Schitour Padasterkogel, 2.301 m

Er wird vom sonnigen Trins aus begangen und dank seiner Lage erfreut sich die Schitour auf den Padasterkogel auch an kalten Tagen eines guten Teils angenehmster Sonnenbestrahlung. Zwar nicht über die gesamte Länge wie die Schitour auf die Kesselspitze, aber dennoch über etwa die Hälfte der Strecke, abhängig von der Route, die man wählt.

welch ein Ausblick!

Die Normalroute folgt dem Anstieg zum Padasterjochhaus, beschreibt nach dem Waldanstieg einen großen Linksbogen um das Tal, das sich zwischen dem Padasterjochhaus  und dem Padasterkogel liegt und wartet mit viel Sonne und einer herrlichen Ansicht der Hochfläche sowie auf die mächtige Kirchdachspitze im Nordwesten auf, während die Variante der Kenner der Tour noch im Wald vor dem „Käferloch“1 links abzweigt und über das Tal zu den „Padaster Mähdern“ führt und von dort den Rechtsbogen ins „Grübl“ beschreibt und vom Grübl über den Osthang auf den Gipfel des Padasterkogel. Über diese Variante kann auch die Abfahrt erfolgen.

Vormittagsstimmung auf der Burgfamilie

In Trins stehen zwei Parkplätze zur Verfügung. Der besser bekannte ist jener direkt am Almweg zum Padasterjochhaus, der über den steilen Weg nach dem Ortskern beim Cafe Max, in dem man übrigens einen lohnenden Tourenausklang findet, erreicht, Parkplatz Egarte genannt, auf knapp 1.300 m.  Den zweiten, größeren, kennt man weniger, er ist der P4 und befindet sich auf der Gschnitztallandesstraße 800 m vom Cafe Max entfernt, Waldfest genannt. Dieser liegt etwa auf 1.240 m und die Tour beginnt nach der Brücke am Weg gegenüberliegend des Parkplatzes und führt über die Wiese (Burgfelder), vorbei an der Kapelle St. Barbara, zu einem Sommerwanderweg hinauf, der oben mit dem Almweg zusammentrifft. Beide Parkplätze konnten zum Zeitpunkt dieses Berichtes kostenlos benützt werden, der Bericht beschreibt die Route vom Parkplatz Egarte über den Normalanstieg.

die Egarte mit den drei sich teilenden Tälern

Am lange geradeaus in das Tal zum „Burgwald“ führenden Almweg gibt es einige Passagen unter dichtem Baumbewuchs, die auch im Winter aper werden können, weswegen für eine längere Abfahrt die Parkplatzvariante Waldfest vorteilhaft sein kann.
Auf der ersten freien Wiesenfläche „Egarte“ wird der Blick auf die drei Täler frei, die sich am Ende der Wiese verzweigen. Im äußerst linken Tal, hinter der felsigen Barbeleswand versteckt, befindet sich der Waldanstieg zum Padasterkogel. Es wird erst am Ende der zweiten Freifläche, der „Windlahne“.

auf der Windlahne

Das mittlere Tal führt ins Loosloch und auf die Padeilemähder2, die heute noch von Hand gemäht werden und die vor Kurzem noch in die Tiroler Natura 2000 Gebiet aufgenommen wurden.
Das rechte Tal, über den Burgwald, führt in die Falschwernalm und auf die Kesselspitze, mit ihrem zauberhaften Schitourenanstieg.

Waldaufstieg mittlerer Teil

In der ersten Freifläche führt meist eine Spur zur rechten oberen Begrenzung hinauf, der man nicht folgt, sie führt auf den Kesselspitze und auf die Peilspitze. Die Route auf den Padasterkogel führt im Flachteil links, neben dem Bach, zur Bachquerung in die linken Täler hinein.

Rückblick im mittleren Teil

Einige Minuten im noch flachen Aufstieg nach der Bachquerung wird eine zweite, längere Freifläche mit vereinzeltem Lärchenbewuchs erreicht. Die Route führt durch die herrliche Landschaft bis etwa auf 1.650 m und zweigt dort in den teilweise steilen Wald links ab; dies ist die schattseitige Teil der Schitour, der, je nach fortgeschrittenen Datums und Tageszeit im Winter, über etwa 200 bis 300 Hm ohne Sonnenbeleuchtung stattfindet. Zum Jahreswechsel beträgt der schattseitige Aufstieg am frühen Vormittag etwa 35 bis 45 min.

wieder einmal den Weg gekreuzt

Im Wald quert man manchmal die Fahrstraße zum Padasterjochhaus und befindet sich Großteils am Herrensteig, der manchmal beschildert ist.

Waldaufstieg oberer Teil – hier Blick auf den Inneren und Äußeren Buambichl, sowie auf die Hohe Burg rechts

Zwischendurch, im oberen Teil des Waldaufstiegs mit  bereits lichterem Baumbewuchs, werden Blicke auf die schöne Felsformation aus standfestem Hauptdolomit der Hohen Burg frei und Wildspuren über das steile Nordkar zwischen dem „Inneren und Äußeren Buambichl“ sichtbar.

der Waldaufstieg neigt sich dem Ende zu

Im abflachenden Teil des Waldaufstiegs, eigentlich bereits an der Waldgrenze, könnte man links, fast flach zur Aufstiegsvariante durch das Käferloch abzweigen. Der sonnigere Aufstieg erfolgt jedoch über den Normalweg, der weiter beschrieben wird.

herrliche, mäßig steigende Hänge setzen fort

Mit dem Baumbestand ändert sich auch die Hangneigung und ab dem Hügel „Drissl“ führt der angenehm steigende Normalweg über eine bärig kupierte Bilderbuchlandschaft mit letztem Lärchenbewuchs bis auf über 2.000 m hinauf, wo auch das Ziel, der Padasterkogel, erstmals sichtbar wird. Der Sommerweg wird hierbei verlassen und eher nahe dem Almweg aufgestiegen.

erstmals das Ziel, der Padasterkogel sichtbar

Die malerisch weiße Landschaft mit ihren mannigfaltig ausstreichenden Schattierungen von Kuppen und Mulden sowie den vereinzelten rostroten Lärchenfassaden der Almhütten  zwingt zum Innehalten und Aufsaugen des einzigartigen Moments.

Idylle pur am Aufstieg zum Padasterjochhaus

Beim letzten längeren Almgebäude beginnt der große schöne Bogen um das Tal zum Gratrücken herum, der von der Hammerspitze herabfällt und der den Padasterkogel trägt. Bis zum Schluß, zum Gipfel, führt die Route in angenehmer Steigung weiter.

zum letzten längeren Almgebäude der unteren Padasteralm

An diesem Eckpunkt des Anstiegs zum Padasterjochhaus befindet man sich bereits in 2.100 m Seehöhe, womit nur noch 200 Hm zum Gipfel fehlen, die Strecke aber noch 1,8 km lang ist. Wenig geeignet für Freunde von Ampfersteinverhältnissen.

Hohe Burg mit Sattel zum Padasterkogel

Begrenzt wird der schöne Kessel, in dessen Mitte das Padasterjochhaus weithin sichtbar auf einer Kuppe erhöht erbaut, von Hammerspitze (2.641 m), Wasenwand (2.563 m) und Foppmandl (mit Gipfelkreuz, jedoch aufgrund fehlender Prominenz kein bezeichneter Gipfel, eher ein entsandter Südgrat der Wasenwand), die aus Gesteinen des metamorphen Kalkkomplexes (vorwiegend Bänder-Kalkmarmor, Kalkphyllit und Quarzphyllit) gebaut werden. In der Ferne im Nordwesten, westlich der Hammerspitze, lugt der Gipfel der Kirchdachspitze (2.840 m) hervor.

Rückblick über das beeindruckend schöne Gelände

Kurz vor dem Padasterjochhaus folgt die Schitour einem kleinen Graben, der auf die Hänge unterhalb der Hammerspitze hinüber leitet. Gleich nach dem Beginn muß eine etwas steilere Passage gequert werden bevor der schöne Bogen zum Padasterkogel über flaches Gelände weiterführt.

die zentrale Padasteralm mit dem Padasterjochhaus

Die Bilder auf dieser Strecke verleihen der leichten Tour auf den Padasterkogel einen eigenen Reiz, wofür sich der längere Normalweg allemal lohnt, auch wenn er gut 20 min in Anspruch nimmt.

Rückblick auf die untere Padasteralm

Mit mäßig Auf und wenig Ab strebt die Querung auf den Südgrat der Hammerspitze zu, wo sich, hinter dem Bergrücken nicht sichtbar, die kleine Schäferhütte befindet. Über eine wenig mächtige Wechte wird der Gratrücken erreicht, der, scharf zur Linken, den Blick auf den unverkennbar dolomitischen Aufbau der Kirchdachspitze freigibt, und den Gipfelspitz auf seinem eindrucksvollen Sockel in voller Größe zeigt.

Übergang zum Padasterkogel vom Padasterjochhaus

Nach dem Übergang verliert man wenige Höhenmeter zum Padasterjoch hin, die jenseits desselben mit einem letzten kurzen Aufstieg über 40 Hm zum Padasterkogel wettgemacht werden. Der Aufstieg erfolgt dabei auf der Luvseite nach Belieben oberhalb oder unterhalb  der abgeblasenen Steilwiesen.

Rückblick auf das Padasterhaus und die Querung der etwas steileren Passage (links)

Die Kuppe des Padasterkogels ist selber nur hauchdünn ein eigenständiger Gipfel, wenn man die Konvention der Definition der Schartenhöhe von mindestens 30 m zugrunde legt. Seine Stellung im Serleskamm und seine wunderbare Aussicht dürften jedoch bereits weit vor Einführung von Definitionen nach UIAA ausschlaggebend für seine Kür als Gipfel verantwortlich zeichnen.

letzte Meter zum Padasterjoch mit dem Gipfelkreuz des Padasterkogels

Ein massives Holzkreuz seltener Bauart ziert den Padasterkogel. Die verstärkenden Verstrebungen der Kreuzform zum diagonal gestellten Quadrat sichern den Verbund im Knoten. Diese Kreuzform sieht man kaum, bisweilen aber doch auf unseren Bergen.

Gipfelkreuz Padasterkogel, 2.301 m

Sie stellt keine eigene zu recherchierende Kreuzform dar, sie dürfte rein aus Stabilitätsgründen entstanden sein.

gewaltiges Massiv der Kirchdachspitze

Im Blick nach Nordosten öffnet sich das Navistal mit den schönen Schitourenzielen, beispielsweise die Schafseitenspitze genau in Bildmitte. Etwas rechts davon, mehr im Osten, vom Schmirntal aus die Schöberspitzen und den Kleiner Kaserer bereits in den Zillertaler Alpen.

bärige Kulisse mit der Hohen Burg und dahinter die Tuxer und Zillertaler Alpen; Schafseitenspitze, Schöberspitzen und Kleiner Kaserer

Weiter im Südosten finden sich die Schitouren auf die Hohe Kirche und den Kluppen, der durch die dahinterliegenden höchsten Gipfel der Zillertaler Alpen, Hochfeiler und Hochferner durch den fehlenden Kontrast fast nicht sichtbar ist, sowie der Wolfendorn an der Grenze zu Südtirol.

Aussicht nach Südosten mit Hoher Kirche, Kluppen und Wolfendorn

Gegen den Süden hin reicht der Blick bis in die Dolomiten (Geislergruppe, Marmolata, Sella und Langkkofel) und etwas rücken die bärigen Schitouren aus dem Obernbergtal in den Vordergrund, hier sei die Rötenspitze und der Muttenkopf genannt.

Die Dolomiten im Hintergrund Rötenspitze und Muttenkopf rechts

Auf den Obernberger Tribulaun als leichtesten Vertreter aller Tribulaune führt eine unvergessliche Schitour, weiter folgt der markante Doppelgipfel des Pflerscher Tribulauns und die hohen Schitourenziele des Pflerscher Pinggls und des Hohen Zahns in Bildmitte und den südwestlich gelegenen Feuersteinen.

Obernberger Tribulaun, Pflerscher Tribulaun, Pflerscher Pinggl und Hoher Zahn

Die empfohlene Abfahrt vom Padasterkogel führt über seinen Nordosthang hinab in das Käferloch. Der gesamte Hang steht dafür zur Verfügung und die Schneeverhältnisse sind eher immer dort die besten, wo kaum Sonnenbestrahlung einwirken kann, also eher im südöstlichen Teil des Tals, zu dem in der Abfahrt gequert wird, um den Nordhang zu erreichen.

bereits im Nordosthang das Abfahrt; deutlich sind die Abfahrtsspuren über die alternative Route in der Sonne zu erkennen

Unten in Talnähe kann man, wenn man rechtzeitig auf die sonnenbeschiene Nordseite im Tal wechselt, die Ausfahrt aus dem Käferloch ohne Anschieben ausführen. Wer zu weit hinunter fährt muß im Talgrund bis zum Wald fahren und hat hier auch wieder zwei Möglichkeiten.

im unteren Teil der Nordabfahrt

Links am Ende des Käferlochs auf dem flachen Weg mit Anschieben über etwa 400 m bis zu den schönen strauchbewachsenen Hängen vom Foppmandl herab, oder rechts über noch weiterführende freie Wiesen bis zur selektiven Steilabfahrt im lichten Wald nahe der Barbeleswand.
Weiters wird die Normalabfahrt über die freien Hänge unter dem Foppmandl beschrieben.

Rückblick vom Käferloch auf die Nordabfahrt

Am Ende des Käferlochs müht man sich im Grätschschritt leicht bergauf um die Geländerippe herum bis der Sommerweg flacher wird und das Fortkommen mit Anschieben möglich wird.

Beginn des Käferlochs im Aufstiegssinn gesehen

Ein paar Minuten erfordern die 400 m Schiebestrecke bis der Weg abfällt und die Abfahrt fortgesetzt werden kann. Die Fortsetzung lohnt sich allerdings, sie führt über schöne steile Hänge mit jeder Menge Hindernissen, sodaß Reaktionsschnelligkeit gefordert wird.

Flachstrecke

Mit der Sonnenbahn zu Silvester liegt der schöne Hang bis über die Freifläche der „Windlahne“ hinab leider bereits im Schatten der Barbeleswand, wenn um die Mittagsstund abgefahren wird. Lediglich der obere Teil ist noch in Licht getaucht. Die passablen Schneeverhältnisse noch weichen Pulvers boten dafür Entschädigung.

Rückblick nach dem ersten Teil des Hanges zur bäriger Hang zur Windlahne hinab

Kurz vor der Querung des Fallschwernbaches entweicht man der Abdeckung der Barbeleswand wieder und setzt die letzten Minuten der bärigen Tour unter Sonne fort.

letzter Rückblick auf den unteren Teil der Abfahrt

Die Schitour absolvierte der Verfasser in 3:56 Stunden mit einem Aufenthalt am Gipfel von gut 30 min . Der gesamte Aufstieg beträgt 1.090 m und die Streckenlänge bis zum Gipfel 5,6  km.

Mils, 31.12.2020

1 in Anführungszeichen angeführt sind Flurbezeichnungen nach TIRIS

2 Karte des Schutzgebietes Padeilemähder: https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Landesnormen/LTI40044768/Anlage.pdfsig.pdf

 

Hornspitze, 2.650 m

Vom Tuxer Joch aus betrachtet markiert die Hornspitze mit ihrem majestätisch aufragenden Gipfel den auslaufenden Südgrat der Tuxer Alpen, hin zur Gebirgsscheide mit den Zillertaler Alpen. Sie fällt in der lokalen Topographie besonders auf, da ihr Bau den umliegenden Erhebungen so gänzlich widerspricht. Ein letzter Eckzahn der Tuxer Alpen vor den Granden im Tuxerkamm der Zillertaler Alpen.

Hornspitze und Zillertaler Alpen im Zoom

Seine im Südgrat auffällig aufsteilende Gipfelspitze baut zur Gänze aus Kalkphyllit, der die massiven, später tektonisch aufgestellten Schichten bildet, deren Mächtigkeit an ihren Trennflächen gut zu erkennen sind. Im Osten bricht die Schichtung zu einer Steilwand ab, im Westen begleiten die steilen Hänge oberflächlich Wiesen, bevor sie erst weiter unten in kleine Waldflächen, getrennt von tiefen Schuttrinnen zum Kaserer Winkel abfallen, von denen jede der neun Rinnen seinen eigenen Namen besitzt.

Erster Aufschwung auf die Hornspitze vom Vorkopf aus gesehen

Ausgangspunkt der Bergtour auf die Hornspitze sind die hintersten Weiler Madern, Kasern und Obern im Schmirntal, die zum Ort Ladins (Gemeinde Schmirn) zusammengefasst wurden. Im Weiler Obern gibt es einen, bzw. mehrere kleine Parkplätze bachseitig entlang der Straße ins Kluppental und beim Alpengasthof Kasern besteht ebenfalls Parkmöglichkeit – mit einem Besuch nach der Tour verbunden versteht sich und lohnt sich kulinarisch.

am Weg in den Kaserer Winkel

Fast eben leitet das zunächst breite Tal des Kaserer Winkels hinter das letzte Gehöft im Weiler Kasern. Ein sagenhafter Blick auf den 1.500 m hoch aufragenden Kleinen Kaserer begleitet über die gesamte Strecke am Almenweg, die, vor der Abzweigung in die Tettensgrube, etwa eine knapp halbe Stunde taleinwärts in Anspruch nimmt.

Tettensgrube, Aufstieg zum Tuxer Joch

Über die steile Nordflanke des Kleinen Kaserers wird eine rassige Schitour begangen, die unterhalb des fast zu Gänze verschwundenen Kaserer Ferners auf den breiten steilen Rücken hinausquert und über den Grat zum Gipfel führt. Beim frontalen Anblick auf die Nordflanke kann man sich gar nicht vorstellen, daß es dort ein Durchkommen gibt. Die kümmerlichen Reste des Kaserer Ferners liegen dem Blick von Norden verborgen hinter einer Rippe auf 2.900 m.

Rückblick in den Kaserer Winkel

Bei der Brücke über den Kaserer Bach behält man den Weg bei und überquert eine große Schwemmschuttablagerung von der Steinigen Rinne herab bevor, nach einer flacheren Stelle, der Weg auf den Schwemmkegel der Tettensgrube heranführt auf dem der Tuxersteig beginnt.

über den Radlweg hinauf in die Tettensgrube

Der breite Weg endet und der Tuxersteig ist vorerst nicht ohne weiteres vom neu gebauten Radlweg zu unterscheiden, es sei denn man achtet auf Markierungen und Steigspuren.
Durch den Radlweg mit seinen 66 Kehren auf das Tuxer Joch kann die Bergtour auf die Hornspitze seit Sommer 2019 auch mit dem Radl kombiniert werden.

prächtiger Anblick – die beiden Schöberspitzen

Bei der vierten Linkskehre nahe am Tettensbach kann der Radlweg verlassen werden und über den alten Tuxersteig aufgestiegen werden (siehe dazu Bilder in der Galerie). Der Abzweig (1.800 m) befindet sich direkt in der Kehre, erfolgt über den Bach und ist nicht gekennzeichnet. Vermutlich litt die Markierung unter den Bauarbeiten des Radlwegs, oder wurde durch ein Hochwetter weggeschwemmt.

Abzweigung in Richtung Aufstieg gesehen

Wer den alten Steig im Lärchenwald dem technischen Weg über die Radlstrecke vorzieht, der zweige über den Bach ab. Nach 100 Hm treffen beide Steige wieder zusammen, kurz nachdem der Radlweg von der orographisch rechten Seite des Tettensbaches auf dessen linke Seite wechselt. Beide Steige überkreuzen sich in der Folge bis zum Tuxer Joch häufig und zu Ungunsten des alten Steiges, der von Böschungen der Bauarbeiten des Radlweges überschüttet und nicht wieder hergestellt wurde.

Bachquerung hinüber in den Wald in dem der alte Tuxersteig verläuft

Zum Aufstieg benutzt man lieber den alten Steig, der in seiner Ausbildung zwischen Länge und Steigung für den Geher ein ausgewogeneres Verhältnis aufweist als der technisch gestaltete Radlweg. So bleibt zu hoffen, daß der alte Tuxer Steig, den es seit Jahrhunderten gibt,  durch stete Begehung eine gewisse Renaissance erleben wird.

schöne Anschauungsfläche am neu gebauten Radlweg

Dem neuen Weg ist, wenn schon nicht steigergonomisch, so zumindest geologisch ein gewisser Einblick auf interessante Gesteine abzugewinnen, die im Zuge der Bauarbeiten freigelegt wurden und noch in unverwittertem Zustand studiert werden können. Kurz nach dem Bauübertritt findet man eine schöne offene Fläche von Dolomitmarmor in der Böschung rechts dem Weg.

Dolomitmarmor

Wenige Meter darüber taucht links eine schön sichtbare Trennfläche zwischen Kalkphyllit links und Kalkmarmor rechts auf, die sowohl durch ihre völlig konträren Strukturunterschiede als auch durch ihre Farben eindeutig zu unterscheiden sind.

links Kalkphyllite, rechts Kalkmarmor

Im Verlauf des Steiges trifft man weitere jung freigelegte Flächen an, wenn auch nicht mehr solch schön studierbare wie die beiden Vorgenannten.

Bänderkalk (blaugrau)

Allmählich leitet der Steig im „Klamml“ auf die flacheren Hänge der Tettensgrube über. Eine Klamm ist lediglich weit oben am Tettensgrat zu vermuten, die Flurbezeichnung Klamml ist somit unverständlich.

in der oberen Tettensgrube

Nach wenigen Minuten ist die leichte Anhöhe von Tettensbrunn erreicht, von der das Tuxer Joch erstmals eingesehen werden kann und auf der sich ein paar Meter links des Steiges Reste einer Schaferhütte befinden. Die restliche Strecke zum Joch über die obere Tettensgrube erfolgt links des Baches, der kurz nach der Flachstelle überquert wird.

Flachstelle Tettensbrunn

In Gemeinschaftsarbeit der Jungbauern Tux und Schmirn wurde das Gipfelkreuz am Tuxer Joch – das auch einmal Schmirner Joch genannt wurde – 2016 erneuert, das 1960 in Erinnerung an die Abtrennung von Tux vom Schmirner Gemeindegebiet von denselben errichtet wurde. Ein schönes Holzkreuz mit Metalleinfassung in Blickrichtung zur Hornspitze ziert die Jochhöhe.

phänomenaler Blick auf die Hornspitze

Allerdings gibt es mit dem Speichersee der Hintertuxer Gletscherbahnen auch eine technische Zier auf dem die Tuxer von den Zillertaler Alpen trennenden Joch auf 2.338 m.

Speichersee am Tuxer Joch

Leider konnte eine Hinweistafel mit der sagenhaft weit zurückreichenden Geschichte der Region nur in liegendem Zustand gelesen werden. Der gutgemeinte Rahmen aus Baumästen hat den Wettern am Joch nicht standgehalten und ein neuer massiverer Aufbau ist dafür wohl nötig.

die informative Geschichtstafel leider den Windeinflüssen erlegen

Beeindruckend in ihrer Wirkung liegt die Hornspitze kurz vor dem Ende des gut 5,7 km langen Südgrates der sich von der höchsten Region der Tuxer Alpen, vom Lizumer Reckner und Geier bis zum Tuxer Joch erstreckt. Der erste Kilometer der Strecke wird mit der Besteigung der Hornspitze zurückgelegt und bis unmittelbar zum Gipfel des Geiers bleibt das Gestein Kalkphyllit.

Blick auf die Wustkogelserie (grüne Gneise im Hintergrund) am Rücken zur Hornspitze

Vom Joch zieht ein breiter Rücken ein paar Minuten gegen die Hornspitze, der sich nach und nach zum Grat ausformt.
Im unteren Teil, etwa 200m vom Tuxer Joch entfernt, begegnet man an der Abbruchkante zur Tettensgrube hin einer verwachsen und gefaltet aussehenden Gesteinsschicht. Es handelt sich dabei um Gneise der sogenannten Wustkogelserie, die wegen ihrer charakteristischen grünen Farbe leicht zu erkennen sind (man vergleiche sie mit der Farbe der Felsen am Pfannköpfl, nördlich des Tuxer Joch Hauses, das bald im Aufstieg zu sehen ist.)

Blick nach Westen mit den Gneisen der Wustkogelserie im Vordergrund

Allmählich, ab etwa der Hälfte der Strecke bis zur Hornspitze, formt sich der Rücken schmal und steilt mächtig auf. Dort beginnt die Gratausbildung mit einem kurzen Wegstück, das nach Westen gerichtet ist und von dem es rechts in den Schafleger und links in „de Hoarn“ abfällt. Obwohl ein deutlicher schmaler Steig auf die Hornspitze führt ist dieser abschnittsweise nicht bis zur Erde ausgetreten und man steigt über Wiesenflecken bis zur nächsten Steigspur weiter.

Blick nach Süden auf die Hochfläche vor der Frauenwand

Diesen Wiesenflecken ist vor allem im oberen Teil des Aufstiegs Aufmerksamkeit zu widmen, da sie sich bei Nässe durch Regen, Gewitter oder des Morgens, sowie unter Altschnee des Frühjahrs und nach ersten Schneefällen im Herbst zur perfekten Gleitbahn entwickeln können, die keine Haltemöglichkeit bietet.

im Reich des Kalkphyllits angekommen

Abgesehen von solcherart verzichtbarer Abenteuer bietet der Steig bis hin zur beeindruckenden ersten Kluft am Grat ein aussichtsreiches Aufstiegsvergnügen, vorwiegend über Bergwiesen und ohne nennenswerten Höhenverlust zwischen den Graterhebungen bis zur Schlüsselstelle, die in etwa in 35 bis 40 min vom Tuxer Joch aus erreicht wird.

Schwarzphyllit

Es handelt sich bei der Schlüsselstelle um eine etwa 20 Hm messende Kluft (man kann sie auch Kamin nennen, jedoch passen die Maße oben nicht ganz zu diesem Ausdruck) direkt im Gratverlauf, die im Durchschnitt einen Meter breit sein dürfte und mit einer Schmalstelle, die nahe an der rechten Kluftaußenseite erklettert wird.

der eindrucksvolle Grat zur Hornspitze

Zu Beginn muß in die fast geschlossene Kluft seitlich eingestiegen werden bis sie sich zum Kamin weitet.

Detail der Kluft; unten eng, nach oben breiter werdend und am Ausstieg nur über die Außenseite zu überklettern

Im Verlauf, der sich zur Mitte hin bis auf geschätzte zwei Meter verbreitert, wird meist leicht kletternd aufgestiegen mit wenig Gehstrecke etwa mittig. Im obersten Teil verjüngt sich der Kamin unter Mannesbreite und der weitere Weg wird durch die schmale Kluft sichtbar, jedoch muß diese Stelle erst erklettert werden und sie nach hinten zu durchsteigen unternimmt man erst gar nicht, wenn man nicht mit Romans Maßen aufwarten kann.

am unteren Teil der Kluft

Die Überwindung dieser obersten Engstelle fruchtet nur über die Außenseite und dazu muß man etwas an die Luft hinaus. Der Versuch des Abspreizens wie im Kamin mußte aufgegeben und die Engstelle an ihrer rechten Außenseite über eine durchaus griffige Passage etwas luftig überwunden werden. Dabei leistet die Gegenseite der Kluft durchaus den einen oder anderen Tritt, jedoch ohne Abspreizen.

nach dem Überklettern der Kluft zurückgeblickt; dort wo die Kluft breiter wird kommt man auf der Außenseite herüber

Nach dieser Schlüsselstelle folgt ein kurzes, fast ebenes Stück am Steig mit einer wenige Meter dahinter aufragenden zweiten Felskluft. Diese ist jedoch nicht mehr so hoch und in der Ersteigung leichter, da sie keine Engstelle aufweist und fast völliges Gehgelände darstellt.

zweiter Aufschwung zur Hornspitze

Der obere Ausstieg aus dem Fels erwies sich recht erdig schmierig und rutschig. So, rutschig, erwiesen sich auch die Schneereste auf dem langen Gras am kurzen verbleibenden Steig über 25 Hm zum Gipfelkreuz, deren Auswirkungen bei einem Ausrutscher fatal wären.

den Gipfel der Hornspitze gleich erreicht

Das interessante Gipfelkreuz wurde vom Kolsasser Peter Mader im Jahr 1986 errichtet. Angesichts seiner 34 Jahre Dienst am Gipfel gegenüber den Unbilden der Wetter sieht es phänomenal gut aus und der Peter wird es wahrscheinlich auch regelmäßig warten ist anzunehmen. Der Konstruktion des Gipfelkreuzes zu entnehmen ist, daß der Erbauer Techniker sein müßte, zumindest verwendet er Edelstahl bei den DIN-Schweißflanschen und Schrauben für das Herzstück.

Hornspitze, 2,650m gegen Gfrorene-Wand-Spitzen und Olperer

Aufgrund der Dominanz der Hornspitze im Süden (Entfernung Kleiner Kaserer 3.920 m) bietet sich ein atemberaubendes Panorama in Richtung Olperer und Gefrorene Wand Spitzen.

Aufstieg auf die Hornspitze vom Tuxer Joch aus; im Hintergrund Gfrorene-Wand-Spitzen und Olperer

Die Sichtweite durch die Dominanz der Hornspitze gegen den Westen (Entfernung Hogerspitze 5.680 m) und Norden ist noch beeindruckender, sie reicht bis weit in die Stubaier Alpen und im Norden, über die Tuxer Alpen hinweg sogar bis tief ins Karwendel, bis zur Karwendelhauptkette.

Blick nach Südwesten, in der linken Bildhälfte die Hohe Warte (Hogerspitze)

Die Gipfel der Südlichen Sonnenspitze sowie die Kaltwasserkarspitze und die Birkkarspitze in immerhin 37,5 km Entfernung sind gut zu sehen.

im Nordwesten die Tuxer und dahinter von links die Mieminger rechts davon Karwendelgipfel

Gegen Nordosten und Osten reicht der Blick von der bizarren Kalkwand über den Rastkogel über die Gipfel des Wilden Kaisers bis zur Watzmann-Mittelspitze und an guten Tagen bis zum Hochkönig (71,4°) in 114 km Entfernung im Osten.

im Nordosten links die Kalkwand, rechts davon Gipfel des Wilden Kaisers bis zum Hochkönig

Beeindruckend sind auch die Tiefblicke ins Schmirntal sowie ins Weitental bzw. nach Tux, interessant auch der Blick auf die kupierte Hochfläche vor der Frauenwand, die so wenig zu den umliegenden Steilflächen paßt.

phänomenaler Ausblick auf die höchsten Gipfel im Tuxerkamm der Zillertaler Alpen

Eine rasch aufziehende Wolkenfront von Nordwesten beendete den mit einer Stunde ungewöhnlich langen Gipfelaufenthalt. Der Abstieg bis zum Tuxer Joch nimmt mit gewandter Kletterei etwa eine dreiviertel Stunde in Anspruch, bei der Notwendigkeit von Sicherung über die Schlüsselstelle entsprechend mehr Zeit.

vor der unteren Kluft

Wie schnell Wetteränderungen vordringen – am Gipfel war es windstill – kann man abschätzen indem man die Gipfelfotos in den Nordwesten mit dem Foto nach dem Abstieg bei der Ankunft am Tuxer Joch vergleicht.

Blick an der Engstelle der Kluft zurück auf die Abkletterstelle

Die Abkletterstelle sieht im Rückblick extremer aus als in Wirklichkeit. Zu beiden Seiten gibt es genügend Griffe und Tritte, hier kommt es vorwiegend auf Technik an – und nach ein wenig probieren klappt es.

wieder am Tuxer Joch, schlechtes Wetter im Aufzug

Nachdem Eile geboten war, um nicht nass zu werden, konnten von den interessanten verwitterten Gesteinsproben am Wegesrand in der Tettensgrube nur ein paar Fotos angefertigt werden und ihre Erkundung musste warten.

ausgewitterte Hohlräume zwischen den Quarzgängen?

Am unteren Teil des Tuxer Steiges verfehlte der Verfasser in der Kehre den alten Steig nicht und erkundete diesen. Etwa in der Hälfte des Steiges wurde Windwurf angetroffen, der leicht umgangen werden konnte.

Abzweig vom Radlweg auf den alten Tuxer Steig

Am Weg talauswärts begann es zu tröpfeln und wie berechnet hielt sich der Regen gerade noch bis zur Ankunft beim Gasthof Kasern in den Wolken.

aus dem Kaserer Winkel nach Kasern

Die Tour führt auf einer Strecke von 5,7 km über 1.035 Hm Anstieg zum Gipfel, gesamt wurden für die Besteigung der Hornspitze knapp 2,5 Stunden benötigt. Die Gesamtzeit mit einer Stunde Gipfelaufenthalt betrug 5 Stunden.

Mils, 10.10.2020

Schitour Frauenwand, 2.541 m

Wenig bekannt in des Landes Mitte und auch im Schatten beliebter Schitouren in der Region liegt der von Kasern aus kühn anzuschauende Gipfel der Frauenwand. Einer der ersten Gipfel der Zillertaler Alpen, knapp südlich des Tuxer Jochs gelegen, bietet die Frauenwand eine nette Schitour knapp unter 1.000 Hm Aufstieg mit einer tollen Abfahrt, die vom Kaserer Winkel im hintersten Schmirntal begangen wird. Bei Neuschnee und sicheren Lawinenverhältnissen stellt die im unteren Teil steile Abfahrt vom Tuxer Joch ein tolles Abenteuer dar.

Herwig und Stefan knapp vor dem Gipfel der Frauenwand

Durch die Hangausrichtung der südlichen Flanke vom Tuxer Joch bis zum Kaserer Winkel ergeben sich schattseitige Nordwest- und Westabfahrten ins Tal, die im unteren Teil noch von der westfallenden Rippe des Tettensgrates verstärkt werden und im Frühwinter ohnehin spärlich Licht bekommen. Dies mag für jenen, der eine Pulverabfahrt sucht, der Antrieb sein, für den Naturliebhaber bietet die Tour landschaftliche Reize.

der Nebel klart weiter im Tal bereits auf

Auf 1.622 m Seehöhe liegt der Ausgangspunkt der Schitour auf die Frauenwand, der kleine Parkplatz bei den letzten Bauernhöfen in Obern (Kasern), im hintersten Schmirntal. Im Frühjahr kann man oft beim Gasthaus Kasern parken und spart somit ein paar hundert Meter Strecke und etwa 10 Hm, die vom Parkplatz aus verloren gehen, will man in den Kaserer Winkel.

Der  Alpengasthof Kasern übrigens kann vom Verfasser mit Freude empfohlen werden, eigentlich ein Pflichtbesuch bei der dortigen Bevölkerung. Zuletzt war dort ein Besuch im Herbst 2020 möglich, anlässlich der schönen Bergtour auf die imposante Hornspitze, bevor die Saison endete und eine Öffnung durch die abstrusen Maßnahmen wegen dem Virus nicht absehbar ist; hoffentlich jedoch zu Saisonbeginn per Mitte Mai.

Rückblick aus dem Kaserer Winkel

Bei Nebel starteten wir unsere Begehung in der wunderschön verschneiten Landschaft und durch die düstere Szenerie, beim Blick in den Kaserer Winkel, vorerst mit etwas bedrückendem Gefühl. In Gegenrichtung, ins Kluppental geblickt, zeigten sich bereits besonnte Hänge, womit wir wussten, daß es nur eine Frage von vielleicht einer Stunde sein würde, bis auch der Kaserer Winkel vom Nebel befreit ist.

noch am Schwemmkegel der Tettensgrube, gleich geht es rechts in den Wald hinein

Vorbei an den letzten Gehöften im naturbelassenen Tal steigt man über gut 2 km mit wenig Höhengewinn die 160 Hm bis zum Einschnitt der sich vom Tuxer Joch herunterzieht, bevor die Route in eine gewohnte Steigneigung übergeht.

am Tuxersteig im Wald hinauf

Am Weg dorthin spurten wir bei der Abzweigung vor der ersten Brücke über den Kaserer Bach den Normalweg links weiter, der noch jungfräulich war und freuten uns die ersten zu sein. Erst kurz vor dem Tuxersteig bemerkten wir die Spur von der rechten Bachseite herüberziehen und kurz darauf bemerkten wir etwa 200m höher oben eine Dreiergruppe in die Tettensgrube aufsteigen, die spurte. Die Stockabdrücke offenbarten, daß die drei die einzigen waren, die sich voraus befanden.

zur steilen Passage, die zum neu ausgebauten Radlweg hinaufführt

Mittlerweile klarte der Himmel restlos auf, ein schöner Tag kündigte sich an und bei Temperaturen merklich jenseits von -10°C litten die alten ersten Fingerglieder nach nun einigen leichten Erfrierungen sehr und bedurften wiederholten Schüttelns zur künstlich erzeugten Durchblutung.

Stefan bereits im oberen Teil des jungen Lärchenwalds

Am Tuxersteig fasste der Verfasser mit seinem fortgeschrittenen Alter endlich den Entschluss der Natur nachzugeben und erweitert kältegerechte Kleidung zu kaufen, Fäustlinge, die er bis dato Kindern und Frauen zugeschrieben hatte.

hier ein Blick über das Klamml zum Tettensgrat; sichere Verhältnisse sollten aufgrund der Hangneigung vorherrschen

Der Aufstieg über den Tuxersteig erfolgt im lichten Lärchenwald mit altem Baumbestand gemischt mit der edlen Zirbe, der weiter oben ausdünnt. Mit einigen Serpentinen, vorbei an bereits ausgeschnittenem Windwurf kämpften wir uns über den schönen Rücken hinauf. Die kurze Steilpassage vor der Mündung des alten Steiges in die neu angelegte Radlstrecke erforderte etwas Akrobatik, da dort eine direkte Linie an und über der Haftungsgrenze der Felle bewältigt werden muß.

Beginn der Querung in die flacheren Teile der Mulde von Tettensbrunn

Anschließend fanden wir einen genussvollen Anstieg über die Steilfläche zur Baumgrenze vor, bevor die nicht zu unterschätzende Querung zum Hochtal, aufgrund der Hangneigung, unter den steilen Hängen des Tettensgrates (Klamml) zu absolvieren war.

Ende der Querung, Ankunft im flacheren Teil

Mit den letzten jungen Lärchen – alleine über den Baumbestand ist die Heimsuchung des Hangs durch Lawinen erkennbar – setzten wir auf etwa 2.100 m über in das durchgehend mäßig steile Hochtal zum Tuxer Joch. Unter mäßig steil ist hiermit, im Sprachgebrauch der Schitourenbeschreibung, eine Hangneigung unter 35° zu verstehen. Von Beginn des Tals bis zum Joch werden auf gut 700 m immerhin 240 Hm zurückgelegt, welche einer durchschnittlichen Neigung von 18° entsprechen.

es geht in der Mulde flacher Richtung Tuxer Joch weiter

Im Blick rechts nach oben treten vom Saum des Horizontes immer wieder interessante Mulden ins Blickfeld, die bei der Abfahrt oben zu denken geben, ob sie nicht fahrbar wären und die auf der Karte interessanteste, die Langgrube, oder Longgruabe, von den Böden unterhalb der Frauenwand hinab zur Schäferhütte, bleibt dem Blick der Begehung vorbehalten. Sie befindet sich südlich hinter dem Tettensgrat und erweckte bei der Tourvorbereitung bereits das Interesse des Verfassers.

Stefan quert in der Tiefe herüber

Gegen das Tuxer Joch hin tritt nordseitig die imposante Hornspitze mehr und mehr dem Blickfeld zutage. Die Besonderheit ihrer erhabenen Gestalt, die der Winter mit den Eigenschaften von Schnee hervorzaubert, kommt durch den scharfen Kontrast der Farbgegensätze von Schnee und Fels zu eindrucksvoller Geltung und besteht aus dem Baumaterial Kalkphyllit.  Das Baumaterial der Hornspitze findet sich nicht mehr auf dem weiteren Routenverlauf zur Frauenwand.

Aufstieg zum Tuxer Joch

Tettens, vom Joch aus im Rückblick westwärts gesehen, liegt eindrucksvoll an der Alpengrenze. Rechts der Norden der Tuxer, links im Süden die Zillertaler Alpen und diese, zum Gipfel der Weißen Wand (auch Ramspitz, Ramskopf) hin, zunächst von gezähmter Natur, eher leichte Mulden und niedere Kuppen denn blockig ungestüm aufragende Formen des Kristallin des Tuxer Hauptkamms, die weiter im Süden aufragen.

Rückblick nach Tettensbrunn

Die hochflächenartige Ausbildung – in der Flurbezeichnung wird sie auch „Böden“ genannt – bleibt auf der Reststrecke im Aufstieg zur Frauenwand bestehen und dadurch mutet diese Gegend so völlig anders an als man sie erwarten würde.

beeindruckend – Hornspitze im Norden des Tuxer Jochs

Das Geheimnis der Landschaftsformen liegt – wie könnte es anders sein – in den Eigenschaften des Gesteins. Die  Topographie über die letzten 200 Hm zur Frauenwand ist geprägt von verschiedenen Phylliten (Schwarzphyllite, quarzreiche Phyllite).

weiter über die sanften südlichen Hänge vom Tuxer Joch

Die restliche Strecke beträgt etwa einen Kilometer, wobei ein sehr kurzes Stück im Hintertuxer Schigebiet liegt  und das Einflussgebiet der 4er-Sesselbahn Tuxerjoch tangiert wird (präpariert, jedoch mit Alpinschi nicht erreichbar) und Pistenmarkierungen die Schigebietsgrenzen ausweisen.

eher flacher Aufstieg nahe dem Schigebiet Hintertux

Im Anstieg vom Tuxer Joch auf die Hochfläche zeigten sich klarer weise typische abgeblasene hartgepresste Rücken und Kuppen im Einflussbereich des Jochwindes, die einer weichen Schneeoberfläche auf der Hochfläche weichten und einen angenehmen Aufstieg zur bald sichtbar werdenden Frauenwand boten.

unter einer Rippe am Weg wird gequert

Am Weg zur Frauenwand könnte der um knapp 100 m niedrigere Gipfel der Weißen Wand mit wenig Zeitaufwand mitgenommen werden, wobei ein nochmaliges Auffellen in der Verbindung beider Gipfel, für nur etwa 50 Hm, vonnöten wäre. Angesichts der harschen Temperaturen unterließen wir diese kleine Ausweitung.

Herwig zur dem Gipfel der Weißen Wand

Im Halbkreis über die Böden näherten wir uns der runden Kuppe der Frauenwand mit dem Mini Gipfelkreuz in der Ostflanke und der separaten Gipfelbuchschachtel. Nach Westen hin fällt die Frauenwand mit senkrechter Flanke ab, was möglicherweise die Ursache für die ungewöhnliche Aufstellung des Gipfelkreuzes darstellt.

über die Böden zur abgerundeten Frauenwand

Der schöne Blick auf den Kleinen Kaserer, der im Grat zum Olperer das höchste sichtbare Ziel wäre und auf den Olperer blieb uns verwehrt, eine hartnäckige Nebelbank hielt beide Ziele unter Sichtverschluss.

tiefste Stelle am Grat, hier führt der Sommerweg zum Kaserer Schartl hinunter

In der Südostflanke fanden wir ein windgeschütztes Plätzchen zwischen den zerrissenen Kalkmarmorblöcken, die altersmäßig nicht mit jenen der Schöberspitzen zusammenhängen.

letzte Aufstiegsmeter im Rückblick

Die Gipfelrast fiel durch die unangenehme Kälte mit dem leichten Wind aus Nordwest relativ kurz aus und blad traten wir die Abfahrt an.

Stefan auf der Frauenwand

Für die Abfahrt, die mehr oder weniger entlang der Aufstiegsroute erfolgt, kam uns eine wahrscheinlich interessante Variante in den Sinn.

und finden diese im Kalkmarmorteil des Gipfels der Frauenwand

Es sollte möglich sein von den Böden über eine breite Mulde südlich des Tettensgrates, über die sogenannte „Longgruabe“ zur Schaferhütte abfahren zu können. Von der Hütte aus müßte man in den Lärchenwald der Tettensgrube queren können.

Blick Richtung der Abfahrtsalternative in die Longgruabe

Weil allerdings an diesem Tag die LWS III ausgegeben wurde unterließen wir die Erkundung, sie dürfte im Spätwinter eine interessante Alternative zu den flachen Böden hinab zum Tuxer Joch sein.

bereits unten nach Tettensbrunn

Wir  fuhren also in fast direkter Linie über kupiertes Gelände Richtung Tuxer Joch ab und bogen kurz vorher über eine steilere Rinne nach Tettensbrunn hinab. Die zweite Abfahrtsvariante, die Hänge vom Hocheck hinab, umgingen wir somit ebenfalls.

Den schönsten Teil der Abfahrt genossen wir im unteren Teil der Tettensmulde, in der wir tollen Pulverschnee vorfanden. Hier ein kleines Video davon und vom untersten Teil der Abfahrt durch den Lärchenwald.

Abfahrt über die Querung

 

Der steile Waldabschnitt war unter Tiefschneebedingungen ebenfalls ein tolles Erlebnis, wenn auch recht anstrengend.

Herwig im Tiefschnee

In der Tettensgrube wechselten wir auf die andere Talseite, die weitgehend baumfrei ist und dadurch angenehmer zu befahren.

Rückblick nach dem Überwechseln über den Tettensbach

Abschließend querten wir über eine schmale Brücke den Kaserer Bach auf die orographisch linke Seite des Kaserer Winkel über die es sich nicht irgendwie besser aus dem Tal ausfahren ließ, als wären wir unseren Spuren auf der rechten Talseite gefolgt.

auf der linken Talseite nach der schmalen Brücke

Kurz vor dem Gasthaus, auf den letzten 600 m Strecke bis zum Parkplatz mußten wir die Schi teilweise tragen, um die kleinen Höhenunterschiede  zu bewältigen.

Idylle im Kaserer Winkel – die Zeit ist dort glücklicherweise ein bisschen stehengeblieben

Mit 4:09 Stunden, incl. 25 min Aufenthalt am Gipfel absolvierten wir die wenig begangene kurze Schitour auf die Frauenwand. Der gesamte Aufstieg beträgt knapp 1.000 Hm und die Streckenlänge bis zum Gipfel etwa 5,4 km.

Mils, 30.12.2020

Schitour Sumpfkopf, 2.342m

Für eisig kalte Hochwintertage stellt der Sumpfkopf im vorderen Schmirntal eine sonnige Alternative dar und durch die Hangneigung, die durchwegs unter 35° bleibt, ebenso bei erhöhter Lawinenwarnstufe. Allerdings ist gut zu wissen, daß der Sumpfkopf dem Föhn gegenüber in ziemlich exponierter Lage steht, was vor allem nach dem Erreichen des langen Aufstiegsrückens zum Gipfel spürbar werden kann.

kurz vor dem Gipfel am Sumpfkopf

Die Schitour auf den Sumpfkopf wird von einem Parkplatz (1.557 m) vor einem Gehöft bei einer Linkskurve, gut 300 m vor dem ehemaligen Gasthaus Edelraute gestartet. Eine längere Variante beginnt beim Parkplatz Schmirn Leite in St. Jodok, etwa auf 1.140 m, die den Nachteil hat, daß lange auf, oder neben der Straße aufgestiegen werden muß. Sie wird hier nicht beschrieben.

einige Meter vom Parkplatz zum Aufstiegshang

Um den Parkplatz vor der Edelraute zu erreichen, muß im Ortsteil Aue auf der Schmirntalstraße links, Richtung Rohrach, abgebogen und etwa 500m talauswärts gefahren werden, bis die Straße zur Edelraute rechts abzweigt. Ein „Kettenpflicht“ Schild mit der Ausnahme allradgetriebener, bergwärts fahrender Fahrzeuge befindet sich am Beginn der Straße. Mit einer geschätzten Kapazität des Parkplatzes von zehn bis zwölf Fahrzeugen bei sparsamer Belegung und sorgfältiger Räumung empfiehlt sich eine frühe Anreise.

am Hang vor dem Weg in den Wald

Vorbei am Gehöft, wenige Meter hinter der Kurve erfolgt der Aufstieg bereits mit Schi. Ein kurzer freier Hang wird mit wenigen Richtungswechseln hinten gelassen, bevor einem Forstweg gefolgt wird, der östlich in den Wald eintaucht und mit mäßiger Steigung über gut zehn Minuten eine Kehre erreicht.

Rückblick auf die kalte Talseite (Bildmitte Parkplatz auf die Ottenspitze)

Selbst im späten Dezember erreichen diesen Waldweg bereits gegen halb zehn Uhr erste Sonnenstrahlen und ab der Kehre findet die gesamte weitere Schitour unter Sonne statt, die in den Hängen oberhalb des Weges selbst im Hochwinter beeindruckend Energie spendet.

am Weg in den Wald

Weiter wird dem Forstweg etwa 20 min bis zur nächsten Kehre durch den dichten Wald gefolgt, durch den man – von der Kehre aus – eventuell sogar eine Abfahrt finden könnte. Wir entdeckten aber keine Spuren und ließen auch bei der Abfahrt das Abenteuer aus, eine Passage zu finden.

bei der ersten Kehre

Wenige weitere Minuten nach der Kehre öffnen sich bergwärts tolle freie Hänge mit vereinzelten Baumgruppen in mäßig steilem Gelände unter 35°, die bei geeigneter Wahl der Kuppierungen großteils an Stellen unter 30° begangen werden können (siehe TIRIS Geländekarte mit Neigungsfarben).

ober den Bäumen Aufstiegsgelände zum Bergrücken

Der Beginn der Hänge führt vorbei an einer östlich vom Aufstieg liegenden Jagdhütte mit links liegenden kleinen Lawinenrutschungen im steileren Gelände, die im Zusammenhang mit den Schneefällen der vorangegangenen Tage und dem Altschneeproblem des Spätherbstes zu sehen waren.

Aufstieg über herrliche Wiesen; im Hintergrund bereits das Ziel sichtbar

Weiter oben auf den Hängen verdichtet sich der Baumbewuchs ein wenig und eine Flachstelle leitet in den oberen Teil der Hänge zum Bergrücken über. Bei dieser idealen Stelle für eine Trinkpause kann das Panorama der Brennerberge genossen werden.

auch steilere Passagen kommen vor, die aber umgangen werden können; hier ein Rutscher aufgrund vom Altschneeproblem

Im obersten, letzten Teil der Hänge mußten wir, nachdem bisher keinerlei Wind zu spüren war, plötzlich föhnige Böen aus Südost feststellen, die sich zum breiten Rücken hin zum dauerhafte blasenden Wind entwickelten, der uns die rechte Gesichtshälfte lahmlegte und damit zu Windschutzkleidung  zwang.

Herwig und Andrea mit bester Laune

Die bisher durchgehend noch eher unverdichtete, jedoch nicht mehr pulverige Schneedecke weichte am Bergrücken stark abgeblasenen Wiesenpolstern an den leisesten Kuppen. Die Flächen zwischen den Kuppen waren windgepresst harschig zu begehen.

am Übergang – die Windarbeit bereits am Untergrund sichtbar

Am Gegenhang im Norden allerdings erwies sich weniger stark windbeeinflusste Verhältnisse  und am Aufstieg zur Gratkante fanden wir wieder weichere Oberflächen vor, allerdings nun versetzt mit Triebschnee.

am Bergrücken vom Hochgeneiner Joch zum Sumpfkopf

Am Grat, dem Weidezaun entlang, bis zum Gipfelkreuz, das sich noch eine Weile hinzieht, herrschten dann wieder dieselben windbeeinflussten Verhältnisse wie bei Erreichen des Gratrückens.

der Rücken zieht sich lange dahin bevor die Grathöhe erreicht wird

Das Gipfelkreuz am Sumpfkopf befindet sich auf der südlich vorgelagerten Gratkante, etwa 30 Hm tiefer als die geodätisch höchste Erhebung im Grat. Nicht verwunderlich, da es ja vom Schmirntal aus sichtbar sein soll und das wäre der geodätische Gipfel nicht.

tolle Fernblicke zum Tuxer Hauptkamm mit dem Olperer

Vom direkten Grat wird es über eine Geländemulde erreicht und bietet einen phantastischen Überblick über das Schmirntal und die aufstrebenden Gipfel der Zillertaler Alpen, die auf der Talgegenseite im Schmirn beginnen.

am Zaun am Grat entlang

Viele der schönsten Schitouren aus dem Schmirntal liegen direkt vor dem Auge des Betrachters. Ganz links im Osten beginnt der Reigen mit dem Fischers Napf (Napfenspitze), vom Kaserer Winkel aus türmt sich der Kleiner Kaserer auf, über dessen Nordflanke eine beeindruckend schöne und rassige Schitour führt und im Blick nach Südwesten vor diesem – nahezu Dreitausender – befinden sich die Schöberspitzen, die wir tags zuvor bei Eiseskälte auf der Nordseite bestiegen.

Herwig und Andrea am Sumpfkopf, 2.342m

Die beiden kleinen Ziele Hoher Napf und Rauer Kopf schließen an den bestechend schönen Gipfel der Hogerspitze (Hohe Warte) an, bevor deren Westgrat die Erhebungen der Gammerspitze, der Riepenspitze und der niedrigsten im Grat, der Ottenspitze trägt. Ein gewaltiges Panorama alleine auf der Südseite im Schmirn.

phantastischer Blick ins hintere Schmirntal mit den Schöberspitzen und dem Kleinen Kaserer im rechten Bilddrittel

Im parallelen Grat des südlichen Valsertals erblickt das versierte Auge den Kluppen, der eine phantastische Frühjahrsschitour bietet. Weiter westliche im Grat folgt der Kraxentrager mit dem nördlich vorgelagerten Sumpfschartl, der noch nördlicher gelegenen Saxalmwand und schlussendlich, am Teilgrat zum Brenner hin Silleskogel, Vennspitze und Padauner Berg. Die Gipfelpyramide des Wolfendorn bildet den Abschluss des Nordtiroler Teils der Zillertaler Alpen.

Hogerspitze, Hoher Napf, Rauer Kopf, Gammerspitze und Riepenspitze im südlichen Schmirn vereint

Im offenen Südwesten befinden sich die landschaftlich schönen und einfachen Schitouren auf Niedererberg und Fradersteller, die Allerleigrubenspitze und Hoher Lorenzen, sowie die beeindruckende Tour auf den Obernberger Tribulaun.

(direkt beim Seil beginnend) Kluppen, Kraxentrager, Sumpfschartl, Saxalmwand, Silleskogel, Vennspitze, Padauner Berg und der schöne Spitz des Wolfendorns

Weiter nach Westen gedreht, auch vom Obernbergtal aus finden sich Muttenkopf, Rötenspitze und der Leitnerberg. Ganz im Westen, vom Gschnitztal aus fällt der Blick auf den Padasterkogel, die Kesselspitze und die Peilspitze.

im Südwesten: Niedererberg, Fradersteller, Allerleigrubenspitze, Hoher Lorenzen, Obernberger Tribulaun

Im Grat weiter gegen Osten befindet sich Schafseitenspitze, die vom Navistal aus begangen wird und eine schöne Schitour mit einem rassigen Gratkopf, der überschritten wird, darstellt. Ihre Nordabfahrt bleibt meist lange nach Neuschneefall pulverig.

Obernbergtal mit: Muttenkopf, Rötenspitze, Leitnerberg. Padasterkogel, Kesselspitze, Peilspitze

Zur Rast an dem kalten windigen Tag wählten wir eine vermeintlich geschützte Stelle in der Mulde zum geodätischen Gipfel, die aber nicht bot was wir glaubten zu finden. So fiel die Gipfelrast kurz aus und bestand im Wesentlichen aus der Einnahme von Höhenmedizin und ein paar Minuten den Blick schweifen lassen.

Bei der Abfahrt über den langgezogenen Nordhang des Sumpfkopfes hielten wir uns weit tiefer als im Aufstieg mit dem Vorteil, daß sich die Schneequalität dort merklich besser erwies und Schwünge ohne viel Kraftaufwand zuließ.

letzter Teil des freien Hangs oberhalb dem Forstweg

Über den abgeblasenen Rücken mußten wir durch die Grasbüschel hindurch zirkeln, bevor das Gustostück, die schön kupierten Hänge hinab zur Forstweg in Angriff genommen werden konnten.

letzte Schwünge hinab zum Weg

Mit Freude starteten wir die Talfahrt auf einer bereits fortgeschritten umgewandelten und verfestigten Schneeoberfläche die erhöhten Kraftaufwand beim Schwung erforderte. Pulverbedingungen auf Südhängen haben eben eine kurze Halbwertszeit. Insgesamt jedoch, das Erlebnis über den schön besonnten Hang hinab und die Landschaft bewertet, blieb ein empfehlenswerter Eindruck vom Herzstück der kurzen Schitour auf den Sumpfkopf.

unterer Hang bei der Edelraute

Sofern man keine Abenteuer durch den Wald eingehen möchte, besteht die restliche Abfahrt aus dem Forstweg, auf dem aufgestiegen wurde. Reizen würde die Erkundung der ausgeholzten Fläche unterhalb der letzten Kehre im Aufstiegssinne aber schon. Sie müßte direkt auf die erste große frei Fläche des Aufstiegs führen. Ein nächstes Mal gibt es die Muse dafür.

mit den letzten weiten Schwüngen

In 3:10 Stunden, incl. etwa 20 min Aufenthalt am Gipfel absolvierten wir die nette kurze Schitour auf den Sumpfkopf. Der gesamte Aufstieg beträgt knapp 800 Hm und die Streckenlänge bis zum Gipfel etwa 4 km.

Mils, 27.12.2020

Schitour Schöberspitzen, 2.602 m

Die beiden Spitzen werden in der Literatur im Verein genannt, wobei alpinistisch die nordwestliche, mit 2.580 m niedrigere Spitze erstiegen wird, so auch im Winter als Schitour.
Im beginnenden Wildlahnertal von Toldern im Innerschmirn aus steigt man über mittelsteile Wiesen und einem kurzen Waldstück in ein weites unbewachsenes Hochtal ein, das in einem Sattel endet, über den der Sommeraufstieg zum Ramsgrubner See führt. Beim Winteraufstieg wird ein gutes Stück vorher abgezweigt und der See rechts umgangen. Das schönste Stück ist der Nordosthang zur Scharte und der kurze steile Gipfelaufbau.

Gipfelkreuz Schöberspitzen

Ausgangspunkt der ansprechenden Schitour bildet der Parkplatz am Beginn des Wildlahnertals auf 1.530 m. Am linken Hang führt ein Almenweg zu den Almhütten, der bald verlassen wird.

tolle Lichtspiele über dem Wildlahnertal

Bald taucht man in eine auffällige, seichte Senke ein, die ihren Ursprung weit oben hat und aufgrund des fehlenden Bewuchses somit als ein Lawinenstrich erkannt wird. Als Zeichen für die Richtigkeit dieses ersten Gedankens beim Blick nach oben sind weder Almhütten, noch signifikanter Baumbestand zu finden.

unterer Teil des Lawinenstrichs vom Riepenkopf

Über diese Senke wird mit ein paar Serpentinen das kurze Waldstück mit dem tief eingeschnittenen Sommerweg erreicht.

Querung Richtung Wald

Im unteren Teil im Wald ist der Sommerweg so tief eingeschnitten und teilweise mit Windbruch verlegt, daß sein talseitiger Begrenzungswall den leichtesten Aufstieg bildet und sich auf dem Buckel einige kurze Richtungswechsel ergeben, die in der Begehung unangenehm sein können, aber kurz ausfallen.

Beginn kurzes Waldstück

Das sich bald lichtende Waldstück leitet über auf eine steilen Hang, der von wenigen Lärchen gesäumt wird und auf dem die Baumgrenze rasch erreicht wird.

Waldstück oberer Teil

Auf Höhe einer vereinzelten hohen Lärche am Weg, etwa auf 2.030 m, vor Querung einer leichten Rippe in die sogenannte Ramsgruape, tritt die nordwestliche Schöberspitze, jene die das Gipfelkreuz trägt, erstmals in voller Größe ins Blickfeld.

Stefan nach dem Wald, im Hintergrund Hoher Kopf und Napf

Gleichzeitig wird nach der Rippe der Blick bis in die hinterste ansteigende Ramsgruape frei an der sich die Einsattelung zwischen der nördlichen Schönlahnerspitze und den Schöberspitzen befindet, hinter der das Tal des Kaserer Winkel abfällt. Auf diese Einsattelung führt der Sommerweg, die Schitour zweigt vorher ab.

der Blick auf das Gipfelziel freigegeben

Einige Minuten wird in der Ramsgruape aufgestiegen, bis sie recht flach wird und nach weiteren zehn Minuten an einen Hang zur Rechten heranführt. Der Hang stellt den Abzweigepunkt vom Sommerweg dar, er wird in Serpentinen aufgestiegen.

Aufstieg in die Ramsgruape hinein

An dieser Stelle überholten uns zwei Kollegen, die die Tour gut kannten und Franz die Spur ab dem Hang zog.

im flachen Teil der Ramsgruape

Der frische Tiefschnee fiel tags zuvor unter signifikantem Windeinfluß, weshalb wir in Abständen hinter Franz aufstiegen. Die Route kann in diesem Gelände günstig gelegt werden, sodaß keine Neigungen mit 35°, oder steiler, begangen werden müssen.

nach dem Abzweig vom Sommerweg auf den Hang zum Ramsgrubner See

Den Windeinfluß vom Vortag spürten wir an den Neigungswechseln durch dünenartige Wechten im Lee mit windgepressten schneearmen Luvseiten sehr eindrucksvoll.

Sattel zwischen Schönlahnerspitze und Ramsgrubner See

Zum Ramsgrubner See hinauf verflacht das Gelände wieder und die Kuppe erwies sich sehr windgepresst bis zum nahen See auf 2.360 m hin, der in etwa in 100 m Entfernung linker Hand liegt und der durch den Richtungswechsel zum Aufstieg auf den Gipfelhang hin liegen gelassen wird.

Aufstieg im unteren Teil des Nordhangs zum Gipfel

Der Gipfelhang führt über mäßig steiles bis steiles Gelände auf die Scharte zwischen die Schöberspitzen.

der Gipfelaufbau bereits sichtbar, Franz spurt

Die Routenwahl kann unter größtmöglicher Vermeidung von steilem Gelände erfolgen, wobei etwa mittig im Nordhang eine kurze Stufe um 35° nicht vermieden werden kann, Franz sie aber ausgeklügelt spurte.

die Gruppen mit Abstand nachfolgend

Ein bis zu den Berggräsern abgeblasener Schartenbereich in Verbindung mit einem schneidig kalten Wind erwartete uns nach dem schattigen Nordaufstieg.

Gipfelhang oberer Teil

Der Franz spurte unbeeindruckt die steile Südflanke der Gipfelrippe auf den breiten Rücken der Schöberspitze.

Aufstieg im Rückblick

Die Spur legte er in guter Kenntnis entlang des unsichtbaren Sommerwegs leicht steigend auf den Rücken an, auf dem man, mit wenigen Spitzkehren sowie die letzten Meter in direkter Linie, in ein paar Minuten den Gipfel erreicht.

Querung Südflanke der nordwestlichen Schöberspitze

Die Schöberspitzen stehen zwar im Schatten des um knapp 500 Hm mächtigeren Kleiner Kaserer in der Gratkette zum Olperer hin die dominante Position einnimmt, der Rundblick beeindruckt trotzdem.

Anstieg auf dem Gipfelrücken

Mit der geringen Entfernung von knapp 2 km verdeckt er den Ausblick von den Schöberspitzen gegen Südosten, der mit 3,7 km in fast doppelter Entfernung liegende, südlichere und knapp 900m höhere Olperer ist mit seiner charakteristischen bauchigen Eiswand der Nordflanke in voller Pracht zu bestaunen.

links der Olperer, Fußstein, Schrammacher und rechts die Sagwandspitze

Weit reicht die Sicht gegen den Norden der Zillertaler Alpen und die folgenden Entfernungsangaben beziehen sich auf die Lage des nordwestlichen Gipfels mit dem Gipfelkreuz, nicht aber auf die Gipfelmarkierung der südöstlichen der Schöberspitzen im Kartenwerk!

Hohe Warte (Hoger) auf der Talgegenseite

Der Gipfelspitz der Hohe Warte (einheimisch: Hoger), mit 2,9 km Entfernung im Südwesten und mit den Stubaier Alpen im Hintergrund gelegen, bietet eine eindrucksvolle Landmarke.

Blick in die Tuxer: Hornspitze mit Nebelkrause und links der Lizumer Reckner

Eher  im ganz Norden als bedeutend östlich liegt der markante Grenzberg zwischen Tuxer und Zillertaler Alpen, die Hornspitze, in 3,2 km Entfernung und links davon, mit einer Distanz von knapp 7,7 km zu den Schöberspitzen erhebt sich deutlich der Lizumer Reckner, der höchste der Tuxer.

Talblick auf den Aufstieg in der Ramsgruapn

Die Abfahrt von den Schöberspitzen erfolgt direkt vom Gipfel, oder falls die Strecke an der Südflanke des Gipfelhangs rechts der Scharte ausgeapert ist, vom Schidepot in der Scharte entlang des Aufstiegs über den Nordhang hinab, bei unserer Begehung durch extrem tiefen Pulverschnee, großteils als eingewehter Triebschnee.

staubige Abfahrt durch über den Nordhang

Nach der Flachstelle westlich vom Ramsgrubner See entlang dem Aufstieg gibt es zwei Möglichkeiten:

Abfahrt in die Ramsgruape bei besten Verhältnissen

Kenner wie der Franz und sein Tourenkamerad nahmen die direkte Linie durch eine sich verbreiternde Mulde, Ramstal genannt, die auch im unteren Waldbereich die Normalabfahrt darstellt.

Ramstal nach oben geblickt

Andere bevorzugen die Beibehaltung der Aufstiegsroute zur Abfahrt in die Ramsgruape, die durch eine mächtige Rippe vom Ramstal getrennt im Norden davon liegt.

die Ramsgruape in ihrer vollen Pracht

Letztere Abfahrt ist die flachere und sonnigere und mündet beim Erreichen der Baumgrenze wieder in das untere Ramstal ein, bevor der Ramsbacheinschnitt diese Seite wenig erstrebenswert befahrbar werden läßt.

Herwig im unteren Teil der Ramsgruape

Über die Aufstiegsroute fanden wir beste Verhältnisse in Pulverschnee und wenig verspurtes Gelände vor, das die große Gruppe, die bereits früher den Gipfel verließ, vorzeichnete. Dieser Teil der Abfahrt ist speziell im Frühwinter der sonnigste. Die schönsten Hänge sind wohl auch dort zu finden.

hinab und links ins Ramstal

Über diese Hänge und an der flachen Stelle in der Ramsgruape konnten wir nicht widerstehen die Verhältnisse in der bärigen Landschaft filmisch festzuhalten.

Allmählich, während der Abfahrt verdichtet sich beim Queren in das untere Ramstal der Lärchenwald zum richtigen Waldgürtel mit Fichten und Tannen, durch die sich eine schmale Schneise mit Staudenbewuchs ausbildet.

weiter links haltend im unteren Ramstal

Bei unserer Befahrung im Tiefschnee erwies sich das Umrunden der Staudenbüschel als leicht fahrbar, bei Altschnee- oder Bruchharschverhältnissen dürfte sich die steile Passage eher anstrengend erweisen.

von oben links kommt man aus der Ramsgruape

Anschließend folgt eine kurze freie Fläche, oberer Ramser genannt, die sich etwa 100 Hm dahinzieht und sich abermals zu einem dichteren Bewuchs mit nun dichtem jungem Baumbestand und Staudenwerk verjüngt.

schmale steile Passage durch Staudenwerk

In diesem Hinderniswald gibt es nur schmale Durchschlupfe, die im steilen Teil die Abfahrt zur schweißtreibenden Angelegenheit mit rascher Reaktionsnotwendigkeit werden läßt. Eine lustige abschließende Prüfung des Tourenfreunds.

am oberen Ramser

Direkt neben dem Ramsbach endet die Abfahrt durch das gleichnamige Tal an der Mündung zum Wildlahnertal, am Weg zu den Almen auf der orografisch rechten Seite des Wildlahnertals. Der Weg führt direkt zum Ausgangspunkt zurück, wobei man den Bach zweimal queren, oder auf der rechten Seite bleiben kann.

Talblick vom oberen Ramser

In beiden Fällen gibt es eine kurze Schiebestrecke und wer diese unter allen Umständen zu vermeiden versucht erlebt direkt am Bach je nach Schneelage eine kurze Heeresgrundausbildung durch das Unterholz.

Rückblick auf die Abfahrt durch die dichten Waldpassagen

Die Abfahrt von der Ramsgruape kann auch am Aufstiegsweg erfolgen, womit man sich das untere Ramstal erspart. Bei dieser Variante erfolgt ein kürzerer, flacherer Waldabschnitt als bei unserer Wahl.

unterhalb der dichten Waldabfahrt im unteren Teil des Ramstales

Eine weitere Variante stellt die Abfahrt von der Scharte zur Ochsnerhütte ab, wobei nach der Ochsnerhütte der Verlauf zum nächsten Wegpunkt, einem Almgebäude genau im Süden der Ochsnerhütte mit der Bezeichnung „Felixners Oberalmstadl“ (Flurbezeichnungen TIRIS) schwierig ist. Nach diesem Wendepunkt führt die Abfahrt genau westlich hinab ins Wildlahnertal. Eine direkte Abfahrt von der Ochsnerhütte erfordert wegen schroffiger Abbrüche Geländekenntnis.

im Wildlahnertal angekommen, Ausfahrt am Weg

Die Schitour auf die Schöberspitzen erforderte eine Gesamtzeit von 3:53 Stunden, incl.  einem kurzen kalten Aufenthalt am Gipfel von gut 20 min. Der gesamte Aufstieg beträgt 1.115 m und die Streckenlänge bis zum Gipfel knapp 4 km.

Mils, 26.12.2020

Schitour Lämpermahdspitze, 2.595 m

Mit ihrer Steilflanke auf den Gratrücken des Serleskamms beeindruckt die Lämpermahdspitze spätestens nach dem Durchschreiten der Matreier Grube, nach Ankunft im Karkessel unterhalb des Kalbenjochs beim Blick nach Nordwesten. Bis weit nach oben einzusehen, zieht sich der Steilhang aus dem Karkessel der Lämpermahdspitze entgegen, bzw. auf den Grat, südwestlich vor dem Gipfel. Der Hang erfreut sich durch die südliche Ausrichtung auch im Hochwinter exzellenter Beleuchtung und stellt somit über die letzten 500 Hm eine sonnige Schitour dar, die aufgrund ihrer Steilheit um 40° im Früh- und Hochwinter aber auch wohl geplant sein will.

Lämpermahdspitze, 2.595 m

Für unsere Begehung lag eine denkbar gute Grundeinstufung vor mit Stufe 2 (>2.200 m) und Schwachschichten im Sektor NW bis NO, jedoch mit Schwachschichten in Sonnenhängen >2.300m und schneearmen Stellen, sowie die berühmten Übergänge im kammnahen Bereich (allerdings herrschte in den Tagen zuvor Südwind, d. h. der Gratübergang lag im Luv).

Aufstieg über den Steilhang der Lämpermahdspitze von der Peilspitze aus gesehen (rechter Bildteil)

Ausgangspunkt bildete der geräumte Parkplatz bei der Matreier Ochsenalm von wo sich schon ein recht umfassender Blick über den gesamten unteren Teil des Aufstiegs bietet, sowie auch vom Tagesziel, der Lämpermahdspitze selbst. Leicht abschüssig geht die Reise neben den Loipenspuren los bis in den aufgelockerten Talwald hinein, vor dem die Mulde endet und mit leichter Steigung der Aufstieg beginnt.

Start vom Parkplatz bei der Ochsenalm

Nach 1,8 km und 200 Hm sanftem Anstieg erreichten wir eine steile Rippe, die ein enges Tal ausformte, mit sichtlich steilem Anstieg darüber. In der Meinung, daß der Aufstieg irgendwann auf die südliche Seite – in der wir von der Ochsenalm aus zwei Tourengeher aufsteigen sehen haben – überwechselt, stiegen wir im Couloir auf.

vor der steilen Talstufe in die Matreier Grube

Leider erfolgte kein Wechsel auf die Südseite der Talstufe unterhalb der Matreier Grube, das Gegenteil war der Fall. Die Spuren folgten etwa dem Sommerweg in – zu oberst – sinnloser Steilheit über durch Abfahrtsspuren verdichtete Schneeoberflächen in der Rinne.

rechts nach oben führen die Spuren

Endlich, an einer recht schmal werdenden Stelle im Couloir, querten sie Spuren auf die Begrenzungsrippe hinaus, jedoch nicht auf die erhoffte, sondern auf die nördliche.

auf der Rippe nördlich dem Couloir

Auf der Rippe mußten wir vorsichtig über die Latschen steigen, die sich teilweise durch die noch ungenügend dicke Schneedecke heraus bäumten.

wieder Richtung Süden zur Matreier Grube

Nach wenigen Dutzend Höhenmetern auf der Rippe verflachte die Aufstiegsspur und leitete fast eben auf das entfernte Weidegatter zu, hinter dem sich die Matreier Grube, eine leicht steigende Hochfläche mit nennenswertem Zunternbewuchs, ausbreitet.

in der Matreier Grube angelangt

Die Matreier Grube zieht sich mit durchschnittlich 13° über 240 Hm einen guten Kilometer gegen das Kalbenjoch hin und am Ende des Anstiegs in die Karmulde wird der steile Südhang der Lämpermahdspitze immer besser einsichtbar.

am Weg durch die Matreier Grube

Schattseitig über die gesamte Strecke erfolgte unser Aufstieg ohne Sonne zur Zeit der Wintersonnwende und zum Trost über den kalten thermischen Wind vom Kalbenjoch gereichten uns tolle Blicke auf den südlich gelegenen Grat mit einigen steilen Rinnen, die bereits befahren wurden.

Ende der Matreier Grube

Gegen Ende des Aufstiegs unter das Kalbenjoch blickten wir in einer südlich gerichteten Spitzkehrensequenz die schroffe Nordseite der Peilspitze, einem anderen tollen Tourenziel im so andersartigen Brennermesozoikum inmitten der Stubaier.

erster Blick auf den Südhang der Lämpermahdspitze

Schlussendlich hatten wir den Karkessel erreicht und anhand der Bilder ist auch ersichtlich, daß wir schon weiter unten eher nördlich hätten abzweigen sollen, um direkter an die Südflanke der Lämpermahdspitze heran zusteigen.

im Karkessel angelangt, vor uns der Südhang der Lämpermahdspitze

Andererseits ermöglichte unsere Position übersichtlichere Fotos von der Gesamtszenerie um die Erhebung mit dem seltsamen Namen „Ober der Mauer“ (auf den auch Schitourenbeschreibungen führen und die früher Kamplspitz genannt wurde) bis zur Lämpermahdspitze.

Steilhang der Lämpermahdspitze

Ein paar Minuten über einen Moränenhügel benötigten wir zur Nordquerung, zum Fuße des Südhangs, in dem eine Spur bis hinauf unter die ersten Felsen erkennbar war.

 

Ansicht talauswärts, im Hintergrund die Tuxer Alpen

Gleichzeitig tauchten wir in die sehr erwünschte Sonne ein, die weiter oben bereits tauenden Effekt auf die teilverfestigte Schneeoberfläche hatte und somit im steilen Gelände für gute Haftung sorgte.

Rückblick auf den Karkessel, im Hintergrund die Peilspitze

Unterhalb des ersten Felstürmchens (2.430 m, im Aufstieg links im Hang) eignet sich ein Schidepot, sollten die Verhältnisse eine weitere Schibegehung nicht zulassen. Wir nutzten die ausgekolkte Flachstelle direkt am Felsfuß als Trinkpause und beschlossen mit Schi weiter zu steigen.

am Weg zum untersten Felsturm

Zwei Kollegen, die bereits bei der Abfahrt waren, als wir unten in den Hang eingestiegen sind, haben anhand der Trittspuren offenbar ab dort ihr Schidepot angelegt.

Herwig am untersten Felsturm angelangt

Das Gelände wird ab dort steiler. Wir schafften den Aufstieg unter Schi bis zum nächsten Felsvorsprung, etwa auf 2.490m und ließen es dort bleiben. Die Schneelage nahm darüber deutlich ab.

die jungen Burschen haben uns überholt

Wir legten im Schutz des Felsvorsprungs das Schidepot an, so wie zwei recht fitte junge Burschen, die uns kurz vor dem Felsvorsprung überholten.

am Felsvorsprung, den wir als Schidepot nutzten

Die letzten 100 m stapften wir zweiter zum Gipfel, wobei die Grathöhe in einem Sattel etwa mittig im Anstieg erreicht wurde, der Hang dorthin seine größte Steilheit erreicht und bei unserer Begehung auf den letzten 25 Hm wenig Schneeüberdeckung zeigte – gut, das Schidepot bereits unterhalb angelegt zu haben.

im Stapfmodus geht es hinter den jungen Kollegen her

Der restliche Gratanstieg zur Lämpermahdspitze erwies sich recht breit und angenehm zu begehen. Es gibt ein paar kleine Stufen, im Wesentlichen steigt man aber auf einer schrägen Ebene zum Gipfelkreuz.

knapp unterhalb des Gratsattels; wie man erkennen kann wenig Schnee unterhalb des Grates

Das Gipfelkreuz auf der Lämpermahdspitze, eine schöne Schmiedeeisenkonstruktion mit einer ebenfalls kunstvoll geschmiedeten Dornenkrone um das Kreuzzentrum herum, beeindruckt weil nicht alltäglich. Das rostige Hufeisen bringt wahrscheinlich Glück, wurde aber sicher nicht vom Erschaffer des Kreuzes geplant, eher nachträglich ergänzt.

am Gratrücken zum Gipfel der Lämpermahdspitze

Der Sockel der Konstruktion trägt den ursprünglichen Bergsteigergruß „Berg Heil“, der mittlerweile nicht mehr allgemein in Gebrauch steht, mit Ausnahme des Handschlags am Gipfel.

bäriges Gipfelkreuz auf der Lämpermahdspitze

Trotz mittlerweile mäßigen Wetters besticht die Aussicht auf der Lämpermahdspitze. Die dolomitisch gebaute Serles im Norden kann wohl nur von diesem Standplatz aus so eindrucksvoll betrachtet werden.

Serles fast genau im Norden

Der Tiefblick auf die Waldrast läßt den unteren Teil der Tour gut erkennen, rechts dahinter der gerade Blick in das Navistal und die hohen Tuxer Gipfel.

Ansicht Bereich von Maria Waldrast mit dem Navistal im Hintergrund

Im Süden erhebt sich die Peilspitze und im Südwesten die Rötenspitze, der Muttenkopf und die Tribulaune, wovon der Obernberger Tribulaun als bäriges Schitourenziel begangen werden kann.

Peilspitze und Zillertaler Alpen im Hintergrund

Die Kesselspitze im Westen bildet die Verbindung im Serleskamm, dessen zweithöchste Erhebung sie nach der Kirchdachspitze sie darstellt. Ihr Gipfelbereich ist geologisch sehr interessant, er wird von roten Liaskalken gebildet.

die Tribulaune im Süden

Einer der Burschen, die uns überholten, nahm die Schi mit auf die Lämpermahdspitze und fuhr über den Grat zum Sattel ab.

majestätische Kesselspitze im Südwesten

Wir beobachteten seine Abfahrt aus der Scharte (über den südlicheren Teil des Hangs) und stellten fest, daß sich die Mühsal die Schi mit auf die Scharte zu nehmen nicht gelohnt hätte.

 

Tiefblick auf den Steilhang vom Gipfel

Um dem zwar nicht starken, aber lästigen Wind zu entgehen beschlossen wir ebenfalls den Gipfel nach Betrachtung der Umgebung zu verlassen und eine kurze Rast beim windstillen Schidepot einzulegen.

Abstieg über den steilsten Abschnitt zum Schidepot

Der Abstieg erwies sich angenehmer als beim Aufstieg erwartet. Mit den Fersen voran stiegen wir sicher zum Felskopf ab von wo die Aussicht diesmal sehr direkt ins malerische Valsertal beeindruckte. Tolle Schitouren können dort unternommen werden, unter anderem die Alpeiner Scharte, die Hohe Kirche, der Kluppen, das Sumpfschartl, die Saxalmwand und der Silleskogel, um die schönsten zu nennen.

herrlicher Ausblick vom Schidepot ins Valsertal; Hintergrund Zillertaler Alpen, von Olperer bis Wolfendorn

Zur Abfahrt sei zu sagen, daß sie für uns an diesem Tag in Ordnung war und sich nach mehreren Tagen ohne Schneefall, sowie viel an Sonnenbestrahlung natürlich keine Pulverabfahrt beschreiben läßt.

Abfahrt über den Steilhang

Der Gewinn am Erlebnis erfolgt im Winter durch den Aufstieg. Im Frühjahr mag das Firnerlebnis die Abfahrt aufwerten.

Schwünge ohne viel Druck

Im unteren Teil querten wir gegen den weniger sonnenbeschienenen Gratrücken Richtung Kalbenjoch wo sich durch etwas weniger Oberflächenverfestigung angenehmere Schwünge ziehen ließen.

Rückblick auf das Schidepot

Durch die Matreier Grube hinaus hielten wir und so südseitig im Tal (also auf der Nordseite der Peilspitze) wie möglich. Schollen und teilweise Rutscher deuteten am Hang auf die Schwachschicht hin, weswegen wir recht defensiv und einzeln abfuhren.

unterhalb dem Aufstieg zur Erhebung „Ober der Mauer“

Ziel war es, nach dem sonderbaren Aufstieg über den Sommerweg die alternative Wintervariante auf der orographisch rechten Talseite zu erkunden.

 

Ausfahrt aus der Matreier Grube – wir hielten uns so hoch wie möglich

Ziel war eine vereinzelte hohe Lärche, hinter deren Geländestufe wir des Morgens die beiden Tourengeher gesichtet hatten. Es gelang trotz des dort vorherrschenden Pulverschnees die Höhe zu halten und den Rücken zu erreichen, hinter dem sich die Talstufe in sichtbar angenehmerer Steigung aufsteigen läßt.

 

zwischen Felstürmchen hindurch auf die große Lärche zu

Es ist bei Betrachtung des dortigen Geländes sogar möglich den Übergang zur Matreier Grube wesentlich weiter unten als an der von uns angefahrenen Stelle zu wählen und somit keinen vermeidbaren Steilanstieg absolvieren zu müssen.

 

Blick über den alternativen (flacheren) Aufstieg im orographisch rechten Teil des Tales

Die Abfahrt durch das flachere Tal wartet zudem noch mit tollem aufgelockertem und kupiertem Waldgelände auf, durch das es sich fein fahren läßt. In unserem Fall war die Schneedecke mit einem bereits dermaßen harten Schmelzharschdeckel, daß unsere Abfahrt schweißtreibend und mit brennenden Oberschenkeln bis hinab zum flacheren Teil ausfiel.

 

Rückblick auf die Matreier Grube

Über den aufgelockerten Wald führt die Tour zur Ochsenalm zurück und etwa zweihundert Meter mußten wir die Schi über den Hauch von Gegenanstieg tragen.

 

Rückblick auf die Tour mit der Lämpermahdspitze im rechten Bildteil

Die Schitour mit dem rassigen Steilaufstieg absolvierten wir in 4:38 Stunden, incl.  etwa 30min Aufenthalt im Schidepot. Der gesamte Aufstieg beträgt 1.075 m und die Streckenlänge bis zum Gipfel knapp weniger als 4,5 km.

Mils, 20.12.2020

 

Schitour Naviser Sonnenspitze, 2.620 m aus dem Wattental

Immer schon keimte während des Verfassers Schitouren im Wattental die Idee auf die Naviser Sonnenspitze vom Roßboden im obersten Mölstal zu besteigen. Die Naviser Sonnenspitze stellt den rassigsten und höchsten Gipfel in der Einrahmung der bärigen Hochplateaulandschaft im Mölstal dar und ist zur Schibesteigung nur bei genügender Schneelage empfehlenswert, da sie über ihren Südhang erfolgt. Bei der Abfahrt besteht keine Notwendigkeit des Wiederauffellens am Ende des Roßbodens.

beide Gipfelkreuze der Naviser Sonnenspitze, 2.620 m

Weiters muß beachtet werden, daß der Schlussteil des Südhangs, zwischen etwa 2.530 m und 2.570  m teilweise Hangneigungen von leicht über 40° erreicht und damit entsprechende Lawinengefahr besteht. Bei unserer Begehung herrschte > 2.200 m LWS 2 und für die Südexposition eine Schwachschicht aus dem Frühwinter erst ab > 3.000 m vor, also ideale Verhältnisse für das Unternehmen.

schöner Felssockel des Gratturms der Naviser Sonnenspitze

Der Anstieg erfolgt vom Parkplatz am Lager Walchen im Wattental und der Aufstieg erfolgt über die Mölstalstraße, die im Winter geräumt wird und neben den Aktivitäten des Truppenübungsplatzes als Rodelbahn dient.

auf der Mölstalstraße kurz nach dem Lager Walchen

Lange zieht sich der Aufstieg über die unteren Almen, bis zur Kehre auf 1.720 m Höhe, bis die Spuren in den Wald führen und ein eher flacher aber landschaftlich reizvoller Aufstieg durch alte Zirben- und Lärchenbestände führt.

Sebastian im tollen Zirbenwald im Mölstal

Gegen Ende des Aufstiegs im Wald, kurz vor dem Hochleger der Mölsalm taucht die Aufstiegsspur aus dem Wald hervor und führt über ein kurzes freies Stück einschleifend auf die Mölstalstraße hinauf.

Rückblick auf den Waldaufstieg

Auf der Freifläche und im weiteren Verlauf der Mölstalstraße bis zum Roßboden empfängt den Begehr im Hochwinter meist ein kräftiger, eiskalter, thermischer Wind talauswärts, der auch bei dieser Begehung die ersten Erfrierungserscheinungen der Saison an den alten Fingern des Verfassers verursachte.

Einmündung Waldweg auf die Mölstalstraße

Dieser Wind hält meist bis über den Roßboden an und verschwindet in der Sonne – daher handelt es sich um Thermik aufgrund von Dichteunterschied, nicht um den klassischen Föhn.

links Naviser Sonnenspitze, rechts Seekarspitze

Entsprechend froh ist der Tourengeher um das Erreichen des Militärhüttchens P22 (865), da ab dort über den Roßboden Sonneneinstrahlung herrscht und der beißend kalte Wind einschläft.

Hochleger der Mölsalm

Querfeldein traten wir den kleinen Höhenverlust von wenigen Metern in die seichte Grube des Roßbodens an und hielten uns eher südwestlich, im Aufstiegssinn links vom Bacheinschnitt. Dort wo der Bach nach Nordwesten umbiegt taten wir das selbe und steuerten in recht gerader Linie den Talschluß mit den großen Felssturzblöcken an, die am Fuß des Aufstiegs zur Südwestkante der Naviser Sonnenspitze liegen.

am Beginn des Roßbodens, wir nehmen die linke Seite des Bachs für den Aufstieg

Der Aufstieg dorthin erfolgt unter leichter Steigung von etwa 10% (100 Hm über 1.000 m Horizontalstrecke). Diese Steigung reicht bei den meisten Schneearten für eine Abfahrt ohne großartiges Anschieben.

im unteren Roßboden

Hätten wir den Roßboden im Aufstieg genauer studiert, dann hätten wir klugerweise die rechte Seite des Bachlaufes für den Aufstieg gewählt, um schon eine Spur für die Abfahrt vorbereitet zu haben. Diese Erkenntnis reifte leider erst beim großräumigen Überblick des Roßbodens bei der späteren Wahl der Abfahrt vom Joch aus.

die Jungen folgen von der Militärhütte nach

Mit sanften Formen steigt der Roßboden gegen das Talende an und nachdem diese Strecke so gut wie nie begangen wird durchquerten wir eine völlig unberührte Hochfläche mit glitzernder Schneedecke. Die einzig erkennbare Spur war jene eines Schneehasen vor dem Anstieg auf das Joch, das nicht das Mölser Joch ist, sondern gut 300 m nordwestlich davon liegt.

Fotomotiv

Der Aufstieg auf das Joch ist ein Nordanstieg mit moderater Steigung < 35° Hangneigung und findet bei LWS 1 oder 2 durch entsprechende Routenwahl ohne wirkliche Lawinengefahr statt.

Aufstieg zum Bodenende

Durch die nordseitige Exposition hatten wir das Vergnügen von Pulverschnee bis zur Kuppe. Auf der Jochhöhe fanden wir natürlich wieder windgepresste Scheeoberflächen vor.

toller Hang, nicht steil

Am Joch angelangt erfreute uns zunächst das atemberaubende Gelände der Tuxer und des großen verschneiten Kessels der Knappenkuchln mit einem gewaltigen Blick im Hintergrund auf die hohen Zillertaler Dreitausender in etwa 15 km Entfernung.

atemberaubende Landschaft am Ende des Mölstals

Wie zu erwarten änderte sich die Schneebeschaffenheit nach Umrundung der Südostkante der Naviser Sonnenspitze drastisch.

gleich nach der Mulde auf das Joch

Durch die Steilheit des Geländes und den stumpferen Sonnenwinkel bildeten sich frühjahrsähnliche Schneeverhältnisse aus und nachdem der letzte Schneefall bereits viele Tage zurücklag hatte sich die Schneedecke teilweise sehr kompakt verfestigt mit oberflächlicher Aufweichung zu feuchtem Altschnee gegen die Mittagszeit hin. Die Bedingungen waren somit günstig, den Steilaufstieg in der Südflanke zu unternehmen.

atemberaubende Landschaft der Tuxer

Mit dem Gipfelkreuz im Blick zirkelten wir unter angenehmer Routenwahl durch die Felssturzblöcke hindurch, bis etwa in 2.460 m Höhe der fast völlig freie Steilaufstieg in Angriff genommen werden konnte.

der Aufstieg über den Südhang beginnt

Auch auf diesem Anstieg war es notwendig die Spur erträglich um die Steinbrocken zu legen, da die Schneehöhe im Steilstück sich noch als dürftig erwies.

zunächst steigen wir über die Ausmuldung weiter nordwestlich

Das steilste Stück im Aufstieg befindet sich unter und links vom markanten Felsvorkopf unterhalb des Gipfelkreuzes auf dem Felsturm.

schönes Aufstiegsgelände

An diesen Stellen erreicht der Aufstieg die Höchstneigung von knapp über 40°. Die Talseite des Vorkopfes ist flach ausgerundet und eignet sich für eine letzte Pause etwa 40 Hm unterhalb des Grates.

die Jugend im unteren Teil des Steilhangs

Wir umrundeten den Vorkopf links über eine schmale Rinne, die mit ein paar Spitzkehren durchstiegen wird und querten auf die Flachstelle auf der Hinterseite des Vorkopfes, um von dort aus die letzten Höhenmeter zum Grat in Angriff zu nehmen.

Sebastian und Manuel beim Spitzkehrentraining

Von der Flachstelle aus bietet sich auch ein toller Blick auf das Gipfelkreuz am Felsturm der Naviser Sonnenspitze.

bereits über der Flachstelle des Felsvorkopfs am Weg zum Gratkamm (schöne Kalkmarmorbänder im Felsturm der Naviser Sonnenspitze

Just die letzten 5 Hm in der Südflanke waren bereits aper und wir mußten die Schi abschnallen, um sie am Grat für die letzten Höhenmeter zum Schidepot zwischen den beiden Gipfelkreuzen wieder zu verwenden.

Manuel und Sebastian auf der Flachstelle des Felsvorkopfs

Der isoliert stehende Felsturm der Naviser Sonnenspitze weist an seinem Fundament markante Schichten von gelbem Kalkmarmor auf, deutlich zu unterscheiden vom Hauptgestein dem grauen Quarzphyllit.

letzte Meter am Südanstieg

Recht spät für die lange Tour erreichten wir gegen 13 Uhr den Gipfel, der uns deshalb allein beschieden war. Etwas früher sind an diesem Tag ein paar Tourengeher von Navis aufgestiegen, wie im Gipfelbuch zu lesen war und allgemein wurde sie in diesem Frühwinter noch wenig bestiegen.

am Gratkamm zum Gipfel der Naviser Sonnenspitze

Vor einer leichten Brise wieder kalten Südwinds suchten wir unterhalb des geodätischen Gipfels zur kurzen Rast Windschatten und entdeckten dabei eine im Notfall komfortable höhlenartige Vertiefung direkt unter dem Gipfelfelsen. An ihrem Mundloch rastet man einigermaßen windgeschützt.

Sebastian und Manuel auf der Naviser Sonnenspitze

Die Abfahrt wählten wir wegen wenig Schnee in der Südflanke über den Normalweg Richtung Naviser Jöchl.

Abfahrt Richtung Naviser Jöchl

Im steilen Bereich mußten wir für 50m Weg die Schi abschnallen und über ein paar apere Felsstellen tragen. Unten auf der ebenen Fläche wendeten wir uns wieder in Richtung Mölsjoch und fuhren mit wenig Höhenverlust östlich zurück zum Südhang an dem wir aufgestiegen sind.

im Steilabschnitt mit kurzem Tragen der Schi

Für die Abfahrt durch die felsigen Hänge unterhalb des Steilhangs benutzten wir die Aufstiegsspur, die wir entsprechend angelegt hatten und langes Überlegen über die beste Route überflüssig werden ließ.

Abfahrt ohne viel Höhenverlust nach Südosten Richtung Joch

Zurück am Joch konnten wir angenehm feststellen, daß die Schi kaum Blessuren erlitten hatten. Die Abfahrt vom Joch auf den Roßboden erfreute uns im oberen Teil mit pulverigem Schnee.

Abfahrt in die Flanke unterhalb der Steilhänge der Naviser Sonnenspitze

Die beste Wahl für eine lange Fahrt mit wenig Gegenanstieg vor der Militärhütte erschien uns in der Querung der Südostflanke der Naviser Sonnenspitze und, den Schwung ausnützend, eine geradlinige Fahrt bis auf den Rücken, der den Mölsbach westlich begrenzt.

der Schwung genügt, um bis zum leichten Buckel zu kommen

Dort hielten wir nochmals an, um die beste Route für wenig Gegenaufstieg zu wählen. Die Begrenzungen des Mölsbachs verebnen sich in diesem unteren Teil und er kann in gerader Linie überfahren werden, um mit Schwung auf die Gegenseite aufzufahren. So blieben uns etwa fünf Meter Höhendifferenz zum Weg und zur weiteren Abfahrt, die mit Tretteln leicht zu überbrücken waren.

gut ausgewählte Abfahrt – ohne Schieben am letzten Buckel angekommen

Somit kann der Roßboden als durchaus attraktives Abfahrtsgelände ohne Gegenanstieg für die Tour angesehen werden und möglicherweise hätten wir in der Aufstiegsspur eine genügend feste Spur gehabt, um die fehlenden fünf Meter Gegenaufstieg mit der Fahrtenergie zu überwinden.

die letzten fünf Meter am Gegenhang zu Tretteln

Die restliche Ausfahrt aus dem Mölstal unternahmen wir großteils auf der Rodelbahn.

schöne Abschlußansicht bei der Ausfahrt aus dem Mölstal – rechts die Naviser Sonnenspitze

Für die schöne Tour mit rassigem Steilaufstieg benötigten wir 5:30 Stunden, incl.  etwa 35min Gipfelaufenthalt. Der gesamte Aufstieg beträgt 1.225 m und die Streckenlänge bis zum Gipfel etwa 8,5 km.

Mils, 19.12.2020

Grünstein, 2.661 m – Überschreitung von Grünsteinscharte

Markant vom Inntal und dem Mittelgebirge aus gesehen, bestimmt der Grünstein das Westende der hohen, zusammenhängenden Gipfel in der Mieminger Kette. Nach Westen hin trennt ihn – von seinem Gipfelkreuz hinabgeblickt – der 900 Hm tiefe Einschnitt des Marienbergjochs vom Wannig, dem letzten Gipfel der Mieminger, bevor die Kette der Deckenüberschiebung ihre ferne Fortsetzung in der mächtigen Heiterwand im Westen findet.

Abstieg zum ersten leichten Gratköpfl

Als Bergtour über den Normalweg vom Hölltörl aus, durch das Riffeltal, mag der Grünstein als eine wenig attraktiv zu ersteigende Schottergrube erscheinen, der Aufstieg auf den Ostgrat aus der Grünsteinscharte ist geologisch interessant, bergsteigerisch mäßig, jedoch schön. Der Grat selber (ab Pkt 2.475m) ist einfach zu begehen, bietet wenig bergsteigerische Höhepunkte oder Herausforderungen und wird großteils eher als Gratrücken empfunden.

Grünstein Ostgrat und Gipfel von Locherboden aus (Vordergrund Wankspitze)

Beim Aufstieg auf den Grat warten mit einem geologischen Einschub in den sonst so monotonen ungebankten Wettersteinkalk interessante Besonderheiten.
Diese beginnen in der obersten Höllreise, knapp unterhalb des schluchtartigen Einschnitts auf den Grünstein Ostgrat, der westlich der Grünsteinscharte eine sonderbare topografische Form für einen von einer Scharte ausgehenden Grat bildet. Das Geheimnis der von unten nicht zu überblickenden unerwarteten Erscheinung ist leicht erklärt – der Hauptgrat biegt bereits weiter westlich nach Norden um wobei die massive Grünsteinschuppe1 eine Art Südsporn ausbildet, der einen talbildenden Kerbriss gegen die Scharte hin ausformt der als steiles Tal zwischen zwei Graten empfunden wird. Die Füllung dieses – vom Autor als Riss empfundenen – Tales dürfte bei der Deckenaufschiebung vollständig durch Reichenhaller Schichten erfolgt sein, betrachtet man die Geofast Karte 116 – Telfs2.

Grünstein Geologie – Geofast Karte 116 – Telfs

Trümmer und Bruchstücke aus diesem vermeintlichen Tal können bereits im beeindruckend langen Aufstieg zur Grünsteinscharte bestaunt werden – und sind sie anderer Farbe oder Form als die generelle Umgebung, so fallen sie auch dem geologischen Laien ins Auge. Ein schönes Exemplar von Rauhwacke der Reichenhall Formation lag gleich neben dem Steig in einer Höhenlage > 2.200 m.

in der Höllreise auf etwa 2.200m unterhalb der Grünsteinscharte

Dieses Handstück enthält zur Verwunderung des Autors rötliche Kalke (Dolomite?) und gleicht keineswegs der üblichen Rauhwacke, die beispielsweise im Karwendel zu finden ist.
Es weist die typischen Merkmale des Zellenkalks auf, das feine Gespinst aus übrig gebliebener Matrix nach dem Auslaugen des Gipses, sowie gleichzeitig, mit den vollständig in Matrix eingebundenen Bruchstücken, typische Merkmale eines Konglomerats.

Rauhwacke und Konglomerat der Reichenhaller Formation aus der Grünsteinschuppe

An der Grünsteinscharte nehme man sich die Zeit und betrachte beide aufgehenden Grate (Westgrat der Griesspitze / Grünstein Ostgrat). Bereits Otto Ampferer3 beschreibt deren Verschiedenartigkeit, die mit dieser Beschreibung tatsächlich auch dem Laien auffällt. Weiters ist die Beschreibung der Reichenhaller Formation am Grünstein Ostgrat von Hubert Miller6 zu erwähnen.

Blick jenseits der Grünsteinscharte zu den Taja Köpfen (man beachte die unterschiedlichen Gratansätze von der Scharte)

Von der Grünsteinscharte führt gegen Westen das steile Tal in dem sofort nach dem Ende der Schuttrampe und dem Erreichen des festen steilen Felses die Unterschiede zum Wettersteinkalk, der die senkrechten Flanken bildet, sichtbar werden.

Radlfahrer- und Grünsteintürme im aufgehenden Grünstein Ostgrat

Reichlich Geröll der Reichenhall Formation, in Form und Farbe zur schroffen Südflanke unterschiedlich, geleitet über ein paar Minuten Steigzeit zu einer Engstelle, die auch eine niedere Geländestufe bildet.

durch die Reichenhaller Schichten auf den Grünstein Ostgrat

Da sie auch das Trichterende des darüberliegenden Schuttkars darstellt, fanden wir die Flanken und die Klüfte zum Ersteigen der Stufe erdgefüllt und etwas verschmiert vor, die mageren Tritte und Griffe dadurch leicht rutschig und etwas knifflig zu durchsteigen. Ein Schlaghaken deutet auf Abseilaktionen über diese Stelle hin, die jedoch nur zur Bergung notwendig wären, nicht zum Abklettern über die Stufe.

Simon stürmt über die Reichenhaller Gesteine im bizarren Gelände voran

Das erdig, schuttige Gelände im Trichtergelände oberhalb der Stufe stellt für den Bergsteiger ein wenig attraktives Terrain dar und er ist froh, wenn er nach wenigen Höhenmetern auf schmierigem Untergrund eine kleine Grathöhe erreicht, die unterhalb eines Felskopfes nordwestlich auf den Hauptgrat hinüber führt und er damit das sonderbar interessante Gelände der Reichenhall Formation verlassen hat.

Simon an der Engstelle bzw. Geländestufe zum Grünstein Ostgrat

Im Rückblick, nach einigen Höhenmetern am bröselig erodierenden Grat, kann der Unterschied der geologischen Formationen gut erkannt werden. In Bildmitte wird die Reichenhall Formation durch den linken (nördliche) und rechten (südliche) Wettersteinkalkflügel eingebettet. Form und Farbe der Felsen unterscheiden sich deutlich.
Im weiteren Gratverlauf bis zum Gipfel des Grünsteins herrscht dann ausschließlich ungebankter Wettersteinkalk vor.

Vereinigung der Wettersteinkalkflanken des Kerbrisses (nach Ansicht d. Verf.) der Grünsteinschuppe; letzte Sondergesteine der Reichenhaller Schichten rechts neben Simon

Erneut nach einigen Minuten des Aufstiegs wird der Punkt 2.475 m erreicht (verzeichnet in der AV-Karte), der den Abschluss des Aufstiegs aus der Grünsteinscharte über 200 Hm markiert und von dem aus ein erster Überblick über den weiteren Gratverlauf möglich ist. Am Weg dorthin verwundert die ungewöhnliche Kleinstückigkeit des Bruches im dortigen Kalk.

Rückblick auf die Vereinigung der seitlichen Wettersteinkalksporne mit den Reichenhaller Schichten mittig liegend (Form und Farbe!)

Die Einschätzung, die knapp unterhalb von Pkt. 2.475 m über den Gratverlauf getroffen werden kann, ist recht übersichtlich und vollständig. Sowohl der nordseitige Aufstieg etwa mittig in der Überschreitung – über den in der Folge berichtet wird – als auch Pkt 2.563 m sind gut zu erkennen.

erster Überblick über den Grünstein Ostgrat

Auch wenn man über die Girlanden zwischen den Festpunkten noch keine Detailansichten hat so ist der Grat im Verbund mit diesem Blick und dem nach Studium der Längsansicht bei der Fahrt von Locherboden aus für einen Gratkenner und -liebhaber recht gut einschätzbar.

westliche Hinterseite des Gratköpfls

Ein erster rundlicher und leichter Gratkopf stellt sich nach einigen Metern Abstieg sodann in den Weg, der frontal in Angriff genommen wird und jenseitig, im unteren Teil, eher auf der Nordseite zur folgenden Scharte abgeklettert wird. Die scharfe Scharte bildet den Wechsel zurück auf die sonnige Südseite des Grates.

nordseitiger Abstieg in die Scharte

In leichtem Gelände geht es weiter, vorwiegend in Gehgelände, mit Einlagen von kurzen Kletterstellen auf die nächsten höheren Graterhebungen. Ab und zu begegneten wir Steinmandln, die auf einer direkten Gratroute ihrem Zweck nie gerecht werden und somit sehr häufig sinnlos gesetzt sind. Sinnvoll wären sie immer dort wo vom Grat in Flanken abgewichen werden muß. Mit diesem Erlebnis hat wahrscheinlich schon jeder Freund von Gratüberschreitungen Erfahrung gemacht.

Gratpassage auf eine leichte Graterhebung

Bei einem wuchtig aufstehenden Grataufschwung, dem man sein Band der Begehung im dunklen Norden gleich ansieht, erwartet den Bergsteiger ein wenig klettertechnische Prüfung.

Annäherung an die wuchtigste Graterhebung mit nordseitiger Bewältigung

Die Scharte im Vordergrund des eindrucksvollen Klotzes erlaubt einen schönen Talblick auf das Stöttltörl und die Hauptdolomittürme auf die Wankspitze (Klettersteig).

schöner Blick auf das Stöttltörl mit beeindruckendem Wechsel der Geologie zwischen Wettersteinkalk im Hauptkamm und Hauptdolomit im Südausläufer des Wanks

Das schuttbedeckte Band der kalten Nordseite des massiven Grataufschwungs führt teilweise über leicht unangenehm abschüssige Stellen, bis eine deutlich erkennbare Verschneidung die Route nach oben kennzeichnet.

herrliche und leichte Risskletterei über etwa 25 m auf die Grathöhe

Die Verschneidung gefiel uns gleich auf Anhieb, da sie schöne Risse und Stufen enthält, um durch den steilen, etwas schräg nach oben gerichteten Aufstieg wieder die Grathöhe zu erreichen.

Rückblick auf den Nordaufstieg mit herrlicher Untermalung durch den Drachensee

Bevor man an das Massiv des Grünsteins herankommt überschreitet, muss nach dem Aufstieg aus der Nordseite des Grataufschwunges noch ein zweiter, in der AV-Karte verzeichneter Punkt, der Pkt. 2.563 m, der lediglich um 100 m niedriger ist als der Grünstein selber, erklommen werden. Diesen letzten und höchsten Aufschwung erblickt man bereits direkt nach dem Nordaufstieg.

Abstieg zur Scharte (sieht schwieriger aus als er ist)

Wieder trennt eine Scharte die beiden Graterhebungen, wie könnte es anders sein. Ab dem Aufstieg aus der Nordseite bis hin zur Erhebung 2.563 m bewegt man sich vorwiegend im Gehgelände, selbst im steilen Abstieg zur Scharte.

Überblick über den folgenden Abschnitt

Und wieder führt die sinnvollste Route in die Nordseite, der Aufstieg zum Grat jedoch nicht mehr unter Kletterei sondern vorwiegend aufrecht mit teilweiser Abstützung durch die Hände.

in der Nordflanke

Selbst von dem markanten Punkt 2.563 m aus ist der Gipfel des Grünsteins jedoch immer noch nicht einzusehen.

Scharte hinab zu den Drachenköpfen (Beschreibung Geologie O. Ampferer, siehe Text)

Der Abstieg zur Scharte, die dann zum Bergmassiv des Grünsteins überleitet beträgt recht genau 50 Hm, wodurch nach der letzten Scharte noch 150 Hm zum Gipfel zurückzulegen sind.

Rückblick auf Pkt. 2.563 m

Von der markanten,  nicht einladenden Scharte, bzw. der nordseitigen Rinne am Grünstein schreibt Otto Ampferer3: „An der obersten großen Einschartung, wo eine gangbare Schneerinne von Norden heraufreicht, ist ein bituminöser zerdrückter Dolomit eingelagert.“
Es ist also anzunehmen, daß er sie begangen hat, oder, zur Feststellung der Verhältnisse, zumindest über einen Teil abgeseilt worden ist.

Stirnflanke des Grünstein Massivs; Simon blickt in die Scharte zu den Drachenköpfen hinab

Jenseits der Scharte blockiert eine mächtige Stirnwand des steil aufgehenden Grates die direkte Einsicht in das Grünstein Massiv. Wir suchten den Übergang an der untersten Stelle etwa auf Grathöhe und fanden dahinter wenig ansprechendes, monoton steigendes, schuttbedecktes Gelände vor.

Aufstieg hinter der wulstigen Stirnflanke auf den Grünstein Gipfel

Recht steil und zu einem großen Teil mit Schutt bedeckt schien uns die Flanke über ihre gesamte Höhe zu zwingen. Wir überlegten zuerst den Aufstieg im festen Fels ohne Schutt nahe der Gratkante, jedoch erreichte diese Route im oberen Teil senkrechte bis überhängende Partien, die wir nicht erkunden wollten.

unansehnliche Querung der Südflanke des Grünstein Massivs

So blieb uns nicht viel über als einen – dem Bergsteiger unliebsamen – Aufstieg zu unternehmen, und zwar die aufwärtsgerichtete Querung einer wenig strukturieren Felsflanke im Schutt.

Rückblick auf die steigende Querung aus der letzten Scharte

Gegen die Grathöhe hin bildete sich die Flanke dann gestufter aus und wir konnten trotz des enormen Schuttbelags treppenartig weitersteigen. Oben auf Grathöhe erreichten wir die letzte Scharte vor dem Grünstein, die uns sehr brüchig erschien und das Risiko nicht Wert war sie zu durchschreiten.

Umweg unterhalb der Grathöhe in die Südrinne der Gipfelscharte am Grünstein

Die Alternative bestand in der Umgehung der Scharte in ihrer Südrinne, mit etwa 25 Hm Abstieg zu einem Steinmandl hinter dem ein halbwegs taugliches Band unterhalb der Scharte durch die Rinne führte, jedoch wohl unterhalb der Scharte in der Südseite des brüchigen Gipfelaufbaues.

Simon im Rinnentiefsten (oberhalb die Gipfelscharte zu sehen)

Über die Rinne querten wir anschließend auf einem Band steil hinauf zu einem Steinmandl und von dort über wenige weitere Meter auf den Gipfel des Grünsteins. Dieser Teil unserer Gratbegehung ist auch Teil des Normalaufstiegs durch das Riffeltal.

Ausstieg aus der Rinne über einen steilen Aufstieg zum Steinmann

Sehr beeindruckend am Grünstein ist eine umfassende Aussicht, steht er doch als letzter der hohen Gipfel der Mieminger Kette, abgesehen vom signifikant niedrigeren Hochwannig, direkt vor den Lechtaler Alpen im Westen und ist durch die umgebenden Täler weit von anderen hohen Bergen getrennt.

Grünstein, 2.661 m

Der höchste Gipfel der Verwallgruppe, der Hohe Riffler ist genauso sichtbar wie der höchste Gipfel der gesamten Nördlichen Kalkalpen, die Parseierspitze.

interessanter Übergang auf die Marienbergspitzen, im Hintergrund der Wannig als westlichster Gipfel in den Miemingern

Bei der Peilung zu den vorgenannten Gipfeln (siehe Bild in der Galerie) helfen die auf gleicher Achse liegenden markanten Spitzen des Blankahorns (Peilung Hoher Riffler) und des Bergwerkkopfes (Peilung Parseierspitze). Eine Fernsicht von etwa 50 km war uns an diesem schönen Spätsommertag beschieden.

Peilung vom Grünstein zu: Hoher Riffler und Parseierspitze

Nordwärts vom Grünstein hinab geschaut findet sich ein interessantes Hochtal, zweigeteilt durch den scharfen Grat der die Drachenköpfe verbindet, das westlich liegende Schwärzkar und das östlich liegende Drachenkar, letzteres mit dem Durchstieg über die Grünsteinscharte. Drei weitere Kare, getrennt durch massive Nordausläufer der Mieminger Kette vervollständigen deren Nordseite gen Osten hin.

Tiefblick nach Norden auf die Drachenköpfe und den Drachensee, im Hintergrund die Zugspitze

Im unteren Teil des Drachenkars befindet sich der etwa 30 m tiefe Drachensee und in einer weiteren Talstufe darunter, etwa 200 m tiefer, liegt der Seebensee. Beide Wasser liegen eingemuldet in einem Felsbecken glazialen Ursprungs, wie man der sehr interessanten Arbeit von Wolkersdorfer4 entnehmen kann.
Dem etymologischen Ursprung der Bezeichnung „Drachen…“ für den See und dem darüber liegenden Kar ist Wolkersdorfer ebenfalls nachgegangen und hat bei Finsterwalder5 die slawische Ursprungsbezeichnung „draga“ als Synonym für „eine durch Abrutschung entstandene Mulde am Hang“ gefunden.

Grünstein Gipfelscharte die wir gemieden haben

Der Übergang vom Grünstein auf die Marienbergspitzen, bzw. umgekehrt, dürfte eine erstrebenswerte Tour in festem Muschelkalk (Geofast Karte: 116 – Telfs2) darstellen, die in die engere Wahl für den kommenden Sommer aufgenommen wird.

die Griesspitzen im Osten und kaum sichtbar mittig hinter deren Verbindungsgrat der Hochplattig

Deutlich erscheint der Höhenunterschied zu den höchsten Gipfeln in der Mieminger Kette im Osten und zum Niedrigsten im Westen. Der Höhensprung zu den Griesspitzen im Osten erscheint gleich markant als jener zum Wannig im Westen und zöge man eine Gerade von Östlicher Griesspitze zu Wannig, der Grünstein läge mit nur sechs Meter Abweichung nach oben darauf. Zwischen beiden Griesspitzen kann der gerade noch sichtbare Hochplattig erspäht werden.

Gipfel des Hochplattig vom Grünstein aus gesehen

In den Süden hinabgeblickt, ins Riffeltal, schaut der Abstieg weit weniger einladend aus. Die Südflanke scheint aus schlechtem Wettersteinkalk zu bestehen, mit großflächigen Verwitterungsbereichen, die sich völlig schuttüberzogenen Karen und langen, breiten Reisen ausdrücken.

Tiefblick nach Süden ins Riffeltal

Bemerkenswert am Grünstein ist der hervorragende Zustand des offenbar 53-jährigen Gipfelkreuzes und wenn es seine jugendliche Erscheinung nicht allein durch eine äußerst kluge Wahl und Ernte des Holzes verdankt, dann vielleicht zusätzlich der klugen Wahl der Konstruktion, die der Autor bei den vielen Kreuzen auf seinen Gipfeln noch nicht annähernd in dieser Form gesehen hat.

Konstruktion Gipfelkreuz Grünstein

Jeweils die oberen Horizontalflächen der Armausleger sowie der Kopfteil des schönen Gipfelkreuzes werden durch massive schmiedeeiserne Bleche abgedeckt und sind somit bis über ihre Kanten vor Unbilden der Witterung und Blitzen geschützt, ebenfalls das Hirnholz der Auslegerenden (am linken Ausleger leider bereits fehlend). Ein schmiedeeiserner Ring um das Zentrum aller vier Balken mit massiven Schraubstellen an denselben verleiht dem Kreuz die notwendige Verbandsstabilität sowie Bandagen um die Armausleger und geschraubte Laschen durch dieselben die Faseröffnung des Balkenholzes durch Wind und Wetter verhindern.

Band aus der Rinne am Abstieg – so ganz leicht ist es nicht zu begehen

Ein massives schmiedeeisernes Christusmonogramm über dem Kopfteil fängt Blitzentladungen zuverlässig ein und leitet deren Energie über Bandeisen in die Erde ab – wobei wahrscheinlich sogar die Form des „Rho“ und die Schutzpanzerung der Ausleger aufgrund der elektrischen Durchverbindung mit den Halteseilen als zwei Faradaysche Käfige wirken und damit weiteren Schutz gewährleisten.
In jeder Hinsicht ein Meisterwerk der Gipfelkreuzkonstruktion.

Normalabstieg in das Riffeltal; im obersten Bereich noch auf schuttbedecktem felsigem Untergrund

Im Abstieg oben, unterhalb des Gipfels, betritt man noch festen Fels, im eher erdigen Mittelteil kann über lange Strecken auf den Schotterreisen bequem hinab gefahren werden. Aufsteigende im Riffeltal sind im Mittelabschnitt nicht zu beneiden, sie pendeln je nach Untergrundbeschaffenheit zwischen östlicher und westlicher Begrenzung der steilen Mulde, in der der Aufstieg via Direttissima erfolgt.

Mittelteil des Abstiegs durch das Riffeltal

Gegen das unterste Drittel der Abstiegshöhe hin, kann auf der orographisch rechten Seite des Tals wieder über strukturierten, felsigen Untergrund abgestiegen werden, der immer besser wird und sich zur Freude des Begehers schlussendlich noch zu einer netten und leichten Kletterei über die letzten etwa 150 Hm entwickelt.

fester Fels erfreut nach den Schuttpartien im Mittelteil

In einer leichten Verschneidung von gut acht Meter Höhe fanden wir im untersten Teil eine Seilversicherung vor, die, möglicherweise, als die schwierigste Stelle zu bezeichnen ist, die aber ohne solche Sicherung auch problemlos zu meistern wäre.

Schlüsselteil des unteren Drittels

Der letzte Rest des Abstiegs bis zur Reise am Talfuß besteht wieder vorwiegend aus Gehgelände, teilweise mit notwendiger Abstützung mit den Händen in steileren Bereichen.

verseilte Stelle als Schlüsselteil

Am Reisengelände angelangt waren wir von den letzten Klettereien im Abstieg, die in ihrer Ausprägung mit den letzten 100 m im Abstieg vom Oberreintalschrofen verglichen werden können – jedoch weniger ausgesetzt -, recht erfreut.

Blick auf die letzten Abstiegsmeter

Zur bildlichen Dokumentation hätten wir noch die 70 Hm auf den Höllkopf aufsteigen sollen, welches wir aber der fortgeschrittenen Stunde und dem nächsten Tagesziel der Biertankstelle der Marienbergalm zum Opfer fallen ließen. Das Riffeltal mit dem schönen unteren Teil hätte sich am Höllkopf gut dokumentieren lassen und muß ein anderes Mal nachgeholt werden.

Rückblick auf das untere Drittel des Abstiegs vom Grünstein; in Bildmitte der Einstieg oben

Am Weg zur Alm reizte uns der Anblick der Marienbergspitzen welche bereits zur Begehung beschlossen waren und welchen der Simon in den Folgewochen nicht widerstehen konnte. Somit ist ein Teil der Überschreitung auf den Grünstein schon bekannt.

Wannig im Westen und unser Weg zum Marienbergjoch und der Marienbergalm

Die Runde über den Grünstein Ostgrat mit Abstieg über die Marienbergalm führt über 1.630 Hm und rd. 15 km vom Parkplatz Arzkasten und zurück. Eine Abkürzung wäre möglich, wenn am Hölltörl über die Höllreisen zum Lehnberghaus abgestiegen werden würde.

Östliche Marienbergspitze – ein nächstes Zwischenziel

Für die lange empfehlenswerte Variante, die auch den Blick auf die kühn aussehenden Marienbergspitzen ermöglicht, benötigten wir mit allen Pausen und einem Bier auf der Marienbergalm 8:30 Stunden.

Mils, 06.09.2020

1 Raffael Ferreiro Mählmann & Jürgen Morlok: Das Wettersteingebirge, Widerlager der allochthonen Inntaldecke, und die Ötztalmasse, Motor tertiärer posthumer NW-Bewegungen im Mieminger Gebirge (Nordtirol, Österreich): Seite 17

2 Geofast Karte 116 – Telfs:
Reichenhall Formation (gelbe bis ockerfarbene Rauhwacke, Dolomitbreccie, untergeordnet Dolomit und Kalk; Unteres Unteranisium)

3 AMPFERER, O.: Geologische Beschreibung des Seefelder, Mieminger und südlichen Wettersteingebirges: Seite 36-37:
„Der Einschnitt des Grünsteintörls ist ein tektonischer und der Aufbau des Hauptkammes zu beiden Seiten ein verschiedener. Der Westgrat der Griesspitzen bricht in steiler Wand zu der Einschätzung herab, die von einer Anzahl von Felstürmen besetzt wird. Der Muschelkalkzug der Nordwand bildet den untersten Teil des Grates und streicht über denselben auf die Südseite der Scharte, wo er an einer Querverwerfung abgeschnitten wird. Auf der Grathöhe schieben sich zwischen diesen vorzüglich aus Knollenkalken bestehenden Muschel-kalkstreifen und die tiefste Scharte mehrere kleine Felstürme ein, die durch Rutschflächen voneinander geschieden werden. Die östlichste Zackengruppe wird von schwarzen Knollenkalken mit schwarzen, grünen, seltener roten Mergellagen aufgebaut. Die drei kleineren, westlich daran stoßenden Zacken bestehen aus hellgrauem Kalk, der letzte niedrige Höcker vor der Scharte aus zerdrücktem bituminösem Dolomit. Die Scharte wird ebenfalls von diesem Dolomit ausgekleidet, welcher auf beiden Abhängen der Scharte bis zu den geschlossenen Schutthalden hinab reicht. An der Nordseite zieht er sich am Fuße der Kalktürme längs einer Rutschfläche gegen Osten. An der Westseite der Scharte baut er einen kleinen Höcker auf, an den der kühne, aus hellem Wettersteinkalk bestehende Grünsteinturm stößt. Auch dieser Turm ist von den westlich aufragenden Grünsteinköpfen durch eine Spalte abgetrennt. An der Südseite wird dieser große Turm noch eine Strecke weit von dem Dolomit der Scharte umgriffen. Jenseits des Grünsteinturmes erhebt sich der Hauptkamm wieder und leitet über die Grünsteinköpfe zum Gipfel des Grünsteines (2667 m). Dieser Kamm zeigt keine scharfen, hochzackigen Formen, sondern einen mehr treppenförmigen Anstieg. Flache, gegen Westen zu immer höhere Gratstücke, getrennt durch scharfe Einrisse, liegen hier vor. An der obersten großen Einschartung, wo eine gangbare Schneerinne von Norden heraufreicht, ist ein bituminöser zerdrückter Dolomit eingelagert.“

4 WOLKERSDORFER, C. (1989) Diplomarbeit: Zur Geschichte, Mineralisation und Genese des ehemaligen Bergbaues auf die Blei-Zink-Vorkommen SE des Ehrwalder Talkessels (Tirol) mit einer geologischen Kartierung (M 1:10000) im westlichen Mieminger Gebirge:
Anm.: d. Verf.:
Zur Erklärung der Entstehung von Drachensee und Seebensee: Seite 10, 52
Zur Erklärung der Entstehung der Bezeichnung Drachensee: Seite 20 ff

5 FINSTERWALDER, K. (1951): Die Familiennamen in Tirol und Nachbargebieten und die Entwicklung des Personennamens im Mittelalter. – Schlern-Schriften, 81: 1—418; Innsbruck
Anm.: d. Verf.:
Entlehnbar (Stand 01/2021) in der
Provinzbibliothek der Kapuzinerprovinz Österreich-Südtirol – Innsbruck

6 MILLER, H. (1965): Die Mitteltrias der Mieminger Berge mit Vergleichen zum westlichen Wettersteingebirge: Seite 190:
„Zwischen Wettersteinkalk eingeschuppt finden sich Reichenhaller Dolomite am Ostgrat des Grünsteins und in der Südostflanke der Handschuhspitzen.“