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Mitterkogel, 2.583 m – Überschreitung Nordgrat, Weißstein und Roßkogel

Der kurze und leichte Nordgrat, der sich zwischen Roßkogel und Peiderspitze in das Becken der Inzinger Alm vorschiebt, trägt den Mitterkogel, dessen Besteigung zu einer schönen Runde ausgebaut werden kann, mit dem Weißstein und dem Abstieg über den Roßkogel, zurück zur Inzinger Alm. Die ungerechte Beschreibung der Begehung von Norden im Alpenvereinsführer mag Grund für seinen wenig häufigen – und dem Gipfelbuch nach vorwiegend von ansässigen Kennern – ausgeführten Besuch sein.

Mitterkogel, 2.583 m

Weiters beinhaltet kaum ein klassisch alpines Kartenwerk den Anstieg zu seinem Kreuzgipfel, der auf dem 2.376 m hohen Spitzl extrem weit nördlich des geodätisch richtigen Gipfels entfernt errichtet wurde, das keinen eigenen Gipfel nach der allgemeinen Definition darstellt, und das augenscheinlich keinen offiziellen Zustieg zu besitzen scheint. Beim Vergleich des Kartenwerkes mit der Realität in natura fällt dies besonders auf und zieht die Aufmerksamkeit jedes alpinistisch Interessierten auf sich das Geheimnis zu ergründen.

Mitterkogelgrat von der Straße zur Inzinger Alm gesehen

Wer letzteres unternehmen möchte, findet zunächst keinerlei Literatur über das kleine Spitzl, das am Mitterkogelgrat von hoher Stelle aus gegen die Inzinger Alm blickt und, bei genauer Betrachtung mit dem Glas von unten, zwei Gipfelkreuze trägt. Der AV-Führer enthält darüber keine Aussage, zumindest nicht der alte. Selbst bei der Karten-Recherche auf den Apps des AV oder Outdooractive über Anstiegsmöglichkeiten bedarf es der sogenannten „Pro+ Version“ der App, um auf anderen als den Alpinkartenanbietern zumindest einen Steig zum Kreuzgipfel auszumachen – Kartenanbieter1, die ganz und gar nicht den alpinistischen zugerechnet werden, paradoxerweise aber den Anstieg beinhalten.

das „Spitzl“ als Kreuzgipfel am Mitterkogelgrat

Diese Tatsache beflügelt den Entdeckergeist noch weiter, sowie das Grübeln über diese beschämende Situation, für die der Autor seine Meinung hat, die der eifrige Leser dieses Blogs bereits kennt: „Die Dosis [Verf.: Haftung] macht das Gift“ – wie Paracelsus bereits vor Jahrhunderten erkannte – könnte hier als indirektes Zitat der Situation dienen, welche sich, nach Meinung des Verfassers, als solche heute immer noch in §1319a ABGB aufgearbeitet findet.

Harvey Maps Karte; eine Karte, nicht speziell für alpines Gelände

In der Folge gibt es den Steig somit in englischen und anderen internationalen Karten, nicht aber in heimischen, die heute streng der ursprünglich Theresianischen Ordnung im Gebirge folgen, welche damals nicht für diese Extremität vorgesehen war. Und es gibt ihn gottlob im Herz von Eingeweihten.

im Kessel des Hundstales gegen den Grünerlenhang und den Kreuzgipfel geschaut

Der Anstieg führt vorbei an der Inzinger Alm, hinauf in den aufsteilenden Talkessel des Hundstales. Der Parkplatz auf 1.627 m und darüber hinaus – bei großem Andrang – entlang der Straße ist kostenlos, im Sommer ist die Straße frei benutzbar, sonst herrscht Fahrverbot. Wie überall im Gebirge empfiehlt sich die Erkundung über die Situation vor der Tour, es könnten ja Wetterereignisse die Auffahrt temporär verunmöglicht haben, oder die Aktualität des vorliegenden Berichtes überholt sein.

gewaltiger Abbruch des Mitterkogelgrats mit Gletschermoräne

Nach den Almwiesen, zu Beginn des Grünerlengürtels, quert der Steig den Enterbach und führt über eine Kehre unterhalb des steil abfallenden Fußes des Nordgrates in Richtung der  mittleren Stufe des Hundstales, vorbei am Schafhüttl und unterhalb einer Gletschermoräne mit beachtlich großen Gesteinsblöcken.

Abzweigung des Anstieges zum Kreuzgipfel im Rückblick, rechts das Blockfeld

Die Abzweigung auf den Nordgrat nach dem Erreichen der nächsten Talstufe ist nicht sichtbar vom Steig zum Hundstalsee aus. Knapp neben dem Hundstalbach steigt man gegen die Flachstelle auf und übersieht dabei ein schmales, spitz nach links abzweigendes Steiglein, hinauf auf eine Ansammlung größerer Blöcke, das auch als Gamswechsel durchgehen könnte und nicht sofort als Steig erkannt wird.

Rampe nach rechts ansteigend in horizontaler Bildmitte

Das Blockfeld wird durchquert, oder im Norden umgangen, bevor der schwach sichtbare Steig auf eine Art Rampe nach Süden führt, über die bis zu einer Verschanzung der Jäger aufgestiegen wird. Nach der Verschanzung aus Schieferplatten verschwindet der Steig zunächst bis in den schuttüberzogenen Hang, der nordöstlich in die Ausmuldung zum Kreuzgipfel hin führt. Mitten im Hang findet sich der Steig dann wieder.

Rückblick von der Flachstelle mit der Jägerschanz links

Eine mittelbreite junge Murrinne erschwert den Aufstieg dadurch ein wenig, daß der Steig unterbrochen wird, neue Steigspuren sind spärlich vorhanden und jenseits der Rinne wurde zur Orientierung ein Steinmandl errichtet.

Rückblick nach der Murrinne

In der Folge führt der Steig in die Mulde hinein und – zunächst wieder ohne sichtbaren Steig – auf die Gegenflanke, auf der man weit oben einen Steinmann erkennt, zu dem aufgestiegen wird. Von dort ist der weitere Aufstieg recht logisch nachvollziehbar und bei Durchlässen von deutlichen Steigspuren belegt.

weglos zum nächsten Steinmandl hoch oben

Weiter oben muß auf die Nordseite gewechselt werden, um knapp jenseits aufzusteigen und rechts der Felswand zum Kreuzgipfel wieder auf die Südseite zurückzusteigen und entlang der Felswand die Wiesen des oberen Teils der Mulde zurückzukehren, über die der Aufstieg auf steilen Grasflächen zum Gipfelkreuz erfolgt.

Rückblick vom Steinmann zurück auf den Steig in die Muldenverschneidung

Da es in den Vortagen zur Begehung des Verfassers geregnet hat und die Hangneigung entsprechend groß ist (≥ 40°), sei hier die Empfehlung ausgesprochen, diesen Aufstieg nicht nach Regen am Vortag, oder zu erwartender starker Taubildung zu unternehmen. Gleiches gilt auch für den Aufstieg am Grat zum eigentlichen Gipfel des Mittergrates. Weiters muß man bei der im unteren Teil eher abgedeckten Lage des Aufstiegs im Spätsommer oder Herbst nicht zu früh starten, um eher ins Sonnenlicht einzutauchen.

 

kurz vor dem Wechsel auf die Nordostseite am Grat

Wie oben erwähnt stellt der Punkt an dem die beiden Kreuze errichtet wurden, nicht der eigentliche Mitterkogelgipfel, sondern nur eine Gratspitze, die vom Talboden aus schön sichtbare ist und höchstwahrscheinlich deshalb als Mitterkogel adaptiert wurde. Sie weist als Merkmal für einen eigenständigen Gipfel jedoch keinerlei Schartenhöhe auf und der eigentliche Mitterkogel kann von dort nicht eingesehen werden.

Mitterkogel Kreuzgipfel, 2.376 m

Eine raffinierte und eigenwillige Rohrkonstruktion der Gipfelbuchschachtel schützt das dadurch aufgerollte Gipfelheft wirkungsvoll vor Nässe und das Gipfelbuch zeugt von wenigen Besteigungen übers Jahr, darunter manche, deren Hausrunde der Mittergrat wohl sein dürfte, die mehrmals im Jahr diese Tour unternehmen. Wobei, den reinen Aufstieg zum Gipfelkreuz dürften nur wenige zum Ziel haben, meist wird die folgende Gratüberschreitung zum Ostgrat der Nordöstlichen Sellrainer Berge oder dieselbe Runde angegeben, wie in vorliegendem Bericht beschrieben. Liegt aber auch auf der Hand, wenn man diesen schönen, leichten und einsamen Grat einmal begangen hat.

weiterer Anstieg auf den Mitterkogel; links das nächste Ziel, der Weißstein

Das alte Holzkreuz, ein sogenanntes Patriarchenkreuz – es könnte als ein Wetterkreuz für die darunter liegende Alm gedeutet werden -, wurde nach der Errichtung des neuen Stahlkreuzes nicht entfernt sondern belassen. Zweck und Form wären ansonsten nicht erklärbar.

Rückblick vom Nordgrat auf den Kreuzgipfel

Nun am Grat, der zuerst nur als leicht begehbarer Rücken ausgebildet ist, wird über Wiesenflecke mit eingestreuten Felspartien auf den nächsten Gratbuckel aufgestiegen. Spätestens ab dort gilt die Beschreibung im AV-Führer (Klier, Stubaier Alpen, 8. Auflage 1976) „…Anstieg von Nord weniger schwierig als mühsam und nicht ungefährlich über steile, brüchige Flanken emporführt.“ Wenn Julius Pock 1888 dies so beschrieben und die Beschreibung Vorlage für den Führer war, dann hat er sicher den Anstieg zum Kreuzgipfel mit „nicht ungefährlich über steile Flanken“ gemeint (siehe Empfehlung weiter oben), als „brüchig“ könnte der Verfasser aus seiner Beobachtung jedoch keinen Teil der Route bis zum Auslaufen am Ostgrat bezeichnen. Im Gegenteil, die Gratpartien verlaufen nach dem Kreuzgipfel in festem Amphibolit- und Hornblendefels.

kurze Strecke von Gratspitzln

Am Weg zum Hochpunkt auf den Gratkopf (2.508 m) findet sich ein kurzer Abschnitt mit Gratzacken, die überklettert, oder westseitig umgangen werden können und unmittelbar unterhalb des Hochpunktes ein kurzer Kletterabschnitt in festem Blockwerk.

Rückblick vom Gratkopf zum Kreuzgipfel

Vom Hochpunkt aus reicht der Blick über den gesamten folgenden Grat bis zum Mitterkogel. Nicht, daß man den Grat in seinen Einzelheiten ausmachen könnte, aber dessen gesamten Verlauf mit den schmaleren Partien die das Herz schon höher schlagen lassen.

Anstieg auf den Mitterkogel im Überblick vom Gratkopf aus

Mit einem kurzen Abstieg von etwa 20 bis 30 Hm in die tiefste Einschartung zwischen Gratkopf und Mitterkogel beginnt der zweite Abschnitt der Gratüberschreitung. Der Abstieg führt vorwiegend über Gehgelände, bevor die Gegenseite mit einem schönen Aufstieg im Fels aufwartet. Dieser Abschnitt und die folgenden, relativ flachen schärferen Gratpartien hin zum Gipfelaufbau des Mitterkogels stellen das Highlight der kletterbaren Abschnitte der Überschreitung dar. Leider sind sie viel zu kurz.

Aufstieg zum Mitterkogel von der tiefsten Einschartung aus gesehen: im Vordergrund der tolle Felsaufstieg

Am Aufstieg stellen sich schräge plattig, ebene Felsflächen direkt am Grat entgegen, die genügend Risse für eine leichte Begehung aufweisen. Das Gelände steilt auf und wer am Grat bleibt erlebt einige schöne Partien in mäßig schwieriger Kletterei, bevor ein kleiner grasbewachsener Kopf den nächsten, nun schärferen Teil der Gratverbindung zum Gipfelaufbau einleitet und der in luftiger Kletterei an der Gratschneide begeht, bevor er auf der breite Flanke des nördlichen Gipfelaufbaues abrupt ausklingt.

am schärferen Grat zum Gipfelaufbau des Mitterkogels

Anschließend an diesen schönsten Teil der Überschreitung führt ein auffällig gut ausgetretener Steig auf die Westflanke des Mitterkogels, wohl als Umgehung des Gipfels gedacht. Er wurde nicht weiter verfolgt, da das Ziel ja die Gratüberschreitung zum Mitterkogel darstellte. Daher rechts vom Steig am Grat weiter und über einen auffälligen, wenige Meter mächtigen Einschub eines anderen Gesteins wieder auf die Grathöhe.

Rückblick über den bärigen, scharfen Teil des Grates

Nach ein paar Minuten auf der leicht zu begehenden Grathöhe wird der Gipfelpunkt mit dem Steinmandl sichtbar und auch gleich erreicht. Das Steinmandl stellt die Zier des richtigen Mitterkogels dar und das Gipfelplatzl für die Rast fällt denkbar klein aus. Im Süden vor dem Gipfelaufbau befindet sich eine tiefe Scharte zum nächsten Felskopf mit annähernd gleicher Höhe an der Mitterkogel, dessen westseitig wegbrechende Aufstiegsflanke zuerst optisch abstößt.

Rückblick auf den schönsten Teil der Überschreitung

Die Aussicht am Mitterkogel (2.583 m) gegen Westen zeigt die 1.600 m entfernte Peiderspitze (2.808 m), die in einer schönen, abwechslungsreichen Gratüberschreitung vom Brechten (2.419 m)  im Norden erreicht und mit dem Abstieg über den Ostgrat zu den Koflerspitzen (2.663 m) zu einer traumhaften Runde ausgebaut werden kann. Beide Gratüberschreitungen können mit dem Glas in ihrer Gesamtheit vom Mitterkogel eingesehen werden. Tief unten liegt der Hundstalsee als Überrest glazialer Ausprägung des ehemaligen Seitengletschers im Hundstal.

Aussicht gegen Westen mit Peiderspitze, Ostgrat von den Koflerspitzen und Schlossgrat von Norden

Gegen Südosten beeindruckt der wuchtig, bizarre Aufbau des 600 m entfernten Weißsteins (2.640 m) und der Eckpunkt der hier beschriebenen Rundtour, der Roßkogel (2.647 m) im Osten, in 1.600 m Entfernung, dessen Gipfelkreuz ebenfalls nicht am höchsten Punkt errichtet wurde.

Blick ins „Enge Tal“ und bis zu den Karwendelvorbergen nördlich von Scharnitz

Der Blick über die Koflerspitzen in die Sellrainer Seitentäler und den Dreitausender der zentralen Stubaier ist von Peiderspitze, Weißstein und Roßkogel noch besser, dafür aber die Übersicht über das Tal in der Tiefe und den hinter dem Inntal aufsteilenden Karwendelgipfeln in direkter Linie bis weit über Scharnitz hinaus ein bemerkenswerter.

prekär aussehender Gegenaufstieg auf den schroff abfallenden Gratbuckel im Süden

Der Übergang auf den südlichen Vorkopf konnte problemlos über die brüchigen Stellen ausgeführt werden, natürlich unter eingehender Probe der Festigkeit der Griffe. Die kurze Flanke sieht eher schlimmer aus als sie bei Belastung zeigt.

Mitterkogel vom südlichen Gratbuckel aus gesehen

Auf ihrer Hinterseite führt ein steiler wiesenbewachsener Hang auf eine Flachstelle mit anschließendem Abstieg in einen tiefen Sattel an dem die eher flache Gratverbindung zum Ostgrat der Nördlichen Sellrainer Berge beginnt.

Rückblick auf den Südgrat zum Mitterkogel

Einige Gratköpfchen stehen der direkten Verbindung noch im Weg, die der Verfasser am Hochpunkt überschritten hat. Es wäre aber auch möglich, diese auszulassen und den ostseitigen Steig zu benutzen, der mit weniger Auf und Ab dorthin führt.

der imposante Weißstein im Osten, das nächste Ziel

Am Ostgrat angekommen führt die Rundtour hinab in den weiten Sattel zum Weißstein. Etwas nördlich des bezeichneten Steigs erfolgt der Aufstieg aus dem Sattel zum Einstiegspunkt des Weißsteins, dessen schöne Felsgestalt vollständig aus festem Granodioritgneis gebaut ist.

Weißstein Westflanke von der Einsattelung aus gesehen; zu Beginn des letzten Bilddrittels der Einstieg

Der Aufstieg zum Gipfel wurde mittlerweile durch Markierungen gekennzeichnet, obwohl sich die Route in der AV-Karte nicht eingezeichnet findet. Der Einstieg erfolgt imposant am Fuße einer hohen Wand mit schätzungsweise 65 bis 70° Wandneigung in einen gutgriffigen Riss auf ein Wiesenband etwa 20 m darüber.

schöner gutgriffiger Aufstieg auf das Wiesenband

Leider zog just am Aufstieg hartnäckiger Nebel von den feuchten Hängen des Sellraintales herauf, der die Sicht über Minuten nahm und zwecks der fotografischen Dokumentation Pausen bedingte. Die Aufstiegsroute auf den Weißstein ist markiert vorgegeben und deshalb hier nicht ausgeführt.

steiler Aufstieg in eine schuttgefüllte Verschneidung

Am Gipfel wurde von der Bergrettung Gries im Sellrain ein Holzgipfelkreuz aus Rundhölzern gefertigt aufgestellt. Ein aus Blech getriebenes Edelweiß bildet den Kreuzknoten auf Stahlplattengrund und eine bestens ausgeführte Blitzschutzanlage, sowie ein ausgeklügelte Gipfelbuchschachtel runden die Perfektion der Dauerhaftigkeit ab. Ein Blick in das dicke Gipfelbuch verdeutlicht die hochfrequente Begehung des Weißsteins.

unterhalb der Gipfelwand des Weißsteins

Eindrucksvoll erscheint von hier auch der gesamte Nordgrat des Mitterkogels, die Höhenverhältnisse mit Scharteneinschnitten werden gut sichtbar. Leider konnten aufgrund der Nebelattacken die Größen der Stubaier nicht gebührlich betrachtet werden. Eine ausführlichere Beschreibung der Aussicht gen Süden befindet sich im Bericht über die Peiderspitze.

Weißstein, 2.640 m

Der Abstieg vom Weißstein am Grat folgt einem Verschneidungssystem in seiner Ostflanke, der – so wie der Aufstieg auch – seilversichert ist und daher leicht zu begehen. Martin, den der Verfasser am Gipfel kennengelernt hat, nahm gleichzeitig den Rückweg zum Roßkogel, von dem aus er den Abstecher zum Weißstein unternommen hat, in Angriff. Von ihm stammt das Bild in der Verschneidung.

Ansicht der Grate auf den Mitterkogel

Der Übergang zum Roßkogel führt über Bergwiesen mit schrofigen Rippen in einem leichten Auf und Ab ziemlich direkt der Grathöhe folgend, samt und sonders Gehgelände.

Roßkogel vom Weißstein gesehen

Hinter einer letzten Rippe nach dem Ende des Abstiegs in der Verschneidung führt der Steig über einen langen Sattel auf einen Zwischenkopf und weiter zum abgerundeten Roßkogel, bei dem das Gipfelkreuz etwa 90 m östlich der höchsten Erhebung errichtet wurde.

Rückblick auf den Weißstein am Weg zum Roßkogel

Zwischen dem geodätischen und dem Kreuzgipfel des Roßkogels befindet sich ein Streifenfundament mit Resten einer abgebrannten Liftstütze ohne erkennbare weitere Merkmale einer Seilbahn.

letzter Teil der langen, schönen Verschneidung hinab auf den Steig

Das selbe sonderbare Bild zeigt sich am Abstieg vom Roßkogel auf seinem Nordgrat, wo am flachen Teil des Windeggs ebenfalls zwei solcher Fundamente mit abgeschnittenen Stützen vorgefunden werden.

 

Martin am Steig zum Roßkogel

Dort kann man nebst einiger Buchstaben, die offenbar einen Namen bedeuten auch die Jahreszahl 1978 im Schriftzug „T.H. 1978 + A.B.“ lesen. Der Abstand der Fundamente beträgt 865 m und mit dem Höhenunterschied 1.010 m. Eine solche Spannweite würde gewaltige Spannkräfte benötigen mit entsprechenden Gegengewichten.

 

erster Teil des Steiges zum Roßkogel

Mit einem Höhenunterschied von 390 m ein ehrgeiziges Seilbahnprojekt worüber sich rein gar nichts im Internet und in der Chronik der Gemeinde Inzing, auf deren Gebiet die Anlage steht, recherchieren läßt. Was mag das wohl für eine Anlage gewesen sein und was ihr Zweck? Es gibt weit und breit nichts das man hätte mechanisiert auf den Roßkogel hätte bringen müssen.

 

kurz vor dem Roßkogel

Waren die Fundamente in Windegg das untere Seilbahnende? Die Seilachse nach Norden verlängert ergibt keinen Sinn, da sie in der Flanke zum Abhang ins Hundstal hin führen würde, wo eine Beladung der Bahn mit Material nicht hätte stattfinden können.

 

Fundamente am Windegg

Ebenfalls führt kein befestigter Weg vom Krimpenbachsattel zu den Fundamenten auf Windegg. Wozu könnte diese Anlage gedient haben? War sie jemals in Betrieb? All diese Fragen tauchen auf, wenn man die Trasse betrachtet. Wer kann Antwort darauf geben?

Nordgrat Roßkogel

Vom überlaufenen Gipfel des Roßkogels setzt die Rundtour über den markierten Nordgrat zum Krimpenbachsattel fort. Eine Abbruchstelle in der ostseitigen Umgehung eines kleinen Felskopfes, knapp nach dem Verlassen des Gipfelkreuzes, wurde durch eine neu gebaute Seilversicherung entschärft. Die Beschreibung dieses Normalwegs entfällt daher.

Rückblick über den Nordgrat auf den Roßkogel

Auf den Almböden trieben die Besitzer gerade ihre Pferde zusammen, als der Verfasser gegen den Krimpenbachsattel abstieg. Am Krimpenbachsattel muß der Almzaun überklettert werden, es gibt keinen Durchlass. Der Rest des Abstiegs zur Inzinger Alm erfolgt entlang des vom Weidevieh strapazierten Steiges am Almzaun, und später im Wald.

Mitterkogelgrat von der Wiese südöstlich der Inzinger Alm

Die großartige Runde hat 6:40 Stunden in Anspruch genommen. Sie benötigt 1.350 m Aufstieg und misst gut 10 km. Die Tour klingt bei Bier und Graukas in der Inzinger Alm aus.

Mils, 04.09.2022

1 Kartenanbieter, die den Steig zeigen und keinerlei Bezug zur heimischen Landschaft haben:
MapLibre GL JS
https://www.npmjs.com/package/maplibre-gl
https://alpenkarte.eu/
https://mapcarta.com/de/N758871003

 

 

Mölser Berg, 2.479 m

Eine kleine ansprechende Runde kann man über den Mölser Berg im Wattental, zwischen der Lizum und dem Mölstal unternehmen. Mit 1.100 m Aufstieg stellt sie ein ideales Unternehmen für zweifelhafte Wetterlagen, wenig Zeit und als Trainingsrunde dar. Das Ziel lohnt sich aufgrund seiner zentralen Lage am Ende des Wattentales mit bärigen Blicken rundum. Für den Abstieg bieten sich der markierte Steig nach Schotteben und weiter auf die Militärstraße in die Lizum, oder ein wegloser direkter Abstieg vom Gipfelkreuz entweder vorne vom Gipfelkreuz nach Norden, oder – diese Variante wird hier vorgestellt – direkt nach Westen ebenfalls über das weglose Gelände zur Kehre an der Militärstraße im Mölstal an.

vom Gipfelkreuz zum Mölser Berg geblickt (oranges Triangulierungszeichen links)

Wer mit weglosem, steilem Gelände zurechtkommt, dem seien die beiden letzteren Varianten empfohlen, sie führen über schönes Blockgelände und alpines Strauchgewächs auf die Militärstraßen hinab. Wer unbekümmert einer Richtungsfindung wandern will bleibt auf den Steigen, bzw. von der Mölser Scharte auf dem fast weglosen Gratrücken – bei dem es keine Richtungszweifel gibt – und unternimmt die längste aller Runden auf vorgegebenem Pfad. Möglicherweise ist der Mölser Berg aufgrund der direkten fehlenden Abstiegsmöglichkeit nach vorne kein sehr häufig besuchtes Ziel, möchte man doch eher eine Runde beschreiten und weniger den selben Rückweg als hin zum Ziel. Auf den Steigen ist das allerdings nur durch den kurzen Rückweg in die Scharte vor dem geodätischen Gipfel des Mölser Bergs möglich, bevor der Abstieg nach Schotteben erfolgt. Die Rundwanderung erfährt dadurch einige mehr an Länge, als durch einen Direktabstieg, siehe Routen weiter unten.

Mölssee (2.239 m)

Als Anstieg wurde bei dieser Begehung der malerische Steig ins Mölstal gewählt, der nach den Almhütten des Möls Niederlegers bei der Kehre direkt nach Süden abzweigt. Dies ist der Winteraufstieg der Schitouren auf den Mölser Kamm, z. B. auf den Nördlichen Klammer Schober, der Eigenroute des Verfassers auf die Naviser Sonnenspitze und auf die bekannteste Erhebung im Mölstal, der Mölser Sonnenspitze. Er mündet am Mölser Hochleger wieder in die Militärstraße ein.
Die Almgebäude am Hochleger werden passiert und  der Bach, der vom Mölssee herabzieht überquert. Dort bildet sich der Steig gut sichtbar aus und führt, etwa östlich, auf den ersten Rücken unterhalb des Sees bevor er nach Süden dreht und in einem Einschnitt weiterführt.

Aufstieg vom Mölssee auf die Mölser Scharte (2.379 m)

Oben am Ende des Einschnitts bildet sich ein flaches Becken aus, das den idyllischen Mölssee (2.379 m) birgt. Einige Minuten muß man dort verweilen, um die Idylle zu verinnerlichen und den Reiz der Landschaft aufzusaugen. Im Osten über dem See bildet die Mölser Scharte den Horizont. Der kleine Unterstand des Truppenübungsplatzes ist bereits sichtbar, sowie der Steig dorthin.

Links und rechts neben dem Steig wächst im Frühsommer unter anderen Blumen der gelbpunktierte Enzian in gar nicht geringen Inseln und stellt dort das höchste aller Gewächse dar. Am steilen Anstieg über Serpentinen zur Mölser Scharte wird auf Gesteinen aus dem Anis, Dolomit und Kalkmarmor, aufgestiegen, bevor die Scharte erreicht wird. Die gesamte Strecke vom Parkplatz bis zum Gipfelkreuz befindet sich im Innsbrucker Quarzphyllit, wie ein sehr großer Teil der Tuxer Alpen generell, sodaß diese Gesteine, die kaum wahrgenommen werden, wenn man nicht speziell darauf achtet, eine Ausnahme darstellen und am Nordrand einer noch viel imposanteren Ausnahme, dem Tarntaler Mesozoikum, lagern. Über letzteres, dem Tarntaler Mesozoikum, gibt es am Blog zwei Beiträge über wunderschöne und leichte Bergtouren, die kleinere auf die Tarntaler Köpfe und die ausgedehnte, darauf aufbauend, weiter zum Lizumer Reckner.

Rückblick auf den Aufstieg vom Mölssee auf die Mölser Scharte

An der Mölser Scharte (2.379 m) könnte die Runde auch ohne den Gipfel hinab nach Schotteben und weiter auf die Lizumer Böden fortgeführt werden, wodurch sie aber an Reiz verliert, fehlt doch eine ganz nette Gratüberschreitung und das sehenswerte Gipfelkreuz selbst.

Etwa 30 Hm müssen nach der Mölser Scharte in Richtung Norden bewältigt werden, um den Grat zu erreichen, bevor es länger am Gratrücken entlang weitergeht. Der Steig ist über den allergrößten Teil der Strecke am teilweise breiten und teilweise schmalen Gratrücken gut sichtbar.

Abschnitt am Gratrücken zum Mölser Berg

Nun folgt ein angenehmes Auf und Ab über die buckelige Landschaft mit üppigem Wiesenbewuchs und nicht wenig mit Alpenblumen, bevor ein etwas tieferer Abstieg in eine blockgefüllte Einsattelung führt an deren anderem Ende ein steiler und felsiger Aufstieg wartet. Etwas kühn mag der Gratbuckel in Wandereraugen aussehen, er ist jedoch ohne jede Schwierigkeit und Kletternotwendigkeiten zu erklimmen. An seiner Nordseite führt der Gratrücken über Wiesen zur letzten Einsattelung vor dem geodätischen Gipfel des Mölser Bergs, bzw. dem wirklichen Mölser Berg mit 2.479 m Seehöhe. Wer diesen Gratbuckel nicht besteigen möchte, der umrunde ihn links (westseitig) auf Wiesen.

Blick vom Gratbuckel nach Norden; Mölser Berg rechts, am Weg dorthin die Einsattelung mit dem Zustieg von Schotteben

An der Einsattelung vor dem Mölser Berg treffen beide Steige zusammen, der soeben begangene Südgrat und der Anstieg über die Ostflanke der Bergrippe von Schotteben herauf. Für jenen, der die Runde auf markierten Steigen bewältigen will stellt der Steig nach Schotteben den Abstieg dar.

herrlicher Blick vom Gratbuckel auf die Tarntaler Berge

In wenigen Minuten führt der Gratrücken auf den Mölser Berg, dessen Gipfelbereich ein leider notwendiges Triangulierungszeichen verschandelt, und er deshalb vom Verfasser nicht begangen wurde. Nach kaum 10 min ab dem Sattel wird der Kreuzgipfel des Mölser Bergs erreicht.

vom Gratbuckel auf das Mölstal in der Tiefe geblickt; unten Mölser Hochleger

Das massive, hohe und mächtig fundierte Gipfelkreuz befindet sich in einem Steinaltar eingebettet und stellt ein Gedenkkreuz für alle Wattentaler dar, die in den beiden Weltkriegen gefallen sind, sowie auch für jene aus dem Tal, die in der Schlacht bei Spinges, Südtirol (1797) – die für die Tiroler ein wichtiges Gedenken an die Vertreibung der feindlichen Napoleonischen Truppen aus dem Land darstellt – gefallen sind. Letztere sind sogar namentlich erwähnt, ein schöne Darstellung der Talgeschichte wie der Verfasser findet.

Gipfelkreuz am Mölser Berg, 2.479 m

Auf den Westabhängen der mächtigen Hippoldspitze im Osten gegenüber dem Mölser Berg befinden sich die tollen Almgebäude der Außermelanalm, der Niederleger und der Hochleger, die im Augenblick der Aufnahme spotartig beleuchtet wurden.

nordöstlich gegenüber die Außermelanalm mit Nieder- und Hochleger

Der beste aller Blicke ist wohl jener in den Süden mit den Krönungen an Gipfeln in der Wattener Lizum. Von links (südöstlich) muß man dort die mächtige Kalkwand, mittig die Lizumer Sonnenspitze mit den Tarntaler Köpfen im Vordergrund und dem höchsten Tuxer Gipfel, den Lizumer Reckner im Hintergrund, bis nach rechts, die Naviser Sonnenspitze erwähnen.

Ansicht des Südens vom Mölser Berg; die Tarntaler Berge als Highlight in der Wattener Lizum

Hinter dem Kamm zum Voldertal, knapp südlich der Seekarspitze, einem einsamen Schitourenziel, lugt noch das Rosenjoch hervor, ein Gipfel auf der sagenhaft schönen Runde rund um das Voldertal und bereits im Kamm zum Wipptal gelegen.

Blick in den Südwesten mit der Naviser Sonnenspitze in Bildmitte

Der leichteste und offizielle Abstieg über den Steig nach Schotteben erfordert die Rückkehr zur oben beschriebenen Einsattelung vor dem eigentlichen Mölser Berg, hier die Karte dazu:

Mölser Berg Normalabstieg

Eine Variante, und zwar jene direkt vom Gipfelkreuz nach vorne, nach Norden in Richtung Kanzel (2.147 m), beschreibt Roman auf seinem Bericht über den Mölser Berg in Hikalife und am Ende stellt er auch eine Karte zur Verfügung.

Die Abstiegsvariante des Verfassers findet hier auch nur mit einer Karte und verbal Erwähnung, da er es unterlassen hat Bilder anzufertigen. Die kleine Wanderung war zum Zeitpunkt der Begehung nicht als veröffentlichungswürdig eingestuft.

Mölser Berg Variante Abstieg westlich im Detail

Vom Gipfelkreuz kann man kurz nach Südwesten in eine breite Mulde und weiter über Blockwerk, oder westlicher über einen recht steilen Hang auf den knapp 100 Hm tieferen Karboden weglos absteigen. Für den Abstieg westlich, direkt auf die Kehre der Militärstraße im Mölstal zu, empfiehlt der Verfasser hohe Bergschuhe die auf steilen Bergwiesen gut halten, sowie gute Bänder im Sprunggelenkbereich, da die steilen Wiesenflächen wenig ebene Stellen aufweisen.

Weiter nordwestlich sollte nicht abgestiegen werden, unterhalb des Gipfels befindet sich ein Hinweisschild, daß dort die Ruhezone von Auerwild beginnt.

Mölser Berg Variante Abstieg westlich, Übersicht

Im Karboden faszinieren hausgroße Felsblöcke mit eindrucksvollen Spaltungen und Verwendungsspuren von Tieren als Abri, einem natürlichen Schutzdach. Über tolle Hänge wird der Abstieg fortgesetzt. Die Almrosenbüschel, die dabei durchwandert werden sind ein weiterer Grund für hohe Bergschuhe, soll nicht das Schienbein unter den knorrigen Zwergsträuchern leiden. Die Formen und Farben der Moose erfreut das Herz am Abstieg.

Nahe der Militärstraße werden die ersten Zirben erreicht, sowie ein Jägerstand hinter dem Steigspuren durch den schmalen Waldstreifen oberhalb der Kehre führen. Oder man bleibt im offenen Gelände und trifft weiter unten auf einen geheimnisvollen Steig, der vorne um den Mölser Berg herum führen soll, wenn man der Karte in Outdooractive Glauben schenkt. Ab der Kehre führt der Schotterweg talauswärts.

Kamm von Mölser Scharte (oberhalb schlängelnder Schotterweg) bis zum Mölser Berg vom Nordgrat der Kalkwand gesehen; Zustieg von Schotteben rechts abzweigend in die zweite Einsattelung, rechts Mölser Berg

Die kleine Runde erfordert 1.100 Hm Aufstieg, und 4:15 Stunden Zeit bei zügigem Schritt. Die Variante des Verfassers erstreckt sich über 14,3 km.

Auf dem Normalabstieg nach Schotteben und Wanderung über die Lizumerstraße fallen 17,4 km und entsprechend mehr Zeit (ca. + 45min) an. Dort dient die Lizumer Hütte als Stützpunkt, von der aus auch mit dem Hüttentaxi ausgefahren werden kann.

Daten von Romans Variante über den Nordabhang sind auf Hikalife nachzulesen, Link oben.

Mils, 09.07.2022

Lizumer Reckner, 2.886 m – über Tarntaler Köpfe

Zum höchsten Gipfel der Tuxer Alpen, dem Lizumer Reckner, führt ein malerischer Anstieg aus dem Wattental über die Tarntaler Köpfe, der zum Geier fortgeführt und mit dem Abstieg zur Lizumer Hütte zur Rundtour erweitert wird. Die landschaftlichen Eindrücke im Oberen Tarntal können es dabei nach der – gegebenenfalls verwegenem – Überzeugung des Verfassers mit den Eindrücken der Landschaften im Dead Valley, Kalifornien, aufnehmen, im des Landes gleichen geografischen Maßstab versteht sich, farblich aber allemal und inmitten des Oberen Tarntals stehend, ohne jeglichen Zweifel.

Aussicht auf die Große Runde über die Lizumer Sonnenspitze und den Lizumer Reckner

Diese Reise möge jener speziell dann unternehmen, welcher der Meinung ist, die Berge der Heimat bestünden einerseits aus Kristallin, andererseits aus Kalk, oder umgekehrt und – zum verschwindenden Teil in Nordtirol – aus Dolomit. Eine neue Variante der heimatlichen Vielfältigkeit ist dem Begeher dieses Wunderlands absolut sicher, wobei Erinnerungen an Wintertouren dorthin nicht statthaft sind, denn, weiß bedeckt vermögen die Eindrücke im Winterkleid die geologische und farbliche Wirklichkeit der Landschaft völlig zu verschleiern denn widerzugeben. Dies soll der hier vorgestellte Grund sein die Reise über die alpinistisch harmlosen Gipfel des Sommers zu unternehmen, die auch als ein Naturgeheimnis der Tuxer bezeichnet werden könnten. Enttäuschung ist dabei ausgeschlossen, Magie des Augenblicks und Erinnerung auf Dauer dabei garantiert.

 

Edit auf der Lizumer Sonnenspitze

Dieser Bericht stellt die Fortsetzung der Runde über die Tarntaler Köpfe dar, die mit dem Abstieg von der Tarntaler Scharte die vom Verfasser im Bericht „Tarntaler Köpfe, 2.756 m – Runde zur Lizumerhütte“ beschrieben wird. Die Erweiterung dieser kleinen Runde startet an der Tarntaler Scharte und beginnt mit dem zunächst mühsamen Aufstieg über die nördliche Schuttflanke der beeindruckenden Lizumer Sonnenspitze. Sie gipfelt mit dem einprägsamen Rundblick nach dem Aufstieg zum Lizumer Reckner in ungewöhnlichem Gestein. Sie endet mit dem geologisch weiterhin interessanten Abstieg über den Geier und zur Lizumer Hütte.
Es empfiehlt sich somit den Bericht über die Tarntaler Köpfe vorher zu lesen.

Kieselschiefer mit schraubenförmiger Gestalt

Hinweis: In der Bildergalerie des vorliegenden Berichtes befinden sich ein paar Bilder von den außergewöhnlichen Eindrücken der vielfältig geformten Gesteine im Anstieg zu den Tarntaler Köpfen. Diese überlappen mit dem Bericht des Zustiegs über die Tarntaler Köpfe und sind nicht Gegenstand der nachfolgend beschriebenen Strecke, jedoch müssen die Impressionen davon einfach zugänglich gemacht werden, so sehenswert und mystisch sind diese Naturerscheinungen (!) -, sowie auch ein Bild aus dem Dead Valley, das der Verfasser zur Untermauerung zu seinen gewagten Aussagen in der Einleitung erwähnt und damit beides, seine Heimat und die Natur in der Fremde würdigen möchte. Was gibt es „natürlicheres“ als dieses statische Chaos, gestalt- sowie farbenfroh und geduldig, hie und dort?

Anstieg zur Nordkante der Lizumer Sonnenspitze knapp vor der Tarntalscharte

Die phantastisch anzusehenden Oberflächen in den Tarntaler Bergen und der Reckner stellen eine außergewöhnliche Laune der Natur dar, indem geologisch-tektonischen Prozesse in vielen Millionen von Jahren eine Insel von gegensätzlichem Ursprung zur weithin sichtbaren Umgebung geschaffen haben.
Eine, ähnlich aus fremder Umgebung herausgebildete, in Gestein, Entstehung und Ausprägung dennoch gänzlich unterschiedliche Landschaft, die sich etwa 27 km perfekt westlich des Lizumer Reckners in den einzigartigen Kalkkögeln ergab und ein weiters einzigartiges Geschenk für die heutigen Bewohner des Landes darstellt, mag kein Zufall sein. Beides Relikte des Erdmittelalters, beide völlig verschieden, beide einzigartig.

Anstieg zur Nordkante der Lizumer Sonnenspitze von der Tarntalscharte

Der Blick entlang gleißendem Sonnenlicht des Vormittags von der Tarntaler Scharte auf die deutlich erkennbare Gratscharte mit dem Durchstieg am massiven Nordgrat, der sich vom Gipfel der Sonnenspitze in Richtung Oberes Tarntal hinzieht und dessen Mächtigkeit dorthin abnimmt, mag von unten als verwegenes Ziel erscheinen, in Wahrheit und mit nur wenig ausgeprägter Entschlossenheit bewältigt es jeder ernsthaft interessierte Bergwanderer mit Leichtigkeit. Der Aufstieg auf schlechtem Steig über die schiefrigen und erdigen Schutthänge erscheint mühsam, ernsthaft gefährlich, oder ausgesetzt ist er aber keinesfalls. Zwischenraste gibt es an Schrofen im Hang bevor das Felsgelände am Durchstieg erreicht wird.

Rückblick auf den Zustieg zur Tarntalscharte von den Tarntaler Köpfen

Tonschiefer, dunkler und heller Dolomit, Dolomitmarmor sowie Plattenkalk prägt den Aufstieg zur kurzen Rinne auf den Westgrat der Lizumer Sonnenspitze. Im unteren Teil oberhalb der Tarntalscharte befindet sich unter einem mächtigen dachartigen Vorsprung der darüberliegenden Felswand des Nordgrates ein unzureichend stabil gebauter und daher bereits in Auflösung begriffener Holzbau, der wohl eine Art Unterstand darstellen soll. Es macht den Anschein, daß er nie vollendet, ja in halbfertigem Zustand aufgelassen wurde – kein Ruhmesblatt.

im ersten Drittel des Aufstiegs zur Nordkante der Lizumer Sonnenspitze (Dolomite Kössen Fm.)

In der kurzen Rinne, die eigentlich eine stark erweiterte Rissfuge am Grat darstellt, werden die letzten Höhenmeter in angenehmen Stufen überklettert und dabei eine Linse rötlichen Kieselschiefers in eher grün gehaltener Umgebung des selben Gesteins angetroffen. Der Einsatz der Hände über diese Stufen ist notwendig, jedoch stellen die Felsbänke keine Schwierigkeit dar.

kurz vor der Nordkante der Lizumer Sonnenspitze mit leichten Kletterstellen

Oberhalb der Felsen wechseln die Kieselschiefer ihre Gestalt und zeigen dichten Wiesenbewuchs, bis hinauf zum Gipfelkreuz, das an dieser kleinen Flachstelle nach den Felsen bereits sichtbar ist.

Rückblick auf den schräg erfolgten Aufstieg (beachte die rote Kieselschiefer am unteren Bildrand)

Im Süden fallen gleich Lizumer und Naviser Reckner auf, die bei der ersten Betrachtung angebrannt erscheinen, oder als völlig schwarze Kohlenhaufen. Ebenfalls fällt das Blockgelände an deren Nordfuß auf, das mit dunkelbraunen Tönen wiederum eine andere Färbung zeigt und sich in das Obere Tarntal erstreckt.

Gipfelkreuz der Lizumer Sonnenspitze in Sicht

Am Steig geht es nun dem Gipfel der Lizumer Sonnenspitze entgegen. Teilweise verschwindet der Steig am felsigen Grat, die Richtung ist aber nicht zu verfehlen. Man kann die äußerste Gratkante vor dem Nordabbruch wählen und muß gegen das Gipfelkreuz hin leicht in die Flanke hinein. In gut zehn Minuten wird der Gipfel erreicht.

erster Blick ins Obere Tarntal mit dem Lizumer Reckner

Das schöne und massive Holzgipfelkreuz auf der Lizumer Sonnenspitze der Bergrettung Wattens, auf 2.831 m, wurde 2002 zum 50-jährigen Vereinsjubiläum errichtet und bald wird es das 75—jährige Bestandsjubiläum feiern dürfen. Viel Platz prägt den Gipfelbereich nicht und  Sitzgelegenheiten auf den spitzen Schichtungen sind rar, dennoch legten wir eine 20 minütige Pause am zentralsten Hochpunkt der Tarntaler Berge ein, um die Landschaft in Augenschein zu nehmen.

Lizumer Sonnenspitze, 2.831 m

Gegen Süden, in Marschrichtung der Rundtour, bietet sich ein sagenhaftes Bild mit vielfältigen Eindrücken. Dominierend der Lizumer Reckner mit seiner „kohlrabenschwarzen“ Erscheinung und im Vordergrund die Farbspiele der vielfältigen Gesteine im Oberen Tarntal zeichnen etwa Eindrücke wie man von jenen etwa der Artist’s Palette oder am Zabriskie Point kennt – in anderen Farben, jedoch genauso wechselhaft (siehe Fotos des Verfassers in der Bildergalerie).

phantastische Szene im Obere Tarntal mit Lizumer Reckner und den Gipfeln des Tuxer Hauptkamms

Bei dem aus der Ferne schwarz erscheinenden Gestein des Lizumer Reckners handelt es sich um Serpentinit, einem Gestein das im Ozeanboden vor etwa 187 +/- 14 Ma* durch Umwandlung unter hohem Druck und nicht sehr hohen Temperaturen gebildet wurde.
Hinter dem Reckner im Süden, nun ganz und gar nicht mehr mit dem Dead Valley vergleichbar, die Zillertaler Alpen mit dem Olperer.

Naviser Reckner mit den mannigfaltigen Gesteinen im Oberen Tarntal, dahinter die südöstlichen Stubaier Alpen

Im Westen fällt das Obere Tarntal nach dem Naviser Reckner in die Knappenkuchl hin ab. Durch das nicht von Blockwerk bedeckte Hochtal und über die Kante zum Abhang ziehen sich verschiedenfarbige Kalk- und Kieselschiefer sowie Bänderkalkmarmore dahin. Weit in der Ferne die Stubaier Alpen, davor die sanften grünen Tuxer Kämme des Navis- und Schmirntals.

die mächtige Kalkwand (ein aufgesetzter Dolomitgipfel) im Osten

Der Abstieg von der Lizumer Sonnenspitze führt, wie am Aufstieg oberhalb der Einschartung am Westgrat über die steilgestellten grüngrauen Kieselschieferplatten, die sich, nach dem unmittelbaren Gipfelaufbau, mit Kalkschiefer (an der beigebraunen Farbe leicht zu erkennen) und Breccien abwechseln.

Tarntaler Köpfe im Norden

Der Abstieg wird flacher und erreicht einen Tiefpunkt in der etwa 1,5 km langen Strecke von der Lizumer Sonnenspitze bis zur Einsattelung zwischen Geier und Lizumer Reckner. Auf dieser Strecke wechselt sich der Kieselschiefer mehrfach mit dem nun erstmals auf der Begehung auftretenden Serpentinit ab. Deutlich sind die Übergänge anhand der Farben und Formen zu erkennen während man sich dem schwarzen Koloss des Lizumer Reckners nähert.

Abstieg über steil gestellte Kieselschieferplatten

Etwa nach 25 Minuten vom Aufbruch auf der Sonnenspitze wird etwa am Nordostgrat des Reckners eine tiefe Senke erreicht, die bei unserer Begehung noch mit einem Restschneefeld gefüllt war. Anschließend an die Senke führt der – nur mehr anhand von vereinzelten Steinmännern erkennbare – Steig durch ein Bergsturzblockfeld mit tollsten Formen und Farben. Zumindest an dieser Seite des Lizumer Reckners hätten wir keinen Blockgletscher mit Toteis erkennen können.

 

letztes Schneefeld in tiefer Senke am Nordostgrat des Lizumer Reckners; das Trümmerfeld links beinhaltet phantastische Gesteine

Die Gesteine, die im Bergsturzblockfeld liegen stammen von der Ostseite des Lizumer Reckners und man findet dort beispielsweise eine, auch in der weiteren Umgebung nicht auftretende, außergewöhnliche grünliche Breccie, die aus dunklen Karbonaten (Kalken) und Serpentinit besteht – Ophikarbonat genannt. Eine Mischung aus Serpentinit und Sedimenten dürfte auch die feinkörnige Kluftfüllung darstellen.

Ophikarbonat – grünliche Breccie, dunkle Karbonate (Kalken) und Serpentinit

Das Trümmerfeld besteht jedoch weitestgehend aus Serpentinit, ein Umwandlungsgestein das charakteristisch glänzenden Bruchflächen und grüne, grünschwarze und schwarze Farbtöne, durchzogen von roten bis rotbraunen Flecken, aufweist. Es wird im Natursteinhandel, für Kunstobjekte und als Schmuck genutzt.

Handstück Serpentinit mit typisch glatter, glänzender Bruchfläche

Die eigenartigsten Oberflächen können hier bewundert werden. Zum Bild oben findet man in der Literatur die Erklärung: „…ist Scherung aufgrund der Kräfte üblich, die durch die positive Volumenänderung bei der Hydratation von Mantellithologien in Verbindung mit einer geringen Scherfestigkeit und oft einem etwas chaotischen Taumeln aufgrund von Auftriebskräften erzeugt werden…“.

Scherfläche an Serpentinit

Nun, der wissenschaftlichen Wahrheitsgehalt wird hier nicht zu erörtern sein, jedoch ist vorstellbar, daß die Zähigkeitseigenschaften und das Kristallwachstum dieses Gesteins bei Scherung solche ungewöhnlichen Flächen hervorzubringen imstande sind. Wobei sich in der Literatur häufig die Aussage von Bindung von Wasser bei der Entstehung von Serpentinit, und darüber hinaus die Aussage „…von maßgebender Bedeutung für den Wasserhaushalt der Erde…“ findet – um ein abgerundetes Bild der obigen Aussage wiederzugeben – welch unbekannte Schätze uns doch in der Heimat widerfahren.

Quer durch das sagenhafte Trümmerfeld führt die Route, bei der mitten im Feld die Steinmänner verschwinden, auf die Einsattelung zwischen Geier und Reckner.
Der Anstieg führt auf schuttig-erdigen Flächen empor, wobei wir die unterhalb der Einsattelung wieder sichtbaren Markierungen nicht ansteuerten, sondern links davon über flacheres Gelände aufstiegen.

Rückblick auf den Steig von der Lizumer Sonnenspitze zum Reckner mit dem phantastischen Trümmerfeld

Der Grund für den Schwenk war der schlechte Zustand des Steigverlaufes in losem, rutschhaftem Gelände, das zu steil für dessen lose Oberfläche erschien. Mittels Spitzkehre und dem Aufstieg auf der Leeseite einer Wechte am Sattel erreichten wir denselben.

Aufstieg zum Sattel zwischen Geier und Lizumer Reckner; wir sind links auf die Kuppe und dann über das Schneefeld zum Sattel

Am Sattel erspäht man auch gleich das Gipfelkreuz und den Aufstieg, der im oberen Teil durch Fels, der in leichter Kletterei bewältigt wird, führt. Zunächst setzt ein Steig am Sattel nach Norden fort und die Stöcke können noch eingesetzt werden.
Dem Aufmerksamen wir dort und auf dem weiteren Aufstieg auffallen, daß auf Serpentinit spärlich und vereinzelt Pflanzenwachstum zu beobachten ist. Dies hängt mit den reichen Schwermetallanteilen im Gestein zusammen.

Naviser (li) und Lizumer Reckner – die beiden einzigen Serpentinitgipfel in den Tuxern

Nach kaum fünf Minuten wird eine Stelle erreicht an der Chrysotilfasern vom Felsblock abgewittert wurden und am Boden liegen. Chrysotil ist ein Schichtsilikat, das bei der Entstehung von Serpentinit gebildet wird, es ist eines der Asbestminerale, somit krebserregend, und wurde früher für hitzebeständige Kleidung und für Dachverkleidungen verwendet.

Chrysotilgestein und -fasern am Boden während des Aufstiegs

Kurz danach steht Fels am Steig an, der mit Hilfe von Klammern erklettert wird. Kleinere Klettereien setzen ab dort bis zum Gipfel fort, der in wenigen Minuten erreicht wird. Der Aufstieg vom Sattel bis zum Gipfel beträgt lediglich 77 Hm. Serpentinit sein rutschig, so ein Alpenvereinsführer zum Aufstieg auf den Reckner. Wir konnten diese Eigenschaft im Aufstieg nicht feststellen, die oben beschriebenen glatten Bruchflächen des Gesteins stellen aber höchstwahrscheinlich die Ursache für diese Aussage dar, vor allem im nassen Zustand.

die erste zu überkletternde Felsstelle; mit Klammern keine wirkliche Herausforderung

Die Aussicht vom Lizumer Reckner ist phänomenal. Als Höchster der Tuxer Alpen mit einer Dominanz von 7,7 km im Süden (Kleiner Kaserer) und nur einem sichtbaren höheren Gipfel im nördlichen Halbkreis, der Zugspitze in 56 km Entfernung. Streng westlich befindet sich die Haidenspitze in 43 km und streng östlich der Kuchelmooskopf in der Reichenspitzgruppe mit 35 km Entfernung als jeweils naheste höhere Erhebung.

Lizumer Reckner, 2.886 m – gegen die hohen Gipfel des Tuxer Hauptkamms

Der Ausblick an diesem Tag war durch Bewölkung und dadurch Abschattung in den Norden begrenzt, die Zillertaler Alpen mit den gegenüberliegenden Gipfeln des Tuxer Hauptkamms jedoch eindrucksvoll zu betrachten. Zwischen Gfrorene Wand Spitzen und Olperer blickt man auf den höchsten Zillertaler Gipfel, den Hochfeiler. Zwischen Hohem Riffler und den Gfrorene Wand Spitzen blickt man auf den Großen Möseler und noch weiter links (östlich) auf den Schwarzenstein. All jene in zwischen 20 und 23 km Entfernung.

Hochfeiler in 20 km Entfernung

Der Naviser Reckner ist dem Lizumer westlich vorgelagert, um 62 m niedriger, und mit einem brüchigen Grat verbunden, dem man, so wie dem Aufstieg auf den Lizumer von der Einsattelung zum Geier aus, mäßige Schwierigkeit in der Kletterei attestiert. Den Übergang haben wir aus Zeitgründen nicht unternommen.

Naviser Reckner – ein anschauliches Beispiel der geringen Verwitterungsbeständigkeit des Serpentinits

Durch ihre Farbe eindrucksvoll zu betrachtende Felsstürze umgeben den Naviser Reckner sowohl als den Lizumer. Serpentinit verwittert mit rötlich brauner Färbung (aufgrund der darin enthaltenen Eisenoxide?). Beide Bergstöcke bestehen vollständig aus Serpentinit, wobei die Südflanken der Sonnenbestrahlung ausgesetzt sind, junge Abbrüche im Süden bestätigen die zeitliche Entwicklung. Nur die südlichen Flanken, nicht die solar bestrahlten Nordflanken und nicht die jungen Abbrüche im Süden, zeigen rötlich braune Verwitterungsfärbung.

Kalkwand im Nordosten – auf ihrer Nordseite wartet sie mit geringen Malachitvorkommen auf

Phantastische Farbspiele sind im gesamten Umkreis der beiden Reckner festzustellen. Diese bilden das Tarntaler Mesozoikum (Erdmittelalter) bzw. größtenteils, denn die Kalkwand, nordöstlich talgegenüber, und Teile der Mölser Berge gehören auch dazu, wenn auch in einer anderen Decke.

Griffjoch mit Schafseitenkamm in den südlichen Tuxern; in der Tiefe das Kluppental

Eindrucksvoll ragen die Tarntaler Köpfe mit dem Blick vom Lizumer Reckner in der Frontalansicht nach Norden vom Grat auf. Darunter, in deren Bergstock, sind die tieferliegenden Gesteine als Schrofenbänder sichtbar. Es handelt sich dabei um ein schmales Band von Dolomiten der Kössener Schichten und darunter Kalkschiefer.

Tarntaler Köpfe im Norden, rechts Lizumer Sonnenspitze

Am Abstieg, nahe der Einsattelung, kann eindrucksvoll das Vorkommen von Chrysotil im Serpentinit betrachtet werden, sowie dessen vom Fels abgewitterte Fasern, die daneben aufgestreut lagern. Die Bruchstücke des Chysotilminerals besitzen etwa die Größe eines Zündholzes und an den Enden kann man die feinen Fasern erkennen, aus denen das Bruchstück besteht. Die Proben liegen direkt neben dem Steig und sind leicht zu finden, wenn man genau schaut.

Chrysotilfasern (auch Weißasbest) am Südgrat

Der Übergang zum Geier gestaltet sich in sehr ebenflächigem, rundem Terrain, topographisch völlig unverständlich im Vergleich zu den Felsgestalten der Reckner. Und der Geier selbst, obwohl ebenfalls von Serpentinit aufgebaut, ist kofelartig rund geformt mit keiner nennenswerten Erhebung über seine Kuppenfläche hinaus. Welch Gegensatz zu seinen felsigen nördlichen Nachbarn.

epischer Blick nach Süden – mittig in der Tiefe die wunderbare Hornspitze

Dem ungestörten Ausblick vom Geier auf die Größen des Tuxerkammes der Zillertaler Alpen muß ein Kleinod hinzugefügt werden, das man leicht übersieht, blickt man nur in Schnee und Eis. Es ist dies die Hornspitze, welche als südlichster Gipfel den Übergang von den Tuxer Alpen zu den Zillertalern markiert, genau bildet das Tuxer Joch die Grenze. Ihre reizvolle Besteigung kann nur empfohlen werden.

Kind des Phyllits – silbrig glänzende Hornspitze

Knapp 50 Hm Schartenhöhe zwischen ihm und dem Lizumer Reckner sichern dem Geier gerade noch Gipfelstatus, jedoch ist er durch seine Lage bedeutend, denn er stellt die südlichste Erhebung im Reckner Komplex dar, dem oberen Teil des Tarntaler Mesozoikums. Er begrenzt die geologische Besonderheit mit seiner steil nach Süden abfallenden Flanke zum Junssee hin. Mit dem Ende des Abhangs beginnt das Glockner-Deckensystem mit Kalkphyllit und Bündnerschiefer.

Rückblick nach Norden auf die Reckner

Der Abstieg vom unspektakulären Geier beginnt eher flach und zieht über einen interessanten Hangabschnitt, bei dem die Lagerung der unteren Gesteine des Tarntaler Mesozoikums noch einmal sehr anschaulich betrachtet werden können.

die Fremde in Bildmitte – Pluderling; ein völlig anderes Gestein anderer Entstehungsgeschichte bildet die Grenze zum Erdmittelalters

Dort findet man oberhalb des Steigs als unterste Schicht Dolomite, Kalkmarmore, mit Auftreten von Rauwacke, darüber die schon mehrfach fotografierten Kieselschiefer und darüber Breccie.

malerischer Junssee vor der Kulisse der südlichsten Tuxer Gipfel und des Tuxer Hauptkamms

Am Joch zwischen Geier und Pluderling dringen bereits die Bündnerschiefer der Glockner-Decke in das Tarntaler Mesozoikum ein und dies ist anschaulich durch die fast homogen mit Schieferplaten bedeckte Oberfläche des Pluderlings im Osten erkennbar. Vergleicht man die Landschaft unmittelbar im Vordergrund (Nordwesthang Pluderling) mit der dahinter liegenden der Kalkwand, dann stellt man völlige Unterschiedlichkeit fest und hat einen weiteren Beleg für das hoch wechselhafte geologische Gebiet.

schön sichtbare chronologische Entwicklung der Gesteinsschichten am Südostabhang des Geiers (zuoberst die Breccien-„Tatze“)

Um die Felskante herum und bereits im Kar zum Lizumer Boden hinab gibt es einen einzigartigen Blick auf eine Vielzahl verschiedener Gesteinsarten hin zur Lizumer Sonnenspitze als da wären: Serpentinit, Kalkschiefer, Kieselschiefer (rot?, grün), Jurabreccie, Rhät-Dolomit (hellgrau bis gelbbraun), bunter Tonschiefer, blaugrauer Plattenkalk, grauer Mergelschiefer.

 

Vorstoß der Bündnerschiefer der Glockner-Decke von Süd am Pluderling

Am weiteren Abstieg gäbe es noch ein für das Tarntaler Mesozoikum typisches Gestein zu sehen, die Quarzitschollenbreccie. Leider ist diese fotografisch der Hektik des angestrebten Hüttenbesuches in der Lizumer Hütte zum Opfer gefallen und muß ein anderes Mal abgelichtet werden.

 

Rückblick in den Norden mit phantastischen Farben der Gesteine zur Lizumer Sonnenspitze

Für die phantastische und lehrreiche Rundtour über die Tarntaler Köpfe auf den Lizumer Reckner und Geier mit Aufstieg und Abstieg vom und zum Parkplatz Walchen, sowie alle Pausen und dem Hüttenbesuch haben wir 11:45 Stunden benötigt.
Die Strecke beträgt 24,2 km und die Aufstiegsarbeit 1.785 Hm. Im oben verlinkten Bericht über die Tarntaler Köpfe ist die Möglichkeit mit dem Hüttentaxi in die Lizum anzureisen beschrieben. Benützt man dieses, dann verringert sich der Aufstieg auf etwa 1.200 m und die Strecke beträchtlich.

 

Mils, 03.07.2022

* Millionen Jahre

Tarntaler Köpfe, 2.756 m – Runde zur Lizumerhütte

Die kleine Schwester der sagenhaft schönen Runde über die Tarntäler zu Lizumer Reckner und Geier stellt die kürzere Runde über die Tarntaler Köpfe mit dem Abstieg von der Tarntaler Scharte zur Lizumer Hütte dar. Im Gesamten auf Steigen verlaufend, mit einer kurzen, durch einen Felssturz verlaufenden Passage ohne Markierungen, jedoch mit eindeutig sichtbarer Route, findet der versierte Wanderer eine leichte Bergtour mit verzaubernden Formen, Farben und Natureindrücken.

Großer Tarntaler Kopf vom nördlichen Vorbau

Am Schönsten wird die Runde mit dem langen Anstieg vom Parkplatz vor dem Lager Walchen in der Wattener Lizum erlebt. Durch den Aufstieg über Außermelan- und die idyllische Innermelanalm und den phantastischen Zirbenwald nähert man sich den Tarntaler Köpfen allmählich und genießt den Vorzug die Eindrücke aus vielen Blickwinkeln zu erleben.

Blick von der Außermelanalm auf die Tarntaler Sonnenspitze

Der Transfer mit dem Hüttentaxi ist eine weitere Möglichkeit des Aufstiegs in die Wattener Lizum, sie mag dem weniger konditionsstarken Geher vorbehalten sein. Die Nutzung zum Abstieg ist ebenfalls möglich, Details über das Hüttentaxi finden sich im Internet.
In jedem Fall meide man den Aufstieg über die Straße in die Lizum, auf der linken Talseite wandert es sich wesentlich schöner als auf der Mölserbergseite. Zum Abstieg kann man sich die Straße ja einmal ansehen.

Innermelanalm im Rückblick vom Zirbenweg

Am Fußweg muß vor der Brücke zum Hauptgebäude des Militärlagers auf der linken Seite neben dem Wattentalbach aufgestiegen werden. Die ersten 700 m neben dem Bach führen als Eintrittskarte über teilweise rutschiges Augelände, bevor der aufsteigende Waldweg beginnt. Der breite Waldweg erstreckt sich über 1,8 km bis zur Innermelanalm, zum Beginn des Steiges durch den Zirbenwald.

Tarntaler Sonnenspitze links, Tarntaler Köpfe recht davon

Nach dem Ende der Waldgrenze steigt der wieder zum breiten Weg sich ändernde Steig durch kleine Felsschrofen hindurch auf das Plateau der Lizum, östlich des Militärgeländes mit den Kasernengebäuden. Dort führt eine Gasse zwischen Abgrenzung des Militärgeländes und einem Stall auf die Zufahrt zur Lizumer Hütte. Diese kann man nehmen, wenn man nicht bis zur Hütte aufsteigen will. Wenn man es dennoch will, kann man auch bei der Hütte quer über den Bach und über die Almweiden in Richtung Westen den Steig nach Schotteben erreichen.

nun auch die Klammspitzen ganz rechts zu sehen; links die Tarntaler Scharte, über die abgestiegen wird

Den kürzeren Weg über den elektrischen Weidezaun durch das Kasernengelände meide man in jedem Fall, der OVT des Lagers dort muß Haltung zeigen ist meist sehr angerührt, wenn blutige Zivilisten das Gelände betreten von dem aus die lustig anzusehende Holländertruppe Frühsommers immer ihre Übungen mit Quads abhält. Auf einem der beiden Wege gelangt man jedenfalls auf die Westbegrenzung des Plateaus mit dem Beginn des Aufstiegs nach Schotteben, in Richtung der Lifttrasse.

Alpen-Milchlattich beim Brunnen am Weg zur Kaserne

Vermeiden lassen sich die Schotterwege auf das Klammjoch – das nun angesteuert wird – nur durch hohe Almrosenbüsche, die auf der direkten Linie über den Hang flächendeckend den Aufstieg über freies Gelände bewachsen. Da kommt man zu Beginn des Sommers, in dem die im Saft stehenden, knorrigen Zwergsträucher jedem Schritt des Begehers ihren drahtigen Wuchs dem offenen Schienbein entgegensetzen, gerne wieder auf den Schotterweg zurück, um kratzerschonender und rascher weiterzukommen.

Lager Lizum; bei den Gebäude am linken Bildrand kommt man durch auf die Straße, ohne das Kasernengelände zu betreten

Der beim Schild zugewucherte, vom TVB markierte Beginn eines Steigs, stellt möglicherweise eine Option des Aufstiegs in der Liftrasse dar, aber das müßte man aber erst erkunden – und so wurden die ausgerundeten Kurven der Fahrstraße vorgezogen und in voller Länge abgeschritten, um zu den Almgebäuden auf Schotteben zu gelangen.

am Weg zum Klammjoch; links die Klammspitzen, rechts die Tarntaler Köpfe

Auf Schotteben hätte man die Möglichkeit direkt auf Steigspuren zu den Klammspitzen aufzusteigen und somit die Runde abzukürzen. Allerdings wird dadurch der schöne Klammsee ausgelassen und der weniger Versierte findet nach dem Grat einen sehr steilen relativ weglosen Abstieg zum Steig auf die Klammspitzen vor. Die Empfehlung lautet daher die Schotterstraße zum Aufstieg zum Klammjoch zu benutzen und am Weg dorthin an einem steiler zur Mölser Scharte hin geneigten Hang vorbei zu kommen, der im Frühsommer mit der Heilpflanze Arnika in der, der Natur eigenen, unaufdringlich verschwenderisch üppigen Weise bewachsen ist.

malerisch, der Klammsee auf 2.350 m

Nach dieser satt orangen Pracht zur Rechten wartet einige Minuten weiter am Aufstieg am Abhang zur Linken ein auffällig marineblaues Feld von Schusternägeln, dem sogenannten Frühlings-Enzian. Überhaupt muß man während des gesamten Anstiegs feststellen, daß auf allen Böden im Wattental, sowohl auf den silikatischen im Anstieg zur Lizum als auch auf den karbonatischen des unteren Tarntaler Geländes eine Blumenpracht herrscht, die fasziniert.

am Beginn des Wilke Steigs

Westseitig des Klammjochs könnte man über die atemberaubende Steilwiese auf das beliebte Schitourenziel der Mölser Sonnenspitze aufsteigen. Nahe im Süden hinter dem Klammjoch liegt der Klammsee auf 2.350 m und direkt am Weidezaun zweigt nach Südosten der Klaus-Wilke-Steig ab, der den nun alpineren Aufstieg auf die Tarntaler Köpfe bildet. Hinter dem Namensgeber verbirgt sich ein Offizier des Heeres, der in der Sektion Alpinismus des HSV Absam in den 90ern verunglückt und dessen Gedenktafel am Fels beim Gipfelkreuz angebracht wurde.

punktierter gelber Enzian

Am unteren Teil des Steigs bieten die kleinen Felsköpfchen, durch die der Aufstieg erfolgt, eine herrliche Perspektive auf den Klammsee und die weit in der Ferne liegenden südöstlichen Stubaier Gletscher, frontal sichtbar die sagenhaften drei Feuersteingipfel, der Klassiker des Wilden Freigers, links davon die Tribulaune (auch als Schitour)und rechts davon der gewaltige Habicht und noch weiter westlich die zentralen Gipfel der Stubaier Alpen, von denen hier am Blog Berichte existieren, beispielsweise vom Lüsener Fernerkogel, oder von der Hohen Villerspitze.

gelbbeiger Radiolarit der Ruhpodling-Formation

Der Steig taucht in seinem lehrreichen Verlauf über verschiedene Gesteine weiter in das leicht ansteigende Tal zwischen dem Kamm der Klammspitzen und dem Stock der Tarntaler Köpfe ein, bevor er in Serpentinen den aufsteilenden Anstieg auf das Jöchl zwischen dem Kamm und dem Stock vollführt.
Auf dem Weg dorthin säumt in typischer Manier der punktierte gelbe Enzian den Steig. Ein häufig anzutreffendes Bild in den Tuxer Alpen sind Steige an denen die gleichermaßen Disteln und den gelben Enzian entweder direkt am Steigrand oder in kaum einem oder wenigen Metern wachsen. Einen solchen Abschnitt bildet der unterste Teil des Steiges zum Jöchl.

Kalk- und Dolomitbreccie mit Radiolarit

Bereits nach wenigen Minuten am Wilkesteig fallen eigenwillige Erscheinungen an Steinblöcken ins Auge. Es handelt sich hierbei samt und sonders um Sedimentgestein, Kalke, die wesentlich früher gebildet worden sind als die Gesteine des Karwendels im Inntal gegenüber. In der Mulde links neben dem Steig beginnen die recht ungewohnten Gesteinsserien mit einem gelbbeigen Radiolarit der Ruhpodling-Formation. Ein sehr hartes Sediment gebildet aus Resten von Radiolarien, einzelligen Strahlentierchen.

gefalteter Kieselschiefer, hier grünlich

In der Folge führt der Steig in den kleinen Talkessel (altes Kartenwerk nennt es Eisenkar, die Flurnamenerhebung bei TIRIS „is Karl“) wo schöne Kalk- und Dolomitbreccien zu erkennen sind. Jene auf den Bildern wurden gefaltet und sind verbunden mit Radiolarit.

Rückblick auf Klammsee und die Mölser Sonnenspitze

Gleich darauf macht man mit farblich auffälligem Gestein Bekanntschaft, das den Aufstieg etwa 100 Hm über dem Jöchl zwischen Klammspitzen und dem Nordabhang der Tarntaler Köpfe  deutlich prägt. Es handelt sich dabei um grünen, roten, manchmal violetten und dunkelgrauen Kieselschiefer auch Meta-Radiolarit. Die unterschiedlichsten Formen treten dabei auf und man kommt während des Anstiegs bei der Ausschau nach den abwegigsten Formen und Oberflächen gar nicht mehr aus dem Staunen heraus.

Tarntaler Köpfe vom Jöchl aus gesehen

Vorher noch wird das Jöchl (P. 2.478 m) erreicht, von dem Ostseitig die Sonntagsrinne auf den Lizumer Boden hinunterzieht. Steigspuren verraten eine Verbindung mit den Almgebäuden in Schotteben, ein offizieller Steig ist es aber keiner.

Tiefblick auf den Lizumer Boden

Erstmals genießt man am Jöchl den beeindruckenden Ausblick auf die Kalkwand in der Lizum auf der Talgegenseite. Die Kalkwand stellt eine sagenhaft schöne, mittelschwierige Kletterei in festem Dolomit dar, ist unwegsam durch freies, schuttbeladenes Gelände mit massigem Blockwerk erreichbar. Sie liegt außerhalb der gesicherten Wanderwege und es empfiehlt sich, wie für alle Touren im Truppenübungsgebiet, an der Tafel im Lager Walchen sich nach den Aktivitäten der Militäreinheiten zu informieren. Nicht selten am Zustieg begegnet man Resten von abgetaner Munition.

Kalkwand im Osten

Einige Minuten läuft der Steig entlang des breiten Rückens, der sich zunehmend zum Nordabhang der Tarntaler Köpfe ausbildet. Auf diesem Abschnitt herrschen vorwiegend Kalkschiefer, speziell gleich nach dem Jöchl und weiter oben auch Breccien vor. Am Aufstieg gewinnt man einen guten Überblick über den Zugang zur Kalkwand vom Junsjoch nordwärts.

Kalkschiefer mit Einlage

Der Steig führt bis knapp unter die Felsen der Tarntaler Köpfe, bevor er in grobblockigem Reisengelände sich von Süd nach Südwesten wendet. Während des Aufstiegs begegnet man in kurzer Entfernung am Steig den unterschiedlichsten und sehenswerten Formen von Kalk- und Kieselschiefern.

Rückblick auf den Aufstieg unterhalb der Klammspitzen

Nach dem Richtungswechsel müssen die farbenfrohen Blockschuttreisen von den Tarntaler Köpfen herab durchquert werden. Im Frühsommer traf der Verfasser dort noch ein relativ großflächiges Schneefeld an, das sich in einer seichten Grube auf 2.560 m erfolgreich gehalten hat, durch die Hangneigung vor der flachen Sonneneinstrahlung im Frühjahr lange geschützt.

grüner Kieselschiefer mit eindrucksvoller Bruchfläche

Nach der Vertiefung mit dem Schneefeld steigt die Route merklich an. Die Schuttreisen laufen aus, an ihre Stelle tritt Bergwiesengelände mit größeren Blöcken Kalk- und Kieselschiefers. Der Steig vollführt dort die Runde auf den Nordwesthang der Tarntaler Köpfe.

Rückblick auf den Klammsee und den Kamm zum Voldertal im Hintergrund

Auffallend im weiteren Aufstieg ist die beträchtlich zunehmende Größe der Felsblöcke am Nordwesthang. Diese Blöcke sind von der Deckschuppe der Tarntaler Köpfe herabgebrochen und bedecken ein großes eher flaches Areal unterhalb. Der Abbruch dürfte vor nicht vielen hunderten Jahren stattgefunden haben und die größten Blöcke nur gerutscht sein, wenn man den unterschiedlichen Flechtenbewuchs betrachtet.

Rückblick nach der Kurve vom Nordabhang auf den Nordosthang

In diesem Gelände gibt es noch vereinzelt schöne Fundstücke von Bergkristall, der von den Mineraliensammler der 70er Jahre verschmäht worden ist. Der damalige Boom des Mineraliensammelns wirkte sich dermaßen massiv aus, daß heute im gesamten Ötztal und auch im Zillertal kein einziges Stückchen Granat oder andere Mineralien mehr auf der Geländeoberfläche aufzufinden sind.

Bergkristall neben dem Steig

Das Gebiet der Tarntäler gehörte ebenfalls zum Eldorado der gierigen Süchtler, die der Jagd danach alles unterordneten und teilweise ihren Lebensunterhalt damit bestritten. Alles und Jedes an der Oberfläche wurde dort umgedreht und in Klüften wurde einfallend ohne Sicherung, mit dem Körper nach unten und die Füße noch an der Oberfläche, gegraben, um Stufen von Mineralien zu heben.

Bergkristallspitze

Umso erfreuter darf man heute daher sein, wenn man das Glück hat ein schönes mittelgroßes Bergkristallprisma mit dem typisch sechseckigen prismatischen Wuchs und der facettenreichen Spitze anzutreffen. Ein solcher, und mit etwa 12 bis 15mm Höhe gar kein kleiner Kristall, befindet sich direkt neben dem Steig links im flachen Teil an einer engeren Passage zwischen den massiven Blöcken. Wer den Steig auf der linken bergseitigen Seite entfernt erkundet wird weitere Kristallnester finden.

im Blockgelände knapp unterhalb der Deckschuppe

Nach diesem kristallischen Highlight auf der Tour verstärkt sich das Blockgelände und führt zu einer schuttig, sandig, erdigen Passage an der der Steigverlauf durch die lockeren Partien etwas in Mitleidenschaft gezogen wurde, jedoch kein Hindernis darstellt. Man kann diese auch im Blockwerk umgehen. Damit steht man schon fast unter der Abbruchlinie der massiven Blöcke, die nach etwa 70 m weit und 40 m tief nach unten gerutscht sind. Sonderbarerweise kommt dieser Abbruch nur auf einer schmalen Linie vor, die Nordflanke der Tarntaler Köpfe steht fest und ohne größere Blöcke im Hangschutt darunter da.

steiles Gelände bis zum Felsansatz

Steil führt der sandige Geländeansatz zu den stark gefalteten Kalkschiefern hinauf, zwischen deren mittlerweile weit geöffneten Klüften sich der Überstieg auf deren Oberkante befindet. Eine kleine Stufe von zwei Metern wird mit wenigen Tritten und Griffen erklommen, um auf der flächigen Oberseite der Deckschuppe der Kieselschiefer anzukommen.

Großer Tarntaler Kopf, 2.556 m

Von unten ist bereits das nur mehr 60 Hm entfernte Gipfelkreuz zu sehen. Am Aufstieg stellen sich drei breite Bruchzonen in den Weg, Markierungen gibt es vereinzelt, sind aber auch nicht vonnöten mit dem Ziel im Blickfeld. Die erste Bruchzone ist nicht nur breit, sondern auch bemerkenswert tief (2-3 m) und zerteilt die plattig-schieferige Oberfläche sichtlich. Mit leichtem Höhenverlust wird sie an geeigneter Stelle durchschritten, die anderen, schmalen Klüfte können zum Gipfel hin umgangen werden.

Tarntaler Sonnenspitze im Süden mit imposanter Nordwand, links hinter den Köpfen die Tarntaler Scharte

Am Hauptgipfel der Tarntaler Köpfe, dem Großen Tarntaler Kopf, läßt sich das Obere Tarntal zum Teil einsehen, vor allem aber die imposant wirkende Tarntaler Sonnenspitze und den gewaltigen Lizumer Reckner, dem mit 2.886 m höchsten Gipfel der Tuxer Alpen.  Auf ihn kann man auch im Winter steigen, wenn man die Schitour zum Geier unternimmt.

Lizumer Reckner mittig, links Hoher Riffler, rechts Olperer, Fußstein und Schrammacher

Zwischen den Tarntaler Köpfen und der Tarntaler Sonnenspitze befindet sich die Tarntaler Scharte, über die in diesem Bericht zur Lizumer Hütte abgestiegen wird. Vom Gipfelkreuz am Großen Tarntaler Kopf aus ist sie nicht sichtbar, da die anderen drei Köpfe, der Mittlere Tarntaler Kopf gleich etwas tiefer südöstlich gegenüber, der Tarntaler Turm dahinter und der Südliche Tarntaler Kopf dieselbe verdecken. Ein mit Steinmännern markierter Steig führt über die 130 Hm Abstieg.

Blick vom Großen Tarntaler Kopf nach Norden auf den Mölser Berg

Der Rückblick vom Gipfel nordwärts zeigt nahezu den gesamten Anstieg im Verlauf vom Wattental, den Mölser Berg und dahinter das Karwendel.

Ansicht der Abstiegsstrecke von der Tarntaler Scharte mit bemerkenswerten Rissen in der Decke am Gipfel

Ebenfalls besteht ein vorzüglicher Blick auf den Lizumer Boden. Nördlich und östlich des Gipfelkreuzes ziehen sich mächtige Risse in die Deckschuppe und bilden einen interessanten Vorbau mit Steinschlichtung, von der die Höhe der Gipfelfelsen eindrucksvoll betrachtet werden kann.

Kalkwand mit Salzscharte nördlich; dahinter die Reichenspitzgruppe

Der vielleicht schönste Blick besteht auf die Kalkwand im Osten. Gut kann der Gratweg vom Reuterturm bis zum Gipfelkreuz betrachtet werden und der Abstieg über den Südgrat in den  „Salzsattel“ – der seine Namensgebung der weißen Gipsschichten verdankt – zur Torwand hin. Zwischen der Kalkwand und dem Salzsattel finden sich in 37 km Entfernung die atemberaubenden Gipfel der Reichenspitzgruppe genau im Osten.

Hinter dem Lizumer Reckner ragen in der Ferne die bedeutenden Gipfel des Hohen Rifflers, des Olperers in 12 km Entfernung, des Fußsteins und des Schrammachers im Tuxer Kamm der Zillertaler Alpen auf.

im Westen die Stubaier Gipfel

Im Westen dominieren die Stubaier Alpen bis hinab zu den Brennerbergen und im Vordergrund die Gipfel des Rosenjoch-Kamms der Tuxer, auf die bärige Schitouren führen, die auf diesem Blog beschrieben sind. Das Rosenjoch wies bis ins 19. Jhd. einen Gletscher auf der Nordostseite auf und noch heute hält sich der Schnee im Frühjahr sehr lange für ein tolles Figlerlebnis.

Tiefblick zu den Klammspitzen über die Felsen des Großen Tarntaler Kopfs

Nach Südosten, gegen die anderen Tarntaler Köpfe hin, wird der Gipfel des Großen Tarntaler Kopfes mit dem Abstieg auf festem Schiefer verlassen und eine Einsattelung dazwischen angesteuert.

Mittlerer Tarntaler Kopf im Abstieg zur Tarntaler Scharte gesehen

Die anderen drei Köpfe können überklettert werden, diese Route ergibt einmal einen eigenen Bericht darüber. Am Abstieg nach der Einsattelung schnürt sich der zunächst weglose Abhang mit den hausgroßen Felsblöcken etwas ein und bildet  entlang der Schrofenwand zur Linken vom mittleren Kopf herab ein kleines Steiglein, das weiter verfolgt wird.

am Steig zur Tarntaler Scharte

Seine Ausprägung verschwimmt am Weg unterhalb der Köpfe hin zur Scharte ein wenig, wodurch mit zufälligen Steinmandln abgeholfen wird, allerdings bräuchte es dieselben aber gar nicht, denn die Richtung dorthin ist durch das Gelände klar vorgezeichnet. Abschließend nach der Querung führt eine Schuttreise im Kalkschiefer hinab zur Scharte und passiert eine schöne Formation von Kalk- und Dolomitbreccie.

Steig zur Tarntaler Scharte

Auf der Gegenseite der Tarntaler Scharte kann die Runde über die Lizumer Sonnenspitze, das Obere Tarntal und den Lizumer Reckner bis zum Geier fortgesetzt und ein wieder gänzlich anderer geologischer Abschnitt erkundet werden. Diese bärige Erweiterung wird in Kürze auf diesem Blog beschrieben und an dieser Stelle verlinkt.

Formation von Breccie nahe der Tarntaler Scharte

Unten hat man die Scharte noch nicht ganz erreicht, vorher müssen noch die gelblichen Radiolaritfelsen passiert werden, bevor man an deren Südende einen vergilbten roten Markierungspunkt erkennen kann, der die Abstiegsroute anzeigt.

Blick Richtung Aufstieg zur Tarntaler Sonnenspitze

Dieser Abstieg wird nicht mehr gewartet und stellt einen aufgelassenen Steig dar. Der Grund für die Auflassung liegt mit Sicherheit im jungen Abbruchmaterial der Felsen in der Scharte. Die Trümmer der Abbrüche überdecken den Steig und über etwa 60 bis 80 Hm ist keine Markierung sichtbar.

unteres Tarntal von der Scharte aus gesehen

In der heutigen Zeit kann man es angesichts der Haftung eines Wegerhalters den alpinen Vereinen nicht verdenken, wenn ein Steig mit Felssturzgefahr aufgelassen und aus dem Kartenwerk genommen wird.

Tarntaler Scharte gegen Norden auf die Tarntaler Köpfe

Die kaum erbringbaren Verpflichtungen nach dem – für alpine Verhältnisse völlig untauglichen – § 1319a ABGB, im Zusammenspiel mit der zunehmend dreisteren Verfolgung von persönlich erlittenem Schaden, dessen nach sich ziehende Kosten durch oft erfolgreiche Abschüttelung von Eigenverantwortung stets Dritten überbürdet werden sollen, lassen die Menschheit vor sich selber kapitulieren und dadurch Schönheiten brach liegen, wenn es diesen Steig rein rechtlich heute offensichtlich nicht mehr gibt.

Lizumer Boden in der Tiefe; hier wird abgestiegen

Zum guten Glück gibt es den Steig noch physisch und seine Begehung mag lediglich eine kleine Portion Versiertheit in blockigem Gelände bedeuten, um sicher zur Lizumer Hütte abzusteigen.

Abstiegsgelände im obersten Teil (etwa über 20 Hm)

Im oberen Teil erweisen sich die Stöcke als vorteilhaft, das Terrain ist dort steil und zwischen den Blöcken schuttgefüllt, wodurch eine gute Abstützung damit erreicht werden kann. Nach etwa 50 Hm des Abstiegs gibt es keine Schwierigkeiten mehr und die ersten Markierungen von unten tauchen in der Ferne auf, an denen man sich orientieren kann.

Rückblick auf die Scharte nach der überschütteten Abstiegsstrecke

Bald ist das untere Ende der Felssturzbahn erreicht und der Wiesenansatz erfreut an seiner Blumenpracht. Selbst ohne immer gleich Markierungen im weiteren Verlauf zu erkennen gibt es keine Abstiegsprobleme, die richtige Route führt stets nach Nordosten auf die Almweide vor der Lizumer Hütte hin und der Elektrozaun der Weide, noch weit im Hang heroben, wird einfach überstiegen. Schräg abwärts querend erfolgt der Abstieg auf Steigspuren, bevor die Weide ostwärts gequert und der Wattenbach über die Brücke an der Hütte erreicht wird.

in fast direkter Linie die Lizumer Hütte angesteuert

Die Einkehr auf der Lizumer Hütte stellt das Abschlußerlebnis der bärigen Runde mit den vielfältigen landschaftlich phantastischen Eindrücken dar.  Meist wartet der ungarische Koch mit deftiger alpenländischer Kost auf, der Schweinsbraten des Verfassers war der Hit.

erneutes Vorkommen von Enzian am Ostabhang beim Abstieg

Die Lizum verlassen und die Rückkehr zum Parkplatz Walchen kann man auf drei Arten: Abstieg über den Zirbenweg des Aufstiegs, Abstieg auf der Lizumer Straße und Ausfahrt mit dem Hüttentaxi, das man bestellen muß.

Rückblick auf den reizvollen Abstieg (Scharte bei Schneefeld)

Die Runde über die Tarntaler Köpfe mit Aufstieg und Abstieg vom und zum Parkplatz Walchen, sowie alle Pausen und der Hüttenbesuch erforderte 8:25 Stunden, wobei der Aufenthalt in der Hütte sicher eine knappe Stunde Anteil daran besitzt.

leichtes Abstiegsgelände zur Lizumer Hütte

Die Strecke im oberen mittellangen Bereich misst 19 km und dabei wurden 1.370 Hm auf- und abgestiegen. Mit dem Hüttentaxi in beide Richtungen schrumpft nicht nur das Füllhorn an Erlebnissen, aber auch die Länge etwa um 11 km auf 8 km (bei nur einer Strecke mit dem Taxi auf 13,5 km) und der Aufstieg ab der Lizumer Hütte um etwa 580 m auf verbleibende 790 m, sowie der Abstieg entsprechend der Wahl.

Mils, 02.07.2022

 

Westliche und Östliche Marienbergspitze, 2.561 m über Westnordwestgrat

In der Südwestecke im schönen Bogen der zerklüfteten Mieminger-Kette befinden sich die Marienbergspitzen mit ihrem äußerst interessanten und fast einzigartig anzusehenden Gesteinsaufbau, deren Aufstieg auf die Westliche Marienbergspitze über den Westnordwestgrat eine grandiose Bergfahrt in leichter bis mittelschwieriger Kletterei darstellt.

Wamperter Schrofen und Ehrwalder Sonnenspitze von der Westlichen Marienbergspitze gesehen; weit im Norden die Zugspitze

Den Ausgangspunkt für den Grataufstieg bildet das Marienbergjoch, das über das Marienbergtal von Arzkasten erreicht wird und an der Marienbergalm vorbeiführt. Direkter Beginn der Gratbegehung bildet der kleine runde Wiesenkopf oberhalb und hinter dem Schlepplift aus der Nordwestseite herauf. Steigspuren führen auf den Wiesenkopf, der einen guten Ausblick auf den Grat bietet, der übrigens nicht ganz eine Westnordwestrichtung einnimmt.

Scharte hinter dem Turm (Südseite) und der hinaufziehenden plattigen Felsfläche

Zeichnet man eine Linie von der wiesenbewachsenen Fläche am Ende des Hauptgrates zum Einstiegspunkt, dann erhält man einen Winkel von 278°, welcher für die Westnordwestrichtung noch nicht genügt – als Segler sieht man dies zumindest so.

Westliche Marienbergspitze vom Marienbergjoch gesehen

Eines ringt man der Grathauptausrichtung jedoch bereits bei der Tourenplanung ab – man starte nicht zu früh am Morgen, da die ersten Sonnenstrahlen erst gegen 10 Uhr einfallen und man sie genau im Blickfeld hat, wenn man die Felsroute vor sich erkunden möchte.

Westnordwestgrat der Westlichen Marienbergspitze

Wichtig zu wissen sind ein paar kleine aber wesentliche Details, die der AV-Führer falsch, oder nicht nennt, die aber essentiell für die Routenfindung sind. Zu nennen wäre hier der Einstieg, der mit …rechts oben in der Ecke… beschrieben ist. Die Besteigung dieses Kamins (er ist mit viel Schutt verbrochen und kein wirklicher Kamin) endet in einer saftigen Kletterei, weit jenseits von mäßiger Schwierigkeit und mit ungewissem Ausgang, da die senkrechte Sicht nach oben hin völlig fehlt. Auf der oberen erdgefüllten Schrägfläche, mit Blick ins Tal, mußte der Versuch aus Vernunft abgebrochen werden. Möglicherweise wäre diese Route vor dem Verbruch einmal der Aufstieg gewesen, weil „oben rechts“.

Anstieg zum Einstieg auf dem Westnordwestgrat zur Westlichen Marienbergspitze

Also steigt man am Felsansatz unten wieder nördlich zurück und inspiziert die nächste Verschneidung im Vorbau. Diese befindet sich vor der Aufstiegsrippe bereits eindeutig links und scheint eher zum Aufstieg geeignet, diesmal in festem Fels mit Klemmblock mittig.

Rückblick auf die Aufstiegsrippe; bereits unten schon immer links der Latschen halten

Im letzten Augenblick beim Ablichten der Szene bemerkt man unter Umständen einen zaghaften Steinmann noch etwas weiter nördlich und wird abermals stutzig, muß der Sache jedoch auf den Grund gehen und findet noch ein paar Meter weiter eine weitere Verschneidung vor, die leichter als die vorige erscheint, bei der man nicht mehr lange zögert und den Aufstieg nach genügend verschwendeter Zeit beginnt.

Rückblick auf die Aufstiegsrippe; im Vordergrund ein Steinmandl

Die Verschneidung führt über wenige Meter auf einen grasbewachsenen Trichter, nach oben hin zunehmend mit Schutt gefüllt und an die nächste leichte Wandstufe heranführend. Leicht links der Vertikallinie kann anschließend in festem Kalk über das Rippengelände aufgestiegen werden. Kantig ausgeprägt, für beste Tritte und Griffe, ist der Abschnitt im Muschelkalk nicht, jedoch genügend strukturiert, um guten Halt zu finden.

leichter Aufstieg auf die erste Felsstufe

Ober wird ein mittelbreites Band erreicht, das gegen rechts leitet und an dessen Kante ein Steinmann die Route weist.

Rückblick auf den Schuttrichter

Um den Steinmann herum, geht es in ähnlicher Weise der nächsten Stufe entgegen und diesmal bis unter die vom Führer beschriebenen „überhängenden Felsen“ mit rechts der beschriebenen „schöneren Variante in gutgriffigem Fels“ und links dem Schuttband, das abfallend nach Nordosten hinausläuft und das gut zwei Dutzend Meter absteigend verfolgt werden muß, um eine geeignete Aufstiegsstelle zu finden.

über ein Band nach rechts, Steinmandl

Bei diesen Aussichten machte sich der Verfasser auf die schönere Variante zu erkunden, zunächst über einen splittrigen gewundenen Kanal unter dem Überhang, anschließend auf splittrigen Stufen zum festen Fels oberhalb des Überhangs. Ein weiterer Haken sorgt dort für die Gewissheit, daß man am richtigen Weg ist, denn das Gelände wird dort sehr steil.

die folgende Stufe führt auf ein Band mit zwei Möglichkeiten

Am oben anstehenden glatten Fels tauchten Zweifel über die Route dahingehend auf, als daß nur ein einziger Riß über den glatten Fels führt und dieser ohne Kenntnis über die Situation darüber im Alleingang und ohne Sicherung zu gewagt erschien.

Steinblock links oberhalb – dessen Bedeutung noch nicht gewahr und kurz davor abgebrochen

Den beschriebenen „ auffallenden, großen Steinblock“ sah der Verfasser wohl und spechtelte auch zwischen ihm und dem Felskopf darüber auf die Gegenseite hindurch, erkannte jedoch nicht die dahinter liegende leichte Fortsetzung des Aufstiegs. Also mußte wieder zum Ausgangspunkt unter den überhängenden Felsen zurückgestiegen und das Schuttband abgestiegen werden.

zurück am schuttbedeckten Band und bereits abgestiegen bis zu einer weiteren Aufstiegsmöglichkeit

Von dort über eine leichte Verschneidung über Graspolster hinweg wird ein mittelbreites Band erreicht, das, leicht ansteigend, wieder nach Süden in Richtung Gratkante hinaus führt und, zur Verwunderung des Verfassers, den o. g. Steinblock trägt. Zeit hätte also hier mit dem Übersteigen des Steinblockes gespart werden können.

bis zu einem nach rechts abgehenden Band

Seitlich vom Band aus gesehen, mit Phantasie, bietet der Fels über dem Steinbloch dem Betrachter eine eindrucksvolle Situation durch sein Profil, das – einer Figur der Osterinseln gleich – den Wächter des Grates darstellen könnte, den Steinblock ausspeiend, um dem Besteiger Respekt einzuflößen. Man verläßt ihn an seiner rechten Wange direkt über recht glatten Fels nach oben, um die schwere Variante in direkter Kletterei zu vermeiden.

das Band führt an den auffallenden Steinblock der Führerbeschreibung heran; am Felsen darüber reliefartig ein Gesicht zu erkennen

Mittlerweile, weit nach elf Uhr, dringen die ersten Sonnenstrahlen aus der Abdeckung des Massivs auf den Grat vor, in schleifendem Schnitt zunächst blendend beim Vorauserkunden.
Das Gelände wird etwas flacher und der Aufstieg entwickelt sich „in vergnüglicher Kletterei“ wie der Führer schwelgt.

links davon in leichterem Fels empor

Dieser Mittelteil bildet sich nun zum klassischen Grat aus, vorher hatte man nie so richtig den Bezug zur Gratkante, auch wenn der Führer selbst im unteren Teil davon spricht.

flacherer und leichter Aufstieg im Mittelteil des Grates

Zunächst wartet eine längere Passage in leichter Blockkletterei, bevor sich der Grat etwas ausgeprägter zusammenzieht und talwärts gerichtete Rippen bildet, in denen der schönste Teil der Kletterei zu finden ist.

Rückblick auf den unteren Teil des Grates vom Schärtchen

Vorher wird ein Schärtchen erreicht hinter dem der Grat steiler fortführt und verschiedene Schwierigkeiten für den Aufstieg bietet – je weiter rechts an der Gratkante, desto anspruchsvoller, die mäßig schwierige Stufe bei weitem übertreffend.

in schöner steiler Kletterei geht es weiter

Links über eine recht glatte Stufe wird die Geröllrinne erreicht, von der die Beschreibung spricht. Unerstrebenswert und steil leitet das Geröll zunächst als offener Hang nach oben und man ist bestrebt ihm bei erster Gelegenheit zu entkommen, welches auch nach kurzer Strecke durch den Überstieg nach rechts, auf eine zackige Gratlinie hin, gelingt. Unter Beibehaltung der direkten Linie würde die beschriebene Geröllrinne erreicht werden, mit einem großen Klemmblock am Ende.

zum Beginn des Geröllfeldes

Der Wechsel nach rechts, hinaus auf die Gratkante, war die beste Intuition auf der gesamten Gratbegehung, führt sie doch auf die Außenkante der schmalen äußersten Gratrippe, mit einem wunderschönen ansteigenden Band auf dem sich ein traumhafter Aufstieg in massig anstehendem Wettersteinkalk anbietet. Die schönste Passage am Grat.

Gratkante

Wie ein steiler Weg durch die Außenkante der Felsscheibe bahnt sich das Band nach oben und bereits von unten kann man anhand seiner Struktur erkennen, daß eine Begehung bis zum oberen Ende möglich sein würde. Ein paar Schmalstellen im Band salzen den Aufstieg zusätzlich.

phantastischer Ausblick auf die Gratrippe mit dem grandiosen Felsband auf ihrer Außenseite

An seinem oberen Auslaufen wird die Rippenoberkante erklommen, die auf eine parallele Gratscheibe überleitet, die man überklettern kann und einen tiefen, nahezu senkrechten  Abbruch auf der Hinterseite erblickt. Über die äußersten Zacken – sehr fest, auch wenn der optische Eindruck täuscht – wird der Gratabhang wieder erreicht.

Rückblick vom oberen Ende der Gratrippe auf die Klettere am Band

Nun leitet ein Schutthang unter die Felskante des beschriebenen Turms, der links umgangen wird. Direkt unter dem linken Absturz des Turms gibt es die Abstiegsmöglichkeit dazu. Einigermaßen luftig kann auf ein mittelbreits Band abgestiegen werden, das den allseitig glatten Turm auf der Nordseite umgeht und das in einer schönen Scharte endet, von der sich ein tolles Fotomotiv auf die Marienbergalm bietet.

Überstieg auf die innere Gratrippe

Bevor diese Scharte erreicht wird lohnt zunächst ein Blick in die Tiefe, der sich aufgrund der Eigenartigkeit des anstehenden Gesteins unweigerlich auf die Grathöhe fortsetzt.

herrliche Szenen am Grat, oben der Turm, den die Routenbeschreibung links umgeht

Zunächst erkennt man die über hunderte Meter beeindruckend aufgestellten Bankkalke der Virgloria Formation, die sich vom Tiefsten der Schlucht bis über den Blickpunkt auf das wiesenbewachsene Grateck hinaufziehen, das am Ende des WNW-Gratabschnittes den Einstieg in den Wettersteinaufbau der Westlichen Marienbergspitze darstellt und das man dort als Haltepunkt zwischen den Wiesenpolstern benutzt.

und die Umgehung ist atemberaubend – hier vertikal aufgestellter Virgloria-Kalke

Die Virgloria Formation stellt die unterste Stufe des sogenannten Alpinen Muschelkalks dar, wegen der welligen Oberfläche der Bänke wird das Gestein auch als Wurstelkalk bezeichnet.

unten der bankig anstehende Reiflinger-Kalk

Weiter unten in der Tiefe erkennt man die massiven Bankungen der Reiflinger-Bankkalkserie, die sich ebenfalls weit hinaufziehen, wegen des flachen Sichtwinkels der Nordflanke der Westlichen Marienbergspitze zum Standpunkt jedoch nicht einsehbar sind.

die zeitlich und lagerungsbezogen oberste Formation des Partnach-Kalkes

Schlußendlich, gegen die Westwand des Wamperten Schrofens hin, überlagert diese beiden Gesteinsarten die oberste Serie des Alpinen Muschelkalks, die sogenannten Partnachschichten, bestehend aus schwarzen Mergeln und Tonschiefern, welche von dünnen Lagen von Kalkzügen durchzogen werden.

Ausblick auf das Felsband zur Scharte mit drei verschiedenen Kalkgesteinsarten, über die Höhe gestaffelt

Nun muß man sich die drei Formationen in ihrer Bildung horizontal geschichtet, mit der Virgloria Formation zuunterst vorstellen, dann kann man sich den komplizierten Gebirgsbildungs- Faltungs- und Aufschiebungsprozeß im Ansatz ausmalen, der zu dieser heutigen Erscheinung geführt hat. Zum näheren Studium der Verhältnisse eignet sich auch der Besuch der Partnachklamm bei Garmisch, in der die oberen beiden Schichten nachvollziehbar besichtigt werden können.

Scharte hinter dem Turm (Südseite) und der hinaufziehenden plattigen Felsfläche

Mit diesem freien Blick in die Schlucht und auf den oben bereits umgebogenen Grat zur Westlichen Marienbergspitze umgeht man den Turm auf einem mittelbreiten Band, an dem an seiner linken Seite ein Felssporn aufzieht, der sich nach oben hin aufstellt und die o. g. Scharte bildet. Die Verwinkelung an dieser Stelle ist auffällig.

relativ glatte, jedoch mit Reibungstritten versehener Felsaufstieg über ein paar Meter

Verlassen wird die Scharte über die recht glatte Felsfläche in direkter Gratrichtung, die griffiger ist, als sie auf den ersten Blick hin aussieht. Oberhalb setzt der Aufstieg über einen kurzen flächigen Geländerücken fort, dessen Westabsturz man nicht kennenlernen möchte. Im oberen Teil häufen sich Erosionserscheinungen und die Fläche wird griffiger.

Rückblick auf den umgangenen Turm (im Rückblick auf seiner rechten Seite)

Nun ist der Schnittpunkt der verschiedenen Kalkgesteine erreicht, die Virgloria-Kalkserie zieht von der Schlucht gegen den Grat und bildet bis zur Wiesenfläche hin die Aufstiegsroute.

kleine Scharte mit Übergang in den steilen Wiesentrichter; hinten Aufstieg auf die Wiesenfläche mit Gratwendung nach Nordosten

Großteils stehen die nach Norden hin einfallenden Bänke fest im Verbund und bilden einwandfreie Griffe und Tritte. Über einen grasbewachsenen Trichter, der nach Südwesten hin steil ins Arzbödele abfällt, wird der WNW-Teil des Grates auf die Wiesenfläche hin verlassen, der sich nun in leicht südwestliche Ausrichtung wendet.

Rückblick auf den schönen Westnordwestgrat

Der Restaufstieg leicht unterhalb der Gratlinie verläuft unspektakulär. Nach Umgehung des begrünten Kopfes auf seiner Südseite möchte man in gewohnter Weise auf den Kalkgraten meinen, daß die direkte Linie am Grat eine vorteilhafte wäre und wird eines Besseren belehrt.

oberer Teil des steilen Trichters

Der mühsame kleinstückige Schutt lagert auch dort, sodaß von keinerlei  Besserung gegenüber der steilen, rolligen Südwestflanke gerechnet werden kann.

Rückblick auf das schuttgefüllte Kar zur Westlichen Marienbergspitze

Mit 130 Hm Aufstieg ab dem Wiesenfleck schließt die Gratbegehung auf die Westliche Marienbergspitze ab und wer knapp unter der Gratkante steigt hat oben ein tolles Motiv gegenüber der letzten Scharte, die zu einem moderat kurzen Abstieg zwingt, um den spitzen Gipfelturm zu besteigen.

Westliche Marienbergspitze von Norden (der Gipfelaufbau bestehend aus zwei Zähnen, die hintere leicht höher)

Ein auch nur kurzes Verweilen auf dem Turm der Westlichen Marienbergspitze erübrigt sich durch fehlenden Komfort. Kaum eine Sitzfläche bietet sich auf dem Zacken an, sofern man nicht gerne dazu neigt mit dem Rücken zu einem unmittelbaren Abbruch des Turmes über mehrere Hundert Meter zu verweilen.

vorgelagerter Zahn auf der Westlichen Marienbergspitze

Die Position gereicht also gerade für ein Bild in alle vier Himmelsrichtungen, um die Aussicht festzuhalten. Spektakulär erscheint der Blick auf die beiden Spitzen im Norden, auf Wamperten Schrofen und die Ehrwalder Sonnenspitze.

Östliche Marienbergspitze von der Westlichen Marienbergspitze gesehen

Eine Trinkpause im Südwesten des leicht niedrigeren vorderen Gipfelturms mußte nach langem Aufstieg jedoch sein. Mit allen Routensuchaktionen, Versteigern bzw. Foto- und Trinkpausen wurden für den Aufstieg vom obersten Hochspannungsmast (Trafohäuschen, Punkt der Erkundung des Grates mit dem Fernglas) bis zum Gipfel 2:50 Stunden benötigt.

Blick über die Mieminger-Kette mit den vier Nordgraten

Wie immer Sind eigenständige Gipfel durch eine Einschartung von mindestens 30 Hm getrennt, um als solcher zu gelten und der Übergang zur Östlichen Marienbergspitze stellt im Tiefsten, mit der Marienbergscharte auf 2.470 m, eine Einschartung von etwa 65 m Ausmaß dar, über die in schuttbedecktes Felsflächen abgestiegen wird, großteils auf Steigspuren.

Östliche Marienbergspitze beim Abstieg in die Westliche Marienbergscharte

Jenseits der Marienbergscharte – genauer gesagt, der Westlichen Marienbergscharte – die Östliche befindet sich zwischen Östlicher Marienbergspitze und Grünstein und bietet eine andere traumhafte Bergfahrt hier auf diesem Blog – muß die unter Bremsung im Abstieg vernichtete Energie zuerst in tiefem Schutt mühsam erneut aufgebracht werden, um zur größeren Schwester zu gelangen. Weiter oben geht die Schuttstrecke in massiven Fels über, welches das Aufstiegserlebnis bedeutend steigert und gegen das Ende Leichtfüßigkeit hervorruft.

Aufstieg zur Östliche Marienbergspitze von der Scharte aus gesehen

Etwas östlich des Gipfelkreuzes der Östlichen Marienbergspitze kam der Verfasser an, gleichzeitig auf einem optimalen Punkt für die erste Ablichtung des schönen Gipfelkreuzes. Eine Vermessungsstange befindet sich umgelegt in kurzer Entfernung vom Gipfelkreuz und wurde als Störfaktor aus dem schönen Bild gegen das Oberland ausgeblendet.

Östliche Marienbergspitze gegen Westen vom Gipfelplateau gesehen; dahinter das Gurgltal

Immer imposant erscheint die Fortsetzung der Mieminger Kette mit dem Wannigstock im Westen, der durch das Marienbergjoch getrennt wird und dessen Nordsockel bereits Lechtaldecke darstellt, die, deutlich erkennbar, völlig anders als die Südflanke der Inntaldecke geartet ist.

Östliche Marienbergspitze, 2.561 m

Weiter im Westen bot sich an dem sehr klaren Tag ein grandioser Blick in die hohen Lechtaler, unter anderem mit der Parseierspitze in 39 km Entfernung und dem Hohen Riffler in der Verwallgruppe in 49 km Entfernung.

Östliches Marienbergjoch vor Grünstein Westgrat

In der Nähe fällt die beeindruckende Gestalt der Heiterwand in 14 km Entfernung ins Auge und etwas weiter rechts der Loreakopf mit der schönen Umrundung des Fernpasses über die Gartnerwand.

Hinteres Schwärzkar, Hintere Drachenscharte mit Steiglein und Drachenkar jenseits des Drachenkopfgrates

Südöstlich der Östlichen Marienbergspitze liegt der Grünstein, getrennt durch die Östliche Marienbergscharte. Die Überschreitung zum Grünstein ist möglich, jedoch konnten wir sie am Weg zum Grünstein über den Westgrat von der Scharte aus nicht ausmachen und so  wartet sie nach wie vor auf die Begehung.

Dreigestirn: Westliche Marienbergspitze, Wamperter Schrofen und Ehrwalder Sonnenspitze

Der Blick in den Osten läßt eindrucksvoll die vier inneren Nordgrate der Mieminger Kette erscheinen, wenn, den Igelkopfgrat ob seiner geringeren Höhe auch nur ansatzweise und mächtig der zweite, der die Tajaköpfe trägt und der vierte, der den Breitenkopf, einen bärigen, kaum begangenen Gipfel trägt. Zum ersten Nordgrat, dem Drachenkopfgrat, ist ein schmaler Gamssteig erkennbar, der später als Abstieg ins Drachenkar benutzt wurde, um zur Grünsteinscharte zu gelangen.

das berühmte Motiv – Seebensee mit Zugspitze im Hintergrund

Die Hauptkette der Mieminger birgt äußerst interessante und rassige Ziele, wie beispielsweise die Überschreitung des Grünsteins von der Grünsteinscharte, die Überschreitung der Hochplattigspitzen, die Überschreitung vom Karkopf zur Hochwand, aber auch rassige Südgrate wie den Schloßgrat von der Mitterspitze.

hier muß der Übergang zum Östlichen Marienbergjoch verlaufen

Über das Schwärzkar bietet sich der berühmte epische Blick mit dem Seebensee und der Zugspitze jenseits des Gaistales und der Ehrwalder Alm. Flankiert wird der Blick von den wohlgeformten Spitzen des Wamperten Schrofens – so wampert (dickbäuchig nach der Tiroler Mundart, die Mieminger lassen vielleicht das r nach der Wampe aus, daher höchstwahrscheinlich die Missbezeichnung im älteren Kartenwerk) wie er bezeichnet wird erscheint er von der Östlichen Marienbergspitze aus gar nicht -, sowie durch die Ehrwalder Sonnenspitze. Verdeckt dabei wird der Schartenkopf zwischen Wampertem Schrofen und Sonnenspitze.

Abstieg über das Westliche Marienbergjoch

Beim Tiefblick ins obere Schwärzkar fiel den Verfasser der schmale Gamssteig ins Auge, der sofort für den Abstieg ausgewählt wurde, wann hätte man sonst die Möglichkeit, einmal das Hintere Drachenkar zu betreten, wenn man nicht regelmäßig – dem Elmar gleich – durch die schauerliche Nordrinne zum Grünstein aufsteige.

nach unten hin wird die Rinne noch feinkörniger, fast sandig und instabil

Hinab zur Westlichen Marienbergscharte und hinein ins Vergnügen, dachte sich der Verfasser, um aus der Bergtour eine schöne Runde zu gestalten, über das Marienbergtal hinauf, über das Lehnbergtal hinab. Das Vergnügen wurde allerdings in der schluchtartigen Rinne hinab ins Schwärzkar für etwa 100 Hm unterbrochen, indem er feststellen mußte, daß in dieser schlecht gebauten Rinne ein Abstieg ohne jegliches Geröll abzutreten so gut wie unmöglich ist. Gott sei Dank war an diesem Tag niemand in die Gegenrichtung unterwegs, unweigerlich hätten Aufsteigende daran glauben müssen.

im Mittelteil nach links wechseln war eher nachteilig als rechts am Fels zu bleiben

Die gesamte Rinne führt in äußerst schlechtem Fels hinab, speziell der Mittelteil weißt mehr oder weniger nur Sand mit eingebetteten Brocken aus, die man nicht begehen kann, ohne sie loszutreten. Hier hilft nur sich akustisch zu überzeugen, daß sich niemand in der Rinne befindet, bevor ein Abstieg erfolgen kann. Zum guten Glück ist die Rinne recht kurz und sollte die Rufweite nicht überschreiten.

damit der schauerlichen Rinne noch eine gute Seite zugeschrieben wird: ebenfalls ein schöner Blick auf den Seebensee und die Zugspitze

Trotz vieler Erlebnisse im Karwendel war diese Rinne eine neue Erkenntnis für den Verfasser und gleichzeitig die unangenehmste einer Rinne jemals. Weiter unten kann im Abstieg nach links auf Schuttreisen ausgewichen werden, auf denen es sich bequem bis zur Felskante rechts, in Richtung Hintere Drachenscharte, abfahren läßt.

der unterer Teil der Rinne erlaubt den Überstieg nach links in fahrbare, kleinstückige Reisen (Blick zurück)

Wem die Querung zum schmalen Gamssteig zur Hinteren Drachenscharte zu mühsam ist, der fahre weiter ab, bis flacheres Gelände die Querung ohne den Volleinsatz aller vier Gliedmaßen herauszufordern und steige an geeigneter Stelle über den im unteren Teil verschütteten und nicht sichtbaren Steig wieder auf. Alle anderen benötigen, dem Verfasser gleich, einige Anstrengung, die etwa 50 Hm eingesparten Wiederaufstiegs zu halten.

Querung im Schutthang zur Hinteren Drachenkopfscharte; das schmale Gamssteigl erkennbar

Die Spannung stieg während dem Anmarsch leicht, mit welchem Gegenstück die Hintere Drachenscharte wohl aufwarten würde und der Blick auf den Turm (Partnachkalk) an der Scharte verstärkte den Eindruck von bizarrem Gelände.

teilweise wurde das Steiglein mit frischem Geröll überschüttet

Der kurze Übergang von den Schuttreisen zur Scharte ist diesseits von leichtem Fels geprägt, jenseits noch zahmer mit einem Abstieg direkt vom Felsabsatz auf steile kleinstückige Schottereisen, die erst weiter unten zum Abfahren taugen.

Rückblick auf die Abstiegsrinne (tiefster Schatten)

Zur Zeitersparnis dieser Variante sei zu sagen, daß diese möglicherweise nicht besonders ergiebig ausfällt als die Strecke unter dem Drachenkopfgrat herum. Zum einen mag der rauhe Abstieg durch die teilweise sehr groben und unkonsolidierten Schuttreisen im Hinteren Drachenkar Ursache für den mühsamen Abstieg sein, der durch den besseren Wegverlauf über das Schwärzkar und die anschließenden Steige ausgeglichen wird, zum anderen erscheint am Ende des Abstiegs durch das Drachenkar die eingesparte Höhendifferenz von etwa 100 Hm zu den gelben Sonnenschirmen der Coburger Hütte als erstaunlich wenig groß.

Hintere Drachenscharte

Wer allerdings die Landschaft in einem abgeschiedenen archaischen Kar schätzt, bei dem nur eine Seilschaft im senkrechten Fels auf den Ostgrat des Grünsteins zu hören ist, der mag an diesem Kar Gefallen finden.

Hinteres Drachenkar

Den Aufstieg wählte der Verfasser auf einem Gamssteig knapp unterhalb der Felsen am runden Eck des Ausläufers des Grünstein Ostgrates  unterhalb der Grünsteinscharte. Mit erstaunlich wenig Anstrengung konnte der Anstieg um den Ausläufer herum begangen werden, bevor oberhalb eines kleinen Rinnsales der markierte Steig zur Grünsteinscharte erreicht wurde.

vorderes Drachenkar

Am Rückweg von der Scharte, durch das lange Lehnbergtal, durfte ein Besuch im Lehnberghaus nicht verabsäumt werden, um wertvolle Elektrolyte aufzunehmen und die Strecke Revue passieren zu lassen.

recht bequemer Aufstieg auf das Eck des Grünstein-Ostgrates

Die gesamt benötigte Zeit incl. aller Pausen betrug 9:40 Stunden. An Pausen dürften incl. der Gratbetrachtung am Marienbergjoch eine gute Stunde zusammengekommen sein.

auf der Grünsteinscharte gegen Südwesten geblickt

Die Aufstiegsstrecke betrug 1.845 m (per Sportuhr barometrisch gemessen) und die Streckenlänge betrug 16 km, ermittelt mit Outdooractive.

Mils, 14.08.2022

Peiderspitze, 2.808 m über Schloßköpfe

Blickt man im Winter von Innsbruck oder auch von Mils gegen Westen, so erkennt man unweigerlich, bis weit ins Frühjahr hinein, einen Kammrücken mit enormer Wechte, der quer zum Inntal zu stehen scheint, im Brechten gipfelt und als scharf gezackter Grat weiter nach Süden über die Schloßköpfe führt, sowie zuletzt, durch eine tiefe Scharte deutlich getrennt, in der Peiderspitze seinen Abschluß findet.

Hoangart auf der Peiderspitze

Es ist dieser mächtige Nordgrat ein Ausläufer der Nördlichen Sellrainer Berge, der sich gegen das Inntal hin gabelt, zusammen mit dem kleineren Nordgrat der den Mitterkogel trägt, den Talkessel des Hundstales mit der Inzinger Alm bildet und auf seiner zweiten Höhenstufe ab der Alm den farbenprächtigen Hundstalsee birgt.

Rückblick auf den Inneren Schloßkopf und dem Übergang

Bereits längere Zeit fiel uns der interessante Kam ins Auge und im Winter zuvor unternahmen wir auch eine Schitour auf den Archbrandkopf, die eigentlich bis zum Brechten hätte führen sollen, um den weiteren Verlauf des Kamms zu studieren. An diesem extrem kalten Februartag blies uns jedoch ein derart unangenehmer Nordwestwind entgegen, sodaß das Vorhaben am Archbrandkopf endete.

der Kamm von der Peiderspitze Richtung Norden ins Inntal

Nach dem Studium des AV-Führers von 1976 – alte Führer beinhalten oft nicht mehr aktuelle Informationen, aber auch unschätzbare Schmankerln – beschlossen wir die Tour von der Inzinger Alm als Runde auszuführen, mit Abstieg über den Ostgrat und entlang der Koflerspitzen hinab zum Hundstalsee, mit dem Talweg zurück zur Inzinger Alm.

Parkplatz vor der Inzinger Alm

Der beginnende Sommer bescherte uns prächtigstes Wetter sowie wunderbare Farben in der Natur. Blühende Almwiesen im Aufstieg, aber auch lästige Nebelbildung durch die unterschiedlichen thermischen Verhältnisse eines Kaltluftstroms und der zunehmenden Sonnenbestrahlung am Vormittag, bescherten uns wechselnde Eindrücke.

Schloßköpfe und Peiderspitze, links Mitterkogel

Vom Parkplatz vor der Inzinger Alm (auch Hundstalalm, Parkplatz 2022 kostenlos) begaben wir uns, dieselbe zunächst unbeachtet rechts liegen gelassen, um sieben Uhr über den Mittelleger der Galtalm und dem Hochleger der Jochbrunnalm auf den Weg zum Nordostzweig des Gratkamms, der, vom Rauen Kopf ausgehend, den Gabelpunkt des langen Nordgrats von der Peiderspitze gegen das Inntal bildet.

Galtalm, heute Hütte der Bergwacht Inzing; dahinter Mitterkogel

Der Aufstieg erfolgt bis zum Hochleger der Jochbrunnalm entlang dem Schotterweg, der am Hochleger endet. Reichlich Almrosen und auch Galtvieh trifft man auf dieser sonnigen Strecke an. Die Galtalm, auf 1.844 m, auch Alpl genannt, beherbergt heute die Bergwacht Inzing und es gibt über ihre Geschichte eine nette Seite am Blog der Bergwacht.

Idylle auf der Galtalm

Der Hochleger der Jochbrunnalm stellt eine reife Leistung dauerhaft ausgeführter Zimmermannskunst dar. Das Dach wurde unter möglichster Beibehaltung der Hangneigung in denselben hinein gebaut, um keiner Energieumlenkung standhalten zu müssen. Es lohnt sich ein Blick in die Ställe, um die wuchtige Dachkonstruktion zu sehen. Dieses Gebäude hält bereits über viele Jahre Lawinen vom Kamm herab stand, der immerhin mit etwa 30° Hangneigung 240 Hm über der Alm liegt und dessen freie, gleichförmig steigende und eben geformte Hänge keinerlei Bremswiderstand für die Massen bieten.

Hochleger der Jochbrunnalm

Am Nordostkamm angelangt bietet sich ein vortrefflicher Aussichtspunkt auf den weiteren Steigverlauf zum Brechten. Reines Gehgelände auf saftigen Wiesen läßt die Vorfreude auf den schärferen Teil der Kammbegehung wachsen und der erste Gipfelpunkt der Rundtour, der Raue Kopf, ist bald erreicht.

Kamm zum Brechten

Seine Lage befindet sich etwas nördlich der kürzesten Route auf den Nordgrat, er stellt jedoch eine geographische Marke dar und muß für das Gesamterlebnis der Runde begangen werden. Zu bevorzugen ist für den Tiroler und Einheimischen die Bezeichnung seiner Markierung – Heimkehrerkreuz. Ihm vorgelagert befindet sich das Flaurlinger Joch am Nordwestausläufer des Nordgrates.

 

vom Rauen Kopf gegen den Brechten geblickt

Flach steigt nun der erste Teilabschnitt der Gratbegehung gegen den Brechten an. Ein breiter Rücken bildet die Weidefläche für einige aufgeregte Schafherden, die neugierig herankommen, als hätte man Salz anzubieten. Sie wandern erstaunlich weit mit, schrecken jedoch sofort zurück, wenn man ihnen die Hand hinstreckt.

Hocheeder und Rietzer Grieskogel im Nebel verhüllt

Der Hochpunkt auf dem Kamm ist der Brechten und dieser trägt eine Wetterstation, von der auf am Blog der Inzinger Bergwacht in einem weiteren Link vom „Inzing Wetter“ zu lesen ist, das beispielsweise einen jungen, bemerkenswerten Eintrag kolportiert:

„Druckwelle der Vulkanexplosion im Südpazifik auch am Brechten registriert! 16.01.2022

Kurz vor 21:00 Uhr am 15. Jänner 2022 erreichte uns nach der Explosion eines Vulkans im Südpazifik die dabei entstandene Druckwelle. Diese Schockwelle legte 17.000km zurück und wurde als starke Luftdruckschwankung an vielen Wetterstationen dokumentiert. Die Grafiken dieser Anormalie hatten sowohl am Sonnblickobservatorium (ZAMG) und am Brechten die selbe Charakteristik  – mit einer kurzen Spitze und zwei anschließenden Wellentälern.“

Wir übersehen die Anomalie in Anormalie und empfehlen hiermit die tolle Webseite näher zu erforschen, da diese Station vielfältigste Informationen bietet, sowie auch rückblickende Aufzeichnungen liefert, wie z. B. die Information der Durchschnittstemperatur von 11,5°C am Tag unserer Tour. Weiters liegt die Station in der Hauptwetterrichtung und ist für alle Touren östlich davon, z. B. in den vorderen westlichen Tuxern, eine wichtige Informationsquelle am Morgen bei zweifelhaften Bedingungen.

unterwegs zum Hohen Bremstall

Zu beiden Seiten des Brechtens bilden sich im Hochwinter die mächtigen Wechten, von denen eingangs die Rede ist, die sich lange im Frühjahr halten und von denen auch wir zu Sommerbeginn noch kärgliche Reste vorfanden, ideal gelegen, in einer seichten Senke im Lee der Hauptwetterrichtung von Westen.

Hoher Bremstall, 2.602 m

Am Ende der folgenden Senke des Weitkars zeichnen dann bereits erste Blockwerkshaufen die Änderung von flachen und grünen Almwiesen hin zu steileren Felsflächen und dem ersten aufragenden Gratkopf, dem Hohen Bremstall. Spätestens dort ist man die laut klagenden Schafsgruppen los. Und auch deren Hinterlassenschaft, die am Aufschwung noch für deutliches Odeur zwischen den ersten Blockwerksfeldern sorgten.

Rückblick mit Inzinger Alm in der Tiefe

Leiser geht es dann weiter auf den ersten Felsgupf der Schloßköpfe. Eindrucksvoll liegen die mannsgroßen Granitgneisblöcke wirr aufeinander und bilden eine erste leichte Barriere des Grates. Die Streckenlänge vom Rauen Kopf bis zu diesem Felskopf (2.602 m, mit „Hoher Bremstall“ in der AV-Karte benannt) beträgt beachtliche 2,1 km und es handelt sich bei dieser Strecke um den quer im Inntal anmutenden Kamm vom Osten des Inntales aus betrachtet.

ein herrlicher Grat zeichnet sich ab

Mit guter Aussicht zu beiden Seiten vom Kopf kann bei einer Trinkpause der weitere Verlauf des Grates eingesehen werden. Und das Herz jauchzt bereits beim Anblick der schönen Gratformationen, die da kommen werden. Da gibt es zunächst eine flachere Strecke, bevor der deutlich an Schärfe zunehmende Grat mit einigen interessanten Zacken den Entdeckergeist beflügelt.
Äußerer und Innerer Schloßkopf ragen hinter der naheliegenden Gratstrecke in der Ferne sichtbar auf – ein Traum von Gratstrecke kündigt sich an!

herrliche Blockkletterei im festen Granitgneis

Mit geringem Höhenverlust setzten wir mit Bedacht den Fuß auf die willkürlich gestapelten Blöcke, auf deren scharfe Kanten, auf deren ansteigend und abfallend geneigte Reibungsflächen und waren dabei gespannt, ob sie unter unserer Last kippen oder zumindest wackeln und ein verändertes Gleichgewicht einnehmen würden.

erster Aufschwung in Sicht

Kaum ein Geräusch und kaum eine Kippbewegung konnten wir auf dieser ersten Strecke wahrnehmen, so stabil lagern auf diesem schönen Grat Blöcke und Platten aufeinander. Etwa 10 min zieht sich diese Strecke bis zum nächsten Aufschwung hin.

 

Aufstieg auf die Rampe

Nach dem auffällig ebenflächigen und glatten Felsen auf der Ostseite des Grates erreichten wir die schönste Kletterstelle der Überschreitung. Sie beginnt mit einer glatten und steilen Rampe, die in einem Kamin endet. Mitten am Weg auf die Rampe unterquert man einen massiven Block, auf der Grathöhe prekär auflagert – ein Fotomotiv.

 

unter gewaltigen Blöcken hindurch

Im oberen Teil schließt sich die linke Seite durch aufziehenden Fels, der den leichten Kamin ausbildet und nach oben hin enger wird. Diese Stelle erfordert den Durchstieg quer zur Körperachse und das Ablegen des Rucksacks.

 

hin zum Kamin

Beim Versuch dem Kamin auszuweichen und ihn auf den Grathöhe zu überklettern scheiterte der Verfasser an der notwendigen enormen Spreizweite und den zu großen Griffabständen im vorderen Kaminteil.

 

Ausstieg aus dem Kamin

Auf der Grathöhe nach dem Kamin angelangt genießt man eine phänomenale Aussicht auf die nun nahe voraus liegenden beiden Schloßköpfe. Auf der Karte des oben erwähnten alten AV-Führers sind die beiden höchsten Schloßköpfe mit „Innerer und Äußerer Schloßkogel“ und mit orographisch falscher Anordnung eingezeichnet, im modernen Kartenwerk fehlen die Bezeichnungen und nur der Innere Schloßkopf mit 2.725 m wurde markiert.

Blick aus dem Adlerhorst auf den nächsten Abschnitt

Von dem kleinen Adlerhorst in dem man sich nach dem Kamin befindet, fällt die Wand steil gegen den nächsten Aufschwung ab. So steil, daß man zunächst zurückschreckt, bevor man die Möglichkeiten des Abstiegs genauer inspiziert.

Abstieg vom Adlerhorst; erster Tritt zu mehr Überblick

Tatsächlich erkennt man dann einen komfortablen Tritt, auf dem man aus der Kanzel in die freie Wand steigen kann und auf dieser Tiefe dann auch den weiteren Abstieg über herrlich schönen Granitgneis, mit Klüften gesegnet und völlig fest, ausführen kann.

Abstieg zum Grat – welch Pracht an Formen und Farben!

Am schneidigen Grat beschlossen wir dem breiten Riss nach unten zu folgen und dies stellte sich als unnötig heraus, da wir von unten, um eine kleine Rippe herum, sofort wieder gezwungen waren auf die Grathöhe aufzusteigen.

Abstieg vom Grat; hätte es nicht gebraucht, am Grat wäre es bequem weiter gegangen

Wer hier vom Adlerhorst aus den Grat besser studiert und sich nicht nur vom Abstieg beeindrucken läßt findet den schönen Durchstieg zum breiten Abstiegskamin direkt am Grat und bleibt direkt an der Gratschneide (siehe Foto mit Beschriftung).
Im Rückblick konnten wir die etwa 15 m schönen Grates erkennen, die wir durch den Ab- und Wiederaufstieg verabsäumt hatten.

nach dem sofortigen Wiederaufstieg bereits wieder in einem kurzen Abstiegskamin

Der Abstiegskamin führt über kaum 10 m in eine mittelbreite Scharte hinab, deren Gegenaufstieg ein glatter Felskopf bildet, bei dem man schon beim Abstieg erkennt, daß er nicht erkletterbar ist, zumindest nicht direkt von der Scharte.

nächster Felskopf; nicht kletterbar, daher kurzer Abstieg

Der einzige Weg besteht darin ihn zu umgehen und zwar auf der Westseite. Auf seiner Ostseite fällt die Flanke fast senkrecht ins Hundstal ab. Dazu bedarf es einiger Meter des Abstiegs, bis ein Bandansatz den zu großen Höhenverlust begrenzt und gleich wieder aufgestiegen werden kann sowie, auf der Rippe oben, sogleich ein Steinmann gesichtet wird.

Umgehung der Rippe mit Steinmann

Jenseits der Rippe fanden wir gleich wieder grasiges Gehgelände vor und waren ein wenig enttäuscht, daß die bärige Gratstrecke schon zu Ende war.

Überblick des schönsten Kletterabschnittes der gesamten Überschreitung

Als kleinen Trost ließ die Natur dort den punktierten gelben Enzian und in wild zerklüftetem Fels vor schaurigem Absturz der Ostflanke die rostrote Alpenrose gedeihen.

Alpenrose in steiler Scharte

Der nächste Aufschwung stellt bereits den Äußeren Schloßkopf dar (im alten AV-Führer auch als „Kleiner Schloßkopf“ bezeichnet).

Aufstieg zum Äußeren Schloßkopf

Als eher runde, unscheinbare Erhebung ist er um ein paar Meter höher als der südlich dahinterliegende nächste Spitz, der schöner aussieht, der Bezeichnung Schloßkopf eher nahekommt und mit einer langen Flanke in die letzte Scharte zum Inneren Schloßkopf hin abfällt. Der Abstieg in die Scharte beträgt 35 Hm.

 

Besichtigung der Strecke zum Inneren Schloßkopf

Ab der Scharte sind die über längere Strecken durchgehenden Klettereien vorbei, ab und zu werden Aufschwünge überklettert, jedoch nur in sehr kurzen Sequenzen und kaum unter Einsatz der Hände.

Abstieg in gesamter Länge

Der Aufstieg auf den Inneren Schloßkopf, sowie der Übergang zur Palderscharte (Bezeichnung laut Tiris) finden am Grat in Gehgelände statt.

einige wenige Kletterstellen

Wie immer durch kleine Einschartungen mit Auf und Ab, zum Schluß etwa 40 Hm zur Palderscharte abfallend und westseitig am Grat weiter zum begrünten Sattel zwischen dem Nordgrat und der Peiderspitze.

am Inneren Schloßkopf

Den Übergang vom Inneren Schloßkopf bis hin zum steilen Blockgrat auf die Peiderspitze bildet Amphibolitgestein, das in der Farbe auch sichtbar gegenüber dem vorhergehenden Granitgneis sichtbar wird.

Hochpunkt am Übergang; Hintergrund Peiderspitze

Gegenüber erwartete uns ein schöner, durchgehend steiler Aufstieg über 140 m auf die Peiderspitze. Deutlich kann man am Bild von der Gegenseite sehen, daß man sich in mindestens zwei verschiedenen Gesteinsarten bewegen wird, ein rötliches Band, auffallend begrünt, zieht sich durch den Nordgrat der Peiderspitze (Biotit-Plagioklas-Gneis?).

Abstieg zur Palderscharte, jenseits Peiderspitze

Der Aufstieg beginnt auf einer steilen plattigen Rampe mit gut ausgeprägtem Risssystem, um einen Normalweg als Steig zu schaffen. Der Normalanstieg vom Hundstalsee führt über die begrünte Schuttreise auf den Sattel herauf und setzt hier fort. In diesem unteren Teil, sowie im obersten führt sogar einmal ein Normalweg über blockiges Klettergelände, wenn auch durch große Risse und Klüfte fast als Steig ausgebildet.

am Normalweg durch den Blockgrat

Im Mittelteil  ein etwas flacherer und kaum blockiger Abschnitt mit deutlicher Ausprägung eines Steigs auf sandigem Untergrund sowie vegetationsreich. Dieser Gesteinsabschnitt scheint sich der Erosion mit durchwegs weniger Zähigkeit und Härte zu widersetzen als die umgebenden Abschnitte darunter und darüber.

Primel in der mittleren, vegetationsreichen Stufe zur Peiderspitze

Im oberen Teil findet man wieder prächtiges, großblockiges Gelände vor, wobei gegen den Gipfel hin die Blöcke massiv groß ausgebildet sind und einen schönen Abschluß in leichter Blockkletterei bilden.

die letzten Meter mit sichtbarem Gipfelkreuz

Kurz vor Erreichen des Gipfelplateaus, im größten Blockwerk wenige Meter unterhalb des Gipfelkreuzes, findet man auf einer fast horizontalen Fläche eines Blocks im Schatten einen schönen Biotitkristall, eingebettet in Gneis für die Linse.

Biotitmineral, etwa 15 mm Durchmesser

Die Peiderspitze bietet einen phänomenalen Ausblick auf Lüsens- und Gleirschtal, die im Sellrain gegenüber liegen und die Ausgangspunkte für wesentliche Gipfel der Stubaier Alpen bilden, ob als Bergtour oder als Schitour.

Gipfelkreuz der Peiderspitze

Auf diesem Blog wird unter anderem davon in den Berichten über die Hohe Villerspitze, der Ruderhofspitze und vom Lüsener Fernerkogel als Bergtour und vom Roten Kogel, der Lüsener Spitze, dem Hohen Seeblaskogel, der Haidenspitze, dem Samerschlag und dem Gleirscher Fernerkogel berichte, um nur einige nicht überlaufene davon zu nennen.

Abschluß durch den Lüsener Fernerkogel; leider heute im Nebel

Im Südosten bietet die Peiderspitze einen umfassenden und bärigen Blick auf die Kalkkögel in 14 km Entfernung. Hier gibt es wunderbare Bergtouren mit der Schlicker Seespitze, als klettertechnisch schon anspruchsvolle Überschreitung von der Riepenwand und auch als Schitour.

im Südosten die Kalkkögel

Die Kühtaier Berge im Südwesten bieten mit der Weitkarspitze, der Kraspesspitze als Rundtour vom Finstertaler Schartenkopf, dem Sulzkogel und dem Hochreichkopf bärige Schitouren und als Bergtour mit dem Neuner- und Pockkogel, sowie dem Acherkogel über den Maningkogel unvergessliche Bergtouren.

Kühtaier Berge mit Acherkogel in rechtem Bilddrittel

In der Kette, dem Westen folgend, sind schöne Schitouren auf den Pirchkogel mit der Umrundung des Hochalters zu nennen, sowie die Schitour auf den Hochalter selbst und jene auf den Rietzer Grieskogel.

nördliche Kühtaier Berge mit Pirchkogel in Bildmitte

Leider hat das nette Holzkreuz aus 1985 einen Schaden am Querbalken abbekommen und bedarf einer baldigen Reparatur.

Herwig auf der Peiderspitze mit dem Kollegen Stefan und seiner Begleiterin

Wir erreichten die Peiderspitze kurz nach zwei anderen Bergsteigern, die wir von der Gegenseite aus am weißen Helm gut ausmachen konnten; am Gipfel stellte sich heraus, daß es ein Kollege von Herwig war und seine Begleiterin die Schwester eines Kollegen des Verfassers.

eindrucksvoller Tiefblick auf Alt-Peida (sehr wahrscheinlich namensgebend für die Spitze) in Bildmitte und St. Sigmund

So sehr abgeschieden man die Peiderspitze zu liegen vermutet war diese Begebenheit der Auftakt zur gemeinsamen Einnahme von Höhenmedizin und dem Staunen welch Zufälle sich auf diesen Koordinaten ergeben können.

Peiderspitze, 2.808 m

Der Abstieg in Richtung Koflerspitzen wird im Führer als oberer Bereich von mäßig schwierig beschrieben und die südseitige Umgehung mancher scharfer Stellen anheimgestellt.

Abstieg von der Peiderspitze über den Ostgrat

Unsere Wahrnehmung dazu: während der Nordgrat wenige ausgesetzte Stellen aufweist und ebenfalls mäßig schwierig beschrieben wird, kann eindeutig bestätigt werden, daß der Ostgrat wesentlich ausgesetzter ist, klettertechnisch jedoch eher leichter erscheint, wobei wir ganz unten einige uns als nicht ersteigenswert eingestufte Zacken ausgelassen haben und südseitig im Hang querten.

phantastische Aussicht auf Roßkogl und Weißstein im Osten und den Hundstalsee

Wir machten uns einige Minuten später als die beiden Kollegen auf den Weg zum Abstieg, holten sie an einem Gratstück ein und setzten gemeinsam den Abstieg über den schönen Grat fort.

auf schmalem Grat geht es ganz toll weiter – leichtes und bizarres Gratgelände

Die meisten Passagen am Grat sind leicht zu begehen, in durchwegs festem Fels, begrünt selbst an der Gratoberkante.

eine erste schärfere Stelle nach dem breiten Gelände beim Abstieg

Es gibt eine Stelle, die etwas kniffliger erscheint, die aber auf Reibung und einem schwungvollen Schwenk nach rechts zu einem sicheren Griff gut zu meistern ist. Diese kurze Stelle mag die o. g. Einstufung des oberen Grades von mäßiger Schwierigkeit verdient haben.

Detail Gratausbildung

An der Stelle bricht der Grat nach vorne senkrecht ab und im Abstieg muß links (nordseitig) über etwa zwei Meter bis zu einer steilen glatten Felsfläche abgestiegen werden, an deren Vorderkante der Abbruch beginnt.

heikle Stelle am Ostgrat beim Abstieg Pfeil Gehrichtung, Kreis rechts = Griff rechte Hand, Kreis links Griff = linke Hand nach Überstieg auf Reibung

Nun muß die plattige Felsfläche schwungvoll nach rechts (südseitig) gequert werden, um in eine Scharte zu gelangen. An der Südseite gibt es dann einen sicheren Griff für die linke Hand und man kann den Oberkörper rüberziehen.

steile Abstiege sind auch zu bewältigen

Die Schwierigkeit besteht einzig im sicheren Tritt auf der steilen Felsfläche und im schwungvollen Überstieg bis zum Griff für die Linke, wobei der Griff der Rechten kurz vorher ausgelassen werden muß.

Blick auf den schönen Talkessel im Hundstal

Weiter unten sahen wir, daß die Bruchfläche unterhalb der Felsfläche rötlich angewittert ist, also der Abbruch noch nicht sehr lange zurückliegt. Möglicherweise war diese Stelle in den letzten Jahren einmal leichter begehbar.

letzte Passage am Abstieg in der Südflanke (die Spitzen empfanden wir dort nicht mehr als ersteigenswert)

Am Ende des Ostgrates führt ein Aufschwung etwa 30 Hm wieder auf einen Hochpunkt, den Tiris mit (Koflerspitzen 2.663 m) bezeichnet. Im AV-Führer ist von den Koflerspitzen mit der höchsten Erhebung von 2.641 m etwas weiter östlich die Rede und diese näher zusammengehörigen bizarren Spitzen dürften eher die Koflerspitzen darstellen, als der Punkt 2.663 m.

letzte Gratsequenz zum Abschluß, rechts der Punkt 2.663 m

Am Weg in Richtung derselben überschritten wir zuerst flaches Gelände übersät mit Schiefgneisplatten, bevor das Plateau in einen Bereich mit einer tiefen Senke überging. Dabei handelt es sich um eine Bergzerreißung, die dadurch bedingt ist, daß die südliche Flanke (in drei Stufen?) abgesackt ist und den Graben bildete.

Rückblick auf den bärigen Ostgrat – man erkennt den jungen Abbruch über sich dem die heikle Stelle befindet

Allein die entstandenen bizarren Spitzen dürften jene sein welche der erste Beschreiber (Julius Pock?) als Koflerspitzen benennen wollte. Die beiden westlich und östlich von diesen Spitzen liegenden runden Erhebungen dürften nicht zugehörig zu den Koflerspitzen gemeint gewesen sein.

flach von Pkt. 2.663 m Richtung Weißstein

Die Koflerspitzen überschritten wir nicht, vielmehr galt das Ziel der östlichen runden Erhebung, von der aus ein markierter Steig zum Hundstalsee hinab führt. Die Erhebung befindet sich knapp oberhalb der Schneebrücken der Lawinenverbauung  und von ihr führt ein sichtbarer Steig weiter Richtung Mitterkogel.

Bergzerreißung mit Talbildung voraus, rechts die Koflerspitzen

Hier endet die bergsteigerisch interessante Strecke der Rundtour. Am markierten, aber nur im Kompass Kartenwerk verlaufenden Steig, geht es durch Blockschutt hinab zum Hundstalsee, vorbei am formschönen Gipfel des Weißsteins, der am Grat zum Roßkogel eine zentrale Stellung einnimmt.

Weißstein – welch Erscheinung!

Einem interessanten schwarzen Felsblock begegnet man unweit vor dem Seeufer, er liegt mitten auf dem flachen Schutthang und sticht aufgrund seiner Farbe ins Auge.

Abstieg Richtung Hundstalsee auf markiertem Steig, in AV-Kartenwerk nicht vorhanden, jedoch in Kompasskarte

Es handelt sich dabei um einen Bänderamphibolit, der recht genau an der Grenze vom Schiefergneis durch Gletscherbewegungen zu liegen genkommen sein dürfte.

Gesamtszene der westlichen Begrenzung des Hundstals

Ebenfalls ins Auge sticht ein Bau, der in der Natur der Gegend einigermaßen exotisch anmutet. Der von seinen Erbauern „Apollontempel“ genannte Steinbau, der ohne Bindemittel aus lediglich aufeinander geschlichteten Steinen besteht, wird von zwei sich gekrümmt verjüngenden Türmen flankiert und besitzt einen unbeleuchteten runden Innenraum unter runder Kuppel.

Bänderamphibolit unweit des Seeufers – eine auffallende Wegmarke

Am Portal steht ein in Stein gemeißelter Auftrag zu lesen: „Erkenne dich selbst“. Die Außenanlage besteht aus einem Steinsteg in den See und mehreren Türmchen am Ostufer, die den Zugang säumen.

Apollontempel gegen Peiderspitze

Ob es bei diesem Bauwerk eine – und wenn, um welche – Bewandtnis zu den klassischen Tempeln der Antike gibt bleibt offen, vielmehr, dem Einzelnen überlassen. Auf der Homepage eines der beiden Errichter ist zu lesen:

Hierbei handelt es sich um ein ökologisch und ästhetisch neuartiges Kunstwerk, das die Verbindung Natur – Mensch -, Kunst – Mensch, sowie Kunst und Natur darstellen soll“

Nun, es mag jeder selber darüber befinden wie er diese Erscheinung in Verbindung mit der Natur bringt, vor allem Letztere des Zitates der Homepage. Die Animation dazu findet sich am Portal eingemeißelt.

der sogenannte Apollontempel

Der Hundstalsee wird mit Frischwasserquellen aus dem Seeloch gespeist und hat einen Abfluß mit bemerkenswert großer Schüttung, die am Abstieg zur nächsten Talstufe erst so richtig sichtbar wird.

Kuppel des Apollontempels

An der tieferen Talstufe führt der Steig jenseits des sogenannten Enterbachs an einer Jagdhütte vorbei. Die Ebene davor bildet einen Schwemmbereich für den Bach mit allerlei Arten von Gräsern, die im Sumpf prächtig gedeihen.

Hundstalsee mit dem Bauwerk, von dem ein reflektierend Licht auszugehen scheint (es handelt sich um eine Fläche im Inneren, nicht um den Schlußstein der Pforte)

Am Abstieg fällt noch ein Kreuz am nördlichen Teil des kurzen Grates, der vom Mitterkogel in die Inzinger Alm zieht, auf. Diese Erhebung hat keine Bezeichnung im Kartenwerk, ist nirgends beschrieben und einen Gipfel im Sinne der Definition stellt sie auch nicht dar.

eine malerische Feuchtfläche bildet die untere Talstufe

Möglicherweise handelt es sich um ein Kreuz eines örtlichen Vereins, zwar zentral am Gratausläufer recht schön gelegen, aber offenbar ohne allgemeine bergsteigerische Relevanz. Die Besteigung dürfte über das Enge Tal erfolgen.

ein letzter Rückblick von der mittleren Talstufe

In der Inzinger Alm genossen wir noch Kasknödel mit Salat, die empfehlenswert sind. Anders als in der Suppe sind die Knödel mit Salat knackig frittiert und nach der langen Runde genau die richtige Stärkung.

bar jeden Alltags nach einer gelungenen Bergfahrt

Zu den Eckdaten der Runde sei zu sagen, daß wir die 1.450 m Aufstieg und die Streckenlänge von 13,1 km in 8:43 Stunden absolviert haben. Die Gipfelpause betrug dabei eine halbe Stunde, restliche Pausen in Summe geschätzt 20 Minuten.

Mils, 26.06.2022

Östlicher Feuerstein, 3.267 m

Als Ursprungspunkt zweier mächtiger Gebirgskämme, dem Habicht-Elfer-Kamm in den Nordosten und dem Aggls-Rosskopf-Kamm in den Südosten, stellt der Östliche Feuerstein nicht nur eine geografisch bedeutsame Position dar, seine Erscheinung vom Simmingjöchl aus beeindruckt auch durch Farbe und alpiner Schönheit.

Grüblferner Juli 2022

Die Besteigung von der Bremerhütte über das Simmingjöchl verhüllt den Blick auf den Grüblferner sehr lange im Aufstieg, erst nach der Nürnberger Scharte öffnet sich ein phänomenaler Blick auf die Eismassen und die beiden Feuersteine gegenüber.

Grat zum Östlichen Feuerstein mit klaffendem Bergschrund

Überdies ist der Östliche Feuerstein für den versierten Bergsteiger kaum mit nennenswerten Schwierigkeiten zu besteigen. Der kurze Aufstieg über den Grüblferner ist eher flach, der Gletscheransatz knapp unterhalb des Pflerscher Hochjochs stellt mit einer breiten Spalte (Bergschrund) die Schlüsselstelle im Eis die einzige Prüfung dar. Hiefür empfiehlt sich, neben Eisen für den Gletscher, ein klassischer Pickel mit Schaft. Im Fels am Grat bilden wenige Passagen, denen man die untere Stufe von mäßiger Schwierigkeit zuordnen kann, die kleinen Prüfungen an die Kletterfähigkeit.

Landesstraße nach Gschnitz – Sichtbarkeit Östlicher Feuerstein bis Jubiläumssteig Innsbrucker Hütte

Ausgesetzt muß nicht gestiegen werden, die Länge des Grates vom Pflerscher Hochjoch bis zum Gipfel soll auch nicht unterschätzt werden. Alle Kartenwerke, die auf Outdooractive zugreifen (so auch die digitale AV-Karte) zeigen eine Aufstiegsroute von der Nürnberger Scharte auf den Grüblferner, die heute nicht mehr begehbar ist. Mehr zu diesem wichtigen Thema weiter unten.

gegen 7 Uhr ab mit dem Radl Richtung Laponesalm

Der Aufstieg vom Gschnitztal scheint von den beiden Normalwegen der weniger oft begangene zu sein. Auch im Internet finden sich derzeit (Juli 22) wenige Berichte dieser Route. Es mag wohl auch an der Länge der Route liegen, die mit 11,3 km vom Langental (Stubai) gegenüber 12,8 km vom Gschnitztal kürzer und um gut 100 Aufstiegsmeter niedriger ausfällt. Die Tour kann für den konditionsstarken Bergsteiger als Tagestour absolviert werden, ansonsten empfiehlt sich bei mehr als 2.100 m Gesamtaufstieg vom Parkplatz Feuerstein bis auf den Gipfel die Nächtigung in der Bremer Hütte.

Parkplatz beim Gh. Feuerstein – Aperer Feuerstein im Hintergrund

Wer glaubt den Östlichen Feuerstein von der Terrasse der Hütte aus sehen zu können der irrt. Der Gipfel zeichnet sich erst einige Dutzend Vertikalmeter oberhalb der Hütte ab; von der Terrasse kann man das Osteck des Pflerscher Hochjochs sehen, in dessen südwestlicher Verlängerung der Gipfel liegt. Die Sichtbarkeit des Östlichen Feuersteins, als höchstem Gipfel aller drei Feuersteine, ist von der Ferne im Gschnitztal nur bis nach dem Ort Gschnitz und aus der Nähe erst wieder bei der Nürnberger Scharte gegeben. Vom Gasthaus Feuerstein aus kann man nur den Aperen Feuerstein sehen.
Von dort, vom Gasthaus, über die Laponesalm bis zum abzweigenden Steig auf die Bremer Hütte, benutzten wir das Radl für die schnellere Ausfahrt am Abend und kürzten damit den Rückweg gegenüber der Bewältigung per pedes um knapp 4 km oder gut 40 min ab.

phantastischer Rückblick auf das hintere Gschnitztal

Um 6:45 konnte man an dem zwar wetterstabilen – jedoch durch die Regenfälle am Vortag feuchtigkeitsreichen und mit zunehmender Bestrahlung daher nebelanfälligen – Vormittag auf der Landesstraße nach Gschnitz die so atemberaubend schönen, feuerroten Felsflächen der Feuersteine in der Morgensonne förmlich brennen sehen, welches ein Foto nicht wiederzugeben vermag. Man muß das Schauspiel in natura erleben.
Um kurz nach sieben Uhr starteten wir mit dem Radl vom Parkplatz nach dem Gasthaus Feuerstein in Richtung Laponesalm.

Eintritt in die Simmingalm

Auf der Strecke zum abzweigenden Steig durch den Wald werden geodätisch 248 Hm Aufstieg absolviert (Gh. Feuerstein 1.282 m / Abzweigung 1.530 m). Der Großteil der Straße ist asphaltiert, nach der Laponesalm führt sie als Schotterweg bis zur Talstation der Materialseilbahn der Bremer Hütte weiter; die Abzweigung auf den Steig befindet sich vor der Talstation.

die Simmingalm vom Steig zur Bremer Hütte

Mit dem Steig über den Südhang der Hohen Burg überwindet man eine für die Stubaier Alpen – speziell im Stubaital – so charakteristischen Talstufen, die mit teilweise imposant steilen Abbrüchen jeweils die nächsthöhere Stufe einleiten und über die die klaren Bäche der Gletscherabflüsse hinab tosen. Eine etwas kleinere Ausgabe zum bekanntesten dieser Bäche, dem Grawafall im hinteren Unterbergtal (Stubai), birgt das hinterste Gschnitztal mit dem Simmingbach, der über die Steilstufe von der Simmingalm herunter bricht.

Herwig vor der noch nebelverhüllten Äußeren Wetterspitze

Der Steig führt zunächst durch den Wald, um dann, um etwa acht Uhr bereits spürbar sonnenbestrahlt, über grasbewachsene Serpentinen gegen Westen auf die nachfolgende Talstufe, der Simmingalm, führt. Der Steig, wunderbar gepflegt durch mühsam händisch ausgeführte Mäharbeit mit der Sense zu beiden Seiten des mittelbreiten Steigs.

Bremer Hütte gegen Hintersimming mit Aperem Feuerstein

Wurde die Talstufe erreicht geleiten ein paar Höhenmeter abwärts zu den weiten saftigen Almwiesen, durch die sich der Simmingbach mit seinen zahlreichen kleinen Zuflüssen hindurch mäandert, eine grüne Pracht die Ebene. Im hinteren Teil der Ebene befindet sich der kleine seichte Simmingsee, gebildet durch die Zuflüsse vom schönen Lautersee herab, der passiert wird, wenn man zur Äußeren Wetterspitze unterwegs ist. Das Turbinenkraftwerk der Bremer Hütte befindet sich auch oberhalb des Talkessels der Simmingalm, gespeist von den Wassern der Wetterspitze – eine hervorragend nachhaltige Lösung für die menschlichen Notwendigkeiten auf 2.400 m. Die schöne Almfläche wird heute nicht mehr als solche genutzt.

Bremer Hütte, 2.414 m

Am eisgeschliffenen Hang gegenüber dem Eintritt in die Simmingalm, dem „Mitteregg“ setzt der Steig mit weiteren 400 Hm zur Bremer Hütte als Ausgang fort. Dort wird auch die Seilbahntrasse der Materialseilbahn der Bremer Hütte gequert. Dieser Aufstieg bietet einen schönen Einblick auf Jahrtausende von Behandlung der Felsoberflächen durch bewegtes Eis mit Schutt auf dessen Unterseite.

am Weg ins Hintersimming

Die Schleifspuren durch Geschiebetrümmer, die zwischen der massiven Auflast der Eismassen und der Felsoberfläche entstanden sind, können eindrucksvoll nachvollzogen werden und es ist dabei gut ersichtlich, daß sich die härteren Quarzgänge im Fels gegen den Schliff wehrten, indem sie – deutlich sichtbar – kleine Rippen auf der glatten Oberfläche bildeten, die kaum mehrere Millimeter – aber doch – aus der sie umgebenden Gneismatrix hervorstehen. Diese glatten aber griffigen Flächen werden im Aufstieg zur Bremer Hütte direkt begangen.

Murmelen (Mangger) am Weg zum Talkessel

Wollgras wächst auf dem flachen Teil des Mittereggs, und es ist schön anzusehen, wenn sich die flauschigen Blütenpollen im leichten Lufthauch der Thermik wiegen. Am Weg dorthin, noch vor diesen flachen und feuchten Mulden die Wollgras als Lebensraum benötigt, zweigt der Steig über den Kamm im Süden zu den beiden Tribulaun Hütten ab.

Simmingferner, oder sein Rest; die Fortsetzung der Eisfläche am, unteren Rand noch sichtbar

Die Bremer Hütte auf 2.414 m gelegen bildet den zentralen Stützpunkt für die Touren auf die Feuersteine und andere Gipfel des Grenzkamms zum südlichen Tiroler Landesteil, sowie auch auf die Gipfel des inneren Habicht-Elfer-Kammes. Sie feiert 2022 ihr 125-jähriges Jubiläum. Wir rasteten dort ein Viertelstündchen bei einem Getränk, mit wunderschönem Blick auf die rotgefärbten Gipfel, bevor wir den Steig zum Simmingjöchl fortsetzten.

Simmingjöchl (zu dem nicht direkt aufgestiegen wird; rechts führt der Steig zur Zollhütte)

Als Wermutstropfen in der Landschaft muß nicht erwähnt werden, daß vom einst mächtigen Simmingferner nur noch ein Abklatsch an Eiskörper übrig geblieben ist, auch wenn er sich unter ständig hör- und sichtbar herunterbrechendem Geröll und Schutt noch einige Dutzend Höhenmeter unterhalb der Abdeckung zu Tale hin zieht. Die einstige Mächtigkeit des Ferners kann man am weiteren Weg ins Hintersimming studieren, die verschiedenen Wallformen und Seitenmoränen (siehe eindrucksvolles Bild der Blöcke an der Oberseite der Seitenmoräne in der Bildergalerie) seiner größten Ausdehnung.

Rückblick vom Hintersimming zur Bremer Hütte

Bis in den Kessel im Hintersimming gewinnt man an Höhenmeter nur wenig dazu. Im Gegenteil, man ist gezwungen ungangbare Felsrippen von der Inneren Wetterspitze herab zu untersteigen und verliert nach der Hütte merklich an Höhe, bevor der Steig gegen den Talkessel zunächst mäßig ansteigt, bevor er über Serpentinen steiler wird und zuletzt in einer brüchigen, seilversicherten Rinne gegen die Zollhütte ansteigt.

auf der Kammhöhe bei der Zollhütte; Blick nach Westen zur Nürnberger Hütte: links Wilder Freiger erahnbar

Ziemlich am Tiefpunkt des Steigs ins Hintersimming zweigt ein Steig zur Magdeburger Hütte in Südtirol ab. Sein Verlauf ist schwer auszumachen, wenn man ihn nicht kennt. Er führt, ansteigend über die Fernerschröfen, östlich der Bremer Scharte über den Grenzkamm.

Zollhütte gegen Innere Wetterspitze

An der Zollhütte ist man wohlgemerkt nicht am Simmingjöchl, selbiges befindet sich 160 m weiter südlich und kann im Aufstieg anhand der Einsattelung deutlich als „Jöchl“ wahrgenommen werden. Wer also von der Bremer Hütte zur Nürnberger Hütte wechselt passiert das Simmingjöchl nicht direkt.

Grat zum Grüblferner im Nebel, rechts Aperer Feuerstein

Wer sich in der Zeit der Europäischen Union keine Vorstellung mehr über den Zweck einer Zollhütte auf 2.754 m Höhe machen kann, dem sei hier näher gebracht, daß in der Zeit nach dem letzten Weltkrieg auf dieser die Zollbeamten aus dem Gschnitztal ihren Dienst verrichteten und Schmuggler, die vor allem viel billigeren Tabak und Kaffee, aber auch andere Waren italienischer Provenienz, des Nächtens und bei Nebel auf dem Gletscherweg nach Tirol und nach Deutschland brachten, um teilweise sogar davon zu leben. Die Zeiten waren karg und man nahm was zu nehmen war, auch unter größten alpinen Gefahren.

vor dem Simmingjöchl mit den jung ausgeaperten Fernerflächen bis zur Nürnberger Scharte; rechts Aperer Feuerstein

Der Verfasser dieses Berichtes kennt beide, einen berühmten Absamer Gemeindebürger als bekennender Schmuggler und seinen eigenen Großvater, der als Zöllner viele Jahre seines Lebens zwischen dem Brenner und dem Timmelsjoch Dienst tat und Schmuggler aufspüren mußte, somit das Bergsteigen und Schitouren mit dem Beruf vereinen konnte. Beide, Gejagte und Jäger, wussten spannende Geschichten über ihre Alpinerlebnisse zu erzählen.

Gletschersee in der Mulde am Simmingjöchl zur Nürnberger Scharte

Die Zollhütte schwappte bei unserer Ankunft über vor Weitwanderer, die eben von der Nürnberger zur Bremer Hütte hin wechselten und man unterhielt sich per Videotelefonie lautstark mit den Verwandten, irgendwo in Holland, denen die Landschaft ins Haus gebracht werden sollte. Ein zu geschäftiger Ort, den wir recht bald verließen, um die Richtung nach Süden zum Simmingjöchl einzuschlagen.

Ausdehnung der Eisfläche unterhalb der Nürnberger Scharte

Am Simmingjöchl entdeckten wir am Rückweg deutliche Steigspuren hinab hinter die Felsen. Es sollte also möglich sein den Aufstieg zur Zollhütte auszusparen und somit etwa 50 Hm abzukürzen. Wir sind dem Steig aber auch beim Abstieg nicht gefolgt, um mit Gewissheit sagen zu können, daß er durchgehend an den Steig im Hintersimming heranführt. Von diesem sieht man nämlich keinen Abzweig im Aufstieg. Möglicherweise verläuft sich der Steig im Geröll der Flanke und man steigt weglos weiter.

obere Bruchzone nicht begehbar

Südlich des Simmingjöchl blickt man nun umso näher auf die geschliffenen rotbraunen Gletscherfelsen und riesigen Gesteinsblöcke, die der Gletscher herausgearbeitet hat. Der Grund für die äußerst intensive, ja fast bis ins rostbraune gehende – sodaß man meinen könnte man stünde Gestein mit Eisenoxidgehalt gegenüber -, rötlich-braune Färbung liegt am geringen Gehalt an Hellglimmern (hier ist vorwiegend Muskovit gemeint) in einer Quarz, Plagioklas und Biotit-reichen Matrix.

ab ins Blockwerk mit noch beachtlicher Blockgletscherreichweite

Die Verwitterungsfarbe von Biotitplagioklasgneis erscheint daher rötlich-braun. Auch die umgebenden Gipfel im Kamm und der Zweigkämme, z. B. die Wetterspitzen, bestehen aus diesem Gestein, wenngleich man es nach vielen Jahrhunderten der Verwitterung gegenüber den jungen Flächen der sich zurückziehenden Gletscher nur mehr an ihren kürzlich passierten Abbrüchen zu sehen bekommt.

 

Rückblick auf das Simmingjöchl

Der Aufstieg vom Jöchl auf die Nürnberger Scharte ist ein mühsamer. Zunächst stiegen wir nach dem Simmingjöchl wieder etwas tiefer – zu den unter Sonnenbeleuchtung von Schluff leicht türkis gefärbten Gletscherlacken – ab, durchschritten eine kurze weiche Zone von Feinteilen, die vom Schmelzwasser an des Gletschers Stirn gebildet wird, bevor wir mit Vorsicht erstmals nach über vier Stunden des Aufstiegs Gletschereis betraten.

mühsam zur Nürnberger Scharte

Wir blieben nahe am Rand des Eiskörpers und konnten im Aufstieg mit den Stöcken ab und zu Hohlräume unterhalb erklopfen, die jedoch wunderbar standhielten. Gegen die obere Begrenzung hin mußten wir die angenehm flache Eismasse verlassen, da sich signifikante Spalten und Schollenbrüche auftaten. Somit waren wir wieder auf das mühsame Fortkommen über die zum Teil Kubikmeter messenden Blöcke angewiesen. Schutt und unverwitterte Flächen auf den Trümmern zeugten von Felsstürzen vom Aperen Freiger herab. Die kurze Strecke von der Zollhütte zur Nürnberger Scharte mit gut einem Kilometer und nur 180 Hm Aufstieg dauerte somit eine Dreiviertelstunde.

Nürnberger Scharte; Blick auf den Fernerrest auf den die Route der AV-Karte führt

Die Überraschung an der Nürnberger Scharte besteht nicht nur in der einmaligen Sicht auf die hohen der drei Feuersteine, vor allem aber in der Tatsache, daß die in oben erwähntem Kartenwerk eingezeichnete Route nicht begehbar ist. Die Flanke von der Scharte zum tief liegenden Ferner erscheint im oberen Teil fast senkrecht und besteht aus – weit gefährlicher noch als die Steilheit – mannsgroßen Blöcken in feinerer Einbettung, mit einem Wort nichts anderes als offen dastehendes Gletschergeschiebe von dem zu jeder Zeit Ausbrüche auf den Gletscher darunter passieren, wie im Tiefblick ersichtlich wurde.

Abbruchkante von der Nürnberger Scharte nach Westen; Hintergrund: Östlicher und Westlicher Feuerstein

Beeindruckt von dieser Situation, sowie mit Respektabstand von der Abbruchkante, stiegen wir aufwärts, um oben vielleicht das Glück zu haben zum Grüblferner zu gelangen, da es von unten danach aussah. Den Aperen Feuerstein ließen wir rechts liegen und folgten einer Art Steig am Rücken, von der Abbruchkante entfernt. Oben angekommen präsentierte sich ein atemberaubender Blick auf den Ferner und die beiden hohen Feuersteine, leider aber wieder kein Weiterkommen, durch dieselbe Abbruchsituation wie unten an der Nürnberger Scharte bedingt. Zwar wäre dieser Abstieg nicht so tief gewesen, mit Sicherheit aber genau so risikoreich, unter keinen Umständen eine Option.

kurzer Aufstieg zum Aperen Feuerstein

Nun blieb nichts anderes mehr über als einen eigenen Aufstieg zu suchen und zwar hinauf auf den Buckel und weiter am Grat, der zur Pflerscher Scharte hinauf zieht. Von unten konnten wir ausmachen, daß es weiter oben am Grat die Möglichkeit geben muß auf den Gletscher abzusteigen und vom Aufstieg vor der Nürnberger Scharte wußten wir, daß auf dem Buckel oben Holzstangen (Schneestangen?) montiert waren, sodaß dieser Aufstieg nun logisch erschien. Allein der lockere Fels brachte einige Anspannung, ob Blöcke sich lösen würden.

links im Bild ein verlockender Steig, der keiner ist

Die etwa 50 Hm messende Flanke bestand nahe an ihrer Kante aus Blöcken, die sich bereits aus der stabilen Verkeilung gelöst hatten und teilweise gefährlich lose auf ihrem Untergrund auflagen. Wir kletterten daher weiter innerhalb der Flanke als am Rand und immer wieder konnten wir feststellen, daß der Verbund sich hier in den nächsten Jahren bis tief in die Flanke lösen wird.

am der Abbruchkante zum Grüblferner nach Süden; Hintergrund Östlicher Feuerstein

Oben fast direkt am Hochpunkt angekommen – die kurze Kletterei kann als mäßig schwierig beschrieben werden – trafen wir die Holzstangen an. Ein wunderbares Plätzchen zur Beobachtung von Schmugglern und daher muß es dort hinauf einen besseren Weg geben, den wir im Abstieg auch in der direkten Gratbegehung von der Nürnberger Scharte gefunden haben. Steinmänner übersahen wir dort jedoch keine, sodaß dieser Weg nicht sofort gefunden wird.

am Gupf angekommen, eine wunderbare Fotoperspektive

Nun folgten wir der Gratlinie, die mit leichtem Abstieg und über schärfere Teilstücke zu ihrem Tiefpunkt führte, an dem wir den Übergang zum Grüblferner suchen wollten. Die „schärferen“ Gratstücke muß man sich nicht mit Kletterei verbunden vorstellen, sie werden mit Stöcken begangen, sind jedoch ähnlich zerrissen wir der zuvor beschriebene Aufstieg auf den Buckel.

am Grat zum Pflerscher Hochjoch

Hier kann jederzeit ein Rutscher die Platten und Schollen zum Absturz bringen. Die kompakte Flanke im Osten ist dabei an manchen Stellen hilfreich, wenn einem die Klüfte zwischen den Platten auf der Gratlinie zu instabil und zu weit erscheinen. Diese Strecke ist jedoch recht kurz und rasch gemeistert.

Rückblick zum Gratkopf – man beachte die Lagerung der Plattenschollen

Während unseres Aufstiegs und der Gratbegehung beobachteten wir Aufsteigende sowie Absteigende von und zur der Nürnberger Hütte mitten am Grüblferner, wie sie die kürzesten Schritte über die massiven Spalten suchten. Von oben hatten wir natürlich die beste Route im Blick und konnten sehen wie mühsam manche Spalte zu umgehen war und welche Zeit man für einen solchen Aufstieg benötigt.

geeignete Stelle mit Abstieg zum Grüblferner

Nach kurzer Gratbegehung erreichten wir den Tiefpunkt von dem aus wir den kurzen Abstieg schräg nach unten zum Grüblferner zu unternehmen gedachten. Die Stelle muß nicht extra beschrieben werden, sie erscheint durch ihre Lage logisch und der schräge Abstieg erfolgt zwar in ebenfalls gelockertem Gelände, jedoch mit wesentlich geringerer Hangneigung. Aufhalten sollte man sich unten am Rand des Grüblferners jedoch nicht unnötig lange, wovon abgestürzte Brocken zeugen.

Anlegen der Eisen für den Gletscheraufstieg

Mit Steigeisen bewältigten wir den ersten flacheren Teil am Gletscher recht zügig. Imposant und auf den Bildern nachvollziehbar sind die Rutschbahnen der Gesteinsbrocken, die teilweise etwa hundert Meter in das Fernerbecken hineinreichen.

über gut sichtbare Spalten hinweg

Die Spalten am Grüblferner waren Ende Juli bestens sichtbar und da wir recht nahe am linken Rand (in Aufstiegsrichtung) unterwegs waren trafen wir auch nicht sehr viele Spalten an. Jene, die wir bis zum Aufsteilen des Gletscherbeckens überwinden mußten, waren maximal unter einem Meter breit, meist unter einem halbem Meter.

etwas tiefer in den Ferner hinein, jedoch weit links im Aufstieg bleibend

Der Pickel gibt hier zusätzliche Sicherheit und wird oben, an einer Spalte, die als Bergschrund bezeichnet und als Schlüsselstelle unseres Gletscheraufstiegs angesehen werden kann, ein wichtiges Instrument der vorbeugenden Sicherung. Als Bergschrund ist die Spalte gegenüber jener weiter westlich an der Gratflanke zum Östlichen Feuerstein ein Zwerg, für die mögliche Schrittlänge ist sie jedoch schon zu breit.

oberhalb des Bergschrundes am Pflerscher Hochjoch

Wir stiegen nach dem Bergschrund respektvoll bis auf die völlig unter Eis stehende Gratkante zum Pflerscher Hochjoch auf, um dann festzustellen, daß wir am Felsansatz im Westen wieder 20 Hm absteigen mußten, um an den günstigsten Ausgangspunkt für die Erklimmung des Grates zu gelangen. Im Abstieg querten wir kaltschnäuzig zum Bergschrund, ohne nennenswerten Höhenverlust auf kompaktem Eis, ohne Spalten.

vereiste Grathöhe am Pflerscher Hochjoch

Schräg nach oben steigt man nach dem Ablegen der Eisen und des Pickels am Ende der Eisstrecke zum Felsgrat auf. Einige Minuten wird er direkt begangen unter phänomenalem Blick auf den Feuersteinferner im Süden. Die Gratflanken sind zu beiden Seiten durchaus steil, ausgesetzte Stellen gibt es aber eigentlich nicht.

zeitlich nicht zu unterschätzender Grat zum Östlichen Feuerstein

Nach dem ersten flacheren Stück trennt eine schmale Scharte den recht steil aufsteigenden weiteren Gratverlauf. Diese Scharte, eine Störzone, scheint aus recht schlechtem Gestein und Feinteilen zu bestehen und wird in den kommenden Jahren mit Sicherheit an Schwierigkeit zulegen.

Rückblick am Grat auf das Pflerscher Hochjoch

Derzeit ist sie sicher zu begehen, weist jedoch deutliche Spuren der Erosion auf und bricht mit gefährlichem Geröll zu beiden Seiten auf die Gletscher hinab.

Scharte mit Störzone

Ein paar Aufstiegsminuten später erblickten wir das ersehnte Gipfelkreuz. Nach sechseinhalb Stunden, mit nur einer nennenswerten Pause von etwa 20 Minuten bei der Bremer Hütte, waren wir doch recht froh darüber und auf mittlerweile signifikant über 3.000 m Seehöhe auch entsprechend angestrengt. Es sollten aber knapp sieben Stunden werden, die für den Gipfelsieg am Östlichen Feuerstein nötig wurden.

Rückblick an der mäßig schwierigen Kletterstelle

Anschließend an die steile Flanke folgte der Aufstieg über eine leichte Kletterstelle, der man die eingangs erwähnte untere Schwelle von „mäßig schwierig“ zumessen kann. Sie besteht aus schräg gestellten glatten Felsflächen, die jedoch mit Handrissen durchzogen sind, die auch als Tritte einwandfrei begehbar sind.

eine weitere Stelle mit netter Kletterei in gut griffigem Schiefergneis

Weiter geht es anschließend noch eine Viertelstunde über ein paar Aufschwünge ohne nachfolgende Scharten, bei denen abgestiegen werden müßte. Der Gipfelbereich wird dann überraschend förmlich auf einem Steig erreicht und ist ebenfalls überraschend untypisch rund geformt im Gegensatz zum vorher durchwegs bizarren Grat. Unser Aufstieg hatte somit 6:50 Stunden in Anspruch genommen.

Rückblick auf den Grataufstieg vom Pflerscher Hochjoch

Leider verzog sich der Nebel auch bis zum Erreichen des Gipfels gegen 14 Uhr hin nicht vollständig, womit wir beschlossen die Gipfelrast etwas ausdehnten, um in den Genuss von nebelfreien Bildern zu kommen, falls er uns die Gnade erweisen sollte, sich von den besten Fokuspunkten zu entfernen.

Herwig am Östlichen Feuerstein

Unser erster Blick galt dem Tale und von wo im Gschnitztal aus man den Östlichen Feuerstein sehen kann. Dies ist bis etwa 500 m nach dem Parkplatz des Jubiläumssteiges zur Innsbrucker Hütte auf der Landesstraße der Fall, bis nach dem Gschnitzer Ortsteil „Gurns“. Das Bild dazu befindet sich in der Bildergalerie und man kann auch deutlich erkennen, daß die Bremer Hütte leider nicht sichtbar ist, sie versteckt sich hinter dem Grat, den wir als Zugang zum Grüblferner nutzten.

Talblick über das Osteck vom Pflerscher Hochjoch ins Gschnitztal

Dem noch deutlich höheren Wilde Freiger galt unser zweiter Blick und bei diesem tat uns der Nebel erst beim Abstieg den Gefallen denselben vollständig zu enthüllen. Nach Süden hin waren die Nebelverhältnisse besser, hier hatten wir einen guten Fernblick auf den Aggls-Rosskopf-Kamm die tollen Schitourenziele auf die Ellesspitze und die Wetterspitze.

gewaltiger Aggls-Rosskopf-Kamm mit schönen Schitourenzielen

Im Westen, am mittleren Hauptkamm,  reicht der Blick auf die Sonklarspitze, den Wilden Pfaff und das Zuckerhütl.

Westlicher Feuerstein mit Schwarzwand- und Sonklarspitze rechts (vor dem Nebel)

Die Aussicht in den Südwesten besticht mit dem Botzer in 5,7 km Entfernung und auf die Ötztaler Alpen rund um das Timmelsjoch, gleich rechts neben dem Botzer der Granatenkogel in 19 km Entfernung.

im Hintergrund rechts neben dem Botzer die Granatenspitze in den Ötztaler Alpen; rechts der gewaltige Übeltalferner

Im Süden ragt die Nordwand der unmittelbar gegenüber dem Feuersteinferner gelegenen Agglsspitze und rechst dahinter der Hohen Kreuzspitze, beide tolle Schitourenziele.

Agglsspitze mit Magdeburger Scharte; im Hintergrund das Schitourenziel der Hohe Kreuzspitze

Der Blick in den Osten, dem Kamm folgend, in unmittelbarer Nähe jenseits des Pflerscher Hochjochs findet sich die Schneespitze und dahinter die Weißwandspitze (mit der Besonderheit einer Dolomitaufsattelung auf kristallinem Untergrund), knapp noch an der südlichen Flanke der Weißwandspitze sichtbar das tolle Schitourenziel Hoher Zahn, bevor der mächtige Pflerscher Tribulaun sich auftürmt, mit seinem nördlichen Bruder dem Gschnitzer Tribulaun.

die dolomitische Weißwandspitze, rechts (beschattet) das Schitourenziel Hoher Zahn, rechts die gewaltigen Tribulaune

Eines der – dem Verfasser bekannten – ältesten Gipfelkreuze ziert den Östlichen Feuerstein. Ein Stahlkreuz der katholischen Jugend St. Theresia aus Nürnberg aus dem Jahr 1964, mit Christusmonogramm, auf schmalem Betonsockel widersteht seit 58 Jahren den Wettern in der Höhe. Leider fehlt das Gipfelbuch.

Östlicher Feuerstein, 3.267 m

Gegen halb drei, nach einer 40 minütigen Gipfelrast mit vergeblichem Warten auf Aufklaren,  verließen wir den Gipfel und nahmen denselben Weg zurück zum Pflerscher Hochjoch.

Gipfelkreuz am Östlichen Feuerstein aus 1950 (möglicherweise versetzt bei Errichtung des neuen Kreuzes 1964)

Dort schlüpften wir wieder in die Eisausrüstung und querten direkt ohne Höhenverlust zum Bergschrund hinüber. Der Übergang erwies sich völlig spaltenfrei direkt auf der Eisoberfläche, teils tiefschwarz durch Staub- und Schmutzablagerungen überzogen und Mitgrund für den Teufelskreis der schmelzenden Eismassen.

Bergschrund unterhalb des Pflerscher Hochjochs

Den restlichen Abstieg vom Grüblferner, dessen einst größter Teil heute nahezu eisfrei unterhalb des Gletscherbruchs im Westen der übrig gebliebenen jämmerlich kleinen Zunge zu finden war, unternahmen wir direkt auf den Aufstiegsspuren, deren einzige Begeher wir selber waren, während alle anderen Gruppen von der Nürnberger Hütte über das Langental aufgestiegen sind.

Spalte mit Bergschrund im Hintergrund

Am Abstieg klarte das Wetter dann weiter auf und ließ einige schöne Blicke auf den Wilden Freiger zu. Deutlich kann man am Südkamm des Freigers auch die Wetterstation im Süden erkennen. Die Zollhütte dort ist verfallen.

Wilder Freiger vom Pflerscher Hochjoch gesehen

Wir erstiegen nun den Buckel, auf den wir im Aufstieg mit prekärer Stabilität der Brocken am Hang überwinden mußten, um zum Grüblferner zu gelangen, folgten dem direkten Abstieg am Grat und fanden bereits oben einen deutlich sichtbaren Steig, teilweise mit Steinmännern markiert, vor. Diese Route ist flacher und sicherer als die Westflanke, die wir im Aufstieg unfreiwillig nehmen mußten.

wieder auf der Grathöhe

Unterhalb der Nürnberger Scharte, beim Abstieg zum Simmingjöchl, passierten wir einen kleinen Gletschertisch mitten im kläglichen Rest der schwindenden Eisfläche.

Abstieg vom Felsgupf nun auf Steig mit Steinmandln

Der Gegenanstieg zum Simmingjöchl bietet nochmals einen herrlichen Blick über die Gletschertätigkeit früherer Jahrhunderte. Am Grat zur Zollhütte fiel uns noch die Begrenzung der Höhe des maximalen Simmingferners im Hintersimming auf.

Hintersimming, Bremer Hütte und Gschnitztal

Hier zieht sich eine auffallende Linie von mittelgroßen Felsblöcken durch die nördliche Seitenbegrenzung, etwas unterhalb des Steigs zur Bremer Hütte. Auffallend und bezeichnend ist auch die oben erwähnte charakteristisch rötliche Färbung der Blöcke (Verwitterung seit Ablagerung noch nicht so lange eingetreten) gegenüber den viel älter abgelagerten höher liegenden Gesteinsblöcken. Zusammen mit dem Wall etwa mittig im Tal kann man das Ausmaß der Eismassen noch vor etwa zwei Jahrhunderten erkennen, und etwas weiter unten die massive Stirnmoräne.

am Blockgletscherfeld

Leider erreichten wir die Bremer Hütte nicht mehr rechtzeitig, um dort eine längere Rast einzulegen. Ein Bier mußte nun aber sehr wohl aufgenommen werden, bevor wir nach 17:30 den Abstieg antraten und das Schnitzel bei stimmungsvollem Blick auf den Aperen Feuerstein gegen 19:30 im Gasthaus Feuerstein einnahmen. Somit dauerte die Tour 12:27 Stunden, wie die Aufzeichnung dokumentierte.

Aussichtshighlight: Wilder Pfaff und Zuckerhütl an Nordflanke des Wilden Freigers in Bildmitte

Wir sind beim Abendessen zum Schluß gekommen, daß die Tour kaum in wesentlich kürzerer Zeit durchgeführt werden kann, es sei denn man hält Pausen in geringstmöglicher Kürze. Die Gesamtzeit unserer Pausen dürfte bei 90 min, zuzüglich doppeltes Rüsten für die Gletscherbegehung mit etwa 20 min gelegen haben, sodaß die reine Gehzeit, bzw. incl. Ausfahrt mit dem Radl 10:40 Stunden betrug.

Aussicht auf die zentralen Stubaier Gipfel

Mit diesem Wissen erscheint die Angabe auf dem nicht besonders glücklich gewählten Wegweiser an der Bremer Hütte „Feuersteine 3 – 4 Stunden“ als unpassend und unrealistisch, für den Westlichen Feuerstein als nahezu fahrlässig, für den Östlichen als äußerst knackig, und, sollte hierbei der Apere Feuerstein gemeint sein, als fast unrealistisch lange. Um von der Hütte auf den Östlichen Feuerstein zu gelangen erscheinen vier Stunden als Wegweiserangabe für den durchschnittlichen Geher bei der Erstbegehung heute kaum mehr tauglich. Hierzu ist das Blockwerk ab dem Simmingjöchl bis zum Grüblferner viel zu hinderlich.

sichtbare ehemalige Gletscherausdehnung durch die rötliche Blockfront am Südhang der Inneren Wetterspitze (linke Bildhälfte), darüber ältere Blockablagerungen

Die Strecke vom Gasthaus Feuerstein bis zum Östlichen Feuerstein beträgt nach Routenplanung in Outdooractive 12,8 km, die Aufstiegshöhe beträgt nach Aufzeichnung der Bergsteigeruhr  2.135 m (barometrische Messung).
Unsere Alternativroute zu jener in Outdooractive und AV befindet sich in der Bildergalerie.

Mils, 24.07.2022

Wildkopf, 2.718 m – Überschreitung bis zum Schwarzhorn

Der Südöstliche Sellrainkamm bietet eine lange und leichte Kammbegehung vom Wildkopf, östlich des Schaldersjoches gelegen, bis zum Sendersjöchl, bei der mit dem Schwarzhorn ihre höchste Erhebung erreicht wird. Die Strecke von der Wildkopfscharte zum Wildkopf wird dabei am Steig doppelt begangen, da es leider keinen direkten Anstieg von der Seducker Hochalm auf den Wildkopf gibt. Der Direktanstieg im steilen Schrofengelände ist jedoch möglich.

Wildkopf Kreuzgipfel, 2.718 m

Genauer genommen muß man den Wildkopf, auf dem das Gipfelkreuz errichtet wurde, als einen Vorgipfel verstehen, denn der eigentliche Gipfel mit 2.738 m Höhe befindet sich westlich vom Kreuzgipfel und die Schartenhöhe (zwischen beiden) des Kreuzgipfels erreicht nicht die Kriterien für die Bezeichnung als Doppelgipfel.

am Weg zur Seducker Hochalm, Parkplatz links unten

Diese topographischen Verhältnisse werden den meisten Besteigern des Kreuzgipfels einerlei sein, jedoch lohnt es sich für den Erfahrenen die mäßig schwierigen, recht kurzen und netten Klettereien in durchwegs festem Glimmerschiefer zum westlich gelegenen Hauptgipfel zu unternehmen. Diese kleine Extratour stellt dem Gratkletterfreund auf der durchwegs über Steige verlaufenden Kammüberschreitung eine kleine Prise Salz in der Suppe dar, die er nützen sollte. In der Bildergalerie befindet sich ein Profil aus TIRIS entnommen.

Weggabelung; Empfehlung: links weiter

Der Start der bärigen Runde erfolgt im Oberbergtal am Parkplatz in Seduck, dass die Einheimischen auch so schreiben, entgegen den touristischen Wegweisern, auf welchen sich die Schreibweise „Sedugg“ findet. Vom Parkplatz aus kann auch ein Spitzl des Wildkopfs gesichtet werden.

unglaubliche Farben am Zenit des Frühlings

Über den Oberbergbach auf der Asphaltstraße bis zum Gasthaus Alpenfrieden zweigt gleich rechts vor dem Gasthaus der Steig zur Seducker Hochalm ab, der steil beginnt und nach dem Passieren einer Materialseilbahn im Wald verschwindet.

am Steig an der Waldgrenze

Im Aufstieg trifft man alsbald im Wald einer Gabelung des Steiges an der der Verfasser die linke Möglichkeit empfiehlt, nachdem er die rechte Seite im Abstieg beging. Links führt der Steig hinaus auf eine Weidefläche, die vom Issebach durchzogen wird und es danach sehr steil weitergeht.

herrliche Ausblicke auf den Alpeinerkamm

Die Möglichkeit rechts führt im oberen Teil ebenfalls über die Weide und ist durch Nutzung der Steige durch das Almvieh über längere Teilstrecken in Letten und unwegsames Gelände verwandelt. Oberhalb der Waldgrenze endet die Weide und die Steige vereinen sich wieder.

kurz vor der Almhütte wendet der Steig nach Nordosten zum rechts von der Gabelung abgehenden Steig

Der Steig links führt sodann an eine Almhütte heran, zweigt aber kurz vorher rechts ab und führt bis zur Vereinigung mit dem rechten Steig kurzzeitig in die Gegenrichtung des bisherigen Anstiegs. Ein einziger Steig führt anschließend in westlicher Richtung zur Seducker Hochalm weiter.

Oberbergtal mit Tuxer Alpen im Hintergrund

Das makellose Spätfrühlingswetter mit der ungetrübten Sonnenbeleuchtung zauberte am frühen Vormittag bereits unglaubliche Farben in den Jungwald und auf die Zwergstrauchmatten durchzogen mit blühenden Alpenrosen. Im Hintergrund dazu die noch weißen Gletschergipfel des Alpeinerkamms.

an der Seducker Hochalm

Die Seducker Hochalm war bei unserer Begehung bewirtschaftet, jedoch mußte der Almwirt noch viele Stunden auf unsere Einkehr warten, denn die weite Runde über den Kamm wollte erst begangen werden. Später plauderten wir über die Schitour auf die Wildkopfscharte, von der man hört, sie aber nie sieht und die von Seduck aus manchen Winters möglich ist, wenn die Südhänge im Frühjahr noch genügend Schneebedeckung aufweisen.

an der Wildkopfscharte

Der Steig führt an der Seducker Hochalm weiter gegen Norden auf die Wildkopfscharte. Bis zur Hütte rechne man mit etwa eineinhalb Stunden und von der Alm bis zur Wildkopfscharte mit einer Dreiviertelstunde. Von der Scharte bis zum Wildkopf eine weitere Dreiviertelstunde, sodaß vom Tal bis zum Wildkopf Kreuzgipfel drei bis dreieinviertel Stunden angesetzt werden können.

Blick auf den von der Hohen Villerspitze nordwärts ziehenden Kamm mit bärigen Schitourenzielen

Nach der Wildkopfscharte muß zweimal abgestiegen werden, um Gratköpfe zu überwinden. Die Abstiege sind moderat in der Höhe. Zuletzt möchte man gern über eine recht glatte Plattenflanke zum Gipfel aufsteigen, der Steig führt jedoch unterhalb um dieselbe herum und berührt nur leicht die Felsflächen.

vom höchsten Gratbuckel aus auf den Wildkopf geblickt; ein paar wenig tiefe Scharten sind auf ihn abzuschreiten

Das Holzgipfelkreuz am Wildkopf wurde eindrucksvoll zimmermannsmäßig gefertigt und dient seit wenigen Jahren dem Schmuck des Vorgipfels.
Der beeindruckende Ausblick vom Wildkopf reicht vom Blick auf die nächste Etappe im Nordosten mit Hoher Schöne, Schwarzhorn und Schwarzer Wand über die Kalkkögel und auf das Stubaital im Osten.

Wildkopf Kreuzgipfel am Rückweg vom Westlichen Wildkopf gesehen

Im Süden beeindruckt der Alpeinerkamm, stets an Höhe zunehmend, von der Seblasspitze über Brennerspitze – in der Ferne Wilder Freiger – und Knotenspitzen bis zu den Seespitzen und schließlich, fast verdeckt von der Östlichen Seespitze, die Ruderhofspitze.

Wildes Grübl im Vordergrund, hinten der Alpeiner Gletscher mit den Schwarzenbergspitzen; rechts Hohe Villerspitze

Am Ende des Alpeiner Ferners thronen die Schwarzenbergspitzen im Südwesten  und nach Westen aufschließend der mächtige Schrankogel bevor die Dreitausenderschau im zentralen Stubai durch die schroff aufragende Flanke der Hohen Villerspitze im Vordergrund unterbrochen wird.

Hohe und Lüsener Villerspitze, Hohe Röte und Gallwieser Mittergrat

Vor der Hohen Villerspitze, im unmittelbaren Vordergrund befindet sich der eigentliche Gipfel des Wildkopfs, kaum 200 m vom Kreuzgipfel entfernt. Er behindert die Sicht auf den Grat zwischen Hoher Villerspitze und Lüsener Villerspitze, einem sagenhaft schönen Abenteuer, beschrieben im obigen Link.

Kammüberschreitung der Südöstlichen Sellrainer Berge vor uns, hinten Kalkkögel

Gegenüber im Nordwesten befinden sich im Kamm, den die Villerspitzen nach Norden bilden, bärige Schitourengipfel, unter anderem: Gallwieser Mittergrat, Roter Kogel, Sömen und das Fotscher Windegg weit nördlich.

Abkletterstelle am Weg zum Gipfel des Westlichen Wildkopfs

Der Übergang auf den eigentlichen Wildkopf besteht im Abstieg in eine kleine Senke, einem Aufstieg auf einen schrägen Zahn und einem Senkrechtabbruch über ein paar Meter, der im festen Fels leicht abgeklettert werden kann.

Rückblick über die Grat vom Kreuzgipfel auf den Westlichen Wildkopf

Auf diese Passage folgt eine nächste schräg gerichtete Schuppe, die etwas an Schärfe gegen oben hin zunimmt. Vorwiegend südlich wird sie genommen. Nach dieser Passage wird der Gipfel in wenigen Minuten erreicht.

inneres Fotschertal mit Potsdamerhütte vom Westlichen Wildkopf gesehen

Ein abgebrochener Skistock mit Aufdrucken aus den achtziger Jahren war das einzige Markierungsmaterial, das auf dem flachen Gipfelplateau vorgefunden werden konnte. Mit einem kleinen Steinmann als Fundament ließ sich daraus eine schnelle Gipfelmarkierung basteln.
Ein Foto des Kreuzgipfels aus ansprechender Perspektive sowie ein eindrucksvoller Blick auf die schneidigen Grate der Villerspitzen kann sonst noch vom Wildkopf Hauptgipfel mitgenommen werden. Knappe 40 Minuten ohne Hast dauerte der kleine Ausflug vom Kreuzgipfel.

Alpeiner Ferner mit umliegenden Gipfeln, mittig die Schwarzenbergspitzen, links Seespitzen, Ruderhofspitze, rechts Schrankogel, Schrandele und Hinterer Wilder Turm

Zurück beim Gipfelkreuz traten wir sogleich die lange Überschreitung an mit dem ersten Abschnitt über die beiden Graterhebungen zurück in die Wildkopfscharte und begleitenden Schönheiten an Alpenblumen neben dem Steig.

die Zottige Primel am Weg zurück zur Wildkopfscharte

Zunächst führt die Route mit moderatem Auf und Ab in eine kleine Grateinsenkung vor einem signifikanteren Anstieg von etwa 100 Hm, der den Westanstieg zur Hohen Schöne einleitet. Vor der Senke zum Anstieg wechselt das Gestein über von der extremen Ausbildung der Glimmerschiefer in einen Schiefergneis mit Ausbildung deutlich größerer blockiger Schollen am Grat.

östlich der Wildkopfscharte bleibt der Steig zunächst südostseitig unterhalb der Kammhöhe

Der Anstieg führt über unerwartet steiles Gelände auf eine Art Hochfläche, durchzogen mit kleinen Senken von Bergzerreissungen sowie mit der massivsten Ausprägung an der Hohen Schöne selbst.

dann wechselt der Steig auf die Nordwestseite

Die Route führt hinab in eine breite Mulde, die noch Mitte Juni mit tiefem Schnee gefüllt ist, zwischen dem Hochplateau und der Hohen Schöne. Die Gesteinsbrocken werden größer und ändern auch die Farbe, dunkles Amphibolitgestein tritt auf.
Links in der Mulde, nordwestlich, führt ein Steig hinab zur Potsdamerhütte.

in den Mulden am Kamm halten sich auf 2.600 m im Juni noch leeseitige Einwehungen des Winters, hier mit der Höhen Schöne im Hintergrund

Schenkt man neugierigen Schafen am Kammverlauf zur Hohen Schöne, die sich auf den Weg machen den Neuankömmlingen entgegenzuströmen, keine Beachtung, dann ist man sie und ihr manchmal herzzerreißendes Geblöke nach wenigen Minuten wieder los.

schönes Beispiel von Bergzerreißung, Hohe Schöne rechts, links ein unbenannter Gratkopf

Die Hohe Schöne stellt keinen Gipfel dar, den man sich klassisch vorstellt. Ein recht runder Blockgesteinshöcker mit einer wettergepeitschten schiefen Markierungsstange, die nicht einmal am Hochpunkt errichtet wurde, enttäuscht als bezeichneter Gipfel.

Aufstieg vom Tälchen zur Hohen Schöne

Höchstwahrscheinlich handelt es sich hierbei bestenfalls um einen Signalgipfel für die Almwirtschaft, topographisch kann der Hohen Schöne jedenfalls kein Gipfelstatus zuerkannt werden, da keine Schartenhöhe zum Schwarzhorn hin vorhanden ist, im Gegenteil, der Grat steigt stetig weiter an.

enttäuschende Markierung des Hochpunktes der Hohen Schöne

Ohne zu verweilen, verließen wir die Hohe Schöne in Richtung Schwarzhorn. Von der Hohen Schöne führt der Steig aus der Mulde nordwestlich auf eine Grathöhe, die etwas schmaler weiterführt. Dabei passiert man beim Grataufstieg noch eine Linse mit sogenanntem Muskovitgranitgneis.

Ausblick auf das Schwarzhorn und links davon der Gipfel der Schwarzen Wand

Nicht lange bleibt die Route auf der Grathöhe, nach zwei Minuten Gehzeit führt sie in die westliche Flanke hinab. Nicht sehr weit, jedoch gut 20 Hm.

kurz vor der Scharte zum Schwarzhorn in der steilen Nordwestflanke (Biotitgranitgneis)

Im Abstieg wird die Flanke wird und führte bei unserer Begehung noch ein bemerkenswertes Schneefeld, das wir am oberen Rand, unterhalb der Felsen, durchschritten. Diese Flanke, bis kurz vor die Scharte, wird von einem Band von Biotitgranitgneis gebildet.

Abstieg in der steilen Flanke zur Scharte zum Schwarzhorn; Schneereste an der Grenze zum Steig

Das Ende des Abstieges befindet man sich wenige Meter unterhalb der Verbindungsscharte zum Schwarzhorn, zu der der Steig hinaufführt. Dort wechselt das Gestein wieder in den Glimmerschiefer. Wenige Steigminuten führen über die breite steinige Flanke auf das Schwarzhorn.

Aufstieg von der Scharte zum Schwarzhorn

Ein kleines Holzgipfelkreuz schmückt das Schwarzhorn und sein Gipfelbuch fanden wir leider in schlimmem Zustand, völlig durchfeuchtet, zerfallen und teilweise schimmlig. Nicht gerade würdig als Zierde der höchsten Erhebung im Kamm.

Schwarzhorn, 2.812 m, höchste Erhebung in der Rundtour

Vom Schwarzhorn genießt man eine sehr schöne Rundumsicht und auf die Nennung aller bedeutenden Gipfel im Umkreis wird hier verzichtet. Eine ausführliche Benennung findet man im Bericht zum Schwarzhorn dazu.

atemberaubender Blick auf die zentralen Stubaier Alpen

Interessant am Nordgrat, den das Schwarzhorn entsendet, ist die Würdigung des Gipfels der Schwarzen Wand, auf dem ein schönes großes Gipfelkreuz errichtet wurde. Der Grat dorthin wäre sicher eine Begehung wert, im Rahmen dieser Überschreitung jedoch zu viel des Guten.

Schwarze Wand und Trennkamm zwischen Fotscher- und Senderstal im Norden

Derr Abstieg vom Schwarzhorn beginnt auf schmalem Grat und führt hinab in eine sehr breite seichte Mulde, von der aus der Steig allmählich in den steilen Südhang hinab zur Marchsäule führt. Beherrschendes Gestein auf diesem Abstieg ist der Biotitgranitgneis.

im Osten die Kalkkögel – Nordostgrenze der Stubaier Alpen

Im Bereich der Mulde kann direkt am Steig, inmitten der großen Blöcke und Platten, die mineralische Form von Biotit beobachtet werden.

Biotitkristalle

Marchsäule, so nennt sich die Gratabflachung im Westgrat zum Schwarzhorn, die im Abstieg als nächster Meilenstein der Rundtour erreicht wird. Sie stellt keinen eigenständigen Gipfel dar, vielmehr muß man ihre Würdigung als „March“ (stubaierisch für Markpunkt, Markierung) durch die Besteigung vom Sendersjöchl aus verstehen. Von dort aus ist die Marchsäule der erst Flachpunkt eines steilen Anstieges und erring dadurch ihre Bedeutung, die im Abstieg vom Kamm nicht nachvollzogen werden kann.

Holzkreuz auf der Marchsäule

Das hölzerne Gipfelkreuz ist wohl ob der untergeordneten Rolle des Punktes in der Neuzeit ziemlich verwahrlost worden, die Halteseile sind längst abgerissen, beeindruckender Flechtenbewuchs zeugt vom Alter der Balken und es gibt kein Buch. Punkten kann die einst wichtige Marchsäule heute nur noch als Fotomotiv des Kreuzes vor der Kulisse der gewaltigen Kalkkögel im Osten.

Blick über den Rückweg mit dem Oberbergtal und Alpeinerkamm

Den eben erwähnten steilen Abstieg kostet der Absteigende sofort nach dem kleinen Plateau mit dem Kreuz aus, indem über sehr steile, schroffige Bergwiesen abgestiegen werden muß. Stöcke sind dabei von Vorteil, es sei denn, man erfreut sich blühender Jugend oder unversehrter Gelenke im Alter. Tröstend dabei ist, daß das Sendersjöchl nicht viel tiefer liegt und die Mühen in wenigen Minuten erledigt sind.

Sendersjöchl sowie Übergang zum Gamskogel von der Marchsäule aus

Das eigentliche Sendersjöchl wird auf der Rundtour nicht betreten, der Steig zurück zur Seducker Hochalm kehrt unterhalb des Grates bereits nach Westen um. Am Grat vor der Umkehr kann das einsame Senderstal gut überblickt werden. Im Winter ein großartiges Schitourenziel und ganzjährig ein Gamsrevier.

nach dem Abstieg von der Marschsäule am Rückweg zur Seducker Hochalm

Der Weg zurück ist nicht – wie man meinen könnte – ohne Aufstiegshürden, kleine Zwischenaufstiege sind hier zu bewältigen und wem die Tour bisher schon in die Füße gegangen ist, der möge sich spätestens an dieser Textstelle bewußt werden, daß die Runde zwar bergsteigerisch leicht ist, jedoch konditionell eine gewisse Herausforderung stellt. Von der Gesamtstrecke wurden hier erst etwa 60% gewonnen.

Alpenmargarite

Ebenfalls könnte man meinen, daß der Rückweg angesichts der schönen und abwechslungsreichen Gratstrecke nun eine langweilige Pflichtübung auf einem ausgetretenen Steig erwarten ließe.
Nun, die Topographie des Steiges zurück zur Seducker Hochalm kann wie folgt beschrieben werden:

am Rückweg sind schroffige Rippen unten zu umgehen, daher leichtes Auf und Ab des Steiges im ersten Teil

Zunächst führt die Route – zum Ärgernis des Begehers – tief hinab. Zu tief, um den schwindenden Höhenunterschied zur Alm als einen angenehm abwärts gerichteten Steig wahrzunehmen. Dann geht es unterhalb von einigen Schrofenrippen – die ursächlich für den tiefen Steig verantwortlich sind – um dieselben herum, um dann über eine moderate jedoch merkbare Strecke wieder anzusteigen.
Anschließend hat man die Auf und Ab Strecke größtenteils überwunden und der Steig wird gegen die Alm hin zahm. Eine Stunde mag man schnellen Schrittes dafür ins Kalkül ziehen.

der Lichtpunkt am Ende des linken Bilddrittels markiert die Seducker Hochalm

Alte Karten zeigen auch einen Steig – etwa oberhalb der schwer im Kartenwerk zu findenden „Steininger Alm“ – von der Hohen Schöne hinab. Naheliegend als kürzeste Verbindung vom Fotschertal ins Oberbergtal und parallel zum Übergang über die Wildkopfscharte, jedoch etwas weiter talauswärts im Oberbergtal gelegen. Die Abzweigung ist vom bezeichneten Steig zur Seducker Hochalm aus sichtbar und befindet sich nach zwei kurz aufeinander folgenden Wasserrinnen unterhalb des Schwarzhorns. Wir haben das Abenteuer nicht unternommen, da auch das Ende des Steiges nicht direkt in Seduck liegt, sondern etwas östlich davon.

Abstieg von der Seducker Hochalm

Auf der Seducker Hochalm trafen wir gerade noch die Wirtsleute an und es ging sich bei einem netten Plausch über die Möglichkeiten des Winters auf dem Kamm um den Wildkopf eine Dose Bier aus. Der Abstieg zieht sich in zügigem Marsch von der Alm noch gut eine Stunde bis zum Parkplatz.
Wir unternahmen ihn über die besagte längere Stecke durch die große Weide und den Wald, welche, wie oben erwähnt, nicht empfohlen werden kann.

am Weg zum Parkplatz in Seduck

Auf 16,6 km Streckenlänge werden auf der Rundtour gesamt 1.780 Hm zurückgelegt. Den Abstieg vom Sendersjöchl sollte man wie erwähnt nicht unterschätzen. Natürlich wäre es auch möglich vom Sendersjöchl direkt über schroffige Bergwiesen auf den Steig abzusteigen, jedoch ist diese Variante nur dem Spezialisten empfohlen, der Erfahrung mit weglosem Gelände besitzt. Gesamt benötigten wir für die Rundtour 10:20 Stunden, wobei hier etwa 90 min Pausen enthalten sind, sowie die Gratstrecke zum Westlichen Wildkopf.

Mils, 12.06.2022