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Figln Rosenjoch, 2.796 m

Ein Sondererlebnis an erblühender Natur über den Talboden hinauf einerseits und dem noch winterlichem Kleid der Hochkare im späten Frühjahr andererseits bietet das Figlerlebnis am Rosenjoch in den Tuxer Alpen. Der traumhaft archaische Steig von Schwarzbrunn zur Gwannschafalm stellt das Highlight im schneefreien Teil des Aufstiegs dar. Dort blühen die ersten Alpenrosen am sonnigen Westhang frühmorgens besonders eindrucksvoll.

Rosenjoch, 2.796m

Die Anreise zum Ausgangspunkt, der Gwannschafalm, kann auf mehrere Arten erfolgen und  nach jedermanns Geschmack gewählt werden. Da wäre zunächst die lange Variante entweder mit dem Radl auf der Schotterstraße bis zum Klausboden und von dort ohne Radl talauswärts wieder zur Gwannschafalm querend, oder zu Fuß (sinnvollerweise bei dieser Variante jedoch nicht bis zum Klausboden sondern bis Schwarzbrunn und von dort auf interessantem Steige zur Gwannschafalm), oder die um etwa 3,3 km kürzere Variante ab dem Parkplatz Nößlach bis Schwarzbrunn. Für letztere muß man für das Fahrzeug am Automat beim letzten Bauernhof am Großvolderberg ein Tagesticket zum Parken lösen (4.-/2020).

Blick von Schwarzbrunn auf den Steig zur Gwannschafalm

Der Aufstieg von Schwarzbrunn ist in jedem Fall reizvoller als die Route über den Klausboden, da es auf diesem Steig einiges zu entdecken gibt. Wie beschrieben vor allem die Flora, die zu dieser Jahreszeit erwacht, aber auch die mächtigen Abbrüche der typisch tuxerschen Geologie, unter denen sich der schmale Steig dahinzieht, und nicht zuletzt die tollen roten Grünalgen auf den Felsblöcken am landschaftlich beeindruckenden Platz von Schwarzbrunn, die man in einem der vielen interessanten Berichte auf voldertal.at beschrieben findet.

Jagdhütte Schwarzbrunn

Hat man also die Anreise von wo auch immer bis zur Abzweigung „Schwarzbrunn“ von der Schotterstraße nach Steinkasern erreicht, beginnt das Abenteuer der Figltour auf das Rosenjoch. In der Kehre wird der Schotterweg flach, bzw. etwas abschüssig taleinwärts nach Schwarzbrunn verlassen. Die Vorbergalm, gut 50 Hm oberhalb der Abzweigung bleibt links liegen.

der größte Block von Gletscherresten vor der Talstufe zum Klausboden

Die Strecke nach Schwarzbrunn ist kurz, in einigen Minuten wird die Jagdhütte erreicht, bei der die gesamte umgebende Ebene ein fühlbar eigenartig positives, sympathisches Flair ausstrahlt. Kraftplatz nennt man das Gelände in der heutigen, auf Kommerzialisierung ausgerichteten Sprache (Kommerzialisierung in diesem Sinne als „Vorwegnehmen vor das Selbsterlebnis gestellt“ zu verstehen und durch die lesbare Kennzeichnung somit bereits kategorisiert ohne das Erlebnis erfahren zu können; sozusagen eine Anleitung für das Empfinden).

Blick Richtung Steigverlauf

Schwarzbrunn (1.600 m) bildet gleichsam den Talschluß der letzten der unteren Stufen des Voldertals. Von dort führt eine ausgeprägte Steilstufe über 200 Hm auf den Klausboden hinauf.
Der Steig durch diese Steilstufe, links neben dem Bach (in Aufstiegsrichtung gesehen), beginnt nach der Jagdhütte mit zunehmender Steigung und kann als schöne Wanderung durch mystisch anmutenden alten Baumbestand empfohlen werden.

Rückblick in halber Höhe unter den Felsen

Zur Gwannschafalm1 (das Gwannschaf gibt es nicht – höchstwahrscheinlich beinhaltet die Wortzusammensetzung „Gwann“-Schafalm eine Flurbezeichnung und die Alm könnte diese Benennung aus dem Erbrecht erlangt haben) wird zunächst auf kleiner Holzbrücke über den dort beruhigten und etwa fünf bis sechs Meter breiten Voldertalbach übergesetzt.

Felsen oberhalb des Steigs zur Gwannschafalm

Durch leicht sumpfiges Gebiet führt der Steig über einige Dutzend Meter in den archaischen Wald hinein, und führt dort ein paar Hundert Meter rechts (im Aufstiegssinn) neben dem tosenden Bach und durch auffällige Felsblöcke in Garagengröße. Auf einer Lichtung nach dem Wald wendet sich Steig nach Westen, den bereits besonnten Hang in Serpentinen aufsteigend.

An diese Stelle wandert man zwischen eindrucksvoll großen Felsblöcken ehemaliger Gletschermoränen hindurch. Der größte, nach oben hin auskragende, Block wurde mit Expressen (Karabiner) zum Erklettern ausgestattet und steht mitten in der Landschaft.

Rückblick von den Felsen

Von dort leitet der offensichtlich nicht häufig begangene Steig in Serpentinen, teilweise mit Gras bis zur Unkenntlichkeit überwachsen jedoch gut erahnbar, steil nach oben in Richtung der mächtigen Felswände oberhalb. Am Weg dorthin bieten sich einige großartige Fotomotive.

Steigverlauf bei den Felsen

Die Felsen, bestehend aus Quarzphyllit und Glimmerschiefer, dort aber auch aus Gneisen gebildet, werden in etwa 30 min ab Schwarzbrunn erreicht. Sie ragen ziemlich senkrecht mit etwa 30 bis 40 m Höhe aus dem Hang. Im Rückblick läßt sich die abfallende Hangneigung vom Steilsten der Vorbergreise bis hinab zum Talgrund eindrucksvoll studieren. Bis in den untersten, flachen Bereich schafften es beim Felssturz vor 200 Jahren nur die größten Felsblöcke.

nächste Talstufe durch lichtes Zwergstrauchgebüsch (links im Bild)

Die üppige Vegetation im unteren Teil des netten Steigs auf die Gwannschafalm bilden subalpine Au-Gebüsche, die ab den Felsen durch Zwergstrauchheiden der alpinen Stufe abgelöst werden, letztere typisch für silikatreiche, kristalline Böden. Die Zwergstrauchheiden stellen zum überwiegenden Teil Alpenrosen dar und begleiten den Steig bis weit über die Gwannschafalm hinauf.

die Landschaft wechselt auf die alpine Stufe

Eine kleine Flachstufe bildet die nächste markante Stelle im Aufstieg. Auf 1.890 m trifft man auf den Einschnitt des Gwannalmbachs und durchsteigt eine flache Stelle, den Bach überquerend. Links des Baches führt der Steig zum Verbindungssteig vom Klausboden her weiter. Der Baumbewuchs wird auf diesem Teil zusehends dünner, die Strauchflächen ausgeprägter und kaum fünf Minuten des Aufstiegs nach der Vereinigung der beiden Steige ist die Gwannschafalm auf 1.966 m erreicht.

bei der Kreuzung der beiden Steige

Stellt man sich die Alm als eine bewirtschaftete vor so täuscht man sich. Die Bebauung der Alm besteht aus nichts anderem als einem Stallgebäude aus zu Grundmauern aufgeschichteten Steinen und einem schindelgedecktem Holzdach, gerade einmal als Unterstand für die Schafe geeignet. Stirnseitig durch die Stalltür geblickt befindet sich innen ein wenig Gerümpel, jedoch ist der Gebäudeteil großteils leer.

vor der Gwannschafalm

Die ältesten Balken dürften wohl bereits über 130 Jahre alt sein, wie die eingeschnitzte Bauinschrift “ P 8 + 7 J “ verrät (wobei das erste Zeichen kein „P“ darstellt, das Symbol konnte vom Autor aber auch nicht recherchiert werden). Ein weiters ehemaliges Gebäude besteht nur noch in den Resten der Grundmauern als Ruine.

Gwannschafalm

Die Gwannschafalm liegt auf dem Steig zur Tulfer- und Glungezerhütte und kann als Rundwanderung entweder mit dem Anstieg aus dem Tal (wie in diesem Bericht bis jetzt beschrieben) oder sogar als sehr lange Höhenwanderung mit Aufstieg ab Volderwildbad auf der östlichen Talseite zur Markissalm und weiter über den Steig zum Largotz bis auf 2.200 m, taleinwärts bis zum Klausboden mit Wechsel auf die westliche Talseite, an der Gwannschafalm vorbei und weiter bis zum Tulfeinjöchl mit beliebigen Abstieg entlang der Lifttrasse zurück nach Volderwildbad ausgeführt werden.

gewaltiger Blick nach Norden ins Karwendel

Die lange der beiden Varianten wäre dann mit 1.600 Hm und 23 km Länge eine „light“- Ausgabe der phantastischen Reise der Voldertalrunde, die sich auf diesem Blog beschrieben findet.

Bauinschrift der Gwannschafalm (1887 – erstes Zeichen noch zu recherchieren)

Von der Wiese vor der Alm kann ein beeindruckender Blick talauswärts auf den Talgrund mit den meisten Almen und außerhalb des Voldertals auf die nördlich des Inntals gelegenen mächtigen Karwendelgipfel genossen werden.

ehemaliges zweites Almgebäude im Vordergrund

Der Steig auf das Rosenjoch verläuft diagonal durch die kleine ebene Fläche um das Almgebäude, der Wegweiser ist nicht zu übersehen. Hinter der Alm erhebt sich eine kleine Geländestufe auf 2.100 m, bei der die ersten durchgehenden Schneefelder begannen, sowie eine weitere ins vordere Gamskar auf gut 2.200 m an deren Ende die Schneedecke durchgehend bis zum Gipfel vorgefunden wurde. Die Abfahrt würde also über 800 Hm möglich sein und die Aussicht darauf reichte zu Hochstimmung an dem perfekten Tourentag.

Aufstieg zum Gamskar (links im Bild der letzte Abfahrtshang)

Die gewaltigen Felsblöcke im Gamskar stammen vom ehemaligen Rosenjochgletscher, der in alten Karten2 noch zu finden ist, sowie von Blockgletschern. Ihre Form verrät, daß sie nicht von einem Bergsturz stammen können.

die Schmelzwässer rauschen im Gwannalmbach zu Tale – dahinter erstmals das Rosenjoch zu sehen

Die Basis im Gamskar ist eine sehr reizvolle leicht geneigte Hochfläche mit allerlei kleinen und größeren Schmelzwasserlacken, viel Vegetation im beginnenden Juni und unübersehbar violett leuchtende Mehlprimeln, meist die ersten Boten der floristischen Wiedergeburt im Hochgebirge.

Groß hilft Klein – es wäre sonst hier nicht möglich

Ob der wahre Kraftplatz im Gamskar zu finden ist? Zumindest ein weiterer, denn ein tief wurzelndes, wohliges Gefühl steigt bei einer kurzen Rast an so zeitlosen Tagen wie jener bei der Begehung durch den Autor aus den Tiefen der Seele. Den Anlass für die positive Wirkung bildet die Aussicht auf die vorausliegende Strecke durch das schöne, zwar steile aber nicht bedrohliche Kar auf die ehemalige Gletscherstufe hinauf – ein alpin interessantes Gelände und gleichzeitig entspannend.

Gamskar zum dahinschmelzen

Der Firn, gegen 10 Uhr morgens kaum zwei Finger breit aufgetaut, hielt dem entschlossenen Schritt wunderbar stand und erwies sich andererseits doch weich genug, um eine trittfeste Kerbfläche mit genügendes Standfestigkeit in des Winters Resten zu erzeugen, ohne daß übermäßiges Stufenschlagen vermieden werden konnte und der Aufstieg auf die Abbruchkante des Gletscherkessels des Rosenjochs in der selbstgewählten Steigung mit einigen Spitzkehren unter innerem Jauchzen zur Freude gereichte.

das schöne Couloir im Gamskar auf die nächste Talstufe

Momente wie diese, nein die Mischung aus allen Empfindungen – von Temperatur, Stille, Licht, Anstrengung, Ausblick, geometrische Erhabenheit, Klarheit der Dinge, die spürbare Ordnung des Chaos von Jahrmillionen und eine schwer erklärbare Verzauberung – bilden die Gefahr der Droge Berg, der sich das kleine Individuum keck anvertraut, ihrer zur Gänze erliegt und den gesamten Aufstieg einfordert.

Indikatoren für die Hangneigung – im Frühjahr wenig Thema…

Die Bilder von Fels, Schnee, Sonne und Blau brennen sich am Weg dorthin in die Erinnerung ein, der Schritt wird von der Sucht nach ständig neuen Eindrücken getrieben. Berauscht wie einst von Odysseus von Sirenen gibt es kein Entrinnen vor dem Ende, dem süßen Tod des Gipfels – der Sonnentau unter den Naturerlebnissen.

welch Szene!

Das kleine Erwachen aus dem faustischen Traum erfolgt auf knapp 2.450 m, am Übergang zum gewaltigen Becken des ehemaligen Rosenjochgletschers. Dort breitet sich die Landschaft plötzlich von einer kaum 100 m breiten und steilen Karrinne auf einen zunächst flach erscheinenden Hochtalkessel von etwa 500 m Breite der unteren Basis und einer Breite an den Graten von fast einem Kilometer aus – ein gewaltiger Eindruck, dessen Mitte das Rosenjoch mit seinem abgerundeten Gipfel von knapp 2.900 m Höhe bildet. Ein Eindruck der einer Aufsaugminute bedarf.

Rosenjoch von der Stufe auf ca. 2.450m aus gesehen

Die Wahl des weiteren Aufstiegs fiel für den Verfasser, der Figlerlebnisse in eisenfesten Südtiroler Schuhen und kurzer Hose zu ersteigen pflegt, auf eine apere Rippe, die auch des Sommers den Normalaufstieg bildet. Um dorthin zu gelangen, erforderte das Gelände eine Querung über etwa 150 m fast ebener Fläche, die von der Sonne bereits besonders tief aufgeweicht wurde und manche Stellen Gamaschen erfordert hätten. Man sollte sie also auch auf über 2.500 m nicht zuhause vergessen haben.

am Weg zur aperen Rippe

Auf der aperen Rippe angelangt bot sich ein toller Blick in den südwestlich vorausliegenden Kessel, der in dieser Höhe am Beginn des Monats Juni noch vollends schneebedeckt eine bärige Abfahrt verspricht.

Rosenjoch südwestlich der Aufstiegsrippe

Unter sommerlichem Schritt auf Fels entlang der Kante der Rippe wird rasch an Höhe gewonnen – die Wahl des kleinen Umwegs stellte sich damit als richtig heraus.
In Gratnähe – es handelt sich um die Leeseite der Kette – mußten abschließend noch ca. 100 Hm (auf ca. 2.670 m) wieder in tieferem Schnee bewältigt werden, dank festem Untergrund jedoch mit Bergschuhen gut gangbar.

Rückblick auf den unteren Teil des Aufstiegs in die letzte Talstufe: von ziemlich rechts im Bild wird gequert

Der Grat wartete mit einer kühlen Brise Westwind auf, nicht stark, aber ohne Bewegung mit der leichten Bekleidung eines Shirts kaum aushaltbar.

am Grat angelangt (etwa 2.750m)

Innerhalb weniger Meter aus der Leeseite auf den Grat wechselte die Schneekonsistenz von weichem nassem Firn auf windgepressten, wenig umgewandelten Altschnee von winterlicher Ausprägung. Die Niederschläge und kalten Tage über mehr als eine Woche vorher ermöglichten diese Schneesituation, die meist ab April nicht mehr anzutreffen ist.

Rückblick über den traumhaften oberen Talkessel unterhalb des Rosenjochs

Von der tiefsten Stelle am Joch zwischen Rosenjoch und Kreuzspitze wird der Gipfel in einer Viertelstunde am Grat erreicht.

ein paar Minuten bei kaltem Lüftchen am Grat entlang

Wider Erwarten bekam das Rosenjoch nicht nur durch den Autor vom Voldertal her, sondern auch vom Arztal her Besuch von Figlern. Etwa 20 min nach dem Eintreffen am Gipfel erreichten drei Figler, die sich ins Arztal hatten bringen lassen, ebenfalls den Gipfel, um auf der Voldertalseite abzufahren.

Blick bis Volders

Weitere 20 min später erreichten zwei Tourengeher, die der Autor bei der Gwannschafalm überholt hatte, mit Winterausrüstung das Rosenjoch.

Zillertaler Hauptkamm im Süden

Der klare Tag und die spärliche Bewölkung ermöglichten tolle Fernblicke in alle Himmelsrichtungen mit besonders ungetrübter Sicht ins Karwendel, nach Südwesten (in Bildmitte abgedunkelt die als Schitour tolle „Seabelesspitze“) und in die Lechtaler Alpen.

grandioser Blick in die Stubaier Alpen; markant links im Bild das Sarner Weißhorn mit abgedunkelter Spitze

Zur Abfahrt rüstete der Autor nach einer guten Stunde des Genusses der Landschaft, zeitgleich mit den Figlern und kurz vor den Schifahrern. Bald stellte sich, völlig unbeabsichtigt, aber eindrucksvoll in der Auswirkung, ein Vergleich von drei verschiedenen Hilfsmitteln zur Abfahrt heraus. Während die Figler kaum drei Minuten Vorsprung hatten startete der Autor etwa acht Minuten vor den Schifahrern. Die Positionen auf der Abfahrtsroute können gut im Bild von 12:27 erkannt werden.

bärige Abfahrt über den steilen Gipfelhang vom Rosenjoch

Ohne im Entferntesten einen Wettkampf austragen zu wollen, sondern mit normalem Abfahrtsgenuss seine Schwünge zu ziehen, starteten die beiden Gruppen sowie der Autor als Einzelner ins Vergnügen. Schon nach wenigen Minuten trat der Unterschied der möglichen Fahrgeschwindigkeiten zwischen den Figlern und den Kurzschi des Autors deutlich hervor.

Impressionen am Rosenjoch

Selbst bei Bewertung der Behäbigkeit einer Dreiergruppe im Vergleich zu einem Einzelnen kann anhand der Positionen im Bild eindeutig erkannt werden, daß die Kurzschi enorme Vorteile gegenüber Figln aufweisen. Wenige Minuten später erwies sich die größere Schilänge in umgekehrtem Verhältnis zwischen den Schifahrern und den Kurzschi des Autors als unschlagbar, als die Schifahrer den Autor am Ende des steilen Teils im Gamskar mühelos überholten.

Rosenjoch: Bild von 12:27, äußerst links die Schifahrer und in der rechten Bildhälfte die Figler

Die Figler wurden im oberen Gamskar erst wieder sichtbar als die Schifahrer bereits unterhalb des Gamskars auf den letzten langgestreckten Schneefeldern bis auf etwa 2.150 m abfuhren und ein letzter Blick zum Rosenjoch geworfen werden kann. In den weichen, tief ausgekolkten Schneerinnen im warmen Gamskar, in denen auch der Autor mit Kurzschi Schwierigkeiten hatte, erwiesen sich die langen Alpinschi natürlich als unschlagbar.

bereits im unteren Teil des ehemaligen Gletscherkessels

Mit Sicherheit haben alle die Abfahrt genossen und keiner ist extra schnell gefahren, um zu überholen. Sehr wahrscheinlich hatten die Figler mit der geringsten Aufstandsfläche und mehrfachen Stürzen den größten Spaß dabei, aber dennoch zeigt der zufällige Vergleich die Möglichkeiten verschiedener Abfahrtshilfen, die über knapp 800 Hm Abfahrt signifikant ausgefallen sind.

das Couloir im Gamskar

Schließlich aber zeigte sich doch wieder ein Wechsel in „Poleposition“ dadurch, daß das Umrüsten auf den Marschbetrieb der Schifahrer wesentlich länger dauerte als beim Autor, der keine Schuhe wechseln mußte und die Schifahrerkollegen nach dem letzten Schneefeld einholte.

gewaltige Szenerie im Gamskar, letzer Blick gen Rosenjoch

Eine nähere Beschreibung der traumhaften Abfahrt erübrigt sich, dafür sprechen die Bilder in der Galerie Bände. Erwähnt sei lediglich, daß man sich der Schi oder Figl nicht zu früh entledigen sollte, da nach der Kante vom Gamskar talwärts noch etwa 100 Hm Abfahrt warten könnte, auch wenn man sie nicht gleich einsehen kann. Die letzten Schneefelder befinden sich etwas links der Aufstiegsroute und werden von diesem nicht unbedingt erkannt, wenn man sie noch nicht kennt.

letzte Meter unter Schi – bäriger Abschluß

Vom letzten Schneefeld empfiehlt sich die direkte Route abwärts durch knorrige Almrosenbüsche zur Gwannschafalm, die man mit diesem Abstieg sozusagen umrundet hat und in der Nähe vom Bach wieder auf den Steig nach Schwarzbrunn oder zum Klausboden trifft.

letzte tolle Stufe mit Ende der Schneefelder

Im Nachmittagslicht und bei sommerlichen Temperaturen kann der schöne Steig nach Schwarzbrunn ein weiteres Mal genossen werden.

knapp oberhalb der Gwannschafalm

Die außerordentlich ansprechende Figltour erforderte eine Gesamtgehzeit ab dem Parkplatz Nößlach von 6:10 Stunden bei 1.370 m Aufstieg. Die Gipfelpause betrug 75 min.

Mils, 01.06.2020

1 Wikipedia: Die Ausdrücke Gewann (süddeutsch und schweizerisch auch Gewand) und Gewann(e)flur, bezeichnen eine Flurform, die vor allem infolge der zelgengebundenen Dreifelderwirtschaft und des Erbrechts entstand.
Die Gewannbezeichnungen lassen noch heute Rückschlüsse auf die frühere Nutzung, Lage oder Beschaffenheit des bezeichneten Gebietes zu. Sie sind ein wesentlicher Teil der Flurnamenforschung, die sich darüber hinaus auch mit Namen etwa von Waldflächen oder bestimmten kleinräumigen geografischen Einheiten befasst, die nicht im engeren Sinne als Gewann angesprochen werden.

2 Es handelt sich um die von k.u.k. Obstlt. Rudolf Czelechowsky aus Hall gezeichnete Karte, der von 1893 bis 1900 als 1. Vorsitzender der D.u.Oe.AV Section Hall i.T. vorstand. Czelechowsky hat diese „Umgebungskarte von Hall“ im Maßstab 1:50.000 in mehrjähriger Arbeit gebietsgetreu selber aufgenommen und händisch gezeichnet (Gerald Aichner, Alpenverein Hall, 2019 / https://www.7tuxer.at/idee-blog/).
Äußerst interessant an dieser Karte von 1909 sind Details, die in unmittelbarer Nähe der Figltour auf das Rosenjoch zu finden sind, die auf der heutigen AV-Karte verschwunden sind, wie ein Steig, der noch in, oder knapp nach den untersten Blöcken der Vorbergreise, jedenfalls vor oder äußerst nördlich von Schwarzbrunn und im gemuldeten Tal steil nach oben zum Kreuzjöchl führt. Oder die Fortsetzung des besagten Steigs auf der westlichen Gratseite, vom Kreuzjöchl hinab zum Viggar Hochleger, damals „Vicar Alm“ benannt, wovon der obere Teil nicht mehr zu existieren scheint.
Weiters erscheint interessant, daß der einzige Aufstieg zur „Schaf Alm Gwann“ jener Steig darstellt, der in gegenständlichem Beitrag gewählt wurde und sich als Kleinod entpuppte. Die Jagdhütte Schwarzbrunn ist zeitlich gesehen gerade nicht mehr erfaßt, weil sie in den Jahren der Vermessung und Detailarbeit zur Karte erbaut und möglicherweise erst just zur Drucklegung von Czelechowskys Karte fertig wurde.
Ins Auge fallen weiters alle Bezeichnungen der Almen in der Talmitte und aber keine Bezeichnung für die heute wohl wichtigste? Alm in Talgrundnähe, die Vorbergalm, zumindest die heute Größte aller dort aktiven.

 

Figln im Halltal 2020

Das heurige Frühjahr, geprägt von zu gutem Wetter Ende März bis Mitte Mai, ließ trotzdem ein paar tolle Figltage zu und den Großteil davon auf durchwegs stark bestrahlten Hängen im Halltal. Ein Sondererlebnis war das Rosenjoch in den Tuxern, von dem in einem anderen Bericht die Rede sein wird.

flach ist es im Mittelteil gerade auch nicht

Die Figltouren im Halltal wurden auf diesem Blog schon mehrfach im Detail beschrieben, zuletzt mit Bericht vom 1. Juni 2018, weswegen in der Folge weniger auf die Details zum Aufstieg eingegangen wird, als sonst die Art zu berichten gepflegt wird.

Frauenschuhe im Halltal

Beim Vergleich der Bilder 2018 mit 2020 fällt die weitgehend ähnliche Schneelage auf und dies verlangt nach einem Blick auf die Klimadaten in diesem Zeitraum. Wenn eingangs von zu gutem Wetter die Rede war, dann stehen vor allem die Sonnentage gegenüber den Kaltfronten mit Schauern und Neuschnee in den Höhenregionen der betrachteten Hänge im Fokus, die sich auf die Schneedecke entweder mit Schmelze oder eben Verzögerung der Schmelze durch zu tiefe Temperaturen auswirken.

kurz vor dem Gipfel der Lattenspitze

Im April wurden in beiden Jahren zwar keine Figltouren ausgeführt, da er aber als vorausgehende Periode zur Entwicklung der Schneeverhältnisse bestimmend ist, wurde in die Gegenüberstellung aufgenommen.

das Tiefblau gibt es nur am Berg!

Interessanter Weise herrschten 2018 fast die gleichen Temperaturverhältnisse im April (Mittelwert Lufttemperatur 2,7° zu 2,4°), der Mai war 2018 hinsichtlich der Schneeschmelze mit einem Mittelwert der Lufttemperatur von 6,1°C deutlich abbauender (die Schneedecke betreffend) als 2020 mit 3,1°C. Der Juni entwickelt sich dafür bis zum 14. d. M. heuer kälter als 2018.

Vergleich der schneedeckenbeeinflussenden Wetterdaten 2018/2020

Beim Niederschlag – er ist im April generell noch recht zurückhaltend und das typische Aprilwetter läßt sich anhand der Daten nicht beweisen – ist festzustellen, daß der April 2020 mit der doppelten Menge von 2018 ausfiel, wenn auch erst gegen sein Ende hin. Die Niederschlagsmengen im Mai weichen in beiden Jahren nicht so sehr voneinander ab, also sollten sie aus Sicht der Schmelze den gleichen Einfluss gehabt haben.

Blumen etwa auf 2.250m – ein Traum!

Die Sonnenbestrahlung schließlich läßt trotz unterschiedlicher Monatswerte im April und Mai der Vergleichsjahre erkennen, daß in Summe über beide Monate eine auf die Stunde gleiche Sonnenscheindauer in beiden Vergleichsjahren vorherrschte.

Frühlingserwachen im Halltal

Für diesen Vergleich wurden die Daten vom Patscherkofel (Messhöhe 2.247m) herangezogen, die mit der Luftlinienentfernung von 14km nach Meinung des Autors eine hinreichende Genauigkeit zur Beurteilung der Unterschiede bieten.

Zwergprimel

Betrachtet man nun die drei datumsmäßig vergleichbaren Touren Lafatscher Roßkopf (zeitliches Δ 4 Tage), Stempeljoch (Δ 11 Tage) und Hintere Bachofenspitze (Δ 12 Tage), so stellt man anhand der Bilder fest, daß die Schneelage in beiden Jahren optisch kaum unterschiedlich ausfällt (mit Ausnahme im tief gelegenen Stempelkar, siehe unten).


Die Klimabedingungen für die Schneedecke scheinen also für die Figlsaison jeden Jahres – die Monate April und Mai überlagert gesehen – weitgehend dieselben zu sein.

Der größte Unterschied in der optischen Beurteilung liegt in der Schneedecke des Stempelkars. Zwei Bildvergleiche aufeinanderfolgender Zeitabschnitte von elf und zwölf Tagen verdeutlichen die Situation in zwei Stufen recht plakativ:

  1. Bild vom 10. Mai 2018 zu Bild vom 21. Mai 2020 -> zeitlicher Unterschied 11 Tage:
    Während 2018 die Fahrt bis zum Weg in der Iss möglich war, war dies 2020 nicht mehr möglich und die Schmelze war 2020 nur elf Tage später bereits weit fortgeschritten
  2. Bild vom 31. Mai 2018 zu Bild vom 12. Juni 2020 -> zeitlicher Unterschied 12 Tage:
    In 2018 zog sich Ende Mai noch ein breites Schneeband bis zum Ende der Reise in der Iss und 2020 – wenige Tage später – lag im Stempelkar nur noch marginal Schnee

Die Bilder vom 10. Mai 2018 (unten) und 12. Juni 2020 (oben) verglichen, zeigen auch recht gut die Entwicklung der jährlichen Schmelze innerhalb fast genau eines Monats auf einer mittleren Seehöhe von etwa 1.900m.

 

Für alle Touren gilt, dass der Aufstieg über die teils sehr steilen Hänge kann allgemein als weitgehend homogen bezeichnet werden, ungeachtet der Hangausrichtung und Seehöhe. Firn hat sich mehr oder weniger gut ausgebildet, jedenfalls ist die Schneedecke bis mittags fast ausschließlich fest und in den flacheren Teilen nicht besonders mühsam zu besteigen (Grödl nur zum schnelleren Fortkommen, nicht zwecks besserer Haftung teilweise zu empfehlen).

Lattenspitze, Pfeiserspitze, Stempeljoch (etwa 550Hm Abfahrt):

Sie ist ein leichter Klassiker, der sich auch zur Erkundung der Verhältnisse im Bachofenkar gut eignet. Der Autor beginnt zur Einstimmung meist mit ihr, oder mit der kleinen Tour auf die Wildangerspitze, seine jährlichen Figlabenteuer.  Auf den Aufstieg zur Lattenspitze und der Übergang zur Pfeiserspitze wird in diesem Bericht nicht eingegangen, er ist hinlänglich bekannt und auf diesem Blog mehrfach nachzulesen.

Autor mit der Stempelspitze im Hintergrund

Seit einigen Jahren wurden im Übergang zwischen beiden Gipfeln wurde die Seilsicherung erneuert und die sympathischen gummiüberzogenen Seile mit den griffigen Verdickungen (zum besseren Halt) gegen Seile nach der geltenden Norm ersetzt.

auf der Pfeiserspitze 2.343m

Ebenfalls seit einigen Jahren länger wurde das schmucke zierliche Gipfelkreuz der Pfeiserspitze von der Grathöhe auf einen flacheren nördlicheren Punkt versetzt. Die Gipfelbuchschachtel ist jedoch am Grat verblieben.

Figln unterhalb der Pfeiserspitze

Die Abfahrt beginnt unterhalb der letzten Seilsicherung am Felsansatz in den Reisen zur Pfeis hinab (etwa 2.250) in Richtung Stempeljoch und muß bereits nach etwa 50hm auf den meist ausgeaperten Jochflächen unterbrochen, um hinter dem mittig im Joch aufragenden Felskopf wieder fortgesetzt werden zu können.

Hintere Bachofenspitze (etwa 950Hm Abfahrt):

Diese Tour ist die längste und in der Abfahrt zweigeteilt. Am Ende des Bachofenkars, das man bis in den Juni fast immer bis knapp vor den Wilde-Bande-Steig fahren kann, lohnen sich gute 10min taleinwärts am Steig, um – noch vor dem Stempelkar, vom Kälberkar seitlich ins Stempelkar abfahren zu können.

Bachofenkar

Im Aufstieg in der steilen Rinne zur Scharte zwischen den Bachofenspitzen empfehlen sich zur Vermeidung übermäßiger Anstrengung mit Stufenschlagen immer Steigeisen, auch der Sicherheit wegen.

Mittelteil des Bachofenkars

Die Neigung der Rinne liegt im Durchschnitt über 40°, Stellen erreichen 45° und die Stelle unterhalb der Rotkalke in Schartennähe muß überklettert werden. Diese Stelle (etwa 2.570m) ist auch der Punkt an dem man meist die Steigeisen wieder verstauen kann, weil die Schuttflächen darüber im Mai bereits aper sind.

unterer Teil der Rinne

Nächtens friert es nicht mehr und um die Mittagstund nimmt die Festigkeit der Firndecke deutlich ab, bzw. steigt die Durchbruchgefahr in den Schmalstellen der Rinne auf die Bachofenspitze enorm.

Hintere Bachofenspitze, 2.668m

Dies war auch der Grund bei der Abfahrt die Figl erst ab etwa der Hälfte der Rinne anzuschnallen, denn die bekannte Engstelle hat Ähnlichkeiten zu einem Bergschrund und ein Bruch der Firndecke hätte ein Versinken möglicherweise bis zum Hals zur Folge.

Figlabfahrt in der Rinne

Nicht das Versinken, mehr die Nässe auf der leichten Kleidung ist hier die Situation, die zu vermeiden man wünscht.

Rückblick über die phantastische Abfahrt

Lafatscher Rosskopf (etwa 470Hm Abfahrt, mit Stempelkar 820Hm):

Eine weniger bekannte Figltour, jedoch sicherlich die am längsten zu befahrende im Frühjahr ist jene auf den Lafatscher Rosskopf. Diesen Umstand verdankt sie ihrer Höhenlage und Hangausrichtung. Sie beginnt auf knapp über 2.520m und endet unterhalb des Lafatscher Jochs auf 2.050m, also 350Hm höher als die anderen Figltouren, die in der Iss auf etwa 1.700m enden.

die spätere Abfahrt von der Scharte; wir haben die Wechte rechts umgangen

Von allen Hängen, bis auf den Nordhang der Wildangerspitze, besitzt sie mit der Ausrichtung des Kars der Jochreisen nach Osten die günstigste, um einen langen Bestand der Schneedecke zu gewährleisten. Die Mittags- und Nachmittagssonne erreichen die Jochreisen bis in den Mai nur im spitzen Winkel und verzögern damit die Schmelze.

das Gipfelkreuz kommt näher

Die Tour hat das Gipfelziel des Kleinen Lafatschers, der auf der, bereits Anfang Mai völlig aperen, Südostrippe erstiegen wird. Die letzten Reste von Schnee am Normalweg befinden sich im flachen Teil am Grat zum Gipfelkreuz. Für diese kurze Strecke empfiehlt sich ein Respektabstand zur Wechte auf der Grathöhe, die nicht nach jedem Winter gleich ausgeprägt und nicht komplett einsehbar ist.

Herwig am Kleinen Lafatscher

Zur Figlstrecke muß am Kreuzungspunkt der Südost gerichteten Aufstiegsrippe und des schärferen Nordostgrates 105Hm zur Scharte zwischen dem Kleinen Lafatscher und dem Lafatscher Rosskopf abgestiegen werden. Der Abstieg erfolgt über schuttbedecktes und teilweise brüchiges Gelände in leichter Kletterei. Im unteren Teil nimmt die Brüchigkeit etwas zu, vor allem in den ockerfarbenen Störzonen, schlechten und lehmdurchsetzten Materials. Die Scharte wird aber leicht erreicht.

Abstieg zur Scharte zwischen Kleinem Lafatscher und Lafatscher Rosskopf

Die Ausprägung der riesigen Wechte, die den Eingang in das Kar versperrt stellte sich 2020 völlig anders dar als in den Vorjahren. Bei der heurigen Begehung befand sich der ausgeaperte Spalt zwischen Fels und Wechte wesentlich weniger breit als 2018. So mußten wir eine andere Möglichkeit suchen die auf ihrer Vorderseite meist weit mehr als 5m hohe Wechte zu umgehen.

die mächtige Wächte in der Scharte, von links kommt man herab

Dies schafften wir auf ihrer nordöstlichen Seite, wo das Felsköpfchen in Grat eine nicht zu steile Fläche für den Abstieg zu einem ausgeaperten Bereich bietet, an dem sich die Figl gut anschnallen lassen. Auf schmalem Schneeband gestartet führt die Abfahrt unterhalb einer größeren ausgeaperten Plattenstelle mitten ins Kar. In diesem obersten Bereich um die Wechte werden Stellen mit 45° Neigung erreicht.

im oberen Teil recht weiche Verhältnisse

Die Abfahrt kann bis zum Tiefpunkt am Weg zum Halleranger erfolgen, wobei die beste Schneequalität logischerweise im Schatten der Aufstiegsrippe zu finden ist. Von dort sind etwa 60Hm Aufstieg zur Jochhöhe zurückzulegen.

Autor unterhalb der großen Wechte

Wir hatten heuer die Eingebung, die Fahrt etwas höher über dem Tiefpunkt zu beenden und zwar in der Flanke der Aufstiegsrippe zum Kleinen Lafatscher.

Von dort war es auf mittelsteilem Gelände möglich – um den Buckel herum – auf gleicher Höhe zum Lafatscher Joch zu queren, um den kurzen Aufstieg zu vermeiden.

Normalaufstieg am Grat ober der Abfahrt

Auch bei dieser Tour kann, wie vom Bachofenkar, vom figlbegeisterten das Stempelkar für eine weitere Abfahrt genutzt werden. Der Fußmarsch dorthin ist allerdings mit etwa 100 zusätzlichen Höhenmetern zu erkaufen.

es zischt!

Allen Touren ist die ungeheure Blumenpracht am Ende der Figlstrecken gemein. Es schießen geradezu alle möglichen Farben mit unterschiedlichsten Formen aus dem noch fahlen Bergrasen des Vorjahres und bilden einen prächtigen Kontrast zu Schnee und Fels im Hintergrund. Den Übergang von der Winter- zur Sommerbergsteigerei sollte man nicht ohne diese Erlebnisse ungenutzt verstreichen lassen.

immer noch gute Abfahrtsverhältnisse

Zur Ausrüstung:

Der Autor verwendet eisenfeste Bergschuhe und nutzt die schmale Vorderlippe, an der die Klappbügelbindung seiner Kurzschi gerade noch Halt findet und sich eine stabile Befestigung einstellt. Allerdings versagt dieses nicht aufeinander abgestimmte System auch schon beim ersten Schlag und die Mühe ist dann groß im Steilen wieder in die Bindung einzusteigen. Anstelle Fangriemen wird Erdungsdraht verwendet. Diese Technik geht auf Karl Obleitner zurück, einem Pionier in der Fertigung individuell gefertigter Kurzschi.

Figl angeschnallt – es kann losgehen!

Kurzschi haben den entscheidenden Vorteil gegen die handelsüblichen Aluminiumfigl („Figl“ von Firngleiter, nicht Fiegl), daß sie durch ihre horizontale Länge von 80cm über ruppige Büßerschneeflächen ein wesentlich stabileres Fahrverhalten haben, da sie die Grübchen der Schneeoberfläche besser – oder überhaupt erst überbrücken. Weiters ist die unangenehme Rückenlage nicht notwendig und sie wie Alpinschi gefahren werden können.

Mils, 04.07.2020

Figln im Halltal

Ist die Zeit der Schitouren vorbei, keimt gleich der Wunsch auf die letzten Relikte des Winters – und hier vor allem die ordentlich steilen – in einer Kombination aus Bergsteigen und Schifahren zu nutzen. Figln – eine spaßige Sache gepaart mit Nervenkitzel in steilen Rinnen.

Schnappschuss getroffen fast wie ein Gemälde Egger Lienz‘

Das Halltal bietet eine Vielzahl von Figlmöglichkeiten. Zwei wohlbekannte Klassiker und zwei eher anspruchsvollere und weniger bekannte Figltouren sollen hier vorgestellt werden.

Figln durch die Nordrinne der Wildangerspitze:

Dies ist die kürzeste der Touren, sie ist auch leichteste vom Anstieg her. Vom Eingang ins Halltal beim Hackl werden ca. zweieinhalb Stunden bis zur Wildangerspitze benötigt. Der Steig auf das Törl sei plötzlich gefährlich geworden und ist deshalb –wie plötzlich so vieles im Halltal –  gesperrt. Es wird hier nicht näher auf Sinn und Unsinn dieser Maßnahme eingegangen, im Vordergrund stehen heutzutage immer nur mehr rechtliche Aspekte, die in atemberaubender Geschwindigkeit in unser Land importiert und das Zusammenleben zunehmend unbefriedigender werden lassen.

Wildangerspitze, 2.153m

Alternativ zum gesperrten Normalaufstieg auf das Törl steht der Anstieg über die Steinbergreise zur Verfügung. Man rechne dafür ein halbes Stündchen mehr und entscheide selbst welchen man nehme. Auch über die Thaurer Alm ließe sich zum Törl aufsteigen.

Christians jungfräuliche Geräte

Vom Törl zur Wildangerspitze sollte man bei klarem Wetter auch im Mai nicht zu spät am Vormittag unterwegs sein, da der Aufstieg auf einem Südhang erfolgt. Zum figln eignet sich die Nordrinne meist aber auch etwas später am Tag, da sie weitgehend sonnengeschützt ist.

über das Lafatscher Joch zum Roßloch geblickt

Während der Rast auf dem bequemen Bankl beim Gipfelkreuzchen können tolle Aussichten gen Nord und Süd genossen werden. Im Süden das frühlingshafte Inntal von Tuxern und Stubaiern begrenzt, im Norden die Gleirsch-Halltalkette mit ihrem mächtigsten Ausläufer nach Süden, der den Roßkopf – eine besonders schöne Felsgestalt im Halltal – trägt.

prächtige Verhältnisse im Bachofenkar

Genau so schön präsentiert sich dann die Abfahrt vom kleinen Schärtchen leicht westlich unterhalb der Wildangerspitze. Christian mit seinen „originalen“ Figln und ich mit den zufällig passenden Snowblades, die eigentlich für Schischuhe gemacht sind machten uns auf zur Abfahrt.

die Figler vor der Abfahrt

Weil meine schweren Bergschuhe einen Miniabsatz zwischen der Gummizehenkappe und der Sohle haben, rastet der Klappbügel der Bindung zufällig ein und bildet deshalb eine unbeabsichtigte Einheit. Massive Schläge hält die Paarung allerdings nicht aus und darum kommt es manchmal vor, daß mir ein Snowblade davon fliegt. Und weil ich schon einmal in der Pfeis einen 200Hm Abstieg zum wieder Einfangen eines solchen Ausreißers hinter mir habe, verwende ich seither Fangriemen aus Draht (die Verwendung von „Alpindraht“ habe ich vom Absamer und Besitzer des Knappenhäusls Karl Obleitner, einem versierten Erfinder rund um das Thema figln, gelernt).

Eröffnung der Nordrinnenfiglerei

Trotz fortgeschrittener Stunde ließ sich die Nordrinne wunderbar abfahren, vor allem der steile obere Teil war gut zu befahren.

mit viel Geschick

Den Anfang eröffnete ich auf Wunsch von Christian, der ein paar Fotos schießen wollte, die auch gelungen sind. Ich blieb dann in dem mir als steilsten Bereich erschienenen Abschnitt mittig stehen und bannte seine Gleichgewichtskünste auf Fotos. Wer selbst schon einmal auf originalen Figln gestanden ist weiß wie sehr ein ausgeprägter Gleichgewichtssinn dafür notwendig ist. Da sind mir meine in etwa doppelt so langen Brettchen bei weitem lieber. Er machte seine Sache gar nicht so schlecht, stand gut auf den Aluprofilen drauf und landete nicht ein einzig Mal im Schnee.

wedelt Christian die Rinne hinab

Natürlich tat ich mich etwas leichter und vor allem die im Sommerschnee so ausgeprägten und lästigen kleinen Einbuchtungen in der Schneeoberfläche (Kryokonitlöcher bzw. Ablationsformen des Schnees) überfahren sich mit längeren Schi wesentlich besser als mit kurzen Figln.

im Mittelteil der Nordrinne

Wir konnten die gesamte Rinne bis in den tiefsten Karboden abfahren, ein letztes schmales Band an Schnee war sogar noch im latschenbewachsenen Teil der unteren Stempelreisen vorhanden. Gut 400Hm beträgt die Abfahrt bis zur Halltaler Pfeis bzw. Issanger.

Genau zehn Tage später, bei der Figltour auf die Hintere Bachofenspitze zeigt sich die Rinne bereits bis weit hinauf schneefrei.

die Nordrinne vom Bachofenkar aus 10 Tage später

 

Figln im Stempelkar mit Anstieg über Latten-/Pfeiserspitze:

Der Klassiker im Halltal und eine sehr schöne und in der Abfahrt nicht so steile Figltour führt über die Lattenspitze und weiter über den teilweise versicherten Steig zur Pfeiserspitze, sowie über den leichten Grat hinab ins Kar oberhalb des Stempeljoches, von dem aus zum Stempeljoch abgefahren wird.

erste Figlabfahrt vom Grat der Pfeiserspitze zum Stempeljoch

Der Anstieg zur Lattenspitze erfolgt im unteren Teil wie bei der vorgenannten Figltour auf die Wildangerspitze auf normalem Steige. Nach der Abzweigung des kurzen Anstieges zur Wildangerspitze muß eine meist sehr lange im Frühjahr schneegefüllte Rinne durchschritten werden. Dieses einzige Highlight des Anstieges bis zur Lattenspitze kann mit mehreren Möglichkeiten überwunden werden.

schneegefüllte Rinne im Anstieg zur Lattenspitze

Der begeisterte Schneerinnengeher schlägt sich in der Direttissima mittig der Rinne seine Stapfspur bis oben hin, der Felsgeher packt sie rechts an der aperen schrofendurchsetzten Geländewand und der ängstlichere oder ökonomisch gehende Figler schlägt – wenn sich der ängstliche traut – seine Stapfspuren die schneegefüllte Rinne im unteren steilen Teil die wenigen Meter quer zur Rinne um die äußere, fast immer apere Begrenzung in Fels und Wiesenboden aufzusteigen. Alle Arten sind möglich, die erste ist nicht wirklich gefährlich. oben ein Foto der Rinne aus dem letzten Jahr.

Schlußhang zur Lattenspitze

Nach der Lattenspitze geht es über ein paar Gratrippen weiter zur Pfeiserspitze, die mit eine Luftlinienentfernung von 270m fast in Griffweite liegt.
Der Schöne Steig dorthin ist im Frühjahr oft noch mit Restschneefeldern gefüllt wobei diese manchmal etwas Geschick erfordern gequert zu werden, ohne hüfttief einzusinken oder etwas abzurutschen.

Blick von der Pfeiserspitze in Richtung Lattenspitze

Um die Rippe zur letzten Scharte gibt es ein neues Fixseil dessen man nicht unbedingt bedarf. Der Aufstieg nach der Scharte zum Gipfelkreuz der Pfeiserspitze ist nochmals ein kleiner Klettergenuß. Das Gipfelkreuz wurde zwecks besserem Fundament vom scharfen Grat etwas weiter nördlich verlegt, was erklärt, warum die Gipfelbuchschachtel einige Meter weiter südlich am Grat befestigt ist.

die Pfeis noch im Winterschlaf

Hinab ins Kar führt der neu versicherte Steig zunächst am leichten Grat, dann durch eine zunehmend brüchigere Rinne und zum Schluß durch splitterige Türmchen bis zum Ansatz des Schnees auf der Nordseite. Eine nette Passage.

Sodann erfolgt das erste kurze Figlstück, im besten Fall bis in die Nähe der  Stempeljochscharte, im späteren Frühjahr aber nur bis zum Weg aus der Pfeis herauf.

Blick vom Stempeljoch auf die Abfahrt durch das Stempelkar

Unterhalb der Stempeljochscharte befindet sich im Lee des Felskopfes darüber meist ein fast ebener Anschnallplatz, der auch eine gute sicht über die gesamte Abfahrt bietet.
Alternativ kann bereits oberhalb, beim Normalweg angeschnallt und abgefahren werden, dieser Einstieg ist noch einen Deut steiler als der vorher beschriebene. Ich nehme diesen aber nie, da ich weiß ob nicht Stahlstifte von der Wegbefestigung herausstehen.

Rückblick auf das Stempeljoch

Die Abfahrt durch das Stempelkar ist wirklich ein Highlight, es ist breit und bis zum Ende immer einsehbar und die Spur kann nach Belieben ausgewählt werden. Hier ein Video aus dem letzten Jahr:

Halltalrunde; über Hochmahdkopf, Zunterköpfe, Latten- und Pfeiserspitze zum Stempeljoch und abgefiglt.7 Stunden, 1.800Hm#halltal #karwendel #figln

Gepostet von Bergtouren Tirol am Freitag, 26. Mai 2017

Gesamt 500Hm Figlspaß bis zur Grube über dem Issanger und bei genügend Schnee sogar in diesen noch hinein. Beide Abfahrten bei dieser Tour sind weniger steil als von der Wildangerspitze.

 

Figln in den Jochreisen im Kar des Lafatscher Roßkopfs mit Anstieg über den Kleinen Lafatscher:

Anspruchsvoller als die vorher beschriebenen Figltouren. Der Anstieg auf den Kleinen Lafatscher ist weit schöner als das Kar unter Schnee hinauf zu stapfen. Diese Figltour erfordert etwas Klettergewandtheit und etwas Einfühlungsvermögen für die Routenwahl im Abstieg zur Scharte bzw. zum Joch im Grat vom Lafatscher Roßkopf zum Kleinen Lafatscher.

ein imposanter Blick auf die Speckkarspitze

Am Eckpunkt des Grates, der vom Lafatscher Joch heraufzieht und sich fast auf Gipfelhöhe des Kleinen Lafatscher nach Westen dreht zieht der Grat zum Lafatscher Roßkopf hinunter. Der Höhenunterschied beträgt gut 100Hm.

die Einsattelung zwischen Lafatscher Roßkopf und dem Grat zum Kleinen Lafatscher

In der AV-Führerbeschreibung kommt der Aufstieg mit einer Bewertung von III- weg, ich bin jedoch der Ansicht, daß diese kräftig überzogen ist. Selbst im Abstieg käme mir vor, ich hätte nie ernsthaft klettern müssen.

der heuer noch unberührte Kleine Lafatscher, 2.636m

Die oberste schräge schuttbedeckte Platte wird mit Bedacht auf Reibung abgestiegen und in der Folge werden einige Zacken und Türmchen eher westseitig umgangen bzw. abgeklettert. Zu achten ist auf Schutt bei Tritten. Richtig ausgesetzt ist es nie. Nach meiner Einschätzung würde ich II- vergeben, bestenfalls II.

Grat zur Einsattelung in die sogleich abgestiegen wird

In der Einsattelung thront eine sehr mächtige Wechte, deren Dimensionen erst sichtbar werden, wenn man im ausgeaperten Gang zwischen ihr und der gelblichen Felswand bequem hindurch marschiert, um karseitig zum Anschnallplatz zu kommen. Schätzungsweise war die Wächte an ihrer Vorderkante 5-6m hoch.

kleinere Kletterpassagen am Grat hinab

Sich zwischen Fels und Schnee anzuschnallen war etwas mühsam, da die weggeaperten festen Schneepartien weiter außen lagen als ich die Schrittweite bemessen habe. Karls Alpindrahtfangriemen anzubringen war ganz schön anstrengend auf der schmalen Firnbank.

Rückblick auf den Grat vom Sattel aus

Nachträglich gesehen hätte ich die andere Seite der Wächte im Sattel nehmen sollen, dies wäre um einiges bequemer gewesen, weil ich dann direkt vom Grat abfahren hätte können.

die Höhe der Wechte nicht komplett erwischt, sie muß mehr als 5m hoch gewesen sein

Mit Respekt vor der übermächtigen Wechte ging es nun im Kar über die Jochreisen hinab und die Abfahrt war über ein paar alte, kleine Lawinen sehr gut möglich. Über knapp 500Hm beste Firnverhältnisse und erst in der flachen Mulde nördlich des Lafatscher Joches etwas Bremswirkung durch faulen Schnee.

gerüstet zur Abfahrt

Die Speckkarspitze gegenüber sieht aus der Perspektive in der Hälfte der Jochreisen recht imposant aus – dieser Blickwinkel mußte festgehalten werden.

der Wechte Vorderansicht

Täuschend immer die Zeit für die Abfahrten. Inclusive Rüsten für die Abfahrt habe ich bis zur Ankunft in der Senke vor dem Lafatscher Joch lediglich 20min benötigt. Die Intensivität der Erlebnisse von Natur und figln jedoch vermitteln einen wesentlich längeren Eindruck des Erlebnisses.

mitten in der Abfahrt

Die obersten 100Hm der Abfahrt dürften die Steilheit der Wildanger Nordrinne besitzen, anschließend wird es deutlich flacher.

Rückblick auf die Abfahrt über die Jochreisen

 

Figln in der Rinne zu den Bachofenspitzen und im Bachofenkar mit Anstieg auf die Hintere Bachofenspitze:

Für mich die Königstour im Halltal ist die Rinne zu den Bachofenspitzen. Sie ist lang und schwer, Klettererfahrung ist weniger erforderlich, sehr steile Aufstiege mit Steigeisen sollte man jedoch bereits absolviert haben. Die Rinne, die sich in etwa ab 2.400m leicht nordöstlich hinaufzieht trennt die beiden Bachofenspitze mit einer kleinen Einschartung östlich der schon im Bachofenkar drei markanten Felsköpfe und ist an die 150Hm hoch und unter Schnee teilweise an die 45° steil. Sie bildet auch den Sommeranstieg auf die Hintere Bachofenspitze aus dem Bachofenkar.

die Rinne zur Scharte zwischen den Bachofenspitzen

Momentan – per 31.05.2018 – liegt im Bachofenkar noch genügend Schnee für ein schätzungsweise ein bis zwei weitere Wochen durchgehenden Figlvergnüges bis knapp zum Wilde Bande Steig herab. Im Bachofenkar selber schätze ich wird man noch mindestens drei Wochen figln können.

das traumhafte Bachofenkar erwacht aus dem Winterschlaf

Die sehr steile Rinne ist beim ausapern. Ihre momentan obere Begrenzung liegt bei der Engstelle, bei der im Sommer ein beherzter Kletterschritt über die 1,50m hohe Schluchtstufe vonnöten ist, also etwa 30Hm unterhalb der Scharte. An der Engstelle darunter ist sie noch ca. 1,50m breit mit Firn gefüllt.

Abschluß im Bachofenkar

Im Aufstieg habe ich gerne die Eisen benutzt, obwohl der Aufstieg auch rechts im Felsgelände möglich gewesen wäre. Schnee vor brüchigem Fels.

die halbe Rinne erklommen

Die im Sommer ungeliebten letzten Meter vor der Scharte im Schutt blieben mir aber auch nun nicht erspart und so hantelte ich mich im rutschenden Schutt linkerhand bis zur Scharte hoch.

Abschluß der Schneeauflage in der Rinne

Der Übergang zur Hinteren Bachofenspitze ist bis auf ein 25m breites Schneefeld vor dem Gipfelaufbau bereits völlig schneefrei.

Gipfelaufbau der Hinteren Bachofenspitze

Bärige Aussichten auf die Halltal-Gleirschkette sowie den mächtigen Rosskopf und die weite Pfeis gen Süden, sowie auf den Karwendelhauptkamm sind bei gutem Wetter immer garantiert am Gipfel der Hinteren Bauchofenspitze.

Hintere Bachofenspitze, 2.668m

Diesmal aber, vielleicht wegen der klaren Sicht hinab,  hat mich auch der Blick auf die schon lange gehegte Erkundung der Hochflächen im Norden der Gleirschkette besonders fasziniert. Dieses aufgeschobene, zum Teil aus Raiblerschichten gebildete Pendant zum Mittelgebrige im Inntal muß unbedingt heuer erkundet werden.

das Vorgebirge im Hinterautal

Abgestiegen bin ich bis etwa 40m unterhalb des oben beschriebenen momentanen Schneeansatzes, also knapp über der Hälfte der Rinne. Dies um die Engstelle zu vermeiden, die mir aus einer brüchigen Schneedecke zu bestehen schien und in deren Bereich ich einen Sturz vermeiden wollte.

der breite untere Teil der Rinne

Ab der Hälfte allerdings war die Rinne gut zu befahren, sie machte Spaß und das Krascheln der Schi durch die Steinschläge war auszuhalten. Der untere Teil präsentierte sich weniger ruppig zum Fahren als der obere, weniger weiche Stellen waren zu durchfahren.

Rückblick auf die Abfahrt

Im Bachofenkar angekommen bot sich ein imposanter Rückblick auf die Abfahrt in der Rinne. Durch die rasch wechselnde Bewölkung mußte ich einige Minuten warten um die Abfahrtsspuren halbwegs fotografisch in Sonnenlicht aufnehmen zu können.

Rückblick im Bachofenkar

Die weitere Abfahrt über die beiden größeren Steilstufen im Bachofenkar war traumhaft und so konnte ich ein kleines Video nicht lassen:

Am Ende des Kares kommt man dem „offenen Bach“ (daher der Name des Kares und der Gipfel) direkt nahe. Ich realisierte erst, daß ich gerade einmal 20cm verhärteten Firn zwischen mir und dem tosenden Schmelzbach hatte, als ich die Schistöcke einrammte und der linke der beiden durch die Firndecke ins Leere und einen halben Meter tiefer in das Bachbett stieß. Wie von der Tarantel gestochen verließ ich die Schneefläche, durchnässte Bergschuhe konnte ich nicht bauchen, die Abfahrt ging ja weiter.

Blick auf die Abfahrt im Bachofenkar

Direkt am Wilde Bande Steig angekommen marschierte ich rund eine viertel Stunde taleinwärts bis knapp vor das Stempelkar, um dort noch ein durchgehendes Schneeband vom Kälberkar herunter bis zu den Stempelreisen abzufahren und um wieder am bereits beschriebenen Issanger zu landen.

traumhafte Rinne in die Stempelreisen

Diese schöne und lange Figltour bietet eine gesamte Abfahrtsstrecke über rund 900Hm, 500m im Bachofenkar und 400Hm im Stempelkar.

Rückblick auf die steile Rinne aus dem Kälberkar

in jedem Fall sollte man bei dieser Figltour Steigeisen mit dabei haben. Der Steilheit wegen.

restliche Abfahrt zum Issanger

Der Zeitbedarf vom Hackl bis zum Gipfel betrug viereinviertel Stunden, der Rückweg ist in etwas mehr als drei Stunden machbar. Der gesamte Aufstieg beträgt 1.940m.

Schnappschuß auf Werners Flieder – ein Segelfalter mit bereits abgebrochenen Hinterflügelenden

Zu jeder beschriebenen Tour gibt es noch mehr Fotos in der Galerie.

Mils, 01.06.2018

Figln Lattenspitze – Stempeljoch

Spät weg von zuhause auf die Lattenspitze und weiter zum Stempeljoch zum figln im Stempelkar.
Im Halltal verglüht bei den momentanen Temperaturen um die Mittagszeit, erst ab dem Törl eine leichte Thermik-Brise als Hilfe bekommen.

am Weg zur Lattenspitze, ca. auf 2.000m

am Weg zur Lattenspitze, ca. auf 2.000m

Das erste größere verbliebene Schneefeld am Weg vom Törl zur Lattenspitze.

Blick in die zweite Karwendelkette zu Stempelspitze und Roßkopf

Blick in die zweite Karwendelkette zu Stempelspitze und Roßkopf

Der Weg nach dem Törl auf die Lattenspitze ist fast frei von Schneefeldern, nur in den Rinnen und ab ca. 100m unter dem Gipfel liegt Schnee.

Der Gipfel der Lattenspitze 2.340m

Der Gipfel der Lattenspitze 2.340m

Die Grate im hinteren Teil des Karwendels sind noch fest in der Hand des Schnees, riesige Wächten zur Stempelspitze und zum Roßkopf sind zu sehen (siehe Foto vom Bachofenkar in der Galerie).

gewaltige Wächten

gewaltige Wächten

Nach der Lattenspitze gilt es ein paar harmlose Schneefelder zur Pfeiserspitze zu überwinden. Der Schnee ist von schlechter Qualität, keinem richtig festen Firn sondern knietiefem Einsinken begegnet man auf der ganzen Tour über den Grat.

letzter Teil zur Pfeiserspitze

letzter Teil zur Pfeiserspitze

Die Pfeiserspitze ist schnell erreicht, das kleine Gipfelkreuzchen wurde verlegt. Heuer durfte ich die Seite im Gipfelbuch mit „2016“ und dem ersten Eintrag beginnen.

Blick von der Pfeiserspitze zur Lattenspitze

Blick von der Pfeiserspitze zur Lattenspitze

Und ab ging es über den schneefreien Grat in die kurze Rinne zum oberen Karende an dem ich die Figl erstmals ausprobieren konnte.

hier unten geht das Figln los...

hier unten geht das Figln los…

Die Kombination der alpin-Figl und der eisentauglichen Salewa Schuhe klappte recht gut. Die Abfahrt zum Stepeljoch in dem furchtbar nassen Sulz erwies sich als schweißtreibende Partie.

Figl erstmals "in-situ" anprobiert

Figl erstmals „in-situ“ anprobiert

unten angekommen, völlig außer Atem, dem schweren Schnee getrotzt, jedoch immer steiler abgedriftet als ich wollte. Kantenfahrt kann man im nassen Sulz vergessen.

kurz vor dem Stempeljoch am aperen Teil angekommen

kurz vor dem Stempeljoch am aperen Teil angekommen

Am Joch selber waren sicher schon einige Tage keine Tourengeher vom Hafelekar her unterwegs, die Schneedecke zeigt keinerlei Spuren.Ein Blick in das Stempelkar verrät, daß die Schneelage schon nicht mehr besonders gut ist. Tewilweise sieht man apere Stellen, der normal verlässliche linke Teil ist durch eine Lawine mit Figln schwer fahrbar.

Blick vom Stempeljoch ins Kar

Blick vom Stempeljoch ins Kar

Im oberen Teil habe ich die Figl ausgezugen und bin durch den schlechten Sulz gegangen, unten wo das Kar breiter wurde konnte dann richtig gefiglt werden.

sulziger Deckschnee wurde abgetreten, der Firn darunter war fest und gut fahrbar.

sulziger Deckschnee wurde abgetreten, der Firn darunter war fest und gut fahrbar.

Dan kam der schöne Teil der Abfahrt:

Im unteren Teil der Abfahrt war sogar mehr Schnee als im mittleren und oben. Abfahrt bis zur Halltaler Pfeis ohne weitere Störungen möglich.

Mit einem wunderbaren Ausblick endet das Fahrvergnügen und die Figl werden im Rucksack verstaut.

Speckkarspitze und Bettelwürfe

Heute den orografisch linken Teil zum Verlassen des Isstales gewählt und immer die Labestation im Vordergund anvisiert.

Abstieg im Isstal

Abstieg im Isstal

Der Zeitbedarf betrug 6 Stunden und die Höhendifferenz gut 1.500m

Mils, 21.05.2016

 

Figln von den Dutten, unterhalb Lattenspitze

28.04.2012, 7:45- 13:30

Ganz geschafft haben wir sie nicht, die Lattenspitze, unser klassisches Frühjahrstraining. Bei den Dutten war Schluss, die Bergschuhe platschnass und ein langer Aufstieg, als erste echte Bergtour der Saison, ließen das Ziel heute nicht unbedingt erreichbar ausfallen.
Ungemach für Halltalfans in unserem wichtigsten Naherholungsgebiet (wegen der politisch ausgeschlachteten Situation der Gemeinde Absam) sorgt im Frühjahr schon für allerlei Sonderüberlegung wie man den Machthabern der Halltalstraße beikommen oder entkommen kann.
Also sind wir zuerst mit dem Auto und dann mit dem Radl unterwegs, allerdings nur mit einem kleinen Zeitgewinn, die Höhendifferenz Hackl/Ferdinandstollen bleibt auch mit dem Radl gleich.
Ein Mopedfahrer überholt den Radler und ist wesentlich schneller, jedoch eines ist klar: auch die rote Nummerntafel eines Mopeds ist nicht unsichtbarer als ein Autokennzeichen, also keine echte Alternative vor den Machtahbern.
Somit bleibt das fürchterliche Damoklesschwert der Androhung der Anzeige der Machthaber über uns schweben und mit jedem mühevollen Tritt in die Pedale wächst Groll.
Tiroler haben es anno 2012 geschafft sich – hic et nunc – amerikanisch anprangern zu lassen, ziehen den Schwanz ein und sperren zu, was dem Volke lieb ist.

Erfreulicheres hier:

Zum Abschluss die unverzichtbare Einkehr bei Werner und Birgit, sakrisch guat das erste Bier der Saison!