Schitour Kuhmöser, 2.264 m

Beim richtigen Wetter schitourentechnisch ein Schmankerl, eine kleine Spritztour, eine Halbtagestour, der Südhang im Frühjahr eine Sonnenspritze und noch mehr positive Eindrücke  stellt das kurze Vergnügen auf den Kuhmöser von Schellenberg aus dar.

Kuhmöser, 2.264 m

Mit knapp unter 1.000 Hm Aufstieg erfolgt die Besteigung des Kuhmösers – oder Kuhmessers, wie er im Volksmund genannt wird – in knapp zwei Stunden wodurch bei frühem Start im Frühjahr auch noch vernünftige Abfahrtsverhältnisse zu erwarten sind.

Schellenberger Anger Blick Richtung Hochfügen

Der Aufstieg erfolgt zur Gänze über einen Südosthang, sodaß man sich der Sonne von Beginn an sicher sein kann. Die einzige Ermangelung bei diesem Vorhaben stellen Parkplätze dar. Etwa 1 km nach dem Gasthaus Schellenberg, bei einer Abzweigung zur Straße in den Finsinggrund hinab, gibt es ab dem Ausaperstadium einige Parkplätze und noch früher, wenn der Pflugfahrer absichtlich etwas breiter geräumt hat als notwendig.

Blick zum Kuhmöser

Den flachen, noch durchgehend schneebedeckten Weg mit zwei Kehren am zu Beginn sollte man im Frühjahr akzeptieren, oder etwas direkter mit ggf. kurzen aperen Passagen ansteigen.

Aufstieg zwischen kleinen Bäumchen und Latschen

Der Anstieg am Weg endet kurz vor der scharfen Waldgrenze in Richtung Gartalm. Dort zweigt der Anstieg auf den Kuhmöser links in die vom Schnee noch gut nieder gehaltenen Latschen ab.

oberhalb der Waldgrenze, Blick Richtung Metzenjoch

Zwischen den jungen Bäumchen zirkelt der Aufstieg fast wahllos durch die bärige Landschaft, in direkter Richtung auf die Schrofen des Kuhmöserkammes zu. Oberhalb des dichten Waldes zur Rechten könnte man über den Druckbichlsteig in den Hang zum Gartalm Hochleger queren und das Kellerjoch – oder auch Kreuzjoch genannt – vom Hochtalkessel aus besteigen.

herrliche freie Flächen voraus

Die Schitour zur Gipfelkapelle ist aber auch über den Normalanstieg auf das Kellerjoch, oder den „Kellner“, wie ihn der Einheimische nennt, eine sehr schöne Schitour.

unterwegs am völlig bewuchsfreien Südhang

Durch einen schwach ausgeprägten Graben wechselt der Anstieg auf den Kuhmöser westwärts, in gutem Abstand zu einem steinernen Lawinenschutz in Pfeilform, der weit rechts liegen gelassen wird und vielleicht gar nicht gesichtet wird, wenn man die Wendung schon weiter unten vollzieht.

leichte Kuppierung bei der Querung leitet an das Südwesteck des Kuhmösers heran

Über den schönen mittelsteilen Südhang führt die Route nun den Hang querend nach oben. Leichte Kupierung ist die einzige Abwechslung in der Querung zum Weg zum Loassattel auf den Kuhmöser während man unterhalb der wenigen Schrofen der Südwestecke des Kuhmösers entgegen strebt.

kurz vor dem Südwesteck

Während der weißen Weiten der unbewachsenen Hänge kann auf der Gegenseite in Richtung Hochfügen der Finsinggrund gut beobachtet werden.

Wetterkreuzspitze gegenüber

Von Marchkopf über den Kraxentrager bis zum krönenden Highlight des Roßkopfs und dem klassischen Schitourenberg des Gilferts hat man viele der schönen Routen vor sich.

Sonntagsköpfl, Gilfert und Gamssteine

Über eine merkbare Kuppe endet die Querung zum Südwesteck des Kuhmösers. Von dort aus genießt man einen traumhaften Blick auf die kleineren Schitourenziele des Sonntagsköpfls und der Gamssteine.

Aufstieg am ausgeaperten Südwesteck zum Kuhmöser

Über das Eck drüber führt die Schitour auf den Kuhmöser ziemlich genau dem Sommerweg entlang. Die Rippe selber ist meist rasch im Frühjahr völlig aper und man steigt in der seichten, eher noch weiter westlichen Mulde steil bis zum Gipfel an. Diese Mulde ist vom Gilfert her gut erkennbar und mutet wie eine Schipiste an.

Blick auf den Loassattel hinab

Die Szene über die Mulde hinauf, ohne den geringsten im Winter sichtbaren Bewuchs, ist beeindruckend und bei ungetrübter Sonnenbestrahlung schweißtreibend. Beim Aufziehen von dichtem Nebel dürfte der Anstieg jedoch abzubrechen sein, wenn nicht die sichere Ortskenntnis Orientierung bietet.

noch genug Schnee in der Mulde westlich der Südkante

Mit dem Abflachen der Mulde nähert man sich dem Gipfelkreuz, das rasch sichtbar wird. Leider verhinderte der Nebel bei des Verfassers Anstieg die Sicht auf das Kreuz stark. Die unüblich warmen Temperaturen ließen aufsteigende Feuchtigkeit schon rasch über dem Gelände kondensieren und somit leichten Nebel entstehen.

abflachend geht es dem Gipfelkreuz zu

Auf dem riesigen flachen Kuhmöser gibt es jede Menge Rastmöglichkeiten mit großem Abstand untereinander, sodaß jede Gruppe individuelle Plätze findet. Eine Steingruppe zwischen dem Gipfelkreuz und der Lawinenauslöseanlage für die Schellenberglawine diente dem Verfasser als Museort für die Gipfelrast.

Kuhmöser mit Kellerjoch im Hintergrund

Von dort bietet sich ein sagenhafter Blick auf die Gipfelkapelle am Kellerjoch. Und der gesamte Hang aus dem Hochtalkessel hinter dem Gartalm Hochleger kann eingesehen werden.

Gipfelkapelle am Kellerjoch bzw. Kreuzjoch

Als äußerst nordöstliche Gipfelgruppe der Tuxer Alpen reicht die Aussicht auch bis in die Kitzbüheler und Zillertaler Alpen, jedoch just nicht zur Stunde des Gipfelaufentaltes des Verfassers. Daher leider keine Bilder in der Bildergalerie davon.

Gipfelkreuz am Kuhmöser

Die Abfahrt auf der Route des Aufstiegs präsentierte sich in den steileren Passagen mit entsprechend intensiver Sonneneinstrahlung mit tiefem Einsinken, auf den flacheren Passagen mit einer passablen Firnoberfläche.

mit zwei Gleichgesinnten bei der Abfahrt zusammengetroffen

Ab der Höhe der Hänge mit Latschenbewuchs bis zum Parkplatz herrschten stets weicher werdende Verhältnisse jedoch gut fahrbar mit wenig tiefem Einsinken.

hinab zum Parkplatz Schellenberg vor der gleichnamigen Jausenstation an der Hochfügenerstraße, die immer für den Abschluß der Tour gut ist.

Bei sonnigem Wetter mußte unbedingt ein Besuch der Terrasse der Jausenstation Schellenberg und zum Bier deftige Knödeln genossen worden sein.

letzter Blick auf Hochfügen auf der Abfahrt zum Parkplatz (verdeckt durch die untersten Bäume)

Gesamt benötigte der Verfasser 3:15 Stunden bei 975 m Aufstieg und 3,6 km Strecke für die nette Tour.

Mils, 19.03.2022

Schitour Marchkopf, 2.499 m

Eine der beiden kurzen Schitouren aus dem Finsiggrund in Hochfügen ist jene auf den Marchkopf, die sich im unteren Teil die Anstiegsroute mit der auf den Kraxentrager teilt. Einige Minuten nach dem Viertelalm Hochleger zweigt die Route auf den Marchkopf links über steileres Gelände ab.

Marchkopf, 2.499 m

Die leichte Nordwestausrichtung des Hangs verspricht bis ins Frühjahr gute Schitourenbedingungen trotz dem vergleichsweise niederem Startpunkt auf 1.470 m bei der letzten Gondelbahn in Hochfügen.

Start auf der Rodelbahn nach der letzten Gondelbahn

Der gebührenpflichtige Parkplatz (Münzautomat) funktioniert auch bereits vor dem Rummel der Schifahrer, sodaß man rechtzeitig starten kann, um ihn hinter sich zu lassen. Über die Rodelbahn gelangt man zum Pfundsalm Niederleger (1.650m).

kurz vor der Pfundsalm

Ein paar hundert Meter anschließend an die Alm zweigt der Weg zum Viertelam ab, der mit ein paar Meter Höhenverlust über die Brücke des Finsingbachs auf die andere Talseite führt.

Aufstiegshang zur Viertelalm

Im Anstieg zur Viertelalm öffnet sich der Blick auf den inneren Finsinggrund mit dem dominierenden Roßkopf hoch über dem Talschluß, auf den vom Talinnersten eine bärige Schitour führt, zuletzt mit einem kurzweiligen Gratübergang und Gipfelaufstieg.

Brücke über den Finsingbach

Im Frühjahr schmelzen die kleinen Wildbäche Schneisen durch die Hänge im Almgelände, was zu einer vorausschauenden Aufstiegsweise zwingt, will man den langweiligen Almenweg vermeiden. So mancher Übergang muß, je nach Schneelage, ohne Schi überwunden werden.

am Rücken hinauf zum Hochleger

Oberhalb der Viertelalm beginnt ein Taleinschnitt mit einem steileren Rücken links und flacherem Gelände rechts. Beide Varianten sind gangbar, durch die Sonnenbestrahlung erweist sich der Rücken meist  aperer als das Flachgelände. Beide Möglichkeiten führen zum Viertelalm Hochleger, über den Rücken steiler und diese Variante zeigen die Bilder.

gegenüber am Hang das flachere Aufstiegsgelände

Oben steilt auch der rechte flache Hang auf und führt in einer Linkskurve zum Hochleger, den man nicht unbedingt passieren muß, weil es an der Linkskurve auch geradeaus weiter, durch das sich ausbildende Tal, möglich ist aufzusteigen.

Viertelalm Hochleger, 2.030 m

Oberhalb der Hochlegergebäude trifft man wieder auf das Tal, das rechts im Aufstieg heraufzieht.

oberhalb des Hochlegers; recht zieht das Tal vom flacheren Anstieg herauf

Kurz danach befindet sich ein Wegweiser, der die Gabelung zwischen den Anstiegen auf den Marchkopf und dem Kraxentrager zeigt. Zum Marchkopf führt der Hang linksseitig im Aufstieg und es ist prinzipiell egal ob man der Richtung des Wegweisers folgt oder den Hang etwas weiter oben in Angriff nimmt.

Wegweiser an der Gabelung zwischen Marchkopf und Kraxentrager (rechtes Bilddrittel in Verlängerung der Spuren)

In direkter Richtung des Wegweisers steigt man etwas flacher in den Hang ein, in direkter Richtung auf den Hang zu etwas steiler. Harscheisen sind im Frühjahr ohnehin unabdingbar, weswegen die größere Steilheit beim Direktanstieg keine besondere Hürde darstellte.

nach dem steilen Stück in eine Hochmulde

Nach ein paar Minuten steilen Anstiegs flacht der Hang ab und eine gemuldete Geländestufe zwischen Grat und einer Felsreihe im Nordwesthang wird sichtbar – der Beginn der eher flachen Überleitung zum Marchkopf, dessen Lage vom Hochleger aus weiter nordöstlich liegt als vermutet. Erst weit oben am Kamm tritt er ins Blickfeld, nachdem man bereits fast auf der Kammhöhe in der Seewand erstaunt nach einem Gipfel sucht.

Rückblick auf das steile Stück oberhalb des Hochlegers

Am Ende der Mulden im flachen Gelände gegen die Kammhöhe hin tritt bei einer Rechtswendung des Kamms plötzlich der Marchkopf ins Blickfeld und er überrascht mit seiner schroffen Form am flachen Kamm.

in die Mulde hinein

Seine auffallend aufragende Gestalt im Kamm wäre durch beständigere Schiefereinlagen im eher weichen Quarzphyllit erklärbar, sonst erscheint eine Erklärung dieser Ausbildung angesichts der Umgebung schwer.

Flachstück auf die Kammhöhe

Über den breiten Kamm zieht sich der Weg zum hoch aufragenden Kopf hinüber. Nach Nordwesten hin fällt der Gipfel schroffig steil in das darunterliegende Schuttfeld ab und für den Aufstieg im Winter eignet sich die direkte Kammlinie ebenfalls nicht. Das Gipfelkreuz am Marchkopf wird von der Südflanke her erreicht.

Marchkopf plötzlich voraus

Eine auffällige Felsschuppe in die Gegenrichtung der allgemeinen Schichtlage am Marchkopf, einem Abri1 gleich, leitet in der Südflanke auf den Gipfelpunkt.

südseitiger Anstieg auf den Gipfel; unterhalb des Felsvorsprungs hindurch

Zuletzt, über wenige Höhenmeter, steilt die Südflanke merklich auf und im Frühjahr zieht ein schmales Band von kompaktiertem Schnee der Befahrungen des Winters zum Gipfelkreuz.

Südflanke auf den Marchkopf

Über die Zillertaler Alpen bietet der Marchkopf eine tolle Übersicht. Von Großglockner in 70 und Großvenediger in 45 km Entfernung bis zum östlichsten Zillertaler Nord-Südkamm der die Reichenspitzgruppe trägt reicht die Aussicht im Südosten.

Blick nach Südosten; Großglockner, Großvenediger und Reichenspitzgruppe

Südlich finden sich die zentralen Gipfel im Zillertaler Hauptkamm mit Großem Löffler und Schwarzenstein, sowie den nicht minder interessanten Erhebungen in den Nord-Süd-Kämmen, beispielsweise die Zsigmondyspitze, alle in einer Entfernung von etwa 26 bis 28 km.

im Süden Großer Löffler und Schwarzenstein

Etwas weiter noch erblickt man den Großen Möseler und in 31 km Entfernung den höchsten Zillertaler Gipfel, den Hochfeiler, bevor der Olperer im Südwesten den Abschluß bildet.

Großer Möseler, Hochfeiler und Olperer bis Bildmitte, rechts der Rastkogel

Über den Rastkogel leitet der Ausblick in den Westen über. Dort kann erstaunlicherweise der lange Kamm von Schwarzwandspitze zur Sonklarspitze in knapp 59 km Entfernung, weiter der Wilde und der Apere Pfaff sowie das Zuckerhütl und der markante Habicht links neben der Hippoldspitze erkannt werden.

Sonklarspitze, Wilder und Aperer Pfaff sowie das Zuckerhütl und der markante Habicht links neben der Hippoldspitze

Der schwarze amphibolitisch geprägte Kamm zur Ruderhofspitze in 55 km Entfernung und der nahe Hirzer im Westen runden das Bild über Tuxer und hohen Stubaier Alpen ab.

Gilfert und Loassattel, Kuhmöser und Kellerjoch

Nordwestlich gegenüber dem Finsinggrund erhebt sich der beliebte Schitourenberg Gilfert bevor die Tuxer nach dem Loassattel mit einer letzten Aufbäumung den Kuhmöser und das Kellerjoch bilden. Beide schöne Schitourenziele, auch im Frühjahr.

im Norden das Schigebiet, rechts das äußere Alpbachtal

Im Norden tummeln sich die Schitouristen der Bergbahnen und weiter im Nordosten findet sich das Alpbachtal mit seinen tollen Touren vom Standkopf im Westen bis zum Sonnenjoch im Südosten.

bäriger Blick zur Reichenspitzgruppe mit den vorgelagerten Süd-Nord Kämmen; durch das Zoom fast schon ein bisschen surreal

Die Abfahrt in der Mittagsstund, unter aufgefirnten Verhältnissen, war natürlich ein einwandfreies Erlebnis.

Sonklarspitze, Wilder Pfaff und Habicht links vor dem Hippold im Zoom

Im steilen Teil oberhalb des Hochlegers paßt die Hangneigung optimal zum Einstrahlwinkel und dort mußten weichere Hänge in Kauf genommen werden, weiter unten im flacheren Teil herrschte Firn in der wünschenswerten Stärke über hartem Untergrund.

bärige Abfahrt in der Mulde nach der Kammhöhe

Mit vorausschauender Wahl der noch zusammenhängenden Schneeflächen konnte die Brücke im Finsinggrund erreicht werden.

Talblick mit flacherem Abfahrtsgelände im Aufstieg rechts

Über die Pfundsalm hinab mußte ein Stück Weg von knapp 3 min mit geschulterten Schi erfolgen, bevor, noch vor dem Wald, die Rodelbahn wieder fahrfähig war.

Abfahrtsgelände zum Viertelalm Niederleger

Für die leichte Schitour rechne man mit einem Gipfelaufenthalt von einer guten Stunde eine Gesamtzeit von knapp 5 Stunden.

Rückblick auf das tolle Gelände; links der steilere Rücken auf den Hochleger schon fortgeschritten ausgeapert

Der Aufstieg über die 1.050 m und 5,4 km wird in 2 bis 2,5 Stunden bewältigt.

Mils, 17.04.2022

1 Abri – Felsunterstand: https://de.wikipedia.org/wiki/Abri

Schitour Steintalspitze, 2.742 m

Zu äußerst im Kraspestal gelegen befindet sich das Schitourenziel der Steintalspitze, die über ein gar nicht so kurzes Tal nach Überwindung der ersten Geländestufe rechts oberhalb des Kraspesbachs über einen tollen Steilhang erreicht wird.

Herwig am Gipfel der Nördlichen Steintalspitze, Im Hintergrund Sulz- und Zwölferkogel

Von Haggen werden knapp 1.100 m Aufstieg zum Gipfel zurückgelegt. Die Sicht auf Kühtai, den Pockkogel und die westlichen und nördlichen Sellrainer Gipfel lassen die Steintalspitze, vielmehr handelt es sich beim Tourenziel um die Nördliche Steintalspitze, zu einer interessanten Unternehmung werden.

Start am Parkplatz in Haggen; Schöllerkogel als markanter Gipfel im vorderen Kraspestal 

Der Blick nach Süden wird durch den höheren Schöllerkogel1 begrenzt, der als Schitour ebenfalls über das Steintal, aber auch über das Wilde Kar tiefer im Kraspestal erreicht werden kann.

am Bachbett Richtung untere Zwinge

Am kleinen Parkplatz in Haggen beginnt die kurze Tour neben der Schärmer Alm. Mitte April 2022, bei unserer Begehung, war es notwendig die Schi bis in den Lärchenwald hinein zu tragen, einen guten halben Kilometer weit, und über Schneereste erreichten wir noch die geschlossene Schneedecke zur ersten Zwinge.

Aufstieg über die Zwinge

Dieser Tage spielt sich die Balz der Birkhühner ab und wir durften das Schauspiel junger Hähne, auf deren typisch traditionellen Balzplätzen östlich oberhalb des Lärchenwaldes, in entsprechender Entfernung miterleben und aufzeichnen. In sich gekehrt beeindruckte die vier Hähne kaum das Vorbeiziehen mehrerer Schitourengruppen mit dem lauten Kraschelgeräusch der Schi auf der gefrorenen Firnoberfläche.

Auf der anschließend freien Fläche bis zur unteren Zwinge lag noch genug Schnee, wenn auch nur mehr im Bachbett durchgehend.

im oberen Teil nahe am Bach

Daß für den Aufstieg über die Zwinge Harscheisen notwendig waren versteht sich, wenn man diesen Abschnitt kennt. Wir beließen sie aber auch für den steilen anschließenden Hang  montiert und sollten damit Recht behalten. Selbst am oberen, sonnigen Teil der ersten Geländestufe ins Steintal leisteten die Harscheisen am frühen Vormittag noch wertvolle Dienste.

am schmalen Schneeband in das Steintal

Flankiert von den herabziehenden Graten des Schöllerkogels links und Windegg rechts beginnt das Steintal auf einer Höhe von etwa 2.250 m. Die rechte Talseite (Blickrichtung Aufstieg) wird von mehreren Moränenwällen geprägt, die linke Talseite ist hingegen bis tief hinein ins Tal frei davon, den Karhängen vom Schöllerkogel herab liegt die natürliche Böschung zugrunde.

Rückblick auf die erste Geländestufe

Relativ flach verläuft der Anstieg bis über die Mitte des Steintals. Zwischen größeren Blöcken zieht der Aufstieg durch die Moränenlandschaft hindurch, bis auf eine scheinbare Kuppe, an der der restliche Teil des Aufstiegs zur Gänze eingesehen werden kann.

am Beginn des Steintals

Vor unseren Augen breitete sich der Talkessel mit dem Steintalsattel (2.670 m) zwischen Steintalspitze und Pockkogel aus, die man im Aufstieg zur Nördlichen Steintalspitze rechts liegen läßt.

Rückblick auf Räuhengrat, Haidenspitze und Rotgrubenspitze

Der Aufstieg erfolgt über einen Steilhang mit der größten Neigung in der Mitte und mit deutlicher Abflachung nach oben, zur Grathöhe hin.

im flachen Teil im Steintal, rechts Moränenwälle

Im Mittelteil, zwischen den begrenzenden Schrofenrippen, noch unterhalb 2.600 m, erreicht die Hangneigung im Durchschnitt etwas mehr als 35° und mehr an Einzelstellen.

durch die Blockfelder hindurch zieht sich der Aufstieg ins Steintal

Wir erreichten den Steilhang etwa um halb elf und fanden ihn bereits tief aufgefirnt, jedoch noch gut griffig vor. Dies vielleicht als Tipp für die Wahl des Abmarsches in Haggen – wir starteten kurz nach acht Uhr.

Herwig voraus zum Steilhang

Die Ausrichtung des Hangs zeigt nach Südost, sodaß er bereits mit den ersten Sonnenstrahlen erwärmt wird. Zusätzlich gibt es ab dem Sonnenaufgang keine Abdeckung durch vorgelagerte  Erhebungen, sodaß er sich im April zu dieser Tageszeit bereits gute drei Stunden unter Erwärmung befindet.

Rückblick auf den Aufstieg im hinteren Steintal

Im oberen Teil flacht die Steigung ab, etwa ab zwei Drittel des Aufstiegs von unten. Einige Steinfelder im oberen Bereich waren bereits ausgeapert, die Schneedecke jedoch weitestgehend geschlossen.

bereits gut aufgefirnte Spur

Am Grat kein störender Jochwind, wir fanden ein angenehmes Lüftchen vor, unter dem der Aufstieg zum Gipfel keine Zusatzbekleidung bedurfte.

oberer Teil des Steilhangs

Der Felsaufstieg von etwa 50Hm läßt sich mit den Tourenschuhen leicht begehen und die Blöcke durchgehend recht griffig. Der Aufstieg ist kaum ausgesetzt und eher steintalseitig denn direkt an der Gratlinie. Etwa zehn Minuten benötigten wir bis zum Gipfelplateau mit dem kleinen Steinmann.

Schidepot unterhalb der Nördlichen Steintalspitze

Die Südliche Steintalspitze liegt ca. 300 m entfernt am Grat zum Schöllerkogel und ob sie wirklich einen eigenständigen Gipfelnamen rechtfertigt mag dahingestellt sein, die notwendigen 30 m Schartenhöhe können im Blick auf sie schwerlich erkannt werden.

Nördliche Steintalspitze, 2.742 m

Am Grat weiter Richtung Süden befindet sich der um 160 m höhere Schöllerkogel (2.902 m), rechts davon der schöne Gipfel der Kraspesspitze (2.954 m) mit Gipfelkreuz.

im Vordergrund kaum gut erkennbar die Südliche Steintalspitze, dahinter Schöllerkogel und rechts davon die Kraspesspitze; ganz rechts Finstertaler Schartenkopf

Weiter südwestlich taucht der Grat zur Finstertaler Scharte ab und schwingt sich wieder zum Schartenkopf hinauf (2.855 m). Der Übergang vom Finstertal mit Schartenkopf und Kraspesspitze stellt eine der bärigen Rundtouren im Kühtai dar.

Finstertaler Schartenkopf, Gamskogel und rechts Sulzkogel

Gegenüber im Westen befinden sich die schön geformten Spitzen des Sulz- und des Zwölferkogels und der Blick auf Kühtai.

Kühtai in der Tiefe

Im Nordwesten, auf der gegenüberliegenden Talseite im Kühtai, markiert der markante Pirchkogel, die zweithöchste Erhebung in den Nördlichen Sellrainer Bergen, das zum Talbeginn des Ötztals hin abfallende Gebirge gegen Westen.

Pirchkogel bis Rietzer Grießkogel im Norden

Die höchste Erhebung im Norden bildet der mächtige Rietzer Grießkogel (2.883 m). Mit nur 117 m fehlendem Höhenunterschied zu einem Dreitausender die weitaus höchste Erhebung direkt im Inntal bis zur Mündung des Ötztals.

Pockkogel und Windegg

Gegenüber der Nördlichen Steintalspitze befindet sich der Pockkogel, den Julius Pock, Gründer der Bergsteigergemeinschaft der „Wilden Bande“ zu Innsbruck (1878), ab Samstag Nachmittag nach Dienstschluss, mit dem Fahrrad von seiner Wohnung in der Colingasse in Innsbruck in Angriff nahm und am Sonntag erst bestieg, sowie wieder am selben Tag nach Hause zurückkehrte.

am Schidepot bei der Rast

Zurück am Schidepot genossen wir die bereits kräftige Sonne bei der Gipfelrast. Einige Tourengruppen kamen nach, die Nördliche Steintalspitze bekam jedoch kaum mehr Besuch, da wenige den Gipfel besuchten, sondern den Aufstieg am Grat beendeten.

der tolle Abfahrtshang im Rückblick

Eine bärige Abfahrt über den mittlerweile schon fast zu tief aufgefirnten Sonnenhang bildete den Auftakt der Abfahrt ins Kraspestal.

Über die dunkle Zwinge hinab herrschten – wie meistens – dieselben Verhältnisse wie in der Früh, die Strecke blieb hart und gefroren.

Flachstrecke im Steintal

Bei kaltem Wind kehrten wir zu g’schmackigen Knödeln in das Gasthaus Forellenhof ein, die Schärmer Alm hatte Vortags den letzten Tag vor einem Betriebsurlaub.

schöner Blick über die untere Zwinge ins äußere Kraspestal

Die sonnige kurze Schitour erstreckt sich über 1.095 m Aufstieg für die wir 4:43 h benötigten. Die Streckenlänge beträgt 5,5 km.

Mils, 18.04.2022

1 interessante Richtigstellung der im Kartenwerk (AV und Tiris) falschen Bergbezeichnung durch Lukas Ruetz: https://www.lukasruetz.at/2016/04/29-4-2016-zwieselbacher-rosskogel-3080m-schoellerkogel-2910m/

die Benennung „Schöller Kogel“ wird ebenfalls im Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt geführt, Jahr: 1932 Band: 82, Ladurner Josef: Die Quartärablagerungen des Sellrain (Stubaier Alpen)

weitere Hinweise der Namensgebung finden sich in der Besteigungsgeschichte des Gleirscher Fernerkogels im September 1883 durch Ludwig Purtscheller und Hans Schöller:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gleirscher_Fernerkogel

Hans Schöller, ein Physiker: https://apis.acdh.oeaw.ac.at/person/39606
dürfte Purtscheller am gemeinsamen Arbeitsplatz in der Ober(Staats)realschule in Salzburg kennengelernt haben und sich nicht nur bei vorgenannter Erstbesteigung, sondern verstärkt in den Sellrainer Bergen aufgehalten haben; es drängt sich der Schluß auf, daß der Schöllerkogel möglicherweise nach ihm benannt wurde

Schitour Brennerspitze, 2.877 m

Bereits eine recht anspruchsvolle stellt die im oberen Teil sehr steile und unvergessliche Schitour auf die Brennerspitze dar, die im oberen Teil durchwegs Hangneigungen von 35 bis 40° aufweist und an den Gratrippen darüber hinaus. Von Krößbach aus, mit 1.760 m Aufstieg, ist sie noch dazu eine lange. Für dieses Unternehmen müssen die Schnee- und Lawinenverhältnisse passen.

Brennerspitze, 2.877 m

Am kleinen Parkplatz Oberegg oberhalb des Neustifter Ortsteils Krößbach starteten wir am Rodelweg in Richtung Milderaunalm. Zunächst mußte am Weg drei Kehren entlang aufgestiegen werden bevor wir rechts in den Wald die Abkürzung nehmen konnten, die in direktem Anstieg zur Milderaunalm führt.

in der Abkürzung kurz vor der Milderaunalm

Nach einer Stunde erreichten wir die geschlossene Alm auf 1.675 m und mit erstem Blick auf das Ziel, noch 1.200m höher.

Gelände der Milderaunalm

Hinter der Milderaunalm folgten wir den Spuren, die entlang des Sommerwegs in den Wald auf einen Rücken mit aufgelockerter Lärchenbewaldung führten. Kurzzeitig wurde dort das Gelände flacher und leitete auf den nächsten Anstieg im stetig lichter werdenden Wald über.

im oberen Teil des Waldes, Lärchenbewuchs sorgt für Auflockerung

Das Gelände wird aufwärts gequert bis sich eine Mulde auftut, in der weiter aufgestiegen wird. Der Wald weicht mehr und mehr zurück, sodaß am oberen Teil der Mulde nur mehr vereinzelt Bäumchen angetroffen werden.

eine Mulde führt unterhalb einer Geländestufe

Entlang der von West auf Nordost drehenden Mulde, die sich verflacht und ausläuft, passiert man eine Geländestufe unterhalb des Hühnerspiels. Diese Stufe ist der nächste Steigabschnitt, sie wird gegen Ende der Nordostrichtung auf langem, jedoch flacherem Weg durchstiegen. Die Dimensionen dieser Passage beeindruckten uns im Aufstieg.

Querung unterhalb der Geländestufe nach Nordwesten

Auf der Geländestufe oben hat man bereits die 2.200 m Marke überschritten und noch knapp 700 Hm zu überwinden. Die Dimensionen dieses Anstiegs erscheinen dennoch gewaltig.

oberhalb der Stufe breitet sich ein schönes breites Kar aus

Der Ausblick auf die Brenner- und die um 130 Hm niedrigere Mittergratspitze, rechts der ersteren ist großartig. Das Schigelände kann als phantastisch bezeichnet werden, ein steiles Hochtal mit wunderbaren Abfahrtshängen.

durch die Mulde auf den steilen Hang

Zunächst mußten wir durch eine seichte Mulde, bevor das Gelände stetig steiler wurde. Zu lange folgten wir den Spuren unserer Vorgänger, sodaß wir den gleichen Fehler begingen und rechts der beiden Rippen unterhalb der Mittergratspitze aufstiegen, die zu steil zum überwechteten Grat führen.

schlechte Aussichten voraus – zu weit rechts aufgestiegen

Der Versteiger führte zu einer etwas prekären Situation, die erforderte, daß wir unter den mächtigen Wechten am Grat westwärts queren mußten. Allerdings auch mit dem Vorteil einer ganz vorzüglichen Perspektive für ein Bild vom Gipfelaufbau der Brennerspitze und den Blick auf den Originalaufstieg, eine Rippe weiter westlich, mit flacheren Flanken.

mit Querung unter extremer Hangneigung

Der Tiefblick in der Querung zum Sattel zwischen beiden Gipfeln zeigt die Steilheit wesentlich besser als der Eindruck von unten. Der letzte Hang zum Schidepot ist dann wesentlich flacher als der Mittelteil davor.

letzte Querung auf den Gipfelhang der Brennerspitze

Vom Schidepot gilt es noch knapp 50 Hm stapfend zu überwinden, wovon der Großteil sehr steiles Gelände darstellt. Mit Stapfspuren jedoch keine gefährliche Angelegenheit und auch nicht ausgesetzt.

am Fuß des Gipfelhangs der Brennerspitze

Das schmale länglich geformte Gipfelplateau konnte die für die Brennerspitze ungewöhnlichen Massen an Schitourenbergsteigern an diesem wunderbaren Tag kaum aufnehmen, so zog sich am Grat eine kleine Schlange an Gipfelbesuchern hin bis vor das erste Schärtchen in Richtung Kerrachspitze.

Gipfelkreuz der Brennerspitze vom Schidepot aus

Zwei Bergfreunde, offensichtlich ein Ehepaar, stifteten der Tafel nach das schöne und massive Holzgipfelkreuz auf der Brennerspitze. Eine Jahreszahl dazu gibt es nicht am Kreuz zu sehen, es dürfte aber schon einige Jahrzehnte die Brennerspitze zieren, bedenkt man die Schlitzschrauben, mit denen die Tafel moniert wurde.

Herwig am Gipfel der Brennerspitze

Aufgrund ihrer zentralen Lage im Stubaital und der weit gen Norden und Osten konkurrenzlosen Höhe stellt die Brennerspitze einen phantastischen Aussichtsberg dar.

Detailaufnahme der Nordflanke des Habichts

Der eindrücklichste Blick ist jener in den Süden auf die gewaltige Nordseite des Habichts. Der Anstieg erfordert hohes alpinistisches Können im Eis sowie eine hervorragende Kondition.

Rechts des Habichts kann in der Ferne gerade noch der Hohe Zahn und die Weißwandspitze erkannt werden, die vom Gschnitztal aus begangen werden.

Habichtkamm mit seinem Namensgeber dem Habicht und rechts im Hintergrund gerade noch der Hohe Zahn und die Weißwandspitze zu sehen.

Weiter rechts, im Südwesten bietet die Brennerspitze eine hervorragende Aussicht auf die Riesen des Mittleren Hauptkamms, von den Wetterspitzen, den Feuersteinen über den Wilden Freiger, dem flachen Gipfel der Sonklarspitze bis hin zu Wildem Pfaff und dem Zuckerhütl.

von links der markante Ochsenkogel, Äußere und Innere Wetterspitze, Schneespitze zwischen beiden, Östlicher, Westlicher (höchster) und Aperer (tiefer unten) Feuerstein, Langental mit Grüblferner am Ende in der rechten Bildhälfte, roter Grat, Wilder Freiger, der flache Kammgipfel der Sonklarspitze, Wilder Pfaff und Zuckerhütl

Von den Alpeiner Bergen muß als höchste Vertreterin die Ruderhofspitze erwähnt werden, mit weiteren seht lohnenswerten Zielen im Ostteil des Kamms, beispielsweise die Östliche Knotenspitze von der Neuen Regensburger Hütte aus und der mächtige Schrankogel.

Zuckerhütl links, Pfaffenschneid, Aperer Pfaff, Schaufelspitze und Nockwand im Vordergrund fast auf einer Linie, in der Ferne Stubaier Wildspitze über der Grawagrubennieder und rechts davon der Östliche Daumkogel, der schwarze amphibolitische Kamm zur Ruderhofspitze, rechts davon die Östliche Seespitze, rechts davon die Kräulspitzen, im Vordergrund die Knotenspitzen, äußerst rechts der mächtige Schrankogel

Im Westen, gut 800m entfernt, die Kerrachspitze, ebenfalls ein Schitourenziel, unternommen aus dem Oberbergtal, rechts davon in der Tiefe das bekannte Rinnenspitzl, erster und leichtester Dreitausender von der Franz Senn Hütte aus, rechts dahinter die Lüsener Spitze, dann der mächtige Lüsener Fernerkogel, der Gleirscher Fernerkogel und schließlich, als Abschluss der Dreitausender im Rundblick, die Hohe Villerspitze, gebaut aus dem bereits von weitem unterscheidbaren schwarzen Amphibolit, der als im Norden den granitischen Kern der Stubaier begrenzt.

rechts neben dem Lüsener Fernerkogel der Gleirscher Fernerkogel über dem kleinen Horntaler Joch, rechts vom Horntaler Joch die Grubenwand, tiefer im Vordergrund der Schafgrübler, die mächtige schwarze Hohe Villerspitze, Lüsener Villerspitze im Hintergrund, Schaldersspitze im Vordergrund und rechts davon Roter Kogel

Das schöne Schitourenziel des Roten Kogels im Hintergrund und das Schwarzhorn bilden in den Sellrainer Bergen den Abschluß, in den anschließenden Kalkkögeln die Schlicker Seespitze.

die ausklingenden Kämme nach Osten; links in den Südöstlichen Sellrainer Bergen das Schwarzhorn, im Vordergrund im Kamm Mittergrat- und Seeblasspitze, im Hintergrund Kalkkögel und in der Ferne die Spitzen des Karwendels

Die Tuxer im Osten und die Zillertaler in der Ferne, sowie die bärigen Schitourenziele im Serleskamm, es seien hier mit der Kesselspitze und der Lämpermahdspitze nur zwei rassige Vertreter der zahlreichen, hier am Blog beschriebenen Touren von Trins aus genannt, runden den Ausblick von der Brennerspitze ab.

der Serleskamm mit bärigen Schitourenzielen südöstlich gegenüber

Im Tiefblick in das Oberbergtal hinab zeigt sich ein durchwegs steiler nordseitiger Anstieg. In den Hängen orographisch links oberhalb der Normalroute forderte ein Lawinenabgang in die Äußere Stöcklengrube hinab wenige Tage später das Leben eines jungen Kollegen, eines exzellenten Schifahrers. Die Hänge sind dort sind so wie auf der Südostseite ebenfalls über 40° steil.

Tiefblick ins Oberbergtal

Vom Schidepot genossen wir die erste pulverige Abfahrt bis zum steilen Mittelteil, über den man nicht hinuntersehen kann, bis dessen obere Begrenzung erreicht ist.

Abfahrt über den Gipfelhang

Wir hatten das große Glück in jungem Lockerschnee zu fahren, ja im oberen Teil kann man sagen es war annähernd Pulverschnee, unten war ihm ein kaum merkbarer dünner Umwandlungsdeckel aufgesetzt.

Steilstrecke von der Brennerspitze hinab

Die Hangneigung mag auf den Bildern nicht steil erscheinen, in Wahrheit beträgt sie im Mittelteil auf dieser Seite im Durchschnitt 38° (gemessen im TIRIS) mit Passagen gut über 40°.

beste Schneeverhältnisse

Bis zur Milderaunalm genossen wir die Abfahrt zwischen schwerem Altschnee auf der Sonne zugewandten Hängen – Firn war noch keiner gebildet – und im schattigen Wald wieder unter lockerem Schnee.

 

 

Ab der Alm überwiegten fauler firnähnlich körniger Altschnee und auf der Rodelbahn feste Oberflächen. Einige Hundert Meter mußten wir die Schi schultern, kaum der Rede wert.

Panorama Südabfahrt Brennerspitze

Gesamt benötigten wir 5:50 Stunden für die lange Schitour. Die Strecke beträgt 6,2 km und der Aufstieg 1.720 m.

Mils, 13.03.2021

Schitour Eningkopf, 2.183 m

Im Hochwinter bietet die Schitour auf den Eningkopf ein kurzes spritziges Aufstiegsvergnügen im oberen Teil nach dem Verlassen des Sandestales mit Sonne auf den wesentlichen Aufstiegs- und Abfahrtshängen.

Ausblick über das Gschnitztal mit den tollen Tourenzielen von Trins aus

Mit einem Aufstieg von gute 900 Hm eignet sich die Tour als Halbtagsvergnügen – abgesehen von der langen und malerischen Anreise durch das gesamte Gschnitztal – sowie zum Ausweichen bei erheblicher Lawinengefahr. Die Hangneigung erreicht im steilsten Stück gerade nicht 35° und erstreckt sich über etwa 30 Hm.

Andrea mit dem Panorama von Kalkwand bis Kirchdachspitze

Mit entsprechender Routenwahl kann dieses kurze Stück entschärft werden. Bei unserer Begehung passierten wir im oberen Teil, etwa 100 m unterhalb der Grathöhe, kleine Rutschungen bis zum Grund entstanden durch das im heurigen Winter so ausgeprägte Altschneeproblem.

am Sandestalweg vor der nächsten Geländestufe

Entlang der Straße nach dem Gasthaus Feuerstein – der Parkplatz dient im Winter als Langlaufpiste und ist nicht geräumt – quetschten wir uns noch in eine etwas ausgeschobene Nische abseits der Straße zur Laponesalm. Die Parkmöglichkeiten vor dem Gasthaus Feuerstein waren bereits ausgeschöpft.

nach der Abzweigung, im Hintergrund Gschnitzer und Pflerscher Tribulaun

Wir nahmen die Abkürzung durch den Wald, direkt am Bauernhof neben der Straße aufsteigend. Durch die relativ unergiebigen Schneefälle bis Mitte Jänner sollte sich diese kleine Abkürzung zeitlich kaum rentieren, denn über zahlreiche Stellen war das Weiterkommen nicht besonders rasch möglich, kurzum es lag wehr wenig Schnee im Wald und die Schleife am fahrbaren Sandestalweg wäre keine langsamere Variante gewesen.

Aufstieg in das Almgelände

Etwa 100 Hm höher erreichten wir den Sandestalweg annähernde gleichzeitig mit der Gruppe, die etwa zeitgleich mit uns den Parkplatz verlassen hat. Über die letzten Meter mußten wir aufgrund der Steilheit und der Baumreste, die über die Wegkante geschoben wurden und uns zu schaffen machten, die Schi ablegen und tief einsinkend stapfen.

Sonne im Jänner um 10:20 Uhr

Am Sandestalweg kann die tolle Landschaft während dem Aufstieg genossen werden, wobei der Rückblick talauswärts immer unweigerlich an dem eindrucksvollen Koloss der Kirchdachspitze hängen bleibt.

Aufstieg zum Eningkopf in toller Kulisse

Zuvor beim Rückblick beeindrucken aber auch die Kletterberge Kalkwand und Ilmspitze, die gegenüber im Tal selbst im Jänner bereits vor neun Uhr unter Sonnenlicht in Weiß erstrahlen und die über die gesamte Drehung des Weges nach Süden eingesehen werden können, fast bis Vordersandes.

bald wechselt die Route auf die rechte Muldenseite

Vorbei am kleinen Jagdhüttchen auf der Freifläche, an der kurzzeitig vom Weg abgewichen wird, führt der Weg taleinwärts und gibt den schwindenden Blick auf die Kirchdachspitze zugunsten der Frontalansicht der beiden hohen Tribulaune, mit ihren mächtigen Nordflanken frei.

im rechten Teil des Hangs

Dem Weg wird noch über zwei Kehren gefolgt, oder diese auf direktem Anstieg abgekürzt, bevor nach 450 m die Abzweigung auf die herabziehende Flanke erreicht wird. Im Gelände ist sie eindeutig sichtbar und sie führte uns über eine Kehre zum Almgelände mit einem Almgebäudes unterhalb der Aufstiegsroute und einem verfallenen jenseits des Bachs, der auch des Winters im Gelände erkennbar ist.

mittelsteiler Aufstieg unterhalb des felsigen Kopfes

Muldenförmig zieht das ansprechende Gelände der Alm in mäßiger Steigung im unteren Teil auf die Einsattelung zwischen Gargglerin und Eningkopf empor. In der Mulde tauchten wir in die Sonne ein und im Südhang änderte sich auch die Schneekonsistenz, unter einem dünnen Harschdeckel jedoch noch locker und weich, merkbar.

im unteren Teil der Steilstufe; rechts oben die kleinen Rutschungen

Die Route zieht im rechten Teil der Mulde hinauf, das Gelände bildet einen netten Aufstieg zwischen kleineren Felsblöcken und wenigen Bäumchen hindurch. Der felsige Kopf mitten im Gelände wird rechts (östlich) umgangen womit in den steileren Teil der Tour eingestiegen wird.

Rückblick auf das Gelände

Der steile untere Teil erstreckt sich bis über den felsigen Kopf, etwa über 50 Hm bevor er in Blockgelände oberhalb wieder abflacht und sich zur Grathöhe hin ein zweites Mal etwas steiler ausbildet. Beide Teile können mit günstiger Routenwahl für größtmögliche Sicherheit begangen werden. Im unteren Teil traten die Rutschungen auf, allerdings östlich von der Spur entfernt.

oberhalb der unteren Steilstufe

Gegen den Grat hin flacht das Gelände leicht ab, am Ankunftspunkt am Grat findet man eine seichte Grube vor, die sich für ein Schidepot eignet.
Über den felsigen Grat kann der Eningkopf bestiegen werden, über 180 m Gratlänge und mit etwa 50 Hm, welches wir aufgrund fehlenden Erlebnisgewinns unterließen und offenbar alle Tourengeher der letzten Tage auch, wie wir anhand der fehlenden Spuren feststellen konnten. Gipfelkreuz trägt der Eningkopf keines.

das obere steile Stück

Stattdessen folgten wir den Spuren unserer Vorgänger auf den Sattel Richtung Gargglerin soweit die Sonne ihn beleuchtete und richteten dort unseren Rastplatz ein. Die orographisch rechte Seite des Almgeländes wird durch die Abdeckung durch die Gargglerin weniger lang beleuchtet und stellt damit auch die besser geeignete für die Abfahrt dar. Und wir sollten dort auch Lockerschnee vorfinden.

dem Grat nahe; im Hintergrund rechts der Aufstieg zum Eningkopf

Trotz der Abdeckung der Sicht durch die Gargglerin genießt man von diesem Rastplatz aus eine tolle Sicht auf die Umgebung. Im Nordosten befinden sich die sagenhaft schönen Touren auf die Hammerspitze, etwas verdeckt durch ihre Gratfelsen, und auf den gut sichtbaren Padasterkogel sowie auf die Peilspitze.

Ausblick über das Gschnitztal mit den tollen Tourenzielen von Trins aus

Gen Südwesten wird als erstes Ziel in der Kette das Gstreinjöchl erblickt. Auf dieses führt eine bärige Frühjahrstour von Hintertrenns aus. Anschließend, weiter im Süden prangt der kolossale Gschnitzer Tribulaun, auf den wir im Vorjahr eine rassige Schitour unternahmen, leider bei mäßigem bis schlechten Wetter.

Herwig und Andrea am Rastplatz

Im Norden gegenüber bietet sich die Frontalansicht auf den Habicht, ein Ziel das unbedingt erstiegen werden muß. Hierzu werden optimale Bedingungen benötigt, man muß sie erwischen.

Habicht Südanstieg im Norden

Die Abfahrt vom Eningkopf, bzw. von unserem Rastplatz am Grat führte uns zunächst unterhalb alter Schneemäuler knapp unter dem Grat und einer mittelbreiten Rutschung durch das Altschneeproblem. Wir befuhren die Strecke einzeln bis zu einem sicheren Punkt danach.

Abfahrt vom Grat; links oben das Gleitschneemaul

Von dort hatten wir eine lange Strecke Lockerschnee mit tollem Abfahrtserlebnis über gestuftes Gelände, steiler als auf der Aufstiegsseite. Dies muß bei entsprechender Lawinensituation beachtet werden.

da macht die Abfahrt Freude

Weiter unten flacht das Gelände ab und im selben Maß nahm der Harschdeckel zu. Es wurde bis zum verfallenen Almgebäude hinab schwieriger zu drehen.

im steileren Teil der Abfahrt; Aufstieg im Rückblick mit weiteren Tourengehern

Anschließend Gelangten wir in wieder steileres Gelände mit mitteldichtem Strauchbewuchs durch das die Abfahrt mit Anstrengung auf den Sandestalweg einen netten Abschluß bildete.

im flacheren Teil vor der Almhütte

Zurück zum Parkplatz bleibt der Abfahrt am Weg keine Alternative. Eine Einkehr im Gasthaus Feuerstein schließt Touren im hinteren Gschnitztal immer würdig ab.

Abfahrt vom Eningkopf – bereits der Alm nahe

Gesamt benötigten wir 3:50 Stunden für die kurze Schitour. Die Strecke beträgt 6,2 km und der Aufstieg 920 m.

Mils, 15.01.2022

Schitour Sonnenjoch, 2.292 m

Die streckenmäßig längste Schitour im Luegergraben stellt der schöne, sonnige Aufstieg auf das Sonnenjoch am Talschluß dar. Das geschichtsträchtige Ziel, auch Sonnjoch genannt,  wird bei schönem Wetter auf einer unvergesslichen Tour erreicht, ein leichter Gipfel mit rassiger Abfahrt über seine felsigen Nordhänge.

Sonnenjoch, 2.292 m – mit Herwig und Andrea

Auch geographisch stellt das Sonnenjoch einen Zentralpunkt dar, treffen dort die drei Bezirke Kitzbühel, Kufstein und Schwaz zusammen, sowie fünf Gemeinden: Alpbach, Wildschönau, Hopfgarten, Stummerberg und Hart.

Blickfang – Gedenktafel der Schützen der fünf Gemeinden, die Anteil am Sonnenjoch haben; selbstverständlich regt die Tafel zum Nachforschen an

In den Tiroler Freiheitskämpfen spielte das Sonnenjoch eine wesentliche Rolle, wie im Bericht der Stummer Schützen nachzulesen ist. Es bildete einen geheimen Schützenweg von der Wildschönau in das Zillertal auf dem die Kompanien der oben genannten Gemeinden hin- und her zogen und dadurch Feindberührung im Inntal vermeiden konnten. Weitere Begebenheiten, die – so die Chronik – durch im Ferdinandeum in Innsbruck anhand von Original-Urkunden belegt sind, können sich in der Zusammenstellung Die 15 Kompanien des Zillertales nachlesen lassen.

Rodelbahn im Luegergraben

Unter Läuterung solcherart schwerwiegendem Geschichtswissen unternimmt man aber nicht bereits vom Parkplatz im Luegergraben die lange Anreise auf das Steinbergerjoch unterhalb des Sonnenjochgipfels. Nein, erst am Gipfel selber findet man Zeugnis des Gedenkens an die Ereignisse, die mittlerweile gute 200 Jahre zurückliegen.

kurz vor der Faulbaumgartenalm

Erst durch die schöne Bronzetafel am Sockel des großen Gipfelkreuzes, das von den Schützenkompanien 1974 errichtet wurde, erfährt man vom Schützenweg von 1809 und interessiert sich für das Geheimnis welches das Sonnenjoch in sich birgt.

Faulbaumgartenalm am Vormittag

Die Schützen der angrenzenden Gemeinden veranstalten bis heute in regelmäßigen Abständen und in Abwechslung der Organisation jeweils am letzten Sonntag im August Gedenkfeiern am Gipfel des Sonnenjochs.

Aufstieg zur Filzalm nach der Faulbaumgartenalm

2017 war Stumm an der Reihe, weitere Veranstaltungen konnten im Internet nicht in Erfahrung gebracht werden. Möglicherweise ist aber auch die Abfolge der Gedenkfeiern durch die Vorschriften der noch immer vorherrschenden Virenhysterie durcheinandergeraten.

Rückblick von der zweiten Talstufe

Den Aufstieg entlang der Rodelbahn bis zur Faulbaumgartenalm teilt man sich mit allen übrigen Schitourenfreunden, die andere Routen auf die bärigen Ziele vom Luegergraben aus unternehmen, beispielsweise auf Mareitkopf, Kleiner Beil, Großer Beil oder auf den Torkopf. Und wer spät losmarschiert teilt sich die Rodelbahn mit den ersten Rodlern am Tag.

Filzalm voraus, herrliche Landschaft

Auf der langen Strecke bis hinter die Faulbaumgartenalm von mehr als dreieinhalb Kilometern werden schon beachtliche 360 Hm Aufstieg mitgenommen. Nach der Alm wird es ruhiger und alpiner, nur mehr Schispuren führen hinauf auf die nächste Talstufe zur urigen Filzalm.

auf den Hang querend zur Rippe

Das Gelände um die Filzalm ist breiter und länger als jenes der Faulbaumgartenalm, ein richtiges Plateau bis unter die Steinbergalm fanden wir vor. Links der Steinbergalm zieht eine auffällige Rippe auf das Steinbergerjoch.

Steineralm im Talkessel

Die Filzalm wird rechts liegen gelassen, die Route führt schräg aufwärts, den Hang schneidend, auf die Rippe, die von unten den Eindruck erweckt, sie wäre speziell zum Erreichen des Steinbergerjoches angelegt worden.

Im Hintergrund rechts der Aufstieg zum Großen Beil

Die gesamte Strecke, vom Parkplatz bis zum Joch und auf den Gipfel befindet sich unter Sonnenbestrahlung, mit ganz kleinen Unterbrechungen im Tal. So auch auf der langen Aufstiegsrippe zum Joch, die von der Hälfte ihrer Länge über ihre Restlänge eingesehen werden kann und die über einige Kuppierungen zum Joch ausläuft.

das Joch oberhalb Andrea sichtbar

Am breiten Steinbergerjoch (1.907 m) fallen zunächst die breiten Gründe auf der Südseite auf, der Triplon- und vor allem der Hemmerergrund, die vom Tal ihren Zugang über den bekannteren Märzengrund beziehen.

erster Blick in den Hemmerergrund im Zillertal

Vielmehr fallen die begrenzenden Gipfel an dem Talschlüssen ins Auge, welche da mit Rifflerkogel, Katzenkopf und Torhelm genannt werden können, allesamt 2.500er Erhebungen.

das gewaltige Becken des Hemmerergrundes im Zillertal

Ebenfalls am Steinbergerjoch befindet sich die Otto-Leixl-Hütte, eine Schutzhütte der Akademische Sektion München und privat. Sie wurde 1921 gebaut und steht mit Blick nach Süden rechts neben einem Almgebäude der Kothüttenalm, das wesentlich später errichtet wurde.

Blick nach Westen auf den Märzengrund; rechts oben Otto-Leixl-Hütte

Nach links (östlich) führte uns der sonnige Aufstieg über weitläufiges Gelände auf den breiten flachen Grat. Mit dem Gipfel des Sonnenjochs. Der Aufstieg erfolgt nicht direkt zum vom Joch aus nicht sichtbaren Gipfel, der Routenverlauf der Schitour folgt zuerst dem Sommerweg Richtung Niederjoch, bevor er linkerhand in einen steileren Hangteil abzweigt und direkter auf den Grat führt.

phantastisches Gelände auf das Sonnenjoch

Das herrliche Steiggelände erlaubt nördlich und südlich bärige Blicke auf die Flanken und Talverläufe und man kann die Aussicht aufgrund der eingeschränkt notwendigen Konzentration im einfachen Gelände aufsaugen.

letzte Mulde vor der Westflanke, tolle Übersicht über den Aufstieg

Unterschätzen sollte man den Aufstieg vom Joch in seiner Länge nicht, bis auf den Kamm ist man schon etwa 40min unterwegs. Schön gestuftes Gelände führt zu einer leicht steileren Mulde, die auf den breiten Kamm führt.

der alte Verfasser keucht hinterher und schmiedet Pläne für den Großen Galtenberg

Im oberen Bereich bietet sich ein umfassender Blick auf den Märzengrund, auf das Plateau um die Gmünd Alm, mit einem Höhenunterschied von gut 800 m knapp vor der Kammhöhe. Diese präsentierte sich leicht abgeblasen, sodaß einige Schritte auf den flachen Kamm durch Wiesenbüschel vonnöten waren, um auf den breiten Buckel zu gelangen.

über ein paar Meter abgeblasenes Bergwiesengelände auf den Kamm

Am Kamm angelangt erblickten wir das Gipfelkreuz am Sonnenjoch in einiger Entfernung auf der breiten Hochfläche, die von allen Seiten gestürmt wurde, wie es uns durch mehrere Aufsteigende vom Langen Grund zunächst den Anschein machte.

Sonnenjoch bei der Ankunft am Kamm

Den flachen Gipfel nimmt man gar nicht so offensichtlich als einen solchen an, das Plateau auf dem das Gipfelkreuz thront dürfte die Größe eines Fußballfeldes besitzen.
Natürlich sticht die Bronzetafel der Schützenkompanien ins Auge, die sich in Brusthöhe im Steinsockel des Gipfelkreuzes eingelassen gut lesen läßt.

Gipfelkreuz Sonnenjoch von Norden gesehen

2024 im August jährt sich die Errichtung des Kreuzes zum 50. Mal und die mächtige Holzkonstruktion befindet sich dank gelebter Handwerkskunst vom Schlägern bis zur Verarbeitung in einwandfreiem Zustand.

Hemmerergrund im Süden

Der Fernblick an diesem Tag litt unter der Bewölkung ein bisschen. An den nahen Zielen konnten wir und freuen, Weitblicke blieben leider versagt, wie auch manche  Gipfel, außer dem beherrschenden imposanten Alpbacher, dem Großen Galtenberg mit seinen zwei Trabanten, dem Torkopf und dem Mareitkopf, die vorzügliche Tourenberge darstellen.

die Majestät im Alpbachtal – Großer Galtenberg; rechts Torkopf und Mareitkopf

Bei der Perspektive von Sonnenjoch kommt der lange Rücken des Großen Galtenbergs hinab zum Steinbergerjoch gut zur Geltung und es erhebt sich die Frage, ob die Mädels, die wir zwei Wochen später den Südgrat daher stapfen sahen nicht etwa vom Steinbergerjoch aufgestiegen sind.

Blick in den Osten – Trennkamm zwischen Wildschönau und Hopfgarten

Im Osten und im Süden sah es schlechter aus, die Gipfel jenseits dem Langen Grund konnten wir wegen Nebels nicht sehen, dafür aber im Kamm den Norden mit dem Großen Beil und dem Gressenstein, der an diesen Tag von Osten aus der Wildschönau bestiegen wurde.

Kamm nach Norden mit Gressenstein links und Großer Beil mittig im Hintergrund

Zur Abfahrt wählten wir den Nordwesthang, der – sehr steil – zur Steinbergalm hinunterführt. Das Gelände erreicht dort im steilsten Teil an die 40° Neigung.

Rückblick auf den Sonnenjochgipfel

Der steilste Teil erstreckt sich über etwa 60 bis 80 Hm, die wir in Pulverschnee abfahren konnten und einzeln befuhren. Zu Beginn des Steilhanges öffnet sich ein sagenhafter Blick auf das Alpbachtal.

Unterhalb des Steilstückes flacht der Hang weitgehend ab und bildet an der Kante eine zweite Höhenstufe, mit wesentlich weniger Hangneigung und mit lichter Bewaldung.

ein atemberaubender Blick ins Alpbachtal besteht am Beginn des Nordwesthanges

Dieser Abschnitt führt leider allzu schnell zum Flachstück bei der Filzalm zurück. Wer lange am Hangbleibt und hoch hinausquert erlebt das Flachstück unter voller Fahrt.

Rückblick auf den Steilhang vom Sonnenjoch

Die Abfahrt von der Filzalm zur Faulbaumgartenalm erfolgt entlang der Aufstiegsspur.

malerischer Rückblick auf der Filzalm

Ein beschließender Rückblick auf die beeindruckende Tour sollte beim Bier von der Faulbaumgartenalm den mentalen Abschluß bilden.

Einkehr auf der Faulbaumgartenalm, der „Fauli“, um den überlangen Namen durch Verballhornung zu vereinfachen

Der gesamte Aufstieg vom Parkplatz auf das Sonnenjoch beträgt 1.235 m. Die Streckenlänge stellt mit 8 km eine lange Schitour dar, wahrscheinlich die längste im Alpbachtal. Wir benötigten dafür 5 Stunden incl. Pausen.

Mils, 27.02.2022

Schitour Kleiner Beil, 2.197 m

Links und rechts vom Luegergraben in Inneralpbach ziehen malerische Schitouren auf die Kämme, und links hinauf, im Trennkamm zur Wildschönau, liegt das interessante Ziel Kleiner Beil.

Kleiner Beil, 2.197 m

Der Anstieg über bäriges freies Gelände nach der Talwanderung erfolgt vor knapp der Faulbaumgartenalm. Vom Parkplatz (~1.120 m, 3.- pro Tag) wird entlang der Rodelbahn über 3,6 km und 360 Hm die abzweigende Aufstiegsspur etwa 200 m vor dem Stadel der Alm erreicht.

Abzweigung Route auf den Kleinen Beil vor der Faulbaumgartenalm

Einige aber wenige Spitzkehren führen durch den weitgehend freien mittelsteilen Hang etwa 220 Hm aufwärts, bis die Hangneigung zurückgeht und über wenig steiles Gelände die Stadelkehralm auf 1.800 m angepeilt wird.

über schönes mittelsteiles Geländer führt der Anstieg mit wenigen Spitzkehren

Malerisch führt die Route durch vereinzelte Zirben und gegen das Talinnere hin erreicht der Blick den Talkessel mit dem breiten Sattel in den Märzengrund im Zillertal. Eine der schönsten Schitouren im Alpbachtal führt dort auf das Sonnenjoch.

mit der Höhe gewinnt man einen übersichtlichen Blick auf den Talschluß

Unser Aufstieg war im oberen Teil, etwas oberhalb von 1.700 m von Lockerschnee geprägt, welcher uns später sehr willkommen war.

umfassende Aussicht über den Luegergraben und das Alpbachtal

Knapp unterhalb der Stadelkehralm öffnet sich ein phantastischer Rückblick auf den Luegergraben („Luagergraben“, lernt man vom einheimischen Parkplatzbetreuer) und hinaus nach Alpbach und dieser Platz eignet sich hervorragend für ein Trink- und Betrachtungspause.

Trinkpause bei der Alm, Hintergrund bereits die Umgrenzungen von Triplon- und Hemmerergrund

Linkerhand im Aufstieg besteht ein übersichtlicher Blick auf den Lämpersberg, der vom Parkplatz aus bereits wesentlich früher links abzweigend begangen und der auch in Kombination mit dem Saupanzen bestiegen wird.

phantastischer Blick auf die Westflanke des Lämpersbergs

Tolle freie Abfahrtshänge zur Feldalm hinab kennzeichnen seine Westflanke. Er überragt den Kleinen Beil um fünf Meter.

durch eine schattige Mulde auf eine Flachstelle

Östlich der Stadelkehralm zieht ein Westgrat vom Seekopf herab, der erstmals auf der schönen Route Schatten auf den Aufstieg wirft. Allerdings im Februar schon nur mehr von kurzer Dauer.

Richard an der Flachstelle

Nach einem kurz aufsteilenden schattigen Teil erreicht man wenige Minuten später eine Flachstelle, von der aus der Abschlußhang auf die Grathöhe einsehbar ist. Dieser Hang stellt sozusagen der Schlüsselteil  der Tour dar, denn er wird oben über ein kurzes Stück von etwa 30 Hm über 35° steil.

über Kuppen geht es auf die Steilflanke zu

Von der Flachstelle aus bietet sich auch ein guter Blick auf den Lämpersberg, der an diesem Tag mehrfach von der Wildschönauer Seite aus begangen wurde.

Aufstieg auf die Steilflanke

Ein weiteres Mal durch ein kurzes Stück Schatten stiegen wir von der Grube auf die aufsteilenden Kuppen vor dem Steilhang, dem Schlussstück der Tour.

am oberen Ende der Steilflanke

Der Steilhang dient auch der einzigen Abfahrt vom Kleinen Beil. Es ist also nicht verwunderlich, wenn die Aufstiegsspur über einen sehr großen Teil ihrer Länge zwischen den Spitzkehren sozusagen durch die Abfahrer weggerutscht wird und sich knifflige Partien ergeben, für die der Einsatz von Harscheisen sehr ratsam ist, will man sich nicht plagen.
Da dieser Hang ein Sonnenhang ist tritt diese Situation sicher recht häufig auf.

kurzes aperes Stück vor der Grathöhe

Gegen die Grathöhe flacht der Steilhang ab und wir erreichten eine kurze apere Stelle durch das krautige Gras, die ohne Steine zu durchqueren war.
Den breiten Grat konnten wir vollständig unter Schi aufsteigen, mit einer steilen ersten Partie auf einen runden Vorkopf vor dem Gipfel, der vom selben durch ein Schärtchen mit einigen Metern Abfahrt getrennt ist.

Aufstiegsroute auf den Lämpersberg von der Wildschönau

Am breiten Gipfelplateau sticht ein kunstvoll modernes Gipfelkreuz ins Auge. Wie so häufig bei modernen Gipfelkreuzen wurde es aus Edelstahl und Holz gefertigt und vom AV Wildschönau errichtet.

Blick auf das Feldalphorn zwischen Wildschönau und Kelchsau

Die Rundumsicht am Kleinen Beil ist phantastisch. Im Kamm nach Norden folgen Schitourenziele wie die bereits erwähnten Lämpersberg, der Saupanzen als kleiner „Pinggl“ links davon, dann der beliebte und einfach zu begehende Joel, bzw. Joelspitze.

im rechten Bilddrittel in der Ferne Großglockner und Großvenediger

Im Kamm südwärts geblickt versperrt der um gut 100 Hm mächtigere Große Beil den Blick. Gegen Osten breiten sich die Kitzbüheler Alpen aus, mit dem markanten Gipfel des Großvenedigers über dem Westlichen Salzachgeier im Südosten, sowie links davon der Großglockner in 60 km Entfernung und gegen Nordosten das mit nur mehr 30 km Entfernung gelegene Kaisergebirge.

Großer Beil im Süden

Gegenüber dem Kamm, im Westen besteht ein herrlicher Blick auf den Großen Galtenberg mit seiner bärigen Abfahrt über den steilen Osthang hinab zur Innermareitalm.

Blick auf Triplon- und Hemmerergrund im Zillertal, in der Ferne der Olperer

Rechts davon sein kleiner Trabant der Mareitkopf, der aufgrund seiner Hangneigung eine nette und weitgehend sichere Schitour ab Lawinenwarnstufe III darstellt und links davon ein ebenfalls schön zu begehender Trabant, der Torkopf.

Gegenüber im Tal der Große Galtenberg, links davon und tiefer der Torkopf, rechts davon der Mareitkopf

Rechts neben dem Großen Galtenberg und etwas weiter im Hintergrund die etwas raueren Gesellen der Sagtaler Spitzen mit dem Standkopf als schönstes Ziel und dem Gamskopf östlich davon.

Richard am Kleinen Beil

Mit etwa einer Dreiviertelstunde Pause gönnten wir uns etwas Muse am Kleinen Beil und traten die Abfahrt in der Mittagsstunde an.

Abfahrt über das kurze Gratstück

Der Steilhang erwies sich wenig aufgefirnt, bot aber eine einwandfreie Abfahrt.

Abfahrt am Steilhang

Unterhalb des Steilhanges im flacheren Gelände trafen wir auf weichen Schnee, der im Aufstieg schon Freuden verhieß. Pulverschnee war es keiner mehr, die Sonne hatte bereits ihren Dienst getan.

 

Über die Almwiesen hinab zur Stadelkehralm und weiter hinaus genossen wir die tolle Abfahrt. Im steileren Teil unterhalb 1.700 m bis hinab zur Faulbaumgartenalm machte uns der zunehmende Harschdeckel die Abfahrt schwerer.

an der Stadelkehralm – ideal zum Fühlen der Zeitlosigkeit der Gegend

Mit einer Einkehr auf der Faulbaumgartenalm beendeten wir die Tour vor der Ausfahrt auf den Parkplatz.

Abfahrt über die steileren Hänge hinab zur Faulbaumgartenalm

Die Schitour auf den Kleinen Beil stellt mit 1.125 m Aufstieg und 3:56 Stunden Gesamtzeit eine der kürzeren Schitour im Alpbachtal dar. Der Anmarsch mit 3,6 km über die Rodelbahn eignet sich hervorragend zum Aufwärmen auf den knapp 765 Hm Restanstieg von der Faulbaumgartenalm auf den Kleinen Beil. Die Gesamtstrecke bis zum Gipfel beträgt 6.1 km.

Mils, 13.02.2022

 

 

 

Venter Skirunde

Eine schier unglaubliche Strecke verbirgt sich hinter dem harmlos klingenden Titel der „Venter Skirunde“. Die originale Venter Skirunde misst 72 km an Strecke und erstreckt sich über knapp 6.000 Hm Aufstieg, fünf Tage Dauer und vier Hüttenübernachtungen.
Glücklich, wer die Zeit dafür aufbringen kann, um die phantastische Gletscherwelt so lange ununterbrochen bereisen zu können.

Start am Parkplatz beim Sessellift in Vent

Unsere Ausgabe der Venter Skirunde umfasste nicht die Originalstrecke, sie war verkürzt für vier Tage geplant. Leider musste wegen Schneemangel und gesundheitlicher Beeinträchtigung der vierte Tag ins Wasser fallen, sodaß drei der vier geplanten von fünf originalen Hauptgipfeln des Originals bestiegen werden konnten.

Die Tourengruppe: Florian, Rainer Mathias, Christian, Herwig

Der von uns bereiste Teil der Venter Skirunde umfaßte 54,7 km und 3.510 Hm Aufstieg (ohne Liftfahrt auf das Teufelsegg, die wegen Vereisung auf der nordseitigen Abfahrt auf den Hintereisferner auf der Normalroute unternommen wurde).

entlang am präparierten Weg zur Martin Busch Hütte

Zwei Hüttenübernachtungen bildeten die Stützpunkte zu den Aufstiegen. Am ersten Tag wartete ein langer Aufstieg über gut 12 km von Vent, vorbei an der Martin Busch Hütte auf die Similaunhütte, die einen Steinwurf hinter der Grenze in Südtirol liegt.
Am zweiten Tag trifft man auf der Schönen Aussicht Hütte ein, die hinter dem Hochjochsattel ebenfalls in Südtirol liegt.
Den Abschluss unserer Hüttenaufenthalte sollte das Hochjoch Hospiz bilden, jedoch mußte die Tour unterhalb der Hütte abgebrochen werden und der Abstieg ins Tal nach Vent erfolgen.

Erster Tag – Aufstieg von Vent

Berufsbedingt konnte die Abfahrt in Innsbruck kurz nach acht Uhr beginnen. Während der Anfahrt über die Bundesstraße machte uns vor Ötz eine Felsräumung zeitlich zu schaffen, sodaß der Parkplatz (20.- für vier Tage) am Sessellift in Vent auf genau 1.885 m erst gegen halb elf verlassen werden konnte.

Das schöne Wetter in diesem so ungewöhnlich sonnigen März trieb uns unter der Last der schweren Rucksäcke gleich beim Aufstieg unterhalb des Schleppliftes ins Niedertal den Schweiß aus den Poren.

Rast bei der Jagdhütte

Nach den ersten 100 m Aufstieg zieht sich der zum Fußgängerweg präparierte Weg über einige Kilometer mit einem ständigen leichten Auf und Ab taleinwärts. Diese Strecke ist ein schöner Auftakt, um sich auf die enorme Weite der hintersten Riesen der Ötztaler einzustimmen. Zu schnellen Schrittes erledigten wir diesen ersten Abschnitt, wodurch sich im anschließenden, etwas unangenehmen schrägen Teil der Talwanderung erste Verschleißerscheinungen bemerkbar machten.

Etwa dreieinhalb Kilometer talein oder nach etwa einer guten Stunde wird eine Jagdhütte erreicht, bei der wir eine Trinkpause einlegten. Von dort aus kann der Similaungipfel bereits eindrucksvoll in Augenschein genommen werden.

Mathias bei einer Trinkpause, im Hintergrund Florian

Bald danach endet der schön präparierte Weg, die Schiroute beginnt unter ständiger Hangneigung. Vorbei an einem ausgeklügelt lawinengeschützt errichteten Hirtengebäude (fünf Kilometer nach dem Start) wechselte die abschüssige Spur in steileres Gelände mit ungünstiger Belastung auf das rechte Bein.

beeindruckende Schäferhütte

Mit dem 60 m Seil am Rucksack dauerte es nicht lange, bis sich beim Verfasser die rechte Ferse zu Wort meldete und beklagte, wesentlich mehr Last übernehmen zu müssen als deren linke Schwester. Daraufhin wurde natürlich alles Mögliche versucht, um einen Ausgleich zu schaffen – jedoch vergeblich, die Schmerzen verstärkten sich und nagten so lange am Willen, bis der Besitzer der Ferse Erleichterung schaffte und das Seil zum weiteren Transport abgab. Mit diesem rein psychologischen Trick verbesserte sich die Situation noch nicht besonders, sie verschlechterte sie aber auch nicht.

Autor mit dem Seil und beginnender Überlastung der rechten Ferse

Florian kämpfte mit seinen Tourenschuhen schon wesentlich stärker und mußte auf der Martin Busch Hütte an beiden Innenseiten unterhalb der Knöchel die größten Blasenpflaster auflegen, die Herwig mitgebracht hatte. Schöne Aussichten für eine Mehrtagestour kündigten sich also bereits in den ersten Stunden des Aufstiegs an.

das abschüssige Terrain ist nicht zu unterschätzen – die Martin Busch Hütte bald erreicht

Mittlerweile, bereits vor der Martin Busch Hütte, war uns allen klar, daß der Aufstieg auf den Similaun am heutigen Tag nichts mehr werden würde. Die unbarmherzige Temperatur um die Mittagszeit im Anstieg hatte uns nebenbei auch ganz schön mürbe gemacht. Somit war nach 7,5 km und 600 Hm Aufstieg gegen 14 Uhr auf der Hütte klar, daß keine 1.100 m auf den Gipfel des Similaun mehr drin waren, sondern dieser anderntags in der Früh erstiegen werden wird.

an der Martin Busch Hütte

Unter verarzteten Füßen stieg Florian tapfer weiter, nun über eine lange Strecke durch das zunächst flache und auffällig breit werdende Niedertal, deutliche Spuren der langen Vergletscherung und der Talausformung durch die Eismassen vom mächtigen Niederjochferner des Similaun. 4,3 km misst die Strecke von der Martin Busch Hütte bis zur Similaunhütte, und 530 Hm Aufstieg mit kleinsten Höhenverlusten.

herrlich zeitloses Aufstiegsgelände durch das innere Niedertal

Gleichzeitig mußten wir uns auch nicht mehr beeilen und legten zwei Pausen in der schwächer werdenden Sonne ein, die zuversichtliche Gesichter zeigten.
Am späten Nachmittag, gegen halb fünf trafen wir auf der Similaunhütte ein. Den gesamten Anstieg von Vent zeichnete die Suunto Vector des Verfassers mit 5:53 Stunden und 1.165 m Anstieg auf und exakt dieselbe Anstiegshöhe, sowie 12,17 km Strecke die Sportuhr von Herwig.

Rast im hinteren Niedertal am Weg zur Similaunhütte

Beim Anblick des abendlichen Similaungipfels wurde rasch deutlich, daß sich eine 1.700 Hm Tour, jenseits der 3.000er Grenze, mit einem Abmarsch um halb elf Uhr nicht verträgt. Zumindest konnte der mächtige Gipfel und sein Anstieg von der Terrasse aus studiert und genossen werden.

etwas ansteilende Partie auf das Niederjoch zur Similaunhütte

Mathias und Florian erreichten die Hütte wenig später und zur Feier des Tages gab es einen Südtiroler Zirberler zum Forst auf der Terrasse, auf der sich die Temperaturen mit dem Sonnenuntergang empfindlich senkten und wir die warme Hütte aufsuchten.

Similaun in Spätnachmittagsstimmung

Mit Franzosen in der Mehrzahl der Berggäste und Oberösterreichern in der Minderzahl teilten wir die Gaststube zum Abendessen, mit Ersteren auch das Bettenlager. Die Hüttenwirtsleute bereiteten ein g’schmackiges, empfehlenswertes Abendessen aus „Scheps“ aus eigener Landwirtschaft (so Hüttenwirt Markus aus dem Schnalstal), nordtirolerisch kennt man den Schafsbraten mit leichter Nuance unter „Schöpsernes“, das tatsächlich nicht danach roch und den Verfasser an die Mahlzeiten in der Türkei anno 1982 erinnerte, wo niemals ein muffig riechendes Schaf serviert wurde, weil es dort kein Grünfutter erwischt. Tatsächlich beherrschen die Hüttenwirtsleute die Kunst Schaffleisch zu bereiten das nicht riecht, und zwar ließ man uns wissen, daß es ein paar Monate vor der Schlachtung nur mehr mit Heu gefüttert wird. Welch Erkenntnis nach so vielen Jahren auf solch ungewöhnlichem Ort und so vielen abgelehnten Schafsbraten seither.

Ankunft auf der Similaunhütte

Mit fortschreitendem Abend – und einer Flasche besten Lagrein Rotweins – entdeckten wir im Gespräch mit der netten Hüttenwirtin sogar noch die Gemeinsamkeit der Bekanntschaft der Familien durch Herwigs und des Verfassers Tante Martha, einst Lehrerin zu Vent, die beide Töchter der Hüttenwirtin in Handarbeit unterrichtete. Ein gelungener Hüttenabend mit netten Gastgebern der Similaunhütte.

Log des ersten Tages – 12 km von Vent auf die Similaunhütte (1 – Martin Busch Hütte)

Zu den Gipfeln auf unserer Skirunde gibt es verlinkte Detailbereichte, siehe weiteren Text.

Zweiter Tag – Aufstieg auf den Similaun und auf die Fineilspitze

Einige Ausrüstung ließen wir auf der Hütte zurück, unter anderem das Seil. Mit nächtlicher Besserung der Blasen versuchte Florian den Aufstieg, mußte aber nach dem kurzen Abstieg durch die Felsen auf den Gletscher aufgeben.

Aufbruch zum Similaun

Zu viert unternahmen wir also den Anstieg quer über den stellenweise leicht sichtbaren Niederjochferner auf dessen Ostschulter und dann nach Süden zum Schidepot. Von dort mit Steigeisen über den leichten Grat zum Gipfel des Similaun und zurück zur Hütte.

Detailbericht Similaun

Herwig am Similaun

Auf der Similaunhütte zurück gönnten wir uns gegen mittags eine zünftige Nudelsuppe mit Rindfleisch oder Würstel, die kaum zu bewältigen war.
Mathias entschied sich mit uns drei den Aufstieg auf die Fineilspitze zu unternehmen und dann zur Similaunhütte zurückzukehren, um mit Florian die Ausfahrt aus dem Niedertal und die Heimreise ab Vent anzutreten. Es war mittlerweile bereits bewußt, daß Florian die Skirunde nicht weiter fortsetzen können werde und da beide mit Mathias‘ Fahrzeug angereist sind, wollten sie auch gemeinsam abbrechen. Florians Seil trat ebenfalls die Heimreise an, wir drei waren uns sicher, daß wir es nicht benötigen würden.

Bezüglich des Seils hatten wir uns bei der Vorbesprechung nicht glücklich entschieden, ein einziges mit einer zu großen Länge zu verwenden. Für fünf Mann wäre es zwar gut gewesen, jedoch nahm der Verfasser aus der entstandenen Situation die Erkenntnis mit nie mehr ein Seil für alle zu wählen, sondern mehrere kurze Seile, sodaß die Möglichkeiten vielfältiger werden und der Transport erträglicher (wir sprechen vom 9 mm Einfachseil). Selbst bei fünf Mann könnten zwei hinter einer Dreiergruppe gehen, wodurch das längere Seil mit max. 30 m leicht ausreichen würde.
Weiter sei hier erwähnt, daß zum Zeitpunkt unserer Begehung keine offenen Spalten gesichtet wurden und die Oberflächen am Similaun mit hartgefrorenen Windgangln überzogen.

Abfahrt zum Ausgangspunkt auf die Fineilspitze

Zur Fineilspitze muß von der Similaunhütte etwa 700 m und etwa 100 Hm Richtung Norden ins Niedertal abgefahren werden, um den Jochköfel zu umfahren und im Tal dahinter auf das Hauslabjoch aufsteigen zu können.

Aufstieg zum Hauslabjoch (Ötzi Fundstelle heute im Geröll links der Bildmitte)

Vom Hauslabjoch wird eine Grube umgangen, die zur Nordostflanke der Fineilspitze führt. Der Aufstieg in der Flanke erfolgte im unteren Teil im Schnee, weiter oben in Fels und wieder im Schnee bis zum Grat und von dort im Mix zwischen beiden bis zum schmalen Gipfel.

Mathias auf der Fineilspitze

Nach der Rückkehr auf dem Plateau nördlich des Hauslabjoches verabschiedeten wir uns von Mathias, der den Rückweg zur Similaunhütte antrat, um mit Florian die gut 12 km Ausfahrt nach Vent anzutreten. Wir drei setzten die Skirunde mit der Abfahrt zur Schönen Aussicht Hütte über den Hochjochferner fort und erreichten die Hütte um 17 Uhr nach 1.315 m Aufstieg, 13,9 km Strecke und 9:10 Marschzeit.

Detailbericht Fineilspitze

Abfahrt über den riesigen Hochjochferner zum Hochjoch

Mit dem Vorzug, ein Dreibettzimmer zu haben, bezogen wir unser Nachtlager. Auf der Schönen Aussicht Hütte leistet man sich den Luxus einer Sauna und eines beheizten Holzbeckens vor der Hütte, das von den meisten Gästen gestürmt wurde und sich der Duschbereich dafür herrlich unterbevölkert zeigte.

Auffellpunkt nach der Abfahrt vom Hochjochferner; in der Ferne Schöne Aussicht Hütte

Eine weitere köstliche Flasche Lagrein wählten wir zum perfekt gegarten Schweinsfilet und den vorher gereichten, mit Peperonciniöl verschärften Knoblauchnudeln, sie waren seit Langem die Erlesensten in des Verfassers Erinnerung.
Diesmal überwiegten die Oberösterreicher in der Zahl die Franzosen weit und trotz deutlich in der Minderzahl schafften es einheimische Südtiroler Burschen nach reichlichem Genuss von Forst und dem Verlust von Anstand, die gesamte Hütte bis weit nach Mitternacht munter zu halten.

Dritter Tag – Aufstieg auf die Weißkugel

Ein weiterer sonniger Tag führte uns zum Highlight unserer Skirunde, der Weißkugel.
Die originale Route von der Schönen Aussicht Hütte auf den Hochpunkt „Im Hinteren Eis“ mit der Abfahrt auf den Hintereisferner wird nach den Aussagen des Hüttenwirts kaum mehr begangen, weil die Nordseite hinab zum Ferner eisblank wurde und die Abfahrt dadurch nicht mehr möglich ist.

Aufstieg von der Bergstation Sessellift auf das Teufelsegg; im Hintergrund Fineilspitze

Die neue Route führe über das Teufelsegg und er empfahl die Abfahrt über etwa 200 hm auf der Piste des Gletscherschigebietes zur Talstation des Sesselliftes Teufelsegg und die Auffahrt damit. Wir folgten seinem Rat und investierten 7.- in die kurze Liftfahrt. Am Lift kann man die Schiroute von der Schönen Aussicht Hütte bis zur Bergstation sehen; das ist eine weitere Möglichkeit mit etwa 200 m Aufstieg zur Bergstation des Liftes.

Weißkugel mit Hintereisferner im Vordergrund

Der Rest zum Grat wird unter Schi aufgestiegen und jenseits auf den Hintereisferner abgefahren, bevor der lange Aufstieg zur Weißkugel beginnt.
Nach dem Hintereisjoch wird die steil werdenden Rampe aufgestiegen, bevor es flach zum Schidepot vor dem felsigen Gipfelgrat weitergeht und in leichter Kletterei auf den Gipfel der Weißkugel.

Herwig auf der Weißkugel

Detailbericht Weißkugel

Die lange Abfahrt über den Hintereisferner bleibt als eindrucksvolles Erlebnis haften.
Wir hatten den Vorzug über eine sonderbare Landschaft zum Hochjoch Hospitz auszufahren, die man in dieser Form nicht alle Tage antreffen kann, allerdings auch den Wermutstropfen feststellen zu müssen, daß für unsere weitere Tour das Tragen der Schi über eine signifikant hohe Geländestufe erforderlich gewesen wäre.

Ende des Hintereisferners mit Moränenmaterial der Lawinen des Winters

Gleichzeitig klagte Christian über sein Wohlbefinden, sodaß wir gegen Nachmittag bei der Stahlbrücke unter der Hütte schweren Herzens beschlossen das Lager abzusagen und nach Vent auszufahren.
Von „fahren“ konnte wenig Rede sein, denn auf der Höhe von 2.400 m erwies sich der Südhang im Rofental als weitgehend aper und so wurde unsere Ausfahrt ein Mix aus etwa zehnmal dem Wechsel zwischen Tragen und Fahren.

nach dem Hochjoch Hospiz

Um 18 Uhr erreichten wir den Parkplatz in Vent, leider einen Tag zu früh und etwas lädiert durch eine Verkühlung. Die beeindruckende Tagesstrecke betrug 28,6 km (vorwiegend in Abfahrt angefallen), dabei wurden 1.030 m aufgestiegen und die Skirunde mit 8:57 Stunden Marschzeit abgeschlossen.

Ausfahrt oder Marsch aus dem Rofental nach Vent

Die Venter Skirunde stellt ein besonderes Erlebnis dar, besonders bei den Wetterverhältnissen, die wir vorfinden durften. Die Weitläufigkeit und Schönheit der kühnen Schneiden aus Gneisen und Schiefergneisen der Ötztaler Alpen treten als bleibendes Erlebnis in den Vordergrund.

ein letzter Blick auf die Wildspitze

Die Hüttenaufenthalte waren durchwegs positiv. Leider konnte die Runde nicht auf dem sagenhaft riesigen Verbund von Kesselwand- und Gepatschferner beendet werden.

Übersichtskarte der geplanten Venter Skirunde mit strichliertem Aufstieg auf den nicht mehr absolvierten Fluchtkogel am 4. Tag

Diese Etappe muß unbedingt nachgeholt und mit dem fünften Tag der Skirunde, dem der Wildspitze, verbunden werden.

Mils, 26.03.2022