Schitour Kluppen, 2.936m

Obwohl sich über Geschmäcker streiten läßt, kann mit Recht behauptet werden, daß der Kluppen die schönste und auch anspruchsvollste Gipfelschitour im hintersten Valsertal bietet. Nach einem bereits abwechslungsreichen Aufstieg über die untere Talstufe zur Zeischalm, mit der spannenden Querung bei den Wasserfällen, wartet der knapp 10 km² große Almkessel mit wunderschöner Umrahmung auf, deren südliches Ende angesteuert wird und ein rassiger letzter Aufstiegsteil zum Schidepot gemeistert werden muß. Die weit offene und reizvolle Landschaft in der Felsumrahmung gewinnt mit dem Anstieg stets neue Gesichter.

Kluppen, 2.936m

Der obere Teil der Schitour mag bei entsprechender Lawinenwarnstufe im Hochwinter ob seiner Steilheit und den mächtigen glatten Flanken der Gratabstürze vom Kluppen zum Kraxentrager ein nicht ungefährliches Abenteuer sein, das sorgfältiger Planung bedarf.

Rückblick vom Schidepot

Im obersten Teil, etwa von 2.800 m bis zum Gratsattel, herrscht eine durchschnittliche Hangneigung von 35° mit Spitzen von 42°, die das letzte schwere Aufstiegsstück unter Schi vor der kurzen und ebenfalls steilen Begehung des Grates ab dem Schidepot bildet. Wir schafften es selbst im April gerade noch ohne Harscheisen, obwohl gegen elf Uhr bereits schon eine geraume Weile sonnenbeschienen.

Restaufstieg über gut 40m im Fels

Ein grandioser Ausblick, vor allem auf den offen einsehbaren südlichen Landesteil mit den krönenden Riesen am Beginn des Zillertaler Hauptkammes, sowie auf die interessanten Gipfel westlich davon, im Kreuzspitzkamm, stellt einen weiteren Reiz an der tollen Tour auf den Kluppen dar.

Panorama Südost bis Südwest vom Kluppen

Komfortabler, als vom geräumigen Parkplatz der Geraerhütte bei der Nockeralm los zu marschieren, geht es bei allen Touren im Valsertal eigentlich nicht. Die Schitour auf die Hohe Kirche und jene auf den Kluppen genießen das Privileg dieser kostenlosen1 Einrichtung, jedoch ist es mangels Verfügbarkeit – mit Ausnahme beim Steckholzer, zu dem ein kleiner Umweg von kaum zehn Minuten Fahrt kulinarisch lohnt – nicht möglich, dem Tal eine Gegenleistung durch eine Einkehr nach der Tour zukommen zu lassen.

Tragestrecke ab der Nockeralm

Mitte April ist die Schitour auf den Kluppen nicht zu früh im Jahr, je nach genereller Schneelage aber auch nicht zu spät, wie man von eingefleischten Wipptaler Tourengehern erfährt, die noch zu Beginn des Mai den Aufstieg mit Winterausrüstung unternehmen. In unserem Fall betrug der Aufstieg mit dem schweren Rucksack bis zur Querung der Wasserfälle knapp mehr als eine Stunde bzw. 490 Hm.

Ende der Tragestrecke

Am Weg dorthin stiegen wir teilweise über den Sommerweg, dessen Schneeauflage im Wald teilweise komplett mit Nadeln, Moos und Flechten überdeckt war, sodaß der teilweise noch mächtige Schneekörper darunter vor der Schmelze geschützt war und wir kaum eingebrochen sind. Den Aufstieg trockenen Fußes verdankten wir an diesem herrlichen Tag der Nachtkälte, da die Temperatur zur Zeit des Abmarsches bereits deutlich über dem Gefrierpunkt lag. Beim Abstieg, selbst im schattigsten Teil des alten Waldes mit herrlich anzusehenden, knorrigen Tannen-, Kiefern- und Lärchenbeständen brachen wir schon bis weit über die Knöchel ein.

vorbereiten auf Schitourenmodus

Kurz vor der Querung, an der die Hangneigung und –ausrichtung noch einigermaßen gegen die Frühjahrssonne geschützt ist, erlaubt der Blick eine erste detaillierte Einschätzung des Verlaufes der Tour im oberen Teil, ohne jedoch den schönsten Teil zu enthüllen, der auch weiter drin im Talkessel optisch nicht preisgegeben wird und bei dem viele Berichte von der „Rampe“ reden. Die vermeintliche Rampe präsentiert sich später in Wahrheit als alles andere als eine Rampe im klassischen Sinn.

jenseits einige Meter aper

Am ersten – dem zahmeren – Wasserfall konnten wir nach einer guten Stunde Fußmarsch aufrüsten (per Mitte April) und die Route ohne Unterbrechung im Schitourenmodus fortsetzen. Die bereits vielfach umgewandelte Schmelzschneeoberfläche über den steilen Wasserlauf fanden wir genügend rau und plastisch vor, um ohne Harscheisen aber mit festem Schritt griffigen Halt zu finden.

oben flüssig unten eishart

Um die kleine Felsrippe nach dem zweiten Wasserfall herum öffnet sich der schöne weite Hochkessel zunächst nach Süden und Westen, und das Gelände gibt nach wenigen Gehminuten in Richtung Zeischalm – genau: zur Inneren Zeischalm – den Blick auch auf dessen Ostseite, Richtung Hohe Kirche frei. Über Streifen von ausgeaperten und bereits aufgerichteten Latschen hindurch suchten wir günstige Passagen mit noch durchgehender Schneeauflage, und die noch wenigen voll ausgeaperten Stellen ohne Schneeband durchschritten wir kurzerhand auf den Latschen.

in der Zeischalm angelangt

Etwas tiefer als die Alm läßt man die selbe am Weg nach Süden buchstäblich links liegen und erreicht über den folgenden steilen Buckel ein eher flaches Gebiet „Wildau“ genannt, auf dessen Rand sich ein kleines Hüttchen unterhalb der aufragenden Felsen befindet. Schon weit vor dem Hüttchen bogen wir in Richtung Westen ansteigend auf den langen Hang unterhalb der sogenannten Rampe ab, etwa dem 2.020m Höhenlinienverlauf folgend.

am Weg in die „Wildau“

In langen Zügen mit wenigen Spitzkehren arbeiteten wir uns den beeindruckend langen Hang hinauf, der den Großteil dieser 400 Hm messenden Stufe, bis zum ehemaligen Kluppen Ferner hin bildet. Während dem Aufstieg werden die Aussichten nach Norden und Osten immer schöner, sodaß oben, auf 2.400m, bereits ein Großteil der südlichen Tuxer Alpen betrachtet werden kann.

unterer Teil des langen Hangs, oben die „Rampe“ von rechts nach links steigend

Im Aufstieg dorthin fanden wir eine genügend harte Firnoberfläche, bis auf die längere Querung auf eine Rippe westlich des Hangs bevor wir auf 2.400 m eine wieder flachere Stelle erreicht hatten.

hinter uns öffnen sich die Blicke in die Tuxer Alpen

Über den schon seit geraumer Zeit sonnenbeschienenen Hangteil der Querung merkten wir eine deutliche Tauwirkung mit sporadischen Einbrüchen in die darunterliegende, eher faule Schneedecke. Knapp an den Seitenmoränen des ehemaligen Kluppen Ferners führt die Route über einen weiten Couloir auf den ehemaligen Ansatz des Eises.

Querung am oberen Ende des langen Hangs

Allmählich, während der Couloir im Aufstieg breiter und flacher und an der Kuppe der Schnee um zehn Uhr morgens weicher wird, öffnet sich der Blick auf den ehemaligen Ferner. Die vermeintliche Rampe wird zum gemuldeten Kar dessen östliche Begrenzung aus Sicht von der Zeischalm eine Kante bildet, die, nach oben linienartig steigend, einen rampenartigen Eindruck vermittelt, in Wahrheit aber die ehemalige Gletschermulde bildet. Im Aufstieg bleibt man im Tiefsten der Muldung und ist deshalb von der Zeischalm aus geraume Zeit nicht zu sehen.

v. li.: Hohe Kirche, Hohe Warte, Sagwandspitze und Hohe Wand

Über den ausgeaperten Kluppen Ferner findet sich äußerst wenig, eigentlich nur eine einzige verwertbare Literaturinformation im Internet. Im Archiv der Gletscherberichte auf der Homepage des Alpenvereins befinden sich Unterlagen bis zurück in das Jahr 1920, darin jedoch keine Erwähnung des Kluppen Ferners.

im Couloir

Das liegt mit Sicherheit an seiner kaum bedeutenden Größe, möglicherweise aber auch daran, daß er noch vor dem vertieften Internetzeitalter verschwunden ist. Der etwa gleich mächtige, knapp 2.000m nordöstlich entfernte Aschaten Ferner, heute ebenfalls ausgeapert, wurde noch im AV-Kartenwerk, Stand 1994, genannt).

oberhalb dem Couloir, die Fernermulde von unten betrachtet; das Gipfelkreuz bereits deutlich sichtbar

Die einzig recherchierbare Information über den Kluppen Ferner entstammt dem Tirol Atlas2, ist eine recht gute und bietet eine genaue Angabe seiner flächenmäßigen Größe im Jahre 1989, sowie den prozentualen Rückgang (48,9%) seit 1969.

Rekonstruktion Größe Kluppenferner 1969 und 1989

Somit läßt sich die einstige Fläche (anno 1969) mit etwa 14,5ha berechnen womit im Orthofoto von Tiris3 die Konturen maßstäblich nachempfunden werden können und ein Eindruck der Verhältnisse vor 50 und noch vor 30 Jahren entsteht – Bild mit den nachempfundenen Gletschergrößen in der Bildergalerie; man beachte dabei noch vorhandene Schneereste (Kartenstand Orthofoto 20194), die klägliche Reste der ehemaligen Vergletscherung darstellen könnten.

die Aussicht nach Osten wird immer besser, v. li.: Lizumer Reckner, Geier, Kalkwand, Hohe Kirche, Kleiner Kaserer, Hohe Warte, dahinter Fußstein, Sagwandspitze und Hohe Wand

Mittlerweile, kurz nach zehn Uhr, stand der Großteil der Gletschermulde bereits unter Sonne, die Schneeoberfläche jedoch aufgrund des spitzen Bestrahlungswinkels in tadellosem Zustand, kaum aufgeweicht und vor uns lag noch ein schönes abwechslungsreiches Stück von etwa 400Hm.

mitten in der Fernermulde und von der Zeischalm aus wieder sichtbar

Die durchschnittliche Steigung im Fernerbecken bleibt zwar unter 30°, die Schlußsteigung auf die nächste Geländestufe erreicht jedoch etwas mehr als 30°. Oben (ca. 2.740m) flacht der Kluppen Ferner ab und bildet sogar eine leichte Mulde von etwa 150 x 100m mittleren Ausmaßes, deren nördliche Begrenzung wir im Bogen nach Süden zum Aufstieg nutzten, um die steile Südflanke zu umgehen, vor allem aber, um unter Sonnenbestrahlung aufzusteigen.

etwa nach zwei Drittel des Aufstiegs in der Fernermulde

Wie wir später feststellten, als wir ein kurzes Stück einer Spitzkehre im oberen Teil darin ausführten, war der Südhang noch ganz schön hart und harscheisenverdächtig. Die Höhe mit etwa 2.850m wirkte sich somit deutlich auf die Schneedecke aus.

gewaltige Mauern zum Grat Kluppen/Kraxentrager

Das letzte Stück auf dem Halbkreis der nördlichen Muldenbegrenzung und dem steilen Schlußhang ist ein Sahnestück mit Charakter, dessen Charme man an Tagen wie dem unseren erliegt und in das man sich verlieben muß.

Ausmuldung mit Schlußhang etwas verzerrt im Panorama

Einer quadratischen Funktion gleich nähert sich der schöne Hang seiner maximalen Steigung  und bereitet den Ersteiger gleichsam auf das schweißtreibende Mittelstück vor, um nach der größten Hangneigung mit über 40° gegen das Ende am Grat hin wieder etwas flacher zu werden – von unten betrachtet ein Traum!

malerischer Schlußhang – Highlight im Aufstieg

Im oberen Mittelstück befand sich eine schon größer ausgeaperte Fläche, die wir mit mehreren kurzen Spitzkehren im Aufstieg linksseitig überwanden, bevor darüber wieder weitere Spitzkehrenstücke möglich waren. In diesen weiteren oberen Stücken trafen wir auf die o. e. harten Partien, die wir an der Grenze zur Verwendung von Harscheisen empfanden.

im aperen Fleck bei maximaler Steigung

Am Gratkamm – auf dem kurzen Abschnitt des Schidepots wie zur Rast und zum Abfellen gemütlich abgeflacht – erfreut zuerst der Blick auf die Gegenseite des Pfitschtals mit den großen Erhebungen südöstlich, allen voran auf Hochferner (3.470m) und dem in seiner Flucht liegenden, gerade noch sichtbaren Gipfelspitz des Hochfeiler (3.509m), dem höchsten der Zillertaler Alpen in 10km Entfernung.

hart im schattigen Teil und grenzwertig für Harscheisen

Weitere 40 Hm trennen das Schidepot vom Gipfel des Kluppen und diese Strecke beinhaltet ein paar kleine Züge leichter Kletterei über Stufen zwischen ein und zwei Meter Höhe. Steigeisen generell nicht erforderlich, je nach Schneeverhältnissen jedoch ratsam. Der Aufstieg oberhalb der Kletterstelle am Grat kann von unten nicht eingesehen werden.

Vorfreude auf den Gipfel macht sich breit

Bis zum deutlichen Aufschwung auf den Gipfelhang erfolgt der Anstieg nordseitig ein paar netter Grattürme als Gehstrecke bis zur höchsten Kletterstelle, die ebenfalls vom Schidepot aus schon erkannt wird.

Gipfelanstieg rechts von einer Gratzinne zur etwas anspruchsvollen Stelle

Mit zwei Zügen wird die Kletterstelle überwunden und über knapp neben dem Grat auf der Südflanke des Gipfelhangs über ein paar unbedeutende Blockstufen von weniger als einem Meter Mächtigkeit bis zu einem mauerartigen Blockaufbau des kleinflächigen Gipfels aufgestiegen.

Aufstieg im oberen Teil nahe der Abbruchkante

Das kleine, konstruktiv gut durchdachte Gipfelkreuz aus Aluminium hat offenbar 28 Jahre ohne sichtbare Schäden überstanden und dürfte ein Gedenkkreuz für zwei junge Burschen sein, die sich wahrscheinlich gemeinsam auf Tour befanden. Über die „HG Lagrein“ ließ im Internet nichts in Erfahrung bringen und das Gipfelbuch am Felsmauerfuß etwas unterhalb des Kreuzes gab auch keinen Aufschluss darüber.

über aperes Blockwerk zum Gipfelkreuz

Auf dem schönen grauen blockigen Granitgneis neben dem Kreuz am Kluppen ließen wir uns eine Weile nieder und genossen die Aussicht.

Aufstieg nahe der Abbruchkante von oben

Dem Pfitschtal gegenüber liegen etwa gleich hohe Gipfel mit prächtigen Schitourenzielen, beispielsweise das Rote Beil, leicht südöstlich gegenüber, oder die Grabspitze genau im Süden.

schöner Übergang zum Kraxentrager

Richtung Westen würde der Grat zum Kraxentrager einladen und an seiner Nordflanke in der Tiefe kann man einen interessanten, ziemlich horizontal verlaufenden geologischen Einschub mit etwa einem Meter Mächtigkeit erkennen, gleich wie am Strahlkogel in den Stubaiern.  Ob es sich dabei auch um ein Quarzband handelt?

Blick vom Kluppen nach Osten, v. li.: Kleiner Kaserer, Großer Kaserer, Fußstein und gleich daneben Olperer (6,6km), Sagwandspitze mit rechts daneben das Spitzl vom Schrammacher und rechts Hohe Wand

Im Norden liegt der Kluppen Ferner tief unter dem Gipfel und die gesamte Abfahrt zur Zeischalm kann überblickt werden.

Tiefblick auf den ehemaligen Kluppen Ferner – unser Aufstieg

Östlich anschließend an den die Zeischalm einrahmenden Ausläufer erheben sich die hohen Gipfel im Tuxer Hauptkamm mit Schrammacher, Fußstein und Olperer.

v. li.: Hohe Wand, Großer Möseler (13,7km), Hochferner/Hochfeiler und Östl. sowie Westl. Hochwart

In den Tuxern im Nordosten verwundert zunächst ein imposant wirkender Gipfel, den man nicht in dieser Mächtigkeit erwarten würde und der optisch höher aussieht als der Lizumer Reckner (2.886m), der höchste Gipfel in den Tuxern. Nach genauer „Recognoscirung“, um einen Terminus der Alpenpioniere zu verwenden, stellt sich aber rasch heraus, daß es sich um die, dem Lizumer Reckner sogar noch etwa 1,5km weiter vom Kluppen entfernte, Kalkwand handelt und die um 60m niedriger ist.

ab Bildmitte südlich gegenüber Rotes Beil, ein toller Schitourengipfel, in der Ferne der Peitlerkofel (42km), Wurmaulspitze, Langkofelgruppe (55km)

Weil es so schön war verbrachten wir noch ein gute halbes Stündchen am Schidepot bei einer Jause und Höhenmedizin. Gegen 13 Uhr entschieden wir die Abfahrt anzutreten und genossen den mittlerweile au point aufgefirnten Gipfelhang in die Mulde hinab.

mit zwei Zügen zu meistern

Ein weiteres schifahrerisch schönes Stück bot der obere Kluppen Ferner. Er lag den Vormittag über meist im Schatten und präsentierte sich dadurch mit ähnlich  guter Firnoberfläche bis über den Mittelteil hinab.

eine Abfahrt wie im Bilderbuch…

Gegen Ende der Abfahrt am Ferner wurden Schwünge immer schwerer zu drehen mit dem Höhepunkt im Couloir, in dem der Firn förmlich in polstergroßen Portionen weggeschoben werden mußte – eine schweißtreibende Angelegenheit.

traumhafte Verhältnisse nun im Kluppen Fernerbecken

Überraschenderweise besserte sich die Schneequalität nach der langen Querung wieder, was uns den letzten langen und breiten Hang zu einem tollen Abfahrtserlebnis werden ließ und es wert war in einer kurzen filmischen Szene festgehalten zu werden.

Nachträglich gesehen hätten wir sogar die Abfahrt östlich des Ferners nehmen können, die der ortskundige Kollege, der vom Schidepot abfuhr, als wir selbiges erreichten, genommen hat und das wir im Rückblick von unten als eine bärige Alternative erachteten. Jetzt ist uns deren Verlauf der Rinnen bekannt und bei der nächsten Begehung sollte es möglich sein die richtige Richtung einzuschlagen.

auf 2.100m der Schnee schon beträchtlich weich geworden

Über die Hänge der Zeischalm hinab erlebten wir trotz der langen Sonneneinwirkung halbwegs gute Schneebedingungen und trafen auf kein aperes Fleckchen, das uns zum Abschnallen zwang.

Rückblick auf den Kluppen oberhalb der Zeischalm

Die Abfahrt endete nach einer guten halben Stunde nach dem ersten Wasserfall am Weg ins Tal, wo wir unsere Aufstiegspatschln deponiert hatten und auch zusammenhängende Schneeflächen abrupt verschwanden.

Querung der wilden Wasser unterhalb der Zeischalm

Der interessante Hauptteil einer grandiosen Schitour ging somit zu Ende und wir freuten uns bereits auf ein Bier irgendwo auf einem Parkplatz einer heimischen Kaufhauskette mit Kühlschrank, verstohlen in der letzten Ecke, getarnt hinter geöffneten Kofferraumdeckeln jedes Fahrzeugs, als versprengte Guerilleros in der hysterischen Virenzeit 2020 in der der Fürst seine Häscher auf Bergsteiger hetzte und sie jagen ließ, weil er befürchtete seine Intensivbetten seien in Gefahr belegt zu werden.

am Schuhdepot angelangt, von hier Tragestrecke zur Nockeralm

Der Abstieg nahm wie der Aufstieg auch eine Stunde in Anspruch wobei die letzten Schneefelder am Steig nun schön aufgeweicht waren und manchen Einbruch verursachten, aber auch der Weg der Einheimischen auf die Äußere Zeischalm recognoscirt werden konnte.

der Kluppen in Bildmitte von der Nockeralm aus

Für die Schitour mit Fußmarsch bis zu den Wasserfällen und ab dort hinunter rechne man etwa 7:30 Stunden mitsamt Pausen von knapp eineinhalb Stunden.  Über 6,3km sind knapp 1.600m zu überwinden. Steigeisen sollte man bei gefrorenen Verhältnissen, bzw. vorsichtshalber immer dabei haben, andernfalls könnte die Gipfelbesteigung darunter leiden oder das Risiko unnötig erhöht werden.

Mils, 18.04.2020

1 April 2020
2 Tirol Atlas, Institut für Geographie: https://tirolatlas.uibk.ac.at/maps/interface/thema.py/sheet?lang=de;id=1703
3 tirisMaps:  https://maps.tirol.gv.at/externalcall.jsp?project=tmap_master&x=96200.09948353228&y=208476.57903649125&scale=4000&rotation=0&view=Start&basemapview=orthofoto_labeling&user=guest&group_id=TMAPS-Gast&client=core&language=de
4 Land Tirol : https://www.tirol.gv.at/fileadmin/themen/sicherheit/geoinformation/Orthofotos/Abdeckung_2020.jpg

Figln Rosenjoch, 2.796 m

Ein Sondererlebnis an erblühender Natur über den Talboden hinauf einerseits und dem noch winterlichem Kleid der Hochkare im späten Frühjahr andererseits bietet das Figlerlebnis am Rosenjoch in den Tuxer Alpen. Der traumhaft archaische Steig von Schwarzbrunn zur Gwannschafalm stellt das Highlight im schneefreien Teil des Aufstiegs dar. Dort blühen die ersten Alpenrosen am sonnigen Westhang frühmorgens besonders eindrucksvoll.

Rosenjoch, 2.796m

Die Anreise zum Ausgangspunkt, der Gwannschafalm, kann auf mehrere Arten erfolgen und  nach jedermanns Geschmack gewählt werden. Da wäre zunächst die lange Variante entweder mit dem Radl auf der Schotterstraße bis zum Klausboden und von dort ohne Radl talauswärts wieder zur Gwannschafalm querend, oder zu Fuß (sinnvollerweise bei dieser Variante jedoch nicht bis zum Klausboden sondern bis Schwarzbrunn und von dort auf interessantem Steige zur Gwannschafalm), oder die um etwa 3,3 km kürzere Variante ab dem Parkplatz Nößlach bis Schwarzbrunn. Für letztere muß man für das Fahrzeug am Automat beim letzten Bauernhof am Großvolderberg ein Tagesticket zum Parken lösen (4.-/2020).

Blick von Schwarzbrunn auf den Steig zur Gwannschafalm

Der Aufstieg von Schwarzbrunn ist in jedem Fall reizvoller als die Route über den Klausboden, da es auf diesem Steig einiges zu entdecken gibt. Wie beschrieben vor allem die Flora, die zu dieser Jahreszeit erwacht, aber auch die mächtigen Abbrüche der typisch tuxerschen Geologie, unter denen sich der schmale Steig dahinzieht, und nicht zuletzt die tollen roten Grünalgen auf den Felsblöcken am landschaftlich beeindruckenden Platz von Schwarzbrunn, die man in einem der vielen interessanten Berichte auf voldertal.at beschrieben findet.

Jagdhütte Schwarzbrunn

Hat man also die Anreise von wo auch immer bis zur Abzweigung „Schwarzbrunn“ von der Schotterstraße nach Steinkasern erreicht, beginnt das Abenteuer der Figltour auf das Rosenjoch. In der Kehre wird der Schotterweg flach, bzw. etwas abschüssig taleinwärts nach Schwarzbrunn verlassen. Die Vorbergalm, gut 50 Hm oberhalb der Abzweigung bleibt links liegen.

der größte Block von Gletscherresten vor der Talstufe zum Klausboden

Die Strecke nach Schwarzbrunn ist kurz, in einigen Minuten wird die Jagdhütte erreicht, bei der die gesamte umgebende Ebene ein fühlbar eigenartig positives, sympathisches Flair ausstrahlt. Kraftplatz nennt man das Gelände in der heutigen, auf Kommerzialisierung ausgerichteten Sprache (Kommerzialisierung in diesem Sinne als „Vorwegnehmen vor das Selbsterlebnis gestellt“ zu verstehen und durch die lesbare Kennzeichnung somit bereits kategorisiert ohne das Erlebnis erfahren zu können; sozusagen eine Anleitung für das Empfinden).

Blick Richtung Steigverlauf

Schwarzbrunn (1.600 m) bildet gleichsam den Talschluß der letzten der unteren Stufen des Voldertals. Von dort führt eine ausgeprägte Steilstufe über 200 Hm auf den Klausboden hinauf.
Der Steig durch diese Steilstufe, links neben dem Bach (in Aufstiegsrichtung gesehen), beginnt nach der Jagdhütte mit zunehmender Steigung und kann als schöne Wanderung durch mystisch anmutenden alten Baumbestand empfohlen werden.

Rückblick in halber Höhe unter den Felsen

Zur Gwannschafalm1 (das Gwannschaf gibt es nicht – höchstwahrscheinlich beinhaltet die Wortzusammensetzung „Gwann“-Schafalm eine Flurbezeichnung und die Alm könnte diese Benennung aus dem Erbrecht erlangt haben) wird zunächst auf kleiner Holzbrücke über den dort beruhigten und etwa fünf bis sechs Meter breiten Voldertalbach übergesetzt.

Felsen oberhalb des Steigs zur Gwannschafalm

Durch leicht sumpfiges Gebiet führt der Steig über einige Dutzend Meter in den archaischen Wald hinein, und führt dort ein paar Hundert Meter rechts (im Aufstiegssinn) neben dem tosenden Bach und durch auffällige Felsblöcke in Garagengröße. Auf einer Lichtung nach dem Wald wendet sich Steig nach Westen, den bereits besonnten Hang in Serpentinen aufsteigend.

An diese Stelle wandert man zwischen eindrucksvoll großen Felsblöcken ehemaliger Gletschermoränen hindurch. Der größte, nach oben hin auskragende, Block wurde mit Expressen (Karabiner) zum Erklettern ausgestattet und steht mitten in der Landschaft.

Rückblick von den Felsen

Von dort leitet der offensichtlich nicht häufig begangene Steig in Serpentinen, teilweise mit Gras bis zur Unkenntlichkeit überwachsen jedoch gut erahnbar, steil nach oben in Richtung der mächtigen Felswände oberhalb. Am Weg dorthin bieten sich einige großartige Fotomotive.

Steigverlauf bei den Felsen

Die Felsen, bestehend aus Quarzphyllit und Glimmerschiefer, dort aber auch aus Gneisen gebildet, werden in etwa 30 min ab Schwarzbrunn erreicht. Sie ragen ziemlich senkrecht mit etwa 30 bis 40 m Höhe aus dem Hang. Im Rückblick läßt sich die abfallende Hangneigung vom Steilsten der Vorbergreise bis hinab zum Talgrund eindrucksvoll studieren. Bis in den untersten, flachen Bereich schafften es beim Felssturz vor 200 Jahren nur die größten Felsblöcke.

nächste Talstufe durch lichtes Zwergstrauchgebüsch (links im Bild)

Die üppige Vegetation im unteren Teil des netten Steigs auf die Gwannschafalm bilden subalpine Au-Gebüsche, die ab den Felsen durch Zwergstrauchheiden der alpinen Stufe abgelöst werden, letztere typisch für silikatreiche, kristalline Böden. Die Zwergstrauchheiden stellen zum überwiegenden Teil Alpenrosen dar und begleiten den Steig bis weit über die Gwannschafalm hinauf.

die Landschaft wechselt auf die alpine Stufe

Eine kleine Flachstufe bildet die nächste markante Stelle im Aufstieg. Auf 1.890 m trifft man auf den Einschnitt des Gwannalmbachs und durchsteigt eine flache Stelle, den Bach überquerend. Links des Baches führt der Steig zum Verbindungssteig vom Klausboden her weiter. Der Baumbewuchs wird auf diesem Teil zusehends dünner, die Strauchflächen ausgeprägter und kaum fünf Minuten des Aufstiegs nach der Vereinigung der beiden Steige ist die Gwannschafalm auf 1.966 m erreicht.

bei der Kreuzung der beiden Steige

Stellt man sich die Alm als eine bewirtschaftete vor so täuscht man sich. Die Bebauung der Alm besteht aus nichts anderem als einem Stallgebäude aus zu Grundmauern aufgeschichteten Steinen und einem schindelgedecktem Holzdach, gerade einmal als Unterstand für die Schafe geeignet. Stirnseitig durch die Stalltür geblickt befindet sich innen ein wenig Gerümpel, jedoch ist der Gebäudeteil großteils leer.

vor der Gwannschafalm

Die ältesten Balken dürften wohl bereits über 130 Jahre alt sein, wie die eingeschnitzte Bauinschrift “ P 8 + 7 J “ verrät (wobei das erste Zeichen kein „P“ darstellt, das Symbol konnte vom Autor aber auch nicht recherchiert werden). Ein weiters ehemaliges Gebäude besteht nur noch in den Resten der Grundmauern als Ruine.

Gwannschafalm

Die Gwannschafalm liegt auf dem Steig zur Tulfer- und Glungezerhütte und kann als Rundwanderung entweder mit dem Anstieg aus dem Tal (wie in diesem Bericht bis jetzt beschrieben) oder sogar als sehr lange Höhenwanderung mit Aufstieg ab Volderwildbad auf der östlichen Talseite zur Markissalm und weiter über den Steig zum Largotz bis auf 2.200 m, taleinwärts bis zum Klausboden mit Wechsel auf die westliche Talseite, an der Gwannschafalm vorbei und weiter bis zum Tulfeinjöchl mit beliebigen Abstieg entlang der Lifttrasse zurück nach Volderwildbad ausgeführt werden.

gewaltiger Blick nach Norden ins Karwendel

Die lange der beiden Varianten wäre dann mit 1.600 Hm und 23 km Länge eine „light“- Ausgabe der phantastischen Reise der Voldertalrunde, die sich auf diesem Blog beschrieben findet.

Bauinschrift der Gwannschafalm (1887 – erstes Zeichen noch zu recherchieren)

Von der Wiese vor der Alm kann ein beeindruckender Blick talauswärts auf den Talgrund mit den meisten Almen und außerhalb des Voldertals auf die nördlich des Inntals gelegenen mächtigen Karwendelgipfel genossen werden.

ehemaliges zweites Almgebäude im Vordergrund

Der Steig auf das Rosenjoch verläuft diagonal durch die kleine ebene Fläche um das Almgebäude, der Wegweiser ist nicht zu übersehen. Hinter der Alm erhebt sich eine kleine Geländestufe auf 2.100 m, bei der die ersten durchgehenden Schneefelder begannen, sowie eine weitere ins vordere Gamskar auf gut 2.200 m an deren Ende die Schneedecke durchgehend bis zum Gipfel vorgefunden wurde. Die Abfahrt würde also über 800 Hm möglich sein und die Aussicht darauf reichte zu Hochstimmung an dem perfekten Tourentag.

Aufstieg zum Gamskar (links im Bild der letzte Abfahrtshang)

Die gewaltigen Felsblöcke im Gamskar stammen vom ehemaligen Rosenjochgletscher, der in alten Karten2 noch zu finden ist, sowie von Blockgletschern. Ihre Form verrät, daß sie nicht von einem Bergsturz stammen können.

die Schmelzwässer rauschen im Gwannalmbach zu Tale – dahinter erstmals das Rosenjoch zu sehen

Die Basis im Gamskar ist eine sehr reizvolle leicht geneigte Hochfläche mit allerlei kleinen und größeren Schmelzwasserlacken, viel Vegetation im beginnenden Juni und unübersehbar violett leuchtende Mehlprimeln, meist die ersten Boten der floristischen Wiedergeburt im Hochgebirge.

Groß hilft Klein – es wäre sonst hier nicht möglich

Ob der wahre Kraftplatz im Gamskar zu finden ist? Zumindest ein weiterer, denn ein tief wurzelndes, wohliges Gefühl steigt bei einer kurzen Rast an so zeitlosen Tagen wie jener bei der Begehung durch den Autor aus den Tiefen der Seele. Den Anlass für die positive Wirkung bildet die Aussicht auf die vorausliegende Strecke durch das schöne, zwar steile aber nicht bedrohliche Kar auf die ehemalige Gletscherstufe hinauf – ein alpin interessantes Gelände und gleichzeitig entspannend.

Gamskar zum dahinschmelzen

Der Firn, gegen 10 Uhr morgens kaum zwei Finger breit aufgetaut, hielt dem entschlossenen Schritt wunderbar stand und erwies sich andererseits doch weich genug, um eine trittfeste Kerbfläche mit genügendes Standfestigkeit in des Winters Resten zu erzeugen, ohne daß übermäßiges Stufenschlagen vermieden werden konnte und der Aufstieg auf die Abbruchkante des Gletscherkessels des Rosenjochs in der selbstgewählten Steigung mit einigen Spitzkehren unter innerem Jauchzen zur Freude gereichte.

das schöne Couloir im Gamskar auf die nächste Talstufe

Momente wie diese, nein die Mischung aus allen Empfindungen – von Temperatur, Stille, Licht, Anstrengung, Ausblick, geometrische Erhabenheit, Klarheit der Dinge, die spürbare Ordnung des Chaos von Jahrmillionen und eine schwer erklärbare Verzauberung – bilden die Gefahr der Droge Berg, der sich das kleine Individuum keck anvertraut, ihrer zur Gänze erliegt und den gesamten Aufstieg einfordert.

Indikatoren für die Hangneigung – im Frühjahr wenig Thema…

Die Bilder von Fels, Schnee, Sonne und Blau brennen sich am Weg dorthin in die Erinnerung ein, der Schritt wird von der Sucht nach ständig neuen Eindrücken getrieben. Berauscht wie einst von Odysseus von Sirenen gibt es kein Entrinnen vor dem Ende, dem süßen Tod des Gipfels – der Sonnentau unter den Naturerlebnissen.

welch Szene!

Das kleine Erwachen aus dem faustischen Traum erfolgt auf knapp 2.450 m, am Übergang zum gewaltigen Becken des ehemaligen Rosenjochgletschers. Dort breitet sich die Landschaft plötzlich von einer kaum 100 m breiten und steilen Karrinne auf einen zunächst flach erscheinenden Hochtalkessel von etwa 500 m Breite der unteren Basis und einer Breite an den Graten von fast einem Kilometer aus – ein gewaltiger Eindruck, dessen Mitte das Rosenjoch mit seinem abgerundeten Gipfel von knapp 2.900 m Höhe bildet. Ein Eindruck der einer Aufsaugminute bedarf.

Rosenjoch von der Stufe auf ca. 2.450m aus gesehen

Die Wahl des weiteren Aufstiegs fiel für den Verfasser, der Figlerlebnisse in eisenfesten Südtiroler Schuhen und kurzer Hose zu ersteigen pflegt, auf eine apere Rippe, die auch des Sommers den Normalaufstieg bildet. Um dorthin zu gelangen, erforderte das Gelände eine Querung über etwa 150 m fast ebener Fläche, die von der Sonne bereits besonders tief aufgeweicht wurde und manche Stellen Gamaschen erfordert hätten. Man sollte sie also auch auf über 2.500 m nicht zuhause vergessen haben.

am Weg zur aperen Rippe

Auf der aperen Rippe angelangt bot sich ein toller Blick in den südwestlich vorausliegenden Kessel, der in dieser Höhe am Beginn des Monats Juni noch vollends schneebedeckt eine bärige Abfahrt verspricht.

Rosenjoch südwestlich der Aufstiegsrippe

Unter sommerlichem Schritt auf Fels entlang der Kante der Rippe wird rasch an Höhe gewonnen – die Wahl des kleinen Umwegs stellte sich damit als richtig heraus.
In Gratnähe – es handelt sich um die Leeseite der Kette – mußten abschließend noch ca. 100 Hm (auf ca. 2.670 m) wieder in tieferem Schnee bewältigt werden, dank festem Untergrund jedoch mit Bergschuhen gut gangbar.

Rückblick auf den unteren Teil des Aufstiegs in die letzte Talstufe: von ziemlich rechts im Bild wird gequert

Der Grat wartete mit einer kühlen Brise Westwind auf, nicht stark, aber ohne Bewegung mit der leichten Bekleidung eines Shirts kaum aushaltbar.

am Grat angelangt (etwa 2.750m)

Innerhalb weniger Meter aus der Leeseite auf den Grat wechselte die Schneekonsistenz von weichem nassem Firn auf windgepressten, wenig umgewandelten Altschnee von winterlicher Ausprägung. Die Niederschläge und kalten Tage über mehr als eine Woche vorher ermöglichten diese Schneesituation, die meist ab April nicht mehr anzutreffen ist.

Rückblick über den traumhaften oberen Talkessel unterhalb des Rosenjochs

Von der tiefsten Stelle am Joch zwischen Rosenjoch und Kreuzspitze wird der Gipfel in einer Viertelstunde am Grat erreicht.

ein paar Minuten bei kaltem Lüftchen am Grat entlang

Wider Erwarten bekam das Rosenjoch nicht nur durch den Autor vom Voldertal her, sondern auch vom Arztal her Besuch von Figlern. Etwa 20 min nach dem Eintreffen am Gipfel erreichten drei Figler, die sich ins Arztal hatten bringen lassen, ebenfalls den Gipfel, um auf der Voldertalseite abzufahren.

Blick bis Volders

Weitere 20 min später erreichten zwei Tourengeher, die der Autor bei der Gwannschafalm überholt hatte, mit Winterausrüstung das Rosenjoch.

Zillertaler Hauptkamm im Süden

Der klare Tag und die spärliche Bewölkung ermöglichten tolle Fernblicke in alle Himmelsrichtungen mit besonders ungetrübter Sicht ins Karwendel, nach Südwesten (in Bildmitte abgedunkelt die als Schitour tolle „Seabelesspitze“) und in die Lechtaler Alpen.

grandioser Blick in die Stubaier Alpen; markant links im Bild das Sarner Weißhorn mit abgedunkelter Spitze

Zur Abfahrt rüstete der Autor nach einer guten Stunde des Genusses der Landschaft, zeitgleich mit den Figlern und kurz vor den Schifahrern. Bald stellte sich, völlig unbeabsichtigt, aber eindrucksvoll in der Auswirkung, ein Vergleich von drei verschiedenen Hilfsmitteln zur Abfahrt heraus. Während die Figler kaum drei Minuten Vorsprung hatten startete der Autor etwa acht Minuten vor den Schifahrern. Die Positionen auf der Abfahrtsroute können gut im Bild von 12:27 erkannt werden.

bärige Abfahrt über den steilen Gipfelhang vom Rosenjoch

Ohne im Entferntesten einen Wettkampf austragen zu wollen, sondern mit normalem Abfahrtsgenuss seine Schwünge zu ziehen, starteten die beiden Gruppen sowie der Autor als Einzelner ins Vergnügen. Schon nach wenigen Minuten trat der Unterschied der möglichen Fahrgeschwindigkeiten zwischen den Figlern und den Kurzschi des Autors deutlich hervor.

Impressionen am Rosenjoch

Selbst bei Bewertung der Behäbigkeit einer Dreiergruppe im Vergleich zu einem Einzelnen kann anhand der Positionen im Bild eindeutig erkannt werden, daß die Kurzschi enorme Vorteile gegenüber Figln aufweisen. Wenige Minuten später erwies sich die größere Schilänge in umgekehrtem Verhältnis zwischen den Schifahrern und den Kurzschi des Autors als unschlagbar, als die Schifahrer den Autor am Ende des steilen Teils im Gamskar mühelos überholten.

Rosenjoch: Bild von 12:27, äußerst links die Schifahrer und in der rechten Bildhälfte die Figler

Die Figler wurden im oberen Gamskar erst wieder sichtbar als die Schifahrer bereits unterhalb des Gamskars auf den letzten langgestreckten Schneefeldern bis auf etwa 2.150 m abfuhren und ein letzter Blick zum Rosenjoch geworfen werden kann. In den weichen, tief ausgekolkten Schneerinnen im warmen Gamskar, in denen auch der Autor mit Kurzschi Schwierigkeiten hatte, erwiesen sich die langen Alpinschi natürlich als unschlagbar.

bereits im unteren Teil des ehemaligen Gletscherkessels

Mit Sicherheit haben alle die Abfahrt genossen und keiner ist extra schnell gefahren, um zu überholen. Sehr wahrscheinlich hatten die Figler mit der geringsten Aufstandsfläche und mehrfachen Stürzen den größten Spaß dabei, aber dennoch zeigt der zufällige Vergleich die Möglichkeiten verschiedener Abfahrtshilfen, die über knapp 800 Hm Abfahrt signifikant ausgefallen sind.

das Couloir im Gamskar

Schließlich aber zeigte sich doch wieder ein Wechsel in „Poleposition“ dadurch, daß das Umrüsten auf den Marschbetrieb der Schifahrer wesentlich länger dauerte als beim Autor, der keine Schuhe wechseln mußte und die Schifahrerkollegen nach dem letzten Schneefeld einholte.

gewaltige Szenerie im Gamskar, letzer Blick gen Rosenjoch

Eine nähere Beschreibung der traumhaften Abfahrt erübrigt sich, dafür sprechen die Bilder in der Galerie Bände. Erwähnt sei lediglich, daß man sich der Schi oder Figl nicht zu früh entledigen sollte, da nach der Kante vom Gamskar talwärts noch etwa 100 Hm Abfahrt warten könnte, auch wenn man sie nicht gleich einsehen kann. Die letzten Schneefelder befinden sich etwas links der Aufstiegsroute und werden von diesem nicht unbedingt erkannt, wenn man sie noch nicht kennt.

letzte Meter unter Schi – bäriger Abschluß

Vom letzten Schneefeld empfiehlt sich die direkte Route abwärts durch knorrige Almrosenbüsche zur Gwannschafalm, die man mit diesem Abstieg sozusagen umrundet hat und in der Nähe vom Bach wieder auf den Steig nach Schwarzbrunn oder zum Klausboden trifft.

letzte tolle Stufe mit Ende der Schneefelder

Im Nachmittagslicht und bei sommerlichen Temperaturen kann der schöne Steig nach Schwarzbrunn ein weiteres Mal genossen werden.

knapp oberhalb der Gwannschafalm

Die außerordentlich ansprechende Figltour erforderte eine Gesamtgehzeit ab dem Parkplatz Nößlach von 6:10 Stunden bei 1.370 m Aufstieg. Die Gipfelpause betrug 75 min.

Mils, 01.06.2020

1 Wikipedia: Die Ausdrücke Gewann (süddeutsch und schweizerisch auch Gewand) und Gewann(e)flur, bezeichnen eine Flurform, die vor allem infolge der zelgengebundenen Dreifelderwirtschaft und des Erbrechts entstand.
Die Gewannbezeichnungen lassen noch heute Rückschlüsse auf die frühere Nutzung, Lage oder Beschaffenheit des bezeichneten Gebietes zu. Sie sind ein wesentlicher Teil der Flurnamenforschung, die sich darüber hinaus auch mit Namen etwa von Waldflächen oder bestimmten kleinräumigen geografischen Einheiten befasst, die nicht im engeren Sinne als Gewann angesprochen werden.

2 Es handelt sich um die von k.u.k. Obstlt. Rudolf Czelechowsky aus Hall gezeichnete Karte, der von 1893 bis 1900 als 1. Vorsitzender der D.u.Oe.AV Section Hall i.T. vorstand. Czelechowsky hat diese „Umgebungskarte von Hall“ im Maßstab 1:50.000 in mehrjähriger Arbeit gebietsgetreu selber aufgenommen und händisch gezeichnet (Gerald Aichner, Alpenverein Hall, 2019 / https://www.7tuxer.at/idee-blog/).
Äußerst interessant an dieser Karte von 1909 sind Details, die in unmittelbarer Nähe der Figltour auf das Rosenjoch zu finden sind, die auf der heutigen AV-Karte verschwunden sind, wie ein Steig, der noch in, oder knapp nach den untersten Blöcken der Vorbergreise, jedenfalls vor oder äußerst nördlich von Schwarzbrunn und im gemuldeten Tal steil nach oben zum Kreuzjöchl führt. Oder die Fortsetzung des besagten Steigs auf der westlichen Gratseite, vom Kreuzjöchl hinab zum Viggar Hochleger, damals „Vicar Alm“ benannt, wovon der obere Teil nicht mehr zu existieren scheint.
Weiters erscheint interessant, daß der einzige Aufstieg zur „Schaf Alm Gwann“ jener Steig darstellt, der in gegenständlichem Beitrag gewählt wurde und sich als Kleinod entpuppte. Die Jagdhütte Schwarzbrunn ist zeitlich gesehen gerade nicht mehr erfaßt, weil sie in den Jahren der Vermessung und Detailarbeit zur Karte erbaut und möglicherweise erst just zur Drucklegung von Czelechowskys Karte fertig wurde.
Ins Auge fallen weiters alle Bezeichnungen der Almen in der Talmitte und aber keine Bezeichnung für die heute wohl wichtigste? Alm in Talgrundnähe, die Vorbergalm, zumindest die heute Größte aller dort aktiven.

 

Figln im Halltal 2020

Das heurige Frühjahr, geprägt von zu gutem Wetter Ende März bis Mitte Mai, ließ trotzdem ein paar tolle Figltage zu und den Großteil davon auf durchwegs stark bestrahlten Hängen im Halltal. Ein Sondererlebnis war das Rosenjoch in den Tuxern, von dem in einem anderen Bericht die Rede sein wird.

flach ist es im Mittelteil gerade auch nicht

Die Figltouren im Halltal wurden auf diesem Blog schon mehrfach im Detail beschrieben, zuletzt mit Bericht vom 1. Juni 2018, weswegen in der Folge weniger auf die Details zum Aufstieg eingegangen wird, als sonst die Art zu berichten gepflegt wird.

Frauenschuhe im Halltal

Beim Vergleich der Bilder 2018 mit 2020 fällt die weitgehend ähnliche Schneelage auf und dies verlangt nach einem Blick auf die Klimadaten in diesem Zeitraum. Wenn eingangs von zu gutem Wetter die Rede war, dann stehen vor allem die Sonnentage gegenüber den Kaltfronten mit Schauern und Neuschnee in den Höhenregionen der betrachteten Hänge im Fokus, die sich auf die Schneedecke entweder mit Schmelze oder eben Verzögerung der Schmelze durch zu tiefe Temperaturen auswirken.

kurz vor dem Gipfel der Lattenspitze

Im April wurden in beiden Jahren zwar keine Figltouren ausgeführt, da er aber als vorausgehende Periode zur Entwicklung der Schneeverhältnisse bestimmend ist, wurde in die Gegenüberstellung aufgenommen.

das Tiefblau gibt es nur am Berg!

Interessanter Weise herrschten 2018 fast die gleichen Temperaturverhältnisse im April (Mittelwert Lufttemperatur 2,7° zu 2,4°), der Mai war 2018 hinsichtlich der Schneeschmelze mit einem Mittelwert der Lufttemperatur von 6,1°C deutlich abbauender (die Schneedecke betreffend) als 2020 mit 3,1°C. Der Juni entwickelt sich dafür bis zum 14. d. M. heuer kälter als 2018.

Vergleich der schneedeckenbeeinflussenden Wetterdaten 2018/2020

Beim Niederschlag – er ist im April generell noch recht zurückhaltend und das typische Aprilwetter läßt sich anhand der Daten nicht beweisen – ist festzustellen, daß der April 2020 mit der doppelten Menge von 2018 ausfiel, wenn auch erst gegen sein Ende hin. Die Niederschlagsmengen im Mai weichen in beiden Jahren nicht so sehr voneinander ab, also sollten sie aus Sicht der Schmelze den gleichen Einfluss gehabt haben.

Blumen etwa auf 2.250m – ein Traum!

Die Sonnenbestrahlung schließlich läßt trotz unterschiedlicher Monatswerte im April und Mai der Vergleichsjahre erkennen, daß in Summe über beide Monate eine auf die Stunde gleiche Sonnenscheindauer in beiden Vergleichsjahren vorherrschte.

Frühlingserwachen im Halltal

Für diesen Vergleich wurden die Daten vom Patscherkofel (Messhöhe 2.247m) herangezogen, die mit der Luftlinienentfernung von 14km nach Meinung des Autors eine hinreichende Genauigkeit zur Beurteilung der Unterschiede bieten.

Zwergprimel

Betrachtet man nun die drei datumsmäßig vergleichbaren Touren Lafatscher Roßkopf (zeitliches Δ 4 Tage), Stempeljoch (Δ 11 Tage) und Hintere Bachofenspitze (Δ 12 Tage), so stellt man anhand der Bilder fest, daß die Schneelage in beiden Jahren optisch kaum unterschiedlich ausfällt (mit Ausnahme im tief gelegenen Stempelkar, siehe unten).


Die Klimabedingungen für die Schneedecke scheinen also für die Figlsaison jeden Jahres – die Monate April und Mai überlagert gesehen – weitgehend dieselben zu sein.

Der größte Unterschied in der optischen Beurteilung liegt in der Schneedecke des Stempelkars. Zwei Bildvergleiche aufeinanderfolgender Zeitabschnitte von elf und zwölf Tagen verdeutlichen die Situation in zwei Stufen recht plakativ:

  1. Bild vom 10. Mai 2018 zu Bild vom 21. Mai 2020 -> zeitlicher Unterschied 11 Tage:
    Während 2018 die Fahrt bis zum Weg in der Iss möglich war, war dies 2020 nicht mehr möglich und die Schmelze war 2020 nur elf Tage später bereits weit fortgeschritten
  2. Bild vom 31. Mai 2018 zu Bild vom 12. Juni 2020 -> zeitlicher Unterschied 12 Tage:
    In 2018 zog sich Ende Mai noch ein breites Schneeband bis zum Ende der Reise in der Iss und 2020 – wenige Tage später – lag im Stempelkar nur noch marginal Schnee

Die Bilder vom 10. Mai 2018 (unten) und 12. Juni 2020 (oben) verglichen, zeigen auch recht gut die Entwicklung der jährlichen Schmelze innerhalb fast genau eines Monats auf einer mittleren Seehöhe von etwa 1.900m.

 

Für alle Touren gilt, dass der Aufstieg über die teils sehr steilen Hänge kann allgemein als weitgehend homogen bezeichnet werden, ungeachtet der Hangausrichtung und Seehöhe. Firn hat sich mehr oder weniger gut ausgebildet, jedenfalls ist die Schneedecke bis mittags fast ausschließlich fest und in den flacheren Teilen nicht besonders mühsam zu besteigen (Grödl nur zum schnelleren Fortkommen, nicht zwecks besserer Haftung teilweise zu empfehlen).

Lattenspitze, Pfeiserspitze, Stempeljoch (etwa 550Hm Abfahrt):

Sie ist ein leichter Klassiker, der sich auch zur Erkundung der Verhältnisse im Bachofenkar gut eignet. Der Autor beginnt zur Einstimmung meist mit ihr, oder mit der kleinen Tour auf die Wildangerspitze, seine jährlichen Figlabenteuer.  Auf den Aufstieg zur Lattenspitze und der Übergang zur Pfeiserspitze wird in diesem Bericht nicht eingegangen, er ist hinlänglich bekannt und auf diesem Blog mehrfach nachzulesen.

Autor mit der Stempelspitze im Hintergrund

Seit einigen Jahren wurden im Übergang zwischen beiden Gipfeln wurde die Seilsicherung erneuert und die sympathischen gummiüberzogenen Seile mit den griffigen Verdickungen (zum besseren Halt) gegen Seile nach der geltenden Norm ersetzt.

auf der Pfeiserspitze 2.343m

Ebenfalls seit einigen Jahren länger wurde das schmucke zierliche Gipfelkreuz der Pfeiserspitze von der Grathöhe auf einen flacheren nördlicheren Punkt versetzt. Die Gipfelbuchschachtel ist jedoch am Grat verblieben.

Figln unterhalb der Pfeiserspitze

Die Abfahrt beginnt unterhalb der letzten Seilsicherung am Felsansatz in den Reisen zur Pfeis hinab (etwa 2.250) in Richtung Stempeljoch und muß bereits nach etwa 50hm auf den meist ausgeaperten Jochflächen unterbrochen, um hinter dem mittig im Joch aufragenden Felskopf wieder fortgesetzt werden zu können.

Hintere Bachofenspitze (etwa 950Hm Abfahrt):

Diese Tour ist die längste und in der Abfahrt zweigeteilt. Am Ende des Bachofenkars, das man bis in den Juni fast immer bis knapp vor den Wilde-Bande-Steig fahren kann, lohnen sich gute 10min taleinwärts am Steig, um – noch vor dem Stempelkar, vom Kälberkar seitlich ins Stempelkar abfahren zu können.

Bachofenkar

Im Aufstieg in der steilen Rinne zur Scharte zwischen den Bachofenspitzen empfehlen sich zur Vermeidung übermäßiger Anstrengung mit Stufenschlagen immer Steigeisen, auch der Sicherheit wegen.

Mittelteil des Bachofenkars

Die Neigung der Rinne liegt im Durchschnitt über 40°, Stellen erreichen 45° und die Stelle unterhalb der Rotkalke in Schartennähe muß überklettert werden. Diese Stelle (etwa 2.570m) ist auch der Punkt an dem man meist die Steigeisen wieder verstauen kann, weil die Schuttflächen darüber im Mai bereits aper sind.

unterer Teil der Rinne

Nächtens friert es nicht mehr und um die Mittagstund nimmt die Festigkeit der Firndecke deutlich ab, bzw. steigt die Durchbruchgefahr in den Schmalstellen der Rinne auf die Bachofenspitze enorm.

Hintere Bachofenspitze, 2.668m

Dies war auch der Grund bei der Abfahrt die Figl erst ab etwa der Hälfte der Rinne anzuschnallen, denn die bekannte Engstelle hat Ähnlichkeiten zu einem Bergschrund und ein Bruch der Firndecke hätte ein Versinken möglicherweise bis zum Hals zur Folge.

Figlabfahrt in der Rinne

Nicht das Versinken, mehr die Nässe auf der leichten Kleidung ist hier die Situation, die zu vermeiden man wünscht.

Rückblick über die phantastische Abfahrt

Lafatscher Rosskopf (etwa 470Hm Abfahrt, mit Stempelkar 820Hm):

Eine weniger bekannte Figltour, jedoch sicherlich die am längsten zu befahrende im Frühjahr ist jene auf den Lafatscher Rosskopf. Diesen Umstand verdankt sie ihrer Höhenlage und Hangausrichtung. Sie beginnt auf knapp über 2.520m und endet unterhalb des Lafatscher Jochs auf 2.050m, also 350Hm höher als die anderen Figltouren, die in der Iss auf etwa 1.700m enden.

die spätere Abfahrt von der Scharte; wir haben die Wechte rechts umgangen

Von allen Hängen, bis auf den Nordhang der Wildangerspitze, besitzt sie mit der Ausrichtung des Kars der Jochreisen nach Osten die günstigste, um einen langen Bestand der Schneedecke zu gewährleisten. Die Mittags- und Nachmittagssonne erreichen die Jochreisen bis in den Mai nur im spitzen Winkel und verzögern damit die Schmelze.

das Gipfelkreuz kommt näher

Die Tour hat das Gipfelziel des Kleinen Lafatschers, der auf der, bereits Anfang Mai völlig aperen, Südostrippe erstiegen wird. Die letzten Reste von Schnee am Normalweg befinden sich im flachen Teil am Grat zum Gipfelkreuz. Für diese kurze Strecke empfiehlt sich ein Respektabstand zur Wechte auf der Grathöhe, die nicht nach jedem Winter gleich ausgeprägt und nicht komplett einsehbar ist.

Herwig am Kleinen Lafatscher

Zur Figlstrecke muß am Kreuzungspunkt der Südost gerichteten Aufstiegsrippe und des schärferen Nordostgrates 105Hm zur Scharte zwischen dem Kleinen Lafatscher und dem Lafatscher Rosskopf abgestiegen werden. Der Abstieg erfolgt über schuttbedecktes und teilweise brüchiges Gelände in leichter Kletterei. Im unteren Teil nimmt die Brüchigkeit etwas zu, vor allem in den ockerfarbenen Störzonen, schlechten und lehmdurchsetzten Materials. Die Scharte wird aber leicht erreicht.

Abstieg zur Scharte zwischen Kleinem Lafatscher und Lafatscher Rosskopf

Die Ausprägung der riesigen Wechte, die den Eingang in das Kar versperrt stellte sich 2020 völlig anders dar als in den Vorjahren. Bei der heurigen Begehung befand sich der ausgeaperte Spalt zwischen Fels und Wechte wesentlich weniger breit als 2018. So mußten wir eine andere Möglichkeit suchen die auf ihrer Vorderseite meist weit mehr als 5m hohe Wechte zu umgehen.

die mächtige Wächte in der Scharte, von links kommt man herab

Dies schafften wir auf ihrer nordöstlichen Seite, wo das Felsköpfchen in Grat eine nicht zu steile Fläche für den Abstieg zu einem ausgeaperten Bereich bietet, an dem sich die Figl gut anschnallen lassen. Auf schmalem Schneeband gestartet führt die Abfahrt unterhalb einer größeren ausgeaperten Plattenstelle mitten ins Kar. In diesem obersten Bereich um die Wechte werden Stellen mit 45° Neigung erreicht.

im oberen Teil recht weiche Verhältnisse

Die Abfahrt kann bis zum Tiefpunkt am Weg zum Halleranger erfolgen, wobei die beste Schneequalität logischerweise im Schatten der Aufstiegsrippe zu finden ist. Von dort sind etwa 60Hm Aufstieg zur Jochhöhe zurückzulegen.

Autor unterhalb der großen Wechte

Wir hatten heuer die Eingebung, die Fahrt etwas höher über dem Tiefpunkt zu beenden und zwar in der Flanke der Aufstiegsrippe zum Kleinen Lafatscher.

Von dort war es auf mittelsteilem Gelände möglich – um den Buckel herum – auf gleicher Höhe zum Lafatscher Joch zu queren, um den kurzen Aufstieg zu vermeiden.

Normalaufstieg am Grat ober der Abfahrt

Auch bei dieser Tour kann, wie vom Bachofenkar, vom figlbegeisterten das Stempelkar für eine weitere Abfahrt genutzt werden. Der Fußmarsch dorthin ist allerdings mit etwa 100 zusätzlichen Höhenmetern zu erkaufen.

es zischt!

Allen Touren ist die ungeheure Blumenpracht am Ende der Figlstrecken gemein. Es schießen geradezu alle möglichen Farben mit unterschiedlichsten Formen aus dem noch fahlen Bergrasen des Vorjahres und bilden einen prächtigen Kontrast zu Schnee und Fels im Hintergrund. Den Übergang von der Winter- zur Sommerbergsteigerei sollte man nicht ohne diese Erlebnisse ungenutzt verstreichen lassen.

immer noch gute Abfahrtsverhältnisse

Zur Ausrüstung:

Der Autor verwendet eisenfeste Bergschuhe und nutzt die schmale Vorderlippe, an der die Klappbügelbindung seiner Kurzschi gerade noch Halt findet und sich eine stabile Befestigung einstellt. Allerdings versagt dieses nicht aufeinander abgestimmte System auch schon beim ersten Schlag und die Mühe ist dann groß im Steilen wieder in die Bindung einzusteigen. Anstelle Fangriemen wird Erdungsdraht verwendet. Diese Technik geht auf Karl Obleitner zurück, einem Pionier in der Fertigung individuell gefertigter Kurzschi.

Figl angeschnallt – es kann losgehen!

Kurzschi haben den entscheidenden Vorteil gegen die handelsüblichen Aluminiumfigl („Figl“ von Firngleiter, nicht Fiegl), daß sie durch ihre horizontale Länge von 80cm über ruppige Büßerschneeflächen ein wesentlich stabileres Fahrverhalten haben, da sie die Grübchen der Schneeoberfläche besser – oder überhaupt erst überbrücken. Weiters ist die unangenehme Rückenlage nicht notwendig und sie wie Alpinschi gefahren werden können.

Mils, 04.07.2020

Schitour Weitkarspitze, 2.947m

Die stille Alternative zum viel besuchten Zwieselbacher Rosskogel stellt die schöne Schitour auf die etwas niedrigere, weniger oft besuchte Weitkarspitze dar, die ersterer, in Bezug auf Aussicht und Erlebnis, um nichts nachsteht. Denkbar wäre auch den Bergtag auf beide Gipfel zu erweitern. Die Abfahrt kann über die Anstiegsroute erfolgen, oder, bei unbedenklichen Verhältnissen, Richtung Wildes Kar und über den schräg verlaufenden Steilhang  zur Aufstiegsroute hinab, der aus der Sicht im Anstieg in der mächtigen Felsmauer deutlich hervortritt.

tolles Farbenspiel

Für die unspektakuläre, leichte Schitour auf die Weitkarspitze benötigten wir wetterbedingt zwei Anläufe an aufeinanderfolgenden Wochenenden Ende April/Anfang Mai und dies auch nur, weil bei der ersten Begehung der Gipfelhang während unseres Aufstiegs unterhalb der Wilden Neder mehr und mehr im Nebel verschwand und die Begehung abgebrochen werden mußte.

Weitkarspitze, 2.947m

Um halb sieben in Haggen zu starten war ein guter Plan für die fortgeschrittene Jahreszeit hinsichtlich guter Schneebedingungen für die Abfahrt.

zu Fuß bis kurz vor die markante Kurve

Schlechtes Wetter am Vortag bescherte uns bereits kurz nach Haggen einige Zentimeter Neuschnee, die ausreichten, um die Tragestrecke zu verkürzen. Nach dem Lärchenwald und noch vor der markanten Wegbiegung konnten wir schon unter Schi aufsteigen.

bereits mit mehr Neuschnee auf der linken Bachseite im Aufstieg

Je weiter wir uns gegen die erste Zwinge hin bewegten desto besser wurde die Altschneedecke und nach der doppelten Bachquerung fanden wir uns links neben dem Bach auf einer durchgehenden Schneedecke mit gut zehn Zentimeter Neuschnee.

unterhalb der Zwinge

Unterhalb der Zwinge wurden wir von Eiligen überholt, denen selbst die Zeit zum Grüßen fehlte. Sie festigten uns die bestehende Spur und in Verbindung mit dem Neuschnee wandelte sich der stets imposante Aufstieg neben dem tosenden Bach zu einem Spaziergang, der sich seiner Bezwingung meist etwas herausfordernder entgegenstellt.

wie in der Vorwoche keine Veränderung der Stabilität der Schneebrücke über den Bach

Ein Prachtanblick ohne ein Wölkchen eröffnete sich uns über die angezuckerte Landschaft im flacheren Bereich nach der Zwinge im Aufstieg, vorbei an der Jagdhütte, über den Bach auf Hallehn zu. Die Kaltfront mit den Niederschlägen hat in dieser Höhe auf knapp 2.100m für einen wahrlich winterlichen Anstieg gesorgt und die Klapperei der Schi über harte Partien blieb im weichen Neuschnee unterbunden.

Rückblick mit Schöllekogel und Steintal rechts

Nach der langgezogenen Kehre hinter den Muggenbichl hinein geht es in der Talmulde mit dem meist lange gefrorenen, schön anzusehenden Wasserlauf der südlichen Felsbegrenzung, „Untere Strass“ genannt, gegen den nächsten steilen Hang zu, auch als „zweite Zwinge“ bekannt.

Am Hang oberhalb der zweiten Zwinge, im Hintergrund der Räuhengrat

Die Spur führte oberhalb der zweiten Zwinge auf die nächste Geländestufe und diese Umrundung der Engstelle erscheint etwas eleganter als ihre Durchsteigung in Spitzkehren.

die Engstelle der zweiten Zwinge – wir umgehen sie oberhalb; im Hintergrund die Haidenspitze und unser Ziel die Weitkarspitze

Eingerahmt vom frisch verschneiten Räuhengrat, seiner Scharte und der nach Süden fortlaufende Grat zur Haidenspitze ergab sich mit dem makellos blauen Himmel eine sagenhaft tolle Szenerie in der, um die Morgenstund sonst recht dunklen Passage auf die Talstufe darüber. Bilder zu Anfang Mai wie im Hochwinter.

links unser Ziel, rechts davon die „Nördliche Weitkarspitze“ (gem. AV-Führer 1958), Kraspesspitze und rechts Schöllekogel

Bereits im steilen Teil knapp unter 2.400m, jedoch noch vor der Engstelle konnten wir das Tagesziel schon in voller Beleuchtung erkennen und bei solchen Verhältnissen mußte selbst ein gut bekannter Aufstieg mehrmals abgelichtet werden.

herrliche Szene oberhalb der zweiten Zwinge

Im flacheren Teil darüber, unterhalb der meist lawinenträchtigen Wilden Needer, konnten wir das Eintauchen in die bereits sonnenbestrahlten Hänge kaum erwarten, die im Hochwinter zur normalen Aufstiegszeit bis hinauf zum Kraspesferner völlig im Schatten bleiben – den Aufstieg bis dorthin hat man meist als einen recht kalten in Erinnerung.

herrliche Szene oberhalb der zweiten Zwinge

Entlang der stetig ansteigenden Geländelinie, den Senken ausweichend, steigt man in Richtung Steilstufe zum Kraspesferner an. Die Stelle, an der der fast genau westlich aufziehende Gratkamm zur Weitkarspitze seinen Ansatz hat, ist jene, an der wir eine Woche zuvor durch eine leichte Mulde zum flachen Sattel vor dem steilen Kamm zur Weitkarspitze abgebogen sind und als geeigneter Abzweigepunkt für gut befunden wurde.

Das Ziel schon geraume Zeit rechts von uns, die Weitkarspitze

Mit dem Wissen über diese Möglichkeit sparten wir uns den längeren flachen verlaufenden Anstiegsteil um die Felshügel inmitten des Hochtalkessels herum und damit auch ein paar Höhenmeter Verlust zum Fuß des Gipfelhangs der Weitkarspitze.

im Zentrum des ehemaligen Kraspesferners mit Blick auf die Weitkarspitze

Das weite Gelände am ehemaligen Kraspesferner zeigte sich herrlich verschneit mit deutlich erkennbaren Steigspuren. Der Aufstieg auf die Weitkarspitze verläuft in einem Bogen, der heute gar nicht mehr den heutigen Gletscherrand berührt.

Rückblick auf die lange seichte Mulde am Kraspesferner

Die Reste des ehemalig gewaltigen Kraspesferner beschränken sich auf die Flanke und den oberen Teil (>2.750m) – hierzu gibt es einen gut recherchieren, interessanten Artikel von Kollegen Lukas Ruetz der anhand von Karten- und Fotovergleichen die Rückbildung von etwa 1870 bis 2012 eindrucksvoll veranschaulicht.

toller leicht steigender Anstieg im unteren Teil

Demzufolge befand sich der Anstieg zur Weitkarspitze um 1870 herum noch bis in die Gipfelflanke hinauf vereist (bis über 2.800m) und der zuvor beschriebene Gratrücken noch kaum sichtbar, da völlig von Eis bedeckt (siehe Karte von 1870). Heute kaum vorstellbar, daß die riesige Fläche des ausgeaperten Ferners Dutzende Meter hoch unter Eis lag.

Rückblick zu Rotgruben- und Haidenspitze

Am Hang zur Weitkarspitze nimmt die Steigung langsam zu, wodurch ab etwa 2.800 ein paar Spitzkehren bis zum Schidepot fällig werden. Nach der ersten folgt eine längere Querung, sowie etwa fünf bis sechs Spitzkehren bis zur Grathöhe.

Gipfelhang zur Weitkarspitze voll beleuchtet

Unter voller Bestrahlung am Südosthang bereitete uns der Schlussteil des Aufstiegs Hochgenuss mit einer Schreckenssekunde, als auf der Steilstufe zur Zwieselbacher Rosskogel gegenüber ein Schneebrett abging, das ein zweites schräg darunter auslöste und wir ein paar Personen in der Nähe abfahren sahen (Abgangszeitpunkt zwischen 9:25 und 9:34 Uhr, obwohl nur etwa 800m entfernt haben nichts gehört).

Gipfelhang Weitkarspitze

Wir beobachteten die Entwicklung ein zwei Minuten, aber da sich die Abfahrenden weiter bewegten war offensichtlich, daß niemand erfaßt wurde und alle aus dem Anrissbereich ausfahren konnten. Nachkommende Aufsteiger bewegten sich ebenfalls normal weiter, ohne erkennbare besondere Aktion.

letzte Meter zum Schidepot; links einer der Eiligen bei der Abfahrt

Im Gipfelbereich der Weitkarspitze dürfte die Hangneigung auf kurzen Passagen etwas über 35° liegen – zumindest findet es sich im TIRIS so ausgewiesen – die durchschnittliche Hangneigung bleibt aber unter 35°.

Blick vom Schidepot nach Haggen hinab

Am Schidepot, kaum 20Hm unter dem Gipfel, hatten wir eine kuriose Aussicht durch die umliegende weiße Berglandschaft mit saftig grün leuchtenden Wiesen in Haggen im knapp 1.300m tieferen Tal.

Blick nach Nordwesten; Sulzkogel, Zwölferkogel, Pirchkogel in der Ferne, Kraspesspitze und Nördliche Weitkarspitze

Am Gipfel der Weitkarspitze, mit dem kleinen Steinmandl als Gipfelmarkierung, fällt zunächst der Blick auf die bärigen Schitourenziele der nahen Kraspesspitze, des Finstertaler Schartenkopfs und natürlich des etwas entfernten Sulzkogels ins Auge.

Blick ins Horlachtal mit Umhausen im Tal und der nördliche Geigenkamm im Hintergrund

Der Blick gegen Südwesten, ins Ötztal, bot ein ähnliches Bild als jener auf Haggen, grünes Tal und lange weiße Hänge in alle Richtungen auf die Grate und Spitzen hinauf, ein tolles Farbenspiel.

links Wildspitze, mittig ein weißes Spitzl, das wir als die weit entfernte Weißkugel vermuteten

Mit schwarzen Flanken unverkennbar in 23,5km direkter Linie hinter Umhausen ragt die Rofelewand auf. Rechts davon der Fundusfeiler, erster Dreitausender im Geigenkamm in den westlichen Ötztaler Alpen und mit deutlich sichtbaren Aufstiegsspuren von der Frischmannhütte aus.

Erkunden der Ötztaler Alpen von der Weitkarspitze aus

Weiter südöstlich die Namensgeberin des Geigenkamms, die Hohe Geige (3.393m). Knapp rechts von ihr erregte ein mit dem Glas erkennbarer spitzer und völlig weißer Gipfel in immenser Entfernung unser Interesse. Zunächst tippten wir von Erscheinung und Entfernung her auf die Weißkugel, recherchierten aber später, daß es sich um den Äußeren Bärenbartkogel in 52km Entfernung handelt.

mit einem Trick durch das Fernglas die vermutliche Weißkugel als den Äußeren Bärenbartkogel entlarvt, die Weißkugel ist hinter dem Hohen Kogel versteckt

Er ist um 264m niedriger als die Weißkugel (3.737m), von dieser gerade 2km entfernt und in dieser enormen Entfernung im Gegensatz zur Weißkugel nur deshalb noch sichtbar, weil der  Gepatschferner nicht die Höhe erreicht, um seine Spitze zu verdecken, hingegen die Erdkrümmung die Weißkugel hinter dem Hohen Kogel, der auf gerader Linie und halber Strecke zur Weißkugel im Geigenkamm liegt und um 465m niedriger ist, verdeckt wird. Hier täuscht die App Peak Finder, die unter „sichtbare Berge“ die Weißkugel anführt, denn die Erdkrümmung mit sagenhaften 184m Sichtverlust bis zur Weißkugel läßt den tatsächlichen Sichtwinkel zur Weitkarspitze kleiner ausfallen als jenen zum Hohen Kogel.

Trenngrat zum Zwieselbacher Roßkogel und Blick auf ehemaligen Kraspesferner

Die südlich gegenüberliegende Flanke, die die Weitkarspitze vom Zwieselbacher Roßkogel trennt,  trägt ein Steinmandl und verdeckt um wenige Meter die Sicht auf den Zwieselbacher Roßkogel. Sie bietet eine tolle Steilrinne, die vom Zwieselbacher aus hinunter auf den Kraspesferner befahren werden kann.

Aufstiegsgelände mit Rotkogel und Haidenspitze

Nach einer knappen Rast und Studium der Ötztaler Alpen beschlossen wir abzufahren. Vom Schidepot aus wollten wir eine direkte Linie zum flachen Kar finden, von dem wir eine Woche zuvor nach Abbruch der Tour abgefahren sind. Leider war diese Flanke schon weitgehend ausgeapert, sodaß der Belag und die Kanten arg strapaziert worden wären und wir zur Abfahrt in die Senke vor der Scharte gezwungen waren.

Abstieg zum Schidepot

Wegen des Neuschnees entschieden wir aber dann die Aufstiegsroute abzufahren, um den steilen Hang unten zu vermeiden, der mit zahlreichen alten Lawinen in der Vorwoche kein besonderes Erlebnis mehr bot.

die Schwünge müssen abgelichtet werden

Somit mußten wir ein paar Meter über eine leichte Kuppe, um zu unserer Aufstiegsroute zu kommen. Wir wollten an geeigneter Stelle nach der Kuppe über den Gratkamm abfahren, jedoch war dieser uneinsichtig steil, mit dem Schneebrett von der Stufe zum Zwieselbacher Roßkogel im Hinterkopf unterließen wir auch diese Variante und fuhren zum Abzweigepunkt und über die Normalabfahrt hinab.

nach dem flachen Sattel ein paar Meter aufgestiegen – Rückblick zur Weitkarspitze

Das Abfahrtserlebnis mit der Neuschneeauflage war natürlich entsprechend genussvoll, weswegen wir eine Kostprobe für „Powderfans“ festgehalten haben:

Bis weit unter die Zwinge konnten wir aus dem Kraspestal ausfahren, aber nach den Altschneefeldern mußten wir die Schi schultern, da der Neuschnee um die Mittagszeit bereits vollends geschmolzen war.

kurz vor der ersten Zwinge

Unsere Aufstiegszeit zur Weitkarspitze betrug 3:20 Stunden, bei 1.300Hm. Für die gesamte Tour benötigten wir 5:45 Stunden inclusive Gipfelaufenthalt von einer knappen Stunde. Die Streckenlänge beträgt gut 7km.

Rückblick ins Kraspestal

In der Bildergalerie befinden sich ein paar Fotos vom Versuch in der Vorwoche und dem Steilhang.

Mils, 03.05.2020

Schitour Schlicker Seespitze, 2.804m

Im Radius von gerade 16,5km um den Dom zu St. Jakob in der Innsbrucker Altstadt gibt es keine Schitour die auf ein höheres Ziel führt als jene auf die Schlicker Seespitze. Weder die mächtige Birkkarspitze im Karwendel, noch das Rosenjoch in den Tuxer Alpen vermögen die Schlicker Seespitze an Höhe zu schlagen. Der erste Dreitausender um diesen Mittelpunkt ist die Hohe Villerspitze am Ausläufer der Alpeiner Berge und sie liegt bereits gut 25km im Radius entfernt.

Schlicker Seespitze, 2.804m

Die verblüffende Nähe zur Landeshauptstadt und die gute verkehrsmäßige Anbindung – vor allem mit öffentlichen Verkehrsmitteln – verbunden mit dem, im nahen Umkreis fehlenden, dolomitisch bizarren Bau der Kalkkögel erheben dieselben in ein, selbst im Winter, sehr frequentiert begangenes Gebiet, das optische Anziehungskraft versprüht, weitgehende Abgeschiedenheit bietet und signifikant  weniger infrastrukturelle Erschließung, verbunden mit jederzeitiger Kommunikationsmöglichkeit im Ernstfall, als man eine solche in der Nähe einer größeren Alpenstadt erwarten würde.

Direktroute zum Grat

Mit dieser Voraussetzung sind die Kalkkögel – allen dortigen Gipfeln voran die Schlicker Seespitze – ein ungeahnt abenteuerliches Ziel, sozusagen einen Steinwurf von geschäftigen Orten wie Flughafen, Seil- und Autobahnen aus und in alle Richtungen, Museen, Universitätsgeländen und sportgeschichtlichen, historischen und mondänen touristischen Zielen doch scheinbar Tagesreisen entfernt, befindet man sich erst einmal zu früher Morgenstund am Fuße derselben und leiht der Natur sein inneres Ohr und Auge.

Kemater Alm gegen Kalkkögel, Start auf 1.670m

Wer um dieses offene Geheimnis weiß und die Kalkkögel besucht, der schätzt dieses einzigartige Kleinod und öffnet dadurch seine Sinne und die Aufnahmebereitschaft für jedes kleine Detail der grandiosen Landschaft, in der unterschiedliche Geologien aufeinanderprallen.

Weg zur Adolf-Pichler-Hütte

So nimmt es nicht Wunder, daß sich im Refugium der Abgeschiedenheit zur Balzzeit ein stattlicher Birkhahn nur allzu deutlich präsentiert und uns an seinem wichtigen Ritual teilhaben läßt. Wie zur Salzsäule erstarrt  hielten wir inne, als das Knarren und Knattern der Balz an unser Ohr drang und er wurde uns auch vorher nicht gewahr, weil wir in ziemlicher Schweigsamkeit aufstiegen – eine meist segensreiche Haltung am Berg, will man ein wenig Fauna am Berg erleben, die heute selten mehr geübt wird.

Birkhahn bei der Balz

Den Ausgangspunkt unserer Tour bildet die Kemater Alm, die im Frühjahr noch nicht mit dem Auto befahren werden darf und zu der der Anmarsch früher nur zu Fuß mit geschulterten Schi möglich war. Ein Anmarsch von zwei Stunden für Ausdauernde über gut 5,5km und 670Hm, wobei vor allem der Rückweg nach einer Schitour mit Gepäck ergiebig wird. Moderne Leute jenseits der „sich-selbst-beweisen-Grenze“ setzen dafür zielsicher das jüngst geborene Stromradl ein, jene noch kurz davor das altbewährte Tretradl.

herrliches Aufstiegsgelände zur Hochfläche

Wie auch immer die Strategie der Anreise erfolgt – Netzberichten zufolge gibt es auch eine bemerkenswert grüne oder studentische Vormittagsvariante mit Postbus aus der Hauptstadt, Hoadlbahn und Aufstieg auf die Hochtennspitze mit querender Abfahrt so hoch wie möglich Richtung Adolf Pichler Hütte – die phantastische Reise auf die Schlicker Seespitze beginnt im Gelände der Kemater Alm.

Hochfläche mit Riepenwand im Hintergrund

Etwa 15min Tragestrecke mußte man im April  2020 in Kauf nehmen, um zu einer geschlossenen Schneedecke oberhalb der Alm aufzusteigen. Auf etwa 1.800m war es dann soweit unter dem typischen Geklapper auf den gefrorenen Firnflächen des Frühjahrmorgens aufzusteigen.

Riepenwand und Schlicker Seespitze

Die Überquerung des Griesbaches unterhalb der Adolf Pichler Hütte stellte die letzte Notwendigkeit dar die Schi zum Überqueren „trockenen Felles“ abzuschnallen. Der Aufstieg erfolgte im Graben westlich der Adolf Pichler Hütte und just diese winterliche Variante ermöglichte uns die Beobachtung der Birkhahnbalz, die uns einige Minuten in ihren Bann zog.

Zoom zur Schlicker Seespitze (Bildmitte)

Für die Nachwelt konnten wir mit den unzulänglichen Handykameras nur schlechte Fotos anfertigen, jedoch, zur Dokumentation der eindrucksvollen Zeremonie in etwa 100m Entfernung und wenn auch in schlechter Qualität, die Eindrücke hier wiedergegeben. Der akustische Eindruck überwiegt und ist hier ohnehin nicht wieder zu geben.

Aufstieg auf der Hochfläche

Schwer beeindruckt von dem seltenen Erlebnis durchschritten wir den steiler werdenden Graben und erreichten auf ca. 2.000m die flachere und per Mitte April bereits um kurz vor neun Uhr besonnte Hochfläche westlich unterhalb der südlichen Kalkkögel, das im Sommer spannend zu verfolgende Trenngebiet zwischen dem Kristallin der Stubaier Alpen und dem Dolomitkeil des Brenner Mesozoikums.

Schneehuhn (Bildmitte)

Wenig strukturiertes Gelände auf der Hochfläche bietet einen leicht zu durchschauenden Aufstieg Richtung Seejöchl und auf halben Weg dorthin taucht die Route vormittags im Schatten der mächtigen Erhebung der Riepenwand wieder in die Morgenkälte ein und ab dort verharrt die Tour ohne Sonnenbestrahlung darin.

weiterer Aufstieg im Schatten der Riepenwand

Kurz vor der weiteren abgeschatteten Route zur Schlicker Seespitze verengt sich die breite Hochfläche durch die Biegung der westlichen Talbegrenzung  hin zu den Westhängen der Riepenwand. Eine schmale Passage bildet sich aus.

Rückblick auf Wetterstein und Karwendel

An diesem Übergang hatten wir das Glück in etwa 30-40m Entfernung ein Schneehuhn zu beobachten, das aber recht rasch das Weite suchte und hinter dem Kamm in einer Mulde verschwand. Auf dieser recht häufig begangenen Schitourenstrecke ist dem Autor noch nie ein Schneehuhn untergekommen, möglicherweise breitete sich auch für Schneehühner das Revier aus, als aufgrund der Virenhysterie im März und April 2020 die mediale Hatz auf Tourengeher, bzw. allgemein Bergsteiger, abseits eines zwei Meter breiten Weges eröffnet und sogar von deren Interessensvertretungen, alpinen Vereinen, wie auch Rettungsorganisationen unterstützt wurde.

die engere Passage bei der Riepenwand

Zwischen dem heranrückenden Kamm der westlichen Talbegrenzung und den eindrucksvollen senkrecht aufragenden Wänden der Riepenwand hindurch tauchten wir in steileres Gelände der mächtigen Schuttreisen zwischen Riepenwand und Schlicker Seespitze ein und befanden uns somit auch schon im Kernstück der Schitour, die steil werdenden Hänge zur Scharte mit dem Schidepot auf den Schlickerwand-Zacken hinauf.

Aufstieg zur letzten Rippe (leicht rechts Bildmitte) zum Kar der Schlicker Seespitze

Am unteren Teil des Hangs im Übergangs tauchte nochmals kurz die Sonne über den Grattürmen auf und erschwerte die Sicht nach oben, um den richtigen Einstieg zu finden, dessen Unterkante der herabziehenden Rippe angesteuert wird. Die Rippe ist nicht schwer zu finden, sie ist die letzte aller und vor einem breiten Hang nach oben, der das Kar zur Schlicker Seespitze darstellt, aber von unten und noch weiter nördlich entfernt (etwa auf 2.400m) erscheinen die beiden anderen Rippen vorher zunächst auch schon als möglicher Einstieg.

die Verschneidung des Kammes westlich der Hochfläche und die Flachstelle im Vordergrund; im Hintergrund der Gamskogel

An dieser Stelle verschneidet sich auch der oberste Ausläufer der westlichen Talbegrenzung mit dem Hang der Schlicker Seespitze und bildet eine kleine Flachstelle.
Wir beschlossen mit Harscheisen weiter aufzusteigen, denn die harte Schmelzoberfläche ließ Quälerei ohne sie für die oberen steilen Hangpartien erahnen.

Rückblick zur Adolf-Pichler-Hütte

An dieser Stelle beträgt die Hangneigung noch etwas weniger als 35°, steilt jedoch zur Rippe hin deutlich auf, übersteigt ab dem mittleren Teil des Kars die Neigung von 35° deutlich (etwa auf 2.600m) und bildet einen bärigen Steilaufstieg im engen Teil oben, kurz vor der Scharte und dem Schidepot.

die bärige Steilflanke zur Schlicker Seespitze beginnt

Die letzten Spuren waren schätzungsweise mindestens eine Woche alt und verschwanden teilweise. Also eröffneten wir eine eigene Spur, die auf der harten Oberfläche kaum Prägung bewirkte und auch wohl  kaum den schönen Tag in der Nachmittagssonne im Kar überlebt haben dürfte.

rechts neben der markanten Felsrippe führt der Steilhang zum Schidepot

Kleine Rutschungsreste aus den Felsen unter dem Gipfel der Schlicker Seespitze lösten an den Nachmittagen der Tage zuvor schmale Nassschneerutschungen aus, die mit Harscheisen leicht zu überqueren waren.

Gamskogel mit Tourengeher unten in der Mulde

Ein „Sologeher“, der den Gamskogel zum Ziel hatte, mäanderte sich über die untere Mulde unseres späteren Abfahrtshangs vom Senderstal herauf und befand sich kurzzeitig etwa 300Hm unter uns hinauf zum Seejöchl.

der letzte steilere Teil zur Scharte beginnt

Die letzten sehr steilen Meter zur Scharte hinauf bedingen durch die schmale Passage zwischen den Felsen noch etwas mehr Spitzkehren als das Gelände zuvor und unter erhöhter Anstrengung erreicht man außer Atem die Flachstelle (~2.700m) mit einem ersten wunderschönen Blick auf die Schlickeralm Seite hinab. Weiters erfreute uns die wieder erreichte Sonnenbestrahlung.

etwa 50m unterhalb des Schidepots

Für die letzten 110Hm zum Gipfel der Schlicker Seespitze beschlossen wir Steigeisen zu verwenden, die Schmelzoberfläche büßte in den schattigen Bereichen westlich der flachen Scharte nichts an ihrer Härte ein, sodaß Steigeisen eine gute Wahl für die Bereiche an die 45° Neigung waren.

Tiefblick im Steilhang zur Schlicker Seespitze

Die alten Stapfen der Vorgänger waren auch schon sehr aufgelöst und hätten neu angelegt werden müssen, um einen sicheren Tritt zu gewährleisten. Diese Plagerei wollten wir uns ersparen.

Aufstieg nach dem Schidepot zum Gipfel

Den Aufstieg wählten wir längs des Sommerweges an deutlich sichtbaren Markierungen am Fels und die Rinne gleich nach der ersten Ecke am schmalen Band bestätigte die kluge Wahl der Eisen, denn die schneegefüllte Rinne erwies sich im querenden Aufstieg als sehr hart und die Tourenschuhe mit der dicken Schmelzdecke zu quälen muß ja auch nicht sein.

steilste Passage

Nach dieser steilsten Passage wurde die Schneedecke durch die Sonne bereits wesentlich angenehmer und es hätte der Eisen nicht mehr bedurft, die wir aber, zur Vermeidung eines weiteren Stopps, für die wenigen Minuten zum Gipfel nicht mehr abschnallten.

die sehr harte Schneedecke erforderte Steigeisen

Der letzte herrliche Grataufstieg zum Gipfelkreuz zweigt den typisch dolomitischen Bau der einzelnen Lagen an Sedimentgestein Schlicker Seespitze sehr deutlich und sie lassen sich auch mit den Eisen wunderbar überklettern.

am Grat zur Schlicker Seespitze

Auf 2.804m hat man von der Schlicker Seespitze einen grandiosen Blick über die östlichen, zentralen und bis zu den nördlichen Stubaier Alpen, über 180°, von Serles bis zum Rietzer Grieskogel.

Christian auf der Schlicker Seespitze

Besonders beeindruckend ist der über einen großen Teil der Länge des Oberbergtals reichende Blick von kurz von hinter Seduck bis über den Alpeiner Gletscher hinauf und zur Ruderhofspitze.

phantastischer Blick ins Oberbergtal

Zwischen Gamskogel, Schwarzhorn und Lüsener Villerspitze hindurch erhebt sich in 17km Entfernung der mächtige Schrankogel.

Riepenwand gegenüber

Im Norden schließt in der Kette der Kalkkögel die Riepenwand an, die eine beeindruckende Überschreitung zur Schlicker Seespitze bietet und von der aus man auf den Sommerbildern auch ein wenig den Aufstieg von der Scharte zum Gipfel der Schlicker Seespitze einsehen kann.

Gen Südosten ragt in wenigen Metern Entfernung das höchste Schlicker Manndl (mit Schiaufstiegspur) und dahinter  der Serleskamm mit Kesselspitze und Kirchdachspitze, sowie dem Tuxer Hauptkamm in den  Zillertaler Alpen.

ein gelöster Autor nach Wochen der Freiheitsberaubung durch die Maßnahmen der Regierung aufgrund der Vriushysterie

Eine knappe Stunde brachten wir auf dem stillen Gipfel der Schlicker Seespitze zu. Die mäßige Bewölkung raubte uns selten und nur kurz die wärmende Sonnenbestrahlung und ohne Jacke wäre die leichte aber kalte Brise am Gipfel nicht gern zu ertragen gewesen.

der Aufstiegshang zur Schlicker Seespitze

Bevor die Schneeverhältnisse im Abfahrtshang zu weich werden sollten stiegen wir in der Mittagsstunde wieder zum Schidepot ab. Im oberen steilen Teil hatte es gerade aufgefirnt und somit haben wir dem Abfahrtszeitpunkt gut erwischt.

am Abstieg – die Spuren vom Aufstieg im oberen flacheren Teil sichtbar

Allerdings erstreckt sich der Abfahrtshang von der Scharte bis zum Sendersbach über 800Hm und der flachere untere Teil in der Mulde lag ja schon seit unserem Aufstieg in der Sonne weshalb wir im untersten Teil dann teilweise in tiefen Sulz gerieten, der Schwünge zum Kraftakt verwandelte.

Querung zum Schidepot (Aufstiegsvariante rechts in Gratnähe hinauf)

Dennoch erlebten wir die Ausfahrt aus dem Senderstal als angenehm, mit wenig Trageaufwand auf den einzigen beiden aperen Strecken und mäßigem Schiebeaufwand zurück zur Kemater Alm.

Schidepot an der Scharte

Rund 10,4km misst die schöne Runde an Länge, 1.140Hm zeichnete der Höhenmesser auf und mit allen Pausen betrug unsere Runde 6,5 Stunden, die reine Aufstiegszeit knapp 4h.

Abfahrtsvergnügen über den Steilhang

Für den Aufstieg auf den Gipfelauf ab dem Schidepot sind je nach Schneeverhältnissen Steigeisen vonnöten. Eine andere Möglichkeit als den Markierungen zu folgen wäre ab dem Schidepot etwas direkter am Grat aufzusteigen. Damit kann der steilste Teil umgangen werden.

mittlerweile tolle Firnoberfläche

Diese Variante bedingt gleich nach der Scharte einen Durchstieg durch eine etwa drei Meter hohe Felsstufe, die mit Steigeisen nicht erstrebenswert ist. Ohne Steigeisen wäre sie aber eine Variante, etwas flacher aufzusteigen.

bäriges Gelände von der Schlicker Seespitze herab

Die Einkehr bei Michael und Kathrin in der Kemater Alm mußte leider entfallen, da die Alm wie alle Gastgewerbebetriebe wegen der völlig überzogenen Maßnahmen aufgrund des Viruses geschlossen sein mußte.

Mils, 12.04.2020

Schitour Hohe Kirche, 2.634m

Schon bei der Fahrt ins Valsertal fällt in Innervals der langgezogene Bergrücken mit dem frontalen Felsabbruch auf, dessen nordwestlicher Gipfel über dem Felsabbruch Hohe Kirche genannt wird und die unser Schitourenziel darstellt. Im weiteren Verlauf des Bergrückens, den die Sagwandspitze nach Nordwest entsendet, befindet sich die Hohe Warte, ein von der Schitour zur Hohen Kirche aus schön anzusehender Zacken im begehbaren Grat.

Hohe Kirche, 2.634m

Die Schitour auf die Hohe Kirche beginnt am Parkplatz der Geraerhütte, dem mit dem Fahrzeug letzt erreichbarem Punkt in Innervals. Wir konnten Mitte März direkt am Parkplatz in die Schi einsteigen und den Weg, vorbei an den urigen Kaserhütten der Nockeralm in Richtung Zeischalm starten.

Skulptur der Bergwacht Vals vor Fußstein, Alpeiner Scharte  und Schrammacher

Nach einem kurzen Waldstück betritt man eine größere Freifläche im enger werdenden Tal und am Ende dieser setzt die Aufstiegsroute kurzzeitig über den Zeischbach, auf sein orografisch linkes Ufer, dem wir einige Minuten folgten (dies ist die spätere Abfahrtsstrecke).

Freifläche vor dem „Schwarzen Brunnen“

Das nun recht enge Tal  steigt steiler an und etwa an der Stelle an der der bärige vereiste Zeischbach Wasserfall rechter Hand erscheint bot sich im Aufstiegssinn links die Möglichkeit auf steile Wiesen mit Strauchgestrüpp und Birkenbäumchen aufzusteigen, um die Steilstufe zum Sommerweg zur Zeischalm zu überwinden. Hierzu verwendeten wir Harscheisen.

Wasserfall erreicht, links weiter

Alternativ dazu kann man am Ende der Freifläche nach dem Waldstück beim „Schwarzen Brunnen“ direkt den Sommerweg durch die Schussgrube wählen und steigt dort bald mitten im Wald auf.

am Wasserfall – Harscheisen montiert

Durch die recht freien Passagen zwischen den Birken stieg es sich prächtig, allerdings muß die Route sorgsam gewählt werden, um allzu steile Passagen zu vermeiden. Bald tauchten Zirben auf und ein eher lichter Wald mit bereits aperen Stellen durch die im März schon längere Sonneneinstrahlung im oberen Teil bildet sich aus. Nach wenigen Minuten Aufstieg im Wald hatten wir den Sommerweg erreicht.

Aufstieg im Birkenwäldchen

Der Sommerweg steigt etwas flacher und querend in Richtung dem Talschluß zu, der das Ende der Steilstufe bildet, zu deren Überwindung eine gute Viertelstunde benötigt wird. Der Grund dafür liegt in der Querung von zwei Wasserfällen durch steile Karmulden, die, je nach Verhältnissen und vor allem am frühen Morgen, Harscheisen erforderlich machen (wir hatten sie bereits in Verwendung und konnten die steilen Querungen dadurch mühelos durchschreiten) und die Rippe zwischen den Mulden auch bei ausgeapertem Weg das Abschnallen.

kurz vor dem Sommerweg

Bei unserer Begehung war die gesamte eindrucksvolle Strecke mit Schi begehbar. Die Querung ist für versierte und sichere Tourengeher machbar, wer Angst vor steilen Querungen hat möge von der Schitour Abstand nehmen.

am Sommerweg weiter

Nach der Steilstufe (etwa 1.850m) wechselt das Gelände über in einen riesigen Hochtalkessel, der nebst der Schitour auf die Hohe Kirche auch eine zweite, die Schitour auf den Kluppen zu bieten hat, die erstere sowohl in Länge als auch im bergsteigerischen Sinne überbietet und von der auf diesem Blog demnächst berichtet wird.

die zweite Mulde mit dem größeren Wasserfall

Das Hochtal, das vorwiegend durch die Flächen der Zeischalm bestimmt wird, misst etwa 3,8km in Durchmesser Ost (Sagwandspitze)/West (Lange Wand) und etwa 2,9km Nord (Hohe Kirche)/Süd (Kluppen).  Etwa am Talausgang befinden sich die Gebäude der Inneren und auf der orografisch linken Seite des Zeischbachs jene der Äußeren Zeischalm. Eine weitere kleine Schaferhütte gibt es unterhalb des Ausläufers vom Kluppen herab.

die Kollegen in der Rippe

Unser Anstieg auf die Hohe Kirche führt zunächst mit mittlerer Steigung südöstlich durch Latschengelände hinauf zur Inneren Zeischalm (1.930m) und wendet sich dort nach Osten, über wunderschönes freies Schigelände bis unter die Reisen vom Ausläufer von der Hohen Warte herab, die „Roate Egge“ genannt wird.

die Steilstufe überwunden und Anstieg im unteren Almgelände

Der unmittelbaren Alm sollte man ein paar Minuten Aufmerksamkeit schenken, hier war ein Idealist am Werk verschiedene Symbole am Berg nach seinem Empfinden zu gestalten und es lohnt sich diese näher zu betrachten sowie selber zu Ideen dazu inspiriert zu werden.

Innere Zeischalm, 1.930m

Das Gelände nach der Zeischalm sieht hinsichtlich der Steigung weniger fordernd aus als es tatsächlich ist. Legt man von der Alm einen Schnitt in die direkte Linie bis unter die deutlich steiler werdenden Hänge vom Grat herab (~2.400m), dann erhält man auf der knapp 1,2km langen Strecke einen Höhenunterschied von 475m und eine durchschnittliche Steigung von immerhin 22°. Knapp vor dem Erreichen der 2.400m Marke werden erste Spitzkehren im steileren Gelände notwendig.

Ausblick auf das schöne Aufstiegsgelände vor der Hohen Kirche

Der Aufstieg dorthin liegt komplett unter Sonneneinstrahlung, sowie bereits kurz nach der Talstufe in Richtung Zeischalm. Dies kam uns gelegen, denn der Tag war durch frische Temperaturen und Südföhn geprägt, vor dem das Gelände im Talkessel aber weitgehend geschützt blieb und dessen Intensität an den Schneefahnen über dem Grat abgeschätzt werden konnte.

nette Glockentürmchen nach der Alm

Der Aufstieg bis auf die steile Flanke zur Hohen Kirche kann auf der großen Fläche nach Belieben gewählt werden und auch wir verließen kurz nach der Alm die Spuren der Vorgänger und suchten mehrere eigene Anstiege, je nach individueller Empfindung des Aufstiegsgenusses an diesem herrlichen Vormittag.

Aufstieg über die weiten Flächen oberhalb der Alm; in Bildmitte im Hintergrund das „Roate Egg“

Nach einer knappen Stunde von der Zeischalm erreichten wir auf etwa 2.400m die Ausläufer kleiner Lockerschneerutschungen von steilen Felsengelände der Hohen Warte herab denen im Aufstieg  durch genügend breites Gelände ausgewichen werden konnte. Dort steilt das Gelände auf und es begann ein kurzer Aufstieg auf den Gratrücken unter Spitzkehren.

schöner Aufstieg auf etwa 2.200m durch Felsblöcke hindurch

Die Spitzkehrenstrecke endet etwa nach 100Hm, auf ca. 2.550m, noch unterhalb des Gratrückens, jedoch in bereits flacherem Gelände, in dem die Querung zum langgezogenen Gipfelbereich der Hohen Kirche beginnt.

Spitzkehren beginnen auf etwa 2.400m

Eine letzte S-Kurve durch die gleiche Geländeausprägung leitet in angenehmer Steigung über etwa 10min Aufstieg auf die Grathöhe – dort mit Kammausprägung – über, die uns mit einem tollen Blick auf Fußstein, König Olperer und den Großen, sowie den Kleinen Kaserer belohnte.

Verlauf Steilhang zum Gratkamm

Letzte 10min Aufstieg am Gratkamm leiten über wenige verbleibende Höhenmeter zum Gipfel der Hohen Kirche über, der durch ein massives Steinmandl mit Holzkreuz, sowie durch ein zweites Steinmandl und eine interessante Gedenkskulptur der Bergwacht Vals geziert wird.

Querung zum Gratkamm

Im Sockel der Skulptur, unter dem netten Sitzbankl, befindet sich ein gemauertes Fach mit stirnseitigem Edelstahltürchen und nebst dem Gipfelbuch – manchmal, so wird berichtet – einem Flachmann mit Höhenmedizin als Inhalt.

am Gratkamm angekommen, Blick Richtung Gipfel der Hohen Kirche

Der Ausblick vom dem fast zentral im inneren Valsertal gelegenen Gipfel der Hohen Kirche ist phänomenal.  Wir genossen ihn allerdings kaum zwanzig Minuten, da die Temperatur mit dem Föhn ein äußerst unangenehmes Gemisch bildete, das uns zu einem längeren Gipfelaufenthalt wenig animieren konnte.

am Gipfelsteinmandl der Hohen Kirche

Nach einem fotografischen Rundblick verließen wir den Gipfel und querten hinab zum Sattel, bei dem die Abfahrt über den schönen sonnenbestrahlten Steilhang begann.

gewaltiger Blick zu Schrammacher, Sagwandspitze und Hohe Wand rechts

Richtung Südosten gibt es die Gipfel der Schitoutren in Innervals auf einen Blick zu sehen. Da ist die Königstour auf den Kluppen, einem „fast-Dreitausender“ im Grenzkamm zu Südtirol, dann das unübersehbare Spitzl des Sumpfschartls mit den schwarzen Amphibolitfelsen im Grat zur Saxalmwand und die trennenden Jöcher Nieder- und Hochvennjoch vor dem Silleskogel:

Aussicht nach Südosten auf Kluppen, Kraxentrager, Sumpfschartl und Saxalmwand

Durch die zentrale Lage der Hohen Kirche im Tal bietet der Gipfel auch einen bärigen Tiefblick auf das Valsertal in seiner gesamten Länge.

Blick von der Hohen Kirche zur Saxalmwand und zum Silleskogel (linke Bildhälfte) und ins Valsertal

Zwischen aperen Felsblöcken im Slalom hindurch ging die Fahrt, die steilste Passage ansteuernd, auf leicht aufgetauter Firnoberfläche hinab.

bärige Abfahrt; zwischen den Felsblöcken hinunter geschwungen

Der Steilhang und die flachere breite Strecke hinab zur Zeischalm steigerte den Schitag zum reinsten Hochgenuss und Sonne, Ausblick, sowie die angenehmere Temperatur im Talkessel der Alm hinterließ einen kaum vergesslichen Eindruck.

am Beginn des Steilhangs

Nach der Alm bemühten wir uns nicht zu tief hinab zu fahren, denn der Sommerweg ist nicht sogleich am Hang zu sehen und im Rausche des Abfahrtsfeelings übersieht man den selben nur zu schnell und fährt zu tief in unfahrbares Gelände ab.

am Ende des tollen Steilhangs

Nicht alle Passagen in der Steilstufe sind unfahrbar, jedoch setzen die wenigen steilen Schneisen genaue Kenntnis voraus, um nicht in den Felsen hängen zubleiben und einen mühevollen Rückweg auf den Sommerweg unternehmen zu müssen.

herrliche Abfahrt im weiten Gelände der Zeischalm

Mit dieser Sorgfalt und den sichtbaren Aufstiegsspuren erreichten wir den Sommerweg punktgenau und konnten ihn komplett mit Schi befahren.

wieder an der Zeischalm

Die zweite steile Rinne (im Abfahrtssinn), die als Abfahrt beschrieben wird, hat Alfons im oberen Teil befahren, wechselte jedoch nach wenigen Schwüngen auf die Aufstiegsstrecke zurück, da er durch die Lawinenreste eine Befahrung alles andere als ein schönes Abfahrtserlebnis vorfand.

mittlerer Teil des Aufstiegs zum Kluppen – selbiger ganz links oben im Bild

Diese Rinne mag nach genügend Neuschneefall im Hochwinter ein besonderes Erlebnis darstellen, nicht jedoch im Frühjahr nach den ersten Lawinenrutschungen vom darüberliegenden Wasserfall.

auf der Rippe nach der Querung des zweiten Wasserfalls bei der Abfahrt

Da zeigte sich die Abfahrt im Wald und am Steilhang durch die Birken schon von einer wesentlich angenehmeren Seite. Unter Sonnenschein fuhren wir den Hang bis zum schattigen Bachbett unten den großen Wasserfall des Zeischbachs ab, praktisch genau unserer Aufstiegsroute folgend.

zweiter Wasserfall in der Abfahrt

Die letzte Passage führte uns durch das enge Bachtal hinaus zur großen Freifläche bei der der Forstweg am Schwarzen Brunnen vorbeiführt und der Alternativaufstieg beginnt und die steile Abfahrt ihr Ende findet. Der Rest der Abfahrt erfolgt auf dem Weg durch den Wald bis zum Parkplatz vor der Nockeralm.

tolle Hänge

Zum Abschlußbier mußten wir an der Tankstelle in St. Jodok im kalten Südföhn am Parkplatz ausharren. An diesem Tag, als wir gerade mitten im Aufstieg waren, wurden die Tiroler ihrer demokratischen Freiheitsrechte beraubt und von der Landesregierung eine de facto Ausgangssperre über das ganze Land verhängt.

Rückblick auf die Abfahrt nach dem Sommerweg

Die Maßnahmen hatten im Allgemeinen kriegszustandähnlichen Charakter und auch die Schließung sämtlicher Gastgewerbebetriebe an diesem Sonntag zufolge. Es wurden medial Angst und Schrecken über das Coronavirus verbreitet und das Land – nicht nur wirtschaftlich – in eine tiefe Depression gestürzt, vor allem als nach ein paar Tagen der Horror auf das gesamte Bundesgebiet ausgedehnt wurde.

an der Freifläche „Schwarzer Brunnen“

Die Tourdaten aus den Aufzeichnungen: Aufstieg 1.300m – 3:20h, Gesamtzeit 4:40h (incl. 20min Gipfelpause) bei einer Streckenlänge im Aufstieg von etwa 5km.

Mils, 14.05.2020

Schitour Westlicher Geierkopf, 2.143m

Im nordwestlichen Zipfel der Heimat, nahe dem Ammersattel im Bezirk Reutte, gibt es eine phantastische Schitour in den nördlichen Kalkalpen, die Schitour Westlicher Geierkopf in der Kreuzspitzgruppe, ein Nordanstieg durch archaische Landschaft mit rassigem Verlauf zum Grat vor dem Gipfel.

per aspera ad astra – Durchschreitung Felsentor; oben sieht man links die Schrofen, über die wir zum Grat gelangten

Nach einer Erklärung dieses Ziel aus dem Raum Innsbruck anzufahren muß nicht lange gesucht werden – das Wetter, oder besser die Wettervorhersage tags zuvor – bescheinigt bei einer Südwestströmung dem Außerfern tagsüber brauchbar sonniges Wetter, während in den Zentralalpen bereits am Morgen Bewölkung mit Schauern zu erwarten ist.
Eine solche Perspektive richtet den Fokus auf eine Tour im wetterbegünstigten Gebiet, auch wenn dazu für den geographisch verwöhnten Bergsteiger aus dem mittleren Inntal eine nicht unbeträchtliche Fahrzeit mit dem Auto in Kauf genommen werden muß.

das Gipfelbuch verrät, daß wir seit Wochen die Ersten im beginnenden Frühjahr sind

Zeitig in der Früh benötigt man für die 106km über Garmisch kaum 90min und über den Fernpaß 115km und etwa 100min; die Wahl der Anreise-Route ist also durch die Fahrzeit klar vorgegeben und führt kurz nach Ettal, mit der sehenswerten barocken Benediktinerabtei, durch eine wunderbare Landschaft die man höchstens dann kennt, wenn man im Sommer ein Radlfahrer ist und diese große Runde mit der Rückfahrt über den Fernpaß unternimmt, denn für einen Inntaler gibt es aus bergsteigerischer Sicht kaum einen Grund diese Gegend zu bereisen. Weiters sei im Hochwinter die Ammerwald Straße wegen Lawinengefahr öfters gesperrt.

Beginn der Schotterreise im Ammerwald

Als Startpunkt im Ammerwald eignet sich die ehemalige Zollstation, die einigen wenigen Fahrzeugen Platz bietet. Zur Not könnte man noch – je nach Schneelage – neben der Straße oder bei der Ammerwaldalm parken (wie immer mit Einkehr hinterher natürlich, falls geöffnet).

kurz vor dem Anschnallpunkt

Der Blick den Nordhang hinauf löste ein wenig Seufzen aus, denn bis weit hinauf erspähten die Augen viel mehr Grün als Weiß. Allerdings mußten wir Mitte März in einem eher durchschnittlichen Winter und vielen warmen Tagen zu Beginn des Lenzes damit rechnen. Also wurden die Schi auf den Rucksack gepackt und der Aufstieg auf der gegenüberliegenden Straßenseite, vorbei an einer Hütte mit dem klingenden Namen „Umkehrhütte“ angetreten.

vom Anschnallpunkt zunächst auf schmalem Band

Es gibt vor der Umkehrhütte einen sichtbaren, schmalen Einstiegspfad in Richtung „Ammerwaldloch“, der Flurbezeichnung, die das Ende der flacheren Geländestufe auf etwa 1.460m bezeichnet, bevor der Aufstieg auf den Westlichen Geierkopf in steileres Latschengelände übergeht.

Flachstelle vor dem Ammerwaldloch

Rasch verlieren sich die Steigspuren hinter der Hütte, aber man bedarf ihrer eigentlich auch gar nicht, denn der Aufstieg ist klar mit der südlichen Richtung vorgezeichnet und er führt in Richtung der freien Schotterreise die einige Gehminuten hinter der Hütte plötzlich mitten im Wald beginnt und bis zum Beginn der einzigen Flachstelle der Schitour hinaufzieht. Im Winter steigt man über sie mit Kehren auf, wir wanderten teils über Schneeflächen, teils aper über etwa 250Hm bis auf 1.350m hinauf, wo wir dann die Schneedecke geschlossen vorfanden und der Anschnallpunkt gekommen war.

Eintritt in ein schmales Tälchen

An dieser Stelle verbreitert sich die vollständig mit Schotter gefüllte Mulde auch merklich, und in weiten Kehren stiegen wir die noch fehlenden 50Hm bis zur eher flachen Stelle aufwärts.

Aufstieg im Tälchen

Am Ende dieser Passage sieht man sich einer zunächst völlig sperrenden Latschenfläche gegenüber, in die aber links ein kleines Tälchen führt, das den Aufstieg durch die Latschenfront in sich birgt und dem man auch weiterhin folgt, wenn man bereits glaubt sich vergangen zu haben. Nun befindet man sich mitten im „Ammerwaldloch“.

vorbei an einer beeindruckenden Tanne

Das Tälchen endet nach einer Minute Aufstieg unweigerlich an einer Stelle mit einem gefrorenem kleinen Wasserlauf, einem kleinen Talkessel gleich, aus dem rechterhand durch steiles Gelände zu den Latschen aufgestiegen wird, um oben – wieder links – einen sichtbaren Durchlass durch die Latschen zu finden. Im Hochwinter mag die Situation mit Schi zu begehen sein, wir mußten sie schultern, auch weil wir den weiteren Verlauf nicht kannten.

den kleinen Talkessel erreicht, rechts geht es über eine Steilstufe hinauf

Ab diesem Gelände wird die Schitour auf den Westlichen Geierkopf so richtig „karwendelig“ und knapp oberhalb der Steilstufe (bei unserer Begehung weitgehend vom moosigen Wasserlauf vereist) verläßt man auf etwa 1.520m den Latschengürtel auch schon wieder ins freie Gelände unterhalb der Nordwände des Geierwandmassivs.

oberhalb der Steilstufe

In der Folge wird eine schöne Steilfläche am äußerst linken Rand des sich nach etwa zehn Minuten Aufstieg öffnenden Kars aufgestiegen, bevor die gesamte Breite des Kars von über 300m sichtbar wird. Das Gelände wird mit dem Aufstieg ab 1.650m auch merkbar steiler, wobei die Hangneigung bis etwa 1.800m unter 35° bleibt.

Ausstieg komfortabel ausgeschnitten

In die Felsen der Nordwand des Westlichen Geierkopfs waren bereits zwei Seilschaften kurz vor uns eingestiegen, die auch vor uns am Parkplatz waren und die wir nun kaum 100Hm über uns in Fels und Eis auf die Rampe nach Osten aufsteigen sehen konnten.

mit angenehmer Steigung geht es aufwärts

Harscheisen anzulegen beschlossen wir mit zunehmender Plagerei auf der harten Oberfläche etwa auf 1.700m und konnten somit den Aufstieg dadurch etwas mehr auskosten, als daß nicht bei jedem Schritt der optimale Gripp auf der harten Schneeoberfläche gesucht werden mußte, sondern wir auch den Blick auf die herrliche und unbekannte Umgebung zu richten vermochten.

Harscheisen erleichtern den Aufstieg

Der querende Aufstieg zum engen Karabschluß oben erforderte die Passage eines mittelbreiten, alten Schneebretts das nochmals etwas Konzentration bei der Durchschreitung bedurfte, bevor ab etwa 1.800m der steile Teil der bärigen Tour begann.

die Hangneigung legt zu

Zum Abschnallen der Schi und – gegebenenfalls anlegen der Steigeisen – empfiehlt sich eine kleine Ausbuchtung, eine Art Gufel in geschützter Position am oberen Karabschluß, unterhalb der richtig schmal werdenden Rinne zu einem kleinen Felsentor, das wie eine Art Belohnung für die Aufstiegsmühen unterhalb des Grates auf den Durchstieg des Bergsteigers wartet.

am oberen Karabschluß

Allerdings muß man sich die Belohnung nochmals mit Sonderanstrengung verdienen, da der Aufstieg dorthin mit immer steiler wird und kurz nach dem Felsenfenster seine größte Steigung mit gut 60° erreicht und sozusagen die Schlüsselstelle der rassigen Schitour bildet.

fertig zum Aufstieg

Bei unserer Begehung überlagerte sich die Steilheit mit einem ungeahnt harten und dicken Schmelzharschdeckel, für dessen Perforation der maximale Einsatz an Kraft zum Schlagen von Tritten aufgewendet werden mußte. Wir hielten und recht nahe an der östlichen Felslinie, da Tritte dort leichter einzubringen waren als mittig im Couloir.

noch geht es angenehm dahin

Leider spitzte sich die Situation mit dem bockharten Untergrund nach oben hin zu – welche durch die vermehrte und längere Sonnenbestrahlung auch logisch ist – und zusätzlich kam hinzu, daß die Wechte eine nahezu senkrechte Wand von der Mitte bis auf die rechte Seite des Couloirs bildete und uns auf die weniger steile und gottseidank felsendurchsetzte linke Seite zwang.

die Schneedecke wird härter; der typisch kleinsplittrige Hauptdolomitfels bröckelt etwas ab, wie hier gut zu sehen

Auf diesen etwa 20Hm von unter dem Felsentor bereuten wir die Steigeisen lässigerweise zuhause ruhen zu lassen, weil man anhand von Fotos die Einschätzung getroffen hatte, diese Passage „mit links“ zu nehmen.

am rechten Rand im Couloir schlägt es sich die Stufen leichter

Wie leicht wäre es gewesen mit Steigeisen durch das schöne Couloir aufzusteigen…ein Lerneffekt mehr im Bergsteigerleben – es hatte ja lange keine Niederschläge mehr und die Sonne arbeitet im Frühjahr kräftig, man hätte es erahnen können.

per aspera ad astra – Durchschreitung Felsentor; oben sieht man links die Schrofen, über die wir zum Grat gelangten

Durch die ein wenig ausgeaperte Felsstufe mühten wir uns auf eine ungute, ausgeaperte und sehr schottrige Flachstrecke empor und entdeckten dabei im festen Fels weiter unten glücklicherweise einen festsitzenden Haken, der uns später gute Dienste leisten sollte. Aufgrund der extremen Situation gibt es von dieser Passage keine Fotos im Aufstieg.

in der Sonne in der Gratscharte angelangt

Oben am Grat angekommen mußten wir zuerst unter willkommener Sonnenbestrahlung den doch einigermaßen prekären Aufstieg, zuletzt mit den Plastikschuhen über teilweise vereisten Fels, verdauen und den weiteren Verlauf der Tour in Augenschein nehmen. Gut 35 Minuten hat uns die knapp über 100m Strecke mit rund 70m Höhenunterschied gekostet.

Rückblick auf das Türmchen vom Felsentor

Vom aperen Grat konnten wir die alte Aufstiegsspur zur Ostflanke des Westlichen Geierkopfes erkennen, die recht steil weiterführt und sich fast aperer präsentierte, als schneebedeckt.

weiterer Aufstieg auf der steilen Flanke mit Schi

Diese Flanke weist in ihrem Mittelteil eine Hangneigung von etwa 40° auf, die wir im Aufstiegssinn links umgangen haben und auch die einzige Möglichkeit darstellte ohne Abschnallen bis zur Südwestrippe des Westlichen Geierkopfs aufzusteigen.

die Steilheit dieser letzten Passage vor der Südwestrippe in nicht zu verachten

Auf der Höhe des Flachstücks auf der Südwestrippe kann man das unweit entfernte Gipfelkreuz des Westlichen Geierkopfs erblicken. Aufgrund der weitgehend ausgeaperten Südflanke beschlossen wir die restliche Strecke – etwa 300m und 60Hm – zu Fuß zu begehen, die Abfahrt wäre nicht mehr möglich gewesen.

letzter Hang zur Flachstelle auf der Südwestrippe

Nach dreieinhalb Stunden standen wir am Gipfel des Westlichen Geierkopfs.

über den ausgeaperten Südhang zu Fuß zum Gipfelkreuz

Das Gipfelkreuz der Bergkameraden Breitenwang muß ein sehr altes sein, denn sowohl der Eisenkranz auf den Balken als auch eine aufmontierte Aluminiumtafel der Bergkameraden erinnern an die Gefallenen im letzten Krieg. Die Gipfelbuchschachtel stammt von der AV-Sektion Schongau in Bayern, die das Buch vermutlich heute betreut.

Westlicher Geierkopf, 2.143m

Über die Nordwand auf den Ammerwald hinunter geblickt kann der untere Teil des Aufstiegs von der Straße aus bis zum Ammerwaldloch und den Durchschlupf durch den Latschengürtel eingesehen werden.

Tiefblick über die Nordwand auf unsere Aufstiegsroute

Im Osten recht markant der Kramerspitz und etwas weiter dahinter und deutlich höher, die Soiernspitze, nördlicher Ausläufer des Karwendels, sowie durch das kurze Wolkenfenster die hohen Karwendelberge mit Birkkarspitze und Große Seekarspitze.

Blick gegen Osten – von links Soiernspitze, Karwendel- und Wettersteingipfel bis Zugspitze und Schneefernerkopf

Durch die Abflachung von Karwendel und Wettersteingebirge beim Scharnitzpaß besteht auch ein unerwarteter Blick auf die heimatlichen Berge der Bettelwurfkette in 53km Entfernung. Zwischen Oberer Wettersteinspitze und Wettersteinwand blicken die beiden Lafatscher hindurch.
In der Wettersteinkette konnten wir markante Gipfel wie den  Musterstein, die Dreitorspitzen und im Vordergrund dieser, Waxenstein Alpspitze und Hochblassen aus den Wolken ragen sehen.  Weiter im Südosten konnten wir den Blassengrat bis zur Zugspitze vortrefflich verfolgen. Der Schneefernerkopf  beendet die Sicht auf die Wettersteingipfel.

im Süden die Gipfel der Mieminger Kette, die südlichen Ammergauer und in der Ferne die hohen Ötztaler Dreitausender

Gegen Süden reicht der Blick von Hochplattig bis zur Westlichen Griesspitze in der Mieminger Kette und weiter über den in den Sellrainer Bergen gelegenen Dreitausender, den Sulzkogel, über den Grünstein wieder in den Miemingern bis zum Acherkogel in den Stubaiern.
Ganz im Süden befindet sich der südliche Hauptkamm der Ammergauer Alpen von Daniel bis Hochschrutte und dahinter die hohen Ötztaler Dreistausender mit Verpeil- und Wazespitze.

im Südwesten die Großen Schlenkerspitze, die Namloser Wetterspitze und die Freispitze der Lechtaler Alpen, im Vordergrund der Thaneller, der Hochvogel in den Allgäuer Alpen und der Köllenspitze in den Tannheimer Bergen

Im Südwesten schlußendlich reichte sie Sicht von der Großen Schlenkerspitze über die Namloser Wetterspitze und der weit entfernt liegenden Freispitze bis zum zentralen Berg bei Heiterwang, den schön geformten, massiven Thaneller, der Urbeleskarspitze in den Lechtaler Alpen und dem massiven Hochvogel in den Allgäuer Alpen sowie der markanten Köllenspitze in den Tannheimer Bergen bei Reutte.

im Nordwesten der Säuling, Hoher Straußberg und Branderschrofen in den Ammergauer Alpen

Den Abschluß der gewaltigen Rundschau bieten der nahegelegene Säuling, Hoher Straußberg und Branderschrofen in den Ammergauer Alpen im Nordwesten und im Norden Krähe, Hochblasse und Hochplatte.

im Norden Krähe, Hochblasse und Hochplatte

In unmittelbarer Nähe, verbunden mit einem leicht begehbaren Grat im Sommer thronen der Hauptgipfel der Geierköpfe und die Kreuzspitze.

im Osten gegenüber der Hautpgipfel und der Ostgipfel der Geierköpfe sowie die Kreuzspitze

Eine halbe Stunde nach unserer Ankunft und einer Gipfelpause zog es von Westen her merklich und schnell zu, sodaß wir nach einer halben Stunde beschlossen den Rückweg anzutreten, vor allem um nicht in schlechte Sichtverhältnisse durch Nebel zu kommen, weil wir ja auch den Steilabstieg oberhalb des Felsentors zu meistern hatten.

Abfahrt zur Gratscharte

Der Weg zum Schidepot nahm etwa zehn Minuten in Anspruch und der aufkommende Wind zeigte uns die richtige Entscheidung zum Rückzug. Rasch waren wir über den aperen Teil des Südwesthangs zur durchgehenden Schneedecke abgestiegen als die Sicht schon diffus wurde.

vermutlich das letzte Wochenende befahrbar dieser Westhang

Mit den Blicken an der Kante der Scharte zum Felsentor hinab befanden wir ohne langes Überlegen, daß der verhärtete Wechtentrichter eher lebensgefährlich als genussvoll abzufahren sein würde und bereiteten uns auf den Rückzug durch Absteigen vor.

Blick hinab zum Felsentor – eine Schibefahrung haben wir auf dem harten Schmelzdeckel ausgeschlossen

Die Lehrstrecke im Aufstieg in Erinnerung benutzten wir gerne den Haken als Abseilhilfe über die vereisten Schrofen, die uns im Aufstieg viel Mühe gekostet hatten. Mittels einer Reepschnur in den Haken gefädelt konnten wir uns bequem über die unangenehme Stelle hinunter abseilen.

auch der Abstieg ist mangels Steigeisen nicht ganz leicht

Über unsere bereits vorhandenen Tritte erreichten wir in zwanzig Minuten die Gufel im flacheren Teil 70m tiefer wieder, wo wir den Abfahrtsgenuß weiter fortsetzen konnten.

die Hangneigung ist hier gut zu erkennen, links der hilfreiche Haken, den wir nutzten

Die Tageserwärmung bis 13 Uhr vermochte den nordseitigen Hang nicht wesentlich aufzutauen, sodaß wir im oberen Teil des Kars noch auf recht harter Unterlage abfahren mußten, bevor die Schneeoberfläche in Latschennähe etwas schmieriger wurde.

Rückblick hinauf zu den Schrofen; links sind wir auf- und abgestiegen (siehe Stapfen)

Wesentlich genussvoller präsentierte sich nach dem Durchstieg durch den Latschengürtel der untere Teil der Abfahrt durch das Flachstück bis hinab zum Ende der Schneefelder wo uns noch ein paar Sonnenstrahlen beschieden waren.

die unbeschwerte Abfahrt beginnt

Unsere Gesamttourenzeit betrug 5:30 Stunden, bei 1.040 Hm Aufstieg und mit Gipfelaufenthalt von etwa einer Dreiviertelstunde.

zum Abschluß noch 250Hm feinstes Fahrvergnügen

Die Streckenlänge auf dem durchwegs steilen Nordanstieg ist eher unbedeutend und beträgt lediglich 2,8 km.

Ankunft an der Landesstraße

Ein Tipp für die Rückfahrt: wenn die Ammerwaldalm geschlossen hat, dann findet man in der Gröblalm, knapp 15 Minuten weiter in Graswang, Richtung Ettal eine empfehlenswerte Einkehr.

Mils, 14.03.2020

Schitour Sumpfschartl, 2.666m

Eine beliebte Schitour im hinteren Valsertal führt auf das Sumpfschartl, einer Scharte im weiterführenden Grat zum Kraxentrager, bei der sich die Einzelgrate der Saxalmwand und der Langen Wand vereinen und eine gute Aussichtsstelle bilden.
Durch das Sumpfschartl führt der  Geistbeckweg1, ursprünglich zum Zwecke der Verbindung2 zwischen Landshuter und Geraer Hütte, der 1928 unter maßgeblichem Betreiben von Josef Huter Besitzer des Gasthofs Lamm in St. Jodok erbaut wurde.

Sumpfschartl, 2.666m

Sehr interessant erscheinen auch zwei völlig verschiedene Gesteine, die auch im Winter im Aufstieg deutlich sichtbar sind. Im unteren Teil, in der Talstufe nach der Bloaderalm tritt im engen Teil neben der Aufstiegsspur der sogenannte „Hochstegenmarmor“ an einer kleinen Felswand, an der mit zwei Spitzkehren der steilste Teil der Talstufe durchschritten wird. Diese Stelle findet sich ausführlich beschrieben im Bericht über die tolle Schitour auf die Saxalmwand.

in der Gufel; der dunkle Amphibolitfels gut zu erkennen

Die zweite Stelle, bzw. Bereich, stellt das Gestein am Sumpfschartl selbst dar. Eingebettet im Zentralgneis der Tuxer Decke befindet sich eine Lage aus dunkelgrünem bis schwarzen Amphibolit, die sich von der Vennalm über das Sumpfschartl östlich weiter, in den unterhalb des Sumpfschartls gebildeten Kessels und über die Lange Wand nördlich hinaus bis ins Valstal hinauszieht.
An der Ostwand des Sumpfschartls kann dieses auffällige Gestein vom hellen Zentralgneis gut unterschieden und erkannt werden.

bei der Bloaderalm

Der frühe Aufbruch stellt für die beiden Ziele oberhalb der Bloaderalm immer eine gute Wahl dar, da sich aufgrund der spärlich vorhandenen Parkmöglichkeiten entlang der schmalen, gezäunten Straße bis zum Gasthaus Touristenrast keine Alternativen bieten und von den Parkplätzen Touristenrast und Geraer Hütte etwa ein Kilometer zurück zu marschieren ist.

Rückblick von der „Falle“ zur Bloaderalm

Nach einer Holzbrücke über den Valser Bach (nach Vereinigung des Alpeiner und Zeischbachs) wird der erste freie Hang erreicht, der „Farbmlahner“ genannt und im oberen Teil mit Spitzkehren bis zum Fahrweg zur Bloaderalm begangen wird. Im Frühjahr ist der obere Teil des Farbmlahners meist von einer Nassschneelawine durchzogen, die einfach umgangen werden kann (Fotos im Bericht Saxalmwand).

oberhalb der Talstufe in Richtung zur langen Aufstiegsmulde

Kurz führt der Weg durch den Wald, bevor er unterhalb der Bloaderalm deren Freigelände erreicht. Zwischen den prächtigen Almgebäuden, die bereits an die hundert Jahre dort dem Wetter trotzen, wendet sich der Aufstieg der ersten steilen Talstufe zu, die gut eingesehen werden kann, die jedoch den Blick auf den Aufstieg durch den steilen Teil noch nicht freigibt.

am Ende der Mulde

Talseitig rechts im Aufstieg führt die Route durch einen Lärchenwald, der merklich steiler wird, bevor die Route zu einer flacheren Stelle auf die linke Talseite wechselt und der Aufstieg durch den steilen Teil sichtbar wird.

auf Höhe der Schaferhütte, bereits in der Ferne der Felsspitz oberhalb des Sumpfschartls sichtbar

Oberhalb des kleinen Kessels, der durch die Verflachung gebildet wird, befindet sich ein mehr oder weniger vereister Wasserfall aus dem Hochtal, umgeben von wilden Felswänden. Im linken Teil des Kessels verschwinden die Felswände zugunsten einer steilen Schneise mit niederem Baumbewuchs, durch die abgefahren wird. Das Gelände dort wird bezeichnenderweise „Falle“ genannt.

Hohe Warte im Kamm zwischen Vals und Schmirn; rechts die einsame starke Zirbe

Vorbei an dem kleinen Felswändchen aus dem interessanten Hochstegenmarmor führt der Aufstieg, der im Sommer wohl Viehaufstieg gewesen sein muß. Betrachtet man das Felswändchen genau, dann entdeckt man ein halb verfallenes Holzmarterl und div. Farbbeschriftungen der Felsfläche, unter anderem die Jahreszahl 1949.

Blick zur oberen Jochgrube

Oberhalb dieser Stufe befindet man sich in flacherem Gelände. Die Route orientiert sich an der Freifläche, die im Aufstieg wieder auf die rechte Talseite führt. Dort formt sich eine Mulde aus, höchstwahrscheinlich gebildet durch Muren aus den Hochflächen darüber.

Die Mulde weitet sich im oberen Teil, wo sie auch steiler wird, zu einem etwa 400 bis 500m breiten Tal in Richtung Süden, zum Sumpfschartl. Rechts, südwestlich zweigt ein schmäleres Tal zum Niedervennjöchl ab, das bei der Schitour zur Saxalmwand begangen wird.

Aufstieg zum Karboden unterhalb des Sumpfschartls

Etwa auf 2.030m taucht links des Aufstiegs die Schaferhütte auf, die in großem Abstand liegen gelassen wird, ebenso wie die zehn Minuten des Aufstiegs über ihr stehende einzelne Zirbe mit Doppelstamm, die an ihrem Standort unbeirrt oberhalb der Baumgrenze gedeiht.
Bereits auf Höhe der Schaferhütte kann das kleine, nach links steil abfallende Spitzl des Felsens am Sumpfschartl gesehen werden. Allerdings zieht sich der Aufstieg dorthin schon noch.

rechts im Tal geht es in Entfernung von der Saxalmwand weiter

Die Flurbezeichnung oberhalb der Zirbe lautet „Untere Jochgrube“ und sie wird durch eine leicht steilere Stufe von der Oberen Jochgrube getrennt. Das Gelände ist gut kupiert und manche Hügel erinnern an Moränengeschiebe; der Aufstieg erfolgt ausweichend leicht an den Flanken im Tiefen.

auslaufende Rippe, die unseren Aufstieg von der Langen Wand trennt, etwa auf 2.300m

Nach der Oberen Jochgrube (2.200m) auf etwa 2.280m wird das Gelände flacher und die Kupierung geht in eine weite ansteigende Mulde über, die auf die nächste Stufe, das Kar unterhalb des Sumpfschartls auf 2.500m überleitet. Im letzten Teil zeigte sich der Übergang bei unserem Aufstieg etwas abgeblasen und mit Felsbrocken durchzogen, jedoch ohne großartige Suche nach der besten Passage durchquerbar.

etwas flacher geht es weiter, hier etwa 2.350

Am flachen Plateau im Kar unterhalb des Sumpfschartls angekommen rätselten wir, welcher Aufstieg der Beste sein würde. Da wir an diesem Tag die ersten waren konnten wir keiner sichtbaren Spur folgen. Bei diffusem Licht war eine präzise Geländeform auszumachen nicht möglich und der Normalanstieg auf der Flanke der Südseite erschien uns als zu abgeblasen felsig im obersten Teil. Also entschieden wir die Leeseite des Karkessels als Aufstieg zu wählen, genau an diesem Teil des Hangs an dem abgefahren wird und sollten mit dieser Wahl einiges an Mühe erleben.

am Karboden auf etwa 2.500m

Zwar hatten wir hinsichtlich Windeinfluß und aperen Stellen mit der Begehung des steilen Hangs genau richtig getan, die Schneeverhältnisse jedoch straften uns insofern gleich ab, als daß wir ständig durch die sehr brüchige Harschoberfläche durchbrachen, die etwa 10 cm stark und aus der grobkörnigen Umwandlungsschicht bestand, die man vorwiegend im Frühjahr antrifft, heuer jedoch den ganzen Winter über immer wieder antraf.

unterwegs zum steilen Schlußteil auf das Sumpfschartl

Noch vor der Hälfte des Höhenunterschieds zum Sumpfschartl mußten wir die Schi schultern, da ein Weiterkommen  mit zunehmender Steilheit nicht mehr möglich war und tauschten damit gegen tiefes Einsinken und mühsames Fortkommen in direkter Falllinie.

etwa die eingeschlagene Richtung weiter am Hang rechts der Schrofen wählten wir die Aufstiegsroute und erreichten oben die dunklen Felsen rechts neben dem Sumpfschartl

Oberhalb der Hälfte änderten sich die Schneeverhältnisse schlagartig hin zu einer völlig durchgefrorenen Schmelzoberfläche, die das Stufenschlagen mit dem Schuh kaum möglich machte und für jeden Tritt etwa fünf kräftige Schläge nötig waren, um genügend tief einzudringen.
Für diesen bockharten Teil wären Steigeisen nötig gewesen, die wir für solch eine Tour natürlich nicht dabei hatten.

Ankunft in der Gufel unterhalb des Grates zur Saxalmwand unweit und etwas höher als das Sumpfschartl.

Während des sehr anstrengenden Aufstiegs wurde uns rasch klar, daß eine Querung zum etwas südlich gelegenen Sumpfschartl nicht einfach möglich sein würde und beschlossen, uns in direkter Richtung weiter zum Felsansatz des Grates weiter zu bewegen und dort zu queren.

Erkundung des Abstiegs zum Sumpfschartl

Somit stapften wir keuchend durch den steilsten Teil des gesamten Kars mit deutlich über 40° Hangneigung und gelangten kaum 50m westlich des Sumpfschartls in eine komfortable, windgeschützte Gufel, etwa 20Hm oberhalb des Felsspitzes der das Sumpfschartl nördlich begrenzt.

von links: Hohe Warte (Schmirn), Kleiner Kaserer, Hohe Kirche (vorne), Olperer und Fussstein knapp nebeneinander, Hohe Warte (Vals, vorne) und der Gipfelbereich der Sagwandspitze

Von der Gufel aus erkundeten wir die kurze Querung, die mit dem Abstieg entlang der schönen glatten Wand, die schon von weitem die Lage des Sumpfschartls für den Tourengeher im Aufstieg markiert. In der Gufel und während der Querung kann man auch die schönen schwarzgrünen Amphibolitoberflächen am Grat erkennen.

kurzer Abstieg entlang des Felsspitzes zum Sumpfschartl

Angekommen am breiten Sumpfschartl blies uns gleich der scharfe Wind um die Ohren weswegen wir ja die Südflanke des Kars mieden. Außer einer Minute für ein paar Fotos zum Schrammacher und Wolfendorn, sowie über das sehr breite apere Tal des ehemaligen Venner Ferners, zogen wir uns für die Gipfelrast in das Lee der Felswand zurück, um dem schneidend kalten Geblase zu entgehen.

Kraxentrager vom Sumpfscharll aus

Der Geistbeckweg zieht von Osten über die Südflanke des Kars durch die Scharte, von der aus er ohne wesentlichen Höhengewinn zur Landshuter Hütte weiterführt, die vor der Scharte aus nicht eingesehen werden kann.

links Wildseespitze, mittig Rollspitze, rechts Wolfendorn

Gen Osten bietet das Sumpfschartl einen tollen Blick zum Ortler und von unserer Position zuvor, aus der Gufel etwas westlich vom Sumpfschartl, konnte auch der Grat von der Hohen Kirche über die Hohe Warte zum Gipfel der kühnen Sagwandspitze gesehen werden.

im Sumpfschartl nach Nordwesten geblickt – einzig windgeschützte Stelle hinter einem Wandvorsprung

Rückwirkend betrachtet, vom Sumpfschartl aus gesehen, hätten wir den steinig aperen Normalaufstieg vom Karboden zum Geistbeckweg nehmen sollen, der dafür weniger steil und wahrscheinlich besser begehbar – allerdings mit viel mehr Wind durchzogen – gewesen wäre. Wie sehr eine Einschätzung im Schnee bei diffusem Licht danebenliegen kann haben wir am Hang zum Sumpfschartl dadurch selbst erfahren.

Felsspitz oberhalb des Sumpfschartls, Gestein: Tuxer Zentralgneis

Als Abfahrtsroute wählten wir die Normalabfahrt, die westlich vom Sumpfschartl auf den nicht mehr felsdurchzogenen Hang hinausquert, um ohne Hindernisse durch Felsen und Blöcke zum Karboden hinabzuziehen. Auf etwas ruppiger Oberfläche, die im unteren Teil nur wenig Druck beim Schwung vertrug, erreichten wir den Karboden wieder, auf den nun mehrere Gruppen aufgestiegen waren.

Blick auf den Abfahrtshang

Mittlerweile hatte auch der Himmel weiter aufgeklart und wir konnten im Rückblick vom Karboden unsere Aufstiegsroute als die deutlich steiler erkennen.

Rückblick vom Karboden zum Sumpfschartl bei plötzlich besserer Sicht

Das Abfahrtserlebnis über das schön gestufte breite Tal bis zur Schaferhütte ist die Tour wirklich wert, ein tolles Erlebnis mit der gewaltigen Wand der Saxalmschuppe linkerhand während der Abfahrt.

Saxalmwand im Hintergrund

Diesmal probierten wir durch den Hang östlich der Schaferhütte abzufahren, der bei der Tour auf die Saxalmwand nicht erreicht wird und „Reatin“ genannt wird.

tolles, kupiertes Schigelände hinab zur Schaferhütte

Der Hang hat eine angenehme Steilheit und zwischen den jungen Lärchen seine Schwünge zu ziehen bleibt in Erinnerung und wurde in unserem Fall nur durch einen leichten Harschdeckel erschwert.

vereinzelter Jungbaumbestand im Hang „Reatin“

Unterhalb dieses Hanges wird die Aufstiegsspur wieder erreicht, die überquert, und die Talstufe hinab zur „Falle“ nun noch steiler (lt. Tiris >40°) abgefahren wird.
Von dort fuhren wir links der Einschnürung des Geländes durch den Bach hinab zur Bloaderalm von der aus wir noch einen bärigen Rückblick mit der Saxalmwand genossen.

Blick auf die Hohe Kirche, Hohe Warte (Vals) und weiter südlich die Sagwandspitze (3.227m)

Von der Alm aus hat man auch eine schöne Ansicht der Hohen Kirche, auf die eine tolle Schitour führt, die auf diesem Blog beschrieben wird.

letzter Rückblick unterhalb der Bloaderalm mit der Saxalmwand im Hintergrund

Unsere Aufstiegszeit zum Sumpfschartl betrug 3:15 Stunden, bei 1.405Hm und an Gesamtzeit mit eher kurzem Gipfelaufenthalt betrug 4:42h. Die Streckenlänge beträgt etwa 4,5km.

Mils, 29.02.2020

1 benannt nach Dr. Alois Geistbeck, einem bayerischen Geographen: https://www.deutsche-biographie.de/sfz20244.html

 2 Alpingeschichte kurz und bündig, St. Jodok, Schmirn- und Valsertal: https://www.spitzentreffen.at/wp-content/uploads/2020/05/alpingeschichte_st-jodok_2016.pdf