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Turmfalk, 2.200 m – Überschreitung zum Totenfalk, 2.130 m

Kaum mit ausführlicher Beschreibung in der Literatur zu finden sind Turmfalk und Totenfalk im östlichen Schenkel des wildromantischen U-förmigen Falkenkars. Diese beiden Falken stellen das nicht so lange und bergsteigerisch erbauende Gegenstück der Überschreitung vom Kleinen Falk auf den Risser Falk dar, sollen aber vom begeisterten Entdecker der Gipfel der Falkengruppe nicht unberührt bleiben. Das Abenteuer ist kurz und aufgrund der Brüchigkeit am scharfen Grat im ersten Teil durchaus anspruchsvoll.

Blick vom Turmfalk zum Totenfalk

Wer dem Zauber der freistehenden Falkengruppe bereits erlegen ist kommt nicht umhin sich mit einer Begehung aller sechs Gipfel zu befassen, möglicherweise auch einer Überschreitung  der gesamten Falkengruppe, unter Auslassung des sich nicht auf der gekrümmten Hauptkette befindlichen Steinfalk, und trifft spätestens mit diesen Gedanken auf diese beiden kleinen Gipfel, die deutlich im Schatten des mächtigen Laliderer Falk stehen, nach dessen Ersteigung man sie im Abstieg auch „mitnehmen“ kann. Vom Tal aus bestiegen bildet das archaische Falkenkar den einzigen Ausgangspunkt dieser Bergfahrt.

Totenfalk, Laliderer Falk und Risser Falk rechts am Weg ins Falkenkar

Vom Parkplatz P4 im Risstal wird das Falkenkar angesteuert. Eine Beschreibung mit mehr Bilder zum Zugang zum Einstieg ins Falkenkar findet sich im Bericht  vom Risser Falk, jedoch ist zu beachten, daß der Aufstieg vom unteren Karboden (dort endet die gute Fahrstraße) im Aufstiegssinn links vom Falkenbach, direkt am Ufer erfolgt, nicht rechts davon wo sich der Jagerstand befindet. Der Wasserfall (links im Aufstiegssinn) wird direkt angesteuert und rechts davon beginnt das wilde Steiglein zunächst über ein breites Band inmitten der senkrechten Felsen zur oberen Talstufe.

Wasserfall über die beiden Talstufen des Falkenkars

Des Morgens bietet der Steig ähnliche Verhältnisse wir nach Regen am Vortag – er ist teilweise sehr rutschig, was man im Abstieg nicht unterschätzen sollte, ist man der Meinung daß dieser so rasch wie gewohnt erfolgt. Das Nordkar trocknet nie richtig aus.

Einstiegpunkt in die Westflanke des Totenfalk

Nach dem dichten Latschengürtel – Baumbewuchs ist im Falkenkar weniger vorhanden – lichtet sich der Bewuchs allmählich auf etwa 1.600 m und weitere knapp 200 m sind bis zum Einstieg in die Westflanke von Totenfalk und Turmfalk zu bewältigen. Vom Wasserfall aus beträgt die Strecke bis zur Abzweigung vom oberen Karboden bis in die Westflanke (lt. TIRIS auf 1.780 m) eine gute Stunde.

Rückblick ins Falkenkar am Ende der Steigspuren

Die Steigspuren verlieren sich nach wenigen Minuten des Aufstiegs (in Gegenrichtung der bisherigen Richtung) an den felsendurchzogenen Schrofen der Westflanke des Totenfalks. An die Stelle von Steigspuren treten kleine Steinmänner, die nach einer Latschengruppe, deren Wurzeln man noch den Steig ansieht in direkter Linie durch die Westflanke führen.

durch die felsige Rinne zum oben wieder sichtbaren Steig

Nach kurzer Zeit im Schrofengelände wird eine felsig schuttige Wasserrinne erreicht, die vom Totenfalk herunterzieht. Dieser folgt man mit Stecken weiter solange sie noch nicht felsig ist und später in leichter Kletterei unter teilweisem Einsatz der Hände.

wieder am Steig

Am oberen Ende der Rinne befindet sich ein Schuttrichter mit deutlicher Ausprägung des nach rechts oben führenden Steigs. Geradeaus, in direktem Anstieg weiter, führt eine wenig erstrebenswert begehbare Rinne hinauf zum Totenfalk.

Westflanke zum Totenfalk – links von Simon mündet die Westflanke im Abstieg ein

Nun ist die Route bis hinauf zur großzügigen Scharte zwischen Turmfalk und Laliderer Falk sichtbar vorgegeben und es bedarf hier keiner weiteren Detailerklärung (Siehe auch Bild im Bericht Laliderer Falk).

steiles Falkenkar, grüne Rinn Scharte und Risser Falk

Kurz vor der Scharte mit dem nachfolgenden breiten und ebenförmigen Nordostrücken des Laliderer Falk zweigt man links in der schuttgefüllten Rinne zum Nordaufstieg des Turmfalken ab. Eine runde Scharte zwischen Turmfalk und einem Vorkopf  am Nordgrat bildet den Ausgangspunkt des Aufstiegs.

Abzweig links hinauf zur Grathöhe zum Turmfalk

Aus dieser Scharte kann der Aufstieg über die jenseitige Bergflanke bis zum Grat eingesehen werden. Sie ist im AV-Führer als Rinne bezeichnet, in Wahrheit jedoch handelt es sich um eine schmale Flanke mit jenseitiger Gratrippe, da sie in keiner Weise rinnenartig ausgemuldet Schutt transportiert noch einen sie formenden klassischen Wasserlauf darstellt.

Aufstieg jenseits des Nordgrates in der Nordostflanke, leichtes Gelände

Der Aufstieg ist unter Bedacht auf lose Trittpartien leicht, steil und erfordert den Einsatz der Hände. Die Stöcke haben wir deshalb bereits an der Abzweigung vom Steig zum Laliderer Falk verräumt. Oben wird der direkte Grat betreten.

Anstieg auf die Grathöhe am Nordgrat zum Turmfalk

Am Grat bietet sich ein guter Blick auf den nahegelegenen Steinmann des Gipfels am Turmfalk und rückwärts auf des Laliderer Falken Nordostflanke. Wenige Dutzend Meter leiten über den mittelbreiten geschwungenen Grat zum Gipfel.

Auf Grathöhe zum Turmfalk Richtung Norden

Die Aussicht am Turmfalk auf das umgebende Karwendel bietet keine bessere als jene vom Laliderer Falk, sie gibt jedoch einen Eindruck des Höhenverhältnisses auf die Gipfel in der Hauptkette der Falken.

Turmfalk, 2.200 m, im Hintergrund von Simon Laliderer und Risser Falk

Der Laliderer Falk in 700m Entfernung überragt den Turmfalk um 227 m, der Risser Falk in 1.380 m Entfernung um 215 m und der Kleine Falk in 1.420 m Entfernung unterragt ihn um 10 m. Schließlich beträgt die Entfernung zum Totenfalk 300 m und die Höhendifferenz -70 m, welche ein Grund wäre die Überschreitung besser in die Gegenrichtung zu unternehmen.

Simon beim „recognosciren“ der Überschreitung, im Hintergrund Hinterriss

Fasst man letztere Gegebenheit ins Auge muß man allerdings auch gewahr sein, daß man einen Zickzack Kurs auf die Falken unternimmt, es sei denn man unternimmt den Aufstieg in der Westflanke (unseren Abstieg) anstelle des bestehenden Alternativzustiegs (siehe dazu Foto der  Routen).

Überschreitung zum Totenfalk – erster Abstieg über losen Schutt mit großer Vorsicht

Der Abstieg vom Turmfalk und der folgende Übergang zum grasigen Vorkopf des Totenfalk stellen das Herzstück der Überschreitung dar. Sie sind durch zwei schwierige Passagen geprägt, von denen wir eine ausgeschlagen haben.

vorgelagerter Gratkopf mit Schlüsselstelle

Er erfolgt zunächst durch Schutt mit Bedacht auf einen kleinen Vorkopf hinter dem sich nach wenigen Metern eine schwierige Stelle verbirgt, die durch einen Haken und ein kurzes Stück Reepschnur mit Schlaufen entschärft wurde.

Schlüsselstelle – entschärft durch Reepschnur über ca. 2 m senkrechtem Abbruch

Im Prinzip wäre der Fels an dieser Stelle gut, um rein mit Tritten und festen Griffen abzusteigen. Die Hilfe durch die Reepschnur allerdings lässt diese normale Abstiegsart nicht ganz zu und so glaubten auch wir die Hilfe annehmen zu müssen. Von unten betrachtet, mit allen von oben der Sicht beraubten Tritten, sieht die Situation dann anders aus.

Schlüsselstell von unten, Tritte im Abstieg kaum sichtbar, jedoch recht fester Fels

Der restliche Abstieg in die nächste Scharte erfolgt in klettertechnisch leichtem Gelände, jedoch anfänglich auf schmalem Grat und unter beträchtlicher Brüchigkeit, deren Kombination die volle Konzentration erfordert.

weiterer Abstieg unterhalb, leichtes Gelände aber wieder jeder Griff auf Halt zu prüfen

Simons Trinkflasche rutschte im Abstieg, nahe der unten liegenden Scharte, aus der Seitentasche und polterte etwa 50 Hm falkenkarseitig hinab, wo sie sich zufällig verfing, er sie von oben erspähte und Willens war sie zu bergen.

Rückblick aus der Scharte auf den Abstieg vom Turmfalk

Der Punkt an dem sie lag befand sich nahe am alternativen Zustieg zum Totenfalk, sozusagen nahe am Normalweg. Wir hatten vereinbart, daß ich mir bis zu seiner Rückkehr zwischenzeitlich den weiteren Grat ansehen werde und dies über eine wackelige Zinnenburg von Gratmauer aus auf die nachfolgende Scharte unternahm.

weitere Aussichten am Grat, die Brüchigkeit rät zur Umgehung – im Hintergrund der zahme Gipfel des Totenfalk

Einige Schritte darüber hinaus konnte ein nächster kleiner und recht schmaler Felskopf mit einer Unmenge an Schutt auf seiner diesseitigen Flanke festgestellt werden, der die Lust auf die weitere Gratkletterei jäh schwinden ließ. Nicht einmal bis über das Köpfchen wollte das Bauchgefühl den alten Mann mehr führen, nein es entschied bei dessen Anblick den Rückzug. Schnell war dem erstaunten Simon zugerufen, daß er den Aufstieg nicht mehr zu unternehmen brauche, die Passage erschien nicht sicher kletterbar.

Umgehung 30 – 40 m unterhalb des Grates auf dem Normalweg

Im Abstieg zum Kameraden keimte sofort der Gedanke auf, daß die Begebenheit mit der Flasche eventuell keine zufällige sein mochte. Die Betrachtung der Gegenseite des Grates würde gleich zutage fördern, ob die Einschätzung des Gratabbruchs und die entschiedene Umgehung richtig war oder nicht.

Rückblick auf die schmale Gratschneide im unteren Teil der Überschreitung

Wir umgingen den mit ca. 30 bis 40 Hm geschätzten Gratabbruch auf dem Steig und drehten vor dem Graskopf, nach der ersten scharfen Gratschneide die der Führer bei der Begehung in die Gegenrichtung als „Umgehung auf einem Gamswechsel“ beschreibt, um, wobei uns ein sehr steiler und schneidig scharfer Grat entgegenblickte.

Totenfalk vom Graskopf aus betrachtet

Mit diesem Anblick waren wir einverstanden, bzw. mit der Entscheidung des Abbruchs der Kletterei am oberen schmalen Kopf. Zu beiden Seiten kaum die Möglichkeit einem drohenden Ausbruch an der Schneide auszuweichen, eher noch ostseitig denn falkenkarseitig, generell aber im Duo ohne Seilsicherung ein unnötig großes Wagnis – wie schön wäre dieses Sägeblatt mit einer Topsicherung im Aufstieg gewesen.

Totenfalk, 2.130 m, Simon beim Studium des Gipfelbuchs; leider kein Schreibgerät vorhanden

In bestätigter Stimmung keine leichte Passage in Feigheit ausgelassen zu haben marschierten wir dem Graskopf vor dem Totenfalk zu. Nach der Passage und einer weiteren seichten Scharte führten uns etwa 30 Hm zum flachen, grasigen Gipfel des Totenfalk.

die schwer zugänglichen – Roßkopfspitz und Ruederkarspitz

Dem unspektakulären Gipfel des Totenfalk ist eine interessante Überschreitung zu dessen nördlichem Bruder vorgelagert und diese Begehung erfreut am Ende der Überschreitung mit einigen schroffen Gratzähnen in solcherart Ausprägung unerwartet.

Gamsjoch, 8 km dahinter Hochglück und rechts Turmfalk

Zunächst besteht ein steiler und wiederum sehr brüchiger Abstieg über etwa 15 Hm bevor eine enge Scharte rechts entweder über ein paar Meter auf einen glatten Felsturm hinauf, oder etwa 2m darunter eine Kante auf dessen ausgesetzte Ostflanke führt, die ohne Höhenverlust in die wenig entfernte Scharte zum durchgehenden Gipfelgrat führt.

Übergang zum nördlichen Gipfel des Totenfalk

Wir entschieden uns für letztere und querten in sehr steilem Gelände auf guten Tritten und Griffen zwischen solchen, die nur zum Schein fest ausschauten. Jede Belastung eines potentiellen Stützkörpers mag in diesem Gelände einer echten Prüfung unterzogen werden.

hoher Gratkopf im Übergang

Durch die Querung ersparten wir uns den Eckzahn, sowie den kurzen jenseitigen Abstieg sowie einen zweiten, etwas höheren Zahn und gelangten fast direkt in die letzte Scharte vor dem Beginn des Schlussteils des Verbindungsgrates, der geringfügig mehr als 100 m Länge mißt.

Schlußteil am Nordgrat

Der Grat zum Abschluß  beginnt ostseitig mit einer wackeligen Zinnenwand wie im letzten Teil des Übergangs vom Steinfalk, glücklicherweise im Gehgelände. Man möge hier vorsichtig sein, im Vorbeigehen die spitzen Plattenfische nur anzusehen.

Aufstieg über höchst wackelige Partien auf den nördlichen Gipfel des Totenfalk

In der Folge führt der Grat fast im Gehgelände ein paar Meter aufwärts zum Nordgipfel des Totenfalk, dessen Plateau ein kleiner Steinmann ziert.

Nordgipfel Totenfalk mit Blick auf Hinterriss

Der Zugewinn dieses Übergangs besteht aus einer kurzen, anregenden Kletterei des ohnehin kurzen Abenteuers über die beiden östlichen Falken, einem sagenhaften Tiefblick auf das Risstal und der Möglichkeit mit dem Abstieg durch die Westflanke eine Runde zu beschreiben, sodaß kein Weg doppelt begangen werden muß, welches letztere wir auch unternahmen, um das Abenteuer erneut zu verlängern.

atemberaubende Sicht in die Tiefe des Risstals

Nach dem Rundblick und der Erinnerung an die schönste ausgeführte Überschreitung, die vom Kleinen Falk auf den Risser Falk führt und ein paar Minuten der Verinnerlichung machten wir uns auf den Weg über Schuttreisen ein paar Dutzend Meter abzufahren bzw. an eine günstige Stelle zur Querung nach Südwesten abzusteigen und eine noch unbekannte Anzahl von Rippen zu übersteigen, um in die breite, seichte Rinne zum Steig ins Falkenkar zu gelangen.

Rückblick vom Nordgipfel des Totenfalk auf den östlichen Schenkel der Falkengruppe

An günstiger Stelle verließen wir den direkten Weg in der grasig schuttigen Flanke und querten auf ein schanzenähnliches Band, um über die Klippe (geziert auf deren Schneide durch einen weithin sichtbaren runden Block mit etwa einem Meter Durchmesser) ins nächste Flankenteil zu übersetzen. Diese Passage war die leichte.

bizarres unbekanntes Abstiegsgelände in der alten Allgäudecke

Die etwas anspruchsvollere nächste Rippe, in reinem Felsgelände, erforderte einen weiten Grätschschritt, jedoch darüber hinaus keine wesentlichen Künste. Brüchig allemal, jedoch keine echte Schwierigkeit in die nächste schmale Rinne und auf eine erneute Rippe zu gelangen.

die Bänder wie Girlanden genutzt

Dahinter öffnete sich die sehr breite Westflanke, die von der Scharte zwischen Grashöcker und Totenfalk herunterzieht. In dieser Flanke führt der steile Abstieg direkt auf den Steig zum Falkenkar.

zum Trichterkar hinab über die Westflanke ins Falkenkar

Wir stiegen über die durchgehenden Grasbüschel abwärts, passierten vor dem Steig noch die oberste Latschengruppe und gelangten bequem auf den Steig, dem man etwa 100 m rechts abwärts folgt, bevor er in die oben beschriebene Felsrinne links in direkter Linie zum unten wieder sichtbaren Steig abzweigt und von dort in mäßiger Steigung in südwestlicher Richtung ins Falkenkar leitet.

Abstiegsgelände in der Westflanke

Von unten, vom oberen Falkenkar im Nachmittagslicht betrachtet leitet ein auffälliger kleiner Sporn in die Westflanke (roter Pfeil im Bild in der Galerie). Der Gipfelbereich des Totenfalk ist wegen der durchgehenden Steilheit der Westflanke von dort aus kaum richtig sichtbar, noch weniger im Aufstieg durch dieselbe. Man präge sich daher die Route so gut wie möglich ein, da beim Aufstieg sowieso alles anders aussieht als vom Karboden.

letztlich über Bergwiesen und an Latschen vorbei zum Steig

Der Aufstieg durch die Westflanke ist lohnender, vor allem aber schneller als die Zickzackroute und dem Normalsteig von Süden nach Norden. Wir haben in der Westflanke sogar einen Steinmann entdeckt und zwischendurch könnte man Steigspuren ausmachen.

Rückblick auf die Westflanke

Abschließend erfolgte das Erlebnis Falkenkar im Abstieg. Wer mit offenen Augen durch das Karwendel zieht, der erkennt im späten Frühjahr – und der beginnende Sommer muß im abgedunkelten Nordkar noch als das solche erkannt werden – kaum Blumen. Der auch für das Tier keineswegs förderliche Weiße Germer treibt sein Unwesen teilweise mitten am Steig und wenige Blütenfarben säumen den wildromantischen Steig selbst zu Beginn des Julis.

Rast im Falkenkar – der Riss durch den Nordteil der Muldung zur Nordwand wäre auch ein Aufstiegsweg zur Scharte zwischen Turmfalk und Laliderer Falk

Erst unterhalb des Wasserfalls, am unteren Karboden decken die mächtigen Erhebungen das grüne Kar nicht mehr dauerhaft vor dem Licht ab und tut es das Falkenkar dem sonst mit mannigfaltiger Flora so üppig überzogenen Karwendel gleich und läßt einige Arten sprießen. Eine Eigenheit, die der Karwendelgeher nur vom Falkenkar kennt.

Wasserfall über die Talstufen des Falkenkars hinab

Die Reise führt über 1.300 Hm Anstieg über die Gipfel, gesamt wurden für die Besteigung der beiden einsamen Falken in Ruhe knapp 7:30 Stunden benötigt, wobei es durchaus schneller ginge.

atemberaubendes Falkenkar

Sie lohnt als Einzelbegehung selbst beider Gipfel in Überschreitung eine lange Anfahrt nicht, es sei denn man ist besessen von der spürbaren Eigenheit der Falken innerhalb des Karwendels, oder hat sein Herz an sie verloren, oder beides.

Mils, 10.07.2020

Schitour Gstreinjöchl, 2.520 m

Keine Gipfeltour und keine bekannte Schitour unternimmt man bei der eher kurzen und reizvollen Schitour auf das Gstreinjöchl. Sie besticht durch den Steilhang im Mittelteil, der beeindruckenden Nachbarschaft der Tribulaune und des Muttenkopfs. Das Jöchl selber wird gar nicht betreten, die Tour endet etwa 200 m vorher auf einem Felskopf, der sich im Frühjahr, ausgeapert, bestens zur Gipfelrast eignet und den Logenplatz vor dem Gschnitzer Tribulaun darstellt, hinter dessen rundlichem Gipfelrücken das bizarr aufragende Gipfelspitzl des Pflerscher Bruders hervorragt.

„the view“ – Gschnitzer Tribulaun vom Gstreinjöchl

Mit knapp über elfhundert Meter ist die Schitour eine eher kurze und ihr Reiz dürfte im Frühjahr größer sein als im Hochwinter, allenfalls aus Sicht der Sicherheit auf dem Mittelteil, der mit gut über 40° auch entsprechende Verhältnisse voraussetzt.
Abseits von den klassischen Touren im Obernbergtal wird mit der Inneren Wildgrube ein phantastisches und einsames Gebiet im nordöstlichen Ausläufer des Tribulaunkammes.
Die Hänge, vielmehr die Rinnen und Rippen, die den gesamten Hang bis zum tiefsten Talkessel durchziehen, bieten ein nicht alltägliches Abfahrtsabenteuer und deren oberste Ansätze könnten vom Freak als Halfpipe beschrieben werden.

Hintertrenns und die Schwarze Wand Spitze von Obernbarg aus

Am gewaltigen Schwemmfächer wird über die im Frühjahr verbleibenden Schneefelder gegen das Tal nach Hintertrenns angestiegen, wobei die beste Route, wie wir beim Ansteuern der Richtung zur Kapelle beim Waldbauern erkennen mußten, das weite Bachbett darstellt, und hier der äußerst linke Uferbereich, der mit einer kleinen Böschung gegen Ausapern geschützt ist. Weiter drin, bereits im engen Tal, erfolgt dann die Querung des Bachs auf dessen Nordseite und dem ausgeschnittenen Sommerweg wird gefolgt.

der schöne Hang vom Gstreinjöchl herab nahe dem Talschluß in Hintertrenns

Auf einem schwach ausgeprägten Sattel mit Wegweiser kann der weitere Aufstieg über die Schuttreise bis hinauf zu den gewaltigen Hauptdolomitfelsen eingesehen werden.

am Sommerweg auf das Gstreinjöchl

Über diesen Hang führt der Sommerweg und er wird mittels Spitzkehren bis zu den aufragenden Wänden über seine beeindruckenden 350 Hm aufgestiegen.

Aufstieg zur Inneren Wildgrube

Zwischendurch überquert man die im Frühjahr unvermeidlichen Nassschneelawinenreste, die bei unserer Begehung bereits viele Tag alt und leicht zu überqueren sich erwiesen.

unterer Teil des Aufstiegs – Blick ins Obernbergtal; unten eilen Martin und Chris heran

Kurz vor den Felsen zweigt der Sommerweg etwas westlich der Rinne an, auf die es Chris abgesehen hatte. Er und Martin hatten uns im Aufstieg über den langen Hang eingeholt und übernahmen nun die Führung.

das Gelände wird steiler

Dem Sommerweg kann im Aufstieg mit Harscheisen ebenfalls gefolgt werden, er zieht westlich über die linke Rippe fort und wird erst weiter oben, nach der Steilstufe, wieder sichtbar. Zwei andere Tourengeher nahmen diese Variante und verschwenden hinter der Rippe linkerhand.

die steile Rinne fast erreicht

Chris steuerte zielsicher die steile Rinne zwischen Fels und Rippe an, aus der Lawinenreste, nun deutlicher ausgeprägt und jünger, unseren Aufstieg mittel Stapfen notwendig machten.
Am unteren Rand der Lawinenreste verstauten wir die Schi am Rucksack und stiegen in der Rinne auf.

Stapfstrecke erreicht – ab hier ohne Schi weiter

Nach schätzungsweise 80 Hm wird ein kleines aperes Band erreicht, das auffallend flach zur Rechten auf einen flacheren Bereich des Hanges über den Felsen hinauszieht. Die Stelle befindet sich weit unterhalb des Sommerweges, der in einem weiten Bogen darüber nach rechts hinaufzieht und von unserem Aufstieg aus nicht sichtbar war.

dies ist der steilste Teil mit etwa 43° Hangneigung; die Strecke ist nicht lange

Wir nahmen nun das bereits leicht ausgeaperte Querband auf den nächsten Hangteil, der über eine Steilstelle auf die Rippe erreicht wurde. Nach etwa weiteren 20 Hm konnten wir im Flacheren wieder die Schi anlegen und in der erquickenden Morgensonne weiter aufsteigen, wobei wir wieder mit den beiden anderen Tourengeher zusammentrafen.

Querung am Band

Etwa nach einer Viertelstunde war das untere, südwestliche Ende der Inneren Wildgrube erreicht und der Blick mindestens eine Trinkpause wert.

Rückblick auf den steilen Aufstieg

Bei Betrachtung des Übergangs von der Nordostecke der Inneren Wildgrube auf den Muttenkopf keimte gleich der Gedanke an einer möglichen Überschreitung auf, wobei die Westflanke des Muttenkopfs schon sehr steil ausschaut und vielleicht einmal im Sommer erkundet werden soll.

welch Kulisse!

Ein prachtvoller Hang stellt sich am Rastpunkt als Begrenzung der Inneren Wildgrube gen Westen entgegen und dieser bildet die nächste Etappe, bevor es unterhalb des Grates auf das Gstreinjöchl zu geht.

eine kurze Trinkpause mit dem Obernberger Tribulaun im Hintergrund

Der Hang, etwa 150 Hm messend, wird in Spitzkehren aus dem Tiefsten der Grube angegangen, somit steigt man zuerst einige Minuten unter moderater Steigung zur nördlichen Begrenzung, in der uns Lawinenreste zur ersten Spitzkehre zwangen.

Aufstieg an der Südwestbegrenzung der Inneren Wildgrube

Steil und schweißtreibend erfolgt der Aufstieg über den völlig im stumpfen Winkel beschienen Hang. Nach ein paar langen Etappen, in denen die Umgebung ausgiebig aufgenommen werden kann, folgen wenige Spitzkehren bis zur Abflachung auf knapp unter 2.400  m und der Grat zum Gstreinjöchl wird sichtbar.

Evi mitten im Hang, oben der Grat bereits sichtbar

Schräg nach Süden geht es von dort unterhalb der Gratköpfe und neben Felstürmchen mit moderater Steigung gegen das Gstreinjöchl weiter.

Rückblick mit Grateinschnitt und der Kirchdachspitze

Ein wunderbarer Blick auf die südöstlich gegenüberliegenden Tribulaune im Obernbergtal und auf den weit dahinter liegenden Tuxer Hauptkamm der Zillertaler kann dabei genossen werden.

sagenhafte Kulisse in Richtung Zillertaler

Bald wird eine Senke erreicht an deren jenseitigem Ende zwei Felsspitzln die in direkter Sichtlinie zur Schwarzen Wand stehen. Diese Felsspitzln stellten unser Ziel dar und sie befinden sich noch knapp 400 m von Gstreinjöchl entfernt. Unser Rastplatz liegt auf 2.550 m, der Jochübergang auf 2.533 m.

Blick gen Süden mit Schwarzer Wand und Endpunkt der Schitour

Über die Senke versuchten wir auf der Bergseite die Höhe zu halten und es ist wahrscheinlich so, daß der Verlust der wenigen Höhenmeter wesentlich geringerer Anstrengung bedurft hätte, aber die innewohnende Übung mußte so kurz vor dem Ziel bewiesen werden.

Versuch der Senke keine Höhenmeter zu schenken; Chris bereits am Ziel

Am Rastplatz muß man feststellen, daß die Aussicht für einen Punkt, der nicht der Gipfelpunkt ist, verblüffend großartig ist.

Endpunkt auf 2.550 m auf das Gstreinjöchl mit Martin und Evi

Da öffnet sich das Becken nach über das Obernbergtal zu den Tuxern und Zillertalern im Südosten und schließt sich gegen Süden mit den gewaltigen Nordwänden des Kleinen und des Obernberger Tribulauns.

Obernbergtal mit Tuxer Hauptkamm dahinter

Der Kessel des Talschlusses bildet enge steile Rinnen auf den flachen Übergang zum Nördlichen Roßlauf bevor der weiße Osthang den bizarren Gipfel der Schwarzen Wand über alle Erhebungen in diesem Kammknoten markiert und der Grat zur Eisenspitze und schließlich zum Gstreinjöchl abfällt.

Schwarze Wand – Nördlicher Roßlauf und links Obernberger Tribulaun

Über dem Jöchl, in der Ferne und scheinbar zum Greifen nahe, prangt der Gschnitzer Tribulaun und, knapp unter seinem Gipfel, am Nordwestgrat, ragt der Gipfelspitz des Pflerscher Tribulaun gegen das Blau des Tages, 540 m höher als unser Rastplatz.

Chris am Rückweg nach der Erkundung der inneren Abfahrtsmöglichkeiten

Mit Glättespitze und Habicht im Nordwesten, dem schönen Grat über die Kalkwand zur Ilmspitze und der imposanten Kirchdachspitze endet das Fenster im Nordosten.

Martin, Evi und Chris am Tourenziel des Gstreinjöchls

Wer genau schaut erkennt exakt im Grateinschnitt zwischen Ilmspitze und Kirchdachspitze den Steingrubenkogel der Kalkkögel in knapp 19 km Entfernung.

Blick von Nordwest bis Nord – Glättespitze, Habicht, Ilmspitze und Kirchdachspitze

Unsere Abfahrt führte uns zunächst etwas nordöstlich auf einen Hang zu, der in einer etwas tiefer gelegenen Rinne mündete, die die beiden Kollegen tags zuvor bereits ausgekundschaftet hatten.

ein stimmungsvoller Blick über die Abfahrt

Und sie taten dies nicht schlecht, sowohl oberer Hang als auch  Rinne erwies sich als ein tolles Abfahrtsabenteuer.

[unkommentiert]

Die durchgehende Steilheit und die Abwechslung zwischen Rippen und Rinnen ist wohl ein Zusammenspiel, das diesen, von Obernberg aus eher unscheinbar wirkenden Hang, eine Höchstnote davontragen läßt.

auf die Rippe zur Rinne

Der Hang wäre geeignet im oberen Teil weitere Querungen taleinwärts zu unternehmen und so weitere Abfahrtsmöglichkeiten zu entdecken. Aber es gibt ja weitere Winter.

Chris eröffnet die Rinne

Wenn man sich bei der Ausfahrt vom Talgrund auf der südlichen Talseite möglichst hoch hält, kann man weit hinaus queren und eine abschließende Abfahrt über einen Lärchenhang bis zum breiten Bachbett erleben.

Martin zwischen Sommer und Winter

Die Querung erfolgt über zwei Lawinenrinnen, die möglicherweise schwer befahrbare Reste enthalten können, die sich bei unserer Ausfahrt aber bereits in weitgehend abgeschmolzenem Zustand befanden.

Blick auf das Obernbergtal

Für den Aufstieg der kurzen und bärigen Frühjahrsschitour haben wir  knapp 3 Stunden benötigt, die gesamte Runde incl. Pausen in 4:10 Stunden bewältigt und einen Gipfelaufenthalt von 35 min verbracht. Der Aufstieg betrug 1.120 m.

und mit Wehmut zum Gstreinjöchl zurückgeblickt

Mils, 25.04.2021

Schitour Grünbergspitze, 2.790 m vom Voldertal

Bekannt ist die Schitour auf die Grünbergspitze vom Navis- und vom Arztal aus, man kann sie aber auch vom Voldertal aus unternehmen und erlebt bei dieser Variante phantastische Schihänge hinab nach Steinkasern. Im Frühjahr ist sie besonders reizvoll und eine weitgehend einsame Landschaft ab der Vorbergalm wartet ihrem Besucher meist mit unberührten Hängen auf, die nach dem Hochwinter kaum mehr begangen werden. Das Tragen der Ausrüstung bis knapp nach die Vorbergalm dient dem geistigen Handschlag mit der Natur und garantiert ganz nebenbei eine gegen null gehende Besuchsfrequenz. Nach dem Räumen des Weges kann der lange Anmarsch durch die Fahrt bis zum Parkplatz Nösslach verkürzt werden.

unsere gemütliche Felsmulde in farbenfroh bewachsenen Quarz- und Chloritphyllit

So wie mit vielen Taleinfahrten ist es dieser Tage auch mit der Einfahrt ins Voldertal ein Kreuz. An und für sich wären die Regeln klar und können auch auf Hermanns interessantem Blog Das Voldertal studiert werden, die Realität ist in der Zeit in der noch nicht der Andrang des Sommers herrscht aber meist eine andere. Was macht man um 6:30 Uhr, wenn der Mautautomat noch immer mit einer Winterhaube gegen Erkältung geschützt und funktionsunfähig ist und man alle Tourenplanung und -vorbereitung auf den Erwerb der Einfahrtsberechtigung bei diesem stummen Gemeindebeamten gesetzt hat?

Grünbergspitze, 2.790 m

Die Antwort ist einfach: der Tiroler fährt in das Tal ein, weil er nichts falsch gemacht hat und die Berechtigung ja erwerben wollte. Rein rechtlich sähe das anders aus erhielte man Kenntnis über die Ungehörigkeit; man hat die Berechtigung zur Einfahrt nicht erworben. Aber auch für diesen Lapsus ist dem Tiroler ein Kraut gewachsen: ein Gentleman genießt, schweigt und vertraut auf Gott. So der Autor, zumindest die nächsten Wochen über.

Abmarsch vom Parkplatz Nösslach

Die Fahrt auf dem durch Forstarbeiten stark beanspruchten Weg gelingt mit bayerischem Vierradantrieb plangemäß und der Unterbodenschutz erfährt mit biologischen Materialien eine gewisse Renaissance bis zum Parkplatz Nösslach.

Martin und Evi gut gelaunt

Mit der Freude die erhebliche Distanz von Volderwildbad bis zum Tourenziel entscheidend verkürzt zu haben traten wir den Fußmarsch zur Vorbergalm an, bei der die Tour unter Schi vorausgesagt worden wäre.

nach dem Einbinden des Steigs in den Weg zur Steinkasernalm

Gefrorener Boden schon auf 1.450 m in Nösslach verhieß optimale Bedingungen für das Vorhaben und so marschierten wir nach einer großen Gesellschaft ins Tal, die jedoch die einzige an diesem Tag bleiben sollte.

Während die Vorderen das Rosenjoch ansteuerten, wie nach dem Klausboden an den angeregten Unterhaltungen ober uns im schönen Zirbenwald zur Gwannschafalm zu hören war, führte unser Weg über das flache Stück der Klause weiter taleinwärts bis zum Anstieg nach Steinkasern.

Klausboden – rechts über die Brücke zweigt der Anstieg zum Rosenjoch ab

Der prächtige Talkessel nach dem Klausboden ist jedes Mal erneut ein Erlebnis und so auch dieses Mal. Durch Blockgestein von der westlichen Talseite herab und dem rauschenden jungen Voldertalbächlein, das sich aus einzelnen Quellen erst bei Steinkasern gebildet hat, führt der Anstieg in mäßiger Steigung gegen die Almgebäude, deren unübersehbares Hoheitszeichen das auf weite Distanz sichtbare kleine Holzkreuz auf dem großen Rutschblock darstellt. Dahinter bauen übergreifende Hangrippen den steil werdenden Talkessel auf, der bereits unter energiereichem Frühjahreslicht erstrahlt.

in Gelände der Steinkasernalm

Im Anstieg zu den Almgebäuden kann man im Hochwinter bei Föhn über das Naviser Jöchl sibirische Kälte und einen unwirtlichen Aufstieg ohne jeglichen Schutz erleben, wie wir bei der Schitour auf die Seekarspitze erfahren haben.

sonnige Blicke auf die Steinkasernalm

Diesmal war Westwind vorausgesagt, und, auf 2.000 m in Steinkasern noch weit unter seiner Angriffsfläche, erfreuten wir uns der Windstille sowie angenehmer Temperatur im Aufstieg.

sonniger Aufstieg durch die Steinkasernalm

Der Hang rechter Hand kurz nach Steinkasern wurde bei einer Trinkpause als Aufstieg ausgewählt. Der Hang führt – wie wir später feststellten – in ein Kar zwischen der Grünbergspitze und dem Rosenjoch, von dem unterhalb des Gipfels zu einem kleinen Sattel vor dem Gipfelaufbau gequert werden kann.

Steinkasernalm gegen Seekarspitze

In der Flurnamenerhebung von TIRIS wird er als „Rauchseite“ bezeichnet. Ob dadurch ein Zusammenhang mit den Köhlereien besteht, die Hermann in seinem Bericht Die Köhlereien im Voldertal bespricht, konnte der Autor nicht recherchieren, die Möglichkeit, daß es sich bei der Namensgebung auch um die „raue“ Seite des Tales handeln könnte – sie ist steiler und schroffiger als die in Blickrichtung zum Joch linke Talseite – wäre durchaus möglich.

Grünbergspitze nach Steinkasern – den Hang rechst, die Rauchseite haben wir als Anstieg ausgewählt

Von Steinkasern bis zum Gipfel trennen den Tourenfreund noch erhebliche 790 Hm und von unserem Standplatz der Trinkpause aus noch gut 700 Hm, die wir nun über die Rauchseite angingen. Im unteren Teil bleibt die Hangneigung unter 35°, im oberen Teil wird diese über eine kurze Strecke leicht überschritten.

dann steiler über die Rauchseite

Oberhalb der Rauchseite flacht der Hang zu einem mäßig steilen und fast 800 m langen Kar ab, in dem ein schöner Aufstieg mit tollen Blicken auf die Gegenseite im Tal das Auge erfreut. Eine Geländestufe zur nächsten Karebene wird im letzten Dritten überwunden.

nach oben hin flacht die Rauchseite ab

Durch eine engere Stelle zwischen einer Gratausläuferrippe und den Schuttreisen vom Rosenjoch herab erreichten wir eine Biegung, an der die Route von Südwest auf über Süd wechselt. Im Verlauf dieser folgt die nächste Geländestufe, nach der unterhalb des Gipfelaufbaus auf dessen Südseite gequert wird.

im flacheren Teil des Aufstiegs zur Grünbergspitze

Mittlerweile frischte der Westwind auf, der ohne Winterkleidung nicht zu ertragen war.
Im Tal gegenüber befindet sich die Naviser Sonnenspitze, auf die sich vom Lager Walchen im Wattental eine interessante Schitour unternehmen lässt, wenn genügend Schnee liegt.

Rückblick auf die Rauchseite

Die Einflüsse der Wetterfront, die an den Tagen zuvor das Land überquerte waren auch im Triebschnee zu beobachten. In den steileren Partien der Geländestufe hatten wir gegen die unangenehmen Abrutschungen der Schi  zu kämpfen, die meist die Nachfolgenden nach dem Zweiten einer frisch angelegten Spur betreffen.

nächste Geländestufe in der rechten Bildhälfte

Martin und Evi waren bereits weit voraus und teilweise deckte der Wind die Spur mit Triebschnee fast wieder völlig ein.

Martin und Evi in der nächsten Geländestufe

Nach der Querung unterhalb des Gipfels folgen etwa 60 Hm Anstieg auf das Sattelchen vor dem Gipfel (es handelt sich dabei nicht um den großen Sattel zwischen Grafmartspitze und Grünbergspitze, gegen den beim Aufstieg von Navis aufgestiegen wird).

Manuel vor dem tollen Grat auf der Gegenseite mit Seekarspitze, Naviser Sonnenspitze und Naviser Jöchl

Der Restaufstieg beträgt vom Sattelchen aus nur mehr 40 Hm, die im großen Bogen über meist freigeblasene Wiesen- oder Felsflächen erfolgen.

Martin hat die Geländestufe schon fertig gespurt und quert unterhalb dem Gipfel nach Süden

Ab dem Sattelchen ist man dem Wind frei ausgesetzt. Bei unserer Begehung erwies sich dieser dermaßen kalt und stark, daß der Gipfelaufenthalt lediglich ein zu ein paar Fotoszenen taugte und wir uns in die einzige Deckung gegen Westwind, einer Felsmulde unterhalb des Gipfelplateaus der Grünbergspitze, zurückzogen.

Rückblick auf die Aufstiegsroute mit Rosenjoch im Hintergrund

In dieser ließ es sich mit Sonne wunderbar aushalten, wenn auch die Finger nicht vollends auftauten. Eine Temperaturmessung mit der Bergsteigeruhr zeigte gegen elf Uhr minus zehn Grad – wir schrieben den achten Mai.

Restaufstieg vom Sattelchen aus gesehen

Zwei weitere Besucher erhielt die Grünbergspitze an diesem Tag vom Arztal aus, deren Rast sehr kurz ausfiel, womit wir für das Gipfelfoto völlig allein auf der sonst gut besuchten Grünbergspitze standen. Die große Gruppe, die am Parkplatz Nösslach vor uns aufbrach erreichte das Rosenjoch etwa zur selben Zeit wie wir gut 700 m entfernt feststellen konnten.

Manuel erreicht den Sattel

Zur Abfahrt wählten wir den steilen Hang am Verbindungsgrat zum Rosenjoch. Die geeignetste Stelle befand sich fast im Grattiefsten nach einem Felskopf. Im Gratverlauf vorher war der Hang aufgrund der Steilheit nicht einsehbar und aufgrund der Einwehungen war auch noch unsere Wahl mit Vorsicht zu genießen und einzeln abzufahren.

die heute überaus kalte Grünbergspitze

Lockerer Triebschnee mit leichtem Schmelzdeckel, in dem es sich wunderbar drehen lies,  beherrschte den ersten Teil bis zur Biegung, wo wir die Aufstiegsspuren erreichten. Im zweiten Hang merkten wir den allmählichen Übergang zu feuchtem Schnee.

Lockerschneeverhältnisse nach Neuschnee im Mai

Vor einer steilen Rinne, etwa auf 2.450 m stellten wir weitgehend tief durchnässten Firnschnee fest, der im steilsten Stück bei jedem Schwung viel Höhenverlust auslöste.

zeitlose Augenblicke im Voldertal

In dieser Art blieben die Schneeverhältnisse über die restliche Abfahrt bis sich die Hangneigung deutlich unter 30° verflachte.

bärige Flanken mit steilen Rinnen hinab nach Steinkasern

Die gesamte Abfahrt gereichte jedenfalls zu großer Freude, denn abgesehen von genussvollen Schwüngen bietet die stufenförmige Topographie des Hangs Abwechslung und in der Gesamtumgebung eine bärige Kulisse.

Das Highlight eines vermeintlichen Gletschers in den Schrofen, vor dem der letzte Hang abgefahren wird, kann von Talboden aus bestaunt werden. Es handelt sich hierbei höchstwahrscheinlich um eine breit gefächerte Quelle.

der unterste Hang mit dem imposanten Eisfall

Im flacheren Teil, vor und nach der Vorbergalm, konnte der spitzere Strahlungswinkel den Schnee nicht so stark erweichen, was uns eine griffigere und doch schön schmierige Oberfläche bescherte.

letzter Stopp in Steinkasern – eher zum Genuss als zur Rast

Ein kleines Päuschen in Steinkasern gönnten wir uns nach dem tollen Erlebnis auf die Grünbergspitze, bis der stärker aufkommende Föhn uns zur Talausfahrt vertrieb.
Unter Schi mit mehrmaligem Abschnallen konnten wir bis kurz vor die Vorbergalm fahren.

das Abenteuer hat einen grandiosen Tag geformt

Die tolle Frühjahrstour mit Wintertemperaturen in Kammnähe und am Gipfel haben wir in  5:50 Stunden bewältigt, mit einem Gipfelaufenthalt von 40 min und 10 min in Steinkasern.
Der Aufstieg ab dem Parkplatz Nösslach beträgt 1.360 m und die Streckenlänge 7,3km.

Mils, 08.05.2021

Schitour Pflerscher Pinggl, 2.767 m

In der wunderbar bizarren Landschaft der Dolomitriesen der Tribulaune führt eine atemberaubend schöne Schitour auf den Pflerscher Pinggl. Er bezeichnet einen eher unscheinbaren Gipfel im Grenzkamm zwischen den beiden Tiroler Landesteilen, der jedoch durch die Aussicht aufgrund seiner Lage besticht. Der Anstieg beginnt in archaischer Landschaft nach der Steilstufe vom Gschnitzer Mühlendorf aus, im Winter auf der rechten Talseite, und führt durch das schöne Sandestal mit dem von Hintersandes aus 1.300 m hoch aufragenden Pflerscher Tribulaun vor dem Auge. Sie endet am Östlichen Hauptkamm mit Blick auf den Mitteleren Hauptkamm, über eine Schartenniederung zum Westlichen Hauptkamm, auf den Habicht-Elfer- und den Serles-Kamm.

Goldkappl im Vordergrund, hinten Gschnitzer und Pflerscher Tribulaun, rechts die Südtiroler Tribulaunhütte

Vom Parkplatz nahmen wir den bereits aperen Anstieg über die Steilstufe über die Brücke am Wasserfall. Beim Schotterweg querten wir den Sandesbach auf die rechte Talseite (im Aufstiegssinn) und konnten ab dem Bachufer durchgehend mit Schi aufsteigen.

Mühlendorf Gschnitz – einen Besuch mit Kindern wert

Es wäre auch möglich gewesen den Weg ins Sandestal von unten unter Schi aufzusteigen, wie wir bei der Rückkehr am Abzweig unweit nach dem Parkplatz feststellten. Allerdings ist dieser Anstieg flacher und zeitaufwändiger.

nach der ersten Steilstufe, nun rechts über den Sandesbach

Der Aufstieg im vorderen Sandestal erschien unter den zahlreichen Lawinen vom Eningkopf herunter recht archaisch. Teilweise haben die Grundlawinen dermaßen viel Bäume, Erde und Gestein mitgenommen, daß wir über braungrüne Flächen marschierten, bei denen über mehrere Meter kaum Schnee darunter sichtbar war. Eine Kostprobe welche Einflüsse der Winter auf die Vegetation haben kann.

der Aufstieg wird alpin

Bald nach dem Anschnallen erscheint auch schon die atemberaubende Kulisse der Tribulaune mit ihren, frühmorgens bereits im Sonnenlicht erstrahlenden Nordabbrüchen, die das Licht ins noch dunkle Sandestal reflektieren und es damit erhellen.

Verheerungen des Winters werden überquert

Nach einem kleinen ungewollten Abstecher in Richtung Eningkopf erreichten wir die breit werdenden Karböden von Hintersandes, vor denen sich der tolle Anstieg auf den Pflerscher Pinggl ausbreitet und man glaubt das Tourenziel im Blick zu haben. Am Gipfel erkennt man dann, daß es sich um einen 300m entfernt vorgelagerten Gratvorkopf, etwa 100m tiefer als der Gipfel, handelt, der den Pflerscher Pinggl gerade noch verdeckt.

der erste überwältigende Blick auf die Dolomitriesen der Tribulaune

Der Aufstieg an die Felsen nach Hintersandes, nun in der Sonne, nahm eine schöne Weile in Anspruch. Durch den starken Föhneinfluß hatte es in der Nacht nicht wirklich gefroren und aufgrund des rasch aufweichenden Schnees wollten wir die wenig beschienen Hangteile nahe den Felsen benutzen.

rechts neben dem grandiosen Goldkappl das Tourenziel

Allerdings hielten wir den gebotenen Abstand, denn die steile Flanke vom Sandjoch bis zum Goldkappl trug den Neuschnee, den wir tags zuvor bei der bärigen Schitour vom Voldertal auf die Grünbergspitze in den Leeseiten mit einer für die Jahreszeit beachtlichen Schichtstärke feststellten. Zudem versprach der aufkommende Föhn mit den Schneefahnen über dem Grat einige überraschende Ereignisse zu bringen, die uns beim Aufstieg erreichen könnten.

Rückblick auf das Sandestal

Vertieft in die Steigarbeit auf dem steil werdenden Hang merkten wir nur durch dumpfes Grollen, daß unsere Vermutung schneller eintraf als erwartet. Die erste Triebschneelawine ergoss sich aus der schmalen Schlucht zwischen Goldkappl und Grat zum Sandjoch, womit für uns klar war, daß diese der Auftakt eines gewaltigen Schauspiels sein würde.

im Anstieg unterhalb der Felsen des Goldkappls

Mittlerweile, es brach die zehnte Stunde an, befanden wir uns bereits außerhalb des großen Schattens, den der mächtige Turm des Pflerscher Tribulauns auf den weißen Hang warf, in steilem Gelände mit weich gewordenem Schnee, als uns ein lauteres und bedrohlicheres Grollen aus der Konzentration auf die richtige Wahl der Steigroute herausriss.

die größte Staublawine während unseres Aufstiegs auf den Pflerscher Pinggl

Zwar hatten wir gebührlichen Abstand zum Fels gelassen, erschraken aber im ersten Moment trotzdem über die gewaltige Staubwolkenfront, die sich aus dem Couloir entwickelte, als eine breite Treibschneelawine herab donnerte. Bis die Situation eingeschätzt, die Warnung herausgeschrien, die Handschuhe entledigt und der Autor fotografierbereit da stand, war die beeindruckende Walze an Staub bereits weitgehend zusammengefallen und es blieb nur noch ein Rest an Staubwolke zum Schnappschuss über, der den gewaltigen Eindruck nicht völlig wiederzugeben vermag.

periodisch werden wir Zeuge von kleinen Entladungen

In der Folge entlud sich der Hang im Takt von etwa fünf Minuten, bis wir oberhalb des Felssporns, den das Goldkappl auf 2.500 m in das Kar stellt, hinter dessen Kante in die Querung eintraten und somit außerhalb der Hörweite gelangten.

Gargglerin auf fremdem Sockel hoch über dem Sandestal

Auf diesem steilen Teil, bis zum Felssporn des Goldkappls, stiegen wir bereits in bedenklich aufgeweichtem Nassschnee aufwärts. Mit jedem Schritt sanken wir tief ein und mit der Kurve, die der Aufstieg zum Sattel auf den Gratansatz des Kamms zur Gargglerin beschreibt (Badlschneide genannt), verstärkte sich der Einstrahlwinkel zur Sonne zusätzlich.

unterhalb des Felssporns des Goldkappls

Knapp vor der kleinen Senke vor dem Sattel, kaum 60 Hm schräg unter der Pflerscher Scharte, erreichte der Sulz seinen Höhepunkt und wir mussten feststellen, daß die lange Tour eine Stunde früher hätte gestartet werden sollen, also 5:30 ab Parkplatz.

mitten in der Querung, die Pflerscher Scharte direkt über Herwig

Damit die Abenteuer noch nicht alle vorbei sind gab es nach dem Überschreiten des Sattels noch eine Frühjahresüberraschung auf die hingewiesen sei.
Im Rückblick erkennt man den Geländesockel mit der Gschnitzer Tribulaunhütte, die sich zu Beginn des Mai noch fest in Winterhand befindet – im Sommer ein Ziel mit netten Wirtinen.

letzter Rückblick auf das Sandestal

Hinter dem Sattel, auf der Nordseite des Pflerscher Pinggls traten wir in pulverige Triebschneehänge ein, die sich nach dem letzten Schneefall unter der Woche unverändert gehalten haben und nur wenig verdichtet zeigten.

Rückblick vom Sattel mit Goldkappl im Hintergrund

Mit den ersten Schritten in der völlig konträren Schneemasse wurden wir mit dem unerwünschten Steiggefühl konfrontiert, das man hat, wenn Schnee auf den Fellen anpappt. Sofort verlangte die ungute Situation im steilen Hang Abhilfe und Steigwachs wurde ausgepackt und angewendet. Die Aussicht auf Erfolg war klein, denn durch den Anstieg im Nassschnee waren die Felle über die gesamte Länge durchnässt.

auf das Schartl vor dem Pflerscher Pinggl zu

Zumindest keine Pakete mit zehn oder mehr Zentimeter pappten nach eifrigem Wachsauftrag im weiteren Aufstieg an, was das Steigen erträglich, aber nicht genussvoll machte. Ein weiters Mal mußte auf den letzten 100 Hm zur Gratscharte aber angehalten werden, um die Felle abzureinigen.

im Schartl vor dem Pflerscher Pinggl

Ab der Gratscharte vor dem Gipfel stiegen wir dann wieder auf weichem und sehr feuchtem Schnee, womit sich das Problem wieder auflöste.

Rückblick am Anstieg zum Schartl vor dem Pflerscher Pinggl

Als Ausgleich für das wiedergewonnene normale Steigerlebnis begrüßten uns auf der Scharte starke Föhnböen. Der Restaufstieg von knapp mehr als 100 Hm von der Scharte erfolgte über weniger weiche Oberflächen als unten, jedoch auch auf aufgefirntem Schnee, von leichten Windgangln geprägt.

Rückblick am Gipfelaufbau des Pflerscher Pinggls

Am Gipfel des Pflerscher Pinggls angekommen bliesen und die Föhnböen um die Ohren, sodaß dort keine Gipfelrast wünschenswert war. Nachdem die Aussicht genossen und festgehalten war beschlossen wir, die Rast unten in der Scharte, im Lee des einzigen Gratköpfchens weit und breit, zu verbringen.

Pflerscher Pinggl, 2.767 m

Der Süden, vom Pflerscher Pinggl betrachtet, bietet Blicke in den südlichen Landesteil, vom Peitlerkofel über die Langkofelgruppe bis zum Hirzer.

Dolomiten und Sarntaler Alpen im Süden

Im Westen begrenzen die Sicht der Hohe Zahn und die Weißwandspitze unmittelbar in der Vorderfront gen Westen, hinter der Nordschulter der Weißwandspitze und noch vor dem Gipfel der Schafkampspitze ragt, gerade noch sichtbar, das Gipfelspitzl des Östlichen Feuersteins hervor.

Blick nach Westen; Hoher Zahn und Weißwandspitze

Die nordwestlich der Schafkampspitze abtauchende Schartenniederung bis zur Inneren Wetterspitze gibt den Blick auf den Aperen Freiger, sowie auf die weit dahinter liegenden Gipfel der Schaufelspitze, der Stubaier Wildspitze und des Windacher Daunkogels frei.

Im Westen durch den Schartenabfall Aperer Freiger, Schaufelspitze, Stubaier Wildspitze und Windacher Daunkogel sichtbar

In unmittelbarem Vordergrund im Nordwesten finden sich die Innere und die Äußere Wetterspitze, weiter hinten die Östliche Seepitze, die Südliche Rötenspitze, der Ochsenkogel und zwischen diesen beiden, das Spitzl des Lüsener Fernerkogels, die Glättespitze und im Norden der mächtige Habicht.

gegen Nordwest Äußere Wetterspitze, Östliche Seepitze, Südliche Rötenspitze, Ochsenkogel, Glättespitze und Habicht

Anschließend an den Habicht erscheinen – weit im Hintergrund – die Gipfel der Kalkkögel mit der eindrucksvollen Schlicker Seespitze bis hinaus zur Hochtennspitze. Parallel zu den Kalkkögeln verläuft der Habicht-Elfer-Kamm und der Serleskamm mit der Kalkwand, der imposanten Ilmspitze, der Kirchdachspitze und bis hinaus zur Serles streift der Blick tolle Schitouren von Trins aus wie beispielsweise die Kesselspitze, den Padasterkogel und die Peilspitze.

vom Habicht im Norden entspringend der Elfer-Kamm, weit im Hintergrund die Kalkkögel, vorne der Serleskamm mit Ilmspitze, Kirchdachspitze und Kesselspitze

Im Nordosten in der Ferne reicht der Blick über die Gratkette von Glungezer bis zur tags davor besuchten Grünbergspitze, die auch vom Voldertal aus begangen wird.

die Tuxer im Nordosten: Gratkette vom Glungezer bis Grünbergspitze

Dem Pflerscher Pinggl gegenüber liegt das Hohe Tor und gleich rechts daneben der viel begangene Muttenkopf, sowie dahinter die hohen Tuxer Spitzen Lizumer Reckner und Geier, sowie der Kamm nach Süden, der die Tuxer an der Hornspitze enden läßt.

gegenüber der Muttenkopf, in der Ferne dahinter Lizumer Reckner und Geier, sowie Hornspitze

Gegen Osten hin erhebt sich der Kleine Kaserer vor dem Hohen Riffler und den Abschluss vor dem Koloss des Gschnitzer Tribulaun der bilden der mächtige Olperer, Fußstein, Schrammacher und die Hohe Wand im Tuxerkamm der Zillertaler Alpen.

Gegen Osten: Kleiner Kaserer, Hoher Riffler Olperer, Fußstein, Schrammacher und Hohe Wand

Über die Einsenkung der Tribulaunscharte im Südosten lugt gerade noch der tolle Schitourenberg des Nördlichen Roßlauf hervor und bildet den Abschluß bevor der Pflerscher Tribulaun den Sichtabschluß bildet.

Tiefblick zur Südtiroler Tribulaunhütte

Vor dem Verlassen des Gipfels stellten wir noch eine wahrlich atemberaubend kühne Routenwahl von vier Gemsen auf der Rippe vom Hohen Zahn zur Wartliggrubenspitze fest, die in der Bildergalerie zu finden ist.

die Gipfelrast hinter dem Windschutz eines Gratköpfchens in der Scharte

Endlich im Windschatten und außerhalb des Lärms durch den Föhn verbrachten wir eine prächtige Rast mit königlichem Blick des Südanstiegs auf den Habicht, eine 2.100 Hm Schitour, die auch schon lange auf der Liste steht.

mit über 2.000 Hm langer und mühsamer Südanstieg auf den Habicht

Während der Rast warf der Wind ständig ausgeschmolzene Eis- und Schneeabplatzungen in hohem Bogen vom Grat vor unseren Augen nieder, womit man sich eine Vorstellung über die Föhnverhältnisse machen kann. Es bot sich an die 1.300 Hm messende Abfahrt über die Schleimsalm auf der Karte zu erkunden und wir befanden, daß die beste Route fast in direkter Falllinie hinab zur Laponesalm führen mußte. Diese Richtung nahmen wir dann auch.

Abfahrtsgelände nach links unten

Vom Beginn in der zunächst seichten Mulde an kann das Gelände zwischen Schwarzer Wand und dem Schnabele bis weit hinab hindernislos eingesehen werden. Es stellt somit ein leicht zu befahrendes Gelände dar, in dem man sich mit der Wahl der eigenen Spur auch bei viel Besucherfrequenz auf den Pflerscher Pinggl nicht sonderlich schwer tun wird.

dolomitisches Dreigestirn der Tribulaune und des Goldkappls

Tolle Flächen öffnen sich unterhalb, nachdem sich die seichte und steile Mulde von der Gratscharte hinab, in der die Hangneigung an etwa 40° herankommt, geöffnet und verflacht hat.

die erste flache Mulde nach dem Schärtchen stellt den steilsten Teil der Abfahrt dar

Der Hang ist lang und bei den weichen Schneeverhältnissen stellt auch die Abfahrt eine schweißtreibende Übung dar. Mehrmals mußten wir zum Luft schnappen stehenbleiben.

Rückblick auf die Mulde und den Pflerscher Pinggl

Weiter unten, etwa auf 2.150 m beginnend, passierten wir eine tolle Engstelle mit einer felsigen Ostflanke und einem steilen Hang zur Linken.

Im Couloir dazwischen ließ es sich genussvoll hinab schwingen, die Firnoberfläche erwies sich dort noch weniger aufgeweicht als im oberen und unteren Teil.

am langen breiten Hang hinab zur Engstelle rechts im Bild

Im Reich des Pflerscher Pinggls verwundert es nicht, daß er sich in der Tiefe niedere Untertanen hält – so den auf 1.950 m unübersehbar liegenden Tristenockbinggl.

Rückblick zum Pflerscher Pinggl

Die TIRIS Flurnamenerhebung bescheinigt ihm den Namen mit „B“ beginnend, jedoch spielt der Unterscheid zum „P“ des Pflerscher keine Rolle, hierzulande versteht jeder, daß beide Bezeichnungen kleine Erhebungen beschreiben sollen.

Rückblick auf die Engstelle

Zusammenfassung der tollen Abfahrt und die Schneebälle über unsere Aufstiegsroute als Ausläufer der Lawinen vom Goldkappl:

Im östlichen Gelände der Schleimsalm führt der schöne Hang tiefer zu Latschenhängen, die sich langsam aus der Umarmung des Winterkleides befreien.

Blick zum Schitourenziel Hoher Zahn und zur geologisch interessanten Weißwandspitze

Wir suchten auf den Nordhängen weiter an Höhe zu behalten, jedoch kostete jedes überquerte Murental Höhe und so beschlossen wir nicht weiter auf der Nordseite abzufahren, sondern steuerten die Brücke über den Gschnitzbach bei der Laponesalm an.

Talblick zur Laponesalm

Am Abfahrtsende bei der Laponesalm wurde der Rucksack wieder schwer und in normalem Schritt benötigten wir knapp 40 min bis zum Parkplatz beim Gasthaus Feuerstein in Gschnitz.

Fußmarsch nach Gschnitz – gehört im Frühjahr dazu und erscheint nach bäriger Tour nie anstrengend

Die Schitour mit der landschaftlichen Perle der Tribulaune absolvierten wir in 6:38 Stunden, incl.  etwa 35min Gipfelrast. Der gesamte Aufstieg beträgt 1.520 m und die gesamte Streckenlänge 14,5 km.

Mils, 09.05.2021

Schitour Nördlicher Roßlauf, 2.881 m

Mit einem äußerst beeindruckenden Osthang über die hohe Steilstufe in die breite Karmulde teilt sich die Schitour auf den Nördlichen Roßlauf den ersten Teil des Aufstiegs mit dem Obernberger Tribulaun. Früh am Tag, bereits kurz nach Sonnenaufgang am Hang, firnt er auf und bietet unter stumpfem Einstrahlwinkel meist einen herrlichen Aufstieg, der ohne Harscheisen möglich ist. Nach der Karmulde und einer weiteren kurzen Steilstufe trennen sich die Anstiege – die Schitour auf den Nördlichen Roßlauf folgt zunächst einer entgegengesetzten Route als jene zum Obernberger Tribulaun und führt über phantastisches Gelände bis zum flachen Gipfel, der durch einen Steinmann markiert wird.

Blick zum Gipfelplateau des Nördlichen Roßlaufs

Wer das Gelände von Obernberg über den See in die hinteren Gefilde der Seealm kennt, der weiß um das Kleinod an Landschaft. Der eher flache untere Teil des Anstiegs führt über Almwiesen auf das Plateau des Obernberger Sees und am Ufer desselben an der malerischen Seekapelle zu „Unserer lieben Frau am See“ vorbei.

imposante Kulisse am Nördlichen Roßlauf auf den Pflerscher Tribulaun

Im Winter unterschreitet man die hölzerne Rundbogenbrücke und nimmt Richtung Ende des Sees die Uferböschung, die zu Beginn etwas geneigter ist und gegen das Ende hin flach ausläuft.

Oberberger Tribulaun im Morgenlicht

Am Ende des Obernberger Sees führt der Anstieg wieder und den Wald, vorbei an zwei Privatgebäuden. Die Strecke im Wald ist denkbar kurz und an ihrem Ende beginnt der phantastisch schöne Aufstieg auf das Tribulaunmassiv, und der atemberaubende Blick nach dem dichten Wald erstreckt sich nach dem plötzlichen Ende der Waldstrecke über 800 Hm bis zum Ansatz des großen Kars im Herzen des Bergstockes.

Blick auf den langen Aufstiegshang

Nach anfänglich eher flacherem Terrain steilt der Aufstieg am Schuttkegel zunehmend auf, bis er, im engeren Teil, weit über 30° hinaus geht. Im Frühjahr liegt der dann durchgehend steile Teil meist schon so lange in der Sonne, daß man bei angenehm griffig angetauter Oberfläche auch die Harscheisen umsonst im Rucksack trägt, es sei denn, man unternimmt ihn sinnlos früh, etwa vor 6:30 ab dem Parkplatz in Obernberg.

am unteren Teil des Schwemmkegels des langen Kars

Während des schönen und aussichtsreichen Aufstiegs bieten sich wirklich bärige Fotoszenen auf die im Süden prangende Bergwelt des Tuxer-Kammes der Zillertaler und im oberen Teil, nach dem großen Kar in der zweiten Steilstufe sogar bis hinein in den südlichen Landesteil mit den grandiosen Dolomitengruppen.

etwa halber Aufstieg bis zur großen Karmulde

Im Dolomit befindet man sich im nördlichen Tribulaunmassiv übrigens auch, die Gesteine der sich auftürmenden Felsen links und rechts des Aufstiegs werden aus Hauptdolomit, Kalk- und Dolomitmarmor gebildet und sind in der Bezeichnung metamorpher Kalkkomplex zusammengefasst.

oberer Teil des langen Hangs

Nach der zweiten, kleinen Steilstufe über das große Kar, das Kachelstube genannt wird, und seiner Westflanke unter den massiven Felsbau trennen sich die Routen. Zum Obernberger Tribulaun steigt man rechts, (nördlich) weiter, zum Nördlichen Roßlauf quert man einen Steilhang nach links, in südliche Richtung.

kurz in die große Karmulde bevor es links unter den Felssporn hinaufgeht

Die Querung ist nicht von langer Dauer, jedoch erfolgt sie etwas abschüssig in steilem Gelände und deshalb, im Steigmodus mit Fellen, etwas unangenehm. Dies vor allem dann, wenn kurz vorher wenig Neuschnee auf eine schon kompakt umgewandelte Schneedecke gefallen ist und dieser mit den Schrittbewegungen leicht abrutscht.

Trinkpause in der großen Karmulde

Bald hat man aber den tieferen Felssporn unterquert und befindet sich wieder im Steiggelände in einem weiteren schön geformten Kar, das gegen eine hohe Felswand neben einer kühnen Abfahrtsrinne am Talende hin durchstiegen wird. Im Rückblick tut sich mitten im Kar ein einzigartiger Blick gen Süden auf.

Abzweigung zum Obernberger Tribulaun

Die Karmulde zieht sich und zieht sich mit steiler werdendem Gelände und im Verein mit der dauernden Sonnenbestrahlung kann es leicht passieren, daß man, so wie der Verfasser dieses Berichtes, regelrecht „eingeht“. Die Kombination von den Anstrengungen des Anstiegs und der im Frühling noch ungewohnten Intensität der Sonne veranlaßten uns zur erweiterten Rast.

herrliches Aufstiegsgelände

Die letzte Etappe besteht nochmals aus einem steileren Teil, der bis an den Wandfuß des Querriegels am Talende heranführt und auf eine letzte Stufe vor dem Grat führt.

Rückblick aus der Mulde

durch ein mittelbreites kurzes Couloir führt der Anstieg dann steil auf den Gratrücken, der zum Gipfelaufbau leitet.

Passage unter dem letzten Querriegel nach Norden

Der Nördliche Roßlauf verfügt auch über einen rassigen Gipfelaufbau, bei dem man die Schi am besten am Rucksack trägt.

Couloir mit dem Gipfelaufbau des Nördlichen Roßlaufs im Hintergrund

Die Flanke eignet sich aufgrund der Steilheit nicht unter Schi begangen zu werden und somit empfiehlt sich rechtzeitiges Ablegen der Schi und am Rucksack verstauen, oder ein Schidepot anzulegen, weil die Abfahrt – zumindest in unserem Fall – nicht besonders erstrebenswert erschien.

kurze Steilpassage

Eine kurze Steilstufe mit beträchtlicher Hangneigung führt auf eine kurze Flachstelle von der ein letzter kurzer Gratabschnitt auf das leicht gerundete langgezogene Gipfelplateau führt. All diese Abschnitte innerhalb eines Aufstiegs von etwa 70 Hm.

Rückblick auf die Steilpassage

Der Gipfel des Nördlichen Roßlaufs ist kein spektakulärer. Das schlichte Steinmandl zeugt von der Würdigung als eigenständiger Gipfel, ziert den Nördlichen Roßlauf jedoch kaum. Der Obernberger Tribulaun hat ihm im Gebirgsstock den Rang abgelaufen, da er vom Obernbergtal aus deutlich sichtbarer ist, obwohl er aufgrund des dolomitischen Baues ebenfalls keinen spektakulär spitzen Gipfel bildet sondern, der streng liegend gerichteten Schichtung des Dolomits folgend, ein Plateau ausbildet.

der Verfasser kämpft mit den letzten Metern

Wenig beeindruckendes Terrain am Gipfel, aber viel Platz und die obligate Marmorfließe der Grenzziehung, die vor hundert Jahren zwischen dem südlichen und dem nördlichen Landesteil geduldet wurde, fällt nahe der Abbruchkante der Südflanke ins Pflerschertal auf.

Am Nördlichen Roßlauf – Blick zum 100 m niedrigeren Obernberger Tribulaun

Der Ausblick gegen den Süden und Westen könnte imposanter nicht sein, der von den Dolomitengruppen, über die Brentagruppe im Trentino, dem nahegelegenen schönen Schitourenberg der Hohen Kreuzspitze und der unmittelbar gegenüberliegenden netten Schitour auf die Ellesspitze reicht, und unmittelbar gegenüber die beiden Tribulaune in ihrer Größe eindrucksvoll präsentiert.

Steinmandl am Nördlichen Roßlauf

Im Westen erscheint der lediglich gut 2 km entfernte Pflerscher Tribulaun in seinem gesamten Aufbau mit der beeindruckenden hauptdolomitischen Spitze auf ebenfalls dolomitischem, aber älterem Mittelsockel, und der völlig konträren Basis von Ötztal-Stubai Kristallin.

beeindruckend – Pflerscher Tribulaun

Etwas nördlicher der Gschnitzer Tribulaun, dessen Aufstiegsflanke ab der Schneetalscharte vom Nördlichen Roßlauf aus zur Gänze einsehbar ist.

Schneetalscharte und Aufstiegsflanke auf den Gschnitzer Tribulaun

Noch nördlicher als der Gschnitzer Tribulaun türmt sich der mächtige Habicht auf und dessen oberer Teil des Südanstiegs, vom Gschnitztal aus, kann ebenfalls gut eingesehen werden.

gegenüber im Pflerschtal Wetterspitze, Maurerspitze und Ellesspitze, über Botzer bis hin zum Wilden Freiger

Den Abschluß der phantastischen Schau über die Bergketten mit derselben tektonischen Vorgeschichte wie der Nördliche Roßlauf bildet der Serleskamm im Norden von der Kirchdachspitze über die Kesselspitze bis hinaus zur Serles.

Blick vom Nördlichen Roßlauf auf den Serleskamm und in die Tuxer Alpen

Im Südosten prangen die Gipfel des Tuxer Hauptkamms in größerer Entfernung. Zwischen Ihnen und den Sarntaler Alpen gibt der Einschnitt des Südtiroler Wipptales den ungehinderten Blick auf die Dolomitengruppen frei, womit sich die bärige Rundschau schließt.

Dolomiten und Sarntaler Alpen

Die sehr steile Abfahrt über den Gipfelaufbau erwies sich bei unserer Begehung gut fahrbar, jedoch windgepresst ruppig, ganz im Gegensatz zu den flacheren Flächen unterhalb die sich durch den Strahlungswinkel aufgefirnt angenehm befahren ließen.

Abfahrt über das Steilstück am Gipfelhang

Die steile Rinne gleich nach dem Gipfelaufbau rechts haben wir nicht befahren, außen um den letzten felsigen Querriegel herum fanden wir einen bärigen Ausgleich.

ruppige Abfahrt

Wenige Abfahrtsspuren säumten unsere Abfahrt durch die obere Karmulde hinaus, außer uns hat kaum eine Handvoll anderer den  Nördlichen Roßlauf bestiegen.
Am Ende an dem sie sich weitet und in einen offenen steilen Hang übergeht fährt man direkt zur unteren Steilstufe hinab und kürzt damit die flachere Kurve des Aufstiegs ab.

Abfahrt durch das Couloir

Über den langen und steilen Hang hinab erlebten wir zur Mittagsstunde schon wesentlich weichere Firnoberflächen, die für eine Abfahrt eine gute Stunde vorher perfekt vorbereitet gewesen wären.

bestes Gelände unterhalb des Nördlichen Roßlaufs

Weiter unten, im langen Steilgelände besserte sich Firnqualität und Schmelztiefe wieder ein bisschen und insgesamt betrachtet freuten wir uns über die feinen Verhältnisse auf den beeindruckend langen Hängen mit der sehr gleichförmigen Neigung.

in der Karmulde

Etwa 15 Hm Abstieg machen die Flachpassage nach dem Wald und über Erstreckung des Obernberger Sees bis zum verfallenen Gasthaus recht erträglich.

Die Schiebestrecke war auch mit weicher Oberfläche am Ufer nicht allzu kraftraubend und über die Oberreinsalm konnten wir bis zur Brücke abfahren.

letzte Schwünge im steilen Hang

Über 1.460m erstreckt sich der Aufstieg vom Parkplatz auf den Nördlichen Roßlauf. Die Streckenlänge beträgt 6,2 km und weil die ungewohnte Frühjahreshitze dem Verfasser gar so in den Körper fuhr haben wir mit mehr Pausen als gewöhnlich insgesamt 6 Stunden benötigt.

Mils, 24.04.2021

Schitour Schafgrübler, 2.922 m

Im Sommer ein unspektakuläres Ziel das ohne Mühen bei einer Besteigung auf die Hohe Villerspitze vom Großen Horntaler Joch aus mitgenommen werden kann, bietet der Schafgrübler im Winter einen rassigen Grataufstieg auf der Gegenseite, vom Kleinen Horntaler Joch aus, nach einem längeren wunderschönen, südseitigen Aufstieg in mäßig steilem Gelände. Der Aufstieg mausert sich speziell im Frühjahr, nach einem schattigen und kalten Beginn durch das lange Tal von Seduck bis zur sonnigen Steilstufe, zu einem jener Schitourenerlebnisse, die sich nicht nur bis zum Abend durch ein heißes Gesicht auszeichnen, wegen der schönen Sonnenhänge aber vor allem in der Erinnerung haften bleiben.

Abmarsch zum Schafgrübler

Der Start bei unserer Begehung am Parkplatz in Seduck zeichnete mit zehn Grad unter null wahrlich noch ein Restbild der kalten Jahreszeit, obwohl es Wochen vorher bereits deutlich wärmere Morgen gegeben hat, auch in schattigen Tälern.

Start um 7 Uhr in Seduck

Zunächst steht ein recht flacher Anstieg über 4 km und 300 Hm zur Oberissalm an, der durch leichte Thermik talauswärts  tatsächlich die Winterhandschuhe erforderte. An den Südhängen sinkt der Schatten durch die Sonne gar zwar stetig herab, bis über die Alm hinaus bewegten wir uns aber in der Kälte, die mit zunehmender Höhe jedoch abnahm.

Stöcklenalm

Dieser lange Anstieg dient dem Autor immer zur erweiterten Einstimmung auf die Eigenheiten der Natur, nach einer Woche völliger Entfernung von naturbehafteten Erlebnissen. Es mag die lange Distanz bis zum interessanten Teil der Tour auch genau jene sein, die im Frühjahr keine Ungeduldigen mehr anzieht, denn überlaufen ist das Oberbergtal gerade nicht.

die Sonne geht auf dem Winterweg auf

Am Winterweg zur Franz Senn Hütte, etwa auf 1.850 m erreichten uns nach knapp eineinhalb Stunden Schatten die ersten Sonnenstrahlen an den zwei klassischen aperen Stellen beginnend am kleinen Sturzbachl einer darüberliegenden Quelle.

Almgelände Alpein Alm – im Hintergrund der noch schneebedeckte Weg auf den Rücken

Nun in der Sonne, erreichten wir nach weiteren 20 min die Alpeiner Alm, wo sich die Schitour erstmals von der taleinwärtigen Richtung wendet und zwar fast genau in die Gegenrichtung, dem ersten Hang auf den Schafgrübler zu, von dem noch lange nichts zu sehen sein wird. Bis hierher beträgt der Anstieg 6 km.

Alpein Alm und im Hintergrund die Franz Senn Hütte

Vom hinteren Ende des Plateaus der Alpein Alm zieht ein Weg gegen Nordosten auf den Rücken hoch, der in direkter Verlängerung auf den „Maurnleger“ führt, ein Hang, der durch eine Felsrippe mittig geteilt wird. Wir benutzten zum Aufstieg den linken, westlichen Teil und für die Abfahrt den östlichen Teil, was empfohlen werden kann. Auf beiden kann der Anstieg erfolgen, der rechte, östliche ist der steilere und über ihn erfolgt der Anstieg auf das Große Horntaler Joch.

Alpeinertal vom Bergrücken zum Schafgrübler gesehen

Spätestens einige Minuten nach dem Rücken im Maurnleger wirkt sich die Frühjahrssonne so richtig aus, selbst vormittags um neun Uhr. Die leichte eiskalte Thermik hielt uns aber noch eine knappe Stunde vom Ablegen der Jacken ab.

Trenngrat des Tales oberhalb des Maurnlegers in Bildmitte

Unterhalb des niederen und wiesendurchzogenen Felsenhangs führt der Aufstieg durch das breite Tal „Im Blechner“ hinauf, mehr und mehr den Blick auf den schönen Südgrat des Blechnerkamps freigebend.

Rückblick auf das Oberbergtal

Tolle Blicke ergeben sich mit zunehmender Höhe auf den südlich gelegenen Alpeiner Kamm mit tollen Tourenzielen, von der Mittergratspitze bis zu den Knotenspitzen. Gegen zehn Uhr war es dann auch Zeit die Jacken abzulegen und nach 300 Hm Aufstieg vom Rücken nach der Alpein Alm wurde das Tal auf 2.400 m flacher und bald vollständig einsehbar.

Anstieg auf dem Maurnleger

Am Ende des Hochtales trennt das Kleine Horntaler Joch den Fast Dreitausender des Blechnerkamp vom Schafgrübler und ist mit seiner Höhe von 2.794 m ein Markstein für die noch fehlenden 400 m Aufstieg auf den Schafgrübler, dessen Grat rechts vom Joch beginnt und dessen Gipfel noch nicht einsehbar ist.

ab 2.400 m wir das Gelände flacher, Stelle im Hintergrund

Gegen Ende des recht flachen Aufstiegs wird der Schafgrübler dann sichtbar. Ein zunächst unspektakulärer Rücken mit einem von unten sich nicht besonders abzeichnenden Gipfelaufbau.

kurz vor der Abflachung

Nun muß der Vorteil der Steilheit der linken Talseite vom Maurnleger mit einem steileren Aufstieg nach rechts, gegen Osten, ausgeglichen werden, der etwa von 2.550 m auf eine flachere Stelle auf etwa 2.650 m führt und mit der Route östlich der Felsrippe zusammentrifft.

Blick von der Abflachung auf den Talkessel mit dem Kleinen Horntaler Joch

Dort beginnt ein steilerer Aufstieg auf ein letztes kleines Plateau, bevor die steile Querung auf einen Gratpunkt wenig vom Kleinen Horntaler Joch entfernt, beginnt. Für die Querung können Harscheisen vorteilhaft sein.

Gipfel des Schafgrüblers im Hintergrund

Wir versuchten die Gratstelle, die eine Gruppe vor uns als Rast- und Abfellplatz benutzte  gleich zu umgehen und etwas direkter vor dem Gipfel auf den Grat zu gelangen.

wunderbare Hänge zum Schafgrübler

Dieses Vorhaben scheiterte jedoch an dem in der steilen Flanke bereits sehr aufgeweichtem Schnee und der Steilheit der Flanke unterhalb des Grates.

steigende Querung voraus, die Steilheit ist größer als am Bild zu erkennen

Somit mußten wir in einen flacheren Teil der Flanke zurück, in dem es die letzten 30 bis 50 Hm auf aperem Schrofengelände zum Grat möglich war aufzusteigen.

rechts alte Lawinenreste sichtbar, die Hangneigung bereits beträchtlich – oberhalb rechts die Wechten, die uns stoppten

Wir erreichten den Grat genau am Punkt der dritten Wetterstation am sogenannten Horntalerspitzl, eine Graterhebung von der ein Nordgrat in das Horntal entsandt wird, der das Kleine Horntal im Südwesten vom Großen im Nordosten trennt und der die höchste der drei Wetterstationen von der Alpein Alm herauf folgend trägt.

oberste Wetterstation am Horntalerspitzl

Die drei Wetterstationen der Tiwag und des LWD (Alpeiner Bach – Tiwag, Franz-Senn-Hütte Kl Horntal – LWD und  Franz-Senn-Hütte Horntaler Spitzl – LWD: alle AT-07-14), eignen sich übrigens hervorragend für die Tourenplanung, da sich an ihnen über eine Höhendifferenz von 800 Hm ein Bild über die Verhältnisse entlang der Aufstiegsstrecke ablesen lässt, bequemer geht es nicht (im Kleinen Horntal oder an der Franz Senn Hütte liegen sie aber nicht, siehe Bildergalerie).

Lüsener Fernerkogel mit der gewaltigen „Mauer“ davor

Am Grat machten wir uns auf den Schafgrübler in Angriff zu nehmen, der vom Spitzl aus nicht besonders schwierig aussah. Die Schi am Rucksack schritten wir hinab zum Grattiefsten und zur Stelle an der wir kurz vorher im butterweichen Schnee aufgeben mußten.

im Westen der Blechnerkamp (2.994 m), am Rastplatz unten die Gruppe vor uns

Die Stelle von oben betrachtet mußten wir ein häufiges Graterlebnis feststellen, bei dem keine zehn Meter zum Erfolg fehlten.

am zunächst breiten Gratrücken

So signifikant die Auswirkung auf die Schneekonsistenz wie im Frühjahr kann der Sonnenwinkel kaum erlebt werden. Am flachen Gratkamm sanken wir im harten Schnee kaum ein und über die Eiszapfen der breitesten Wechten auf der Südseite unter uns rann ein durchgehender Strahl an Wasser in die aufgeweichte Flanke.

Schafgrübler vom Grattiefsten gesehen

Vor uns lag die Spur eines Einzelnen der wir folgten und an der später sichtbar wurde, daß er mit Steigeisen unterwegs war. Es sollte sich später herausstellen, daß es sich um Holger handelte. Offenbar hat er seine Tour bis jetzt noch nicht zu Papier gebracht.

Anstieg auf harter Schneeoberfläche

Die Steigeisen sollten sich gleich darauf als unbedingt notwendig für den Schafgrübler erweisen, will man nicht ein zu großes Risiko eingehen. Die kalte Lufttemperatur hatte die vormittags noch weniger gut angestrahlten Schneepartien am Grat mit einer zu dicken vereisten Panzerung versehen, sodaß das Stufenschlagen nicht so zufriedenstellend möglich war, daß der Halt auf den hartgefrorenen Stufen möglich gewesen wäre.

über die steile Wechte zum Gipfel geblickt – es fehlen kaum 50 m

Somit mußten wir kaum 50 m unterhalb des Gipfels der Sicherheit wegen aufgeben und umdrehen. Die Stelle an der das Risiko begonnen hätte liegt an einer Wechte mit südlicher Ausrichtung, die nach Norden hin steil abfällt und über ca. 2m unter gut 60° hätte erklommen werden müssen.

Leider Endstation ohne Steigeisen, der Schnee der Wechtenkuppe zu hart zum Stufenschlagen

Da die Stufen kaum den Vorderfuß tief eingeschlagen werden konnten unterliesen wir die Übung den Pinggl zu überklettern, zumal auch eine sichere Rückkehr nicht gewährleistet gewesen wäre.

weiterer Aufstieg ohne Steigeisen zu riskant, Rückzug ist angesagt

In der Gratsenke erfolgte die Ersatz-Gipfelrast mit genauso guter Laune als wäre es der Gipfel gewesen, der nachgeholt wird und den Grund für eine Wiederholung der schönen Tour bildet.

die Gipfelrast diesmal am Grat

Phantastisch die Abfahrt über die steile Südflanke mit tollen Firnoberflächen unterhalb der Lawinenreste über den breiten Hang hinab. Nach dem kleinen Plateau entschieden wir uns über das westliche Tal hinauszufahren, wie eingangs beschrieben.

Abfahrt über die steile Südflanke des Grates zwischen Kl. Horntaler Joch und Schafgrübler

Schön kupiertes Gelände führt hinab bis zur ausgeprägten Kante der Geländestufe hinab ins Oberbergtal. Nach der Kante führt der Hang über recht steiles Gelände hinab, bis zum Rücken nach der Alpein Alm.

Wir entschieden uns entlang des Sommerwegs über den sehr steilen Waldhang abzufahren, um den nicht so wünschenswerten Winterweg zu vermeiden.

im östlichen Tal zum Maurnleger hinab

Trotz des sehr weichen und faulen Schnees kamen wir gut durch den Steilhang, der in der Steilheit an den Gipfelhang herankommt und ohne Tragen konnten wir über die mächtige Grundlawine, die in der Schlucht links neben dem Steilhang abgegangen war.

im Hintergrund das Basslerjoch

Bei dieser Abfahrt ist trotz eventuell vorhandener Spuren ein wenig Orientierungssinn gefragt. Oder besser noch, man prägt sich die offenen Flächen und markante Baumgruppen beim Aufstieg ein.

steile Abfahrt durch den bewaldeten Schlußteil vor der Oberissalm

Der Hang ist aufgrund der Steilheit nicht genügend einsehbar und eine zu weite Abfahrt hätte einen mühsamen Wiederaufstieg zur Folge, sollte man plötzlich vor einem schwer überwindbaren Hindernis stehen.

oben links die Einfahrt mit Querung – hier ist Orientierungsgabe gefragt

Der sonnigen Abfahrt folgt des Nachmittags auch eine sonnige Talausfahrt, bei der man die Marterln der Edelweißpflücker nicht missen sollte. Sie befinden sich am obersten Almgebäude in der ersten Kurve von oben.

Rückblick auf die steile Abfahrt

Ein Strauß, oder auch nur das einzelne Edelweiß seiner Liebsten zu bringen hielt sich bis weit ins vorige Jahrhundert und wurde mit Mut und Männlichkeit verbunden – leider hat es dabei viele unerschrockene Burschen erwischt. Auf dieser Seite des Alpenvereins findet sich eine nette Zusammenfassung von Mythen und Tatsachen über die Pflanze.

Marterln der Edelweißpflücker an der Stöcklenalm

Die Tour führt über 9,5 km zum Gipfel und sie nimmt 6:30 Stunden mit allen Pausen in Anspruch. Der Anstieg beträgt 1.520m.

Mils, 04.04.2021

Schitour Vorderunnütz, 2.078 m

Auf die beiden südlichen der drei Unnütze führen wunderschöne Schitouren durch das Nordostkar und die, im oberen Teil nach der engen Steilstufe, leichtere Tour stellt der Vorderunnütz dar, der vom Gipfel einen markant abfallenden Grat ins Nordostkar entsendet und beide Anstiege trennt. Die Stelle, an der der Trenngrat im steilen Kar endet, wird nach dem unteren Steilaufstieg über weitere steile Passagen angepeilt und dort schwenkt der Aufstieg auf den Vorderunnütz in einen breiten Kessel mit einer letzten Steilpassage im unteren Teil und einem flachen letzten Gratstück zum Gipfel ein. Mit etwas mehr als 1.100 m Aufstieg stellt die Schitour eine kurze dar, die jedoch, zum Ausgleich dafür, tolle Passagen in zauberhafter Landschaft bietet.

Vorderunnütz, 2.078 m

Den frühen Start haben wieder an die Abzweigung einer Forststraße gelegt, wie im Bericht auf den Hochunnütz beschrieben. Querfeldein und über die Loipe steuert man das Tälchen in das Nordostkar der Unnütze an, das über eine Steilstufe in das Nordostkar leitet.

Nordostkar zum Vorderunnütz

Es gibt zur Schibesteigung des Hochunnützs noch ein weiters Kar, das in noch nördlicher Richtung verläuft und als eigentliches „Nordostkar“ bezeichnet werden muß (das Kar in dem zum Vorderunnütz aufgestiegen wird ist eher ein Ostkar, bestenfalls mit ostnordöstlicher Ausrichtung. In diesem Kar ist es auch möglich eine Schitour auf den Hochunnütz zu unternehmen, welche wir im kommenden Jahr erkunden wollen.

letzte Stufe vor dem Karboden

Über den Routenverlauf im Tälchen findet man im Bericht des Hochunnütz (Link oben) einige Details die hier nicht wiederholt werden. Die Flanken des Tälchens bestehen aus steilen Moränenablagerungen eines Gletschers im darüberliegenden Kar.  Am Ende des Tälchens tritt man in das sich rasch aufweitende Nordostkar über und genießt den schönen Aufstieg eingebettet in hoch aufragende Kalkfelsen.

bäriger Aufstieg neben einer Nassschneelawine

Aufgestiegen wird auf der rechten Karseite und bald gelangt man über steilere Passagen an die untere Begrenzung des steilen Couloirs, das eine Geländestufe darstellt, ausgeformt von Gletschern.

nahe dem Ausstieg oben, Spurarbeit kostet Zeit und erzeugt Expeditionscharakter

Vor dem Couloir wäre es möglich links über eine ebenfalls steile Flanke  auf eine mit Latschen gesäumte Rippe zu gelangen, die oben mit mäßiger Steigung das steile Gelände sozusagen im Bypass passiert und oben wieder zusammentrifft. Wir benutzten sie zur Erkundung bei der Abfahrt. Wesentlich schöner ist aber der Aufstieg inmitten der Rinne.

der markante Trenngrat der Unnütze mit dem kleinen Plateau zum Vorderunnütz

Oberhalb der Steilstufe wird ein phänomenaler Blick auf die Grate und den Hochunnütz frei, der erst einmal genossen werden muß. In direkter Linie bergauf liegt das obere Kar bis zur Scharte zwischen Vorderunnütz und Hochunnütz, das als die schwere Variante bestiegen wird. Rechts davon, über den steiler werdenden Grat, der Gipfel.

Blick auf die nächste Talstufe zur Scharte zwischen Vorder- und Hochunnütz, sowie Gipfel des Hochunnütz rechts

Vom Standplatz aus liegt der nächste zu visierende Punkt  auf den Vorderunnütz linker Hand am beschriebenen Steilabfall des Trenngrates, der umrundet werden will.
Der Aufstieg dorthin wird durch einen steilen, durchgehenden Geländeriegel erschwert, der leicht schrofendurchzogen und durch die herrschenden Schneeverhältnisse nicht leicht bzw. sicher zu durchsteigen erschien. Wir beschlossen deshalb etwas weiter taleinwärts aufzusteigen, um an einer geeigneten Stelle mit einer Kehrtwendung den Riegel zu durchsteigen.

Rückblick vom Ende des Felsriegels am Weg zum Trennungsgrat

Die erhoffte Stelle blieb jedoch aus, worauf wir den höchsten Punkt am oberen Ende der Rippe aussuchten, um dort die Stufe zu überwinden. Dies war auch gut möglich, jedoch mit etwa 30 m Extraaufstieg und etwa 250m Länge, die hinter der Rippe wieder zum Ende des Trenngrates abzufahren war.

auf der obersten Kuppe des Felsriegels

Somit gelangten wir mit minimalem Umweg auf das Plateau am Felsspitz auf 1.760 m, der das Ende des Trenngrates der Unnütze markiert. Die Hangneigung vor diesem Punkt ist bei der Tourenplanung nicht zu vernachlässigen.

etwa 30 m hinab zum Plateau

Um die Kurve geblickt und den weiteren Aufstieg in Betrachtung genommen, erfreute ein toll geformter Kessel das Auge. Direkt vor der Standfläche breitet sich zunächst eine Mulde aus, die einige Meter Höhenverlust bedeutet.

Hangneigung zum Plateau im Rückblick

Diese sogenannte Glaziokarstwanne – die Bezeichnung verrät die Entstehung der Geländeform durch eine Eiszeit – misst etwa 150 m in der Länge (gekrümmt) und etwa 13m in der Tiefe vom Standpunkt aus. Bei der Abfahrt haben wir sie auf der Flanke des Trenngrates überfahren und uns ein neuerliches Auffellen erspart.

wunderschöner Kessel zum Vorderunnütz

Den Aufstieg aus dem Tiefsten der Mulde unternahmen wir am Gegenhang zum oberen Teil des südlichen Steilhangs , der zum Aufstieg auf den Grat verwendet wird, wobei sich auch dieser Hang als sehr steil erwies (siehe Foto mit Geländekante) und zur Tourenplanung beachtet werden muß.

Hangneigung aus dem Tiefsten des Kessels gesehen

Bei unserer Begehung erwies sich der Schnee der letzten Tage am Übergang vom Gegenhang in den oberen, flacheren Teil des südlichen Steilhangs als weitgehend pulverig und deutet damit auf kaum Sonneneinstrahlung und unterbliebener Umwandlung hin. Bei der vorherrschenden Schneeausprägung, am Rande von extremer Hangneigung, ein wichtiges Merkmal zur Tourenplanung.

Querung vom Gegenhang zum Aufstiegshang zum Gipfelrücken – beachtenswerte Hangneigung

Wieder in flacherem Terrain folgen einige wenige Spitzkehren gegen den steiler werdenden Hang, bevor sich der Aufstieg, den Hang querend, gegen Westen wendet und eine eher flache Kuppe erreicht.

vorbei an der Felsklause, die zur Abfahrt genutzt wird

Kurz vor der Kuppe zeichnet sich rechter Hand eine Felsklause ab, die sich unvermittelt im Kessel befindet und die wir zur späteren Abfahrt nutzten. Ihre Breite dürfte etwa vier bis fünf Meter betragen, an der Oberfläche noch geringer. Noch etwas weiter rechts und etwa 200 m höher befindet sich der Gipfel des Vorderunnütz mit dem eindrucksvoll überwechteten Geländeabbruch, der kein Grat ist.

Hochunnütz mit überwechtetet Gipfelflanke

Auf den letzten 120 Höhenmetern bis zum großen flachen Plateau südlich des Gipfels des Vorderunnützes, fällt die Hangneigung stetig, so wie die Notwendigkeit von Spitzkehren abnimmt. Einem Sattel zum Vorderunnütz hin fehlt die Ausprägung, das Plateau geht direkt in den Gipfelhang über, der anfänglich leicht nach Westen, nach Achenkirch hin abfällt und gegen den Gipfel hin steiler wird.

letzter Aufstieg auf die Gipfelflanke des Vorderunnütz

Leider mußten wir eine ständige Sichtverschlechterung hinnehmen, die der prognostizierten Schlechtwetterfront mit einer mächtigen Dunstschicht in unserer Höhe vorauseilte und aller Hoffnung zum Trotz just auf den letzten Metern zum Gipfel einen gewissen Höhepunkt erreichte und die an sich zauberhafte Kulisse von Achensee, Rofan, der Kette der Unnütze, sowie die abflachende Folge ins nördliche Vorland für Auge und Linse trübte und verbarg.

dem Vorderunnütz nahe

Aus diesem Grund gibt es nur wenige Bilder, die die generell grandiose Sicht von dem eher niederen Gipfel des Vorderunnütz herauskehren könnte. Selbst der Gipfel des nahe Kolosses Guffert präsentierte sich während unseres Gipfelaufenthaltes verborgen.

Gipfel des Vorderunnütz

Jedoch kein Schaden ohne Nutzen – wir genossen die sonst auf den Unnützen selten herrschende Windstille.

Hochunnütz im Norden

Eine Fahrt ins Ungewisse stellte der oberste Teil nach dem Plateau bis hinab zur Felsenge dar. Diffuses Licht und fehlender Kontrast durch Felsen und Bewuchs lies uns hinabwackeln wir Anfänger und die Harschdeckeloberfläche trug bei den Schwüngen ihres dazu bei, daß das Abfahrtsvideo für diesen Beitrag unterbleibt.

Abfahrt in den schönen Kessel – im oberen Teil ohne Kontraste in diffusem Licht

Kurz vor und nach dem Felsendurchschlupf besserte sich sowohl Schneebeschaffenheit als auch die Sicht und die Querung zum Gegenhang war schon sehr akzeptabel.

Felsenge im Rückblick

Die Querung zum Felsensporn des Trenngrates im steilen Hang auf möglichst hoher Geländelinie klappte ausgezeichnet, sodaß am Ende gar noch einige Meter Höhenguthaben abgefahren werden konnten. Im Firn um die Mittagsstunde könnte dieses Vorhaben bereits knapp werden.

Querung zum Plateau an der Flanke des Trenngrates vom Vorderunnütz herab

Von der Flachstelle aus bietet sich bei normalen Lichtverhältnissen eine gute Sicht auf die Abfahrtsvarianten, so leider bei unserer Begehung nicht.

Aufstiegsroute im Rückblick vom Plateau aus

Daher wählten wir die Abfahrt nahe an der Aufstiegroute, um nicht in einem der Couloirs stecken zu bleiben.

eindrucksvoller Tiefblick vom Plateau in das Nordostkar hinab

Allerdings erkundeten wir diesmal die Abfahrt neben der steilen Felsrinne und fanden eine leicht zu bewältigende Variante vor, die unterhalb der Felsrinne bequem in den schönen Hang über die Flanke eingefahren werden kann.

Rückblick auf den Felssporn des Trenngrates von der unteren Steilstufe

Die richtige Stelle dazu muß beachtet werden und wird durch Heranfahren an die Latschenkante leicht gefunden.

Einfahrt in den Steilhang von der Umgehung aus

Lawinenreste ließen uns einen schmalen Streifen als Abfahrt, der sich nach dem Lawinenkopf auf den gesamten breiten Hang ausdehnte, jedoch ebenfalls ohne kraftvolle Schwünge gefahren werden mußte, um nicht einzubrechen.

Einfahrtsstelle (auch alternative Aufstiegsstelle) vom Steilhang aus gesehen

Diese Schneebeschaffenheit begleitete uns wegen fehlender Einstrahlung bis hinaus zur Forststraße, wo die Temperatur die Oberfläche weicher werden ließ. Alles zusammen keine Pulverfreuden, aber auch die einzigen Spuren auf der bärigen Schitour an diesem Tag.

wieder im Karboden

Die Schitour mit den rassigen Steilaufstiegen absolvierten wir in 4:35 Stunden, incl.  etwa 30 min Aufenthalt am Vorderunnütz. Der gesamte Aufstieg über unsere Route beträgt 1.125 m und die Streckenlänge von der Obingermoosalm bis zum Gipfel knapp weniger als 4,5 km.

Mils, 17.04.2021

 

Schitour Bendelstein, 2.436 m

Fährt man von Innsbruck im Wipptal gegen Süden so sticht linkerhand ein Berg mit markantem Ostrücken ins Auge, der des Winters eine schöne, farblich ungestörte weiße Nordwestflanke zeigt – der Bendelstein, der wohl jeden Schitourenbergsteiger im Wipptal in gewisser Weise schon berührt hat. So spektakulär seine Erscheinung von der langen Geraden vor dem ehrwürdigen ehemaligen Gasthof Gschleirs aus zu bewundern ist, so zahm ist seine Besteigung von Mauern bei Steinach. Trägt er im Kartenwerk heute offiziell den Namen „Bentelstein“, wissen die Ortsansässigen sowie die Geschichte seinen Namen mit „Bendelstein“ zu betiteln und Walter Spitzenstätter rang der Schitour auf den Berg Bendelstein in den achtziger Jahren die Bewertung: „nicht für jedermann“ ab, wobei er mit seiner Aussage im Steilrinnenzeitalter unbewusst den Nagel auf den Kopf getroffen hat, die er vor 35 Jahren freilich anders verstanden wissen wollte.

Bendelstein, 2.436 m

Der Bendelstein – im Folgenden bleiben wir bei dieser originalen Bezeichnung – stellt ein Schitourenziel dar, das kaum dem modernen Anspruch von Aufstiegen über raue Steilflanken und Couloirs genügt, er ist ein landschaftliches Kleinod ohne irgendwelche Herausforderungen an die alpinistische Eignung seines Begehers.

Gasthaus Bendelstein

Die einzige Herausforderung die der Bendelstein bietet ist eine gewisse Orientierungsgabe. Als nicht Einheimischer bei unverspurtem Gelände im knietiefen Neuschnee gegen Ende März, in einer Jahreszeit, in der selbst die Einheimischen im schneeraubenden föhnigen Wipptal angesichts der weit hinauf ausgeaperten Wälder kaum mehr an seine Besteigung denken machten wir uns bei nicht optimalem Wetter nach einer Kaltfront auf. Von der Hangneigung geurteilt – sie bleibt stets deutlich unter 30° – konnten wir die Tour auch bei LWS III in diesem Gebiet unternehmen.

St. Ursula Kirche Mauern im März 2021

Die Gegend des Wipptales jedoch ist bei jeder Wetterlage aus Nord- oder Südwest für Eskapaden gut und wie wir es gerade erneut im Frühling Tirols verspüren, so brachte auch der März 2021 Winterfreuden zurück und ermöglichte eine beeindruckende, wettertechnisch schräge und dennoch unvergessliche Schitour hochwinterlicher Prägung.

Abzweigung in den Wald auf Steig Nr. 326

Eine ungewöhnliche Einleitung dieser Art sollte den Leser bereits in ihren Bann gezogen haben und den langen Aufstieg, anfänglich im dunklen Wald, erträglich machen.
Darüberhinaus ist der Start der Schitour unter dem architektonischen Kunstgenuss des barockisierten Kirchleins St. Ursula bei Mauern in der Tat ein nicht alltäglicher, er ist gewissermaßen ein erhebender.

St. Ursula vor Steinach

Ursprünglich im romanischen Stil erbaut – und am schlichten freistehenden Turm gut erkennbar – ruht das Kirchlein seit etwa 800 Jahren unspektakulär auf seinem erhabenen Rain, der ihm doch gewaltige Wirkung verleiht, die sich in alten Bildern noch manifester auszudrücken vermag. Bemerkenswert ist, daß die Kirche den ältesten Begräbnisort im inneren Wipptal darstellt und ihr Friedhof bis ins frühe 20. Jahrhundert auch noch als kirchengemeindlich offizielle von Hintertux diente.

nächste Abzweigung bergwärts

Der Verfasser kann sich als „Sommerfrische Gast“ bei der Familie Peer in Tienzens Anfang der 70er Jahre noch lebhaft an das Nebengebäude des Kirchleins, einem mit einer Unzahl exhumierten Gebeinen und Totenköpfen gefüllten Karner1 erinnern, dessen Anblick dermaßen großen Eindruck auf den damals sehr jugendlichen Städter hinterlassen hat, daß die Bilder über Jahrzehnte haften blieben.

erste Wegquerung zur Spörralm

Östlich der Kirche steigt man vom Ausgangsniveau 1.160 m über die Wiese oder neben dem asphaltierten Weg mit Fahrverbot zu einem Hochspannungsmast auf und folgt dem Weg etwa hundert Meter bis zu einer Abzweigung rechter Hand, die in den Wald hinein führt, zu einer weiteren Abzweigung, der man beim Wegweiser auf den Bendelstein mit der Zeitangabe 3 h rechts folgt.
Die Steigmarkierungsnummer für den Aufstieg lautet 326 (und anfänglich 38).

eine der spärlichen Freiflächen

Bei unserer Begehung lag auf den Freiflächen genügend Schnee und im ersten Waldstück gerade noch genügend, um nicht auf den Wurzeln im spärlich beschneiten Wald unter Schitourenfeeling aufzusteigen.

erneute Wegquerung

Die erste Viertelstunde zieht der Steig meist im Wald, weniger auf Freiflächen auf den Mauracher Berg. Das Gelände wechselt zwischen mäßiger Steigung und einer steilen Hohlwegpassage, sowie vier Mal ein Forstweg gequert wird, bevor – als willkommene Abwechslung – das freie Gelände der Spörralm auf 1.760 m erreicht wird.

unterhalb der Spörralm mit bereits beachtlicher Neuschneehöhe

Unterwegs zur Spörralm stieg die Schneehöhe merklich an und etwa 50 Hm unterhalb der Alm erreichte die Masse an Neuschnee der Tage zuvor ein Ausmaß, das an klassische Jännertage erinnerte, wir standen in etwa 40 cm hohem Neuschnee bester Pulverqualität.

Freigelände der Spörralm im Hintergrund

Herrlich der Anblick der Alm mit dem einzig verbliebenen Heuhüttchen und dem winterlich verschneiten Hintergrund. Das Holzkreuz von 2012 mit der Aufschrift „Spör‘n Alpl“ verließen wir in gerader Linie bergauf, der nächsten Kreuzung mit dem Forstweg zustrebend. Ab dem Forstweg wurde die Spurarbeit richtig mühsam, die Neuschneehöhe wuchs bis auf 1.900 m auf mehr als einen halben Meter.

herrliches Gelände nach dem langen Waldstück

Ohne zunächst eine weitere Markierung erkennen zu können stiegen wir über die große Freifläche oberhalb des Weges weiter auf und befanden uns plötzlich in einem dichten Jungwald, ohne sichtlichen Pfad Richtung Schröflkogel. Das Gelände reichte von flachen Passagen über steile und ein Durchkommen wurde schwierig.

hinter dem Wegkreuz führt die Route in einer Schneise weiter

So irrten wir eine Weile im jungen Föhrenwald umher und machten Bekanntschaft mit Schnee im Genick zwischen dicht stehenden Bäumchen, die jeglichen Fernblick zur Orientierung verhinderten. Selbst die GPS-Karte am Telefon vermochte uns nicht in kurzer Zeit aus dem Dschungel heraus zu lotsen. Der Fehler wurde uns bei der Abfahrt klar, wir sind vom Weg zu direkt nach Osten abgezweigt, der Steig führt jedoch an einer verfallenen Heuhütte eher südöstlich in den dichten Wald, wie in der Bildergalerie ersichtlich.

bereits oberhalb der letzten Wegquerung im Jungwald

Daher sei dem Ortsunkundigen, wenn er Anspuren muß und somit keine vorgegebene Orientierung hat, an dieser Stelle geraten sorgsam nach Markierungen Ausschau zu halten, welches uns im Neuschnee mit eingeschränkter Sicht erschwert wurde (und wir nicht rechtzeitig die GPS-Position beachteten). Wie wir bei der Abfahrt feststellten, folgt die Route des Steigs nicht einer klar vorgegebenen Schneise, sie führt in dichten Wald.

Jagdhütte und Bendelstein im Hintergrund

Die alternative Möglichkeit dazu wäre dem Fahrweg zu folgen, der für den Tourengeher allerdings eine recht unnötig lange Kurve beschreibt, um zu den letzten Almhütten aufzusteigen.

das scheinbar windstille Plätzchen an der Jagdhütte

So gelangten wir mit einiger Verspätung zur Schneise, die etwa auf 2.050 m über die Baumgrenze hinausführt. Man könnte dort auf einem schwach ausgeprägten Sattel den Schröflkogel mit 2.151 m links (nördlich) umgehen und direkt auf den langen Sattel zwischen ihm und dem Bendelstein aufsteigen. Wir wollten aber die Kuppe des Schröflkogels erkunden und stiegen rechts vom Sattel auf seine runde Kuppe, ganz zum Ärgernis eines Rudels Gemsen, die auf dem verblasenen Kogel mit den Hufen nach Futter suchten.

Sattel zum Bendelstein

Unweit hinter der Kuppe befindet sich eine kleine Jagdhütte, die wir für eine Trinkpause als Schutz für das nach dem langen Waldaufstieg mittlerweile unbewachsen sich zeigende Gelände aufgesucht hatten. Der Nordostwind blies jedoch so heftig, daß aus einer Trinkpause ohne Windbelästigung nichts wurde und diese sehr kurz ausfiel.

nach kurzer Suche am Kameradschaftskreuz angelangt

Nicht einig, ob der Aufstieg auf den Bendelstein an diesem Tag noch sinnvoll sei, marschierten wir jedoch weiter, angetrieben von positiven Gedanken etwas geplant zu beenden, wie so oft am Berg verbunden mit dem Herunterspielen der auftretenden Beeinträchtigungen am Restaufstieg: „sind eh‘ nur mehr knapp 300 Höhenmeter“.

im Nirgendwo in Gipfelnähe

Am Sattel und über die breite durchgehend weiße Flanke ohne irgendeinen markanten und weiter entfernt sichtbaren Farbkontrast zur Orientierung stiegen wir bei schlechter werdender Sicht anfänglich direkt, dann in Spitzkehren über den an sich schönen Hang auf. Bald verdichtete sich der Nebel, sodaß die Orientierung schwer wurde und nur kurzzeitig am Horizont oberhalb uns ein Kreuz sichtbar wurde. Zu unserer Verwunderung nicht östlich des Aufstiegs, sondern eher westlich davon.

Umkehrplatz, im Hintergrund das Vermessungszeichen

An der Kuppe, die gerade noch sichtbar wurde, konnten wir das Kreuz in etwa 50 m Entfernung und etwas unterhalb unserer Position wieder sehen und steuerten es, abwärts schreitend, an. Unsere Vermutung wurde dann am Kreuz bestätigt, daß wir nämlich noch nicht am Bendelstein angekommen waren und sowohl die Inschrift am Kreuz als auch die zu Hilfe genommene GPS-Karte bestätigte die Vermutung und zeigte uns die Richtung zum Gipfel.

ungewöhnliche Gipfelpause

Nun wollten wir aber trotz mittlerweile völlig fehlender Sicht nicht unverrichteter Dinge umdrehen – wieder dem selben Motiv ausgesetzt – und steuerten den Gipfel des Bendelstein an.  Leicht aufwärts und stets mit prüfendem Blick auf den Abstand zur Gratkante stiegen wir die letzten 250 m Entfernung unter etwa 40 m Höhenunterschied zum Gipfel auf.

Gipfelkreuz im Osten

Im Gipfelbereich konnten wir keinerlei Gipfelkreuz ausmachen, wussten aber mit Bestimmtheit, daß es eines geben muß. Sichtbar wurde ein Vermessungszeichen, das wir nach einer Pause und dem Abfellen aufsuchten, um auf die Hinterseite nach Osten sehen zu können.
Beim Vermessungszeichen angekommen erblickten wir auf der Ostseite ein entferntes Gipfelkreuz im Osten und schließlich auch einige Meter oberhalb von uns das Objekt der Begierde – das oberste Teil des Gipfelkreuzes des Bendelsteins südlich von uns, das gerade einmal einen Hauch über die riesige Schneewechte im Vordergrund herausragte.

das Gipfelkreuz des Bendelstein doch noch angetroffen

Somit haben wir unsere Gipfelrast etwa 50 m vom Gipfelkreuz entfernt verbracht und es nicht gewusst. Die Wechte, die von der Nordwestströmung der letzten Tage aufgebaut wurde, hat es von unserer Näherungsrichtung her völlig vor uns verhüllt.

Bendelstein, 2.436 m

Für den Kenner der Örtlichkeit am Gipfel des Bendelsteins mag die Dramatik nicht nachvollziehbar sein und er wird an dieser Stelle schmunzeln, für den Erstbegeher im dichten Nebel stellt sich die Situation entgegensetzt dar. Wenn nur mehr weiß vor den Augen herrscht kann selbst einfaches Gelände zur Herausforderung werden.

Abfahrt über den Rücken unterhalb des Schröflkogels

Lehrreich an dieser Begebenheit war einmal mehr die sonderbare Hilflosigkeit bei Nebelsituationen in Grat- bzw. Gipfelnähe, der man ausgesetzt ist, wenn die Sicht fehlt und man des Geländes völlig unkundig ist und Wechtenbereiche nicht betreten will.

Blickrichtung Spörralm, im Wald rechts der Bildmitte versuchten wir den Aufstieg abseits des Steigs

Die gewaltige Wechte versteckte das Gipfelkreuz vor uns und schlussendlich war es einzig das Vermessungszeichen, das uns veranlasste, es anzusteuern, weil es aufgrund des Geländes nicht an einer Absturzkante liegen konnte und den Blick zum Gipfelkreuz ermöglichte.

Rückblick auf den Rücken unterhalb des Schröflkogels – bestes Schigelände

Somit kamen wir noch zu unserem Gipfelerlebnis, wenn auch von der reinen Vorstellung wie der Gipfel zu erreichen sein muß, durch die eigenen Sinne unerklärlich geistig korrumpiert, wie wir bei der Betrachtung der Geländesituation feststellen mussten. Eine geographische Rundschau auf die Nachbargipfel des Bendelsteins erübrigt sich für diesen Bericht.

Versuch Abfahrt in Richtung obere Spörralm

Die Abfahrt bis zum Schröflkogel zeigte sich besonders im abgeblasenen Bereich des langen Sattels nicht besonders erbauend, auf den wechselnden, ruppigen, windgeformten Flächen jedoch einigermaßen vernünftig fahrbar. Im Bereich der windgeschützten Baumgrenze besserte sich der Schnee schlagartig zu bestem Pulver und im Wald erlebten wir eine perfekte hochwinterliche Abfahrt in knietiefem lockerem Pulverschnee.

kaum Fahrt durch den Widerstand im Tiefschnee

Nach den obersten Almgebäuden suchten wir die Schneise zu jener Stelle hin an der wir falsch abgebogen waren, entdeckten wieder keine Markierungen und hätten uns fast wieder verfahren, diesmal jedoch nicht weit, denn wir wussten vom Blick von oben, wo die Schneise liegen musste.

wieder an der Spörralm angelangt

Die restliche Abfahrt konnten wir bis weit hinab im Pulverschnee genießen und als wir etwa auf 1.400 m mangels Schneehöhe über die Wege hinab fuhren kam auch wieder Sonne zum Vorschein.

Tiefschneefreuden

Die Abfahrt war uns ohne Steinkontakt, aber auch ohne stärkere Bremsmanöver bis zum St. Ursula Kirchlein möglich, und dies am 20. März eines insgesamt sonderbar angebrochenen Jahres.

nahe dem Ausgangspunkt angelangt

Unter den geschilderten Umständen benötigten wir für die landschaftlich sehr ansprechende  sowie mit unseren Miniaturodysseen unvergessliche Schitour 5:45 Stunden mit einem Aufenthalt am Gipfel von etwa 20 min. Der gesamte Aufstieg auf den Bendelstein beträgt 1.300 m und die Streckenlänge bis zum Gipfel 5,6  km. Das Herumirren mit einbezogen zeigte die Uhr eine aufgezeichnete Aufstiegshöhe von 1.400m.
Höchstwahrscheinlich hat Spitzenstätter Recht – der Bendelstein ist nicht für jedermann, aber unbedingt eine Schitour wert.

Mils, 28.03.2021

1 Beinhaus – Raum oder eigens stehendes Gebäude zur Aufbewahrung von Gebeinen exhumierter Verstorbener; im Fall der St. Ursula Kirche ein eigenes gemauertes Häuschen in der Nordostecke der Friedhofsmauern

http://www.geschichte-tirol.com/orte/nordtirol/bezirk-innsbruck-land/658-steinach.html