Archiv der Kategorie: Bergtouren Sommer

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Schitour Kleegrubenscharte, 2.500 m

Eine ideale, halbtägige und spritzige Schitour beispielsweise für Ostermontage 2021, an denen sich das Wetter nach Mittag rasch ändern soll, stellt die Schitour auf die Kleegrubenscharte im Kaserer Winkel dar. Mit knapp 900 Hm ein zeitlich kurzes Unterfangen von zweieinhalb Stunden, ohne zu sehr auf das Tempo zu drücken. Der archaische Kaserer Winkel glänzt nicht nur mit der enorm beeindruckenden Frontalansicht der Nordseite des Kleinen Kaserers, er hat landschaftlich auch Schmuckkästchen zu bieten, beispielsweise das Kar zur Kleegrubenscharte mit dem tollen Blick auf den Hoger und die Hornspitze.

erster beeindruckender Blick von der Kleegrubenscharte nach Westen auf die Hohe Warte (Hoger)

Die kurze Schitour führt über 880 Hm vom Alpengasthof Kasern über das vermeintlich flache Tal des Kaserer Winkel über 3,6 km und mehr der Hälfte der gesamten Aufstiegsmeter zu einem Steilhang auf der rechten Talseite im Aufstieg.

morgendlicher Blick in den Kaserer Winkel

Zahlreiche junge Nassschneelawinen begleiteten uns in den Winkel und zuerst überraschender Weise von der rechten Talseite im Aufstieg. Die Lawinen links im Tal waren bereits vor längerer Zeit abgegangen und die Steilhänge aper.

Aufstieg im noch frostigen Kaserer Winkel

Bei genauerer Betrachtung konnten wir aber feststellen, daß diese -recht langen – Lawinen ihren Ansatz meist in der im Tagesverlauf lange besonnten Gipfelregion hatten und die Ursache das in diesem Winter so latenten Altschneeproblem sein muß. Die unteren Teile der Lawinen bildete dann Nassschnee der überaus warmen vergangenen Osterwoche ohne oder mit ungenügendem Nachtfrost.

rechts zweigt der steile Hang zur Kleegrube ab

Der Steilhang, der mit vereinzelten jungen Lärchen bewachsen ist, wird in Spitzkehren erstiegen. Die Hangneigung bleibt deutlich unter 40°, jedoch erhält der Hang erst am Vormittag Sonnenbestrahlung und präsentierte sich bei unserer Begehung in der Früh noch fest verhärtet.

Aufstieg zur Kleegrube

Bei der Betrachtung der Angespanntheit unserer Vorgänger ober uns im Hang entschieden wir – unsportlich, könnte des Jünglings Urteil lauten – die Harscheisen zu verwenden und konnten dadurch die tolle Nordseite des Kleinen Kaserers im Aufstieg studieren, ohne jeden einzelnen Schritt wählen und platziert setzen zu müssen.

in der Ausmuldung der Kleegrube

Nach gut 100 Hm ist der Steilaufstieg in das breite Kar der Kleegrube überwunden. Hinter einer Rückenkante breitet sich anschließend urplötzlich eine zunächst flache Karmulde vor den Augen des Ersteigers aus, die sich im Steigverlauf zum Kleegubenkar ausbildet und gegen dessen oberen Rand hin merklich in der Steigung erhöht und in der Breite verringert.

in der Ausmuldung der Kleegrube

Zur Rechten in der Kleegrube bildet die wirklich spitz und hoch aufragende südöstliche Schöberspitze mit ihren gewaltigen senkrechten Abbrüchen die Einfassung der schönen langen Kargrube, zur Linken sind es sanft gerundete Hänge, gebildet aus Schiefern und Phylliten, die in ihrer Erscheinungsform krassem Gegensatz zur Gegenseite stehen.

Stefan guten Mutes an dem schönen Tag

In dieser tollen und gegensätzlichen Flankierung wird anfänglich in direkter Linie, aber bald auf Spitzkehren wechselnd aufgestiegen. Besonders beeindruckend ins Auge fallen die extrem gefalteten Schichten der Abbrüche der südöstlichen Schöberspitze.

Aufstieg durch die Kleegrube; Scharte am Übergang zwischen Schatten und Licht

Es handelt sich dabei um Bänderkalke, Dolomit- (vorherrschend) und Kalkmarmore (im oberen Teil der Kleegrube) der sogenannten Schöberspitzentrias, neben denen vorbei das Gelände stetig steiler wird. Die maximale Steigung in der Kleegrube verbleibt jedoch meist bei unter 30° und immer unter 35°.

atemberaubende Faltungen im Dolomit- und Kalkmarmor der Südöstlichen Schöberspitze

Trotz, oder vielleicht wegen der völligen Einsicht auf das Ziel vom untersten Punkt nach dem Steilhang wird der Anstieg nur langsam kürzer – ein Phänomen, das immer dann auftritt, wenn ein Ziel klar voraus liegt und man ohne es aus dem Blickwinkel zu verlieren darauf zusteuert.

Stefan im mittleren Teil der Kleegrube; Hintergrund Frauenwand

Im Fall der Kleegrubenscharte dauert diese Situation für die rund 360 Hm 45 bis 50 min, wenn unterwegs auch ein paar Foto- und Landschaftbewunderungspausen eingelegt werden.

letzte Meter auf die Scharte

An der Scharte selbst belohnt ein phantastischer Blick auf die imposante Pyramide des „Hogers“ (Hohe Warte), rechts im Wildlahnertal und von Toldern aus zu begehen. Bei unserer Begehung ihr Hintergrund bereits in leichtem Dunst der aufziehenden Schlechtwetterfront aus Nordwest.

Aussicht von der Kleegrubenscharte gegen Nordwesten

So bizarr die Abbrüche der südöstlichen Schöberspitze gegen die Kleegrube hin, so unscheinbar sanft präsentiert sich ihre Westseite zum Wildlahnertal hin. Mehr oder weniger kann sie als schroffige steile Bergwiese beschrieben werden, die auf der Gipfelpyramide bereits völlig ausgeapert ist.

Gratanstieg auf die Südöstliche Schöberspitze

Gegen den Nordosten hin besteht ein großartiger Blick auf die höchsten Gipfel der Tuxer Alpen im Hintergrund und als letzten imposanten Wächter der Tuxer im Grat vom Geier ausgehend, noch vor dem Tuxer Joch gen Süden, die auffällig geformte Kalkphyllitpyramide der Hornspitze.

Blick von der Kleegrubenscharte nach Nordosten

Südlich der Hornspitze, am rechten Bildrand eine Ansicht der Frauenwand, einer der ersten Gipfel nach dem Tuxer Joch in den Zillertaler Alpen.

 

Stefan in der Scharte vor dem Gratrücken auf den Kleinen Kaserer

Über den südöstlich steil hinaufziehenden, oben abgerundeten Hang gelangt man auf eine Art Vorgipfel und müßte auch des Winters über ein Gratstück auf den Kleinen Kaserer weitergehen können – was es ein anderes Mal zu erkunden gilt.

gelb, Glimmerkalkmarmor

Die Abfahrt von der Scharte legten wir auf die bereits gut aufgefirnte linke Seite in Abfahrtsrichtung gesehen, mit dem Vorzug die gewaltigen Faltungen der Marmore aus nächster Nähe einsehen und ablichten zu können, welch Naturschauspiel!

linker Hang von der Gerinnemulde – wir benutzten diesen weil er bereits besser aufgefirnt war

Am untersten Teil der Abfahrt in den Kaserer Winkel, nach der Ausmuldung der Kleegrube, entschieden wir ebenfalls über den nördlicher gelegenen Hang links neben dem Abflusshangeinschnitt der Kleegrube, abzufahren, weil auch hier die Sonnenbestrahlung bereits länger eingewirkt und teilweise aufgefirnt hatte.

Abfahrtshang im Rückblick rechts des Gerinneeinschnitts

Mit rundum bäriger Kulisse fuhren wir anschließend vom hintersten Winkel nach Kasern aus.

Idylle im Kaserer Winkel mit dem Talabschluss des Kleinem Kaserers

Den längeren sonnigen Aufenthalt (ein gutes Stündchen) in der Kleegrubenscharte mit eingerechnet haben wir für die Schitour kurze Schitour 4:25 Stunden benötigt. Der Aufstieg beträgt knapp 900 Hm und die Aufstiegsstrecke beträgt gute 4,7 km.

Mils, 05.04.2021

 

Schitour Kraxentrager, 2.998 m

Eine leicht erkämpfte Besteigung eines knappen Dreitausenders stellt die anspruchsvolle Schitour auf den Kraxentrager am Ende des Venntales vom Brennerpass aus keineswegs dar. Obwohl in West-Ost-Richtung verlaufend gibt es aufgrund der hohen Einfassung der Aufstiegsroute bis zum Grenzkamm, der über einen etwa knapp 200 Hm messenden Steilhang mit, in Abschnitten, mehr als 40° Hangneigung erstiegen wird, wenig Sonne im Hochwinter und der Föhn kann für harschige, anstrengend zu befahrende Oberflächen sorgen. Meist im Lee des allgegenwärtigen Föhnwindes der Gegend sind die wesentlichen Passagen selbst auf Distanzen von wenigen Metern mit unterschiedlichsten Schneebedingungen ausgestattet, die des Bezwingers entschlossenen Schritts stetig prüfen. Die kratzbürstige Schönheit des Erlebnisses Kraxentrager wird erst nach Verlassen der rauen Talschaft deutlich fassbar.

Herwig am Gipfel des Kraxentragers

Sowohl der Höhenunterschied von 1.700 m als auch die Länge des Unternehmens von 8,5 km in archaischer Landschaft stellen keine alltägliche Schitour dar und die Notwendigkeit, aufgrund der Bedingungen zu Beginn der Tour, die Schi zunächst einmal 1,5 km über gut 30 min zu schultern, stellen die Aufnahmeprüfung dar.

Blick nach oben am Beginn des steilen Westhangs zum Kraxentrager

Möglicherweise findet man hochwinterliche Bedingungen mit guter Schneedecke im vorderen Venntal vor, die einen Aufstieg ab dem Parkplatz unter Schi zulassen, eher aber hat man es nach langen Schönwetterperioden mit gefrorenen, rutschigen und teilweise feuchten  Schmelzoberflächen auf der befahrenen Straße zur Jausenstation Venn zu tun.

bis zu den Vennhöfen mit geschulterten Schi

Also haben wir zunächst die Schi geschultert, in der Hoffnung nach einer der ersten Wegbiegungen anschnallen zu können. Der Weg präsentierte sich jedoch wie oben beschrieben und somit wurde der gesamte Anmarsch zu den Gehöften, die heute lediglich die wunderbar urigen Holzschindeldächer eingebüßt haben, zur Tragestrecke.
Allerdings entkamen wir zum Ausgleich für den erschwerten Anmarsch gleich nach den ersten Wegbiegungen dem am Brenner meist unangenehmen Jochwind und dem allgegenwärtigen Verkehrslärm.

kurz vor den Vennhöfen

Beim „Gasthaus Strickner“, wie die Vennhöfe früher genannt wurden, legten wir nach 1,6 km und gute 100 Hm Anmarsch nach Überschreitung der kleinen Brücke über den Vennbach die Schi an und stiegen, nach der erster Flachstrecke auf der rechten Talseite in den Wald auf.

an den Vennhöfen, ehemals Gasthof Strickner

Auf 1.530 m werden die letzten Almgebäude im Talgrund erreicht, vor denen sich ein Talkessel mit beeindruckender Steilstufe auf die Hochebene im Talverlauf  entgegenstellt. Diese Steilstufe stellt die rassige Variante der Abfahrt vom Hochplateau in das äußere Venntal dar.

die letzten Almgebäude vor der Waldstrecke

Durch die Holzgebäude hindurch führt der Sommerweg in den steilen Nadelmischwald, der sich weiter oben durch alte und knorrige Lärchen auszeichnet. Der Anstieg erwies sich aufgrund der Steilheit an mehrfachen Passagen fordernd und selbst im Wald kommt man im oberen Teil nicht ohne Spitzkehren aus. Bis zur Verflachung der Steilstufe auf gut 1.900 m gilt es 400 Hm zurückzulegen. Im Blockwerk knapp an der Verflachung findet man des Sommers die Antonienquelle, die im Winter rechts der Aufstiegsspur verbleibt.

mitten in der steilen Waldstrecke

Gegen Ende des Waldstückes, wo vereinzelte junge Lärchen den steilen Hang säumen waren zwei kurze Lawinenstriche zu queren, die durch Abgänge der unweit höher liegenden Felsen gebildet werden und die wir einzeln passierten.

steile Aufstiege im oberen Teil des Waldes

Am Ende des Baumbestandes tritt man in die weiten Flächen der Venner Alm ein und per Ende Februar stellt diese Höhe (~1.950 m) den ersten Kontakt mit der zögerlich über den Sattel der Taleinfassung zwischen Wildseespitze und Friedrichshöhe aufsteigt, jedoch selbst um 9 Uhr vormittags keine signifikante Höhe erreicht.

Rückblick auf den Waldaufstieg

Über glazial geprägtes Gelände des Venner Ferners erfolgt der Aufstieg durch die Hochfläche nahezu wahllos in Richtung auf den bereits gut sichtbaren Steilhang unterhalb des Gipfels zu. Der Kraxentrager erscheint im Aufstieg von der Hochfläche aus betrachtet nicht sonderlich steil aus, was sich jedoch mit dem Näherkommen stetig ändert.

Anstiegsroute über schön kupiertes Gelände, auf den ehemaligen Gletscher zu

Mittlerweile hatte sich der Südföhn kräftig entwickelt, und um ihm ein wenig zu entkommen wählten wir unsere Route nicht im Mittelteil des Beckens im Talschluss, sondern weiter oben, in der Meinung unterhalb des Grenzgrates etwas Deckung zu finden. Diese Taktik war nicht von Erfolg gekrönt, denn was wir dort vorfanden war zwar der von unten sichtbare Schatten, aber keine Windstille.

bäriger Rückblick

So querten wir – nicht minder steil aufsteigend – unterhalb der Steilflächen zum Grat bis in den großen Kessel unterhalb der Steilflanke des Westhanges, von dem in Spitzkehren zum Kraxentrager aufgestiegen wird. Die letzte Rippe bescherte uns dann noch etwa 20 m Höhenverlust, um eine Mulde zu durchqueren, an die die Steilflanke ansetzt.

je näher zum Joch desto stärker der Föhn

Bisher stellten wir eine oberflächlich meist feste Schneedecke fest, mit wenig wünschenswerten pulverig grießigen Einwehungen darunter, die keinen Verbund erkennen ließen. Im Lee der Bergkette, und völlig abgeschnitten von jeglicher Sonneneinstrahlung, aber auch selten anders zu erwarten.

ein großer Block zwingt zur Entscheidung

Zu Beginn der Steilflanke legten wir sicherheitshalber die Harscheisen auf und bewegten uns im unteren Teil der Flanke ohne jeglichen Erfolg derselben vorwärts. Jeder Schritt in diesem Schattenteil war zu prüfen und kostete übliche Steiggeschwindigkeit.

Rückblick auf die Wildseespitze

Mit dem Wechsel in den besonnten Teil des Hanges änderte sich die Schneeoberfläche zum Besseren, indem die gepresste Oberfläche härter und stärker wurde und nur mehr abschnittsweise der grießige verbundarme Schnee in sozusagen Schneisen auftrat.

der Steilaufstieg zum Gratrücken unterhalb des Kraxentragers beginnt

Ab der Mitte im Steilhang erreichten wir über kurze, exponierte Stellen vereiste Oberflächen, deren Begehung im Steigen ohne Harscheisen nicht möglich gewesen wäre und in denen die Montage der Harscheisen in einer nicht wünschenswerten Geländeneigung stattfinden hätte müssen. Somit hat die Vorahnung einmal erneut Bestätigung erfahren, rechtzeitig die Ausrüstung zu verwenden, die hinauf geschleppt wurde. Ohne Harscheisen kann der Aufstieg durch den Steilhang definitiv nicht empfohlen werden.

ohne Harscheisen keine Chance

Die Schneebedingungen in dieser immerhin 200 Hm messenden Wand sind zu unterschiedlich, um von unten auf den gesamten Aufstieg schließen zu können und allein die leeseitige Lage mit Schatten-, Licht- und Einstrahlungsunterschieden muß klar machen, daß man sich auf vielfältige Schneebedingungen einzustellen hat.

gegen Ende der oberen Querung zum Gratrücken

Eine alte Spur vom Sumpfschartl herüber, wobei sie bei den vorherrschenden Windbedingungen auch ohne weiteres kaum einen Tag alt sein hätte können, tat gute Dienste, indem sie eine gewisse Verfestigung in den weichen Abschnitten zeigte und somit unser beider Spur die Nachkommenden erfreute, die durch die Verfestigung einen wesentlich rascheren Aufstieg unternehmen konnten.

der Hang im Überblick; die Querung auf den Gratrücken erfolgte durch die Schrofen

Bei so mancher Spitzkehre erleichterte das Stockteller den Kehr-Schritt durch Heraufziehen des Schiendes, um den richtigen Steigwinkel einzustellen. Diese unerlaubte Hilfstechnik wendet der Verfasser immer dann an, wenn die Hangneigung so richtig zur Sache geht und extreme Gymnastik den alten Sehnen und Bändern zugunsten angenehmen Steiggefühls erspart bleiben soll.

nahe dem Gratrücken zum Kraxentrager

Im Bereich der aperen Schrofen wagten wir auf einem schmalen flacheren Podest ein paar Eindrücke abzulichten und selbst wenn Fotos die Neigungsverhältnisse immer flacher vermitteln als sie tatsächlich vorherrschen, können sie erahnt werden. Dieser Hang ist lediglich bei der untersten Lawinenwarnstufe für eine Begehung geeignet und nach sorgfältigem Ermessen vor Ort.

phantastische Aussicht in des Landes Süden – im linken Bilddrittel die Grabspitze und die Wilde Kreuzspitze

Fast 40 min hat uns das Abenteuer bis auf den langgezogenen Rundrücken unterhalb des Gipfels gekostet und die Freude bei einer Verschnaufpause war groß, einen ersten sagenhaften Blick auf den Kreuzspitzkamm und die Zillertaler Riesen im südlichen Landesteil zu werfen.
Der lästige Föhn frischte im Gegensatz zur geschützten Lage in der steilen Wand am offenen Bergrücken wieder auf und erreichte uns in Böen mit kurzen, manchmal fast windstillen Pausen.

Anmarsch zum Gipfelkreuz am Kraxentrager

In einer Viertelstunde war der Kraxentrager vom Rücken aus bestiegen, die letzten Meter auf das kleine Gipfelplätzchen ohne Schi, die an einer flacheren Stelle deponiert wurden in der auch die kurze Gipfelrast erfolgte. Eine richtig windgeschützte Stelle gibt es am Kraxentrager leider nicht. Die ersten am Gipfel waren wir nicht, denn als wir den Steilhang betraten konnten wir eine Gruppe erkennen, die vom Pfitschertal aufstieg und zweifellos einen tollen Aufstieg unter Sonnenbestrahlung hatte (Schitour vom Gh. Pfitscherhof vor Pfitsch).

Kraxentrager, 2.998 m

Der Kraxentrager wartet mit einer ungeahnt umfassenden Sicht in den Südwesten auf. Die Cima Presanella und Brenta in 113 bzw. 106 km Entfernung war an diesem Tag eindrucksvoll möglich. Der höchste sichtbare Gipfel der Ortler, Königsspitze und Monte Cevedale in kaum kürzerer Entfernung konnten an diesem Tag über und weit vom Wolfendorn ebenfalls gut erkannt werden.

umwerfende Fernsicht vom Kraxentrager mit Gipfeln

Näher, und aus toller Perspektive von einem Punkt, der trotzdem weit entfernt ist, sind die südlichen Ötztaler Alpen in 50 bis 70 km Entfernung zu bestaunen. Vom südlichsten Abschnitt Nordtirols, der Achse Hochwilde – Similaun – Weißkugel bis zur Wildspitze sind zig Gipfel auszumachen.

in Bildmitte der Wolfendorn mit phantastischer Fernsicht

Im Westen schließlich, im Abstand von 20 bis 35 km Entfernung, ragen die Stubaier Dreitausender auf und auch dieser, sonst vertraute Anblick der Stubaier bietet neue, interessante Perspektiven, die man bei der Normalanreise durch das Stubaital nicht mitnehmen kann.

Aussicht auf die Stubaier Alpen

Steht man am Sumpfschartl, so kann möchte man gar nicht glauben welchen Zugewinn an Sicht man von dem 330 m höheren Kraxentrager genießt.
Über den schneidigen Grat im Osten könnte im Sommer der Übergang zum Kluppen erfolgen, der im Winter eine phantastische Schitour darstellt, die nicht frequent begangen wird.

scharfer Grat zum bärigen Gipfel des Kluppen (dunkler Spitze in Bildmitte); im Hintergrund (linkes Bilddrittel) Sagwandspitze und der mächtige Schrammacher

Dem Föhn zum Trotz rasteten wir mit dem wunderbaren Blick ein halbe Stunde am Gipfel.

Gratrücken auf den Kraxentrager von der Landshuter Hütte

Die Abfahrt über den Steilhang unternahmen wir im oberen Teil entlang der Aufstiegsspur, die aperen Schrofen Nordost in den freien Hang querend.

Tiefblick auf den ehemaligen Venner Ferner und ins Venntal

Von dort lag uns der Hang zu Füßen bis hinab in die flache Talkesselmulde unterhalb des Sumpfschartls.

Einfahrt in den Steilhang

Die schwierigen Schneeverhältnisse und auch die Hangneigung forderten konzentrierte Schwünge und verlangten uns einiges an Kraft ab, insgesamt aber empfanden wir die Abfahrt über den tollen Hang als bäriges Erlebnis.

Über den lange flacheren Teil der Abfahrt über den einstigen Venner Ferner hinaus herrschten recht unterschiedliche Schneeverhältnisse, je nach Sonneneinstrahlung verhärtet und schwer zu drehen, oder weicher und wechselhaft. Weiter unten überwog eine harte Kruste bis zur Beginn der Steilstufe.

im weniger windbeeinflussten unteren Teil

Mangels Spuren unterließen wir es die Steilstufe zu befahren, da sie von oben auch nicht einsehbar war.

die Kante zur Steilstufe – leider zu wenig Ortskenntnis

Anstelle dieser Abfahrt querten wir zum Aufstieg durch den Wald und nahmen diese Route unter Beobachtung des Geländes über die Steilstufe, das von dort und von unten, von den letzten Almgebäuden aus, klar studiert werden konnte, um bei der nächsten Begehung in Angriff genommen zu werden.

Steilstufe zum Einprägen

Bei der Abfahrt durch den Wald herrschten teilweise prachtvoll weiche Schneeverhältnisse, da dort nie Sonne zukommt. Auf den Freiflächen, in der Tiefe des Venntales herrschten wieder Oberflächenkrusten bis zum Ende der Abfahrt an den Vennhöfen.

Ausfahrt im Venntal von den obersten Almgebäuden

Insgesamt benötigten wir für die bärige Schitour 7:10 Stunden incl. Pausen. Der Anstieg beträgt 1.660 m und die Streckenlänge etwa 8,5 km.

Mils, 21.02.2021

Schitour Hammerspitze, 2.634 m

Sie begrenzt den weiten Talkessel nordwestlich des Padasterjochhauses und die Route über die Ostflanke und den Nordgrat der Hammerspitze bietet einen kurzen, pfiffigen Steilaufstieg als Abschluß, der auf einen wenig aufgesuchten Gipfel von Trins aus führt. Der Gipfelhang wird über die Hammerscharte erreicht und führt über beeindruckende Abhänge zu beiden Seiten auf das schräge Gipfelplateau, in dessen Südwesten sich Kirchdachspitze und Habicht majestätisch erheben.

immer ein erhebendes Gefühl nach langer Zeit der erste Besucher am Gipfel zu sein

Im stillen Bergsteigerdorf Trins parkt es sich am P4 Waldfest immer vorzüglich und der Aufstieg zur ersten Freifläche, der Egarte, ist schneesicherer als der Almenweg, weshalb wir diesen Ausgangspunkt jenem vom oberen Parkplatz seit einigen Touren im wunderbaren Trinser Gebiet vorziehen.

Stefan im Aufstieg durch die schöne Freifläche oberhalb der Bachquerung

Vorbei an einer der zahlreichen alten Mühlen im Gschnitztal auf das kurze Wiesengelände nach der Brücke über den Finetzbach beginnt der Aufstieg sozusagen mitten im Dorf, hinauf in Richtung der Barbarakapelle, auf den Waldweg zur Egarte.

zwischendurch sieht man den Westanstieg zur Kesselspitze

Diesen Anstieg hinter sich gelassen wird nun die linke Seite am Ende der Egarte beschritten mit der Querung über den Valschwernbach in Richtung Loosloch. Rechts, innerhalb der Freifläche Egarte, führen die Routen auf die Peilspitze, sowie über den Normalanstieg zur Kesselspitze und zu den Spitzen jenseits dem Kalbenjoch, der Lämpermahdspitze und dem Gipfel Ober der Mauer (früher Kamplspitze).

bereits über der Waldgrenze, nahe der Baumgrenze; im Hintergrund die Hammerspitze

Zwei Gehminuten nach dem Überschreiten des Valschwernbaches öffnet sich eine weitere Freifläche, die gerade nach Nordwesten zum Loosloch führt, über das sich die rassigen Touren auf den Westanstieg der Kesselspitze und den Roten Kopf unternehmen lassen. Zur Hammerspitze, dem Padasterkogel, dem Foppmandl und der Wasenwand allerdings, wird diese Freifläche, in der sich einige alte Lärchen behauptet haben, etwa mittig nach links, durch den Wald über die Steilstufe zum Padasterjochhaus verlassen.

im flacheren Teil nach der Waldgrenze, hinten die Peilspitze

Herrensteig nennt sich der Waldweg über die Steilstufe, die den etwa 350Hm messenden Sommerweg darstellt und des Winters ebenfalls begangen wird. Er führt mitten durch alte Baumbestände auf das sonnige Plateau der Padasteralm, das mit geringer Neigung von etwa 14° ab der Waldgrenze auf 2.000 m einen eher flachen Eindruck vermittelt und im Aufstieg perfekt dazu geeignet ist sich durch den Frontalblick auf die Hammerspitze mit dem Aufstieg auf dieselbe zu befassen.

Aufstieg über sanfte Kuppen zum Padasterjochhaus; Hintergrund die Hammerspitze mit den Nordgrat (von rechts)

Wer bei dieser Betrachtung den Eindruck bekommt der Nordgrat der Hammerspitze müsse als Schitour ein leichtes Ziel sein, der irrt. Im Anstieg zum Grat – der mit Ausnahme der kurzen Sattels (Hammerscharte) vor dem Gipfelhang nie gänzlich betreten wird – und an manchen Stellen in der Flanke sind Hangneigungen an die 40° zu bewältigen, auch wenn es vom Padasterjochhaus nicht so erscheinen mag. Dem Freund steiler Flanken wird der Aufstieg jedoch ein Genuss sein.

Padasterkogel

Zunächst steuerten wir den nordöstlich vom Padasterjochhaus gelegenen Talkessel an, vor dessen Ende der untere Hang zweckmäßigerweise in Angriff genommen wird. Einige Touren zuvor sahen wir da schon Spuren bis zum steilen Grataufschwung vor der Scharte, jedoch keine weiterführenden Spuren auf die Hammerspitze. So auch diesmal und der Umstand dazu sollte ebenfalls erkundet werden.

wir steuern den Talkessel an

Mit ein paar Spitzkehren werden die steilen Teile der Ostflanke schräg unterhalb des Gipfels der Wasenwand rasch erreicht. Auf halber Strecke dorthin vermittelte der Grat bereits einen rassigeren Eindruck, als es noch kurz vorher, beim Padasterjochhaus den Anschein machte.

bereits im Osthang zum Nordgrat zur Hammerspitze

Nach dem Erreichen der beeindruckenden Felsstufen aus dem sog. Metamorphen Kalkkomplex (Bänderkalk- und Glimmerkalkmarmore, sowie Kalkphyllite) des Brennermesozoikums, die den Talkessel um das Padasterjochhaus eindrücklich prägen, beginnt die steigende Querung in Richtung der Grathöhe. Wenige apere Felspartien müssen dabei unten oder oben umgangen werden.

mitten im Anstieg zum Nordgrat; hier schon recht steile Verhältnisse

Bald ist ein größerer Felssporn erreicht, der unterhalb passiert wird und unter dem eine leichte Mulde die Steilheit der Flanke unterbricht. Von dort fällt der Blick bereits auf den nächsten, sich steil erhebenden Grataufschwung, der an seiner steilen Flanke im Aufstieg gequert wird. Diese Stelle dürfte die größte Steilheit im Anstieg zur Hammerscharte aufweisen und kurz vorher endeten die Aufstiegsspuren und man trat die Talfahrt an.

weiter in der Querung zur Hammerscharte

Mittlerweile – und man sollte dieses kleine Hilfsmittel den gesamten Winter über nie vergessen – machten sich die firnig-feuchtnassen Verhältnisse des untersten Hanges bemerkbar, indem unsere Felle das Aufstollen von kaltem Pulverschnee befiel und der Einsatz von Wachs Abhilfe schaffte. Natürlich ist es lästig, im Steilen den harten Schnee mit dem Stock von den Fellen abzuschaben und im Tiefschnee wieder in die Bindung einzusteigen, es gehört aber eben zu Frühjahrsverhältnissen dazu.

Trinkpause oberhalb der Hangmulde

Die steilste Stelle auf die Hammerspitze ist ebenso jene Stelle im Aufstieg mit dem schönsten Blick auf die Gratkante. Atemberaubend bricht die Schuppe an der Grathöhe in das Stubaital ab und zeigt sich in fast senkrechten, dunklen Flanken, die nur dort angezuckert sind, wo sich die Schneeflocke zu halten vermag.

der steile Teil beginnt

Zwischen aperen steinigen Schrofen hinauf legten wir unsere Spur so weit über den Aufschwung hinauf bis eine Querung ihrer steilen Flanke möglich war, bzw. bis die darüberliegenden Felsbänder eine höhere Querung begrenzten.

Rückblick mit dem Aufstieg vom Talkessel

Die Querung führt auf eine Flachstelle zu, die unser späterer Punkt der Direktabfahrt wurde. Nach der Flachstelle mußte noch ein kurzes Stück Flanke unterhalb der Gratfelsen bis zur Scharte bewältigt werden, an deren flachem Ende die Begrenzung der Hammerscharte – die eher einen Sattel, als eine Scharte darstellt – beginnt und somit das letzte Stück, die Gipfelflanke mit ihren Steilstellen.

Aufstieg zur Querung

Eine letzte Trinkpause vor dem Sattel, bei dem nur wenige Meter Höhe verloren werden und die bei der Abfahrt mit genügend Schwung fast ohne Anschieben überwunden werden kann, eignete sich gut zur Inaugenscheinnahme des Aufstiegs, der im Tiris verräterisch flach dargestellt wird und dessen Grathöhe uns wegen der Wechtengefahr kaum betretbar erschien.

letzter Teil vor der Hammerscharte mit natürlichem Steinmann links; spätere Abfahrt links im Bild

Somit verbleibt von dem weißen Band im Tiris kaum Breite und wir waren gezwungen leicht in die Westseite auszuweichen, in der steilere Verhältnisse herrschen. In Summe jedoch ohne Schwierigkeiten machbar, wenn auch mit etwas mehr Spitzkehren als man es sich wünschen würde.

Aufstieg zum Plateau in phantastischem Gelände

Zuletzt stiegen wir über den sich nach Westen krümmenden Grat leicht in der Nordflanke befindlich über den Gratrücken auf die Luvseite und das flache Gipfelplateau, einige Dutzend Meter vor dem Gipfelkreuz, das wiederum knapp vor dem geodätischen Gipfel errichtet wurde.

der Gipfelhang der Hammerspitze wir angespurt

Es trägt die Höhenangabe 2.634 m und gibt somit, mit freiem Auge ebenfalls nachvollziehbar, den 7 m niedrigeren Standpunkt an, als die Höhe der Hammerspitze mit 2.641 m misst.

Rückblick auf den Gipfelhang mit Stefan im Aufstieg

Phantastische Sicht von der Hammerspitze bietet sich auf Kirchdachspitze und Habicht. Im Südwesten.

letzte Meter auf die Hammerspitze

Zwischen den beiden lugen Äußere und Innere Wetterspitze hervor und ganz rechts, kurz bevor die mächtige Südostkante des Habichts zu Tal stürzt, erblickt man den Signalgipfel (3.393 m, Südtirol), in etwa 350 m südöstlicher Distanz zum Wilden Freiger.

Hammerspitze, 2.634 m

Am einsamen Gipfel der Hammerspitze blieben wir an diesem so schönen Spätwintertag alleine und das Gipfelbuch verriet auch sehr wenige Besteigungen im vergangenen Winter.

atemberaubende Winteransicht von Kirchdachspitze und Habicht

Alle Partien strömten auf den Padasterkogel, der ein schönes und leichtes Tourenziel darstellt mit einer tollen Abfahrt zu den Padaster Mähdern bis hinaus zum Käferloch.

Habicht mit links Äußerer und Innerer Wetterspitze, sowie der Signalgipfel beim Wilden Freiger

Die Abfahrt vom Gipfelhang erwies sich bereits im Aufstieg als windgepresst und schwer fahrbar zwischen Triebschneepaketen und harten Windgangln.

Gipfelrast auf der Hammerspitze

Im Mittelteil sei man vorsichtig, es gibt dort eine Stufe, bei der man mit dem Druck im Schwung leicht die seicht liegenden Felsbrocken erwischt.

Stefan bei der Abfahrt

An der Hammerscharte muß man sich angesichts des schön vorausliegenden Kars die Frage stellen, ob denn nicht auch der Aufstieg vom Pinnistal möglich wäre. Kennt man den Rohrauersteig im Sommer, dann muß die Frage verneint werden, es sei denn, es gibt einen Durchschlupf durch die Schrofen in der Abfahrt vor dem felsigen Teil am Steig unterhalb der Widdersgrube. Dies gälte es des Sommers zu erkunden.

Hammerscharte mit Grataufschwung (steilste Stelle im Aufstieg)

Unsere Abfahrt nach der Scharte erfolgte ab dem steilen Hang, der sich direkt von den Gratfelsen zum Padasterjochhaus hinabzieht und der im oberen Teil nach der schmalsten Stelle über ein kurzes Stück Gelände mit deutlich mehr als 40° führt. Man kann die Hangneigung im Video knapp vor der Überblendung kurz sehen indem Herwig geradezu unter der Schneekante aus dem Fokus verschwindet.

Die Direttissima hinab zum Padasterjochhaus verflacht in der Tiefe zusehends, über 220 Hm bleibt die Abfahrt jedoch in einer Neigung von 35° und darüber. Der Hang war bei unserer Befahrung völlig frei von Felsbrocken und erlaubte im bereits umgewandelten Schnee eine kraftraubende direkte Spur nach unten. Vom Padasterjochhaus konnten wir unsere Abfahrt gut überblicken.

Abfahrtsgelände von der Hammerspitze

Auf der weiteren Abfahrt vom Padasterjochhaus bieten sich einige Schwellen von Hütten zur Einkehr und dem Sonnengenuß an und so beliebten wir wieder diese grandiose Landschaft nicht ohne Rast bei einer Hütte zu beenden und danken dem Eigentümer für die Sitzgelegenheit am Logenplatz der Natur.

Abfahrt im Rückblick mit Steilaufschwung bis Hammerscharte

Entspannung in der Frühlingssonne

Immer wieder schön bei der Abfahrt anzusehen ragt die Hohe Burg mit der idyllisch fabelhaft bezeichneten sogenannten Burgfamilie1 „Inderer und Außerer Buambichl“ als südöstliche Begrenzung der Hochfläche der Padaster Mähder gegen die Sonne.

zauberhaftes Abfahrtsgelände vom Padasterkogel

Die Reisen zwischen diesen Köpfen bieten Spielwiese für Liebhaber von dunklen, nordseitig schattig ausgerichteten Steilabfahrten nach dem Hinauftragen des Brettes, möglicherweise unter Einsatz von Pickelwerk an jeder Hand und möglicherweise mit Null Rastplatzfläche oben. Wie herrlich erscheint dagegen unsere Talseite.

letzter Teil der Abfahrt nach dem Wald, hinten die Burgfamilie

Mit den sonnigen Aufenthalten auf dem Gipfel und an der Almhütte haben wir für die Schitour 6:30 Stunden benötigt. Der Aufstieg erfolgte über 1.430 Hm und die Aufstiegsstrecke beträgt 6,3 km.

Mils, 07.03.2021

1 Tiris: Basisthemen/Beschriftung/Flurnamenerhebung

Schitour Foppmandl und Wasenwand, 2.563 m

Eine schöne Gratüberschreitung läßt sich von dem wenig begangenen Foppmandl zur noch weniger besuchten Wasenwand als Schitour unternehmen. Das Foppmandl als aussichtsreiche Erhebung wurde mit einem recht schönen Gipfelkreuz ausgestattet, obwohl es keinen bezeichneten Gipfel, sondern nur den Hochpunkt am Ende des Südgrates von der Wasenwand darstellt. Über den Grat mit seinen 150 m Höhenunterschied zwischen beiden Erhebungen führt der Sommerweg, dessen Begehung im Winter geschulterte Schi über zwei steile Gratzacken erfordert und der Schitour alpinistischen Reiz verleiht.

ein letzter schärferer Buckel

Der Aufstieg zum Foppmandl erfolgt von den Parkplätzen in Trins über den Burgwald. Details zu den Parkplätzen sind im Bericht vom Padasterkogel hier nachzulesen, ebenso Details zum Anmarsch zur Egarte, der Freifläche oberhalb Trins, von der aus die Gipfelziele bereits eingesehen werden können.

Gipfelkreuz der Wasenwand

Man hält sich nach der Egarte links und überquert den Valschwernbach zur schönen Freifläche unterhalb der mächtigen Barbeleswand, zwischen welcher und dem aufragenden Foppmandl der Aufstieg durch den Wald erfolgt.

noch besteht ein Schneeband hinauf zur Barbara Kapelle

Der Aufstieg im Wald ist abschnittsweise als „Herrensteig“ bezeichnet und führt durch schöne alte Baumbestände. An Schnee mangelt es dort dank der Schattenlage meistens nicht, dennoch kann der Aufstieg durch vereiste Passagen durch Schmelzwasser von den Ästen an wenigen Stellen herausfordernd sein.

im oberen Teil danke Lärchen etwas lichter

Nach etwa 350 Hm von der freien Fläche unten bis zum flacheren Teil an der das Gelände des Padasterjochhauses auf etwa 2.100m beginnt ist der wenig besonnte Teil der Tour überwunden und der Aufstieg zum Foppmandl kann ziemlich vollständig eingesehen werden.

malerische Heuhütte mit dem ersten Etappenziel im Hintergrund

Er erfolgt leicht südostseitig selbst wenn unter dem Eindruck der Sonne ein südwestseitiger Hang vorgetäuscht wird. Bei einer Weggabelung unweit eines malerischen Stadels zweigt die Route zum Foppmandl vom Aufstieg zum Padasterjochhaus nach Nordwesten ab.

herrlicher Aufstieg zum Foppmandl

Der Baumbestand schwindet auf den folgenden 100 Hm zusehends und die Route steilt im unbewachsenen Freigelände kräftig an.

Aufstieg an den letzten zähen Lärchen vorbei

Herrliche unberührte Schneeflächen breiten sich vor dem Auge aus während die Sonne im richtigen Winkel auf den steilen Flächen ihre neue Kraft im schwindenden Winter entfaltet.

herrlich freier Aufstieg südostseitig

Mit aufgekrempelten Ärmeln und den Lüftungsöffnungen der Tourenhose stiegen wir die beeindruckenden Hänge bis zu einem mittelbreiten Lawinenstrich hinter einigen Vorausgehenden hinauf.

oberer Teil des Aufstiegs auf das Foppmandl

Links unseres Aufstiegs wurden die Blicke auf das Padasterjochhaus, den Padasterkogel und die Hammerspitze – über deren Schitourenbesteigung hier demnächst berichtet wird – immer beeindruckender.

Padasterjochhaus mit der Hammerspitze im Hintergrund

Auf einem kleinen Plateau nach Überwindung einer Felsschuppe kann der obere Teil des Aufstiegs eingesehen werden. Die Route führt in Richtung Nordwest auf einen Lawinenstrich zu entlang dem knapp 100 m aufgestiegen wird, ohne ihn zu betreten – und endet oben in einer leichten Ausmuldung des Hangs. Diese Passage stellt den steilsten Teil im Anstieg auf das Foppmandl dar.

oberer Teil des Aufstiegs auf das Foppmandl

Oben angekommen verflacht das Gelände stetig zu einem Plateau hin auf dem ein massives Steinmandl errichtet wurde.

im oberen Drittel auf das Foppmandl

Von dort trennen noch etwa 40 Hm vom Gipfel und führen an einem Zitat aus dem zweiten Teil von Goethes Faust vorbei:

„Hinaufgeschaut! – Der Berge Gipfelriesen
Verkünden schon die feierlichste Stunde;

Sie dürfen früh des ewigen Lichts genießen,
Das später sich zu uns hernieder wendet.
Jetzt zu der Alpe grüngesenkten Wiesen
Wird neuer Glanz und Deutlichkeit gespendet,
Und stufenweis herab ist es gelungen;
–Sie tritt hervor! – und leider schon geblendet,
Kehr‘ ich mich weg, vom Augenschmerz durchdrungen.

dichterische Spuren im Fels – Zitat des großen Goethe

Mit nur einer Idee aber in Ermangelung eigenen Wissens mag die beste Interpretation des wortgewaltigen Dichters Aussage über den ersten Absatz bei Wiengarten1 zu finden sein, der erkennt, dass Faust zur Natur eine emotionale Bindung aufgebaut hat, die ihm gut tut und paradiesisch auf ihn wirkt.

über die Gipfelkuppe auf das Foppmandl

Nun, der Schöpfer dieser Inschrift hat sie uns wahrscheinlich aufgrund des gleichen Herzensausdruckes wie der Dichter hinterlassen und ein solcher Beweggrund rechtfertigt Tat und Erscheinung inmitten der großartigen Umgebung. Der kleine Lapsus zu Beginn des Zitats sei ihm angesichts der Aufregung bei der Tat verziehen, wie das zwangsweise mit dem Zitat abgelichtete Paar auch dem Verfasser verzeihen möge.

schönes Holzkreuz am Foppmandl

Über den letzten Buckel hinauf stiegen wir zwischen bereits ausgeaperten Kalkphyllitbrocken zum schönen hölzernen Gipfelkreuz hinauf, hinter dem der Verbindungsgrat zur Wasenwand hinaufzieht.

Grat zur Wasenwand

Das Foppmandl stellt – wie erwähnt – gemäß Definition der UIAA keinen eigenständigen Gipfel dar, weil die minimal geforderte Schartenhöhe von 30m nicht erreicht wird.

Foppmandl, 2.412 m

Dies kann man eindrücklich im fast eben dahinziehenden Grat bis zum Schnittpunkt mit dem Serleskamm gut erkennen. Dennoch bietet es eine grandiose Aussicht – vor allem auf den Zug der Hohen Burg im südöstlichen Vordergrund – und stiehlt damit der 150 m höheren Wasenwand im Hintergrund die Schau in den Süden.

Blick vom Foppmandl gen Südwesten

Zunächst beginnt die Überschreitung mit einer leichten Abfahrt über einige Meter zu einem Tiefpunkt bevor auf der Gegenseite der Aufstieg mit leichter Steigung beginnt. bereits am Grat zur Wasenwand

Kurz danach steigt ein Gratspitzl stark an und, da wir die Hinterseite nicht einsehen konnten, beschlossen wir die Schi auf den Rucksack zu nehmen.

unterwegs zum ersten Gratspitzl

Nachträglich gesehen hätte es diese Aktion nicht gebraucht, denn dahinter erwies sich das Spitzl als harmloser als an seiner Südseite. Trotzdem marschierten wir auf dem doch etwas schärferen Stück in Summe etwa 10 min bis zu einer Verflachung am Grat zu Fuß weiter, immer mit großem Bedacht der Wechtenhöhe möglichst fern zu bleiben.

Herwig nach dem ersten Gratspitzl

Hinter der zweiten schärferen Stelle legten wir an geeigneter Stelle die Schi wieder an. Es war in der Folge kein zweites Mal nötig sie zu schultern.

eine kurze Schneide kurz nach dem Gratspitzl

Gemsen oder Steinböcke (Die Fußsturen konnten wir im Tiefschnee nicht deuten) benutzen die Grate recht häufig, wie wir anhand der Spuren feststellten. Sie meiden dabei die direkte Grathöhe und dürften mit Wechten viel Erfahrung besitzen.

wieder mit Schi am Grat unterwegs

Nach einer letzten Schuppe gelangten wir an die Rippe der Wasenwand, die noch eine Viertelstunde Aufstieg erforderte und sich gar nicht so flach erwies, wie sie auf Bildern von der Seite den Eindruck erweckt.

bereits nahe dem Sattel zur Wasenwand – man beachte den Felsabbruch rechts

Unterwegs tolle Blicke zur Hammerspitze und zur Kesselspitze, die uns auf Ideen von großartigen Schitouren brachten, die hier auf diesem Blog nachgelesen werden können.

Rückblick auf den Grataufstieg mit erkennbarer Wechte vor dem Sattel

Den Gipfel der Wasenwand erreichten wir 50 min nach dem Verlassen des Foppmandls, nach etwa 180 Hm Aufstieg und mit 800 m Distanz. Zwei nicht übersichtliche Buckel mußten dabei zu Fuß überschritten werden und eine Stelle zeigte im Rückblick eine unnötig nahe Annäherung an den Wechtenkeil einer mehr als mannshohen Wechte.

Wechte nahe dem Sattel zur Wasenwand im Rückblick gesehen

Einer der schönsten Blicke von der Wasenwand ist jener zum Habicht.

Vorderseite des jungen Holzgipfelkreuzes auf der Wasenwand, errichtet 2013

Durch die entfernte Lage der Wasenwand kann auch noch der Teil vor und um die Pinnisalm im Talgrund eingesehen werden, die sich immerhin 1.750 Hm unterhalb des Gipfels des Habichts befindet.

einzigartige Perspektive auf den Habicht und das tief unten liegende Pinnistal mit der gleichnamigen Alm

Im oberen Teil der Abfahrt herrschten weitgehend windgepresste Flächen mit abgeblasenen Stellen. Am Sattel zum Foppmandl kokettierten wir mit einer Abfahrt auf die Ostseite in die Padeilemähder hinab.

Blick hinab auf die Padeilemähder

Der Hang war jedoch nicht übersichtlich genug einsehbar und da wir die Hänge nicht kannten unterließen wir das Vorhaben zugunsten eines faustischen Unternehmens weiter unten.

der gewaltige Talkessel unterhalb des Padasterjochs

Die Abfahrt erfolgte also nun zur Mittagsstunde über die aufgeweichte, aber überraschend angenehm fahrbare Westseite, die erbarmungslos bestrahlt wurde.
Im unteren Teil wandelte sich der Schnee zu dem feinkörnigen Spätwinterfirn, der noch kein firn ist, seine Merkmale aber schon zeigt.

Abfahrt von der Wasenwand

Eine Beschreibung der Steilabfahrt und dem nachfolgenden Schäferstündchen mit dem Festhalten des Augenblicks nach Goethe ist nicht vonnöten, ein kleines Video tut den besseren Dienst:

 

 

 

Ebenso mögen ein paar Bilder in der Galerie die Schönheit der Landschaft anschaulich machen – sie bedürfen keines Kommentars.

überschrittener Grat vom Foppmandl zur Wasenwand

Die Abfahrt ins Tal erfolgte anfangs wieder durch den Wald, jedoch weiter nördlich in Richtung Loosloch querend, auf die freien Flächen unterhalb des Foppmandls.

Abfahrt vom Padasterjochhaus

Die Schitour absolvierten wir in 5:50 Stunden mit einem Aufenthalt auf beiden Gipfeln von gesamt etwa 45 min. Der gesamte Aufstieg beträgt 1.350 m und die Streckenlänge bis zum Gipfel 6 km.

Mils, 20.02.2021

1 Simon Wiengarten: Enzensberger, H. M. – Das Ende der Eulen – verglichen mit Faust II – Eingangsmonolog https://www.grin.com/document/101996

 

Schitour Kesselspitze Westanstieg, 2.727 m

Neben dem leichteren Normalanstieg über die Valschwernalm kann die Kesselspitze als Schitour auch über die schwierigere Westseite, aus dem Loosloch, bestiegen werden. Schwierig dabei ist lediglich der letzte Teil durch die Felsen, der sehr steil, etwa 200 m östlich vom Grat, auf einem schmalen Schneeband – im Frühjahr gut zu erkennen -, schräg nach oben hinaufführt. Die Abfahrt kann auf beiden Seiten erfolgen, sodaß sich über den zweithöchsten Gipfel im Serleskamm eine schöne Runde unternehmen läßt, ungeachtet der Aufstiegsroute.

Kesselspitze, 2.727 m, man beachte den rötlichen Liaskalk auf der Gipfelkuppe

Der Aufstieg über das Loosloch ist kein vielbegangener, landschaftlich jedoch ein erlebenswerter, und er birgt ein weiteres – eher einsames – Ziel von Trins aus, den Roten Kopf, der über einen westwärts gerichteten Steilhang erstiegen und abschließend in kurzer harmloser Kletterei gemeistert wird.

jeder Zentimeter zur Schuttreise hin wird genutzt, um Spitzkehren zu minimieren

Wem die Route durch die Felsen beim Studium im Aufstieg auf die Kesselspitze zu heikel erscheint, kann im Roten Kopf eine Alternative finden, die bereits von der Egarte aus sichtbar ist und das Gipfelerlebnis bedient. Der Rote Kopf entsendet eine Gratrippe Richtung Südost die den riesigen Talkessel zwischen Kesselspitze und Wasenwand teilt. Im Aufstieg nach den Almhütten der Padeilemähder begeht man denselben über eine steile Flanke im Kessel.
Auch auf den Roten Kopf hier gibt es einen steilen Anstieg, der jedoch leichter zu meistern ist, als das schmale Schneeband auf die Kesselspitze.

Start in Trins bei P4 auf aperen Wiesen

Im endenden Hochwinter findet man das unterste Wiesenstück oberhalb des Parkplatzes P4 in Trins so manchen mittelmäßigen Winters bereits aper und beginnt die Schitour mit harten Kunststoffschuhen auf einer kaum etwas weniger hart gefrorenen und vom Herbst noch gut eingemisteter Bergwiese. Die Lächerlichkeit des Anblicks läßt sich nicht vermeiden, aber zu früher Stunde, die die Jahreszeit gebietet, bleibt man vor hämischem Gelächter weitgehend verschont und es verbleibt einzig die eigene Scham vor der grotesken Situation, mit der man aber, angesichts der zu erwartenden Szenen 1.000 Hm weiter oben, leicht fertig wird.

unterer Teil im Loosloch

Oberhalb des Holzzaunes, der den Winter über arg in Mitleidenschaft gezogen wird, können die Schi meist schon vom Rucksack ab und in Einsatz genommen werden. Am Weg vorbei an der Kapelle St. Barbara und weiter im Wald bis zur ersten Freifläche „Egarte“ ist man je nach Sonneneinstrahlung und Güte des Winters genötigt die Schi für ein paar Meter abzuschnallen und über apere Stellen zu tragen. Alles in allem – etwa bis Mitte März – eine ertragbare Anreise bis zum dauerhaften Schiaufstieg außerhalb der Zivilisation.

Rückblick aus dem unteren Drittel am Aufstieg durch das Loosloch

Der etwas steilere dafür eher schneesichere Weg vom Parkplatz trifft sich an der Freifläche Egarte mit jenem vom höher gelegenen Parkplatz der Blaserhütte. In der Mitte der Egarte fällt die Entscheidung in welcher Richtung die Runde über die Kesselspitze erfolgen soll. Zum Anstieg über das Loosloch wird dem hinteren Ende der Egarte gefolgt um den Fallschwernbach zu queren und durch lichten Lärchenbestand gegen das Loosloch aufzusteigen (ein kleiner Umweg über den Fahrweg zur Padasteralm führt ebenfalls zum Loosloch, hier vermeidet man die Bachquerung, büßt jedoch einige Minuten Gehzeit ein).

Rückblick mit den Nassschneelawinen im Loosloch

Der Lawinenstrich unterhalb des Loosloches wird direkt in mehr oder weniger Serpentinen aufgestiegen und der Abzweig in den Wald zum Padasterkogel, etwa in der Hälfte des Aufstiegs zum Beginn des Loosloches, links liegen gelassen.

Blick auf die steile Flanke neben den Felsen im Loosloch; leicht rechts der Bildmitte befindet sich der Ausstieg

Weiter oben verschmälert sich das Tal durch den herrlichen Hauptdolomit des Brennermesozoikums, der beide Talseiten beherrscht und imposante senkrechte Wände bildet, durch die einer der schönsten  Anstiege der Touren von Trins aus führt – das Loosloch.

Schneemäuler im stark bestrahlten Teil im Loosloch

Zweifellos muß das Loosloch, sowie dessen nordöstlich begrenzenden Couloirs der Padeilemähder, als ein einziger Lawinenstrich bezeichnet werden. Allein der Bewuchs gibt Auskunft über die Rutschstrecken. Dies ist mit ein Grund warum die Schitour, der Tageserwärmung der Jahreszeit folgend, am frühen Morgen gestartet werden soll.

am Ausstieg aus dem Loosloch

Der Aufstieg durch das Loosloch erfolgt im unteren Teil eher rechts im Aufstiegssinn, um die steile Flanke vom Foppmandl herab zu umgehen. Nach dem ersten Drittel des steilen Abschnittes wechselt man nach links in die auch noch zu Ende des Februar schattigen Hangteile nahe den Felsen, um dort gute Aufstiegsbedingungen vorzufinden und, als Hauptgrund, den gewaltigen Schneemäulern im steilsten und am meisten besonnten Teil des Loosloches zu umgehen.

herrliche Ansicht des Talkessels oberhalb des Loosloches

An der Kante oben, am Ende des Loosloches auf etwa 2.060 m, öffnet sich ein bemerkenswert schöner Blick auf den Hochtalkessel mit einer weiteren Steilstufe. Die Durchquerung des Kessels unternahmen wir links einer Bachsenke, nahe den steilen Felsen, die den Verbindungsgrat von Foppmandl zur Wasenwand bilden, über dessen Überschreitung hier berichtet wird.

Roter Kopf mit Rippe und Steilhang rechts der Bildmitte

In einer leichten Rechtskurve passierten wir, mit wenigen Metern Höhenverlust, die südwestlichst gelegenen Hütten der Heuwirtschaft der Padeilemähder, die noch heute durchgeführt wird und seit kurzem zum Gebiet von „Natura 2000“ zählt.

klassisches Beispiel des latenten Altschneeproblems des Winters 20/21

Nach den beiden Holzhütten folgt die Besteigung der Westflanke der Rippe vom Roten Kopf herab. Die Flanke ist durch Ausrichtung und Neigung von etwas über 35° Ende Februar bereits gegen 9:30 so intensiv bestrahlt, daß man anhand der Schneekonsistenz erraten kann wie die Verhältnisse der annähernd parallelen Schlüsselstelle durch die Felsen unterhalb der Kesselspitze sein werden, zu deren Aufstieg noch etwa eine Stunde benötigt wird.

malerischer Rückblick auf die unteren Padeilemähder

Oberhalb der Flanke wird die Sicht auf den letzten Teil der Tour frei und hier kann eine Trinkpause dazu dienen die weitere Anstiegsroute zu planen.

Steilhang zur nächsten Talstufe auf den Talkessel unterhalb Kesselspitze und Roter Kopf

Die Schneise ist von dort aus im Detail gut einsehbar, sowie ihr Zugang, den wir sorgfältig wählen wollten, angesichts der kleinen Schneerutschungen und eines großen Schneemauls im Hang darunter.

auf der Südostrippe vom Roten Kopf angekommen

Wir beschlossen den Zustieg zum Ende des Talkessels und der Entscheidung aufgrund der dortigen Schneekonsistenz, ob wir den direkten Aufstieg über die Flanke nehmen, oder über den Grat vom Roten Kopf zur Kesselspitze ausweichen sollen. Im Blick nach oben kann man das schmale, links nach oben gerichtete Schneeband gut erkennen und wir zollten diesem Anblick einigermaßen Respekt.

Blick zum Talkessel mit der Kesselspitze; das schräge Schneeband durch den Felsriegel bereits gut sichtbar

Die Entscheidung fiel eindeutig zur Umgehung des direkten Hangs aus in dem uns nicht nur das Schneemaul, sondern auch die direkte Bestrahlung nicht sehr gefiel und wir wählten die etwas weniger der Sonne zugewandte Flanke auf den Grat, in der wir zwar kaum eine unterschiedliche Schneekonsistenz, jedoch weitgehende Homogenität derselben feststellten.

von hier das schmale Schneeband kaum zu erkennen; dieser Blickwinkel verdeutlicht die Hangneigung eindrucksvoll

Am Grat konnten wir die Situation zum und die Passage über das Schneeband, das den Felsriegel durchschneidet, während unseres Aufstiegs gut studieren und beschlossen auf einer Kuppe oberhalb des Sommerweges (Wegweiser) die etwa höhengleiche Querung zum Einstieg unter dem Felsriegel. Da Erfahrung lehrt legten wir die Harscheisen gleich auf der horizontalen Kuppe an und beschritten den aufgeweichten Hang.

Kesselspitze knapp vor der Grathöhe

Während unserer Gratbesteigung fuhren einige Kleingruppen eine Passage suchend durch den Felsriegel ab, dessen Verlauf durch die Hangneigung von oben nicht einsehbar ist, wie wir bei der Begegnung am schmalen Band von den Letzten von ihnen erfuhren. Dies erklärte uns auch deren hin und her im Hang oberhalb dem Felsriegel, bevor, wie man uns wissen ließ,  durch unsere Querung die Richtung hindurch angezeigt wurde.

Querung zum Einstieg auf die Felspassage

Der anstrengendste Teil des Steilaufstiegs scheint wohl der unterste Richtungswechsel von der ostwärts gerichteten Querung auf das nordwestlich ausgerichtete Schneeband, dessen Durchstieg eine gute Viertelstunde in Anspruch nahm.

Richtungswechsel als Einstieg auf das Schneeband

Unter kurz gehaltenen Spitzkehren am Schneeband erfolgte ein mühsamer Aufstieg im aufgeweichten Firn über etwa 60 Hm, der aufgrund der Hangneigung in direkter Linie nicht möglich war. Selbst im oberflächlich weichen Firn müssen Harscheisen aufgrund der Steigung durch diese Passage empfohlen werden.

mühsam die kurzen Strecken zwischen den Spitzkehren

Kurz vor dem oberen Ausstieg auf den breiten Gipfelhang durchzieht ein ausgeprägter Couloir den Felsriegel, das recht weit gegen das Ende des Schneebandes hinaufzieht.

im unteren Teil gab es ein zweites Schneeband mit geringerer Steigung

Diese Stelle zwingt abschließend, über ein paar Meter, zu einer sehr steilen Routenführung, bevor oberhalb des Rinnenansatzes der Gipfelhang erreicht wird.

der Couloir von links treibt die Steigung zum Gipfelhang nach oben

Der Gipfelhang oberhalb dieser steilsten Stellen durch den Felsriegel legt sich in seiner Neigung gegen den Gipfel der Kesselspitze hin bald deutlich zurück und wird gegen den Gipfel hin immer flacher.

am Couloir

Im Blick vom Gipfelhang zurück ist gut erkennbar, daß die Sicht auf die Passage durch den Felsriegel in der Tat nicht vorhanden ist. Couloir und Schneeband (im Abfahrtssinn links schräg hinab) sollten allerdings eindeutige Zeichen für die Abfahrt darstellen.

Herwig bereits über dem Beginn des Couloirs

Das Prachtwetter am letzten Februartag lockte viele Besucher der Kesselspitze an, deren Aufstieg jedoch am Normalanstieg über die Valschwernalm erfolgte. Diesen wählten wir als unsere Abfahrt, weil er weniger der Sonnenbestrahlung ausgesetzt ist und bessere Abfahrtsverhältnisse erwarten ließ.

Gipfelhang Kesselspitze

Die grandiose Aussicht auf der Kesselspitze findet sich beim Bericht über den Normalanstieg beschrieben, daher wird hier darauf verzichtet.

Rückblick auf den Aufstieg vom Loosloch mit den Tribulaunen im Hintergrund

Am Bild vom Gipfel in Richtung Loosloch kann ein Großteil des Aufstiegs eingesehen werden – vom schattigen Steilhang neben den Felsen vom Foppmandl herab, bis in den Talkessel unterhalb des Verbindungsgrates. Dahinter die gewaltige Kulisse der Tribulaune.

Herwig auf der Kesselspitze

Unsere Abfahrt spielte sich so unspektakulär wie erwartet ab. Der Schnee zum Großteil durch Setzung und Umwandlung hartgepresst mit ein paar angenehm zu fahrenden Firnstrecken im unteren Teil nach am und nach dem Steilhang der Valschwernalm.

Rückblick auf den Trog

Für diese grandiose Schitour gelten die Empfehlungen der Wahl frühestens im Spätwinter, bzw. wenn die Umwandlung der Schneedecke in Firn stattgefunden hat und des tageszeitlich frühen Starts, je nach zu erwartender Einstrahlung auf den kritischen Teil oben ab 2.400 m.

Rückblick auf die schweißtreibende Abfahrt

Wir haben für die gesamte Schitour 5:15 Stunden benötigt, mit einem Gipfelaufenthalt von etwa einer halben Stunde.

Rückblick auf eine bärige Schitour am P4 mit Rotem Kopf im Hintergrund

Die Aufzeichnung des Gesamtanstiegs zeigte 1.515 m und die Aufstiegsstrecke beträgt etwa 6,5 km.

Mils, 28.02.2021

 

Schitour Peilspitze, 2.392 m

Ungewöhnlich erscheint der Aufstieg von Trins auf die Peilspitze durch oder neben den stählernen Schneebrücken der Lawinenverbauung des schönen breiten Südhanges der Bergschuppe, die am Gipfel jäh in die Matreier Grube abbricht. Genauso ungewöhnlich erfolgte unsere Abfahrt, die einigermaßen ausgeklügelt sein will, möchte man die schmalen Durchlässe der Schneezäune an der richtigen Stelle erreichen. Die kurze Schitour hat in jedem Fall ihren Reiz im sonnigen Gipfelhang der Kalbenjochmähder, mitsamt dem darunterliegenden langen Rücken der Zwieselmähder.

letzte Meter am Gipfelhang

Vom Gipfel der Peilspitze befindet sich das Kalbenjoch nordwestlich – durch einen Grat verbunden -, im Sommer über einen Steig zu begehen, auf dem mit Sicherheit nie Rinder getrieben wurden, wodurch die Lage der Flurbezeichnung „Kalbenjochmähder“ mit seiner Lage kaum in Zusammenhang stehen kann.

Peilspitze mit grandiosen Schitourenbergen im Hintergrund

Der Aufstieg auf die Peilspitze erfolgt von Trins. Bezüglich der Parkmöglichkeiten in Trins gibt es bei der Beschreibung der Schitour auf den Padasterkogel genaue Informationen. Bevorzugen sollte man den P4, er bietet eine längere Abfahrtsmöglichkeit dadurch, daß der Weg bis zur ersten Freifläche (Egarte) eher beschattet ist, als der Fahrweg auf die Almen.

zweite größere Freifläche im Burgwald

Momentan, Anfang März 2021, sind beide Zugänge zur ersten Freifläche im unteren Teil bereits ausgeapert, sodaß die Schi etwa 10 bis 15 min getragen werden müssen. Zum Zeitpunkt der Schitour auf die Peilspitze konnte man vom Parkplatz aus mit Schi loslegen und mußte nur bei der Abfahrt an zwei Stellen am oberen Weg für etwa 20 m die Schi tragen.

beeindruckendes Hochtal des Padasterkogels

Während des Aufstiegs durch den Burgwald, zu dem man sich auf der ersten Freifläche rechts hält und den Almenweg mehrmals kreuzt, wird das sonnige Ziel zwischen den Fichtenwipfeln sichtbar.

am Weg zu den Zwieselmähdern

Von dort noch nicht einsehbar ist der Aufstieg über den Rücken, der auf den breiten Flächen hinter der westlichen Abbruchkante zur Falschwernalm liegt. Kurz darauf folgt die Abzweigung des Almenwegs zum Padasterjochhaus bei der man sich geradeaus aufsteigend hält.

Windbruch am Kammrücken

Nach einer engeren Passage im Wald wird eine weitere Freifläche erreicht, von der aus der Rücken der Zwieselmähder besser einsehbar werden kann, sowie auch teilweise der Weg dorthin, zu dessen Abzweigung noch eine Viertelstunde aufgestiegen werden muß.

Blick nach Trins am Beginn des Bergrückens

Wir haben kurz vor der Wegverzweigung die Spur rechts abzweigend als Abkürzung genommen und somit den Bogen leicht abgekürzt.

erster Blick auf den Gipfelhang der Peilspitze

Der Weg führt nun entgegen des bisherigen nordwestlichen Aufstieges in die Gegenrichtung nach Südosten. Mit mäßiger Steigung nähert man sich dem Bergrücken und quert dabei einiges an Windbruch, das im Herbst quer über dem Weg zu liegen kam.

Aufstieg auf den Kamm

Gegen dem Kamm hin taucht der Weg selbst im Hochwinter mehr und mehr ins Sonnenlicht und ab der Kammhöhe befindet sich der gesamte, etwa noch 450 Hm lange Aufstieg völlig der Sonne ausgesetzt. Dies mag auch bei Frühjahrstouren beachtet werden.

Bilderbuchkulisse auf die Zwieselmähder

Die ausgedehnte Schleife der letzten Kurve des Almenwegs muß man nicht ausgehen, hierzu besteht der schönere Aufstieg durch den Wald, gleich bei einem gewaltigen Windbruch links hinauf, auf den Weg, der nun wieder nordwestlich verläuft und nach wenigen Minuten auf der Kammhöhe eine weitere Schleife beschreibt, der man nicht mehr folgt.

zauberhafte Kulisse am Aufstieg zur Peilspitze

Unter mäßiger Steigung zweigt die Marschrichtung geradeaus auf den spärlich bewachsenen Rücken ab, der nun immer flacher ansteigt, bis einige malerischen Almhüttchen passiert wurden und die Kalbenjochmähder beginnen.

Wasenwand (links) und Kesselspitze im Nordwesten

Vor der letzten Hütte steilt das Gelände auf, in Spitzkehren wird nun weiter gegen die Schneebrücken aufgestiegen. Atemberaubende Blicke nach Westen und Nordwesten bieten Sicht auf die schönsten Schitouren von Trins aus in der so einzigartigen dolomitischen Topografie des metamorphen Kalkkomplexes der Gegend.

im steileren Bereich nach den Zwieselmähdern

Am eindrucksvollsten erscheint die Kesselspitze im Nordwesten, der höchste Gipfel, der von Trins aus als Schitour zu unternehmen ist und zwei wunderschöne Anstiege aufweist. Der Normalanstieg wurde bereits auf diesem Blog beschrieben und die Beschreibung des Alternativanstieges wird in Kürze hier erscheinen. Beide Anstiege lassen eine Abfahrt jeweils auf der Gegenseite zu, wodurch eine unvergessliche Rundtour ausgeführt wird.

Blick auf den Blaser und die Blaserhütte

Über ein paar leichte Mulden führt die Route unter die Schneebrücken heran und die Geländeneigung steigt massiv auf knapp 35° und kaum mehr an. Diese Neigung bleibt im restlichen Aufstieg bis zum Erreichen der Grathöhe erhalten.

unterhalb den Schneezäunen am Aufstieg zur Peilspitze

Zunächst reichen im Steilen die Spitzkehren nahe an die Abbruchkante heran, bevor die Route im weiteren Aufstieg in die äußerst linken Schneezäune eintaucht und in deren Rhythmus jeweils den nicht übermäßig breiten Durchschlupf findet.

Aufstieg durch die Schneezäune auf die Peilspitze

Die Wahl der Route fiel bei unseren Vorgängern jeweils auf den ersten oder den zweiten Durchschlupf von links im Aufstiegssinn gesehen – der Höhenabstand der Barrieren eine neue Erfahrung beim Spuren und eine Ablenkung beim schweißtreibenden Aufstieg im Frühjahr.

Aufstieg durch die Schneezäune

An die zehn oder mehr Schneezaunlöcher werden bis zur Grathöhe durchschritten, bevor die letzten 100 Hm auf den Gipfel führen und die letzten Schneezäune rechts im Hang liegen bleiben.

einer der wenig breiten Durchlässe durch die Schneezäune

Mit phänomenalem Ausblick auf den nördlich gelegenen Serleskamm betritt man unterhalb des Gipfels den Grat.

in Richtung Grat unterwegs, etwa 100 Hm unterhalb des Gipfels der Peilspitze

Die Gratstrecke von der Kesselspitze bis zur Lämpermahdspitze vor Augen stiegen wir die letzten Minuten zum Gipfel der Peilspitze auf. Etwas unterhalb des Grates liegt das Kalbenjoch, Namensgeber der Mähder über die der Aufstieg bisher erfolgte.

am Grat entlang, im Hintergrund die Lämpermahdspitze

Trotz uneingeschränkter Sonneneinstrahlung, mehr wegen des unangenehmen leichten Lüftls, benötigten wir die Windjacken, um eine kurze Rast zu überstehen.

Serles von der Peilspitze aus betrachtet

Die Aussicht nach Norden, auf den östlichen Teil des Kamms mit dem Abschluß durch die  namensgebende Serles, öffnet sich erst am Gipfel der Peilspitze, so wie der Tiefblick nach Osten zum Blaser und in die Tuxer.

Kesselspitze und rechts Blick auf das Kalbenjoch

Freunde von hindernislosen Abfahrten werden die östliche Seite des breiten Hanges bevorzugen und unterhalb der Schneezäune wieder zu den Zwieselmähdern queren.

Blaser von der Peilspitze aus gesehen

Auf dieser Seite konnten wir zwar keine Abfahrtsspuren entdecken, jedoch ist dieser Teil zweifellos der zu bevorzugende, sollte man sich zu den Powderkings oder –queens zählen.

und in den Südwesten

Wir erklärten uns alternativ mit der Abfahrt durch die Schneezäune einverstanden und traten diese Route für die Abfahrt an, bei der sich einige schöne Szenen von den Brennerbergen der Stubaier Alpen bildlich einfangen ließen.

Abfahrt zuerst am Grat

Zwischen den Barrieren mag man etwas überlegt hinab schwingen, um die Durchlässe zu treffen, jedoch könnte man auch an deren äußerer Begrenzung zur Abbruchkante hin ungestört abfahren, wenngleich auch mit Bedacht.

bis zu einem Sporn mit sagenhafter Aussicht

Der untere, durch Barrieren ungestörte Teil der Abfahrt bietet einen wunderschönen Übergang zu den Zwieselmähdern und dem unbewachsenen Rücken bis hinab zum Almenweg.

bereits durch die Schneezäune hindurch

Unterwegs dorthin wird des Frühjahrs so manches Schäferstündchen bei den Hüttchen eingelegt werden, soviel steht angesichts der Szenerie fest.

am Ende das Kammes mit Talgegenseite

Die restliche Abfahrt am Almenweg bedarf lediglich der Erwähnung, daß es möglich ist eine der ausgeholzten Freiflächen zur verkürzten Abfahrt zu benutzen.

Padasterkogel mit der mächtigen Kirchdachspitze im Hintergrund

Die schöne kurze Schitour auf die Peilspitze absolvierten wir in 4:03 Stunden. 1.074 m sind ab dem oberen Parkplatz in Trins zu bewältigen und eine Streckenlänge bis zum Gipfel 5,6 km.

Mils, 04.01.2021

Schitour Padasterkogel, 2.301 m

Er wird vom sonnigen Trins aus begangen und dank seiner Lage erfreut sich die Schitour auf den Padasterkogel auch an kalten Tagen eines guten Teils angenehmster Sonnenbestrahlung. Zwar nicht über die gesamte Länge wie die Schitour auf die Kesselspitze, aber dennoch über etwa die Hälfte der Strecke, abhängig von der Route, die man wählt.

welch ein Ausblick!

Die Normalroute folgt dem Anstieg zum Padasterjochhaus, beschreibt nach dem Waldanstieg einen großen Linksbogen um das Tal, das sich zwischen dem Padasterjochhaus  und dem Padasterkogel liegt und wartet mit viel Sonne und einer herrlichen Ansicht der Hochfläche sowie auf die mächtige Kirchdachspitze im Nordwesten auf, während die Variante der Kenner der Tour noch im Wald vor dem „Käferloch“1 links abzweigt und über das Tal zu den „Padaster Mähdern“ führt und von dort den Rechtsbogen ins „Grübl“ beschreibt und vom Grübl über den Osthang auf den Gipfel des Padasterkogel. Über diese Variante kann auch die Abfahrt erfolgen.

Vormittagsstimmung auf der Burgfamilie

In Trins stehen zwei Parkplätze zur Verfügung. Der besser bekannte ist jener direkt am Almweg zum Padasterjochhaus, der über den steilen Weg nach dem Ortskern beim Cafe Max, in dem man übrigens einen lohnenden Tourenausklang findet, erreicht, Parkplatz Egarte genannt, auf knapp 1.300 m.  Den zweiten, größeren, kennt man weniger, er ist der P4 und befindet sich auf der Gschnitztallandesstraße 800 m vom Cafe Max entfernt, Waldfest genannt. Dieser liegt etwa auf 1.240 m und die Tour beginnt nach der Brücke am Weg gegenüberliegend des Parkplatzes und führt über die Wiese (Burgfelder), vorbei an der Kapelle St. Barbara, zu einem Sommerwanderweg hinauf, der oben mit dem Almweg zusammentrifft. Beide Parkplätze konnten zum Zeitpunkt dieses Berichtes kostenlos benützt werden, der Bericht beschreibt die Route vom Parkplatz Egarte über den Normalanstieg.

die Egarte mit den drei sich teilenden Tälern

Am lange geradeaus in das Tal zum „Burgwald“ führenden Almweg gibt es einige Passagen unter dichtem Baumbewuchs, die auch im Winter aper werden können, weswegen für eine längere Abfahrt die Parkplatzvariante Waldfest vorteilhaft sein kann.
Auf der ersten freien Wiesenfläche „Egarte“ wird der Blick auf die drei Täler frei, die sich am Ende der Wiese verzweigen. Im äußerst linken Tal, hinter der felsigen Barbeleswand versteckt, befindet sich der Waldanstieg zum Padasterkogel. Es wird erst am Ende der zweiten Freifläche, der „Windlahne“.

auf der Windlahne

Das mittlere Tal führt ins Loosloch und auf die Padeilemähder2, die heute noch von Hand gemäht werden und die vor Kurzem noch in die Tiroler Natura 2000 Gebiet aufgenommen wurden.
Das rechte Tal, über den Burgwald, führt in die Falschwernalm und auf die Kesselspitze, mit ihrem zauberhaften Schitourenanstieg.

Waldaufstieg mittlerer Teil

In der ersten Freifläche führt meist eine Spur zur rechten oberen Begrenzung hinauf, der man nicht folgt, sie führt auf den Kesselspitze und auf die Peilspitze. Die Route auf den Padasterkogel führt im Flachteil links, neben dem Bach, zur Bachquerung in die linken Täler hinein.

Rückblick im mittleren Teil

Einige Minuten im noch flachen Aufstieg nach der Bachquerung wird eine zweite, längere Freifläche mit vereinzeltem Lärchenbewuchs erreicht. Die Route führt durch die herrliche Landschaft bis etwa auf 1.650 m und zweigt dort in den teilweise steilen Wald links ab; dies ist die schattseitige Teil der Schitour, der, je nach fortgeschrittenen Datums und Tageszeit im Winter, über etwa 200 bis 300 Hm ohne Sonnenbeleuchtung stattfindet. Zum Jahreswechsel beträgt der schattseitige Aufstieg am frühen Vormittag etwa 35 bis 45 min.

wieder einmal den Weg gekreuzt

Im Wald quert man manchmal die Fahrstraße zum Padasterjochhaus und befindet sich Großteils am Herrensteig, der manchmal beschildert ist.

Waldaufstieg oberer Teil – hier Blick auf den Inneren und Äußeren Buambichl, sowie auf die Hohe Burg rechts

Zwischendurch, im oberen Teil des Waldaufstiegs mit  bereits lichterem Baumbewuchs, werden Blicke auf die schöne Felsformation aus standfestem Hauptdolomit der Hohen Burg frei und Wildspuren über das steile Nordkar zwischen dem „Inneren und Äußeren Buambichl“ sichtbar.

der Waldaufstieg neigt sich dem Ende zu

Im abflachenden Teil des Waldaufstiegs, eigentlich bereits an der Waldgrenze, könnte man links, fast flach zur Aufstiegsvariante durch das Käferloch abzweigen. Der sonnigere Aufstieg erfolgt jedoch über den Normalweg, der weiter beschrieben wird.

herrliche, mäßig steigende Hänge setzen fort

Mit dem Baumbestand ändert sich auch die Hangneigung und ab dem Hügel „Drissl“ führt der angenehm steigende Normalweg über eine bärig kupierte Bilderbuchlandschaft mit letztem Lärchenbewuchs bis auf über 2.000 m hinauf, wo auch das Ziel, der Padasterkogel, erstmals sichtbar wird. Der Sommerweg wird hierbei verlassen und eher nahe dem Almweg aufgestiegen.

erstmals das Ziel, der Padasterkogel sichtbar

Die malerisch weiße Landschaft mit ihren mannigfaltig ausstreichenden Schattierungen von Kuppen und Mulden sowie den vereinzelten rostroten Lärchenfassaden der Almhütten  zwingt zum Innehalten und Aufsaugen des einzigartigen Moments.

Idylle pur am Aufstieg zum Padasterjochhaus

Beim letzten längeren Almgebäude beginnt der große schöne Bogen um das Tal zum Gratrücken herum, der von der Hammerspitze herabfällt und der den Padasterkogel trägt. Bis zum Schluß, zum Gipfel, führt die Route in angenehmer Steigung weiter.

zum letzten längeren Almgebäude der unteren Padasteralm

An diesem Eckpunkt des Anstiegs zum Padasterjochhaus befindet man sich bereits in 2.100 m Seehöhe, womit nur noch 200 Hm zum Gipfel fehlen, die Strecke aber noch 1,8 km lang ist. Wenig geeignet für Freunde von Ampfersteinverhältnissen.

Hohe Burg mit Sattel zum Padasterkogel

Begrenzt wird der schöne Kessel, in dessen Mitte das Padasterjochhaus weithin sichtbar auf einer Kuppe erhöht erbaut, von Hammerspitze (2.641 m), Wasenwand (2.563 m) und Foppmandl (mit Gipfelkreuz, jedoch aufgrund fehlender Prominenz kein bezeichneter Gipfel, eher ein entsandter Südgrat der Wasenwand), die aus Gesteinen des metamorphen Kalkkomplexes (vorwiegend Bänder-Kalkmarmor, Kalkphyllit und Quarzphyllit) gebaut werden. In der Ferne im Nordwesten, westlich der Hammerspitze, lugt der Gipfel der Kirchdachspitze (2.840 m) hervor.

Rückblick über das beeindruckend schöne Gelände

Kurz vor dem Padasterjochhaus folgt die Schitour einem kleinen Graben, der auf die Hänge unterhalb der Hammerspitze hinüber leitet. Gleich nach dem Beginn muß eine etwas steilere Passage gequert werden bevor der schöne Bogen zum Padasterkogel über flaches Gelände weiterführt.

die zentrale Padasteralm mit dem Padasterjochhaus

Die Bilder auf dieser Strecke verleihen der leichten Tour auf den Padasterkogel einen eigenen Reiz, wofür sich der längere Normalweg allemal lohnt, auch wenn er gut 20 min in Anspruch nimmt.

Rückblick auf die untere Padasteralm

Mit mäßig Auf und wenig Ab strebt die Querung auf den Südgrat der Hammerspitze zu, wo sich, hinter dem Bergrücken nicht sichtbar, die kleine Schäferhütte befindet. Über eine wenig mächtige Wechte wird der Gratrücken erreicht, der, scharf zur Linken, den Blick auf den unverkennbar dolomitischen Aufbau der Kirchdachspitze freigibt, und den Gipfelspitz auf seinem eindrucksvollen Sockel in voller Größe zeigt.

Übergang zum Padasterkogel vom Padasterjochhaus

Nach dem Übergang verliert man wenige Höhenmeter zum Padasterjoch hin, die jenseits desselben mit einem letzten kurzen Aufstieg über 40 Hm zum Padasterkogel wettgemacht werden. Der Aufstieg erfolgt dabei auf der Luvseite nach Belieben oberhalb oder unterhalb  der abgeblasenen Steilwiesen.

Rückblick auf das Padasterhaus und die Querung der etwas steileren Passage (links)

Die Kuppe des Padasterkogels ist selber nur hauchdünn ein eigenständiger Gipfel, wenn man die Konvention der Definition der Schartenhöhe von mindestens 30 m zugrunde legt. Seine Stellung im Serleskamm und seine wunderbare Aussicht dürften jedoch bereits weit vor Einführung von Definitionen nach UIAA ausschlaggebend für seine Kür als Gipfel verantwortlich zeichnen.

letzte Meter zum Padasterjoch mit dem Gipfelkreuz des Padasterkogels

Ein massives Holzkreuz seltener Bauart ziert den Padasterkogel. Die verstärkenden Verstrebungen der Kreuzform zum diagonal gestellten Quadrat sichern den Verbund im Knoten. Diese Kreuzform sieht man kaum, bisweilen aber doch auf unseren Bergen.

Gipfelkreuz Padasterkogel, 2.301 m

Sie stellt keine eigene zu recherchierende Kreuzform dar, sie dürfte rein aus Stabilitätsgründen entstanden sein.

gewaltiges Massiv der Kirchdachspitze

Im Blick nach Nordosten öffnet sich das Navistal mit den schönen Schitourenzielen, beispielsweise die Schafseitenspitze genau in Bildmitte. Etwas rechts davon, mehr im Osten, vom Schmirntal aus die Schöberspitzen und den Kleiner Kaserer bereits in den Zillertaler Alpen.

bärige Kulisse mit der Hohen Burg und dahinter die Tuxer und Zillertaler Alpen; Schafseitenspitze, Schöberspitzen und Kleiner Kaserer

Weiter im Südosten finden sich die Schitouren auf die Hohe Kirche und den Kluppen, der durch die dahinterliegenden höchsten Gipfel der Zillertaler Alpen, Hochfeiler und Hochferner durch den fehlenden Kontrast fast nicht sichtbar ist, sowie der Wolfendorn an der Grenze zu Südtirol.

Aussicht nach Südosten mit Hoher Kirche, Kluppen und Wolfendorn

Gegen den Süden hin reicht der Blick bis in die Dolomiten (Geislergruppe, Marmolata, Sella und Langkkofel) und etwas rücken die bärigen Schitouren aus dem Obernbergtal in den Vordergrund, hier sei die Rötenspitze und der Muttenkopf genannt.

Die Dolomiten im Hintergrund Rötenspitze und Muttenkopf rechts

Auf den Obernberger Tribulaun als leichtesten Vertreter aller Tribulaune führt eine unvergessliche Schitour, weiter folgt der markante Doppelgipfel des Pflerscher Tribulauns und die hohen Schitourenziele des Pflerscher Pinggls und des Hohen Zahns in Bildmitte und den südwestlich gelegenen Feuersteinen.

Obernberger Tribulaun, Pflerscher Tribulaun, Pflerscher Pinggl und Hoher Zahn

Die empfohlene Abfahrt vom Padasterkogel führt über seinen Nordosthang hinab in das Käferloch. Der gesamte Hang steht dafür zur Verfügung und die Schneeverhältnisse sind eher immer dort die besten, wo kaum Sonnenbestrahlung einwirken kann, also eher im südöstlichen Teil des Tals, zu dem in der Abfahrt gequert wird, um den Nordhang zu erreichen.

bereits im Nordosthang das Abfahrt; deutlich sind die Abfahrtsspuren über die alternative Route in der Sonne zu erkennen

Unten in Talnähe kann man, wenn man rechtzeitig auf die sonnenbeschiene Nordseite im Tal wechselt, die Ausfahrt aus dem Käferloch ohne Anschieben ausführen. Wer zu weit hinunter fährt muß im Talgrund bis zum Wald fahren und hat hier auch wieder zwei Möglichkeiten.

im unteren Teil der Nordabfahrt

Links am Ende des Käferlochs auf dem flachen Weg mit Anschieben über etwa 400 m bis zu den schönen strauchbewachsenen Hängen vom Foppmandl herab, oder rechts über noch weiterführende freie Wiesen bis zur selektiven Steilabfahrt im lichten Wald nahe der Barbeleswand.
Weiters wird die Normalabfahrt über die freien Hänge unter dem Foppmandl beschrieben.

Rückblick vom Käferloch auf die Nordabfahrt

Am Ende des Käferlochs müht man sich im Grätschschritt leicht bergauf um die Geländerippe herum bis der Sommerweg flacher wird und das Fortkommen mit Anschieben möglich wird.

Beginn des Käferlochs im Aufstiegssinn gesehen

Ein paar Minuten erfordern die 400 m Schiebestrecke bis der Weg abfällt und die Abfahrt fortgesetzt werden kann. Die Fortsetzung lohnt sich allerdings, sie führt über schöne steile Hänge mit jeder Menge Hindernissen, sodaß Reaktionsschnelligkeit gefordert wird.

Flachstrecke

Mit der Sonnenbahn zu Silvester liegt der schöne Hang bis über die Freifläche der „Windlahne“ hinab leider bereits im Schatten der Barbeleswand, wenn um die Mittagsstund abgefahren wird. Lediglich der obere Teil ist noch in Licht getaucht. Die passablen Schneeverhältnisse noch weichen Pulvers boten dafür Entschädigung.

Rückblick nach dem ersten Teil des Hanges zur bäriger Hang zur Windlahne hinab

Kurz vor der Querung des Fallschwernbaches entweicht man der Abdeckung der Barbeleswand wieder und setzt die letzten Minuten der bärigen Tour unter Sonne fort.

letzter Rückblick auf den unteren Teil der Abfahrt

Die Schitour absolvierte der Verfasser in 3:56 Stunden mit einem Aufenthalt am Gipfel von gut 30 min . Der gesamte Aufstieg beträgt 1.090 m und die Streckenlänge bis zum Gipfel 5,6  km.

Mils, 31.12.2020

1 in Anführungszeichen angeführt sind Flurbezeichnungen nach TIRIS

2 Karte des Schutzgebietes Padeilemähder: https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Landesnormen/LTI40044768/Anlage.pdfsig.pdf

 

Hornspitze, 2.650 m

Vom Tuxer Joch aus betrachtet markiert die Hornspitze mit ihrem majestätisch aufragenden Gipfel den auslaufenden Südgrat der Tuxer Alpen, hin zur Gebirgsscheide mit den Zillertaler Alpen. Sie fällt in der lokalen Topographie besonders auf, da ihr Bau den umliegenden Erhebungen so gänzlich widerspricht. Ein letzter Eckzahn der Tuxer Alpen vor den Granden im Tuxerkamm der Zillertaler Alpen.

Hornspitze und Zillertaler Alpen im Zoom

Seine im Südgrat auffällig aufsteilende Gipfelspitze baut zur Gänze aus Kalkphyllit, der die massiven, später tektonisch aufgestellten Schichten bildet, deren Mächtigkeit an ihren Trennflächen gut zu erkennen sind. Im Osten bricht die Schichtung zu einer Steilwand ab, im Westen begleiten die steilen Hänge oberflächlich Wiesen, bevor sie erst weiter unten in kleine Waldflächen, getrennt von tiefen Schuttrinnen zum Kaserer Winkel abfallen, von denen jede der neun Rinnen seinen eigenen Namen besitzt.

Erster Aufschwung auf die Hornspitze vom Vorkopf aus gesehen

Ausgangspunkt der Bergtour auf die Hornspitze sind die hintersten Weiler Madern, Kasern und Obern im Schmirntal, die zum Ort Ladins (Gemeinde Schmirn) zusammengefasst wurden. Im Weiler Obern gibt es einen, bzw. mehrere kleine Parkplätze bachseitig entlang der Straße ins Kluppental und beim Alpengasthof Kasern besteht ebenfalls Parkmöglichkeit – mit einem Besuch nach der Tour verbunden versteht sich und lohnt sich kulinarisch.

am Weg in den Kaserer Winkel

Fast eben leitet das zunächst breite Tal des Kaserer Winkels hinter das letzte Gehöft im Weiler Kasern. Ein sagenhafter Blick auf den 1.500 m hoch aufragenden Kleinen Kaserer begleitet über die gesamte Strecke am Almenweg, die, vor der Abzweigung in die Tettensgrube, etwa eine knapp halbe Stunde taleinwärts in Anspruch nimmt.

Tettensgrube, Aufstieg zum Tuxer Joch

Über die steile Nordflanke des Kleinen Kaserers wird eine rassige Schitour begangen, die unterhalb des fast zu Gänze verschwundenen Kaserer Ferners auf den breiten steilen Rücken hinausquert und über den Grat zum Gipfel führt. Beim frontalen Anblick auf die Nordflanke kann man sich gar nicht vorstellen, daß es dort ein Durchkommen gibt. Die kümmerlichen Reste des Kaserer Ferners liegen dem Blick von Norden verborgen hinter einer Rippe auf 2.900 m.

Rückblick in den Kaserer Winkel

Bei der Brücke über den Kaserer Bach behält man den Weg bei und überquert eine große Schwemmschuttablagerung von der Steinigen Rinne herab bevor, nach einer flacheren Stelle, der Weg auf den Schwemmkegel der Tettensgrube heranführt auf dem der Tuxersteig beginnt.

über den Radlweg hinauf in die Tettensgrube

Der breite Weg endet und der Tuxersteig ist vorerst nicht ohne weiteres vom neu gebauten Radlweg zu unterscheiden, es sei denn man achtet auf Markierungen und Steigspuren.
Durch den Radlweg mit seinen 66 Kehren auf das Tuxer Joch kann die Bergtour auf die Hornspitze seit Sommer 2019 auch mit dem Radl kombiniert werden.

prächtiger Anblick – die beiden Schöberspitzen

Bei der vierten Linkskehre nahe am Tettensbach kann der Radlweg verlassen werden und über den alten Tuxersteig aufgestiegen werden (siehe dazu Bilder in der Galerie). Der Abzweig (1.800 m) befindet sich direkt in der Kehre, erfolgt über den Bach und ist nicht gekennzeichnet. Vermutlich litt die Markierung unter den Bauarbeiten des Radlwegs, oder wurde durch ein Hochwetter weggeschwemmt.

Abzweigung in Richtung Aufstieg gesehen

Wer den alten Steig im Lärchenwald dem technischen Weg über die Radlstrecke vorzieht, der zweige über den Bach ab. Nach 100 Hm treffen beide Steige wieder zusammen, kurz nachdem der Radlweg von der orographisch rechten Seite des Tettensbaches auf dessen linke Seite wechselt. Beide Steige überkreuzen sich in der Folge bis zum Tuxer Joch häufig und zu Ungunsten des alten Steiges, der von Böschungen der Bauarbeiten des Radlweges überschüttet und nicht wieder hergestellt wurde.

Bachquerung hinüber in den Wald in dem der alte Tuxersteig verläuft

Zum Aufstieg benutzt man lieber den alten Steig, der in seiner Ausbildung zwischen Länge und Steigung für den Geher ein ausgewogeneres Verhältnis aufweist als der technisch gestaltete Radlweg. So bleibt zu hoffen, daß der alte Tuxer Steig, den es seit Jahrhunderten gibt,  durch stete Begehung eine gewisse Renaissance erleben wird.

schöne Anschauungsfläche am neu gebauten Radlweg

Dem neuen Weg ist, wenn schon nicht steigergonomisch, so zumindest geologisch ein gewisser Einblick auf interessante Gesteine abzugewinnen, die im Zuge der Bauarbeiten freigelegt wurden und noch in unverwittertem Zustand studiert werden können. Kurz nach dem Bauübertritt findet man eine schöne offene Fläche von Dolomitmarmor in der Böschung rechts dem Weg.

Dolomitmarmor

Wenige Meter darüber taucht links eine schön sichtbare Trennfläche zwischen Kalkphyllit links und Kalkmarmor rechts auf, die sowohl durch ihre völlig konträren Strukturunterschiede als auch durch ihre Farben eindeutig zu unterscheiden sind.

links Kalkphyllite, rechts Kalkmarmor

Im Verlauf des Steiges trifft man weitere jung freigelegte Flächen an, wenn auch nicht mehr solch schön studierbare wie die beiden Vorgenannten.

Bänderkalk (blaugrau)

Allmählich leitet der Steig im „Klamml“ auf die flacheren Hänge der Tettensgrube über. Eine Klamm ist lediglich weit oben am Tettensgrat zu vermuten, die Flurbezeichnung Klamml ist somit unverständlich.

in der oberen Tettensgrube

Nach wenigen Minuten ist die leichte Anhöhe von Tettensbrunn erreicht, von der das Tuxer Joch erstmals eingesehen werden kann und auf der sich ein paar Meter links des Steiges Reste einer Schaferhütte befinden. Die restliche Strecke zum Joch über die obere Tettensgrube erfolgt links des Baches, der kurz nach der Flachstelle überquert wird.

Flachstelle Tettensbrunn

In Gemeinschaftsarbeit der Jungbauern Tux und Schmirn wurde das Gipfelkreuz am Tuxer Joch – das auch einmal Schmirner Joch genannt wurde – 2016 erneuert, das 1960 in Erinnerung an die Abtrennung von Tux vom Schmirner Gemeindegebiet von denselben errichtet wurde. Ein schönes Holzkreuz mit Metalleinfassung in Blickrichtung zur Hornspitze ziert die Jochhöhe.

phänomenaler Blick auf die Hornspitze

Allerdings gibt es mit dem Speichersee der Hintertuxer Gletscherbahnen auch eine technische Zier auf dem die Tuxer von den Zillertaler Alpen trennenden Joch auf 2.338 m.

Speichersee am Tuxer Joch

Leider konnte eine Hinweistafel mit der sagenhaft weit zurückreichenden Geschichte der Region nur in liegendem Zustand gelesen werden. Der gutgemeinte Rahmen aus Baumästen hat den Wettern am Joch nicht standgehalten und ein neuer massiverer Aufbau ist dafür wohl nötig.

die informative Geschichtstafel leider den Windeinflüssen erlegen

Beeindruckend in ihrer Wirkung liegt die Hornspitze kurz vor dem Ende des gut 5,7 km langen Südgrates der sich von der höchsten Region der Tuxer Alpen, vom Lizumer Reckner und Geier bis zum Tuxer Joch erstreckt. Der erste Kilometer der Strecke wird mit der Besteigung der Hornspitze zurückgelegt und bis unmittelbar zum Gipfel des Geiers bleibt das Gestein Kalkphyllit.

Blick auf die Wustkogelserie (grüne Gneise im Hintergrund) am Rücken zur Hornspitze

Vom Joch zieht ein breiter Rücken ein paar Minuten gegen die Hornspitze, der sich nach und nach zum Grat ausformt.
Im unteren Teil, etwa 200m vom Tuxer Joch entfernt, begegnet man an der Abbruchkante zur Tettensgrube hin einer verwachsen und gefaltet aussehenden Gesteinsschicht. Es handelt sich dabei um Gneise der sogenannten Wustkogelserie, die wegen ihrer charakteristischen grünen Farbe leicht zu erkennen sind (man vergleiche sie mit der Farbe der Felsen am Pfannköpfl, nördlich des Tuxer Joch Hauses, das bald im Aufstieg zu sehen ist.)

Blick nach Westen mit den Gneisen der Wustkogelserie im Vordergrund

Allmählich, ab etwa der Hälfte der Strecke bis zur Hornspitze, formt sich der Rücken schmal und steilt mächtig auf. Dort beginnt die Gratausbildung mit einem kurzen Wegstück, das nach Westen gerichtet ist und von dem es rechts in den Schafleger und links in „de Hoarn“ abfällt. Obwohl ein deutlicher schmaler Steig auf die Hornspitze führt ist dieser abschnittsweise nicht bis zur Erde ausgetreten und man steigt über Wiesenflecken bis zur nächsten Steigspur weiter.

Blick nach Süden auf die Hochfläche vor der Frauenwand

Diesen Wiesenflecken ist vor allem im oberen Teil des Aufstiegs Aufmerksamkeit zu widmen, da sie sich bei Nässe durch Regen, Gewitter oder des Morgens, sowie unter Altschnee des Frühjahrs und nach ersten Schneefällen im Herbst zur perfekten Gleitbahn entwickeln können, die keine Haltemöglichkeit bietet.

im Reich des Kalkphyllits angekommen

Abgesehen von solcherart verzichtbarer Abenteuer bietet der Steig bis hin zur beeindruckenden ersten Kluft am Grat ein aussichtsreiches Aufstiegsvergnügen, vorwiegend über Bergwiesen und ohne nennenswerten Höhenverlust zwischen den Graterhebungen bis zur Schlüsselstelle, die in etwa in 35 bis 40 min vom Tuxer Joch aus erreicht wird.

Schwarzphyllit

Es handelt sich bei der Schlüsselstelle um eine etwa 20 Hm messende Kluft (man kann sie auch Kamin nennen, jedoch passen die Maße oben nicht ganz zu diesem Ausdruck) direkt im Gratverlauf, die im Durchschnitt einen Meter breit sein dürfte und mit einer Schmalstelle, die nahe an der rechten Kluftaußenseite erklettert wird.

der eindrucksvolle Grat zur Hornspitze

Zu Beginn muß in die fast geschlossene Kluft seitlich eingestiegen werden bis sie sich zum Kamin weitet.

Detail der Kluft; unten eng, nach oben breiter werdend und am Ausstieg nur über die Außenseite zu überklettern

Im Verlauf, der sich zur Mitte hin bis auf geschätzte zwei Meter verbreitert, wird meist leicht kletternd aufgestiegen mit wenig Gehstrecke etwa mittig. Im obersten Teil verjüngt sich der Kamin unter Mannesbreite und der weitere Weg wird durch die schmale Kluft sichtbar, jedoch muß diese Stelle erst erklettert werden und sie nach hinten zu durchsteigen unternimmt man erst gar nicht, wenn man nicht mit Romans Maßen aufwarten kann.

am unteren Teil der Kluft

Die Überwindung dieser obersten Engstelle fruchtet nur über die Außenseite und dazu muß man etwas an die Luft hinaus. Der Versuch des Abspreizens wie im Kamin mußte aufgegeben und die Engstelle an ihrer rechten Außenseite über eine durchaus griffige Passage etwas luftig überwunden werden. Dabei leistet die Gegenseite der Kluft durchaus den einen oder anderen Tritt, jedoch ohne Abspreizen.

nach dem Überklettern der Kluft zurückgeblickt; dort wo die Kluft breiter wird kommt man auf der Außenseite herüber

Nach dieser Schlüsselstelle folgt ein kurzes, fast ebenes Stück am Steig mit einer wenige Meter dahinter aufragenden zweiten Felskluft. Diese ist jedoch nicht mehr so hoch und in der Ersteigung leichter, da sie keine Engstelle aufweist und fast völliges Gehgelände darstellt.

zweiter Aufschwung zur Hornspitze

Der obere Ausstieg aus dem Fels erwies sich recht erdig schmierig und rutschig. So, rutschig, erwiesen sich auch die Schneereste auf dem langen Gras am kurzen verbleibenden Steig über 25 Hm zum Gipfelkreuz, deren Auswirkungen bei einem Ausrutscher fatal wären.

den Gipfel der Hornspitze gleich erreicht

Das interessante Gipfelkreuz wurde vom Kolsasser Peter Mader im Jahr 1986 errichtet. Angesichts seiner 34 Jahre Dienst am Gipfel gegenüber den Unbilden der Wetter sieht es phänomenal gut aus und der Peter wird es wahrscheinlich auch regelmäßig warten ist anzunehmen. Der Konstruktion des Gipfelkreuzes zu entnehmen ist, daß der Erbauer Techniker sein müßte, zumindest verwendet er Edelstahl bei den DIN-Schweißflanschen und Schrauben für das Herzstück.

Hornspitze, 2,650m gegen Gfrorene-Wand-Spitzen und Olperer

Aufgrund der Dominanz der Hornspitze im Süden (Entfernung Kleiner Kaserer 3.920 m) bietet sich ein atemberaubendes Panorama in Richtung Olperer und Gefrorene Wand Spitzen.

Aufstieg auf die Hornspitze vom Tuxer Joch aus; im Hintergrund Gfrorene-Wand-Spitzen und Olperer

Die Sichtweite durch die Dominanz der Hornspitze gegen den Westen (Entfernung Hogerspitze 5.680 m) und Norden ist noch beeindruckender, sie reicht bis weit in die Stubaier Alpen und im Norden, über die Tuxer Alpen hinweg sogar bis tief ins Karwendel, bis zur Karwendelhauptkette.

Blick nach Südwesten, in der linken Bildhälfte die Hohe Warte (Hogerspitze)

Die Gipfel der Südlichen Sonnenspitze sowie die Kaltwasserkarspitze und die Birkkarspitze in immerhin 37,5 km Entfernung sind gut zu sehen.

im Nordwesten die Tuxer und dahinter von links die Mieminger rechts davon Karwendelgipfel

Gegen Nordosten und Osten reicht der Blick von der bizarren Kalkwand über den Rastkogel über die Gipfel des Wilden Kaisers bis zur Watzmann-Mittelspitze und an guten Tagen bis zum Hochkönig (71,4°) in 114 km Entfernung im Osten.

im Nordosten links die Kalkwand, rechts davon Gipfel des Wilden Kaisers bis zum Hochkönig

Beeindruckend sind auch die Tiefblicke ins Schmirntal sowie ins Weitental bzw. nach Tux, interessant auch der Blick auf die kupierte Hochfläche vor der Frauenwand, die so wenig zu den umliegenden Steilflächen paßt.

phänomenaler Ausblick auf die höchsten Gipfel im Tuxerkamm der Zillertaler Alpen

Eine rasch aufziehende Wolkenfront von Nordwesten beendete den mit einer Stunde ungewöhnlich langen Gipfelaufenthalt. Der Abstieg bis zum Tuxer Joch nimmt mit gewandter Kletterei etwa eine dreiviertel Stunde in Anspruch, bei der Notwendigkeit von Sicherung über die Schlüsselstelle entsprechend mehr Zeit.

vor der unteren Kluft

Wie schnell Wetteränderungen vordringen – am Gipfel war es windstill – kann man abschätzen indem man die Gipfelfotos in den Nordwesten mit dem Foto nach dem Abstieg bei der Ankunft am Tuxer Joch vergleicht.

Blick an der Engstelle der Kluft zurück auf die Abkletterstelle

Die Abkletterstelle sieht im Rückblick extremer aus als in Wirklichkeit. Zu beiden Seiten gibt es genügend Griffe und Tritte, hier kommt es vorwiegend auf Technik an – und nach ein wenig probieren klappt es.

wieder am Tuxer Joch, schlechtes Wetter im Aufzug

Nachdem Eile geboten war, um nicht nass zu werden, konnten von den interessanten verwitterten Gesteinsproben am Wegesrand in der Tettensgrube nur ein paar Fotos angefertigt werden und ihre Erkundung musste warten.

ausgewitterte Hohlräume zwischen den Quarzgängen?

Am unteren Teil des Tuxer Steiges verfehlte der Verfasser in der Kehre den alten Steig nicht und erkundete diesen. Etwa in der Hälfte des Steiges wurde Windwurf angetroffen, der leicht umgangen werden konnte.

Abzweig vom Radlweg auf den alten Tuxer Steig

Am Weg talauswärts begann es zu tröpfeln und wie berechnet hielt sich der Regen gerade noch bis zur Ankunft beim Gasthof Kasern in den Wolken.

aus dem Kaserer Winkel nach Kasern

Die Tour führt auf einer Strecke von 5,7 km über 1.035 Hm Anstieg zum Gipfel, gesamt wurden für die Besteigung der Hornspitze knapp 2,5 Stunden benötigt. Die Gesamtzeit mit einer Stunde Gipfelaufenthalt betrug 5 Stunden.

Mils, 10.10.2020