 m), die in einer schönen, abwechslungsreichen Gratüberschreitung vom Brechten (2.419 m)  im Norden erreicht und mit dem Abstieg über den Ostgrat zu den Koflerspitzen (2.663 m) zu einer traumhaften Runde ausgebaut werden kann. Beide Gratüberschreitungen können mit dem Glas in ihrer Gesamtheit vom Mitterkogel eingesehen werden. Tief unten liegt der Hundstalsee als Überrest glazialer Ausprägung des ehemaligen Seitengletschers im Hundstal.

Aussicht gegen Westen mit Peiderspitze, Ostgrat von den Koflerspitzen und Schlossgrat von Norden

Gegen Südosten beeindruckt der wuchtig, bizarre Aufbau des 600 m entfernten Weißsteins (2.640 m) und der Eckpunkt der hier beschriebenen Rundtour, der Roßkogel (2.647 m) im Osten, in 1.600 m Entfernung, dessen Gipfelkreuz ebenfalls nicht am höchsten Punkt errichtet wurde.

Blick ins „Enge Tal“ und bis zu den Karwendelvorbergen nördlich von Scharnitz

Der Blick über die Koflerspitzen in die Sellrainer Seitentäler und den Dreitausender der zentralen Stubaier ist von Peiderspitze, Weißstein und Roßkogel noch besser, dafür aber die Übersicht über das Tal in der Tiefe und den hinter dem Inntal aufsteilenden Karwendelgipfeln in direkter Linie bis weit über Scharnitz hinaus ein bemerkenswerter.

prekär aussehender Gegenaufstieg auf den schroff abfallenden Gratbuckel im Süden

Der Übergang auf den südlichen Vorkopf konnte problemlos über die brüchigen Stellen ausgeführt werden, natürlich unter eingehender Probe der Festigkeit der Griffe. Die kurze Flanke sieht eher schlimmer aus als sie bei Belastung zeigt.

Mitterkogel vom südlichen Gratbuckel aus gesehen

Auf ihrer Hinterseite führt ein steiler wiesenbewachsener Hang auf eine Flachstelle mit anschließendem Abstieg in einen tiefen Sattel an dem die eher flache Gratverbindung zum Ostgrat der Nördlichen Sellrainer Berge beginnt.

Rückblick auf den Südgrat zum Mitterkogel

Einige Gratköpfchen stehen der direkten Verbindung noch im Weg, die der Verfasser am Hochpunkt überschritten hat. Es wäre aber auch möglich, diese auszulassen und den ostseitigen Steig zu benutzen, der mit weniger Auf und Ab dorthin führt.

der imposante Weißstein im Osten, das nächste Ziel

Am Ostgrat angekommen führt die Rundtour hinab in den weiten Sattel zum Weißstein. Etwas nördlich des bezeichneten Steigs erfolgt der Aufstieg aus dem Sattel zum Einstiegspunkt des Weißsteins, dessen schöne Felsgestalt vollständig aus festem Granodioritgneis gebaut ist.

Weißstein Westflanke von der Einsattelung aus gesehen; zu Beginn des letzten Bilddrittels der Einstieg

Der Aufstieg zum Gipfel wurde mittlerweile durch Markierungen gekennzeichnet, obwohl sich die Route in der AV-Karte nicht eingezeichnet findet. Der Einstieg erfolgt imposant am Fuße einer hohen Wand mit schätzungsweise 65 bis 70° Wandneigung in einen gutgriffigen Riss auf ein Wiesenband etwa 20 m darüber.

schöner gutgriffiger Aufstieg auf das Wiesenband

Leider zog just am Aufstieg hartnäckiger Nebel von den feuchten Hängen des Sellraintales herauf, der die Sicht über Minuten nahm und zwecks der fotografischen Dokumentation Pausen bedingte. Die Aufstiegsroute auf den Weißstein ist markiert vorgegeben und deshalb hier nicht ausgeführt.

steiler Aufstieg in eine schuttgefüllte Verschneidung

Am Gipfel wurde von der Bergrettung Gries im Sellrain ein Holzgipfelkreuz aus Rundhölzern gefertigt aufgestellt. Ein aus Blech getriebenes Edelweiß bildet den Kreuzknoten auf Stahlplattengrund und eine bestens ausgeführte Blitzschutzanlage, sowie ein ausgeklügelte Gipfelbuchschachtel runden die Perfektion der Dauerhaftigkeit ab. Ein Blick in das dicke Gipfelbuch verdeutlicht die hochfrequente Begehung des Weißsteins.

unterhalb der Gipfelwand des Weißsteins

Eindrucksvoll erscheint von hier auch der gesamte Nordgrat des Mitterkogels, die Höhenverhältnisse mit Scharteneinschnitten werden gut sichtbar. Leider konnten aufgrund der Nebelattacken die Größen der Stubaier nicht gebührlich betrachtet werden. Eine ausführlichere Beschreibung der Aussicht gen Süden befindet sich im Bericht über die Peiderspitze.

Weißstein, 2.640 m

Der Abstieg vom Weißstein am Grat folgt einem Verschneidungssystem in seiner Ostflanke, der – so wie der Aufstieg auch – seilversichert ist und daher leicht zu begehen. Martin, den der Verfasser am Gipfel kennengelernt hat, nahm gleichzeitig den Rückweg zum Roßkogel, von dem aus er den Abstecher zum Weißstein unternommen hat, in Angriff. Von ihm stammt das Bild in der Verschneidung.

Ansicht der Grate auf den Mitterkogel

Der Übergang zum Roßkogel führt über Bergwiesen mit schrofigen Rippen in einem leichten Auf und Ab ziemlich direkt der Grathöhe folgend, samt und sonders Gehgelände.

Roßkogel vom Weißstein gesehen

Hinter einer letzten Rippe nach dem Ende des Abstiegs in der Verschneidung führt der Steig über einen langen Sattel auf einen Zwischenkopf und weiter zum abgerundeten Roßkogel, bei dem das Gipfelkreuz etwa 90 m östlich der höchsten Erhebung errichtet wurde.

Rückblick auf den Weißstein am Weg zum Roßkogel

Zwischen dem geodätischen und dem Kreuzgipfel des Roßkogels befindet sich ein Streifenfundament mit Resten einer abgebrannten Liftstütze ohne erkennbare weitere Merkmale einer Seilbahn.

letzter Teil der langen, schönen Verschneidung hinab auf den Steig

Das selbe sonderbare Bild zeigt sich am Abstieg vom Roßkogel auf seinem Nordgrat, wo am flachen Teil des Windeggs ebenfalls zwei solcher Fundamente mit abgeschnittenen Stützen vorgefunden werden.

 

Martin am Steig zum Roßkogel

Dort kann man nebst einiger Buchstaben, die offenbar einen Namen bedeuten auch die Jahreszahl 1978 im Schriftzug „T.H. 1978 + A.B.“ lesen. Der Abstand der Fundamente beträgt 865 m und mit dem Höhenunterschied 1.010 m. Eine solche Spannweite würde gewaltige Spannkräfte benötigen mit entsprechenden Gegengewichten.

 

erster Teil des Steiges zum Roßkogel

Mit einem Höhenunterschied von 390 m ein ehrgeiziges Seilbahnprojekt worüber sich rein gar nichts im Internet und in der Chronik der Gemeinde Inzing, auf deren Gebiet die Anlage steht, recherchieren läßt. Was mag das wohl für eine Anlage gewesen sein und was ihr Zweck? Es gibt weit und breit nichts das man hätte mechanisiert auf den Roßkogel hätte bringen müssen.

 

kurz vor dem Roßkogel

Waren die Fundamente in Windegg das untere Seilbahnende? Die Seilachse nach Norden verlängert ergibt keinen Sinn, da sie in der Flanke zum Abhang ins Hundstal hin führen würde, wo eine Beladung der Bahn mit Material nicht hätte stattfinden können.

 

Fundamente am Windegg

Ebenfalls führt kein befestigter Weg vom Krimpenbachsattel zu den Fundamenten auf Windegg. Wozu könnte diese Anlage gedient haben? War sie jemals in Betrieb? All diese Fragen tauchen auf, wenn man die Trasse betrachtet. Wer kann Antwort darauf geben?

Nordgrat Roßkogel

Vom überlaufenen Gipfel des Roßkogels setzt die Rundtour über den markierten Nordgrat zum Krimpenbachsattel fort. Eine Abbruchstelle in der ostseitigen Umgehung eines kleinen Felskopfes, knapp nach dem Verlassen des Gipfelkreuzes, wurde durch eine neu gebaute Seilversicherung entschärft. Die Beschreibung dieses Normalwegs entfällt daher.

Rückblick über den Nordgrat auf den Roßkogel

Auf den Almböden trieben die Besitzer gerade ihre Pferde zusammen, als der Verfasser gegen den Krimpenbachsattel abstieg. Am Krimpenbachsattel muß der Almzaun überklettert werden, es gibt keinen Durchlass. Der Rest des Abstiegs zur Inzinger Alm erfolgt entlang des vom Weidevieh strapazierten Steiges am Almzaun, und später im Wald.

Mitterkogelgrat von der Wiese südöstlich der Inzinger Alm

Die großartige Runde hat 6:40 Stunden in Anspruch genommen. Sie benötigt 1.350 m Aufstieg und misst gut 10 km. Die Tour klingt bei Bier und Graukas in der Inzinger Alm aus.

Mils, 04.09.2022

1 Kartenanbieter, die den Steig zeigen und keinerlei Bezug zur heimischen Landschaft haben:
MapLibre GL JS
https://www.npmjs.com/package/maplibre-gl
https://alpenkarte.eu/
https://mapcarta.com/de/N758871003

 

 

Mölser Berg, 2.479 m

Eine kleine ansprechende Runde kann man über den Mölser Berg im Wattental, zwischen der Lizum und dem Mölstal unternehmen. Mit 1.100 m Aufstieg stellt sie ein ideales Unternehmen für zweifelhafte Wetterlagen, wenig Zeit und als Trainingsrunde dar. Das Ziel lohnt sich aufgrund seiner zentralen Lage am Ende des Wattentales mit bärigen Blicken rundum. Für den Abstieg bieten sich der markierte Steig nach Schotteben und weiter auf die Militärstraße in die Lizum, oder ein wegloser direkter Abstieg vom Gipfelkreuz entweder vorne vom Gipfelkreuz nach Norden, oder – diese Variante wird hier vorgestellt – direkt nach Westen ebenfalls über das weglose Gelände zur Kehre an der Militärstraße im Mölstal an.

vom Gipfelkreuz zum Mölser Berg geblickt (oranges Triangulierungszeichen links)

Wer mit weglosem, steilem Gelände zurechtkommt, dem seien die beiden letzteren Varianten empfohlen, sie führen über schönes Blockgelände und alpines Strauchgewächs auf die Militärstraßen hinab. Wer unbekümmert einer Richtungsfindung wandern will bleibt auf den Steigen, bzw. von der Mölser Scharte auf dem fast weglosen Gratrücken – bei dem es keine Richtungszweifel gibt – und unternimmt die längste aller Runden auf vorgegebenem Pfad. Möglicherweise ist der Mölser Berg aufgrund der direkten fehlenden Abstiegsmöglichkeit nach vorne kein sehr häufig besuchtes Ziel, möchte man doch eher eine Runde beschreiten und weniger den selben Rückweg als hin zum Ziel. Auf den Steigen ist das allerdings nur durch den kurzen Rückweg in die Scharte vor dem geodätischen Gipfel des Mölser Bergs möglich, bevor der Abstieg nach Schotteben erfolgt. Die Rundwanderung erfährt dadurch einige mehr an Länge, als durch einen Direktabstieg, siehe Routen weiter unten.

Mölssee (2.239 m)

Als Anstieg wurde bei dieser Begehung der malerische Steig ins Mölstal gewählt, der nach den Almhütten des Möls Niederlegers bei der Kehre direkt nach Süden abzweigt. Dies ist der Winteraufstieg der Schitouren auf den Mölser Kamm, z. B. auf den Nördlichen Klammer Schober, der Eigenroute des Verfassers auf die Naviser Sonnenspitze und auf die bekannteste Erhebung im Mölstal, der Mölser Sonnenspitze. Er mündet am Mölser Hochleger wieder in die Militärstraße ein.
Die Almgebäude am Hochleger werden passiert und  der Bach, der vom Mölssee herabzieht überquert. Dort bildet sich der Steig gut sichtbar aus und führt, etwa östlich, auf den ersten Rücken unterhalb des Sees bevor er nach Süden dreht und in einem Einschnitt weiterführt.

Aufstieg vom Mölssee auf die Mölser Scharte (2.379 m)

Oben am Ende des Einschnitts bildet sich ein flaches Becken aus, das den idyllischen Mölssee (2.379 m) birgt. Einige Minuten muß man dort verweilen, um die Idylle zu verinnerlichen und den Reiz der Landschaft aufzusaugen. Im Osten über dem See bildet die Mölser Scharte den Horizont. Der kleine Unterstand des Truppenübungsplatzes ist bereits sichtbar, sowie der Steig dorthin.

Links und rechts neben dem Steig wächst im Frühsommer unter anderen Blumen der gelbpunktierte Enzian in gar nicht geringen Inseln und stellt dort das höchste aller Gewächse dar. Am steilen Anstieg über Serpentinen zur Mölser Scharte wird auf Gesteinen aus dem Anis, Dolomit und Kalkmarmor, aufgestiegen, bevor die Scharte erreicht wird. Die gesamte Strecke vom Parkplatz bis zum Gipfelkreuz befindet sich im Innsbrucker Quarzphyllit, wie ein sehr großer Teil der Tuxer Alpen generell, sodaß diese Gesteine, die kaum wahrgenommen werden, wenn man nicht speziell darauf achtet, eine Ausnahme darstellen und am Nordrand einer noch viel imposanteren Ausnahme, dem Tarntaler Mesozoikum, lagern. Über letzteres, dem Tarntaler Mesozoikum, gibt es am Blog zwei Beiträge über wunderschöne und leichte Bergtouren, die kleinere auf die Tarntaler Köpfe und die ausgedehnte, darauf aufbauend, weiter zum Lizumer Reckner.

Rückblick auf den Aufstieg vom Mölssee auf die Mölser Scharte

An der Mölser Scharte (2.379 m) könnte die Runde auch ohne den Gipfel hinab nach Schotteben und weiter auf die Lizumer Böden fortgeführt werden, wodurch sie aber an Reiz verliert, fehlt doch eine ganz nette Gratüberschreitung und das sehenswerte Gipfelkreuz selbst.

Etwa 30 Hm müssen nach der Mölser Scharte in Richtung Norden bewältigt werden, um den Grat zu erreichen, bevor es länger am Gratrücken entlang weitergeht. Der Steig ist über den allergrößten Teil der Strecke am teilweise breiten und teilweise schmalen Gratrücken gut sichtbar.

Abschnitt am Gratrücken zum Mölser Berg

Nun folgt ein angenehmes Auf und Ab über die buckelige Landschaft mit üppigem Wiesenbewuchs und nicht wenig mit Alpenblumen, bevor ein etwas tieferer Abstieg in eine blockgefüllte Einsattelung führt an deren anderem Ende ein steiler und felsiger Aufstieg wartet. Etwas kühn mag der Gratbuckel in Wandereraugen aussehen, er ist jedoch ohne jede Schwierigkeit und Kletternotwendigkeiten zu erklimmen. An seiner Nordseite führt der Gratrücken über Wiesen zur letzten Einsattelung vor dem geodätischen Gipfel des Mölser Bergs, bzw. dem wirklichen Mölser Berg mit 2.479 m Seehöhe. Wer diesen Gratbuckel nicht besteigen möchte, der umrunde ihn links (westseitig) auf Wiesen.

Blick vom Gratbuckel nach Norden; Mölser Berg rechts, am Weg dorthin die Einsattelung mit dem Zustieg von Schotteben

An der Einsattelung vor dem Mölser Berg treffen beide Steige zusammen, der soeben begangene Südgrat und der Anstieg über die Ostflanke der Bergrippe von Schotteben herauf. Für jenen, der die Runde auf markierten Steigen bewältigen will stellt der Steig nach Schotteben den Abstieg dar.

herrlicher Blick vom Gratbuckel auf die Tarntaler Berge

In wenigen Minuten führt der Gratrücken auf den Mölser Berg, dessen Gipfelbereich ein leider notwendiges Triangulierungszeichen verschandelt, und er deshalb vom Verfasser nicht begangen wurde. Nach kaum 10 min ab dem Sattel wird der Kreuzgipfel des Mölser Bergs erreicht.

vom Gratbuckel auf das Mölstal in der Tiefe geblickt; unten Mölser Hochleger

Das massive, hohe und mächtig fundierte Gipfelkreuz befindet sich in einem Steinaltar eingebettet und stellt ein Gedenkkreuz für alle Wattentaler dar, die in den beiden Weltkriegen gefallen sind, sowie auch für jene aus dem Tal, die in der Schlacht bei Spinges, Südtirol (1797) – die für die Tiroler ein wichtiges Gedenken an die Vertreibung der feindlichen Napoleonischen Truppen aus dem Land darstellt – gefallen sind. Letztere sind sogar namentlich erwähnt, ein schöne Darstellung der Talgeschichte wie der Verfasser findet.

Gipfelkreuz am Mölser Berg, 2.479 m

Auf den Westabhängen der mächtigen Hippoldspitze im Osten gegenüber dem Mölser Berg befinden sich die tollen Almgebäude der Außermelanalm, der Niederleger und der Hochleger, die im Augenblick der Aufnahme spotartig beleuchtet wurden.

nordöstlich gegenüber die Außermelanalm mit Nieder- und Hochleger

Der beste aller Blicke ist wohl jener in den Süden mit den Krönungen an Gipfeln in der Wattener Lizum. Von links (südöstlich) muß man dort die mächtige Kalkwand, mittig die Lizumer Sonnenspitze mit den Tarntaler Köpfen im Vordergrund und dem höchsten Tuxer Gipfel, den Lizumer Reckner im Hintergrund, bis nach rechts, die Naviser Sonnenspitze erwähnen.

Ansicht des Südens vom Mölser Berg; die Tarntaler Berge als Highlight in der Wattener Lizum

Hinter dem Kamm zum Voldertal, knapp südlich der Seekarspitze, einem einsamen Schitourenziel, lugt noch das Rosenjoch hervor, ein Gipfel auf der sagenhaft schönen Runde rund um das Voldertal und bereits im Kamm zum Wipptal gelegen.

Blick in den Südwesten mit der Naviser Sonnenspitze in Bildmitte

Der leichteste und offizielle Abstieg über den Steig nach Schotteben erfordert die Rückkehr zur oben beschriebenen Einsattelung vor dem eigentlichen Mölser Berg, hier die Karte dazu:

Mölser Berg Normalabstieg

Eine Variante, und zwar jene direkt vom Gipfelkreuz nach vorne, nach Norden in Richtung Kanzel (2.147 m), beschreibt Roman auf seinem Bericht über den Mölser Berg in Hikalife und am Ende stellt er auch eine Karte zur Verfügung.

Die Abstiegsvariante des Verfassers findet hier auch nur mit einer Karte und verbal Erwähnung, da er es unterlassen hat Bilder anzufertigen. Die kleine Wanderung war zum Zeitpunkt der Begehung nicht als veröffentlichungswürdig eingestuft.

Mölser Berg Variante Abstieg westlich im Detail

Vom Gipfelkreuz kann man kurz nach Südwesten in eine breite Mulde und weiter über Blockwerk, oder westlicher über einen recht steilen Hang auf den knapp 100 Hm tieferen Karboden weglos absteigen. Für den Abstieg westlich, direkt auf die Kehre der Militärstraße im Mölstal zu, empfiehlt der Verfasser hohe Bergschuhe die auf steilen Bergwiesen gut halten, sowie gute Bänder im Sprunggelenkbereich, da die steilen Wiesenflächen wenig ebene Stellen aufweisen.

Weiter nordwestlich sollte nicht abgestiegen werden, unterhalb des Gipfels befindet sich ein Hinweisschild, daß dort die Ruhezone von Auerwild beginnt.

Mölser Berg Variante Abstieg westlich, Übersicht

Im Karboden faszinieren hausgroße Felsblöcke mit eindrucksvollen Spaltungen und Verwendungsspuren von Tieren als Abri, einem natürlichen Schutzdach. Über tolle Hänge wird der Abstieg fortgesetzt. Die Almrosenbüschel, die dabei durchwandert werden sind ein weiterer Grund für hohe Bergschuhe, soll nicht das Schienbein unter den knorrigen Zwergsträuchern leiden. Die Formen und Farben der Moose erfreut das Herz am Abstieg.

Nahe der Militärstraße werden die ersten Zirben erreicht, sowie ein Jägerstand hinter dem Steigspuren durch den schmalen Waldstreifen oberhalb der Kehre führen. Oder man bleibt im offenen Gelände und trifft weiter unten auf einen geheimnisvollen Steig, der vorne um den Mölser Berg herum führen soll, wenn man der Karte in Outdooractive Glauben schenkt. Ab der Kehre führt der Schotterweg talauswärts.

Kamm von Mölser Scharte (oberhalb schlängelnder Schotterweg) bis zum Mölser Berg vom Nordgrat der Kalkwand gesehen; Zustieg von Schotteben rechts abzweigend in die zweite Einsattelung, rechts Mölser Berg

Die kleine Runde erfordert 1.100 Hm Aufstieg, und 4:15 Stunden Zeit bei zügigem Schritt. Die Variante des Verfassers erstreckt sich über 14,3 km.

Auf dem Normalabstieg nach Schotteben und Wanderung über die Lizumerstraße fallen 17,4 km und entsprechend mehr Zeit (ca. + 45min) an. Dort dient die Lizumer Hütte als Stützpunkt, von der aus auch mit dem Hüttentaxi ausgefahren werden kann.

Daten von Romans Variante über den Nordabhang sind auf Hikalife nachzulesen, Link oben.

Mils, 09.07.2022