Archiv der Kategorie: Zillertaler Alpen

Schitour Sumpfschartl, 2.666m

Eine beliebte Schitour im hinteren Valsertal führt auf das Sumpfschartl, einer Scharte im weiterführenden Grat zum Kraxentrager, bei der sich die Einzelgrate der Saxalmwand und der Langen Wand vereinen und eine gute Aussichtsstelle bilden.
Durch das Sumpfschartl führt der  Geistbeckweg1, ursprünglich zum Zwecke der Verbindung2 zwischen Landshuter und Geraer Hütte, der 1928 unter maßgeblichem Betreiben von Josef Huter Besitzer des Gasthofs Lamm in St. Jodok erbaut wurde.

Sumpfschartl, 2.666m

Sehr interessant erscheinen auch zwei völlig verschiedene Gesteine, die auch im Winter im Aufstieg deutlich sichtbar sind. Im unteren Teil, in der Talstufe nach der Bloaderalm tritt im engen Teil neben der Aufstiegsspur der sogenannte „Hochstegenmarmor“ an einer kleinen Felswand, an der mit zwei Spitzkehren der steilste Teil der Talstufe durchschritten wird. Diese Stelle findet sich ausführlich beschrieben im Bericht über die tolle Schitour auf die Saxalmwand.

in der Gufel; der dunkle Amphibolitfels gut zu erkennen

Die zweite Stelle, bzw. Bereich, stellt das Gestein am Sumpfschartl selbst dar. Eingebettet im Zentralgneis der Tuxer Decke befindet sich eine Lage aus dunkelgrünem bis schwarzen Amphibolit, die sich von der Vennalm über das Sumpfschartl östlich weiter, in den unterhalb des Sumpfschartls gebildeten Kessels und über die Lange Wand nördlich hinaus bis ins Valstal hinauszieht.
An der Ostwand des Sumpfschartls kann dieses auffällige Gestein vom hellen Zentralgneis gut unterschieden und erkannt werden.

bei der Bloaderalm

Der frühe Aufbruch stellt für die beiden Ziele oberhalb der Bloaderalm immer eine gute Wahl dar, da sich aufgrund der spärlich vorhandenen Parkmöglichkeiten entlang der schmalen, gezäunten Straße bis zum Gasthaus Touristenrast keine Alternativen bieten und von den Parkplätzen Touristenrast und Geraer Hütte etwa ein Kilometer zurück zu marschieren ist.

Rückblick von der „Falle“ zur Bloaderalm

Nach einer Holzbrücke über den Valser Bach (nach Vereinigung des Alpeiner und Zeischbachs) wird der erste freie Hang erreicht, der „Farbmlahner“ genannt und im oberen Teil mit Spitzkehren bis zum Fahrweg zur Bloaderalm begangen wird. Im Frühjahr ist der obere Teil des Farbmlahners meist von einer Nassschneelawine durchzogen, die einfach umgangen werden kann (Fotos im Bericht Saxalmwand).

oberhalb der Talstufe in Richtung zur langen Aufstiegsmulde

Kurz führt der Weg durch den Wald, bevor er unterhalb der Bloaderalm deren Freigelände erreicht. Zwischen den prächtigen Almgebäuden, die bereits an die hundert Jahre dort dem Wetter trotzen, wendet sich der Aufstieg der ersten steilen Talstufe zu, die gut eingesehen werden kann, die jedoch den Blick auf den Aufstieg durch den steilen Teil noch nicht freigibt.

am Ende der Mulde

Talseitig rechts im Aufstieg führt die Route durch einen Lärchenwald, der merklich steiler wird, bevor die Route zu einer flacheren Stelle auf die linke Talseite wechselt und der Aufstieg durch den steilen Teil sichtbar wird.

auf Höhe der Schaferhütte, bereits in der Ferne der Felsspitz oberhalb des Sumpfschartls sichtbar

Oberhalb des kleinen Kessels, der durch die Verflachung gebildet wird, befindet sich ein mehr oder weniger vereister Wasserfall aus dem Hochtal, umgeben von wilden Felswänden. Im linken Teil des Kessels verschwinden die Felswände zugunsten einer steilen Schneise mit niederem Baumbewuchs, durch die abgefahren wird. Das Gelände dort wird bezeichnenderweise „Falle“ genannt.

Hohe Warte im Kamm zwischen Vals und Schmirn; rechts die einsame starke Zirbe

Vorbei an dem kleinen Felswändchen aus dem interessanten Hochstegenmarmor führt der Aufstieg, der im Sommer wohl Viehaufstieg gewesen sein muß. Betrachtet man das Felswändchen genau, dann entdeckt man ein halb verfallenes Holzmarterl und div. Farbbeschriftungen der Felsfläche, unter anderem die Jahreszahl 1949.

Blick zur oberen Jochgrube

Oberhalb dieser Stufe befindet man sich in flacherem Gelände. Die Route orientiert sich an der Freifläche, die im Aufstieg wieder auf die rechte Talseite führt. Dort formt sich eine Mulde aus, höchstwahrscheinlich gebildet durch Muren aus den Hochflächen darüber.

Die Mulde weitet sich im oberen Teil, wo sie auch steiler wird, zu einem etwa 400 bis 500m breiten Tal in Richtung Süden, zum Sumpfschartl. Rechts, südwestlich zweigt ein schmäleres Tal zum Niedervennjöchl ab, das bei der Schitour zur Saxalmwand begangen wird.

Aufstieg zum Karboden unterhalb des Sumpfschartls

Etwa auf 2.030m taucht links des Aufstiegs die Schaferhütte auf, die in großem Abstand liegen gelassen wird, ebenso wie die zehn Minuten des Aufstiegs über ihr stehende einzelne Zirbe mit Doppelstamm, die an ihrem Standort unbeirrt oberhalb der Baumgrenze gedeiht.
Bereits auf Höhe der Schaferhütte kann das kleine, nach links steil abfallende Spitzl des Felsens am Sumpfschartl gesehen werden. Allerdings zieht sich der Aufstieg dorthin schon noch.

rechts im Tal geht es in Entfernung von der Saxalmwand weiter

Die Flurbezeichnung oberhalb der Zirbe lautet „Untere Jochgrube“ und sie wird durch eine leicht steilere Stufe von der Oberen Jochgrube getrennt. Das Gelände ist gut kupiert und manche Hügel erinnern an Moränengeschiebe; der Aufstieg erfolgt ausweichend leicht an den Flanken im Tiefen.

auslaufende Rippe, die unseren Aufstieg von der Langen Wand trennt, etwa auf 2.300m

Nach der Oberen Jochgrube (2.200m) auf etwa 2.280m wird das Gelände flacher und die Kupierung geht in eine weite ansteigende Mulde über, die auf die nächste Stufe, das Kar unterhalb des Sumpfschartls auf 2.500m überleitet. Im letzten Teil zeigte sich der Übergang bei unserem Aufstieg etwas abgeblasen und mit Felsbrocken durchzogen, jedoch ohne großartige Suche nach der besten Passage durchquerbar.

etwas flacher geht es weiter, hier etwa 2.350

Am flachen Plateau im Kar unterhalb des Sumpfschartls angekommen rätselten wir, welcher Aufstieg der Beste sein würde. Da wir an diesem Tag die ersten waren konnten wir keiner sichtbaren Spur folgen. Bei diffusem Licht war eine präzise Geländeform auszumachen nicht möglich und der Normalanstieg auf der Flanke der Südseite erschien uns als zu abgeblasen felsig im obersten Teil. Also entschieden wir die Leeseite des Karkessels als Aufstieg zu wählen, genau an diesem Teil des Hangs an dem abgefahren wird und sollten mit dieser Wahl einiges an Mühe erleben.

am Karboden auf etwa 2.500m

Zwar hatten wir hinsichtlich Windeinfluß und aperen Stellen mit der Begehung des steilen Hangs genau richtig getan, die Schneeverhältnisse jedoch straften uns insofern gleich ab, als daß wir ständig durch die sehr brüchige Harschoberfläche durchbrachen, die etwa 10 cm stark und aus der grobkörnigen Umwandlungsschicht bestand, die man vorwiegend im Frühjahr antrifft, heuer jedoch den ganzen Winter über immer wieder antraf.

unterwegs zum steilen Schlußteil auf das Sumpfschartl

Noch vor der Hälfte des Höhenunterschieds zum Sumpfschartl mußten wir die Schi schultern, da ein Weiterkommen  mit zunehmender Steilheit nicht mehr möglich war und tauschten damit gegen tiefes Einsinken und mühsames Fortkommen in direkter Falllinie.

etwa die eingeschlagene Richtung weiter am Hang rechts der Schrofen wählten wir die Aufstiegsroute und erreichten oben die dunklen Felsen rechts neben dem Sumpfschartl

Oberhalb der Hälfte änderten sich die Schneeverhältnisse schlagartig hin zu einer völlig durchgefrorenen Schmelzoberfläche, die das Stufenschlagen mit dem Schuh kaum möglich machte und für jeden Tritt etwa fünf kräftige Schläge nötig waren, um genügend tief einzudringen.
Für diesen bockharten Teil wären Steigeisen nötig gewesen, die wir für solch eine Tour natürlich nicht dabei hatten.

Ankunft in der Gufel unterhalb des Grates zur Saxalmwand unweit und etwas höher als das Sumpfschartl.

Während des sehr anstrengenden Aufstiegs wurde uns rasch klar, daß eine Querung zum etwas südlich gelegenen Sumpfschartl nicht einfach möglich sein würde und beschlossen, uns in direkter Richtung weiter zum Felsansatz des Grates weiter zu bewegen und dort zu queren.

Erkundung des Abstiegs zum Sumpfschartl

Somit stapften wir keuchend durch den steilsten Teil des gesamten Kars mit deutlich über 40° Hangneigung und gelangten kaum 50m westlich des Sumpfschartls in eine komfortable, windgeschützte Gufel, etwa 20Hm oberhalb des Felsspitzes der das Sumpfschartl nördlich begrenzt.

von links: Hohe Warte (Schmirn), Kleiner Kaserer, Hohe Kirche (vorne), Olperer und Fussstein knapp nebeneinander, Hohe Warte (Vals, vorne) und der Gipfelbereich der Sagwandspitze

Von der Gufel aus erkundeten wir die kurze Querung, die mit dem Abstieg entlang der schönen glatten Wand, die schon von weitem die Lage des Sumpfschartls für den Tourengeher im Aufstieg markiert. In der Gufel und während der Querung kann man auch die schönen schwarzgrünen Amphibolitoberflächen am Grat erkennen.

kurzer Abstieg entlang des Felsspitzes zum Sumpfschartl

Angekommen am breiten Sumpfschartl blies uns gleich der scharfe Wind um die Ohren weswegen wir ja die Südflanke des Kars mieden. Außer einer Minute für ein paar Fotos zum Schrammacher und Wolfendorn, sowie über das sehr breite apere Tal des ehemaligen Venner Ferners, zogen wir uns für die Gipfelrast in das Lee der Felswand zurück, um dem schneidend kalten Geblase zu entgehen.

Kraxentrager vom Sumpfscharll aus

Der Geistbeckweg zieht von Osten über die Südflanke des Kars durch die Scharte, von der aus er ohne wesentlichen Höhengewinn zur Landshuter Hütte weiterführt, die vor der Scharte aus nicht eingesehen werden kann.

links Wildseespitze, mittig Rollspitze, rechts Wolfendorn

Gen Osten bietet das Sumpfschartl einen tollen Blick zum Ortler und von unserer Position zuvor, aus der Gufel etwas westlich vom Sumpfschartl, konnte auch der Grat von der Hohen Kirche über die Hohe Warte zum Gipfel der kühnen Sagwandspitze gesehen werden.

im Sumpfschartl nach Nordwesten geblickt – einzig windgeschützte Stelle hinter einem Wandvorsprung

Rückwirkend betrachtet, vom Sumpfschartl aus gesehen, hätten wir den steinig aperen Normalaufstieg vom Karboden zum Geistbeckweg nehmen sollen, der dafür weniger steil und wahrscheinlich besser begehbar – allerdings mit viel mehr Wind durchzogen – gewesen wäre. Wie sehr eine Einschätzung im Schnee bei diffusem Licht danebenliegen kann haben wir am Hang zum Sumpfschartl dadurch selbst erfahren.

Felsspitz oberhalb des Sumpfschartls, Gestein: Tuxer Zentralgneis

Als Abfahrtsroute wählten wir die Normalabfahrt, die westlich vom Sumpfschartl auf den nicht mehr felsdurchzogenen Hang hinausquert, um ohne Hindernisse durch Felsen und Blöcke zum Karboden hinabzuziehen. Auf etwas ruppiger Oberfläche, die im unteren Teil nur wenig Druck beim Schwung vertrug, erreichten wir den Karboden wieder, auf den nun mehrere Gruppen aufgestiegen waren.

Blick auf den Abfahrtshang

Mittlerweile hatte auch der Himmel weiter aufgeklart und wir konnten im Rückblick vom Karboden unsere Aufstiegsroute als die deutlich steiler erkennen.

Rückblick vom Karboden zum Sumpfschartl bei plötzlich besserer Sicht

Das Abfahrtserlebnis über das schön gestufte breite Tal bis zur Schaferhütte ist die Tour wirklich wert, ein tolles Erlebnis mit der gewaltigen Wand der Saxalmschuppe linkerhand während der Abfahrt.

Saxalmwand im Hintergrund

Diesmal probierten wir durch den Hang östlich der Schaferhütte abzufahren, der bei der Tour auf die Saxalmwand nicht erreicht wird und „Reatin“ genannt wird.

tolles, kupiertes Schigelände hinab zur Schaferhütte

Der Hang hat eine angenehme Steilheit und zwischen den jungen Lärchen seine Schwünge zu ziehen bleibt in Erinnerung und wurde in unserem Fall nur durch einen leichten Harschdeckel erschwert.

vereinzelter Jungbaumbestand im Hang „Reatin“

Unterhalb dieses Hanges wird die Aufstiegsspur wieder erreicht, die überquert, und die Talstufe hinab zur „Falle“ nun noch steiler (lt. Tiris >40°) abgefahren wird.
Von dort fuhren wir links der Einschnürung des Geländes durch den Bach hinab zur Bloaderalm von der aus wir noch einen bärigen Rückblick mit der Saxalmwand genossen.

Blick auf die Hohe Kirche, Hohe Warte (Vals) und weiter südlich die Sagwandspitze (3.227m)

Von der Alm aus hat man auch eine schöne Ansicht der Hohen Kirche, auf die eine tolle Schitour führt, die auf diesem Blog beschrieben wird.

letzter Rückblick unterhalb der Bloaderalm mit der Saxalmwand im Hintergrund

Unsere Aufstiegszeit zum Sumpfschartl betrug 3:15 Stunden, bei 1.405Hm und an Gesamtzeit mit eher kurzem Gipfelaufenthalt betrug 4:42h. Die Streckenlänge beträgt etwa 4,5km.

Mils, 29.02.2020

1 benannt nach Dr. Alois Geistbeck, einem bayerischen Geographen: https://www.deutsche-biographie.de/sfz20244.html

 2 Alpingeschichte kurz und bündig, St. Jodok, Schmirn- und Valsertal: https://www.spitzentreffen.at/wp-content/uploads/2020/05/alpingeschichte_st-jodok_2016.pdf

 

Schitour Saxalmwand, 2.635m

Die vom Westen, vom Venntal aus, geometrisch imposante, massive Berggestalt der Saxalmwand bietet eine ansprechend abgestufte, edle Schitour vom Valsertal aus – sie empfiehlt sich hinsichtlich der Hangneigung dem fortgeschrittenen Geher.

Querung nach Südwesten unterhalb des Fels- und Schrofengürtels – ein bäriger Hang!

So wenig spektakulär wie die Nordflanke der Saxalmwand – des Sommers vom Venn aus betrachtet – wirkt, so außergewöhnlich ebenflächig und selektiv ist ihr Nordhang bei der Begehung als Schitour vom Valsertal aus des Winters. Die Hangneigung – dem TIRIS entnommen – weist durchaus Werte zwischen 35 und 40° auf und bestimmt daher die generelle Inangriffnahme des Gipfelhangs bei entsprechender Lawinenwarnstufe, siehe Neigungskarte in der Bildgalerie.

Start am Parklpatz auf der Straße von Vals zum Gh- Touristenrast

Der untere Teil des Anstiegs auf die Saxalmwand  teilt sich jenen mit dem Anstieg auf das weiter südlich liegende Sumpfschartl, das im Grat zum Kraxentrager liegt. Der gemeinsame Anstieg besteht vom Ausgangspunkt bis auf etwa 2.000m, wo sich, in der aufweitenden Karlandschaft zwischen dem Kamm der Langen Wand und der Saxalmwand, die Routen trennen. Die originäre Quelle der Bezeichnung „Saxalm“ für die Gipfelschuppe der Saxalmwand konnte im Zuge der Recherchen zu diesem Bericht nicht ergründet werden.

Rückblick vom ersten Hang zur Bloaderalm

Ein im Aufstieg aus nächster Nähe zu bestaunendes Detail besteht im geologischen Aufbau der Saxalmwand als auch dem Kamm der Langen Wand Teil. Beide bilden einen Teil der Hochstegenzone (aus Kalkmarmor1 bestehend) und ihr Südende (gegen den Kraxentrager hin) stellt auch die Trennung zwischen der Hochstegenzone und der Wolfendorndecke jenseits des Sumpfschartls im Süden dar.

bäriges Panorama – Olperer und Fussstein im Osten

Am Anstieg über die Talstufe nach der Bloaderalm kann diese Gesteinsserie der Hüllgesteine des Tuxer Kerns, mit ihrer interessant matt schimmernden Oberfläche, im Steilaufstieg am offen angewitterten Fels im Detail aus nächster Nähe beobachtet werden (Foto weiter unten).

vor der Bloaderalm

Durch das diesig trübe Wetter am Vortag wurde unsere Anreise ins Valsertal verzögert, da wir Gewissheit über einen klaren Himmel haben wollten und die Dämmerung abwarteten. Dadurch erreichten wir die wenigen teilgeräumten Parkplätze auf der Straße zum Gh. Touristenrast erst gegen 8:30 Uhr, dafür aber bei prächtigem Wetter und, weil eben wegen der Eintrübung tags zuvor wenig Tourengeher unterwegs waren, als ziemlich die ersten nach Markus und Astrid, die wir zufällig getroffen haben.

die 1921 erbaute Bloaderalm

Gemeinsam stiegen wir zu viert auf der gegenüberliegenden Talseite zur Bloaderalm auf. Der Schnee, trotz milder Temperaturen recht hart und nach der langen Schönwetterperiode bereits ziemlich zerfahren.

oberhalb der Bloaderalm im Lärchenwald – noch auf der rechten Seite im Aufstiegssinn

Am Waldrand führt die Spur über den steilen freien Hang bis zum Fahrweg zur Bloaderalm hinauf. Etwa 250m bleibt man am Weg bevor er aus dem kurzen Waldstück in freies Almgelände mündet.

es wird etwas steiler

Bereits an der Bloaderalm kann die eindrucksvolle Saxalmwand mit ihrem beeindruckenden nordwestseitig sehr kontinuierlich pyramidenartigen Aufbau und dem südostseitigen Steilabbruch mittig im Tal eingesehen werden, fast wie ein gestelltes Motiv.

die Talstufe die zu überwinden ist wird nach links (östlich) gequert

Noch vor dem Zaun wird der Weg rechts verlassen und neben dem Zaum, außerhalb der Almwiesen aufgestiegen. Dabei passiert man die malerischen Almgebäude (siehe Aufschrift „1921“), die sich nach 100 Jahren in erstaunlich gutem Zustand befinden.

Querung nach links zum Aufstieg neben den Felsen

Am beginnenden Hang führt die Route anschließend in den Lärchenwald und weiter zum Talende ostwärts auf die andere Talseite, einen steilen Hang querend, der bei der Abfahrt auch befahren werden kann.

Herwig am herrlich anzusehenden Kalkmarmor

Auf der gegenüberliegenden Talseite leitet der Anstieg über den Normalweg mit Serpentinen nahe den oben beschriebenen prächtigen Kalkmarmorfelsen, deren augenfällig zuckerkörnige Oberfläche unübersehbar ins Blickfeld gerät, über die Talstufe hinauf zur nächsten flacheren Passage.

mit ein paar Spitzkehren

Oberhalb der Talstufe wendet sich die Route wieder südwestwärts in einen zunächst breiten Graben, der mit der Höhe schmaler wird und sich, gegen sein Ende hin, zum breiten Hochkar zwischen Langer Wand und Saxalmwand ausbildet.

und oberhalb der Talstufe

Auf etwa 2.120m trennen sich die Anstiege der Touren, wobei die Route zur Saxalmwand rechterhand, westwärts abzweigt und die Route zum Sumpfschartl geradeaus nach Süden aufsteigt.

mitten in der Mulde

An dieser Stelle betrachte man den hoch aufragend trotzenden, kühn posierenden Doppelstamm einer Zirbe inmitten der Hochfläche, einige Hundert Meter entfernt, auf der Route zum Sumpfschartl. Diese Zirbe mag im ersten Moment nur als Baum wahrgenommen werden, mit etwas Einfühlungsvermögen über ihre Lebensbedingungen jedoch wandelt sie sich aber zum Naturschauspiel, zum lebendigen Juwel.

Blick Richtung Sumpfschartl

An dieser Stelle trennten sich unsere Wege. Für uns ging es in der schönen Mulde Richtung Niedervennjöchl während unser Bergkollegenpaar  die Marschrichtung beibehielt und über die kurzweilig wechselnde Hochfläche weiter gegen den Hauptkamm zum Kraxentrager aufstieg.

nach der Abzweigung zum Niedervennjöchl

Beide Ziele sind übrigens 1.050m Luftlinie voneinander entfernt und unterscheiden sich lediglich in 31m Höhe zugunsten des Sumpfschartls mit 2.666m. Das Sumpfschartl liegt etwa mittig auf fast einer Geraden zum Kraxentrager, kann aber vom Gipfel der Saxalmwand nicht eingesehen werden.

 

Rückblick auf die Verzweigung

Der kurze Graben zum Niedervennjöchl verengt sich gegen die Jochhöhe hin und in gleichem Maße steilt er auf.
Die Jochhöhe wird nicht betreten, etwa 30 bis 40 Höhenmeter vorher führt die Route vor dem Felssporn über steiles Gelände auf eine Abflachung mit der Höhe von recht genau 2.300m.

steil auf die Flachstelle hinauf

Vor dieser Abflachung lag nun der breite, steile und  ebenmäßige Hang der die Saxalmwand ausmacht und der mit Freude, aber auch mit gewissem Respekt in Angriff genommen werden sollte.

die Stubaier Berge jenseits des Niedervennjöchls

Für uns war es Zeit die kleinen Rutscher, die uns durch einen leichten Flaum nächtlichen Schneefalls auf der Spur schon viel weiter unten zu ärgern begonnen haben, endlich mit dem Einsatz von Harscheisen zu beenden.

der Steilhang beginnt

Ihre Verwendung zögert man generell gerne hinaus und das hat wahrscheinlich nicht nur beim Autor psychologische Gründe. In gewisser Weise fühlt man sich ja mit Harscheisen – in nicht absolut ihren Einsatz erzwingendem Gelände – irgendwie so wie ein zwölfjähriger mit Schwimmflügeln im See.

Steilhang mittlerer Teil

Nun, nach Dutzenden von lästigen und auch kraftraubenden Rutschern in der Spur befanden wir an dieser Stelle genügend weichgeklopft worden zu sein, um sie montieren. Vor allem aber rechtfertigte die beeindruckende Hangneigung in Verbindung mit den – wie wir später noch merken mußten – teilweise schon sehr gepressten Schneeverhältnissen ab der Flachstelle ihren Einsatz zusätzlich.

schöne Szenen im Steilhang

Nach ein paar wenig sympathischen Metern im flachen mit den Eisen empfand der Autor auf den harschig verhärteten Inseln am Hang endlich Genuß beim Aufstieg mit den Halt bietenden Krokodilen unterm Schuh.

Ansicht nach Osten im Steilhang

Eine recht angenehm ansteigende Spur zog sich über den gut 150Hm messenden Teil des steilen Gipfelhanges. Die Winkeländerung zur Verflachung des Hangs im oberen Teil kann bereits von unten, von der Flachstelle aus, erkannt werden. Diese besteht aus einer Linie mit kleinen Erhebungen von Fels- und Schrofenpartien, die sich quer über den einsehbaren Teil des Hangs zieht und die nicht durchschritten, sondern umgangen wird.
Unmittelbar unterhalb dieser Linie weist der Hang die größte Neigung auf, die im TIRIS mit einer Neigung von 40° und mehr gekennzeichnet ist, in natura aber nicht ganz so spektakulär wirkt.

es wird wieder flacher

Nach ein paar recht langen Abschnitten zwischen den Spitzkehren – eben durch die angenehme Steigung der Spur –  erreichten wir die Zone mit den Felsbrocken und folgten der nun unterhalb weit nach Südwesten hinausquerenden Spur. Dieser Teil der Route kann von der Flachstelle unten nicht eingesehen werden.

der Gipfel – bzw. der Gratkopf der Saxalmwand – rückt näher

Sie wird zusehends flacher und dreht in weitem Linksbogen nach Südosten auf den Gipfel zu. Die Felsbrockenzone verschwindet mit zunehmender Höhe und die Hangneigung wird merklich geringer – lt. TIRIS unter 30°.

Herwig am Gipfel der Saxalmwand

Von Südwesten her zeigte sich der Gipfelschlußhang bei unserer Begehung recht abgeblasen, wodurch wir am direkten Hangbuckel blieben und in Serpentinen dem kleinen Gipfelkreuz zustrebten, das man schon eine ganze Weile sieht, bevor man es erreicht.

Gipfelkreuz Saxalmwand, 2.636m

Das Gipfelkreuzchen auf der Saxalmwand ist ein kleines Holzkreuz, mit Kabelbindern an eine Vermessungsstange gebunden – es erfüllt seinen Zweck. Gipfelbuch gibt es keines.

Rückblick auf den Gipfelhang

Die Sicht am Gipfel der Saxalmwand war just mit unserem Erreichen des Gipfelbereiches durch plötzlich herziehenden Nebel fast völlig eingeschränkt. Im Laufe der Gipfelrast verbesserte sich die Sicht in Richtung Südwesten und Nordosten, verwehrt blieb uns aber der Blick im weiter verlaufenden Kamm zum Kraxentrager.

Blick vom Gipfel nach Süden zur Landshuterhütte

Der nahe Wolfendorn mit seiner Gipfelpyramide aus Hochstegenmarmor (jurassisch) zeigte sich erst kurz vor der Abfahrt wieder – ein eindrucksvolles Foto von diesem schönen Berg blieb uns verwehrt.

der ästhetische Wolfendorn in Bildmitte

Die Abfahrt im oberen Teil des Gipfelhanges erfolgte durchwegs auf windgepresster Oberfläche mit wenigen Windgangln.

Blick in das Valsertal – die insgesamte Steilheit der Tour kann hier gut erkannt werden

Der Teil im Steilhang war durchwachsen mit härter gepressten Inseln und weicheren Teilen, die einige nette Schwünge zuließen. Richtig fesch durch weichen Schnee fanden wir in der Talmulde unterhalb des Niedervennjöchls bis fast hinab zum Verzweigungspunkt mit der Route auf das Sumpfschartl.

am Beginn des Steilhanges – Hoffnung über dem Autor

Ab der Rinne unterhalb des weiten Tals herrschte vorwiegend ein Harschdeckel über weichem Schnee vor – mit entsprechendem Kraftaufwand zum Drehen.

auf in den Genuß!

Am Ende der Rinne kann man – im Talblick gesehen – links über eine Kuppe haltend über einen schönen Steilhang die Talstufe überwinden. Diese Variante dürfte schöner zu fahren sein als nach der Mulde rechts (im Abfahrtssinn) und die Talstufe durch den Felsdurchschlupf hinab zu überwinden, der augenfällig schon beim Aufstieg links neben dem Bach mit den schön blau gefrorenen Wasserkaskaden ins Auge sticht.

noch einmal die schöne Bloaderalm

Nach der Talstufe vereinigen sich die beiden o. g. Varianten wieder und über etwa 100Hm im lichten Wald hinab erreicht man bald die freien Flächen Bloaderalm. Über den Weg und den Schlußhang geht es zurück ins Tal.

Rückblick auf die Saxalmwand

Der Zeitbedarf für die schöne Tour betrug 4:23 gesamt mit Pausen. Die Streckenlänge ist durch die generelle Steilheit der Route mit knapp 4,5km relativ kurz,  den Höhenunterschied zeigte uns der Höhenmesser der Uhr mit 1.350m.

 

Mils, 26.01.2020

eine sehr interessante Arbeit über die Geologie in diesem Gebiet ist hier zu finden.
Anm. d. Verf.: im Venntal befindet sich an den Südwestabbrüchen der Saxalmwand auf 1.560m Höhe ein 1984 aufgelassener Steinbruch an dem plattige, feinkörnige Gneise und die darüberliegenden ebenfalls plattigen Hochstegen-Kalkmarmore als Bausteine gewonnen wurden

 

Schitour Alpeiner Scharte, 2.959m

Ohne Gipfel muß eine Bergtour auf ein sonstiges Ziel schon etwas Besonderes hergeben, damit man sie unternimmt – und genau das leistet die hochalpine Schitour zur Alpeiner Scharte zwischen dem Fußstein und dem Schrammacher in den Zillertaler Alpen. Sie ist nicht nur die mittig liegende, trennende Scharte im 29km langen Tuxer Hauptkamm, sondern auch ein wichtiger Übergang zwischen den südlichen Zillertaler und den nördlich gelegenen Tuxer Alpen und bietet eine phantastische Aussicht auf viele Dutzend beeindruckende Gipfel des Zillertaler Hauptkammes und gerade noch ein paar Gipfel in den Dolomiten.
Dieser Bericht möchte den Leser nicht nur auf eine großartige Tour, sondern auch auf ein wenig interessante und berührende Landesgeschichte entführen.

Autor im stürmenden Föhn auf der Alpeiner Scharte

Die Alpeiner Scharte wird vom Valsertal aus begangen. Sie zeichnet sich neben der atemberaubenden Kulisse im Talkessel unterhalb der umgebenden Dreitausender auch als eine Schitour mit einer langen nordseitig gelegenen Abfahrt aus, wodurch sie auch nach einer langen Schönwetterperiode noch wenig umgewandelte Schneeverhältnisse bietet, mit dementsprechendem Abfahrtserlebnis in Pulverschnee.

östlicher Teil des Zillertaler Hauptkammes mit Dutzenden Dreitausendern – ganz rechts der Große Möseler

Der Steilhang, von etwa 2.850m bis zur Scharte, weist Geländeneigungen von durchaus 40° auf und kann bei abgewehten Bedingungen, etwa ab der Hälfte, komfortabel nur mehr ohne Schi begangen werden, da auch die Abfahrt in der verbleibenden Rinne zwischen den Felsbrocken auch kein sonderliches Vergnügen bietet. Dies war auch bei unserer Tour der Fall. Bis zum Schidepot (obere Stahlseilverankerung im Felsblock und Wegmarkierung sichtbar) sind Harscheisen immer die Basisausrüstung.

Start am Weg zu den Almen

Der Anstieg ist lang, von dem kleinen Parkplatz beim Gasthaus Touristenrast (nur sommers bewirtschaftet), beträgt die direkte Aufstiegslänge 7km (mit Serpentinen dürften es durchaus 9km werden). Allerdings steigen gut 3,5km der Strecke bis zur hinteren Altererau nur mäßig an.

Gelände Altereralm

Zunächst geht es recht flach vom Gh. Touristenrast dem Weg zur Geraerhütte entlang. Ein unspektakulärer Beginn und gut für als Aufwärmstrecke für den – im Jänner – vollkommen schattigen Anstieg.

an der Alm

Der Rechtsbogen, den das Tal beschreibt öffnet nach und nach den Blick auf die gewaltigen Felsmauern von Olperer, Fußstein und Schrammacher. Die Lage der Alpeiner Scharte kann bereits gut eingesehen werden. Bei der Altereralm wird der gesamte Talkessel sichtbar und auch die beeindruckenden Geschieberippen, die der Alpeiner Bach durch seine energiereichen Wasser ausgeformt hat. Dieses Gelände mit seinen weißen Kuppen und kleinen Tälern wird später zum abschließenden Abfahrtsspaß.

Aufstieg durch die Altererau

Allmählich wird das Gelände steiler, die erste Talstufe beginnt am Ende der Au. Durch lichten jungen Lärchenbewuchs steigt die Route nun an, wobei sie auf einer der Hangrippen eher am rechten Rand der Talstufe beginnt mit dem Alpeiner Bach knapp zur Rechten, in Aufstiegsrichtung gesehen.

Sonnenaufgang über dem Fußstein und Trinkpause

Zweimal im Anstieg quert die Route eine Rippe nach links (östlich), die beste Hangneigung verfolgend. Das Gelände erreicht im steilsten Abschnitt 35° Neigung und bis zur Kuppe oben werden viele Spitzkehren notwendig.
Mehr als eine dreiviertel Stunde benötigten wir für diesen Abschnitt, der sich aber auch, durch den lichten Bewuchs und der zunehmenden Höhe als optisch recht reizvoll einprägt.

das Gelände führt über die Steilstufe hinauf

Anschließend an die Talstufe (etwa auf 2.200m) verflacht das Gelände ein wenig bis signifikant, die genaue Route bleibt zunächst aber wenig erkennbar, da hohe Geländekuppen die Sicht verstellen.

bäriges Aufstiegsgelände

Bald auf einer Rippe und folgend durch Mulden geht es etwa bis etwa 2.500m im rechten Teil des Hochkars bergauf, nahe am einstigen Alpeiner Ferner, von dem rein gar nichts übrig geblieben ist.

Britta vor der Westflanke des Fußstein

Dieser Teil der Tour ist geprägt von einzigartigem Licht- und Schattenspiel, wenn die aufgehende vormittägliche Jännersonne die Südostflanke des Fußsteins beleuchtet und die eigene Position im Talkessel gegen diesen reizvollen Hintergrund magisches Schattentheater über eine Leinwand von nahezu tausend Höhenmetern Mächtigkeit in der klirrend kalten Bergwelt bietet.

am Ende der Steilstufe vor der gewaltigen Kulisse der Schrammacher Nordwände

Ab der Talstufe verstärkte sich der kalte Wind von der Scharte herab zusehends, und die kräftigsten Böen, die wir zu spüren bekamen, kamen knapp an die Qualität heran das Gleichgewicht bei den Spitzkehren zu beeinflussen. Ab 2.500m bis etwa zum Fuß des Steilhangs auf 2.800m hatte niemand Lust auf eine Pause und jedes Foto wurde zum Wettlauf mit halbwegs spürbaren Fingerkuppen nach einigen Minuten wieder im Handschuh.

über Mulden und Kuppen geht es dahin

Der Hang zur letzten kleinen Talstufe, etwa von 2.600m auf 2.750m ist geprägt von einem den Blick magisch anziehenden Stahlgerüst, das zunächst völlig verwundert, kennt man die Hintergründe nicht.

auf etwa 2.400m

Übergroß und in gewisser Weise bedrohlich von Gestalt thront das ehern Zeugnis von Ohnmacht und Unvernunft über dem langen steilen Hang am Felsansatz des Fußsteins Gipfelaufbaues links unterhalb der Alpeiner Scharte.

Ende der steileren Strecke

Seine Geschichte ist eine grundsätzlich unglückliche, wurde es doch einzig ins Leben gerufen, um Grundstoff für Vernichtung zu liefern. Sehr wahrscheinlich war es ihm deshalb verweigert diesem abwegigen Zwecke nicht mit einem einzigen Erzkorn aus Mutter Erdes Schoß zu dienen.

das Monstrum der Umlenkstütze vom ehemaligen Molybdänbergwerk in direkter Aufstiegslinie

Der bedeutende Tiroler Kartograf Peter Anich hat im 18. Jhdt. in seinem „Atlas Tyrolensis“ die Gegend vom „Alpeiner Ferner wo Christall zu finden“ beschrieben und bei seinen Vermessungsarbeiten auch den Fund des bleigrau glänzenden Molybdänsulfids (Molybdänitsulfid MoS2) unterhalb der Alpeiner Scharte, genauer, unterhalb des Westgrates des Alpeiner Schartenkopfes, erstmals erwähnt.

Peter Anich, Atlas Tyrolensis

Das Metall Molybdän wird als Legierungsbestandteil von Stählen verwendet, es verbessert ihre Eigenschaften in Härtbarkeit und Warmfestigkeit und zwar – das ist entscheidend für die Beurteilung der Lagerstättenwirtschaftlichkeit – in bereits sehr geringem Verhältnis von 0,4 bis etwa 2% Massenanteil. Diese Eigenschaften spielen in der technischen Anwendung unter anderem bei Kriegswaffen eine entscheidende Rolle.

der steilere Hang im Rückblick

Im Zweiten Weltkrieg war das Deutsche Reich weitgehend abgeschlossen von diesem Metall, aber seine Rüstungsindustrie sehr darauf angewiesen. Nicht zuletzt die Wendungen der Kriegserfolge Anfang der 1940er Jahre verstärkten die Suche nach dem Metall.

Flex schon bald auf der Karfläche angelangt

Da das Vorkommen am Fuße des Alpeiner Ferners bekannt war gab die Wehrmacht in Berlin eine Untersuchung über die Ertragsmöglichkeit der Lagerstätte in Auftrag, die der bekannte Tiroler Geologe Oskar Schmidegg 1939 ausführte (sein Gutachten liegt in der Geologischen Bundesanstalt, Wien auf). Die im Gutachten errechnete Menge an Erz die hereingewonnen werden könnte wurde allerdings als viel zu groß ausgewiesen, wie sich durch geologische Untersuchungen Jahrzehnte später herausstellte (Anm. d. Verf.: die Angaben in der Literatur,  siehe die Links unten, schwanken von Hunderten bis Zehntausenden Tonnen derart beträchtlich, darum werden hier keine Zahlen angegeben).

ebener Karboden beim ehemaligen Molybdänbergwerk – rechts von Martin die Fundamente des Barackenlagers

Die Erschließung der Lagerstätte wurde unter dem Aspekt der Rohstoffverknappung schlußendlich für würdig befunden und 1941 mit dem Vortrieb, sowie mit dem Bau von technischen Einrichtungen, v. a. die Seilbahn für die Talförderung begonnen.

stummer Zeitzeuge vor toller Alpinkulisse

Die Arbeiten wurden vor allem von osteuropäischen und russischen Zwangsarbeitern ausgeführt, aber auch von gegnerischen Kriegsgefangenen. Als Stützpunkt für die Unterkunft diente die Geraerhütte, mit dem täglichen Anmarsch über mehr als 400Hm. Die wahnwitzige Ironie für den Bergsteiger besteht in der Durchführung der Vortriebsarbeiten auch im Winter! Die Strapazen und Leiden der Arbeiter kann man sich neben der ohnehin unwürdigen Behandlung wahrscheinlich gar nicht schlimm genug vorstellen.

am unteren Teil des Steilhanges zur Alpeiner Scharte

In der Folge war der zu erwartende Erfolg der Gewinnung immer wieder fraglich und es gab nie einen ersten Seilbahnkübel mit Erz, der zu der heute nicht mehr besichtigbaren Aufbereitungsanlage nahe dem Gasthaus Touristenrast zu Tale gefördert worden wäre.

Harscheisen waren ab hier empfehlenswert

Selbst nach einem verehrenden Lawinenunglück im November 1944, bei dem die mittlerweile errichteten Arbeiterwohnbaracken nahe der Stollen durch eine Staublawine völlig zerstört und Dutzende Arbeiter (Anm. d. Verf.: auch hier gehen die Angaben in der Literatur auseinander, daher keine Zahlenangabe) getötet oder verletzt wurden, gab man die Arbeiten nicht auf und führte sie bis in den Mai 1945 fort, bis Innsbruck durch die Alliierten besetzt wurde und den erfolglosen Bemühungen, vor allem aber dem leidvollen Missbrauch der Zwangsarbeiter an der Alpeiner Scharte ein Ende gesetzt wurde.

Blick aus dem Steilhang in die Stubaier

Wer bei derart unwirtlichem Wind – wie er bei unserer Begehung herrschte – die verbliebenen baulichen Zeugnisse der damaligen Anlagen durchschreitet, kann sich den Irrwitz des Winterbetriebes einigermaßen vorstellen.
Man nehme sich die Zeit und besuche die u. a. Links mit teilweise sehr interessanten und auch bedrückenden Recherchenergebnissen über die Errichtung eines Bergwerkes in unzähmbarer alpiner Gegend. Der Autor hat versucht die Links nach seinem subjektiv empfundenen Informationsgehalt zu reihen, beginnend mit dem gehaltvollsten.

Christian hat das Schidepot ohne Harscheisen bezwungen

Auf dem etwa 2.750m hoch liegenden Karboden unterhalb des Steilhanges zur Scharte und leicht rechts (westlich) des Westgrates des Alpeiner Schartenkopfes finden sich, rechts des Aufstiegs, Reste der Fundamente der Wohnbaracken. Dieser Platz eignet sich gut für eine letzte Pause vor dem Steilhang, ggf. auch zum frühen Montieren der Harscheisen. Linkerhand die Umlenkstütze der Bergstation mit den Stollenmundlöchern zum Bergwerk oberhalb.

am Schidepot – unten die Fundamente des ehem. Barackenlagers zu sehen, eine denkbar ungünstige Lage

Zwischen der Westflanke des Alpeiner Schartenkopfes und dem mittigen Moränenhügel führt die Aufstiegsroute an den Steilhang heran, der mit ein paar Spitzkehren bis in die steilste Neigung begangen wird. Die meisten verwendeten dafür die bequemen Harscheisen, Flex und Christian bewiesen sich ohne diese Hilfe auszukommen.

den Sommerweg durch die Felsblöcke zur Scharte

Beim oberen Fixpunkt einer Seilsicherung, von der nur der letzte Meter auf den Verankerungsfels aus der hartgepressten Schneedecke herausstand, machten wir dann mangels Schneeauflage Schidepot und schritten / stapften die letzten etwa 50Hm zur Scharte. Einzig Bergziege Hilli, der es sich nicht nehmen ließ, die etwa 5m breite Schneeschneise mit vielen Spitzkehren bis fast zur Scharte mit Schi aufzusteigen.

oben wird der Hang zur Scharte flacher, Hilli kämpft in der schmalen Rinne

Nach genau vier und ein Viertel Stunden Aufstieg tauchten wir auf der windigen Alpeiner Scharte erstmals an diesem Tag in wärmendes Sonnenlicht ein. Dies allerdings für gerade einmal zehn Minuten, da die Sonne um den Jahreswechsel hinter den westseitigen Grattürmen zum Schrammacher hinauf bereits verschwindet und man zunehmend auf den Gegenhang zum Alpeiner Schartenkopf aufsteigen müßte, wollte man sie länger nutzen.

letzte Meter zur Alpeiner Scharte

Der Ausblick auf die Gipfel des Zillertaler Hauptkamms ist von der Alpeiner Scharte aus phänomenal und deshalb haben wir eine Ansicht mit den bedeutendsten Gipfelnamen in der Bildergalerie erstellt.

Alpeiner Scharte 2.959m

Zweifellos die beeindruckendsten Gipfel im Südosten gegenüber sind – der höchste Zillertaler Gipfel – der 9,4km entfernte Hochfeiler (3.510m), der etwas weiter südöstlich gelegene Große Möseler (3.479m) in 11,2km Entfernung, mit den leicht links aufragenden Pyramiden von Turnerkamp (3.420m) und Großer Greiner (3.201m), sowie der Schwarzenstein (3.369m) mit seinem flachen, weiten Gletscher.

südöstlicher Teil des Zillertaler Hauptkammes mit Großem Möseler links der Bildmitte und Hochfeiler rechts der Bildmitte

Weiter im Osten der Große Löffler (3.378m) und als Highlight der Großvenediger (3.666m) in 54km Entfernung. Den Abschluß an Dreitausender bildet die Reichenspitze (3.303m) in 37km ostnordöstlicher Entfernung.

östlicher Teil des Zillertaler Hauptkammes mit Dutzenden Dreitausendern – ganz rechts der Große Möseler

Der Talblick beinhaltet ein kleines Stück Schlegeisspeicher unterhalb des unberührten Schrammacherkars im schönen Zamsergrund.

südöstlicher Teil des Zillertaler Hauptkammes mit Großem Möseler links der Bildmitte und Hochfeiler rechts der Bildmitte

Leider war unser Aufenthalt auf der unwirtlich böig-windigen und zunehmend schattigen Scharte nur von kurzer Dauer und wir verließen sie kaum eine Viertelstunde nach unserer Ankunft wieder.

Tiefblick nach Süden ins Schrammacherkar

Die Abfahrt über den Steilhang erwies sich unerwartet besser als vermutet. Schwünge über die Windgangln waren komfortabel möglich und man brach nicht ein.

Rückweg zum Schidepot

Weiter unten, etwa auf Höhe des ehemaligen Bergwerks, ging die hartgepresste Schneedecke zusehends in weichere Partien über und die gewaltigen Hänge unterhalb des ehemaligen Alpeiner Ferners ließen sich einigermaßen bequem fahren.

Abfahrt unter dem ehemaligen Alpeiner Ferner

Die flacheren Hänge vor der Talstufe in die Altererau boten dann allmählich den Übergang zum wahren Pulververgnügen, der Schnee wurde immer weicher.

Abfahrt unterhalb gewaltiger Wände des ehemaligen Alpeiner Ferners

Ab der Kante zur Steilstufe fanden wir dann wirklich bärige Rinnen mit Pulverbedingungen vor, die Spuren zeugen vom Vergnügen.

Flex im Steilhang

Selbst der Flachteil in der Altererau bot mit seinen strauchbesetzten Rinnen und Mulden eine tolle Abfahrtskulisse und am Weg nach der Alm konnten wir in der Jännersonne noch ein schönes Abschlussfoto schießen.

ab hier Pulververgnügen

Die ca. 9km Aufstiegslänge ziehen sich über 1.614Hm wofür wir 4:15 Stunden benötigten. Gesamt waren wir 5:30 Stunden unterwegs.

die Aufstiegsspur im Steilhang

Die Schitour könnte man sogar mit der Bahn von Innsbruck oder Brenner und mit der Buslinie 4144 unternehmen.

Truppe nach getaner Arbeit vor Olperer und Fußstein

Morgens und nachmittags gibt es auch am Wochenende fast jede Stunde einen Bus von/nach St. Jodok (Bahn: 6:49 Ibk – 7:15 St. Jodok, Bus 4144: 7:40 – 7:56 Vals + 1,6km Gehstrecke bis Gh. Touristenrast; 15:26 oder 16:56 zurück; Stand: Jänner 2020)

Mils, 02.01.2020

Links zur Geschichte und Technik des Molybdänbergwerks Alpeiner Scharte:
http://www.retrofutur.org/retrofutur/app/main

https://www.zeit.de/2010/29/A-Bergwerk (hierzu muß eine Registrierung mit Passwort beantragt werden – der Bericht lohnt die kleine Mühe)

https://www.bergsteigerdoerfer.org/202-0-St-Jodok-Schmirn-Vals-Alpingeschichte.html (generell sehr interessante Broschüre zum Download – „Molybdänbergbau im Valsertal“ Seiten 74 – 81)

https://wipptalblog.tirol/de/das-molybdaen-bergwerk-im-valsertal/

http://www.sagen.at/doku/bergbau/Bergwerk_Alpeiner_Scharte.html

https://tirv1.orf.at/stories/456498

Fundstücken von Molybdänverbindungen im Bereich der Alpeiner Scharte:
https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/LokationMineralData?param=2931,2568,1

Schitour Hohe Warte (Hogerspitze), 2.687m – von Toldern

Hogerspitze wird die Hohe Warte in der einheimischen Bezeichnung genannt und die Schitour von Toldern ist – mit dem krönenden Abschluß der Gratbegehung – eine wahrlich phantastische, weil sie durch den nördlich ausgerichteten Aufstieg zumeist auch nach einer längeren Schönwetterperiode eine Abfahrt in großteils weichem Schnee bietet, abgesehen von der Gratstrecke und dem obersten kammnahen Hangteil.

Herwig auf der Hohen Warte

Im unmittelbaren Bereich der Hogerspitze gibt es zwei weitere Hohe Warten, und zwar eine für Schitouren unbegehbare, die Hohe Warte (2.943m) am Kamm zur Sagwandspitze im Valsertal und fast 180° gewendet die Hohe Warte (2.398m) im Navistal, eine beliebte, leichte Schitour von Navis aus.

Autor vor toller Kulisse

Der generell durchgehend steile Aufstieg stellt allerdings bei entsprechender LWS eine Gefahr dar, die nicht unterschätzt werden darf. Im Wald, auf der Steilstufe nach der Waldgrenze und im oberen kammnahen Hangteil werden Passagen von gut über 35° Hangneigung durchschritten, die beachtet werden müssen.

Parkplatz Toldern, 1.535m

Am Grat selber bestehen einige Passagen mit noch größerer Hangneigung, wenn diese auch zumeist vom Schidepot aus zu Fuß begangen werden. Bei Verhältnissen, die erwarten lassen, daß die Schneedecke in dieser Höhe sehr weit durchgefroren ist empfehlen sich Steigeisen für die letzten, von der Steilheit her, nicht zu unterschätzenden 230Hm zum Gipfel.
Die Gefahr durch Wechten ist an einigen Gratstücken nicht zu vernachlässigen und ihr gedankenlos zu folgen, auch wenn eine vorhandene Spur den Aufstieg  vorgeben mag.

Blick ins Wildlahnertal

All diese würzigen alpinen Zutaten krönen diese leicht mittellange Schitour zu einem Hochgenuss, wie auf den folgenden Bildern unserer Begehung erkannt werden kann.
Es mag auch möglich sein fast, oder ganz bis zum Gipfel mit Schi aufzusteigen und über die Südostflanke wieder zum Gratsattel abzufahren, bei den momentanen Verhältnissen (Gleitschneegefahr auf steilen Wiesenhängen) ist jedoch davon unzweifelhaft abzuraten. Der Gratkamm ist in jedem Fall sicherer.

Abzweigung zur Hohen Warte

Gegen 7:45 waren wir diesen tags die ersten am Parkplatz am Ende von Toldern Richtung Wildlahnertal auf 1.530m und das sollte glücklicherweise auch bis zum Gipfelkreuz so bleiben.

Aufstieg teils im Wald, teils auf Freiflächen

Die Tour folgt zunächst gut zwanzig Minuten bis auf 1.700m dem Almweg zur Geraerhütte, taleinwärts in Wildlahnertal. Eine minimale Abkürzung durch den Wald, vor den beiden Serpentinen des Wegs, kann genutzt werden.

Rückblick Aufstieg

Beim Wegweiser in der Linkskurve zieht die Route in den Wald hinein und wird gleich steiler.
Über schöne Waldpassagen gemischt mit ein paar durch Staudenwerk bewachsenen Freiflächen geht es teilweise steil hinan.

Aufstieg auf einer Freifläche

Unerwartet führt die Route nach einer knappen Stunde ab dem Parkplatz (etwa 1.850m) in eine flache Passage mit kurzem Steigrichtungswechsel von Südwest nach Nordwest, um gleich darauf wieder zur ursprünglichen Steigrichtung zurückzukehren – inmitten von alten Lärchen ein idealer Platz für eine Trinkpause.

Flachpassage

Bald nach dieser Passage ist der Waldrand zu einer großen freien Mulde erreicht. Rechterhand ziehen sehr steile Hänge auf den Rauhen Kopf (2.150m) und den Hohen Napf (2.247m) beliebte leichte Schitourenziele von Schmirn aus, hinauf.

Ende des Waldaufstiegs

Die folgende Freifläche wird mittig durchschritten, an einem großen Felsblock vorbei, und die links sichtbar werdende Rippe angesteuert.

freie Fläche unterhalb Hoher Napf

Der Aufstieg auf der Rippe ist lawinentechnisch ideal, die steilen Hänge zu vorgenannten Erhebungen werden dadurch sicher umgangen. In einigen Spitzkehren wird der breitere Rücken auf der Ripper erobert, der zur vollständigen Baumgrenze hinaufführt (etwa 2.150m) – auch die jungen Lärchen verschwinden vom Gelände mit der Höhe zusehends.

Spitzkehren auf der Rippe

Gegenüber im Wildlahnertal grüßen Riepenkopf, Schönlahnerspitze, die turmartig gebauten Schöberspitzen mit ihrer interessanten Geologie des Tauernfensters und der Kleine Kaserer, eine schwere, unvergesslich schöne Schitour vom Kaserer Winkel aus.

Riepenkopf, Schönlahnerspitze und Schöberspitzen

Die Rippe gleitet am Ende in eine Mulde aus und linkerhand zieht eine nächste leichte Rippe heran, die erstiegen wird. Am Ende dieser leitet das Gelände zur Ostflanke der Hohen Warte herab über und wird flacher – ebenfalls ein  idealer Platz für eine Trinkpause (etwa 2.200m). Dort ist der tiefste Punkt im Grat, der nächste Festpunkt der Schitour, erstmals erkennbar.

Rückblick auf die erste Rippe

In der Flanke wird über einige Serpentinen immer steiler werdend angestiegen und gleichzeitig nach rechts oben (südöstlich) gequert. Voraus besticht das beindruckende Panorama des Tuxer Hauptkamms, sozusagen die westlichen Zillertaler Alpen, nicht zu verwechseln mit den Tuxer Alpen, die im Norden angrenzen.

zweite Rippe

Gut 20min dauerte unser Aufstieg in der Flanke bis zur Gratscharte. Wie überall in diesen Tagen befand sich die Schneedecke im kammnahen Bereich in fest gepresstem Zustand, teilweise durch die Umwandlung sehr hart, sodaß an manch abgefahrener Spurstelle dir Kanten fest gesetzt werden mußten, um nicht zurück zu rutschen. Harscheisen waren jedoch nicht nötig, obwohl es sich im heurigen Winter bis jetzt empfiehlt sie mit dabei zu haben.

Beginn des oberen Teils des Aufstiegs

Die etwas abgeblasene breite Gratscharte wird an einer Engstelle durch felsigen Untergrund betreten. Steinkontakt gab es keinen, aber die Durchschlupfstelle ist schmal. Kurz vor der Grathöhe kann das Gipfelkreuz der Hohen Warte noch von der Ostseite erstmals eingesehen werden.

Herwig in der Ostflanke

Der Grat wird auf einer Höhe von etwa 2.450m betreten, der restliche Aufstieg beträgt 237Hm.
Wahrscheinlich nicht nur bei unserer Begehung sondern generell, wird man nach einer längeren Schönwetterphase auf der nun südwestseitig zu begehenden Flanke grundlegend andere Schneeverhältnisse vorfinden.

steilste Partie im Oberen Teil zur Scharte

Wir hatten es – auch aufgrund der tageszeitlichen und Bewölkungssituation mit einem oberflächlich sehr unangenehm rutschigen, vereisten Schmelzdeckel zu tun, der für die kurze Strecke bis zum logischen Schidepot vor dem ersten aufsteilenden Gratzacken fast Harscheisen erzwungen hätte, um sich nicht zu sehr plagen zu müssen.

Blick vom Kamm zum Olperer

Man sollte den Zeitbedarf von einer dreiviertel Stunde für die Strecke am Grat nicht unterschätzen. Der Gipfel sieht nahe aus, aber immerhin sind vom Schidepot bis zum Gipfel mehr als 200Hm zu bewältigen und am selbigen weilt man ja auch ein paar Minuten für Fotos, Trinkpause u. dgl.

Autor in der Scharte

Der erste Buckel war rasch überschritten. Tritte teilweise stufenartig angenehm zu begehen, teilweise bis zur Wiese durchgetreten und entsprechend rutschig am vereisten Untergrund am Vormittag. Auf ein paar kurzen Anstiegsteilen haben wir deshalb hangseitig eine zweite Stapfstrecke eröffnet und uns somit angenehmeres Steigen ermöglicht.

Grat zur Hohen Warte im Überblick

Alles in Allem bedeutete jedoch die gesamte Gratbegehung keine Schwierigkeit. Steigeisen wären nicht nötig gewesen, aber viel härter hätte es auch nicht sein dürfen, um in zweifelhafte Situationen zu kommen.

erste steile Graterhebung nach dem Schidepot

Wie bereits erwähnt gibt es auf der Gratstrecke einige kurze Passagen bei denen nicht mit Sicherheit eingesehen werden kann, ob man sich noch auf der Luvseite der Wechte, bzw. noch auf der Felsseite des Grates befindet und der Spur ist hier nicht bedingungslos Vertrauen zu schenken, da man ja nicht weiß wie gut die Geländekenntnis des Spurenden war.

Grat zur Hohen Warte

Betrachtet man die Felswand der Ostflanke beim Aufstieg so können kaum Stellen mit übergroßen Wechten erkannt werden, jedoch ist das keine zuverlässige Methode sich ein Bild zu verschaffen, Umsicht und Abstand sind sicherer. Wie erwähnt beschränkt sich die Gefahr aber nur auf wenige Meter des gesamten Grates, diese aber sind unter Umständen die entscheidenden.

letzter Teil Grat und Gipfelaufbau der Hohen Warte

Einige Meter unterhalb des Gipfels fanden wir vereiste Wiesenflecke vor, deren Umgehung wir am steilen Gipfelhang einige Meter weiter westlich wählten.
Gerade rechtzeitig vor einer westlich heranziehenden Schlechtwetterfront erreichten wir den kühnen Gipfel der Hohen Warte.

letzte Meter mit vereisten Stellen

Für den anstrengenden Aufstieg ab dem Schidepot wird man auf der Hohen Warte mit einem tollen Rundumblick belohnt. Alles dominierend fast genau im Osten der Olperer (man möchte es nicht glauben, Peilung 102°!), links davon Kleiner, Großer und Falscher Kaserer und genau dort wo man Süden nicht vermuten möchte befindet sich der Kraxentrager.

Autor auf der Hohen Warte, 2.687m

Im Westen die Stubaier Alpen mit dem Habicht (genau auf 270°) und links davon die Kühne Spitze des Pflerscher Tribulauns und weiter links genau vor der Hohen Warte der Verlauf des Valser Kammes mit der über die Jeneweinrinne phantastisch zu begehenden Gammerspitze.

Eintrübung aus Richtung Westen

Im Norden die noch unbedingt zu begehende Schafseitenspitze, sowie rechts davon die Scheibenspitze, eine kleine schöne Tour von Navis, ziemlich genau im Norden der Große Bettelwurf und im Nordosten die höchsten Gipfel in den angrenzenden Tuxer Alpen, der Lizumer Reckner und der Geier.

Innerschmirn mit tollen Tourenzielen, auch von Navis

Nach Genuss des Ausblicks räumten wir das Gipfelplateau, um am Schidepot eine Rast einzulegen. Die Sonne versprach sich zusehends hinter Wolken zu verstecken und der angekündigten Niederschlagsfront zu weichen, was unsere Entscheidung zum Rückzug erleichterte.

Gipfelhang Hohe Warte von oben

Am Abstieg begegneten wir etwa zehn weiteren Tourengehern und während der Abfahrt nochmals fünfen, was einer nicht hohen Dichte für diese schöne Tour entspricht, was aber auch der Selektivität der Tour entspricht.

oberer Gratteil zur Hohen Warte

Die Abfahrt am kurzen verbleibenden Gratrücken nach der Rast zeichnete sich durch einen immer noch harten Schmelzdeckel aus, der kein sonderliches Fahrgefühl erweckte. Also die Schi weit mit hinaufzunehmen, wie es einige der Nachkommenden praktizierten, hielten wir – zumindest bei den herrschenden Bedingungen – für nicht erstrebenswert.

Gammerspitze im Valserkamm gegenüber

Auf der Nordostflanke der Hohen Warte tauchten wir nach den gepressten Kammlagen anschließend in weichen Pulverschnee ein.

Abfahrt in die Pulverhänge

Die Wahl der Abfahrt fiel zugunsten der Aufstiegsroute aus. Eine vielleicht noch schönere Variante mit kaum Waldstrecken wäre die direkte Abfahrt ins Wildlahnertal gewesen, die wir für eine nächste Begehung ins Auge fassten.

tolle Verhältnisse in den weiten Mulden

Mit entsprechend herrlichen Fahrgefühl konnten wir ebenfalls noch wenig verspurte Hänge über die Aufstiegsroute hinab genossen werden.

und in den steileren Passagen

Während der gesamten Abfahrt kam es nicht zu Steinkontakt, der Pulverschnee hat sich unten im Bereich des Weges mehr gesetzt, also etwas schwerer zu drehen, aber kein Harschdeckel war vorhanden.

Waldabfahrt

Die Gesamtzeit für die Tour incl. aller Pausen und Abfahrt betrug 4:17 Stunden, die Aufstiegshöhe 1.157m. Die Strecke ist durch die Steilheit mit etwa 4,5km relativ kurz.

Mils, 03.01.2020

Schitour Silleskogel, 2.418m mit Gipfel

Im Ortsteil Padaun, oberhalb des Talkessels des Valsertales bietet sich eine nette kleine Schitour mit Gipfelsteilflanke auf den Silleskogel an. Die Tour ist zum Großteil hier schon beschrieben worden – wir mußten damals jedoch aus Wettergründen vor dem Gipfel abbrechen und haben deshalb die Tour ordnungsgemäß mit Gipfel nachgeholt und Fotos, die dem netten Aufstieg und der grandiosen Aussicht Rechnung tragen, angefertigt.
Auf nähere Details zum Aufstieg wird hier verzichtet, diese bitte im alten Bericht nachzulesen.

Silleskogel, 2.418m, mit Gipfelmarkierungsstein

Über den Ausgangspunkt bitte ebenfalls im alten Bericht nachlesen, hier ein Bild unseres diesmaligen Parkplatzes, den wir gegen 7:30 erreichten und diese Uhrzeit hiermit empfohlen wird – jedenfalls nicht viel später.

Aufstieg auf den Gipfelhang des Silleskogels

Einige Minuten am Almweg entlang zweigt die Aufstiegsspur direkt zum freien Gelände der Sillalm ab (die Alm selber liegt rechts der Freifläche).

Parkplatz Padaunerstraße

Oberhalb der „Sillpuite“ – wie der Flurname laut Karte im Gh. Steckholzer richtig lautet – weicht der Wald nach einem kurzen und engen Steilstück einer weiteren Freifläche und zum folgenden Aufstieg benutzt man eher die rechte Seite des Grabens.

Aufstieg zur nächsten Waldpassage

Diese Freifläche, nun mit mehr Hangneigung, nennt sich „Isse“. Ihr folgt ein schmalerer und steilerer Graben als das Gelände zuvor ausgebildet war.

im steilen Teil des Grabens

In diesem Graben fallen die mächtigen Lärchen links und rechts des Aufstiegs schön ins Auge. Das Gelände wird zusehends steiler und erreicht an einer kurzen Stelle über 35° Hangneigung.

Rückblick auf die „Isse“

Am Ende dieser Passage wendet sich der Anstieg leicht nach links (südöstlich) und das ab dort vollkommene freie Gelände der „Roßgrube“ kann erahnt werden (etwa 1.900m).

Übergang zur Rossgrube

Das kleine Felsspitzl am Grat, das dort weit rechts im Blickfeld gesichtet wird ist schon der Gipfelaufbau des Silleskogels. Im weiten Kessel der Roßgrube geht es nun über leicht kupiertes Gelände in wenigen Serpentinen zunächst eher südwärts hinauf gegen den Steilhang der vom Silleskogel herunterzieht. Dabei wird einmal ein kurzes Geländestück mit einer Neigung von 35° passiert.

im unteren Teil der Roßgrube

Im oberen Talkessel wendet sich der Aufstieg etwas mehr nach Südost und quert den Hang zwischen Rossgrubenkofel und Silleskogel.

das weite Talende der Rossgrube – Gipfelspitz des Silleskogels schon sichtbar

Die Aussicht auf die nördlich gegenüberliegende Seite, zu den Tourenbergen im Schmirntal öffnet sich mehr und mehr bis zum Ende des Talkessels hin. Weiter geht es mit ein paar Spitzkehren auf den Gegenhang mit dem „Geierschnobel“ hin und die Hangneigung steigt wieder merkbar an.

Rückblick auf die Rossgrube

Im weiten Bogen nähert sich der Aufstieg nun dem bogenförmigen Grat zwischen Geierschnabel und Silleskogel. Die steile Gipfelflanke tritt in das Sichtfeld und weiter im Westen spiegelte bei unserer Begehung das Gipfelkreuz des Rossgrubenkofels das Sonnenlicht, der noch tief stehenden Dezembersonne wider.

Gipfelkreuz des Rossgrubenkofels

Die Route dreht nun leicht nach Südwest, hin zum Gipfelaufbau des Silleskogels und weg vom Geierschnabel, der als Ausweichziel bei unserer ersten Begehung dienen hätte können, hätten wir es gewusst.

auf dem Gegenhang zum Silleskogel

Die steile Gipfelflanke mit über 35° Neigung hatten wir diesmal gut im Blickfeld, dadurch stellte der Aufstieg bis zum fast ebenen Plätzchen unterhalb der Gipfelflanke kein Sichtproblem dar. Etwas abgeblasen erfordern die die letzten Meter sauberes Steigen.

the bros – vor dem Gipfelaufbau des Silleskogels

Die kleine Fläche vor den Felsen bildet ein wunderbares Schidepot, wenn auch nur für wenige Personen nutzbar. Mit zwei nachkommenden Kollegen war die Fläche nach unserer Rückkehr vom Gipfel schon an der Kapazitätsgrenze.

der Gipfelhang des Silleskogels

Vom Schidepot geht es zunächst leicht westwärts querend in die Flanke hinein und dann einige Meter in direktem Anstieg hinauf, bevor die Stapfspuren in einer weniger stark steigenden Querpassage westwärts weiter zum Gipfelplateau hinauf führten.

am Gipfelplateau angelangt

Der Hang weist lt. Hangneigungskarte (TIRIS) eine max. Steilheit von über 40° auf. Steigeisen waren bei unserer Begehung nicht nötig, der hartgepresste Harsch ließ gute und sichere Tritte zu. Im Extremfall – bei vereister Schneedecke und fehlender Ausrüstung – mag auf diesem Gipfelhang ein Abrutscher über weit mehr als 100Hm erwartet werden.

Christian und Herwig am Silleskogel, 2.418m

Die Aussicht im Süden über die Zillertaler Alpen ist grandios.

gewaltige Mauer im Südosten – Olperer bis Hohe Wand (das weiße Spitzlein ist die Hohe Kirche und dahinter die besonnte Valser Hohe Warte)

Gegenüber dem Silleskogel befindet sich die eindrucksvolle Steilflanke der Saxalmwand – ebenfalls ein Gipfel, der bei unserer Begehung wegen wetterbedingtem Abbruch noch auf sich warten läßt.

Aufstieg Sumpfschartl und Saxalmwand im Detail

Weiter im Süden erkannt man das weite Kar des Sumpfschartls, ein lohnender Aufstieg gemeinsam mit der Saxalmwand ein ebenfalls auf dem Verbindungsgrat zum Kraxentrager gelegen.

Panorama westliche Zillertaler Dreitausender

Im Südosten das gewaltige Massiv des Olperers und Fußstein mit der Verbindung über die Sagwandspitze bis zur Hohen Wand.

Wolfendorn im Südwesten

Im Südwesten der dominierende Wolfendorn in den Brennerbergen und im Westen die südlichen Stubaier Alpen am Vormittag schön von Südost im Sonnenlicht zu bewundern.

südliche Stubaier hinter dem Rossgrubenkofel

Im Westen links neben dem Rossgrubenkofel besticht der Pflerscher Tribulaun und rechts davon der gewaltige Habicht.

nordwestliche Stubaier

Im Norden liegen die Tuxer Alpen mit ihren vielen tollen Schitourenzielen.

die zentralen Tuxer im Nordosten – der eindrucksvolle Schmirner Hohe Zahn rechts der Bildmitte

Im Osten fallen oberhalb des langen Grates von der sehr eindrucksvollen Hohen Warte (ein tolles Schitourenziel im Schmirntal, es gibt aber auch eine Hohe Warte im Valsertal, siehe Bildergalerie) zum Steineren Lamm hin relativ genau mittig zwei kühne Spitzen auf, die man in dieser eindrucksvollen Erscheinung nicht erwarten würde. Es handelt sich dabei um die Schöberspitzen mit einer Entfernung von rd. 8km.

Aussicht nach Osten – die Schöberspitzen über dem Grat sehr eindrucksvoll

Alleine wegen der Aussicht lohnt sich die kurze Tour auf den Silleskogel und eventuell wäre der winterliche Übergang auf den Rossgrubenkofel und weiter auf die Vennspitze einmal eine Überlegung wert.

Schidepot unterhalb Gipfelfelsen

Bei der Abfahrt, die wir fast direkt unter dem Gipfelhang starteten mußte zunächst der etwa 100Hm windgepresste Teil etwas ruppig aber nicht unangenehm bewältigt werden, bevor im flacher werdenden Teil der weichem Tiefschnee erreicht wurde.

Abfahrt vom Gipfelhang

Über tolle Hänge an der Westseite des Tals (Kessler, Kogleben, Seabler, Nock – siehe Flurnamen in Bildergalerie) erreichten wir den Sillbach, der an geeigneter Stelle übersprungen wurde und im schmalen Tal nun orografisch links des Sillbaches ging es durch ein schmales Tal kraftraubend hinab zur Isse – alles in weichem Tiefschnee.

etwa 100Hm unterhalb des Grates bereits Tiefschnee

Ab der Sillpuite hatten wir teilweise leicht verfestigte Passagen, die sich aber nicht mit viel mehr Kraftaufwand befahren werden konnten als der obere Teil. Die gesamte Strecke liegt schattseitig und daher günstig betreffend Umwandlung und ohne Schmelzdeckel.

Kulisse ins Valsertal

Für die schöne haben wir gesamt 3:20 Stunden benötigt (incl. Pausen und Gipfelaufenthalt), Die gemessene Höhendifferenz beträgt  925m.

Rückblick auf den Gipfelhang

Bei entsprechend frühem Aufbruch zur Tour bleibt Zeit noch kurz bevor mittags der Rummel in Padaun beginnt einem Stakeholder der Gegend, dem nett eingerichteten Gasthaus Steckholzer einen Besuch abzustatten und die Tagesempfehlung, oder eine deftige, schmackhafte Knödelsuppe einzunehmen, die wir sehr empfehlen können. Durch den kostenlosen Parkplatz am Tourenstart geht sich dann auch noch eine Nachspeise aus.

Tiefschneevergnügen

Den Gipfelbereich des Silleskogels sollte man nicht unterschätzen, wenn die Verhältnisse es nicht zulassen oder bei einer eventuellen Vereisung die Ausrüstung für die Gipfelflanke fehlt.

Abfahrt neben dem Sillbach

Nachträglich gesehen sahen wir unseren Abbruch bei der ersten Begehung im Nebel bestätigt, daß wir den Gipfel nicht erzwungen haben.

Mils, 31.12.2019

 

Schitour Kleiner Kaserer, 3.093m

Einer gewaltigen Mauer sieht man sich am Parkplatz beim Gasthaus Kasern gegenüber, wenn man die Schitour auf den Kleinen Kaserer über den Kasererwinkel begeht. Diese riesige Mauer wird immer mächtiger, während die lange Strecke durch den Kaserer Winkel zurückgelegt wird.

Kleiner Kaserer, Großer Kaserer, Falscher Kaserer und Olperer

Der steile und anspruchsvolle Aufstieg beginnt erst ganz hinten im Tal; ab dort müssen gut 1.100Hm durch sehr steiles Gelände in Spitzkehren zurückgelegt werden, bevor über einen nicht minder steilen runden Kopf der kurze mittelbreite Grat, mit steilen Abbrüchen zu jeder Seite, beginnt und auf den Gipfel des Kleinen Kaserer führt – eine Schitour die in Erinnerung bleibt.

Start frühmorgens beim Gasthof Kasern

Mitten im flach scheinenden Tal, beim einst bedeutenden Tuxer Joch – der Aufstieg und der Einschnitt des Joches selbst, während dem monotonen Gehen im Tal zur Linken gut sichtbar – wechselt die Gebirgseinteilung von den Tuxer zu den Zillertaler Alpen. Hintertux gehörte bis 1926 zur Gemeinde Schmirn und über das Tuxer Joch wurden früher auch die Verstorbenen nach Steinach gebracht. Wer sich näher dafür interessiert dem sei diese tolle Broschüre empfohlen.

Im Kaserer Winkel

Am Ende des Kaserer Winkel und vor dem Aufsteilen der Mauer wurden – man glaubt es nach geringen Anstrengungen bis dorthin kaum  – bereits 400Hm zurückgelegt und das Bangen, daß bei der Abfahrt kräftig angeschoben werden muß, kann an dieser Stelle bereits verneint werden.

Kasererwinkel im Rückblick – bereits auf 2.000m

Selbst zu Anfang April findet der Aufstieg gegen 7 Uhr morgens bis auf 2.850m im Schatten statt und die Morgenthermik vom Gipfel herab zwang uns zu Winterhandschuhen. Die Lichtverhältnisse im engen Tal und auf den ersten steilen Passagen sind eher schlecht für Fotos, an denen Geländeform und markante Aufstiegspunkte erkannt werden können.

Aufstieg über die ersten Hänge zur Überschreitung des Baches

Die Schitour dürfte wegen ihres eingangs beschriebenen selektiven Charakters vorwiegend nur vom versierteren Tourengeher begangen werden. Die Hänge im oberen Teil, am – im Kartenwerk noch so geführt – Kaserer Ferner Gelände und beim Hinausqueren auf die Nordflanke des runden Kopfs treten Hangneigungen von mehr als 40° auf, denen nur teilweise ausgewichen werden kann, z. B. durch kluges Anlegung der Spur, wie es drei starke Südtiroler Burschen, die uns weiter unten überholt hatten, perfekt vorführten.

westlich des Bacheinschnittes geht es weiter

Der Aufstieg von unten begann bei unserer heutigen Begehung mit einer recht hartgefroren Schneedecke, die gleich auf den ersten steilen Hängen fast die Harscheisen gerechtfertigt hätte. Sie kamen aber erst später zum Einsatz.

bei der Überschreitung des Bacheinschnittes – in diesem Muldental geht es gut 600Hm im Schatten nach oben

Die Rippe, die durch den Bacheinschnitt vom Ferner herab die oberen Hänge jenseits des Baches vom unteren Aufstieg trennt führt etwa bis 2.150m hinauf. Anschließend umgeht man diese Rippe nach Osten und betritt eine schmale steile Talmulde, die nach oben hin noch steiler wird und den Großteil des Gesamtaufstieges bildet. Die Talmulde ist unten etwa 150 bis stellenweise oben nur 100m breit und von links im Aufstiegssinn kamen, nach der durchgezogenen Störungsfront von Süden vorgestern, kleine Nassschneerutschungen bis knapp zum Aufstiegsband herab.

die flotten Burschen haben uns überholt

Der lange Anstieg durch die Mulde findet durchgehend in vielen Spitzkehren statt und im Mittelteil befindet sich die einzig flachere Stelle, etwa auf 2.650m. Ungefähr 200Hm nach der Flachstelle dreht die Mulde von Süd gegen West.

mühsamer, langer und Steiler Aufstieg

Dort befinden sich die steilsten Abschnitte und die Rutschungen des talseitigen Schis in der Spur wurden mehr – durch die Wetterfront kein besonders wünschenswerter Untergrund. Die gute Nachricht ab etwa 2.700m war Pulverschnee in dieser Nordmulde.

Rückblick ins Tal

In der perfekten Spur der Sterzinger Mander traten wir nach knapp 3 Stunden, um 10 Uhr die sonnenbeschienene Querung auf den Nordrücken, der sich oben zum Nordgrat ausbildet.

die letzte Steilstelle vor dem Übergang

Unterhalb des Nordrückens wird auf 2.900m zuerst eine Flachstelle erreicht, die für eine Trinkpause und Übersicht auf die letzten 200Hm Aufstieg genutzt werden kann.

am Übergang auf 2.850m – endlich Sonne!

Der Restaufstieg ist von dort gut einsehbar, bis auf den westseitigen Hang am Nordrücken nach der Steilstelle beim Übergang auf denselben. Dieser ist noch nicht sichtbar und er überraschte bei der Abfahrt auch durch mehrmaligen Felskontakt mit dem Schibelag.

Rückblick in die Talschaft

Über den Nordrücken gehen die Spitzkehren bei Hangneigungen von 35° weiter, bevor besagter Westhang erreicht wird, in dem es deutlich flacher wird und der am Grat endet.

der steile Nordhang in voller Pracht

Am Kopf des Nordhangs angelangt kann das Gipfelkreuz am Ende des Grates in schierer Nähe erblickt werden.

Eindrücke von der Hangneigung am Nordhang

Der leicht überwächtete Grat hatte bei unserer Begehung heute eine etwas prekäre Stelle mit einer hervorstehenden Felskante zu bieten, über die hinwegzukommen ein wenig Akrobatik erfordert, oder die links, nahe des Steilabbruches zum Kaserer Ferner hin auf steilem Untergrund umgangen werden kann. Alternativ trägt man den Schi darüber. Bei der Abfahrt ist sie auch zu beachten, jedoch weniger tragisch.

Grat zum Kleinen Kaserer

Der Gipfel des Kleinen Kaserers wurde heute vom Normalaufstieg über die Höllscharte mehrfacher besucht als von den insgesamt sieben Tourengehern aus dem Kaserer Winkel.

Schigebiet mit dem mächtigen Olperer

Von der Höllscharte wird ohne Schi angestiegen und nach den Berichten der Tourengeher vom Wildlahnertal herauf waren die Schneeverhältnisse ähnlich schlecht, jedoch im Gegensatz zu unserem Anstieg auch im oberen Teil, in dem uns immerhin etwa 400Hm Pulver beschieden war.

unser Anstiegsgrat im Zoom

Trotz des Schigebietes genossen wir die wunderbare Aussicht auf den Olperer und Fußstein, sowie die Gefrorene Wand Spitzen im Süden und Südosten.

Freude nach dem tollen Aufstieg am Kleinen Kaserer

Im Südwesten befinden sich gleich eine ganze Reihe von tollen Gipfeln, als Schitour oder Bergtour bestens geeignet, als da südwestlich des Olperers wären: Fußstein, Schrammacher, Hohe Wand im fernen Hintergrund, Sagwandspitze und weiter südwestlich der Kraxentrager. Leider nicht sichtbar durch die dicke Wolkendecke im Südteil des Landes, der Wolfendorn.

die fleißigen jungen Kollegen aus Sterzing – über ihnen Fußstein, Schrammacher, Hohe Wand im fernen Hintergrund, Sagwandspitze und weiter südwestlich der Kraxentrager

Nordseitig kann der Aufstieg zum großen Teil eingesehen werden und die Steilheit der Felsmauer aus dem Kaserer Winkel herauf kommt hierbei gut zur Geltung.

eindrucksvoller Tiefblick auf das 1.100m tiefer liegende Tal

Natürlich wurde es von uns nicht unterlassen Höhenmedizin an unsere Mitstreiter, die den Aufstieg  gespurt haben, auszuschenken. Im Gegenzug gab es einen Schluck Rotwein aus der Glasflasche mit Korken – Tiroler Selbstverständnis und lustiger Luxus auf 3.093m!

Kleiner Kaserer, 3.093m Nordansicht

Zur Abfahrt gerüstet verließen wir nach fast einer Stunde gegen halb zwölf Uhr den schönen Gipfel des Kleinen Kaserer. Der etwas rumplige Grat konnte gut befahren werden, die Stelle mit der Felskante wurde rechts umfahren. Am Westhang des Nordrückens fanden wir gute Pulverschneebedingungen vor und hatten, bis auf die Stellen mit Felskontakt, eine schön zu schwingende Abfahrt über den steilen Rücken.

eine kleine prekäre Stelle am Grat

Nach der Querung auf den Kaserer Ferner waren die Verhältnisse bis etwa 2.700m so wie oben mit bäriger Abfahrt im Pulver. Nach unten hin, bis auf 2.200m wirkte sich der Bruchharschdeckel mit der harten Kruste schweißtreibend aus.

Abfahrt vor der Flachstelle

Ganz unten befanden sich die Hänge noch nicht so lange in der Sonne, sodaß wir auf gut zu fahrendem harten Harsch bis zum Talende fahren konnten.

ein Traum die Abfahrt – steil und kräftezehrend

In Kaserer Winkel selber fanden wir erstmals gute Firnverhältnisse vor, die fast bis zum Talausgang anhielten und kurz vor dem Talende in Sulz übergingen, der auf den letzen paar hundert Metern Anschieben erforderlich machte.

und immer noch im Pulver…

Die selektive Schitour nahm incl. aller Pausen 5:20 Stunden in Anspruch.

Rückblick auf die rassige Schitour auf den Kleinen Kaserer, die Aufstiegsroute sollte nach dieser Beschreibung gut zu erkennen sein

Die Höhenmessung zeigte 1.500Hm. Die Track-Aufzeichnung in der Bildergalerie zeigt nur den Aufstieg. Die Abfahrt findet auf der Aufstiegsroute statt.

Idylle beim Gasthaus Kasern

Siehe Aufstiegsaufzeichnung und Hangneigungskarte, sowie Ausblicksmarkierung vom Gipfel des Kleinen Kaserer mit wichtigen sichtbaren Gipfeln in der Bildergalerie.

Blick von Nordosten – Aufstiegsroute rechtes Bildviertel

Mils, 06.04.2019

 

Schitour Wolfendorn, 2.776m – vom Gasthaus Wolf

Einer der Klassiker unter den Schitouren in den Brennerbergen, der Wolfendorn, ist wahrlich ein lohnend Ziel, bietet er doch einen netten Waldaufstieg zu Beginn,  eine steilere Passage oberhalb der Waldgrenze, ein weites schön gestuftes Hochkar und eine bilderbuchhafte Steilflanke zum Gipfel.

Wolfendorn, 2.776m

Darüber hinaus bestechen der rasche Zugang zu den schönsten Teilen und die Länge der Tour. Der Aufstieg bis zur Waldgrenze ist etwa in 70min, zum Beginn der aussichtsreichen Gipfelflanke bei zügigem Aufstieg in gut zwei Stunden geschafft (Gh. Wolf 1.380m – Beginn Gipfelflanke 2.580m).

Start beim Gasthaus Wolf

Der Parkplatz beim Gasthaus Wolf ist klein (etwa 15 Fahrzeuge) und der Wolfendorn ist sehr beliebt – wie man auch auf den Fotos der Abfahrt erkennen kann – also empfiehlt es sich zeitig in der Früh dort einzutreffen, im Fall der heutigen Begehung war das 7:45 Uhr wobei der Parkplatz fast leer vorgefunden wurde.

gut beschildert bis zur Luegeralm

Zwischen dem allgegenwärtigen Getöse der Autobahn freut man sich über Vogelgezwitscher beim Aufstieg zur Luegeralm über den gut beschilderten Waldhang. So manche Abkürzung führt durch dichten Wald und hin und wieder wird der Almweg überschritten.

Luegeralm

Rasch wird an Höhe gewonnen wodurch der Verkehrslärm verstummt und Ruhe eintritt. Schon weit vor der Alm befindet sich der Wald in Stille. Der Aufstieg ist im Durchschnitt steil, zumindest wenn entlang der Abfahrtsspuren im Wald angestiegen wird. Das freie Gelände der Luegeralm betritt man am tiefsten Ausschnitt und durchschreitet es in direkter Linie.

Aufstiegsgelände bis zur steilen Rinne einsehbar

Der Wolfendorn wird von den Italienern, die etwa 130km südlich davon leben, „spinnater (verrückter) Lupo“ genannt. Warum sie sich just hier eines Tiroler Dialektwortes bedienen ist nicht bekannt. Möglicherweise hat das fast hundertjährige schmerzvolle Zusammenleben mit Tirolern Befruchtung in diese Richtung gezeitigt.

durch einen schönen Lärchenwald hinauf

Oberhalb der freien Almfläche führt der Aufstieg im schönen alten Lärchenwald weiter. Ein Zeichen, daß die Lawinentätigkeit durch die folgende steile Rinne nicht so ausgeprägt sein kann. Dir Rinne beginnt oberhalb der Waldgrenze des Lärchenwaldes. In mehreren Spitzkehren wird über die zunächst mittelbreite Rinne angestiegen bevor sie enger wird und der Anstieg über die rechte Flanke in flacheres Gelände hinaus quert. In diesem Bereich ist sie am steilsten (35-39° lt.  OpenSlopeMap).

steile Rinne über der Baumgrenze

Auf der Rippe nach der Flanke angekommen kann das Ziel, der Wolfendorn eingesehen werden. Sogar das Gipfelkreuz ist sichtbar, obwohl den Bezwinger noch etwa 650m Aufstieg davon trennen.

Rückblick in der Rinne

Die rechte Begrenzung des herrlich anzusehenden weiten Hochkars, das mit der Querung auf die Rippe betreten wurde bildet die imposante Flatschspitze (2.566m) mit ihren steilen Rampen und deren senkrechten Abbrüchen.

Wolfendorn mit sichtbarem Gipfelkreuz

Mittlerweile, etwa um viertel nach Neun zu Anfang März, steht die Sonne bereits so hoch, daß der weitere Aufstieg bis zum Gipfel durchgehend beschienen wird, sofern die Wetterlage entspricht, was bei der heutigen Begehung Gottseidank der Fall war, obwohl wesentlich schlechter prognostiziert.

tolle Mulden im Kar

Es geht nun flacher weiter, zunächst sogar einige Meter über die Rippe abwärts, bevor, fast an einen Aufstieg über einen Gletscher erinnernd, ein langes Stück leicht steigend aber bretteben dahingeht, der nächsten Geländekante zustrebend.

Rückblick auf das Hochkar

Die rund 400Hm durch das Hochkar bieten wunderbare Abfahrtshänge, da sie zum Großteil der Sonne abgewandt sind. Auch der Aufstieg durch die weiten Mulden ist ein Genuß, immer die markante Gipfelflanke im Blickfeld. Je weiter gegen diese Flanke angestiegen wird, desto imposanter dringt sie ins Empfinden und je näher sie kommt, desto klarer wirkt die gewaltige Hangneigung (siehe Hangneigungskarte aus Tiris in der Bildergalerie).

letzte Geländestufe vor dem Gipfelhang

Etwa bis 2.660m bleibt die Hangneigung unter 35°, über die letzten 100Hm jedoch steigt sie stetig an. Dies war die Grenze ab der Harscheisen vonnöten waren. Der Schnee war hart, jedoch nicht harschig oder richtig eisig.

etwa dort wo die Kollegen stehen wird der Hang steiler

Ab 2.700m befinden sich etwa 40Hm Aufstieg im Neigungsbereich von über 40°, in dem auch Spitzkehrentechnik gefragt ist. Der Autor weicht den gymnastischen Spitzkehrenübungen immer durch einen Fersentritt auf den Schi aus, der dann in die gewünschte Höhe schnellt und er die Drehung auf diese faule Weise auch hinbringt. Gottseidank filmt das nie jemand.

etwa von 2.600m aus Richtung Gipfel geblickt – die steilen Passagen schon erkennbar

Durch Abfahrtsspuren der vergangenen Tage, sowie durch Stapfspuren befand sich just das steilste Stück in einem rippigen Zustand quer zum Schi bei dem speziell die mittig angeordneten und unerlässlichen Harscheisen kaum Gripp  bekamen – eine Situation für die erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich war, um nicht ins Leere zu treten.

die Steilheit anhand der Spitzkehren der schnelleren Kollegen erkennbar

Die letzten 40Hm flachen dann wieder stetig ab, das Gipfelplateau ist nahezu eben. Die Aufstiegszeit von etwa 2.550m bis zum Gipfel – das sind lediglich ca. 200Hm wurden incl. Harscheisen anlegen 35min benötigt; dies zur Verdeutlichung der Steiggeschwindigkeit am Gipfelhang.

im steilsten Stück

Über den Gipfel des Wolfendorn blies mäßiger Nordwestwind. Der Anraum am Gipfelkreuz jedoch deutete auf den Süden als vorherrschende Wetterlage während des letzten Niederschlags.

Gipfelkreuz

Von Glück konnte man beim Rundblick in die Umgebung reden, daß ausgerechnet ein Kreis um den Wolfendorn heute von Nebel verschon blieb. Im Osten und von Südwesten bis Nordosten zeigten sich die höheren Berge in Nebel eingeschlossen.

Kamm mit Flatsch-, Roll- und Amthorspitze und

Imposant und immer wieder schön anzuschauen erscheinen die Pfunderer Berge im Süden gegenüber mit der Wilden Kreuzspitze (3.132m) und Grabspitze (3.059m).

westliche Pfunderer Berge mit Wilder Kreuzspitze

Ganz im Osten, leider heute im Nebel verborgen blieb der Hochfeiler (3.509m) im Südosten.

östliche Pfunderer Berge mit Grabspitze und ganz links Hochfeiler (nicht sichtbar)

Die Abfahrt über den harten Steilhang präsentierte sich ein wenig als Rutsch- und Zähneklapperpartie im oberen Teil.

Richtung Schmirntal

Aufgrund der plötzlich zahlreichen Nachsteigenden konnten nur wenig Schwünge ausgeführt werden, da sie ja gleich ordentlich Tempo verursachten.
Im unteren Teil entpuppte sich die Abfahrt im weicheren Altschnee aber als recht genussvoll.

Andrang auf den Wolfendorn

Hinausgequert auf den Verbindungssattel zwischen Wolfendorn und Flatschspitze erwischte man auch noch einen schönen Hang mit Pulverauflage. Da dieser Hang der Sonne abgewandt ist konnte in den wenig zerfahrenen Hang neue eigene Spuren eingeschnitzt werden.

schöner Abfahrtshang ins Hochkar

Unten im Hochkar, an der Kuppe zur Steilstufe probierte der Autor eine Abfahrtsvariante ganz links im Abstiegssinn, fast bei den Felsen der Rippe zur Flatschspitze (siehe Routenaufzeichnung).

Rückblick auf die Abfahrt vom Sattel

An sich wäre das ein schöner sehr steiler Hang zum Abfahren, jedoch an diesem Tag etwas hart und gestört durch ein kleines Lawinchen Tage zuvor. Man konnte den Hang vernünftig befahren, aber eine Empfehlung ist er nicht.

Kuppe vor der Steilstufe

Wahrscheinlich ist der Hang neben der mittig in der Steilstufe liegenden Rippe eine bessere Abfahrtsempfehlung (siehe Foto in der Bildergalerie).

umfahrene Felsstufe

Durch den Wald bis zum Alm bieten sich unzählige Möglichkeiten im Slalom um die Lärchen abzufahren.

dort wäre sehr wahrscheinlich die bessere Abfahrt gewesen

Das freie Gelände der Luegeralm wieder an der Aufstiegroute durchfahren und unterhalb in den Fichtenwald eingetaucht werden die Schwünge aufgrund des steileren Geländes zwangsläufig enger und enger. Etwa 200Hm geht es im dichten Wald bis zur Lichtung oberhalb des Gasthauses Wolf hinab, wo die Tour ihr Ende findet.

am unteren Ende der Luegeralm

Zum Abschluß lege man den Heimfahrtsstress ab und besuche den netten alten Wirt des Gasthauses Wolf – der gerne betont, daß er der Jägerei frönt – auf dessen Grundstück man schließlich parkiert. Er bietet ein paar kleine Speisen und seine Erscheinung, sowie die urige Stube mit seinen selbst erlegten Jagdtrophäen wie auch die wunderschönen Kohlestiftzeichnungen seiner Urgroßeltern muß man erlebt haben.

urige Gaststube Gasthaus Wolf

Der Zeitbedarf für den Wolfendorn betrug knapp 4 Stunden und hängt in gewissem Maße von den Schneeverhältnissen und der Versiertheit im Steigen am Steilhang ab – empfohlen  werden 5 Stunden ins Kalkül zu nehmen.

Aufzeichnung Schitour Wolfendorn

Der Gipfelaufenthalt mit moderatem Nordwind beschränkte sich auf ein paar Hände voll Studentenfutter, Apfel, Höhenmedizin und ein paar Fotos.  Bei der Rückkehr am Gasthaus Wolf zeigte die Uhr exakt 1.400Hm und die Aufzeichnung errechnete 5km reine Aufstiegsstrecke.

Mils, 09.03.2019

Schitour Wildlahnerscharte – Falscher Kaserer, von Schmirn

Eine klassische Frühjahrstour führt vom kostenlosen Parkplatz Toldern/Schmirn auf die Wildlahnerscharte und den Falscher Kaserer, wie sich der kleine Gipfel neben der Bergstation des Schleppliftes der Hintertuxer Gletscherbahnen nennt.

Gipfel Falscher Kaserer, 3.254m

Um gleich allen falschen Angaben im Internet zu entgegnen, der Parkplatz liegt auf 1.515m, der Falsche Kaserer hat eine Höhe von 3.254m und die Route weißt kaum einen einzigen Meter Zwischenabfahrt auf. Der Höhenunterschied beträgt also 1.739m.

Tragestrecke ab dem Parkplatz Toldern

Das Wildlahnertal ist ähnlich kupiert wie die klassischen Talaufstiege im Stubai, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt. So erfreut man sich nach den ersten 380Hm nach der kleinen Hütte eines ausgedehnteren eher flachen Stückes bevor es westseitig durch eine Rinne in der nächsten steilere Stufe zum sich weitenden Tal empor geht.

grandioses Panorama unterhalb der Hütte

Am heutigen Tag  in diesem außergewöhnlich schlechten Winter um – 7:35 gestartet – war ab dem Parkplatz eine ca. 100Hm messende Tragestrecke erforderlich. Man steckt sie allerdings leicht weg. Weiter oben mußte man nur noch weitere ca. 25m abschnallen und tragen. Die Abfahrt am Weg ist allerdings schon nur mehr die Pflugbreite der Schi breit, eine weitere Woche wird das weißgraue Bandl aber nicht mehr halten.

nach der Hütte das komplette Wildlahnertal zu Füßen – rechts steig man auf

Ab der kleinen Hütte herrschen aber noch tief winterliche Bedingungen, die Schneequalität ist gut, von rechts (westlich) sind schon ein paar ältere Lawinen abgegangen, die bei der Talausfahrt nicht übel zu queren sind. Übrigens präsentierte sich der Gesamte Aufstieg ab dem Anschnallpunkt als gefroren und fest.

zur Abwechslung die zweite Steilstufe – Rinne mit einer alten Lawine

Nach der zweiten Steilstufe empfing man heute leichte bis mittelstarke Windböen mit abwechselnder Windstille dazwischen, also ein recht angenehmer Aufstieg für die eigene Vorstellung nach dem unglücklichen Wetterbericht.
An Sonne allerdings mangelte es kräftig, das wäre für den Vormittag auch anders vorausgesagt gewesen. Dafür wiederum profitierte man hinsichtlich der Lawinenwarnstufe. Keine Sonneneinstrahlung ließ den oberen Teil der Tour (ab ca. 2,200m) nicht zu Firn auftauen und im unteren Teil waren die Verhältnisse bei der Abfahrt vor13 Uhr schon perfekt frühjahrsartig „schmierig“.

Rückblick auf ca. 2.100m

Eine große Anzahl an Tourengehern verließ den Aufstieg zur Linken, um den Kleinen Kaserer zu besteigen und so befand ich mich mitten im weiten oberen Wildlahnertal total alleine und genoss die Stille. Der Aufstieg ist mir von Blicken hinab vom Sommer vom Valsertal auf den Olperer bekannt und ich freute mich aufs Wiedersehen – der Olpererferner ist immer eine Freude anzusehen.

die Szenerie – links der falsche Kaserer, mittig im Nebel Olperer, rechts der gewaltige Fußstein

Quer von Osten herab zieht der Wildlahnergrat und wenn man ihn von der Kuppe aus, an dem der unterste Teil des Gletschers beginnt ansieht, dann kann man sich vorstellen warum die Namensgebung so bizarr ausfiel – wilde Lahnen mögen hier durchaus herabstürzen.

der Olpererferner von unten mit dem begrenzenden Wildlahnergrat

Der Gletscher wird im Winter eher in seiner Mitte begangen, die Aufstiegsspuren waren teilweise sichtbar und die logische Route konnte man bereits von unten erkennen. Von links, eben vom Wildlahnergrat sind über den Winter einige unangenehm zu gehende Lawinen heruntergegangen, wogegen die Mitte des kleinen Gletschers eine breite gut zu begehende Zunge bildet.

Rückblick vom oberen Teil des Olpererferners, rechts der Wildlahnergrat

Man möge seine Harscheisen nicht zuhause vergessen, die Steilheit und die Oberflächenbeschaffenheit der Schneedecke mitten im Gletscher sind prädestiniert auch Hartgesottene weich zu klopfen, wenn sie ohne Harscheisen aufsteigen und nach bereits gut 1.300m Aufstieg kann doch durchaus es auch etwas bequemer sein (vielleicht werde ich auch nur alt?).

der Saum des oberen Teiles des Gletschers

Der Gletscher stellt die dritte, steilste und längste Steilstufe dar, sie haben sich sozusagen von Beginn an selber gesteigert. Weiters ersehnt man am oberen Saum des Gletschers die vermeintlich „flache“ Strecke zur Wildlahnerscharte. Aber weit gefehlt, der Saum pflanzt sich nach dem Hauptteil des Gletschers weiter fort und endet nach lange nicht dort, wo man ihn immer wieder  vermuten möchte.

Gletscherbruch vom Olperer herab – Teilweise Felsbrocken über hunderte Jahre eingeschlossen

Endlich aber taucht nicht nur optisch die Antriebsstation des Schleppliftes auf, sondern auch das ab dort durchgehende und mit der Annäherung lauter werdende Surren des Elektromotors.
das einzig Gute an dieser Station ist, daß man hinter dem Liftwart eine vor den Windböen etwas geschützte Position in den Bauten der Station einnehmen kann, um die Felle zu verstauen und sich für die letzten ca. 30Hm ab der Wildlahnerscharte auf den Falschen Kaserer auf 3.254m vorzubereiten.

Die Wildlahnerscharte in Sicht

Ein freundlicher Wink zum Liftwart – wenn er sich denn einmal aus der Konzentration löst und hinter sich blickt – signalisiert den Freund und ein Danke für den Schutz (man dürfte dort nicht stehen…).

Blick vom Gipfel des Falschen Kaserer zum Großen Kaserer – er ist um 9m höher

Der Rundumblick war heute eben nicht so berauschend, aber nach der weiten Tour, satt über 3.000m erfreute er mich heute trotzdem. Dem zunächst freundlichen, dann zweifelhaften Wetter getrotzt, Vorhaben durchgezogen.

Rückblick auf den kompletten Aufstieg – das Wildlahnertal

Nicht wenige Bergsteiger wollten doch tatsächlich auf den komplett und dauerhaft in Nebel gehüllten Olperer, mich konnte er heute in keiner Weise locken. Viele Versuche wurden aber auch am Übergang vom Gletscher zum Fels abgebrochen wie ich während des kurzen Aufenthaltes beobachten konnte.

Olperer Nordgrat gegenüber

Die Abfahrt über den Gletscher mußte ich ob der diffusen Verhältnisse sehr bedacht ausführen, Nebel zog auch kräftig durch – der April hat soeben begonnen. In fast  Schrittgeschwindigkeit mußten manche Passagen befahren werden, besser wurde es ab dem Ende des Wildlahnergrates.

Rückblick auf den Falschen Kaserer knapp unterhalb des Wildlahnergrates auf 2.700m

Die weitere Abfahrt war sehr akzeptabel und wie bereits erwähnt mit leichtem Firn auf meist tragfähigem Untergrund, ideal zum Hinabschwingen wie im Buche.

vom Gasthaus Olpererblick mit Bier und Knödel

Die Aufstiegszeit bis zum Lift auf der Wildlahnerscharte betrug 3 3/4 Stunden, von dort zum kreuzlosen Gipfelchen des Falschen Kaserers knapp 10min. Höhenmeter: 1.738
Gesamtzeit mit Pausen und Abfahrt: 5 1/4 Stunden.

Mils, 01.04.2017