Archiv der Kategorie: Zillertaler Alpen

Schitour Kleegrubenscharte, 2.500 m

Eine ideale, halbtägige und spritzige Schitour beispielsweise für Ostermontage 2021, an denen sich das Wetter nach Mittag rasch ändern soll, stellt die Schitour auf die Kleegrubenscharte im Kaserer Winkel dar. Mit knapp 900 Hm ein zeitlich kurzes Unterfangen von zweieinhalb Stunden, ohne zu sehr auf das Tempo zu drücken. Der archaische Kaserer Winkel glänzt nicht nur mit der enorm beeindruckenden Frontalansicht der Nordseite des Kleinen Kaserers, er hat landschaftlich auch Schmuckkästchen zu bieten, beispielsweise das Kar zur Kleegrubenscharte mit dem tollen Blick auf den Hoger und die Hornspitze.

erster beeindruckender Blick von der Kleegrubenscharte nach Westen auf die Hohe Warte (Hoger)

Die kurze Schitour führt über 880 Hm vom Alpengasthof Kasern über das vermeintlich flache Tal des Kaserer Winkel über 3,6 km und mehr der Hälfte der gesamten Aufstiegsmeter zu einem Steilhang auf der rechten Talseite im Aufstieg.

morgendlicher Blick in den Kaserer Winkel

Zahlreiche junge Nassschneelawinen begleiteten uns in den Winkel und zuerst überraschender Weise von der rechten Talseite im Aufstieg. Die Lawinen links im Tal waren bereits vor längerer Zeit abgegangen und die Steilhänge aper.

Aufstieg im noch frostigen Kaserer Winkel

Bei genauerer Betrachtung konnten wir aber feststellen, daß diese -recht langen – Lawinen ihren Ansatz meist in der im Tagesverlauf lange besonnten Gipfelregion hatten und die Ursache das in diesem Winter so latenten Altschneeproblem sein muß. Die unteren Teile der Lawinen bildete dann Nassschnee der überaus warmen vergangenen Osterwoche ohne oder mit ungenügendem Nachtfrost.

rechts zweigt der steile Hang zur Kleegrube ab

Der Steilhang, der mit vereinzelten jungen Lärchen bewachsen ist, wird in Spitzkehren erstiegen. Die Hangneigung bleibt deutlich unter 40°, jedoch erhält der Hang erst am Vormittag Sonnenbestrahlung und präsentierte sich bei unserer Begehung in der Früh noch fest verhärtet.

Aufstieg zur Kleegrube

Bei der Betrachtung der Angespanntheit unserer Vorgänger ober uns im Hang entschieden wir – unsportlich, könnte des Jünglings Urteil lauten – die Harscheisen zu verwenden und konnten dadurch die tolle Nordseite des Kleinen Kaserers im Aufstieg studieren, ohne jeden einzelnen Schritt wählen und platziert setzen zu müssen.

in der Ausmuldung der Kleegrube

Nach gut 100 Hm ist der Steilaufstieg in das breite Kar der Kleegrube überwunden. Hinter einer Rückenkante breitet sich anschließend urplötzlich eine zunächst flache Karmulde vor den Augen des Ersteigers aus, die sich im Steigverlauf zum Kleegubenkar ausbildet und gegen dessen oberen Rand hin merklich in der Steigung erhöht und in der Breite verringert.

in der Ausmuldung der Kleegrube

Zur Rechten in der Kleegrube bildet die wirklich spitz und hoch aufragende südöstliche Schöberspitze mit ihren gewaltigen senkrechten Abbrüchen die Einfassung der schönen langen Kargrube, zur Linken sind es sanft gerundete Hänge, gebildet aus Schiefern und Phylliten, die in ihrer Erscheinungsform krassem Gegensatz zur Gegenseite stehen.

Stefan guten Mutes an dem schönen Tag

In dieser tollen und gegensätzlichen Flankierung wird anfänglich in direkter Linie, aber bald auf Spitzkehren wechselnd aufgestiegen. Besonders beeindruckend ins Auge fallen die extrem gefalteten Schichten der Abbrüche der südöstlichen Schöberspitze.

Aufstieg durch die Kleegrube; Scharte am Übergang zwischen Schatten und Licht

Es handelt sich dabei um Bänderkalke, Dolomit- (vorherrschend) und Kalkmarmore (im oberen Teil der Kleegrube) der sogenannten Schöberspitzentrias, neben denen vorbei das Gelände stetig steiler wird. Die maximale Steigung in der Kleegrube verbleibt jedoch meist bei unter 30° und immer unter 35°.

atemberaubende Faltungen im Dolomit- und Kalkmarmor der Südöstlichen Schöberspitze

Trotz, oder vielleicht wegen der völligen Einsicht auf das Ziel vom untersten Punkt nach dem Steilhang wird der Anstieg nur langsam kürzer – ein Phänomen, das immer dann auftritt, wenn ein Ziel klar voraus liegt und man ohne es aus dem Blickwinkel zu verlieren darauf zusteuert.

Stefan im mittleren Teil der Kleegrube; Hintergrund Frauenwand

Im Fall der Kleegrubenscharte dauert diese Situation für die rund 360 Hm 45 bis 50 min, wenn unterwegs auch ein paar Foto- und Landschaftbewunderungspausen eingelegt werden.

letzte Meter auf die Scharte

An der Scharte selbst belohnt ein phantastischer Blick auf die imposante Pyramide des „Hogers“ (Hohe Warte), rechts im Wildlahnertal und von Toldern aus zu begehen. Bei unserer Begehung ihr Hintergrund bereits in leichtem Dunst der aufziehenden Schlechtwetterfront aus Nordwest.

Aussicht von der Kleegrubenscharte gegen Nordwesten

So bizarr die Abbrüche der südöstlichen Schöberspitze gegen die Kleegrube hin, so unscheinbar sanft präsentiert sich ihre Westseite zum Wildlahnertal hin. Mehr oder weniger kann sie als schroffige steile Bergwiese beschrieben werden, die auf der Gipfelpyramide bereits völlig ausgeapert ist.

Gratanstieg auf die Südöstliche Schöberspitze

Gegen den Nordosten hin besteht ein großartiger Blick auf die höchsten Gipfel der Tuxer Alpen im Hintergrund und als letzten imposanten Wächter der Tuxer im Grat vom Geier ausgehend, noch vor dem Tuxer Joch gen Süden, die auffällig geformte Kalkphyllitpyramide der Hornspitze.

Blick von der Kleegrubenscharte nach Nordosten

Südlich der Hornspitze, am rechten Bildrand eine Ansicht der Frauenwand, einer der ersten Gipfel nach dem Tuxer Joch in den Zillertaler Alpen.

 

Stefan in der Scharte vor dem Gratrücken auf den Kleinen Kaserer

Über den südöstlich steil hinaufziehenden, oben abgerundeten Hang gelangt man auf eine Art Vorgipfel und müßte auch des Winters über ein Gratstück auf den Kleinen Kaserer weitergehen können – was es ein anderes Mal zu erkunden gilt.

gelb, Glimmerkalkmarmor

Die Abfahrt von der Scharte legten wir auf die bereits gut aufgefirnte linke Seite in Abfahrtsrichtung gesehen, mit dem Vorzug die gewaltigen Faltungen der Marmore aus nächster Nähe einsehen und ablichten zu können, welch Naturschauspiel!

linker Hang von der Gerinnemulde – wir benutzten diesen weil er bereits besser aufgefirnt war

Am untersten Teil der Abfahrt in den Kaserer Winkel, nach der Ausmuldung der Kleegrube, entschieden wir ebenfalls über den nördlicher gelegenen Hang links neben dem Abflusshangeinschnitt der Kleegrube, abzufahren, weil auch hier die Sonnenbestrahlung bereits länger eingewirkt und teilweise aufgefirnt hatte.

Abfahrtshang im Rückblick rechts des Gerinneeinschnitts

Mit rundum bäriger Kulisse fuhren wir anschließend vom hintersten Winkel nach Kasern aus.

Idylle im Kaserer Winkel mit dem Talabschluss des Kleinem Kaserers

Den längeren sonnigen Aufenthalt (ein gutes Stündchen) in der Kleegrubenscharte mit eingerechnet haben wir für die Schitour kurze Schitour 4:25 Stunden benötigt. Der Aufstieg beträgt knapp 900 Hm und die Aufstiegsstrecke beträgt gute 4,7 km.

Mils, 05.04.2021

 

Schitour Kraxentrager, 2.998 m

Eine leicht erkämpfte Besteigung eines knappen Dreitausenders stellt die anspruchsvolle Schitour auf den Kraxentrager am Ende des Venntales vom Brennerpass aus keineswegs dar. Obwohl in West-Ost-Richtung verlaufend gibt es aufgrund der hohen Einfassung der Aufstiegsroute bis zum Grenzkamm, der über einen etwa knapp 200 Hm messenden Steilhang mit, in Abschnitten, mehr als 40° Hangneigung erstiegen wird, wenig Sonne im Hochwinter und der Föhn kann für harschige, anstrengend zu befahrende Oberflächen sorgen. Meist im Lee des allgegenwärtigen Föhnwindes der Gegend sind die wesentlichen Passagen selbst auf Distanzen von wenigen Metern mit unterschiedlichsten Schneebedingungen ausgestattet, die des Bezwingers entschlossenen Schritts stetig prüfen. Die kratzbürstige Schönheit des Erlebnisses Kraxentrager wird erst nach Verlassen der rauen Talschaft deutlich fassbar.

Herwig am Gipfel des Kraxentragers

Sowohl der Höhenunterschied von 1.700 m als auch die Länge des Unternehmens von 8,5 km in archaischer Landschaft stellen keine alltägliche Schitour dar und die Notwendigkeit, aufgrund der Bedingungen zu Beginn der Tour, die Schi zunächst einmal 1,5 km über gut 30 min zu schultern, stellen die Aufnahmeprüfung dar.

Blick nach oben am Beginn des steilen Westhangs zum Kraxentrager

Möglicherweise findet man hochwinterliche Bedingungen mit guter Schneedecke im vorderen Venntal vor, die einen Aufstieg ab dem Parkplatz unter Schi zulassen, eher aber hat man es nach langen Schönwetterperioden mit gefrorenen, rutschigen und teilweise feuchten  Schmelzoberflächen auf der befahrenen Straße zur Jausenstation Venn zu tun.

bis zu den Vennhöfen mit geschulterten Schi

Also haben wir zunächst die Schi geschultert, in der Hoffnung nach einer der ersten Wegbiegungen anschnallen zu können. Der Weg präsentierte sich jedoch wie oben beschrieben und somit wurde der gesamte Anmarsch zu den Gehöften, die heute lediglich die wunderbar urigen Holzschindeldächer eingebüßt haben, zur Tragestrecke.
Allerdings entkamen wir zum Ausgleich für den erschwerten Anmarsch gleich nach den ersten Wegbiegungen dem am Brenner meist unangenehmen Jochwind und dem allgegenwärtigen Verkehrslärm.

kurz vor den Vennhöfen

Beim „Gasthaus Strickner“, wie die Vennhöfe früher genannt wurden, legten wir nach 1,6 km und gute 100 Hm Anmarsch nach Überschreitung der kleinen Brücke über den Vennbach die Schi an und stiegen, nach der erster Flachstrecke auf der rechten Talseite in den Wald auf.

an den Vennhöfen, ehemals Gasthof Strickner

Auf 1.530 m werden die letzten Almgebäude im Talgrund erreicht, vor denen sich ein Talkessel mit beeindruckender Steilstufe auf die Hochebene im Talverlauf  entgegenstellt. Diese Steilstufe stellt die rassige Variante der Abfahrt vom Hochplateau in das äußere Venntal dar.

die letzten Almgebäude vor der Waldstrecke

Durch die Holzgebäude hindurch führt der Sommerweg in den steilen Nadelmischwald, der sich weiter oben durch alte und knorrige Lärchen auszeichnet. Der Anstieg erwies sich aufgrund der Steilheit an mehrfachen Passagen fordernd und selbst im Wald kommt man im oberen Teil nicht ohne Spitzkehren aus. Bis zur Verflachung der Steilstufe auf gut 1.900 m gilt es 400 Hm zurückzulegen. Im Blockwerk knapp an der Verflachung findet man des Sommers die Antonienquelle, die im Winter rechts der Aufstiegsspur verbleibt.

mitten in der steilen Waldstrecke

Gegen Ende des Waldstückes, wo vereinzelte junge Lärchen den steilen Hang säumen waren zwei kurze Lawinenstriche zu queren, die durch Abgänge der unweit höher liegenden Felsen gebildet werden und die wir einzeln passierten.

steile Aufstiege im oberen Teil des Waldes

Am Ende des Baumbestandes tritt man in die weiten Flächen der Venner Alm ein und per Ende Februar stellt diese Höhe (~1.950 m) den ersten Kontakt mit der zögerlich über den Sattel der Taleinfassung zwischen Wildseespitze und Friedrichshöhe aufsteigt, jedoch selbst um 9 Uhr vormittags keine signifikante Höhe erreicht.

Rückblick auf den Waldaufstieg

Über glazial geprägtes Gelände des Venner Ferners erfolgt der Aufstieg durch die Hochfläche nahezu wahllos in Richtung auf den bereits gut sichtbaren Steilhang unterhalb des Gipfels zu. Der Kraxentrager erscheint im Aufstieg von der Hochfläche aus betrachtet nicht sonderlich steil aus, was sich jedoch mit dem Näherkommen stetig ändert.

Anstiegsroute über schön kupiertes Gelände, auf den ehemaligen Gletscher zu

Mittlerweile hatte sich der Südföhn kräftig entwickelt, und um ihm ein wenig zu entkommen wählten wir unsere Route nicht im Mittelteil des Beckens im Talschluss, sondern weiter oben, in der Meinung unterhalb des Grenzgrates etwas Deckung zu finden. Diese Taktik war nicht von Erfolg gekrönt, denn was wir dort vorfanden war zwar der von unten sichtbare Schatten, aber keine Windstille.

bäriger Rückblick

So querten wir – nicht minder steil aufsteigend – unterhalb der Steilflächen zum Grat bis in den großen Kessel unterhalb der Steilflanke des Westhanges, von dem in Spitzkehren zum Kraxentrager aufgestiegen wird. Die letzte Rippe bescherte uns dann noch etwa 20 m Höhenverlust, um eine Mulde zu durchqueren, an die die Steilflanke ansetzt.

je näher zum Joch desto stärker der Föhn

Bisher stellten wir eine oberflächlich meist feste Schneedecke fest, mit wenig wünschenswerten pulverig grießigen Einwehungen darunter, die keinen Verbund erkennen ließen. Im Lee der Bergkette, und völlig abgeschnitten von jeglicher Sonneneinstrahlung, aber auch selten anders zu erwarten.

ein großer Block zwingt zur Entscheidung

Zu Beginn der Steilflanke legten wir sicherheitshalber die Harscheisen auf und bewegten uns im unteren Teil der Flanke ohne jeglichen Erfolg derselben vorwärts. Jeder Schritt in diesem Schattenteil war zu prüfen und kostete übliche Steiggeschwindigkeit.

Rückblick auf die Wildseespitze

Mit dem Wechsel in den besonnten Teil des Hanges änderte sich die Schneeoberfläche zum Besseren, indem die gepresste Oberfläche härter und stärker wurde und nur mehr abschnittsweise der grießige verbundarme Schnee in sozusagen Schneisen auftrat.

der Steilaufstieg zum Gratrücken unterhalb des Kraxentragers beginnt

Ab der Mitte im Steilhang erreichten wir über kurze, exponierte Stellen vereiste Oberflächen, deren Begehung im Steigen ohne Harscheisen nicht möglich gewesen wäre und in denen die Montage der Harscheisen in einer nicht wünschenswerten Geländeneigung stattfinden hätte müssen. Somit hat die Vorahnung einmal erneut Bestätigung erfahren, rechtzeitig die Ausrüstung zu verwenden, die hinauf geschleppt wurde. Ohne Harscheisen kann der Aufstieg durch den Steilhang definitiv nicht empfohlen werden.

ohne Harscheisen keine Chance

Die Schneebedingungen in dieser immerhin 200 Hm messenden Wand sind zu unterschiedlich, um von unten auf den gesamten Aufstieg schließen zu können und allein die leeseitige Lage mit Schatten-, Licht- und Einstrahlungsunterschieden muß klar machen, daß man sich auf vielfältige Schneebedingungen einzustellen hat.

gegen Ende der oberen Querung zum Gratrücken

Eine alte Spur vom Sumpfschartl herüber, wobei sie bei den vorherrschenden Windbedingungen auch ohne weiteres kaum einen Tag alt sein hätte können, tat gute Dienste, indem sie eine gewisse Verfestigung in den weichen Abschnitten zeigte und somit unser beider Spur die Nachkommenden erfreute, die durch die Verfestigung einen wesentlich rascheren Aufstieg unternehmen konnten.

der Hang im Überblick; die Querung auf den Gratrücken erfolgte durch die Schrofen

Bei so mancher Spitzkehre erleichterte das Stockteller den Kehr-Schritt durch Heraufziehen des Schiendes, um den richtigen Steigwinkel einzustellen. Diese unerlaubte Hilfstechnik wendet der Verfasser immer dann an, wenn die Hangneigung so richtig zur Sache geht und extreme Gymnastik den alten Sehnen und Bändern zugunsten angenehmen Steiggefühls erspart bleiben soll.

nahe dem Gratrücken zum Kraxentrager

Im Bereich der aperen Schrofen wagten wir auf einem schmalen flacheren Podest ein paar Eindrücke abzulichten und selbst wenn Fotos die Neigungsverhältnisse immer flacher vermitteln als sie tatsächlich vorherrschen, können sie erahnt werden. Dieser Hang ist lediglich bei der untersten Lawinenwarnstufe für eine Begehung geeignet und nach sorgfältigem Ermessen vor Ort.

phantastische Aussicht in des Landes Süden – im linken Bilddrittel die Grabspitze und die Wilde Kreuzspitze

Fast 40 min hat uns das Abenteuer bis auf den langgezogenen Rundrücken unterhalb des Gipfels gekostet und die Freude bei einer Verschnaufpause war groß, einen ersten sagenhaften Blick auf den Kreuzspitzkamm und die Zillertaler Riesen im südlichen Landesteil zu werfen.
Der lästige Föhn frischte im Gegensatz zur geschützten Lage in der steilen Wand am offenen Bergrücken wieder auf und erreichte uns in Böen mit kurzen, manchmal fast windstillen Pausen.

Anmarsch zum Gipfelkreuz am Kraxentrager

In einer Viertelstunde war der Kraxentrager vom Rücken aus bestiegen, die letzten Meter auf das kleine Gipfelplätzchen ohne Schi, die an einer flacheren Stelle deponiert wurden in der auch die kurze Gipfelrast erfolgte. Eine richtig windgeschützte Stelle gibt es am Kraxentrager leider nicht. Die ersten am Gipfel waren wir nicht, denn als wir den Steilhang betraten konnten wir eine Gruppe erkennen, die vom Pfitschertal aufstieg und zweifellos einen tollen Aufstieg unter Sonnenbestrahlung hatte (Schitour vom Gh. Pfitscherhof vor Pfitsch).

Kraxentrager, 2.998 m

Der Kraxentrager wartet mit einer ungeahnt umfassenden Sicht in den Südwesten auf. Die Cima Presanella und Brenta in 113 bzw. 106 km Entfernung war an diesem Tag eindrucksvoll möglich. Der höchste sichtbare Gipfel der Ortler, Königsspitze und Monte Cevedale in kaum kürzerer Entfernung konnten an diesem Tag über und weit vom Wolfendorn ebenfalls gut erkannt werden.

umwerfende Fernsicht vom Kraxentrager mit Gipfeln

Näher, und aus toller Perspektive von einem Punkt, der trotzdem weit entfernt ist, sind die südlichen Ötztaler Alpen in 50 bis 70 km Entfernung zu bestaunen. Vom südlichsten Abschnitt Nordtirols, der Achse Hochwilde – Similaun – Weißkugel bis zur Wildspitze sind zig Gipfel auszumachen.

in Bildmitte der Wolfendorn mit phantastischer Fernsicht

Im Westen schließlich, im Abstand von 20 bis 35 km Entfernung, ragen die Stubaier Dreitausender auf und auch dieser, sonst vertraute Anblick der Stubaier bietet neue, interessante Perspektiven, die man bei der Normalanreise durch das Stubaital nicht mitnehmen kann.

Aussicht auf die Stubaier Alpen

Steht man am Sumpfschartl, so kann möchte man gar nicht glauben welchen Zugewinn an Sicht man von dem 330 m höheren Kraxentrager genießt.
Über den schneidigen Grat im Osten könnte im Sommer der Übergang zum Kluppen erfolgen, der im Winter eine phantastische Schitour darstellt, die nicht frequent begangen wird.

scharfer Grat zum bärigen Gipfel des Kluppen (dunkler Spitze in Bildmitte); im Hintergrund (linkes Bilddrittel) Sagwandspitze und der mächtige Schrammacher

Dem Föhn zum Trotz rasteten wir mit dem wunderbaren Blick ein halbe Stunde am Gipfel.

Gratrücken auf den Kraxentrager von der Landshuter Hütte

Die Abfahrt über den Steilhang unternahmen wir im oberen Teil entlang der Aufstiegsspur, die aperen Schrofen Nordost in den freien Hang querend.

Tiefblick auf den ehemaligen Venner Ferner und ins Venntal

Von dort lag uns der Hang zu Füßen bis hinab in die flache Talkesselmulde unterhalb des Sumpfschartls.

Einfahrt in den Steilhang

Die schwierigen Schneeverhältnisse und auch die Hangneigung forderten konzentrierte Schwünge und verlangten uns einiges an Kraft ab, insgesamt aber empfanden wir die Abfahrt über den tollen Hang als bäriges Erlebnis.

Über den lange flacheren Teil der Abfahrt über den einstigen Venner Ferner hinaus herrschten recht unterschiedliche Schneeverhältnisse, je nach Sonneneinstrahlung verhärtet und schwer zu drehen, oder weicher und wechselhaft. Weiter unten überwog eine harte Kruste bis zur Beginn der Steilstufe.

im weniger windbeeinflussten unteren Teil

Mangels Spuren unterließen wir es die Steilstufe zu befahren, da sie von oben auch nicht einsehbar war.

die Kante zur Steilstufe – leider zu wenig Ortskenntnis

Anstelle dieser Abfahrt querten wir zum Aufstieg durch den Wald und nahmen diese Route unter Beobachtung des Geländes über die Steilstufe, das von dort und von unten, von den letzten Almgebäuden aus, klar studiert werden konnte, um bei der nächsten Begehung in Angriff genommen zu werden.

Steilstufe zum Einprägen

Bei der Abfahrt durch den Wald herrschten teilweise prachtvoll weiche Schneeverhältnisse, da dort nie Sonne zukommt. Auf den Freiflächen, in der Tiefe des Venntales herrschten wieder Oberflächenkrusten bis zum Ende der Abfahrt an den Vennhöfen.

Ausfahrt im Venntal von den obersten Almgebäuden

Insgesamt benötigten wir für die bärige Schitour 7:10 Stunden incl. Pausen. Der Anstieg beträgt 1.660 m und die Streckenlänge etwa 8,5 km.

Mils, 21.02.2021

Schitour Frauenwand, 2.541 m

Wenig bekannt in des Landes Mitte und auch im Schatten beliebter Schitouren in der Region liegt der von Kasern aus kühn anzuschauende Gipfel der Frauenwand. Einer der ersten Gipfel der Zillertaler Alpen, knapp südlich des Tuxer Jochs gelegen, bietet die Frauenwand eine nette Schitour knapp unter 1.000 Hm Aufstieg mit einer tollen Abfahrt, die vom Kaserer Winkel im hintersten Schmirntal begangen wird. Bei Neuschnee und sicheren Lawinenverhältnissen stellt die im unteren Teil steile Abfahrt vom Tuxer Joch ein tolles Abenteuer dar.

Herwig und Stefan knapp vor dem Gipfel der Frauenwand

Durch die Hangausrichtung der südlichen Flanke vom Tuxer Joch bis zum Kaserer Winkel ergeben sich schattseitige Nordwest- und Westabfahrten ins Tal, die im unteren Teil noch von der westfallenden Rippe des Tettensgrates verstärkt werden und im Frühwinter ohnehin spärlich Licht bekommen. Dies mag für jenen, der eine Pulverabfahrt sucht, der Antrieb sein, für den Naturliebhaber bietet die Tour landschaftliche Reize.

der Nebel klart weiter im Tal bereits auf

Auf 1.622 m Seehöhe liegt der Ausgangspunkt der Schitour auf die Frauenwand, der kleine Parkplatz bei den letzten Bauernhöfen in Obern (Kasern), im hintersten Schmirntal. Im Frühjahr kann man oft beim Gasthaus Kasern parken und spart somit ein paar hundert Meter Strecke und etwa 10 Hm, die vom Parkplatz aus verloren gehen, will man in den Kaserer Winkel.

Der  Alpengasthof Kasern übrigens kann vom Verfasser mit Freude empfohlen werden, eigentlich ein Pflichtbesuch bei der dortigen Bevölkerung. Zuletzt war dort ein Besuch im Herbst 2020 möglich, anlässlich der schönen Bergtour auf die imposante Hornspitze, bevor die Saison endete und eine Öffnung durch die abstrusen Maßnahmen wegen dem Virus nicht absehbar ist; hoffentlich jedoch zu Saisonbeginn per Mitte Mai.

Rückblick aus dem Kaserer Winkel

Bei Nebel starteten wir unsere Begehung in der wunderschön verschneiten Landschaft und durch die düstere Szenerie, beim Blick in den Kaserer Winkel, vorerst mit etwas bedrückendem Gefühl. In Gegenrichtung, ins Kluppental geblickt, zeigten sich bereits besonnte Hänge, womit wir wussten, daß es nur eine Frage von vielleicht einer Stunde sein würde, bis auch der Kaserer Winkel vom Nebel befreit ist.

noch am Schwemmkegel der Tettensgrube, gleich geht es rechts in den Wald hinein

Vorbei an den letzten Gehöften im naturbelassenen Tal steigt man über gut 2 km mit wenig Höhengewinn die 160 Hm bis zum Einschnitt der sich vom Tuxer Joch herunterzieht, bevor die Route in eine gewohnte Steigneigung übergeht.

am Tuxersteig im Wald hinauf

Am Weg dorthin spurten wir bei der Abzweigung vor der ersten Brücke über den Kaserer Bach den Normalweg links weiter, der noch jungfräulich war und freuten uns die ersten zu sein. Erst kurz vor dem Tuxersteig bemerkten wir die Spur von der rechten Bachseite herüberziehen und kurz darauf bemerkten wir etwa 200m höher oben eine Dreiergruppe in die Tettensgrube aufsteigen, die spurte. Die Stockabdrücke offenbarten, daß die drei die einzigen waren, die sich voraus befanden.

zur steilen Passage, die zum neu ausgebauten Radlweg hinaufführt

Mittlerweile klarte der Himmel restlos auf, ein schöner Tag kündigte sich an und bei Temperaturen merklich jenseits von -10°C litten die alten ersten Fingerglieder nach nun einigen leichten Erfrierungen sehr und bedurften wiederholten Schüttelns zur künstlich erzeugten Durchblutung.

Stefan bereits im oberen Teil des jungen Lärchenwalds

Am Tuxersteig fasste der Verfasser mit seinem fortgeschrittenen Alter endlich den Entschluss der Natur nachzugeben und erweitert kältegerechte Kleidung zu kaufen, Fäustlinge, die er bis dato Kindern und Frauen zugeschrieben hatte.

hier ein Blick über das Klamml zum Tettensgrat; sichere Verhältnisse sollten aufgrund der Hangneigung vorherrschen

Der Aufstieg über den Tuxersteig erfolgt im lichten Lärchenwald mit altem Baumbestand gemischt mit der edlen Zirbe, der weiter oben ausdünnt. Mit einigen Serpentinen, vorbei an bereits ausgeschnittenem Windwurf kämpften wir uns über den schönen Rücken hinauf. Die kurze Steilpassage vor der Mündung des alten Steiges in die neu angelegte Radlstrecke erforderte etwas Akrobatik, da dort eine direkte Linie an und über der Haftungsgrenze der Felle bewältigt werden muß.

Beginn der Querung in die flacheren Teile der Mulde von Tettensbrunn

Anschließend fanden wir einen genussvollen Anstieg über die Steilfläche zur Baumgrenze vor, bevor die nicht zu unterschätzende Querung zum Hochtal, aufgrund der Hangneigung, unter den steilen Hängen des Tettensgrates (Klamml) zu absolvieren war.

Ende der Querung, Ankunft im flacheren Teil

Mit den letzten jungen Lärchen – alleine über den Baumbestand ist die Heimsuchung des Hangs durch Lawinen erkennbar – setzten wir auf etwa 2.100 m über in das durchgehend mäßig steile Hochtal zum Tuxer Joch. Unter mäßig steil ist hiermit, im Sprachgebrauch der Schitourenbeschreibung, eine Hangneigung unter 35° zu verstehen. Von Beginn des Tals bis zum Joch werden auf gut 700 m immerhin 240 Hm zurückgelegt, welche einer durchschnittlichen Neigung von 18° entsprechen.

es geht in der Mulde flacher Richtung Tuxer Joch weiter

Im Blick rechts nach oben treten vom Saum des Horizontes immer wieder interessante Mulden ins Blickfeld, die bei der Abfahrt oben zu denken geben, ob sie nicht fahrbar wären und die auf der Karte interessanteste, die Langgrube, oder Longgruabe, von den Böden unterhalb der Frauenwand hinab zur Schäferhütte, bleibt dem Blick der Begehung vorbehalten. Sie befindet sich südlich hinter dem Tettensgrat und erweckte bei der Tourvorbereitung bereits das Interesse des Verfassers.

Stefan quert in der Tiefe herüber

Gegen das Tuxer Joch hin tritt nordseitig die imposante Hornspitze mehr und mehr dem Blickfeld zutage. Die Besonderheit ihrer erhabenen Gestalt, die der Winter mit den Eigenschaften von Schnee hervorzaubert, kommt durch den scharfen Kontrast der Farbgegensätze von Schnee und Fels zu eindrucksvoller Geltung und besteht aus dem Baumaterial Kalkphyllit.  Das Baumaterial der Hornspitze findet sich nicht mehr auf dem weiteren Routenverlauf zur Frauenwand.

Aufstieg zum Tuxer Joch

Tettens, vom Joch aus im Rückblick westwärts gesehen, liegt eindrucksvoll an der Alpengrenze. Rechts der Norden der Tuxer, links im Süden die Zillertaler Alpen und diese, zum Gipfel der Weißen Wand (auch Ramspitz, Ramskopf) hin, zunächst von gezähmter Natur, eher leichte Mulden und niedere Kuppen denn blockig ungestüm aufragende Formen des Kristallin des Tuxer Hauptkamms, die weiter im Süden aufragen.

Rückblick nach Tettensbrunn

Die hochflächenartige Ausbildung – in der Flurbezeichnung wird sie auch „Böden“ genannt – bleibt auf der Reststrecke im Aufstieg zur Frauenwand bestehen und dadurch mutet diese Gegend so völlig anders an als man sie erwarten würde.

beeindruckend – Hornspitze im Norden des Tuxer Jochs

Das Geheimnis der Landschaftsformen liegt – wie könnte es anders sein – in den Eigenschaften des Gesteins. Die  Topographie über die letzten 200 Hm zur Frauenwand ist geprägt von verschiedenen Phylliten (Schwarzphyllite, quarzreiche Phyllite).

weiter über die sanften südlichen Hänge vom Tuxer Joch

Die restliche Strecke beträgt etwa einen Kilometer, wobei ein sehr kurzes Stück im Hintertuxer Schigebiet liegt  und das Einflussgebiet der 4er-Sesselbahn Tuxerjoch tangiert wird (präpariert, jedoch mit Alpinschi nicht erreichbar) und Pistenmarkierungen die Schigebietsgrenzen ausweisen.

eher flacher Aufstieg nahe dem Schigebiet Hintertux

Im Anstieg vom Tuxer Joch auf die Hochfläche zeigten sich klarer weise typische abgeblasene hartgepresste Rücken und Kuppen im Einflussbereich des Jochwindes, die einer weichen Schneeoberfläche auf der Hochfläche weichten und einen angenehmen Aufstieg zur bald sichtbar werdenden Frauenwand boten.

unter einer Rippe am Weg wird gequert

Am Weg zur Frauenwand könnte der um knapp 100 m niedrigere Gipfel der Weißen Wand mit wenig Zeitaufwand mitgenommen werden, wobei ein nochmaliges Auffellen in der Verbindung beider Gipfel, für nur etwa 50 Hm, vonnöten wäre. Angesichts der harschen Temperaturen unterließen wir diese kleine Ausweitung.

Herwig zur dem Gipfel der Weißen Wand

Im Halbkreis über die Böden näherten wir uns der runden Kuppe der Frauenwand mit dem Mini Gipfelkreuz in der Ostflanke und der separaten Gipfelbuchschachtel. Nach Westen hin fällt die Frauenwand mit senkrechter Flanke ab, was möglicherweise die Ursache für die ungewöhnliche Aufstellung des Gipfelkreuzes darstellt.

über die Böden zur abgerundeten Frauenwand

Der schöne Blick auf den Kleinen Kaserer, der im Grat zum Olperer das höchste sichtbare Ziel wäre und auf den Olperer blieb uns verwehrt, eine hartnäckige Nebelbank hielt beide Ziele unter Sichtverschluss.

tiefste Stelle am Grat, hier führt der Sommerweg zum Kaserer Schartl hinunter

In der Südostflanke fanden wir ein windgeschütztes Plätzchen zwischen den zerrissenen Kalkmarmorblöcken, die altersmäßig nicht mit jenen der Schöberspitzen zusammenhängen.

letzte Aufstiegsmeter im Rückblick

Die Gipfelrast fiel durch die unangenehme Kälte mit dem leichten Wind aus Nordwest relativ kurz aus und blad traten wir die Abfahrt an.

Stefan auf der Frauenwand

Für die Abfahrt, die mehr oder weniger entlang der Aufstiegsroute erfolgt, kam uns eine wahrscheinlich interessante Variante in den Sinn.

und finden diese im Kalkmarmorteil des Gipfels der Frauenwand

Es sollte möglich sein von den Böden über eine breite Mulde südlich des Tettensgrates, über die sogenannte „Longgruabe“ zur Schaferhütte abfahren zu können. Von der Hütte aus müßte man in den Lärchenwald der Tettensgrube queren können.

Blick Richtung der Abfahrtsalternative in die Longgruabe

Weil allerdings an diesem Tag die LWS III ausgegeben wurde unterließen wir die Erkundung, sie dürfte im Spätwinter eine interessante Alternative zu den flachen Böden hinab zum Tuxer Joch sein.

bereits unten nach Tettensbrunn

Wir  fuhren also in fast direkter Linie über kupiertes Gelände Richtung Tuxer Joch ab und bogen kurz vorher über eine steilere Rinne nach Tettensbrunn hinab. Die zweite Abfahrtsvariante, die Hänge vom Hocheck hinab, umgingen wir somit ebenfalls.

Den schönsten Teil der Abfahrt genossen wir im unteren Teil der Tettensmulde, in der wir tollen Pulverschnee vorfanden. Hier ein kleines Video davon und vom untersten Teil der Abfahrt durch den Lärchenwald.

Abfahrt über die Querung

 

Der steile Waldabschnitt war unter Tiefschneebedingungen ebenfalls ein tolles Erlebnis, wenn auch recht anstrengend.

Herwig im Tiefschnee

In der Tettensgrube wechselten wir auf die andere Talseite, die weitgehend baumfrei ist und dadurch angenehmer zu befahren.

Rückblick nach dem Überwechseln über den Tettensbach

Abschließend querten wir über eine schmale Brücke den Kaserer Bach auf die orographisch linke Seite des Kaserer Winkel über die es sich nicht irgendwie besser aus dem Tal ausfahren ließ, als wären wir unseren Spuren auf der rechten Talseite gefolgt.

auf der linken Talseite nach der schmalen Brücke

Kurz vor dem Gasthaus, auf den letzten 600 m Strecke bis zum Parkplatz mußten wir die Schi teilweise tragen, um die kleinen Höhenunterschiede  zu bewältigen.

Idylle im Kaserer Winkel – die Zeit ist dort glücklicherweise ein bisschen stehengeblieben

Mit 4:09 Stunden, incl. 25 min Aufenthalt am Gipfel absolvierten wir die wenig begangene kurze Schitour auf die Frauenwand. Der gesamte Aufstieg beträgt knapp 1.000 Hm und die Streckenlänge bis zum Gipfel etwa 5,4 km.

Mils, 30.12.2020

Schitour Schöberspitzen, 2.602 m

Die beiden Spitzen werden in der Literatur im Verein genannt, wobei alpinistisch die nordwestliche, mit 2.580 m niedrigere Spitze erstiegen wird, so auch im Winter als Schitour.
Im beginnenden Wildlahnertal von Toldern im Innerschmirn aus steigt man über mittelsteile Wiesen und einem kurzen Waldstück in ein weites unbewachsenes Hochtal ein, das in einem Sattel endet, über den der Sommeraufstieg zum Ramsgrubner See führt. Beim Winteraufstieg wird ein gutes Stück vorher abgezweigt und der See rechts umgangen. Das schönste Stück ist der Nordosthang zur Scharte und der kurze steile Gipfelaufbau.

Gipfelkreuz Schöberspitzen

Ausgangspunkt der ansprechenden Schitour bildet der Parkplatz am Beginn des Wildlahnertals auf 1.530 m. Am linken Hang führt ein Almenweg zu den Almhütten, der bald verlassen wird.

tolle Lichtspiele über dem Wildlahnertal

Bald taucht man in eine auffällige, seichte Senke ein, die ihren Ursprung weit oben hat und aufgrund des fehlenden Bewuchses somit als ein Lawinenstrich erkannt wird. Als Zeichen für die Richtigkeit dieses ersten Gedankens beim Blick nach oben sind weder Almhütten, noch signifikanter Baumbestand zu finden.

unterer Teil des Lawinenstrichs vom Riepenkopf

Über diese Senke wird mit ein paar Serpentinen das kurze Waldstück mit dem tief eingeschnittenen Sommerweg erreicht.

Querung Richtung Wald

Im unteren Teil im Wald ist der Sommerweg so tief eingeschnitten und teilweise mit Windbruch verlegt, daß sein talseitiger Begrenzungswall den leichtesten Aufstieg bildet und sich auf dem Buckel einige kurze Richtungswechsel ergeben, die in der Begehung unangenehm sein können, aber kurz ausfallen.

Beginn kurzes Waldstück

Das sich bald lichtende Waldstück leitet über auf eine steilen Hang, der von wenigen Lärchen gesäumt wird und auf dem die Baumgrenze rasch erreicht wird.

Waldstück oberer Teil

Auf Höhe einer vereinzelten hohen Lärche am Weg, etwa auf 2.030 m, vor Querung einer leichten Rippe in die sogenannte Ramsgruape, tritt die nordwestliche Schöberspitze, jene die das Gipfelkreuz trägt, erstmals in voller Größe ins Blickfeld.

Stefan nach dem Wald, im Hintergrund Hoher Kopf und Napf

Gleichzeitig wird nach der Rippe der Blick bis in die hinterste ansteigende Ramsgruape frei an der sich die Einsattelung zwischen der nördlichen Schönlahnerspitze und den Schöberspitzen befindet, hinter der das Tal des Kaserer Winkel abfällt. Auf diese Einsattelung führt der Sommerweg, die Schitour zweigt vorher ab.

der Blick auf das Gipfelziel freigegeben

Einige Minuten wird in der Ramsgruape aufgestiegen, bis sie recht flach wird und nach weiteren zehn Minuten an einen Hang zur Rechten heranführt. Der Hang stellt den Abzweigepunkt vom Sommerweg dar, er wird in Serpentinen aufgestiegen.

Aufstieg in die Ramsgruape hinein

An dieser Stelle überholten uns zwei Kollegen, die die Tour gut kannten und Franz die Spur ab dem Hang zog.

im flachen Teil der Ramsgruape

Der frische Tiefschnee fiel tags zuvor unter signifikantem Windeinfluß, weshalb wir in Abständen hinter Franz aufstiegen. Die Route kann in diesem Gelände günstig gelegt werden, sodaß keine Neigungen mit 35°, oder steiler, begangen werden müssen.

nach dem Abzweig vom Sommerweg auf den Hang zum Ramsgrubner See

Den Windeinfluß vom Vortag spürten wir an den Neigungswechseln durch dünenartige Wechten im Lee mit windgepressten schneearmen Luvseiten sehr eindrucksvoll.

Sattel zwischen Schönlahnerspitze und Ramsgrubner See

Zum Ramsgrubner See hinauf verflacht das Gelände wieder und die Kuppe erwies sich sehr windgepresst bis zum nahen See auf 2.360 m hin, der in etwa in 100 m Entfernung linker Hand liegt und der durch den Richtungswechsel zum Aufstieg auf den Gipfelhang hin liegen gelassen wird.

Aufstieg im unteren Teil des Nordhangs zum Gipfel

Der Gipfelhang führt über mäßig steiles bis steiles Gelände auf die Scharte zwischen die Schöberspitzen.

der Gipfelaufbau bereits sichtbar, Franz spurt

Die Routenwahl kann unter größtmöglicher Vermeidung von steilem Gelände erfolgen, wobei etwa mittig im Nordhang eine kurze Stufe um 35° nicht vermieden werden kann, Franz sie aber ausgeklügelt spurte.

die Gruppen mit Abstand nachfolgend

Ein bis zu den Berggräsern abgeblasener Schartenbereich in Verbindung mit einem schneidig kalten Wind erwartete uns nach dem schattigen Nordaufstieg.

Gipfelhang oberer Teil

Der Franz spurte unbeeindruckt die steile Südflanke der Gipfelrippe auf den breiten Rücken der Schöberspitze.

Aufstieg im Rückblick

Die Spur legte er in guter Kenntnis entlang des unsichtbaren Sommerwegs leicht steigend auf den Rücken an, auf dem man, mit wenigen Spitzkehren sowie die letzten Meter in direkter Linie, in ein paar Minuten den Gipfel erreicht.

Querung Südflanke der nordwestlichen Schöberspitze

Die Schöberspitzen stehen zwar im Schatten des um knapp 500 Hm mächtigeren Kleiner Kaserer in der Gratkette zum Olperer hin die dominante Position einnimmt, der Rundblick beeindruckt trotzdem.

Anstieg auf dem Gipfelrücken

Mit der geringen Entfernung von knapp 2 km verdeckt er den Ausblick von den Schöberspitzen gegen Südosten, der mit 3,7 km in fast doppelter Entfernung liegende, südlichere und knapp 900m höhere Olperer ist mit seiner charakteristischen bauchigen Eiswand der Nordflanke in voller Pracht zu bestaunen.

links der Olperer, Fußstein, Schrammacher und rechts die Sagwandspitze

Weit reicht die Sicht gegen den Norden der Zillertaler Alpen und die folgenden Entfernungsangaben beziehen sich auf die Lage des nordwestlichen Gipfels mit dem Gipfelkreuz, nicht aber auf die Gipfelmarkierung der südöstlichen der Schöberspitzen im Kartenwerk!

Hohe Warte (Hoger) auf der Talgegenseite

Der Gipfelspitz der Hohe Warte (einheimisch: Hoger), mit 2,9 km Entfernung im Südwesten und mit den Stubaier Alpen im Hintergrund gelegen, bietet eine eindrucksvolle Landmarke.

Blick in die Tuxer: Hornspitze mit Nebelkrause und links der Lizumer Reckner

Eher  im ganz Norden als bedeutend östlich liegt der markante Grenzberg zwischen Tuxer und Zillertaler Alpen, die Hornspitze, in 3,2 km Entfernung und links davon, mit einer Distanz von knapp 7,7 km zu den Schöberspitzen erhebt sich deutlich der Lizumer Reckner, der höchste der Tuxer.

Talblick auf den Aufstieg in der Ramsgruapn

Die Abfahrt von den Schöberspitzen erfolgt direkt vom Gipfel, oder falls die Strecke an der Südflanke des Gipfelhangs rechts der Scharte ausgeapert ist, vom Schidepot in der Scharte entlang des Aufstiegs über den Nordhang hinab, bei unserer Begehung durch extrem tiefen Pulverschnee, großteils als eingewehter Triebschnee.

staubige Abfahrt durch über den Nordhang

Nach der Flachstelle westlich vom Ramsgrubner See entlang dem Aufstieg gibt es zwei Möglichkeiten:

Abfahrt in die Ramsgruape bei besten Verhältnissen

Kenner wie der Franz und sein Tourenkamerad nahmen die direkte Linie durch eine sich verbreiternde Mulde, Ramstal genannt, die auch im unteren Waldbereich die Normalabfahrt darstellt.

Ramstal nach oben geblickt

Andere bevorzugen die Beibehaltung der Aufstiegsroute zur Abfahrt in die Ramsgruape, die durch eine mächtige Rippe vom Ramstal getrennt im Norden davon liegt.

die Ramsgruape in ihrer vollen Pracht

Letztere Abfahrt ist die flachere und sonnigere und mündet beim Erreichen der Baumgrenze wieder in das untere Ramstal ein, bevor der Ramsbacheinschnitt diese Seite wenig erstrebenswert befahrbar werden läßt.

Herwig im unteren Teil der Ramsgruape

Über die Aufstiegsroute fanden wir beste Verhältnisse in Pulverschnee und wenig verspurtes Gelände vor, das die große Gruppe, die bereits früher den Gipfel verließ, vorzeichnete. Dieser Teil der Abfahrt ist speziell im Frühwinter der sonnigste. Die schönsten Hänge sind wohl auch dort zu finden.

hinab und links ins Ramstal

Über diese Hänge und an der flachen Stelle in der Ramsgruape konnten wir nicht widerstehen die Verhältnisse in der bärigen Landschaft filmisch festzuhalten.

Allmählich, während der Abfahrt verdichtet sich beim Queren in das untere Ramstal der Lärchenwald zum richtigen Waldgürtel mit Fichten und Tannen, durch die sich eine schmale Schneise mit Staudenbewuchs ausbildet.

weiter links haltend im unteren Ramstal

Bei unserer Befahrung im Tiefschnee erwies sich das Umrunden der Staudenbüschel als leicht fahrbar, bei Altschnee- oder Bruchharschverhältnissen dürfte sich die steile Passage eher anstrengend erweisen.

von oben links kommt man aus der Ramsgruape

Anschließend folgt eine kurze freie Fläche, oberer Ramser genannt, die sich etwa 100 Hm dahinzieht und sich abermals zu einem dichteren Bewuchs mit nun dichtem jungem Baumbestand und Staudenwerk verjüngt.

schmale steile Passage durch Staudenwerk

In diesem Hinderniswald gibt es nur schmale Durchschlupfe, die im steilen Teil die Abfahrt zur schweißtreibenden Angelegenheit mit rascher Reaktionsnotwendigkeit werden läßt. Eine lustige abschließende Prüfung des Tourenfreunds.

am oberen Ramser

Direkt neben dem Ramsbach endet die Abfahrt durch das gleichnamige Tal an der Mündung zum Wildlahnertal, am Weg zu den Almen auf der orografisch rechten Seite des Wildlahnertals. Der Weg führt direkt zum Ausgangspunkt zurück, wobei man den Bach zweimal queren, oder auf der rechten Seite bleiben kann.

Talblick vom oberen Ramser

In beiden Fällen gibt es eine kurze Schiebestrecke und wer diese unter allen Umständen zu vermeiden versucht erlebt direkt am Bach je nach Schneelage eine kurze Heeresgrundausbildung durch das Unterholz.

Rückblick auf die Abfahrt durch die dichten Waldpassagen

Die Abfahrt von der Ramsgruape kann auch am Aufstiegsweg erfolgen, womit man sich das untere Ramstal erspart. Bei dieser Variante erfolgt ein kürzerer, flacherer Waldabschnitt als bei unserer Wahl.

unterhalb der dichten Waldabfahrt im unteren Teil des Ramstales

Eine weitere Variante stellt die Abfahrt von der Scharte zur Ochsnerhütte ab, wobei nach der Ochsnerhütte der Verlauf zum nächsten Wegpunkt, einem Almgebäude genau im Süden der Ochsnerhütte mit der Bezeichnung „Felixners Oberalmstadl“ (Flurbezeichnungen TIRIS) schwierig ist. Nach diesem Wendepunkt führt die Abfahrt genau westlich hinab ins Wildlahnertal. Eine direkte Abfahrt von der Ochsnerhütte erfordert wegen schroffiger Abbrüche Geländekenntnis.

im Wildlahnertal angekommen, Ausfahrt am Weg

Die Schitour auf die Schöberspitzen erforderte eine Gesamtzeit von 3:53 Stunden, incl.  einem kurzen kalten Aufenthalt am Gipfel von gut 20 min. Der gesamte Aufstieg beträgt 1.115 m und die Streckenlänge bis zum Gipfel knapp 4 km.

Mils, 26.12.2020

Schitour Kluppen, 2.936m

Obwohl sich über Geschmäcker streiten läßt, kann mit Recht behauptet werden, daß der Kluppen die schönste und auch anspruchsvollste Gipfelschitour im hintersten Valsertal bietet. Nach einem bereits abwechslungsreichen Aufstieg über die untere Talstufe zur Zeischalm, mit der spannenden Querung bei den Wasserfällen, wartet der knapp 10 km² große Almkessel mit wunderschöner Umrahmung auf, deren südliches Ende angesteuert wird und ein rassiger letzter Aufstiegsteil zum Schidepot gemeistert werden muß. Die weit offene und reizvolle Landschaft in der Felsumrahmung gewinnt mit dem Anstieg stets neue Gesichter.

Kluppen, 2.936m

Der obere Teil der Schitour mag bei entsprechender Lawinenwarnstufe im Hochwinter ob seiner Steilheit und den mächtigen glatten Flanken der Gratabstürze vom Kluppen zum Kraxentrager ein nicht ungefährliches Abenteuer sein, das sorgfältiger Planung bedarf.

Rückblick vom Schidepot

Im obersten Teil, etwa von 2.800 m bis zum Gratsattel, herrscht eine durchschnittliche Hangneigung von 35° mit Spitzen von 42°, die das letzte schwere Aufstiegsstück unter Schi vor der kurzen und ebenfalls steilen Begehung des Grates ab dem Schidepot bildet. Wir schafften es selbst im April gerade noch ohne Harscheisen, obwohl gegen elf Uhr bereits schon eine geraume Weile sonnenbeschienen.

Restaufstieg über gut 40m im Fels

Ein grandioser Ausblick, vor allem auf den offen einsehbaren südlichen Landesteil mit den krönenden Riesen am Beginn des Zillertaler Hauptkammes, sowie auf die interessanten Gipfel westlich davon, im Kreuzspitzkamm, stellt einen weiteren Reiz an der tollen Tour auf den Kluppen dar.

Panorama Südost bis Südwest vom Kluppen

Komfortabler, als vom geräumigen Parkplatz der Geraerhütte bei der Nockeralm los zu marschieren, geht es bei allen Touren im Valsertal eigentlich nicht. Die Schitour auf die Hohe Kirche und jene auf den Kluppen genießen das Privileg dieser kostenlosen1 Einrichtung, jedoch ist es mangels Verfügbarkeit – mit Ausnahme beim Steckholzer, zu dem ein kleiner Umweg von kaum zehn Minuten Fahrt kulinarisch lohnt – nicht möglich, dem Tal eine Gegenleistung durch eine Einkehr nach der Tour zukommen zu lassen.

Tragestrecke ab der Nockeralm

Mitte April ist die Schitour auf den Kluppen nicht zu früh im Jahr, je nach genereller Schneelage aber auch nicht zu spät, wie man von eingefleischten Wipptaler Tourengehern erfährt, die noch zu Beginn des Mai den Aufstieg mit Winterausrüstung unternehmen. In unserem Fall betrug der Aufstieg mit dem schweren Rucksack bis zur Querung der Wasserfälle knapp mehr als eine Stunde bzw. 490 Hm.

Ende der Tragestrecke

Am Weg dorthin stiegen wir teilweise über den Sommerweg, dessen Schneeauflage im Wald teilweise komplett mit Nadeln, Moos und Flechten überdeckt war, sodaß der teilweise noch mächtige Schneekörper darunter vor der Schmelze geschützt war und wir kaum eingebrochen sind. Den Aufstieg trockenen Fußes verdankten wir an diesem herrlichen Tag der Nachtkälte, da die Temperatur zur Zeit des Abmarsches bereits deutlich über dem Gefrierpunkt lag. Beim Abstieg, selbst im schattigsten Teil des alten Waldes mit herrlich anzusehenden, knorrigen Tannen-, Kiefern- und Lärchenbeständen brachen wir schon bis weit über die Knöchel ein.

vorbereiten auf Schitourenmodus

Kurz vor der Querung, an der die Hangneigung und –ausrichtung noch einigermaßen gegen die Frühjahrssonne geschützt ist, erlaubt der Blick eine erste detaillierte Einschätzung des Verlaufes der Tour im oberen Teil, ohne jedoch den schönsten Teil zu enthüllen, der auch weiter drin im Talkessel optisch nicht preisgegeben wird und bei dem viele Berichte von der „Rampe“ reden. Die vermeintliche Rampe präsentiert sich später in Wahrheit als alles andere als eine Rampe im klassischen Sinn.

jenseits einige Meter aper

Am ersten – dem zahmeren – Wasserfall konnten wir nach einer guten Stunde Fußmarsch aufrüsten (per Mitte April) und die Route ohne Unterbrechung im Schitourenmodus fortsetzen. Die bereits vielfach umgewandelte Schmelzschneeoberfläche über den steilen Wasserlauf fanden wir genügend rau und plastisch vor, um ohne Harscheisen aber mit festem Schritt griffigen Halt zu finden.

oben flüssig unten eishart

Um die kleine Felsrippe nach dem zweiten Wasserfall herum öffnet sich der schöne weite Hochkessel zunächst nach Süden und Westen, und das Gelände gibt nach wenigen Gehminuten in Richtung Zeischalm – genau: zur Inneren Zeischalm – den Blick auch auf dessen Ostseite, Richtung Hohe Kirche frei. Über Streifen von ausgeaperten und bereits aufgerichteten Latschen hindurch suchten wir günstige Passagen mit noch durchgehender Schneeauflage, und die noch wenigen voll ausgeaperten Stellen ohne Schneeband durchschritten wir kurzerhand auf den Latschen.

in der Zeischalm angelangt

Etwas tiefer als die Alm läßt man die selbe am Weg nach Süden buchstäblich links liegen und erreicht über den folgenden steilen Buckel ein eher flaches Gebiet „Wildau“ genannt, auf dessen Rand sich ein kleines Hüttchen unterhalb der aufragenden Felsen befindet. Schon weit vor dem Hüttchen bogen wir in Richtung Westen ansteigend auf den langen Hang unterhalb der sogenannten Rampe ab, etwa dem 2.020m Höhenlinienverlauf folgend.

am Weg in die „Wildau“

In langen Zügen mit wenigen Spitzkehren arbeiteten wir uns den beeindruckend langen Hang hinauf, der den Großteil dieser 400 Hm messenden Stufe, bis zum ehemaligen Kluppen Ferner hin bildet. Während dem Aufstieg werden die Aussichten nach Norden und Osten immer schöner, sodaß oben, auf 2.400m, bereits ein Großteil der südlichen Tuxer Alpen betrachtet werden kann.

unterer Teil des langen Hangs, oben die „Rampe“ von rechts nach links steigend

Im Aufstieg dorthin fanden wir eine genügend harte Firnoberfläche, bis auf die längere Querung auf eine Rippe westlich des Hangs bevor wir auf 2.400 m eine wieder flachere Stelle erreicht hatten.

hinter uns öffnen sich die Blicke in die Tuxer Alpen

Über den schon seit geraumer Zeit sonnenbeschienenen Hangteil der Querung merkten wir eine deutliche Tauwirkung mit sporadischen Einbrüchen in die darunterliegende, eher faule Schneedecke. Knapp an den Seitenmoränen des ehemaligen Kluppen Ferners führt die Route über einen weiten Couloir auf den ehemaligen Ansatz des Eises.

Querung am oberen Ende des langen Hangs

Allmählich, während der Couloir im Aufstieg breiter und flacher und an der Kuppe der Schnee um zehn Uhr morgens weicher wird, öffnet sich der Blick auf den ehemaligen Ferner. Die vermeintliche Rampe wird zum gemuldeten Kar dessen östliche Begrenzung aus Sicht von der Zeischalm eine Kante bildet, die, nach oben linienartig steigend, einen rampenartigen Eindruck vermittelt, in Wahrheit aber die ehemalige Gletschermulde bildet. Im Aufstieg bleibt man im Tiefsten der Muldung und ist deshalb von der Zeischalm aus geraume Zeit nicht zu sehen.

v. li.: Hohe Kirche, Hohe Warte, Sagwandspitze und Hohe Wand

Über den ausgeaperten Kluppen Ferner findet sich äußerst wenig, eigentlich nur eine einzige verwertbare Literaturinformation im Internet. Im Archiv der Gletscherberichte auf der Homepage des Alpenvereins befinden sich Unterlagen bis zurück in das Jahr 1920, darin jedoch keine Erwähnung des Kluppen Ferners.

im Couloir

Das liegt mit Sicherheit an seiner kaum bedeutenden Größe, möglicherweise aber auch daran, daß er noch vor dem vertieften Internetzeitalter verschwunden ist. Der etwa gleich mächtige, knapp 2.000m nordöstlich entfernte Aschaten Ferner, heute ebenfalls ausgeapert, wurde noch im AV-Kartenwerk, Stand 1994, genannt).

oberhalb dem Couloir, die Fernermulde von unten betrachtet; das Gipfelkreuz bereits deutlich sichtbar

Die einzig recherchierbare Information über den Kluppen Ferner entstammt dem Tirol Atlas2, ist eine recht gute und bietet eine genaue Angabe seiner flächenmäßigen Größe im Jahre 1989, sowie den prozentualen Rückgang (48,9%) seit 1969.

Rekonstruktion Größe Kluppenferner 1969 und 1989

Somit läßt sich die einstige Fläche (anno 1969) mit etwa 14,5ha berechnen womit im Orthofoto von Tiris3 die Konturen maßstäblich nachempfunden werden können und ein Eindruck der Verhältnisse vor 50 und noch vor 30 Jahren entsteht – Bild mit den nachempfundenen Gletschergrößen in der Bildergalerie; man beachte dabei noch vorhandene Schneereste (Kartenstand Orthofoto 20194), die klägliche Reste der ehemaligen Vergletscherung darstellen könnten.

die Aussicht nach Osten wird immer besser, v. li.: Lizumer Reckner, Geier, Kalkwand, Hohe Kirche, Kleiner Kaserer, Hohe Warte, dahinter Fußstein, Sagwandspitze und Hohe Wand

Mittlerweile, kurz nach zehn Uhr, stand der Großteil der Gletschermulde bereits unter Sonne, die Schneeoberfläche jedoch aufgrund des spitzen Bestrahlungswinkels in tadellosem Zustand, kaum aufgeweicht und vor uns lag noch ein schönes abwechslungsreiches Stück von etwa 400Hm.

mitten in der Fernermulde und von der Zeischalm aus wieder sichtbar

Die durchschnittliche Steigung im Fernerbecken bleibt zwar unter 30°, die Schlußsteigung auf die nächste Geländestufe erreicht jedoch etwas mehr als 30°. Oben (ca. 2.740m) flacht der Kluppen Ferner ab und bildet sogar eine leichte Mulde von etwa 150 x 100m mittleren Ausmaßes, deren nördliche Begrenzung wir im Bogen nach Süden zum Aufstieg nutzten, um die steile Südflanke zu umgehen, vor allem aber, um unter Sonnenbestrahlung aufzusteigen.

etwa nach zwei Drittel des Aufstiegs in der Fernermulde

Wie wir später feststellten, als wir ein kurzes Stück einer Spitzkehre im oberen Teil darin ausführten, war der Südhang noch ganz schön hart und harscheisenverdächtig. Die Höhe mit etwa 2.850m wirkte sich somit deutlich auf die Schneedecke aus.

gewaltige Mauern zum Grat Kluppen/Kraxentrager

Das letzte Stück auf dem Halbkreis der nördlichen Muldenbegrenzung und dem steilen Schlußhang ist ein Sahnestück mit Charakter, dessen Charme man an Tagen wie dem unseren erliegt und in das man sich verlieben muß.

Ausmuldung mit Schlußhang etwas verzerrt im Panorama

Einer quadratischen Funktion gleich nähert sich der schöne Hang seiner maximalen Steigung  und bereitet den Ersteiger gleichsam auf das schweißtreibende Mittelstück vor, um nach der größten Hangneigung mit über 40° gegen das Ende am Grat hin wieder etwas flacher zu werden – von unten betrachtet ein Traum!

malerischer Schlußhang – Highlight im Aufstieg

Im oberen Mittelstück befand sich eine schon größer ausgeaperte Fläche, die wir mit mehreren kurzen Spitzkehren im Aufstieg linksseitig überwanden, bevor darüber wieder weitere Spitzkehrenstücke möglich waren. In diesen weiteren oberen Stücken trafen wir auf die o. e. harten Partien, die wir an der Grenze zur Verwendung von Harscheisen empfanden.

im aperen Fleck bei maximaler Steigung

Am Gratkamm – auf dem kurzen Abschnitt des Schidepots wie zur Rast und zum Abfellen gemütlich abgeflacht – erfreut zuerst der Blick auf die Gegenseite des Pfitschtals mit den großen Erhebungen südöstlich, allen voran auf Hochferner (3.470m) und dem in seiner Flucht liegenden, gerade noch sichtbaren Gipfelspitz des Hochfeiler (3.509m), dem höchsten der Zillertaler Alpen in 10km Entfernung.

hart im schattigen Teil und grenzwertig für Harscheisen

Weitere 40 Hm trennen das Schidepot vom Gipfel des Kluppen und diese Strecke beinhaltet ein paar kleine Züge leichter Kletterei über Stufen zwischen ein und zwei Meter Höhe. Steigeisen generell nicht erforderlich, je nach Schneeverhältnissen jedoch ratsam. Der Aufstieg oberhalb der Kletterstelle am Grat kann von unten nicht eingesehen werden.

Vorfreude auf den Gipfel macht sich breit

Bis zum deutlichen Aufschwung auf den Gipfelhang erfolgt der Anstieg nordseitig ein paar netter Grattürme als Gehstrecke bis zur höchsten Kletterstelle, die ebenfalls vom Schidepot aus schon erkannt wird.

Gipfelanstieg rechts von einer Gratzinne zur etwas anspruchsvollen Stelle

Mit zwei Zügen wird die Kletterstelle überwunden und über knapp neben dem Grat auf der Südflanke des Gipfelhangs über ein paar unbedeutende Blockstufen von weniger als einem Meter Mächtigkeit bis zu einem mauerartigen Blockaufbau des kleinflächigen Gipfels aufgestiegen.

Aufstieg im oberen Teil nahe der Abbruchkante

Das kleine, konstruktiv gut durchdachte Gipfelkreuz aus Aluminium hat offenbar 28 Jahre ohne sichtbare Schäden überstanden und dürfte ein Gedenkkreuz für zwei junge Burschen sein, die sich wahrscheinlich gemeinsam auf Tour befanden. Über die „HG Lagrein“ ließ im Internet nichts in Erfahrung bringen und das Gipfelbuch am Felsmauerfuß etwas unterhalb des Kreuzes gab auch keinen Aufschluss darüber.

über aperes Blockwerk zum Gipfelkreuz

Auf dem schönen grauen blockigen Granitgneis neben dem Kreuz am Kluppen ließen wir uns eine Weile nieder und genossen die Aussicht.

Aufstieg nahe der Abbruchkante von oben

Dem Pfitschtal gegenüber liegen etwa gleich hohe Gipfel mit prächtigen Schitourenzielen, beispielsweise das Rote Beil, leicht südöstlich gegenüber, oder die Grabspitze genau im Süden.

schöner Übergang zum Kraxentrager

Richtung Westen würde der Grat zum Kraxentrager einladen und an seiner Nordflanke in der Tiefe kann man einen interessanten, ziemlich horizontal verlaufenden geologischen Einschub mit etwa einem Meter Mächtigkeit erkennen, gleich wie am Strahlkogel in den Stubaiern.  Ob es sich dabei auch um ein Quarzband handelt?

Blick vom Kluppen nach Osten, v. li.: Kleiner Kaserer, Großer Kaserer, Fußstein und gleich daneben Olperer (6,6km), Sagwandspitze mit rechts daneben das Spitzl vom Schrammacher und rechts Hohe Wand

Im Norden liegt der Kluppen Ferner tief unter dem Gipfel und die gesamte Abfahrt zur Zeischalm kann überblickt werden.

Tiefblick auf den ehemaligen Kluppen Ferner – unser Aufstieg

Östlich anschließend an den die Zeischalm einrahmenden Ausläufer erheben sich die hohen Gipfel im Tuxer Hauptkamm mit Schrammacher, Fußstein und Olperer.

v. li.: Hohe Wand, Großer Möseler (13,7km), Hochferner/Hochfeiler und Östl. sowie Westl. Hochwart

In den Tuxern im Nordosten verwundert zunächst ein imposant wirkender Gipfel, den man nicht in dieser Mächtigkeit erwarten würde und der optisch höher aussieht als der Lizumer Reckner (2.886m), der höchste Gipfel in den Tuxern. Nach genauer „Recognoscirung“, um einen Terminus der Alpenpioniere zu verwenden, stellt sich aber rasch heraus, daß es sich um die, dem Lizumer Reckner sogar noch etwa 1,5km weiter vom Kluppen entfernte, Kalkwand handelt und die um 60m niedriger ist.

ab Bildmitte südlich gegenüber Rotes Beil, ein toller Schitourengipfel, in der Ferne der Peitlerkofel (42km), Wurmaulspitze, Langkofelgruppe (55km)

Weil es so schön war verbrachten wir noch ein gute halbes Stündchen am Schidepot bei einer Jause und Höhenmedizin. Gegen 13 Uhr entschieden wir die Abfahrt anzutreten und genossen den mittlerweile au point aufgefirnten Gipfelhang in die Mulde hinab.

mit zwei Zügen zu meistern

Ein weiteres schifahrerisch schönes Stück bot der obere Kluppen Ferner. Er lag den Vormittag über meist im Schatten und präsentierte sich dadurch mit ähnlich  guter Firnoberfläche bis über den Mittelteil hinab.

eine Abfahrt wie im Bilderbuch…

Gegen Ende der Abfahrt am Ferner wurden Schwünge immer schwerer zu drehen mit dem Höhepunkt im Couloir, in dem der Firn förmlich in polstergroßen Portionen weggeschoben werden mußte – eine schweißtreibende Angelegenheit.

traumhafte Verhältnisse nun im Kluppen Fernerbecken

Überraschenderweise besserte sich die Schneequalität nach der langen Querung wieder, was uns den letzten langen und breiten Hang zu einem tollen Abfahrtserlebnis werden ließ und es wert war in einer kurzen filmischen Szene festgehalten zu werden.

Nachträglich gesehen hätten wir sogar die Abfahrt östlich des Ferners nehmen können, die der ortskundige Kollege, der vom Schidepot abfuhr, als wir selbiges erreichten, genommen hat und das wir im Rückblick von unten als eine bärige Alternative erachteten. Jetzt ist uns deren Verlauf der Rinnen bekannt und bei der nächsten Begehung sollte es möglich sein die richtige Richtung einzuschlagen.

auf 2.100m der Schnee schon beträchtlich weich geworden

Über die Hänge der Zeischalm hinab erlebten wir trotz der langen Sonneneinwirkung halbwegs gute Schneebedingungen und trafen auf kein aperes Fleckchen, das uns zum Abschnallen zwang.

Rückblick auf den Kluppen oberhalb der Zeischalm

Die Abfahrt endete nach einer guten halben Stunde nach dem ersten Wasserfall am Weg ins Tal, wo wir unsere Aufstiegspatschln deponiert hatten und auch zusammenhängende Schneeflächen abrupt verschwanden.

Querung der wilden Wasser unterhalb der Zeischalm

Der interessante Hauptteil einer grandiosen Schitour ging somit zu Ende und wir freuten uns bereits auf ein Bier irgendwo auf einem Parkplatz einer heimischen Kaufhauskette mit Kühlschrank, verstohlen in der letzten Ecke, getarnt hinter geöffneten Kofferraumdeckeln jedes Fahrzeugs, als versprengte Guerilleros in der hysterischen Virenzeit 2020 in der der Fürst seine Häscher auf Bergsteiger hetzte und sie jagen ließ, weil er befürchtete seine Intensivbetten seien in Gefahr belegt zu werden.

am Schuhdepot angelangt, von hier Tragestrecke zur Nockeralm

Der Abstieg nahm wie der Aufstieg auch eine Stunde in Anspruch wobei die letzten Schneefelder am Steig nun schön aufgeweicht waren und manchen Einbruch verursachten, aber auch der Weg der Einheimischen auf die Äußere Zeischalm recognoscirt werden konnte.

der Kluppen in Bildmitte von der Nockeralm aus

Für die Schitour mit Fußmarsch bis zu den Wasserfällen und ab dort hinunter rechne man etwa 7:30 Stunden mitsamt Pausen von knapp eineinhalb Stunden.  Über 6,3km sind knapp 1.600m zu überwinden. Steigeisen sollte man bei gefrorenen Verhältnissen, bzw. vorsichtshalber immer dabei haben, andernfalls könnte die Gipfelbesteigung darunter leiden oder das Risiko unnötig erhöht werden.

Mils, 18.04.2020

1 April 2020
2 Tirol Atlas, Institut für Geographie: https://tirolatlas.uibk.ac.at/maps/interface/thema.py/sheet?lang=de;id=1703
3 tirisMaps:  https://maps.tirol.gv.at/externalcall.jsp?project=tmap_master&x=96200.09948353228&y=208476.57903649125&scale=4000&rotation=0&view=Start&basemapview=orthofoto_labeling&user=guest&group_id=TMAPS-Gast&client=core&language=de
4 Land Tirol : https://www.tirol.gv.at/fileadmin/themen/sicherheit/geoinformation/Orthofotos/Abdeckung_2020.jpg

Schitour Hohe Kirche, 2.634m

Schon bei der Fahrt ins Valsertal fällt in Innervals der langgezogene Bergrücken mit dem frontalen Felsabbruch auf, dessen nordwestlicher Gipfel über dem Felsabbruch Hohe Kirche genannt wird und die unser Schitourenziel darstellt. Im weiteren Verlauf des Bergrückens, den die Sagwandspitze nach Nordwest entsendet, befindet sich die Hohe Warte, ein von der Schitour zur Hohen Kirche aus schön anzusehender Zacken im begehbaren Grat.

Hohe Kirche, 2.634m

Die Schitour auf die Hohe Kirche beginnt am Parkplatz der Geraerhütte, dem mit dem Fahrzeug letzt erreichbarem Punkt in Innervals. Wir konnten Mitte März direkt am Parkplatz in die Schi einsteigen und den Weg, vorbei an den urigen Kaserhütten der Nockeralm in Richtung Zeischalm starten.

Skulptur der Bergwacht Vals vor Fußstein, Alpeiner Scharte  und Schrammacher

Nach einem kurzen Waldstück betritt man eine größere Freifläche im enger werdenden Tal und am Ende dieser setzt die Aufstiegsroute kurzzeitig über den Zeischbach, auf sein orografisch linkes Ufer, dem wir einige Minuten folgten (dies ist die spätere Abfahrtsstrecke).

Freifläche vor dem „Schwarzen Brunnen“

Das nun recht enge Tal  steigt steiler an und etwa an der Stelle an der der bärige vereiste Zeischbach Wasserfall rechter Hand erscheint bot sich im Aufstiegssinn links die Möglichkeit auf steile Wiesen mit Strauchgestrüpp und Birkenbäumchen aufzusteigen, um die Steilstufe zum Sommerweg zur Zeischalm zu überwinden. Hierzu verwendeten wir Harscheisen.

Wasserfall erreicht, links weiter

Alternativ dazu kann man am Ende der Freifläche nach dem Waldstück beim „Schwarzen Brunnen“ direkt den Sommerweg durch die Schussgrube wählen und steigt dort bald mitten im Wald auf.

am Wasserfall – Harscheisen montiert

Durch die recht freien Passagen zwischen den Birken stieg es sich prächtig, allerdings muß die Route sorgsam gewählt werden, um allzu steile Passagen zu vermeiden. Bald tauchten Zirben auf und ein eher lichter Wald mit bereits aperen Stellen durch die im März schon längere Sonneneinstrahlung im oberen Teil bildet sich aus. Nach wenigen Minuten Aufstieg im Wald hatten wir den Sommerweg erreicht.

Aufstieg im Birkenwäldchen

Der Sommerweg steigt etwas flacher und querend in Richtung dem Talschluß zu, der das Ende der Steilstufe bildet, zu deren Überwindung eine gute Viertelstunde benötigt wird. Der Grund dafür liegt in der Querung von zwei Wasserfällen durch steile Karmulden, die, je nach Verhältnissen und vor allem am frühen Morgen, Harscheisen erforderlich machen (wir hatten sie bereits in Verwendung und konnten die steilen Querungen dadurch mühelos durchschreiten) und die Rippe zwischen den Mulden auch bei ausgeapertem Weg das Abschnallen.

kurz vor dem Sommerweg

Bei unserer Begehung war die gesamte eindrucksvolle Strecke mit Schi begehbar. Die Querung ist für versierte und sichere Tourengeher machbar, wer Angst vor steilen Querungen hat möge von der Schitour Abstand nehmen.

am Sommerweg weiter

Nach der Steilstufe (etwa 1.850m) wechselt das Gelände über in einen riesigen Hochtalkessel, der nebst der Schitour auf die Hohe Kirche auch eine zweite, die Schitour auf den Kluppen zu bieten hat, die erstere sowohl in Länge als auch im bergsteigerischen Sinne überbietet und von der auf diesem Blog demnächst berichtet wird.

die zweite Mulde mit dem größeren Wasserfall

Das Hochtal, das vorwiegend durch die Flächen der Zeischalm bestimmt wird, misst etwa 3,8km in Durchmesser Ost (Sagwandspitze)/West (Lange Wand) und etwa 2,9km Nord (Hohe Kirche)/Süd (Kluppen).  Etwa am Talausgang befinden sich die Gebäude der Inneren und auf der orografisch linken Seite des Zeischbachs jene der Äußeren Zeischalm. Eine weitere kleine Schaferhütte gibt es unterhalb des Ausläufers vom Kluppen herab.

die Kollegen in der Rippe

Unser Anstieg auf die Hohe Kirche führt zunächst mit mittlerer Steigung südöstlich durch Latschengelände hinauf zur Inneren Zeischalm (1.930m) und wendet sich dort nach Osten, über wunderschönes freies Schigelände bis unter die Reisen vom Ausläufer von der Hohen Warte herab, die „Roate Egge“ genannt wird.

die Steilstufe überwunden und Anstieg im unteren Almgelände

Der unmittelbaren Alm sollte man ein paar Minuten Aufmerksamkeit schenken, hier war ein Idealist am Werk verschiedene Symbole am Berg nach seinem Empfinden zu gestalten und es lohnt sich diese näher zu betrachten sowie selber zu Ideen dazu inspiriert zu werden.

Innere Zeischalm, 1.930m

Das Gelände nach der Zeischalm sieht hinsichtlich der Steigung weniger fordernd aus als es tatsächlich ist. Legt man von der Alm einen Schnitt in die direkte Linie bis unter die deutlich steiler werdenden Hänge vom Grat herab (~2.400m), dann erhält man auf der knapp 1,2km langen Strecke einen Höhenunterschied von 475m und eine durchschnittliche Steigung von immerhin 22°. Knapp vor dem Erreichen der 2.400m Marke werden erste Spitzkehren im steileren Gelände notwendig.

Ausblick auf das schöne Aufstiegsgelände vor der Hohen Kirche

Der Aufstieg dorthin liegt komplett unter Sonneneinstrahlung, sowie bereits kurz nach der Talstufe in Richtung Zeischalm. Dies kam uns gelegen, denn der Tag war durch frische Temperaturen und Südföhn geprägt, vor dem das Gelände im Talkessel aber weitgehend geschützt blieb und dessen Intensität an den Schneefahnen über dem Grat abgeschätzt werden konnte.

nette Glockentürmchen nach der Alm

Der Aufstieg bis auf die steile Flanke zur Hohen Kirche kann auf der großen Fläche nach Belieben gewählt werden und auch wir verließen kurz nach der Alm die Spuren der Vorgänger und suchten mehrere eigene Anstiege, je nach individueller Empfindung des Aufstiegsgenusses an diesem herrlichen Vormittag.

Aufstieg über die weiten Flächen oberhalb der Alm; in Bildmitte im Hintergrund das „Roate Egg“

Nach einer knappen Stunde von der Zeischalm erreichten wir auf etwa 2.400m die Ausläufer kleiner Lockerschneerutschungen von steilen Felsengelände der Hohen Warte herab denen im Aufstieg  durch genügend breites Gelände ausgewichen werden konnte. Dort steilt das Gelände auf und es begann ein kurzer Aufstieg auf den Gratrücken unter Spitzkehren.

schöner Aufstieg auf etwa 2.200m durch Felsblöcke hindurch

Die Spitzkehrenstrecke endet etwa nach 100Hm, auf ca. 2.550m, noch unterhalb des Gratrückens, jedoch in bereits flacherem Gelände, in dem die Querung zum langgezogenen Gipfelbereich der Hohen Kirche beginnt.

Spitzkehren beginnen auf etwa 2.400m

Eine letzte S-Kurve durch die gleiche Geländeausprägung leitet in angenehmer Steigung über etwa 10min Aufstieg auf die Grathöhe – dort mit Kammausprägung – über, die uns mit einem tollen Blick auf Fußstein, König Olperer und den Großen, sowie den Kleinen Kaserer belohnte.

Verlauf Steilhang zum Gratkamm

Letzte 10min Aufstieg am Gratkamm leiten über wenige verbleibende Höhenmeter zum Gipfel der Hohen Kirche über, der durch ein massives Steinmandl mit Holzkreuz, sowie durch ein zweites Steinmandl und eine interessante Gedenkskulptur der Bergwacht Vals geziert wird.

Querung zum Gratkamm

Im Sockel der Skulptur, unter dem netten Sitzbankl, befindet sich ein gemauertes Fach mit stirnseitigem Edelstahltürchen und nebst dem Gipfelbuch – manchmal, so wird berichtet – einem Flachmann mit Höhenmedizin als Inhalt.

am Gratkamm angekommen, Blick Richtung Gipfel der Hohen Kirche

Der Ausblick vom dem fast zentral im inneren Valsertal gelegenen Gipfel der Hohen Kirche ist phänomenal.  Wir genossen ihn allerdings kaum zwanzig Minuten, da die Temperatur mit dem Föhn ein äußerst unangenehmes Gemisch bildete, das uns zu einem längeren Gipfelaufenthalt wenig animieren konnte.

am Gipfelsteinmandl der Hohen Kirche

Nach einem fotografischen Rundblick verließen wir den Gipfel und querten hinab zum Sattel, bei dem die Abfahrt über den schönen sonnenbestrahlten Steilhang begann.

gewaltiger Blick zu Schrammacher, Sagwandspitze und Hohe Wand rechts

Richtung Südosten gibt es die Gipfel der Schitoutren in Innervals auf einen Blick zu sehen. Da ist die Königstour auf den Kluppen, einem „fast-Dreitausender“ im Grenzkamm zu Südtirol, dann das unübersehbare Spitzl des Sumpfschartls mit den schwarzen Amphibolitfelsen im Grat zur Saxalmwand und die trennenden Jöcher Nieder- und Hochvennjoch vor dem Silleskogel:

Aussicht nach Südosten auf Kluppen, Kraxentrager, Sumpfschartl und Saxalmwand

Durch die zentrale Lage der Hohen Kirche im Tal bietet der Gipfel auch einen bärigen Tiefblick auf das Valsertal in seiner gesamten Länge.

Blick von der Hohen Kirche zur Saxalmwand und zum Silleskogel (linke Bildhälfte) und ins Valsertal

Zwischen aperen Felsblöcken im Slalom hindurch ging die Fahrt, die steilste Passage ansteuernd, auf leicht aufgetauter Firnoberfläche hinab.

bärige Abfahrt; zwischen den Felsblöcken hinunter geschwungen

Der Steilhang und die flachere breite Strecke hinab zur Zeischalm steigerte den Schitag zum reinsten Hochgenuss und Sonne, Ausblick, sowie die angenehmere Temperatur im Talkessel der Alm hinterließ einen kaum vergesslichen Eindruck.

am Beginn des Steilhangs

Nach der Alm bemühten wir uns nicht zu tief hinab zu fahren, denn der Sommerweg ist nicht sogleich am Hang zu sehen und im Rausche des Abfahrtsfeelings übersieht man den selben nur zu schnell und fährt zu tief in unfahrbares Gelände ab.

am Ende des tollen Steilhangs

Nicht alle Passagen in der Steilstufe sind unfahrbar, jedoch setzen die wenigen steilen Schneisen genaue Kenntnis voraus, um nicht in den Felsen hängen zubleiben und einen mühevollen Rückweg auf den Sommerweg unternehmen zu müssen.

herrliche Abfahrt im weiten Gelände der Zeischalm

Mit dieser Sorgfalt und den sichtbaren Aufstiegsspuren erreichten wir den Sommerweg punktgenau und konnten ihn komplett mit Schi befahren.

wieder an der Zeischalm

Die zweite steile Rinne (im Abfahrtssinn), die als Abfahrt beschrieben wird, hat Alfons im oberen Teil befahren, wechselte jedoch nach wenigen Schwüngen auf die Aufstiegsstrecke zurück, da er durch die Lawinenreste eine Befahrung alles andere als ein schönes Abfahrtserlebnis vorfand.

mittlerer Teil des Aufstiegs zum Kluppen – selbiger ganz links oben im Bild

Diese Rinne mag nach genügend Neuschneefall im Hochwinter ein besonderes Erlebnis darstellen, nicht jedoch im Frühjahr nach den ersten Lawinenrutschungen vom darüberliegenden Wasserfall.

auf der Rippe nach der Querung des zweiten Wasserfalls bei der Abfahrt

Da zeigte sich die Abfahrt im Wald und am Steilhang durch die Birken schon von einer wesentlich angenehmeren Seite. Unter Sonnenschein fuhren wir den Hang bis zum schattigen Bachbett unten den großen Wasserfall des Zeischbachs ab, praktisch genau unserer Aufstiegsroute folgend.

zweiter Wasserfall in der Abfahrt

Die letzte Passage führte uns durch das enge Bachtal hinaus zur großen Freifläche bei der der Forstweg am Schwarzen Brunnen vorbeiführt und der Alternativaufstieg beginnt und die steile Abfahrt ihr Ende findet. Der Rest der Abfahrt erfolgt auf dem Weg durch den Wald bis zum Parkplatz vor der Nockeralm.

tolle Hänge

Zum Abschlußbier mußten wir an der Tankstelle in St. Jodok im kalten Südföhn am Parkplatz ausharren. An diesem Tag, als wir gerade mitten im Aufstieg waren, wurden die Tiroler ihrer demokratischen Freiheitsrechte beraubt und von der Landesregierung eine de facto Ausgangssperre über das ganze Land verhängt.

Rückblick auf die Abfahrt nach dem Sommerweg

Die Maßnahmen hatten im Allgemeinen kriegszustandähnlichen Charakter und auch die Schließung sämtlicher Gastgewerbebetriebe an diesem Sonntag zufolge. Es wurden medial Angst und Schrecken über das Coronavirus verbreitet und das Land – nicht nur wirtschaftlich – in eine tiefe Depression gestürzt, vor allem als nach ein paar Tagen der Horror auf das gesamte Bundesgebiet ausgedehnt wurde.

an der Freifläche „Schwarzer Brunnen“

Die Tourdaten aus den Aufzeichnungen: Aufstieg 1.300m – 3:20h, Gesamtzeit 4:40h (incl. 20min Gipfelpause) bei einer Streckenlänge im Aufstieg von etwa 5km.

Mils, 14.05.2020

Schitour Sumpfschartl, 2.666m

Eine beliebte Schitour im hinteren Valsertal führt auf das Sumpfschartl, einer Scharte im weiterführenden Grat zum Kraxentrager, bei der sich die Einzelgrate der Saxalmwand und der Langen Wand vereinen und eine gute Aussichtsstelle bilden.
Durch das Sumpfschartl führt der  Geistbeckweg1, ursprünglich zum Zwecke der Verbindung2 zwischen Landshuter und Geraer Hütte, der 1928 unter maßgeblichem Betreiben von Josef Huter Besitzer des Gasthofs Lamm in St. Jodok erbaut wurde.

Sumpfschartl, 2.666m

Sehr interessant erscheinen auch zwei völlig verschiedene Gesteine, die auch im Winter im Aufstieg deutlich sichtbar sind. Im unteren Teil, in der Talstufe nach der Bloaderalm tritt im engen Teil neben der Aufstiegsspur der sogenannte „Hochstegenmarmor“ an einer kleinen Felswand, an der mit zwei Spitzkehren der steilste Teil der Talstufe durchschritten wird. Diese Stelle findet sich ausführlich beschrieben im Bericht über die tolle Schitour auf die Saxalmwand.

in der Gufel; der dunkle Amphibolitfels gut zu erkennen

Die zweite Stelle, bzw. Bereich, stellt das Gestein am Sumpfschartl selbst dar. Eingebettet im Zentralgneis der Tuxer Decke befindet sich eine Lage aus dunkelgrünem bis schwarzen Amphibolit, die sich von der Vennalm über das Sumpfschartl östlich weiter, in den unterhalb des Sumpfschartls gebildeten Kessels und über die Lange Wand nördlich hinaus bis ins Valstal hinauszieht.
An der Ostwand des Sumpfschartls kann dieses auffällige Gestein vom hellen Zentralgneis gut unterschieden und erkannt werden.

bei der Bloaderalm

Der frühe Aufbruch stellt für die beiden Ziele oberhalb der Bloaderalm immer eine gute Wahl dar, da sich aufgrund der spärlich vorhandenen Parkmöglichkeiten entlang der schmalen, gezäunten Straße bis zum Gasthaus Touristenrast keine Alternativen bieten und von den Parkplätzen Touristenrast und Geraer Hütte etwa ein Kilometer zurück zu marschieren ist.

Rückblick von der „Falle“ zur Bloaderalm

Nach einer Holzbrücke über den Valser Bach (nach Vereinigung des Alpeiner und Zeischbachs) wird der erste freie Hang erreicht, der „Farbmlahner“ genannt und im oberen Teil mit Spitzkehren bis zum Fahrweg zur Bloaderalm begangen wird. Im Frühjahr ist der obere Teil des Farbmlahners meist von einer Nassschneelawine durchzogen, die einfach umgangen werden kann (Fotos im Bericht Saxalmwand).

oberhalb der Talstufe in Richtung zur langen Aufstiegsmulde

Kurz führt der Weg durch den Wald, bevor er unterhalb der Bloaderalm deren Freigelände erreicht. Zwischen den prächtigen Almgebäuden, die bereits an die hundert Jahre dort dem Wetter trotzen, wendet sich der Aufstieg der ersten steilen Talstufe zu, die gut eingesehen werden kann, die jedoch den Blick auf den Aufstieg durch den steilen Teil noch nicht freigibt.

am Ende der Mulde

Talseitig rechts im Aufstieg führt die Route durch einen Lärchenwald, der merklich steiler wird, bevor die Route zu einer flacheren Stelle auf die linke Talseite wechselt und der Aufstieg durch den steilen Teil sichtbar wird.

auf Höhe der Schaferhütte, bereits in der Ferne der Felsspitz oberhalb des Sumpfschartls sichtbar

Oberhalb des kleinen Kessels, der durch die Verflachung gebildet wird, befindet sich ein mehr oder weniger vereister Wasserfall aus dem Hochtal, umgeben von wilden Felswänden. Im linken Teil des Kessels verschwinden die Felswände zugunsten einer steilen Schneise mit niederem Baumbewuchs, durch die abgefahren wird. Das Gelände dort wird bezeichnenderweise „Falle“ genannt.

Hohe Warte im Kamm zwischen Vals und Schmirn; rechts die einsame starke Zirbe

Vorbei an dem kleinen Felswändchen aus dem interessanten Hochstegenmarmor führt der Aufstieg, der im Sommer wohl Viehaufstieg gewesen sein muß. Betrachtet man das Felswändchen genau, dann entdeckt man ein halb verfallenes Holzmarterl und div. Farbbeschriftungen der Felsfläche, unter anderem die Jahreszahl 1949.

Blick zur oberen Jochgrube

Oberhalb dieser Stufe befindet man sich in flacherem Gelände. Die Route orientiert sich an der Freifläche, die im Aufstieg wieder auf die rechte Talseite führt. Dort formt sich eine Mulde aus, höchstwahrscheinlich gebildet durch Muren aus den Hochflächen darüber.

Die Mulde weitet sich im oberen Teil, wo sie auch steiler wird, zu einem etwa 400 bis 500m breiten Tal in Richtung Süden, zum Sumpfschartl. Rechts, südwestlich zweigt ein schmäleres Tal zum Niedervennjöchl ab, das bei der Schitour zur Saxalmwand begangen wird.

Aufstieg zum Karboden unterhalb des Sumpfschartls

Etwa auf 2.030m taucht links des Aufstiegs die Schaferhütte auf, die in großem Abstand liegen gelassen wird, ebenso wie die zehn Minuten des Aufstiegs über ihr stehende einzelne Zirbe mit Doppelstamm, die an ihrem Standort unbeirrt oberhalb der Baumgrenze gedeiht.
Bereits auf Höhe der Schaferhütte kann das kleine, nach links steil abfallende Spitzl des Felsens am Sumpfschartl gesehen werden. Allerdings zieht sich der Aufstieg dorthin schon noch.

rechts im Tal geht es in Entfernung von der Saxalmwand weiter

Die Flurbezeichnung oberhalb der Zirbe lautet „Untere Jochgrube“ und sie wird durch eine leicht steilere Stufe von der Oberen Jochgrube getrennt. Das Gelände ist gut kupiert und manche Hügel erinnern an Moränengeschiebe; der Aufstieg erfolgt ausweichend leicht an den Flanken im Tiefen.

auslaufende Rippe, die unseren Aufstieg von der Langen Wand trennt, etwa auf 2.300m

Nach der Oberen Jochgrube (2.200m) auf etwa 2.280m wird das Gelände flacher und die Kupierung geht in eine weite ansteigende Mulde über, die auf die nächste Stufe, das Kar unterhalb des Sumpfschartls auf 2.500m überleitet. Im letzten Teil zeigte sich der Übergang bei unserem Aufstieg etwas abgeblasen und mit Felsbrocken durchzogen, jedoch ohne großartige Suche nach der besten Passage durchquerbar.

etwas flacher geht es weiter, hier etwa 2.350

Am flachen Plateau im Kar unterhalb des Sumpfschartls angekommen rätselten wir, welcher Aufstieg der Beste sein würde. Da wir an diesem Tag die ersten waren konnten wir keiner sichtbaren Spur folgen. Bei diffusem Licht war eine präzise Geländeform auszumachen nicht möglich und der Normalanstieg auf der Flanke der Südseite erschien uns als zu abgeblasen felsig im obersten Teil. Also entschieden wir die Leeseite des Karkessels als Aufstieg zu wählen, genau an diesem Teil des Hangs an dem abgefahren wird und sollten mit dieser Wahl einiges an Mühe erleben.

am Karboden auf etwa 2.500m

Zwar hatten wir hinsichtlich Windeinfluß und aperen Stellen mit der Begehung des steilen Hangs genau richtig getan, die Schneeverhältnisse jedoch straften uns insofern gleich ab, als daß wir ständig durch die sehr brüchige Harschoberfläche durchbrachen, die etwa 10 cm stark und aus der grobkörnigen Umwandlungsschicht bestand, die man vorwiegend im Frühjahr antrifft, heuer jedoch den ganzen Winter über immer wieder antraf.

unterwegs zum steilen Schlußteil auf das Sumpfschartl

Noch vor der Hälfte des Höhenunterschieds zum Sumpfschartl mußten wir die Schi schultern, da ein Weiterkommen  mit zunehmender Steilheit nicht mehr möglich war und tauschten damit gegen tiefes Einsinken und mühsames Fortkommen in direkter Falllinie.

etwa die eingeschlagene Richtung weiter am Hang rechts der Schrofen wählten wir die Aufstiegsroute und erreichten oben die dunklen Felsen rechts neben dem Sumpfschartl

Oberhalb der Hälfte änderten sich die Schneeverhältnisse schlagartig hin zu einer völlig durchgefrorenen Schmelzoberfläche, die das Stufenschlagen mit dem Schuh kaum möglich machte und für jeden Tritt etwa fünf kräftige Schläge nötig waren, um genügend tief einzudringen.
Für diesen bockharten Teil wären Steigeisen nötig gewesen, die wir für solch eine Tour natürlich nicht dabei hatten.

Ankunft in der Gufel unterhalb des Grates zur Saxalmwand unweit und etwas höher als das Sumpfschartl.

Während des sehr anstrengenden Aufstiegs wurde uns rasch klar, daß eine Querung zum etwas südlich gelegenen Sumpfschartl nicht einfach möglich sein würde und beschlossen, uns in direkter Richtung weiter zum Felsansatz des Grates weiter zu bewegen und dort zu queren.

Erkundung des Abstiegs zum Sumpfschartl

Somit stapften wir keuchend durch den steilsten Teil des gesamten Kars mit deutlich über 40° Hangneigung und gelangten kaum 50m westlich des Sumpfschartls in eine komfortable, windgeschützte Gufel, etwa 20Hm oberhalb des Felsspitzes der das Sumpfschartl nördlich begrenzt.

von links: Hohe Warte (Schmirn), Kleiner Kaserer, Hohe Kirche (vorne), Olperer und Fussstein knapp nebeneinander, Hohe Warte (Vals, vorne) und der Gipfelbereich der Sagwandspitze

Von der Gufel aus erkundeten wir die kurze Querung, die mit dem Abstieg entlang der schönen glatten Wand, die schon von weitem die Lage des Sumpfschartls für den Tourengeher im Aufstieg markiert. In der Gufel und während der Querung kann man auch die schönen schwarzgrünen Amphibolitoberflächen am Grat erkennen.

kurzer Abstieg entlang des Felsspitzes zum Sumpfschartl

Angekommen am breiten Sumpfschartl blies uns gleich der scharfe Wind um die Ohren weswegen wir ja die Südflanke des Kars mieden. Außer einer Minute für ein paar Fotos zum Schrammacher und Wolfendorn, sowie über das sehr breite apere Tal des ehemaligen Venner Ferners, zogen wir uns für die Gipfelrast in das Lee der Felswand zurück, um dem schneidend kalten Geblase zu entgehen.

Kraxentrager vom Sumpfscharll aus

Der Geistbeckweg zieht von Osten über die Südflanke des Kars durch die Scharte, von der aus er ohne wesentlichen Höhengewinn zur Landshuter Hütte weiterführt, die vor der Scharte aus nicht eingesehen werden kann.

links Wildseespitze, mittig Rollspitze, rechts Wolfendorn

Gen Osten bietet das Sumpfschartl einen tollen Blick zum Ortler und von unserer Position zuvor, aus der Gufel etwas westlich vom Sumpfschartl, konnte auch der Grat von der Hohen Kirche über die Hohe Warte zum Gipfel der kühnen Sagwandspitze gesehen werden.

im Sumpfschartl nach Nordwesten geblickt – einzig windgeschützte Stelle hinter einem Wandvorsprung

Rückwirkend betrachtet, vom Sumpfschartl aus gesehen, hätten wir den steinig aperen Normalaufstieg vom Karboden zum Geistbeckweg nehmen sollen, der dafür weniger steil und wahrscheinlich besser begehbar – allerdings mit viel mehr Wind durchzogen – gewesen wäre. Wie sehr eine Einschätzung im Schnee bei diffusem Licht danebenliegen kann haben wir am Hang zum Sumpfschartl dadurch selbst erfahren.

Felsspitz oberhalb des Sumpfschartls, Gestein: Tuxer Zentralgneis

Als Abfahrtsroute wählten wir die Normalabfahrt, die westlich vom Sumpfschartl auf den nicht mehr felsdurchzogenen Hang hinausquert, um ohne Hindernisse durch Felsen und Blöcke zum Karboden hinabzuziehen. Auf etwas ruppiger Oberfläche, die im unteren Teil nur wenig Druck beim Schwung vertrug, erreichten wir den Karboden wieder, auf den nun mehrere Gruppen aufgestiegen waren.

Blick auf den Abfahrtshang

Mittlerweile hatte auch der Himmel weiter aufgeklart und wir konnten im Rückblick vom Karboden unsere Aufstiegsroute als die deutlich steiler erkennen.

Rückblick vom Karboden zum Sumpfschartl bei plötzlich besserer Sicht

Das Abfahrtserlebnis über das schön gestufte breite Tal bis zur Schaferhütte ist die Tour wirklich wert, ein tolles Erlebnis mit der gewaltigen Wand der Saxalmschuppe linkerhand während der Abfahrt.

Saxalmwand im Hintergrund

Diesmal probierten wir durch den Hang östlich der Schaferhütte abzufahren, der bei der Tour auf die Saxalmwand nicht erreicht wird und „Reatin“ genannt wird.

tolles, kupiertes Schigelände hinab zur Schaferhütte

Der Hang hat eine angenehme Steilheit und zwischen den jungen Lärchen seine Schwünge zu ziehen bleibt in Erinnerung und wurde in unserem Fall nur durch einen leichten Harschdeckel erschwert.

vereinzelter Jungbaumbestand im Hang „Reatin“

Unterhalb dieses Hanges wird die Aufstiegsspur wieder erreicht, die überquert, und die Talstufe hinab zur „Falle“ nun noch steiler (lt. Tiris >40°) abgefahren wird.
Von dort fuhren wir links der Einschnürung des Geländes durch den Bach hinab zur Bloaderalm von der aus wir noch einen bärigen Rückblick mit der Saxalmwand genossen.

Blick auf die Hohe Kirche, Hohe Warte (Vals) und weiter südlich die Sagwandspitze (3.227m)

Von der Alm aus hat man auch eine schöne Ansicht der Hohen Kirche, auf die eine tolle Schitour führt, die auf diesem Blog beschrieben wird.

letzter Rückblick unterhalb der Bloaderalm mit der Saxalmwand im Hintergrund

Unsere Aufstiegszeit zum Sumpfschartl betrug 3:15 Stunden, bei 1.405Hm und an Gesamtzeit mit eher kurzem Gipfelaufenthalt betrug 4:42h. Die Streckenlänge beträgt etwa 4,5km.

Mils, 29.02.2020

1 benannt nach Dr. Alois Geistbeck, einem bayerischen Geographen: https://www.deutsche-biographie.de/sfz20244.html

 2 Alpingeschichte kurz und bündig, St. Jodok, Schmirn- und Valsertal: https://www.spitzentreffen.at/wp-content/uploads/2020/05/alpingeschichte_st-jodok_2016.pdf

 

Schitour Saxalmwand, 2.635m

Die vom Westen, vom Venntal aus, geometrisch imposante, massive Berggestalt der Saxalmwand bietet eine ansprechend abgestufte, edle Schitour vom Valsertal aus – sie empfiehlt sich hinsichtlich der Hangneigung dem fortgeschrittenen Geher.

Querung nach Südwesten unterhalb des Fels- und Schrofengürtels – ein bäriger Hang!

So wenig spektakulär wie die Nordflanke der Saxalmwand – des Sommers vom Venn aus betrachtet – wirkt, so außergewöhnlich ebenflächig und selektiv ist ihr Nordhang bei der Begehung als Schitour vom Valsertal aus des Winters. Die Hangneigung – dem TIRIS entnommen – weist durchaus Werte zwischen 35 und 40° auf und bestimmt daher die generelle Inangriffnahme des Gipfelhangs bei entsprechender Lawinenwarnstufe, siehe Neigungskarte in der Bildgalerie.

Start am Parklpatz auf der Straße von Vals zum Gh- Touristenrast

Der untere Teil des Anstiegs auf die Saxalmwand  teilt sich jenen mit dem Anstieg auf das weiter südlich liegende Sumpfschartl, das im Grat zum Kraxentrager liegt. Der gemeinsame Anstieg besteht vom Ausgangspunkt bis auf etwa 2.000m, wo sich, in der aufweitenden Karlandschaft zwischen dem Kamm der Langen Wand und der Saxalmwand, die Routen trennen. Die originäre Quelle der Bezeichnung „Saxalm“ für die Gipfelschuppe der Saxalmwand konnte im Zuge der Recherchen zu diesem Bericht nicht ergründet werden.

Rückblick vom ersten Hang zur Bloaderalm

Ein im Aufstieg aus nächster Nähe zu bestaunendes Detail besteht im geologischen Aufbau der Saxalmwand als auch dem Kamm der Langen Wand Teil. Beide bilden einen Teil der Hochstegenzone (aus Kalkmarmor1 bestehend) und ihr Südende (gegen den Kraxentrager hin) stellt auch die Trennung zwischen der Hochstegenzone und der Wolfendorndecke jenseits des Sumpfschartls im Süden dar.

bäriges Panorama – Olperer und Fussstein im Osten

Am Anstieg über die Talstufe nach der Bloaderalm kann diese Gesteinsserie der Hüllgesteine des Tuxer Kerns, mit ihrer interessant matt schimmernden Oberfläche, im Steilaufstieg am offen angewitterten Fels im Detail aus nächster Nähe beobachtet werden (Foto weiter unten).

vor der Bloaderalm

Durch das diesig trübe Wetter am Vortag wurde unsere Anreise ins Valsertal verzögert, da wir Gewissheit über einen klaren Himmel haben wollten und die Dämmerung abwarteten. Dadurch erreichten wir die wenigen teilgeräumten Parkplätze auf der Straße zum Gh. Touristenrast erst gegen 8:30 Uhr, dafür aber bei prächtigem Wetter und, weil eben wegen der Eintrübung tags zuvor wenig Tourengeher unterwegs waren, als ziemlich die ersten nach Markus und Astrid, die wir zufällig getroffen haben.

die 1921 erbaute Bloaderalm

Gemeinsam stiegen wir zu viert auf der gegenüberliegenden Talseite zur Bloaderalm auf. Der Schnee, trotz milder Temperaturen recht hart und nach der langen Schönwetterperiode bereits ziemlich zerfahren.

oberhalb der Bloaderalm im Lärchenwald – noch auf der rechten Seite im Aufstiegssinn

Am Waldrand führt die Spur über den steilen freien Hang bis zum Fahrweg zur Bloaderalm hinauf. Etwa 250m bleibt man am Weg bevor er aus dem kurzen Waldstück in freies Almgelände mündet.

es wird etwas steiler

Bereits an der Bloaderalm kann die eindrucksvolle Saxalmwand mit ihrem beeindruckenden nordwestseitig sehr kontinuierlich pyramidenartigen Aufbau und dem südostseitigen Steilabbruch mittig im Tal eingesehen werden, fast wie ein gestelltes Motiv.

die Talstufe die zu überwinden ist wird nach links (östlich) gequert

Noch vor dem Zaun wird der Weg rechts verlassen und neben dem Zaum, außerhalb der Almwiesen aufgestiegen. Dabei passiert man die malerischen Almgebäude (siehe Aufschrift „1921“), die sich nach 100 Jahren in erstaunlich gutem Zustand befinden.

Querung nach links zum Aufstieg neben den Felsen

Am beginnenden Hang führt die Route anschließend in den Lärchenwald und weiter zum Talende ostwärts auf die andere Talseite, einen steilen Hang querend, der bei der Abfahrt auch befahren werden kann.

Herwig am herrlich anzusehenden Kalkmarmor

Auf der gegenüberliegenden Talseite leitet der Anstieg über den Normalweg mit Serpentinen nahe den oben beschriebenen prächtigen Kalkmarmorfelsen, deren augenfällig zuckerkörnige Oberfläche unübersehbar ins Blickfeld gerät, über die Talstufe hinauf zur nächsten flacheren Passage.

mit ein paar Spitzkehren

Oberhalb der Talstufe wendet sich die Route wieder südwestwärts in einen zunächst breiten Graben, der mit der Höhe schmaler wird und sich, gegen sein Ende hin, zum breiten Hochkar zwischen Langer Wand und Saxalmwand ausbildet.

und oberhalb der Talstufe

Auf etwa 2.120m trennen sich die Anstiege der Touren, wobei die Route zur Saxalmwand rechterhand, westwärts abzweigt und die Route zum Sumpfschartl geradeaus nach Süden aufsteigt.

mitten in der Mulde

An dieser Stelle betrachte man den hoch aufragend trotzenden, kühn posierenden Doppelstamm einer Zirbe inmitten der Hochfläche, einige Hundert Meter entfernt, auf der Route zum Sumpfschartl. Diese Zirbe mag im ersten Moment nur als Baum wahrgenommen werden, mit etwas Einfühlungsvermögen über ihre Lebensbedingungen jedoch wandelt sie sich aber zum Naturschauspiel, zum lebendigen Juwel.

Blick Richtung Sumpfschartl

An dieser Stelle trennten sich unsere Wege. Für uns ging es in der schönen Mulde Richtung Niedervennjöchl während unser Bergkollegenpaar  die Marschrichtung beibehielt und über die kurzweilig wechselnde Hochfläche weiter gegen den Hauptkamm zum Kraxentrager aufstieg.

nach der Abzweigung zum Niedervennjöchl

Beide Ziele sind übrigens 1.050m Luftlinie voneinander entfernt und unterscheiden sich lediglich in 31m Höhe zugunsten des Sumpfschartls mit 2.666m. Das Sumpfschartl liegt etwa mittig auf fast einer Geraden zum Kraxentrager, kann aber vom Gipfel der Saxalmwand nicht eingesehen werden.

 

Rückblick auf die Verzweigung

Der kurze Graben zum Niedervennjöchl verengt sich gegen die Jochhöhe hin und in gleichem Maße steilt er auf.
Die Jochhöhe wird nicht betreten, etwa 30 bis 40 Höhenmeter vorher führt die Route vor dem Felssporn über steiles Gelände auf eine Abflachung mit der Höhe von recht genau 2.300m.

steil auf die Flachstelle hinauf

Vor dieser Abflachung lag nun der breite, steile und  ebenmäßige Hang der die Saxalmwand ausmacht und der mit Freude, aber auch mit gewissem Respekt in Angriff genommen werden sollte.

die Stubaier Berge jenseits des Niedervennjöchls

Für uns war es Zeit die kleinen Rutscher, die uns durch einen leichten Flaum nächtlichen Schneefalls auf der Spur schon viel weiter unten zu ärgern begonnen haben, endlich mit dem Einsatz von Harscheisen zu beenden.

der Steilhang beginnt

Ihre Verwendung zögert man generell gerne hinaus und das hat wahrscheinlich nicht nur beim Autor psychologische Gründe. In gewisser Weise fühlt man sich ja mit Harscheisen – in nicht absolut ihren Einsatz erzwingendem Gelände – irgendwie so wie ein zwölfjähriger mit Schwimmflügeln im See.

Steilhang mittlerer Teil

Nun, nach Dutzenden von lästigen und auch kraftraubenden Rutschern in der Spur befanden wir an dieser Stelle genügend weichgeklopft worden zu sein, um sie montieren. Vor allem aber rechtfertigte die beeindruckende Hangneigung in Verbindung mit den – wie wir später noch merken mußten – teilweise schon sehr gepressten Schneeverhältnissen ab der Flachstelle ihren Einsatz zusätzlich.

schöne Szenen im Steilhang

Nach ein paar wenig sympathischen Metern im flachen mit den Eisen empfand der Autor auf den harschig verhärteten Inseln am Hang endlich Genuß beim Aufstieg mit den Halt bietenden Krokodilen unterm Schuh.

Ansicht nach Osten im Steilhang

Eine recht angenehm ansteigende Spur zog sich über den gut 150Hm messenden Teil des steilen Gipfelhanges. Die Winkeländerung zur Verflachung des Hangs im oberen Teil kann bereits von unten, von der Flachstelle aus, erkannt werden. Diese besteht aus einer Linie mit kleinen Erhebungen von Fels- und Schrofenpartien, die sich quer über den einsehbaren Teil des Hangs zieht und die nicht durchschritten, sondern umgangen wird.
Unmittelbar unterhalb dieser Linie weist der Hang die größte Neigung auf, die im TIRIS mit einer Neigung von 40° und mehr gekennzeichnet ist, in natura aber nicht ganz so spektakulär wirkt.

es wird wieder flacher

Nach ein paar recht langen Abschnitten zwischen den Spitzkehren – eben durch die angenehme Steigung der Spur –  erreichten wir die Zone mit den Felsbrocken und folgten der nun unterhalb weit nach Südwesten hinausquerenden Spur. Dieser Teil der Route kann von der Flachstelle unten nicht eingesehen werden.

der Gipfel – bzw. der Gratkopf der Saxalmwand – rückt näher

Sie wird zusehends flacher und dreht in weitem Linksbogen nach Südosten auf den Gipfel zu. Die Felsbrockenzone verschwindet mit zunehmender Höhe und die Hangneigung wird merklich geringer – lt. TIRIS unter 30°.

Herwig am Gipfel der Saxalmwand

Von Südwesten her zeigte sich der Gipfelschlußhang bei unserer Begehung recht abgeblasen, wodurch wir am direkten Hangbuckel blieben und in Serpentinen dem kleinen Gipfelkreuz zustrebten, das man schon eine ganze Weile sieht, bevor man es erreicht.

Gipfelkreuz Saxalmwand, 2.636m

Das Gipfelkreuzchen auf der Saxalmwand ist ein kleines Holzkreuz, mit Kabelbindern an eine Vermessungsstange gebunden – es erfüllt seinen Zweck. Gipfelbuch gibt es keines.

Rückblick auf den Gipfelhang

Die Sicht am Gipfel der Saxalmwand war just mit unserem Erreichen des Gipfelbereiches durch plötzlich herziehenden Nebel fast völlig eingeschränkt. Im Laufe der Gipfelrast verbesserte sich die Sicht in Richtung Südwesten und Nordosten, verwehrt blieb uns aber der Blick im weiter verlaufenden Kamm zum Kraxentrager.

Blick vom Gipfel nach Süden zur Landshuterhütte

Der nahe Wolfendorn mit seiner Gipfelpyramide aus Hochstegenmarmor (jurassisch) zeigte sich erst kurz vor der Abfahrt wieder – ein eindrucksvolles Foto von diesem schönen Berg blieb uns verwehrt.

der ästhetische Wolfendorn in Bildmitte

Die Abfahrt im oberen Teil des Gipfelhanges erfolgte durchwegs auf windgepresster Oberfläche mit wenigen Windgangln.

Blick in das Valsertal – die insgesamte Steilheit der Tour kann hier gut erkannt werden

Der Teil im Steilhang war durchwachsen mit härter gepressten Inseln und weicheren Teilen, die einige nette Schwünge zuließen. Richtig fesch durch weichen Schnee fanden wir in der Talmulde unterhalb des Niedervennjöchls bis fast hinab zum Verzweigungspunkt mit der Route auf das Sumpfschartl.

am Beginn des Steilhanges – Hoffnung über dem Autor

Ab der Rinne unterhalb des weiten Tals herrschte vorwiegend ein Harschdeckel über weichem Schnee vor – mit entsprechendem Kraftaufwand zum Drehen.

auf in den Genuß!

Am Ende der Rinne kann man – im Talblick gesehen – links über eine Kuppe haltend über einen schönen Steilhang die Talstufe überwinden. Diese Variante dürfte schöner zu fahren sein als nach der Mulde rechts (im Abfahrtssinn) und die Talstufe durch den Felsdurchschlupf hinab zu überwinden, der augenfällig schon beim Aufstieg links neben dem Bach mit den schön blau gefrorenen Wasserkaskaden ins Auge sticht.

noch einmal die schöne Bloaderalm

Nach der Talstufe vereinigen sich die beiden o. g. Varianten wieder und über etwa 100Hm im lichten Wald hinab erreicht man bald die freien Flächen Bloaderalm. Über den Weg und den Schlußhang geht es zurück ins Tal.

Rückblick auf die Saxalmwand

Der Zeitbedarf für die schöne Tour betrug 4:23 gesamt mit Pausen. Die Streckenlänge ist durch die generelle Steilheit der Route mit knapp 4,5km relativ kurz,  den Höhenunterschied zeigte uns der Höhenmesser der Uhr mit 1.350m.

 

Mils, 26.01.2020

eine sehr interessante Arbeit über die Geologie in diesem Gebiet ist hier zu finden.
Anm. d. Verf.: im Venntal befindet sich an den Südwestabbrüchen der Saxalmwand auf 1.560m Höhe ein 1984 aufgelassener Steinbruch an dem plattige, feinkörnige Gneise und die darüberliegenden ebenfalls plattigen Hochstegen-Kalkmarmore als Bausteine gewonnen wurden