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Larchetfleckspitzen, 2.362 m – über Kirchl mit Abstieg Larchetfleckkarl

Mit dem Eintreffen in der Arena des Kirchls, eine der großartigen Karlandschaften in der Nördlichen Karwendelkette, beginnt der alpine Teil der Runde über die Larchetfleckspitzen, die östlich, nach dem Abstieg auf den Verbindungsgrat zur Tiefkarspitze, über das Larchetfleckkarl wieder ins Karwendeltal abgestiegen werden können und sich als unvergessliche Runde einprägen.

Westliche Larchetfleckspitze

Die mäßigen Schwierigkeiten der Kletterstellen erlauben eine Alleinbegehung durch den geübten Felsgeher mit Orientierungsgabe nach sorgfältiger Tourenplanung, die der Verfasser für den Abstieg durch die Latschen zu wenig studiert hat und dadurch 400 Hm mühsam über unwirtliche Partien östlich vom Jagdsteig absteigen mußte.

Mündung des Kirchlbachs im Karwendeltal

Mit dem Radl erreicht man die Freiflächen nach der Einmündung des Kirchlbaches in den Karwendelbach und beginnt den Anmarsch ins Kirchl im Wald. Dabei kann der Forstweg durch direktes Aufsteigen von den Freiflächen aus in den Hang abgekürzt werden.

Aufstieg ins Kirchl Höhe Jägerstand

Am Ende des breiten Forstwegs setzt ein Steig fort, der rasch zu einem Jagdstand führt und hinter diesem auf jungem Steig in vielen Serpentinen bequem bergan führt. Etwa nach 180 Hm Aufstieg wird eine breite Schuttfläche ostwärts gequert, oder man folgt den Serpentinen.

nochmalige Querung der Reise, in Bildmitte am Fels das historische Grenzzeichen

Nach der breiten Schuttreise folgen eine Serpentine und ein paar kurze Abschnitte in kurzfristig dichterem Wald, bevor die Steigrichtung wieder ostwärts schwenkt und die Schuttreise an ihrem oberen Ende erneut gequert wird.

Ankunft im Kirchl

Am Felsansatz am oberen Ende der Schuttrinne befindet sich ein Grenzzeichen, ähnlich jener, die auch im Halltal zu finden sind, sonst aber kaum im Karwendel zu sehen sind. Leider ließ sich durch eine Recherche im Internet nichts über das historische Mark erfahren.

von Lawinen abgelagerte Steine am Felsblock

Hinter dem Grenzzeichen führt der Steig hoch über dem Kirchlklamml – zu dem die Felsen am Beginn einige Meter unterhalb des Steigs senkrecht abbrechen – zunehmend flach werdend, ins Kirchlkar hinein, wobei der Wald den Latschen weicht.

im Kirchl – der Vorhang beginnt sich zu lichten

Bei der hier beschriebenen Begehung wich der Herbstnebel nur allmählich der noch starken Sonne, sodaß es als ein schönes Erlebnis empfunden wurde, über einige Minuten hindurch den Vorhang auf eine atemberaubende Bühne aufgehen zu sehen.

die Kirchln werden sichtbar

Die Lawinen der Winter hinterließen auf den großen Felsblöcken ihr Spiel der Ablagerung von winterlichen Gesteinsabbrüchen, die mit fortschreitender der Schneeschmelze auf den ausapernden Blöcken liegen bleiben und die noch nie jemand heruntergeworfen hat. So augenfällig wie im Kirchl tritt dieser Anblick selten im Karwendel auf.

ebenfalls die imposante Sulzleklammspitze

Weglos rechts vom Kirchlbach steigt man durch allerlei interessante Gesteine und wer genau schaut findet welche der im Kirchl auf dem Südhang der Westlichen Wettersteinspitze darüberliegenden Reichenhaller Schichten oder auch Wurstelkalk (alpiner Muschelkalk, aus dem die Umrahmung des Kirchls vorherrschend gebaut ist).

Wurstelkalk

Der markante Sporn in der Talbegrenzung rechts, knapp 800 Hm über dem Talgrund im Kirchl ist bereits die Westliche Larchetfleckspitze. Links davon prangen die drei Kirchlspitzen am Bergsaum und wieder links davon der mächtige Aufbau der Westlichen Karwendelspitze.

Blick auf die Westliche Karwendelspitze

Den Abschluß im Westen bildet die Sulzleklammspitze mit ihrem steilen und hohen Abbruch ins Kirchl. Von dort sind auch ständig Steinschläge zu hören, die über die mächtige Schuttrinne herabstürzen, das Kirchl aber nicht erreichen.

phantastische Szene mit Kirchln und rechts der Westlichen Larchetfleckspitze

Kurz vor einer Geländestufe mit einem kleinen Wasserfall des Kirchlbaches führt rechts eine Latschengasse auf eine Umgehungsfläche hinauf. Diese empfiehlt sich für den Aufstieg nicht zuletzt aufgrund der weiteren Strecke ins rechte obere Eck des Kirchls.

beim Wasserfall rechts durch die Lichtung hinauf

Nach der Geländestufe bietet sich ein sonderbares Bild, das nur so erklärt werden kann:
Das untere Ende eines Gesteinsblockfelds wird erreicht. Die Breite des Blockgürtels mißt 80 m bis zu einer unsichtbar gezogenen Linie an der das Blockfeld links und rechts am Hang schräg nach oben zieht. In dem sich bildenden Dreieck – bergseitig – dieser unsichtbaren Linie lagert kaum ein Gesteinsblock mehr, obwohl die darüberliegenden dickbankigen Muschelkalkstufen Gesteinsabbruch liefern müssen.

prachtvoller Anblick der Kirchln mit geometrischer Ausbildung des Geröllfelds

Im TIRIS nachgemessen ergibt sich eine mittlere Steigung im Brockenfeld von 20°, während im bergseitigen Dreieck eine von 29° vorherrscht. Der Steigungsunterschied muß diese geometrisch schöne Ausbildung der Ablagerungen formen.

Blick nach Süden

Neben dieser ins Auge stechenden Erscheinung bietet der Blick nach oben ein phantastisches Bild. Nach den östlichen Abhängen der Westlichen Karwendelspitze erscheint die Untere Dammkarscharte in greifbarer Nähe.

Schuppe von Reichenhaller Schichten unterhalb der Westlichen Karwendelspitze

Östlich anschließend die drei Kirchln, dann der Vorsporn der Westlichen Larchetfleckspitze und zum Abschluß im Dunkeln die mächtigen Muschelkalkwände des Sockels der Larchetfleckspitzen, durch die der Anstieg auf deren Südflanke führt.
Das Stufengelände zwischen Mittlerem und Östlichem Kirchl ist das nächste Ziel.

Reste Reichenhaller Gesteins angrenzend an die Schrofenstufen

Zunächst wählte der Verfasser aber eine Umgehung links (westlich) der vorausliegenden Muschelkalkstufen, ziemlich direkt in Richtung der Unteren Dammkarscharte. Dabei passiert man den ehemaligen östlichen Rand der Schuppe von Reichenhaller Schichten, die durch Abbrüche von der Dammkarscharte herab weitgehend abgetragen wurden.

Larchetfleckspitzen von der Sulzleklammspitze zwei Wochen später (ganz links die Tiefkarspitze)

Der westliche Rand der Vorstufen zur Karschwelle im Kirchl ist ebenfalls noch von  Reichenhaller Gesteinen geprägt, bevor hinter der Abflachung im Kar nur mehr bankiger alpiner Muschelkalk vorherrscht.

welch Anblick der Westlichen Larchetfleckspitze; knapp rechts der Bildmitte beginnt der Aufstieg

Frontal gegen den nun fast als Pfeiler erscheinenden Gipfelaufbau der Westlichen Larchetfleckspitze geblickt gewinnt der Besteiger mit einem Auge für die Natur schon fast ein bisschen Ehrfurcht vor dieser alpinen Pracht.

Rückblick auf das Kirchlkar

Die Stufen links (nördlich) werden nun angesteuert und es gilt den Durchstieg zu erraten. Hierzu wird instinktiv der flachste Einschnitt angesteuert, der sich allerdings als wenig brauchbar herausstellt, da ein junger Felssturz weiter oben ständig nachbrechende Klötzchen herabregnen läßt.

Stufen von Muschelkalk, oben das Wiesenplateau

Auf den ersten Blick hin hatte der Verfasser damit kokettiert die Verschneidungsmulde schnell zu durchsteigen, um somit dem Gesteinsregen rasch zu entkommen. Einem faustgroßen Stein gerade noch ausgestellt mahnte jedoch rechtzeitig die Vernunft und so mußte von der ersten Wiesenstufe aus, in etwa zehn Metern Höhe, ein steiler Wiesenaufstieg als Alternative gewählt werden.

Rückblick im Aufstieg vom untersten Wiesenplateau, nach der Steilsten Stelle

Diese Stelle ist leicht zu finden – ein alter Weidezaun, halb zerstört, trennt den schmalen Übergang von dem ersten Wiesenplateau auf den steilen Anstieg. Kaum zu glauben, daß es hier noch eines Weidezaunes bedarf, da ja die erste Stufe schon unter kurzer Kletterei erfolgen musste. Aber im Laufe eines Sommers ist es durchaus vorstellbar, daß Schafe oder Ziegen einen Durchschlupf auf die steilen Wiesenplateaus finden.

Querung auf die nächste Stufe

Wer mit steilen Bergwiesen Erfahrung hat, dem muß man nicht erklären wie man sich bei Steigungen um die 60° Neigung fühlt, wenn man sich nur an Büscheln halten kann, noch dazu bei Querungen. Diese Passage kann als Schlüsselstelle der Tour bezeichnet werden, obwohl im Abstieg eine ähnliche Situation zu bewältigen ist, jedoch ist selbige felsdurchsetzt. Im Falle von Nässe wären diese Passagen ein zu großes Risiko.

Tiefblick auf das Kirchl

Nach dem steilsten Stück von schätzungsweise 30 Hm muß östlich in das Tiefste des Kessels gequert werden. Das Gelände wird bis zur nächsten Plateaustufe etwas flacher und vor allem wieder felsig. Darauf folgt eine weitere Stufe, sodaß auf der vermeintlich obersten begrünten Stufe unterhalb des Mittleren Kirchls in die Felsen unterhalb der Westlichen Larchetfleckspitze gequert werden kann. Im letzten Teil findet sich sogar ein leichter Steig ausgebildet.

Östliches Kirchl mit zerrissenem Grat

Im felsigen Teil im Osteck des Kirchls müssen noch einige Dutzend Höhenmeter in leichter Kletterei bewältigt werden. Die Route ist klar vorgezeichnet. Ein Band führt aus dem Eck in mäßiger Steigung auf die Südkante mit dem „brennten Kopf“ im Verlauf nach unten.

Anstieg auf die nächste Stufe

Die Steigspuren der AV-Karte „Hoher Gang“ sind hier keineswegs zielführend, sie liegen in einer Höhe zwischen 1.800 m und 1.900 m und der hier beschriebene Quergang befindet sich in einem Höhenband 200 m höher. Es erhebt sich Frage ob die AV-Karte hier unzuverlässig ist, denn in die ungangbaren senkrechten Wände der Südkante führt mit Sicherheit kein Steig. Wenn aber, dann er endet am Fuß der Wände.

Querung auf der obersten Wiesenstufe

Im Tiefsten des Kessels begegnet man einem Steinmann an einer kurzen Abstiegsstelle über ein paar Meter. Anschließend führt eine Schuttreise hinauf in die Verschneidung der Südkante mit dem Gipfelaufbau der Westlichen Larchetfleckspitze. Von unten kann man bereits gut das Band hinaus auf die Südkante erkennen. Die Kletterei dorthin ist unschwierig, die Hände werden großteils gebraucht, gegen die Verschneidung hin wird der Fels flacher und zum Gehgelände.

Sonne über dem Ankunftspunkt am Südgrat

Das Band selbst ist nahezu flach, jedoch geneigt. Bei Schneeauflage im Spätherst sollte diese Passage nicht ohne Steigeisen dabei zu wissen unternommen werden. Dies ergibt sich aus Hangneigung und der Himmelsrichtung des abgeschatteten Bandes – letztere nach Süden gerichtet ist -, sodaß Sonneneinstrahlung erst ab Mittag anzunehmen ist und diese auf 2.200 m im Spätherbst zur Schmelze kaum mehr ausreichen wird, wenn es im Oktober nennenswert geschneit hat.

keine unbeachtliche Querneigung am Band; heikel bei vereister Schneeauflage

Mit Bedacht gesetzte Tritte im Schnee auf der Schräge wird über das Band der Südgrat erreicht, dessen Felsköpfchen eine Schneestange trägt. Wieder in Sonnenlicht erlebt man einen gewaltigen Rückblick auf das Kirchl, bei dem die steilen Wiesenpartien extrem herauskommen.

Rückblick auf den Aufstieg unterhalb der Kirchln

Ebenfalls erkennbar ist die Ursache des Steinschlags am Einstieg. Nahe der Scharte zwischen Mittlerem und Östlichem Kirchl ist typisches ockerfarbenes Verwitterungsmaterial zu sehen, das von der Grathöhe über die Wiesenplateaus abgebrochen ist und das offenbar unten einen noch größeren Felsabbruch ausgelöst hat.

herrlicher Blick vom Südgrat auf das obere Dammkar

Die Aussicht auf die Westliche Karwendelspitze und die umliegenden Gipfel kurz genossen beginnt die letzte Etappe auf die Westliche Larchetfleckspitze, die Grasflanke zum Sattel zwischen den beiden Larchetfleckspitzen.

Aufstieg über die Südflanke zur Einsattelung zwischen den Larchetfleckspitzen

Möglicherweise wäre die direkte Felsbegehung ab der Einmündung der steilen Verschneidung zwischen Südgrat und Gipfelaufbau lohnenswerter als die monotone Grasflanke, aber an alle Schmankerln bei der Erstbegehung zu denken gelingt meist erst im Kopf bei der Berichterstattung.

Rückblick auf den Südgrat, unten der „brennte Kopf“

An der Einsattelung zwischen den beiden Larchetfleckspitzen angelangt überrascht dafür ein prächtiges Felsenfenster mit herrlichem Ausblick auf die Soierngruppe, vielmehr zentral auf die schöne Schöttelkarspitze. Direkt hinter dem Felsenfenster bricht die Nordwand der Kette 450 m ins Dammkar ab.

Felsenfenster mit toller Aussicht zur Schöttelkarspitze

Der Restaufstieg auf die Westliche Larchetfleckspitze beträgt vom Sattel 40 Hm über das selbe Wiesengelände wie von der Südgratkante bis zum Sattel.

Östliche Larchetfleckspitze von der Westliche Larchetfleckspitze gesehen

Der Blick gegen Westen mit der senkrecht abbrechenden Westwand wirkt recht dominant, wohl weil alle Gipfel im Westen in etwa die selbe Höhe haben und die 250 m Tiefe zur Dammkarscharte sowie die Entfernung zur Westlichen Karwendelspitze von knapp einem Kilometer diesen Eindruck verstärken.

phantastische Aussicht auf die Westliche Karwendelspitze und die Karwendelköpfe

Die Höhenangabe für die Westliche Larchetfleckspitze in den AV-Führern und in älterem Kartenwerk ist mit 2.301 m falsch, die Höhe beträgt 2.352 m wiewohl auch die Schwierigkeitsbeschreibungen aller Aufstiege zur selben – sagen wir – untertrieben erscheinen. Vor allem, wenn jener von Westen um die Kirchln herum mit „Trittsicherheit“ abgekanzelt wird, muß widersprochen werden.

Blick nach Südwesten von der Westliche Larchetfleckspitze

An dieser Stelle muß aber auch gesagt werden, daß Führerbeschreibungen immer auch subjektiv verfasst sind, es diesbezüglich keine Normen gibt, und jeder Bergsteiger stets und in jeder Situation für sich selbst verantwortlich bleiben muß, egal wie unpassend Beschreibungen oder Schwierigkeitsbewertungen erscheinen mögen. Dem Gerichtssaal muß in dieser Hinsicht am Berg um jeden Preis Einhalt geboten werden, sonst bedeutet dies den Tod alpiner Berichterstattung.

bereits auf der Östlichen Larchetfleckspitze

Ab- und wieder aufgestiegen auf die im Kartenwerk als die „Larchetfleckspitze“ bezeichnete Östliche Larchetfleckspitze bietet sich ein Bild eines würdigen Gipfels. Die Konvention der Schartenhöhe von 30 m erlaubt beiden Erhebungen die Standesbezeichnung „Gipfel“, obwohl nur ein Katzensprung sie trennt.

Gipfelkreuzlein auf der Östlichen Larchetfleckspitze an sonderbarer Stelle

Auf der Östlichen Larchetfleckspitze nun ein Gipfelkreuzlein, von seinen Haltestricken leider schon in die Nordwand geneigt, das an seiner Spitze nicht einmal gewachsenes Terrain erreicht, sprich die Gipfelhöhe selbst. Was mag der Grund für seine sonderbare Position sein? Die Sichtbarkeit vom Tal eher nicht, eher jene vom Dammkar aus? Würdig sieht dieser Gipfelschmuck wohl nicht aus, bei aller Mühe einen solchen dort zu errichten. Fehlt es da an Kollaboration, so wie einst der Zollgedanke das Gipfelkreuz auf der Lamsenspitze fast verhindert hätte, oder geht jeder Bergverein hüben und drüben seinen eigenen Weg? Fragen über Fragen. Vielleicht liegt die Erklärung sogar in der GB-Schachtel, die man sich bei vereistem Untergrund nicht die Mühe macht aufzusuchen. Schade um die Situation.

Gratrücken zwischen beiden Larchetfleckspitzen

Positiv hervorzuheben ist nicht die ungepflegt daliegende Triangulierungsstange, sondern der sagenhafte Blick in das östliche Karwendeltal. Die Tiefkarspitze, der Larchetfleckspitze östlicher Nachbar, die Hochkarspitze weiter im Osten, die weiteren großen Erhebungen der östlichen Karwendelspitze, der Blick in die Falken, auf das Sonnjoch und auf der Talgegenseite die Ödkarspitzen sowie direkt im Süden die Larchetkar- und die Pleisenspitze verzaubern zum Innehalten und lassen den kalten Nordwind für ein paar Minuten vergessen.

sagenhafte Aussicht in den östlichen Teil des Karwendeltales bis zum Sonnjoch

Der Abstieg sieht spektakulärer aus als er zu begehen ist. Meist knapp südlich des Grates (mit Ausnahme schöner Kletterstellen) wird über grasdurchzogenes Schrofengelände abgestiegen und man entbehrt in diesem Schutze auch des Jochwindes.

Abstieg von der Östlichen Larchetfleckspitze auf den Verbindungsgrat mit der Tiefkarspitze

Über ein paar kleine Aufschwünge geht es in die tiefste Einsattelung hinab, die auch einen wichtigen Zweck erfüllt.

Rückblick nach Westen am Abstieg

Das Steinmandl im Tiefsten der Einsattelung und die von der Gegenseite sichtbare Markierung bezeichnen den Nordabstieg über die nicht gänzlich einfache, so doch gangbare Nordwand ins Dammkar – unter Umständen ein wichtiger Fluchtweg, weil kürzer als ins Karwendeltal, beschrieben im Bericht über die Tiefkarspitze, siehe Link oben.

toller Ausblick auf die Kreuzwand und Damm

Jenseits dieser kleinen Scharte muß über knapp 40 Hm eine Graterhebung (2.290 m) erstiegen werden, die außer dem Verbindungsgrat zur Tiefkarspitze noch Hochpunkt einer nach Südosten ansetzenden Gratrippe – der westlichen Begrenzung des Larchetfleckkarls – darstellt, dem Abstiegsgelände ins Karwendeltal.

Scharte mit Abstieg ins Dammkar, dahinter Hochpunkt (2.290 m) am Grat

Das nun folgende Abstiegsszenario könnte verbessert werden in dem man dem Grat noch etwa 300 m mit kaum Höhensprung östlich, in Richtung Tiefkarspitze, folgt und dann in der Falllinie absteigt.

Rückblick auf den Grat zur Östlichen Larchetfleckspitze

Aber was weiß ein Erstbegeher, der den schönen Schrofenhang sieht und nicht die vielen Rippen und Täler, die in absteigender Querung überwunden werden müssen und Querungen sind immer für eine Hüfte unangenehm.

Abstiegsroute, Zielpunkt unten noch nicht zu sehen

Jedenfalls ist der Abstieg vom Hochpunkt problemlos möglich, immer aber mit der notwendigen Vorsicht nicht gleich zuviel Höhe zu verlieren, denn Serpentinen in die Gegenrichtung wendet man stets lieber an, als einen querenden Wiederaufstieg.

unterer Teil zum Larchetfleckkarl, den Zielpunkt markiert eine Gams

Ziel der Richtung im Abstieg sind die oberen Grasterrassen oberhalb der kalkalpentypischen Senkrechtabbrüche ins Schuttkar darunter. Dies gelingt mit oben beschriebener Taktik einwandfrei, solange man sich eben bemüht den Höhenverlust gering und die Querungsdistanz höher zu halten. Im Falle der hier beschriebenen Begehung markierte eine Gams frech den untersten Peilpunkt.

Rückblick vom Zielpunkt über den rippigen Hang

Im Larchetfleckkarl angelangt genießt man zunächst eine Reisenfahrt über 150 Hm, wobei im untersten Drittel mehr und mehr Kraftaufwand nötig ist, um im Grobkorn noch abfahren zu können. Um die Bergschuhe nicht unnötig zu strapazieren muß rechtzeitig wieder der Normalschritt angenommen werden.

prächtige Aussicht vom Karwendeltal bis zur Larchetkarspitze

Die folgende Passage über Steilschrofen wurde leicht überwunden und die nächste Prüfung wartete in der Felspassage unterhalb des einladenden horizontalen Wiesenbandes entlang der Felskante, das – nach den an diesem Tag schon genügend erlebten Graspassagen – ausgeschlagen wurde und in direkter Linie den Abstieg vorgenommen.

Rückblick ins Larchetfleckkarl

Erwartungsvoll wurde die folgende Felspassage angepeilt, zumal das untere Ende nicht eingesehen werden konnte, welches immer ein Zeichen von großer Hangneigung ist. Und unter einer gewissen Spannung (Hangneigung ~60°) wurden 40 Hm auf das darunterliegende Flachstück überwunden.

obere Steilstufe

Anschließend folgt eine zweite Steilpassage in einer stumpfen Verschneidung mit nur 45° Neigung. Beide Abstiege in grasdurchzogenem und festen Fels, wenig davon in leichter Kletterei, mehr im Gehgelände mit einer stützenden Hand.

Rückblick auf die obere Steilstufe

Um den Steig zu erwischen bleibt man, unten angekommen, auf Höhe der ansetzenden Latschen unterhalb der Felspassagen, quert also mit wenig Höhenverlust südöstlich auf das höchste Latschenfeld zu.

untere Steilstufe

Dort folgt man dem gut sichtbaren Steig kaum 50 m bevor scharf rechts ein steiler Abzweig auf eine größere Freifläche führt.

unterhalb der unteren Steilstufe

Diese Freifläche muß nun in direkter Falllinie bis zum unteren Saum der Latschen abgestiegen werden, um dort den Jagdsteig zu finden.

Rückblick vom Steig auf die untere Steilstufe

Der Verfasser beging den Fehler nach Erreichen der großen Freifläche gleich bei den Lärchen zur Linken dem Quergang zu folgen, welches sich als völlig falsch herausstellte.

gleich vorne scharf rechts in die Latschen hinab

Möglicherweise ist der Jagdsteig am Ende einer schuttgesäumten Wasserrinne mit Schuttkegel vor der Latschengrenze zu finden, wie es im Orthofoto aussieht, aber im Zweifel ist jeder Abstieg dort der richtige und die Bilder in der Bildergalerie mögen der Orientierung vor Ort dienen.

herrliches Karwendeltal

Selbst in der Ansicht mit Orthofoto im TIRIS ist nur der ausgeholzte Mittelteil des Jägerteigs in Form einer großen Kurve erkennbar, der untere Teil gar nicht, der obere kann bis zur ersten großen Lichtung erahnt werden, jedoch nur vage.

falscher Steig bei den Lärchen

Das Problem war, wie so oft, die Quergänge, die nicht immer Gamswechsel sind, sondern auch Jagdsteige und die nicht immer ein bergsteigerisch sinnvolles Ende haben – so wie dem Verfasser unterlaufen.

völlig falsch abgestiegen, der Jagdsteig befindet sich im Wald der linken Bildhälfte

Flugs steht man nach der irreführenden Querung bei den Lärchen vor einem Graben an dem der Quergang endet und in der Hoffnung er setze drüben fort, nimmt man steile Schuttböschungen im Abstieg in Kauf, sowie jenseits im Wiederaufstieg, um dort festzustellen, daß die Querung der Murenrinne umsonst war, weil keine Steigspuren erkennbar sind. Nun ist man aber schon recht weit gekommen, will nicht weitere Zeit verlieren und setzt den Abstieg ins Ungewisse fort.

Abstieg vom Larchetfleckkarl grober Steigverlauf

Nachträglich gesehen wäre ein Blick auf das Orthofoto sinnvoller gewesen, anstelle per AV-Karte mit den undeutlich eingezeichneten Steigspuren eine Route zu finden, wobei der Grundfehler darin bestand sich von dem einladenden quer führenden Steig bei den Lärchen im Abstieg nach links verleiten zu lassen und nicht der Lichtung bis hinab zum Ende der Freifläche zu folgen. Aus diesem Grund hat der Verfasser versucht eine Rekonstruktion des Steiges anzufertigen (in der Bildergalerie zu sehen).

Blick zurück ins Larchetfleckkarl

Nach einem Abstieg im wirren und steilen Terrain östlich der Rappenlöcher, weit vom Jagdsteig entfernt, ist der Verfasser allerdings wieder recht genau zum Ausgangspunkt des Steiges nahe der der eingezäunten Messstation am Forstweg angelangt.

Runde über die Larchetfleckspitzen

Von dort durch den Wald gelangt man in wenigen Minuten zum Karwendelbach und auf das Almgelände, sowie über 1,6 km Schotterweg in gut 20 min zurück zum Radl.
An Zeitbedarf muß mit acht Stunden incl. aller Pausen und den Radlstrecken gerechnet werden. Die Steigarbeit erstreckt sich über 1.620 m incl. Radlstrecke und die Länge der Tour beträgt 20 km.

Mils, 10.10.2021

Mittenwalder Höhenweg – Abstieg über Heinrich-Noë-Steig

Mit einem gewaltigen Buckel, dem Pürzlgrat von Scharnitz auf den Brunnensteinkopf, beginnt die Nördliche Karwendelkette sich vom Tal aufzubauen und erst gut 1.200 m höher, nach Brunnenstein- und Rotwandlspitze in einen Grat mit durchgehend flacher Steigung überzugehen und im Sattel danach, dem Brunnensteinanger, beginnt der Mittenwalder Höhenweg.

in der Kälte vor der Kirchlspitze

Man hat den Mittenwalder Höhenweg zum Klettersteig ausgebaut und an vielen Stellen, darunter auch einige, die ihrer nicht bedürfen, einer Seilversicherung unterworfen. Trotzdem bleibt die Begehung der Gratstrecke ein leichtes Abenteuer, das man nicht so schnell vergisst.

auf der unmarkierten Nördlichen Linderspitze

Aufgrund der Seilbahn von Mittenwald bis zur Westlichen Karwendelgrube erfreut sich der Seilbahntourist eines raschen und leichten Zustiegs auf den Mittenwalder Höhenweg und daher muß im Sommer und Frühherbst mit großem Andrang von Klettersteigfreunden und -neulingen gerechnet werden. Verschärfend kommt hinzu, daß die Masse den Mittenwalder Höhenweg von Norden nach Süden bewältigt, sodaß man, von Scharnitz aus von der Gegenrichtung kommend, mit außergewöhnlichem Gegenverkehr zu rechnen hat. Und zwar genau mitten am Vormittag, an dem man mitten am Weg zusammentrifft.

Leitergänge vor der Mittleren Linderspitze

Es empfiehlt sich also die Bergtour im späteren Herbst zu unternehmen, wobei dann durch deren Nord/Süd-Verlauf auch ein bisschen die Schneeverhältnisse beachtet werden sollen, wenn sie noch als Bergtour Freude machen soll, ohne in eine halbe Winterbegehung auszuarten. Letzteres gilt für die nordostseitigen Passagen, in denen einmal gefallender Schnee ab Oktober sehr wahrscheinlich nicht mehr schmilzt.

Aufstieg am Pürzlgrat, Blick ins Karwendel

In Scharnitz – eine Parkplatzempfehlung möchte der Verfasser nicht geben aber die sicherste Variante ist der offizielle Parkplatz und der Weg zurück in den Ort  – beginnt der Steig nach der Isar Richtung Mittenwald rechts die Straße hinauf und oberhalb der Karwendelbahn links zwischen den Häusern hindurch auf einem Wiesenweg, der gleich in den Wald eintritt. Eine entsprechende Beschilderung mit den gelben TVB Wegweisern ist vorhanden.

Scharnitz in der Tiefe

Anschließend kommt man zu einer Gabelung, wobei der linke Abzweig eingeschlagen führt, der ohne weitere Verzweigungen zur Brunnenstein- und Rotwandlspitze führt.
Oben, nach dem Brunnensteinkopf, gibt es auch eine Umgehung der beiden Spitzen, die an der Tiroler Hütte ankommt und beide Gipfel östlich unterquert. In diesem Bericht wird jedoch die Gratbegehung beschrieben.

Brunnensteinspitze erstmals sichtbar

Zunächst führt der Steig in einem hellen Wald mäßig steil bergauf, der hauptsächlich von der lichtbedürftigen und gegen Hitze recht robusten heimischen Baumart, der Kiefer, die auf den kargen Böden des Südhanges gut gedeiht. Später steilt das Gelände ziemlich auf mit Stellen von über 40° Hangneigung und einer durchschnittlichen Steigung von knapp unter 30° muß zuerst der gewaltige Rücken mehr als 500 Hm bewältigt werden.
Schöne Blicke ins Karwendel und auf das Seefelder Plateau hellen den mühsamen Anstieg auf.

Manuel auf der Brunnensteinspitze

Ab der Baumgrenze kommt auch Freude an der Landschaft auf. Ab etwa 1.500 m besteht erstmals der Blick auf das Gipfelkreuz der Brunnensteinspitze (2.180 m).
Der Steig schlängelt sich elegant durch die Latschen, immer in Gratnähe, und auf den ungeschützten freien Gratstrecken verursachte ein leichtes Lüftl große Abkühlung gegenüber dem Waldaufstieg.

leichter Aufstieg zur Kirchlspitze

Das Gipfelkreuz, mit Reif beschlagen, erreichten wir etwa zweieinhalb Stunden nach dem Start in Scharnitz. Nebel zog hin und her und die zusätzliche Abkühlung im Nebel war deutlich zu spüren. Mit diesem unangenehmen Lokalwetter, das von einem Hochdruckgebiet geprägt war, marschierten wir weiter.

Stimmung im Rückblick von der Kirchlspitze

Der Ostwind verstärkte sich über den Sattel des Brunnensteinangers (~ 2.200 m) und am eigentlichen Beginn des Höhenweges war die Temperatur alles andere als angenehm, sodaß die Griffe im Aufstieg ohne Handschuhe nicht mehr gefühlt werden konnten. Von der Brunnensteinspitze bis zum Sattel benötigt man eine gute halbe Stunde.

die Nebel weichen und die Wettersteiner treten zutage

Zum Glück brach kurz vor Mittag an der Kirchlspitze endlich die Sonne durch und verwandelte die westseitigen Passagen zu richtig warmen Orten, sodaß bald wieder Kleidung abgelegt werden konnte.

Aufstieg zur Sulzleklammspitze

Am Weg zur Kirchlspitze (2.301 m) werden zwei nennenswerte Graterhebungen erstiegen, jedoch nicht direkt am Grat sondern im Osthang. Vom Hochpunkt nach dem Brunnensteinanger fallen etwa 100 Hm zur Kirchlspitze an, von dieser zur Sulzleklammspitze fallen nochmals 80 Hm an.
Die Strecke vom Brunnensteinanger bis zur Sulzleklammspitze beträgt etwa 800 m, die Überschreitung benötigt eine gute halbe Stunde.

Sulzleklammspitze, 2.303 m

Wer das Gestein genau beobachtet erkennt kurz vor der Sulzleklammspitze (2.321 m) eine Änderung des Gesteins. Es ist dies der Übergang vom Wettersteinkalk zu Reichenhaller Schichten (Kalk/Dolomit gebankt), aus dem der Gipfelbereich und die steil abfallende Nordnordostwand der Sulzleklammspitze gebaut ist und wahrscheinlich der Grund für den mächtigen Abbruch der Sulzleklammspitze gegen Nordosten.

gegenüber das Panorama von Südlicher zu Nördlicher Linderspitze

Im Abstieg von der Sulzleklammspitze findet sich etwa fünf Meter oberhalb des Steigs eine schöne Ausbildung von Reiflinger Knollenkalk, siehe Bildergalerie.

Manuel auf der Sulzleklammspitze

Nach der Sulzleklammspitze muß zuerst ein tiefer Abstieg am Steig zur Südostrippe unternommen werden, sowie anschließend ein richtig schön felsiger Klettersteigabstieg über die Nordostwand in die Scharte zwischen ihr und der Südlichen Linderspitze, das sogenannte Gamsangerl.

Rückblick auf den bisherigen Aufstieg

Dieser Abstieg mag bei zuvielem Schnee, vor allem, wenn er hart gefroren ist, die Schlüsselstelle, bzw. auch der Umkehrpunkt sein, falls Ausrüstung fehlt.

 

Steig zur Südostrippe der Sulzleklammspitze

Die Nordostwand fällt steil ins Kirchlkar ab und deren Gegenpart, diagonal durch das Kirchl hindurch, wäre die Westliche Larchetfleckspitze, die sich vorzüglich über das Kirchl besteigen läßt.

 

Abstieg in der Nordostwand der Sulzleklammspitze

Der Klettersteig ist hier gut ausgebaut und der den Steig bei unserer Begehung nur minder bedeckende Schnee erlaubte den Abstieg in die Scharte ohne Sicherung.

die Larchetfleckspitze im Kirchl gegenüber

Der Gesamtabstieg in die Scharte beträgt 150 m. Unten knapp vor der Scharte befindet sich ein Notunterstand etwas oberhalb geschützt in den Felsen.

 

Abstieg durch einen Riß hindurch

Jenseits der Scharte, im Aufstieg, wechselt das Gestein wieder, man befindet sich nun in alpinem Muschelkalk. Zur Südlichen Linderspitze steigt man schnell auf, sie ist eine recht unspektakuläre Erhebung am Grat. Der Zeitbedarf für die Strecke von der Sulzleklammspitze zur Südlichen Linderspitze (2.303 m) beträgt eine knappe Stunde.

in der Wand schräg nach unten

Von der  Südlichen Linderspitze  besteht ein vortrefflicher Blick auf die westlichen Gipfel der Nördlichen Karwendelspitze, auf: Hoher Wörner, Tiefkarspitze, im Hintergrund Hochkarspitze, Westliche sowie Östliche Larchetfleckspitze und die Raffelspitze.

Rückblick auf den Abstieg durch die Sulzleklamm Nordostwand

Ebenfalls gen Westen betrachtet man gerne die kühnen Erhebungen der Arnspitzen mit dem dahinterliegenden Wettersteinwandkamm und die Dreitorspitzen.

Rückblick auf den bisher zurückgelegten Aufstieg

Die folgende Gratstrecke zum „Gatterl“, noch vor der Nördlichen Linderspitze, stellt neben der gerade getätigten Überschreitung das Herzstück des Mittelwalder Höhenwegs dar, diese beiden sind die schönsten Abschnitte.

von links: Hoher Wörner, Tiefkarspitze, im Hintergrund Hochkarspitze, Westliche sowie Östliche Larchetkarspitze, Raffelspitze, dann Bäralplsattel

Am Gatterl zweigt auch der Heinrich-Noë-Steig ab, unserem späteren Rückweg. Der Steig ist ein empfehlenswerter Abstieg zur Brunnsteinhütte in der phantastischen Landschaft des Oberen und Unteren Sulzleangers.

Arnspitzgruppe und Wetterstein im Westen

Man hat sich auf dieser Strecke einiges angetan, um den Grat zu entschärfen, bis hin zu Laufstegen in der Wand auf der Westseite, auf der – wie am gesamten Übergang vorwiegend – der Klettersteig errichtet wurde.

Gratüberschreitung Südliche Linderspitze zum Gattern – besondere Einlage mit Laufsteg

Die Grathöhe hat man fast vollkommen gescheut. Trotzdem wurde eine nette Überschreitung gefertigt, die in knapp 40 min begangen wird.

Manuel am Ende des Leitergangs

Am Ende der Gratstrecke führt eine längere Fixleiter hinab in das Gatterl, einer Einschartung mit völlig anderer Topographie auf der Gegenseite, zur Nördlichen Linderspitze hin.

Abstieg über eine lange Leiter zum Gatterl

Der Aufstieg auf die Nördliche Linderspitze (2.372 m) erfolgt über einen Steig in der begrünten Südflanke des Gipfels mit wieder 100 Hm Aufstieg bis zum Vorgipfel, etwa 100 m südwestlich des ungekennzeichneten geodätischen Gipfels, der den Hochpunkt unserer Begehung darstellte.

Rückblick über die schöne Gratstrecke von der Südlichen Linderspitze

Über einen Sattel, durch den der Klettersteig führt, sind Vorgipfel und geodätischer Gipfel getrennt.

Aufstieg zur Nördlichen Linderspitze

Der Klettersteig führt nicht über den geodätischen Gipfel, er kann aber von der Westseite ohne Kletterei leicht bestiegen werden und bietet einen bärigen Blick über den von der Brunnensteinspitze aus bisher begangenen Grat.

Nördliche Linderspitze vom Vorgipfel aus betrachtet

In der schattigen und schneebedeckten Nordwestflanke erfolgen die letzten Meter am Mittenwalder Höhenweg zur Karwendelgrube hin.

Rückblick des gesamten Mittenwalder Höhenweges

Dabei übersteigt man eine kleine Schlucht über eine Holzbrücke und steigt über eine Leiter auf die Anhöhe über der Westlichen Karwendelgrube ab, einem Punkt großer Beliebtheit unter Touristen.
Vom Gatterl bis zum Ende des Höhenwegs benötigten wir eine gute halbe Stunde.

Vorgipfel von der Nördlichen Linderspitze aus betrachtet; rechts unten im Schnee der Steig

Unsere Runde führte uns hinab zum ersten Felskopf am oberen Rand der Karwendelgrube, wo der Rückweg zum Gatterl eingeschlagen wurde.

Westliche Karwendelgrube mit Westlicher Karwendelspitze im Nordosten

Dort noch weiter hinunter und an der Flachstelle aufgestiegen auf den die Karwendelgrube östlich umsäumenden Grat könnte am Klettersteig noch die Westliche Karwendelspitze mitgenommen werden, welches wir, nicht zuletzt aus Zeitgründen, unterließen.

eindrucksvolle Felsstufen am Steig zum Gatterl; der Grat von der Südlichen Linderspitze zum Gatterl in anderer Perspektive

Über den schönen Steig mit einer tollen Ansicht des Grates zwischen der Südlichen Linderspitze zum Gatterl, kehrten wir zu letzterem zurück, um den Abstieg über den Noë-Steig zur Brunnsteinhütte anzutreten. Der Stufenbau des Gebirgsabschnitts kann dabei von Nordosten gut eingesehen werden und beeindruckt.

Abstieg am Heinrich-Noë-Steig – Hintergrund: Nördliche Linderspitze, links Gerberkreuz

Nach sechseinhalb Stunden ab Scharnitz erreichten wir den Abstiegspunkt am Gatterl und stiegen, fast durchgehend sonnenbeschienen, über den Noë-Steig zur Brunnsteinhütte ab.

schöner Stufenbau auch auf der Westseite der Nördlichen Karwendelkette

Der Steig ist sehenswert, er führt zunächst ein gutes Stück parallel zum Klettersteig Richtung Südliche Linderspitze und wenn man nach oben schaut sieht man die Bretterübergänge.
Auch auf diesem Steig kommen im oberen Teil kurze Passagen vor, die Restschnee enthalten und man gegebenenfalls Ausrüstung benötigt.

auch hier schattige Passagen mit Restschnee

Der Bau der Sulzleklammspitze kann am Abstieg wunderbar betrachtet werden und die dickbankigen Stufen von alpinem Muschelkalk unterhalb des Gipfelaufbaues fallen richtig ins Auge. Über den Oberen Sulzleanger gibt es im schroffigen Teil die letzten Seilversicherungen, oberhalb der breiten Schuttreise in die Sulzleklamm hinab.

Sulzleklammspitze vom Heinrich-Noë-Steig aus gesehen

Die sich ausbildende Schulter wird weiter unten durch Nadelwald mit altem Baumbestand bis in den Graben oberhalb der Sulzleklamm abgestiegen, der Untere Sulzleanger. Beeindruckende Blicke bestehen dabei nach oben, beispielsweise eine unter Sonnenlicht orange leuchtende kleine Lärche auf einem absolut unzugänglichen Felsplateau unterhalb des Gipfels.

Kirchlspitze und rechts Rotwandl- und Brunnensteinspitze

Im Graben führt der Steig dann relativ flach über die Gegenseite hinaus zur Brunnsteinhütte. Unterhalb der Kirchlspitze trifft man am Steig auf Kössener Schichten in eindrucksvoller Ausprägung.

Oberer Sulzleanger und gegenüber Unterer Sulzleanger

Gegen die Rippe auf die Brunnsteinhütte zu führt der Steig wieder in ein kurzes  Waldstück, bevor die Lichtung an der Hütte erreicht wird.

atemberaubende Blicke auf die Westwand der Sulzleklammspitze; im Schnitt beider Bildhälften eine orange leuchtende Lärche in unzugänglichem Fels

Ohne ein oder zwei Mittenwalder Halbe vor der Hütte wäre der Abschluß nicht gelungen, also genehmigten wir uns diese, vor dem Normalabstieg nach Staudenraut und zurück zuerst über den Waldweg, später, nach dem Bahnübergang mangels abgetrenntem Wanderweg, über 500 m Bundesstraße bis nach Scharnitz.

Rückblick über den beeindruckenden Heinrich-Noë-Steig

Die gesamte Bergtour erforderte 9:45 Stunden incl. Pausen und erstreckt sich über 15,1 km. Der Aufstieg beträgt 1.850 m gesamt. Die Runde ist schöner im Aufstieg, also von Süd nach Nord und der Abstieg über den Heinrich-Noë-Steig zur Brunnsteinhütte ist ebenfalls ein interessanteres Erlebnis als vom Brunnensteinanger (Roßanger).

Mils, 23.10.2021

Hochkarspitze, 2.482 m – über Hochkar

Der Normalanstieg zur Hochkarspitze erfolgt über das Großkar, die Variante über das Hochkar entbehrt bereits im Talwald, bald nach dem Hochsitz und des Endes der Latschengasse nördlich davon, eines Steiges oder irgendwelcher Markierungen und erfordert Orientierungsübung im felsigen Teil am Aufstieg auf den Südgrat nach Verlassen der Schuttströme der Karrinne.

Hochkarspitze, 2.482 m

Bereits am Hochpunkt des Wegs nach dem steilen Aufstieg von Scharnitz tritt der Südgrat der Hochkarspitze ins Blickfeld. Wild und zerrissen, mit zahlreichen Türmen und Zacken kann er bereits in der Ferne nicht übersehen werden.

bereits am Hochpunkt der ersten Talstufe ins Karwendeltal erscheint der zerrissene Südgrat der Hochkarspitze

Das Radl dient bei dem einsamen Vorhaben der Hochkarspitze als gefälliger Zeitverkürzer für An- und Abreise. Wenn man – welches als äußerst empfehlenswert erwähnt werden muß – den Abstieg nicht über die Aufstiegsroute wählt, dann bleibt es schon eineinhalb Kilometer vor dem eigentlichen Anstieg über den langgezogenen Zustieg über die Karrinne bei der Jagdhütte am Großen Schafstallboden zurück. Dort endet der Abstieg vom Großkar und damit die schöne Runde über die Hochkarspitze.

Südgrat der Hochkarspitze bei Larchet

Im Wald südlich der Karrinne, bei einem Jägerunterstand, trifft man extreme Spuren von Wild, denen man folgt und zu einem Hochsitz gelang, den man rechts liegen läßt und über die breit ausgeschlagene Schneise einen schmalen Jagdsteig findet, der sich einige Minuten lang durch die Latschen hinauf schlängelt.

Südgrat Hochkarspitze von Süden

Der gleiche Steig wird auch angetroffen, wenn man dem Weg noch ein paar Hundert Meter folgt und links in die Latschen abzweigt.

Jägerunterstand – von hier in direkter Linie zum Waldrand in die Latschengasse

An dessen Ende erfreut zunächst der Eindruck man sehe einen Hauch von Steig durch das Schuttfeld hinauf. Leider täuscht dieser Eindruck bei der Begehung bald, es handelt sich nur um Tierpfade, die wahllos von links nach rechts und umgekehrt in der Karrinne quer führen.

Blick vom Hochstand in die Latschengasse (zunächst östlich weiterführend)

Was bleibt ist der mühsame Aufstieg über glücklicherweise meist kleinstückigen Schotter.

oberster Teil der Latschengasse ins Hochkar

Nach einer guten halben Stunde des Aufstiegs, etwa auf 1.640 m quert der einzige wirkliche Steig, ein Jagdsteig, die Karrinne. Man könnte ihn nutzen, um zum Großkar im Westen und, mit ziemlichem Höhenverlust, zum Bäralplgraben und mit weiterem Abstieg zur Angeralm zu gelangen, wobei beide Ziele nur jagdlichen Zweck zu haben scheinen und den bergsteigerischen entbehren.

auf etwa 1.640 m quert ein Jagdsteig

Ab dieser Höhe bieten die Latschenfelder an ihrem Saum eine halbwegs komfortable Aufstiegsmöglichkeit in nicht losem Schotter, sondern auf gewachsenem Boden. Das Gelände wird ab dort auch steiler und mühsam im Aufstieg.

mühsam geht es die Schuttreise hinauf, teilweise am Saum der Latschenfelder etwas komfortabler

Angesteuert wird ein recht ausgeprägtes Tal – die Bezeichnung Mulde wäre untertrieben – zu dem die zentralste Schuttreise emporführt.

Am Ende der lange Schuttreise zeichnet sich die Einmündung in ein seichtes und breites Felstal ab

Weit oben wurde ein Steinmandl auf dem rippenartigen Spitzansatz eines der letzten Latschenfelder gesichtet, welchem jedoch keinerlei Richtungsanzeige abzugewinnen war. Möglicherweise war dem Errichter desselben die ursprüngliche Bauweise von Steinmandln, mit dem obersten Stein die Richtung anzugeben, nicht bekannt, wie es so oft bei solchen im Karwendel beobachtet werden muß.

am Horizont oben die Karschwelle in das eigentliche Hochkar

Die Richtung tritt jedoch in dieser Höhe schon eindeutig zutage, während man noch weiter unten im Zweifel steht zu tief nach links zum Südgrat zu queren. Der Führer spricht hier nicht deutlich genug, sodaß es – bei Betrachtung der Geländeformen – zwei Möglichkeiten gibt, den Aufstieg zum Grat zu begehen.

zur Verwirrung taucht hinter Rippen ein weiteres Tal auf auf das die recht unpräzise Führerbeschreibung auch zutreffen könnte

Die untere Möglichkeit beschreibt eine markante Richtungsänderung nach links (nordwestlich), die der Führer mit keiner Erwähnung würdigt und diese Rinne hängt nach Ansicht des Verfassers nicht mit dem unteren großen Schuttfeld zusammen.

der Beschluss lautet aber weiter aufsteigen und das Tal links liegen lassen

Die obere Möglichkeit besitzt keine Richtungsänderung, sie führt in gerader Verlängerung in die Wände, wird allerdings oben nicht in der beschriebenen Weise breit sondern endet in Schrofen soweit man von unten im grellen Vormittagslicht in den wenig strukturierten Talwänden erkennen kann. Und die Erwähnung „in der Mitte des Kars“ stimmt nicht, denn das Hochkar beginnt mit seiner Karschwelle erst weiter oben.

über den rechten (nordöstlichen) Seitenwall des Wasserlaufes auf festem Boden zum Felseinstieg

Der Verfasser wählte die obere Möglichkeit (~2.000 m), da sie subjektiv besser zur Führerbeschreibung zu passen schien. Später, bei Betrachtung des Geländes oben am Grat, könnte man sich die untere Möglichkeit mit einem verlängerten Graterlebnis gut vorstellen. Vielleicht wäre sie  ein nächstes Ziel dieser eigenwillig schroffen Begehung auf die Hochkarspitze.

am Einstieg in das Felsental

Zunächst jedoch wurde die gewählte Route in Angriff genommen und am Felsansatz die großen Blöcke gequert und links des Wasserlaufs aufgestiegen. Der schlechten Felsqualität im Tal, links (südwestlich) der Wasserrinne in der Tiefe, muß so gut es geht ausgestellt werden.

im Felsental etwa am Drittel der Aufstiegslänge; Türme und feste Felsstufen inmitten des brüchigen Terrains prägen die Landschaft

Es ist dort erstaunlich welche schwierigen Bruch- und offenbar extreme Verwitterungsformen den typischerweise guten Wettersteinkalk in ein schwer begehbares Terrain verwandeln können. Alle Griffe und Tritte sind auf Verbund und Festigkeit zu prüfen und gute Felspartien erkennt man schon von weitem an großer Steilheit bis hin zur Ausbildung einer Wandstufe.

bizarr verwitternde Felsformen der älteren Lechtaldecke im Nordkarwendel

Dennoch erfreut die leichte Kletterei über die Stufen hinweg, weil sie nicht klar vorgegeben nach oben führen kann, sondern die festen Partien beinhalten muß. Und siehe da, des Verfassers Route führte im weiten Tal unweigerlich an einem Steinmandl vorbei, sodaß es schon mehrere Begehungen über die obere Varianten gegeben haben muß.

durch Zufall ein Steinmann – der Aufstieg wäre hier über eine große Breite möglich, offenbar ist die menschliche Einschätzung der Route recht ähnlich

Die bizarre Landschaft am Südgrat der Hochkarspitze tritt sagenhaft ins Blickfeld. Links und rechts brüsten sich sonderbarste Felsformen und der Verdacht liegt dem Verfasser nahe, daß dies in Zusammenhang mit dem fortgeschrittenen Alter der Lechtaldecke zusammenhängt, betrachtet man die Inntaldeckenformen im Süden.

Rückblick auf den Einstieg und die lange Schuttzunge bis zu den Latschenfeldern hinab

Eine gute Dreiviertelstunde nahm der Aufstieg über die zerrüttete Südwestflanke im Tal auf den Südgrat in Anspruch und die Felsqualität nahm bis oben hin kaum eine Verbesserung.
Dafür trat der erste Gratturm mit fester, bleckender Senkrechtfront in gewaltiger Weise in Erscheinung. Er wird rechts (ostseitig) auf einem schmalem Schuttschartl zwischen ihm und einem kleinen Türmchen umgangen.

eine gewaltige Kulisse in den Osten tut sich auf

Am Grat der nächste Steinmann. Dort wo man ihn kaum braucht, weil die Aufstiegsrichtung alles andere als unklar ist. Leider wird das Setzen der Marken heute nicht so betrieben wie einst die Konvention vorsah – Meilensteine werden markiert, nicht aber die viel wichtigeren Richtungsweisungen mit dem obersten Stein.

der Grat in greifbarer Nähe

In diesem Fall war jedoch war die Steigrichtung durch den Grat klar vorgegeben und an diesem Punkt bedarf die Orientierung keiner Hilfe.

Aufstieg zur Hochkarspitze durch das schattige Schärtchen hinauf zu den gelblichen Felsen

Durch das Schartl zwischen dem Gratturm und dem stark verwitterten Zahn mit ein wenig Höhenverlust jenseits gelangt man auf die steile, jedoch leicht begehbare Ostflanke des Grates, die unter Einsatz der Hände leicht bis zu den obersten gelblichen Grattürmen, um dort die Seite nach Westen zu wechseln. Der Aufstieg dorthin ist von großer Brüchigkeit geprägt.

Ostflanke am Grat zur Hochkarspitze

Unterhalb einer Art Höhle in Material starker Verwitterung wird der Grat gequert, wobei zur lehmigen Schuttzunge abgestiegen und jenseits über ein paar Blöcke auf die nächste erdige Zunge aufgestiegen wird.

bizarre Verwitterungsformen mit Höhle – sie werden unterhalb gequert

Gleich tritt dort die weitere Route ins Blickfeld – links um den hohen Grataufschwung herum auf einen nächsten Turm zu.

Aufstieg über Blöcke jenseitig

Hinter diesem, die brüchige Westflanke hinauf, wird die Grathöhe wieder erreicht, auf der ein paar Minuten in wieder recht festem Fels aufgestiegen wird und dabei eine fast senkrechte Partie (die möglicherweise unten umgangen werden könnte, der Verfasser hat es nicht versucht) in gutgriffigem festen Fels gemeistert werden muß, von der man oben den vermeintlich weiteren Weg über eine sehr steile Verschneidung zu sehen glaubt.

der Turm bildet den nächsten Ansteuerpunkt

Ein leicht zu begehendes Gratstück leitet über eine breite Scharte zur verwegenen Verschneidung, die nur auf der Oberkante einer Schuppe erreicht werden kann.

Aufstieg steil und brüchig hinter dem Turm

Spätestens auf der Schuppe, mit Blick in die verwegene Verschneidung müßte klar sein, daß diese Variante den Grat weiter zu verfolgen die falsche ist. Nicht so der Verfasser, der glaubte sich durch die Verschneidung nach oben zwängen zu können und dabei einen seriösen Moment erlebte, als der Griff – eine abgeschliffene knollig griffige Warze am sonst eher glatten Fels zur Rechten – plötzlich an einem nicht sichtbaren Haarriss abscherte und der fehlende Halt, verstärkt mit ein paar Kilo Gestein vor der Brust, fast den Absturz über die Felsschuppe bedeutet hätte.

senkrechte Passage (wäre möglicherweise unten zu umgehen, jedoch genussvoll zu klettern

Diese Begebenheit ließ das logische Denken wieder erwachen und angesichts des Anblicks auf die verwegene Verschneidung musste innerlich der Kopf geschüttelt werden, wie man sich doch in eine Idee verrennen kann, die augenscheinlich nicht mit den Schwierigkeitsbeschreibungen des AV-Führers übereinstimmen kann. Wie aber geht es weiter?

oberhalb der Senkrechten Gratpassage – Blick zu einer Felsmauer mit vermuteter Durchstiegsmöglichkeit über eine Verschneidung rechts auf die grasbesetzten Schrofen

Nachdem die Mauer den direkten Weg verstellt und die Verschneidung zur rechts darüber befindlichen begrünten Fläche, von der aus ein Aufstieg in Gratnähe möglich erschien, ohne Sicherung nicht möglich war, mußte der Verfasser wohl oder übel von der breiten Scharte westseitig die Schuttreise absteigen, um hinter die Mauer zu gelangen.

Schlussendlich Abstieg aus der Scharte über die Schuttreise

Hier wäre ein Steinmann hilfreich gewesen, fehlte aber und möglicherweise begann der „Fehler“ schon mit dem fast senkrechten Aufstieg am Grat, der vielleicht unten umgangen hätte werden können.

Riss für den Wiederaufstieg zum Grat

Als Ergebnis eines schätzungsweise 30 Hm tiefen Abstiegs zum Ende der Felsmauer erblickt der Bezwinger der Hochkarspitze einen mittelbreiten Riss, der sofort als eine Wiederaufstiegsmöglichkeit wahrgenommen wird, um weiterem Höhenverlust zu entkommen. Dieser Riss führt um die Rippe herum auch wieder zurück in leicht begehbares begrüntes Schrofengelände und hinauf zur Grathöhe.

Riss im Rückblick

Im Verlauf zum Gipfel muß die Grathöhe jedoch wieder verlassen werden, um eine weitere breite Rippe zu queren und über dieses Gelände leitet einzig die individuelle Intuition, wobei die Querung nicht überall angenehm ist, weil steil und teilweise brüchig.

imposante Gratstelle kurz vor dem Gipfel; hier setzt die Rinne für den Abstieg ins Großkar an

Im obersten Teil, recht nahe und teilweise auf der Grathöhe, findet sich wieder fester Fels, speziell um einen letzten Buckel herum auf dem sich der letzte Steinmann vor dem Gipfel der Hochkarspitze befindet.

letzter Gratkopf vor der Hochkarspitze; er wird über das von rechts unten aufsteigende Band umgangen

Am Gipfel selbst wurde der geodätische Gipfelpunkt auf dem nördlichen der beiden plateauartigen Kuppen errichtet, der über eine letzte schärfere, jedoch leicht zu überquerende Scharte auf der Gratschneide erreicht wird.

letzter Steinmann vor dem Gipfel der Hochkarspitze

Für den Aufstieg auf der Westflanke ab dem Riss nach dem kurzen Abstieg rechne man eine gute Viertelstunde bis zur Hochkarspitze. Der gesamte Aufstieg vom Verlassen des Weges im Karwendeltal bis zum Gipfel hat der Verfasser dreidreiviertel Stunden benötigt.

nördlicher der beiden Gipfel der Hochkarspitze im Blick

Eine fast völlig verwitterte Holzstange im Plastikrohr, das möglicherweise von einer früheren Vermessung stammt, eingebettet in einer Steinpyramide stellt die karge Zier der Hochkarspitze dar. Die beiden Nägel an der Stange könnten von einem ehemaligen Querbalken stammen, womit sich ein primitives Gipfelkreuz erklären ließe.

Gipfelzier Hochkarspitze mit der Soierngruppe im Norden

Touristisch weit weniger interessant als der westliche benachbarte Hohe Wörner wird sich an der Zier der Hochkarspitze wahrscheinlich auch zukünftig nicht viel tun.

gewaltiger Blick auf den Hohen Wörner

Dennoch kann die Hochkarspitze mit Ihrer Höhe und Aussicht punkten, ist sie doch im westlichen Teil der Nördlichen Karwendelkette bis zum Bäralplsattel die höchste Erhebung, ein paar Meter über den Wörner hinaus und war deshalb möglicherweise für die Triangulierung interessant.

epischer Blick auf das hintere Karwendeltal mit vielen wichtigen Gipfeln im östlichen Karwendel

Der Blick gen Osten erscheint mit dem völligen Überblick über das Karwendeltal und darüber hinaus wahrlich phänomenal. Er bietet eine Übersicht über viele der höchsten Gipfel im Ostteil des Karwendels, zwischen Östlicher Karwendelspitze und der Grabenkarspitze auf den Laliderer Falken und im Nordosten auf das Rofangebirge und die 35 km entfernte Guffertspitze.

im Vordergrund in Bildmitte die Raffelspitze

Der Hochkarspitze gegenüber erhebt sich tiefer unten, mit ansprechender Felsgestalt, die Raffelspitze, die Kollege Jürgen mit Cousine Nelli begangen und als interessante Besteigung ausführlich beschrieben hat. Mächtig und schwierig der Grat von der Raffelspitze auf die Hochkarspitze, ein hehres Ziel in einem anderen Jahr.

im Tal gegenüber das lange und einsame Neunerkar mit der Pyramide der Großen Seekarspitze

Südöstlich gegenüber bietet sich noch ein wunderbarer Blick in das lange Neunerkar, das mit der Großen Seekarspitze eine der schönsten Frühjahrs-Schitouren im Karwendel darstellt und auch den Abstieg der Karwendelreibn bildet.

Abstieg über die Schuttrinne direkt auf den Rasenbuckel hinab

Nicht minder beeindruckend, aber schwieriger als der Ostgrat von der Hochkarspitze, ist die Ansicht des Westgrates zum Hohen Wörner und den weiteren Gratverlauf auf die Tiefkarspitze.

am Rasenbuckel, rechts geht es wieder zurück in die Felsen

Abwechslungsreich wird die Tour auf die Hochkarspitze durch die Wahl des leichten Abstiegs in das Großkar, das auch den Aufstieg zum Wörner darstellt.
Zunächst nimmt man dazu die Aufstiegsroute, um den Kopf mit dem letzten Steinmann herum bis zu einer auffallenden, weiter unten mehr und mehr mit Schutt gefüllten Rinne, die direkt an der Grathöhe ansetzt.

vermeintliche Felsstufe ins Großkar hinab

Diese führt recht bequem und steil in direkter Linie auf einen breiten Rasenbuckel hinab an dessen rechter Seite wieder in felsiges Gelände geschwenkt wird und der sichtbare Steig aus dem Großkar herauf anvisiert wird.

Rückblick auf den unteren Abstiegsteil von der Hochkarspitze ins Großkar

Die Felsstufe, von der man bei Betrachtung von oben Schwierigkeiten annimmt, stellt keine solche dar, allein der Winkel täuscht hier Kletterei vor.
Nach dieser Passage kann direkt im Schutt ins dolinengeprägte narbengesichtig anmutende Großkar abgefahren werden und zwar je eher desto länger und somit bestmöglich knieschonend.

riesiges Großkar, das diagonal nach unten gequert wird

Im Großkar empfiehlt sich eine Querung von Nordost nach Südwest über das gesamte Kar mit seiner mächtigen Höhenstufe. Der Steig vom Großkar ist im Beitrag über den Hohen Wörner (siehe Link oben) auf diesem Blog detailliert beschrieben und entfällt in diesem Beitrag.

Rückblick auf den Abstieg – leicht links der Bildmitte verlässt man in der Falllinie den Grat

Das Radl wird unten im Tal wieder erreicht und somit schließt sich die Runde, ohne Rückweg wieder tiefer ins Tal hinein.

Ankunftspunkt am Grat im Rückblick; an der Flachstelle rechts der beiden Türm im rechten Bilddrittel wird die Grathöhe erreicht

Zur schnelleren Besteigung des Gipfel könnte man aber auch das Radldepot am Ausgangspunkt weiter im Tal legen, am Jägerunterstand, womit etwa eine gute Viertelstunde bis zum Gipfel gespart werden kann (sollte der Wetterbericht des Sommers frühe Gewitter ankündigen), die aber nach dem Abstieg wieder investiert werden muß.

zerklüfteter unterer Teil des Südgrates der Hochkarspitze

Die Hochkarspitze vom Hochkar – eine einsame Runde in seltenst begangenem Gebiet im Karwendel erforderte einen Zeitbedarf von 8:15 ab und nach dem Parkplatz in Scharnitz.

Silberdistelpracht im Großkar; dort überlebten sie in sehr geschützter Lage

Die Radlstrecke findet sich beim o. g. Bericht vom Hohen Wörner beschrieben. Der gesamte Aufstieg beträgt 1.650 m, die Strecke ohne Radl beträgt mit allen Pausen etwa sechseinviertel Stunden.

Mils, 02.10.2021

Hoher Wörner, 2. 476 m – über Großkar

Der imposante Gipfel des Hohen Wörner – oder nur Wörner, wie er auch bezeichnet wird – wird meist von der bayerischen Seite aus am Normalweg in Angriff genommen – eine alternative, einsame Möglichkeit in beeindruckender Landschaft führt jedoch auch über das gewaltige Großkar und die Südflanke zum Gipfel. Der Anmarsch zum Aufstieg aus dem Karwendeltal ist mit 8,5 km ab Scharnitz lang und hierzu empfiehlt sich das Radl.

Hoher Wörner nach Umgehung des Gratkopfes wieder auf der Grathöhe angekommen

Am Schotterweg ins Karwendeltal werden die ersten 240 Hm zurückgelegt mit dem Großteil von 160 Hm über 1,5 km gleich zu Beginn ab Scharnitz. Nach dem Hochpunkt (~1.130 m) unterhalb der glatten Felsen von Brunnensteinkopf  fällt der Weg auf etwa 2 km um 30 Hm ab, bevor er dann recht gleichmäßig steigend über etwa 4,5 km zum Großen Schafstallboden führt, wo die Bergtour beginnt.

Start in Scharnitz – das Radl leistet hin und wieder gute Dienste

Das Großkar empfängt dessen Bezwinger vom Karwendeltal aus gesehen mit einer wuchtigen Talstufe hinauf zur Karschwelle die, schrofendurchzogen abweisend, das nicht einsehbare Obere Großkar birgt. Ein gewaltiger Blick auf das wahrscheinlich größte Kar im Karwendel. Sichtbar vom Talgrund aus ist dafür jedoch das Ziel, der Hohe Wörner, dessen Sichtlinie mittig über das Untere Großkar angepeilt wird.

Blick ins Großkar mit Wörner (letzter der Gipfel von links)

Das Radl kann bequem nördlich der Jagdhütte im Wald nach der Rechtskurve des Forstwegs verstaut werden und etwa 100 m entlang des Zaunes gelangt man zu einem schmalen Gatterchen, hinter dem der gut ausgeholzte Steig ins Untere Großkar beginnt.

Larchetkar mit Pleisenspitze im Süden

Nach wenigen Minuten auf Wiesenboden beginnt die Karwaldreise, die vom Steig in großzügigen, eher flach angelegten Serpentinen durchschnitten wird. Verwunderlich dort sind die großen Steinbrocken, deren Lageort man sich zunächst nicht erklären kann, denn das Untere Großkar ist so breit, daß von den Flanken kein junger Bruch bis mittig in das Kar transportiert werden kann. Höchstwahrscheinlich stammen die Brocken von Lawinentransporten winterlicher Abbrüche von weiter oben, oder derselben von den Karflanken.
Schön zu sehen sind die Lagen von alpinem Muschelkalk der Flanken gegen die Schmalstelle im Unteren Großkar hin.

in der unteren Karwaldreise

Nach guten 20 Minuten wendet sich der Steig von Serpentinen hin gegen Westen in den Wald oberhalb der Karflanken. Im Wald führt der Steig dann wieder in Serpentinen steil hinauf unterhalb der nächsten Geländestufe. Teilweise ist die Ausprägung der Steigspuren schwach, sodaß vorausgeblickt werden muß, um nicht davon abzukommen.

Steig aus der Reise gegen Westen in den Wald

Noch weit unterhalb des Felsansatzes der Südostrippe der Schönbergspitze teilt sich der dort nicht ganz klare Steig in den Anstieg linkerhand in das Tiefkar und rechter Hand ins Obere Großkar. Die abgehenden Steigspuren ins Tiefkar sing gut zu erkennen, jene ins Obere Großkar weniger gut, weil von einem Hangbruch durchzogen.
Von dort genießt man einen wunderbaren Ausblick in das hintere Karwendeltal und weit über den Hochalmsattel hinaus bis auf die imposante Pyramide des Steinfalk in 13 km Entfernung.

phantastischer Blick in das Karwendeltal nach Osten

Mit wenig Höhengewinn bzw. –verlust führt die Route durch Latschen hindurch nordöstlich in den Felsansatz der Talstufe zum Oberen Großkar. Die ersten Meter durch den Hangbruch querend sind etwas mühsam, aber nicht prekär zu begehen.

Zustieg zur Talstufe ins Obere Großkar

Durch Latschen bzw. an deren unteren Saum entlang wird nach knapp zehn Minuten die Nordwestecke der Talstufe zum Oberen Großkar auf 1.600 m erreicht. Vor dem Beginn der steilen Schrofen muß eine kleine geologische Stufe durchschritten werden, eine etwa 20 bis 30m mächtige Lage von Knollenkalken der Reifling Formation, mit ihrer charakteristischen dünnbankigen, knollig runden Ausprägung.

Knollenkalk der Reifling Formation

Man kann sie nicht übersehen, der noch sichtbare Steig führt über eine geneigte Platte entlang der Felswand hinauf.
Ab dieser Höhenstufe begegnet man nur mehr besserem – bis zum Felsansatz des Hohen Wörners –  oder schlechterem – in der Südflanke des Hohen Wörners – Wettersteinkalk.

Trio auf der Rippe zur Schrofenstufe

Nach dieser Stufe wird eine kurze Rippe erreicht, die in direkter Linie nach oben verleitet. Verleitet deshalb, denn man übersieht leicht die Richtungsänderung des Steigs nach links, nach Westen, in die Schrofenwand hinein. Möglicherweise ist das dem Verfasser nur passiert, weil er ohne sich orientieren einem Trio folgte, das die Rippe direkt erstieg und unter den Felsen antraf. Ein Phänomen, das einen am Berg oft heimsucht, die rational unbegründete Aufgabe der eigenen Zielstrebigkeit im Sinne des Wortes. Und es war falsch den Vorsteigern zu folgen, wie sich beim Aufstieg durch die Schrofen, die nicht unbedingt leicht zu begehen sind, und beim späteren Abstieg herausstellen sollte.

schrofiger Aufstieg als Abkürzung durch die Stufe

Das felsige Stück neben einem Einschnitt linkerhand könnte man aber auch als eine Art Schlüsselstelle für die Eignung in der Wörner-Südflanke sehen, es vermittelt schon den Eindruck eines leichten Klettererlebnisses, wie es oben zu bewältigen ist.

im Oberen Großkar mit Blick auf die Breitgrieskarspitze in Bildmitte

Nach dieser Stufe von etwa 100 Hm trifft man den Steig wieder womit spätestens klar wird, daß man ihn verlassen hat. Daß damit aber auch eine gute Wegstrecke abgekürzt wird und die Direttissima für den zügigen Aufstieg nicht unförderlich war realisiert man am Rückweg.

Die Karschwelle wird sichtbar

Der nächste Abschnitt führt über ein langes und mühsames Stück Karboden mit mittelsteiler Neigung, bei dem hin und wieder Steinmänner angetroffen werden, wenn es in etwa diagonal erstiegen wird. Bei der Erstbegehung fehlt dazu der Peilpunkt oben, der leider nicht ersichtlich ist. So kann es vorkommen, daß die Stufe zu direkt genommen wird und oben, an der Karschwelle, die Richtung nach Osten eingeschlagen werden muß, so die Route des Verfassers.

im Westen die Schönbergspitze

Faszinierend erscheint die für Karwendelkare enorme Breitenausdehnung des Großkars. Am Aufstieg beeindrucken immer wieder Blicke auf die umliegenden Gipfel der Nördlichen Karwendelkette, so zur Linken auf Schönberg- und Großkarspitzen, sowie zur Rechten auf die Hochkarspitze mit ihrem auffällig zackigen Südgrat.

Südliche Großkarspitze

Eine gute Stunde mag man für den Aufstieg ab den untersten Schrofen bis zur Karschwelle rechnen und eine weitere Viertelstunde für die  Querung bis zum Anstieg auf die Terrasse im Nordosten zwischen Hohem Wörner und Hochkarspitze, wenn der Aufstieg durch das Obere Großkar zu direkt erfolgt. Vom Ostteil im Oberen Großkar bis auf den leichtest zu durchsteigenden Punkt auf die Terrasse fällt eine weitere Viertelstunde an, um die Dimensionen im Großkar zu verdeutlichen.

Nördliche Großkarspitze (Bildmitte) und Hoher Wörner (rechts davon)

In der Karmulde treten wunderschöne Erscheinungen von Verkarstung und Dolinen hervor. Den Weg zum Felsansatz der Terrasse bahnt man sich mit Vorausblick und den teilweise richtig platzierten Steinmandln, zuletzt durch Schuttreisen.

Großkarscharte Bildmitte

Den Durchstieg auf die Terrasse muß man nicht an dessen schuttbeladenster Stelle durch eine kurze Rinne unternehmen, etwa 100 bis 50 m westlich vorher ergeben sich einige schöne Passagen durch den Fels.

durch die Felsstufe im rechten Bildbereich auf die Terrasse

Der undeutlich sichtbare Steig verläuft leicht steigend quer durch die Terrasse westwärts und endet an einem Riss mit deutlicher Schuppenbildung, die quer ansteigend in die Südflanke zieht. Das wäre der Normalweg, der im Bericht weiter unten als Rückweg beschritten wurde. Für den Aufstieg sollte die direkte Gratlinie erkundet werden, wozu die Schuttreise in direktem Anstieg durchschritten und oben in einen Riss eingestiegen wurde.

Blick von der Schuttterrasse nach oben; links zieht der Steig zur Felsfuge hinauf

Oberhalb des Risses folgt ein Grasband bevor sich ein weiterer Riss – ziemlich westlich versetzt etwas schmaler aber angenehm zu durchsteigen – weiter hinaufzieht und alsbald vor der Grathöhe endet.

Aufstieg oberhalb der Schuttterrasse

Im Riß befindet sich eine Art Lawinenstange, oben gekickt und etwa 2,50 m lang sowie andere kurze Holzstücke und etwas Draht, eine sonderbare Begegnung an diesem Ort knapp unterhalb des Grates, dessen Sinn nicht erklärlich ist.

Rückblick auf das Großkar mit Larchetkar- und Pleisenspitze

Am Grat besticht ein beeindruckender Blick auf den Hohen Wörner und man möchte meinen, daß eine direkte Gratüberquerung im Alleingang einfach möglich ist. Leider versperrt ein mächtiger schroffer Gratkopf diese, wie nach kurzer Strecke festgestellt werden mußte.

Riss zum Grat; unerklärliche Reste menschlicher Provenienz knapp unterhalb des Grates

Der Führer beschreibt diesen Kopf als kletterbar, in der Frontalansicht vom Grat vor der tiefen Scharte aus siegte die Vernunft die wenig strukturierte gemuldete Wand aufzusteigen, für die der große AV-Führer abseilen oder abklettern vorschlägt.

atemberaubender Anblick des Hohen Wörners vom Grat

Also mußte in die Scharte abgestiegen werden und die Schlucht noch etwa 50 Hm tiefer, um den Kopf, der übrigens schon von der Schuttterrasse aus eingesehen werden kann, am Fuße zu umgehen. Die Schlucht läuft in die schrofige Flanke weitgehend seichter werdend aus welches die Umgehung über einen kurzen Aufstieg auf die westliche Schluchtbegrenzung ermöglicht. Dahinter kann wieder über Schrofengelände auf den Grat zurückgekehrt und die Gegenseite des Kopfes bestaunt werden, die kaum mehr den Eindruck einer mäßig schwierigen bis schwierigen Ersteigung vermittelt, wenn man sich nicht mit ihr beschäftigt.

letzte Scharte vor dem Hohen Wörner; gegenüber die Soiernspitze

Es folgt ein Gratstück mit zwei hintereinanderliegenden Köpfen die in leichter Kletterei überstiegen werden. Jenseits davon führt ein schärferes Gratstück in eine etwas tiefere Scharte hinab, bevor der Gipfelaufbau, das letzte Gratstück, angenehm angegangen werden kann. Die Scharte läßt einen Blick auf die dunkle schauerlich anmutende Nordwand zu.

phantastischer Rückblick auf den Grat zwischen Hochkarspitze und Hohem Wörner

Am letzten Gratstück warten keine Überraschungen mehr, am Aufstieg schweift man immer wieder ab mit beeindruckenden Blicken auf die bizarr gezackte Nordrippe des Hohen Wörners vom Wörnersattel herauf und auf das Vorland der Nördlichen Karwendelkette.
Nach einer letzten seichten Scharte führt ein Band leicht nordseitig zum Gipfel.

am Grat zum Hohen Wörner

Wie gerufen fiel die Ankunft am Gipfel aus, die Massen an Bergsteigern, die den Normalweg aus dem Norden genommen haben waren verschwunden und bis zum nächsten Ansturm konnten ein paar Eindrücke vom Ausblick genommen werden.

über ein undeutliches Band nordseitig zum Gipfel des Hohen Wörners

Im Westen, am Ende des berühmten Grates in der Kette anschließend, befindet sich die Tiefkarspitze, eine sehr interessante Tour über den Nordwestgrat, die in einer schönen Runde begangen werden kann.

Hoher Wörner, 2.476 m

Links hinter ihr der westlichste Gipfel der Nördlichen Karwendelkette, die Brunnenstein- und gleich danach die Rotwandlspitze in 6 km Entfernung, sowie rechts neben ihr die bekannten und – durch die leichte Erreichbarkeit mit der Karwendelseilbahn von Mittenwald – überlaufenen Nördliche Linder- und  Westliche Karwendelspitze in 4 km Entfernung.

mittig im Bild die Tiefkarspitze, links davon Brunnenstein- und Rotwandlspitze, rechts Nördliche Linder- und Westliche Karwendelspitze

Fern im Westen das Wettersteingebirge mit einem beeindruckenden Blick auf das Leutascher Platt, mit der sagenhaft schönen Überschreitung der Dreitorspitzen und noch weiter rechts der Zugspitze in knapp 27 km Entfernung.

Wettersteingebirge mit Leutascher Platt links und Zugspitze mit -platt rechts

Gen Osten können die wichtigen Gipfel der Kette, Hochkarspitze, Schlichten- und Vogelkarkarspitze,  die Östliche Karwendelspitze, sowie als östlichste Erhebung, die Grabenkarspitze eingesehen werden und kurz vor dem Grat zur Hochkarspitze taucht wieder der Steinfalk und das in 20 km Entfernung liegende Sonnjoch auf.

Ansicht der Nördlichen Karwendelkette gegen Osten mit dem links abklingenden Vorgebirge und rechts der gewaltigen Karwendelhauptkette

Rechts der Hochkarspitze findet sich als entfernteste Erhebung im Karwendel der Hochnissl in 23 km Entfernung, wiewohl der Hohe Wörner überhaupt einen erstklassigen Standpunkt für die Sicht auf die Hinterautal-Vomper-Kette darstellt.

gewaltige Karwendelhauptkette mit den Pyramiden der Seekarspitzen leicht rechts der Bildmitte

Von dort können vor allem die Gipfel der Hinterautal-Kette wunderbar betrachtet werden, beginnend mit der frontal im Süden gegenüberliegenden Pleisen- und Larchetkarspitze, über die Seekarspitzen bis hin zur Birkkarspitze.

Seefelder Kette mit den Stubaiern im fernen Hintergrund

An diesem herrlichen Tag reichte der Blick über die hauptdolomitisch gebaute Seefelder Gruppe mit den schönen Zielen Kuhljochspitze und Erlspitze hinaus bis in die Stubaier Alpen mit dem Wilden Freiger hoch über dem Erlsattel und dem Zuckerhütl leicht rechts davon in 55 km Entfernung.

Rückblick am Abstieg vom Hohen Wörner in dessen steile Südostflanke

Der Abstieg vom Hohen Wörner wurde über die breite schrofendurchsetzte Südostflanke unternommen, die nicht schwierig, aber sehr steil in eine Flachstelle von der oben beschriebenen Scharte hinab leitet. Der Abstieg dorthin dauert eine Weile, um die beste Route zu finden.
Man tut gut daran vom Gipfel aus die Flanke mit der anschließenden tektonischen Fuge zu studieren, um mit Vorteil ihn unten dann auch sofort zu erkennen und weiter zu begehen, bis hinab auf die Schotterterrasse.

Blick auf die tektonische Fuge in der Tiefe der Südflanke mit Fortsetzung in der Aufstiegsrippe der Hochkarspitze

Wer im Abstieg genau hinschaut erkennt die Fortführung der Fuge weit über die Südflanke des Hohen Wörners hinaus, abtauchend im Großkar, bis hin zur Aufstiegsrippe der Hochkarspitze, die von der Fuge schleifend durchschnitten wird (eine Ausprägung der Karwendelschuppenzone, gar die Fuge zur homogenen Inntaldecke oder ohne Bewandtnis?).

in der Gesteinsfuge kurz vor der Schuttterrasse

Über einige Rippen hinweg, im Schutze der, talseitig mit beeindruckend steilem, teilweise  unbegehbarem Schrofengelände, mittelbreiten Fuge wird die Schuttreise der Terrasse wieder erreicht. Der weitere Abstieg erfolgt bis zur steilen Talstufe wie der Aufstieg.

Rückblick auf den Hohen Wörner (Gipfel links der Bildmitte, links der Scharte)

Bevor der felsdurchzogene Aufstieg auch für den Abstieg genutzt wird kann, aus purer Neugier, dem Steig nach den letzten Latschen gefolgt werden.

Rückblick am Ende der Terrasse auf den Abstieg; links der Bildmitte die Fuge, rechts der zu umgehende Turm

Nicht zu weit, eine Abgrenzung aus größeren Steinen und verdorrten Latschen  warnt nach wenigen Minuten vor dem weiterführenden Steig, der den Hang durchquert.

am Abstieg vom Normalweg, Blickrichtung auf die Rippe zur Felsstufe

Dort wird in Abstiegsrichtung links hinab geleitet auf mehreren parallel verlaufenden Steigfragmenten, die sich unten in der Bergwiese wieder zu einem einzigen Steig formen und die Steilstufe mit einem Grasband durchschneiden, ohne daß abgeklettert werden muß.

Rückblick auf den Abstieg durch die Schrofen

Das wäre der Normalweg. Die Rippe wird erreicht, die beim Aufstieg unter den Schrofen endet.

alpiner Muschelkalk zu beiden Flanken zum Unteren Großkar

Anstelle des Normalweges zurück kann über die Geröllreise im Unteren Großkar abgestiegen werden. Leider erlauben bald nach dem Beginn der Reise weder Hangneigung noch die Stückigkeit des Gerölls eine Abfahrt – der Abstieg muß Großteils im Gehen erledigt werden.

Quelle über die Felsen des alpinen Muschelkalks herab (orographisch rechts im Unteren Großkar)

Die ausgedehnte Bergtour endet mit der Ausfahrt aus dem Karwendeltal mit dem Radl. An Zeitbedarf rechne man acht Stunden, incl. einer Gipfelpause von 45 Minuten (ohne Gratbegehung sollte man jedenfalls mit acht Stunden auskommen und schnelle Radler benötigen ohnehin weniger Zeit für beide Strecken). Der Höhenunterschied beträgt 1.596 m bzw. mit Gegenanstieg bei der Ausfahrt  1.630 m, die Radlstrecke 2 x 8,5 km.

Mils, 25.09.2021

Turmfalk, 2.200 m – Überschreitung zum Totenfalk, 2.130 m

Kaum mit ausführlicher Beschreibung in der Literatur zu finden sind Turmfalk und Totenfalk im östlichen Schenkel des wildromantischen U-förmigen Falkenkars. Diese beiden Falken stellen das nicht so lange und bergsteigerisch erbauende Gegenstück der Überschreitung vom Kleinen Falk auf den Risser Falk dar, sollen aber vom begeisterten Entdecker der Gipfel der Falkengruppe nicht unberührt bleiben. Das Abenteuer ist kurz und aufgrund der Brüchigkeit am scharfen Grat im ersten Teil durchaus anspruchsvoll.

Blick vom Turmfalk zum Totenfalk

Wer dem Zauber der freistehenden Falkengruppe bereits erlegen ist kommt nicht umhin sich mit einer Begehung aller sechs Gipfel zu befassen, möglicherweise auch einer Überschreitung  der gesamten Falkengruppe, unter Auslassung des sich nicht auf der gekrümmten Hauptkette befindlichen Steinfalk, und trifft spätestens mit diesen Gedanken auf diese beiden kleinen Gipfel, die deutlich im Schatten des mächtigen Laliderer Falk stehen, nach dessen Ersteigung man sie im Abstieg auch „mitnehmen“ kann. Vom Tal aus bestiegen bildet das archaische Falkenkar den einzigen Ausgangspunkt dieser Bergfahrt.

Totenfalk, Laliderer Falk und Risser Falk rechts am Weg ins Falkenkar

Vom Parkplatz P4 im Risstal wird das Falkenkar angesteuert. Eine Beschreibung mit mehr Bilder zum Zugang zum Einstieg ins Falkenkar findet sich im Bericht  vom Risser Falk, jedoch ist zu beachten, daß der Aufstieg vom unteren Karboden (dort endet die gute Fahrstraße) im Aufstiegssinn links vom Falkenbach, direkt am Ufer erfolgt, nicht rechts davon wo sich der Jagerstand befindet. Der Wasserfall (links im Aufstiegssinn) wird direkt angesteuert und rechts davon beginnt das wilde Steiglein zunächst über ein breites Band inmitten der senkrechten Felsen zur oberen Talstufe.

Wasserfall über die beiden Talstufen des Falkenkars

Des Morgens bietet der Steig ähnliche Verhältnisse wir nach Regen am Vortag – er ist teilweise sehr rutschig, was man im Abstieg nicht unterschätzen sollte, ist man der Meinung daß dieser so rasch wie gewohnt erfolgt. Das Nordkar trocknet nie richtig aus.

Einstiegpunkt in die Westflanke des Totenfalk

Nach dem dichten Latschengürtel – Baumbewuchs ist im Falkenkar weniger vorhanden – lichtet sich der Bewuchs allmählich auf etwa 1.600 m und weitere knapp 200 m sind bis zum Einstieg in die Westflanke von Totenfalk und Turmfalk zu bewältigen. Vom Wasserfall aus beträgt die Strecke bis zur Abzweigung vom oberen Karboden bis in die Westflanke (lt. TIRIS auf 1.780 m) eine gute Stunde.

Rückblick ins Falkenkar am Ende der Steigspuren

Die Steigspuren verlieren sich nach wenigen Minuten des Aufstiegs (in Gegenrichtung der bisherigen Richtung) an den felsendurchzogenen Schrofen der Westflanke des Totenfalks. An die Stelle von Steigspuren treten kleine Steinmänner, die nach einer Latschengruppe, deren Wurzeln man noch den Steig ansieht in direkter Linie durch die Westflanke führen.

durch die felsige Rinne zum oben wieder sichtbaren Steig

Nach kurzer Zeit im Schrofengelände wird eine felsig schuttige Wasserrinne erreicht, die vom Totenfalk herunterzieht. Dieser folgt man mit Stecken weiter solange sie noch nicht felsig ist und später in leichter Kletterei unter teilweisem Einsatz der Hände.

wieder am Steig

Am oberen Ende der Rinne befindet sich ein Schuttrichter mit deutlicher Ausprägung des nach rechts oben führenden Steigs. Geradeaus, in direktem Anstieg weiter, führt eine wenig erstrebenswert begehbare Rinne hinauf zum Totenfalk.

Westflanke zum Totenfalk – links von Simon mündet die Westflanke im Abstieg ein

Nun ist die Route bis hinauf zur großzügigen Scharte zwischen Turmfalk und Laliderer Falk sichtbar vorgegeben und es bedarf hier keiner weiteren Detailerklärung (Siehe auch Bild im Bericht Laliderer Falk).

steiles Falkenkar, grüne Rinn Scharte und Risser Falk

Kurz vor der Scharte mit dem nachfolgenden breiten und ebenförmigen Nordostrücken des Laliderer Falk zweigt man links in der schuttgefüllten Rinne zum Nordaufstieg des Turmfalken ab. Eine runde Scharte zwischen Turmfalk und einem Vorkopf  am Nordgrat bildet den Ausgangspunkt des Aufstiegs.

Abzweig links hinauf zur Grathöhe zum Turmfalk

Aus dieser Scharte kann der Aufstieg über die jenseitige Bergflanke bis zum Grat eingesehen werden. Sie ist im AV-Führer als Rinne bezeichnet, in Wahrheit jedoch handelt es sich um eine schmale Flanke mit jenseitiger Gratrippe, da sie in keiner Weise rinnenartig ausgemuldet Schutt transportiert noch einen sie formenden klassischen Wasserlauf darstellt.

Aufstieg jenseits des Nordgrates in der Nordostflanke, leichtes Gelände

Der Aufstieg ist unter Bedacht auf lose Trittpartien leicht, steil und erfordert den Einsatz der Hände. Die Stöcke haben wir deshalb bereits an der Abzweigung vom Steig zum Laliderer Falk verräumt. Oben wird der direkte Grat betreten.

Anstieg auf die Grathöhe am Nordgrat zum Turmfalk

Am Grat bietet sich ein guter Blick auf den nahegelegenen Steinmann des Gipfels am Turmfalk und rückwärts auf des Laliderer Falken Nordostflanke. Wenige Dutzend Meter leiten über den mittelbreiten geschwungenen Grat zum Gipfel.

Auf Grathöhe zum Turmfalk Richtung Norden

Die Aussicht am Turmfalk auf das umgebende Karwendel bietet keine bessere als jene vom Laliderer Falk, sie gibt jedoch einen Eindruck des Höhenverhältnisses auf die Gipfel in der Hauptkette der Falken.

Turmfalk, 2.200 m, im Hintergrund von Simon Laliderer und Risser Falk

Der Laliderer Falk in 700m Entfernung überragt den Turmfalk um 227 m, der Risser Falk in 1.380 m Entfernung um 215 m und der Kleine Falk in 1.420 m Entfernung unterragt ihn um 10 m. Schließlich beträgt die Entfernung zum Totenfalk 300 m und die Höhendifferenz -70 m, welche ein Grund wäre die Überschreitung besser in die Gegenrichtung zu unternehmen.

Simon beim „recognosciren“ der Überschreitung, im Hintergrund Hinterriss

Fasst man letztere Gegebenheit ins Auge muß man allerdings auch gewahr sein, daß man einen Zickzack Kurs auf die Falken unternimmt, es sei denn man unternimmt den Aufstieg in der Westflanke (unseren Abstieg) anstelle des bestehenden Alternativzustiegs (siehe dazu Foto der  Routen).

Überschreitung zum Totenfalk – erster Abstieg über losen Schutt mit großer Vorsicht

Der Abstieg vom Turmfalk und der folgende Übergang zum grasigen Vorkopf des Totenfalk stellen das Herzstück der Überschreitung dar. Sie sind durch zwei schwierige Passagen geprägt, von denen wir eine ausgeschlagen haben.

vorgelagerter Gratkopf mit Schlüsselstelle

Er erfolgt zunächst durch Schutt mit Bedacht auf einen kleinen Vorkopf hinter dem sich nach wenigen Metern eine schwierige Stelle verbirgt, die durch einen Haken und ein kurzes Stück Reepschnur mit Schlaufen entschärft wurde.

Schlüsselstelle – entschärft durch Reepschnur über ca. 2 m senkrechtem Abbruch

Im Prinzip wäre der Fels an dieser Stelle gut, um rein mit Tritten und festen Griffen abzusteigen. Die Hilfe durch die Reepschnur allerdings lässt diese normale Abstiegsart nicht ganz zu und so glaubten auch wir die Hilfe annehmen zu müssen. Von unten betrachtet, mit allen von oben der Sicht beraubten Tritten, sieht die Situation dann anders aus.

Schlüsselstell von unten, Tritte im Abstieg kaum sichtbar, jedoch recht fester Fels

Der restliche Abstieg in die nächste Scharte erfolgt in klettertechnisch leichtem Gelände, jedoch anfänglich auf schmalem Grat und unter beträchtlicher Brüchigkeit, deren Kombination die volle Konzentration erfordert.

weiterer Abstieg unterhalb, leichtes Gelände aber wieder jeder Griff auf Halt zu prüfen

Simons Trinkflasche rutschte im Abstieg, nahe der unten liegenden Scharte, aus der Seitentasche und polterte etwa 50 Hm falkenkarseitig hinab, wo sie sich zufällig verfing, er sie von oben erspähte und Willens war sie zu bergen.

Rückblick aus der Scharte auf den Abstieg vom Turmfalk

Der Punkt an dem sie lag befand sich nahe am alternativen Zustieg zum Totenfalk, sozusagen nahe am Normalweg. Wir hatten vereinbart, daß ich mir bis zu seiner Rückkehr zwischenzeitlich den weiteren Grat ansehen werde und dies über eine wackelige Zinnenburg von Gratmauer aus auf die nachfolgende Scharte unternahm.

weitere Aussichten am Grat, die Brüchigkeit rät zur Umgehung – im Hintergrund der zahme Gipfel des Totenfalk

Einige Schritte darüber hinaus konnte ein nächster kleiner und recht schmaler Felskopf mit einer Unmenge an Schutt auf seiner diesseitigen Flanke festgestellt werden, der die Lust auf die weitere Gratkletterei jäh schwinden ließ. Nicht einmal bis über das Köpfchen wollte das Bauchgefühl den alten Mann mehr führen, nein es entschied bei dessen Anblick den Rückzug. Schnell war dem erstaunten Simon zugerufen, daß er den Aufstieg nicht mehr zu unternehmen brauche, die Passage erschien nicht sicher kletterbar.

Umgehung 30 – 40 m unterhalb des Grates auf dem Normalweg

Im Abstieg zum Kameraden keimte sofort der Gedanke auf, daß die Begebenheit mit der Flasche eventuell keine zufällige sein mochte. Die Betrachtung der Gegenseite des Grates würde gleich zutage fördern, ob die Einschätzung des Gratabbruchs und die entschiedene Umgehung richtig war oder nicht.

Rückblick auf die schmale Gratschneide im unteren Teil der Überschreitung

Wir umgingen den mit ca. 30 bis 40 Hm geschätzten Gratabbruch auf dem Steig und drehten vor dem Graskopf, nach der ersten scharfen Gratschneide die der Führer bei der Begehung in die Gegenrichtung als „Umgehung auf einem Gamswechsel“ beschreibt, um, wobei uns ein sehr steiler und schneidig scharfer Grat entgegenblickte.

Totenfalk vom Graskopf aus betrachtet

Mit diesem Anblick waren wir einverstanden, bzw. mit der Entscheidung des Abbruchs der Kletterei am oberen schmalen Kopf. Zu beiden Seiten kaum die Möglichkeit einem drohenden Ausbruch an der Schneide auszuweichen, eher noch ostseitig denn falkenkarseitig, generell aber im Duo ohne Seilsicherung ein unnötig großes Wagnis – wie schön wäre dieses Sägeblatt mit einer Topsicherung im Aufstieg gewesen.

Totenfalk, 2.130 m, Simon beim Studium des Gipfelbuchs; leider kein Schreibgerät vorhanden

In bestätigter Stimmung keine leichte Passage in Feigheit ausgelassen zu haben marschierten wir dem Graskopf vor dem Totenfalk zu. Nach der Passage und einer weiteren seichten Scharte führten uns etwa 30 Hm zum flachen, grasigen Gipfel des Totenfalk.

die schwer zugänglichen – Roßkopfspitz und Ruederkarspitz

Dem unspektakulären Gipfel des Totenfalk ist eine interessante Überschreitung zu dessen nördlichem Bruder vorgelagert und diese Begehung erfreut am Ende der Überschreitung mit einigen schroffen Gratzähnen in solcherart Ausprägung unerwartet.

Gamsjoch, 8 km dahinter Hochglück und rechts Turmfalk

Zunächst besteht ein steiler und wiederum sehr brüchiger Abstieg über etwa 15 Hm bevor eine enge Scharte rechts entweder über ein paar Meter auf einen glatten Felsturm hinauf, oder etwa 2m darunter eine Kante auf dessen ausgesetzte Ostflanke führt, die ohne Höhenverlust in die wenig entfernte Scharte zum durchgehenden Gipfelgrat führt.

Übergang zum nördlichen Gipfel des Totenfalk

Wir entschieden uns für letztere und querten in sehr steilem Gelände auf guten Tritten und Griffen zwischen solchen, die nur zum Schein fest ausschauten. Jede Belastung eines potentiellen Stützkörpers mag in diesem Gelände einer echten Prüfung unterzogen werden.

hoher Gratkopf im Übergang

Durch die Querung ersparten wir uns den Eckzahn, sowie den kurzen jenseitigen Abstieg sowie einen zweiten, etwas höheren Zahn und gelangten fast direkt in die letzte Scharte vor dem Beginn des Schlussteils des Verbindungsgrates, der geringfügig mehr als 100 m Länge mißt.

Schlußteil am Nordgrat

Der Grat zum Abschluß  beginnt ostseitig mit einer wackeligen Zinnenwand wie im letzten Teil des Übergangs vom Steinfalk, glücklicherweise im Gehgelände. Man möge hier vorsichtig sein, im Vorbeigehen die spitzen Plattenfische nur anzusehen.

Aufstieg über höchst wackelige Partien auf den nördlichen Gipfel des Totenfalk

In der Folge führt der Grat fast im Gehgelände ein paar Meter aufwärts zum Nordgipfel des Totenfalk, dessen Plateau ein kleiner Steinmann ziert.

Nordgipfel Totenfalk mit Blick auf Hinterriss

Der Zugewinn dieses Übergangs besteht aus einer kurzen, anregenden Kletterei des ohnehin kurzen Abenteuers über die beiden östlichen Falken, einem sagenhaften Tiefblick auf das Risstal und der Möglichkeit mit dem Abstieg durch die Westflanke eine Runde zu beschreiben, sodaß kein Weg doppelt begangen werden muß, welches letztere wir auch unternahmen, um das Abenteuer erneut zu verlängern.

atemberaubende Sicht in die Tiefe des Risstals

Nach dem Rundblick und der Erinnerung an die schönste ausgeführte Überschreitung, die vom Kleinen Falk auf den Risser Falk führt und ein paar Minuten der Verinnerlichung machten wir uns auf den Weg über Schuttreisen ein paar Dutzend Meter abzufahren bzw. an eine günstige Stelle zur Querung nach Südwesten abzusteigen und eine noch unbekannte Anzahl von Rippen zu übersteigen, um in die breite, seichte Rinne zum Steig ins Falkenkar zu gelangen.

Rückblick vom Nordgipfel des Totenfalk auf den östlichen Schenkel der Falkengruppe

An günstiger Stelle verließen wir den direkten Weg in der grasig schuttigen Flanke und querten auf ein schanzenähnliches Band, um über die Klippe (geziert auf deren Schneide durch einen weithin sichtbaren runden Block mit etwa einem Meter Durchmesser) ins nächste Flankenteil zu übersetzen. Diese Passage war die leichte.

bizarres unbekanntes Abstiegsgelände in der alten Allgäudecke

Die etwas anspruchsvollere nächste Rippe, in reinem Felsgelände, erforderte einen weiten Grätschschritt, jedoch darüber hinaus keine wesentlichen Künste. Brüchig allemal, jedoch keine echte Schwierigkeit in die nächste schmale Rinne und auf eine erneute Rippe zu gelangen.

die Bänder wie Girlanden genutzt

Dahinter öffnete sich die sehr breite Westflanke, die von der Scharte zwischen Grashöcker und Totenfalk herunterzieht. In dieser Flanke führt der steile Abstieg direkt auf den Steig zum Falkenkar.

zum Trichterkar hinab über die Westflanke ins Falkenkar

Wir stiegen über die durchgehenden Grasbüschel abwärts, passierten vor dem Steig noch die oberste Latschengruppe und gelangten bequem auf den Steig, dem man etwa 100 m rechts abwärts folgt, bevor er in die oben beschriebene Felsrinne links in direkter Linie zum unten wieder sichtbaren Steig abzweigt und von dort in mäßiger Steigung in südwestlicher Richtung ins Falkenkar leitet.

Abstiegsgelände in der Westflanke

Von unten, vom oberen Falkenkar im Nachmittagslicht betrachtet leitet ein auffälliger kleiner Sporn in die Westflanke (roter Pfeil im Bild in der Galerie). Der Gipfelbereich des Totenfalk ist wegen der durchgehenden Steilheit der Westflanke von dort aus kaum richtig sichtbar, noch weniger im Aufstieg durch dieselbe. Man präge sich daher die Route so gut wie möglich ein, da beim Aufstieg sowieso alles anders aussieht als vom Karboden.

letztlich über Bergwiesen und an Latschen vorbei zum Steig

Der Aufstieg durch die Westflanke ist lohnender, vor allem aber schneller als die Zickzackroute und dem Normalsteig von Süden nach Norden. Wir haben in der Westflanke sogar einen Steinmann entdeckt und zwischendurch könnte man Steigspuren ausmachen.

Rückblick auf die Westflanke

Abschließend erfolgte das Erlebnis Falkenkar im Abstieg. Wer mit offenen Augen durch das Karwendel zieht, der erkennt im späten Frühjahr – und der beginnende Sommer muß im abgedunkelten Nordkar noch als das solche erkannt werden – kaum Blumen. Der auch für das Tier keineswegs förderliche Weiße Germer treibt sein Unwesen teilweise mitten am Steig und wenige Blütenfarben säumen den wildromantischen Steig selbst zu Beginn des Julis.

Rast im Falkenkar – der Riss durch den Nordteil der Muldung zur Nordwand wäre auch ein Aufstiegsweg zur Scharte zwischen Turmfalk und Laliderer Falk

Erst unterhalb des Wasserfalls, am unteren Karboden decken die mächtigen Erhebungen das grüne Kar nicht mehr dauerhaft vor dem Licht ab und tut es das Falkenkar dem sonst mit mannigfaltiger Flora so üppig überzogenen Karwendel gleich und läßt einige Arten sprießen. Eine Eigenheit, die der Karwendelgeher nur vom Falkenkar kennt.

Wasserfall über die Talstufen des Falkenkars hinab

Die Reise führt über 1.300 Hm Anstieg über die Gipfel, gesamt wurden für die Besteigung der beiden einsamen Falken in Ruhe knapp 7:30 Stunden benötigt, wobei es durchaus schneller ginge.

atemberaubendes Falkenkar

Sie lohnt als Einzelbegehung selbst beider Gipfel in Überschreitung eine lange Anfahrt nicht, es sei denn man ist besessen von der spürbaren Eigenheit der Falken innerhalb des Karwendels, oder hat sein Herz an sie verloren, oder beides.

Mils, 10.07.2020

Tiefkarspitze Nordwestgrat, 2.430m

Die östliche Einfassung des Dammkars wird von dem eigenartigen Vorsprung des Predigtstuhls mit dem darüberliegenden Nordwestgrat zur Tiefkarspitze gebildet, die als mächtiger, formschöner Felsgipfel die höchste Erhebung in der Nördlichen Karwendelkette von Westen her darstellt, bis sie vom Wörner im Osten abgelöst wird.

phantastischer Ausblick auf die Dammkarumrahmung am Nordwestgrat zur Tiefkarspitze; am linken Bildrand geht es weiter

Die Tiefkarspitze sitzt auf einem massiven Fundament aus Wettersteinkalk, auf dem ein wenig mächtiger Absatz von Reichenhaller Schichten des Predigtstuhls gesetzt wurde. Über dieser thront eine mächtige Schicht senkrecht aufragenden alpinen Muschelkalks, der die Schlüsselstelle und die schönsten Kletterpassagen am anregenden Gratanstieg bietet, bevor wieder Wettersteinfels den restlichen Aufbau bildet.

Gipfelkreuz Tiefkarspitze

Das mittlere Drittel des schönen Nordwestgrates wird von brüchigem und verwittertem unteren Wettersteinkalk gebildet, der sich durch mangelnde Verbandsfestigkeit, daher hoher Brüchigkeit und durch Türmchenbildung hervorhebt. Störzonen sind häufig vorhanden. Im oberen Gipfeldrittel – es mag auch etwas weniger als ein Drittel sein – herrscht dann oberer Wettersteinkalk vor weshalb die abschließenden Passagen zum Gipfelkreuz wieder angenehmer zu klettern sind.

am Weg durch die Loach wird zwischen den Wipfeln die Tiefkarspitze sichtbar

Immer bestrebt eine schöne Runde zu gestalten, erfolgte der Abstieg über den südwestlichen Vorgipfel zum Verbindungsgrat zur Larchetfleckspitze, die südwestlich gelegen, ein leichtes Ziel von der Tiefkarspitze aus darstellt.

am „Bankerl“, etwa 300Hm unterhalb der Dammkarhütte

Der Abstieg durch den Nordhang des Verbindungsgrates ist zwar bergsteigerisch nicht schwer, hat jedoch einiges an Brüchigkeit und Steilheit in sich, das die Abstiegsgeschwindigkeit bremst, sodaß man gut daran tut ihn zeitmäßig nicht zu unterschätzen, unternimmt man die Tour an jenen zahlreichen Sommertagen, an denen es am Nachmittag gewitterig werden kann. Bei gutem Wetter und Helligkeit – wie in unserem Fall – gewinnt man dem Abstieg karwendelige Rasse ab und empfindet ihn als erregendes   Abschlusserlebnis der Überschreitung.

unterhalb der Seilbahntrasse am Steig zur Dammkarhütte

Im Nebel allerdings verfällt dieser Abstieg bei Unkenntnis der Route mit Sicherheit und unweigerlich in ernsthafte Orientierungsschwierigkeiten. Sichtbare Markierungen sind eher spärlich und immer verblichen anzutreffen, eine Sichtweite von mindestens 50 m ist zu deren Erkennung unbedingt erforderlich. Bei widrigen Bedingungen könnte dies nicht nur, sondern würde zum Versteigen führen.

der mächtige Aufbau des Predigtstuhls

Ausgangspunkt der Tour aus Süden kommend ist der kleine Parkplatz Raineck an der Ausfahrt der B2 mit der Bezeichnung Alpenkorpsstraße, vor der Unterführung zur Karwendelbahn in Mittenwald. Von dort wird auf dem Schotterweg zur Dammkarhütte angestiegen und eventuell sogar schöner, aber zu spät erkundet, über den Ochsenbodensteig. Über letzteren mit vielleicht etwa 150 m Höhenverlust, dafür aber mit atemberaubenden Blicken auf die gewaltigen Wände von Viererspitze und Kreuzwand zur Rechten. Knapp oberhalb vom „Bankerl“ treffen die beiden Anstiegsvarianten zusammen und ein gemeinsamer Anstieg führt zur Dammkarhütte.

Blick ins Vordere Dammkar

Am Anstieg bis zur Dammkarhütte folgt man zunächst dem typischen Karwendel Mischwald, mit schönen Blicken auf den vorgelagerten Rücken der Soierngruppe, den Schwarzkopf zur Linken und den mächtigen Wänden von Wettersteinkalk zur Rechten.
Nach dem Bankerl wird bald die Waldgrenze erreicht bevor die wiederum typische Karwendelvegetation aus Latschen und mittelhohen Sträuchern auch die Baumgrenze ablöst. Während des Aufstiegs dominiert linkerhand der von unten rund und mächtige Stock des Predigtstuhls die Szene.

sonniger Augustmorgen im Werdenfelser Land, dahinter das Estergebirge

Aber auch rechts des Steigs kommt man ob des westlichen Gegenstücks zum Predigtstuhl ins Staunen. Mit noch schrofferer Steilwand ragt die Viererspitze um einiges höher auf und in der Beleuchtung des Sommermorgens blenden seine hellgrau weißlichen Flanken den Eindringling in das Reich des Dammkars, das von beiden flankierenden Felsgiganten heute noch mindestens so gut geborgen wird wie einst Rhodos vom verblichenen Koloss.

rechts hinter dem schönen Christus die Reisenanstiege zum Predigtstuhl

Da Träumen am Anstieg zu einer Kletterei immer den Geist verklärt und die Sinne entschärft, muß in der schrägen Welt des dritten Jahrtausends eine ordentliche Watsche her, um den Autor aufzuwecken. Sie läßt nicht lange auf sich warten und findet vor dem verträumten Bergsteiger ihre Ausführung im schroffen Ton der Hüttenwirtin, die dem blutig unwissenden Ausländer, der von über dem Berg herkommt, erklärt, daß selbst ein Mineralwasser  ohne Maske von Amts wegen nicht verabreicht werden darf und Punkt!

Blick ins Hintere Dammkar – markant, der Übergang vom Muschelkalk zum Wettersteinkalk über den grünen Bändern

Ohne diesen Tourenbericht mit Details darüber zu belasten sei hier nur kurz erwähnt, daß selbst ohne weitere Zeugen – nicht einmal die Hauskatze war zugegen -, nach dem Fehlen einer Maske, durch empfohlenes Umbinden der Windstopperjacke um das Konterfei des Autors, dem Begehr desselben nachgekommen wurde und „a halbe Mineral“ den Behälter wechselte. Also, liebes Landratsamt, für die Hüttenwirtin der Dammkarhütte legt der Autor dieses Berichtes beide Hände ins Feuer, so wahr er ein Tiroler ist.

am unteren Steig zum Massiv des Predigtstuhls; er sollte sich als im Nichts endend erweisen

Gestärkt und ohne Stimmungsverlust einzubüßen verließ der Autor die Hütte unter Bestaunen des wunderbar geschnitzten Christus am Kreuz vor der sagenhaften Kulisse des nahen Predigtstuhls; ein Kleinod inmitten großartiger Natur – möge es allzeit gut behütet sein. Die Farbe des wettergepeitschten Holzes, von den geschundenen Armen bis zum Haupt mischt sich in die Farben des Felshintergrunds, während sich der Corpus mit warmen Holztönen vom Stein im Hintergrund abhebt. Die bärige Schnitzerei vermittelt das Leiden in einprägsamer Form.

nach etwa 16Hm in den Schuttreisen wieder festen Fels unter den Füßen

Ein weiters Mal aus tiefen Gedanken inmitten des sonderbar angenehmen Dammkars gerüttelt, galt es für den Autor zu entscheiden, ob der wenige Minuten an einer Wendung des Aufstiegs zur Bergwachthütte links abzweigende schmale Steig rascher in die Nordostecke des Kars führt, oder ob die Abzweigung erst nach weiterem Aufstieg sinnvoller wäre.

herrlicher Blick zu den Karwendelköpfen im Westen

Die Leser der Berichte des Autors kennen die Antwort: die Ungeduld des Herzens sucht stets die rascheste Möglichkeit und trotz des hohen Alters des Autors fällt er wieder einmal dem ungestümen Drang der Jugendjahre zum Opfer und entscheidet den Gipfelsturm auf schnellstem Weg.

Steig zum Predigtstuhl

Wie erwartet endet der Steig inmitten jüngst gebildeten Reisengeländes, das die Steigführung überlagert und somit verschwinden hat lassen; die fehlenden Höhenmeter müssen unter losem und unverdichtetem Schutt, nahe dem festen Wandfuß des Predigtstuhls, bis zum offiziellen Steig, der an der Bergwachthütte links abzweigt, erklommen werden.

Am Predigtstuhl, 1.921m

Über den letzten Rest an Schotterreisen auf das wunderbar feste Fundament von Wettersteinkalk im unteren Fels des Predigtstuhls hätte ein Junger beim Anblick der westlichen Gegenseite einen Jauchzer losgelassen; ein Alter tut es auch, aber im Kopf.

Mittenwald unterhalb der Wände der Viererspitze, dahinter der Waxensteinkamm und die Zugspitze im Wetterstein

Nach etwa zehn Minuten ist ein schöner Vorsprung erreicht, der – geologisch gesehen – einen wichtigen Punkt darstellt, der den Vorsprung des Wettersteinsockels mit anderer Gesteinsart überlagert, die Zwischenlage von Reichenhaller Schichten des Predigtstuhls.

Sonnenaufgang über dem Nordwestgrat zur Tiefkarspitze

Nach Heissel1 treffen sich im Geländeschnitt Dammkar – Karwendeltal alle drei das Karwendel bildende Decken. Von Norden her die älteste, die Lechtaldecke, im Dammkar eine wenig mächtige Abfolge aus Karwendelschuppenzone und Lechtaldecke sowie, bis über den Grat hinweg nach Süden die dominierende Karwendelschuppenzone. Die Südhänge der Nördlichen Karwendelkette, und ab dem Karwendeltal südwärts, werden von der aufgeschobenen Inntaldecke gebildet. Möglicherweise – so die individuelle Meinung des Autors – bilden die tektonischen Abläufe dieser Überschiebungen den Grund für die eigenwillige, interessante Ausprägung des Dammkars.

Steigverlauf vom Predigtstuhl zur Hochlandhütte, dahinter die Soiernspitze

Über den soliden Wettersteinsockel des Predigtstuhls, der seiner kompakten Ausbildung schon weit unten in der „Loach“ auffallend sichtbar mit steilem Abstürzen Ausdruck verleiht, steigt man nach dem Reisengelände des nordöstlichen Dammkars zum Kreuz auf 1.921m an und genießt dort eine wahrlich großartige Aussicht auf die Karwendelvorberge im Norden und das Werdenfelser Land.

Verbindungsgrat vom vorstehenden Predigtstuhl zur Einstiegswand am Nordwestgrat zur Tiefkarspitze

Der mächtige Vorsprung des Predigtstuhls erlaubt aus einiger Entfernung über den Verbindungsgrat zum Massiv der Tiefkarspitze einen umfassenden Einblick auf die steil aufragenden Wände eines hohen Aufschwungs mit vorherrschendem alpinem Muschelkalk. Dahinter erahnt man schon eine leichte Abflachung des Grates, auch wenn kaum sichtbar.

am Wiesenfleck vor den imposanten Bänken aus alpinem Muschelkalk mit dolomitisch anmutendem Bau (hinten links)

Direkt am Verbindungsgrat, der den höchsten Punkt im Übergang vom Dammkar zum Mitterkar darstellt, wird der begrünte und eher flache Grat überschritten, der nach wenigen Minuten mit einem Rasenfleck als Übergang am Massiv endet. Diesen Übergang bildeten Reichenhaller Schichten.

leicht abweichend vom direkten Grat befindet sich der Einstieg in die Wand im rechten Bilddrittel

Einige spärlich angeordnete Steinmännchen geleiten südostwärts in die Aufstiegsflanke, die zunächst eher in Gratnähe erwartet wird, jedoch ein tieferes Vordringen in die senkrechten Nordostwände erfordert als vermutet.

das Gelände wird gegen den Kessel hin flacher und begrünter

Am Weg dorthin versteige man sich nicht am Grat mit dem unbedingten Bestreben sich dort bewegen zu müssen. Die Route führt in der Nordnordostflanke auf eine begrünte Fläche in einer Felsausbuchtung zu und die anfängliche Begehung am Grat als auch über begrünte Bänder in der Flanke führen letztlich dorthin.

Rückblick auf den bereits besonnten Predigtstuhl

Wie beschrieben ein Kamin, vielmehr eine steile Verschneidung mit kurzer Fixverseilung aus Kletterseil zweifelhafter Qualität, führt durch die im Führer beschriebene Schlüsselstelle (III) hinauf in den oberen Teil der Felsausbuchtung, in dem die feuchten, begrünten Flächen enden und herrlich fester alpiner Muschelkalkfelsen beginnen.

Einstiegsstelle in Bildmitte

Der Durchstieg durch die Verschneidung wäre vom Gelände her nur allerhöchstens mit III zu bewerten, herabstürzendes Material aber hat die Flächen der engen Verschneidung über Jahrtausende abgeschliffen und in Verbindung mit der Feuchte ist man beim steilsten Zug um das Seil als fixen Halt für eine Hand dennoch froh. Es aber völlig zu belasten unterließ der Autor.

Kamin bzw. Verschneidung als Schlüsselstelle mit zweifelhafter Fixverseilung

Trichterförmig öffnet sich die dunkle Verschneidung nach oben dem Licht zu, sowie sein Herz mit dem Wandel der Topografie es tut, und erklimmt mit Steigrichtung einige Meter leicht links, dann gegen rechts auf einen imposanten Gratturm zu der Bergfreund die erste Stufe am Nordwestgrat.

Ausstieg oberhalb der Verschneidung

Die letzten leichten Kletterzüge geleiten in die Scharte zwischen dem Grat und dem Turm. Von dort bietet sich eine wunderschöne Kulisse auf die Larchetfleckspitze und zu den Karwendelköpfen im Westen gegenüber im Dammkar.

herrliches Gelände im festen Gestein hinauf zur ersten Scharte am direkten Nordwestgrat

Anschließend geleiten sehr schön strukturierte Felsfazies mit allerlei Stufen und Rissen auf die nächste Stufe, die von weniger festem unterem Wettersteinkalk gebildet wird, hinauf. Hi und da entdeckt man ein Steinmännchen, derer man schon weit vorher zur Orientierung eigentlich nicht mehr bedarf.

kleinere Partien mit Risskletterei

Die folgende Stufe steigt wesentlich flacher an, der Übergang zum unteren Wettersteinkalk wird nicht nur an der Topografie sichtbar, sondern auch an der Brüchigkeit spürbar.

Rückblick auf den schönsten Teil des Nordwestgrates zur Tiefkarspitze

Der herrlich feste alpine Muschelkalk endet zunächst und kleine Türmchen mit umfangreichen Schuttrinnen zwischen denselben machen sich am Grat breit, ockerfarbene Verwitterungszonen treten häufiger auf.

bereits im Wettersteinkalk (da es der Unter Wettersteinkalk ist, mit recht brüchigen Gratköpfen und Felstürmchen)

Der Aufstieg vollzieht sich für etwa eine halbe Stunde in vorwiegend Gehgelände mit nur mehr kurzen Kletterpassagen.

zerrissener Mittelteil des Nordwestgrates zur Tiefkarspitze

Hinter einer auffällig flachen Stelle am Grat bietet sich eine weit reichende Aussicht auf den letzten Teil des Aufstiegs. Der Grat teilt sich in zwei Hälften mit mittig liegender Schlucht in die die Route hineinführt. Über ihr am Horizont wird das Gipfelkreuz sichtbar.

Übersicht über den oberen Teil des Nordwestgrates zur Tiefkarspitze

Flankiert von hohen brüchig wirkenden Türmen erfolgt der Durchstieg durch die toll geformte Schlucht als kurzes Abenteuer hinter der eine kleine Felsstufe in einen schuttgefüllten Karkessel überleitet.

Rückblick über den Anstieg zur Schlucht

Wieder im festen oberen Wettersteinkalk geht es wenige Minuten über die letzten leichten Klettermeter hinauf zum Gipfelbereich. Der Gipfel der Tiefkarspitze wird über einen breiten Riss erreicht, der sich bis wenige Meter vor das Gipfelkreuz hinzieht und vorher ausläuft.

Das Gipfelkreuz der Tiefkarspitze, eine schlichte Stahlkonstruktion, kaum lotrecht im Steinkegel steckend und keine adäquate Zier für diese tolle Erhebung, die immerhin die höchste in der Umrahmung des Dammkars darstellt, hätte sich ein besseres Fundament verdient.

Tiefkarspitze, 2.431m

Der Blick auf beide Seiten, im Osten der gewaltig lange und beeindruckende Grat zum Wörner (einer der zeitaufwändigsten Gratübergänge im Karwendel), im Westen die touristisch meistgenutzten Gipfel der Nördlichen Karwendelkette, Karwendelköpfe, Karwendel- und Linderspitzen, kann als grandios beschrieben werden.

der imposante Wörner mit dem langen Grat über Großkar- und Schönbergspitzen (v. li. n. re.)

Phantastisch der Blick über das Karwendeltal und seinem Übergang am Hochalmsattel, deren Verlängerung am 22km entfernten Sonnjochmassiv endet, ein gewaltiger Blick!

Blick ins Karwendeltal und darüber hinaus auf die Falkengruppe und das Sonnjoch

Für den Kenner des Karwendels bietet dieser Blick leicht nördlich jedoch auch noch die phantastischen Ziele in der Falkengruppe, Steinfalk und vor allem der wilde Laliderer Falk, die um ein Haar vom Kuhkopf, am Ende der Nördlichen Karwendelkette verdeckt wären.

südöstlich gegenüber der beeindruckende Zug der Karwendelhauptkette mit der Birkkarspitze im Osten und der Larchetkar- sowie Pleisenspitze fast schon im Süden gegenüber

Eindrucksvoll verfolgbar von der Tiefkarspitze aus ist der westliche Teil der Karwendelhauptkette. Von der Pleisenspitze über die Larchetkarspitze, Große Riedlkarspitze, Breitgrießkarspitze, Große Seekarspitze, die Ödkarspitzen bis hin zur  Birkkarspitze spannt sich das Panorama, mit immer höher werdenden Gipfeln.

im Vordergrund der südwestlich angeordnete Vorgipfel der Tiefkarspitze mit der – vorwiegend von Hauptdolomit gebildeten – Seefelder-Gruppe des Karwendel im Hintergrund

Im Norden die geologisch interessante Soierngruppe, auch Karwendelvorberge genannt, die mit ihren leichten Anstiegen ein tolles leichtes Tourengebiet darstellt und auch das Ende einer unglaublichen Abenteuerreise sein kann, der Süd-Nord Karwendeldurchquerung.

gewaltiger Blick über den westlichen Grratteil der Nördlichen Karwendelkette – das touristisch meistbesuchte Gebiet im Karwendel

Zwei Kollegen aus der Schrobenhausener Gegend machten sich zum Abstieg vom Gipfel wieder über den Nordwestgrat bereit, nachdem sie nicht so recht den Abstieg nach der Scharte zum Nebengipfel gefunden haben und nach kurzer Unterhaltung konnten sie überzeugt werden, daß  es schöner sei, gemeinsam die Runde auszuführen, anstelle den Aufstieg auch als Abstieg zurück zu legen.

imposanter Tiefblick ins Dammkar

Nach einer ungewöhnlich kurzen Gipfelpause, die der Verfasser gewöhnlich zum „Recognisciren“ der Umgebung nutzt, beschritten wir zu dritt die recht schuttbedeckte Südflanke zur Scharte, an der die trügerische „rote Rinne“ beginnt, die zum schnellen Abstieg verleite und nach einigen Hundert Metern jedoch in ungangbarem Fels enden soll – so der AV-Führer. Beim bizarren Fels oberhalb der Schuttreisen des Dammkars allemal gut vorstellbar.

Ansicht des Vorgipfels im Abstieg nach Südwesten ins Dammkar; wir sind in der linken Flanke wieder aufgestiegen, es gibt auch die Variante rechts

Offenbar aber kann man sie einige Meter absteigen und erreicht dann eine Passage die, unter dem Vorgipfel vorbei, wieder auf den Grat führt. Diese Variante probierten wir aber nicht sondern nahmen nach Führerbeschreibung die Südostflanke des Vorgipfels zum Aufstieg auf denselben.

„rote Rinne“ zwischen Vor- und Hauptgipfel

Die Flanke läßt sich nach einem einige Meter querend ausgeführten Einstieg auch leicht ersteigen und erreicht somit am Vorgipfel eine gute Perspektive zum Hauptgipfel.

Aufstieg auf den Vorgipfel der Tiefkarspitze im festen Wettersteinfels in der Südostflanke

Beim kurzen Abstieg jenseits, in ein Schärtchen, nach der eine weitere zu erklimmende Erhebung sichtbar wird, sei Vorsicht geboten, sie ist recht brüchig und erfordert eine gute Wahl von Griff und Tritt.

Ansicht der Tiefkarspitze vom südwestlich gelegenen Vorgipfel

Im Schärtchen kann man westseitig gut die o. e. Umgehung erkennen, sie trifft genau hier wieder auf den Gratverlauf.

Helmut und Christoph am Abstieg durch die kurze, brüchige Verschneidung zur Scharte ab

Der folgende Gratkopf wird überschritten und dahinter eine lange, abwärts führende Flanke sichtbar, die unter grünen Bergwiesen steil ins Karwendeltal abfällt und in Gratnähe abzusteigen ist, ausschließlich Gehgelände.

Rückblick auf Tiefkarspitze Vor- und Hauptgipfel

Weit unten wird der Verlauf des Grates flacher. Eine kurze Stelle öffnet eine Art Doppelgrat, bzw, befindet sich zwischen den Hangkanten eine gemuldete Flachstelle. Anschließend werden ein paar kurze Anstiege über Gratköpfe absolviert, in denen wir vergeblich den Einstieg in die steile Nordflanke suchten.

langer Abstieg über den Verbindungsgrat Tiefkarspitze – Larchetfleckspitze

Die Geduld darf man für das Aufspüren des richtigen Abstiegs nicht verlieren, die richtige Stelle für den Abstieg ist wirklich dort wo die Führerbeschreibung erwähnt – „bis kurz unter den Aufschwung zur Larchetfleckspitze“.

toller Abstieg mit begrünter Südflanke

Der Weg dorthin beinhaltet einen länger erscheinenden Aufstieg. Nach diesem wird man der Stelle in der Ferne mit einem Steinmann und, wer gute Augen hat, einer vergilbten roten Pfeilmarkierung gewahr.

toller Rückblick auf der Suche nach der Abstiegsscharte

Es ist dies die vorletzte Schartenausbildung vor dem steilen Anstieg auf die Larchetfleckspitze.

Wer nun einen durchgehenden Steig als Abstieg im Kopf hat wird schwer enttäuscht. Schuttreisen und brüchiges Gelände in den unliebsamen ockerfarbenen Verwitterungstonen bilden den oberen Teil, der nur mit wenig Abstiegsgeschwindigkeit talwärts führt. Ständiges Orientieren und Konzentrieren gebietet das Gelände bis weit hinab.

Abstieg über stark erodiertes Gelände unter viel Schutt

Markierungen gibt es reichlich, jedoch nicht leicht zu finden und, durch die vergilbte rote Farbe mit wenig Kontrast zum allgemeinen Gelände auszumachen. In Nebel tut man sich bei diesem Abstieg sehr schwer. Die Steilheit und Brüchigkeit sind beachtlich.

Rückblick auf den oberen Teil

Weiter unten wird das Gelände etwas strukturierter und man erkennt die generelle Richtung intuitiv. Ab und zu ein Steinmann, wenn man genau schaut.

wieder einmal ein Steinmännchen am nun gut zu ahnenden Abstieg; dahinter der tolle Nordwestgrat zur Tiefkarspitze

Allerdings ist noch eine schmale, steile und brüchige Rinne zu meistern, in der abgeklettert werden muß. Sie führt fast nordwestlich (etwa Richtung hinteres Dammkar, als zentral) hinab und endet mit einer Steilstufe, die in einer Sturzbachrinne endet.

Rinne abzuklettern, unterhalb endet der zeitraubende, brüchige Teil des Abstiegs

Unterhalb dieser, etwa 50Hm darunter, wird ein richtig ausgeprägter Steig sichtbar, der sich sogleich extrem nach Nordosten wendet und die senkrecht abbrechenden Felsen zum Dammkar hin umgeht.

in der Rinne noch ein paar kurze Kletterstellen, jedoch wieder in festem Muschelkalk

Die Umlenkscheibe (rot, linkes/mittleres Bilddrittel) der Materialseilbahn bildet dabei eine unübersehbare Landmarke.

am Ende des Steilabstiegs folgt eine Mulde ab der ein gut sichtbarer Steig über reinem Gehgelände rechts (nordöstlich) plötzlich scharf rechts umbiegt und komfortabel bis auf die Reisen ins Dammkar hinaus leitet

Über zwei drei Murengräben schneidet der Steig quer den Hang bis er sanft und unspektakulär in das oberste Dammkar ausleitet. Am Weg dorthin steigt er nochmals einige Meter an, um die Gräben zu überwinden. Ein unerwarteter Abschluß, der weit ostwärts endet.

über ein paar Sturzbachgräben leitet der Steig zum Dammkar

Über das gewaltige Schuttreisenbassin des Dammkarbeckens fährt es sich wenig anstrengend zur Bergwachthütte und zum Steig ab und auf letzterem wird wieder zur Dammkarhütte abgestiegen, in der ein hervorragendes „Mittenwalder“ wartet, Labsal redlicher Mannen am Berg, das ausschließlich unter bravem Tragen einer Maske von der Hüttenwirtin ausgegeben wird.

krönender Abschluß der Gratrunde auf der Dammkarhütte

Der gemeinsame Weg mit den Kollegen endete an der Dammkarhütte – Berg Heil Kollegen!

und er hat wie immer gut aufgepasst – danke dir für den gewaltigen Bergtag!

An Aufstiegsmeter zeigte die Bergsteigeruhr 1.480Hm und die benötigte Zeit betrug incl. aller Pausen 7:45 Stunden.

Mils, 01.08.2020

1 Heissel 1976: Neues zur Deckentektonik im nördlichen Karwendel

 

 

Kleiner Falk 2.190m – mit Überschreitung zum Risser Falk

Bereits kurz vor der Ortschaft Hinterriß am Weg von Norden ins Karwendel läßt den Bergsteiger und Gratkletterer der kühne Anblick der Falkengruppe – sichtbar ist der Kleine Falk und der Grat zum Risser Falk – nicht mehr los.

Sequenz Schlüsselstelle 4 – man achte auf die Tritte

Die Reifung die Tour zum Kleinen Falk und die Gratüberschreitung zum Risser Falk im neu auserkorenen Arbeitsgebiet des Autors zu unternehmen dauerte keine Woche – sie mußte unbedingt kurz nach der tollen Tour auf den Risser Falk begangen werden; das nachstehende Foto ist von dieser schönen und eher leichten Tour entlehnt und grundsätzliche Details über Hinterriß, das Falkenkar und dem Abstieg vom Risser Falk können auf diesem Link nachgelesen werden.

Kleiner Falk und Grat zum Risser Falk von Hinterriß aus gesehen

Dieser Beitrag behandelt den Aufstieg zum Kleinen Falk, die Gratüberschreitung zum Risser Falk und nur übersichtshalber einige Hinweise zum Abstieg über die Grüne-Rinn-Scharte und das Falkenkar.

Kleiner Falk vom Parkplatz P4 aus gesehen – die Aufstiegsroute direkt einzusehen

Der schöne und lohnende Gratübergang wird mit einem etwas abenteuerlichen Aufstieg in kniehohem Gras über steiles und wegloses Gelände eingekauft, in dem auch Intuition nötig ist, der Falkenstuhl wird aber jedenfalls gefunden. Ausweichen und Umgehen von morschen Baumriesen aus Windbruch ist weiter oben im lichten Wald ein schweißtreibendes Unternehmen und Scharen von Bremsen unterstützen im schwülen Hochsommer die Abwehr des Berges Klettertouristen zu empfangen.

Aufstieg im lichten Wald in knietiefem Gras

Die Redewendung der Lateiner „per aspera ad astra“ hat am Gipfel des Kleinen Falk seine uneingeschränkte Gültigkeit.

typisches Aufstiegsgelände zum Falkenstuhl

Umso mehr schätzt der Pflanzenfreund unter den Bergsteigern die Vielfalt und Dichte an Alpenblumen am Kreuzgipfel des Kleinen Falk – von der Orchidee bis zum Edelweiß darf er auf Wohnzimmerfläche in etwa 2.070m Höhe ein halbes Dutzend Arten schauen.

Rückblick unterer Teil

Vom Ausgangspunkt für Touren aus dem Norden in die Falkengruppe, dem Parkplatz P4 der Mautstraße, wird die Rißbachbrücke überquert, die gleichzeitig den Zugang zum Johannestal und der Falkenhütte darstellt.

zwischendurch erfreut der Blick zur Birkkarspitze

Noch in der Ebene am südlichen Ufer, etwa 200m am Weg nach dem Überschreiten der Brücke, wird vom Schotterweg in den Wald abgebogen und wiederum nach kaum 100m die sofort ansteigende Böschung des Waldes erreicht. Über hohes Gras wird nun in teilweise von Forstarbeiten geprägtem Gelände intuitiv aufgestiegen. Nach etwa 150Hm wird eine Geländestufe erreicht, die recht flach den nächsten, langen und steilen Abschnitt einleitet.

Gelände vor dem Falkenstuhl

Fehl kann kaum angestiegen werden, denn zur Linken ist das Aufstiegsgelände mit wenig einladenden Schrofen durchzogen und zur Rechten würde man sofort an der Felsgestalt des Kleinen Falk erkennen, daß man zu weit in Richtung der Falkenstuhlrinne geraten ist. Auch bildet sich weiter oben eine Art Verschneidungsbuckel aus, dessen Höhe von der aufgehenden Sonne von den dünkleren Waldpartien westlich davon geschieden wird. Diesem Verschneidungsbuckel folgten wir bis er oben in der Nähe des Falkenstuhles verschwand.

Forsttätigkeit am Falkenstuhl

Zu unserer Überraschung gab es am Falkenstuhl vor Jahren – wenn man sich die Schnittflächen der Bäume ansieht – jede Menge Forsttätigkeit und die Frage wohin das Schnittgut abgeführt worden ist blieb offen. Mit dem Wissen des Geländes am Ende des Weges zum Unteren Falkenkar aus der Begehung der letzten Woche konnte der Autor allerdings vermuten, daß der Abtransport dorthin stattfand.

Falkenstuhl gen Norden

Mittels Seilbahn könnte es jedenfalls dorthin abtransportiert worden sein; kein unbedeutendes Unternehmen von oben aus betrachtet, denn einen Weg gibt es auf den Falkenstuhl nicht.

Hirschbad am Falkenstuhl

Das etwas sumpfige Plateau des Falkenstuhles auf 1.500m scheint anhand der massenhaften Tierspuren ein wahres Wellnessgebiet für das Wild zu sein, gibt es doch dort zwei große mit Wasser gefüllte Lacken, die dem parasitengeplagten Waldbewohner, sei es Reh oder Rotwild, Abkühlung und Schutz verschafft.

Aufstiegsgelände durch eine bewaldete Steilstufe zu den Schrofen

Nach diesen ersten gut 500Hm ging es zwar etwas anders, nicht im Mindesten aber vegetationsärmer weiter. Eine erste ansteigende Stufe nach dem Falkenstuhl leitete durch eine geschickt gefundene Latschengasse zu einer alten Tanne, auf der nun erstmals eine Wegmarkierung zu sehen war – die Relikte eines Steiges, von woher er auch immer gekommen sein mag (auch die AV-Karte verrät keine alten Details, keine Steigspuren sind dort zu sehen).

plötzliche Markierung nach dem Falkenstuhl

Die Markierung links liegen gelassen und der Latschengasse gefolgt sieht man sich im Nu inmitten von dichten Latschen, die es zu durchqueren gilt. Nach dieser Übung wird eine nächste Gasse mit Steinmandln erreicht, bevor das Gelände beachtlich aufsteilt, sodaß die Stöcke am besten verstaut und die Hände im felsig erdigen Gelände zu Hilfe genommen werden.

bereits wieder eingewachsene Latschengasse im weiteren Aufstieg – oberhalb in den Felsen eine kaum sichtbare rote Markierung

In dieser Art wird der schon von unten sichtbare Kopf in der Nordflanke des Kleinen Falk erklommen, dessen Oberkante durch glücklicherweise sehr niedrige junge Latschen erreicht wird und an deren Übergang zum Fels ein Steinmandl zum Überlegen über die Fortsetzung der Route zwingt.

Latschengasse oberer Teil vor dem Schrofengelände

Kurzes Erkunden der Lage führt zurück zum Steinmandl, zum Abstieg über etwa vier bis fünf Meter und zur Fortsetzung der Route in einem Trichter, der, unweit oberhalb der nächsten zwei Felsköpfe, sich zur Mulde formt und deren oberes Ende in eine Steilstufe mündet, das am besten mittels echter Felskletterei an der linken Flanke bezwungen wird. Die Stelle befindet sich etwa auf 1.700m.

Aufstiegsgelände mit Engstelle oben (im Schatten)

Nach der engen Steilstelle weitet sich das Gelände karartig und die Latschen stellen kein solches Hindernis mehr dar, daß die richtige Gasse erwischt werden müßte.

Engstelle am oberen Ende der Schuttreisen – linksseitige Umgehung leichter

Steil und mühsam geht es im Schrofengelände aufwärts. Wir steuerten zwei Felsköpfe an, die durch eine Öffnung zur Pforte unterbrochen wurden, einem Eingang gleich.

der Autor beim Umgehen der Engstelle

Hinter dieser Stelle folgten wir dem beachtlich steilen Gelände westlich bis zur Unterkante der Felslinie nahe dem Gipfelbereich und kreuzten unterhalb der Felsen östlich zu einer eher flacheren Stelle, die zu einer schräg nach oben ziehenden Rinne führte.

den Durchschlupf oberhalb haben wir genommen, danach rechts und wieder links unter die Felsen

Das Gelände talseitig der Rinne ist recht angenehm zu begehen – Wiesenflecken durchziehen die Schrofen in recht festem Gelände.

talseitig entlang der schrägen Rinne aufwärts

Der Rinne, die bald im Felsgelände auftaucht folgten wir an ihrer Flanke in südöstliche Richtung und sie führte direkt zum Kreuzgipfel des Kleinen Falk auf etwa 2.070m.

Kreuzgipfel Kleiner Falk, 2.190m (diese Stelle mit etwa 2.070m allerdings niedriger)

Das Überbleibsel aus glanzvolleren Tagen des Kreuzgipfels besteht aus einer abgebrochenen verwitterten Gipfelstange, noch am Sockel befestigt und inmitten des umgebenden Steinmandls das die Gipfelbuchkasette birgt. Das Gipfelbuch, in etwa in DIN A5 Größe, ist schön anzuschauen, gleich vier Jahrzehnte lang hat man sich bis heute darin verewigt und die letzten Seiten sind noch nicht erreicht. Wie in allen alten Gipfelbüchern üblich verwendete man in der Jugend des Buches einen Bleistift – ein Schreibgerät, das immer funktioniert im Gegensatz zum Kuli.

eine Freude die Blumenpracht

Wie schon anhand der Vegetation erwähnt wohnt diesem Platz eine eigenartig erlesene Stimmung inne, die zum Verweilen einlädt. Bezeichnende aber seltene Alpenblumen, die anderswo vergeblich gesucht werden, fühlen sich dort zu Dutzenden heimisch und der Blick gen die gewaltige Mauer im Süden sowie der hoch aufragende Grat zum Risser Falk, bildet eine kolossale steinerne Umrahmung des kultigen Platzes.

Kohlröschen – eine Orchidee

Die Vorhersagen der Wetterentwicklung zwangen uns nur allzu schnell den wirklich verdienten Platz gleich wieder zu verlassen. Zwar war die Hauptwetterrichtung im Westen von kaum getrübter Wolkenpräsenz, jedoch schien das Geschehen im Osten stattzufinden. Über dem Rofan und von Nordosten türmten sich zwar zunächst nur moderate, jedoch beständig wachsende dunkle Wolken in die Höhe. Unsere Einschätzung, das kann vorweg genommen werden, war richtig, wir setzten zur Überschreitung an, auf der im Ernstfall es keine echten Deckungsmöglichkeiten gäbe.

Grat zum Risser Falk – zweiter, höherer Teil vom Kleinen Falk aus

Zunächst folgt der Grat dem Aufstieg auf den geodätisch echten Gipfel des Kleinen Falk auf 2.190m. Dieser Teil ist in etwa zehn Minuten zu begehen, nicht ausgesetzt und erfordert kaum Kletterfähigkeit. Ein Steinmandl ziert das Gipfelplateau.

Kleiner Falk, geodätischer Gipfel 2.190m

Im Anschluß zum Kleinen Falk folgt ein Gratstück mit zwei drei leichten Felsköpfen zu denen man etwas absteigen muß.

Simon am Kleinen Falk, 2.190m

In der Folge steilt dann erstmalig ein etwas rassigerer Kopf auf, der in direkter Kletterei im wunderbar festen Fels begangen wird und dessen jenseitige Verbindung zum Hauptmassiv zurück mit einer netten schmalen Gratpassage zum Balancieren belohnt wird.

die Gratköpfe im Übergang vom niedrigen Teil des Grates zum hohen Teil – der rechte Gratkopf stellt eine erste schärfere Kletterei dar

Der Gratverlauf leitet nun in den zweiten, hohen Teil der Überschreitung über und wartet zunächst mit einer steilen Gratstufe auf höheres Niveau auf.

Simon im schmalen Übergang

Die bisher moderaten Kletterschwierigkeiten – etwa bis II – bleiben im Wesentlichen erhalten, aber es gibt in diesen Teil der Überschreitung Passagen (nur kurze Stellen), die mit III zu bewerten sind.

Aufschwung zum hohen Teil des Grates

Allerdings sind diese Stellen meist nur auf die jenseitige Fortführung des Gratverlaufes nach Schärtchen beschränkt, die natürlich aufsteilen und ein klein wenig mehr Anspruch an die Kletterkünste erheben – wie gesagt aber nur kurze Stellen und wir empfanden die durchgehende Bewertung des AV-Führers (Klier, 1996) mit Gesamtbewertung III als leicht überzogen.

direkt am Grat im zweiten Teil – teilweise etwas ausgesetzte Passagen

Der vorletzte und der letzte Aufschwung auf den Gratkopf beginnen mit einer Passage nach dem Schärtchen, der mit III bewertet werden kann. In beiden Fällen ist der jenseitige Verlauf sehr steil.

gut erkennbar der erste schärfere Gratkopf in der linken Bildhälfte vom Rückblick

Beim Anstieg zum letzten Gratkopf leitet eine absolut feste aber griffarme Wand leicht nach rechts (westlich) auf eine leichtere Plateaufläche und hierbei muß man für einen einzigen Zug mit etwas ausgedrehtem Oberköper das Gleichgewicht halten. Wie gesagt, sehr kurz und für den geübten Gratgeher nichts Schwieriges.

Simon oberhalb der Stelle die mit verdrehtem Oberkörper schräg nach rechts oben begangen wird

Die letzte Erhebung am direkten Grat leitet auf der Rückseite – nach dem zweiten ihrer beiden Kamelbuckel – an einen sonderbar westlich stehenden Felszacken hinaus, der zunächst – ob seiner seitlichen Position –  nicht zum Gratverlauf zu gehören scheint.

weiter im Gehgelände

Klar wird die Situation dann, wenn man den sich den direkten Gratverlauf ansieht, der plötzlich nicht mehr vorhanden zu sein scheint.

vor dem letzten und höchsten Grataufschwung

Dort wo er seinen Verlauf hätte stürzt eine plötzlich auftauchende tiefe Schlucht gähnend in das Falkenkar hinab, die beim ersten Anblick zunächst zurückschrecken läßt. Deshalb der seitlich stehende Gratturm.

die beiden Kamelbuckel der höchsten Graterhebung voraus – teilweise gibt es am Grat wenig notwendige Steinmandln

Wir wechselten westlich hinüber und erstiegen den Turm auf logischem Weg durch den breiten schuttigen Einschnitt der Nordseite und stiegen auf seiner Westseite bis zu einem Felsabbruch auf der Südseite ab (mehr Bilder in der Galerie).

Situation nach dem zweiten Kamelbuckel – der Grat spaltet sich in einen ostseitigen, nicht zu begehenden Teil und einen westseitig stehenden Gratturm, auf dem die Route weiterführt; mittig die schauerliche Rinnenschlucht ins Falkenkar

Von dort konnten wir etwa zwei Meter unterhalb ein breites Felsband erkennen, das um die Südseite herum auf die Ostseite führt und den weiteren Verlauf des Abstieges beschreibt.

dahinter geht es westseitig steil hinunter auf ein schmales Gesimse – dort wo Simons linker Fuß ruht befindet sich die beschriebene Griffleiste zum Ablassen auf das erkennbare breite Band darunter

Wie bisher bestanden auch diese Steilstellen am Gratturm aus absolut festem Fels und daher war es uns ein Leichtes mit guten Griffen für die Hände die glatte Felswand, die ohne Tritte ausgestattet ist, mit den auf ihr abrutschenden Schuhspitzen bis zum Band hinab zu gleiten.

die Stelle im Rückblick mit der Griffleiste im untersten Bilddrittel

Das Ganze erfolgt schräg, d. h. man greift mit beiden Händen in die feste Leiste an der oberen Wandkante und läßt sich pendelnd nach unten wobei die Arme das gesamte Körpergewicht halten und läßt die Griffe bei durchgestrecktem Körper los (ein wenig sympathischer Zug, den jeder Kletter kennt und ungerne ausführt). Klettertechnisch keineswegs korrekt, die Schwindelei aber über die kurze Distanz von etwas mehr als zwei Metern mit den bombenfesten Griffen an der kurzen Wand jedoch allemal vertretbar und sicher.

Rückblick auf das Band – hinten ist es komfortabel breit

Am zuerst breiten Band unten wendet sich die Route nun direkt nach Osten und dabei wird das Band schmaler, jedoch immer noch so, daß die Passage in die leichtere begrünte, sowie tritt- und griffreiche Ostflanke zum Abstieg in die Scharte gut möglich ist – leichtes Klettergelände über wenige Meter im steilen Schrofenfels mit einwandfreien Griffen und Tritten.

das schmaler werdende Band – Simon ist schon darüber hinweg und am Weg in die ostseitigen Schrofen

Der Autor hat seinen Kletterpartner Simon beim Abstieg fotografiert und jener hat dasselbe dann im Gegenzug von der Scharte aus bei allen wichtigen Positionen beim Abstieg des Autors durchgeführt. Für alle, die sich diese vielleicht schwierigste aller Passagen ansehen wollen  gibt es die Detailfotos in der Galerie (Bilder benannt mit „Sequenz Schlüsselstelle 1 bis 16“).

ostseitig gelegener Riß im Schrofengelände zum Abklettern in die Scharte

Die Schwierigkeit dieser abwechslungsreichen Passage am Gratturm bis zum Abstieg in die Scharte stuft der Autor in Summe mit II+ ein. Oberhalb der Wandstelle befinden sich eine Bandschlinge und ein alter Haken (siehe Bild oben) als Abstiegshilfe über die glatte Wand. Diese technische Hilfe ist jedoch für den versierten Gratkletterer wirklich nicht nötig.

Simon bereits fast unten im Schrofengelände

Für die Stelle der glatten Wand ohne Trittmöglichkeit mögen kleine Personen, die u. U. auch mit ausgestreckten Armen nicht die Reichhöhe haben das Band mit wenig Luft zwischen den Schuhen und der Standfläche zu erreichen und oben schon los lassen müssen, bevor sie unten stehen, schwieriger einstufen.

dieser breite Tritt gleicht einer kleinen Wanne, reicht für beiden Füße und wird zum leichteren Passieren der Engstelle am Band benutzt, um in den ostseitigen Riss bzw. Schrofen zu gelangen

Ein Größenvergleich mag hier die Höhe der Wandstufe verdeutlichen. Die Stelle ist in wenigen Minuten abgeklettert und die Scharte erreicht.

Sequenz Schlüsselstelle 1 – man achte auf die Tritte

Der letzte kurze Abschnitt von etwa 20min bis zum Gipfel (die Angabe der Gesamtzeit für die Überschreitung von drei Stunden im AV-Führer ist nach Ansicht des Autors viel zu lange bemessen) findet in der Nordflanke des Risser Falk statt und ein einziger Gratturm, der im Anblick von Norden nach Süden nicht als solcher erkannt wird, bietet nochmals ein paar schöne Kletterstellen und einen abwechslungsreichen Verlauf über eine Minischlucht, um die Scharte zur Nordflanke zu erreichen.

Anblick der Gegenseite vom schmalen Band aus – daß es sich um einen vorgelagerten Turm handelt ist nicht erkennbar

Nach kurzem Gehgelände am breiten Grat wird in eine immer steiler werdende Wand eingestiegen, die jedoch gut griffig nach oben leitet.

steile und feste Passage im mittleren Teil

Hier ist eine Stelle drin, die mit III bewertet werden könnte, jedoch kaum auffällt. An der steilsten Stelle bestand die Entscheidungsmöglichkeit einen senkrechten Riss mit wenig Aussicht auf Haltemöglichkeiten rechts, oder einen kleinen Felszacken mit uneinsehbarer Hinterseite zu wählen und wir entschieden uns für die Route links.

dahinter leichter einige Meter weiter

Die Hinterseite erwies sich leichter als der vorderseitige Aufstieg. Sie leitet auf die Grathöhe des nicht erkannten Gratturmes.

alternative Minischlucht westseitig

Dort hat man die Möglichkeit eine steile, unten wenig bis nicht einsehbare Wand zur letzten Scharte abzusteigen, oder von der Grathöhe westlich etwa drei Meter abzusteigen und über eine Minischlucht schräg zur Scharte zu übersetzen.

Gegenseite der Scharte – unser Aufstieg nach dem Übertritt

Wir entschieden uns für die zweite Variante, weil sie voll einsichtig schöner erschien. Tipp für jenen, der die Minischlucht nicht mag: im Rückblick konnten wir erkennen, daß der direkte Abstieg auch gut gangbar gewesen wäre.

Simon beim Übersetzen, kurz vor der Scharte, hinter ihm die Mini-Schlucht

Jenseits dieses letzten Turmes – der eigentlich schon auf der Flanke des Gipfels steht und kein Gratturm mehr ist – führt leichtes Klettergelände in etwas mehr als 5min zum Gipfel des Risser Falk und die wirklich schöne Gratstrecke ist abgeschlossen.

nach der letzten Scharte nochmals leicht ausgesetzt aus der Flanke…

Zunächst wird nach der Scharte leicht in die ostseitige Flanke des Gipfelaufbaues ausgewichen und nach wenigen Metern wieder auf die Grathöhe zurückgeklettert und dem Gipfel entgegen gestiegen.

leichtes Klettergelände am Ende auf den Risser Falk

Wir haben aufgrund der Wetterprognose am Grat eher Gas gegeben und für die Strecke vom Kleinen Falk zum Risser Falk 85min benötigt. Das ist sicher keine Richtzeit für eine Erstbegehung, aber die drei Stunden im Führer empfinden wir als auch nicht nötig; zwei bis zweieinhalb Stunden sollte man je nach Kondition und Fotopausen einplanen.

Übersicht über die Gratüberschreitung vom Kleinen Falk bis zum Risser Falk

Der Ausblick auf dem Risser Falk ist phänomenal, er war bei unserer Begehung leider durch Nebel und Wolken getrübt und wer Bilder mit den einzelnen zu bestaunenden Gipfeln sehen möchte findet diese – nebst Beschreibung und auch die Beschreibung des Anstieges zum Risser Falk vom Falkenkar –  im eingangs zu vorliegendem Bericht gesetzten Link.

Rast am Risser Falk

Im Abstieg durften wir dann noch eine seltene Begegnung mit einer Gruppe Jungsteinböcken erleben. Dies just vor der engsten Gratschneide, auf die wir die Gruppe leider aus Mangel an Alternativen mit äußerster Vorsicht und mit dem Versuch der Lautlosigkeit hintreiben mußten.

bereits im Abstieg zur Grünen-Rinn-Scharte

Die Gruppe bestand aus etwa fünf Tieren, wobei uns vorkam, daß das älteste etwa vier bis fünf Jahre alt sein müßte und das jüngste ein Jährling war.

aber auch die anderen in einer Mischung voller Angst und Neugierde

Das Jüngste ergriff auch rasch die Flucht über den äußerst steilen Grat und die Sicherheit, die bereits ein solch junges Tier im etwa 75° steilen Gelände (nordseitig ins Falkenkar) an den Tag legte war phänomenal anzusehen. In einigen Sekunden erreichte es eine Tiefe von etwa 50m unter uns.

und so stieben sie trotz unserer Vorsicht auseinander und die Felsen hinab

Über die Gratscharte am Hauptgrat und dem dort nötigen 40-50Hm Abstieg erreichten wir die Grüne-Rinn-Scharte (Details im Link oben) und das obere Falkenkar.

Simon in der Grünen-Rinn-Scharte

Das Wiesenband zur Grünen-Rinn-Scharte mag bei Nässe oder Schnee wohlüberlegtes Steigen sein. Das Band wird nach oben zur Rinn hin breiter, hat aber unten schmale Stellen, siehe Rückblick.

Rückblick – vor der Grünen-Rinn-Scharte

Die Rinn selber kann bei Nässe oder Schnee nicht minder prekär werden. Sie ist zwar nicht sehr steil, bietet aber wenig Haltemöglichkeiten.

Abstieg in der Grünen-Rinn

Der im Aufstieg nette Jägersteig durch die Falkenkare erwies sich als etwas rutschig, dennoch aber als tolle Abstiegshilfe durch den Latschengürtel.

Zum Abschluß der Tour erreichten wir das beeindruckende Gelände der Wandstufe zwischen unterem und oberem Falkenkar mit dem schönen Wasserfall.

malerischer Wasserfall am Ende des Steiges durch das Falkenkar

Von dort benötigten wir über den Schotterweg etwa 25min zum Parkplatz P4.

Wasserfall aus dem Falkenkar

Die Gesamtzeit der Tour betrug etwas mehr als sieben Stunden. Zweidreiviertel Stunden zum Kleinen Falk und ein Gipfelaufenthalt am Risser Falk von knapp einer halben Stunde.
In Summe wurden genau 1.500Hm Aufstieg absolviert und die Gesamtstrecke betrug nach Simons Navi-Aufzeichnung 9km.

Mils, 27.07.2019

Risser Falk, 2.414m – über Falkenkar mit Überschreitung zum Steinfalk

Wenig bekannt und zumeist nur von Spezialisten begangen sind die rassigen Gipfel der Falkengruppe im Nordosten des Karwendels, und ein Recke in Gestalt und Kühnheit unter ihnen, der Risser Falk, bietet einen unvergesslichen Anstieg aus dem Falkenkar.

Kleiner Falk und Grat zum Risser Falk von Hinterriß aus gesehen

Unglaubliche 170km Autofahrt sind vom Raum Innsbruck aus für diese Tour nötig (Maut 4,50.- für die Hinterrissstraße) und angesichts der Autokennzeichen möchte man meinen sich in Bayern zu befinden und doch befindet sich die Falkengruppe tief auf Tiroler Boden. Einige vereinzelte „SZ“ Fahrzeugkennzeichen lassen darauf schließen, daß die von Süden nur zu Fuß über die Vomperkette zugängliche Berggruppe zum dem Verwaltungsbezirk Schwaz und darin zum Gemeindegebiet von Vomp zugeordnet ist.

Parkplatz P4 gegen Kleiner Falk

Wenn man sich ein Bild von der Lage und Zugänglichkeit der Falkenruppe (dies gilt, mit etwas kürzeren Anreisen aus dem Osten und Süden, ebenso auch für die Gamsjochgruppe) machen möchte, dann seien folgende Möglichkeiten erwähnt, die in ihren Dimensionen ein untrüglich Zeugnis der Mächtigkeit der sperrenden Karwendelketten geben:
Wollte man eine Begehung der Falkengruppe vom Inntal aus begehen, so bräuchte man allein für die Anreise vom Süden, vom Parkplatz Bärenrast (Fiecht, Ortsteil von Vomp) zum Ausgangspunkt – der derzeit wegen Sanierung immer noch geschlossenen Falkenhütte – etwa sieben Stunden für 19km und 1.700Hm, von Hall aus über die Halltal- und Karwendelhauptkette etwa 13 Stunden für 32km und 3.450Hm. An einen Zugang von Süden her ist also nur mit Übernachtung zu denken.

Vom Westen her, von Scharnitz aus – hier könnte das Radl dienen – sieht es wesentlich besser aus, hier gibt es eine durchgehende Straße für die Radlfahrt, die in etwa vier Stunden bezwungen werden kann und mit 27km und 1.330Hm pro Weg für den konditionsstarken Fahrer in Kombination einer mittellangen Begehung in der Falkengruppe noch im Bereich einer Tagestour läge. Vom Osten bietet sich die auch schon nicht mehr kurze Autofahrt ins Falzthurntal bis in die Gramei an. Von dort besteht dann die streckenmäßig kürzeste Anreise von fünfeinhalb Stunden mit 14km und 1.380Hm, die großteils der Anreise von Fiecht entspricht und allerdings wiederum nur zu Fuß zu unternehmen ist sowie für den Normalbergsteiger ebenfalls eine Übernachtung bedingt.

Kleiner Falk mit Aufstiegsgelände links davon

P4 der Hinterrissstraße dient als Ausgangspunkt für die Rundtour mit dem Hauptziel des Risser Falken. Der Risser Falk ist mit 2.414m der zweithöchste Gipfel der Gruppe und nur um 14m niedriger als der Laliderer Falk etwa 1.000m leicht südöstlich davon.

Weg neben dem Rissbach, ca. 650m bis zur Abzweigung

Die Brücke über den Rissbach bildet den einzigen Zugang aus dem Risstal für alle Almen und Hütten im Johannestal (auf alten Wegweisern findet sich die Schreibweise Johannistal), auch für die Zufahrt aus dem Osten zum Karwendelhaus.

obere Abzweigung, links geht es in das Falkenkar

Dem Schotterweg wird zunächst 650m gefolgt, bevor rechts ansteigend abgezweigt wird. Nach wenigen Minuten wird die zweite Abzweigung ins Falkenkar erreicht, die durch einen Hochsitz und der rein optisch weniger benutzten Straße leicht erkenntlich ist.

Weg ins Falkenkar

Abermals nach wenigen Minuten biegt der Weg nach Süden und man erreicht auf 1.128m eine Flachstelle des Falkenkarbaches, die durch Spuren von LKW Befahrung einer Nutzung unterliegt.

am Bachboden zu Beginn des unteren Falkenkars angelangt

Links des Bachlaufes (im Aufstiegssinn; der Bach ist derzeit nicht zu sehen) setzt sich die Straße noch etwa 200m weiter in Richtung Kar fort und dies ist der richtige Anstieg im Gegensatz zum verlockend ausgeschnittenen Pfad rechts des Baches, dem man kurz vor Ankunft bei der Flachstelle geneigt wäre zu folgen (dieser äußerst gepflegte Steig führt in wenigen Minuten zu zwei Ansitzen und dient der hohen Jägerschaft zum schmutzfreien Erreichen Beobachtungsstände und endet dort auf der für den Aufstieg falschen Karseite).

dies ist der falsche Steig!

Am Ende des genutzten Weges, oder etwas weiter bergwärts muß sich der Anschluß an  einen Jägersteig finden lassen. Leider gibt es davon nur ein Foto vom Rückblick auf dem Steig, der der Autor nach Querung des Karbodens in der Höhe der ersten Felsabbrüche erreicht hat, weil er den falschen Pfad zu den Ansitzen gewählt hat und den Karboden queren mußte.

über den falschen Steig am Ansitz angelangt; auf der linken Talseite, etwa oberhalb der Höhle verläuft der Steig ins Falkenkar

Da der Aufstieg in der schattigen Nordseite der Falkengruppe verläuft ist selbst Mitte Juli des Morgens mit Tau auf dem hohen Gras zu rechnen und dies – nebst den Schneefeldern im obersten Karteil – ist ein Grund warum am Berg stets ordentlichen Bergschuhen gegenüber den lustigen Bergläuferpatschln (sog. Zustiegsschuhe) der Vorzug zu geben ist.

Steig gefunden – Aufstieg entlang der Felslinie

Den Steig erlebt man zusehends als ein Gustostück an Aufstiegshilfe, ist er doch interessant angelegt, kein ausgetretener Trampelpfad sondern eher ein recht selektiver schmaler Pfad durch eine total unberührte und großartige Zunternlandschaft. An dieser Stelle muß ein großes Lob an die Errichter – wahrscheinlich, wie so häufig in diesem Gebirge, Jagdgehilfen eines Adeligen Ende des 19. Jhdts – sowie an die heutigen Erhalter erteilt werden.

Rückblick auf den beginnenden Steig in der Schuttflanke mit Fahrstraße unterhalb

Wasser gibt es an mehreren Stellen, erstmals auf etwa 1.400m links neben dem Steig durch etwa 100m Zunterngebüsch, jedoch bequemer etwa 150Hm weiter oben als Quelle direkt am Weg (siehe Bildergalerie) und es lohnt sich diese Möglichkeiten zu nutzen.

Ansicht des Aufstieges in den Zuntern

Am Übergang des unteren in das obere Falkenkar – etwa auf 1.700m – wird der Zunternbewuchs deutlich aufgelockerter und weicht den Bergwiesen. Selbst dort wo der Aufstieg leicht zu finden wäre gibt es noch jede Menge Steinmandln, die wahrscheinlich eher von Bergsteigern errichtet wurden.

Rückblick am Beginn des oberen Falkenkares

Die Schuttreisen im oberen Falkenkar waren bei der Begehung Mitte Juli noch von beachtlich mächtigen Restschneefeldern bedeckt, welche den Aufstieg an deren Übergang zum Geröll etwas erleichterten.

im oberen Falkenkar

An der Engstelle des Kars tut man gut daran sich eher im linken Teil zu bewegen, die Brocken im Altschnee zeugen auf nicht unbeachtlichen Steinschlag über die rechte Flanke herab und einig kleinere Brocken donnerten auch bei des Autors Begehung herab.

Verlauf des oberen Falkenkars

Die Engstelle – etwa 50m Breite – befand sich unter völliger Schneebedeckung über die gesamte Breite. Auf der linken Begrenzung hätte man das Schneefeld über allerdings sehr abgerundeten, wenig griffigen und nassen Fels einen Kletteraufstieg eintauschen können, die selbst geschlagenen Stufen in den noch erstaunlich festen Schnee waren jedoch vorzuziehen.

Blick zur Engstelle im oberen Falkenkar

Die Strecke ist zwar eher steil, jedoch kurz und für den sicheren Steiger wären Grödel nicht von nennenswertem Vorteil gewesen (allerdings ist es gut vorstellbar, daß dieser Anstieg noch drei Wochen zuvor Steighilfen erfordert hätte und man denke zu Beginn des Sommers nach einem guten Winter daran, daß es sich beim Falkenkar um einen Nordaufstieg handelt).

Rückblick unterhalb der Engstelle

Im obersten Karabschnitt – die dunklen und senkrechten umrahmenden Felsen vor und in der Engstelle hinterlassen beim Ersteiger mächtig Eindruck – kam gegen 10:20 Uhr durch Sonnenbeleuchtung Aufhellung hernieder und gepaart mit der Aufweitung des Karkessels erfuhr der mühsame weitere Aufstieg über die Schuttreise plötzlich eine angenehme Freundlichkeit.

Aussicht auf die Grüne-Rinn

Angepeilt wird die markant sichtbare „Grüne-Rinn-Scharte“ im Westen des Karkessels mit ihrer ebenso markanten Schichtbauweise der durch Überschiebung entstandenen aufgestellten Kalkbänke.

Rückblick oberhalb der Engstelle

Die Grüne-Rinn selbst ist leicht zu ersteigen, wenn auch die Stöcke besser verstaut werden und wegen der Steilheit dann und wann die Hände zur Unterstützung zum Einsatz kommen.

Anstieg über Schuttflanken zur Grünen Rinn

Wegen dem Kollegen (übrigens der einzige angetroffene Bergsteiger an diesem Tag), der vor dem Schneefeld an der Engstelle überholt wurde, beeilte sich der Autor die Scharte zu erreichen, da er in der Rinne keinen Steinschlag erzeugen wollte. Deckungsmöglichkeiten sind in der Rinne nicht richtig vorhanden.

mitten in der Grünen Rinn

Über die Scharte hinausgeblickt bestätigt sich das sonderbare Gefühl ob der noch bei weitem nicht erreichten Höhe in der Beschreibung und man ist etwas verblüfft über die Bedeutung dieser Scharte in der AV-Karte, ist sie doch keine Scharte im Sinne eines Festpunktes für einen weiteren direkten Gipfelanstieg. Leider fehlt auch die Sicht auf das weitere Ziel und die Fortführung der Route muß erst erkannt werden.

Grüne-Rinn-Scharte mit Blick auf die andere Seite oben (gelbe Reepschnurschlinge um Felszacke schwer erkennbar – etwa Bildmitte

Hinter der Scharte wird zunächst einmal etwa 10Hm über ein Wiesenband abgestiegen (gelbe Reepschnurschlinge um ein Felsköpfchen markiert die Abstiegsrampe), bevor es jenseits davon in den Aufstieg zur nächsten, höhere und noch nicht sichtbaren Scharte weitergeht, die den direkten Aufstieg zum Risser Falken einleitet.

Rückblick auf die Querung mit Abstieg nach der Grünen-Rinn-Scharte (sieht schlimmer aus als es tatsächlich ist)

Der Aufstieg zur Scharte zum Risser Falk nach dem Übergang dürfte in etwa 50Hm betragen und liegt in der Draufsicht sehr nahe an der Grüne-Rinn-Scharte. Daher ist es auch recht schwierig in dem gebotenen Maßstab der AV-Karte die richtige Position darzustellen, genauso wie der Ersteiger erst nach eigenem optischem Eindruck der – zum Zwecke der Richtigstellung verfassten – Beschreibung im AV-Führer (Klier, 1996) einigermaßen folgen kann.

auf dem Weg nach oben zur nächsten Scharte nach der Grünen-Rinn-Scharte

Allerdings sei festgehalten, daß das Gelände in dem Bereich der beiden höchsten Falken in der Karte generell falsch, jedoch der weitere Anstieg von der Scharte im Kammverlauf auf den Risser Falk logisch ist und man sich keinesfalls versteigen kann, auch wenn man Karte und Führer nicht versteht bevor man das Gelände selbst erkundet hat.

Blick von der Verbindungsscharte hinab zum Aufstieg

Nun beginnt der Aufstieg mit Einlagen leichter Kletterei in nordwestliche Richtung auf den Risser Falk. Dem Autor ist es unverständlich warum dieser Gipfel zu Zeiten H. v. Barths als unersteiglich galt, sind die Kletterpassagen doch im Schwierigkeitsgrad II anzusiedeln und die möglichen Aufstiege über Falkenkar und vom Steinfalk her dem versierten Hermann sicher kein Geheimnis geblieben.

auf der Verbindungsscharte zum Risser Falk angelangt – Blick auf die Südostflanke

Warum also eröffnete er den schwierigen Anstieg über den nach ihm benannten Kamin auf der Südflanke, wenn es direkt an der Südostkante vorwiegend im Gehgelände möglich ist. Die Erklärung kann nur sein, daß es zu jener Zeit noch niemand ernsthaft probiert hat und angesichts des leichten Südostanstiegs auch sein offensichtlich gewählter Anstieg über einen sichtbaren Kamin (den der Autor beim besten Willen nicht ausmachen konnte) ein völliger Irrtum war.

rechts Scharte mit Übergang auf die rechte Gratseite

Nach der Scharte wird die Westflanke zu einem Steinmandl etwa auf gleicher Höhe gequert und jenseits davon, über ein paar kleine Rippen auf ein Schuttband zugestiegen, das in ein Wiesenband übergeht und zur Grathöhe leitet.

Aufstieg nach dem Übertritt und einigen Metern am Band entlang

Die Scharte wird nach rechts überschritten und auf einem schmalen Band, fast ein Steig, zu einer Steilpassage weitergegangen, die direkt durchstiegen wird und oben der Grat in Wiesengelände wieder erreicht wird.

schmales Band nach dem Übertritt

Anschließend folgt schräg nach unten gerichteter plattiger Fels, bei dem man sich nur trauen muß ihn auf Reibung zu nehmen. Alternativ hat er einen Riß, der einem Tritt Halt bietet.

Rampe zur Verschneidung hinab

Die Stelle leitet zu einer Verschneidung über die oben zum Kamin wird mit einem Klemmblock an der oberen Begrenzung. Durch diese schöne Passage wird entweder unter dem Klemmblock durchgestiegen, oder seitlich rechts davon oberhalb vorbei.

breiter Kamin mit Klemmblock oben nach der Verschneidung

Weiter folgt eine schöner Abschnitt am recht flachen und ausgesetzten Grat, mit einer Gehbreite von etwa knapp einem Meter, im ausgesetztestem Teil etwas schräg geneigt, jedoch sicher auf Reibung zu begehen.

unterhalb des Klemmblockes

Am Ende des schmalen Grates hinweg bis zum Abbruch der Grathöhe, der zum Absteigen über etwa drei bis vier Meter in eine Scharte zwingt und in der ein Türmchen rechts umgangen wird. Der weitere Verlauf leitet zum Gipfelaufbau über.

schöne ausgesetzte Schmalstelle

Anschließend an die Scharte wird über flachere glatte Felsen bester Gesteinsqualität zur nächsten Steilpassage aufgestiegen und die Grathöhe nach rechts in wiesendurchzogenes Steilgelände verlassen.

weiterführendes Gratstück mit erkennbarer Scharte links unten

Durch dieses hinauf in die echte Ostflanke des Risser Falk und oben flacher, in leichtem Gehgelände weiter bis zu einem mit Almrosen durchsetzten Rinne mit Steinmandl oben (möglicherweise kann man die Rinne auch rechts umgehen, beim Autor stand jedoch der Klettergedanke im Vordergrund).

Aufstieg jenseits der Scharte über festen, plattigen Fels und oben schräg nach rechts weiter

Am oberen Ende über weitgehend reines Gehgelände am flacheren Gratkamm in etwa 5min bis zum Gipfel.

nächste Kletterstelle – blumenbewachsene Rinne mit Steinmann oben

Der schöne und weithin sichtbare Risser Falk Gipfel entbehrt leider eines Gipfelkreuzes. Ein Gipfelsteinmann stellt die Verwahrung des Gipfelbuches sicher und die Häufigkeit der Besuche des Risser Falks kann an den jährlich etwa fünf Seiten Einträge in das Gipfelbuch abgeschätzt werden. Das Buch stammt aus dem Jahr 1983 und enthält wohl noch Raum für Einträge der nächsten 20 Jahre.

Gipfel des Risser Falk, 2.414m

Zum Zwecke des „recogniscirens“ verbrachte der Autor eine gute Stunde in diesem ihm neuen Teil des Karwendels. Ein lohnende rassige Überschreitungstour, die sofort ins Auge fällt fährt man nach Hinterriß ein scheint die Ersteigung des Kleinen Falk und die Überschreitung auf den Risser Falk. Dieser Übergang dürfte einer der schönsten in der Falkengruppe sein und fällt unter unbedingtes Interesse noch in diesem Sommer.

Gratverlauf Kleiner Falk bis Risser Falk

Gewaltig steht dem Risser Falk im Süden die Mauer aus den höchsten Gipfeln der Karwendelhauptkette gegenüber.

Blick auf die Ladizalm (links Falkenhütte)

Hier ein Blick auf das Gelände der Ladizalm mit den schauerlichen Nordabbrüchen der Karwendelhauptkette – es beherrschen das Bild die Sonnenspitzen und die Kaltwasserkarspitze.

Im Osten des Karwendels thronen Bettlerkarspitze, Schaufelspitze und Sonnjoch (letztere verdeckt durch den Laliderer Falk).

Gipfelaussicht nach Osten – von Guffert über das Rofan bis zur Bettlerkarspitze

Im Südosten kann rechts der runden Schulter der Gamsjochspitze in der Ferne sogar noch der 11,5km entfernte Hochnissl eingesehen werden.

Schaufelspitze im Hintergrund, Laliderer Falk und Gamsjoch bis Lamsenspitze

Über Lamsenspitze, Hochglück und der wenig bekannten und schwer zu erreichenden Spritzkarspitze über die Grubenkarspitze zur auffälligen Dreizinkenspitze und den Laliderer Wänden reicht der Blick.

von Hochglück bis zur Dreizinkenspitze

Im Süden ragt die bekannteste aller Gipfel mit der längsten zusammenhängenden senkrechten Wandflucht in den Nördlichen Kalkalpen auf, die Lalidererspitze, exakt über dem Ladizköpfl tief unterhalb in der Ladizalm gelegen.

im mittleren Bilddrittel die Lalidererspitze, der östliche und westliche Ladizturm (links neben dem dem östlichen L. lugt die Speckkarspitze hervor) sowie rechts davon die gewaltige Bockkarspitze; weiter rechts die Sonnenspitzen, sowie westlich davon die Kühkar- und die Moserkarspitze

Es folgen jeweils links und rechts der Ladizalm die Bockkarspitze, die mächtigen Sonnenspitzen, sowie weiter westlich die Kühkar-, die Moserkar- und die Rauhkarlspitze. Zwischen all den eindrucksvollen Gipfeln dringen immer wieder die Gipfel der Gleirsch-Halltalkette durch und es wird dem Autor ab nun ein leichtes sein, von jenen im Süden den Risser Falk im Norden auszumachen.

Rauhkarlspitze und gleich rechts daneben die Kaltwasserkarspitze, sowie die Birkköpfe im Hintergrund, die Birkkarspitze, die Ödkarspitzen, Seekar-, Breitgrießkar- Riedlkar-, Larchetkar- und zuletzt die Pleisenspitze;
die Arnspitzen (dunkler Turm in der Ferne) und die beginnende Nördliche Karwendelkette

Recht genau mit Peilung Südwest findet sich die gewaltige Kaltwasserkarspitze und links davon lugt sogar noch der höchste der Sägezähne in ihrem Südgrat hervor.
Nach der Kaltwasserkarspitze in Richtung Westen erspäht man bei guter Sicht in der Senke zwischen dem Pkt. 2.552 und dem Hochjöchl (2.413m) den Hohen Gleirsch mit 14,2km Entfernung bevor die Birkköpfe im langen Südgrat der mächtigen Birkkarspitze zu jener gewaltigen Erhebung überleiten.

In der Folge werden die Ödkarspitzen, in Verschneidung mit der Marxenkarspitze gerade noch die Große Seekarspitze, niedriger aber dafür gut zu sehen die Kleine Seekarspitze und rechts davon die Breitgrießkarspitze als markanter Punkt mit steilem dunklen Nordabbruch.

Weiter im Westen dann die Große Riedlkarspitze und fast in deren Flucht, Larchetkarspitze und Pleisenspitze.

Den auffallend dunkle abgerundete Turm im Westen stellen die Arnspitzen in ihrer Flucht dar bevor in deren rechten Flanke die Nördliche Karwendelkette mit Brunnstein- und Kirchlspitze beginnt. Dahinter das gewaltige Massiv der Wettersteiner mit der Zugspitze.

Östliche Karwendelspitze, Grabenkarspitze, Lackenkarkopf und Kuhkopf, rechts die Soierngruppe

Dem Risser Falk gegenüber die höchste Erhebung in der Nördlichen Karwendelkette, die Östliche Karwendelspitze und näher am Grat Grabenkarspitze, Lackenkarkopf und Kuhkopf. Direkt gegenüber die Talelespitze mit dem scharfen Übergang zum Kuhkopf, ein reizvoller Übergang, klettertechnisch nicht sehr anspruchsvoll. Ganz rechts finden sich die Vorkarwendelberge der Soierngruppe.