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Touren 2020 überall

Schitour Westlicher Geierkopf, 2.143m

Im nordwestlichen Zipfel der Heimat, nahe dem Ammersattel im Bezirk Reutte, gibt es eine phantastische Schitour in den nördlichen Kalkalpen, die Schitour Westlicher Geierkopf in der Kreuzspitzgruppe, ein Nordanstieg durch archaische Landschaft mit rassigem Verlauf zum Grat vor dem Gipfel.

per aspera ad astra – Durchschreitung Felsentor; oben sieht man links die Schrofen, über die wir zum Grat gelangten

Nach einer Erklärung dieses Ziel aus dem Raum Innsbruck anzufahren muß nicht lange gesucht werden – das Wetter, oder besser die Wettervorhersage tags zuvor – bescheinigt bei einer Südwestströmung dem Außerfern tagsüber brauchbar sonniges Wetter, während in den Zentralalpen bereits am Morgen Bewölkung mit Schauern zu erwarten ist.
Eine solche Perspektive richtet den Fokus auf eine Tour im wetterbegünstigten Gebiet, auch wenn dazu für den geographisch verwöhnten Bergsteiger aus dem mittleren Inntal eine nicht unbeträchtliche Fahrzeit mit dem Auto in Kauf genommen werden muß.

das Gipfelbuch verrät, daß wir seit Wochen die Ersten im beginnenden Frühjahr sind

Zeitig in der Früh benötigt man für die 106km über Garmisch kaum 90min und über den Fernpaß 115km und etwa 100min; die Wahl der Anreise-Route ist also durch die Fahrzeit klar vorgegeben und führt kurz nach Ettal, mit der sehenswerten barocken Benediktinerabtei, durch eine wunderbare Landschaft die man höchstens dann kennt, wenn man im Sommer ein Radlfahrer ist und diese große Runde mit der Rückfahrt über den Fernpaß unternimmt, denn für einen Inntaler gibt es aus bergsteigerischer Sicht kaum einen Grund diese Gegend zu bereisen. Weiters sei im Hochwinter die Ammerwald Straße wegen Lawinengefahr öfters gesperrt.

Beginn der Schotterreise im Ammerwald

Als Startpunkt im Ammerwald eignet sich die ehemalige Zollstation, die einigen wenigen Fahrzeugen Platz bietet. Zur Not könnte man noch – je nach Schneelage – neben der Straße oder bei der Ammerwaldalm parken (wie immer mit Einkehr hinterher natürlich, falls geöffnet).

kurz vor dem Anschnallpunkt

Der Blick den Nordhang hinauf löste ein wenig Seufzen aus, denn bis weit hinauf erspähten die Augen viel mehr Grün als Weiß. Allerdings mußten wir Mitte März in einem eher durchschnittlichen Winter und vielen warmen Tagen zu Beginn des Lenzes damit rechnen. Also wurden die Schi auf den Rucksack gepackt und der Aufstieg auf der gegenüberliegenden Straßenseite, vorbei an einer Hütte mit dem klingenden Namen „Umkehrhütte“ angetreten.

vom Anschnallpunkt zunächst auf schmalem Band

Es gibt vor der Umkehrhütte einen sichtbaren, schmalen Einstiegspfad in Richtung „Ammerwaldloch“, der Flurbezeichnung, die das Ende der flacheren Geländestufe auf etwa 1.460m bezeichnet, bevor der Aufstieg auf den Westlichen Geierkopf in steileres Latschengelände übergeht.

Flachstelle vor dem Ammerwaldloch

Rasch verlieren sich die Steigspuren hinter der Hütte, aber man bedarf ihrer eigentlich auch gar nicht, denn der Aufstieg ist klar mit der südlichen Richtung vorgezeichnet und er führt in Richtung der freien Schotterreise die einige Gehminuten hinter der Hütte plötzlich mitten im Wald beginnt und bis zum Beginn der einzigen Flachstelle der Schitour hinaufzieht. Im Winter steigt man über sie mit Kehren auf, wir wanderten teils über Schneeflächen, teils aper über etwa 250Hm bis auf 1.350m hinauf, wo wir dann die Schneedecke geschlossen vorfanden und der Anschnallpunkt gekommen war.

Eintritt in ein schmales Tälchen

An dieser Stelle verbreitert sich die vollständig mit Schotter gefüllte Mulde auch merklich, und in weiten Kehren stiegen wir die noch fehlenden 50Hm bis zur eher flachen Stelle aufwärts.

Aufstieg im Tälchen

Am Ende dieser Passage sieht man sich einer zunächst völlig sperrenden Latschenfläche gegenüber, in die aber links ein kleines Tälchen führt, das den Aufstieg durch die Latschenfront in sich birgt und dem man auch weiterhin folgt, wenn man bereits glaubt sich vergangen zu haben. Nun befindet man sich mitten im „Ammerwaldloch“.

vorbei an einer beeindruckenden Tanne

Das Tälchen endet nach einer Minute Aufstieg unweigerlich an einer Stelle mit einem gefrorenem kleinen Wasserlauf, einem kleinen Talkessel gleich, aus dem rechterhand durch steiles Gelände zu den Latschen aufgestiegen wird, um oben – wieder links – einen sichtbaren Durchlass durch die Latschen zu finden. Im Hochwinter mag die Situation mit Schi zu begehen sein, wir mußten sie schultern, auch weil wir den weiteren Verlauf nicht kannten.

den kleinen Talkessel erreicht, rechts geht es über eine Steilstufe hinauf

Ab diesem Gelände wird die Schitour auf den Westlichen Geierkopf so richtig „karwendelig“ und knapp oberhalb der Steilstufe (bei unserer Begehung weitgehend vom moosigen Wasserlauf vereist) verläßt man auf etwa 1.520m den Latschengürtel auch schon wieder ins freie Gelände unterhalb der Nordwände des Geierwandmassivs.

oberhalb der Steilstufe

In der Folge wird eine schöne Steilfläche am äußerst linken Rand des sich nach etwa zehn Minuten Aufstieg öffnenden Kars aufgestiegen, bevor die gesamte Breite des Kars von über 300m sichtbar wird. Das Gelände wird mit dem Aufstieg ab 1.650m auch merkbar steiler, wobei die Hangneigung bis etwa 1.800m unter 35° bleibt.

Ausstieg komfortabel ausgeschnitten

In die Felsen der Nordwand des Westlichen Geierkopfs waren bereits zwei Seilschaften kurz vor uns eingestiegen, die auch vor uns am Parkplatz waren und die wir nun kaum 100Hm über uns in Fels und Eis auf die Rampe nach Osten aufsteigen sehen konnten.

mit angenehmer Steigung geht es aufwärts

Harscheisen anzulegen beschlossen wir mit zunehmender Plagerei auf der harten Oberfläche etwa auf 1.700m und konnten somit den Aufstieg dadurch etwas mehr auskosten, als daß nicht bei jedem Schritt der optimale Gripp auf der harten Schneeoberfläche gesucht werden mußte, sondern wir auch den Blick auf die herrliche und unbekannte Umgebung zu richten vermochten.

Harscheisen erleichtern den Aufstieg

Der querende Aufstieg zum engen Karabschluß oben erforderte die Passage eines mittelbreiten, alten Schneebretts das nochmals etwas Konzentration bei der Durchschreitung bedurfte, bevor ab etwa 1.800m der steile Teil der bärigen Tour begann.

die Hangneigung legt zu

Zum Abschnallen der Schi und – gegebenenfalls anlegen der Steigeisen – empfiehlt sich eine kleine Ausbuchtung, eine Art Gufel in geschützter Position am oberen Karabschluß, unterhalb der richtig schmal werdenden Rinne zu einem kleinen Felsentor, das wie eine Art Belohnung für die Aufstiegsmühen unterhalb des Grates auf den Durchstieg des Bergsteigers wartet.

am oberen Karabschluß

Allerdings muß man sich die Belohnung nochmals mit Sonderanstrengung verdienen, da der Aufstieg dorthin mit immer steiler wird und kurz nach dem Felsenfenster seine größte Steigung mit gut 60° erreicht und sozusagen die Schlüsselstelle der rassigen Schitour bildet.

fertig zum Aufstieg

Bei unserer Begehung überlagerte sich die Steilheit mit einem ungeahnt harten und dicken Schmelzharschdeckel, für dessen Perforation der maximale Einsatz an Kraft zum Schlagen von Tritten aufgewendet werden mußte. Wir hielten und recht nahe an der östlichen Felslinie, da Tritte dort leichter einzubringen waren als mittig im Couloir.

noch geht es angenehm dahin

Leider spitzte sich die Situation mit dem bockharten Untergrund nach oben hin zu – welche durch die vermehrte und längere Sonnenbestrahlung auch logisch ist – und zusätzlich kam hinzu, daß die Wechte eine nahezu senkrechte Wand von der Mitte bis auf die rechte Seite des Couloirs bildete und uns auf die weniger steile und gottseidank felsendurchsetzte linke Seite zwang.

die Schneedecke wird härter; der typisch kleinsplittrige Hauptdolomitfels bröckelt etwas ab, wie hier gut zu sehen

Auf diesen etwa 20Hm von unter dem Felsentor bereuten wir die Steigeisen lässigerweise zuhause ruhen zu lassen, weil man anhand von Fotos die Einschätzung getroffen hatte, diese Passage „mit links“ zu nehmen.

am rechten Rand im Couloir schlägt es sich die Stufen leichter

Wie leicht wäre es gewesen mit Steigeisen durch das schöne Couloir aufzusteigen…ein Lerneffekt mehr im Bergsteigerleben – es hatte ja lange keine Niederschläge mehr und die Sonne arbeitet im Frühjahr kräftig, man hätte es erahnen können.

per aspera ad astra – Durchschreitung Felsentor; oben sieht man links die Schrofen, über die wir zum Grat gelangten

Durch die ein wenig ausgeaperte Felsstufe mühten wir uns auf eine ungute, ausgeaperte und sehr schottrige Flachstrecke empor und entdeckten dabei im festen Fels weiter unten glücklicherweise einen festsitzenden Haken, der uns später gute Dienste leisten sollte. Aufgrund der extremen Situation gibt es von dieser Passage keine Fotos im Aufstieg.

in der Sonne in der Gratscharte angelangt

Oben am Grat angekommen mußten wir zuerst unter willkommener Sonnenbestrahlung den doch einigermaßen prekären Aufstieg, zuletzt mit den Plastikschuhen über teilweise vereisten Fels, verdauen und den weiteren Verlauf der Tour in Augenschein nehmen. Gut 35 Minuten hat uns die knapp über 100m Strecke mit rund 70m Höhenunterschied gekostet.

Rückblick auf das Türmchen vom Felsentor

Vom aperen Grat konnten wir die alte Aufstiegsspur zur Ostflanke des Westlichen Geierkopfes erkennen, die recht steil weiterführt und sich fast aperer präsentierte, als schneebedeckt.

weiterer Aufstieg auf der steilen Flanke mit Schi

Diese Flanke weist in ihrem Mittelteil eine Hangneigung von etwa 40° auf, die wir im Aufstiegssinn links umgangen haben und auch die einzige Möglichkeit darstellte ohne Abschnallen bis zur Südwestrippe des Westlichen Geierkopfs aufzusteigen.

die Steilheit dieser letzten Passage vor der Südwestrippe in nicht zu verachten

Auf der Höhe des Flachstücks auf der Südwestrippe kann man das unweit entfernte Gipfelkreuz des Westlichen Geierkopfs erblicken. Aufgrund der weitgehend ausgeaperten Südflanke beschlossen wir die restliche Strecke – etwa 300m und 60Hm – zu Fuß zu begehen, die Abfahrt wäre nicht mehr möglich gewesen.

letzter Hang zur Flachstelle auf der Südwestrippe

Nach dreieinhalb Stunden standen wir am Gipfel des Westlichen Geierkopfs.

über den ausgeaperten Südhang zu Fuß zum Gipfelkreuz

Das Gipfelkreuz der Bergkameraden Breitenwang muß ein sehr altes sein, denn sowohl der Eisenkranz auf den Balken als auch eine aufmontierte Aluminiumtafel der Bergkameraden erinnern an die Gefallenen im letzten Krieg. Die Gipfelbuchschachtel stammt von der AV-Sektion Schongau in Bayern, die das Buch vermutlich heute betreut.

Westlicher Geierkopf, 2.143m

Über die Nordwand auf den Ammerwald hinunter geblickt kann der untere Teil des Aufstiegs von der Straße aus bis zum Ammerwaldloch und den Durchschlupf durch den Latschengürtel eingesehen werden.

Tiefblick über die Nordwand auf unsere Aufstiegsroute

Im Osten recht markant der Kramerspitz und etwas weiter dahinter und deutlich höher, die Soiernspitze, nördlicher Ausläufer des Karwendels, sowie durch das kurze Wolkenfenster die hohen Karwendelberge mit Birkkarspitze und Große Seekarspitze.

Blick gegen Osten – von links Soiernspitze, Karwendel- und Wettersteingipfel bis Zugspitze und Schneefernerkopf

Durch die Abflachung von Karwendel und Wettersteingebirge beim Scharnitzpaß besteht auch ein unerwarteter Blick auf die heimatlichen Berge der Bettelwurfkette in 53km Entfernung. Zwischen Oberer Wettersteinspitze und Wettersteinwand blicken die beiden Lafatscher hindurch.
In der Wettersteinkette konnten wir markante Gipfel wie den  Musterstein, die Dreitorspitzen und im Vordergrund dieser, Waxenstein Alpspitze und Hochblassen aus den Wolken ragen sehen.  Weiter im Südosten konnten wir den Blassengrat bis zur Zugspitze vortrefflich verfolgen. Der Schneefernerkopf  beendet die Sicht auf die Wettersteingipfel.

im Süden die Gipfel der Mieminger Kette, die südlichen Ammergauer und in der Ferne die hohen Ötztaler Dreitausender

Gegen Süden reicht der Blick von Hochplattig bis zur Westlichen Griesspitze in der Mieminger Kette und weiter über den in den Sellrainer Bergen gelegenen Dreitausender, den Sulzkogel, über den Grünstein wieder in den Miemingern bis zum Acherkogel in den Stubaiern.
Ganz im Süden befindet sich der südliche Hauptkamm der Ammergauer Alpen von Daniel bis Hochschrutte und dahinter die hohen Ötztaler Dreistausender mit Verpeil- und Wazespitze.

im Südwesten die Großen Schlenkerspitze, die Namloser Wetterspitze und die Freispitze der Lechtaler Alpen, im Vordergrund der Thaneller, der Hochvogel in den Allgäuer Alpen und der Köllenspitze in den Tannheimer Bergen

Im Südwesten schlußendlich reichte sie Sicht von der Großen Schlenkerspitze über die Namloser Wetterspitze und der weit entfernt liegenden Freispitze bis zum zentralen Berg bei Heiterwang, den schön geformten, massiven Thaneller, der Urbeleskarspitze in den Lechtaler Alpen und dem massiven Hochvogel in den Allgäuer Alpen sowie der markanten Köllenspitze in den Tannheimer Bergen bei Reutte.

im Nordwesten der Säuling, Hoher Straußberg und Branderschrofen in den Ammergauer Alpen

Den Abschluß der gewaltigen Rundschau bieten der nahegelegene Säuling, Hoher Straußberg und Branderschrofen in den Ammergauer Alpen im Nordwesten und im Norden Krähe, Hochblasse und Hochplatte.

im Norden Krähe, Hochblasse und Hochplatte

In unmittelbarer Nähe, verbunden mit einem leicht begehbaren Grat im Sommer thronen der Hauptgipfel der Geierköpfe und die Kreuzspitze.

im Osten gegenüber der Hautpgipfel und der Ostgipfel der Geierköpfe sowie die Kreuzspitze

Eine halbe Stunde nach unserer Ankunft und einer Gipfelpause zog es von Westen her merklich und schnell zu, sodaß wir nach einer halben Stunde beschlossen den Rückweg anzutreten, vor allem um nicht in schlechte Sichtverhältnisse durch Nebel zu kommen, weil wir ja auch den Steilabstieg oberhalb des Felsentors zu meistern hatten.

Abfahrt zur Gratscharte

Der Weg zum Schidepot nahm etwa zehn Minuten in Anspruch und der aufkommende Wind zeigte uns die richtige Entscheidung zum Rückzug. Rasch waren wir über den aperen Teil des Südwesthangs zur durchgehenden Schneedecke abgestiegen als die Sicht schon diffus wurde.

vermutlich das letzte Wochenende befahrbar dieser Westhang

Mit den Blicken an der Kante der Scharte zum Felsentor hinab befanden wir ohne langes Überlegen, daß der verhärtete Wechtentrichter eher lebensgefährlich als genussvoll abzufahren sein würde und bereiteten uns auf den Rückzug durch Absteigen vor.

Blick hinab zum Felsentor – eine Schibefahrung haben wir auf dem harten Schmelzdeckel ausgeschlossen

Die Lehrstrecke im Aufstieg in Erinnerung benutzten wir gerne den Haken als Abseilhilfe über die vereisten Schrofen, die uns im Aufstieg viel Mühe gekostet hatten. Mittels einer Reepschnur in den Haken gefädelt konnten wir uns bequem über die unangenehme Stelle hinunter abseilen.

auch der Abstieg ist mangels Steigeisen nicht ganz leicht

Über unsere bereits vorhandenen Tritte erreichten wir in zwanzig Minuten die Gufel im flacheren Teil 70m tiefer wieder, wo wir den Abfahrtsgenuß weiter fortsetzen konnten.

die Hangneigung ist hier gut zu erkennen, links der hilfreiche Haken, den wir nutzten

Die Tageserwärmung bis 13 Uhr vermochte den nordseitigen Hang nicht wesentlich aufzutauen, sodaß wir im oberen Teil des Kars noch auf recht harter Unterlage abfahren mußten, bevor die Schneeoberfläche in Latschennähe etwas schmieriger wurde.

Rückblick hinauf zu den Schrofen; links sind wir auf- und abgestiegen (siehe Stapfen)

Wesentlich genussvoller präsentierte sich nach dem Durchstieg durch den Latschengürtel der untere Teil der Abfahrt durch das Flachstück bis hinab zum Ende der Schneefelder wo uns noch ein paar Sonnenstrahlen beschieden waren.

die unbeschwerte Abfahrt beginnt

Unsere Gesamttourenzeit betrug 5:30 Stunden, bei 1.040 Hm Aufstieg und mit Gipfelaufenthalt von etwa einer Dreiviertelstunde.

zum Abschluß noch 250Hm feinstes Fahrvergnügen

Die Streckenlänge auf dem durchwegs steilen Nordanstieg ist eher unbedeutend und beträgt lediglich 2,8 km.

Ankunft an der Landesstraße

Ein Tipp für die Rückfahrt: wenn die Ammerwaldalm geschlossen hat, dann findet man in der Gröblalm, knapp 15 Minuten weiter in Graswang, Richtung Ettal eine empfehlenswerte Einkehr.

Mils, 14.03.2020

Schitour Sumpfschartl, 2.666m

Eine beliebte Schitour im hinteren Valsertal führt auf das Sumpfschartl, einer Scharte im weiterführenden Grat zum Kraxentrager, bei der sich die Einzelgrate der Saxalmwand und der Langen Wand vereinen und eine gute Aussichtsstelle bilden.
Durch das Sumpfschartl führt der  Geistbeckweg1, ursprünglich zum Zwecke der Verbindung2 zwischen Landshuter und Geraer Hütte, der 1928 unter maßgeblichem Betreiben von Josef Huter Besitzer des Gasthofs Lamm in St. Jodok erbaut wurde.

Sumpfschartl, 2.666m

Sehr interessant erscheinen auch zwei völlig verschiedene Gesteine, die auch im Winter im Aufstieg deutlich sichtbar sind. Im unteren Teil, in der Talstufe nach der Bloaderalm tritt im engen Teil neben der Aufstiegsspur der sogenannte „Hochstegenmarmor“ an einer kleinen Felswand, an der mit zwei Spitzkehren der steilste Teil der Talstufe durchschritten wird. Diese Stelle findet sich ausführlich beschrieben im Bericht über die tolle Schitour auf die Saxalmwand.

in der Gufel; der dunkle Amphibolitfels gut zu erkennen

Die zweite Stelle, bzw. Bereich, stellt das Gestein am Sumpfschartl selbst dar. Eingebettet im Zentralgneis der Tuxer Decke befindet sich eine Lage aus dunkelgrünem bis schwarzen Amphibolit, die sich von der Vennalm über das Sumpfschartl östlich weiter, in den unterhalb des Sumpfschartls gebildeten Kessels und über die Lange Wand nördlich hinaus bis ins Valstal hinauszieht.
An der Ostwand des Sumpfschartls kann dieses auffällige Gestein vom hellen Zentralgneis gut unterschieden und erkannt werden.

bei der Bloaderalm

Der frühe Aufbruch stellt für die beiden Ziele oberhalb der Bloaderalm immer eine gute Wahl dar, da sich aufgrund der spärlich vorhandenen Parkmöglichkeiten entlang der schmalen, gezäunten Straße bis zum Gasthaus Touristenrast keine Alternativen bieten und von den Parkplätzen Touristenrast und Geraer Hütte etwa ein Kilometer zurück zu marschieren ist.

Rückblick von der „Falle“ zur Bloaderalm

Nach einer Holzbrücke über den Valser Bach (nach Vereinigung des Alpeiner und Zeischbachs) wird der erste freie Hang erreicht, der „Farbmlahner“ genannt und im oberen Teil mit Spitzkehren bis zum Fahrweg zur Bloaderalm begangen wird. Im Frühjahr ist der obere Teil des Farbmlahners meist von einer Nassschneelawine durchzogen, die einfach umgangen werden kann (Fotos im Bericht Saxalmwand).

oberhalb der Talstufe in Richtung zur langen Aufstiegsmulde

Kurz führt der Weg durch den Wald, bevor er unterhalb der Bloaderalm deren Freigelände erreicht. Zwischen den prächtigen Almgebäuden, die bereits an die hundert Jahre dort dem Wetter trotzen, wendet sich der Aufstieg der ersten steilen Talstufe zu, die gut eingesehen werden kann, die jedoch den Blick auf den Aufstieg durch den steilen Teil noch nicht freigibt.

am Ende der Mulde

Talseitig rechts im Aufstieg führt die Route durch einen Lärchenwald, der merklich steiler wird, bevor die Route zu einer flacheren Stelle auf die linke Talseite wechselt und der Aufstieg durch den steilen Teil sichtbar wird.

auf Höhe der Schaferhütte, bereits in der Ferne der Felsspitz oberhalb des Sumpfschartls sichtbar

Oberhalb des kleinen Kessels, der durch die Verflachung gebildet wird, befindet sich ein mehr oder weniger vereister Wasserfall aus dem Hochtal, umgeben von wilden Felswänden. Im linken Teil des Kessels verschwinden die Felswände zugunsten einer steilen Schneise mit niederem Baumbewuchs, durch die abgefahren wird. Das Gelände dort wird bezeichnenderweise „Falle“ genannt.

Hohe Warte im Kamm zwischen Vals und Schmirn; rechts die einsame starke Zirbe

Vorbei an dem kleinen Felswändchen aus dem interessanten Hochstegenmarmor führt der Aufstieg, der im Sommer wohl Viehaufstieg gewesen sein muß. Betrachtet man das Felswändchen genau, dann entdeckt man ein halb verfallenes Holzmarterl und div. Farbbeschriftungen der Felsfläche, unter anderem die Jahreszahl 1949.

Blick zur oberen Jochgrube

Oberhalb dieser Stufe befindet man sich in flacherem Gelände. Die Route orientiert sich an der Freifläche, die im Aufstieg wieder auf die rechte Talseite führt. Dort formt sich eine Mulde aus, höchstwahrscheinlich gebildet durch Muren aus den Hochflächen darüber.

Die Mulde weitet sich im oberen Teil, wo sie auch steiler wird, zu einem etwa 400 bis 500m breiten Tal in Richtung Süden, zum Sumpfschartl. Rechts, südwestlich zweigt ein schmäleres Tal zum Niedervennjöchl ab, das bei der Schitour zur Saxalmwand begangen wird.

Aufstieg zum Karboden unterhalb des Sumpfschartls

Etwa auf 2.030m taucht links des Aufstiegs die Schaferhütte auf, die in großem Abstand liegen gelassen wird, ebenso wie die zehn Minuten des Aufstiegs über ihr stehende einzelne Zirbe mit Doppelstamm, die an ihrem Standort unbeirrt oberhalb der Baumgrenze gedeiht.
Bereits auf Höhe der Schaferhütte kann das kleine, nach links steil abfallende Spitzl des Felsens am Sumpfschartl gesehen werden. Allerdings zieht sich der Aufstieg dorthin schon noch.

rechts im Tal geht es in Entfernung von der Saxalmwand weiter

Die Flurbezeichnung oberhalb der Zirbe lautet „Untere Jochgrube“ und sie wird durch eine leicht steilere Stufe von der Oberen Jochgrube getrennt. Das Gelände ist gut kupiert und manche Hügel erinnern an Moränengeschiebe; der Aufstieg erfolgt ausweichend leicht an den Flanken im Tiefen.

auslaufende Rippe, die unseren Aufstieg von der Langen Wand trennt, etwa auf 2.300m

Nach der Oberen Jochgrube (2.200m) auf etwa 2.280m wird das Gelände flacher und die Kupierung geht in eine weite ansteigende Mulde über, die auf die nächste Stufe, das Kar unterhalb des Sumpfschartls auf 2.500m überleitet. Im letzten Teil zeigte sich der Übergang bei unserem Aufstieg etwas abgeblasen und mit Felsbrocken durchzogen, jedoch ohne großartige Suche nach der besten Passage durchquerbar.

etwas flacher geht es weiter, hier etwa 2.350

Am flachen Plateau im Kar unterhalb des Sumpfschartls angekommen rätselten wir, welcher Aufstieg der Beste sein würde. Da wir an diesem Tag die ersten waren konnten wir keiner sichtbaren Spur folgen. Bei diffusem Licht war eine präzise Geländeform auszumachen nicht möglich und der Normalanstieg auf der Flanke der Südseite erschien uns als zu abgeblasen felsig im obersten Teil. Also entschieden wir die Leeseite des Karkessels als Aufstieg zu wählen, genau an diesem Teil des Hangs an dem abgefahren wird und sollten mit dieser Wahl einiges an Mühe erleben.

am Karboden auf etwa 2.500m

Zwar hatten wir hinsichtlich Windeinfluß und aperen Stellen mit der Begehung des steilen Hangs genau richtig getan, die Schneeverhältnisse jedoch straften uns insofern gleich ab, als daß wir ständig durch die sehr brüchige Harschoberfläche durchbrachen, die etwa 10 cm stark und aus der grobkörnigen Umwandlungsschicht bestand, die man vorwiegend im Frühjahr antrifft, heuer jedoch den ganzen Winter über immer wieder antraf.

unterwegs zum steilen Schlußteil auf das Sumpfschartl

Noch vor der Hälfte des Höhenunterschieds zum Sumpfschartl mußten wir die Schi schultern, da ein Weiterkommen  mit zunehmender Steilheit nicht mehr möglich war und tauschten damit gegen tiefes Einsinken und mühsames Fortkommen in direkter Falllinie.

etwa die eingeschlagene Richtung weiter am Hang rechts der Schrofen wählten wir die Aufstiegsroute und erreichten oben die dunklen Felsen rechts neben dem Sumpfschartl

Oberhalb der Hälfte änderten sich die Schneeverhältnisse schlagartig hin zu einer völlig durchgefrorenen Schmelzoberfläche, die das Stufenschlagen mit dem Schuh kaum möglich machte und für jeden Tritt etwa fünf kräftige Schläge nötig waren, um genügend tief einzudringen.
Für diesen bockharten Teil wären Steigeisen nötig gewesen, die wir für solch eine Tour natürlich nicht dabei hatten.

Ankunft in der Gufel unterhalb des Grates zur Saxalmwand unweit und etwas höher als das Sumpfschartl.

Während des sehr anstrengenden Aufstiegs wurde uns rasch klar, daß eine Querung zum etwas südlich gelegenen Sumpfschartl nicht einfach möglich sein würde und beschlossen, uns in direkter Richtung weiter zum Felsansatz des Grates weiter zu bewegen und dort zu queren.

Erkundung des Abstiegs zum Sumpfschartl

Somit stapften wir keuchend durch den steilsten Teil des gesamten Kars mit deutlich über 40° Hangneigung und gelangten kaum 50m westlich des Sumpfschartls in eine komfortable, windgeschützte Gufel, etwa 20Hm oberhalb des Felsspitzes der das Sumpfschartl nördlich begrenzt.

von links: Hohe Warte (Schmirn), Kleiner Kaserer, Hohe Kirche (vorne), Olperer und Fussstein knapp nebeneinander, Hohe Warte (Vals, vorne) und der Gipfelbereich der Sagwandspitze

Von der Gufel aus erkundeten wir die kurze Querung, die mit dem Abstieg entlang der schönen glatten Wand, die schon von weitem die Lage des Sumpfschartls für den Tourengeher im Aufstieg markiert. In der Gufel und während der Querung kann man auch die schönen schwarzgrünen Amphibolitoberflächen am Grat erkennen.

kurzer Abstieg entlang des Felsspitzes zum Sumpfschartl

Angekommen am breiten Sumpfschartl blies uns gleich der scharfe Wind um die Ohren weswegen wir ja die Südflanke des Kars mieden. Außer einer Minute für ein paar Fotos zum Schrammacher und Wolfendorn, sowie über das sehr breite apere Tal des ehemaligen Venner Ferners, zogen wir uns für die Gipfelrast in das Lee der Felswand zurück, um dem schneidend kalten Geblase zu entgehen.

Kraxentrager vom Sumpfscharll aus

Der Geistbeckweg zieht von Osten über die Südflanke des Kars durch die Scharte, von der aus er ohne wesentlichen Höhengewinn zur Landshuter Hütte weiterführt, die vor der Scharte aus nicht eingesehen werden kann.

links Wildseespitze, mittig Rollspitze, rechts Wolfendorn

Gen Osten bietet das Sumpfschartl einen tollen Blick zum Ortler und von unserer Position zuvor, aus der Gufel etwas westlich vom Sumpfschartl, konnte auch der Grat von der Hohen Kirche über die Hohe Warte zum Gipfel der kühnen Sagwandspitze gesehen werden.

im Sumpfschartl nach Nordwesten geblickt – einzig windgeschützte Stelle hinter einem Wandvorsprung

Rückwirkend betrachtet, vom Sumpfschartl aus gesehen, hätten wir den steinig aperen Normalaufstieg vom Karboden zum Geistbeckweg nehmen sollen, der dafür weniger steil und wahrscheinlich besser begehbar – allerdings mit viel mehr Wind durchzogen – gewesen wäre. Wie sehr eine Einschätzung im Schnee bei diffusem Licht danebenliegen kann haben wir am Hang zum Sumpfschartl dadurch selbst erfahren.

Felsspitz oberhalb des Sumpfschartls, Gestein: Tuxer Zentralgneis

Als Abfahrtsroute wählten wir die Normalabfahrt, die westlich vom Sumpfschartl auf den nicht mehr felsdurchzogenen Hang hinausquert, um ohne Hindernisse durch Felsen und Blöcke zum Karboden hinabzuziehen. Auf etwas ruppiger Oberfläche, die im unteren Teil nur wenig Druck beim Schwung vertrug, erreichten wir den Karboden wieder, auf den nun mehrere Gruppen aufgestiegen waren.

Blick auf den Abfahrtshang

Mittlerweile hatte auch der Himmel weiter aufgeklart und wir konnten im Rückblick vom Karboden unsere Aufstiegsroute als die deutlich steiler erkennen.

Rückblick vom Karboden zum Sumpfschartl bei plötzlich besserer Sicht

Das Abfahrtserlebnis über das schön gestufte breite Tal bis zur Schaferhütte ist die Tour wirklich wert, ein tolles Erlebnis mit der gewaltigen Wand der Saxalmschuppe linkerhand während der Abfahrt.

Saxalmwand im Hintergrund

Diesmal probierten wir durch den Hang östlich der Schaferhütte abzufahren, der bei der Tour auf die Saxalmwand nicht erreicht wird und „Reatin“ genannt wird.

tolles, kupiertes Schigelände hinab zur Schaferhütte

Der Hang hat eine angenehme Steilheit und zwischen den jungen Lärchen seine Schwünge zu ziehen bleibt in Erinnerung und wurde in unserem Fall nur durch einen leichten Harschdeckel erschwert.

vereinzelter Jungbaumbestand im Hang „Reatin“

Unterhalb dieses Hanges wird die Aufstiegsspur wieder erreicht, die überquert, und die Talstufe hinab zur „Falle“ nun noch steiler (lt. Tiris >40°) abgefahren wird.
Von dort fuhren wir links der Einschnürung des Geländes durch den Bach hinab zur Bloaderalm von der aus wir noch einen bärigen Rückblick mit der Saxalmwand genossen.

Blick auf die Hohe Kirche, Hohe Warte (Vals) und weiter südlich die Sagwandspitze (3.227m)

Von der Alm aus hat man auch eine schöne Ansicht der Hohen Kirche, auf die eine tolle Schitour führt, die auf diesem Blog beschrieben wird.

letzter Rückblick unterhalb der Bloaderalm mit der Saxalmwand im Hintergrund

Unsere Aufstiegszeit zum Sumpfschartl betrug 3:15 Stunden, bei 1.405Hm und an Gesamtzeit mit eher kurzem Gipfelaufenthalt betrug 4:42h. Die Streckenlänge beträgt etwa 4,5km.

Mils, 29.02.2020

1 benannt nach Dr. Alois Geistbeck, einem bayerischen Geographen: https://www.deutsche-biographie.de/sfz20244.html

 2 Alpingeschichte kurz und bündig, St. Jodok, Schmirn- und Valsertal: https://www.spitzentreffen.at/wp-content/uploads/2020/05/alpingeschichte_st-jodok_2016.pdf

 

Schitour Haidenspitze, 2.974m

Als zweite Möglichkeit eines Aufstiegs in der westlichen Talflanke im Verlauf des Gleirschtales präsentiert sich die Schitour auf die Haidenspitze von der Talstation der Materialseilbahn zur Pforzheimer Hütte als ein mehrstufiger, großteils steiler Aufstieg auf einen lohnenden, gerade nicht Dreitausender.
Einzige Verschnaufpause im Anstieg stellt die flache Mulde „auf der Haide“ dar und selbst diese weist eine durchschnittliche Steigung  im normalen Aufstiegsbereich von gut 10° auf.

Gipfelkreuz in Sicht

In St. Sigmund, am großen Parkplatz (1.515m, ein paar Euro Gebühr), erfolgt der Start entlang des Weges ins Gleirschtal, des Winters Rodelbahn. Flach beginnt der Aufstieg und Abkürzungen bis zur Gleirschalm gibt es nur eine recht kurze, wenig ergiebige nach der ersten Linkskurve nach der Brücke über den Gleirschbach.

schattiger Aufstieg nach der Gleirschalm

Ab der Gleirschalm (eigentlich „die Gleirschhöfe“), die neben der Pforzheimerhütte meist den Einkehrpunkt nach den Touren im Gleirschtal bildet, wird bald erreicht und ab dort geht es auf dem langen scheinbar flachen Teil am „Anger“ bis zur ersten Talverengung weiter. Am Schluß zieht sich die Spur mit ein zwei Meter Höhenverlust taleinwärts und trügt, der Höhenunterschied auf dieser 1.300m langen Strecke von der Alm beträgt knapp 80Hm. Eine gute halbe Stunde dauert der Aufstieg bis zum Beginn der mäßigen Steigung hinter der Gleirschalm und außerhalb der Vorderen Gleirschalmhütte.

kurz vor der Engstelle Ochsenhag

Über verschieden steile – immer aber nur mäßig steile – Kuppen zieht sich die Route meist am Weg bis zu einer deutlichen Talverengung, in der bei allen Touren, die der Verfasser bis jetzt im Gleirschtal unternommen hat, Lawinenreste vom Hang östlich herab vorgekommen sind, der Ort „Ochsenhag“ genannt. Kaum einige Minuten hinter dieser Einschnürung befindet sich die Talstation der Pforzheimerhütte, die einen Wegpunkt im Aufstieg zur Haidenspitze bildet.

Gelände der Hinteren Gleirschalm – oberhalb der Talstufe die Pforzheimerhütte

Der gesamte Teil des Aufstiegs bis zur Seilbahn bleibt im Hochwinter im Schatten, erst nach der Seilbahn darf man sich der Sonne erfreuen. Zuweilen kann die Thermik im Gleirschtal ein eisiges Lüftl erzeugen, das aufgrund der Dichte natürlich immer in Richtung Tal strömt und für entsprechende Gefühle im Gesicht sorgt – so auch bei unserer Begehung, weswegen die Sonnenhänge auf die Haidenspitze, die von der Seilbahn nordwestlich wegziehen, beim Aufstieg im nächsten Abschnitt willkommen sind.

das Aufstiegsgelände halb im in der Sonne, halb im Schatten

Bis zur Seilbahn (etwa 2.125m) werden in etwa eineinhalb Stunden 6,7km und gut 600Hm zurückgelegt. Durchschnittlich beträgt die Steigung somit etwa 9% und kann, für Konditionsstarke oder auch mit etwas Humor, als Aufwärmstrecke bezeichnet werden. Bis zum Gipfel fehlen von dort noch rassige 850Hm, die das Gustostück der im oberen Teil hochalpinen Unternehmung darstellen.

der schattige Teil, den wir nicht gewählt haben; dahinter die Rotgrubenspitze

Ein schöner und in jeder Hinsicht frei wählbarer Teil des sich vom Tal hinaufziehenden Hangs ist der unterste Teil, der rechterhand, nordwestlich nach der Seilbahn ansetzt.
Wir haderten an diesem Hang zwischen Wärme unter Sonne im Steilen (gut 35° Hangneigung und auch etwas mehr) und der weniger kraftraubenden Strecke, weil flacher, im Schatten des breiten Hangs, wobei – kaum verwunderlich – die Bestrahlung obsiegte und wir Kraft gegen Wärme eintauschten.

Rückblick auf den Talkessel der Gleirschalm

Nach einigen Minuten Am Hang tauchten wir Ende Februar bereits in Bestrahlung ein, welche der schon feinen Stimmung auf der schönen Tour nochmals zusätzliche Hochgefühle einhauchte.

etwa 600m gegenüber die Pforzheimerhütte

Noch unterhalb der Hälfte des schönen Schihangs zur Rotgrube, der mehr als 400Hm Höhenunterschied misst, wird die Höhe der Pforzheimerhütte erreicht , die etwa 600m Luftlinie südlicher auf einer Geländeverflachung am Ansatz zum Walfeskar liegt.

kurze Rast mit der Haidenspitze im Hintergrund

An dieser Stelle präge man sich das Gelände in Richtung zur Pforzheimerhütte ein, sollte eine Einkehr in der derselben bei der Abfahrt von der Haidenspitze ins Auge gefaßt werden. Die Querung des Hangs „am Sum“ unterhalb der „Schwärzschrofen“ ist, bei rechtzeitig hohem Ansatz der Querung, in durchgehender Fahrt über den steilen Hang möglich, wenn die Schneelage paßt.

Anstieg auf das kleine Plateau vor der Steilstufe

Unser Aufstieg zur Haidenspitze führt über den Ansatz der Rotgrube, die zwischen dem markanten nördlichen Felsabbruch, der von der Haidenspitze als Abbruchkante herunterzieht (Rautenwand) und der westlichen Begrenzung, einer Gratrippe, die das Walfeskar abscheidet, mit einer Mittelrippe von der Rotgrubenspitze herab, eingebettet liegt. Gemäß der AV-Karte werden beide Muldenteile Rotgrube genannt.

Flanke auf die Stufe „auf der Haide“

Zwischen der Haiden- und der Rotgrubenspitze liegt die Rotgrubenscharte. Auf die Rotgrubenspitze (3.040m) führt von der Rotgrube aus ebenfalls eine Schitour, die, angesichts der sichtbaren Schroffheit der Flanke dorthin, ein hehres Ziel darstellen muß.

Anstieg in der steilen Flanke

Im flacheren unteren Teil der Rotgrube (kleines Plateau ~2.550m) erkennt man gut die Passage durch die Schrofen hindurch zum Plateau „auf der Haide“ hinauf. Hierzu wird nahe an die Steilstufe herangestiegen und dann, in wenigen Spitzkehren leicht nordöstlich durch den steilen Hang gestiegen, im oberen Teil mit der größten Neigung (>35°) und kurz.

oberer Teil der Flanke auf die Haide

Bei unserer Begehung fanden wir die südwärts ausgerichtete Passage auf den letzten ca. 20Hm bereits Ende Februar mit nur mehr wenig Schneeauflage zwischen den Schrofen vor.

oberer Teil Steilstufe auf die Haide

Zunächst kann im Flachen, nach dem steilen Durchstieg, beim Verschnaufen auf dieser Stufe im Rücken das herrliche Panorama des bis zum Talende völlig offenen Gleirschtals genossen werden. Ein grandioser Anblick des weiten und von lauter eindrucksvollen Spitzen – bis hin zum Hohen Seeblaskogel – gesäumter Talkessel, der beeindruckt, bevor man sich dem weiteren Aufstieg auf die Haidenspitze zuwendet. Bereits tief unterhalb die Pforzheimerhütte zu sehen.

phantastischer Rückblick in das Gleirschtal; im Vordergrund die ausgeaperte Kante

Wir hatten ab der Flachstelle die Wahl zwischen der linksseitigen (westlichen) Umrundung des Geländes „auf der Haide“ und dem rechtsseitigen (östlichen) Aufstieg auf eine moderat steigend Rippe, die oben an die südöstlich ausgerichtete Schlußflanke zur Haidenspitze hinaufzieht und entschieden und für die linksseitige Umrundung und den Aufstieg zur Kammhöhe in der hinteren Verschneidung.

in den Muldenkessel hinein unterwegs

Bei zweifelhaften Schneeverhältnissen, oder auch frequenter Befahrung oberhalb der tiefen Mulde mag die Variante rechterhand die klügere, bzw. sichere sein. In unserem Fall waren wir allerdings die ersten am Tag und so entschieden wir den schöneren Anstieg durch die Mulde und die Verschneidung am Ende.

der schöne Muldenkessel unterhalb der Haidenspitze

Der Abschnitt durch den Muldenkessel fordert vor allem im oberen Teil mehr an Kondition als es von unten, von der Flachstelle aus aussieht. Bis zum steileren Teil werden im Muldenkessel immerhin auch 100Hm gewonnen. Der steilere Teil liegt noch etwa 300Hm unterhalb des Gipfels der Haidenspitze und beglückte uns am schönen Tag gegen Ende Februar in rundum eingebetteter Lage mit schweißtreibenden Temperaturen.

bestes Tourengelände, links die steile Flanke zum Gipfel

Auf dem breiten Gratrücken angekommen, kann die Flanke zur Haidenspitze hinauf fast vollständig eingesehen werden und sie wirkt steil; am steilsten Abschnitt reicht die Neigung an 40° heran und es gibt Stellen darüber.

Aufstieg im steilen hinteren Muldenteil

Dem Kamm folgten wir bis er in die Flanke überging und legten dann – etwa 100Hm unterhalb des Gipfels – ein paar Spitzkehren, etwas links der Schrofenhänge ober uns (Pkt. 2.955m in AV-Karte). Zuletzt querten wir aus einer flacheren kleinen Mulde gut unterhalb des Gipfelgrates zum Gipfelkreuz der Haidenspitze hinaus.

die steile Gipfelflanke

Nicht nur als Schitour rassig, auch als Aussichtspunkt verdient die Haidenspitze hervorgehoben zu werden. Das Panorama knapp unterhalb der 3.000m Marke ist wirklich beeindruckend, ins offene Gleirschtal  fällt der schönste Blick aller Kulissen in einer Drehung.

Eindruck zur Hangneigung am Gipfelhang zur Haidenspitze

Adolf Witzenmann, schwäbischem Bergpionier und Initiator der (neuen) Pforzheimerhütte, ist das eigenwillige, ansprechend schöne Edelstahl Gipfelkreuz auf der Haidenspitze gewidmet und es wurde von Nachkommen finanziert und im Juli 2009 von der DAV-Sektion Pforzheim aufgestellt. Das Gipfelbuch wird seitlich im stumpfen Pyramidenboden der Querstrebe verwahrt und ist dort trotz Wetterseite gut vor Nässe geschützt.

Haidenspitze, 2.974m

Im Kamm südwärts befindet sich die imposante Rotgrubenspitze und ganz knapp an ihrer rechten Flanke weit dahinter der Zwieselbacher Rosskogel, ein tolles Schitourenziel.

Blick zur Rotgrubenspitze und knapp rechts davon zum Zwieselbacher Rosskogel

Ein bemerkenswerter Blick zielt über das Gleirschjöchl (2.751m) hinüber zum leicht südöstlich gelegenen Breiten Grießkogel (3.287m) und auf den Strahlkogel (3.288m) rechts daneben.

ganz links der Gleirscher Fernerkogel, rechts die Vordere Sommerwand, in Bildmitte der weiße Kopf des Breiten Grieskogels, rechts davon der Strahlkogel

Links davon, also genau südlich, liegen die Sommerwände und die auffallend kühne Spitze ist der Gipfel der Vorderen Sommerwand (3.156m). Sie liegt 1,7km näher zur Haidenspitze und wirkt daher höher als die höchste Erhebung im Tal, der Gleirscher Fernerkogel (3.194m), der Gipfel am südlichsten Talende des 10km langen Gleirschtales (bis zum Ende des Gleirschferners), von dem er seine Namensgebung erhalten hat. Er ist knapp oberhalb der Südlichen Sommerwandspitze mit breitem Schneeband links vom Gipfel abfallend sichtbar und bietet eine unvergessliche Schitour mit nicht mehr leichtem Steilaufstieg.

links hinten Hohe Wasserfalle, Hochreichspitze, Gamezkögel, auf einer Linie Weitkarspitze, dahinter Sulzkogel, dahinter Acherkogel, rechts davon Zwöflerkogel im Hintergrund und Kraspesspitze im Vordergrund

Im Westen reicht der Blick zur phantastischen Schitour auf den Hochreichkopf, mit der Hohen Wasserfalle links davon, im Vordergrund – über dem aperen Gratrücken gelegen – die Weitkarspitze mit dem Sulzkogel und weit entfernt dem Acherkogel in fast direkter Richtung dahinter.

Blick auf die Zwingen im Talgrund des Kraspestals, aufragend die Steintalspitzen und der Gaiskogel (beide links der Bildmitte)

Genau hinter der Scharte zwischen nördlichem Ausläufer der Weitkarspitze und der Kraspesspitze fällt die markante Pyramide des Zwölferkogels (2.988m) ins Auge.

links der Bildmitte der Praxmarer Grieskogel, eine lohnende Schitour

Gegen mittags wurde es Zeit zur Abfahrt, da die Sonneneinstrahlung schon sehr am Schnee gewirkt hat und dieser immer weicher wurde. Nach einer halben Stunde Gipfelpause standen wir also wieder am Schi zur Abfahrt bereit.

schönes Gipfelkreuz auf der Haidenspitze

Die drei Kollegen, die gleichzeitig mit uns aufstiegen und eine bemerkenswerte Qualität von Höhenmedizin bei sich hatten, die in dieser Güte normal nur der Autor von seinem Bergmedizin-Pharmazeuten Peter Mayr aus Hall verabreicht bekommt, dehnten deren Gipfelrast noch weiter aus. Wahrscheinlich weil es so schön war und dieser Grund ist auf der Haidenspitze mehr als verständlich.

gewaltige Sicht in den Süden; das hintere Gleirschtal mit seiner tollen Umrahmung

Die steile Abfahrt über die schon sehr lange am Tag bestrahlte Gipfelflanke präsentierte sich von der Aufweichung her als sehr akzeptabel und bot fast Firnverhältnisse, mit leichten Schwüngen und kaum Einsinken.

Abfahrt über den Gipfelhang

Weiter unten, durch weniger Sonneneinwirkung, wurde die Oberfläche noch besser und im Kessel trafen wir kaum nassen Oberflächenschnee an.

wieder am Kamm und weiter hinab in den Muldenkessel

Nach der Kante „auf der Haide“ herrschten im Steilen wieder richtig gute Firnverhältnisse vor und die 500Hm hinab ins Tal haben wir so richtig genossen.

Rückblick nach den bärigen Hängen

Am Weg hinaus zur Gleirschalm – etwa nach der Vorderen Gleirschalm – konnten wir noch einen Blick auf die Wechten am Kammrücken werfen (siehe Bildergalerie), denen man fernbleiben sollte, wenn man „auf der Haide“ rechterhand über den Buckel ansteigt, anstelle über den Muldenkessel.

weiter im Firn unterhalb der Steilstufe

Ihren Abschluß fand die schöne Schitour in der netten Gleirschalm, bei Standardmenü des Bergsteigers, Knödelsuppe und Bier auf der sonnigen Terrasse.

auf die Haidenspitze, Prost!

Die Tourdaten aus den Aufzeichnungen: Aufstieg 1.470m – 3:40h, Gesamtzeit 5:40h (incl. 30min Gipfelpause und 45min in der Gleirschalm) bei einer Streckenlänge im Aufstieg von etwa 9km.

Mils, 22.02.2020

Schitour Rote Wand, 2.217m – von Kolsassberg

Direkt aus dem Inntal mit kurzen Anfahrtsstrecken aus dem Tal erreichbar können auf die Rote Wand sowohl vom Kolsassberg, als auch vom Wattenberg zwei unerwartet schöne Schitouren auf die Rote Wand unternommen werden. Welche von beiden Varianten insgesamt den Vorzug erhält sei dahingestellt. Der Aufstieg vom Wattenberg ist etwas länger und beträgt um 150Hm weniger – somit etwa der selbe Zeitbedarf -, abfahrtsorientiert geurteilt mögen wohl die längeren freien Hänge auf der Kolsasser Seite den langen Querungen und Waldschneisen der Wattener Seite vorzuziehen sein. Beiden dieser pfiffigen Schitouren ist die kaum vorhandene Parkmöglichkeit gemein.

die Truppe am Gipfelkreuz der Roten Wand

Den Ausgangspunkt am Kolsassberg kann entweder die Abzweigung des Felderastweges vom Hohenlehenweg (1.070m) darstellen, oder, am Felderastweg nach dem Weidegitter weiter zur nächsten Abzweigung, eine Weggabelung mit einer ähnliche Situation mit schmalen flachen Stellmöglichkeiten am Plateau der Abzweigung.

Start am Felderastweg

Parkplätze im eigentlichen Sinn sind das nicht und, nachdem es uns fern lag die Anrainer mit schlecht geparkten Fahrzeugen zu belästigen, mußte das Fahrzeug des Verfassers erst einmal aus dem Schnee gezogen (wofür er sich bei einem fremden Tourenkollegen für dessen „4×4–Hilfe“ hier nochmals bedankt) und eine andere Parkstellung gefunden werden. Fünf Fahrzeuge überfordern die Abstellmöglichkeiten dieser Abzweigung schon völlig, sofern man nicht schräg im Hang steht. Wie manch Kartenwerk hier ein blaues „P“ ausweisen kann ist dem Verfasser unerklärlich.

gleich am schönen Hang aufgestiegen

Oberhalb des Felderastweges beginnt der Aufstieg beim Heustadel über mäßig steile Wiesen zum Waldrand hinauf, wobei ein paar Häuser links und rechts liegen gelassen werden. Am Waldrand folgt man zwei Minuten dem Almweg, bevor ein etwas steilerer Graben in den Wald führt.

und über einen Hohlweg in den Wald eingetaucht

Am Ende des Grabens wird der Almweg erneut gequert und eine weitere kurze Waldpassage aufgestiegen, bis eine Kehre im Weg erreicht wird, der wieder kurz in südöstlicher Richtung gefolgt wird bevor die Route erneut in den Wald eintaucht.

Wegquerung kurz danach

Im Wald wird nun etwa eine Viertelstunde angestiegen, bevor die Anfänge des Spechtbaches überschritten werden muß. In unserem Fall erfolgte die Überquerung noch halbwegs auf Schneeuntergrund, notfalls ist Abschnallen erforderlich.

am Sommerweg entlang

Weiters folgt eine freie Forstfläche die unterhalb des Almgeländes der Herrenalm führt, an der der klassische Fichtenwald endet. Über tolles Gelände erreichten wir die Herrenalm auf 1.641m.

über die Anfänge des Spechtbachs

Bergwärts hinter der Herrenalm steigt das malerische Gelände etwa eine halbe Stunde Aufstiegszeit unter weniger dichtem Kiefernbewuchs  zur nächsten Stufe, den freien Flächen oberhalb der Baumgrenze auf etwa 1.800m an.

kurz vor der Herrenalm

Am Weg dorthin führt die Route malerisch zwischen Zirben, Tannen und Fichten, mit dichtem Flechtenbewuchs, oberhalb einer mondänen, recht neu errichteten (Jagd)hütte vorbei, die offenbar Sentobehütte1 genannt wird.

Rückblick oberhalb der Herrenalm

Als schönster Teil dieser Stufe kann wohl jener genannt werden, der kurz vor den letzten Zirben in die freie Hangfläche unterhalb der Roten Wand überleitet. Von dort genießt man einen wunderbaren Blick über das Weertal sowie den Gipfeln über Nurpens- und Nafingtal mit ihren bärigen Schitourenzielen die ziemlich alle auf diesem Blog zu finden sind und von denen aufgrund der Schönheit die Rastkogelrunde, der Rosskopf von Hochfügen aus und das Hobarjoch hier als extra empfehlenswert verlinkt werden.

knapp vor der Waldgrenze – bereits lichtere Passagen zwischen Zirben

Mit dem Heraustreten aus dem Wald über der Baumgrenze wird noch nicht das etwa 400Hm höher gelegene Gipfelkreuz sichtbar, dazu muß noch recht weit aufgestiegen werden. Die Orientierung fällt hier aber auch ohne Spuren nicht schwer, da die Geländeform die feinste Aufstiegsroute durch ihre Form vorschlägt.

idyllisches Gelände beginnt gegen die Baumgrenze hin

Zunächst wird der untere Hangteil eher in westliche Richtung begangen und auf einem schwach ausgeprägten Buckel etwa ab 1.950m südwärts über eine steilere Flanke Richtung Gipfelbereich eingeschwenkt.

Aufstieg über bärige Hänge

Die gesamte Freifläche auf dem Nordosthang weist nach TIRIS Hangneigungswerte bis 35° zwischen kleinen eingestreuten steileren Partien auf, sodaß die Spur auch bei zweifelhaften Verhältnissen optimal gelegt werden kann.

aber immer ein angenehmer Aufstieg – ab etwa 2.000m windgepresst

Während wir im Wald und noch unteren Teil des schönen Nordosthangs noch Lockerschneeverhältnisse vorfanden, änderte sich dies durch die langen Schönwetterperioden zwischen den Schneefällen – wie üblich im Winter 2019/20 sehr häufig zu beobachten – gegen die windausgesetzten oberen Teile zusehends.

die Touren vom Weerberg aus auf einen Blick

Über den Buckel in Westrichtung des Inntals und im Gipfelbereich herrschten teilweise hartgepresste Schneeoberflächen, wie auch durch die Windgangln auf den Fotos zu sehen.

auf dem Buckel in Richtung Westen

Über die steilere Flanke in südlicher Richtung den Gipfelhang aufgestiegen tritt das Gipfelkreuz erstmals in voller Größe ins Blickfeld.  Es befindet sich dem geodätischen Gipfel der Roten Wand auf dem nordostgerichteten Buckel vorgelagert auf markanter, vom Tal aus sichtbar ausgewählter Stelle. Der Gipfel der Roten Wand selber befindet sich auf der Gratrippe weiter südlich und wird kaum begangen (Foto in der Bildergalerie).

die etwas steilere Flanke zum Gipfelbereich der Roten Wand

Am Gipfelkreuz, dessen korrekte Lage aufgrund der Auswirkungen der Schneemassen im Winter 18/19 im Sommer 2019 von seinen Aufstellern, der FF-Kolsass, korrigiert werden mußte, besteht eine tolle Aussicht in das Inntal und auf das Karwendel und Rofangebirge.

kurz vor dem Gipfelbereich

Die Sicht auf die südlich gelegenen Tuxer Gipfel ist nur vom Gipfel der Roten Wand gegeben, vom Gipfelkreuz aus nur in Richtung Rastkogel, nicht aber westlich davon, dazu steht das Kreuz zu tief. Hierzu müssen einige Minuten zusätzlichen Aufstiegs in Richtung Gipfel der Roten Wand investiert werden.

Gipfelkuppe der Roten Wand

Nach einem kurzen Plausch mit lange nicht mehr gesehenen KollegInnen aus Mils bereiteten wir uns für die Abfahrt vor.

Blick vom Gipfelplateau auf die Rote Wand

Die eingangs vom Verfasser aufgestellte Behauptung, daß die Abfahrt auf dieser Seite die schönere sein müßte, entstand nicht nur während des Erlebnisses der tollen Schneeverhältnisse, sondern auch aufgrund des Eindrucks an dem langen Abfahrtshang, der sich im breiten Gelände über immerhin gut 400Hm über freies Gelände mit schier unbegrenzter Spurwahl zieht.

oberster Abfahrtshang

Da der Hang für die Abfahrt weiter östlich als für den Aufstieg gewählt wird, liegt dieser Teil der Wetterseite abgewandt und wies bei unserer Befahrung wirklich bärigen Lockerschnee auf, in dem es sich dermaßen königlich abfahren lies, daß sogar der Verfasser, der in erster Linie am Aufstieg interessiert ist, diese Bedingungen – gepaart mit dem Blick in die greifbare unbeschneite Talnähe – zum Jauchzen für gut befand.

noch wenig verspurte Abfahrt von der Roten Wand

Unvergessliche Bilder im Kopf entstehen in alpinem Wintergelände sehr oft im Zusammenwirken des Farbenspiels weiß, blau und – meist nicht richtig wahrnehmbar – mit dem Grün der Bäume, vor allem aber durch Licht und Schattenbereiche, die Konturen so messerscharf und doch so wohltuend harmonisch zeichnen, daß solche Bildkompositionen vom Verfasser fast suchtartig gesucht werden.

was will man mehr knapp neben dem Inntal

Wenn diese Eindrücke, die dem unübertrefflichen Schaffensreichtum der Natur entstammen, auch noch ein superstatisches Bild erzeugen, dann kommt das ekstatische Gefühl der Zeitlosigkeit im kleinen Menschlein auf, das eine faustisch kontemplative Wirkung auf das Gemüt ausübt, die wie eine Droge aufgesaugt, in ausgewählte Regionen der Erinnerungsfähigkeit gespeichert wird und den Wunsch hervorruft, es möge dies Gefühl nicht nur im Augenblick verweilen.

tausend Worte auf einen Blick

Ein solcher Moment war uns an diesem Tag beschieden. Dies Bild gibt nur einen Hauch des Erlebten wieder.

der lange Hang gibt noch mehr her

Jeder der diese Momente am Berg und durch den Berg kennt bedarf keines weiteren Wortes der Erklärung. Wer sie nicht versteht mag für sich die Aussage als Träumerei abtun, der Verfasser kann gut damit leben.

und taucht wieder in den Stillstand der Zeit ein

Von diesen Eindrücken und Erlebnissen kann nicht nur in schlechten Zeiten für die Seele gezehrt werden, sie vermitteln – jedenfalls beim Verfasser – dauerhafte Hochstimmung, die, wie schon beschrieben, suchtartig angestrebt wird und rezeptiv auf ein- bis zweimaligen Konsum pro Woche begrenzt werden muß, um eine Überdosis zu vermeiden.

Richard und Monika

Zurück in der realen Welt sind wir an der Waldgrenze angelangt und immer noch überwältigt vom Schweben über weiße Hänge zwischen einzelnen knorrigen Zirben hinein in den dichteren Wald in dem durch den Rückblick der traumhafte Zustand ein weiteres Mal verkostet werden durfte.

bei der wieder erstarkten Herrenalm

Mit viel Raum zwischen den Bäumen setzte sich die Fahrt im schattigen Wald fort, hinab zur wiedererstandenen Herrenalm; eine Wohltat, das sehr wahrscheinlich kaum rentable Gebäude mit viel Mühe erhalten zu sehen.

letzte Eindrücke vom oberen Abfahrtsteil

Mit hangparallelen Sonnenstrahlen Mitte Februar ging es weitere zehn Minuten Abfahrt entlang des Aufstiegs hinab, großteils durch den Wald aber auch über die wenigen freien Flächen dazwischen.

das Almgelände gibt noch ein paar lockere Schwünge her

Abschließend kehrten wir, wie immer, gerne örtlich ein und hierzu besuchten wir die Hofer Stubn als einzig geöffnetes Gasthaus am Kolsassberg, in dem es immer bodenständige Kost gibt. Trotz Liftbetrieb fanden wir auf der Terrasse Platz und beendeten die Tour mit weiteren Sonnenstrahlen.

letzter Hang oberhalb des Felderastweges

Knapp vier Stunden wurden für die gesamte Tour benötigt, eine halbe Stunde am Gipfelkreuz eingeschlossen.

Ausklang bei der Einkehr in den Hofer Stubn am Kolsassberg – mit unserem Ziel in Bildmitte

Die Strecke beträgt 3,6km (großteils am Sommerweg) und 1.150Hm sind zu bewältigen.

Mils, 15.02.2020

1höchstwahrscheinlich entworfen von der Schwazer Architektin Margarethe Heubacher-Sentobe:
https://deu.archinform.net/arch/18039.htm#411b8dc4f31278783a9f3cc354027fa7

https://www.bauforum.at/architektur-bauforum/margarethe-heubacher-sentobe-erfolg-abseits-des-mainstreams-17235

 

Schitour Seblasspitze, 2.351m

 

Wenn Zeit oder die Lawinenwarnstufe zum Kriterium für die Tourenwahl wird, dann bietet sich die landschaftlich reizvolle kurze Schitour auf die Seblasspitze an. Sie beginnt schattseitig im Oberbergtal am kleinen Parkplatz „Josef“ auf 1.380m und führt über die im Winter geöffnete Brandstattalm zum kleinen Gratgipfel.

Seblasspitze, 2.353m (Seblaskreuz)

Vom Parkplatz aus führt der Almweg – im Winter auch Rodelbahn – über sieben Kehren auf die Sonnenseite des sich talwärts neigenden Kammes der Alpeiner Berge bei Kehre fünf zur Abzweigung zwischen der Auffangalm und der Brandstattalm. Die Kehren werden von oben in Rodelrichtung nach unten gezählt, daher beginnt die Schitour am Parkplatz in Richtung Kehre sieben.

Weg zur Brandstattalm – rechts vorne zweigt die Abkürzung durch den Wald ab

Die einzige Umgehung der flachen Rodelbahn fand der Verfasser kurz nach dem Start mit einer Schispurenabzweigung rechts auf die freie Fläche mit gleich steilerem Gelände. Die Umgehung war noch gut zu begehen, denn die Schneelage in diesem unteren Teil reichte im kurzen Waldteil gerade aus. Sie mündet bei Kehre sechs wieder in den Almweg ein.

bei der Verzweigung der Almen – Kehre fünf

Ein weiterer Schiaufstieg durch den Wald wurde bis zur Abzweigung bei Kehre fünf nicht mehr gesichtet, weswegen der sich für den Schitourenfreund hinziehende, etwas langweilige Almweg benutzt werden mußte. Eine halbe Stunde wird für die knapp 200Hm bis dorthin benötigt.

Abzweigung zum Aufstieg in der Mulde bis über die Brandstattalm

Um dem weiteren Almweg auszuweichen, beschloss der Verfasser die Variante über die Zufahrt zur Auffangalm zu nehmen und die steilere Mulde vor der Auffangalm aufzusteigen.
Hierzu wird zuerst 250m dem flachen Weg zur Auffangalm gefolgt und dann rechts über die sich ausbildende Mulde in den aufgelockerten Wald eingebogen.

Aufstieg durch die Mulde oberer Teil

Im oberen Teil wird der Anstieg in der Mulde steiler und ein paar Spitzkehren werden bis zum Ausstieg auf einen flacheren Teil notwendig. Am Weg dorthin tauchen die imposanten Kalkkögel, bzw. die Schlicker Seespitze und der Hohe Burgstall auf der nördlichen Talseite über den Bäumen auf.

Schlicker Seespitze und Hoher Burgstall rechts

Spätestens auf der flacheren Waldstelle ist die Sonnenseite erreicht und von dort bis zum Gipfel entbehrt man ihr nicht mehr. Der Wald wird lichter, um schlußendlich einer Freifläche zu weichen von der das Ziel, die Seblasspitze, eingesehen werden kann.

im flacheren Teil nach der Mulde

Beim „Ochsnerstadele“, einer kleinen Material- und Heuhütte sieht man in Aufstiegsrichtung rechts unten (nordöstlich) die Brandstattalm zwischen Bäumen hindurch. Ab hier beginnt bärigstes Schigelände mit leichtem Kiefernbewuchs und jeder Menge schöner Hänge, die nicht alle bereits befahren wurden.
Von der Abzweigung auf der Rodelbahn bis hierher (rd. 310Hm) wird etwa eine Dreiviertelstunde benötigt.

beim Ochsnerstadele Richtung Ziel geblickt

Der Aufstieg richtet sich ab der Heuhütte zum Gratkamm hin wobei sich die Spur zunächst in malerischen Szenen mit kleinen Bäumchen hindurch mäandert bevor der Kamm erreicht wird.

Aufstieg auf den Kammrücken zur Seblasspitze

Sobald der Kamm erreicht wird öffnet sich eine tolle Ansicht der gegenüberliegenden Oberberger Mähder und in Folge auf den gesamten Kamm bis hin zum westlichen Kulminationspunkt, der Hohen Villerspitze.

Rückblick über den unteren Teil der freien Schihänge

Im Süden beeindrucken die Nordhänge des Habicht und im Norden tritt der Unterschied des bizarren dolomitischen Baues der Schlicker Seespitze immer deutlicher vom anschließenden und wesentlich sanfter geformten kristallinen Kamm zum Schwarzhorn hervor.

Der majestätische Habicht südlich gegenüber

Von der Kammhöhe bis zum Gipfelkreuz der Seblasspitze müssen noch etwa 270Hm zurückgelegt werden. Auf der verbleibenden Strecke werden ein paar leichte Geländebuckel überwunden und in etwa 15min wird das Gipfelkreuz erreicht.

letzter, etwas steiniger werdender Aufstiegsteil

Auf dem kleinen Plateau unterhalb des felsigen Gipfelspitzes befindet sich das Schidepot, von dort über etwa zehn Meter zu Fuß zum Gipfelkreuz.

Hohe Villerspitze im nördlichen Alpeiner Kamm, dahinter Schafgrübler und Blechnerkamp

Nach einem alten AV-Führer1 wird die Seblasspitze als der Punkt 2.503m geführt, der am Grat nach dem Gipfelkreuz einen wenig ausgeprägten rundlichen Hochpunkt bildet und an dem der Grat sich von seiner westlichen Ausrichtung nach Süden wendet.

tief in das Stubaital geschaut – Gipfelbezeichnungen siehe Ende der Bildgalerie

Sehr wahrscheinlich stellt dieser Punkt die frühere Seblasspitze dar, die aus bergsteigerischer Sicht, vor allem im Winter, wenig interessant erscheint und sich daher das Seblaskreuz als Gipfel eingebürgert hat. Im meisten Kartenwerk findet sich das Seblaskreuz als Seblasspitze (jene optisch von unten gesehen ohne Gipfelkreuz) bezeichnet.

der Kamm der südöstlichen Sellrainer Berge mit dem Schwarzhorn etwa mittig

Die Aussicht auf diesem eher niedrigen Ziel, betrachtet man den Habicht und die umliegenden „Fast-Dreitausender“ erscheint unter diesem Aspekt gesehen doch recht eindrucksvoll. Der Habicht (3.278m) mit dem Mischbachferner in seiner extremen Nordseite bildet dabei den Hauptblickfang.

Blick zur Brennerspitze (2.877m)

Aber auch der aufsteigende Kamm bietet einen tollen Blick auf die Brennerspitze (2.877m), auf die auch eine tolle und steile Schitour führt, die unbedingt in die Liste des Verfassers aufgenommen werden muß.

tolle Blicke zum Serleskamm im Südosten

Im südöstlichen Serleskamm beeindrucken die steilen Nordhänge. Schitouren werden dort vom Süden her, von Maria Waldrast und von Trins aus unternommen, beispielsweise die sehr bärige Schitour auf die Kesselspitze von Trins aus. Dahinterliegend befindet sich rechts neben dem Östlichen Elferturm der der Zillertaler Hauptkamm mit Hochferner und Hochfeiler in 39km Entfernung.

Gipfel des südöstlichen Stubaitals

Tiefer in das Stubaital geblickt werden die hohen Ziele im mittleren Hauptkamm der Stubaier sichtbar mit dem populärsten Vertreter unter den sichtbaren Bergen, dem Wilden Freiger. Die Äußere Wetterspitze stellt ein tolles Ziel des Sommers dar.

Abfahrtsgelände zur Brandstattalm

Nach einer ausgiebigen Pause auf dem schönen kleinen Plateau wurde die Abfahrt angetreten. Im oberen Teil am Kamm mußte ein bisschen auf seichte Felsbrocken im Schnee geachtet werden, weiter unten, in den weiten Südosthängen, war das nicht notwendig.

Start der Abfahrt durch eine kurze Rinne

Die Schneequalität war passabel und obwohl der Schnee durch den Sonneneinfluß schon einen fortgeschrittenen Umwandlungsprozess mitgemacht hatte erwies sich die Abfahrt durchaus fein und leicht zu drehen.

teilweise noch unberührte Teile in den weiten Hängen

Die weiten Hänge lassen viel individuelle Möglichkeiten unberührtere Teile zu finden, sodaß auch bei der Besuchsfrequenz der Vortage noch genug an Neuland übrig geblieben war.

Rückblick auf die Abfahrtshänge von der Seblasspitze

Natürlich mußte das schöne Wetter völlig ausgekostet werden und ein Besuch bei der Brandstattalm sein. Bier und Kasknödelsuppe vollendeten das Erlebnis einer kurzen und lohnenswerten Schitour.

Rückblick auf die Seblasspitze von der Brandstattalm

Über die Rodelbahn ging’s zurück zum Parkplatz.

Abfahrt von der Brandstattalm

Gesamt wurden 4:15 Stunden benötigt, davon etwa ein knappes Stündchen für die längere Pause am Gipfel und eine gute halbe Stunde auf der Brandstattalm. Die Streckenlänge ist untergeordnet und beträgt etwa 3,8km, die Aufstiegshöhe 973m.

Mils, 01.02.2020

1 Stubaier Alpen – Rabensteiner/Klier, 4. Auflage 1958, Seite 275

Schitour Schafseitenspitze Kreuzgipfel 2.570m

Auf den namengebenden Gipfel im Kamm, die Schafseitenspitze, führt eine sehr schöne Schitour mit einer kleinen Sonderprüfung von Navis. Als Schitour endet die Besteigung meist am Kreuzgipfel, der dem eigentlichen Gipfel nördlich vorgelagert liegt und mit 2.570m um gut 30Hm niedriger ist, als die im Kartenwerk verzeichnete Schafseitenspitze mit 2.602m.

die Truppe auf der Schafseitenspitze Kreuzgipfel, 2.750m

Der Übergang vom Kreuzgipfel ist mit zwei kurzen Abstiegen verbunden, sowie – soweit einsehbar vom Kreuzgipfel aus – mit einem teilweise steilen Grat und einer abgeblasenen Flanke. Nicht nur aufgrund fehlender Spuren liegt die Vermutung nahe, daß der Aufstieg dorthin kein alpinistischer Zugewinn sein muß.

auf dem Hüttenbichl auf 2.220m

Die Schitour auf die Schafseitenspitze enthält im oberen Teil einen kurzen, anregend alpinen Teil in Form einer Gratkopfüberschreitung der „Roten Wand“, bei der die Schi am Rucksack getragen werden. Man kann diesen Kopf westseitig umgehen und versäumt dabei einen bärigen Blick am Gratkopf und vor allem einen prickelnden sehr steilen Abstieg, der einen Hauch von Bergsteigen in die Tour einstreut.

an der Abzweigung im Weirichtal

In der Literatur erfährt man auch von der Begehung über den Nordhang, der üblicherweise die Abfahrt darstellt und bei dem der schöne Gratkamm gänzlich vermieden wird. Der Nordhang der Schafseitenspitze bedarf jedoch bei sehr steilem Anstieg wie Abfahrt auch sicherer Lawinenverhältnisse.

am „Möslschlagl“

Ausgangspunkt bildet der Parkplatz beim Kirchenwirt zur Route ins Weirichtal ab der Kirche südwestwärts, oder vom Parkplatz rechts des Weirichbachs direkt über den Weg ins Tal. Erstere Variante hat den Vorteil gleich am Einkehrlokal, dem Kirchenwirt, zurückzukehren und den Nachteil, daß bei nicht ausreichender Schneelage die unteren, waldfreien Passagen am Weg eher schon aper sein können, wenn das am Weg neben dem Bach noch nicht der Fall ist.

Beginn der Stippleralm – Niederleger

Eine gute Viertelstunde folgt man dem Almweg ins Weirichtal, bis sich rechts die markierte Abzweigung zur Schafseitenspitze befindet, die in das Seitental mit dem Pliderlingbach führt. Der Aufstieg erfolgt mäßig steil und führt bald über eine freie Fläche mit einem Almgebäude vorbei, bei der sich auf der anderen Talseite gegenüber die Urbesalm befindet, die spätere Abfahrtsroute.

weiters Aufstiegsgelände zum Stipplerlam-Hochleger

Durch das enger werdende Tal wird nach knapp 15min die nächste freie Fläche der Stippleralm erreicht. Gleich zu Beginn der Alm erblickt man den Heuaufzug (eigentlich wird es darüber abgelassen), der über einer ausgeschlägerten steilen Hangfläche bergauf führt und die Aufstiegsstrecke markiert.

über die steile Wiese unterhalb des Heuaufzugs empor

Der Aufzug führt zum Hochleger der Stippleralm und während man beim Aufstieg mit einigen Spitzkehren gedankenversunken zum Verschnaufen innehält kommt der Sinn des Hilfsmittels für die Almbauern klar zum Ausdruck.

tolles Aufstiegsgelände im zwischen dem Wald

Bereits im Steilhang beginnt ein schöner Lärchenwald mit viel Licht und freien Flächen zwischen den Bäumen und die uns im Aufstieg über die knapp 300Hm vom Niederleger bis zum Hochleger dauerhaft begleiteten.

eine flachere Stelle unterhalb des Hochlegers

Vom Hochleger der Stippleralm auf 2.003m bis zum Schigipfel der Scheibenspitze werden rd. 570Hm zurückgelegt, also befindet sich der Hochleger knapp über der Hälfte des Gesamtanstiegs der Schitour.

malerische Alm mit Seilbahn

Auf dem Plateau genießt man eine wunderbare Aussicht auf die Tourenziele der Talgegenseite im Navis.

schönstes Freigelände

Zwei weitere Stufen gilt es nach dem Hochleger aufzusteigen, bevor sich der schmälere Kamm klar aus dem breiten Rücken herausbildet. Der Kamm mündet wieder in einer Flachstelle, Hüttenbichl (2.220m) genannt, obwohl eine solche weit und breit nicht aufgefunden wird.

das Ziel, die Schafseitenspitze sichtbar

Vom Hüttenbichl wird über eine Flanke gen Südwest knapp 100Hm aufgestiegen zu einem schmäler werdenden und – bei unserer Begehung – teilweise abgeblasenen Gratkamm weiter in Richtung zum schon vorher gut sichtbaren Gratkopf der „Roten Wand“.

der schöne weitere Verlauf über die Rote Wand

Über ein paar wiesendurchsetzte, abgeblasene Meter westlich abgestiegen, erreichten wir die Abschnallstelle in einem Schärtchen zwischen einem spitzen kleinen Vorkopf und der Roten Wand.

ein spannender Teil liegt vor uns, die Rote Wand

Dort schnallten wir die Schi auf den Rucksack und steigen ein paar Meter steil, dann komfortabler steil werdend auf den langgezogen Rücken der Roten Wand. Etwa 40Hm beträgt der Aufstieg auf dem von unten recht nieder aussehenden Gratkopf.

Abwechslung macht Freude

Am flachen Plateau hielten wir einige Minuten inne, um den Blick kreisen zu lassen. Die Aussicht dort ist generell einen Rundblick wert, auch die weitere Strecke zum Kreuzgipfel kann dort einigermaßen gut eingesehen werden.

Rückblick nach dem Aufstieg auf den Buckel

Vor dem jenseitigen Abstieg könnte man – auf der Kante nach unten geblickt – wegen der beeindruckenden Hangneigung zuerst leicht erschrecken. Allerdings, das Vergnügen ist nicht zu steil und auch nicht besonders hoch oder ausgesetzt.

unten rechts das Band zur Anschnallstelle und weiter unten der Aufstieg der westseitigen Umgehung

Die geringe Schneehöhe und die nicht sehr strukturierte Wiese westlich daneben sprachen uns nicht besonders an, stellten sich aber generell als fest und gut begehbar heraus.

schöne Übersicht über den weiteren Aufstieg bis zum Kreuzgipfel

Weiter westlich im tief darunterliegenden Hang konnten wir auf die Aufstiegsspuren blicken, die die Umgehung der Roten Wand bedeuten. Dieser Anblick bestätigte eindeutig, daß die schöne Variante die Überschreitung darstellt.

unterer Teil des Abstiegs

Unten in der Scharte wird der nächste Gratkopffuß über ein schmales schneebedecktes Band umgangen, um dahinter zur Anschnallstelle zu kommen. Wieder im Tourenmodus nach dem kleinen Intermezzo wird auf der Westseite des Gratkamms bis oberhalb der sperrenden Schrofen auf etwa 2.400m aufgestiegen, um die felsdurchsetzten Buckel direkt am Grat zu vermeiden.

oberer Teil des Abstiegs

An geeigneter, schrofenfreier Stelle oberhalb der Buckel wird der Westhang verlassen und über den Grat auf die Ostseite gewechselt.

Rückblick auf die gesamte Rote Wand – man beachte das tiefe Schrofengelände links, das unten umgangen werden muß

Auf dieser Seite werden die letzten 100Hm bis zum flachen und breiten Südostrücken vor dem Gipfelaufbau des Kreuzgipfels ohne weitere Umgehungen von Schrofen und aperen Stellen zurückgelegt. Am oberen Teil des Hangs bereits auf der Abfahrtsroute.

noch ein Stück weiter auf der Westseite des Gratkamms

Der südostwärts gerichtete Sattel unterhalb des Gipfelaufbaus bildet eine lange breite Rampe ohne Hindernisse zum Gipfel. Rechts davon führt der Anstieg zum eigentlichen Gipfel der Scheibenspitze – über die Südwestflanke des Kreuzgipfels und über einen nicht komplett einsehbaren Teil am Grat. In schätzungsweise einer Viertelstunde sollte die Strecke zu schaffen sein.

Aufstieg ostseitig am Nordhang

Knapp unterhalb des von Südwesten her abgeblasenen und –geschmolzenen kleinflächigen Gipfelbereichs bieten sich mehrere Stellen als Schidepot an mit wenigen Metern des Aufstiegs zu Fuß zum Gipfelkreuz.

der rampenartige Sattel

Am Gipfelkreuz kann der Anstieg zur Schafseitenspitze etwas genauer eingeschätzt werden, nicht jedoch der Teil hinter der Gratstrecke. Vermutlich wird er steil und der Wechtenbereich zu beachten sein. Der Letzte Aufschwung sieht von der Ferne sehr steil aus.

Gipfelaufbau der Schafseitenspitze

Auf schmalem Steg beim Kreuz in nordöstliche Richtung geblickt kann ein Großteil der Pracht des Tuxer Schitourengebiets betrachtet werden.  Von den Gipfeln im Schafseitenkamm, der Scheibenspitze, der Hohen Warte und dem Naviser Kreuzjöchl und den südlichen Zielen im Schmirntal reicht der Blick auch tiefer in die Tuxer hinein zu Geier und Reckner, sowie noch weiter nördlich zu Klammspitzen und Mölser Sonnenspitze in der Wattener Lizum, in der man auch die Wattentalreibn unternehmen kann.

Blick von der Schafseitenspitze nach Nordosten in die zentralen Tuxer

Der Blick nach Süden ist zum Großteil durch die Schafseitenspitze versperrt, König Olperer und die benachbarten Gipfel – darunter eine traumhafte Schitour auf den Kleinen Kaserer – im Tuxer Kamm der Zillertaler Alpen sind jedoch wie überall in den Tuxern sichtbar.

Hauptgipfel der Schafseitenspitze

Die Abfahrt vom Gipfel über die Rampe endet an der Kante zum steilen Nordhang, der tief hinunter zum Gamsgrübl führt.

kurze Gipfelrast mit Blick in die südlichen Stubaier Alpen und in das Padastertal

Für den Nordhang mit Neigungen von bis über 35° gelten die üblichen Vorsichtsmaßnahmen bei der Tourenplanung und –ausführung, wobei die westliche Seite her etwas flacher ist, als die östliche.

letzter Blick zum Gipfelkreuz der Schafseitenspitze

 

Unsere Befahrung erwies sich im steilen Teil vom Schnee her als durchwachsen. Pulverschneestellen wechselten weiter unten mit leichten gepressten Deckeln in den windanfälligen Teilen, aber in Summe doch eine feine Sache.

im Nordhang der Schafseitenspitze

Ab dem Gamsgrübl setzten sich die Deckel fort, jedoch mit Unterbrechungen auf steileren Flächen.

Abstiegsflanke vom Hauptgratbuckel der Roten Wand

Als schönster Teil der Abfahrt erwies sich die sonnige „Gruabe“, bereits schon wieder in Waldnähe und über einen fast unberührten Hang hinab in Lockerschnee.

Blick zum Talkessel im Navis vom Gamsgrübl aus

Am Ende des Sonnenhangs leitet das Gelände über in ein steiles Tal, durchzogen von Strauchwerk und kleinen Bäumen, mit Hangneigungen an die 40° laut TIRIS.

die Schneequalität stimmte über die „Gruabe“ hinab

Die Schneedecke fanden wir im oberen Teil mit einem kräftigen Harschdeckel, also dementsprechend schwer zu fahren, vor. Im unteren Teil in hartgepreßtem Schnee erlebten wir diesen Teil als ein nicht so schönes Abfahrtserlebnis. Das steile Tal endet bei der Stippleralm, bzw. bei den verbliebenen Almgebäuden.

der schönste aller Abfahrtshänge an diesem Tag

Auf der „Stipplermohd“ querten wir, den Spuren folgend, über den Pliderlingbach auf die östliche Talseite, um, anfänglich über kleine Lawinenreste später über den Weg, zur Urbesalm abzufahren.

nach dem ruppigen Tal unten am Stippleralm Niederleger angelangt

Der Teil über die freien Almflächen dorthin herrschte zwar nirgends Lockerschnee mehr, dennoch wurde uns landschaftlich noch eine bärige kurze Abfahrt zuteil.

Urbesalm

Über den Weg im Weirichtal und die Alternativen im Wald wie eingangs beschrieben ging es hinab zum Parkplatz bei der Kirche, um beim Kirchenwirt die sensationellen Schnitzel einzunehmen.

letzter freier Hang unter der Urbesalm und Ankunft im Weirichtal

Für die gesamte Tour benötigten wir 4:25 Stunden incl. Pausen und die Höhenmessung ergab 1.280Hm (incl. der kleinen Abstiege auf der Roten Wand und gemessen bis zum Kreuzgipfel auf 2.570m).

Mils, 11.01.2020

Schitour Kesselspitze, 2.728m

Die Schitour auf die Kesselspitze, von Trins aus unternommen, beeindruckt in außergewöhnlichem Maß durch ihre beiden offenen Steilhänge und der großartigen Kulisse im oberen Teil unterhalb der Kugelwand. Mit der Ausrichtung nach Südosten versprechen die beiden Hänge, vor allem der sehr lange untere Hang, zum einen frühmorgendliche Sonnenbestrahlung im Hochwinter – deshalb aber auch steigende Lawinengefahr im Tagesverlauf im Spätwinter bzw. Frühjahr – zum anderen lange und hindernisfreie Abfahrten auf Pulver oder Firn über gut 1000Hm.

Herwig auf dem Gipfel der Kesselspitze – beachte die roten Liaskalkfelsen

Aufgrund der Hangneigung wird empfohlen die Tour nur bei einwandfreien Verhältnissen anzugehen, wobei durch die Exposition der Hänge meist eine Begünstigung besteht, wenn in diesen Höhenlagen vor Triebschnee oder dem Altschneeproblem gewarnt wird. Und so präsentierte sich der Lagebericht bei unserer Begehung – keines der beiden Probleme in der zutreffenden Höhenlage im Sektor Südost bis Südwest.

Blick nach Süden

Vom kostenlosen Parkplatz 4 oberhalb Leiten in Trins (von der Hauptstraße Richtung Padasterjochhaus) wird auf der Forststraße in Richtung Westen zum Burgwald aufgebrochen.

Parkplatz 4 in Trins Leiten

Anfänglich mußten wir die Schi eine Minute tragen, auch über etwa 100m in der langen Rechtskurve in der sich der Anstieg nach Norden wendet. Ab etwa 1.400m lag dann Schnee genug, sodaß nur mehr ein letztes Mal über den etwa 50m langen Steig im dichten Wald vom unteren Weg auf den oberen (siehe Aufzeichnung) getragen werden mußte (~1.480m).

Almweg zum Padasterjochhaus

Durch den schönen Burgwald, der immer lichter wurde, stiegen wir den Weg entlang auf, bis sich der Weg nach zum Padasterjochhaus nach links wendet. Die Route auf die Kesselspitze führt dort geradeaus weiter, rechts vom trockenen Fallschwernbach, und kreuzt noch mehrmals den Weg auf das Kalbenjoch.

freie Wiesenfläche unterhalb des Burgwaldes

Gegen 1.800m hin lösen vereinzelte junge Bäumchen die noch vereinzelten lichten Baumgruppen des Burgwalds ab und ab etwa 1.900m liegen die tollen Hänge unterhalb des Hangs zum Kalbenjoch, der sich mit dem Steilhang auf die Kesselspitze verschneidet und oben die imposante Kugelwand trägt. Der weite Kessel im dem wir äußerst rechts, Richtung Nordwest, aufsteigen sind die Padeilemähder1, die ihren Namensursprung im Lateinischen haben und auf pedrūle „steinige Gegend“ zurückzuführen ist.

etwa auf 1.700m

Durch die nach dem Start der Tour aufziehende Föhnbewölkung befanden wir uns ohne Kontrast durch Bewuchs oder Fels in einem ziemlich kontrastlosen Gelände, bei dem die Sicht ziemlich erschwert war. Die Spur vom Vortag war auch wegen des eingewehten Triebschnees teilweise nicht mehr zu sehen.

an der Baumgrenze

Mit steiler werdendem Hang besserte sich die Sicht und auch die Bewölkung lockerte rasch wieder auf.
Allmählich, oberhalb von 2.000m, steilt das Gelände zunehmend auf und in gut 30 Spitzkehren erfolgte unser Aufstieg über die Talstufe auf das schöne Hochtal mit der Kugelwand als rechte (ostseitige) Begrenzung.

im unteren Teil am ersten Steilhang

Die Route dorthin führt über Gelände mit bis zu 40° Hangneigung, siehe Bildarchiv mit Ausschnitt TIRIS. Eng am unteren Felskopf (ca. 2.220m) vorbei führte unser Aufstieg in enger werdenden Spitzkehren durch die größte Steigung hindurch auf die Kante mit anschließender Verflachung etwa 2.320m.

schöner Aufstieg über den freien Hang

Über diese 100Hm stiegen wir im steilsten Teil durch ein breites Band von kleinen Lockerschneeschollen und – schnecken, die über Nacht gefroren und eine raue, griffige Spur schafften. Gleichzeitig mußten wir diese Anzeichen natürlich auch für den Tagesverlauf entsprechend deuten – eine späte Abfahrt wäre an dem warmen Tag wohl mit einer nicht notwendigen Risikosteigerung verbunden gewesen.

die Kugelwand kommt näher und der Hang wird steiler

Der Ausstieg aus dem Hang führt direkt am untersten Rand der Hauptdolomitfelsen der Kugelwand vorbei. Der Kamm von der Kesselspitze in beide Richtungen, in den Nordosten vor zur Serles und in den Südwesten zurück zur Kirchdachspitze, liegt im Brennermesozoikum.

Rückblick im noch diffusen Licht

Jenes könnte als geologischer Einschub zwischen dem Ötztal-Stubai-Altkristallin, das vom Südwesten bis in den Norden reicht, dem Bündnerschiefer im Südosten des Wipptals und dem Quarzphyllit im Nordosten bezeichnet werden. Besonders eindrucksvolle Übergänge vom Kristallin auf den Kalk finden sich am Seejöchl unterhalb der Kalkkögel.

die letzte Spitzkehre unterhalb der Kugelwand

Eine interessante, sehens- und wissenswerte Eigenheit der Kesselspitze folgt oben, und zwar ganz am Gipfel. Noch wenige Meter des obersten Gipfelaufbaus bestehen aus jurassischen Schichten aus Liaskalk, mit ihrer, für den Jurakalk typisch roten Färbung.

kurz vor dem Ausstieg aus dem Steilhang

Man muß sich zwar jetzt noch nicht beeilen diese schönen roten Schichten in Augenschein zu nehmen, aber in ein paar Millionen Jahren wird diese Schicht vollständig erodiert, damit abgetragen sein und das darunterliegende Kalkgebirge wird den Gipfelbereich bilden – womit es dann für die Erkundung für immer zu spät wäre.

Ausstieg direkt an den Felsen der Kugelwand

Nach der Kante der Talstufe findet sich ein trefflicher Platz für eine kurze Trinkpause mit bemerkenswerter Aussicht. Der Blick nach Nordwesten durch das Hochtal im weiteren Aufstieg, gebildet vom Gratrücken direkt zur Kesselspitze links und der beeindruckenden Kugelwand rechts, erscheint nach dem langen steilen Aufstieg recht flach bis zur nächsten Steilstufe zu verlaufen.

Trinkpause nach erstem Steilhang – das prächtige Hochtal zur nächsten Steilstufe vor uns

Daß dem aber bei weitem nicht so ist, merkt man an seiner Atemfrequenz bereits auf den ersten paar Dutzend Metern nach der Pause und man sollte dieses Hochtal mit seinen immerhin 180Hm bis zur nächsten Steilstufe nicht unterschätzen.

schöner Ausblick zur Peilspitze

Über angenehm gestuftes Gelände, aber doch mit Anstrengung geht es durch die Hänge in den hintersten kleinen Talkessel auf etwa 2.500m Höhe.

Aufstieg zur nächsten Steilstufe, etwa auf 2.500m – man sollte die Steigung im Hochtal nicht unterschätzen

Im Hintergrund zum Tourenverlauf befindet sich etwa der Gipfelbereich der Peilspitze und wir fragten uns, ob man über den schönen steilen Hang am Nordgrat zum Kalbenjoch nicht auch eine Schitour unternehmen könnte. Der Hang sowie eine nachfolgende Gratbegehung zum Gipfel wären jedenfalls eine Nachforschung wert.

Schrofenwiese die links im Bild umgangen werden – steiler Aufstieg dorthin

Die zweite Steilstufe ist ein kurzes, aber ebenfalls anstrengendes Unterfangen. Der Aufstieg auf den darüberliegenden Flachbereich beträgt etwa 120Hm – von 2.480m bis 2.600m und führte uns bereits im Februar an den linken (westlichen) Rand der bereits freiliegenden, wiesendurchsetzten Schrofen. Diese Stelle dürfte im Frühjahr die kritische Stelle für die Durchgängigkeit des Aufstiegs ohne Abschnallen sein und zu beiden Seiten hin werden die Flanken noch steiler als die Schrofen selbst.

Rückblick noch unterhalb der Schrofenwiese

Die Kunst besteht in der optimalen Wahl der Spitzkehren, sodaß man knapp oberhalb der aperen Schrofenwiese und der westlich begrenzenden noch steileren Flanke nach oben durchflutscht. Die Spur, die am Vortag angelegt wurde präsentierte eine unbegehbare Steilheit für unsere Schneeverhältnisse, um scharf oberhalb der Schrofen auf den folgenden flacheren Teil durchzusetzen. Allerdings mussten wir aufgrund der Haftung der Felle aber flacher steigen und waren somit gezwungen über zwei Meter die Schrofenwiese zu begehen, bevor uns eine Spitzkehre im flacheren Teil oberhalb wieder auf die alte Spur zurückbrachte.

oberhalb der zweiten Steilstufe mit Blick zum Gipfelkreuz der Kesselspitze

Dieser Teil des zweiten Steilhanges ist kein grundsätzlich schwieriger, er präsentierte sich bei den Verhältnissen unserer Begehung und mit der bereits gelegten Spur aber als ziemlich kraftraubend. Vielleicht sollte man sich – als Empfehlung des Autors – eine vorhandene Spur aus genügender Entfernung von unten ansehen und entscheiden ob selbige würdig ist, oder ob einen eignen Durchschlupf zu spuren klüger wäre.

ein kurzes Stück am Grat entlang

Sobald die Steilstrecke erledigt wurde konnten wir auf dem flacheren Teil bereits das nur mehr 120Hm entfernte Gipfelkreuz der Kesselspitze einsehen.
Über eine Mulde wird im weiteren Verlauf der Tour der Gipfelhang erreicht. Er wird jedoch nicht direkt genommen, sondern über eine nordöstlich sich wendende Anstiegsrichtung zum Grat nordöstlich der Kesselspitze kurzzeitig wieder verlassen.

etwa 100m unterhalb des Gipfels der Kesselspitze

Am Grat angekommen, erblickt man Neustift in der Tiefe im Norden. Es wird ihm jedoch nur wenige Höhenmeter gefolgt (etwa 20 bis 30m), bevor er wieder verlassen und abermals, schräg nach oben querend, über den Gipfelhang zur Wechtenkante am Südgrat aufgestiegen wird.

der Grat wird wieder in Richtung Gipfelhang verlassen

Vom breiten Südgrat erreichten wir über wenige Meter recht flachen restlichen Anstiegs das Schidepot vor dem Gipfelkreuz der Kesselspitze auf 2.727m.

letzte Meter vor der Wechte auf den Südostgrat

Über den letzten Gratbuckel hinweg fallen sofort die roten Felsen ins Auge auf denen man sich befindet, ein Anblick der in Tirol nicht oft zu finden ist (Stellen im Karwendel und Rofan) und diese lokale Erscheinung auf der Kesselspitze verblüfft und erfreut zunächst bei der Erstbegehung.

Kesselspitze, 2.727m

Natürlich besteht von dieser schon beträchtlichen Höhe in den nordöstlichen Stubaiern ein grandioser Ausblick, vor allem Richtung Südwesten, bei dem der massive Stock des Habichts (3.277m) als nächster Dreitausender in nur 8,5km Entfernung und bereits im Ötztal-Stubai-Kristallin gelegen, eine bärige Kulisse vor den zentralen Gletschern der Stubaier im Westen dahinter bildet.

Ansicht Südosten – im Vordergrund die Kirschadachspitze, rechts der Habicht

Unmittelbar links (südlich) des Habichts treten der Botzer, weit im Hintergrund, wieder links und näher im Blick gen Südsüdwest, der Östliche Feuerstein, sowie noch weiter links der Pflerscher Pinggl in Erscheinung. Unmittelbar rechts (nördlich) des Habichts erscheinen Wilder Pfaff und das Zuckerhütl, sowie weiter rechts, von der Kesselspitze aus gesehen die eindrucksvolle Ruderhofspitze mit ihrem dunklen Südgrat und die östlich die im Alpeinerkamm davor liegenden Seespitzen. Weiter rechts im Westen beeindruckt der Lüsener Fernerkogel in 19km Entfernung.

die zentralen Stubaier im Westen

Gegen Nordnordwest imponieren – neben einigen bedeutenden Erhebungen in den Lechtaler Alpen – in unmittelbarer Nähe die formschönen Kalkkögel, die den nördlichen Teil des Brennermesozoikums darstellen.

Blick nach Nordwesten mit den Kalkkögeln im Norden

Von Nordosten bis Nordwesten beeindrucken das Wettersteingebirge und das Karwendel, sowie in unmittelbarem Vordergrund die Serles mit ihrem dolomitisch geprägtem Bau, gleich den Kalkkögeln.

Kalkkögel, Wettersteingebirge und Karwendel (v.l.n.r.)

Von Osten bis Südosten liegen die eher sanften Tuxer Alpen mit ihren beeindruckenden weitläufigen und abgeschiedenen Tourenzielen, von denen sich ein Großteil hier auf diesem Blog befindet.

im Osten die Tuxer Alpen

Der Südosten birgt in den Zillertaler Alpen deren höchste Erhebung – in direkter Richtung über dem Valsertal und zwischen Hoher Wand und Kraxentrager – den Hochfeiler (3.510m).

die Zillertaler Apen im Südosten

Ein selten schöner Blick eröffnet sich im Süden, bei dem nicht nur der 65km entfernte und markante Langkofel  (3.181m) mit seinen imposanten Felswänden, sondern auch weite Teile der Südtiroler Dolomiten eingesehen werden können.

die Dolomiten in etwas mehr als 60km Entfernung; der markante Langkofel – wie ein Zapfen in der Landschaft

Die Aussicht nach Süden runden die drei sehr imposanten Tribulaune ab, wobei der höchste und bizarrste, der Pflerscher Tribulaun mit seinem unverkennbaren Doppelgipfel, unverwechselbar ins Auge sticht und der niedrigste, der Obernberger Tribulaun ein bäriges Schitourenziel darstellt.

Blick nach Süden zu den Tribulaunen

Mit den föhnigen Böen aus Südwest hielten wir keine lange Gipfelpause, zumal auch eine Deckung vor den Böen nicht wirklich gefunden werden konnte. Der Felszacken, den wir zum Schutze aufsuchten verlief ziemlich parallel zur Einfallrichtung der Böen.

Rastplatz unterhalb des Gipfels der kaum vor den Böen schützte

Nach der Pause warteten 1.000Hm Abfahrt durch großteils unverspurtes Gelände und durchaus einem Hohen Anteil an wenig gesetztem Pulverschnee.

über die Wechte in den Gipfelhang

Am Gipfelhang nach der Wechte fanden wir mit abnehmender Höhe immer bessere Pulverschneeverhältnisse bis zum Ansatz der Steilstufe vor.

tolle erste Schwünge zur zweiten Steilstufe hinab

Die Einfahrt zum Steilhang präsentierte sich etwas feucht und schwerer zu drehen. Wir beschlossen deshalb eine lange Querung in den westseitigen Hang, da dieser weniger von der starken Mittagssonne beschienen wurde.

im oberen Teil der zweiten Steilstufe

Bei der Einfahrt zeigt das Foto den Durchschlupf zwischen Schrofengelände und steiler Flanke.

Rückblick – die Umgehung der Schrofenwiese gut zu erkennen

Eine wahrhaft tolle Kulisse bildete das Tal in dem wir durch einwandfreien Pulverschnee bis zur nächsten Steilstufe abfuhren. Die Entscheidung, die westliche Talseite zu nehmen war genau richtig.

phantastische Abfahrtsverhältnisse im Hochtal

An der Kante dann wuchs die Spannung, wie denn der lange Hang über die Steilstufe hinab zu fahren sein würde und dies kann hier im Video selbst beurteilt werden.

Abermals querten wir ein bisschen westwärts, um auf eine von mehreren Rippen zu gelangen, die sich trefflich abfahren ließ. Die Schneequalität nicht ganz so gut wie im Tal oben, doch einwandfrei zu Drehen.

mit langer Abfahrt

Im flacheren Teil unten, etwa ab der Baumgrenze, hatte die Sonnenbestrahlung weitgehend Sulzschneeverhältnisse geschaffen und die Abfahrt wurde merklich anstrengender als oben.

die Schneequalität gut zu sehen

Über die flachen Wiesen jedoch ließ sich eine Route mit weiten Schwüngen finden, die die Anstrengung in Grenzen hielt.

was will man mehr?

Weiters reichte der Sonneneinfluß aus, um am Weg hinaus zum Parkplatz über größere Strecken die Schi tragen zu müssen – allerdings immer noch nur einige Hundert Meter.

Rückblick auf den beeindruckend Abfahrtshang

Zur Einkehr können wir aus nun mehrmaligem Besuch das Café – Pizzeria Max in Trins wärmstens empfehlen; die Speisen befriedigen auch den Hunger nach einer langen Tour.

letzte Abfahrtshänge in schönem halbflachen Gelände des Burgwaldes

Aus den Aufzeichnungen gehen folgende Tourdaten hervor: Aufstieg 1.425m – 3:26h, Gesamtzeit 4:53h und Streckenlänge 12,2km.

letzter Rückblick auf die schöne Tour

Für die auch landschaftlich exzellente Schitour sollte Einschätzungsvermögen über die Schneeverhältnisse mitgebracht werden, sowie, für verhärtete Passagen aus Schmelzdeckeln, eventuell sogar für den gesamten unteren Steilhang sollten Harscheisen und im Frühjahr das Fellwachs nicht vergessen werden.

Mils, 16.02.2020

1Vgl. FINSTERWALDER, 1990 Band 1, I 4. Seite 43; ANREITER, Das lateinische Suffix -īle in der Tiroler Toponymie, Seite 9

 

Schitour Roßkopf, 2.576m

Im nordwärts ziehenden Kamm vom Rastkogel, in den Tuxer Alpen, befindet sich der Roßkopf, der auch als krönende Talbegrenzung von Hochfügen aus, von den obersten Almflächen des Pfundsalm-Mittellegers im hintersten Finsinggrund, wahrgenommen wird. Der Aufstieg von Hochfügen kann auf der südlichen Talseite im hintersten Finsinggrund, oder, bei günstigen Schneebedingungen und mäßiger Lawinengefahr, über die schönere und sonnigere Nordwestseite und über die weite gestufte Hochfläche und über den interessanten Gratkamm erfolgen.
Die Gratkammbegehung vom Pfundsjoch zum Gipfel ist das Sahnehäubchen und verleiht letzterer Variante zum Schluß noch alpinen Touch mit einer schönen Linie am Grat und zwischen den Felsen.

Rosskopf vom Gratrücken im Norden gesehen

Der Roßkopf kann auch von Innerst über das Nurpenstal begangen werden und ist nicht so frequentiert als der Kleine Gilfert. Diese Variante trifft mit der Route von Hochfügen am Pfundsjoch zusammen (Anm. d. Verf.: Pfundsalm <> Pfundsjoch).

die Talstufe vom Pfundsalm-Mittelleger überwunden – herrlicher Blick auf den Rosskopf und seinem weitläufigen Aufstiegsgelände

Trotz den riesigen Parkflächen des Schigebiets Hochfügen sei man aus mehreren Gründen ein früher Vogel. Zum einen zieht sich die Fahrt von Fügen bis zum Parkplatz über 14km Bergstraße, zum anderen kann man dort hinter Reisebussen verhaftet sein und zuguterletzt kennt man die berüchtigten Staus vom Achensee ins Zillertal und auch wenn Fügen gleich am Talanfang liegt kann die Fahrt, zu spät über die Autobahn angereist, vom Inntal bis Fügen durchaus gute 20min Zeit verschlingen. Es empfiehlt sich am Wochenende also gut vor 7:30 Uhr durch den Brettfalltunnel zu fahren und das dürfte dem Tourenfreund nicht schwerfallen.

Start auf der Rodelbahn zur Pfundsalm

Auf 1.580m, hinter der letzten Kabinenbahn (Zillertal Shuttle) startet der angenehm steile und stille Aufstieg auf der der Rodelbahn zur Pfundsalm, deren kleine Almgebäude nach etwa einer Viertelstunde erreicht werden.

Rückblick auf die Pfundsalm

Anschließend bleibt die Route auf der westlichen Talseite. Bei unserer Begehung mußten wir zahlreiche hartgefrorene Nassschneelawinenreste, die in der Woche zuvor abgegangen sind, mit ruppigen Stellen gespickt, überwinden. Die Hänge oberhalb der westlichen Talseite des Finsinggrundes sind bei entsprechender LWS nicht zu unterschätzen und vor der Kurve mit der Wendung des Tales nach Südwesten erreichen sie ihre höchste Steilheit.

am Weg zum hinteren Finsinggrund

Noch während die Kurve sich dahinzog konnten wir beide Seiten des Tales beurteilen und die Westseite mit dem schön besonnten steilen Hang oberhalb des Pfundsalm-Mittellegers erhielt von uns den Zuschlag der Begehung, obwohl die Planung aufgrund erheblicher Lawinengefahr (LWS 3) die schattige Ostseite vorsah.

Nassschneelawinenreste am steilsten Stück des Hangs, kurz vor dem Pfundsalm-Mittelleger

Der Südosthang war von vielen Spuren, vom Pfaffenbichl herunter, bereits vollständig zerfahren und auch die Lage eines bereits abgegangenen kleinen Schneebretts im Steilsten des Hanges vermittelte uns, daß von diesem Hang keine Gefahr mehr ausgehen würde.

Talende im Finsinggrund – die Entscheidung welcher Aufstieg gewählt wird muß hier fallen

Nach wenigen Minuten unter Sonnenbestrahlung am Südosthang mußten wir uns von aller Winterbekleidung entledigen und erfreut stiegen wir mit ein paar Spitzkehren auf eine merkliche Abflachung, auf etwa 2.000m auf und konnten von dort aus erstmals den Gipfel erblicken, der von dort aus noch weit entfernt erscheint, dessen schöne Hänge aber auch gleich ins Auge fallen.

Beginn des Aufstiegs auf der Westseite

Am Hochpunkt der Talstufe angekommen öffnet sich im Nordwesten die Mulde hinauf zum Kleinen Gilfert, das Gipfelkreuz konnten wir durch den geringen Höhenunterschied von kaum 400Hm gut sehen.

zerfahrener Hang und altes Schneebrett oberhalb im Hangsteilsten

Der Kegel aus der Mulde zum Kleinen Gilfert vermittelt den besten Blick auf den Roßkopf und seine Mulden und Stufen vor dem Gipfelaufbau. Flach geht der Kegel auf die nächsten Kuppen im Südwestanstieg über und am Ende des Übergangs, bei dem sogar einige Höhenmeter eingebüßt werden, befindet sich der vielfach abgelichtete Bauwagen, der den Almleuten als Wetterunterkunft dient.

Autor vor dem Rosskopf

Kurz nach diesem erreichten wir eine Gabelung der Spur, die offenbar kurz vorher angelegt wurde. Links (südöstlich) könnte man über günstig liegende Kuppen im Aufstieg auf den Kamm vom Sidanjoch her wechseln, rechts, bzw. geradeaus legten Einheimische eine Spur entlang des Sommerweges auf das Pfundsjoch an.

der bekannte Bauwagen

Wiederum entschieden wir die weitere Route so, daß die rechte Talseite, die sonnige und südwestlich ausgerichtete, unsere Sympathie erhielt und dem Sommerweg weiter gefolgt wurde.

Bildmitte im Hintergrund – das Sidanjoch

Diese Entscheidung erwies sich später als goldrichtig und bot uns einen phantastischen Abschluß im Aufstieg.

Pfundsjoch voraus

Die Stimmung war perfekt und die Mühen des Aufstiegs traten angesichts der einzigartigen Landschaft mit der Erwartung des Gratkamms in den Hintergrund.

letzte Meter auf das Pfundsjoch

Am Pfundsjoch angelangt ahnten wir aufgrund seiner Beschaffenheit, daß der Gratkamm noch einige tolle Passagen bieten würde.

der schöne Gratkamm zum Rosskopf

Nach kurzer Pause und Betrachtung des langen Nurpenstales, von Innerst bis zum Rastkogel misst die Strecke der Schitour gut 10km, setzten wir den Weg auf dem Gratrücken fort und erreichten nach wenigen Minuten gleich eine schmale Stelle, die etwas ausgesetzt in den Kessel unterhalb, aus dem wir angestiegen sind, hinabstürzt. Die Stelle ist jedoch harmlos zu begehen.

die erste interessante Stelle am schmäler werdenden Grat

Gleich darauf folgt eine steile Flanke über etwa fünf Meter, mit westlicher Ausrichtung. Wir konnten sie dank guter Schneeverhältnisse gerade noch abrutschen.

der westseitige Abstieg

Im Fall, daß sie aper angetroffen wird, empfiehlt sich zur Überwindung das Abschnallen der Schi.

herrlich alpines Gelände

Die folgenden kurzweiligen Graterhebungen wurden rechts und links umgangen und nach einigen Minuten der Gipfelaufbau des Rosskopfs erreicht.

Querung nach Osten unterhalb der Felsen

Dort taucht die Route in den einzigen Schattenbereich seit dem Pfundsalm-Mittelleger ein und dieser – von kurzer Dauer über die untere Steilflanke empor – begleitete uns etwa 15 Minuten bis vor das Plateau oberhalb.

kurzzeitig größte Hangneigung bei der Querung nach Osten

In dieser Strecke liegen die schwierigsten Stellen des Aufstiegs. Zuerst wird knapp unterhalb der Felsen ein Steilhang südöstlich gequert, bei dem als Nordosthang die LWS beachtet werden muß. (Anm. d. Verf.: dieser Hang kann auch abgefahren werden kann – will man vom Gipfel auf das Pfundsjoch und weiter ins Nurpenstal – wobei hier von der Senke östlich unterhalb des Pfundsjochs wieder aufgefellt werden muß)

Aufstieg auf schmalem Hang nach der Ostquerung hinauf zur Westquerung

Anschließend dreht die Route auf schmaler Stelle mit einer Spitzkehre oberhalb eines Felssporns und führt in toller Kulisse zwischen Felsrippen und zwei Spitzkehren noch einige Meter hinauf.

durch Schmelzdeckel vereister Teil der Querung nach Westen

Nun quert die Route wieder nach Westen den gesamten Hang zurück. Dieser schattige Teil bescherte uns auf einem Teil einen äußerst harten Schmelzdeckel, auf dem die Kanten kräftig gesetzt werden mußten, um Rutscher zu vermeiden.

zwei Rippentäler werden durchquert

Nach der Querung zweier anschließender talwärts ziehenden Rippen tauchte die Spur hinter einem Felsvorsprung hervor, die Route lag wieder in der Sonne sowie das Gipfelkreuz wurde sichtbar.

bevor nach einer Linkswendung eindrucksvoll plötzlich Rosskopf und Rastkogel auftauchen

Von dem Plateau, das gleich nach der Wendung der Route in die Sonne anschließt, zieht sich der restliche, gut einsehbare Aufstieg auf den Gipfel des Rosskopfs. Er bietet keine schwierigen Passagen mehr und ist in zehn Minuten erreicht.

Restaufstieg auf den Rosskopf

Der kleine Gipfelbereich wird von einem mittelgroßen Holzkreuz aus 1983 geziert, auf dem der Spruch „nichts Gutes tun ist Böse genug“ eingeschnitzt wurde. Dieses deutsche Sprichwort kann – nach Nachforschung des Autors – niemandem in der Geschichte direkt zugeordnet werden, stellt also (vermutlich mit den Wurzeln in der Religion) allgemeines Volksgut dar.

Schidepot wenige Meter unterhalb Gipfelplateaus

Während wir die Gipfelpause hielten, sowie die Rundumsicht genossen stieg eine große Gruppe über das Sidanjoch her auf. Vermutlich jene, die wir im Schatten im Bereich des markanten Gebäudes (eher keine Alm) in halber Höhe am Hang auf der Ostseite sehen konnten.

Rosskopf, 2.590m

Der Rundblick am Rosskopf bietet einige interessante Gipfel in den Tuxern, aber auch im Karwendel und in den Zillertaler Alpen.

Blick vom Gipfel Ostnordost; im Vordergrund der Kamm vom Sidanjoch herauf (Normalanstieg)

Genau östlich gegenüber befindet sich der Kraxentrager, der Marchkopf und die Wetterkreuzspitze. Alle drei liegen im auslaufenden Kamm der Tuxer als Erhebungen, die für den Schitourenfreund von Belang sind. Am Bild kann die Rastkogelhütte auf dem Südhang unterhalb des Sidanjoches erkannt werden.

die Ostgrenze der Zillertaler Alpen und der Großvenediger Richtung Ostsüdost

Fast im Osten gelegen, genau auf OSO liegen weit im Hintergrund der Großvenediger in den Hohen Tauern und rechts davon die Reichenspitzgruppe in den östlichen Zillertaler Alpen.

im Südosten die zentralen Zillertaler Alpen mit der markanten Spitze des Großen Löfflers links der Bildmitte; rechts der Rastkogel

Weiters finden wir in Richtung SSO den markanten Großen Löffler und den Schwarzenstein, der schon fast hinter dem gegenüberliegenden Felsrücken verdeckt ist. Zum Abschluß – bevor das Rastkogelmassiv die Zillertaler Alpen verdeckt finden sich noch Hornspitze und Ochsner.

rechts neben dem Rastkogel der Olperer in der Ferne, im rechten Bilddrittel Geier, Lizumer Reckner und Reckner und Lizumer Sonnenspitze

Direkt im Süden liegt der die Gegend beherrschende Rastkogel, der ein tolles Tourenziel aus allen Richtungen darstellt. Wir haben eine Traumtour über das Nafingtal mit Überschreitung zum Rastkogel von der Halslspitze aus unternommen, siehe Link oben.  Natürlich sticht im Hintergrund König Olperer heraus.

im linken Bilddritten der weit entfernte Schrankogel, im Vordergrund mit dunkler Nordostflanke der Hippold, rechts davon die höchste Erhebung der Hirzer genau im Westen; rechts davon Einblicke bis weit ins Oberland

Im Westen ist sogar der Schrankogel in den westlichen Stubaier Alpen in 53km Entfernung zu sehen. Im Vordergrund dominieren Hippold, Grünbergspitze, Malgrübler und Hirzer. Der für das Auge noch halbwegs sichtbar und weitest entfernte Gipfel im Nordwesten ist die schöne Heiterwand in 78km Entfernung.

rein ins Pulververgnügen!

Die sichtbaren Gipfel im Karwendel und im Rofan, die der Autor als Schitour beschrieben hat, wären die Rappenspitze und das Kotalmjoch, jeweils links und rechts des Gilfert im Norden.

genügend Raum für schönes Schwünge

Mit zunehmender Überlastung des Gipfelplateaus rüsteten wir zur Abfahrt über die schönen Nordosthänge. Hierbei hatten wir ein wenig Vorsicht walten lassen, da wir das Gelände nicht kannten und den Spuren der beiden Einheimischen folgten, die perfekt zwischen den Felsköpfen durchzirkelten.

auf eine Flachstelle vor dem zweiten steilen Hangteil hin

Natürlich fanden wir auf dem nur mit sehr spitzem Winkel beleuchteten Hängen tolle Pulverschneeverhältnisse vor.

herrliches Gelände

Die Abfahrt führt lt. TIRIS durchwegs über Gelände mit einer Hangneigung bis 35° und im untersten Teil mit knapp 40°. Alle Passagen sind wir einzeln abgefahren.

Ansicht des Aufstiegsgrates von Südosten

Nach den tollen steilen Hängen wird das Gelände im Kessel sehr flach und es reichte gerade für ein wenig Fahrt des ungewachsten Schis.

vielleicht der steilste Abschnitt

Bis zum Bauwagen ging es ohne Schiebaufwand dahin. Am Bauwagen hat man mit wenigen Metern Gegenaufstieg die Wahl zwischen der Aufstiegsroute links vor dem markanten Felskopf, oder der Talstufe rechts von demselben.

der Autor brauste hinab und fand Gefallen am Hang

Wir beschlossen die Variante nach rechts zu nehmen, da die Spuren verrieten, daß wir über diesen Weg auch nach unten kommen würden und andererseits die wenigen Höhenmeter auf der Aufstiegsroute nicht mehr aufsteigen mußten.

an der letzten Talstufe vor dem steilsten Stück des Tages

Die Variante rechts führt über schmale steile Hänge hinunter und hat auch ihren eigenen Reiz. Bei entsprechender LWS ist hier jedoch Vorsicht geboten, die Hangneigung beträgt lt. TIRIS im steilsten Stück mehr als 40°, siehe auch die Bildgalerie.

die größte Hangneigung kurz nach der Einfahrt

Unten angekommen quert man wieder zum Pfundsalm-Mittelleger hinaus, etwas oberhalb an der Stelle an der die Entscheidung für den ost- oder westseitigen Aufstieg fallen muß.

der Hang im Rückblick

Auf der weiteren Strecke im hinteren Finsinggrund hatten wir versucht so hoch als möglich zu bleiben und konnten bis zur Brücke über den Finsingbach ohne Schieben abfahren. Die Schiebestrecke war dann etwa 200m lang und der Höhenunterschied beträgt vielleicht zwei Meter – also verkraftbar.

der letzte Steilhang im Rückblick

Über die Rodelbahn ab der Pfundsalm ging unsere Tour wieder hinaus zum Parkplatz Hochfügen.

gute Laune an der Pfundsalm

Als Einkehrstation empfiehlt sich das Gasthaus Schellenberg auf der Straße nach Fügen. Die Terrasse bietet ab Februar in der Nachmittagssonne einen tollen Tourenabschluß und die Qualität der Speisen kann sich sehen lassen (Schmankerl: Kasknödelsuppe mit Graukas!).

Ausklang auf gemütlicher Terrasse vor dem Gasthaus Schellenberg

Für diese Tour benötigten wir gesamt mit Pausen 5:02 Stunden. Der Aufstieg vollzieht sich über 1.110m (gemitteltes Log – Aufstiegsmeter/Abfahrtsmeter) und ausgiebigen 7,3km Strecke. Schitourenwissen und alpinistische Erfahrung mit Gratbegehungen sollten für den Schlussteil ab dem Pfundsjoch zumindest vom Verantwortlichen einer Gruppe mitgebracht werden. Ab Februar Fellwachs nicht vergessen!

Mils, 08.02.2020