Archiv der Kategorie: Tuxer Alpen

Mölser Berg, 2.479 m

Eine kleine ansprechende Runde kann man über den Mölser Berg im Wattental, zwischen der Lizum und dem Mölstal unternehmen. Mit 1.100 m Aufstieg stellt sie ein ideales Unternehmen für zweifelhafte Wetterlagen, wenig Zeit und als Trainingsrunde dar. Das Ziel lohnt sich aufgrund seiner zentralen Lage am Ende des Wattentales mit bärigen Blicken rundum. Für den Abstieg bieten sich der markierte Steig nach Schotteben und weiter auf die Militärstraße in die Lizum, oder ein wegloser direkter Abstieg vom Gipfelkreuz entweder vorne vom Gipfelkreuz nach Norden, oder – diese Variante wird hier vorgestellt – direkt nach Westen ebenfalls über das weglose Gelände zur Kehre an der Militärstraße im Mölstal an.

vom Gipfelkreuz zum Mölser Berg geblickt (oranges Triangulierungszeichen links)

Wer mit weglosem, steilem Gelände zurechtkommt, dem seien die beiden letzteren Varianten empfohlen, sie führen über schönes Blockgelände und alpines Strauchgewächs auf die Militärstraßen hinab. Wer unbekümmert einer Richtungsfindung wandern will bleibt auf den Steigen, bzw. von der Mölser Scharte auf dem fast weglosen Gratrücken – bei dem es keine Richtungszweifel gibt – und unternimmt die längste aller Runden auf vorgegebenem Pfad. Möglicherweise ist der Mölser Berg aufgrund der direkten fehlenden Abstiegsmöglichkeit nach vorne kein sehr häufig besuchtes Ziel, möchte man doch eher eine Runde beschreiten und weniger den selben Rückweg als hin zum Ziel. Auf den Steigen ist das allerdings nur durch den kurzen Rückweg in die Scharte vor dem geodätischen Gipfel des Mölser Bergs möglich, bevor der Abstieg nach Schotteben erfolgt. Die Rundwanderung erfährt dadurch einige mehr an Länge, als durch einen Direktabstieg, siehe Routen weiter unten.

Mölssee (2.239 m)

Als Anstieg wurde bei dieser Begehung der malerische Steig ins Mölstal gewählt, der nach den Almhütten des Möls Niederlegers bei der Kehre direkt nach Süden abzweigt. Dies ist der Winteraufstieg der Schitouren auf den Mölser Kamm, z. B. auf den Nördlichen Klammer Schober, der Eigenroute des Verfassers auf die Naviser Sonnenspitze und auf die bekannteste Erhebung im Mölstal, der Mölser Sonnenspitze. Er mündet am Mölser Hochleger wieder in die Militärstraße ein.
Die Almgebäude am Hochleger werden passiert und  der Bach, der vom Mölssee herabzieht überquert. Dort bildet sich der Steig gut sichtbar aus und führt, etwa östlich, auf den ersten Rücken unterhalb des Sees bevor er nach Süden dreht und in einem Einschnitt weiterführt.

Aufstieg vom Mölssee auf die Mölser Scharte (2.379 m)

Oben am Ende des Einschnitts bildet sich ein flaches Becken aus, das den idyllischen Mölssee (2.379 m) birgt. Einige Minuten muß man dort verweilen, um die Idylle zu verinnerlichen und den Reiz der Landschaft aufzusaugen. Im Osten über dem See bildet die Mölser Scharte den Horizont. Der kleine Unterstand des Truppenübungsplatzes ist bereits sichtbar, sowie der Steig dorthin.

Links und rechts neben dem Steig wächst im Frühsommer unter anderen Blumen der gelbpunktierte Enzian in gar nicht geringen Inseln und stellt dort das höchste aller Gewächse dar. Am steilen Anstieg über Serpentinen zur Mölser Scharte wird auf Gesteinen aus dem Anis, Dolomit und Kalkmarmor, aufgestiegen, bevor die Scharte erreicht wird. Die gesamte Strecke vom Parkplatz bis zum Gipfelkreuz befindet sich im Innsbrucker Quarzphyllit, wie ein sehr großer Teil der Tuxer Alpen generell, sodaß diese Gesteine, die kaum wahrgenommen werden, wenn man nicht speziell darauf achtet, eine Ausnahme darstellen und am Nordrand einer noch viel imposanteren Ausnahme, dem Tarntaler Mesozoikum, lagern. Über letzteres, dem Tarntaler Mesozoikum, gibt es am Blog zwei Beiträge über wunderschöne und leichte Bergtouren, die kleinere auf die Tarntaler Köpfe und die ausgedehnte, darauf aufbauend, weiter zum Lizumer Reckner.

Rückblick auf den Aufstieg vom Mölssee auf die Mölser Scharte

An der Mölser Scharte (2.379 m) könnte die Runde auch ohne den Gipfel hinab nach Schotteben und weiter auf die Lizumer Böden fortgeführt werden, wodurch sie aber an Reiz verliert, fehlt doch eine ganz nette Gratüberschreitung und das sehenswerte Gipfelkreuz selbst.

Etwa 30 Hm müssen nach der Mölser Scharte in Richtung Norden bewältigt werden, um den Grat zu erreichen, bevor es länger am Gratrücken entlang weitergeht. Der Steig ist über den allergrößten Teil der Strecke am teilweise breiten und teilweise schmalen Gratrücken gut sichtbar.

Abschnitt am Gratrücken zum Mölser Berg

Nun folgt ein angenehmes Auf und Ab über die buckelige Landschaft mit üppigem Wiesenbewuchs und nicht wenig mit Alpenblumen, bevor ein etwas tieferer Abstieg in eine blockgefüllte Einsattelung führt an deren anderem Ende ein steiler und felsiger Aufstieg wartet. Etwas kühn mag der Gratbuckel in Wandereraugen aussehen, er ist jedoch ohne jede Schwierigkeit und Kletternotwendigkeiten zu erklimmen. An seiner Nordseite führt der Gratrücken über Wiesen zur letzten Einsattelung vor dem geodätischen Gipfel des Mölser Bergs, bzw. dem wirklichen Mölser Berg mit 2.479 m Seehöhe. Wer diesen Gratbuckel nicht besteigen möchte, der umrunde ihn links (westseitig) auf Wiesen.

Blick vom Gratbuckel nach Norden; Mölser Berg rechts, am Weg dorthin die Einsattelung mit dem Zustieg von Schotteben

An der Einsattelung vor dem Mölser Berg treffen beide Steige zusammen, der soeben begangene Südgrat und der Anstieg über die Ostflanke der Bergrippe von Schotteben herauf. Für jenen, der die Runde auf markierten Steigen bewältigen will stellt der Steig nach Schotteben den Abstieg dar.

herrlicher Blick vom Gratbuckel auf die Tarntaler Berge

In wenigen Minuten führt der Gratrücken auf den Mölser Berg, dessen Gipfelbereich ein leider notwendiges Triangulierungszeichen verschandelt, und er deshalb vom Verfasser nicht begangen wurde. Nach kaum 10 min ab dem Sattel wird der Kreuzgipfel des Mölser Bergs erreicht.

vom Gratbuckel auf das Mölstal in der Tiefe geblickt; unten Mölser Hochleger

Das massive, hohe und mächtig fundierte Gipfelkreuz befindet sich in einem Steinaltar eingebettet und stellt ein Gedenkkreuz für alle Wattentaler dar, die in den beiden Weltkriegen gefallen sind, sowie auch für jene aus dem Tal, die in der Schlacht bei Spinges, Südtirol (1797) – die für die Tiroler ein wichtiges Gedenken an die Vertreibung der feindlichen Napoleonischen Truppen aus dem Land darstellt – gefallen sind. Letztere sind sogar namentlich erwähnt, ein schöne Darstellung der Talgeschichte wie der Verfasser findet.

Gipfelkreuz am Mölser Berg, 2.479 m

Auf den Westabhängen der mächtigen Hippoldspitze im Osten gegenüber dem Mölser Berg befinden sich die tollen Almgebäude der Außermelanalm, der Niederleger und der Hochleger, die im Augenblick der Aufnahme spotartig beleuchtet wurden.

nordöstlich gegenüber die Außermelanalm mit Nieder- und Hochleger

Der beste aller Blicke ist wohl jener in den Süden mit den Krönungen an Gipfeln in der Wattener Lizum. Von links (südöstlich) muß man dort die mächtige Kalkwand, mittig die Lizumer Sonnenspitze mit den Tarntaler Köpfen im Vordergrund und dem höchsten Tuxer Gipfel, den Lizumer Reckner im Hintergrund, bis nach rechts, die Naviser Sonnenspitze erwähnen.

Ansicht des Südens vom Mölser Berg; die Tarntaler Berge als Highlight in der Wattener Lizum

Hinter dem Kamm zum Voldertal, knapp südlich der Seekarspitze, einem einsamen Schitourenziel, lugt noch das Rosenjoch hervor, ein Gipfel auf der sagenhaft schönen Runde rund um das Voldertal und bereits im Kamm zum Wipptal gelegen.

Blick in den Südwesten mit der Naviser Sonnenspitze in Bildmitte

Der leichteste und offizielle Abstieg über den Steig nach Schotteben erfordert die Rückkehr zur oben beschriebenen Einsattelung vor dem eigentlichen Mölser Berg, hier die Karte dazu:

Mölser Berg Normalabstieg

Eine Variante, und zwar jene direkt vom Gipfelkreuz nach vorne, nach Norden in Richtung Kanzel (2.147 m), beschreibt Roman auf seinem Bericht über den Mölser Berg in Hikalife und am Ende stellt er auch eine Karte zur Verfügung.

Die Abstiegsvariante des Verfassers findet hier auch nur mit einer Karte und verbal Erwähnung, da er es unterlassen hat Bilder anzufertigen. Die kleine Wanderung war zum Zeitpunkt der Begehung nicht als veröffentlichungswürdig eingestuft.

Mölser Berg Variante Abstieg westlich im Detail

Vom Gipfelkreuz kann man kurz nach Südwesten in eine breite Mulde und weiter über Blockwerk, oder westlicher über einen recht steilen Hang auf den knapp 100 Hm tieferen Karboden weglos absteigen. Für den Abstieg westlich, direkt auf die Kehre der Militärstraße im Mölstal zu, empfiehlt der Verfasser hohe Bergschuhe die auf steilen Bergwiesen gut halten, sowie gute Bänder im Sprunggelenkbereich, da die steilen Wiesenflächen wenig ebene Stellen aufweisen.

Weiter nordwestlich sollte nicht abgestiegen werden, unterhalb des Gipfels befindet sich ein Hinweisschild, daß dort die Ruhezone von Auerwild beginnt.

Mölser Berg Variante Abstieg westlich, Übersicht

Im Karboden faszinieren hausgroße Felsblöcke mit eindrucksvollen Spaltungen und Verwendungsspuren von Tieren als Abri, einem natürlichen Schutzdach. Über tolle Hänge wird der Abstieg fortgesetzt. Die Almrosenbüschel, die dabei durchwandert werden sind ein weiterer Grund für hohe Bergschuhe, soll nicht das Schienbein unter den knorrigen Zwergsträuchern leiden. Die Formen und Farben der Moose erfreut das Herz am Abstieg.

Nahe der Militärstraße werden die ersten Zirben erreicht, sowie ein Jägerstand hinter dem Steigspuren durch den schmalen Waldstreifen oberhalb der Kehre führen. Oder man bleibt im offenen Gelände und trifft weiter unten auf einen geheimnisvollen Steig, der vorne um den Mölser Berg herum führen soll, wenn man der Karte in Outdooractive Glauben schenkt. Ab der Kehre führt der Schotterweg talauswärts.

Kamm von Mölser Scharte (oberhalb schlängelnder Schotterweg) bis zum Mölser Berg vom Nordgrat der Kalkwand gesehen; Zustieg von Schotteben rechts abzweigend in die zweite Einsattelung, rechts Mölser Berg

Die kleine Runde erfordert 1.100 Hm Aufstieg, und 4:15 Stunden Zeit bei zügigem Schritt. Die Variante des Verfassers erstreckt sich über 14,3 km.

Auf dem Normalabstieg nach Schotteben und Wanderung über die Lizumerstraße fallen 17,4 km und entsprechend mehr Zeit (ca. + 45min) an. Dort dient die Lizumer Hütte als Stützpunkt, von der aus auch mit dem Hüttentaxi ausgefahren werden kann.

Daten von Romans Variante über den Nordabhang sind auf Hikalife nachzulesen, Link oben.

Mils, 09.07.2022

Lizumer Reckner, 2.886 m – über Tarntaler Köpfe

Zum höchsten Gipfel der Tuxer Alpen, dem Lizumer Reckner, führt ein malerischer Anstieg aus dem Wattental über die Tarntaler Köpfe, der zum Geier fortgeführt und mit dem Abstieg zur Lizumer Hütte zur Rundtour erweitert wird. Die landschaftlichen Eindrücke im Oberen Tarntal können es dabei nach der – gegebenenfalls verwegenem – Überzeugung des Verfassers mit den Eindrücken der Landschaften im Dead Valley, Kalifornien, aufnehmen, im des Landes gleichen geografischen Maßstab versteht sich, farblich aber allemal und inmitten des Oberen Tarntals stehend, ohne jeglichen Zweifel.

Aussicht auf die Große Runde über die Lizumer Sonnenspitze und den Lizumer Reckner

Diese Reise möge jener speziell dann unternehmen, welcher der Meinung ist, die Berge der Heimat bestünden einerseits aus Kristallin, andererseits aus Kalk, oder umgekehrt und – zum verschwindenden Teil in Nordtirol – aus Dolomit. Eine neue Variante der heimatlichen Vielfältigkeit ist dem Begeher dieses Wunderlands absolut sicher, wobei Erinnerungen an Wintertouren dorthin nicht statthaft sind, denn, weiß bedeckt vermögen die Eindrücke im Winterkleid die geologische und farbliche Wirklichkeit der Landschaft völlig zu verschleiern denn widerzugeben. Dies soll der hier vorgestellte Grund sein die Reise über die alpinistisch harmlosen Gipfel des Sommers zu unternehmen, die auch als ein Naturgeheimnis der Tuxer bezeichnet werden könnten. Enttäuschung ist dabei ausgeschlossen, Magie des Augenblicks und Erinnerung auf Dauer dabei garantiert.

 

Edit auf der Lizumer Sonnenspitze

Dieser Bericht stellt die Fortsetzung der Runde über die Tarntaler Köpfe dar, die mit dem Abstieg von der Tarntaler Scharte die vom Verfasser im Bericht „Tarntaler Köpfe, 2.756 m – Runde zur Lizumerhütte“ beschrieben wird. Die Erweiterung dieser kleinen Runde startet an der Tarntaler Scharte und beginnt mit dem zunächst mühsamen Aufstieg über die nördliche Schuttflanke der beeindruckenden Lizumer Sonnenspitze. Sie gipfelt mit dem einprägsamen Rundblick nach dem Aufstieg zum Lizumer Reckner in ungewöhnlichem Gestein. Sie endet mit dem geologisch weiterhin interessanten Abstieg über den Geier und zur Lizumer Hütte.
Es empfiehlt sich somit den Bericht über die Tarntaler Köpfe vorher zu lesen.

Kieselschiefer mit schraubenförmiger Gestalt

Hinweis: In der Bildergalerie des vorliegenden Berichtes befinden sich ein paar Bilder von den außergewöhnlichen Eindrücken der vielfältig geformten Gesteine im Anstieg zu den Tarntaler Köpfen. Diese überlappen mit dem Bericht des Zustiegs über die Tarntaler Köpfe und sind nicht Gegenstand der nachfolgend beschriebenen Strecke, jedoch müssen die Impressionen davon einfach zugänglich gemacht werden, so sehenswert und mystisch sind diese Naturerscheinungen (!) -, sowie auch ein Bild aus dem Dead Valley, das der Verfasser zur Untermauerung zu seinen gewagten Aussagen in der Einleitung erwähnt und damit beides, seine Heimat und die Natur in der Fremde würdigen möchte. Was gibt es „natürlicheres“ als dieses statische Chaos, gestalt- sowie farbenfroh und geduldig, hie und dort?

Anstieg zur Nordkante der Lizumer Sonnenspitze knapp vor der Tarntalscharte

Die phantastisch anzusehenden Oberflächen in den Tarntaler Bergen und der Reckner stellen eine außergewöhnliche Laune der Natur dar, indem geologisch-tektonischen Prozesse in vielen Millionen von Jahren eine Insel von gegensätzlichem Ursprung zur weithin sichtbaren Umgebung geschaffen haben.
Eine, ähnlich aus fremder Umgebung herausgebildete, in Gestein, Entstehung und Ausprägung dennoch gänzlich unterschiedliche Landschaft, die sich etwa 27 km perfekt westlich des Lizumer Reckners in den einzigartigen Kalkkögeln ergab und ein weiters einzigartiges Geschenk für die heutigen Bewohner des Landes darstellt, mag kein Zufall sein. Beides Relikte des Erdmittelalters, beide völlig verschieden, beide einzigartig.

Anstieg zur Nordkante der Lizumer Sonnenspitze von der Tarntalscharte

Der Blick entlang gleißendem Sonnenlicht des Vormittags von der Tarntaler Scharte auf die deutlich erkennbare Gratscharte mit dem Durchstieg am massiven Nordgrat, der sich vom Gipfel der Sonnenspitze in Richtung Oberes Tarntal hinzieht und dessen Mächtigkeit dorthin abnimmt, mag von unten als verwegenes Ziel erscheinen, in Wahrheit und mit nur wenig ausgeprägter Entschlossenheit bewältigt es jeder ernsthaft interessierte Bergwanderer mit Leichtigkeit. Der Aufstieg auf schlechtem Steig über die schiefrigen und erdigen Schutthänge erscheint mühsam, ernsthaft gefährlich, oder ausgesetzt ist er aber keinesfalls. Zwischenraste gibt es an Schrofen im Hang bevor das Felsgelände am Durchstieg erreicht wird.

Rückblick auf den Zustieg zur Tarntalscharte von den Tarntaler Köpfen

Tonschiefer, dunkler und heller Dolomit, Dolomitmarmor sowie Plattenkalk prägt den Aufstieg zur kurzen Rinne auf den Westgrat der Lizumer Sonnenspitze. Im unteren Teil oberhalb der Tarntalscharte befindet sich unter einem mächtigen dachartigen Vorsprung der darüberliegenden Felswand des Nordgrates ein unzureichend stabil gebauter und daher bereits in Auflösung begriffener Holzbau, der wohl eine Art Unterstand darstellen soll. Es macht den Anschein, daß er nie vollendet, ja in halbfertigem Zustand aufgelassen wurde – kein Ruhmesblatt.

im ersten Drittel des Aufstiegs zur Nordkante der Lizumer Sonnenspitze (Dolomite Kössen Fm.)

In der kurzen Rinne, die eigentlich eine stark erweiterte Rissfuge am Grat darstellt, werden die letzten Höhenmeter in angenehmen Stufen überklettert und dabei eine Linse rötlichen Kieselschiefers in eher grün gehaltener Umgebung des selben Gesteins angetroffen. Der Einsatz der Hände über diese Stufen ist notwendig, jedoch stellen die Felsbänke keine Schwierigkeit dar.

kurz vor der Nordkante der Lizumer Sonnenspitze mit leichten Kletterstellen

Oberhalb der Felsen wechseln die Kieselschiefer ihre Gestalt und zeigen dichten Wiesenbewuchs, bis hinauf zum Gipfelkreuz, das an dieser kleinen Flachstelle nach den Felsen bereits sichtbar ist.

Rückblick auf den schräg erfolgten Aufstieg (beachte die rote Kieselschiefer am unteren Bildrand)

Im Süden fallen gleich Lizumer und Naviser Reckner auf, die bei der ersten Betrachtung angebrannt erscheinen, oder als völlig schwarze Kohlenhaufen. Ebenfalls fällt das Blockgelände an deren Nordfuß auf, das mit dunkelbraunen Tönen wiederum eine andere Färbung zeigt und sich in das Obere Tarntal erstreckt.

Gipfelkreuz der Lizumer Sonnenspitze in Sicht

Am Steig geht es nun dem Gipfel der Lizumer Sonnenspitze entgegen. Teilweise verschwindet der Steig am felsigen Grat, die Richtung ist aber nicht zu verfehlen. Man kann die äußerste Gratkante vor dem Nordabbruch wählen und muß gegen das Gipfelkreuz hin leicht in die Flanke hinein. In gut zehn Minuten wird der Gipfel erreicht.

erster Blick ins Obere Tarntal mit dem Lizumer Reckner

Das schöne und massive Holzgipfelkreuz auf der Lizumer Sonnenspitze der Bergrettung Wattens, auf 2.831 m, wurde 2002 zum 50-jährigen Vereinsjubiläum errichtet und bald wird es das 75—jährige Bestandsjubiläum feiern dürfen. Viel Platz prägt den Gipfelbereich nicht und  Sitzgelegenheiten auf den spitzen Schichtungen sind rar, dennoch legten wir eine 20 minütige Pause am zentralsten Hochpunkt der Tarntaler Berge ein, um die Landschaft in Augenschein zu nehmen.

Lizumer Sonnenspitze, 2.831 m

Gegen Süden, in Marschrichtung der Rundtour, bietet sich ein sagenhaftes Bild mit vielfältigen Eindrücken. Dominierend der Lizumer Reckner mit seiner „kohlrabenschwarzen“ Erscheinung und im Vordergrund die Farbspiele der vielfältigen Gesteine im Oberen Tarntal zeichnen etwa Eindrücke wie man von jenen etwa der Artist’s Palette oder am Zabriskie Point kennt – in anderen Farben, jedoch genauso wechselhaft (siehe Fotos des Verfassers in der Bildergalerie).

phantastische Szene im Obere Tarntal mit Lizumer Reckner und den Gipfeln des Tuxer Hauptkamms

Bei dem aus der Ferne schwarz erscheinenden Gestein des Lizumer Reckners handelt es sich um Serpentinit, einem Gestein das im Ozeanboden vor etwa 187 +/- 14 Ma* durch Umwandlung unter hohem Druck und nicht sehr hohen Temperaturen gebildet wurde.
Hinter dem Reckner im Süden, nun ganz und gar nicht mehr mit dem Dead Valley vergleichbar, die Zillertaler Alpen mit dem Olperer.

Naviser Reckner mit den mannigfaltigen Gesteinen im Oberen Tarntal, dahinter die südöstlichen Stubaier Alpen

Im Westen fällt das Obere Tarntal nach dem Naviser Reckner in die Knappenkuchl hin ab. Durch das nicht von Blockwerk bedeckte Hochtal und über die Kante zum Abhang ziehen sich verschiedenfarbige Kalk- und Kieselschiefer sowie Bänderkalkmarmore dahin. Weit in der Ferne die Stubaier Alpen, davor die sanften grünen Tuxer Kämme des Navis- und Schmirntals.

die mächtige Kalkwand (ein aufgesetzter Dolomitgipfel) im Osten

Der Abstieg von der Lizumer Sonnenspitze führt, wie am Aufstieg oberhalb der Einschartung am Westgrat über die steilgestellten grüngrauen Kieselschieferplatten, die sich, nach dem unmittelbaren Gipfelaufbau, mit Kalkschiefer (an der beigebraunen Farbe leicht zu erkennen) und Breccien abwechseln.

Tarntaler Köpfe im Norden

Der Abstieg wird flacher und erreicht einen Tiefpunkt in der etwa 1,5 km langen Strecke von der Lizumer Sonnenspitze bis zur Einsattelung zwischen Geier und Lizumer Reckner. Auf dieser Strecke wechselt sich der Kieselschiefer mehrfach mit dem nun erstmals auf der Begehung auftretenden Serpentinit ab. Deutlich sind die Übergänge anhand der Farben und Formen zu erkennen während man sich dem schwarzen Koloss des Lizumer Reckners nähert.

Abstieg über steil gestellte Kieselschieferplatten

Etwa nach 25 Minuten vom Aufbruch auf der Sonnenspitze wird etwa am Nordostgrat des Reckners eine tiefe Senke erreicht, die bei unserer Begehung noch mit einem Restschneefeld gefüllt war. Anschließend an die Senke führt der – nur mehr anhand von vereinzelten Steinmännern erkennbare – Steig durch ein Bergsturzblockfeld mit tollsten Formen und Farben. Zumindest an dieser Seite des Lizumer Reckners hätten wir keinen Blockgletscher mit Toteis erkennen können.

 

letztes Schneefeld in tiefer Senke am Nordostgrat des Lizumer Reckners; das Trümmerfeld links beinhaltet phantastische Gesteine

Die Gesteine, die im Bergsturzblockfeld liegen stammen von der Ostseite des Lizumer Reckners und man findet dort beispielsweise eine, auch in der weiteren Umgebung nicht auftretende, außergewöhnliche grünliche Breccie, die aus dunklen Karbonaten (Kalken) und Serpentinit besteht – Ophikarbonat genannt. Eine Mischung aus Serpentinit und Sedimenten dürfte auch die feinkörnige Kluftfüllung darstellen.

Ophikarbonat – grünliche Breccie, dunkle Karbonate (Kalken) und Serpentinit

Das Trümmerfeld besteht jedoch weitestgehend aus Serpentinit, ein Umwandlungsgestein das charakteristisch glänzenden Bruchflächen und grüne, grünschwarze und schwarze Farbtöne, durchzogen von roten bis rotbraunen Flecken, aufweist. Es wird im Natursteinhandel, für Kunstobjekte und als Schmuck genutzt.

Handstück Serpentinit mit typisch glatter, glänzender Bruchfläche

Die eigenartigsten Oberflächen können hier bewundert werden. Zum Bild oben findet man in der Literatur die Erklärung: „…ist Scherung aufgrund der Kräfte üblich, die durch die positive Volumenänderung bei der Hydratation von Mantellithologien in Verbindung mit einer geringen Scherfestigkeit und oft einem etwas chaotischen Taumeln aufgrund von Auftriebskräften erzeugt werden…“.

Scherfläche an Serpentinit

Nun, der wissenschaftlichen Wahrheitsgehalt wird hier nicht zu erörtern sein, jedoch ist vorstellbar, daß die Zähigkeitseigenschaften und das Kristallwachstum dieses Gesteins bei Scherung solche ungewöhnlichen Flächen hervorzubringen imstande sind. Wobei sich in der Literatur häufig die Aussage von Bindung von Wasser bei der Entstehung von Serpentinit, und darüber hinaus die Aussage „…von maßgebender Bedeutung für den Wasserhaushalt der Erde…“ findet – um ein abgerundetes Bild der obigen Aussage wiederzugeben – welch unbekannte Schätze uns doch in der Heimat widerfahren.

Quer durch das sagenhafte Trümmerfeld führt die Route, bei der mitten im Feld die Steinmänner verschwinden, auf die Einsattelung zwischen Geier und Reckner.
Der Anstieg führt auf schuttig-erdigen Flächen empor, wobei wir die unterhalb der Einsattelung wieder sichtbaren Markierungen nicht ansteuerten, sondern links davon über flacheres Gelände aufstiegen.

Rückblick auf den Steig von der Lizumer Sonnenspitze zum Reckner mit dem phantastischen Trümmerfeld

Der Grund für den Schwenk war der schlechte Zustand des Steigverlaufes in losem, rutschhaftem Gelände, das zu steil für dessen lose Oberfläche erschien. Mittels Spitzkehre und dem Aufstieg auf der Leeseite einer Wechte am Sattel erreichten wir denselben.

Aufstieg zum Sattel zwischen Geier und Lizumer Reckner; wir sind links auf die Kuppe und dann über das Schneefeld zum Sattel

Am Sattel erspäht man auch gleich das Gipfelkreuz und den Aufstieg, der im oberen Teil durch Fels, der in leichter Kletterei bewältigt wird, führt. Zunächst setzt ein Steig am Sattel nach Norden fort und die Stöcke können noch eingesetzt werden.
Dem Aufmerksamen wir dort und auf dem weiteren Aufstieg auffallen, daß auf Serpentinit spärlich und vereinzelt Pflanzenwachstum zu beobachten ist. Dies hängt mit den reichen Schwermetallanteilen im Gestein zusammen.

Naviser (li) und Lizumer Reckner – die beiden einzigen Serpentinitgipfel in den Tuxern

Nach kaum fünf Minuten wird eine Stelle erreicht an der Chrysotilfasern vom Felsblock abgewittert wurden und am Boden liegen. Chrysotil ist ein Schichtsilikat, das bei der Entstehung von Serpentinit gebildet wird, es ist eines der Asbestminerale, somit krebserregend, und wurde früher für hitzebeständige Kleidung und für Dachverkleidungen verwendet.

Chrysotilgestein und -fasern am Boden während des Aufstiegs

Kurz danach steht Fels am Steig an, der mit Hilfe von Klammern erklettert wird. Kleinere Klettereien setzen ab dort bis zum Gipfel fort, der in wenigen Minuten erreicht wird. Der Aufstieg vom Sattel bis zum Gipfel beträgt lediglich 77 Hm. Serpentinit sein rutschig, so ein Alpenvereinsführer zum Aufstieg auf den Reckner. Wir konnten diese Eigenschaft im Aufstieg nicht feststellen, die oben beschriebenen glatten Bruchflächen des Gesteins stellen aber höchstwahrscheinlich die Ursache für diese Aussage dar, vor allem im nassen Zustand.

die erste zu überkletternde Felsstelle; mit Klammern keine wirkliche Herausforderung

Die Aussicht vom Lizumer Reckner ist phänomenal. Als Höchster der Tuxer Alpen mit einer Dominanz von 7,7 km im Süden (Kleiner Kaserer) und nur einem sichtbaren höheren Gipfel im nördlichen Halbkreis, der Zugspitze in 56 km Entfernung. Streng westlich befindet sich die Haidenspitze in 43 km und streng östlich der Kuchelmooskopf in der Reichenspitzgruppe mit 35 km Entfernung als jeweils naheste höhere Erhebung.

Lizumer Reckner, 2.886 m – gegen die hohen Gipfel des Tuxer Hauptkamms

Der Ausblick an diesem Tag war durch Bewölkung und dadurch Abschattung in den Norden begrenzt, die Zillertaler Alpen mit den gegenüberliegenden Gipfeln des Tuxer Hauptkamms jedoch eindrucksvoll zu betrachten. Zwischen Gfrorene Wand Spitzen und Olperer blickt man auf den höchsten Zillertaler Gipfel, den Hochfeiler. Zwischen Hohem Riffler und den Gfrorene Wand Spitzen blickt man auf den Großen Möseler und noch weiter links (östlich) auf den Schwarzenstein. All jene in zwischen 20 und 23 km Entfernung.

Hochfeiler in 20 km Entfernung

Der Naviser Reckner ist dem Lizumer westlich vorgelagert, um 62 m niedriger, und mit einem brüchigen Grat verbunden, dem man, so wie dem Aufstieg auf den Lizumer von der Einsattelung zum Geier aus, mäßige Schwierigkeit in der Kletterei attestiert. Den Übergang haben wir aus Zeitgründen nicht unternommen.

Naviser Reckner – ein anschauliches Beispiel der geringen Verwitterungsbeständigkeit des Serpentinits

Durch ihre Farbe eindrucksvoll zu betrachtende Felsstürze umgeben den Naviser Reckner sowohl als den Lizumer. Serpentinit verwittert mit rötlich brauner Färbung (aufgrund der darin enthaltenen Eisenoxide?). Beide Bergstöcke bestehen vollständig aus Serpentinit, wobei die Südflanken der Sonnenbestrahlung ausgesetzt sind, junge Abbrüche im Süden bestätigen die zeitliche Entwicklung. Nur die südlichen Flanken, nicht die solar bestrahlten Nordflanken und nicht die jungen Abbrüche im Süden, zeigen rötlich braune Verwitterungsfärbung.

Kalkwand im Nordosten – auf ihrer Nordseite wartet sie mit geringen Malachitvorkommen auf

Phantastische Farbspiele sind im gesamten Umkreis der beiden Reckner festzustellen. Diese bilden das Tarntaler Mesozoikum (Erdmittelalter) bzw. größtenteils, denn die Kalkwand, nordöstlich talgegenüber, und Teile der Mölser Berge gehören auch dazu, wenn auch in einer anderen Decke.

Griffjoch mit Schafseitenkamm in den südlichen Tuxern; in der Tiefe das Kluppental

Eindrucksvoll ragen die Tarntaler Köpfe mit dem Blick vom Lizumer Reckner in der Frontalansicht nach Norden vom Grat auf. Darunter, in deren Bergstock, sind die tieferliegenden Gesteine als Schrofenbänder sichtbar. Es handelt sich dabei um ein schmales Band von Dolomiten der Kössener Schichten und darunter Kalkschiefer.

Tarntaler Köpfe im Norden, rechts Lizumer Sonnenspitze

Am Abstieg, nahe der Einsattelung, kann eindrucksvoll das Vorkommen von Chrysotil im Serpentinit betrachtet werden, sowie dessen vom Fels abgewitterte Fasern, die daneben aufgestreut lagern. Die Bruchstücke des Chysotilminerals besitzen etwa die Größe eines Zündholzes und an den Enden kann man die feinen Fasern erkennen, aus denen das Bruchstück besteht. Die Proben liegen direkt neben dem Steig und sind leicht zu finden, wenn man genau schaut.

Chrysotilfasern (auch Weißasbest) am Südgrat

Der Übergang zum Geier gestaltet sich in sehr ebenflächigem, rundem Terrain, topographisch völlig unverständlich im Vergleich zu den Felsgestalten der Reckner. Und der Geier selbst, obwohl ebenfalls von Serpentinit aufgebaut, ist kofelartig rund geformt mit keiner nennenswerten Erhebung über seine Kuppenfläche hinaus. Welch Gegensatz zu seinen felsigen nördlichen Nachbarn.

epischer Blick nach Süden – mittig in der Tiefe die wunderbare Hornspitze

Dem ungestörten Ausblick vom Geier auf die Größen des Tuxerkammes der Zillertaler Alpen muß ein Kleinod hinzugefügt werden, das man leicht übersieht, blickt man nur in Schnee und Eis. Es ist dies die Hornspitze, welche als südlichster Gipfel den Übergang von den Tuxer Alpen zu den Zillertalern markiert, genau bildet das Tuxer Joch die Grenze. Ihre reizvolle Besteigung kann nur empfohlen werden.

Kind des Phyllits – silbrig glänzende Hornspitze

Knapp 50 Hm Schartenhöhe zwischen ihm und dem Lizumer Reckner sichern dem Geier gerade noch Gipfelstatus, jedoch ist er durch seine Lage bedeutend, denn er stellt die südlichste Erhebung im Reckner Komplex dar, dem oberen Teil des Tarntaler Mesozoikums. Er begrenzt die geologische Besonderheit mit seiner steil nach Süden abfallenden Flanke zum Junssee hin. Mit dem Ende des Abhangs beginnt das Glockner-Deckensystem mit Kalkphyllit und Bündnerschiefer.

Rückblick nach Norden auf die Reckner

Der Abstieg vom unspektakulären Geier beginnt eher flach und zieht über einen interessanten Hangabschnitt, bei dem die Lagerung der unteren Gesteine des Tarntaler Mesozoikums noch einmal sehr anschaulich betrachtet werden können.

die Fremde in Bildmitte – Pluderling; ein völlig anderes Gestein anderer Entstehungsgeschichte bildet die Grenze zum Erdmittelalters

Dort findet man oberhalb des Steigs als unterste Schicht Dolomite, Kalkmarmore, mit Auftreten von Rauwacke, darüber die schon mehrfach fotografierten Kieselschiefer und darüber Breccie.

malerischer Junssee vor der Kulisse der südlichsten Tuxer Gipfel und des Tuxer Hauptkamms

Am Joch zwischen Geier und Pluderling dringen bereits die Bündnerschiefer der Glockner-Decke in das Tarntaler Mesozoikum ein und dies ist anschaulich durch die fast homogen mit Schieferplaten bedeckte Oberfläche des Pluderlings im Osten erkennbar. Vergleicht man die Landschaft unmittelbar im Vordergrund (Nordwesthang Pluderling) mit der dahinter liegenden der Kalkwand, dann stellt man völlige Unterschiedlichkeit fest und hat einen weiteren Beleg für das hoch wechselhafte geologische Gebiet.

schön sichtbare chronologische Entwicklung der Gesteinsschichten am Südostabhang des Geiers (zuoberst die Breccien-„Tatze“)

Um die Felskante herum und bereits im Kar zum Lizumer Boden hinab gibt es einen einzigartigen Blick auf eine Vielzahl verschiedener Gesteinsarten hin zur Lizumer Sonnenspitze als da wären: Serpentinit, Kalkschiefer, Kieselschiefer (rot?, grün), Jurabreccie, Rhät-Dolomit (hellgrau bis gelbbraun), bunter Tonschiefer, blaugrauer Plattenkalk, grauer Mergelschiefer.

 

Vorstoß der Bündnerschiefer der Glockner-Decke von Süd am Pluderling

Am weiteren Abstieg gäbe es noch ein für das Tarntaler Mesozoikum typisches Gestein zu sehen, die Quarzitschollenbreccie. Leider ist diese fotografisch der Hektik des angestrebten Hüttenbesuches in der Lizumer Hütte zum Opfer gefallen und muß ein anderes Mal abgelichtet werden.

 

Rückblick in den Norden mit phantastischen Farben der Gesteine zur Lizumer Sonnenspitze

Für die phantastische und lehrreiche Rundtour über die Tarntaler Köpfe auf den Lizumer Reckner und Geier mit Aufstieg und Abstieg vom und zum Parkplatz Walchen, sowie alle Pausen und dem Hüttenbesuch haben wir 11:45 Stunden benötigt.
Die Strecke beträgt 24,2 km und die Aufstiegsarbeit 1.785 Hm. Im oben verlinkten Bericht über die Tarntaler Köpfe ist die Möglichkeit mit dem Hüttentaxi in die Lizum anzureisen beschrieben. Benützt man dieses, dann verringert sich der Aufstieg auf etwa 1.200 m und die Strecke beträchtlich.

 

Mils, 03.07.2022

* Millionen Jahre

Tarntaler Köpfe, 2.756 m – Runde zur Lizumerhütte

Die kleine Schwester der sagenhaft schönen Runde über die Tarntäler zu Lizumer Reckner und Geier stellt die kürzere Runde über die Tarntaler Köpfe mit dem Abstieg von der Tarntaler Scharte zur Lizumer Hütte dar. Im Gesamten auf Steigen verlaufend, mit einer kurzen, durch einen Felssturz verlaufenden Passage ohne Markierungen, jedoch mit eindeutig sichtbarer Route, findet der versierte Wanderer eine leichte Bergtour mit verzaubernden Formen, Farben und Natureindrücken.

Großer Tarntaler Kopf vom nördlichen Vorbau

Am Schönsten wird die Runde mit dem langen Anstieg vom Parkplatz vor dem Lager Walchen in der Wattener Lizum erlebt. Durch den Aufstieg über Außermelan- und die idyllische Innermelanalm und den phantastischen Zirbenwald nähert man sich den Tarntaler Köpfen allmählich und genießt den Vorzug die Eindrücke aus vielen Blickwinkeln zu erleben.

Blick von der Außermelanalm auf die Tarntaler Sonnenspitze

Der Transfer mit dem Hüttentaxi ist eine weitere Möglichkeit des Aufstiegs in die Wattener Lizum, sie mag dem weniger konditionsstarken Geher vorbehalten sein. Die Nutzung zum Abstieg ist ebenfalls möglich, Details über das Hüttentaxi finden sich im Internet.
In jedem Fall meide man den Aufstieg über die Straße in die Lizum, auf der linken Talseite wandert es sich wesentlich schöner als auf der Mölserbergseite. Zum Abstieg kann man sich die Straße ja einmal ansehen.

Innermelanalm im Rückblick vom Zirbenweg

Am Fußweg muß vor der Brücke zum Hauptgebäude des Militärlagers auf der linken Seite neben dem Wattentalbach aufgestiegen werden. Die ersten 700 m neben dem Bach führen als Eintrittskarte über teilweise rutschiges Augelände, bevor der aufsteigende Waldweg beginnt. Der breite Waldweg erstreckt sich über 1,8 km bis zur Innermelanalm, zum Beginn des Steiges durch den Zirbenwald.

Tarntaler Sonnenspitze links, Tarntaler Köpfe recht davon

Nach dem Ende der Waldgrenze steigt der wieder zum breiten Weg sich ändernde Steig durch kleine Felsschrofen hindurch auf das Plateau der Lizum, östlich des Militärgeländes mit den Kasernengebäuden. Dort führt eine Gasse zwischen Abgrenzung des Militärgeländes und einem Stall auf die Zufahrt zur Lizumer Hütte. Diese kann man nehmen, wenn man nicht bis zur Hütte aufsteigen will. Wenn man es dennoch will, kann man auch bei der Hütte quer über den Bach und über die Almweiden in Richtung Westen den Steig nach Schotteben erreichen.

nun auch die Klammspitzen ganz rechts zu sehen; links die Tarntaler Scharte, über die abgestiegen wird

Den kürzeren Weg über den elektrischen Weidezaun durch das Kasernengelände meide man in jedem Fall, der OVT des Lagers dort muß Haltung zeigen ist meist sehr angerührt, wenn blutige Zivilisten das Gelände betreten von dem aus die lustig anzusehende Holländertruppe Frühsommers immer ihre Übungen mit Quads abhält. Auf einem der beiden Wege gelangt man jedenfalls auf die Westbegrenzung des Plateaus mit dem Beginn des Aufstiegs nach Schotteben, in Richtung der Lifttrasse.

Alpen-Milchlattich beim Brunnen am Weg zur Kaserne

Vermeiden lassen sich die Schotterwege auf das Klammjoch – das nun angesteuert wird – nur durch hohe Almrosenbüsche, die auf der direkten Linie über den Hang flächendeckend den Aufstieg über freies Gelände bewachsen. Da kommt man zu Beginn des Sommers, in dem die im Saft stehenden, knorrigen Zwergsträucher jedem Schritt des Begehers ihren drahtigen Wuchs dem offenen Schienbein entgegensetzen, gerne wieder auf den Schotterweg zurück, um kratzerschonender und rascher weiterzukommen.

Lager Lizum; bei den Gebäude am linken Bildrand kommt man durch auf die Straße, ohne das Kasernengelände zu betreten

Der beim Schild zugewucherte, vom TVB markierte Beginn eines Steigs, stellt möglicherweise eine Option des Aufstiegs in der Liftrasse dar, aber das müßte man aber erst erkunden – und so wurden die ausgerundeten Kurven der Fahrstraße vorgezogen und in voller Länge abgeschritten, um zu den Almgebäuden auf Schotteben zu gelangen.

am Weg zum Klammjoch; links die Klammspitzen, rechts die Tarntaler Köpfe

Auf Schotteben hätte man die Möglichkeit direkt auf Steigspuren zu den Klammspitzen aufzusteigen und somit die Runde abzukürzen. Allerdings wird dadurch der schöne Klammsee ausgelassen und der weniger Versierte findet nach dem Grat einen sehr steilen relativ weglosen Abstieg zum Steig auf die Klammspitzen vor. Die Empfehlung lautet daher die Schotterstraße zum Aufstieg zum Klammjoch zu benutzen und am Weg dorthin an einem steiler zur Mölser Scharte hin geneigten Hang vorbei zu kommen, der im Frühsommer mit der Heilpflanze Arnika in der, der Natur eigenen, unaufdringlich verschwenderisch üppigen Weise bewachsen ist.

malerisch, der Klammsee auf 2.350 m

Nach dieser satt orangen Pracht zur Rechten wartet einige Minuten weiter am Aufstieg am Abhang zur Linken ein auffällig marineblaues Feld von Schusternägeln, dem sogenannten Frühlings-Enzian. Überhaupt muß man während des gesamten Anstiegs feststellen, daß auf allen Böden im Wattental, sowohl auf den silikatischen im Anstieg zur Lizum als auch auf den karbonatischen des unteren Tarntaler Geländes eine Blumenpracht herrscht, die fasziniert.

am Beginn des Wilke Steigs

Westseitig des Klammjochs könnte man über die atemberaubende Steilwiese auf das beliebte Schitourenziel der Mölser Sonnenspitze aufsteigen. Nahe im Süden hinter dem Klammjoch liegt der Klammsee auf 2.350 m und direkt am Weidezaun zweigt nach Südosten der Klaus-Wilke-Steig ab, der den nun alpineren Aufstieg auf die Tarntaler Köpfe bildet. Hinter dem Namensgeber verbirgt sich ein Offizier des Heeres, der in der Sektion Alpinismus des HSV Absam in den 90ern verunglückt und dessen Gedenktafel am Fels beim Gipfelkreuz angebracht wurde.

punktierter gelber Enzian

Am unteren Teil des Steigs bieten die kleinen Felsköpfchen, durch die der Aufstieg erfolgt, eine herrliche Perspektive auf den Klammsee und die weit in der Ferne liegenden südöstlichen Stubaier Gletscher, frontal sichtbar die sagenhaften drei Feuersteingipfel, der Klassiker des Wilden Freigers, links davon die Tribulaune (auch als Schitour)und rechts davon der gewaltige Habicht und noch weiter westlich die zentralen Gipfel der Stubaier Alpen, von denen hier am Blog Berichte existieren, beispielsweise vom Lüsener Fernerkogel, oder von der Hohen Villerspitze.

gelbbeiger Radiolarit der Ruhpodling-Formation

Der Steig taucht in seinem lehrreichen Verlauf über verschiedene Gesteine weiter in das leicht ansteigende Tal zwischen dem Kamm der Klammspitzen und dem Stock der Tarntaler Köpfe ein, bevor er in Serpentinen den aufsteilenden Anstieg auf das Jöchl zwischen dem Kamm und dem Stock vollführt.
Auf dem Weg dorthin säumt in typischer Manier der punktierte gelbe Enzian den Steig. Ein häufig anzutreffendes Bild in den Tuxer Alpen sind Steige an denen die gleichermaßen Disteln und den gelben Enzian entweder direkt am Steigrand oder in kaum einem oder wenigen Metern wachsen. Einen solchen Abschnitt bildet der unterste Teil des Steiges zum Jöchl.

Kalk- und Dolomitbreccie mit Radiolarit

Bereits nach wenigen Minuten am Wilkesteig fallen eigenwillige Erscheinungen an Steinblöcken ins Auge. Es handelt sich hierbei samt und sonders um Sedimentgestein, Kalke, die wesentlich früher gebildet worden sind als die Gesteine des Karwendels im Inntal gegenüber. In der Mulde links neben dem Steig beginnen die recht ungewohnten Gesteinsserien mit einem gelbbeigen Radiolarit der Ruhpodling-Formation. Ein sehr hartes Sediment gebildet aus Resten von Radiolarien, einzelligen Strahlentierchen.

gefalteter Kieselschiefer, hier grünlich

In der Folge führt der Steig in den kleinen Talkessel (altes Kartenwerk nennt es Eisenkar, die Flurnamenerhebung bei TIRIS „is Karl“) wo schöne Kalk- und Dolomitbreccien zu erkennen sind. Jene auf den Bildern wurden gefaltet und sind verbunden mit Radiolarit.

Rückblick auf Klammsee und die Mölser Sonnenspitze

Gleich darauf macht man mit farblich auffälligem Gestein Bekanntschaft, das den Aufstieg etwa 100 Hm über dem Jöchl zwischen Klammspitzen und dem Nordabhang der Tarntaler Köpfe  deutlich prägt. Es handelt sich dabei um grünen, roten, manchmal violetten und dunkelgrauen Kieselschiefer auch Meta-Radiolarit. Die unterschiedlichsten Formen treten dabei auf und man kommt während des Anstiegs bei der Ausschau nach den abwegigsten Formen und Oberflächen gar nicht mehr aus dem Staunen heraus.

Tarntaler Köpfe vom Jöchl aus gesehen

Vorher noch wird das Jöchl (P. 2.478 m) erreicht, von dem Ostseitig die Sonntagsrinne auf den Lizumer Boden hinunterzieht. Steigspuren verraten eine Verbindung mit den Almgebäuden in Schotteben, ein offizieller Steig ist es aber keiner.

Tiefblick auf den Lizumer Boden

Erstmals genießt man am Jöchl den beeindruckenden Ausblick auf die Kalkwand in der Lizum auf der Talgegenseite. Die Kalkwand stellt eine sagenhaft schöne, mittelschwierige Kletterei in festem Dolomit dar, ist unwegsam durch freies, schuttbeladenes Gelände mit massigem Blockwerk erreichbar. Sie liegt außerhalb der gesicherten Wanderwege und es empfiehlt sich, wie für alle Touren im Truppenübungsgebiet, an der Tafel im Lager Walchen sich nach den Aktivitäten der Militäreinheiten zu informieren. Nicht selten am Zustieg begegnet man Resten von abgetaner Munition.

Kalkwand im Osten

Einige Minuten läuft der Steig entlang des breiten Rückens, der sich zunehmend zum Nordabhang der Tarntaler Köpfe ausbildet. Auf diesem Abschnitt herrschen vorwiegend Kalkschiefer, speziell gleich nach dem Jöchl und weiter oben auch Breccien vor. Am Aufstieg gewinnt man einen guten Überblick über den Zugang zur Kalkwand vom Junsjoch nordwärts.

Kalkschiefer mit Einlage

Der Steig führt bis knapp unter die Felsen der Tarntaler Köpfe, bevor er in grobblockigem Reisengelände sich von Süd nach Südwesten wendet. Während des Aufstiegs begegnet man in kurzer Entfernung am Steig den unterschiedlichsten und sehenswerten Formen von Kalk- und Kieselschiefern.

Rückblick auf den Aufstieg unterhalb der Klammspitzen

Nach dem Richtungswechsel müssen die farbenfrohen Blockschuttreisen von den Tarntaler Köpfen herab durchquert werden. Im Frühsommer traf der Verfasser dort noch ein relativ großflächiges Schneefeld an, das sich in einer seichten Grube auf 2.560 m erfolgreich gehalten hat, durch die Hangneigung vor der flachen Sonneneinstrahlung im Frühjahr lange geschützt.

grüner Kieselschiefer mit eindrucksvoller Bruchfläche

Nach der Vertiefung mit dem Schneefeld steigt die Route merklich an. Die Schuttreisen laufen aus, an ihre Stelle tritt Bergwiesengelände mit größeren Blöcken Kalk- und Kieselschiefers. Der Steig vollführt dort die Runde auf den Nordwesthang der Tarntaler Köpfe.

Rückblick auf den Klammsee und den Kamm zum Voldertal im Hintergrund

Auffallend im weiteren Aufstieg ist die beträchtlich zunehmende Größe der Felsblöcke am Nordwesthang. Diese Blöcke sind von der Deckschuppe der Tarntaler Köpfe herabgebrochen und bedecken ein großes eher flaches Areal unterhalb. Der Abbruch dürfte vor nicht vielen hunderten Jahren stattgefunden haben und die größten Blöcke nur gerutscht sein, wenn man den unterschiedlichen Flechtenbewuchs betrachtet.

Rückblick nach der Kurve vom Nordabhang auf den Nordosthang

In diesem Gelände gibt es noch vereinzelt schöne Fundstücke von Bergkristall, der von den Mineraliensammler der 70er Jahre verschmäht worden ist. Der damalige Boom des Mineraliensammelns wirkte sich dermaßen massiv aus, daß heute im gesamten Ötztal und auch im Zillertal kein einziges Stückchen Granat oder andere Mineralien mehr auf der Geländeoberfläche aufzufinden sind.

Bergkristall neben dem Steig

Das Gebiet der Tarntäler gehörte ebenfalls zum Eldorado der gierigen Süchtler, die der Jagd danach alles unterordneten und teilweise ihren Lebensunterhalt damit bestritten. Alles und Jedes an der Oberfläche wurde dort umgedreht und in Klüften wurde einfallend ohne Sicherung, mit dem Körper nach unten und die Füße noch an der Oberfläche, gegraben, um Stufen von Mineralien zu heben.

Bergkristallspitze

Umso erfreuter darf man heute daher sein, wenn man das Glück hat ein schönes mittelgroßes Bergkristallprisma mit dem typisch sechseckigen prismatischen Wuchs und der facettenreichen Spitze anzutreffen. Ein solcher, und mit etwa 12 bis 15mm Höhe gar kein kleiner Kristall, befindet sich direkt neben dem Steig links im flachen Teil an einer engeren Passage zwischen den massiven Blöcken. Wer den Steig auf der linken bergseitigen Seite entfernt erkundet wird weitere Kristallnester finden.

im Blockgelände knapp unterhalb der Deckschuppe

Nach diesem kristallischen Highlight auf der Tour verstärkt sich das Blockgelände und führt zu einer schuttig, sandig, erdigen Passage an der der Steigverlauf durch die lockeren Partien etwas in Mitleidenschaft gezogen wurde, jedoch kein Hindernis darstellt. Man kann diese auch im Blockwerk umgehen. Damit steht man schon fast unter der Abbruchlinie der massiven Blöcke, die nach etwa 70 m weit und 40 m tief nach unten gerutscht sind. Sonderbarerweise kommt dieser Abbruch nur auf einer schmalen Linie vor, die Nordflanke der Tarntaler Köpfe steht fest und ohne größere Blöcke im Hangschutt darunter da.

steiles Gelände bis zum Felsansatz

Steil führt der sandige Geländeansatz zu den stark gefalteten Kalkschiefern hinauf, zwischen deren mittlerweile weit geöffneten Klüften sich der Überstieg auf deren Oberkante befindet. Eine kleine Stufe von zwei Metern wird mit wenigen Tritten und Griffen erklommen, um auf der flächigen Oberseite der Deckschuppe der Kieselschiefer anzukommen.

Großer Tarntaler Kopf, 2.556 m

Von unten ist bereits das nur mehr 60 Hm entfernte Gipfelkreuz zu sehen. Am Aufstieg stellen sich drei breite Bruchzonen in den Weg, Markierungen gibt es vereinzelt, sind aber auch nicht vonnöten mit dem Ziel im Blickfeld. Die erste Bruchzone ist nicht nur breit, sondern auch bemerkenswert tief (2-3 m) und zerteilt die plattig-schieferige Oberfläche sichtlich. Mit leichtem Höhenverlust wird sie an geeigneter Stelle durchschritten, die anderen, schmalen Klüfte können zum Gipfel hin umgangen werden.

Tarntaler Sonnenspitze im Süden mit imposanter Nordwand, links hinter den Köpfen die Tarntaler Scharte

Am Hauptgipfel der Tarntaler Köpfe, dem Großen Tarntaler Kopf, läßt sich das Obere Tarntal zum Teil einsehen, vor allem aber die imposant wirkende Tarntaler Sonnenspitze und den gewaltigen Lizumer Reckner, dem mit 2.886 m höchsten Gipfel der Tuxer Alpen.  Auf ihn kann man auch im Winter steigen, wenn man die Schitour zum Geier unternimmt.

Lizumer Reckner mittig, links Hoher Riffler, rechts Olperer, Fußstein und Schrammacher

Zwischen den Tarntaler Köpfen und der Tarntaler Sonnenspitze befindet sich die Tarntaler Scharte, über die in diesem Bericht zur Lizumer Hütte abgestiegen wird. Vom Gipfelkreuz am Großen Tarntaler Kopf aus ist sie nicht sichtbar, da die anderen drei Köpfe, der Mittlere Tarntaler Kopf gleich etwas tiefer südöstlich gegenüber, der Tarntaler Turm dahinter und der Südliche Tarntaler Kopf dieselbe verdecken. Ein mit Steinmännern markierter Steig führt über die 130 Hm Abstieg.

Blick vom Großen Tarntaler Kopf nach Norden auf den Mölser Berg

Der Rückblick vom Gipfel nordwärts zeigt nahezu den gesamten Anstieg im Verlauf vom Wattental, den Mölser Berg und dahinter das Karwendel.

Ansicht der Abstiegsstrecke von der Tarntaler Scharte mit bemerkenswerten Rissen in der Decke am Gipfel

Ebenfalls besteht ein vorzüglicher Blick auf den Lizumer Boden. Nördlich und östlich des Gipfelkreuzes ziehen sich mächtige Risse in die Deckschuppe und bilden einen interessanten Vorbau mit Steinschlichtung, von der die Höhe der Gipfelfelsen eindrucksvoll betrachtet werden kann.

Kalkwand mit Salzscharte nördlich; dahinter die Reichenspitzgruppe

Der vielleicht schönste Blick besteht auf die Kalkwand im Osten. Gut kann der Gratweg vom Reuterturm bis zum Gipfelkreuz betrachtet werden und der Abstieg über den Südgrat in den  „Salzsattel“ – der seine Namensgebung der weißen Gipsschichten verdankt – zur Torwand hin. Zwischen der Kalkwand und dem Salzsattel finden sich in 37 km Entfernung die atemberaubenden Gipfel der Reichenspitzgruppe genau im Osten.

Hinter dem Lizumer Reckner ragen in der Ferne die bedeutenden Gipfel des Hohen Rifflers, des Olperers in 12 km Entfernung, des Fußsteins und des Schrammachers im Tuxer Kamm der Zillertaler Alpen auf.

im Westen die Stubaier Gipfel

Im Westen dominieren die Stubaier Alpen bis hinab zu den Brennerbergen und im Vordergrund die Gipfel des Rosenjoch-Kamms der Tuxer, auf die bärige Schitouren führen, die auf diesem Blog beschrieben sind. Das Rosenjoch wies bis ins 19. Jhd. einen Gletscher auf der Nordostseite auf und noch heute hält sich der Schnee im Frühjahr sehr lange für ein tolles Figlerlebnis.

Tiefblick zu den Klammspitzen über die Felsen des Großen Tarntaler Kopfs

Nach Südosten, gegen die anderen Tarntaler Köpfe hin, wird der Gipfel des Großen Tarntaler Kopfes mit dem Abstieg auf festem Schiefer verlassen und eine Einsattelung dazwischen angesteuert.

Mittlerer Tarntaler Kopf im Abstieg zur Tarntaler Scharte gesehen

Die anderen drei Köpfe können überklettert werden, diese Route ergibt einmal einen eigenen Bericht darüber. Am Abstieg nach der Einsattelung schnürt sich der zunächst weglose Abhang mit den hausgroßen Felsblöcken etwas ein und bildet  entlang der Schrofenwand zur Linken vom mittleren Kopf herab ein kleines Steiglein, das weiter verfolgt wird.

am Steig zur Tarntaler Scharte

Seine Ausprägung verschwimmt am Weg unterhalb der Köpfe hin zur Scharte ein wenig, wodurch mit zufälligen Steinmandln abgeholfen wird, allerdings bräuchte es dieselben aber gar nicht, denn die Richtung dorthin ist durch das Gelände klar vorgezeichnet. Abschließend nach der Querung führt eine Schuttreise im Kalkschiefer hinab zur Scharte und passiert eine schöne Formation von Kalk- und Dolomitbreccie.

Steig zur Tarntaler Scharte

Auf der Gegenseite der Tarntaler Scharte kann die Runde über die Lizumer Sonnenspitze, das Obere Tarntal und den Lizumer Reckner bis zum Geier fortgesetzt und ein wieder gänzlich anderer geologischer Abschnitt erkundet werden. Diese bärige Erweiterung wird in Kürze auf diesem Blog beschrieben und an dieser Stelle verlinkt.

Formation von Breccie nahe der Tarntaler Scharte

Unten hat man die Scharte noch nicht ganz erreicht, vorher müssen noch die gelblichen Radiolaritfelsen passiert werden, bevor man an deren Südende einen vergilbten roten Markierungspunkt erkennen kann, der die Abstiegsroute anzeigt.

Blick Richtung Aufstieg zur Tarntaler Sonnenspitze

Dieser Abstieg wird nicht mehr gewartet und stellt einen aufgelassenen Steig dar. Der Grund für die Auflassung liegt mit Sicherheit im jungen Abbruchmaterial der Felsen in der Scharte. Die Trümmer der Abbrüche überdecken den Steig und über etwa 60 bis 80 Hm ist keine Markierung sichtbar.

unteres Tarntal von der Scharte aus gesehen

In der heutigen Zeit kann man es angesichts der Haftung eines Wegerhalters den alpinen Vereinen nicht verdenken, wenn ein Steig mit Felssturzgefahr aufgelassen und aus dem Kartenwerk genommen wird.

Tarntaler Scharte gegen Norden auf die Tarntaler Köpfe

Die kaum erbringbaren Verpflichtungen nach dem – für alpine Verhältnisse völlig untauglichen – § 1319a ABGB, im Zusammenspiel mit der zunehmend dreisteren Verfolgung von persönlich erlittenem Schaden, dessen nach sich ziehende Kosten durch oft erfolgreiche Abschüttelung von Eigenverantwortung stets Dritten überbürdet werden sollen, lassen die Menschheit vor sich selber kapitulieren und dadurch Schönheiten brach liegen, wenn es diesen Steig rein rechtlich heute offensichtlich nicht mehr gibt.

Lizumer Boden in der Tiefe; hier wird abgestiegen

Zum guten Glück gibt es den Steig noch physisch und seine Begehung mag lediglich eine kleine Portion Versiertheit in blockigem Gelände bedeuten, um sicher zur Lizumer Hütte abzusteigen.

Abstiegsgelände im obersten Teil (etwa über 20 Hm)

Im oberen Teil erweisen sich die Stöcke als vorteilhaft, das Terrain ist dort steil und zwischen den Blöcken schuttgefüllt, wodurch eine gute Abstützung damit erreicht werden kann. Nach etwa 50 Hm des Abstiegs gibt es keine Schwierigkeiten mehr und die ersten Markierungen von unten tauchen in der Ferne auf, an denen man sich orientieren kann.

Rückblick auf die Scharte nach der überschütteten Abstiegsstrecke

Bald ist das untere Ende der Felssturzbahn erreicht und der Wiesenansatz erfreut an seiner Blumenpracht. Selbst ohne immer gleich Markierungen im weiteren Verlauf zu erkennen gibt es keine Abstiegsprobleme, die richtige Route führt stets nach Nordosten auf die Almweide vor der Lizumer Hütte hin und der Elektrozaun der Weide, noch weit im Hang heroben, wird einfach überstiegen. Schräg abwärts querend erfolgt der Abstieg auf Steigspuren, bevor die Weide ostwärts gequert und der Wattenbach über die Brücke an der Hütte erreicht wird.

in fast direkter Linie die Lizumer Hütte angesteuert

Die Einkehr auf der Lizumer Hütte stellt das Abschlußerlebnis der bärigen Runde mit den vielfältigen landschaftlich phantastischen Eindrücken dar.  Meist wartet der ungarische Koch mit deftiger alpenländischer Kost auf, der Schweinsbraten des Verfassers war der Hit.

erneutes Vorkommen von Enzian am Ostabhang beim Abstieg

Die Lizum verlassen und die Rückkehr zum Parkplatz Walchen kann man auf drei Arten: Abstieg über den Zirbenweg des Aufstiegs, Abstieg auf der Lizumer Straße und Ausfahrt mit dem Hüttentaxi, das man bestellen muß.

Rückblick auf den reizvollen Abstieg (Scharte bei Schneefeld)

Die Runde über die Tarntaler Köpfe mit Aufstieg und Abstieg vom und zum Parkplatz Walchen, sowie alle Pausen und der Hüttenbesuch erforderte 8:25 Stunden, wobei der Aufenthalt in der Hütte sicher eine knappe Stunde Anteil daran besitzt.

leichtes Abstiegsgelände zur Lizumer Hütte

Die Strecke im oberen mittellangen Bereich misst 19 km und dabei wurden 1.370 Hm auf- und abgestiegen. Mit dem Hüttentaxi in beide Richtungen schrumpft nicht nur das Füllhorn an Erlebnissen, aber auch die Länge etwa um 11 km auf 8 km (bei nur einer Strecke mit dem Taxi auf 13,5 km) und der Aufstieg ab der Lizumer Hütte um etwa 580 m auf verbleibende 790 m, sowie der Abstieg entsprechend der Wahl.

Mils, 02.07.2022

 

Schitour Kuhmöser, 2.264 m

Beim richtigen Wetter schitourentechnisch ein Schmankerl, eine kleine Spritztour, eine Halbtagestour, der Südhang im Frühjahr eine Sonnenspritze und noch mehr positive Eindrücke  stellt das kurze Vergnügen auf den Kuhmöser von Schellenberg aus dar.

Kuhmöser, 2.264 m

Mit knapp unter 1.000 Hm Aufstieg erfolgt die Besteigung des Kuhmösers – oder Kuhmessers, wie er im Volksmund genannt wird – in knapp zwei Stunden wodurch bei frühem Start im Frühjahr auch noch vernünftige Abfahrtsverhältnisse zu erwarten sind.

Schellenberger Anger Blick Richtung Hochfügen

Der Aufstieg erfolgt zur Gänze über einen Südosthang, sodaß man sich der Sonne von Beginn an sicher sein kann. Die einzige Ermangelung bei diesem Vorhaben stellen Parkplätze dar. Etwa 1 km nach dem Gasthaus Schellenberg, bei einer Abzweigung zur Straße in den Finsinggrund hinab, gibt es ab dem Ausaperstadium einige Parkplätze und noch früher, wenn der Pflugfahrer absichtlich etwas breiter geräumt hat als notwendig.

Blick zum Kuhmöser

Den flachen, noch durchgehend schneebedeckten Weg mit zwei Kehren am zu Beginn sollte man im Frühjahr akzeptieren, oder etwas direkter mit ggf. kurzen aperen Passagen ansteigen.

Aufstieg zwischen kleinen Bäumchen und Latschen

Der Anstieg am Weg endet kurz vor der scharfen Waldgrenze in Richtung Gartalm. Dort zweigt der Anstieg auf den Kuhmöser links in die vom Schnee noch gut nieder gehaltenen Latschen ab.

oberhalb der Waldgrenze, Blick Richtung Metzenjoch

Zwischen den jungen Bäumchen zirkelt der Aufstieg fast wahllos durch die bärige Landschaft, in direkter Richtung auf die Schrofen des Kuhmöserkammes zu. Oberhalb des dichten Waldes zur Rechten könnte man über den Druckbichlsteig in den Hang zum Gartalm Hochleger queren und das Kellerjoch – oder auch Kreuzjoch genannt – vom Hochtalkessel aus besteigen.

herrliche freie Flächen voraus

Die Schitour zur Gipfelkapelle ist aber auch über den Normalanstieg auf das Kellerjoch, oder den „Kellner“, wie ihn der Einheimische nennt, eine sehr schöne Schitour.

unterwegs am völlig bewuchsfreien Südhang

Durch einen schwach ausgeprägten Graben wechselt der Anstieg auf den Kuhmöser westwärts, in gutem Abstand zu einem steinernen Lawinenschutz in Pfeilform, der weit rechts liegen gelassen wird und vielleicht gar nicht gesichtet wird, wenn man die Wendung schon weiter unten vollzieht.

leichte Kuppierung bei der Querung leitet an das Südwesteck des Kuhmösers heran

Über den schönen mittelsteilen Südhang führt die Route nun den Hang querend nach oben. Leichte Kupierung ist die einzige Abwechslung in der Querung zum Weg zum Loassattel auf den Kuhmöser während man unterhalb der wenigen Schrofen der Südwestecke des Kuhmösers entgegen strebt.

kurz vor dem Südwesteck

Während der weißen Weiten der unbewachsenen Hänge kann auf der Gegenseite in Richtung Hochfügen der Finsinggrund gut beobachtet werden.

Wetterkreuzspitze gegenüber

Von Marchkopf über den Kraxentrager bis zum krönenden Highlight des Roßkopfs und dem klassischen Schitourenberg des Gilferts hat man viele der schönen Routen vor sich.

Sonntagsköpfl, Gilfert und Gamssteine

Über eine merkbare Kuppe endet die Querung zum Südwesteck des Kuhmösers. Von dort aus genießt man einen traumhaften Blick auf die kleineren Schitourenziele des Sonntagsköpfls und der Gamssteine.

Aufstieg am ausgeaperten Südwesteck zum Kuhmöser

Über das Eck drüber führt die Schitour auf den Kuhmöser ziemlich genau dem Sommerweg entlang. Die Rippe selber ist meist rasch im Frühjahr völlig aper und man steigt in der seichten, eher noch weiter westlichen Mulde steil bis zum Gipfel an. Diese Mulde ist vom Gilfert her gut erkennbar und mutet wie eine Schipiste an.

Blick auf den Loassattel hinab

Die Szene über die Mulde hinauf, ohne den geringsten im Winter sichtbaren Bewuchs, ist beeindruckend und bei ungetrübter Sonnenbestrahlung schweißtreibend. Beim Aufziehen von dichtem Nebel dürfte der Anstieg jedoch abzubrechen sein, wenn nicht die sichere Ortskenntnis Orientierung bietet.

noch genug Schnee in der Mulde westlich der Südkante

Mit dem Abflachen der Mulde nähert man sich dem Gipfelkreuz, das rasch sichtbar wird. Leider verhinderte der Nebel bei des Verfassers Anstieg die Sicht auf das Kreuz stark. Die unüblich warmen Temperaturen ließen aufsteigende Feuchtigkeit schon rasch über dem Gelände kondensieren und somit leichten Nebel entstehen.

abflachend geht es dem Gipfelkreuz zu

Auf dem riesigen flachen Kuhmöser gibt es jede Menge Rastmöglichkeiten mit großem Abstand untereinander, sodaß jede Gruppe individuelle Plätze findet. Eine Steingruppe zwischen dem Gipfelkreuz und der Lawinenauslöseanlage für die Schellenberglawine diente dem Verfasser als Museort für die Gipfelrast.

Kuhmöser mit Kellerjoch im Hintergrund

Von dort bietet sich ein sagenhafter Blick auf die Gipfelkapelle am Kellerjoch. Und der gesamte Hang aus dem Hochtalkessel hinter dem Gartalm Hochleger kann eingesehen werden.

Gipfelkapelle am Kellerjoch bzw. Kreuzjoch

Als äußerst nordöstliche Gipfelgruppe der Tuxer Alpen reicht die Aussicht auch bis in die Kitzbüheler und Zillertaler Alpen, jedoch just nicht zur Stunde des Gipfelaufentaltes des Verfassers. Daher leider keine Bilder in der Bildergalerie davon.

Gipfelkreuz am Kuhmöser

Die Abfahrt auf der Route des Aufstiegs präsentierte sich in den steileren Passagen mit entsprechend intensiver Sonneneinstrahlung mit tiefem Einsinken, auf den flacheren Passagen mit einer passablen Firnoberfläche.

mit zwei Gleichgesinnten bei der Abfahrt zusammengetroffen

Ab der Höhe der Hänge mit Latschenbewuchs bis zum Parkplatz herrschten stets weicher werdende Verhältnisse jedoch gut fahrbar mit wenig tiefem Einsinken.

hinab zum Parkplatz Schellenberg vor der gleichnamigen Jausenstation an der Hochfügenerstraße, die immer für den Abschluß der Tour gut ist.

Bei sonnigem Wetter mußte unbedingt ein Besuch der Terrasse der Jausenstation Schellenberg und zum Bier deftige Knödeln genossen worden sein.

letzter Blick auf Hochfügen auf der Abfahrt zum Parkplatz (verdeckt durch die untersten Bäume)

Gesamt benötigte der Verfasser 3:15 Stunden bei 975 m Aufstieg und 3,6 km Strecke für die nette Tour.

Mils, 19.03.2022

Schitour Marchkopf, 2.499 m

Eine der beiden kurzen Schitouren aus dem Finsiggrund in Hochfügen ist jene auf den Marchkopf, die sich im unteren Teil die Anstiegsroute mit der auf den Kraxentrager teilt. Einige Minuten nach dem Viertelalm Hochleger zweigt die Route auf den Marchkopf links über steileres Gelände ab.

Marchkopf, 2.499 m

Die leichte Nordwestausrichtung des Hangs verspricht bis ins Frühjahr gute Schitourenbedingungen trotz dem vergleichsweise niederem Startpunkt auf 1.470 m bei der letzten Gondelbahn in Hochfügen.

Start auf der Rodelbahn nach der letzten Gondelbahn

Der gebührenpflichtige Parkplatz (Münzautomat) funktioniert auch bereits vor dem Rummel der Schifahrer, sodaß man rechtzeitig starten kann, um ihn hinter sich zu lassen. Über die Rodelbahn gelangt man zum Pfundsalm Niederleger (1.650m).

kurz vor der Pfundsalm

Ein paar hundert Meter anschließend an die Alm zweigt der Weg zum Viertelam ab, der mit ein paar Meter Höhenverlust über die Brücke des Finsingbachs auf die andere Talseite führt.

Aufstiegshang zur Viertelalm

Im Anstieg zur Viertelalm öffnet sich der Blick auf den inneren Finsinggrund mit dem dominierenden Roßkopf hoch über dem Talschluß, auf den vom Talinnersten eine bärige Schitour führt, zuletzt mit einem kurzweiligen Gratübergang und Gipfelaufstieg.

Brücke über den Finsingbach

Im Frühjahr schmelzen die kleinen Wildbäche Schneisen durch die Hänge im Almgelände, was zu einer vorausschauenden Aufstiegsweise zwingt, will man den langweiligen Almenweg vermeiden. So mancher Übergang muß, je nach Schneelage, ohne Schi überwunden werden.

am Rücken hinauf zum Hochleger

Oberhalb der Viertelalm beginnt ein Taleinschnitt mit einem steileren Rücken links und flacherem Gelände rechts. Beide Varianten sind gangbar, durch die Sonnenbestrahlung erweist sich der Rücken meist  aperer als das Flachgelände. Beide Möglichkeiten führen zum Viertelalm Hochleger, über den Rücken steiler und diese Variante zeigen die Bilder.

gegenüber am Hang das flachere Aufstiegsgelände

Oben steilt auch der rechte flache Hang auf und führt in einer Linkskurve zum Hochleger, den man nicht unbedingt passieren muß, weil es an der Linkskurve auch geradeaus weiter, durch das sich ausbildende Tal, möglich ist aufzusteigen.

Viertelalm Hochleger, 2.030 m

Oberhalb der Hochlegergebäude trifft man wieder auf das Tal, das rechts im Aufstieg heraufzieht.

oberhalb des Hochlegers; recht zieht das Tal vom flacheren Anstieg herauf

Kurz danach befindet sich ein Wegweiser, der die Gabelung zwischen den Anstiegen auf den Marchkopf und dem Kraxentrager zeigt. Zum Marchkopf führt der Hang linksseitig im Aufstieg und es ist prinzipiell egal ob man der Richtung des Wegweisers folgt oder den Hang etwas weiter oben in Angriff nimmt.

Wegweiser an der Gabelung zwischen Marchkopf und Kraxentrager (rechtes Bilddrittel in Verlängerung der Spuren)

In direkter Richtung des Wegweisers steigt man etwas flacher in den Hang ein, in direkter Richtung auf den Hang zu etwas steiler. Harscheisen sind im Frühjahr ohnehin unabdingbar, weswegen die größere Steilheit beim Direktanstieg keine besondere Hürde darstellte.

nach dem steilen Stück in eine Hochmulde

Nach ein paar Minuten steilen Anstiegs flacht der Hang ab und eine gemuldete Geländestufe zwischen Grat und einer Felsreihe im Nordwesthang wird sichtbar – der Beginn der eher flachen Überleitung zum Marchkopf, dessen Lage vom Hochleger aus weiter nordöstlich liegt als vermutet. Erst weit oben am Kamm tritt er ins Blickfeld, nachdem man bereits fast auf der Kammhöhe in der Seewand erstaunt nach einem Gipfel sucht.

Rückblick auf das steile Stück oberhalb des Hochlegers

Am Ende der Mulden im flachen Gelände gegen die Kammhöhe hin tritt bei einer Rechtswendung des Kamms plötzlich der Marchkopf ins Blickfeld und er überrascht mit seiner schroffen Form am flachen Kamm.

in die Mulde hinein

Seine auffallend aufragende Gestalt im Kamm wäre durch beständigere Schiefereinlagen im eher weichen Quarzphyllit erklärbar, sonst erscheint eine Erklärung dieser Ausbildung angesichts der Umgebung schwer.

Flachstück auf die Kammhöhe

Über den breiten Kamm zieht sich der Weg zum hoch aufragenden Kopf hinüber. Nach Nordwesten hin fällt der Gipfel schroffig steil in das darunterliegende Schuttfeld ab und für den Aufstieg im Winter eignet sich die direkte Kammlinie ebenfalls nicht. Das Gipfelkreuz am Marchkopf wird von der Südflanke her erreicht.

Marchkopf plötzlich voraus

Eine auffällige Felsschuppe in die Gegenrichtung der allgemeinen Schichtlage am Marchkopf, einem Abri1 gleich, leitet in der Südflanke auf den Gipfelpunkt.

südseitiger Anstieg auf den Gipfel; unterhalb des Felsvorsprungs hindurch

Zuletzt, über wenige Höhenmeter, steilt die Südflanke merklich auf und im Frühjahr zieht ein schmales Band von kompaktiertem Schnee der Befahrungen des Winters zum Gipfelkreuz.

Südflanke auf den Marchkopf

Über die Zillertaler Alpen bietet der Marchkopf eine tolle Übersicht. Von Großglockner in 70 und Großvenediger in 45 km Entfernung bis zum östlichsten Zillertaler Nord-Südkamm der die Reichenspitzgruppe trägt reicht die Aussicht im Südosten.

Blick nach Südosten; Großglockner, Großvenediger und Reichenspitzgruppe

Südlich finden sich die zentralen Gipfel im Zillertaler Hauptkamm mit Großem Löffler und Schwarzenstein, sowie den nicht minder interessanten Erhebungen in den Nord-Süd-Kämmen, beispielsweise die Zsigmondyspitze, alle in einer Entfernung von etwa 26 bis 28 km.

im Süden Großer Löffler und Schwarzenstein

Etwas weiter noch erblickt man den Großen Möseler und in 31 km Entfernung den höchsten Zillertaler Gipfel, den Hochfeiler, bevor der Olperer im Südwesten den Abschluß bildet.

Großer Möseler, Hochfeiler und Olperer bis Bildmitte, rechts der Rastkogel

Über den Rastkogel leitet der Ausblick in den Westen über. Dort kann erstaunlicherweise der lange Kamm von Schwarzwandspitze zur Sonklarspitze in knapp 59 km Entfernung, weiter der Wilde und der Apere Pfaff sowie das Zuckerhütl und der markante Habicht links neben der Hippoldspitze erkannt werden.

Sonklarspitze, Wilder und Aperer Pfaff sowie das Zuckerhütl und der markante Habicht links neben der Hippoldspitze

Der schwarze amphibolitisch geprägte Kamm zur Ruderhofspitze in 55 km Entfernung und der nahe Hirzer im Westen runden das Bild über Tuxer und hohen Stubaier Alpen ab.

Gilfert und Loassattel, Kuhmöser und Kellerjoch

Nordwestlich gegenüber dem Finsinggrund erhebt sich der beliebte Schitourenberg Gilfert bevor die Tuxer nach dem Loassattel mit einer letzten Aufbäumung den Kuhmöser und das Kellerjoch bilden. Beide schöne Schitourenziele, auch im Frühjahr.

im Norden das Schigebiet, rechts das äußere Alpbachtal

Im Norden tummeln sich die Schitouristen der Bergbahnen und weiter im Nordosten findet sich das Alpbachtal mit seinen tollen Touren vom Standkopf im Westen bis zum Sonnenjoch im Südosten.

bäriger Blick zur Reichenspitzgruppe mit den vorgelagerten Süd-Nord Kämmen; durch das Zoom fast schon ein bisschen surreal

Die Abfahrt in der Mittagsstund, unter aufgefirnten Verhältnissen, war natürlich ein einwandfreies Erlebnis.

Sonklarspitze, Wilder Pfaff und Habicht links vor dem Hippold im Zoom

Im steilen Teil oberhalb des Hochlegers paßt die Hangneigung optimal zum Einstrahlwinkel und dort mußten weichere Hänge in Kauf genommen werden, weiter unten im flacheren Teil herrschte Firn in der wünschenswerten Stärke über hartem Untergrund.

bärige Abfahrt in der Mulde nach der Kammhöhe

Mit vorausschauender Wahl der noch zusammenhängenden Schneeflächen konnte die Brücke im Finsinggrund erreicht werden.

Talblick mit flacherem Abfahrtsgelände im Aufstieg rechts

Über die Pfundsalm hinab mußte ein Stück Weg von knapp 3 min mit geschulterten Schi erfolgen, bevor, noch vor dem Wald, die Rodelbahn wieder fahrfähig war.

Abfahrtsgelände zum Viertelalm Niederleger

Für die leichte Schitour rechne man mit einem Gipfelaufenthalt von einer guten Stunde eine Gesamtzeit von knapp 5 Stunden.

Rückblick auf das tolle Gelände; links der steilere Rücken auf den Hochleger schon fortgeschritten ausgeapert

Der Aufstieg über die 1.050 m und 5,4 km wird in 2 bis 2,5 Stunden bewältigt.

Mils, 17.04.2022

1 Abri – Felsunterstand: https://de.wikipedia.org/wiki/Abri

Schitour Grünbergspitze, 2.790 m vom Voldertal

Bekannt ist die Schitour auf die Grünbergspitze vom Navis- und vom Arztal aus, man kann sie aber auch vom Voldertal aus unternehmen und erlebt bei dieser Variante phantastische Schihänge hinab nach Steinkasern. Im Frühjahr ist sie besonders reizvoll und eine weitgehend einsame Landschaft ab der Vorbergalm wartet ihrem Besucher meist mit unberührten Hängen auf, die nach dem Hochwinter kaum mehr begangen werden. Das Tragen der Ausrüstung bis knapp nach die Vorbergalm dient dem geistigen Handschlag mit der Natur und garantiert ganz nebenbei eine gegen null gehende Besuchsfrequenz. Nach dem Räumen des Weges kann der lange Anmarsch durch die Fahrt bis zum Parkplatz Nösslach verkürzt werden.

unsere gemütliche Felsmulde in farbenfroh bewachsenen Quarz- und Chloritphyllit

So wie mit vielen Taleinfahrten ist es dieser Tage auch mit der Einfahrt ins Voldertal ein Kreuz. An und für sich wären die Regeln klar und können auch auf Hermanns interessantem Blog Das Voldertal studiert werden, die Realität ist in der Zeit in der noch nicht der Andrang des Sommers herrscht aber meist eine andere. Was macht man um 6:30 Uhr, wenn der Mautautomat noch immer mit einer Winterhaube gegen Erkältung geschützt und funktionsunfähig ist und man alle Tourenplanung und -vorbereitung auf den Erwerb der Einfahrtsberechtigung bei diesem stummen Gemeindebeamten gesetzt hat?

Grünbergspitze, 2.790 m

Die Antwort ist einfach: der Tiroler fährt in das Tal ein, weil er nichts falsch gemacht hat und die Berechtigung ja erwerben wollte. Rein rechtlich sähe das anders aus erhielte man Kenntnis über die Ungehörigkeit; man hat die Berechtigung zur Einfahrt nicht erworben. Aber auch für diesen Lapsus ist dem Tiroler ein Kraut gewachsen: ein Gentleman genießt, schweigt und vertraut auf Gott. So der Autor, zumindest die nächsten Wochen über.

Abmarsch vom Parkplatz Nösslach

Die Fahrt auf dem durch Forstarbeiten stark beanspruchten Weg gelingt mit bayerischem Vierradantrieb plangemäß und der Unterbodenschutz erfährt mit biologischen Materialien eine gewisse Renaissance bis zum Parkplatz Nösslach.

Martin und Evi gut gelaunt

Mit der Freude die erhebliche Distanz von Volderwildbad bis zum Tourenziel entscheidend verkürzt zu haben traten wir den Fußmarsch zur Vorbergalm an, bei der die Tour unter Schi vorausgesagt worden wäre.

nach dem Einbinden des Steigs in den Weg zur Steinkasernalm

Gefrorener Boden schon auf 1.450 m in Nösslach verhieß optimale Bedingungen für das Vorhaben und so marschierten wir nach einer großen Gesellschaft ins Tal, die jedoch die einzige an diesem Tag bleiben sollte.

Während die Vorderen das Rosenjoch ansteuerten, wie nach dem Klausboden an den angeregten Unterhaltungen ober uns im schönen Zirbenwald zur Gwannschafalm zu hören war, führte unser Weg über das flache Stück der Klause weiter taleinwärts bis zum Anstieg nach Steinkasern.

Klausboden – rechts über die Brücke zweigt der Anstieg zum Rosenjoch ab

Der prächtige Talkessel nach dem Klausboden ist jedes Mal erneut ein Erlebnis und so auch dieses Mal. Durch Blockgestein von der westlichen Talseite herab und dem rauschenden jungen Voldertalbächlein, das sich aus einzelnen Quellen erst bei Steinkasern gebildet hat, führt der Anstieg in mäßiger Steigung gegen die Almgebäude, deren unübersehbares Hoheitszeichen das auf weite Distanz sichtbare kleine Holzkreuz auf dem großen Rutschblock darstellt. Dahinter bauen übergreifende Hangrippen den steil werdenden Talkessel auf, der bereits unter energiereichem Frühjahreslicht erstrahlt.

in Gelände der Steinkasernalm

Im Anstieg zu den Almgebäuden kann man im Hochwinter bei Föhn über das Naviser Jöchl sibirische Kälte und einen unwirtlichen Aufstieg ohne jeglichen Schutz erleben, wie wir bei der Schitour auf die Seekarspitze erfahren haben.

sonnige Blicke auf die Steinkasernalm

Diesmal war Westwind vorausgesagt, und, auf 2.000 m in Steinkasern noch weit unter seiner Angriffsfläche, erfreuten wir uns der Windstille sowie angenehmer Temperatur im Aufstieg.

sonniger Aufstieg durch die Steinkasernalm

Der Hang rechter Hand kurz nach Steinkasern wurde bei einer Trinkpause als Aufstieg ausgewählt. Der Hang führt – wie wir später feststellten – in ein Kar zwischen der Grünbergspitze und dem Rosenjoch, von dem unterhalb des Gipfels zu einem kleinen Sattel vor dem Gipfelaufbau gequert werden kann.

Steinkasernalm gegen Seekarspitze

In der Flurnamenerhebung von TIRIS wird er als „Rauchseite“ bezeichnet. Ob dadurch ein Zusammenhang mit den Köhlereien besteht, die Hermann in seinem Bericht Die Köhlereien im Voldertal bespricht, konnte der Autor nicht recherchieren, die Möglichkeit, daß es sich bei der Namensgebung auch um die „raue“ Seite des Tales handeln könnte – sie ist steiler und schroffiger als die in Blickrichtung zum Joch linke Talseite – wäre durchaus möglich.

Grünbergspitze nach Steinkasern – den Hang rechst, die Rauchseite haben wir als Anstieg ausgewählt

Von Steinkasern bis zum Gipfel trennen den Tourenfreund noch erhebliche 790 Hm und von unserem Standplatz der Trinkpause aus noch gut 700 Hm, die wir nun über die Rauchseite angingen. Im unteren Teil bleibt die Hangneigung unter 35°, im oberen Teil wird diese über eine kurze Strecke leicht überschritten.

dann steiler über die Rauchseite

Oberhalb der Rauchseite flacht der Hang zu einem mäßig steilen und fast 800 m langen Kar ab, in dem ein schöner Aufstieg mit tollen Blicken auf die Gegenseite im Tal das Auge erfreut. Eine Geländestufe zur nächsten Karebene wird im letzten Dritten überwunden.

nach oben hin flacht die Rauchseite ab

Durch eine engere Stelle zwischen einer Gratausläuferrippe und den Schuttreisen vom Rosenjoch herab erreichten wir eine Biegung, an der die Route von Südwest auf über Süd wechselt. Im Verlauf dieser folgt die nächste Geländestufe, nach der unterhalb des Gipfelaufbaus auf dessen Südseite gequert wird.

im flacheren Teil des Aufstiegs zur Grünbergspitze

Mittlerweile frischte der Westwind auf, der ohne Winterkleidung nicht zu ertragen war.
Im Tal gegenüber befindet sich die Naviser Sonnenspitze, auf die sich vom Lager Walchen im Wattental eine interessante Schitour unternehmen lässt, wenn genügend Schnee liegt.

Rückblick auf die Rauchseite

Die Einflüsse der Wetterfront, die an den Tagen zuvor das Land überquerte waren auch im Triebschnee zu beobachten. In den steileren Partien der Geländestufe hatten wir gegen die unangenehmen Abrutschungen der Schi  zu kämpfen, die meist die Nachfolgenden nach dem Zweiten einer frisch angelegten Spur betreffen.

nächste Geländestufe in der rechten Bildhälfte

Martin und Evi waren bereits weit voraus und teilweise deckte der Wind die Spur mit Triebschnee fast wieder völlig ein.

Martin und Evi in der nächsten Geländestufe

Nach der Querung unterhalb des Gipfels folgen etwa 60 Hm Anstieg auf das Sattelchen vor dem Gipfel (es handelt sich dabei nicht um den großen Sattel zwischen Grafmartspitze und Grünbergspitze, gegen den beim Aufstieg von Navis aufgestiegen wird).

Manuel vor dem tollen Grat auf der Gegenseite mit Seekarspitze, Naviser Sonnenspitze und Naviser Jöchl

Der Restaufstieg beträgt vom Sattelchen aus nur mehr 40 Hm, die im großen Bogen über meist freigeblasene Wiesen- oder Felsflächen erfolgen.

Martin hat die Geländestufe schon fertig gespurt und quert unterhalb dem Gipfel nach Süden

Ab dem Sattelchen ist man dem Wind frei ausgesetzt. Bei unserer Begehung erwies sich dieser dermaßen kalt und stark, daß der Gipfelaufenthalt lediglich ein zu ein paar Fotoszenen taugte und wir uns in die einzige Deckung gegen Westwind, einer Felsmulde unterhalb des Gipfelplateaus der Grünbergspitze, zurückzogen.

Rückblick auf die Aufstiegsroute mit Rosenjoch im Hintergrund

In dieser ließ es sich mit Sonne wunderbar aushalten, wenn auch die Finger nicht vollends auftauten. Eine Temperaturmessung mit der Bergsteigeruhr zeigte gegen elf Uhr minus zehn Grad – wir schrieben den achten Mai.

Restaufstieg vom Sattelchen aus gesehen

Zwei weitere Besucher erhielt die Grünbergspitze an diesem Tag vom Arztal aus, deren Rast sehr kurz ausfiel, womit wir für das Gipfelfoto völlig allein auf der sonst gut besuchten Grünbergspitze standen. Die große Gruppe, die am Parkplatz Nösslach vor uns aufbrach erreichte das Rosenjoch etwa zur selben Zeit wie wir gut 700 m entfernt feststellen konnten.

Manuel erreicht den Sattel

Zur Abfahrt wählten wir den steilen Hang am Verbindungsgrat zum Rosenjoch. Die geeignetste Stelle befand sich fast im Grattiefsten nach einem Felskopf. Im Gratverlauf vorher war der Hang aufgrund der Steilheit nicht einsehbar und aufgrund der Einwehungen war auch noch unsere Wahl mit Vorsicht zu genießen und einzeln abzufahren.

die heute überaus kalte Grünbergspitze

Lockerer Triebschnee mit leichtem Schmelzdeckel, in dem es sich wunderbar drehen lies,  beherrschte den ersten Teil bis zur Biegung, wo wir die Aufstiegsspuren erreichten. Im zweiten Hang merkten wir den allmählichen Übergang zu feuchtem Schnee.

Lockerschneeverhältnisse nach Neuschnee im Mai

Vor einer steilen Rinne, etwa auf 2.450 m stellten wir weitgehend tief durchnässten Firnschnee fest, der im steilsten Stück bei jedem Schwung viel Höhenverlust auslöste.

zeitlose Augenblicke im Voldertal

In dieser Art blieben die Schneeverhältnisse über die restliche Abfahrt bis sich die Hangneigung deutlich unter 30° verflachte.

bärige Flanken mit steilen Rinnen hinab nach Steinkasern

Die gesamte Abfahrt gereichte jedenfalls zu großer Freude, denn abgesehen von genussvollen Schwüngen bietet die stufenförmige Topographie des Hangs Abwechslung und in der Gesamtumgebung eine bärige Kulisse.

Das Highlight eines vermeintlichen Gletschers in den Schrofen, vor dem der letzte Hang abgefahren wird, kann von Talboden aus bestaunt werden. Es handelt sich hierbei höchstwahrscheinlich um eine breit gefächerte Quelle.

der unterste Hang mit dem imposanten Eisfall

Im flacheren Teil, vor und nach der Vorbergalm, konnte der spitzere Strahlungswinkel den Schnee nicht so stark erweichen, was uns eine griffigere und doch schön schmierige Oberfläche bescherte.

letzter Stopp in Steinkasern – eher zum Genuss als zur Rast

Ein kleines Päuschen in Steinkasern gönnten wir uns nach dem tollen Erlebnis auf die Grünbergspitze, bis der stärker aufkommende Föhn uns zur Talausfahrt vertrieb.
Unter Schi mit mehrmaligem Abschnallen konnten wir bis kurz vor die Vorbergalm fahren.

das Abenteuer hat einen grandiosen Tag geformt

Die tolle Frühjahrstour mit Wintertemperaturen in Kammnähe und am Gipfel haben wir in  5:50 Stunden bewältigt, mit einem Gipfelaufenthalt von 40 min und 10 min in Steinkasern.
Der Aufstieg ab dem Parkplatz Nösslach beträgt 1.360 m und die Streckenlänge 7,3km.

Mils, 08.05.2021

Schitour Bendelstein, 2.436 m

Fährt man von Innsbruck im Wipptal gegen Süden so sticht linkerhand ein Berg mit markantem Ostrücken ins Auge, der des Winters eine schöne, farblich ungestörte weiße Nordwestflanke zeigt – der Bendelstein, der wohl jeden Schitourenbergsteiger im Wipptal in gewisser Weise schon berührt hat. So spektakulär seine Erscheinung von der langen Geraden vor dem ehrwürdigen ehemaligen Gasthof Gschleirs aus zu bewundern ist, so zahm ist seine Besteigung von Mauern bei Steinach. Trägt er im Kartenwerk heute offiziell den Namen „Bentelstein“, wissen die Ortsansässigen sowie die Geschichte seinen Namen mit „Bendelstein“ zu betiteln und Walter Spitzenstätter rang der Schitour auf den Berg Bendelstein in den achtziger Jahren die Bewertung: „nicht für jedermann“ ab, wobei er mit seiner Aussage im Steilrinnenzeitalter unbewusst den Nagel auf den Kopf getroffen hat, die er vor 35 Jahren freilich anders verstanden wissen wollte.

Bendelstein, 2.436 m

Der Bendelstein – im Folgenden bleiben wir bei dieser originalen Bezeichnung – stellt ein Schitourenziel dar, das kaum dem modernen Anspruch von Aufstiegen über raue Steilflanken und Couloirs genügt, er ist ein landschaftliches Kleinod ohne irgendwelche Herausforderungen an die alpinistische Eignung seines Begehers.

Gasthaus Bendelstein

Die einzige Herausforderung die der Bendelstein bietet ist eine gewisse Orientierungsgabe. Als nicht Einheimischer bei unverspurtem Gelände im knietiefen Neuschnee gegen Ende März, in einer Jahreszeit, in der selbst die Einheimischen im schneeraubenden föhnigen Wipptal angesichts der weit hinauf ausgeaperten Wälder kaum mehr an seine Besteigung denken machten wir uns bei nicht optimalem Wetter nach einer Kaltfront auf. Von der Hangneigung geurteilt – sie bleibt stets deutlich unter 30° – konnten wir die Tour auch bei LWS III in diesem Gebiet unternehmen.

St. Ursula Kirche Mauern im März 2021

Die Gegend des Wipptales jedoch ist bei jeder Wetterlage aus Nord- oder Südwest für Eskapaden gut und wie wir es gerade erneut im Frühling Tirols verspüren, so brachte auch der März 2021 Winterfreuden zurück und ermöglichte eine beeindruckende, wettertechnisch schräge und dennoch unvergessliche Schitour hochwinterlicher Prägung.

Abzweigung in den Wald auf Steig Nr. 326

Eine ungewöhnliche Einleitung dieser Art sollte den Leser bereits in ihren Bann gezogen haben und den langen Aufstieg, anfänglich im dunklen Wald, erträglich machen.
Darüberhinaus ist der Start der Schitour unter dem architektonischen Kunstgenuss des barockisierten Kirchleins St. Ursula bei Mauern in der Tat ein nicht alltäglicher, er ist gewissermaßen ein erhebender.

St. Ursula vor Steinach

Ursprünglich im romanischen Stil erbaut – und am schlichten freistehenden Turm gut erkennbar – ruht das Kirchlein seit etwa 800 Jahren unspektakulär auf seinem erhabenen Rain, der ihm doch gewaltige Wirkung verleiht, die sich in alten Bildern noch manifester auszudrücken vermag. Bemerkenswert ist, daß die Kirche den ältesten Begräbnisort im inneren Wipptal darstellt und ihr Friedhof bis ins frühe 20. Jahrhundert auch noch als kirchengemeindlich offizielle von Hintertux diente.

nächste Abzweigung bergwärts

Der Verfasser kann sich als „Sommerfrische Gast“ bei der Familie Peer in Tienzens Anfang der 70er Jahre noch lebhaft an das Nebengebäude des Kirchleins, einem mit einer Unzahl exhumierten Gebeinen und Totenköpfen gefüllten Karner1 erinnern, dessen Anblick dermaßen großen Eindruck auf den damals sehr jugendlichen Städter hinterlassen hat, daß die Bilder über Jahrzehnte haften blieben.

erste Wegquerung zur Spörralm

Östlich der Kirche steigt man vom Ausgangsniveau 1.160 m über die Wiese oder neben dem asphaltierten Weg mit Fahrverbot zu einem Hochspannungsmast auf und folgt dem Weg etwa hundert Meter bis zu einer Abzweigung rechter Hand, die in den Wald hinein führt, zu einer weiteren Abzweigung, der man beim Wegweiser auf den Bendelstein mit der Zeitangabe 3 h rechts folgt.
Die Steigmarkierungsnummer für den Aufstieg lautet 326 (und anfänglich 38).

eine der spärlichen Freiflächen

Bei unserer Begehung lag auf den Freiflächen genügend Schnee und im ersten Waldstück gerade noch genügend, um nicht auf den Wurzeln im spärlich beschneiten Wald unter Schitourenfeeling aufzusteigen.

erneute Wegquerung

Die erste Viertelstunde zieht der Steig meist im Wald, weniger auf Freiflächen auf den Mauracher Berg. Das Gelände wechselt zwischen mäßiger Steigung und einer steilen Hohlwegpassage, sowie vier Mal ein Forstweg gequert wird, bevor – als willkommene Abwechslung – das freie Gelände der Spörralm auf 1.760 m erreicht wird.

unterhalb der Spörralm mit bereits beachtlicher Neuschneehöhe

Unterwegs zur Spörralm stieg die Schneehöhe merklich an und etwa 50 Hm unterhalb der Alm erreichte die Masse an Neuschnee der Tage zuvor ein Ausmaß, das an klassische Jännertage erinnerte, wir standen in etwa 40 cm hohem Neuschnee bester Pulverqualität.

Freigelände der Spörralm im Hintergrund

Herrlich der Anblick der Alm mit dem einzig verbliebenen Heuhüttchen und dem winterlich verschneiten Hintergrund. Das Holzkreuz von 2012 mit der Aufschrift „Spör‘n Alpl“ verließen wir in gerader Linie bergauf, der nächsten Kreuzung mit dem Forstweg zustrebend. Ab dem Forstweg wurde die Spurarbeit richtig mühsam, die Neuschneehöhe wuchs bis auf 1.900 m auf mehr als einen halben Meter.

herrliches Gelände nach dem langen Waldstück

Ohne zunächst eine weitere Markierung erkennen zu können stiegen wir über die große Freifläche oberhalb des Weges weiter auf und befanden uns plötzlich in einem dichten Jungwald, ohne sichtlichen Pfad Richtung Schröflkogel. Das Gelände reichte von flachen Passagen über steile und ein Durchkommen wurde schwierig.

hinter dem Wegkreuz führt die Route in einer Schneise weiter

So irrten wir eine Weile im jungen Föhrenwald umher und machten Bekanntschaft mit Schnee im Genick zwischen dicht stehenden Bäumchen, die jeglichen Fernblick zur Orientierung verhinderten. Selbst die GPS-Karte am Telefon vermochte uns nicht in kurzer Zeit aus dem Dschungel heraus zu lotsen. Der Fehler wurde uns bei der Abfahrt klar, wir sind vom Weg zu direkt nach Osten abgezweigt, der Steig führt jedoch an einer verfallenen Heuhütte eher südöstlich in den dichten Wald, wie in der Bildergalerie ersichtlich.

bereits oberhalb der letzten Wegquerung im Jungwald

Daher sei dem Ortsunkundigen, wenn er Anspuren muß und somit keine vorgegebene Orientierung hat, an dieser Stelle geraten sorgsam nach Markierungen Ausschau zu halten, welches uns im Neuschnee mit eingeschränkter Sicht erschwert wurde (und wir nicht rechtzeitig die GPS-Position beachteten). Wie wir bei der Abfahrt feststellten, folgt die Route des Steigs nicht einer klar vorgegebenen Schneise, sie führt in dichten Wald.

Jagdhütte und Bendelstein im Hintergrund

Die alternative Möglichkeit dazu wäre dem Fahrweg zu folgen, der für den Tourengeher allerdings eine recht unnötig lange Kurve beschreibt, um zu den letzten Almhütten aufzusteigen.

das scheinbar windstille Plätzchen an der Jagdhütte

So gelangten wir mit einiger Verspätung zur Schneise, die etwa auf 2.050 m über die Baumgrenze hinausführt. Man könnte dort auf einem schwach ausgeprägten Sattel den Schröflkogel mit 2.151 m links (nördlich) umgehen und direkt auf den langen Sattel zwischen ihm und dem Bendelstein aufsteigen. Wir wollten aber die Kuppe des Schröflkogels erkunden und stiegen rechts vom Sattel auf seine runde Kuppe, ganz zum Ärgernis eines Rudels Gemsen, die auf dem verblasenen Kogel mit den Hufen nach Futter suchten.

Sattel zum Bendelstein

Unweit hinter der Kuppe befindet sich eine kleine Jagdhütte, die wir für eine Trinkpause als Schutz für das nach dem langen Waldaufstieg mittlerweile unbewachsen sich zeigende Gelände aufgesucht hatten. Der Nordostwind blies jedoch so heftig, daß aus einer Trinkpause ohne Windbelästigung nichts wurde und diese sehr kurz ausfiel.

nach kurzer Suche am Kameradschaftskreuz angelangt

Nicht einig, ob der Aufstieg auf den Bendelstein an diesem Tag noch sinnvoll sei, marschierten wir jedoch weiter, angetrieben von positiven Gedanken etwas geplant zu beenden, wie so oft am Berg verbunden mit dem Herunterspielen der auftretenden Beeinträchtigungen am Restaufstieg: „sind eh‘ nur mehr knapp 300 Höhenmeter“.

im Nirgendwo in Gipfelnähe

Am Sattel und über die breite durchgehend weiße Flanke ohne irgendeinen markanten und weiter entfernt sichtbaren Farbkontrast zur Orientierung stiegen wir bei schlechter werdender Sicht anfänglich direkt, dann in Spitzkehren über den an sich schönen Hang auf. Bald verdichtete sich der Nebel, sodaß die Orientierung schwer wurde und nur kurzzeitig am Horizont oberhalb uns ein Kreuz sichtbar wurde. Zu unserer Verwunderung nicht östlich des Aufstiegs, sondern eher westlich davon.

Umkehrplatz, im Hintergrund das Vermessungszeichen

An der Kuppe, die gerade noch sichtbar wurde, konnten wir das Kreuz in etwa 50 m Entfernung und etwas unterhalb unserer Position wieder sehen und steuerten es, abwärts schreitend, an. Unsere Vermutung wurde dann am Kreuz bestätigt, daß wir nämlich noch nicht am Bendelstein angekommen waren und sowohl die Inschrift am Kreuz als auch die zu Hilfe genommene GPS-Karte bestätigte die Vermutung und zeigte uns die Richtung zum Gipfel.

ungewöhnliche Gipfelpause

Nun wollten wir aber trotz mittlerweile völlig fehlender Sicht nicht unverrichteter Dinge umdrehen – wieder dem selben Motiv ausgesetzt – und steuerten den Gipfel des Bendelstein an.  Leicht aufwärts und stets mit prüfendem Blick auf den Abstand zur Gratkante stiegen wir die letzten 250 m Entfernung unter etwa 40 m Höhenunterschied zum Gipfel auf.

Gipfelkreuz im Osten

Im Gipfelbereich konnten wir keinerlei Gipfelkreuz ausmachen, wussten aber mit Bestimmtheit, daß es eines geben muß. Sichtbar wurde ein Vermessungszeichen, das wir nach einer Pause und dem Abfellen aufsuchten, um auf die Hinterseite nach Osten sehen zu können.
Beim Vermessungszeichen angekommen erblickten wir auf der Ostseite ein entferntes Gipfelkreuz im Osten und schließlich auch einige Meter oberhalb von uns das Objekt der Begierde – das oberste Teil des Gipfelkreuzes des Bendelsteins südlich von uns, das gerade einmal einen Hauch über die riesige Schneewechte im Vordergrund herausragte.

das Gipfelkreuz des Bendelstein doch noch angetroffen

Somit haben wir unsere Gipfelrast etwa 50 m vom Gipfelkreuz entfernt verbracht und es nicht gewusst. Die Wechte, die von der Nordwestströmung der letzten Tage aufgebaut wurde, hat es von unserer Näherungsrichtung her völlig vor uns verhüllt.

Bendelstein, 2.436 m

Für den Kenner der Örtlichkeit am Gipfel des Bendelsteins mag die Dramatik nicht nachvollziehbar sein und er wird an dieser Stelle schmunzeln, für den Erstbegeher im dichten Nebel stellt sich die Situation entgegensetzt dar. Wenn nur mehr weiß vor den Augen herrscht kann selbst einfaches Gelände zur Herausforderung werden.

Abfahrt über den Rücken unterhalb des Schröflkogels

Lehrreich an dieser Begebenheit war einmal mehr die sonderbare Hilflosigkeit bei Nebelsituationen in Grat- bzw. Gipfelnähe, der man ausgesetzt ist, wenn die Sicht fehlt und man des Geländes völlig unkundig ist und Wechtenbereiche nicht betreten will.

Blickrichtung Spörralm, im Wald rechts der Bildmitte versuchten wir den Aufstieg abseits des Steigs

Die gewaltige Wechte versteckte das Gipfelkreuz vor uns und schlussendlich war es einzig das Vermessungszeichen, das uns veranlasste, es anzusteuern, weil es aufgrund des Geländes nicht an einer Absturzkante liegen konnte und den Blick zum Gipfelkreuz ermöglichte.

Rückblick auf den Rücken unterhalb des Schröflkogels – bestes Schigelände

Somit kamen wir noch zu unserem Gipfelerlebnis, wenn auch von der reinen Vorstellung wie der Gipfel zu erreichen sein muß, durch die eigenen Sinne unerklärlich geistig korrumpiert, wie wir bei der Betrachtung der Geländesituation feststellen mussten. Eine geographische Rundschau auf die Nachbargipfel des Bendelsteins erübrigt sich für diesen Bericht.

Versuch Abfahrt in Richtung obere Spörralm

Die Abfahrt bis zum Schröflkogel zeigte sich besonders im abgeblasenen Bereich des langen Sattels nicht besonders erbauend, auf den wechselnden, ruppigen, windgeformten Flächen jedoch einigermaßen vernünftig fahrbar. Im Bereich der windgeschützten Baumgrenze besserte sich der Schnee schlagartig zu bestem Pulver und im Wald erlebten wir eine perfekte hochwinterliche Abfahrt in knietiefem lockerem Pulverschnee.

kaum Fahrt durch den Widerstand im Tiefschnee

Nach den obersten Almgebäuden suchten wir die Schneise zu jener Stelle hin an der wir falsch abgebogen waren, entdeckten wieder keine Markierungen und hätten uns fast wieder verfahren, diesmal jedoch nicht weit, denn wir wussten vom Blick von oben, wo die Schneise liegen musste.

wieder an der Spörralm angelangt

Die restliche Abfahrt konnten wir bis weit hinab im Pulverschnee genießen und als wir etwa auf 1.400 m mangels Schneehöhe über die Wege hinab fuhren kam auch wieder Sonne zum Vorschein.

Tiefschneefreuden

Die Abfahrt war uns ohne Steinkontakt, aber auch ohne stärkere Bremsmanöver bis zum St. Ursula Kirchlein möglich, und dies am 20. März eines insgesamt sonderbar angebrochenen Jahres.

nahe dem Ausgangspunkt angelangt

Unter den geschilderten Umständen benötigten wir für die landschaftlich sehr ansprechende  sowie mit unseren Miniaturodysseen unvergessliche Schitour 5:45 Stunden mit einem Aufenthalt am Gipfel von etwa 20 min. Der gesamte Aufstieg auf den Bendelstein beträgt 1.300 m und die Streckenlänge bis zum Gipfel 5,6  km. Das Herumirren mit einbezogen zeigte die Uhr eine aufgezeichnete Aufstiegshöhe von 1.400m.
Höchstwahrscheinlich hat Spitzenstätter Recht – der Bendelstein ist nicht für jedermann, aber unbedingt eine Schitour wert.

Mils, 28.03.2021

1 Beinhaus – Raum oder eigens stehendes Gebäude zur Aufbewahrung von Gebeinen exhumierter Verstorbener; im Fall der St. Ursula Kirche ein eigenes gemauertes Häuschen in der Nordostecke der Friedhofsmauern

http://www.geschichte-tirol.com/orte/nordtirol/bezirk-innsbruck-land/658-steinach.html

Hornspitze, 2.650 m

Vom Tuxer Joch aus betrachtet markiert die Hornspitze mit ihrem majestätisch aufragenden Gipfel den auslaufenden Südgrat der Tuxer Alpen, hin zur Gebirgsscheide mit den Zillertaler Alpen. Sie fällt in der lokalen Topographie besonders auf, da ihr Bau den umliegenden Erhebungen so gänzlich widerspricht. Ein letzter Eckzahn der Tuxer Alpen vor den Granden im Tuxerkamm der Zillertaler Alpen.

Hornspitze und Zillertaler Alpen im Zoom

Seine im Südgrat auffällig aufsteilende Gipfelspitze baut zur Gänze aus Kalkphyllit, der die massiven, später tektonisch aufgestellten Schichten bildet, deren Mächtigkeit an ihren Trennflächen gut zu erkennen sind. Im Osten bricht die Schichtung zu einer Steilwand ab, im Westen begleiten die steilen Hänge oberflächlich Wiesen, bevor sie erst weiter unten in kleine Waldflächen, getrennt von tiefen Schuttrinnen zum Kaserer Winkel abfallen, von denen jede der neun Rinnen seinen eigenen Namen besitzt.

Erster Aufschwung auf die Hornspitze vom Vorkopf aus gesehen

Ausgangspunkt der Bergtour auf die Hornspitze sind die hintersten Weiler Madern, Kasern und Obern im Schmirntal, die zum Ort Ladins (Gemeinde Schmirn) zusammengefasst wurden. Im Weiler Obern gibt es einen, bzw. mehrere kleine Parkplätze bachseitig entlang der Straße ins Kluppental und beim Alpengasthof Kasern besteht ebenfalls Parkmöglichkeit – mit einem Besuch nach der Tour verbunden versteht sich und lohnt sich kulinarisch.

am Weg in den Kaserer Winkel

Fast eben leitet das zunächst breite Tal des Kaserer Winkels hinter das letzte Gehöft im Weiler Kasern. Ein sagenhafter Blick auf den 1.500 m hoch aufragenden Kleinen Kaserer begleitet über die gesamte Strecke am Almenweg, die, vor der Abzweigung in die Tettensgrube, etwa eine knapp halbe Stunde taleinwärts in Anspruch nimmt.

Tettensgrube, Aufstieg zum Tuxer Joch

Über die steile Nordflanke des Kleinen Kaserers wird eine rassige Schitour begangen, die unterhalb des fast zu Gänze verschwundenen Kaserer Ferners auf den breiten steilen Rücken hinausquert und über den Grat zum Gipfel führt. Beim frontalen Anblick auf die Nordflanke kann man sich gar nicht vorstellen, daß es dort ein Durchkommen gibt. Die kümmerlichen Reste des Kaserer Ferners liegen dem Blick von Norden verborgen hinter einer Rippe auf 2.900 m.

Rückblick in den Kaserer Winkel

Bei der Brücke über den Kaserer Bach behält man den Weg bei und überquert eine große Schwemmschuttablagerung von der Steinigen Rinne herab bevor, nach einer flacheren Stelle, der Weg auf den Schwemmkegel der Tettensgrube heranführt auf dem der Tuxersteig beginnt.

über den Radlweg hinauf in die Tettensgrube

Der breite Weg endet und der Tuxersteig ist vorerst nicht ohne weiteres vom neu gebauten Radlweg zu unterscheiden, es sei denn man achtet auf Markierungen und Steigspuren.
Durch den Radlweg mit seinen 66 Kehren auf das Tuxer Joch kann die Bergtour auf die Hornspitze seit Sommer 2019 auch mit dem Radl kombiniert werden.

prächtiger Anblick – die beiden Schöberspitzen

Bei der vierten Linkskehre nahe am Tettensbach kann der Radlweg verlassen werden und über den alten Tuxersteig aufgestiegen werden (siehe dazu Bilder in der Galerie). Der Abzweig (1.800 m) befindet sich direkt in der Kehre, erfolgt über den Bach und ist nicht gekennzeichnet. Vermutlich litt die Markierung unter den Bauarbeiten des Radlwegs, oder wurde durch ein Hochwetter weggeschwemmt.

Abzweigung in Richtung Aufstieg gesehen

Wer den alten Steig im Lärchenwald dem technischen Weg über die Radlstrecke vorzieht, der zweige über den Bach ab. Nach 100 Hm treffen beide Steige wieder zusammen, kurz nachdem der Radlweg von der orographisch rechten Seite des Tettensbaches auf dessen linke Seite wechselt. Beide Steige überkreuzen sich in der Folge bis zum Tuxer Joch häufig und zu Ungunsten des alten Steiges, der von Böschungen der Bauarbeiten des Radlweges überschüttet und nicht wieder hergestellt wurde.

Bachquerung hinüber in den Wald in dem der alte Tuxersteig verläuft

Zum Aufstieg benutzt man lieber den alten Steig, der in seiner Ausbildung zwischen Länge und Steigung für den Geher ein ausgewogeneres Verhältnis aufweist als der technisch gestaltete Radlweg. So bleibt zu hoffen, daß der alte Tuxer Steig, den es seit Jahrhunderten gibt,  durch stete Begehung eine gewisse Renaissance erleben wird.

schöne Anschauungsfläche am neu gebauten Radlweg

Dem neuen Weg ist, wenn schon nicht steigergonomisch, so zumindest geologisch ein gewisser Einblick auf interessante Gesteine abzugewinnen, die im Zuge der Bauarbeiten freigelegt wurden und noch in unverwittertem Zustand studiert werden können. Kurz nach dem Bauübertritt findet man eine schöne offene Fläche von Dolomitmarmor in der Böschung rechts dem Weg.

Dolomitmarmor

Wenige Meter darüber taucht links eine schön sichtbare Trennfläche zwischen Kalkphyllit links und Kalkmarmor rechts auf, die sowohl durch ihre völlig konträren Strukturunterschiede als auch durch ihre Farben eindeutig zu unterscheiden sind.

links Kalkphyllite, rechts Kalkmarmor

Im Verlauf des Steiges trifft man weitere jung freigelegte Flächen an, wenn auch nicht mehr solch schön studierbare wie die beiden Vorgenannten.

Bänderkalk (blaugrau)

Allmählich leitet der Steig im „Klamml“ auf die flacheren Hänge der Tettensgrube über. Eine Klamm ist lediglich weit oben am Tettensgrat zu vermuten, die Flurbezeichnung Klamml ist somit unverständlich.

in der oberen Tettensgrube

Nach wenigen Minuten ist die leichte Anhöhe von Tettensbrunn erreicht, von der das Tuxer Joch erstmals eingesehen werden kann und auf der sich ein paar Meter links des Steiges Reste einer Schaferhütte befinden. Die restliche Strecke zum Joch über die obere Tettensgrube erfolgt links des Baches, der kurz nach der Flachstelle überquert wird.

Flachstelle Tettensbrunn

In Gemeinschaftsarbeit der Jungbauern Tux und Schmirn wurde das Gipfelkreuz am Tuxer Joch – das auch einmal Schmirner Joch genannt wurde – 2016 erneuert, das 1960 in Erinnerung an die Abtrennung von Tux vom Schmirner Gemeindegebiet von denselben errichtet wurde. Ein schönes Holzkreuz mit Metalleinfassung in Blickrichtung zur Hornspitze ziert die Jochhöhe.

phänomenaler Blick auf die Hornspitze

Allerdings gibt es mit dem Speichersee der Hintertuxer Gletscherbahnen auch eine technische Zier auf dem die Tuxer von den Zillertaler Alpen trennenden Joch auf 2.338 m.

Speichersee am Tuxer Joch

Leider konnte eine Hinweistafel mit der sagenhaft weit zurückreichenden Geschichte der Region nur in liegendem Zustand gelesen werden. Der gutgemeinte Rahmen aus Baumästen hat den Wettern am Joch nicht standgehalten und ein neuer massiverer Aufbau ist dafür wohl nötig.

die informative Geschichtstafel leider den Windeinflüssen erlegen

Beeindruckend in ihrer Wirkung liegt die Hornspitze kurz vor dem Ende des gut 5,7 km langen Südgrates der sich von der höchsten Region der Tuxer Alpen, vom Lizumer Reckner und Geier bis zum Tuxer Joch erstreckt. Der erste Kilometer der Strecke wird mit der Besteigung der Hornspitze zurückgelegt und bis unmittelbar zum Gipfel des Geiers bleibt das Gestein Kalkphyllit.

Blick auf die Wustkogelserie (grüne Gneise im Hintergrund) am Rücken zur Hornspitze

Vom Joch zieht ein breiter Rücken ein paar Minuten gegen die Hornspitze, der sich nach und nach zum Grat ausformt.
Im unteren Teil, etwa 200m vom Tuxer Joch entfernt, begegnet man an der Abbruchkante zur Tettensgrube hin einer verwachsen und gefaltet aussehenden Gesteinsschicht. Es handelt sich dabei um Gneise der sogenannten Wustkogelserie, die wegen ihrer charakteristischen grünen Farbe leicht zu erkennen sind (man vergleiche sie mit der Farbe der Felsen am Pfannköpfl, nördlich des Tuxer Joch Hauses, das bald im Aufstieg zu sehen ist.)

Blick nach Westen mit den Gneisen der Wustkogelserie im Vordergrund

Allmählich, ab etwa der Hälfte der Strecke bis zur Hornspitze, formt sich der Rücken schmal und steilt mächtig auf. Dort beginnt die Gratausbildung mit einem kurzen Wegstück, das nach Westen gerichtet ist und von dem es rechts in den Schafleger und links in „de Hoarn“ abfällt. Obwohl ein deutlicher schmaler Steig auf die Hornspitze führt ist dieser abschnittsweise nicht bis zur Erde ausgetreten und man steigt über Wiesenflecken bis zur nächsten Steigspur weiter.

Blick nach Süden auf die Hochfläche vor der Frauenwand

Diesen Wiesenflecken ist vor allem im oberen Teil des Aufstiegs Aufmerksamkeit zu widmen, da sie sich bei Nässe durch Regen, Gewitter oder des Morgens, sowie unter Altschnee des Frühjahrs und nach ersten Schneefällen im Herbst zur perfekten Gleitbahn entwickeln können, die keine Haltemöglichkeit bietet.

im Reich des Kalkphyllits angekommen

Abgesehen von solcherart verzichtbarer Abenteuer bietet der Steig bis hin zur beeindruckenden ersten Kluft am Grat ein aussichtsreiches Aufstiegsvergnügen, vorwiegend über Bergwiesen und ohne nennenswerten Höhenverlust zwischen den Graterhebungen bis zur Schlüsselstelle, die in etwa in 35 bis 40 min vom Tuxer Joch aus erreicht wird.

Schwarzphyllit

Es handelt sich bei der Schlüsselstelle um eine etwa 20 Hm messende Kluft (man kann sie auch Kamin nennen, jedoch passen die Maße oben nicht ganz zu diesem Ausdruck) direkt im Gratverlauf, die im Durchschnitt einen Meter breit sein dürfte und mit einer Schmalstelle, die nahe an der rechten Kluftaußenseite erklettert wird.

der eindrucksvolle Grat zur Hornspitze

Zu Beginn muß in die fast geschlossene Kluft seitlich eingestiegen werden bis sie sich zum Kamin weitet.

Detail der Kluft; unten eng, nach oben breiter werdend und am Ausstieg nur über die Außenseite zu überklettern

Im Verlauf, der sich zur Mitte hin bis auf geschätzte zwei Meter verbreitert, wird meist leicht kletternd aufgestiegen mit wenig Gehstrecke etwa mittig. Im obersten Teil verjüngt sich der Kamin unter Mannesbreite und der weitere Weg wird durch die schmale Kluft sichtbar, jedoch muß diese Stelle erst erklettert werden und sie nach hinten zu durchsteigen unternimmt man erst gar nicht, wenn man nicht mit Romans Maßen aufwarten kann.

am unteren Teil der Kluft

Die Überwindung dieser obersten Engstelle fruchtet nur über die Außenseite und dazu muß man etwas an die Luft hinaus. Der Versuch des Abspreizens wie im Kamin mußte aufgegeben und die Engstelle an ihrer rechten Außenseite über eine durchaus griffige Passage etwas luftig überwunden werden. Dabei leistet die Gegenseite der Kluft durchaus den einen oder anderen Tritt, jedoch ohne Abspreizen.

nach dem Überklettern der Kluft zurückgeblickt; dort wo die Kluft breiter wird kommt man auf der Außenseite herüber

Nach dieser Schlüsselstelle folgt ein kurzes, fast ebenes Stück am Steig mit einer wenige Meter dahinter aufragenden zweiten Felskluft. Diese ist jedoch nicht mehr so hoch und in der Ersteigung leichter, da sie keine Engstelle aufweist und fast völliges Gehgelände darstellt.

zweiter Aufschwung zur Hornspitze

Der obere Ausstieg aus dem Fels erwies sich recht erdig schmierig und rutschig. So, rutschig, erwiesen sich auch die Schneereste auf dem langen Gras am kurzen verbleibenden Steig über 25 Hm zum Gipfelkreuz, deren Auswirkungen bei einem Ausrutscher fatal wären.

den Gipfel der Hornspitze gleich erreicht

Das interessante Gipfelkreuz wurde vom Kolsasser Peter Mader im Jahr 1986 errichtet. Angesichts seiner 34 Jahre Dienst am Gipfel gegenüber den Unbilden der Wetter sieht es phänomenal gut aus und der Peter wird es wahrscheinlich auch regelmäßig warten ist anzunehmen. Der Konstruktion des Gipfelkreuzes zu entnehmen ist, daß der Erbauer Techniker sein müßte, zumindest verwendet er Edelstahl bei den DIN-Schweißflanschen und Schrauben für das Herzstück.

Hornspitze, 2,650m gegen Gfrorene-Wand-Spitzen und Olperer

Aufgrund der Dominanz der Hornspitze im Süden (Entfernung Kleiner Kaserer 3.920 m) bietet sich ein atemberaubendes Panorama in Richtung Olperer und Gefrorene Wand Spitzen.

Aufstieg auf die Hornspitze vom Tuxer Joch aus; im Hintergrund Gfrorene-Wand-Spitzen und Olperer

Die Sichtweite durch die Dominanz der Hornspitze gegen den Westen (Entfernung Hogerspitze 5.680 m) und Norden ist noch beeindruckender, sie reicht bis weit in die Stubaier Alpen und im Norden, über die Tuxer Alpen hinweg sogar bis tief ins Karwendel, bis zur Karwendelhauptkette.

Blick nach Südwesten, in der linken Bildhälfte die Hohe Warte (Hogerspitze)

Die Gipfel der Südlichen Sonnenspitze sowie die Kaltwasserkarspitze und die Birkkarspitze in immerhin 37,5 km Entfernung sind gut zu sehen.

im Nordwesten die Tuxer und dahinter von links die Mieminger rechts davon Karwendelgipfel

Gegen Nordosten und Osten reicht der Blick von der bizarren Kalkwand über den Rastkogel über die Gipfel des Wilden Kaisers bis zur Watzmann-Mittelspitze und an guten Tagen bis zum Hochkönig (71,4°) in 114 km Entfernung im Osten.

im Nordosten links die Kalkwand, rechts davon Gipfel des Wilden Kaisers bis zum Hochkönig

Beeindruckend sind auch die Tiefblicke ins Schmirntal sowie ins Weitental bzw. nach Tux, interessant auch der Blick auf die kupierte Hochfläche vor der Frauenwand, die so wenig zu den umliegenden Steilflächen paßt.

phänomenaler Ausblick auf die höchsten Gipfel im Tuxerkamm der Zillertaler Alpen

Eine rasch aufziehende Wolkenfront von Nordwesten beendete den mit einer Stunde ungewöhnlich langen Gipfelaufenthalt. Der Abstieg bis zum Tuxer Joch nimmt mit gewandter Kletterei etwa eine dreiviertel Stunde in Anspruch, bei der Notwendigkeit von Sicherung über die Schlüsselstelle entsprechend mehr Zeit.

vor der unteren Kluft

Wie schnell Wetteränderungen vordringen – am Gipfel war es windstill – kann man abschätzen indem man die Gipfelfotos in den Nordwesten mit dem Foto nach dem Abstieg bei der Ankunft am Tuxer Joch vergleicht.

Blick an der Engstelle der Kluft zurück auf die Abkletterstelle

Die Abkletterstelle sieht im Rückblick extremer aus als in Wirklichkeit. Zu beiden Seiten gibt es genügend Griffe und Tritte, hier kommt es vorwiegend auf Technik an – und nach ein wenig probieren klappt es.

wieder am Tuxer Joch, schlechtes Wetter im Aufzug

Nachdem Eile geboten war, um nicht nass zu werden, konnten von den interessanten verwitterten Gesteinsproben am Wegesrand in der Tettensgrube nur ein paar Fotos angefertigt werden und ihre Erkundung musste warten.

ausgewitterte Hohlräume zwischen den Quarzgängen?

Am unteren Teil des Tuxer Steiges verfehlte der Verfasser in der Kehre den alten Steig nicht und erkundete diesen. Etwa in der Hälfte des Steiges wurde Windwurf angetroffen, der leicht umgangen werden konnte.

Abzweig vom Radlweg auf den alten Tuxer Steig

Am Weg talauswärts begann es zu tröpfeln und wie berechnet hielt sich der Regen gerade noch bis zur Ankunft beim Gasthof Kasern in den Wolken.

aus dem Kaserer Winkel nach Kasern

Die Tour führt auf einer Strecke von 5,7 km über 1.035 Hm Anstieg zum Gipfel, gesamt wurden für die Besteigung der Hornspitze knapp 2,5 Stunden benötigt. Die Gesamtzeit mit einer Stunde Gipfelaufenthalt betrug 5 Stunden.

Mils, 10.10.2020