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Schitour Sumpfkopf, 2.342m

Für eisig kalte Hochwintertage stellt der Sumpfkopf im vorderen Schmirntal eine sonnige Alternative dar und durch die Hangneigung, die durchwegs unter 35° bleibt, ebenso bei erhöhter Lawinenwarnstufe. Allerdings ist gut zu wissen, daß der Sumpfkopf dem Föhn gegenüber in ziemlich exponierter Lage steht, was vor allem nach dem Erreichen des langen Aufstiegsrückens zum Gipfel spürbar werden kann.

kurz vor dem Gipfel am Sumpfkopf

Die Schitour auf den Sumpfkopf wird von einem Parkplatz (1.557 m) vor einem Gehöft bei einer Linkskurve, gut 300 m vor dem ehemaligen Gasthaus Edelraute gestartet. Eine längere Variante beginnt beim Parkplatz Schmirn Leite in St. Jodok, etwa auf 1.140 m, die den Nachteil hat, daß lange auf, oder neben der Straße aufgestiegen werden muß. Sie wird hier nicht beschrieben.

einige Meter vom Parkplatz zum Aufstiegshang

Um den Parkplatz vor der Edelraute zu erreichen, muß im Ortsteil Aue auf der Schmirntalstraße links, Richtung Rohrach, abgebogen und etwa 500m talauswärts gefahren werden, bis die Straße zur Edelraute rechts abzweigt. Ein „Kettenpflicht“ Schild mit der Ausnahme allradgetriebener, bergwärts fahrender Fahrzeuge befindet sich am Beginn der Straße. Mit einer geschätzten Kapazität des Parkplatzes von zehn bis zwölf Fahrzeugen bei sparsamer Belegung und sorgfältiger Räumung empfiehlt sich eine frühe Anreise.

am Hang vor dem Weg in den Wald

Vorbei am Gehöft, wenige Meter hinter der Kurve erfolgt der Aufstieg bereits mit Schi. Ein kurzer freier Hang wird mit wenigen Richtungswechseln hinten gelassen, bevor einem Forstweg gefolgt wird, der östlich in den Wald eintaucht und mit mäßiger Steigung über gut zehn Minuten eine Kehre erreicht.

Rückblick auf die kalte Talseite (Bildmitte Parkplatz auf die Ottenspitze)

Selbst im späten Dezember erreichen diesen Waldweg bereits gegen halb zehn Uhr erste Sonnenstrahlen und ab der Kehre findet die gesamte weitere Schitour unter Sonne statt, die in den Hängen oberhalb des Weges selbst im Hochwinter beeindruckend Energie spendet.

am Weg in den Wald

Weiter wird dem Forstweg etwa 20 min bis zur nächsten Kehre durch den dichten Wald gefolgt, durch den man – von der Kehre aus – eventuell sogar eine Abfahrt finden könnte. Wir entdeckten aber keine Spuren und ließen auch bei der Abfahrt das Abenteuer aus, eine Passage zu finden.

bei der ersten Kehre

Wenige weitere Minuten nach der Kehre öffnen sich bergwärts tolle freie Hänge mit vereinzelten Baumgruppen in mäßig steilem Gelände unter 35°, die bei geeigneter Wahl der Kuppierungen großteils an Stellen unter 30° begangen werden können (siehe TIRIS Geländekarte mit Neigungsfarben).

ober den Bäumen Aufstiegsgelände zum Bergrücken

Der Beginn der Hänge führt vorbei an einer östlich vom Aufstieg liegenden Jagdhütte mit links liegenden kleinen Lawinenrutschungen im steileren Gelände, die im Zusammenhang mit den Schneefällen der vorangegangenen Tage und dem Altschneeproblem des Spätherbstes zu sehen waren.

Aufstieg über herrliche Wiesen; im Hintergrund bereits das Ziel sichtbar

Weiter oben auf den Hängen verdichtet sich der Baumbewuchs ein wenig und eine Flachstelle leitet in den oberen Teil der Hänge zum Bergrücken über. Bei dieser idealen Stelle für eine Trinkpause kann das Panorama der Brennerberge genossen werden.

auch steilere Passagen kommen vor, die aber umgangen werden können; hier ein Rutscher aufgrund vom Altschneeproblem

Im obersten, letzten Teil der Hänge mußten wir, nachdem bisher keinerlei Wind zu spüren war, plötzlich föhnige Böen aus Südost feststellen, die sich zum breiten Rücken hin zum dauerhafte blasenden Wind entwickelten, der uns die rechte Gesichtshälfte lahmlegte und damit zu Windschutzkleidung  zwang.

Herwig und Andrea mit bester Laune

Die bisher durchgehend noch eher unverdichtete, jedoch nicht mehr pulverige Schneedecke weichte am Bergrücken stark abgeblasenen Wiesenpolstern an den leisesten Kuppen. Die Flächen zwischen den Kuppen waren windgepresst harschig zu begehen.

am Übergang – die Windarbeit bereits am Untergrund sichtbar

Am Gegenhang im Norden allerdings erwies sich weniger stark windbeeinflusste Verhältnisse  und am Aufstieg zur Gratkante fanden wir wieder weichere Oberflächen vor, allerdings nun versetzt mit Triebschnee.

am Bergrücken vom Hochgeneiner Joch zum Sumpfkopf

Am Grat, dem Weidezaun entlang, bis zum Gipfelkreuz, das sich noch eine Weile hinzieht, herrschten dann wieder dieselben windbeeinflussten Verhältnisse wie bei Erreichen des Gratrückens.

der Rücken zieht sich lange dahin bevor die Grathöhe erreicht wird

Das Gipfelkreuz am Sumpfkopf befindet sich auf der südlich vorgelagerten Gratkante, etwa 30 Hm tiefer als die geodätisch höchste Erhebung im Grat. Nicht verwunderlich, da es ja vom Schmirntal aus sichtbar sein soll und das wäre der geodätische Gipfel nicht.

tolle Fernblicke zum Tuxer Hauptkamm mit dem Olperer

Vom direkten Grat wird es über eine Geländemulde erreicht und bietet einen phantastischen Überblick über das Schmirntal und die aufstrebenden Gipfel der Zillertaler Alpen, die auf der Talgegenseite im Schmirn beginnen.

am Zaun am Grat entlang

Viele der schönsten Schitouren aus dem Schmirntal liegen direkt vor dem Auge des Betrachters. Ganz links im Osten beginnt der Reigen mit dem Fischers Napf (Napfenspitze), vom Kaserer Winkel aus türmt sich der Kleiner Kaserer auf, über dessen Nordflanke eine beeindruckend schöne und rassige Schitour führt und im Blick nach Südwesten vor diesem – nahezu Dreitausender – befinden sich die Schöberspitzen, die wir tags zuvor bei Eiseskälte auf der Nordseite bestiegen.

Herwig und Andrea am Sumpfkopf, 2.342m

Die beiden kleinen Ziele Hoher Napf und Rauer Kopf schließen an den bestechend schönen Gipfel der Hogerspitze (Hohe Warte) an, bevor deren Westgrat die Erhebungen der Gammerspitze, der Riepenspitze und der niedrigsten im Grat, der Ottenspitze trägt. Ein gewaltiges Panorama alleine auf der Südseite im Schmirn.

phantastischer Blick ins hintere Schmirntal mit den Schöberspitzen und dem Kleinen Kaserer im rechten Bilddrittel

Im parallelen Grat des südlichen Valsertals erblickt das versierte Auge den Kluppen, der eine phantastische Frühjahrsschitour bietet. Weiter westliche im Grat folgt der Kraxentrager mit dem nördlich vorgelagerten Sumpfschartl, der noch nördlicher gelegenen Saxalmwand und schlussendlich, am Teilgrat zum Brenner hin Silleskogel, Vennspitze und Padauner Berg. Die Gipfelpyramide des Wolfendorn bildet den Abschluss des Nordtiroler Teils der Zillertaler Alpen.

Hogerspitze, Hoher Napf, Rauer Kopf, Gammerspitze und Riepenspitze im südlichen Schmirn vereint

Im offenen Südwesten befinden sich die landschaftlich schönen und einfachen Schitouren auf Niedererberg und Fradersteller, die Allerleigrubenspitze und Hoher Lorenzen, sowie die beeindruckende Tour auf den Obernberger Tribulaun.

(direkt beim Seil beginnend) Kluppen, Kraxentrager, Sumpfschartl, Saxalmwand, Silleskogel, Vennspitze, Padauner Berg und der schöne Spitz des Wolfendorns

Weiter nach Westen gedreht, auch vom Obernbergtal aus finden sich Muttenkopf, Rötenspitze und der Leitnerberg. Ganz im Westen, vom Gschnitztal aus fällt der Blick auf den Padasterkogel, die Kesselspitze und die Peilspitze.

im Südwesten: Niedererberg, Fradersteller, Allerleigrubenspitze, Hoher Lorenzen, Obernberger Tribulaun

Im Grat weiter gegen Osten befindet sich Schafseitenspitze, die vom Navistal aus begangen wird und eine schöne Schitour mit einem rassigen Gratkopf, der überschritten wird, darstellt. Ihre Nordabfahrt bleibt meist lange nach Neuschneefall pulverig.

Obernbergtal mit: Muttenkopf, Rötenspitze, Leitnerberg. Padasterkogel, Kesselspitze, Peilspitze

Zur Rast an dem kalten windigen Tag wählten wir eine vermeintlich geschützte Stelle in der Mulde zum geodätischen Gipfel, die aber nicht bot was wir glaubten zu finden. So fiel die Gipfelrast kurz aus und bestand im Wesentlichen aus der Einnahme von Höhenmedizin und ein paar Minuten den Blick schweifen lassen.

Bei der Abfahrt über den langgezogenen Nordhang des Sumpfkopfes hielten wir uns weit tiefer als im Aufstieg mit dem Vorteil, daß sich die Schneequalität dort merklich besser erwies und Schwünge ohne viel Kraftaufwand zuließ.

letzter Teil des freien Hangs oberhalb dem Forstweg

Über den abgeblasenen Rücken mußten wir durch die Grasbüschel hindurch zirkeln, bevor das Gustostück, die schön kupierten Hänge hinab zur Forstweg in Angriff genommen werden konnten.

letzte Schwünge hinab zum Weg

Mit Freude starteten wir die Talfahrt auf einer bereits fortgeschritten umgewandelten und verfestigten Schneeoberfläche die erhöhten Kraftaufwand beim Schwung erforderte. Pulverbedingungen auf Südhängen haben eben eine kurze Halbwertszeit. Insgesamt jedoch, das Erlebnis über den schön besonnten Hang hinab und die Landschaft bewertet, blieb ein empfehlenswerter Eindruck vom Herzstück der kurzen Schitour auf den Sumpfkopf.

unterer Hang bei der Edelraute

Sofern man keine Abenteuer durch den Wald eingehen möchte, besteht die restliche Abfahrt aus dem Forstweg, auf dem aufgestiegen wurde. Reizen würde die Erkundung der ausgeholzten Fläche unterhalb der letzten Kehre im Aufstiegssinne aber schon. Sie müßte direkt auf die erste große frei Fläche des Aufstiegs führen. Ein nächstes Mal gibt es die Muse dafür.

mit den letzten weiten Schwüngen

In 3:10 Stunden, incl. etwa 20 min Aufenthalt am Gipfel absolvierten wir die nette kurze Schitour auf den Sumpfkopf. Der gesamte Aufstieg beträgt knapp 800 Hm und die Streckenlänge bis zum Gipfel etwa 4 km.

Mils, 27.12.2020

Schitour Schöberspitzen, 2.602 m

Die beiden Spitzen werden in der Literatur im Verein genannt, wobei alpinistisch die nordwestliche, mit 2.580 m niedrigere Spitze erstiegen wird, so auch im Winter als Schitour.
Im beginnenden Wildlahnertal von Toldern im Innerschmirn aus steigt man über mittelsteile Wiesen und einem kurzen Waldstück in ein weites unbewachsenes Hochtal ein, das in einem Sattel endet, über den der Sommeraufstieg zum Ramsgrubner See führt. Beim Winteraufstieg wird ein gutes Stück vorher abgezweigt und der See rechts umgangen. Das schönste Stück ist der Nordosthang zur Scharte und der kurze steile Gipfelaufbau.

Gipfelkreuz Schöberspitzen

Ausgangspunkt der ansprechenden Schitour bildet der Parkplatz am Beginn des Wildlahnertals auf 1.530 m. Am linken Hang führt ein Almenweg zu den Almhütten, der bald verlassen wird.

tolle Lichtspiele über dem Wildlahnertal

Bald taucht man in eine auffällige, seichte Senke ein, die ihren Ursprung weit oben hat und aufgrund des fehlenden Bewuchses somit als ein Lawinenstrich erkannt wird. Als Zeichen für die Richtigkeit dieses ersten Gedankens beim Blick nach oben sind weder Almhütten, noch signifikanter Baumbestand zu finden.

unterer Teil des Lawinenstrichs vom Riepenkopf

Über diese Senke wird mit ein paar Serpentinen das kurze Waldstück mit dem tief eingeschnittenen Sommerweg erreicht.

Querung Richtung Wald

Im unteren Teil im Wald ist der Sommerweg so tief eingeschnitten und teilweise mit Windbruch verlegt, daß sein talseitiger Begrenzungswall den leichtesten Aufstieg bildet und sich auf dem Buckel einige kurze Richtungswechsel ergeben, die in der Begehung unangenehm sein können, aber kurz ausfallen.

Beginn kurzes Waldstück

Das sich bald lichtende Waldstück leitet über auf eine steilen Hang, der von wenigen Lärchen gesäumt wird und auf dem die Baumgrenze rasch erreicht wird.

Waldstück oberer Teil

Auf Höhe einer vereinzelten hohen Lärche am Weg, etwa auf 2.030 m, vor Querung einer leichten Rippe in die sogenannte Ramsgruape, tritt die nordwestliche Schöberspitze, jene die das Gipfelkreuz trägt, erstmals in voller Größe ins Blickfeld.

Stefan nach dem Wald, im Hintergrund Hoher Kopf und Napf

Gleichzeitig wird nach der Rippe der Blick bis in die hinterste ansteigende Ramsgruape frei an der sich die Einsattelung zwischen der nördlichen Schönlahnerspitze und den Schöberspitzen befindet, hinter der das Tal des Kaserer Winkel abfällt. Auf diese Einsattelung führt der Sommerweg, die Schitour zweigt vorher ab.

der Blick auf das Gipfelziel freigegeben

Einige Minuten wird in der Ramsgruape aufgestiegen, bis sie recht flach wird und nach weiteren zehn Minuten an einen Hang zur Rechten heranführt. Der Hang stellt den Abzweigepunkt vom Sommerweg dar, er wird in Serpentinen aufgestiegen.

Aufstieg in die Ramsgruape hinein

An dieser Stelle überholten uns zwei Kollegen, die die Tour gut kannten und Franz die Spur ab dem Hang zog.

im flachen Teil der Ramsgruape

Der frische Tiefschnee fiel tags zuvor unter signifikantem Windeinfluß, weshalb wir in Abständen hinter Franz aufstiegen. Die Route kann in diesem Gelände günstig gelegt werden, sodaß keine Neigungen mit 35°, oder steiler, begangen werden müssen.

nach dem Abzweig vom Sommerweg auf den Hang zum Ramsgrubner See

Den Windeinfluß vom Vortag spürten wir an den Neigungswechseln durch dünenartige Wechten im Lee mit windgepressten schneearmen Luvseiten sehr eindrucksvoll.

Sattel zwischen Schönlahnerspitze und Ramsgrubner See

Zum Ramsgrubner See hinauf verflacht das Gelände wieder und die Kuppe erwies sich sehr windgepresst bis zum nahen See auf 2.360 m hin, der in etwa in 100 m Entfernung linker Hand liegt und der durch den Richtungswechsel zum Aufstieg auf den Gipfelhang hin liegen gelassen wird.

Aufstieg im unteren Teil des Nordhangs zum Gipfel

Der Gipfelhang führt über mäßig steiles bis steiles Gelände auf die Scharte zwischen die Schöberspitzen.

der Gipfelaufbau bereits sichtbar, Franz spurt

Die Routenwahl kann unter größtmöglicher Vermeidung von steilem Gelände erfolgen, wobei etwa mittig im Nordhang eine kurze Stufe um 35° nicht vermieden werden kann, Franz sie aber ausgeklügelt spurte.

die Gruppen mit Abstand nachfolgend

Ein bis zu den Berggräsern abgeblasener Schartenbereich in Verbindung mit einem schneidig kalten Wind erwartete uns nach dem schattigen Nordaufstieg.

Gipfelhang oberer Teil

Der Franz spurte unbeeindruckt die steile Südflanke der Gipfelrippe auf den breiten Rücken der Schöberspitze.

Aufstieg im Rückblick

Die Spur legte er in guter Kenntnis entlang des unsichtbaren Sommerwegs leicht steigend auf den Rücken an, auf dem man, mit wenigen Spitzkehren sowie die letzten Meter in direkter Linie, in ein paar Minuten den Gipfel erreicht.

Querung Südflanke der nordwestlichen Schöberspitze

Die Schöberspitzen stehen zwar im Schatten des um knapp 500 Hm mächtigeren Kleiner Kaserer in der Gratkette zum Olperer hin die dominante Position einnimmt, der Rundblick beeindruckt trotzdem.

Anstieg auf dem Gipfelrücken

Mit der geringen Entfernung von knapp 2 km verdeckt er den Ausblick von den Schöberspitzen gegen Südosten, der mit 3,7 km in fast doppelter Entfernung liegende, südlichere und knapp 900m höhere Olperer ist mit seiner charakteristischen bauchigen Eiswand der Nordflanke in voller Pracht zu bestaunen.

links der Olperer, Fußstein, Schrammacher und rechts die Sagwandspitze

Weit reicht die Sicht gegen den Norden der Zillertaler Alpen und die folgenden Entfernungsangaben beziehen sich auf die Lage des nordwestlichen Gipfels mit dem Gipfelkreuz, nicht aber auf die Gipfelmarkierung der südöstlichen der Schöberspitzen im Kartenwerk!

Hohe Warte (Hoger) auf der Talgegenseite

Der Gipfelspitz der Hohe Warte (einheimisch: Hoger), mit 2,9 km Entfernung im Südwesten und mit den Stubaier Alpen im Hintergrund gelegen, bietet eine eindrucksvolle Landmarke.

Blick in die Tuxer: Hornspitze mit Nebelkrause und links der Lizumer Reckner

Eher  im ganz Norden als bedeutend östlich liegt der markante Grenzberg zwischen Tuxer und Zillertaler Alpen, die Hornspitze, in 3,2 km Entfernung und links davon, mit einer Distanz von knapp 7,7 km zu den Schöberspitzen erhebt sich deutlich der Lizumer Reckner, der höchste der Tuxer.

Talblick auf den Aufstieg in der Ramsgruapn

Die Abfahrt von den Schöberspitzen erfolgt direkt vom Gipfel, oder falls die Strecke an der Südflanke des Gipfelhangs rechts der Scharte ausgeapert ist, vom Schidepot in der Scharte entlang des Aufstiegs über den Nordhang hinab, bei unserer Begehung durch extrem tiefen Pulverschnee, großteils als eingewehter Triebschnee.

staubige Abfahrt durch über den Nordhang

Nach der Flachstelle westlich vom Ramsgrubner See entlang dem Aufstieg gibt es zwei Möglichkeiten:

Abfahrt in die Ramsgruape bei besten Verhältnissen

Kenner wie der Franz und sein Tourenkamerad nahmen die direkte Linie durch eine sich verbreiternde Mulde, Ramstal genannt, die auch im unteren Waldbereich die Normalabfahrt darstellt.

Ramstal nach oben geblickt

Andere bevorzugen die Beibehaltung der Aufstiegsroute zur Abfahrt in die Ramsgruape, die durch eine mächtige Rippe vom Ramstal getrennt im Norden davon liegt.

die Ramsgruape in ihrer vollen Pracht

Letztere Abfahrt ist die flachere und sonnigere und mündet beim Erreichen der Baumgrenze wieder in das untere Ramstal ein, bevor der Ramsbacheinschnitt diese Seite wenig erstrebenswert befahrbar werden läßt.

Herwig im unteren Teil der Ramsgruape

Über die Aufstiegsroute fanden wir beste Verhältnisse in Pulverschnee und wenig verspurtes Gelände vor, das die große Gruppe, die bereits früher den Gipfel verließ, vorzeichnete. Dieser Teil der Abfahrt ist speziell im Frühwinter der sonnigste. Die schönsten Hänge sind wohl auch dort zu finden.

hinab und links ins Ramstal

Über diese Hänge und an der flachen Stelle in der Ramsgruape konnten wir nicht widerstehen die Verhältnisse in der bärigen Landschaft filmisch festzuhalten.

Allmählich, während der Abfahrt verdichtet sich beim Queren in das untere Ramstal der Lärchenwald zum richtigen Waldgürtel mit Fichten und Tannen, durch die sich eine schmale Schneise mit Staudenbewuchs ausbildet.

weiter links haltend im unteren Ramstal

Bei unserer Befahrung im Tiefschnee erwies sich das Umrunden der Staudenbüschel als leicht fahrbar, bei Altschnee- oder Bruchharschverhältnissen dürfte sich die steile Passage eher anstrengend erweisen.

von oben links kommt man aus der Ramsgruape

Anschließend folgt eine kurze freie Fläche, oberer Ramser genannt, die sich etwa 100 Hm dahinzieht und sich abermals zu einem dichteren Bewuchs mit nun dichtem jungem Baumbestand und Staudenwerk verjüngt.

schmale steile Passage durch Staudenwerk

In diesem Hinderniswald gibt es nur schmale Durchschlupfe, die im steilen Teil die Abfahrt zur schweißtreibenden Angelegenheit mit rascher Reaktionsnotwendigkeit werden läßt. Eine lustige abschließende Prüfung des Tourenfreunds.

am oberen Ramser

Direkt neben dem Ramsbach endet die Abfahrt durch das gleichnamige Tal an der Mündung zum Wildlahnertal, am Weg zu den Almen auf der orografisch rechten Seite des Wildlahnertals. Der Weg führt direkt zum Ausgangspunkt zurück, wobei man den Bach zweimal queren, oder auf der rechten Seite bleiben kann.

Talblick vom oberen Ramser

In beiden Fällen gibt es eine kurze Schiebestrecke und wer diese unter allen Umständen zu vermeiden versucht erlebt direkt am Bach je nach Schneelage eine kurze Heeresgrundausbildung durch das Unterholz.

Rückblick auf die Abfahrt durch die dichten Waldpassagen

Die Abfahrt von der Ramsgruape kann auch am Aufstiegsweg erfolgen, womit man sich das untere Ramstal erspart. Bei dieser Variante erfolgt ein kürzerer, flacherer Waldabschnitt als bei unserer Wahl.

unterhalb der dichten Waldabfahrt im unteren Teil des Ramstales

Eine weitere Variante stellt die Abfahrt von der Scharte zur Ochsnerhütte ab, wobei nach der Ochsnerhütte der Verlauf zum nächsten Wegpunkt, einem Almgebäude genau im Süden der Ochsnerhütte mit der Bezeichnung „Felixners Oberalmstadl“ (Flurbezeichnungen TIRIS) schwierig ist. Nach diesem Wendepunkt führt die Abfahrt genau westlich hinab ins Wildlahnertal. Eine direkte Abfahrt von der Ochsnerhütte erfordert wegen schroffiger Abbrüche Geländekenntnis.

im Wildlahnertal angekommen, Ausfahrt am Weg

Die Schitour auf die Schöberspitzen erforderte eine Gesamtzeit von 3:53 Stunden, incl.  einem kurzen kalten Aufenthalt am Gipfel von gut 20 min. Der gesamte Aufstieg beträgt 1.115 m und die Streckenlänge bis zum Gipfel knapp 4 km.

Mils, 26.12.2020

Schitour Lämpermahdspitze, 2.595 m

Mit ihrer Steilflanke auf den Gratrücken des Serleskamms beeindruckt die Lämpermahdspitze spätestens nach dem Durchschreiten der Matreier Grube, nach Ankunft im Karkessel unterhalb des Kalbenjochs beim Blick nach Nordwesten. Bis weit nach oben einzusehen, zieht sich der Steilhang aus dem Karkessel der Lämpermahdspitze entgegen, bzw. auf den Grat, südwestlich vor dem Gipfel. Der Hang erfreut sich durch die südliche Ausrichtung auch im Hochwinter exzellenter Beleuchtung und stellt somit über die letzten 500 Hm eine sonnige Schitour dar, die aufgrund ihrer Steilheit um 40° im Früh- und Hochwinter aber auch wohl geplant sein will.

Lämpermahdspitze, 2.595 m

Für unsere Begehung lag eine denkbar gute Grundeinstufung vor mit Stufe 2 (>2.200 m) und Schwachschichten im Sektor NW bis NO, jedoch mit Schwachschichten in Sonnenhängen >2.300m und schneearmen Stellen, sowie die berühmten Übergänge im kammnahen Bereich (allerdings herrschte in den Tagen zuvor Südwind, d. h. der Gratübergang lag im Luv).

Aufstieg über den Steilhang der Lämpermahdspitze von der Peilspitze aus gesehen (rechter Bildteil)

Ausgangspunkt bildete der geräumte Parkplatz bei der Matreier Ochsenalm von wo sich schon ein recht umfassender Blick über den gesamten unteren Teil des Aufstiegs bietet, sowie auch vom Tagesziel, der Lämpermahdspitze selbst. Leicht abschüssig geht die Reise neben den Loipenspuren los bis in den aufgelockerten Talwald hinein, vor dem die Mulde endet und mit leichter Steigung der Aufstieg beginnt.

Start vom Parkplatz bei der Ochsenalm

Nach 1,8 km und 200 Hm sanftem Anstieg erreichten wir eine steile Rippe, die ein enges Tal ausformte, mit sichtlich steilem Anstieg darüber. In der Meinung, daß der Aufstieg irgendwann auf die südliche Seite – in der wir von der Ochsenalm aus zwei Tourengeher aufsteigen sehen haben – überwechselt, stiegen wir im Couloir auf.

vor der steilen Talstufe in die Matreier Grube

Leider erfolgte kein Wechsel auf die Südseite der Talstufe unterhalb der Matreier Grube, das Gegenteil war der Fall. Die Spuren folgten etwa dem Sommerweg in – zu oberst – sinnloser Steilheit über durch Abfahrtsspuren verdichtete Schneeoberflächen in der Rinne.

rechts nach oben führen die Spuren

Endlich, an einer recht schmal werdenden Stelle im Couloir, querten sie Spuren auf die Begrenzungsrippe hinaus, jedoch nicht auf die erhoffte, sondern auf die nördliche.

auf der Rippe nördlich dem Couloir

Auf der Rippe mußten wir vorsichtig über die Latschen steigen, die sich teilweise durch die noch ungenügend dicke Schneedecke heraus bäumten.

wieder Richtung Süden zur Matreier Grube

Nach wenigen Dutzend Höhenmetern auf der Rippe verflachte die Aufstiegsspur und leitete fast eben auf das entfernte Weidegatter zu, hinter dem sich die Matreier Grube, eine leicht steigende Hochfläche mit nennenswertem Zunternbewuchs, ausbreitet.

in der Matreier Grube angelangt

Die Matreier Grube zieht sich mit durchschnittlich 13° über 240 Hm einen guten Kilometer gegen das Kalbenjoch hin und am Ende des Anstiegs in die Karmulde wird der steile Südhang der Lämpermahdspitze immer besser einsichtbar.

am Weg durch die Matreier Grube

Schattseitig über die gesamte Strecke erfolgte unser Aufstieg ohne Sonne zur Zeit der Wintersonnwende und zum Trost über den kalten thermischen Wind vom Kalbenjoch gereichten uns tolle Blicke auf den südlich gelegenen Grat mit einigen steilen Rinnen, die bereits befahren wurden.

Ende der Matreier Grube

Gegen Ende des Aufstiegs unter das Kalbenjoch blickten wir in einer südlich gerichteten Spitzkehrensequenz die schroffe Nordseite der Peilspitze, einem anderen tollen Tourenziel im so andersartigen Brennermesozoikum inmitten der Stubaier.

erster Blick auf den Südhang der Lämpermahdspitze

Schlussendlich hatten wir den Karkessel erreicht und anhand der Bilder ist auch ersichtlich, daß wir schon weiter unten eher nördlich hätten abzweigen sollen, um direkter an die Südflanke der Lämpermahdspitze heran zusteigen.

im Karkessel angelangt, vor uns der Südhang der Lämpermahdspitze

Andererseits ermöglichte unsere Position übersichtlichere Fotos von der Gesamtszenerie um die Erhebung mit dem seltsamen Namen „Ober der Mauer“ (auf den auch Schitourenbeschreibungen führen und die früher Kamplspitz genannt wurde) bis zur Lämpermahdspitze.

Steilhang der Lämpermahdspitze

Ein paar Minuten über einen Moränenhügel benötigten wir zur Nordquerung, zum Fuße des Südhangs, in dem eine Spur bis hinauf unter die ersten Felsen erkennbar war.

 

Ansicht talauswärts, im Hintergrund die Tuxer Alpen

Gleichzeitig tauchten wir in die sehr erwünschte Sonne ein, die weiter oben bereits tauenden Effekt auf die teilverfestigte Schneeoberfläche hatte und somit im steilen Gelände für gute Haftung sorgte.

Rückblick auf den Karkessel, im Hintergrund die Peilspitze

Unterhalb des ersten Felstürmchens (2.430 m, im Aufstieg links im Hang) eignet sich ein Schidepot, sollten die Verhältnisse eine weitere Schibegehung nicht zulassen. Wir nutzten die ausgekolkte Flachstelle direkt am Felsfuß als Trinkpause und beschlossen mit Schi weiter zu steigen.

am Weg zum untersten Felsturm

Zwei Kollegen, die bereits bei der Abfahrt waren, als wir unten in den Hang eingestiegen sind, haben anhand der Trittspuren offenbar ab dort ihr Schidepot angelegt.

Herwig am untersten Felsturm angelangt

Das Gelände wird ab dort steiler. Wir schafften den Aufstieg unter Schi bis zum nächsten Felsvorsprung, etwa auf 2.490m und ließen es dort bleiben. Die Schneelage nahm darüber deutlich ab.

die jungen Burschen haben uns überholt

Wir legten im Schutz des Felsvorsprungs das Schidepot an, so wie zwei recht fitte junge Burschen, die uns kurz vor dem Felsvorsprung überholten.

am Felsvorsprung, den wir als Schidepot nutzten

Die letzten 100 m stapften wir zweiter zum Gipfel, wobei die Grathöhe in einem Sattel etwa mittig im Anstieg erreicht wurde, der Hang dorthin seine größte Steilheit erreicht und bei unserer Begehung auf den letzten 25 Hm wenig Schneeüberdeckung zeigte – gut, das Schidepot bereits unterhalb angelegt zu haben.

im Stapfmodus geht es hinter den jungen Kollegen her

Der restliche Gratanstieg zur Lämpermahdspitze erwies sich recht breit und angenehm zu begehen. Es gibt ein paar kleine Stufen, im Wesentlichen steigt man aber auf einer schrägen Ebene zum Gipfelkreuz.

knapp unterhalb des Gratsattels; wie man erkennen kann wenig Schnee unterhalb des Grates

Das Gipfelkreuz auf der Lämpermahdspitze, eine schöne Schmiedeeisenkonstruktion mit einer ebenfalls kunstvoll geschmiedeten Dornenkrone um das Kreuzzentrum herum, beeindruckt weil nicht alltäglich. Das rostige Hufeisen bringt wahrscheinlich Glück, wurde aber sicher nicht vom Erschaffer des Kreuzes geplant, eher nachträglich ergänzt.

am Gratrücken zum Gipfel der Lämpermahdspitze

Der Sockel der Konstruktion trägt den ursprünglichen Bergsteigergruß „Berg Heil“, der mittlerweile nicht mehr allgemein in Gebrauch steht, mit Ausnahme des Handschlags am Gipfel.

bäriges Gipfelkreuz auf der Lämpermahdspitze

Trotz mittlerweile mäßigen Wetters besticht die Aussicht auf der Lämpermahdspitze. Die dolomitisch gebaute Serles im Norden kann wohl nur von diesem Standplatz aus so eindrucksvoll betrachtet werden.

Serles fast genau im Norden

Der Tiefblick auf die Waldrast läßt den unteren Teil der Tour gut erkennen, rechts dahinter der gerade Blick in das Navistal und die hohen Tuxer Gipfel.

Ansicht Bereich von Maria Waldrast mit dem Navistal im Hintergrund

Im Süden erhebt sich die Peilspitze und im Südwesten die Rötenspitze, der Muttenkopf und die Tribulaune, wovon der Obernberger Tribulaun als bäriges Schitourenziel begangen werden kann.

Peilspitze und Zillertaler Alpen im Hintergrund

Die Kesselspitze im Westen bildet die Verbindung im Serleskamm, dessen zweithöchste Erhebung sie nach der Kirchdachspitze sie darstellt. Ihr Gipfelbereich ist geologisch sehr interessant, er wird von roten Liaskalken gebildet.

die Tribulaune im Süden

Einer der Burschen, die uns überholten, nahm die Schi mit auf die Lämpermahdspitze und fuhr über den Grat zum Sattel ab.

majestätische Kesselspitze im Südwesten

Wir beobachteten seine Abfahrt aus der Scharte (über den südlicheren Teil des Hangs) und stellten fest, daß sich die Mühsal die Schi mit auf die Scharte zu nehmen nicht gelohnt hätte.

 

Tiefblick auf den Steilhang vom Gipfel

Um dem zwar nicht starken, aber lästigen Wind zu entgehen beschlossen wir ebenfalls den Gipfel nach Betrachtung der Umgebung zu verlassen und eine kurze Rast beim windstillen Schidepot einzulegen.

Abstieg über den steilsten Abschnitt zum Schidepot

Der Abstieg erwies sich angenehmer als beim Aufstieg erwartet. Mit den Fersen voran stiegen wir sicher zum Felskopf ab von wo die Aussicht diesmal sehr direkt ins malerische Valsertal beeindruckte. Tolle Schitouren können dort unternommen werden, unter anderem die Alpeiner Scharte, die Hohe Kirche, der Kluppen, das Sumpfschartl, die Saxalmwand und der Silleskogel, um die schönsten zu nennen.

herrlicher Ausblick vom Schidepot ins Valsertal; Hintergrund Zillertaler Alpen, von Olperer bis Wolfendorn

Zur Abfahrt sei zu sagen, daß sie für uns an diesem Tag in Ordnung war und sich nach mehreren Tagen ohne Schneefall, sowie viel an Sonnenbestrahlung natürlich keine Pulverabfahrt beschreiben läßt.

Abfahrt über den Steilhang

Der Gewinn am Erlebnis erfolgt im Winter durch den Aufstieg. Im Frühjahr mag das Firnerlebnis die Abfahrt aufwerten.

Schwünge ohne viel Druck

Im unteren Teil querten wir gegen den weniger sonnenbeschienenen Gratrücken Richtung Kalbenjoch wo sich durch etwas weniger Oberflächenverfestigung angenehmere Schwünge ziehen ließen.

Rückblick auf das Schidepot

Durch die Matreier Grube hinaus hielten wir und so südseitig im Tal (also auf der Nordseite der Peilspitze) wie möglich. Schollen und teilweise Rutscher deuteten am Hang auf die Schwachschicht hin, weswegen wir recht defensiv und einzeln abfuhren.

unterhalb dem Aufstieg zur Erhebung „Ober der Mauer“

Ziel war es, nach dem sonderbaren Aufstieg über den Sommerweg die alternative Wintervariante auf der orographisch rechten Talseite zu erkunden.

 

Ausfahrt aus der Matreier Grube – wir hielten uns so hoch wie möglich

Ziel war eine vereinzelte hohe Lärche, hinter deren Geländestufe wir des Morgens die beiden Tourengeher gesichtet hatten. Es gelang trotz des dort vorherrschenden Pulverschnees die Höhe zu halten und den Rücken zu erreichen, hinter dem sich die Talstufe in sichtbar angenehmerer Steigung aufsteigen läßt.

 

zwischen Felstürmchen hindurch auf die große Lärche zu

Es ist bei Betrachtung des dortigen Geländes sogar möglich den Übergang zur Matreier Grube wesentlich weiter unten als an der von uns angefahrenen Stelle zu wählen und somit keinen vermeidbaren Steilanstieg absolvieren zu müssen.

 

Blick über den alternativen (flacheren) Aufstieg im orographisch rechten Teil des Tales

Die Abfahrt durch das flachere Tal wartet zudem noch mit tollem aufgelockertem und kupiertem Waldgelände auf, durch das es sich fein fahren läßt. In unserem Fall war die Schneedecke mit einem bereits dermaßen harten Schmelzharschdeckel, daß unsere Abfahrt schweißtreibend und mit brennenden Oberschenkeln bis hinab zum flacheren Teil ausfiel.

 

Rückblick auf die Matreier Grube

Über den aufgelockerten Wald führt die Tour zur Ochsenalm zurück und etwa zweihundert Meter mußten wir die Schi über den Hauch von Gegenanstieg tragen.

 

Rückblick auf die Tour mit der Lämpermahdspitze im rechten Bildteil

Die Schitour mit dem rassigen Steilaufstieg absolvierten wir in 4:38 Stunden, incl.  etwa 30min Aufenthalt im Schidepot. Der gesamte Aufstieg beträgt 1.075 m und die Streckenlänge bis zum Gipfel knapp weniger als 4,5 km.

Mils, 20.12.2020

 

Schitour Naviser Sonnenspitze, 2.620 m aus dem Wattental

Immer schon keimte während des Verfassers Schitouren im Wattental die Idee auf die Naviser Sonnenspitze vom Roßboden im obersten Mölstal zu besteigen. Die Naviser Sonnenspitze stellt den rassigsten und höchsten Gipfel in der Einrahmung der bärigen Hochplateaulandschaft im Mölstal dar und ist zur Schibesteigung nur bei genügender Schneelage empfehlenswert, da sie über ihren Südhang erfolgt. Bei der Abfahrt besteht keine Notwendigkeit des Wiederauffellens am Ende des Roßbodens.

beide Gipfelkreuze der Naviser Sonnenspitze, 2.620 m

Weiters muß beachtet werden, daß der Schlussteil des Südhangs, zwischen etwa 2.530 m und 2.570  m teilweise Hangneigungen von leicht über 40° erreicht und damit entsprechende Lawinengefahr besteht. Bei unserer Begehung herrschte > 2.200 m LWS 2 und für die Südexposition eine Schwachschicht aus dem Frühwinter erst ab > 3.000 m vor, also ideale Verhältnisse für das Unternehmen.

schöner Felssockel des Gratturms der Naviser Sonnenspitze

Der Anstieg erfolgt vom Parkplatz am Lager Walchen im Wattental und der Aufstieg erfolgt über die Mölstalstraße, die im Winter geräumt wird und neben den Aktivitäten des Truppenübungsplatzes als Rodelbahn dient.

auf der Mölstalstraße kurz nach dem Lager Walchen

Lange zieht sich der Aufstieg über die unteren Almen, bis zur Kehre auf 1.720 m Höhe, bis die Spuren in den Wald führen und ein eher flacher aber landschaftlich reizvoller Aufstieg durch alte Zirben- und Lärchenbestände führt.

Sebastian im tollen Zirbenwald im Mölstal

Gegen Ende des Aufstiegs im Wald, kurz vor dem Hochleger der Mölsalm taucht die Aufstiegsspur aus dem Wald hervor und führt über ein kurzes freies Stück einschleifend auf die Mölstalstraße hinauf.

Rückblick auf den Waldaufstieg

Auf der Freifläche und im weiteren Verlauf der Mölstalstraße bis zum Roßboden empfängt den Begehr im Hochwinter meist ein kräftiger, eiskalter, thermischer Wind talauswärts, der auch bei dieser Begehung die ersten Erfrierungserscheinungen der Saison an den alten Fingern des Verfassers verursachte.

Einmündung Waldweg auf die Mölstalstraße

Dieser Wind hält meist bis über den Roßboden an und verschwindet in der Sonne – daher handelt es sich um Thermik aufgrund von Dichteunterschied, nicht um den klassischen Föhn.

links Naviser Sonnenspitze, rechts Seekarspitze

Entsprechend froh ist der Tourengeher um das Erreichen des Militärhüttchens P22 (865), da ab dort über den Roßboden Sonneneinstrahlung herrscht und der beißend kalte Wind einschläft.

Hochleger der Mölsalm

Querfeldein traten wir den kleinen Höhenverlust von wenigen Metern in die seichte Grube des Roßbodens an und hielten uns eher südwestlich, im Aufstiegssinn links vom Bacheinschnitt. Dort wo der Bach nach Nordwesten umbiegt taten wir das selbe und steuerten in recht gerader Linie den Talschluß mit den großen Felssturzblöcken an, die am Fuß des Aufstiegs zur Südwestkante der Naviser Sonnenspitze liegen.

am Beginn des Roßbodens, wir nehmen die linke Seite des Bachs für den Aufstieg

Der Aufstieg dorthin erfolgt unter leichter Steigung von etwa 10% (100 Hm über 1.000 m Horizontalstrecke). Diese Steigung reicht bei den meisten Schneearten für eine Abfahrt ohne großartiges Anschieben.

im unteren Roßboden

Hätten wir den Roßboden im Aufstieg genauer studiert, dann hätten wir klugerweise die rechte Seite des Bachlaufes für den Aufstieg gewählt, um schon eine Spur für die Abfahrt vorbereitet zu haben. Diese Erkenntnis reifte leider erst beim großräumigen Überblick des Roßbodens bei der späteren Wahl der Abfahrt vom Joch aus.

die Jungen folgen von der Militärhütte nach

Mit sanften Formen steigt der Roßboden gegen das Talende an und nachdem diese Strecke so gut wie nie begangen wird durchquerten wir eine völlig unberührte Hochfläche mit glitzernder Schneedecke. Die einzig erkennbare Spur war jene eines Schneehasen vor dem Anstieg auf das Joch, das nicht das Mölser Joch ist, sondern gut 300 m nordwestlich davon liegt.

Fotomotiv

Der Aufstieg auf das Joch ist ein Nordanstieg mit moderater Steigung < 35° Hangneigung und findet bei LWS 1 oder 2 durch entsprechende Routenwahl ohne wirkliche Lawinengefahr statt.

Aufstieg zum Bodenende

Durch die nordseitige Exposition hatten wir das Vergnügen von Pulverschnee bis zur Kuppe. Auf der Jochhöhe fanden wir natürlich wieder windgepresste Scheeoberflächen vor.

toller Hang, nicht steil

Am Joch angelangt erfreute uns zunächst das atemberaubende Gelände der Tuxer und des großen verschneiten Kessels der Knappenkuchln mit einem gewaltigen Blick im Hintergrund auf die hohen Zillertaler Dreitausender in etwa 15 km Entfernung.

atemberaubende Landschaft am Ende des Mölstals

Wie zu erwarten änderte sich die Schneebeschaffenheit nach Umrundung der Südostkante der Naviser Sonnenspitze drastisch.

gleich nach der Mulde auf das Joch

Durch die Steilheit des Geländes und den stumpferen Sonnenwinkel bildeten sich frühjahrsähnliche Schneeverhältnisse aus und nachdem der letzte Schneefall bereits viele Tage zurücklag hatte sich die Schneedecke teilweise sehr kompakt verfestigt mit oberflächlicher Aufweichung zu feuchtem Altschnee gegen die Mittagszeit hin. Die Bedingungen waren somit günstig, den Steilaufstieg in der Südflanke zu unternehmen.

atemberaubende Landschaft der Tuxer

Mit dem Gipfelkreuz im Blick zirkelten wir unter angenehmer Routenwahl durch die Felssturzblöcke hindurch, bis etwa in 2.460 m Höhe der fast völlig freie Steilaufstieg in Angriff genommen werden konnte.

der Aufstieg über den Südhang beginnt

Auch auf diesem Anstieg war es notwendig die Spur erträglich um die Steinbrocken zu legen, da die Schneehöhe im Steilstück sich noch als dürftig erwies.

zunächst steigen wir über die Ausmuldung weiter nordwestlich

Das steilste Stück im Aufstieg befindet sich unter und links vom markanten Felsvorkopf unterhalb des Gipfelkreuzes auf dem Felsturm.

schönes Aufstiegsgelände

An diesen Stellen erreicht der Aufstieg die Höchstneigung von knapp über 40°. Die Talseite des Vorkopfes ist flach ausgerundet und eignet sich für eine letzte Pause etwa 40 Hm unterhalb des Grates.

die Jugend im unteren Teil des Steilhangs

Wir umrundeten den Vorkopf links über eine schmale Rinne, die mit ein paar Spitzkehren durchstiegen wird und querten auf die Flachstelle auf der Hinterseite des Vorkopfes, um von dort aus die letzten Höhenmeter zum Grat in Angriff zu nehmen.

Sebastian und Manuel beim Spitzkehrentraining

Von der Flachstelle aus bietet sich auch ein toller Blick auf das Gipfelkreuz am Felsturm der Naviser Sonnenspitze.

bereits über der Flachstelle des Felsvorkopfs am Weg zum Gratkamm (schöne Kalkmarmorbänder im Felsturm der Naviser Sonnenspitze

Just die letzten 5 Hm in der Südflanke waren bereits aper und wir mußten die Schi abschnallen, um sie am Grat für die letzten Höhenmeter zum Schidepot zwischen den beiden Gipfelkreuzen wieder zu verwenden.

Manuel und Sebastian auf der Flachstelle des Felsvorkopfs

Der isoliert stehende Felsturm der Naviser Sonnenspitze weist an seinem Fundament markante Schichten von gelbem Kalkmarmor auf, deutlich zu unterscheiden vom Hauptgestein dem grauen Quarzphyllit.

letzte Meter am Südanstieg

Recht spät für die lange Tour erreichten wir gegen 13 Uhr den Gipfel, der uns deshalb allein beschieden war. Etwas früher sind an diesem Tag ein paar Tourengeher von Navis aufgestiegen, wie im Gipfelbuch zu lesen war und allgemein wurde sie in diesem Frühwinter noch wenig bestiegen.

am Gratkamm zum Gipfel der Naviser Sonnenspitze

Vor einer leichten Brise wieder kalten Südwinds suchten wir unterhalb des geodätischen Gipfels zur kurzen Rast Windschatten und entdeckten dabei eine im Notfall komfortable höhlenartige Vertiefung direkt unter dem Gipfelfelsen. An ihrem Mundloch rastet man einigermaßen windgeschützt.

Sebastian und Manuel auf der Naviser Sonnenspitze

Die Abfahrt wählten wir wegen wenig Schnee in der Südflanke über den Normalweg Richtung Naviser Jöchl.

Abfahrt Richtung Naviser Jöchl

Im steilen Bereich mußten wir für 50m Weg die Schi abschnallen und über ein paar apere Felsstellen tragen. Unten auf der ebenen Fläche wendeten wir uns wieder in Richtung Mölsjoch und fuhren mit wenig Höhenverlust östlich zurück zum Südhang an dem wir aufgestiegen sind.

im Steilabschnitt mit kurzem Tragen der Schi

Für die Abfahrt durch die felsigen Hänge unterhalb des Steilhangs benutzten wir die Aufstiegsspur, die wir entsprechend angelegt hatten und langes Überlegen über die beste Route überflüssig werden ließ.

Abfahrt ohne viel Höhenverlust nach Südosten Richtung Joch

Zurück am Joch konnten wir angenehm feststellen, daß die Schi kaum Blessuren erlitten hatten. Die Abfahrt vom Joch auf den Roßboden erfreute uns im oberen Teil mit pulverigem Schnee.

Abfahrt in die Flanke unterhalb der Steilhänge der Naviser Sonnenspitze

Die beste Wahl für eine lange Fahrt mit wenig Gegenanstieg vor der Militärhütte erschien uns in der Querung der Südostflanke der Naviser Sonnenspitze und, den Schwung ausnützend, eine geradlinige Fahrt bis auf den Rücken, der den Mölsbach westlich begrenzt.

der Schwung genügt, um bis zum leichten Buckel zu kommen

Dort hielten wir nochmals an, um die beste Route für wenig Gegenaufstieg zu wählen. Die Begrenzungen des Mölsbachs verebnen sich in diesem unteren Teil und er kann in gerader Linie überfahren werden, um mit Schwung auf die Gegenseite aufzufahren. So blieben uns etwa fünf Meter Höhendifferenz zum Weg und zur weiteren Abfahrt, die mit Tretteln leicht zu überbrücken waren.

gut ausgewählte Abfahrt – ohne Schieben am letzten Buckel angekommen

Somit kann der Roßboden als durchaus attraktives Abfahrtsgelände ohne Gegenanstieg für die Tour angesehen werden und möglicherweise hätten wir in der Aufstiegsspur eine genügend feste Spur gehabt, um die fehlenden fünf Meter Gegenaufstieg mit der Fahrtenergie zu überwinden.

die letzten fünf Meter am Gegenhang zu Tretteln

Die restliche Ausfahrt aus dem Mölstal unternahmen wir großteils auf der Rodelbahn.

schöne Abschlußansicht bei der Ausfahrt aus dem Mölstal – rechts die Naviser Sonnenspitze

Für die schöne Tour mit rassigem Steilaufstieg benötigten wir 5:30 Stunden, incl.  etwa 35min Gipfelaufenthalt. Der gesamte Aufstieg beträgt 1.225 m und die Streckenlänge bis zum Gipfel etwa 8,5 km.

Mils, 19.12.2020

Grünstein, 2.661 m – Überschreitung von Grünsteinscharte

Markant vom Inntal und dem Mittelgebirge aus gesehen, bestimmt der Grünstein das Westende der hohen, zusammenhängenden Gipfel in der Mieminger Kette. Nach Westen hin trennt ihn – von seinem Gipfelkreuz hinabgeblickt – der 900 Hm tiefe Einschnitt des Marienbergjochs vom Wannig, dem letzten Gipfel der Mieminger, bevor die Kette der Deckenüberschiebung ihre ferne Fortsetzung in der mächtigen Heiterwand im Westen findet.

Abstieg zum ersten leichten Gratköpfl

Als Bergtour über den Normalweg vom Hölltörl aus, durch das Riffeltal, mag der Grünstein als eine wenig attraktiv zu ersteigende Schottergrube erscheinen, der Aufstieg auf den Ostgrat aus der Grünsteinscharte ist geologisch interessant, bergsteigerisch mäßig, jedoch schön. Der Grat selber (ab Pkt 2.475m) ist einfach zu begehen, bietet wenig bergsteigerische Höhepunkte oder Herausforderungen und wird großteils eher als Gratrücken empfunden.

Grünstein Ostgrat und Gipfel von Locherboden aus (Vordergrund Wankspitze)

Beim Aufstieg auf den Grat warten mit einem geologischen Einschub in den sonst so monotonen ungebankten Wettersteinkalk interessante Besonderheiten.
Diese beginnen in der obersten Höllreise, knapp unterhalb des schluchtartigen Einschnitts auf den Grünstein Ostgrat, der westlich der Grünsteinscharte eine sonderbare topografische Form für einen von einer Scharte ausgehenden Grat bildet. Das Geheimnis der von unten nicht zu überblickenden unerwarteten Erscheinung ist leicht erklärt – der Hauptgrat biegt bereits weiter westlich nach Norden um wobei die massive Grünsteinschuppe1 eine Art Südsporn ausbildet, der einen talbildenden Kerbriss gegen die Scharte hin ausformt der als steiles Tal zwischen zwei Graten empfunden wird. Die Füllung dieses – vom Autor als Riss empfundenen – Tales dürfte bei der Deckenaufschiebung vollständig durch Reichenhaller Schichten erfolgt sein, betrachtet man die Geofast Karte 116 – Telfs2.

Grünstein Geologie – Geofast Karte 116 – Telfs

Trümmer und Bruchstücke aus diesem vermeintlichen Tal können bereits im beeindruckend langen Aufstieg zur Grünsteinscharte bestaunt werden – und sind sie anderer Farbe oder Form als die generelle Umgebung, so fallen sie auch dem geologischen Laien ins Auge. Ein schönes Exemplar von Rauhwacke der Reichenhall Formation lag gleich neben dem Steig in einer Höhenlage > 2.200 m.

in der Höllreise auf etwa 2.200m unterhalb der Grünsteinscharte

Dieses Handstück enthält zur Verwunderung des Autors rötliche Kalke (Dolomite?) und gleicht keineswegs der üblichen Rauhwacke, die beispielsweise im Karwendel zu finden ist.
Es weist die typischen Merkmale des Zellenkalks auf, das feine Gespinst aus übrig gebliebener Matrix nach dem Auslaugen des Gipses, sowie gleichzeitig, mit den vollständig in Matrix eingebundenen Bruchstücken, typische Merkmale eines Konglomerats.

Rauhwacke und Konglomerat der Reichenhaller Formation aus der Grünsteinschuppe

An der Grünsteinscharte nehme man sich die Zeit und betrachte beide aufgehenden Grate (Westgrat der Griesspitze / Grünstein Ostgrat). Bereits Otto Ampferer3 beschreibt deren Verschiedenartigkeit, die mit dieser Beschreibung tatsächlich auch dem Laien auffällt. Weiters ist die Beschreibung der Reichenhaller Formation am Grünstein Ostgrat von Hubert Miller6 zu erwähnen.

Blick jenseits der Grünsteinscharte zu den Taja Köpfen (man beachte die unterschiedlichen Gratansätze von der Scharte)

Von der Grünsteinscharte führt gegen Westen das steile Tal in dem sofort nach dem Ende der Schuttrampe und dem Erreichen des festen steilen Felses die Unterschiede zum Wettersteinkalk, der die senkrechten Flanken bildet, sichtbar werden.

Radlfahrer- und Grünsteintürme im aufgehenden Grünstein Ostgrat

Reichlich Geröll der Reichenhall Formation, in Form und Farbe zur schroffen Südflanke unterschiedlich, geleitet über ein paar Minuten Steigzeit zu einer Engstelle, die auch eine niedere Geländestufe bildet.

durch die Reichenhaller Schichten auf den Grünstein Ostgrat

Da sie auch das Trichterende des darüberliegenden Schuttkars darstellt, fanden wir die Flanken und die Klüfte zum Ersteigen der Stufe erdgefüllt und etwas verschmiert vor, die mageren Tritte und Griffe dadurch leicht rutschig und etwas knifflig zu durchsteigen. Ein Schlaghaken deutet auf Abseilaktionen über diese Stelle hin, die jedoch nur zur Bergung notwendig wären, nicht zum Abklettern über die Stufe.

Simon stürmt über die Reichenhaller Gesteine im bizarren Gelände voran

Das erdig, schuttige Gelände im Trichtergelände oberhalb der Stufe stellt für den Bergsteiger ein wenig attraktives Terrain dar und er ist froh, wenn er nach wenigen Höhenmetern auf schmierigem Untergrund eine kleine Grathöhe erreicht, die unterhalb eines Felskopfes nordwestlich auf den Hauptgrat hinüber führt und er damit das sonderbar interessante Gelände der Reichenhall Formation verlassen hat.

Simon an der Engstelle bzw. Geländestufe zum Grünstein Ostgrat

Im Rückblick, nach einigen Höhenmetern am bröselig erodierenden Grat, kann der Unterschied der geologischen Formationen gut erkannt werden. In Bildmitte wird die Reichenhall Formation durch den linken (nördliche) und rechten (südliche) Wettersteinkalkflügel eingebettet. Form und Farbe der Felsen unterscheiden sich deutlich.
Im weiteren Gratverlauf bis zum Gipfel des Grünsteins herrscht dann ausschließlich ungebankter Wettersteinkalk vor.

Vereinigung der Wettersteinkalkflanken des Kerbrisses (nach Ansicht d. Verf.) der Grünsteinschuppe; letzte Sondergesteine der Reichenhaller Schichten rechts neben Simon

Erneut nach einigen Minuten des Aufstiegs wird der Punkt 2.475 m erreicht (verzeichnet in der AV-Karte), der den Abschluss des Aufstiegs aus der Grünsteinscharte über 200 Hm markiert und von dem aus ein erster Überblick über den weiteren Gratverlauf möglich ist. Am Weg dorthin verwundert die ungewöhnliche Kleinstückigkeit des Bruches im dortigen Kalk.

Rückblick auf die Vereinigung der seitlichen Wettersteinkalksporne mit den Reichenhaller Schichten mittig liegend (Form und Farbe!)

Die Einschätzung, die knapp unterhalb von Pkt. 2.475 m über den Gratverlauf getroffen werden kann, ist recht übersichtlich und vollständig. Sowohl der nordseitige Aufstieg etwa mittig in der Überschreitung – über den in der Folge berichtet wird – als auch Pkt 2.563 m sind gut zu erkennen.

erster Überblick über den Grünstein Ostgrat

Auch wenn man über die Girlanden zwischen den Festpunkten noch keine Detailansichten hat so ist der Grat im Verbund mit diesem Blick und dem nach Studium der Längsansicht bei der Fahrt von Locherboden aus für einen Gratkenner und -liebhaber recht gut einschätzbar.

westliche Hinterseite des Gratköpfls

Ein erster rundlicher und leichter Gratkopf stellt sich nach einigen Metern Abstieg sodann in den Weg, der frontal in Angriff genommen wird und jenseitig, im unteren Teil, eher auf der Nordseite zur folgenden Scharte abgeklettert wird. Die scharfe Scharte bildet den Wechsel zurück auf die sonnige Südseite des Grates.

nordseitiger Abstieg in die Scharte

In leichtem Gelände geht es weiter, vorwiegend in Gehgelände, mit Einlagen von kurzen Kletterstellen auf die nächsten höheren Graterhebungen. Ab und zu begegneten wir Steinmandln, die auf einer direkten Gratroute ihrem Zweck nie gerecht werden und somit sehr häufig sinnlos gesetzt sind. Sinnvoll wären sie immer dort wo vom Grat in Flanken abgewichen werden muß. Mit diesem Erlebnis hat wahrscheinlich schon jeder Freund von Gratüberschreitungen Erfahrung gemacht.

Gratpassage auf eine leichte Graterhebung

Bei einem wuchtig aufstehenden Grataufschwung, dem man sein Band der Begehung im dunklen Norden gleich ansieht, erwartet den Bergsteiger ein wenig klettertechnische Prüfung.

Annäherung an die wuchtigste Graterhebung mit nordseitiger Bewältigung

Die Scharte im Vordergrund des eindrucksvollen Klotzes erlaubt einen schönen Talblick auf das Stöttltörl und die Hauptdolomittürme auf die Wankspitze (Klettersteig).

schöner Blick auf das Stöttltörl mit beeindruckendem Wechsel der Geologie zwischen Wettersteinkalk im Hauptkamm und Hauptdolomit im Südausläufer des Wanks

Das schuttbedeckte Band der kalten Nordseite des massiven Grataufschwungs führt teilweise über leicht unangenehm abschüssige Stellen, bis eine deutlich erkennbare Verschneidung die Route nach oben kennzeichnet.

herrliche und leichte Risskletterei über etwa 25 m auf die Grathöhe

Die Verschneidung gefiel uns gleich auf Anhieb, da sie schöne Risse und Stufen enthält, um durch den steilen, etwas schräg nach oben gerichteten Aufstieg wieder die Grathöhe zu erreichen.

Rückblick auf den Nordaufstieg mit herrlicher Untermalung durch den Drachensee

Bevor man an das Massiv des Grünsteins herankommt überschreitet, muss nach dem Aufstieg aus der Nordseite des Grataufschwunges noch ein zweiter, in der AV-Karte verzeichneter Punkt, der Pkt. 2.563 m, der lediglich um 100 m niedriger ist als der Grünstein selber, erklommen werden. Diesen letzten und höchsten Aufschwung erblickt man bereits direkt nach dem Nordaufstieg.

Abstieg zur Scharte (sieht schwieriger aus als er ist)

Wieder trennt eine Scharte die beiden Graterhebungen, wie könnte es anders sein. Ab dem Aufstieg aus der Nordseite bis hin zur Erhebung 2.563 m bewegt man sich vorwiegend im Gehgelände, selbst im steilen Abstieg zur Scharte.

Überblick über den folgenden Abschnitt

Und wieder führt die sinnvollste Route in die Nordseite, der Aufstieg zum Grat jedoch nicht mehr unter Kletterei sondern vorwiegend aufrecht mit teilweiser Abstützung durch die Hände.

in der Nordflanke

Selbst von dem markanten Punkt 2.563 m aus ist der Gipfel des Grünsteins jedoch immer noch nicht einzusehen.

Scharte hinab zu den Drachenköpfen (Beschreibung Geologie O. Ampferer, siehe Text)

Der Abstieg zur Scharte, die dann zum Bergmassiv des Grünsteins überleitet beträgt recht genau 50 Hm, wodurch nach der letzten Scharte noch 150 Hm zum Gipfel zurückzulegen sind.

Rückblick auf Pkt. 2.563 m

Von der markanten,  nicht einladenden Scharte, bzw. der nordseitigen Rinne am Grünstein schreibt Otto Ampferer3: „An der obersten großen Einschartung, wo eine gangbare Schneerinne von Norden heraufreicht, ist ein bituminöser zerdrückter Dolomit eingelagert.“
Es ist also anzunehmen, daß er sie begangen hat, oder, zur Feststellung der Verhältnisse, zumindest über einen Teil abgeseilt worden ist.

Stirnflanke des Grünstein Massivs; Simon blickt in die Scharte zu den Drachenköpfen hinab

Jenseits der Scharte blockiert eine mächtige Stirnwand des steil aufgehenden Grates die direkte Einsicht in das Grünstein Massiv. Wir suchten den Übergang an der untersten Stelle etwa auf Grathöhe und fanden dahinter wenig ansprechendes, monoton steigendes, schuttbedecktes Gelände vor.

Aufstieg hinter der wulstigen Stirnflanke auf den Grünstein Gipfel

Recht steil und zu einem großen Teil mit Schutt bedeckt schien uns die Flanke über ihre gesamte Höhe zu zwingen. Wir überlegten zuerst den Aufstieg im festen Fels ohne Schutt nahe der Gratkante, jedoch erreichte diese Route im oberen Teil senkrechte bis überhängende Partien, die wir nicht erkunden wollten.

unansehnliche Querung der Südflanke des Grünstein Massivs

So blieb uns nicht viel über als einen – dem Bergsteiger unliebsamen – Aufstieg zu unternehmen, und zwar die aufwärtsgerichtete Querung einer wenig strukturieren Felsflanke im Schutt.

Rückblick auf die steigende Querung aus der letzten Scharte

Gegen die Grathöhe hin bildete sich die Flanke dann gestufter aus und wir konnten trotz des enormen Schuttbelags treppenartig weitersteigen. Oben auf Grathöhe erreichten wir die letzte Scharte vor dem Grünstein, die uns sehr brüchig erschien und das Risiko nicht Wert war sie zu durchschreiten.

Umweg unterhalb der Grathöhe in die Südrinne der Gipfelscharte am Grünstein

Die Alternative bestand in der Umgehung der Scharte in ihrer Südrinne, mit etwa 25 Hm Abstieg zu einem Steinmandl hinter dem ein halbwegs taugliches Band unterhalb der Scharte durch die Rinne führte, jedoch wohl unterhalb der Scharte in der Südseite des brüchigen Gipfelaufbaues.

Simon im Rinnentiefsten (oberhalb die Gipfelscharte zu sehen)

Über die Rinne querten wir anschließend auf einem Band steil hinauf zu einem Steinmandl und von dort über wenige weitere Meter auf den Gipfel des Grünsteins. Dieser Teil unserer Gratbegehung ist auch Teil des Normalaufstiegs durch das Riffeltal.

Ausstieg aus der Rinne über einen steilen Aufstieg zum Steinmann

Sehr beeindruckend am Grünstein ist eine umfassende Aussicht, steht er doch als letzter der hohen Gipfel der Mieminger Kette, abgesehen vom signifikant niedrigeren Hochwannig, direkt vor den Lechtaler Alpen im Westen und ist durch die umgebenden Täler weit von anderen hohen Bergen getrennt.

Grünstein, 2.661 m

Der höchste Gipfel der Verwallgruppe, der Hohe Riffler ist genauso sichtbar wie der höchste Gipfel der gesamten Nördlichen Kalkalpen, die Parseierspitze.

interessanter Übergang auf die Marienbergspitzen, im Hintergrund der Wannig als westlichster Gipfel in den Miemingern

Bei der Peilung zu den vorgenannten Gipfeln (siehe Bild in der Galerie) helfen die auf gleicher Achse liegenden markanten Spitzen des Blankahorns (Peilung Hoher Riffler) und des Bergwerkkopfes (Peilung Parseierspitze). Eine Fernsicht von etwa 50 km war uns an diesem schönen Spätsommertag beschieden.

Peilung vom Grünstein zu: Hoher Riffler und Parseierspitze

Nordwärts vom Grünstein hinab geschaut findet sich ein interessantes Hochtal, zweigeteilt durch den scharfen Grat der die Drachenköpfe verbindet, das westlich liegende Schwärzkar und das östlich liegende Drachenkar, letzteres mit dem Durchstieg über die Grünsteinscharte. Drei weitere Kare, getrennt durch massive Nordausläufer der Mieminger Kette vervollständigen deren Nordseite gen Osten hin.

Tiefblick nach Norden auf die Drachenköpfe und den Drachensee, im Hintergrund die Zugspitze

Im unteren Teil des Drachenkars befindet sich der etwa 30 m tiefe Drachensee und in einer weiteren Talstufe darunter, etwa 200 m tiefer, liegt der Seebensee. Beide Wasser liegen eingemuldet in einem Felsbecken glazialen Ursprungs, wie man der sehr interessanten Arbeit von Wolkersdorfer4 entnehmen kann.
Dem etymologischen Ursprung der Bezeichnung „Drachen…“ für den See und dem darüber liegenden Kar ist Wolkersdorfer ebenfalls nachgegangen und hat bei Finsterwalder5 die slawische Ursprungsbezeichnung „draga“ als Synonym für „eine durch Abrutschung entstandene Mulde am Hang“ gefunden.

Grünstein Gipfelscharte die wir gemieden haben

Der Übergang vom Grünstein auf die Marienbergspitzen, bzw. umgekehrt, dürfte eine erstrebenswerte Tour in festem Muschelkalk (Geofast Karte: 116 – Telfs2) darstellen, die in die engere Wahl für den kommenden Sommer aufgenommen wird.

die Griesspitzen im Osten und kaum sichtbar mittig hinter deren Verbindungsgrat der Hochplattig

Deutlich erscheint der Höhenunterschied zu den höchsten Gipfeln in der Mieminger Kette im Osten und zum Niedrigsten im Westen. Der Höhensprung zu den Griesspitzen im Osten erscheint gleich markant als jener zum Wannig im Westen und zöge man eine Gerade von Östlicher Griesspitze zu Wannig, der Grünstein läge mit nur sechs Meter Abweichung nach oben darauf. Zwischen beiden Griesspitzen kann der gerade noch sichtbare Hochplattig erspäht werden.

Gipfel des Hochplattig vom Grünstein aus gesehen

In den Süden hinabgeblickt, ins Riffeltal, schaut der Abstieg weit weniger einladend aus. Die Südflanke scheint aus schlechtem Wettersteinkalk zu bestehen, mit großflächigen Verwitterungsbereichen, die sich völlig schuttüberzogenen Karen und langen, breiten Reisen ausdrücken.

Tiefblick nach Süden ins Riffeltal

Bemerkenswert am Grünstein ist der hervorragende Zustand des offenbar 53-jährigen Gipfelkreuzes und wenn es seine jugendliche Erscheinung nicht allein durch eine äußerst kluge Wahl und Ernte des Holzes verdankt, dann vielleicht zusätzlich der klugen Wahl der Konstruktion, die der Autor bei den vielen Kreuzen auf seinen Gipfeln noch nicht annähernd in dieser Form gesehen hat.

Konstruktion Gipfelkreuz Grünstein

Jeweils die oberen Horizontalflächen der Armausleger sowie der Kopfteil des schönen Gipfelkreuzes werden durch massive schmiedeeiserne Bleche abgedeckt und sind somit bis über ihre Kanten vor Unbilden der Witterung und Blitzen geschützt, ebenfalls das Hirnholz der Auslegerenden (am linken Ausleger leider bereits fehlend). Ein schmiedeeiserner Ring um das Zentrum aller vier Balken mit massiven Schraubstellen an denselben verleiht dem Kreuz die notwendige Verbandsstabilität sowie Bandagen um die Armausleger und geschraubte Laschen durch dieselben die Faseröffnung des Balkenholzes durch Wind und Wetter verhindern.

Band aus der Rinne am Abstieg – so ganz leicht ist es nicht zu begehen

Ein massives schmiedeeisernes Christusmonogramm über dem Kopfteil fängt Blitzentladungen zuverlässig ein und leitet deren Energie über Bandeisen in die Erde ab – wobei wahrscheinlich sogar die Form des „Rho“ und die Schutzpanzerung der Ausleger aufgrund der elektrischen Durchverbindung mit den Halteseilen als zwei Faradaysche Käfige wirken und damit weiteren Schutz gewährleisten.
In jeder Hinsicht ein Meisterwerk der Gipfelkreuzkonstruktion.

Normalabstieg in das Riffeltal; im obersten Bereich noch auf schuttbedecktem felsigem Untergrund

Im Abstieg oben, unterhalb des Gipfels, betritt man noch festen Fels, im eher erdigen Mittelteil kann über lange Strecken auf den Schotterreisen bequem hinab gefahren werden. Aufsteigende im Riffeltal sind im Mittelabschnitt nicht zu beneiden, sie pendeln je nach Untergrundbeschaffenheit zwischen östlicher und westlicher Begrenzung der steilen Mulde, in der der Aufstieg via Direttissima erfolgt.

Mittelteil des Abstiegs durch das Riffeltal

Gegen das unterste Drittel der Abstiegshöhe hin, kann auf der orographisch rechten Seite des Tals wieder über strukturierten, felsigen Untergrund abgestiegen werden, der immer besser wird und sich zur Freude des Begehers schlussendlich noch zu einer netten und leichten Kletterei über die letzten etwa 150 Hm entwickelt.

fester Fels erfreut nach den Schuttpartien im Mittelteil

In einer leichten Verschneidung von gut acht Meter Höhe fanden wir im untersten Teil eine Seilversicherung vor, die, möglicherweise, als die schwierigste Stelle zu bezeichnen ist, die aber ohne solche Sicherung auch problemlos zu meistern wäre.

Schlüsselteil des unteren Drittels

Der letzte Rest des Abstiegs bis zur Reise am Talfuß besteht wieder vorwiegend aus Gehgelände, teilweise mit notwendiger Abstützung mit den Händen in steileren Bereichen.

verseilte Stelle als Schlüsselteil

Am Reisengelände angelangt waren wir von den letzten Klettereien im Abstieg, die in ihrer Ausprägung mit den letzten 100 m im Abstieg vom Oberreintalschrofen verglichen werden können – jedoch weniger ausgesetzt -, recht erfreut.

Blick auf die letzten Abstiegsmeter

Zur bildlichen Dokumentation hätten wir noch die 70 Hm auf den Höllkopf aufsteigen sollen, welches wir aber der fortgeschrittenen Stunde und dem nächsten Tagesziel der Biertankstelle der Marienbergalm zum Opfer fallen ließen. Das Riffeltal mit dem schönen unteren Teil hätte sich am Höllkopf gut dokumentieren lassen und muß ein anderes Mal nachgeholt werden.

Rückblick auf das untere Drittel des Abstiegs vom Grünstein; in Bildmitte der Einstieg oben

Am Weg zur Alm reizte uns der Anblick der Marienbergspitzen welche bereits zur Begehung beschlossen waren und welchen der Simon in den Folgewochen nicht widerstehen konnte. Somit ist ein Teil der Überschreitung auf den Grünstein schon bekannt.

Wannig im Westen und unser Weg zum Marienbergjoch und der Marienbergalm

Die Runde über den Grünstein Ostgrat mit Abstieg über die Marienbergalm führt über 1.630 Hm und rd. 15 km vom Parkplatz Arzkasten und zurück. Eine Abkürzung wäre möglich, wenn am Hölltörl über die Höllreisen zum Lehnberghaus abgestiegen werden würde.

Östliche Marienbergspitze – ein nächstes Zwischenziel

Für die lange empfehlenswerte Variante, die auch den Blick auf die kühn aussehenden Marienbergspitzen ermöglicht, benötigten wir mit allen Pausen und einem Bier auf der Marienbergalm 8:30 Stunden.

Mils, 06.09.2020

1 Raffael Ferreiro Mählmann & Jürgen Morlok: Das Wettersteingebirge, Widerlager der allochthonen Inntaldecke, und die Ötztalmasse, Motor tertiärer posthumer NW-Bewegungen im Mieminger Gebirge (Nordtirol, Österreich): Seite 17

2 Geofast Karte 116 – Telfs:
Reichenhall Formation (gelbe bis ockerfarbene Rauhwacke, Dolomitbreccie, untergeordnet Dolomit und Kalk; Unteres Unteranisium)

3 AMPFERER, O.: Geologische Beschreibung des Seefelder, Mieminger und südlichen Wettersteingebirges: Seite 36-37:
„Der Einschnitt des Grünsteintörls ist ein tektonischer und der Aufbau des Hauptkammes zu beiden Seiten ein verschiedener. Der Westgrat der Griesspitzen bricht in steiler Wand zu der Einschätzung herab, die von einer Anzahl von Felstürmen besetzt wird. Der Muschelkalkzug der Nordwand bildet den untersten Teil des Grates und streicht über denselben auf die Südseite der Scharte, wo er an einer Querverwerfung abgeschnitten wird. Auf der Grathöhe schieben sich zwischen diesen vorzüglich aus Knollenkalken bestehenden Muschel-kalkstreifen und die tiefste Scharte mehrere kleine Felstürme ein, die durch Rutschflächen voneinander geschieden werden. Die östlichste Zackengruppe wird von schwarzen Knollenkalken mit schwarzen, grünen, seltener roten Mergellagen aufgebaut. Die drei kleineren, westlich daran stoßenden Zacken bestehen aus hellgrauem Kalk, der letzte niedrige Höcker vor der Scharte aus zerdrücktem bituminösem Dolomit. Die Scharte wird ebenfalls von diesem Dolomit ausgekleidet, welcher auf beiden Abhängen der Scharte bis zu den geschlossenen Schutthalden hinab reicht. An der Nordseite zieht er sich am Fuße der Kalktürme längs einer Rutschfläche gegen Osten. An der Westseite der Scharte baut er einen kleinen Höcker auf, an den der kühne, aus hellem Wettersteinkalk bestehende Grünsteinturm stößt. Auch dieser Turm ist von den westlich aufragenden Grünsteinköpfen durch eine Spalte abgetrennt. An der Südseite wird dieser große Turm noch eine Strecke weit von dem Dolomit der Scharte umgriffen. Jenseits des Grünsteinturmes erhebt sich der Hauptkamm wieder und leitet über die Grünsteinköpfe zum Gipfel des Grünsteines (2667 m). Dieser Kamm zeigt keine scharfen, hochzackigen Formen, sondern einen mehr treppenförmigen Anstieg. Flache, gegen Westen zu immer höhere Gratstücke, getrennt durch scharfe Einrisse, liegen hier vor. An der obersten großen Einschartung, wo eine gangbare Schneerinne von Norden heraufreicht, ist ein bituminöser zerdrückter Dolomit eingelagert.“

4 WOLKERSDORFER, C. (1989) Diplomarbeit: Zur Geschichte, Mineralisation und Genese des ehemaligen Bergbaues auf die Blei-Zink-Vorkommen SE des Ehrwalder Talkessels (Tirol) mit einer geologischen Kartierung (M 1:10000) im westlichen Mieminger Gebirge:
Anm.: d. Verf.:
Zur Erklärung der Entstehung von Drachensee und Seebensee: Seite 10, 52
Zur Erklärung der Entstehung der Bezeichnung Drachensee: Seite 20 ff

5 FINSTERWALDER, K. (1951): Die Familiennamen in Tirol und Nachbargebieten und die Entwicklung des Personennamens im Mittelalter. – Schlern-Schriften, 81: 1—418; Innsbruck
Anm.: d. Verf.:
Entlehnbar (Stand 01/2021) in der
Provinzbibliothek der Kapuzinerprovinz Österreich-Südtirol – Innsbruck

6 MILLER, H. (1965): Die Mitteltrias der Mieminger Berge mit Vergleichen zum westlichen Wettersteingebirge: Seite 190:
„Zwischen Wettersteinkalk eingeschuppt finden sich Reichenhaller Dolomite am Ostgrat des Grünsteins und in der Südostflanke der Handschuhspitzen.“

 

Hochwanner, 2.744m und Predigtstein 2.234m

Zu Beginn im südlichen und längsten Kamms, dem Wettersteinkamm liegt der Hochwanner, etwas östlich des Gatterls, als höchste Erhebung im Kamm. Seine Besteigung am Normalanstieg ist einfach und über einen großen Anteil an Schuttmassen mühselig, dafür entschädigt der Blick auf das Zugspitzmassiv und seine gewaltige Nordwand.

Manuel am Hochwanner, 2.744m

Eine einzige kurze Passage durch eine Aufstiegsmulde über vielleicht 25 bis 30 Hm am Weg in die weite lange karartige Zunge auf den Gipfel erzwingt den Einsatz der Hände und somit einen Ansatz von Kletterei. Am weiteren Aufstieg begegnet man kaum einem richtigen Kletterzug und setzt den Aufstieg bis zum Gipfel mit Stöcken fort – der Hochwanner, im Südanstieg im Großen und Ganzen eine leichte Bergwanderung und am Normalweg kein herausforderndes Ziel.

vor der Hämmermoosalm, ab hier scharf links weiter

Die Südseite ist durch eine einzige, sich nach oben hin trichterförmig erweiternde Verwitterungsfläche bis nahe unter den Gipfelbereich geprägt, übersät mit kleinstückigem Bruchgut, das, allgegenwärtig abgelagert und in schier unendlichen Massen vorhanden, für mühsam begehbare Felsflächen sorgt, und die in solch gewaltiger Höhenerstreckung in den Nördlichen Kalkalpen ihres Gleichen sucht.

Weg zur Rotmoosalm; hinten im Nebel bereits der Hochwanner sichtbar

Rostrot ihr Anblick, beginnend im Trichteransatz bis weit in die Gipfelflanke hinauf, viele Hundert Höhenmeter im Schutt lassen den erfahrenen Bergsteiger im Kalkgestein bereits nach dem kurzen Durchstieg durch den einzigen Felsriegel nach dem abgerundeten Südgrat die monotone Steigarbeit im Schutt erahnen. Und dennoch beeindruckt die Felsgestalt vom Wettersteinkalkfuß aus irgendwie.

Anstieg zur Rotmoosalm

Bei zweifelhaftem Wetter, im Wissen einer sicheren Begehung, beginnt die Reise, die eher eine Trainingsrunde als eine Bergfahrt darstellt, im Gaistal, am letzten Parkplatz Salzbach.

Spuren des vortäglichen Regens

Zunächst führt der breite Ludwig Ganghofer Weg, der auch als Radlstrecke genutzt wird und damit dem Heimatdichter Gedankengut durch diese schreckliche Moderne im Gebirge wenig Ehr‘ erweist, hinauf in Richtung Hämmermoosalm, auf satte Almböden mit breiter Ausdehnung nach Überwindung des ersten Buckels bis zu dessen flachen Ende.

Rotmoosalm

Nicht in direkter Linie zur Alm, sondern eher westlich an ihr vorbei, also sie rechts liegen gelassen, steigt man, um den frequentierten Ganghoferweg direkt pfadlos zu verlassen, über Wiesen zum Weg in das kurze steile Tal an dessen Hochalm die verfallene Rotmoosalm noch von einstigem Glanz kündet. Die neue Rotmoosalm befindet sich ungewöhnlich weit davon entfernt und dürfte ihren neuen Standplatz wahrscheinlich wegen der Lawine zu verdanken haben, die 2009 die alte Rotmoosalm zerstört hat und deren Reste noch sichtbar sind.

im Osten die neu errichtete Rotmoosalm

Wer über eine ältere AV-Karte verfügt wird mit einer vorerst eklatant schmerzhaften Disharmonie seines geografischen Eindrucks aus der Tourvorbereitung mit Karte im Kopf gegenüber der Realität des wahren Standortes der Gebäude im Gelände kämpfen, zu dem im Kartenwerk der 90er Jahre kein Weg vorhanden war – auch eine Erkenntnis die man nicht missen muß.

Knabenkraut, eine Orchidee

Am Hüttchen am Schotterweg zweigt westlich der Steig zum Verbindungsrücken zwischen der Hauptkette und dem vorgelagerten Predigtstein ab und führt über eine, gegen das Mitterjöchl hin, breiter werdende Einlagerung von Mergelstein aus der Kreidezeit durch das Kotbachkar. Beeindruckend steil stehen die regelmäßigen Plattenkalkwände des Predigtsteins aus den Kreidemergeln heraus und schließen dieselben zwischen ihnen und ihrer geologisch zeitverwandten Gegenseite, den nordseitigen Wänden des Hochwannermassivs, ein. Völlig begrünt, lediglich durch den Steig zerschnitten liegen die gut 100 Mio. Jahre jüngeren kreidezeitlichen Gesteine eingekeilt zwischen den triassischen steilen Felsen.

Abzweigung oberhalb der alten Rotmoosalm

Der Predigtstein zieht den Betrachter zunächst wegen seiner schier technisch aufgestellten Kalkplatten in den Bann, seine Aufstiegsroute wird aber nicht weiter in Augenschein genommen.

Blick vom Sattel nach Osten zur neuen Rotmoosalm

Das Kotbachkar wird zwischen und unterhalb der Hangschuttreisen mit etwas Höhenverlust in westlicher Richtung gegen das Mitterjöchl hin durchquert. Wer den Umweg aus dem Tiefsten der gekrümmten Murenrinne vor dem Mitterjöchl nicht mitmachen will, der folgt direkt im ausgetrockneten Wasserlauf einige Höhenmeter bis zu einer schon von weitem auffälligen Querrippe, die am mittig am Südausläufer des zum Mitterjöchl hin abfallenden Grates vom Hochwannerkar ansetzt und steil und geschwungen zur Murenrinne hin abfällt und steigt über diese bereits fast bis zur Hälfte des Grates auf.

Kotbachkar mit Blick auf die Aufstiegsrippe zum Hochwanner – in linken Bilddrittel die Abkürzungsrippe

Dabei wird man von Vegetation und geologischen Entdeckungen nicht enttäuscht und kann direkt am leichten steilen Grat hinansteigen, um den Umweg zum Mitterjöchl zu umgehen.

Rippe ab dem Mitterjöchl – etwa mittig in der Länge setzt die Querrippe vom Tiefsten der Murenrinne an

Über den restlichen Grat, der durch seine monotone Steigung und Ebenflächigkeit geprägt ist, wird die nächste Stufe erreicht, ein letzter Rest eines Muschelkalkriegels, der im östlichen und westlichen Teil des Hochwannermassivs mächtiger ausgeprägt ist und an seiner – sozusagen – schwächsten Stelle einen begehbaren Durchlass zum Kar bildet. Zu beiden Seiten des Steigs kann man die steilen und kompakten Wände, die Muschelkalk bildet, einsehen.

Aufstieg auf der Rippe zum Massiv des Hochwanners

Dennoch bietet der Anstieg ins Kar, oberhalb des Endes der Südrippe kreidezeitlichen Ursprungs, eine mit etwa 30Hm kurze und leichte Klettersequenz, die den Einsatz der Hände bedarf.

am Ende der Rippe am Bergstock angelangt

Ein steiler Riegel muß durch eine unten schmale, oben breit werdende Mulde erklommen werden. Das Gelände ist weder ausgesetzt noch bietet der Durchstieg Schwierigkeiten, nach einigen Metern Kletterei im unteren Teil kann er aufrecht begangen werden.

durch den Muschelkalkgürtel durch in nordöstliche Richtung

Oberhalb des Durchstiegs wendet sich die Route rechts, nordöstlich, dem langen und auffällig rostrot gefärbten Kar zu und spätestens mit diesem Anblick liegt klar auf der Hand, daß der Aufstieg ein mühsamer sein wird, der durchgehend mit viel rutschigen Flächen durch den Schutt gekennzeichnet sein würde.

der Felsriegel wird in der linken Bildhäfte über einen Muldeneinschnitt erstiegen

Bereits am Weg in die weite Mulde fällt der hohe Anteil an Verwitterungsflächen mit ihrer typischen Färbung und Geröllbedeckung ins Auge. Besonders stark ausgeprägte Verwitterungsflächen bestehen rechts des Kartiefsten in der Flanke auf den schmalen Vorkopf, der durch einen kurzen Grat mit dem Hochwanner verbunden ist. In diesem Hang stellt man auch die schlechtesten Steigbedingungen fest.

Ab dem kurzen Gratstück zum Massiv des Hochwanners und der Überwindung der ausgeprägtesten Verwitterungszone trifft man zwar auf die Flanke mit festem Wettersteinkalk, die gesamte Flanke ist jedoch bis knapp unter den Gipfel beeindruckend vollflächig mit Schotter überzogen, der den nicht markierten Steig teilweise unkenntlich überschüttet und zum Abweichen zwingt. Selbst im Karwendel findet man kaum feste Felsoberflächen, die unter dermaßen großen Massen von Schutt liegen. Beeindruckend und mühsam zu begehen.

das Hochwannerkar oberhalb des Felsriegels gesehen

Im obersten Teil, etwa 100 m unterhalb des Gipfels beginnend, tritt strukturierteres Gelände mit aufragenden Felsbänken zutage, an denen feste Flächen für angenehmeres Steigen zum Gipfel sorgen. Gesamt gesehen bleibt jedoch der Aufstieg auf den Hochwanner kein genussvolles Aufstiegserlebnis.

am Verbindungsgrat mit dem Vorkopf zum Hochwanner

Dem verzinkten Stahlgipfelkreuz aus den frühen 80er Jahren sieht man den architektonischen Stil seiner Schöpfungszeit an, nicht jedoch den Trotz gegen die Wettergewalten.

typischer Anblick der Flächen im Hochwannerkar

Die zu tief angeordnete Gipfelbuchschachtel enthält ein Gipfelbuch, das aus Unkenntnis des Zwecks durch viele Nichtalpinisten unter seinen Beschreibern in Mitleidenschaft gezogen wurde.

am Gipfel des Hochwanner – Rastplatz etwas abseits in Richtung Hinterreintalschrofen

Leider klarte der Himmel nicht genügend auf, sodaß einer der Zwecke der Besteigung, den Teufelsgrat zu „recognosciren“ nicht, bzw. kaum durchgeführt werden konnte. Hartnäckige Nebelbänke hielten sich, immer wieder von den Südhängen der Bergkette aufsteigend, zäh um den Gratbereich herum, sodaß eine weitgehende Inaugenscheinnahme unterblieb.

Hinterreintalschrofen und Teufelsgrat teilweise nebelfrei, nie aber ausreichend

Der Blick auf das Zugspitzmassiv war uns in der halbstündigen Gipfelrast ebenso wenig beschieden wie auf den nördlich gegenüberliegenden Blasengrat.

Reintal im Tiefblick, im Vordergrund die gewaltige Nordwand

Die südliche Gegenseite, die Mieminger Kette, war am Hochwanner gar nicht sichtbar, erst beim Abstieg zeichnete sich der Übergang der Niederen Munde ab, die Gipfel jedoch blieben weiterhin verhüllt.

Hinterreintalschrofen

Einzig die gewaltige Nordwand mit ihrem plattigen Abbruch unter dem Gipfelbereich konnten wir bis zum Reintal hinab ohne Nebel einsehen. Mit 1.400 m Wandhöhe eine der gewaltigsten Nordwände in den Kalkalpen in der die zahlreiche Bergerlebnisse und Tragödien abgespielt haben, eine schier unglaubliche und niedergeschriebene ist in einem Buch von Ludwig Grammiger1, einem Münchener Bergrettungspionier zu lesen.

Blick zum Kleinen Wanner und zur Zugspitze

Trotz des mäßigen Wetters erfreute sich der Hochwanner an diesem Tag reger Beliebtheit, was sich auch in der offenen Gipfelbuchschachtel niederschlug. Durch häufigen Zugriff und der gutgemeinten aber falschen Höflichkeit den Deckel offen zu lassen, damit sich andere eintragen können, sind schon viele Gipfelbücher dem Schimmel geweiht worden. Dies war am Hochwanner nicht der Fall, die Befürchtung besteht aber auf jedem Gipfel, daß der letzte vergisst den Deckel zu schließen.

Blick zum Kleinen Wanner und zur Zugspitze

Der Abstieg hat seine Tücken im rolligen Schutt am Weg und auf den Felsflächen, wenig erfreuend muß mit Bedacht abgestiegen werden und wo möglich benutzten wir Reisen zum Abfahren. Im Bereich des Durchstiegs hat man einen umfassenden Blick über die begrünten Flächen, deren Gesteine der Kreidezeit zuzuordnen sind, und mit dem Blick zum Predigtstein fällt die eingezwängte Lagerung dieser Schichten gut ins Auge.

Predigtstein und Gratrücken zum Hochwanner

Der Predigtstein besteht aus festem Plattenkalk, der, wie eingangs berichtet, tektonisch beeindruckend durch fast senkrecht gestellte Einzelplatten die am Grat herrlich unterschiedlich gebrochen die einzelne glatte Fläche erkennen lassen.
Möglicherweise wäre der Anstieg über seinen Nordwestgrat schöner gewesen als über den Normalweg in der Verschneidung.

Anstieg zum Predigtstein

Knapp 20 min werden für den Anstieg vom Sattel bis zum benötigt. Kurze Passagen unter Einsatz der Hände sonst im angenehmen Gehgelände und durch die Platten gut gestuft steigt man die 140 Hm hinauf zum Gipfel des Predigtsteins auf 2.234 m.

Karkopf und Hochwand im Süden gegenüber – Gratbegehung hier nachzulesen

Der Predigtstein besticht weniger durch seine Besteigung, er besticht durch seine zentrale Lage im Tal mit einen tollen Blick auf die nördlich gelegenen Hauptgipfel im Wettersteinhauptkamm, auf das Gaistal im Südwesten sowie auf die Mieminger Kette gegenüber und die Leutasch.

westliche Mieminger Gipfel und Gaistal

Deutlich ist der unter dem Wettersteinkalk liegende Streifen von Muschelkalk oberhalb den Schuttreisen zu erkennen. Auf ihm fußen die Wände des Hochwanners.

Hochwanner und Verbindungsrücken vom Predigtstein

Den Abstieg vom Predigtstein wählten wir über seine Ostseite, die, etwas tiefer, wieder in den Aufstieg von der Rotmoosalm einbindet. Von dort treten die Kalkplatten des Predigtsteins sehr deutlich ins Auge.

Weg zur Rotmoosalm mit Gehrenspitze im Hintergrund

Wir entschieden den kurzen Aufstieg auf dem Almweg zur neuen Rotmoosalm zu nehmen, um aus der Tour eine schöne Runde über Sulzlehen hinab zur Hämmermoosalm zu formen.

ostseitiger Abstieg vom Predigtstein und Leutasch in der Ferne

Außerdem war eine Einkehr auf der Rotmoosalm wünschenswert, da sich das Wetter mittlerweile freundlicher entwickelte und ein verspätetes Mittagessen eingenommen werden sollte.

beeindruckende Platten des Predigtsteins

Der Anstieg dorthin beträgt 150 Hm und 1,5 km Gehstrecke und er lohnt sich nicht nur wegen der Einkehr, sondern auch wegen der hervorragenden Aussicht am Vorsprung des Schönbergs, auf dem die Rotmoosalm neu errichtet wurde.

Ansicht Predigtstein und Hochwanner von der Rotmoosalm aus

Der Abstieg erfolgt anfänglich über Fleckenmergel der Allgäuschichten mit reicher Vegetation und grandioser Landschaft. Der Steig liegt an einigen Quellen, sodaß längere Strecken durch Letten zu begehen sind, bevor der Bach im Tal erreicht wird. Über die Ostseite des Tals führt der Steig an der im Tal gegenüberliegenden Hämmermoosalm um den Rücken herum zum Parkplatz Salzbach zurück.

Rotmoosalm und Abstieg in Allgäuformation

Die Rundtour führt auf eine Strecke von etwa 19 km über 1.886m Hm Anstieg und Abstieg, gesamt – mit allen Pausen haben wir 8:20 Stunden benötigt. Die reine Gehzeit liegt etwa bei 7:15 Stunden. Den Hochwanner selbst erreicht man ab Gaistal Salzbach in 9,1 km über 1.580 m in 4:00 Stunden.

Mils, 12.07.2020

1 Ludwig Gramminger: Das gerettete Leben. Aus der Geschichte der Bergrettung – Einsätze, Entwicklungen, Ausbildung, Episoden…ISBN:9783763370054

Hochplattig – Überschreitung, 2.768 m

Die höchsten beiden Gipfel in der Mieminger Kette verbindet ein toller leichter Grat mit einigen schönen Kletterpassagen der sich, nach dem Mittelgipfel des Hochplattig, noch etwas schärfer gegen den Hochplattig Ostgipfel hin entwickelt. Nach einem bereits rassigen Aufstieg auf den Westgipfel entdeckt man auf der gut 800 m langen Gratbegehung phantastische Passagen in mäßig schwierigem Fels. Der zeitliche Bedarf der Rundtour wird bereits im Aufstieg klar – im Sommer, bei erwarteter Gewittertätigkeit, soll dies nicht unterschätzt werden.

Rückblick auf den Hochplattig Westgipfel

Der Zug der Hochplattig Berge innerhalb der Mieminger Kette findet sich im Internet geologisch wenig beschrieben. Mit Ausnahme der an ihrem Ostfuß angelehnten Judenköpfe und dem westlich davon entstandenen Erosionsgebiet der „Jude“, findet man wenig, bisweilen vorwiegend Literatur über die Tektonik, nicht aber über die Geologie dieses Teiles in der Kette. Für den Geologen interessant sind der Westteil und der nordwestliche, wannenförmige Teil des Mieminger Gebirges, sowohl tektonisch als auch lithologisch.

schärferer Gratabschnitt Richtung Ostgipfel

Über das beeindruckend auffällige Gebiet der Jude, das den Begeher am oberen Teil des Steigs zum Gachen Blick mehr und mehr zu faszinieren beginnt, können einige kurze Beschreibungen im Netz gefunden werden, die sich am Ende dieses Berichtes zitiert finden.

schönes Gipfelkreuz am Gachen Blick

Unter den alten frei zugänglichen geologischen Arbeiten großer Wissenschaftler befindet sich eine junge, sehr interessante Diplomarbeit über den Bergsturz am Stöttelbach1 eines Geowissenschaftlers, die als Nebenerwähnung zwar nur grundsätzlich erklärend, aber dennoch, die brennende Frage enthüllt, woher die Begriffe im Zusammenhang mit dem Wort „Jude“ stammen. Nach seinen Recherchen entstammt dieser in der heutigen Form veränderte Ausdruck dem Althochdeutschen Wort „Jutta“ der so viel wie Milch bedeutet. Die Herleitung des Zusammenhangs erklärt er mit der milchigen Farbe des Judenbaches nach Niederschlagsereignissen.

Aussicht auf den Anstieg zum Westgipfel des Hochplattig

Die Arbeit zu lesen möchte der Autor unbedingt empfehlen, sie befaßt sich in sehr interessanter Weise mit dem Entstehen des unteren Teils des Aufstiegsgeländes zum Gachen Blick, dem Teil bis auf den Henneberg, sie gibt einen groben geologischen Überblick über die Südhänge der Mieminger Berge und sie enthüllt weitere Flurnamen.

beeindruckende Judenbachschlucht

Das Gebiet der Jude und der Judenköpfe wird geologisch von Ampferer2,3 beschrieben und bietet eine Handzeichnung mit der Gesteinsbestimmung im Vertikalschnitt, die der geologisch interessierte Bergsteiger auch sofort an Form und Farbe im Aufstieg erkennen kann.

die Gehängebreccie am Judenkopf in der rechten Bildhälfte sichtbar

Als sehr interessantes Detail in diesem Gebiet sollten die glazial entstandenen Gehängebreccien beschrieben werden, die – als beachtliche Seltenheit – Kornanateile aus dem Kristallin besitzen. Sie sind auf den Judenköpfen zu finden und im Abstieg vom östlichen Gipfel des Hochplattig auf der beginnenden Flanke oberhalb der Schluchtkante zu sehen – eine Lageskizze liefert Wehrli4.

 

blick in die wilde Judenschlucht

Die Flurbezeichnung „Schwz-Schiefer“ in der AV-Karte ist auf die auffälligen schwarzen Mergelschieferschichten in der Judenbachschlucht zurückzuführen, die man am Weg durch die Rauhwacke und Raibler Schichten vom Gachen Blick zum Wettersteinkalkmassiv der Kette zur Rechten zu Gesicht bekommt.

 

Simon am Wegkreuz Gachen Blick

Eine Vertikalschnittabfolge durch die Mieminger Kette als Übersicht findet man bei Becke4. Leider sind die unteren Flankenteile darauf nicht mehr zu sehen, nur der ab dem Oberplattig vorherrschende Wettersteinkalk.

 

Rückblick auf den Gachen Blick

Mit der eindrucksvollen oberen Abbruchkante der Judenbachschlucht endet der erdgeschichtlich interessante Teil des Aufstiegs. Der ab dieser Höhenstufe vorherrschende Wettersteinkalk der östlichen Mieminger Kette kann als recht fester Fels mit mehr oder weniger großen Verwitterungsflächen mit der typisch ockerbraunen Farbe beschrieben werden, die auch am Grat auftreten, nicht aber solche Ausmaße erreichen wie beispielsweise am Grat zwischen Gamskar- und Brantlspitze in der Roßlochumrahmung des Karwendels.

 

an der Latschenobergrenze und am Steigende angelangt

Der Aufstieg zum Gachen Blick wird hier nicht beschrieben, da er einen normalen Steig darstellt, der in etwa zwei Stunden zum Gipfelkreuz einer der hauptdolomitisch gebauten Vorberge der Mieminger Kette führt. Von unserem Start beim Waldschwimmbad (900 m) in Obermieming benötigten wir knapp zwei Stunden bis zum Hochpunkt auf 1.909 m.

 

in Bildmitte die schwarzen Mergelschieferschichten

Jenseits des Hochpunktes folgen etwa 30 m Abstieg zur Verbindungsscharte zum Massiv. Ab dem Tiefpunkt führt westlich ein schwach sichtbarer neuer Steig durch die Latschen nach oben, östlich brechen die Schutthänge in die Judenbachschlucht ab und haben den alten Steig bereits ungangbar gemacht, bzw. ist die Begehung über ein paar Minuten nur auf wenig einladenden erdigen und geneigten Spuren möglich – bei Feuchtigkeit ober Nässe ungangbar.

 

weglos über Schrofen hinauf

Sobald die Schluchtkante überschritten wurde steigt das Gelände in steilen, schrofendurchzogenen Bergwiesen gegen die Felswände des Hochplattigzuges.

 

am Schluchtriss angelangt

Man strebt einem deutlich sichtbaren schrägen Riss zu, der nordwestlich hinaufzieht. Er hat seinen Beginn unterhalb der Albeleköpfen und zieht beeindruckend weit nach oben zum Grat.

 

schneegefüllter Riss

Bei unserer Begehung Ende Juli befand er sich aufgrund seiner Lage und Tiefe im unteren und Mittelteil noch immer schneegefüllt und aufgrund der beachtlichen Höhe des fast schon zu Eis umgewandelten Firns erweckt der Anblick den Anschein, als würden die tiefsten Stellen über den Sommer nie ganz aper ausschmelzen.

 

im Mittelteil des unteren Aufstiegsteils, rechts neben dem Riss

Auf der rechten Kante des Risses beginnt auf etwa 2.350 m die leichte Kletterei auf gut griffigem und festem Fels. Über schräge Rinnen und Platten wird rasch an Höhe gewonnen, bis weit hinauf stets rechts der Verschneidung, im Mittelteil des unteren Teils noch eine Rippe weiter rechts (östlich) der Verschneidung.

 

unterhalb der Platte nach rechts gequert

Im mittleren Teil des oberen Aufstiegsteils näherten wir uns dem langen Riss wieder, der weiter oben sichtbar auf eine Gabelung hin ausläuft.

 

schöne Aufstiegspassagen mittig im unteren Teil

Eine freistehende, etwas über das Gelände hinausgehobene Rippe leitet in leichter Kletterei auf die Gabelung hin.

Gratrippe

An der Verzweigung ragen die Wände einer gelblichen Felskopfgruppe hoch auf und der rechte Teil der hinauf führenden Rinne erscheint wenig einladend.

Ende der Gratrippe

Das Gelände links ist nicht einsehbar weshalb wir zur Einschätzung über den oberen Rand des Schneefeldes querten und den weiteren Anstieg fanden.

am Ende des unteren Teils, hier Gabelung – weiter nach links

Eine völlig andere Geländeform fanden wir nach einigen Minuten Aufstieg nach der Querung vor. Das Gelände bestand, soweit sichtbar, aus breitem Plattengelände ohne signifikante Erhebungen, mit einförmiger Steigung gerichtet, eine typische Rutschfläche.

Rückblick auf das Plattengelände

Zum Grat hin stieg die Neigung der Felsfläche nochmals etwas an, bevor sie an der Überleitung zum Grat wieder abflachte und über Bänder bequem die Grathöhe erreicht wird.

herrliche Passagen im Plattengelände

Von der Grathöhe westwärts erreichten wir in wenigen Minuten den Westgipfel des Hochplattig, mit dem einzig intakten Gipfelkreuz der drei Haupterhebungen. Den Aufstieg zum Westgipfel bewältigten wir somit in knapp über 4 Stunden.

Simon auf der Grathöhe zum Westgipfel des Hochplattig

Trotz des nicht recht gnädigen Wetters konnten wir uns am Ausblick nach Norden erfreuen, wo die imposanten Erhebungen des westlichen Wettersteinkammes aufragen. Leider die Gipfel alle im Nebel.

Simon am Westgipfel des Hochplattig, 2.749 m

Im Westen bot ein Sonnenfenster Sicht auf die Ehrwalder Sonnenspitze mit den nahen Gipfeln der Gartner Wand und des Grubigsteins der Lechtaler Alpen im Hintergrund, im Vordergrund der Tajakopf

Blick auf die sonnenbeschienene Ehrwalder Sonnenspitze, dahinter die Lechtaler Alpen

Im Nordwesten reicht der Blick über den das Talbecken von Ehrwald einfassenden Daniel, dem höchsten Gipfel der Ammergauer Alpen und knapp rechts daneben auf den imposanten Säuling, im Norden besticht der umkehrende Zug der höchsten Wettersteinberge mit dem höchsten Gipfel, der Zugspitze.

Ehrwalder Becken mit Daniel dahinter

Im Norden hat man einen guten Blick auf einen der Übergänge im Wetterstein, dem Gatterl, das eine Einsattelung im Hauptkammm darstellt.

Wettersteinkette im Norden gegenüber, im Vordergrund der Breitenkopf, 2.469 m

Nur sehr kurz gab uns der von Süden ständig neu heraufziehende, hartnäckige Nebel die Einsicht auf unsere Gratüberschreitung frei, die wir nach etwa zwanzig Minuten Gipfelpause in Angriff nahmen.

Blick auf die Überschreitung zum Hauptgipfel des Hochplattig

Auf der jenseitigen Gratstrecke vom Aufstieg beginnt der Grat zunächst mit einem höheren Aufstieg und einem tieferen Abstieg zu einem Schärtchen hinter dem ersten Kopf, bevor ein weiterer hoher Kopf erklommen werden muß.

Abstieg hinter dem ersten Gratkopf

Nach den ersten beiden abgerundeten Erhebungen geht das Auf und Ab mit weniger Höhenunterschied weiter, teils in Gehgelände, teils mit zu überkletternden Stufen.
Eine Gratbiegung ermöglicht einen weiten Blick auf die Hochwand im Osten.

zweiter Gratkopf

Kurz danach folgt eine nicht abkletterbare Stelle die südlich zu umgehen ist, die in eine scharfe Scharte mit dem ockerfarbenen Verwitterungsmaterial abfällt von der es jenseits im Klettermodus steil nach oben weitergeht.

Simon im schmalen Schärtchen

Anschließend wird die Überschreitung wieder leichter wobei die nach Süden einfallenden Platten der Überschiebungsschuppe interessante Gratformen ausgebildet hat, die überklettert werden müssen. Die Girlandenform des Gates bietet dabei Einsichten in die dunkle Nordseite.

tolle Köpfe zu überklettern, immer in leichtem bis mäßig schwierigem Fels

Kurz vor dem Hochplattig-Mittelgipfel schlängelt sich der Gratbegehr durch ein paar nette Gratköpfchen hindurch, bevor ein Abstieg auf einer glatten Platte erfolgt, der in eine schauerliche schmale Schlucht in die Nordwand abfällt.

Rückblick auf die Gratgirlande mit dem Autor, im Hintergrund der ferne Westgipfel

Die Platte wird am Saum zum darüberliegenden Felskopf gequert, um wieder auf die Gratkante zu gelangen. Diese und der darauffolgende Abstieg leiten auf das letzte Stück zum höchsten Kopf des Hochplattig über, auf den Mittelgipfel mit der größten Höhe von 2.768 m. Dieser wird in ein paar Minuten über nur mehr wenig gestuftes Gratgelände erreicht.

Abstieg zu den Grattürmchen

Schade, daß das Gipfelkreuz zusammengebrochen beim Steinmann liegt, nachdem es offensichtlich schon vorher geflickt werden mußte.

die plattige Stelle wird direkt unter dem aufgesetzten Kopf auf den Grat hinausgequert

Wir haben uns nicht ins Gipfelbuch eingetragen, aber trotz fehlender Sicht wegen des Nebels ein paar Minuten pausiert.

Hochplattig Mittelgipfel 2.768 m mit zerstörtem Gipfelkreuz

In Richtung Ostgipfel des Hochplattig, 2.698 m spitzt sich der erste Gratabschnitt zu und wird etwas schärfer. Beste leichte Kletterpassagen folgen auf die Gehstrecke, die, beginnend am Mittelgipfel den zweiten, kürzeren Teil der Überschreitung einleitet.

Rückblick auf den Westgipfel

Die Strecke fällt nun mehr als sie steigt, es gilt auf gut 350 m Horizontalentfernung 70 m abzusteigen.

Gratabschnitt zum Hochplattig Ostgipfel, Blickrichtung zum Hauptgipfel

Durch eine bärige Abfolge von Köpfchen zu beiden Seiten hindurch trifft man auf eine tiefere Abkletterpassage, von der die Signalstange des Ostgipfels bereits sichtbar ist.

wieder durch Köpfchen und Türmchen hindurch

Am Weg dorthin folgt ein Gratstück mit kleinstückigerem Fels, auch etwas brüchiger.

bereits am Abstieg mit sichtbarer Signalstange am Ostgipfel des Hochplattig

Ein letzter steiler Abstieg mit vielleicht den interessantesten Kletterstellen der gesamten Überschreitung folgt vor der letzten Scharte, die auf das Gipfelköpfchen führt.

letzter interessanter Abstieg zum Ostgipfel

Für den Übergang von West- zum Ostgipfel wurden 1:20 Stunden benötigt.

der rassigste Abstieg vor dem Ostgipfel

Leider kann die Überschreitung nicht auf dem gesamten Verlauf eingesehen werden, da der Ostgipfel, sowie der Westgipfel verdeckt vom abwärts geneigten Grat liegt und wir hatten auch nicht das Glück den Gratverlauf bis zum Alplscharte einsehen zu können.

Simon in der Trennscharte zum Ostgipfel des Hochplattig

Beim Abstieg ins Oberplattig ist man auch bei Nebel gut aufgehoben, denn die markante Felsverschneidung im Osten leitet optisch gut über die schuttbedeckte Flanke hinab, die mit verminderter Geschwindigkeit begangen werden muß, will man nicht am steilen Schutt dahin rollen und ausrutschen.

Hochplattig Ostgipfel, 2.698 m

Die Bänder im oberen Bereich werden mit zunehmender Tiefe weniger, dafür steigen kurze Reisen in ihrer Länge an, sodaß darauf abgefahren werden kann. In Summe jedoch ist der Schrägabstieg ins Oberplattig, bzw. zum Schluchtrand mühsam, wie Hangquerungen in Schuttgelände es so an sich haben.

Blick zur Hochwand, leider der Grat zur Alplscharte nicht einsehbar

Wir sind direkt unter dem Ostgipfel in südwestlicher Richtung abgestiegen, um eine direkte Linie zum Steig auf den Gachen Blick zu gelangen.

langer querender Abstieg zum Gachen Blick

Den Abstieg von Ostgipfel bis zum Ausgangspunkt beim Waldschwimmbad darf man zeitmäßig nicht unterschätzen, wir benötigten mit sehr schnellem Schritt dafür 2:30 Stunden.

Judenkopf mit aufgesetzter Gehängebreccie von Bildmitte nach links steigend (hinter dem Nebel kaum erkennbar)

Bis zum Schluß der tollen Runde wollte der Nebel die Gipfel nicht freigeben.

Rückblick vom Gachen Blick auf den Hochplattigzug; verfallender Steig im Vordergrund, der links in den Latschen umgangen wird

Die letzten Eindrücke im Rückblick von der Moosalm aus blieben leider auch mit Nebel behaftet.

Ansicht des Hochplattig von der Moosalm

Die Rundtour führt auf eine Strecke von etwa 17 km über rund 2.000 Hm (Anzeige Bergsteigeruhr 1.945m, jedoch mit Genauigkeit +/-5m pro Höhenänderung) Anstieg und Abstieg, gesamt – mit allen Pausen (gesamt 45min auf den Gipfeln) – haben wir 8:30 Stunden benötigt. Die reine Gehzeit liegt etwa bei 7:45Stunden.

Mils, 25.07.2020

1 Westreicher, 2019: DER BERGSTURZ AM STÖTTLBACH; Diplomarbeit, Institut für Geographie Fakultät für Geo- und Atmosphärenwissenschaften Universität Innsbruck
1.3.9 Flurnamen
6.3.3 Erklärung des Wortstammes „Jude“

2 Ampferer, 1905: Geologische Beschreibung des Seefelder, Mieminger und südlichen Wettersteingebirges
(Seite 60 – 62, Fig. 20.)

3 Ampferer, 1924: Erläuterungen Zur Geologischen Spezial- Karte der Republik Österreich Blatt; Zirl-Nassereith
Beschreibung Gehängebreccien, Seite 36, 37

4 Wehrli, 1927: Monographie der interglazialen Ablagerungen im Bereich der nördlichen Ostalpen zwischen Rhein und Salzach
Skizze der Lage der von Ampferer beschriebenen Gehängebreccien oberhalb der Judenbachschlucht auf den isolierten Felskämmen bei 1.972 m und 2.194 m, Fig. 1, Seite 366

5 Becke, 1983: Zur Geologie des Mieminger Gebirges
Beilage 3 (Seite 27)

 

Tiefkarspitze Nordwestgrat, 2.430m

Die östliche Einfassung des Dammkars wird von dem eigenartigen Vorsprung des Predigtstuhls mit dem darüberliegenden Nordwestgrat zur Tiefkarspitze gebildet, die als mächtiger, formschöner Felsgipfel die höchste Erhebung in der Nördlichen Karwendelkette von Westen her darstellt, bis sie vom Wörner im Osten abgelöst wird.

phantastischer Ausblick auf die Dammkarumrahmung am Nordwestgrat zur Tiefkarspitze; am linken Bildrand geht es weiter

Die Tiefkarspitze sitzt auf einem massiven Fundament aus Wettersteinkalk, auf dem ein wenig mächtiger Absatz von Reichenhaller Schichten des Predigtstuhls gesetzt wurde. Über dieser thront eine mächtige Schicht senkrecht aufragenden alpinen Muschelkalks, der die Schlüsselstelle und die schönsten Kletterpassagen am anregenden Gratanstieg bietet, bevor wieder Wettersteinfels den restlichen Aufbau bildet.

Gipfelkreuz Tiefkarspitze

Das mittlere Drittel des schönen Nordwestgrates wird von brüchigem und verwittertem unteren Wettersteinkalk gebildet, der sich durch mangelnde Verbandsfestigkeit, daher hoher Brüchigkeit und durch Türmchenbildung hervorhebt. Störzonen sind häufig vorhanden. Im oberen Gipfeldrittel – es mag auch etwas weniger als ein Drittel sein – herrscht dann oberer Wettersteinkalk vor weshalb die abschließenden Passagen zum Gipfelkreuz wieder angenehmer zu klettern sind.

am Weg durch die Loach wird zwischen den Wipfeln die Tiefkarspitze sichtbar

Immer bestrebt eine schöne Runde zu gestalten, erfolgte der Abstieg über den südwestlichen Vorgipfel zum Verbindungsgrat zur Larchetfleckspitze, die südwestlich gelegen, ein leichtes Ziel von der Tiefkarspitze aus darstellt.

am „Bankerl“, etwa 300Hm unterhalb der Dammkarhütte

Der Abstieg durch den Nordhang des Verbindungsgrates ist zwar bergsteigerisch nicht schwer, hat jedoch einiges an Brüchigkeit und Steilheit in sich, das die Abstiegsgeschwindigkeit bremst, sodaß man gut daran tut ihn zeitmäßig nicht zu unterschätzen, unternimmt man die Tour an jenen zahlreichen Sommertagen, an denen es am Nachmittag gewitterig werden kann. Bei gutem Wetter und Helligkeit – wie in unserem Fall – gewinnt man dem Abstieg karwendelige Rasse ab und empfindet ihn als erregendes   Abschlusserlebnis der Überschreitung.

unterhalb der Seilbahntrasse am Steig zur Dammkarhütte

Im Nebel allerdings verfällt dieser Abstieg bei Unkenntnis der Route mit Sicherheit und unweigerlich in ernsthafte Orientierungsschwierigkeiten. Sichtbare Markierungen sind eher spärlich und immer verblichen anzutreffen, eine Sichtweite von mindestens 50 m ist zu deren Erkennung unbedingt erforderlich. Bei widrigen Bedingungen könnte dies nicht nur, sondern würde zum Versteigen führen.

der mächtige Aufbau des Predigtstuhls

Ausgangspunkt der Tour aus Süden kommend ist der kleine Parkplatz Raineck an der Ausfahrt der B2 mit der Bezeichnung Alpenkorpsstraße, vor der Unterführung zur Karwendelbahn in Mittenwald. Von dort wird auf dem Schotterweg zur Dammkarhütte angestiegen und eventuell sogar schöner, aber zu spät erkundet, über den Ochsenbodensteig. Über letzteren mit vielleicht etwa 150 m Höhenverlust, dafür aber mit atemberaubenden Blicken auf die gewaltigen Wände von Viererspitze und Kreuzwand zur Rechten. Knapp oberhalb vom „Bankerl“ treffen die beiden Anstiegsvarianten zusammen und ein gemeinsamer Anstieg führt zur Dammkarhütte.

Blick ins Vordere Dammkar

Am Anstieg bis zur Dammkarhütte folgt man zunächst dem typischen Karwendel Mischwald, mit schönen Blicken auf den vorgelagerten Rücken der Soierngruppe, den Schwarzkopf zur Linken und den mächtigen Wänden von Wettersteinkalk zur Rechten.
Nach dem Bankerl wird bald die Waldgrenze erreicht bevor die wiederum typische Karwendelvegetation aus Latschen und mittelhohen Sträuchern auch die Baumgrenze ablöst. Während des Aufstiegs dominiert linkerhand der von unten rund und mächtige Stock des Predigtstuhls die Szene.

sonniger Augustmorgen im Werdenfelser Land, dahinter das Estergebirge

Aber auch rechts des Steigs kommt man ob des westlichen Gegenstücks zum Predigtstuhl ins Staunen. Mit noch schrofferer Steilwand ragt die Viererspitze um einiges höher auf und in der Beleuchtung des Sommermorgens blenden seine hellgrau weißlichen Flanken den Eindringling in das Reich des Dammkars, das von beiden flankierenden Felsgiganten heute noch mindestens so gut geborgen wird wie einst Rhodos vom verblichenen Koloss.

rechts hinter dem schönen Christus die Reisenanstiege zum Predigtstuhl

Da Träumen am Anstieg zu einer Kletterei immer den Geist verklärt und die Sinne entschärft, muß in der schrägen Welt des dritten Jahrtausends eine ordentliche Watsche her, um den Autor aufzuwecken. Sie läßt nicht lange auf sich warten und findet vor dem verträumten Bergsteiger ihre Ausführung im schroffen Ton der Hüttenwirtin, die dem blutig unwissenden Ausländer, der von über dem Berg herkommt, erklärt, daß selbst ein Mineralwasser  ohne Maske von Amts wegen nicht verabreicht werden darf und Punkt!

Blick ins Hintere Dammkar – markant, der Übergang vom Muschelkalk zum Wettersteinkalk über den grünen Bändern

Ohne diesen Tourenbericht mit Details darüber zu belasten sei hier nur kurz erwähnt, daß selbst ohne weitere Zeugen – nicht einmal die Hauskatze war zugegen -, nach dem Fehlen einer Maske, durch empfohlenes Umbinden der Windstopperjacke um das Konterfei des Autors, dem Begehr desselben nachgekommen wurde und „a halbe Mineral“ den Behälter wechselte. Also, liebes Landratsamt, für die Hüttenwirtin der Dammkarhütte legt der Autor dieses Berichtes beide Hände ins Feuer, so wahr er ein Tiroler ist.

am unteren Steig zum Massiv des Predigtstuhls; er sollte sich als im Nichts endend erweisen

Gestärkt und ohne Stimmungsverlust einzubüßen verließ der Autor die Hütte unter Bestaunen des wunderbar geschnitzten Christus am Kreuz vor der sagenhaften Kulisse des nahen Predigtstuhls; ein Kleinod inmitten großartiger Natur – möge es allzeit gut behütet sein. Die Farbe des wettergepeitschten Holzes, von den geschundenen Armen bis zum Haupt mischt sich in die Farben des Felshintergrunds, während sich der Corpus mit warmen Holztönen vom Stein im Hintergrund abhebt. Die bärige Schnitzerei vermittelt das Leiden in einprägsamer Form.

nach etwa 16Hm in den Schuttreisen wieder festen Fels unter den Füßen

Ein weiters Mal aus tiefen Gedanken inmitten des sonderbar angenehmen Dammkars gerüttelt, galt es für den Autor zu entscheiden, ob der wenige Minuten an einer Wendung des Aufstiegs zur Bergwachthütte links abzweigende schmale Steig rascher in die Nordostecke des Kars führt, oder ob die Abzweigung erst nach weiterem Aufstieg sinnvoller wäre.

herrlicher Blick zu den Karwendelköpfen im Westen

Die Leser der Berichte des Autors kennen die Antwort: die Ungeduld des Herzens sucht stets die rascheste Möglichkeit und trotz des hohen Alters des Autors fällt er wieder einmal dem ungestümen Drang der Jugendjahre zum Opfer und entscheidet den Gipfelsturm auf schnellstem Weg.

Steig zum Predigtstuhl

Wie erwartet endet der Steig inmitten jüngst gebildeten Reisengeländes, das die Steigführung überlagert und somit verschwinden hat lassen; die fehlenden Höhenmeter müssen unter losem und unverdichtetem Schutt, nahe dem festen Wandfuß des Predigtstuhls, bis zum offiziellen Steig, der an der Bergwachthütte links abzweigt, erklommen werden.

Am Predigtstuhl, 1.921m

Über den letzten Rest an Schotterreisen auf das wunderbar feste Fundament von Wettersteinkalk im unteren Fels des Predigtstuhls hätte ein Junger beim Anblick der westlichen Gegenseite einen Jauchzer losgelassen; ein Alter tut es auch, aber im Kopf.

Mittenwald unterhalb der Wände der Viererspitze, dahinter der Waxensteinkamm und die Zugspitze im Wetterstein

Nach etwa zehn Minuten ist ein schöner Vorsprung erreicht, der – geologisch gesehen – einen wichtigen Punkt darstellt, der den Vorsprung des Wettersteinsockels mit anderer Gesteinsart überlagert, die Zwischenlage von Reichenhaller Schichten des Predigtstuhls.

Sonnenaufgang über dem Nordwestgrat zur Tiefkarspitze

Nach Heissel1 treffen sich im Geländeschnitt Dammkar – Karwendeltal alle drei das Karwendel bildende Decken. Von Norden her die älteste, die Lechtaldecke, im Dammkar eine wenig mächtige Abfolge aus Karwendelschuppenzone und Lechtaldecke sowie, bis über den Grat hinweg nach Süden die dominierende Karwendelschuppenzone. Die Südhänge der Nördlichen Karwendelkette, und ab dem Karwendeltal südwärts, werden von der aufgeschobenen Inntaldecke gebildet. Möglicherweise – so die individuelle Meinung des Autors – bilden die tektonischen Abläufe dieser Überschiebungen den Grund für die eigenwillige, interessante Ausprägung des Dammkars.

Steigverlauf vom Predigtstuhl zur Hochlandhütte, dahinter die Soiernspitze

Über den soliden Wettersteinsockel des Predigtstuhls, der seiner kompakten Ausbildung schon weit unten in der „Loach“ auffallend sichtbar mit steilem Abstürzen Ausdruck verleiht, steigt man nach dem Reisengelände des nordöstlichen Dammkars zum Kreuz auf 1.921m an und genießt dort eine wahrlich großartige Aussicht auf die Karwendelvorberge im Norden und das Werdenfelser Land.

Verbindungsgrat vom vorstehenden Predigtstuhl zur Einstiegswand am Nordwestgrat zur Tiefkarspitze

Der mächtige Vorsprung des Predigtstuhls erlaubt aus einiger Entfernung über den Verbindungsgrat zum Massiv der Tiefkarspitze einen umfassenden Einblick auf die steil aufragenden Wände eines hohen Aufschwungs mit vorherrschendem alpinem Muschelkalk. Dahinter erahnt man schon eine leichte Abflachung des Grates, auch wenn kaum sichtbar.

am Wiesenfleck vor den imposanten Bänken aus alpinem Muschelkalk mit dolomitisch anmutendem Bau (hinten links)

Direkt am Verbindungsgrat, der den höchsten Punkt im Übergang vom Dammkar zum Mitterkar darstellt, wird der begrünte und eher flache Grat überschritten, der nach wenigen Minuten mit einem Rasenfleck als Übergang am Massiv endet. Diesen Übergang bildeten Reichenhaller Schichten.

leicht abweichend vom direkten Grat befindet sich der Einstieg in die Wand im rechten Bilddrittel

Einige spärlich angeordnete Steinmännchen geleiten südostwärts in die Aufstiegsflanke, die zunächst eher in Gratnähe erwartet wird, jedoch ein tieferes Vordringen in die senkrechten Nordostwände erfordert als vermutet.

das Gelände wird gegen den Kessel hin flacher und begrünter

Am Weg dorthin versteige man sich nicht am Grat mit dem unbedingten Bestreben sich dort bewegen zu müssen. Die Route führt in der Nordnordostflanke auf eine begrünte Fläche in einer Felsausbuchtung zu und die anfängliche Begehung am Grat als auch über begrünte Bänder in der Flanke führen letztlich dorthin.

Rückblick auf den bereits besonnten Predigtstuhl

Wie beschrieben ein Kamin, vielmehr eine steile Verschneidung mit kurzer Fixverseilung aus Kletterseil zweifelhafter Qualität, führt durch die im Führer beschriebene Schlüsselstelle (III) hinauf in den oberen Teil der Felsausbuchtung, in dem die feuchten, begrünten Flächen enden und herrlich fester alpiner Muschelkalkfelsen beginnen.

Einstiegsstelle in Bildmitte

Der Durchstieg durch die Verschneidung wäre vom Gelände her nur allerhöchstens mit III zu bewerten, herabstürzendes Material aber hat die Flächen der engen Verschneidung über Jahrtausende abgeschliffen und in Verbindung mit der Feuchte ist man beim steilsten Zug um das Seil als fixen Halt für eine Hand dennoch froh. Es aber völlig zu belasten unterließ der Autor.

Kamin bzw. Verschneidung als Schlüsselstelle mit zweifelhafter Fixverseilung

Trichterförmig öffnet sich die dunkle Verschneidung nach oben dem Licht zu, sowie sein Herz mit dem Wandel der Topografie es tut, und erklimmt mit Steigrichtung einige Meter leicht links, dann gegen rechts auf einen imposanten Gratturm zu der Bergfreund die erste Stufe am Nordwestgrat.

Ausstieg oberhalb der Verschneidung

Die letzten leichten Kletterzüge geleiten in die Scharte zwischen dem Grat und dem Turm. Von dort bietet sich eine wunderschöne Kulisse auf die Larchetfleckspitze und zu den Karwendelköpfen im Westen gegenüber im Dammkar.

herrliches Gelände im festen Gestein hinauf zur ersten Scharte am direkten Nordwestgrat

Anschließend geleiten sehr schön strukturierte Felsfazies mit allerlei Stufen und Rissen auf die nächste Stufe, die von weniger festem unterem Wettersteinkalk gebildet wird, hinauf. Hi und da entdeckt man ein Steinmännchen, derer man schon weit vorher zur Orientierung eigentlich nicht mehr bedarf.

kleinere Partien mit Risskletterei

Die folgende Stufe steigt wesentlich flacher an, der Übergang zum unteren Wettersteinkalk wird nicht nur an der Topografie sichtbar, sondern auch an der Brüchigkeit spürbar.

Rückblick auf den schönsten Teil des Nordwestgrates zur Tiefkarspitze

Der herrlich feste alpine Muschelkalk endet zunächst und kleine Türmchen mit umfangreichen Schuttrinnen zwischen denselben machen sich am Grat breit, ockerfarbene Verwitterungszonen treten häufiger auf.

bereits im Wettersteinkalk (da es der Unter Wettersteinkalk ist, mit recht brüchigen Gratköpfen und Felstürmchen)

Der Aufstieg vollzieht sich für etwa eine halbe Stunde in vorwiegend Gehgelände mit nur mehr kurzen Kletterpassagen.

zerrissener Mittelteil des Nordwestgrates zur Tiefkarspitze

Hinter einer auffällig flachen Stelle am Grat bietet sich eine weit reichende Aussicht auf den letzten Teil des Aufstiegs. Der Grat teilt sich in zwei Hälften mit mittig liegender Schlucht in die die Route hineinführt. Über ihr am Horizont wird das Gipfelkreuz sichtbar.

Übersicht über den oberen Teil des Nordwestgrates zur Tiefkarspitze

Flankiert von hohen brüchig wirkenden Türmen erfolgt der Durchstieg durch die toll geformte Schlucht als kurzes Abenteuer hinter der eine kleine Felsstufe in einen schuttgefüllten Karkessel überleitet.

Rückblick über den Anstieg zur Schlucht

Wieder im festen oberen Wettersteinkalk geht es wenige Minuten über die letzten leichten Klettermeter hinauf zum Gipfelbereich. Der Gipfel der Tiefkarspitze wird über einen breiten Riss erreicht, der sich bis wenige Meter vor das Gipfelkreuz hinzieht und vorher ausläuft.

Das Gipfelkreuz der Tiefkarspitze, eine schlichte Stahlkonstruktion, kaum lotrecht im Steinkegel steckend und keine adäquate Zier für diese tolle Erhebung, die immerhin die höchste in der Umrahmung des Dammkars darstellt, hätte sich ein besseres Fundament verdient.

Tiefkarspitze, 2.431m

Der Blick auf beide Seiten, im Osten der gewaltig lange und beeindruckende Grat zum Wörner (einer der zeitaufwändigsten Gratübergänge im Karwendel), im Westen die touristisch meistgenutzten Gipfel der Nördlichen Karwendelkette, Karwendelköpfe, Karwendel- und Linderspitzen, kann als grandios beschrieben werden.

der imposante Wörner mit dem langen Grat über Großkar- und Schönbergspitzen (v. li. n. re.)

Phantastisch der Blick über das Karwendeltal und seinem Übergang am Hochalmsattel, deren Verlängerung am 22km entfernten Sonnjochmassiv endet, ein gewaltiger Blick!

Blick ins Karwendeltal und darüber hinaus auf die Falkengruppe und das Sonnjoch

Für den Kenner des Karwendels bietet dieser Blick leicht nördlich jedoch auch noch die phantastischen Ziele in der Falkengruppe, Steinfalk und vor allem der wilde Laliderer Falk, die um ein Haar vom Kuhkopf, am Ende der Nördlichen Karwendelkette verdeckt wären.

südöstlich gegenüber der beeindruckende Zug der Karwendelhauptkette mit der Birkkarspitze im Osten und der Larchetkar- sowie Pleisenspitze fast schon im Süden gegenüber

Eindrucksvoll verfolgbar von der Tiefkarspitze aus ist der westliche Teil der Karwendelhauptkette. Von der Pleisenspitze über die Larchetkarspitze, Große Riedlkarspitze, Breitgrießkarspitze, Große Seekarspitze, die Ödkarspitzen bis hin zur  Birkkarspitze spannt sich das Panorama, mit immer höher werdenden Gipfeln.

im Vordergrund der südwestlich angeordnete Vorgipfel der Tiefkarspitze mit der – vorwiegend von Hauptdolomit gebildeten – Seefelder-Gruppe des Karwendel im Hintergrund

Im Norden die geologisch interessante Soierngruppe, auch Karwendelvorberge genannt, die mit ihren leichten Anstiegen ein tolles leichtes Tourengebiet darstellt und auch das Ende einer unglaublichen Abenteuerreise sein kann, der Süd-Nord Karwendeldurchquerung.

gewaltiger Blick über den westlichen Grratteil der Nördlichen Karwendelkette – das touristisch meistbesuchte Gebiet im Karwendel

Zwei Kollegen aus der Schrobenhausener Gegend machten sich zum Abstieg vom Gipfel wieder über den Nordwestgrat bereit, nachdem sie nicht so recht den Abstieg nach der Scharte zum Nebengipfel gefunden haben und nach kurzer Unterhaltung konnten sie überzeugt werden, daß  es schöner sei, gemeinsam die Runde auszuführen, anstelle den Aufstieg auch als Abstieg zurück zu legen.

imposanter Tiefblick ins Dammkar

Nach einer ungewöhnlich kurzen Gipfelpause, die der Verfasser gewöhnlich zum „Recognisciren“ der Umgebung nutzt, beschritten wir zu dritt die recht schuttbedeckte Südflanke zur Scharte, an der die trügerische „rote Rinne“ beginnt, die zum schnellen Abstieg verleite und nach einigen Hundert Metern jedoch in ungangbarem Fels enden soll – so der AV-Führer. Beim bizarren Fels oberhalb der Schuttreisen des Dammkars allemal gut vorstellbar.

Ansicht des Vorgipfels im Abstieg nach Südwesten ins Dammkar; wir sind in der linken Flanke wieder aufgestiegen, es gibt auch die Variante rechts

Offenbar aber kann man sie einige Meter absteigen und erreicht dann eine Passage die, unter dem Vorgipfel vorbei, wieder auf den Grat führt. Diese Variante probierten wir aber nicht sondern nahmen nach Führerbeschreibung die Südostflanke des Vorgipfels zum Aufstieg auf denselben.

„rote Rinne“ zwischen Vor- und Hauptgipfel

Die Flanke läßt sich nach einem einige Meter querend ausgeführten Einstieg auch leicht ersteigen und erreicht somit am Vorgipfel eine gute Perspektive zum Hauptgipfel.

Aufstieg auf den Vorgipfel der Tiefkarspitze im festen Wettersteinfels in der Südostflanke

Beim kurzen Abstieg jenseits, in ein Schärtchen, nach der eine weitere zu erklimmende Erhebung sichtbar wird, sei Vorsicht geboten, sie ist recht brüchig und erfordert eine gute Wahl von Griff und Tritt.

Ansicht der Tiefkarspitze vom südwestlich gelegenen Vorgipfel

Im Schärtchen kann man westseitig gut die o. e. Umgehung erkennen, sie trifft genau hier wieder auf den Gratverlauf.

Helmut und Christoph am Abstieg durch die kurze, brüchige Verschneidung zur Scharte ab

Der folgende Gratkopf wird überschritten und dahinter eine lange, abwärts führende Flanke sichtbar, die unter grünen Bergwiesen steil ins Karwendeltal abfällt und in Gratnähe abzusteigen ist, ausschließlich Gehgelände.

Rückblick auf Tiefkarspitze Vor- und Hauptgipfel

Weit unten wird der Verlauf des Grates flacher. Eine kurze Stelle öffnet eine Art Doppelgrat, bzw, befindet sich zwischen den Hangkanten eine gemuldete Flachstelle. Anschließend werden ein paar kurze Anstiege über Gratköpfe absolviert, in denen wir vergeblich den Einstieg in die steile Nordflanke suchten.

langer Abstieg über den Verbindungsgrat Tiefkarspitze – Larchetfleckspitze

Die Geduld darf man für das Aufspüren des richtigen Abstiegs nicht verlieren, die richtige Stelle für den Abstieg ist wirklich dort wo die Führerbeschreibung erwähnt – „bis kurz unter den Aufschwung zur Larchetfleckspitze“.

toller Abstieg mit begrünter Südflanke

Der Weg dorthin beinhaltet einen länger erscheinenden Aufstieg. Nach diesem wird man der Stelle in der Ferne mit einem Steinmann und, wer gute Augen hat, einer vergilbten roten Pfeilmarkierung gewahr.

toller Rückblick auf der Suche nach der Abstiegsscharte

Es ist dies die vorletzte Schartenausbildung vor dem steilen Anstieg auf die Larchetfleckspitze.

Wer nun einen durchgehenden Steig als Abstieg im Kopf hat wird schwer enttäuscht. Schuttreisen und brüchiges Gelände in den unliebsamen ockerfarbenen Verwitterungstonen bilden den oberen Teil, der nur mit wenig Abstiegsgeschwindigkeit talwärts führt. Ständiges Orientieren und Konzentrieren gebietet das Gelände bis weit hinab.

Abstieg über stark erodiertes Gelände unter viel Schutt

Markierungen gibt es reichlich, jedoch nicht leicht zu finden und, durch die vergilbte rote Farbe mit wenig Kontrast zum allgemeinen Gelände auszumachen. In Nebel tut man sich bei diesem Abstieg sehr schwer. Die Steilheit und Brüchigkeit sind beachtlich.

Rückblick auf den oberen Teil

Weiter unten wird das Gelände etwas strukturierter und man erkennt die generelle Richtung intuitiv. Ab und zu ein Steinmann, wenn man genau schaut.

wieder einmal ein Steinmännchen am nun gut zu ahnenden Abstieg; dahinter der tolle Nordwestgrat zur Tiefkarspitze

Allerdings ist noch eine schmale, steile und brüchige Rinne zu meistern, in der abgeklettert werden muß. Sie führt fast nordwestlich (etwa Richtung hinteres Dammkar, als zentral) hinab und endet mit einer Steilstufe, die in einer Sturzbachrinne endet.

Rinne abzuklettern, unterhalb endet der zeitraubende, brüchige Teil des Abstiegs

Unterhalb dieser, etwa 50Hm darunter, wird ein richtig ausgeprägter Steig sichtbar, der sich sogleich extrem nach Nordosten wendet und die senkrecht abbrechenden Felsen zum Dammkar hin umgeht.

in der Rinne noch ein paar kurze Kletterstellen, jedoch wieder in festem Muschelkalk

Die Umlenkscheibe (rot, linkes/mittleres Bilddrittel) der Materialseilbahn bildet dabei eine unübersehbare Landmarke.

am Ende des Steilabstiegs folgt eine Mulde ab der ein gut sichtbarer Steig über reinem Gehgelände rechts (nordöstlich) plötzlich scharf rechts umbiegt und komfortabel bis auf die Reisen ins Dammkar hinaus leitet

Über zwei drei Murengräben schneidet der Steig quer den Hang bis er sanft und unspektakulär in das oberste Dammkar ausleitet. Am Weg dorthin steigt er nochmals einige Meter an, um die Gräben zu überwinden. Ein unerwarteter Abschluß, der weit ostwärts endet.

über ein paar Sturzbachgräben leitet der Steig zum Dammkar

Über das gewaltige Schuttreisenbassin des Dammkarbeckens fährt es sich wenig anstrengend zur Bergwachthütte und zum Steig ab und auf letzterem wird wieder zur Dammkarhütte abgestiegen, in der ein hervorragendes „Mittenwalder“ wartet, Labsal redlicher Mannen am Berg, das ausschließlich unter bravem Tragen einer Maske von der Hüttenwirtin ausgegeben wird.

krönender Abschluß der Gratrunde auf der Dammkarhütte

Der gemeinsame Weg mit den Kollegen endete an der Dammkarhütte – Berg Heil Kollegen!

und er hat wie immer gut aufgepasst – danke dir für den gewaltigen Bergtag!

An Aufstiegsmeter zeigte die Bergsteigeruhr 1.480Hm und die benötigte Zeit betrug incl. aller Pausen 7:45 Stunden.

Mils, 01.08.2020

1 Heissel 1976: Neues zur Deckentektonik im nördlichen Karwendel