Kuchelmooskopf, 3.215 m – anstelle Reichenspitze

Eine wunderschöne Tour auf entweder die Reichenspitze oder auf den Kuchelmooskopf, oder auf beide führt von der Plauener Hütte über das im Spätsommer wild zerfurchte Kuchelmooskees. Ja, die Reichenspitze hat sich widersetzt und unser Scheitern wird im Bericht beschrieben. Die Alternative, den Kuchelmooskopf, konnten wir erfolgreich besteigen, wenn auch nicht ganz ohne erweiterte Hilfsmittel.
Die Reichenspitzgruppe, ihre romantische Wildheit, ihre phantastische Lage und die Hüttenwirtsleute sind jede Tour im hintersten Zillergründl wert, sodaß wir spontan beschlossen im nächsten Jahr wiederzukehren.

Herwig am Kuchelmooskopf mit dem schönen Stahlgipfelkreuz aus 1985

Befindet sich in den aktuell online gestellten Alpenvereinskarten, die mit größter Wahrscheinlichkeit von 95 von 100 Alpinisten zur Tourenplanung verwendet werden, ein strichliert – so die Legende – eingezeichneter Steig, so ist in der Natur über den Gletscher natürlich nichts davon zu finden, aber auch nicht im ansetzenden Fels über dem in den jüngsten Jahren extrem ausgeaperten Gletscheransatz.

Reichenspitze mit Eisansatz des Kuchelmooskars und Gabler in der Abschattung

Ein weiteres Erschwernis stellt die tief freigelegte steile Felsflanke dar, die in den wenigen Jahren seit dem immensen Rückzug des Eisansatzes noch kaum konsolidiert ist sondern durch Wetterereignisse erst abgeräumt wird, sodaß der fehlende Permafrost recht bedrohliche, tischgroße Blöcke aus dem Verbund freigegeben hat, die wahrscheinlich nicht nur so aussehen als lägen sie lose auf, sondern dies auch tun. In dieser Form stellte sich uns die Situation auf beide Sättel dar, sowohl auf die Reichenspitze, als auch, wenn auch weniger bedrohlich und wesentlich niedriger, auf den Kuchelmooskopf.

im hinteren Zillergrund mit Blick auf die Staumauer Zillergründl mit Richterspitze und Nördlichem sowie Südlichem Schwarzkopf

Beide Ziele stellen die alpinistische Krönung in der Fortsetzung des hinteren Zillerkamms dar und betören mit ihren bizarren Formen und der herausstechend hellgrauen Farbe des Zillertaler Kristallinkerns sowie einer geologischen Spezialität in diesem Gebiet. Dem Verfasser liegt es fern hier einen geologischen Erguss einzustreuen, den der geneigte Leser nicht erwartet, der ihn nicht interessiert, oder den er nicht versteht.

grandiose Laune der Natur; ein Xenolith in Granitmatrix, abgekühlt, gebrochen und die Bruchstelle wieder durch Alpitintrusion ausgefüllt

Die Einzigartigkeit der Natur an der Reichenspitzbasis möge jedoch eine sehr interessante und phantastisch anzusehende Ausprägung des Terrains rechtfertigen, auf dem der Aufstieg erfolgt:
Eingelagert im Zillertaler Kristallinkern befindet sich die Spezialität des nahezu weißen Aplitgranits[1] des Typus „Reichspitzgranit“, der unter Sonnenbestrahlung eine faszinierende schiere Leuchtkraft entfaltet, die auf den Bildern leider nicht mit ihrer tatsächlicher Wirkung freigesetzt wurde. Diesem Gestein wird ein Alter von rd. 282 Ma[2] bescheinigt und es erweckt mit seiner unschuldigen Farbe den Anschein jüngster Entstehung.

Start am Parkplatz Bärenbad, zunächst hinab zum aufgelassenen Gasthaus und dem Beginn des Steigs zur Plauener Hütte

Psychologisch wirkt dieses feinkörnig lichte Gestein in angenehmer Weise positiv, sympathisch. Die Wissenschaft beschreibt es nüchtern als leukokrat (hellfarbig, aufgrund fehlender dunkler Magnesium- und Eisenminerale), feinkörnig und dem Unkundigen fällt es schwer sich vorzustellen, daß ein als Ganggestein spezifiziertes Intrusivgestein[3] einen ganzen Gipfelstock errichten kann, in diesem Fall die Reichenspitze.

zwischen Almwiesen und Ziller an der Mündung des Hundskehlgrundes vorbei

Die Faszination der anstehenden Geologie im Aufstieg erreichte auf unserer Tour ihren Höhepunkt, indem ein Aplitgranitblock am Aufstieg auf das Kuchelmooskees mit einem eingebetteten Xenolithen (Fremdgestein) angetroffen wurde, der, eingebunden in die aplitische Matrix, gemeinsam mit ihr mechanisch zerlegt wurde und durch ihn sowie durch die umgebende Matrix ein weiterer feiner aplitischer Gang verläuft.

neben Gletscherschliffen führt der Steig in den Wald

Mit diesen beeindruckenden Aussichten des Gesteins unterhalb des Kuchelmooskees‘ waren wir im Aufstieg auf der langen gletschergeformten Talflanke, auf dem die Plauener Hütte schon kurz nach dem Tunnel vom Sperrenbauwerk ins hintere Zillergründl früh zu sichten ist, noch nicht ausgestattet. Die Landschaft nach dem Tunnel nimmt den ankommenden Besucher jedoch sofort in ihren Bann, auch wenn anfänglich noch industrielle Infrastruktur sowie der vielfach optische und schriftliche Hinweis auf eine fernöstliche Kultur den Reiz der heimischen Natur einschränken.

auf halbem Weg erreicht der Steig die Privatstraße des Verbunds, der kurz gefolgt wird

Nach einem vor dem Abzweig des Steigs zur Plauener Hütte im Rinderwald des unteren Kuchelmooskars zum Portal zwischen Weg, Felsflanke und einer ehrwürdigen alten Zirbe an der Flanke zum Stausee ausgebildeten Stahlseil mit allochthonen Symbolen, waren wir froh, uns dieser unpassenden Blickfänge entledigt zu haben.

Rückblick auf die Almwiesen unterhalb der Staumauer; im Hintergrund Ribler- und Ahornkamm

Der Aufstieg vom Parkplatz Bärenbad, der für Nächtigungsgäste der Plauener Hütte über die Mautstraße gratis erreicht werden kann sofern die Nächtigung an der Mautstelle bekanntgegeben wird, führt durch kurze Passagen dichten Nadelwalds sowie lichten Strauchwalds östlich bergauf, wobei die gewaltige Staumauer nahezu durchgehend sichtbar bleibt. Zu Beginn des Steigs, nach dem Gasthaus Bärenbad öffnet sich der Blick nach Süden in den Hundskehlgrund, in der die Hohe Warte als Dreitausender die Ausprägung des Hochtals zum Ahrntal markiert.

Gletscherschliff am Steig zur Mauerkrone

Gleich zu Beginn, links neben dem Steig zeigt der Fels am Bach vom unteren Bärenbadkar herab die Ausprägung alten Gletscherschliffs. Sofort ist klargestellt, daß es sich hierbei um die Hinterlassenschaft der Eiszeiten handeln muß, denn der Gletscherhöchststand zur „Kleinen Eiszeit“ (um 1850) kann diese Formen nicht geschaffen haben.

Blick auf die Staumauer mit Gletscherschliffen darunter; Bei Vollstau bewegen sich die Abstände der beiden Widerlager um einige Millimeter auseinander

Auf halber Strecke zur Sperrenhöhe mündet der Steig im Gebiet der Zillerplattenalm kurz in die Straße auf die Staumauer ein. Nach 300 m neben der Asphaltstraße beginnt zweigt der Steig wieder in die Almwiesen ab und führt am Gehege der Steinbock-Welten ab, in der wir weit und breit keinen Steinbock erspähen konnten. Im Rückblick kann auf der anderen Talseite an den Hängen des mächtig aufstrebenden Kleinen Magners eine oben abgeflachte, begrünte Schüttung erkannt werden, die vom Aushub für das Sperrenbauwerk angelegt wurde und eine Vorstellung über die Massen, die zur Einbindung des Bauwerks abgetragen werden mußten, liefert. Weiter oben, kurz unterhalb des Parkplatzes an der Staumauer, finden sich die Gletscherschliffe im anstehenden Granit wieder, sowie auch auf immer wieder auf der weiteren Strecke bis zum Abzweig zur Plauener Hütte.

beeindruckender Blick über den Speichersee Zillergründl mit Nördlichem und Südlichem Schwarzkopf sowie Nadelspitze, Rainbachspitze und Zillerplattenspitze

Von der Sperrenkrone aus besteht ein schöner Blick auf den Anstieg zur Plauener Hütte. Der Weg verläuft etwa 50 Hm oberhalb des Wasserspiegels, er steigt auf der 1 km langen Strecke nach dem 400 m langen Tunnel zum Abzweig zur Plauener Hütte um 57 Hm an und fällt kurz vor dem Abzweig um 216 Hm ab. Unterwegs kreuzt er namhafte Zuflüsse zum Speichersee.

Rückblick von der Staumauer auf den Ribler- und Ahornkamm

Im Rückblick von der Sperrenkrone finden sich von links nach der Kontur vom Kleinen Magner herab in 4,7 km Entfernung der Hohe Ribler, und rechts in der nächsten Kette der Grundschartner mit 3.065 m Erhebung, dessen Nordseite wunderbar vom Brandberger Kolm aus eingesehen werden kann sowie weiter talauswärts die berühmte Ahornspitze und der Trenkner.

Umfahrungstunnel des steilen Ufers; er dient als Betriebstunnel und auch als Zufahrt zur Plauener Hütte

Die Begehung des Tunnels bietet einen Einblick in den sehr homogenen Granit und Granodiorit, die kaum einer Sicherung vor Steinschlag bedürfen. Eine Lage Spritzbeton, fast ausschließlich als Kopfschutz ohne Verwendung von Bewehrung, wurde während des  Ausbruchs auch als späterer Ausbau verwendet. Stellen mit Ankerung kennzeichnen temporäre Felssicherung aufgrund von Kluftverläufen, sind jedoch nicht zahlreich vorhanden. Trotz der Oberflächennähe durchschreitet man also besten und stabilsten Zillertaler Kristallinkern.

Betriebsstraße oberhalb des Ufers am Zillergründl Speichersee

Bald öffnet sich der Blick auf die Hohenaualm am Ende des Speichersees. Auf der o. g. geolog. Karte aus 1962 kann die Lage der (alten) Alm auf 1.869 m (TIRIS 2026: 1.866 m) noch ohne dem Heranreichen des hintersten Seeufers erkannt werden, der Speicher Zillergründl wurde Anfang bis Mitte der 1980er Jahre mit dem Stauziel von etwa 1.850 m gebaut, also 16 m tiefer. Nun darf geraten werden, ob der Speicher auf die Lage der Alm Rücksicht nehmen mußte, oder ob ein höheres Stauziel möglich gewesen wäre. Betrachtet man die Flanken von Magner und Plattkopf, so hätten diese keinen Hinderungsgrund ergeben.

das hintere Ende des Zillergründls wird sichtbar; dort befindet sich die Hohenaualm

Am Weg bietet sich bei einer etwas vorgelagerten Rastbank ein bäriger Blick auf das hintere Zillergründl. Es wird umrahmt von Seekarkopf links, der Südlichen Windbachspitze und dem Winkelkopf mittig sowie der Kleinspitze bereits weit rechts in Blickrichtung. Der mächtige Rauchkofel ist aus dieser Position nicht sichtbar. Anschließend an diesen Blickfang führt der Schotterweg abwärts zum Abzweig zur Plauener Hütte, die weit oben, unterhalb des Rainbachköpfls thront.

kurz nach dem Hochpunkt auf der Schotterstraße zweigt der Steig zur Plauener Hütte ab

Der nett angelegte Steig zur Plauener Hütte wurde über große Strecken mit Granitplatten ausgekleidet, sodaß der Aufstieg meist über angenehme Stufen zwischen Latschen und Grünerlen-Sträuchern erfolgt.

am Steig zur Plauener Hütte

Nach einer Viertelstunde am Steig wendet sich die Richtung gegen das untere Kuchelmooskar zu, um einen umwerfenden Blick auf die Talstufe mit den Wasserfällen der Gletscherbäche und den darüber aufragenden Gipfeln der Reichenspitzgruppe freizugeben – eine phantastische Ansicht des Reichenspitzgrats nach Süden, die im ersten Moment an die Rosengartenspitze mit ihrem zerrissenen abzweigenden Grat erinnert, wenn man die Talstufe mit den Gletscherbächen ausblendet.

nach einer Richtungsänderung am Steig zur Plauener Hütte wird die wundervolle Sicht auf das untere Kuchelmooskar frei

Durch fortwährende Betrachtung des schönen Motivs über den Steig stolpernd, erreichten wir die Brücke über den Kuchelmoosbach, von der aus die gegenüberliegende Talseite mit dem Gratverlauf wunderbar betrachtet werden kann. Von links finden sich dort die Kleinspitze, der Südliche und Nördliche Magnerkopf sowie Großer und Kleiner Magner.

das prachtvolle Kuchelmooskar mit den Wasserfällen der Gletscherbäche – ein Blick wie in den Dolomiten

Weiter oben führt der Steig mehrmals unter der Materialseilbahn durch und es besteht Sicht auf die Talstation sowie auf den Schneekarkopf an der rechten Talseite. Bald darauf tritt die Plauener Hütte ins Blickfeld, die nach kurzem weiteren Anstieg erreicht wird.

Blick auf die westliche Talseite mit Kleinem und Großem Magner sowie der Kleinspitze

Die Reichenspitzgruppe vom Standort der Hütte aus gesehen bietet den Blick auf folgende Gipfel (v. Nord n. Süd): Kuchelmooskopf, Hahnenkamm, Reichenspitze, Zillerspitze, Richterspitze, Nördlicher Schwarzkopf, Südlicher Schwarzkopf und das Rainbachköpfl. Die Wildgerlosspitze verbirgt sich hinter der Schulter des Kuchelmooskopf und die Rainbachspitze sowie die Zillerplattenspitze hinter der Schulter des Rainbachköpfls. Auf der gegenüberliegenden Seite ist von dort auch der Rauchkofel sichtbar.

Rückblick auf den Speichersee; am unteren Bildrand die Talstation der Plauener Hütte

Die nette und mit bester Lage gesegnete Plauener Hütte bot uns bis zum frühen Abend bärige Fotomotive der phantastischen Landschaft rundum. Sie liegt nicht auf dem Zillertaler Höhenweg, daher ist sie auch eine eher ruhige Hütte im südöstlichsten Zillertal. Die charismatischen Wirtsleute Martin und Jana betreiben die Hütte in der sechsten Saison und geben sich alle Mühe um die Zufriedenheit ihrer Gäste.

am Aufstieg zur Plauener Hütte

Zum Abendessen wurde uns Wienerschnitzel aus eigener Landwirtschaft serviert, das Martin und sein Sohn perfekt herausgebacken haben und das sich mit jedem guten Gasthaus im Tal messen konnte.

Ausblick auf die Reichenspitzgruppe von der Plauener Hütte als Vorgeschmack für den Folgetag

Nach einem netten Plausch mit Martin über die Energieversorgung und die Zubringung zur Hütte verabschiedete sich sein Sohn, der den Talabstieg antrat um anderntags eine größeres Vorhaben umzusetzen und wir fielen ebenfalls unter die Decken im Zimmerlager.

Abendstimmung auf der Plauener Hütte

Nach dem Frühstück um 6:30 Uhr verabschiedeten wir uns kurz nach 7 Uhr auf den Anstieg zur Reichenspitze. Knapp oberhalb der Hütte führt der Steig ins Kuchelmooskar an der Wasserfassung des kleinen Kraftwerks der Plauener Hütte vorbei, die, so Martin am Vortag, seit Tagen wieder Energie liefert, da es in den Tagen zuvor etwas Regen gegeben hatte. Die Stromerzeugung durch das Kraftwerk stellte sich in diesem trockenen Jahr als nicht sehr ergiebig dar, weshalb auch Pläne bestehen das Hüttendach mit weiterer Photovoltaik aufzurüsten.

Sonnenaufgang auf der Reichenspitzgruppe um 7 Uhr

Bei angenehmer Morgentemperatur stiegen wir nach Norden dem Kar entgegen. Nach einer guten halben Stunde erreichten wir die Abzweigung, die östlich über die Gamsscharte zur Richterhütte führt. Unser Weg setzte Richtung Norden fort und der Blick auf die Umrahmung des Kuchelmooskopfs zeigte nun auch die von der Hütte aus verborgene Wildgerlosspitze.

im Frühtau zu Berge

Bald darauf wird die imposante Seitenmoräne des Gletscherhöchststands (siehe oben) erreicht, die erklommen und deren Krone über eine kurze Strecke gefolgt wird. Flechtenbewuchs auf den Blöcken in den Flanken der Moräne zeigen davon, daß der Moränenwall noch nicht sehr lange aufgeschoben wurde. 175 Jahre bedeuten für den Flechtenwuchs eine kurze Zeitspanne, in der Landkartenflechten nur etwa einen Durchmesser von 50-60 mm erreichen.

Rechenspitzgruppe mit Kuchelmooskopf, Hahnenkamm und Reichenspitze

Ab der Seitenmoräne, der übrigens zwei kleinere Moränen vorgelagert sind, die höchstwahrscheinlich eiszeitliche Marken darstellen, beginnt ein mühevoller Aufstieg über jung abgelagertes und altes Blockwerk, den man nicht in dieser Ausprägung erwartet hätte. Bald mischt sich auch der Gletscher unter Blöcke und Schutt, selbst wenn es nicht sofort gesehen wird. Die Farbspiele der Felsflanke verrät dort viel über die Freilegung des Gesteins durch den Eisrückgang.

Abzweig zur Gamsscharte und Richterspitze

Vorbei an einigen Gletschertoren erfolgt der Aufstieg nun ohne die im unteren Bereich noch hin und wieder angetroffenen Steinmandln mit etwas Respektabstand von der steilen Flanke des Zillerkopfs zur nächsten Stufe, einer freigelegten massiv gletschergeschliffen Talstufe hinauf zum sichtbaren Ansatz des Kuchelmooskees‘.

auf der Seitenmoräne führt der Steig weiter

Das Durchkommen durch diesen Felsriegel konnten wir uns nur durch eine Mulde in den spiegelglatt geschliffenen Rundhöckern vorstellen, denn dieselben auf Reibung begehen zu wollen erschien uns als nicht vernünftig. Durch das immense Blockfeld hindurch bahnten wir mühsam unseren Weg zu einer Schneise, die tatsächlich vollkommen schott- und blockwerkerfüllt als die Stufe zu überwinden geeignet empfunden wurde.

so wie auch die Felsblöcke; bester und zäher Granit macht die Größe beim Felssturz möglich

Dennoch nicht als Spaziergang ausgebildet konnten wir uns den Aufstieg bahnen, im oberen Teil über imposant hohe Eisbrücken über dem darunter tosenden Gletscherbach hinweg. Steil und immer abenteuerlicher erschien die Mischung aus Eis und großen Blöcken, die an so mancher Stelle auf nur einer dünnen Eisbrücke auflagerten, wie wir im Rückblick erkannten.

das Blockwerk nimmt kein Ende bis zum Durchschlupf an der vorausliegenden Geländestufe

Oberhalb der Felsstufe mußten ein, zwei Moränenwälle überwunden werden, um auf die etwas flachere durchgehende Gletscherfläche zu gelangen, bei der wir beschlossen mit Steigeisen weiter aufzusteigen.

unterhalb des Durchschlupfs, links und rechts die glatten Felsflächen

Zunächst verläuft die Eisfläche ohne Spaltenausbildungen unterhalb der imposanten senkrechten Wand, die die Reichenspitze trägt und die vom oben erwähnten herrlich anzusehenden weißen Aplitgranit aufgebaut wird. Die Blöcke und Brocken unterhalb der Wand, die weit auf die Eisfläche hinausgeschleudert werden, zeugen von nicht unerheblicher Steinschlaggefahr in diesem Abschnitt.

herrliche Rauchquarze zu sehen

Mit zunehmender Steigung des Kees‘ trafen wir die Spaltenzone an. Sie beginnt mit einer steilen Rippe und wird oben wieder flacher, sodaß ein besserer Überblick über das Kees besteht und schnell offensichtlich wurde, daß wir es wohl nur mit einer ausgeprägten Zickzackroute werden überqueren können.

im oberen Teil herrscht Chaos durch die Mischung von Eis und Fels

Die Einschätzung traf zu und somit mußten wir einige Spalten umgehen, um wieder auf die spaltenfreie Zone zu gelangen. Dadurch benötigten wir für diese Strecke länger, als es der Blick auf den vermuteten Einstieg in die Felsflanke vermuten ließ, denn die Überquerungsstellen der Spalten mußten gesucht werden, sie liegen meist nicht im Blickfeld.

über eine kurze Strecke erlaubt der Gletscher den seilfreien Aufstieg

Zum Glück gab es jedoch auch feste Brücken von verkeilten abgebrochenen Schollen, die wenig tiefe Schritte bedurften, sodaß sich die Wegfindung als nicht allzu schwierig erwies.

ab dem Aufsteilen des Eises am Innenradius des Gletschers muß angeseilt werden

Im gleichförmig steigenden Teil des Kuchelmooskees‘ trat die Spaltenbildung rasch zurück bzw. fehlte über eine längere Strecke. Oben, nahe dem Eisansatz am Bergschrund, trennte uns eine lange und tiefe Spalte vom Rest des Gletschers oberhalb.

am Beginn waren einige knifflige und prekäre Passagen zu begehen

Eine Umgehung bis an den Felsrand des Hahnenkamms wurde notwendig, um auf der Suche nach einem Übergang in der anderen Richtung nicht an Höhe zu verlieren. Oberhalb dieser letzten großen Spalte trafen wir noch auf einige kleinere Spalten, bevor wir in einer als leichte Verschneidung ausgebildete dunkle Rinne den Felsaufstieg suchten und anpeilten.

eine Riesenspalte im Aufstieg zur Reichenspitze

Bei der Annäherung an die Rinne erwies sich diese als sandig erdiger Einschnitt, der einen brüchigen, wenig einladenden Eindruck hervorrief. Wir probierten den Einstieg daher rechts davon zu finden, mußten aber gleich nach etwa 5 m Aufstieg auf die ersten beiden Felsflächen mußten wir feststellen, daß zu wenig Griffe und Tritte vorhanden waren, um diese Strecke zu überwinden.

Reichenspitze im Osten

Auch ohne Steigeisen, die im Fels abgelegt wurden, schlugen mehrfache Versuche auch unter Einsatz des Pickels zur Reichweitenverlängerung fehl, diese erste, etwa 10 m hohe Stufe zu überwinden. Die glatten Stufen waren zu hoch.

Versuch eine griffige Felspassage zu finden

Eine zweite Route näher an der sandigen, tropfenden und von oben her feuchten Verschneidung führte uns auf loses schiefriges Material, das in Steigrichtung rechter Hand angetroffen wurde. Diese Möglichkeit erschien uns aufgrund der fehlenden Stabilität des dünnblättrigen Schiefergneises als noch schlechter und nach einem Versuch, der wiederum nur einige Meter auf wenig festem Untergrund abgebrochen werden mußte, zogen wir uns mit einiger Ernüchterung auf den Eisansatz zurück.

die Blockstufen erwiesen sich als zu hoch, um mit dem kleingriffigen Leisten und schmalen Fingerrissen zurecht zu kommen

Auf der linken Seite im Aufstieg erschien die Felsqualität besser, jedoch lagen dort einige bedrohliche Brocken auf schuttbedecktem Fels, sodaß wir diese Variante als zu risikoreich erachteten und sie erst gar nicht probierten. Nach einigen Minuten weiterer Erkundung und Beratung ließen wir vom Vorhaben der Reichenspitze ab, alle probierten Varianten erschienen uns zu risikobehaftet. Zwischensicherungen für einen ernsten Felsaufstieg hatten wir nicht vermutet verwenden zu müssen und nicht mitgenommen.

weiter links im sandig brüchigen Gelände war nach einigen Metern auch kein sicheres Weiterkommen mehr gegeben (schwarzer, loser Schiefer als Störungsband durch die Rinne) und wir mußten schweren Herzens umdrehen

Möglicherweise haben wir trotz Erkundung vom Kuchelmooskees aus nicht den richtigen Einstieg gefunden, der für den heutigen Felsaufstieg in Frage kommt, wobei sich das als unwahrscheinlich herausgestellt hat. Im Nachgang zu unserer Begehung wurde aus Nachforschungen von Berichten im Internet deutlich, daß in den vergangenen 5 bis 7 Jahren ein immenser Eisrückgang über schätzungsweise 40 bis 60 Hm stattgefunden haben muß, denn in den Berichten des DAV[4] vom 23.08.2021, Inspirationen der Welt[5] vom 26.10.2021 und der DAV Sektion Euratsfeld[6] vom 10.07.2021 ist auf den Bildern noch eine Firnflanke bis hinauf zu erkennen und anhand des weißen Flecks (vermutlich eine große Quarzansammlung) im Bild 19 des Berichtes vom 26.10.2021 zeigt, daß unsere gewählte Route die richtige war.

Abstieg und Übergang zur Kuchelmoosscharte

Es hat sich in den letzten Jahren nach der Ausaperung aber auch noch ein anderer Einstieg etabliert haben, denn im Bericht des AV Schwaz[7], die etwa ein Monat vor uns aufgestiegen sind, zeigt ein Bild eine leichte Einstiegsstelle. Allerdings ist bei dieser eine kurze Querung auf der Ostwand erforderlich, wofür wir nicht gerüstet gewesen wären. Natürlich ist der September jene Jahreszeit bei der die meiste Abschmelzung bereits stattgefunden hat und in dieser Hinsicht nicht die günstigste, mit diesem Ausmaß an eisfreier unkonsolidierter Felsfläche hätten wir aber nicht gerechnet. Wenige Jahre zuvor sah es völlig anders aus, wie die o. g. Berichte darlegen.

immense Spalten unterhalb der Aufstiegslinie; am Schatten des gegenüberliegenden Kuchelmooskopfs kann die einstige Eishöhe ersehen werden

Einigermaßen enttäuscht das Hauptziel nicht erreicht zu haben, beschlossen wir den Kuchelmooskopf, den wir bei raschem Aufstieg auf die Reichenspitze als weiteres Ziel ins Auge gefasst haben, nun als Alternative zu besteigen. An dieser Stelle sei auch ein Kommentar zu der im Hüttenprospekt genannten 3 ½ Stunden Aufstiegszeit auf die Reichenspitze erwähnt und zwar, daß diese Angabe nicht machbar ist.

Rückblick auf den verrückten Einstieg zur Grathöhe

Mag es früher so gewesen sein, so ist sie heute durch die Spaltenbewältigung unmöglich geworden. Unsere Aufstiegszeit von der Plauener Hütte zum Einstieg in den Fels betrug bereits gut 3 Stunden. Im Bericht der Schwazer wird für die Zeit bis zum Gipfel von 5 ½ Stunden gesprochen.

unterwegs zur Gletschermitte

Wir stiegen also etwa 100 Hm ab auf die Mitte des Kuchelmooskees‘ und jenseits wieder 70 Hm bis zur Scharte zum Zillerkees auf. Während dieser Dreiviertelstunde Marsch am Kuchelmooskees hörten und teilweise sahen wir etwa im 10 min Takt Steinschläge von den Flanken des Hahnenkamms sowie mehrheitlich von der Wildgerlosspitze herabpolten. Man könnte das Gefühl haben, daß in 100 Jahren alle Erhebungen oberhalb des Kuchelmooskees‘ abgetragen sein müssen.

imposantes Schauspiel – die Felsplatte schützt das Eis dahinter vor der Schmelze ähnlich dem Gletschertisch

Im oberen Bereich zur Scharte trafen wir Spalten an, wenige, aber tiefe und breite sowie leicht zum durchschlängeln. Von der Ferne sah dieser kurze Aufstieg leichter aus, als auf die Grathöhe der Reichenspitze.

im Neigungswechsel zur Kuchelmoosscharte wieder lange und tiefe Spalten

Dieser Blick trübte sich ein, als wir den Schrund betraten. Etwa 5 m horizontal misst der Abstand von der Eisspitze des Gletschers zum Fels und schätzungsweise 15 m tief durfte das Eis in die Tiefe gehen, den Boden des Schrunds haben wir nicht gesehen.

Aufstieg zur Kuchelmoosscharte mit umgebenden Flanken

Zwei blaue starre Taue hängen von der Scharte in den Schrund herab. Eines davon liegt nur noch um einen Eisspitz auf der Felsseite des Schrunds herum, es dürfte oben am Stand abgeschnitten worden sein und erfüllt keinen Zweck mehr. Wir haben es dort belassen, weil wir die Situation oben nicht kannten, es wäre aber gut, wenn es jemand mitnähme und oben wieder befestigten würde, um zwei Möglichkeiten des Auf- und Abstiegs zu haben.

Bergschrund an der Kuchelmoosscharte; die links ins Bild strebende Eisfläche hat etwa 5 m Distanz zum Eis an der Felsfläche

Wir benutzten das intakte Tau nach einer Belastungsprobe als Aufstiegshilfe, verließen uns aber nicht vollständig darauf. Oben angekommen konnte aber eine solide Befestigung festgestellt  werden. Der Übergang von Eis auf Fels am Aufstieg enthält eine mit Steigeisen recht unangenehm zu begehende Stufe, bei der das Aufziehen am Tau half einen festen Tritt in der Hälfte der Stufe zu erhalten und anschließend den zweiten Abschnitt zu meistern.

Annäherung an die Eisflanke zur Scharte

Zur leichten Gipfelbesteigung beließen wir unseren Stand wie er war, stiegen die kurze Strecke zum Felsansatz auf und ließen die Steigeisen hinten. Die Felsflanke schien im unteren Teil eher rechts vom Grat leichter zu begehen, später leitete uns das Gelände doch unweigerlich an die Gratkante, die ab dort angenehm zu durchklettern war. Beim Abstieg nahmen wir dann die Gratkante durchgehend in Angriff und erreichten den Eisansatz etwa 15 m östlich der abgelegten Steigeisen.

an der Steilstufe im oberen Teil

Etwa in der Hälfte des Aufstiegs flacht der Grat ab und wird bis zum Gipfel zur Gehstrecke. Der Kuchelmooskopf besitzt ein großes Gipfelplateau und ein Stahlgipfelkreuz mit mächtigem Betonfundament und die Errichter dürften mit dem Bau der Zillergründlsperre in Zusammenhang stehen.

Aufstieg zum Felseinstieg am Kuchelmooskopf

Die Gipfelbuchschachtel fanden wir leer vor. Möglicherweise wird das Gipfelkreuz nicht (mehr) betreut, seine Errichtung geht auf den Bau der Talsperre Zillergründl hervor, die in den Jahren 1986/87 abgeschlossen war.

Aufstieg im unteren Teil über kleine Kletterpassagen im Blockwerk

Die Verschneidung vom Eisansatz auf den Nordwestgrat zur Reichenspitze ist vom Kuchelmooskopf aus sehr gut einsehbar, wenn auch weit entfernt. Jedenfalls kann die Linie eindeutig eingesehen werden und sie zeigt den richtigen Aufstieg, wie er beschrieben wird. Die Felsoberflächen treten natürlich nicht im Detail hervor, aber die Bedeckung des Eisansatzes in der Falllinie unter dem Einstieg spricht Bände über die Abbruchtätigkeit der Felsrinne.

ab der Hälfte wird der Aufstieg zum Gehgelände

Besonders im oberen Teil, der etwa bei der Hälfte beginnt, dürfte eine schlechte Felsqualität vorherrschen, möglicherweise eine Stör- oder Druckzone an einem Gesteinswechsel. Nachträglich gesehen erkannten wir die Entscheidung als richtig an, den Aufstieg ohne Felssicherungsmittel nicht durchgeführt zu haben. Dieser Aufstieg wird wohl nur mehr im späten Frühjahr auszuführen sein, wenn erstens mit Steigeisen und Pickel im Firn Halt gefunden wird sowie zweitens der Steinschlag durch den noch gefrorenen Verbund sichergestellt ist.

Kuchelmooskopf, 3.215 m

Entschädigend wirkte auf die Niederlage an der Reichenspitze der Ausblick vom Kuchelmooskopf. Er ist in der Reichenspitzgruppe der Einzige der Kette vorgelagerte Gipfel, der ihre Ansicht von der Seite erlaubt. Entsprechend umfangreich und beeindruckend kann die über 11 km lange Kette vom Zillerkopf, am Ende des Zillerkamms aus bis zur Windbachspitze, am Heiliggeistjöchl, dem Ende des Zillergründls und Übergang in Ahrntal aus, betrachtet werden.

Blick auf die Reichenspitze mit dem zerfurchten Kuchelmooskees unterhalb; dahinter im Schatten der Gabler, links davon der Hahnenkamm

Im Osten an der Reichenspitze beginnend wirft sie ihren mächtigen Schatten auf den nicht minder niederen Gabler, der ihr lediglich um 43 m in der Höhe nachsteht. Die beiden verbindet ein kurzer tiefer Grat mit einem schwierigen Übergang. Er befindet sich bereits im Bundesland Salzburg, die restlichen Gipfel der enger gefassten Gruppe bilden den Grenzkamm zwischen Tirol und Salzburg.

Zillerspitze, Richterspitze, Nördlicher und Südlicher Schwarzkopf, Spaten und Nadelspitze

Unterhalb der Reichenspitze sind die Spaltenstrukturen des Kuchelmooskees‘ rechtscharf zu erkennen und zeigen die Route auf, die man einschlagen muß, um auf die das Kees begrenzenden Gipfel zu steigen. Sie bringt den Bergsteiger zwangsläufig weit in die Mitte des Gletschers, bevor wieder an die Flanke der Reichenspitze herangetreten werden kann.

Rainbach- und Zillerplattenspitze sowie gegen das Heiliggeistjöchl hin abfallend Seekarkopf, Seewlaser Schneid, Dreiecker und Windbachspitze; ganz rechts der Rauchkofel

Im Hintergrund des Getürms des Grates von der Reichenspitze südwärts gut auszumachen besteht der Blick auf den kolossalen Großvenediger in 19,2 km Entfernung und in der Sichtlinie vor ihm auf die bereits bedeutend tiefer liegende Schlieferspitze. Von Ihr aus hat Ingenuin Hechenbleikner im September 1904 den 20 km langen Schlieferspitzenkamm bis nach Krimml in einer Gewaltstour ab der Warnsdorfer Hütte im Alleingang als Erstbegehung bezwungen.

Großvenediger in 19,2 km Entfernung, darunter die Schlieferspitze mit dem Ansatz des Schlieferspitzenkamms

Der nächste Gipfel in der Kette nach Südosten nennt sich Zillerspitze und wirkt mit 3.092 m schon deutlich niedriger und unscheinbarer als die Herrscherin, die Reichenspitze. Hinter der Zillerspitze finden sich weniger markant ausgeprägt, doch aber die bekannten Östliche und Westliche Simonyspitzen in den Krimmler Tauern.

Anschließend in der Kette befindet sich die Richterspitze (3.052 m), die beim Übergang über die Gamsscharte erstiegen werden kann. Die Gamsscharte verbindet die beiden Hütten Plauener Hütte und Richterhütte, mit letzterer bereits in Salzburg.

Etwa höhengleich zu den beiden genannten Gipfeln in der Reichenspitzkette folgt der Nördliche Schwarzkopf mit 3.079 m Erhebung und in der Sichtlinie knapp dahinter der Südliche Schwarzkopf. Die Gratstrecke dazwischen soll eine der schönsten Kletterfahrten der Gruppe sein. Ebenfalls knapp dahinter folgen Spaten und Nadelspitze, die ab der Reichenspitze in der Kette die ersten unter 3.000 m darstellen.

Dreiherrenspitze in den Krimmler Tauern in 13,4 km Entfernung

Anschließend schwingt sich der Grat wieder auf und bildet mit Rainbachspitze (3.129 m) und Zillerplattenspitze (3.148 m) ein letztes Aufbäumen der bärigen Gebirgskette über die Dreitausender Marke. Letzterer Gipfel beherbergt noch an beiden Seiten einen Gletscherrest, auf der sichtbaren westlichen Seite ist dies das Hohenaukees.
Mit der folgenden Zillerplattenscharte fäll der stolze Reichenspitzkamm mit Seekarkopf, Seewlaser Schneid, Dreiecker und Windbachspitze unter 3.000 m ab und fällt auf 2.658 m zum Heiliggeistjöchl ab. Hinter der Zillerplattenspitze sticht die Rötspitze (3.495 m) in der Venedigergruppe in 15 km Entfernung ins Auge, bevor sich die Kämme senken.

Rötspitze in 14,9 km Entfernung über der Zillerplattenspitze

Auf der Westseite des Zillergründls schwingt sich der Grat vom Heiliggeistjöchl über den Winkelkopf und einem folgenden ausgeprägten Gratabschnitt und einer Wiedereinsattelung zum Marchsteinjoch schlußendlich auf den Rauchkofel auf. Er stellt mit 3.251 m den Hochpunkt im Magnerkamm.

in Bildmitte über dem Heiliggeistjöchl die Dreischusterspitze, der Kleine Schuster und die Weißlahnspitze in den Sextener Dolomiten in 55 km Entfernung

Hinter ihm in der Ferne ist der Westliche Rieserferner mit seinen eindrucksvollen Ausmaßen von knapp 2 km² zu sehen. Noch etwas weiter links, oberhalb des Grates nach dem Winkelkopf in Richtung Rauchkofel, befindet sich in 25,6 km Entfernung der mächtige Hochgall (3.436 m).

nach dem Heiliggeistjöchl der Winkelkopf und der Rauchkofel, dann im Magnerkamm die Kleinspitze, Südlicher und Nördlicher Magnerkopf, Großer und Kleiner Magner; im Hintergrund der Riblerkamm

Der Magnerkamm liegt in seiner vollen Länge gegenüber dem Kuchelmooskopf. Er trägt gegen Norden die Kleinspitze (3.169 m), den Südlichen und den Nördlichen Magnerkopf, den Großen und den Kleinen Magner, der so imposant von Bärenbad aus wirkt, wenn man das Talende am Parkplatz erreicht hat.

Überblick über alle Seitenkämme des Zillertaler Hauptkamms, siehe zur Erläuterung den Beitragstext, da die Kämme und Gipfel hier nicht unterzubringen sind

Als einzige noch rudimentär erhaltene Gletscherfläche im Magnerkamm kann das durch seine nordöstliche Lage etwas geschützte Rauchkofelkees genannt werden, alle anderen Magnerkare sind eisfrei.

Sehr imposant zeichnen sich im Rundblick nun die folgenden vom sich nach Westen erstreckenden Hauptkamm die nordwärts fallenden Kämme, die die den Kern der Zillertaler Alpen so charakteristisch ausprägen. Es sind in der Reihenfolge vom Sichtpunkt des Kuchelmooskopfs nach Westen zu nennen:

  • Magnerkamm
    östlichster und kürzester vom Zillertaler Hauptkamm abzweigender Kamm; seine Beschreibung wurde oben niedergelegt; er bildet mit dem Reichenspitzkamm das Hochtal des Zillergründls 

    v. re. Rauchkofel, Schneebiger Nock, Fernerköpfl, Frauenköpfl und Magerstein (alle Rieserfernergruppe) sowie Monte Pelmo in 80 km Entfernung

  • Riblerkamm
    wurzelt mit der Napfspitze am Hauptkamm, trägt die Hohe Warte und wurde nach dem nichthöchsten Hohen Ribler benannt, bevor er in das Zillergründl abfällt. Riblerkamm und Magnerkamm bilden das Hundskehlgründl, um das sich erhalten gebliebene Schmugglergeschichten und Berichte in Zeitungen, aber auch in Gemeindechroniken ranken. Wie auch im Ötztal schmuggelte man über das Hundskehljoch in den Nachkriegsjahren nach dem Ersten Weltkrieg bis über die Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg hinaus vorwiegend Lebensmittel und Tabak[8] nach Nordtirol, die jenseits der Grenze billiger zu haben waren. 

    li. Bildh. Kleinspitze mit Marmolata im Hintergrund, re. Bildh. Piz Boè in 73 km Entfernung, mittig Dureck in 20,5 km Entfernung

    Der Schmuggel fand aber auch in beide Richtungen statt, denn in Südtirol waren technische Erzeugnisse[9] Mangelware. Nicht aus Zufall befindet sich im Hundskehlgründl eine Zollwachhütte mit den „Finanzern“, wie die Zollbeamten landläufig genannt wurden. Der einzige Gletscherrest im Hundskehlgründl heißt Griesbachjochkees oder Hundskehlkees und es konnte ebenfalls durch nordöstliche Ausrichtung überdauern.

  • Ahornkamm
    Ein bereits mächtigerer Kamm, der mit der Wollbachspitze (3.209 m) vom Hauptkamm abzweigt. Der ostseitige Gletscher der Wollbachspitze, das Grasleitenkees wird vom Kuchelmooskopf aus gesehen. Bedeutende Erhebungen stellen im Kamm Vordere und Hintere Stangenspitzen, Rosswandspitze, Maderegglspitze und Grundschartner dar, die alle über 3.000 m hoch aufragen.

    v. re. Wollbachspitze, Hollenzkopf, ganz hinten linke Bildhälfte Paganella in 137,3 km Entfernung

    Der alpinistisch bedeutende Grat zwischen dem Grundschartner und der Ahornspitze trägt den Mugler sowie den Wilhelmer, die mit tollen Klettereien gesegnet sind, die man schon bei der Autofahrt ins Zillertal links von der Ahornspitze abzweigend erblickt. Ahornkamm und Riblerkamm bilden den Sundergrund, der das westlichste Tal dar stellt, das vom Zillergrund aus entspringt.
    Er zweigt bereits beim Gasthaus In der Au ab und führt über sagenhafte 10,5 km auf das Hörndlejoch ins Ahrntal.

  • Floitenkamm
    Er zweigt mit dem berühmten Großen Löffler (3.379 m) vom Hauptkamm ab und weist mit Kleinem Löffler, Greizer Spitze und Gigalitz Dreitausender auf sowie mit dem namengebenden Floitenturm, dem Toifler und den Drei Königen Kletterberge und dem Dristner einen erstklassigen Aussichtsberg.

    links Großer Löffler, Schwarzenstein, 3. Hornspitze (Berlinerspitze), Turnerkamp, Hoher Weißzint, Großer Möseler und Hochfeiler, darunter schwarz Großer Mörchner

    Der Floitenkamm bildet mit dem Ahornkamm den Stillupgrund, der einen weiteren Speichersee beherbergt, der nicht durch eine Staumauer sondern durch einen Damm gebildet wird.

  • Mörchenkamm
    Mit dem Mörchenkamm, der vom Kuchelmooskopf aus schon nur mehr in kleinen Teilen sichtbar ist, beginnen die höchsten Regionen im Zillertal. Ausgehend vom Schwarzenstein (3.369 m) im Hauptkamm und seinem enormen nördlich vorgelagertem Floitenkees, das am Schwarzensteinsattel vor dem Großen Mörchner (3.285 m) in einen östlichen und westlichen Teil gespalten wird, finden sich Mörchnerschneid und Kleiner Mörchner sowie weiter nördlich zum berühmten Kletterberg der Zsigmondyspitze (3.098 m) an der sich der Kamm in einen westlichen und östlichen Schenkel teilt.
    Der westliche Schenkel ist der Ingentkamm. Das Tal zwischen beiden Schenkeln wird Gunggl genannt und es führt von der Siedlung Rauth nach Ginzling im Zemmtal über die Melkerscharte in das Rosskar, hoch über dem hintersten Zemmgrund.
    Mörchenkamm und Floitenkamm schließen den Floitengrund ein, dem Zugang zum Großen Löffler und dem riesigen Becken des Floitenkees‘.
  • Ingentkamm
    Teilkamm der vom nördlichen Mörchenkamm abzweigt und gemeinsam mit diesem das Tal der Gunggl bildet. Er beinhaltet den von seinem Mineralienvorkommen her so bekannten Ochsner sowie den Großen und Kleinen Ingent. Beide letzteren sind vom Kuchelmooskopf aus in der Ferne knapp rechts des gegenüberliegenden Grundschartners im Ahornkamm zu sehen, während die Mörchnergipfel und die Zsigmondyspitze aufgrund deren Höhe in voller Pracht zu sehen sind.
    Ingentkamm und Greinerkamm bilden den Zemmgrund, den Zugang zur Berlinerhütte sowie den vier Hornspitzen und dem Turnerkamp.
  • Greinerkamm
    Der Greinerkamm, an der westlichen Begrenzung des weiten Becken des Zemmgrunds trägt den berühmten Großen Möseler, die Furtschaglspitze, das Schönbichler Horn, die Talggenköpfe, den Namensgeber Großer Greiner sowie den Kleinen Greiner, beide bekannt für ihre geologische Besonderheit des Hornblendegarbenschiefers.
    Vom Greinerkamm können der mächtige Große Möseler, die Furtschaglspitze die Talggenköpfe, der Große und der Kleinen Greiner gesehen werden
  • Hochstellerkamm
    Der letzte Kamm bevor sich Hauptkamm und Tuxer Kamm am Pfitscher Joch zu nahe für eine Gratbildung dazwischen kommen ist der Hochstellerkamm. Dieser bildet zusammen mit dem Greinerkamm den dazwischenliegenden Schlegeisgrund, dem Tal, dem mit dem Großen Möseler (3.480 m), dem Hochferner (3.470 m) und dem Hochfeiler (3.509 m) die höchsten Zillertaler Gipfel entwachsen. Die beiden letzteren Berge sowie der namensgebende Hochsteller (3.ß98 m) bilden den Kamm, der im nur mehr kurzen Hochtal Haupental endet und in das Pfitscher Joch ausläuft.
    Eine ähnlich Ausbildung wie das hinten nach Osten gekrümmte Zemmtal kann nur noch im Glidertal festgestellt werden, wenn auch nur von geringerer Dimension.
    Vom Hochstellerkamm kann vom Kuchelmooskopf aus nur mehr der Hochfeiler und der Hochferner gesehen werden, da diese beiden immerhin schon 34 km entfernt sind und dabei sieben Gebirgskämme mit Dreitausendern überblickt werden.

All diese Kämme bestehen in ihren Süd-Nord-Erstreckung, vom Hauptkamm bis zum Talabfall ins Zemmtal und den Zamser Grund, aus durchgehend fast rechtwinkelig (West-Ost) dazu verlaufenden ähnlichen Gesteinsserien des Tuxer Kerns sowie am Hauptkamm des Zillertaler Kerns, mit den weniger eng verwandten Gesteinen der Greiner Mulde als schmalem Span mittig zwischen beiden. Diesen Umständen wird es zu verdanken sein, daß alle Kämme morphologisch (gestaltlich) ähnlich gebaut sind sowie sich bei der Gebirgsbildung und -abtragung gleich ausgeformt haben und wir heute über sieben Kämme mit einer beachtlichen Distanz von weit über 30 km drüber blicken, um am anderen Ende der Gebirgsgruppe den höchsten Berg des herrlichen Gebirges entdecken zu können!

Über die Talfurche des Zemmtales hinaus, das sich in Richtung Südwesten erstreckt, beginnt das Gebirge sich erneut aufzubauen und zwar mit dem Tuxer Hauptkamm, der als ein zweiter, nördlich zum Zillertaler Hauptkamm gelegener Hauptkamm nicht minder hehre Erhebungen und ausgeformte Gestalten präsentiert. Diese Talfurche mit seiner Länge von 24 km bis zum Pfitscher Joch und einem Höhengewinn von Ost nach West von 1.600 m separiert zwar tektonisch die beiden Gebirgsteile, die Gesteinsarten (Granite, Tonalite, Granitgneise) sind jedoch nahe verwandt (bis auf die Ausnahme der Schiefer und Gneise der Schönachmulde die einen schmalen Keil vom Schönachtal auf der Gerlos über Häusling bis nach Ginzling bilden).

der äußere Reichenspitzkamm und der Zillerkamm mit Plattkopf, Aukarkopf, Schneekarkopf, Rotkopf und Höhenbergkarkopf , anschließend nach Nordern der äußere Zillerkamm

Dementsprechend wurden die Gipfel im Tuxer Hauptkamm ähnlich ausgebildet und haben beispielsweise mit der immensen Nordwand des Schrammachers ein prachtvolles Zeugnis der Festigkeit der Erstarrungsgesteine geschaffen, die aus dem flüssigen Bereich in den festen Gesteinsmantel eingedrungen und an die Oberfläche aufgestiegen sind, wo sie erstarrt und tektonisch zerlegt wurden. Ihre Festigkeit und vor allem ihre Homogenität spiegeln sich in den senkrechten Wänden des Zillertaler und Tuxer Kerns wider. Diese Nordwand birgt die schwierigsten und längsten Klettereien in den Zillertaler Alpen.

Der Schrammacher (3.410 m) beginnt den Reigen der sichtbaren Berggipfel des Tuxerkamms am Horizont im Südwesten vom Kuchelmooskopf aus gesehen. Bevor hier die nächsten Gipfel im Tuxerkamm aufgezählt werden sei noch erwähnt, daß zwischen Hochfeiler/Hochferner im Zillertaler Hauptkamm und dem Schrammacher im Tuxerkamm an diesem wunderbaren Tag unserer Begehung die Stubaier und Ötztaler Alpen in seltener Klarheit sichtbar waren und in Sichtlinie hinter dem Großen Greiner die Hochwilde sowie in freier Sichtlinie etwas rechts davon den Schalfkogel in 94 km Entfernung sehen konnte.

In der Kette am Tuxerkamm nach dem Schrammacher (nordöstlich) taucht ein kleines Spitzl vor dem mächtigen Aufbau des Olperers auf, der Fußstein (3.380 m). Auf diesen beliebten Gipfel führen zahlreiche Klettertouren, den Übergang auf den Olperer (3.476 m), dem höchsten Berg im Tuxerkamm, eingeschlossen.

hinter dem Grundschartner die Hohe Wand, Schrammacher, Alpeiner Scharte, Fußstein, Olperer und Gefrorene Wand Spitzen

Der lange Sattel zwischen den beiden Gipfeln  bildet zwischen Schrammacher und Fußstein die Alpeinerscharte, einer der wenigen Übergänge im Tuxerkamm. Auf den Olperer folgen die Gefrorene Wand Spitzen (3.288 m), auf die heute die höchste erreichbare Liftfahrt im Tuxer Gletscherschigebiet darstellt. Anschließend an die Gefrorenen Wand Spitzen folgt der Hohe Riffler (3.231 m), der nicht zu verwechseln ist mit seinem Namensbruder in der Verwallgruppe, 101 km genau westlich davon und um 64 m niedriger. Zwischen den beiden Letztgenannten lugt die Schaufelspitze und die Warenkarseitenspitze der Stubaier Alpen hindurch und zwischen diesen beiden der Kleine Kaserer als letzter Gipfel im Norden des Tuxerkamms, bevor er am Tuxer Joch von den Tuxer Alpen abgelöst wird.

Nach dem Hohen Riffler senkt sich der Kamm etwas ab und die nördlichen Stubaier Berge kommen im fernen Hintergrund durch. Markant wären hier zu nennen der Habicht, die Ruderhofspitze und der Schrankogel.

Am Tuxerkamm weiter nordöstlich kann vom Kuchelmooskopf aus die weniger markante Realspitze (3.039 m), der Roßkopf (2.971 m), die Nestspitze (2.966 m) sowie Hintere (2.884 m), Mittlere (2.859 m) und Vordere Grinbergspitze (2.768 m) erkannt werden, bevor der Kamm steil nach unten gegen Finkenberg zu ins Tal abfällt.

Den Grinbergspitzen vorgelagert befindet sich der Ahornkamm mit der markanten Ahornspitze, wie oben beschrieben. Man betrachte den langen Grat nach Süden, der schwierige und lange Gratklettereinen beinhaltet, mit dem Höhepunkt des wuchtigen Grundschartners.

Zillerkopf, Zillerkees in der Tiefe und Schneekarspitze

Während im Rundblick im Uhrzeigersinn gegen Norden der Hintergrund mit den sanften Tuxer Alpen erfüllt wird, die ein beeindruckendes Gebiet von Schitouren darstellen, deren Gipfel hier aber nicht näher benannt werden, zeigt die unmittelbare Nähe in der Reichenspitzgruppe bärige Spitzen, die mit dem Plattkopf (2.594 m) an der markant heraufziehenden Rippe ihren niedersten Hochpunkt haben.

äußerer Zillerkamm mit Zillerkopf im Vordergrund; hinten Hochsteinflache, Innerer und Äußerer Falk, Gamskopf und Brandberger Kolm – eine bärige Überschreitung

Auf der Grathöhe folgt dem Plattkopf der Aukarkopf (2.736 m) und diesem der bereits mächtige Schneekarkopf mit 2.842 m Erhebung. Nach Rotkopf (2.819 m) und Höhenbergkarkopf (2.786 m) beginnt der Zillerkamm, über den vom Brandberger Kolm (2.700 m) aus eine wunderschöne Überschreitung über Äußeren (2.668 m) und Inneren Falk (2.668 m) sich zur Hochsteinflache (2.766 m) unternehmen läßt. Die Überschreitung kann als Runde von der Kühlen Rast im Gerlostal unternommen werden (der Bericht darüber erscheint demnächst hier am Blog).

Schneekarspitze und Wildgerlosspitze

Im Vordergrund befindet sich der Zillerkopf (2.996 m), ein fast-Dreitausender, der vom Gipfelkreuz am Kuchelmooskopf in der Sichtlinie mit dem Brandberger Kolm steht. Er ist der erste Gipfel der engeren Reichenspitzgruppe, deren Gipfelaufzählung mit den folgenden Gipfeln der Schneekarspitze (3.208 m), der dem Kuchelmooskopf gegenüberliegenden  Wildgerlosspitze (3.280 m) und dem Hahnenkamm (3.209 m) den Abschluß findet.

Hahnenkamm als Verbindungsgrat zwischen Wildgerlosspitze und Reichenspitze

Zillerkopf, Schneekarspitze, Wildgerlosspitze und der Kuchelmooskopf schließen das nicht unbeachtlich große Zillerkees ein, das über die ersten Bäche, die nach dem Tunnel am Stausee angetroffen werden, in denselben entwässert wird. Man betritt dieses spaltenreiche Kees nur an seinem äußersten Rand, beim Aufstieg von der Kuchelmoosscharte auf den Kuchelmooskopf.

Tiefblick auf den inneren Teil des Zillergründls, in Bildmitte die Plauener Hütte

Bei der Betrachtung der nördlich gegenüberliegenden Wildgerlosspitze keimte der Gedanke auf, ob denn der Grat von der Kuchelmoosscharte auf den Gipfel nicht eine bessere Variante wäre, als der Anstieg über die Südwestflanke, aus der wir im Takt Gestein abbrechen haben sehen. Dieser Anstieg ist im alten AV-Führer als mäßig schwierig beschrieben, die Frage wäre die Erkundung wert, ob das heute noch zutrifft.

Tiefblick auf den äußeren Teil des Zillergründls mit Talsperre und den Kämmen des Zillertaler Hauptkamms

Hinter dem Hahnenkamm ist ein Teil des Schlieferspitzengrates sichtbar, der sich – wie oben beschrieben – über 20 km von der Namensgeberin, der Schlieferspitze in den Krimmler Tauern nach Norden bis nach Krimml zieht. Ein Bild in der Bildergalerie zeigt die Schlieferspitze mit dem Ansatz des Grates, der im Abstieg gleich schwierig beginnt.

Abstieg vom Kuchelmooskopf

Am Abstieg nutzten wir im unteren, steilen Teil nur mehr die Gratkantennähe, die schöner abzusteigen ist, als in der Flanke. Für das kurze Stück am Eis der Scharte wären die Steigeisen nicht notwendig, jedoch für den Abstieg über den gewaltig klaffenden Bergschrund und die weitere Strecke über das Kuchelmooskees.

Reichenspitze mit Kuchelmooskar und Türme zur Zillerspitze

Wir seilten uns über das eigene Seil am Stand des blauen Taus ab und legten dieses in Griffnähe am endenden Kuchelmooskees ab, sodaß es als Sicherung des Vorsteigers weiterer Besteigungen dient.

Kuchelmoosscharte mit Abseilstand

Der Rückzug über das Kuchelmooskees stellte anschließend eine Prüfung an das Erinnerungsvermögen dar, denn wie immer im Sommer sind die Aufstiegsspuren beim Abstieg bereits verschwunden. Tatsächlich mußten wir feststellen, daß wir den ersten steilen Aufstieg in die Spaltenzone vergessen hatten und stiegen eine Spaltenreihe zurück, um dort festzustellen, daß der steile Abstieg doch der richtige war.

Spaltenausbildung am Kuchelmooskees

Zu rasch sollte man die Steigeisen nicht ablegen, auch wenn sich schon mehrheitlich Geröll und Gesteinsbrocken über dem Eis befinden. Es treten je nach Route immer wieder Partien auf, die das Betreten von Blankeis erfordern. Nahe dem oberen Schlund über der Rinne, die wir beim Aufstieg als einzig sinnvolle Passage durch die blankgeschliffenen Felsen erkannt hatten, legten wir die Steigeisen ab.

Rückblick zum Steilen am Kuchelmooskees

Die trümmergefüllte Strecke durch die Rinne fanden wir sofort wieder und staunten über die mächtigen Eisbrücken, die beim Aufstieg ahnungslos überschritten wurden. Der Zeitbedarf für den Abstieg über das bis weit hinab reichende Trümmerfeld sollte nicht unterschätzt werden, man ist dort um nichts schneller als im Aufstieg. Erst auf der hohen Seitenmoräne kamen wir auf eine normale Gehgeschwindigkeit, nachdem der Steig begann.

Kuchelmooskees mit Kuchelmooskopf

Unter Sonne auf der bestens gelegenen Plauener Hütte gab es Labung und einen abschließenden „Hoangacht“ mit Jana und Martin, dem herzlichsten Hüttenwirtspaar weit und breit – danke euch beiden!

Rast am Nachmittag auf der Plauener Hütte

Die Freude über einen unvergesslichen Bergtag und die beeindruckenden Erlebnisse wog am Abstieg die Niederlage der abweisenden Strecke auf den ausgeaperten Grat zur Reichenspitze mehr als auf. Als Bergsteiger muß man verlieren und die Sicherheit in den Vordergrund stellen können.

Spätnachmittagsstimmung am Abstieg von der Plauener Hütte

Über die zweitägige Hochtour wurden 1.860 Hm Aufstieg zurückgelegt, davon 920 Hm vom Parkplatz bei der Bärenbadalm auf die Plauener Hütte. Die Aufstiegszeit bis zum Ansatz des ausgeaperten Felses nahm 3 Stunden in Anspruch, die Aufstiegsversuche und der Anstieg auf den Kuchelmooskopf 2 ¼ Stunden.

der Kuchelmoosbach in voller Breite am Nachmittag mit dem letzten Rückblick auf Kuchelmooskopf und Reichenspitze

Der Abstieg vom Kuchelmooskopf bis zur Plauener Hütte benötigte 2 ¾ Stunden. Gesamt mit allen Pausen waren wir am 2. Tag 10 ½ Stunden unterwegs, wobei wir den letzten Bus von der Staumauerkrone zur Bärenbadalm benutzten.

Pfiat‘ di‘ Reichenspitzgruppe!

Wer die Reichenspitze mit allen Mitteln besteigen will, dem sei empfohlen die Tour eher im Spätfrühling oder Frühsommer auszuführen, da dürfte die Rinne noch im Gefrierverbund liegen und leichter auf Firn zu begehen sein sowie auch Jana und Martin im Dienst, um den angenehmen Hüttenaufenthalt mitzunehmen.

Mils, 20.09.2026

[1] David Doppelmayer, Radiometrische Datierung des Molybdänvorkommens Reichenspitze, Tirol/Salzburg. Masterarbeit. Leoben 2021.

[2] Ma = Millionen Jahre

[3] Aplit kommt in granitischen Gesteinen als sog. Ganggestein vor, das durch Druck aus der Tiefe Klüfte im umgebenden Gestein füllt; vgl. hier am Blog die im Aufstieg erkundeten Ausbildungen im Bericht des Großen Möselers; für den Laien ist unerklärlich wie eine Restschmelze (Aplit), die üblicherweise nur mechanisch entstandene Klüfte erfüllt, ein komplettes homogenes Raumgebilde schaffen und durch Mischung (intrusiver Eintrag scheidet aus ?) ganze Gebirgsschuppen bilden kann (vergl. Karl, F./Schmidegg, O., Geologische Karte der Republik Österreich 1:50.000, Blatt 151 Krimml. Wien 1962)

[4] https://www.alpenverein-muenchen-oberland.de/mitgliederservice/alpine-beratung-dav/tourentipps/oetztaler-stubaier-tuxer-zillertaler-kitzbueheler-alpen/hochtour-auf-die-reichenspitze-in-den-zillertaler-alpen-tourentipps-alpenverein-muenchen-oberland

[5] https://inspirationen-der-welt.de/oesterreich/tirol/reichenspitze-hochtour/

[6] https://www.alpenverein.at/euratsfeld/berichte/2021/Reichenspitze.php

[7] https://www.alpenverein.at/schwaz/alben/2026/2026_08_14-15_Gemeinschaftstour_Hochtourentage-Plauener-Huette-Reichenspitze/index.php

[8] Gebhard Leitinger, OPTION ‐ Spuren der Erinnerung: Optionsgeschichte Toni Schranzhofer aus Kirchberg, in: Südtiroler Heimat 73, 2019, 5–7.

[9] Marianna Kastlunger, Alte Schmugglerwege neu entdeckt, in: , Der Haflinger: Begegnungen in Tirol, Südtirol und im Trentino. Bozen 2020, 20–25.