Archiv der Kategorie: Stubaier Alpen

Schitour Hoher Zahn, 2.925 m

Die rassige Schitour auf den Hohen Zahn stellt, wie viele Schitouren im hinteren Gschnitztal, ein recht alpines Unternehmen dar, bedarf der Ausdauer und sollte auch aufgrund der großen Hangneigung ab 2.400 m eher vom Erfahrenen begangen werden. Großartige hochalpine Ausblicke werden über den Verlauf des Aufstiegs angetroffen.

Edit und der Autor am Hohen Zahn

Im oberen Teil der Schitour, nach dem weiten Becken zwischen Schwarzer Wand und Gamsschrofen sowie ab dem oberen Rückenansatz des Gamsschrofens bis zum Sattel am Grat, herrschen Hangneigungen von durchgehend 35° und mehr, die steilsten Passagen reichen an die 40° heran.

tolles Panorama am Weg zur Laponesalm

Aber auch schon im unteren Teil, im Bereich der Schleimsalm auf den Kühberg hinauf, treten am Hang Steigungen über 35° auf. In jedem Fall muß auf dem Nordhang über die gesamte Saison mit der Notwendigkeit von Harscheisen gerechnet werden.

das Ziel sichtbar, links der Hohe Zahn, rechts die Weißwandspitze

Der Start beim Gasthaus Feuerstein, bzw. neben dem im Winter geräumten Straßenstummel zum letzten Wohnhaus erfolgt möglichst früh, um die kleine Kapazität an Parkmöglichkeiten rechtzeitig zu nützen (der große Parkplatz dient im Winter der Loipe und wird auch nicht teilweise geräumt).

an der Laponesalm

Über die leicht steigende Straße beginnt die bärige Tour in Richtung Laponesalm, des Winters, bis in den April und Mai hinein bleibt diese ungeräumt und dient nur als Spazierweg im Tiefschnee, da sie wegen des zu kleinen Gefälles auch als Rodelbahn nicht genutzt werden kann.
Auf diesem Teilstück gibt es einen kleinen Gegenanstieg am Rückweg nach der Tour und wegen des geringen Gefälles muß auch sonst über kleinere Teilstrecken angeschoben werden.

links über die Brücke

Bereits vor der Laponesalm öffnet sich ein tolles Panorama mit Blick auf den Grat von der Weißwandspitze bis hinab zum Schafkamp und auf der rechten Talseite der Inneren und der Äußeren Wetterspitze.

kurz vor dem Schleimsalmbach

Die Brücke über den Gschnitzbach führt in leicht steigendes Almgelände mit einer Hütte, die links liegen gelassen wird und sich das Gelände aufsteilt. In Richtung zum Ufer des Schleimsalmbachs hin  führt die Route durch Stauden und kleine Kuppen bevor der Bach überquert wird und kurzzeitig auf der Westseite in der Nähe des Schotterwegs zur Schleimsalm aufgestiegen wird.

Überquerung auf die Westseite des Bachs

Nach ein paar Minuten führt die Route wieder zurück auf die Ostseite des Bachs und entlang des Weges wird 100 m nach dem Bach bereits vor einer Spitzkehre direkt aufgestiegen. Dort kann man durch Stauden und kleine Birken den Weg verlassen uns zeitsparender durch das steile Gelände aufstiegen, oder dem Weg weiter folgen.

ein kurzes Stück westlich vom Bach aufwärts

Bald, etwa nach 10 min, erreicht man eine leichte Mulde aus der die weitere Route gut sichtbar wird, das Gebiet der Schleimsalm in dem hoher Bewuchs zurücktritt.

Rückblick auf die Laponesalm und das Gschnitztal

In diesem Gelände bildet sich eine sichtbare Rampe auf den steilen Hang oberhalb der Schleimsalm aus, der bis zum Ansatz des Hangs gefolgt wird und ab dieser Stelle bei unserer Begehung Harscheisen vonnöten waren.

bereits im Almgelände der Schleimsalm, im Hintergrund die Schwarze Wand

Nach dem Steilhang, den wir gegen Osten auf einen flacheren Hang hin verließen, wird das Gelände wieder flacher, und bei unserer Tour, in dem nicht besonders mit Schnee gesegneten Winter, zwischen jeder Menge Felsbrocken hindurch.

hartgefrorene Schneeoberfläche am Kühberg

Weiters stiegen wir auf einer völlig umgewandelten und gefrorenen Schneedecke über den Kühberg auf, die das Ablegen der Harscheinsen bis zum unteren Ansatz der Schwarzen Wand nicht erlaubte.

durch Brocken und Blöcke hindurch

Unterhalb der schwarzen Wand, gebildet aus dem interessanten Gestein Amphibolit-Tonalitgneis, so wie auch der anschließend zu bewältigende Gamsschrofen, wurde die Schneedecke wieder etwas durchgehender, blieb jedoch gleich hart wie zuvor.

Querung unterhalb der Schwarzen Wand

Mit geringem Höhenverlust führt die Route nun in das weite Becken zum Gamsschrofen, dessen steile Südostflanke aufgestiegen werden muß, bevor das steilste Stück der Tour in Angriff genommen werden kann.

Im RÜckblick Herwig mit dem Habicht im Hintergrund

Durch das Becken begleitete uns der hartgefrorene Schnee mit teilweise signifikanten Schneegangln, sodaß wir hin und wieder die Schi anheben mußten, um diese zu überwinden.

weiterer Aufstieg im Zoom

Auch im Hang auf den Gamsschrofen betraten wir diese unangenehme Oberfläche, jedoch war ihre Dicke dort nicht so groß, sodaß wir im steilsten Teil glücklicherweise durchbrachen und besseren Halt fanden.

im Osthang auf gefrorener Aufstiegsroute

Am Gamsschrofen studierten wir bei einer Trinkpause den weiteren Verlauf und mußten feststellen, daß das kommende Teilstück unterhalb der Felsschrofen steiler und noch unangenehmer sein würde. Und so kam es mit einigen Rutschern des jeweiligen Talschis auch, trotz Harscheisen.

bereits unterhalb des mächtigen Schrofens auf den Sattel

Durch die Steilpassage konnten der prächtige und bizarre Dolomitaufbau der Weißwandspitze hervorragend studiert werden, wenngleich wir auch die Konzentration auf die widrigen Schneebedingungen legen mußten. Verbunden mit Hangneigungen knapp an 40° eine sehr notwendige Maßnahme in diesem extremen Gelände.

dolomitische Weißwandspitze mit jungen Abbrüchen

Junge Brüche kennzeichnen die Nordwand der nicht umsonst Weißwandspitze getauften mächtigen mesozoischen Sedimente, aufgelagert auf Ötztalkristallin – Überbleibsel des Erdmittelalters, durch Abtrag heute nicht mehr verbunden mit dem westlich gelegenen Dolomitmassiv der Tribulaune.

Edit quält sich unter dem Schrofen zur trichterförmigen Mulde

Die trichterartige Ausmuldung zwischen einem markanten Schrofen rechts und der Rippe – die zum Gamsschrofen hinabzieht – auf der linken Seite wird nach rechts auf die Oberseite des Schrofens gequert, wo eine flachere Passage zur letzten Trinkpause einlädt.

Herwig an der Flachstelle oberhalb des Schrofens

Von dort kann der restliche Aufstieg zum Sattel zwischen dem Hohen Zahn und der Weißwandspitze eingesehen werden. Von dort steigt man etwas flacher unter den Sattel, dessen Anstieg über ein kurzes Stück nochmals mit gut 40° Steigung aufwartet.

Edit oberhalb des Schrofens

Der Sattel wird leicht östlich von der tiefsten Einschartung erreicht, etwa auf 2.850 m. Er ist dort flach, angenehm breit und als Schidepot gut geeignet.

Ausstieg zum Sattel im linken mittleren Bilddrittel

Im beginnenden Frühjahr fanden wir den Gipfelaufbau des Hohen Zahns teilweise aper und mit noch dünner und fauler Schneedecke vor, sodaß wir gleich beschlossen die letzten 100 m Aufstieg zu Fuß zurückzulegen. Die Sommerweg Markierungen am Steig fanden wir bereits völlig ausgeapert vor.

Aufstieg vom Sattel auf den Hohen Zahn, unten Schidepot

Am flachen Gipfel selbst, zum kleinen Gipfelkreuz hin, dominierte eine halbwegs tragfähige Schneeoberfläche. Die steileren Flanken nach Südwesten hin, zur Einsicht der Abfahrt, die man auf die Pflerscher Scharte hin unternehmen kann, waren jedoch aufgeweicht.

das flache Gipfelplateau des Hohen Zahns

Leider trübte Nebel die imposante Rundumsicht am Hohen Zahn.
Hinter den Wetterspitzen im Nordwesten tummeln sich die Östliche Schwarzenbergerspitze und der markante Schrankogl sowie die Ruderhofspitze und Westliche und Östliche Seespitze.

Herwig am Hohen Zahn, 2.924 m

Anschließend gen Norden schwenkend die Knotenspitzen und noch vor der Südlichen Rötenspitze weit in der Ferne der Lüsener Fernerkogel sowie im Vordergrund der Ochsenkogl und dahinter wieder die Brennerspitze.

Blick nach Nordwesten mit Östlicher Schwarzenbergerspitze, Schrankogel, Ruderhofspitze,Westliche und Östliche Seespitze

Im Norden Glättespitze und der mächtige Habicht sowie die Erhebungen des schönen Serleskamms, von denen als bärige Schitouren Hammerspitze, Padasterkogel, Foppmandl, Wasenwand, Lämpermahdspitze, Kesselspitze und Peilspitze zu nennen wären, um nur einige zu nennen.

Knotenspitzen, Rötenspitze, Lüsener Fernerkogel, Ochsenkogl, Brennerspitze, Habicht sowie die Erhebungen des Serleskamms

Im Nordwesten, im Kamm, liegt der Pflerscher Pinggl, ein sehr lohnendes Schitourenziel durch das Sandestal, anschließend die Dolomitriesen Gschnitzer und Pflerscher Tribulaun mit dem vorgelagerten Spitz des Goldkappls und weiter im Osten tief unten das Pflerschtal mit seinen tollen Touren auf dessen Südseite.

Pflerscher Pinggl mittig im Bild, links davon die Gargglerin, rechts davon der Muttekogel und das Goldkappl

Im Süden prangt die Wetterspitze, eine rassige Schitour durch das Allrisstal, die beliebte Schitour auf die Maurerspitze, sowie die nette Schitour auf die Ellesspitze sowie, weiter im Süden in 16 km Entfernung die Hohe Kreuzspitze vom Ratschingstal aus.

links der Gschnitzer Tribulaun, rechts der Pflerscher Tribulaun

Die hohen südlichen Stubaier im Südwesten sind der Botzer, die Aglsspitze sowie Westlicher und Östlicher Feuerstein, bevor die Weißwandspitze die Runde beendet und den Ausblick begrenzt.

Wetterspitze im rechten Bildteil

Das schlichte kleine Gipfelkreuzl am Hohen Zahn mit der Huldigung Christus‘ als dem König der Berge wird seiner großen Aussage durch den Schiefstand nicht ganz gerecht und bedarf eines neuen Sockels, um neu zu erstrahlen. Eine Aufgabe für den Sommer.

die hohen südöstlichen Stubaier: Botzer, Aglsspitze und die Feuersteine

Die Abfahrt wäre vom Blickwinkel des Geländes an sich eine unvergessliche möchte man bemerken. Unsere hingegen war das was der eingefleischte Schitourenfreund, der nicht des Bergsteigen willens Gipfel erreicht, eine Katastrophe nennen würde.

Rüsten zur Abfahrt, Edit machte Schidepot unterhalb des Sattels

Die gefrorene Oberfläche und die teilweise hohen Windgangln verlangten der Edit alles an Können ab und hauten uns – wie man so sagt – die Zähne heraus. Erst weit unten verbesserte die Sonneneinstrahlung die Oberfläche, wodurch wir ab der Schleimsalm noch die restlichen 400 Hm unter bärigem Firm abfahren durften.

Abfahrt vom Sattel

Abschließend konnten wir am vorletzten Märztag am späten Nachmittag sogar noch auf der Terrasse des Gasthof Feuersteins die schöne Tour Revue passieren lassen.

Querung unterhalb der Schwarzen Wand

Der geodätische Höhenunterschied im TIRIS gemessen beträgt 1.640m, die kleinen Passagen mit Gefälle (Weg zur Laponesalm) ließen die Höhenmessung der Bergsteigeruhr schließlich bei 1680 m enden.

verdiente Firnschwünge im Gelände der Schleimsalm, Edit genießt sie

Vom gesamten Aufstieg über 9,3 km werden 185 m in 3,1 km bis zur Laponesalm zurückgelegt. Somit verbleiben lange 6,2 km und 1.495 m Aufstieg vom Tal.

Tourenausklang auf der Terrasse des Gh. Feuerstein

Wir haben für die Schitour unter keineswegs einfachen Bedingungen und einer langsam bedachten Abfahrt gesamt 7:50 Stunden gebraucht, davon knapp 5 Stunden im Aufstieg.

Mils, 20.03.2022

Schitour Steintalspitze, 2.742 m

Zu äußerst im Kraspestal gelegen befindet sich das Schitourenziel der Steintalspitze, die über ein gar nicht so kurzes Tal nach Überwindung der ersten Geländestufe rechts oberhalb des Kraspesbachs über einen tollen Steilhang erreicht wird.

Herwig am Gipfel der Nördlichen Steintalspitze, Im Hintergrund Sulz- und Zwölferkogel

Von Haggen werden knapp 1.100 m Aufstieg zum Gipfel zurückgelegt. Die Sicht auf Kühtai, den Pockkogel und die westlichen und nördlichen Sellrainer Gipfel lassen die Steintalspitze, vielmehr handelt es sich beim Tourenziel um die Nördliche Steintalspitze, zu einer interessanten Unternehmung werden.

Start am Parkplatz in Haggen; Schöllerkogel als markanter Gipfel im vorderen Kraspestal 

Der Blick nach Süden wird durch den höheren Schöllerkogel1 begrenzt, der als Schitour ebenfalls über das Steintal, aber auch über das Wilde Kar tiefer im Kraspestal erreicht werden kann.

am Bachbett Richtung untere Zwinge

Am kleinen Parkplatz in Haggen beginnt die kurze Tour neben der Schärmer Alm. Mitte April 2022, bei unserer Begehung, war es notwendig die Schi bis in den Lärchenwald hinein zu tragen, einen guten halben Kilometer weit, und über Schneereste erreichten wir noch die geschlossene Schneedecke zur ersten Zwinge.

Aufstieg über die Zwinge

Dieser Tage spielt sich die Balz der Birkhühner ab und wir durften das Schauspiel junger Hähne, auf deren typisch traditionellen Balzplätzen östlich oberhalb des Lärchenwaldes, in entsprechender Entfernung miterleben und aufzeichnen. In sich gekehrt beeindruckte die vier Hähne kaum das Vorbeiziehen mehrerer Schitourengruppen mit dem lauten Kraschelgeräusch der Schi auf der gefrorenen Firnoberfläche.

Auf der anschließend freien Fläche bis zur unteren Zwinge lag noch genug Schnee, wenn auch nur mehr im Bachbett durchgehend.

im oberen Teil nahe am Bach

Daß für den Aufstieg über die Zwinge Harscheisen notwendig waren versteht sich, wenn man diesen Abschnitt kennt. Wir beließen sie aber auch für den steilen anschließenden Hang  montiert und sollten damit Recht behalten. Selbst am oberen, sonnigen Teil der ersten Geländestufe ins Steintal leisteten die Harscheisen am frühen Vormittag noch wertvolle Dienste.

am schmalen Schneeband in das Steintal

Flankiert von den herabziehenden Graten des Schöllerkogels links und Windegg rechts beginnt das Steintal auf einer Höhe von etwa 2.250 m. Die rechte Talseite (Blickrichtung Aufstieg) wird von mehreren Moränenwällen geprägt, die linke Talseite ist hingegen bis tief hinein ins Tal frei davon, den Karhängen vom Schöllerkogel herab liegt die natürliche Böschung zugrunde.

Rückblick auf die erste Geländestufe

Relativ flach verläuft der Anstieg bis über die Mitte des Steintals. Zwischen größeren Blöcken zieht der Aufstieg durch die Moränenlandschaft hindurch, bis auf eine scheinbare Kuppe, an der der restliche Teil des Aufstiegs zur Gänze eingesehen werden kann.

am Beginn des Steintals

Vor unseren Augen breitete sich der Talkessel mit dem Steintalsattel (2.670 m) zwischen Steintalspitze und Pockkogel aus, die man im Aufstieg zur Nördlichen Steintalspitze rechts liegen läßt.

Rückblick auf Räuhengrat, Haidenspitze und Rotgrubenspitze

Der Aufstieg erfolgt über einen Steilhang mit der größten Neigung in der Mitte und mit deutlicher Abflachung nach oben, zur Grathöhe hin.

im flachen Teil im Steintal, rechts Moränenwälle

Im Mittelteil, zwischen den begrenzenden Schrofenrippen, noch unterhalb 2.600 m, erreicht die Hangneigung im Durchschnitt etwas mehr als 35° und mehr an Einzelstellen.

durch die Blockfelder hindurch zieht sich der Aufstieg ins Steintal

Wir erreichten den Steilhang etwa um halb elf und fanden ihn bereits tief aufgefirnt, jedoch noch gut griffig vor. Dies vielleicht als Tipp für die Wahl des Abmarsches in Haggen – wir starteten kurz nach acht Uhr.

Herwig voraus zum Steilhang

Die Ausrichtung des Hangs zeigt nach Südost, sodaß er bereits mit den ersten Sonnenstrahlen erwärmt wird. Zusätzlich gibt es ab dem Sonnenaufgang keine Abdeckung durch vorgelagerte  Erhebungen, sodaß er sich im April zu dieser Tageszeit bereits gute drei Stunden unter Erwärmung befindet.

Rückblick auf den Aufstieg im hinteren Steintal

Im oberen Teil flacht die Steigung ab, etwa ab zwei Drittel des Aufstiegs von unten. Einige Steinfelder im oberen Bereich waren bereits ausgeapert, die Schneedecke jedoch weitestgehend geschlossen.

bereits gut aufgefirnte Spur

Am Grat kein störender Jochwind, wir fanden ein angenehmes Lüftchen vor, unter dem der Aufstieg zum Gipfel keine Zusatzbekleidung bedurfte.

oberer Teil des Steilhangs

Der Felsaufstieg von etwa 50Hm läßt sich mit den Tourenschuhen leicht begehen und die Blöcke durchgehend recht griffig. Der Aufstieg ist kaum ausgesetzt und eher steintalseitig denn direkt an der Gratlinie. Etwa zehn Minuten benötigten wir bis zum Gipfelplateau mit dem kleinen Steinmann.

Schidepot unterhalb der Nördlichen Steintalspitze

Die Südliche Steintalspitze liegt ca. 300 m entfernt am Grat zum Schöllerkogel und ob sie wirklich einen eigenständigen Gipfelnamen rechtfertigt mag dahingestellt sein, die notwendigen 30 m Schartenhöhe können im Blick auf sie schwerlich erkannt werden.

Nördliche Steintalspitze, 2.742 m

Am Grat weiter Richtung Süden befindet sich der um 160 m höhere Schöllerkogel (2.902 m), rechts davon der schöne Gipfel der Kraspesspitze (2.954 m) mit Gipfelkreuz.

im Vordergrund kaum gut erkennbar die Südliche Steintalspitze, dahinter Schöllerkogel und rechts davon die Kraspesspitze; ganz rechts Finstertaler Schartenkopf

Weiter südwestlich taucht der Grat zur Finstertaler Scharte ab und schwingt sich wieder zum Schartenkopf hinauf (2.855 m). Der Übergang vom Finstertal mit Schartenkopf und Kraspesspitze stellt eine der bärigen Rundtouren im Kühtai dar.

Finstertaler Schartenkopf, Gamskogel und rechts Sulzkogel

Gegenüber im Westen befinden sich die schön geformten Spitzen des Sulz- und des Zwölferkogels und der Blick auf Kühtai.

Kühtai in der Tiefe

Im Nordwesten, auf der gegenüberliegenden Talseite im Kühtai, markiert der markante Pirchkogel, die zweithöchste Erhebung in den Nördlichen Sellrainer Bergen, das zum Talbeginn des Ötztals hin abfallende Gebirge gegen Westen.

Pirchkogel bis Rietzer Grießkogel im Norden

Die höchste Erhebung im Norden bildet der mächtige Rietzer Grießkogel (2.883 m). Mit nur 117 m fehlendem Höhenunterschied zu einem Dreitausender die weitaus höchste Erhebung direkt im Inntal bis zur Mündung des Ötztals.

Pockkogel und Windegg

Gegenüber der Nördlichen Steintalspitze befindet sich der Pockkogel, den Julius Pock, Gründer der Bergsteigergemeinschaft der „Wilden Bande“ zu Innsbruck (1878), ab Samstag Nachmittag nach Dienstschluss, mit dem Fahrrad von seiner Wohnung in der Colingasse in Innsbruck in Angriff nahm und am Sonntag erst bestieg, sowie wieder am selben Tag nach Hause zurückkehrte.

am Schidepot bei der Rast

Zurück am Schidepot genossen wir die bereits kräftige Sonne bei der Gipfelrast. Einige Tourengruppen kamen nach, die Nördliche Steintalspitze bekam jedoch kaum mehr Besuch, da wenige den Gipfel besuchten, sondern den Aufstieg am Grat beendeten.

der tolle Abfahrtshang im Rückblick

Eine bärige Abfahrt über den mittlerweile schon fast zu tief aufgefirnten Sonnenhang bildete den Auftakt der Abfahrt ins Kraspestal.

Über die dunkle Zwinge hinab herrschten – wie meistens – dieselben Verhältnisse wie in der Früh, die Strecke blieb hart und gefroren.

Flachstrecke im Steintal

Bei kaltem Wind kehrten wir zu g’schmackigen Knödeln in das Gasthaus Forellenhof ein, die Schärmer Alm hatte Vortags den letzten Tag vor einem Betriebsurlaub.

schöner Blick über die untere Zwinge ins äußere Kraspestal

Die sonnige kurze Schitour erstreckt sich über 1.095 m Aufstieg für die wir 4:43 h benötigten. Die Streckenlänge beträgt 5,5 km.

Mils, 18.04.2022

1 interessante Richtigstellung der im Kartenwerk (AV und Tiris) falschen Bergbezeichnung durch Lukas Ruetz: https://www.lukasruetz.at/2016/04/29-4-2016-zwieselbacher-rosskogel-3080m-schoellerkogel-2910m/

die Benennung „Schöller Kogel“ wird ebenfalls im Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt geführt, Jahr: 1932 Band: 82, Ladurner Josef: Die Quartärablagerungen des Sellrain (Stubaier Alpen)

weitere Hinweise der Namensgebung finden sich in der Besteigungsgeschichte des Gleirscher Fernerkogels im September 1883 durch Ludwig Purtscheller und Hans Schöller:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gleirscher_Fernerkogel

Hans Schöller, ein Physiker: https://apis.acdh.oeaw.ac.at/person/39606
dürfte Purtscheller am gemeinsamen Arbeitsplatz in der Ober(Staats)realschule in Salzburg kennengelernt haben und sich nicht nur bei vorgenannter Erstbesteigung, sondern verstärkt in den Sellrainer Bergen aufgehalten haben; es drängt sich der Schluß auf, daß der Schöllerkogel möglicherweise nach ihm benannt wurde

Schitour Brennerspitze, 2.877 m

Bereits eine recht anspruchsvolle stellt die im oberen Teil sehr steile und unvergessliche Schitour auf die Brennerspitze dar, die im oberen Teil durchwegs Hangneigungen von 35 bis 40° aufweist und an den Gratrippen darüber hinaus. Von Krößbach aus, mit 1.760 m Aufstieg, ist sie noch dazu eine lange. Für dieses Unternehmen müssen die Schnee- und Lawinenverhältnisse passen.

Brennerspitze, 2.877 m

Am kleinen Parkplatz Oberegg oberhalb des Neustifter Ortsteils Krößbach starteten wir am Rodelweg in Richtung Milderaunalm. Zunächst mußte am Weg drei Kehren entlang aufgestiegen werden bevor wir rechts in den Wald die Abkürzung nehmen konnten, die in direktem Anstieg zur Milderaunalm führt.

in der Abkürzung kurz vor der Milderaunalm

Nach einer Stunde erreichten wir die geschlossene Alm auf 1.675 m und mit erstem Blick auf das Ziel, noch 1.200m höher.

Gelände der Milderaunalm

Hinter der Milderaunalm folgten wir den Spuren, die entlang des Sommerwegs in den Wald auf einen Rücken mit aufgelockerter Lärchenbewaldung führten. Kurzzeitig wurde dort das Gelände flacher und leitete auf den nächsten Anstieg im stetig lichter werdenden Wald über.

im oberen Teil des Waldes, Lärchenbewuchs sorgt für Auflockerung

Das Gelände wird aufwärts gequert bis sich eine Mulde auftut, in der weiter aufgestiegen wird. Der Wald weicht mehr und mehr zurück, sodaß am oberen Teil der Mulde nur mehr vereinzelt Bäumchen angetroffen werden.

eine Mulde führt unterhalb einer Geländestufe

Entlang der von West auf Nordost drehenden Mulde, die sich verflacht und ausläuft, passiert man eine Geländestufe unterhalb des Hühnerspiels. Diese Stufe ist der nächste Steigabschnitt, sie wird gegen Ende der Nordostrichtung auf langem, jedoch flacherem Weg durchstiegen. Die Dimensionen dieser Passage beeindruckten uns im Aufstieg.

Querung unterhalb der Geländestufe nach Nordwesten

Auf der Geländestufe oben hat man bereits die 2.200 m Marke überschritten und noch knapp 700 Hm zu überwinden. Die Dimensionen dieses Anstiegs erscheinen dennoch gewaltig.

oberhalb der Stufe breitet sich ein schönes breites Kar aus

Der Ausblick auf die Brenner- und die um 130 Hm niedrigere Mittergratspitze, rechts der ersteren ist großartig. Das Schigelände kann als phantastisch bezeichnet werden, ein steiles Hochtal mit wunderbaren Abfahrtshängen.

durch die Mulde auf den steilen Hang

Zunächst mußten wir durch eine seichte Mulde, bevor das Gelände stetig steiler wurde. Zu lange folgten wir den Spuren unserer Vorgänger, sodaß wir den gleichen Fehler begingen und rechts der beiden Rippen unterhalb der Mittergratspitze aufstiegen, die zu steil zum überwechteten Grat führen.

schlechte Aussichten voraus – zu weit rechts aufgestiegen

Der Versteiger führte zu einer etwas prekären Situation, die erforderte, daß wir unter den mächtigen Wechten am Grat westwärts queren mußten. Allerdings auch mit dem Vorteil einer ganz vorzüglichen Perspektive für ein Bild vom Gipfelaufbau der Brennerspitze und den Blick auf den Originalaufstieg, eine Rippe weiter westlich, mit flacheren Flanken.

mit Querung unter extremer Hangneigung

Der Tiefblick in der Querung zum Sattel zwischen beiden Gipfeln zeigt die Steilheit wesentlich besser als der Eindruck von unten. Der letzte Hang zum Schidepot ist dann wesentlich flacher als der Mittelteil davor.

letzte Querung auf den Gipfelhang der Brennerspitze

Vom Schidepot gilt es noch knapp 50 Hm stapfend zu überwinden, wovon der Großteil sehr steiles Gelände darstellt. Mit Stapfspuren jedoch keine gefährliche Angelegenheit und auch nicht ausgesetzt.

am Fuß des Gipfelhangs der Brennerspitze

Das schmale länglich geformte Gipfelplateau konnte die für die Brennerspitze ungewöhnlichen Massen an Schitourenbergsteigern an diesem wunderbaren Tag kaum aufnehmen, so zog sich am Grat eine kleine Schlange an Gipfelbesuchern hin bis vor das erste Schärtchen in Richtung Kerrachspitze.

Gipfelkreuz der Brennerspitze vom Schidepot aus

Zwei Bergfreunde, offensichtlich ein Ehepaar, stifteten der Tafel nach das schöne und massive Holzgipfelkreuz auf der Brennerspitze. Eine Jahreszahl dazu gibt es nicht am Kreuz zu sehen, es dürfte aber schon einige Jahrzehnte die Brennerspitze zieren, bedenkt man die Schlitzschrauben, mit denen die Tafel moniert wurde.

Herwig am Gipfel der Brennerspitze

Aufgrund ihrer zentralen Lage im Stubaital und der weit gen Norden und Osten konkurrenzlosen Höhe stellt die Brennerspitze einen phantastischen Aussichtsberg dar.

Detailaufnahme der Nordflanke des Habichts

Der eindrücklichste Blick ist jener in den Süden auf die gewaltige Nordseite des Habichts. Der Anstieg erfordert hohes alpinistisches Können im Eis sowie eine hervorragende Kondition.

Rechts des Habichts kann in der Ferne gerade noch der Hohe Zahn und die Weißwandspitze erkannt werden, die vom Gschnitztal aus begangen werden.

Habichtkamm mit seinem Namensgeber dem Habicht und rechts im Hintergrund gerade noch der Hohe Zahn und die Weißwandspitze zu sehen.

Weiter rechts, im Südwesten bietet die Brennerspitze eine hervorragende Aussicht auf die Riesen des Mittleren Hauptkamms, von den Wetterspitzen, den Feuersteinen über den Wilden Freiger, dem flachen Gipfel der Sonklarspitze bis hin zu Wildem Pfaff und dem Zuckerhütl.

von links der markante Ochsenkogel, Äußere und Innere Wetterspitze, Schneespitze zwischen beiden, Östlicher, Westlicher (höchster) und Aperer (tiefer unten) Feuerstein, Langental mit Grüblferner am Ende in der rechten Bildhälfte, roter Grat, Wilder Freiger, der flache Kammgipfel der Sonklarspitze, Wilder Pfaff und Zuckerhütl

Von den Alpeiner Bergen muß als höchste Vertreterin die Ruderhofspitze erwähnt werden, mit weiteren seht lohnenswerten Zielen im Ostteil des Kamms, beispielsweise die Östliche Knotenspitze von der Neuen Regensburger Hütte aus und der mächtige Schrankogel.

Zuckerhütl links, Pfaffenschneid, Aperer Pfaff, Schaufelspitze und Nockwand im Vordergrund fast auf einer Linie, in der Ferne Stubaier Wildspitze über der Grawagrubennieder und rechts davon der Östliche Daumkogel, der schwarze amphibolitische Kamm zur Ruderhofspitze, rechts davon die Östliche Seespitze, rechts davon die Kräulspitzen, im Vordergrund die Knotenspitzen, äußerst rechts der mächtige Schrankogel

Im Westen, gut 800m entfernt, die Kerrachspitze, ebenfalls ein Schitourenziel, unternommen aus dem Oberbergtal, rechts davon in der Tiefe das bekannte Rinnenspitzl, erster und leichtester Dreitausender von der Franz Senn Hütte aus, rechts dahinter die Lüsener Spitze, dann der mächtige Lüsener Fernerkogel, der Gleirscher Fernerkogel und schließlich, als Abschluss der Dreitausender im Rundblick, die Hohe Villerspitze, gebaut aus dem bereits von weitem unterscheidbaren schwarzen Amphibolit, der als im Norden den granitischen Kern der Stubaier begrenzt.

rechts neben dem Lüsener Fernerkogel der Gleirscher Fernerkogel über dem kleinen Horntaler Joch, rechts vom Horntaler Joch die Grubenwand, tiefer im Vordergrund der Schafgrübler, die mächtige schwarze Hohe Villerspitze, Lüsener Villerspitze im Hintergrund, Schaldersspitze im Vordergrund und rechts davon Roter Kogel

Das schöne Schitourenziel des Roten Kogels im Hintergrund und das Schwarzhorn bilden in den Sellrainer Bergen den Abschluß, in den anschließenden Kalkkögeln die Schlicker Seespitze.

die ausklingenden Kämme nach Osten; links in den Südöstlichen Sellrainer Bergen das Schwarzhorn, im Vordergrund im Kamm Mittergrat- und Seeblasspitze, im Hintergrund Kalkkögel und in der Ferne die Spitzen des Karwendels

Die Tuxer im Osten und die Zillertaler in der Ferne, sowie die bärigen Schitourenziele im Serleskamm, es seien hier mit der Kesselspitze und der Lämpermahdspitze nur zwei rassige Vertreter der zahlreichen, hier am Blog beschriebenen Touren von Trins aus genannt, runden den Ausblick von der Brennerspitze ab.

der Serleskamm mit bärigen Schitourenzielen südöstlich gegenüber

Im Tiefblick in das Oberbergtal hinab zeigt sich ein durchwegs steiler nordseitiger Anstieg. In den Hängen orographisch links oberhalb der Normalroute forderte ein Lawinenabgang in die Äußere Stöcklengrube hinab wenige Tage später das Leben eines jungen Kollegen, eines exzellenten Schifahrers. Die Hänge sind dort sind so wie auf der Südostseite ebenfalls über 40° steil.

Tiefblick ins Oberbergtal

Vom Schidepot genossen wir die erste pulverige Abfahrt bis zum steilen Mittelteil, über den man nicht hinuntersehen kann, bis dessen obere Begrenzung erreicht ist.

Abfahrt über den Gipfelhang

Wir hatten das große Glück in jungem Lockerschnee zu fahren, ja im oberen Teil kann man sagen es war annähernd Pulverschnee, unten war ihm ein kaum merkbarer dünner Umwandlungsdeckel aufgesetzt.

Steilstrecke von der Brennerspitze hinab

Die Hangneigung mag auf den Bildern nicht steil erscheinen, in Wahrheit beträgt sie im Mittelteil auf dieser Seite im Durchschnitt 38° (gemessen im TIRIS) mit Passagen gut über 40°.

beste Schneeverhältnisse

Bis zur Milderaunalm genossen wir die Abfahrt zwischen schwerem Altschnee auf der Sonne zugewandten Hängen – Firn war noch keiner gebildet – und im schattigen Wald wieder unter lockerem Schnee.

 

 

Ab der Alm überwiegten fauler firnähnlich körniger Altschnee und auf der Rodelbahn feste Oberflächen. Einige Hundert Meter mußten wir die Schi schultern, kaum der Rede wert.

Panorama Südabfahrt Brennerspitze

Gesamt benötigten wir 5:50 Stunden für die lange Schitour. Die Strecke beträgt 6,2 km und der Aufstieg 1.720 m.

Mils, 13.03.2021

Schitour Eningkopf, 2.183 m

Im Hochwinter bietet die Schitour auf den Eningkopf ein kurzes spritziges Aufstiegsvergnügen im oberen Teil nach dem Verlassen des Sandestales mit Sonne auf den wesentlichen Aufstiegs- und Abfahrtshängen.

Ausblick über das Gschnitztal mit den tollen Tourenzielen von Trins aus

Mit einem Aufstieg von gute 900 Hm eignet sich die Tour als Halbtagsvergnügen – abgesehen von der langen und malerischen Anreise durch das gesamte Gschnitztal – sowie zum Ausweichen bei erheblicher Lawinengefahr. Die Hangneigung erreicht im steilsten Stück gerade nicht 35° und erstreckt sich über etwa 30 Hm.

Andrea mit dem Panorama von Kalkwand bis Kirchdachspitze

Mit entsprechender Routenwahl kann dieses kurze Stück entschärft werden. Bei unserer Begehung passierten wir im oberen Teil, etwa 100 m unterhalb der Grathöhe, kleine Rutschungen bis zum Grund entstanden durch das im heurigen Winter so ausgeprägte Altschneeproblem.

am Sandestalweg vor der nächsten Geländestufe

Entlang der Straße nach dem Gasthaus Feuerstein – der Parkplatz dient im Winter als Langlaufpiste und ist nicht geräumt – quetschten wir uns noch in eine etwas ausgeschobene Nische abseits der Straße zur Laponesalm. Die Parkmöglichkeiten vor dem Gasthaus Feuerstein waren bereits ausgeschöpft.

nach der Abzweigung, im Hintergrund Gschnitzer und Pflerscher Tribulaun

Wir nahmen die Abkürzung durch den Wald, direkt am Bauernhof neben der Straße aufsteigend. Durch die relativ unergiebigen Schneefälle bis Mitte Jänner sollte sich diese kleine Abkürzung zeitlich kaum rentieren, denn über zahlreiche Stellen war das Weiterkommen nicht besonders rasch möglich, kurzum es lag wehr wenig Schnee im Wald und die Schleife am fahrbaren Sandestalweg wäre keine langsamere Variante gewesen.

Aufstieg in das Almgelände

Etwa 100 Hm höher erreichten wir den Sandestalweg annähernde gleichzeitig mit der Gruppe, die etwa zeitgleich mit uns den Parkplatz verlassen hat. Über die letzten Meter mußten wir aufgrund der Steilheit und der Baumreste, die über die Wegkante geschoben wurden und uns zu schaffen machten, die Schi ablegen und tief einsinkend stapfen.

Sonne im Jänner um 10:20 Uhr

Am Sandestalweg kann die tolle Landschaft während dem Aufstieg genossen werden, wobei der Rückblick talauswärts immer unweigerlich an dem eindrucksvollen Koloss der Kirchdachspitze hängen bleibt.

Aufstieg zum Eningkopf in toller Kulisse

Zuvor beim Rückblick beeindrucken aber auch die Kletterberge Kalkwand und Ilmspitze, die gegenüber im Tal selbst im Jänner bereits vor neun Uhr unter Sonnenlicht in Weiß erstrahlen und die über die gesamte Drehung des Weges nach Süden eingesehen werden können, fast bis Vordersandes.

bald wechselt die Route auf die rechte Muldenseite

Vorbei am kleinen Jagdhüttchen auf der Freifläche, an der kurzzeitig vom Weg abgewichen wird, führt der Weg taleinwärts und gibt den schwindenden Blick auf die Kirchdachspitze zugunsten der Frontalansicht der beiden hohen Tribulaune, mit ihren mächtigen Nordflanken frei.

im rechten Teil des Hangs

Dem Weg wird noch über zwei Kehren gefolgt, oder diese auf direktem Anstieg abgekürzt, bevor nach 450 m die Abzweigung auf die herabziehende Flanke erreicht wird. Im Gelände ist sie eindeutig sichtbar und sie führte uns über eine Kehre zum Almgelände mit einem Almgebäudes unterhalb der Aufstiegsroute und einem verfallenen jenseits des Bachs, der auch des Winters im Gelände erkennbar ist.

mittelsteiler Aufstieg unterhalb des felsigen Kopfes

Muldenförmig zieht das ansprechende Gelände der Alm in mäßiger Steigung im unteren Teil auf die Einsattelung zwischen Gargglerin und Eningkopf empor. In der Mulde tauchten wir in die Sonne ein und im Südhang änderte sich auch die Schneekonsistenz, unter einem dünnen Harschdeckel jedoch noch locker und weich, merkbar.

im unteren Teil der Steilstufe; rechts oben die kleinen Rutschungen

Die Route zieht im rechten Teil der Mulde hinauf, das Gelände bildet einen netten Aufstieg zwischen kleineren Felsblöcken und wenigen Bäumchen hindurch. Der felsige Kopf mitten im Gelände wird rechts (östlich) umgangen womit in den steileren Teil der Tour eingestiegen wird.

Rückblick auf das Gelände

Der steile untere Teil erstreckt sich bis über den felsigen Kopf, etwa über 50 Hm bevor er in Blockgelände oberhalb wieder abflacht und sich zur Grathöhe hin ein zweites Mal etwas steiler ausbildet. Beide Teile können mit günstiger Routenwahl für größtmögliche Sicherheit begangen werden. Im unteren Teil traten die Rutschungen auf, allerdings östlich von der Spur entfernt.

oberhalb der unteren Steilstufe

Gegen den Grat hin flacht das Gelände leicht ab, am Ankunftspunkt am Grat findet man eine seichte Grube vor, die sich für ein Schidepot eignet.
Über den felsigen Grat kann der Eningkopf bestiegen werden, über 180 m Gratlänge und mit etwa 50 Hm, welches wir aufgrund fehlenden Erlebnisgewinns unterließen und offenbar alle Tourengeher der letzten Tage auch, wie wir anhand der fehlenden Spuren feststellen konnten. Gipfelkreuz trägt der Eningkopf keines.

das obere steile Stück

Stattdessen folgten wir den Spuren unserer Vorgänger auf den Sattel Richtung Gargglerin soweit die Sonne ihn beleuchtete und richteten dort unseren Rastplatz ein. Die orographisch rechte Seite des Almgeländes wird durch die Abdeckung durch die Gargglerin weniger lang beleuchtet und stellt damit auch die besser geeignete für die Abfahrt dar. Und wir sollten dort auch Lockerschnee vorfinden.

dem Grat nahe; im Hintergrund rechts der Aufstieg zum Eningkopf

Trotz der Abdeckung der Sicht durch die Gargglerin genießt man von diesem Rastplatz aus eine tolle Sicht auf die Umgebung. Im Nordosten befinden sich die sagenhaft schönen Touren auf die Hammerspitze, etwas verdeckt durch ihre Gratfelsen, und auf den gut sichtbaren Padasterkogel sowie auf die Peilspitze.

Ausblick über das Gschnitztal mit den tollen Tourenzielen von Trins aus

Gen Südwesten wird als erstes Ziel in der Kette das Gstreinjöchl erblickt. Auf dieses führt eine bärige Frühjahrstour von Hintertrenns aus. Anschließend, weiter im Süden prangt der kolossale Gschnitzer Tribulaun, auf den wir im Vorjahr eine rassige Schitour unternahmen, leider bei mäßigem bis schlechten Wetter.

Herwig und Andrea am Rastplatz

Im Norden gegenüber bietet sich die Frontalansicht auf den Habicht, ein Ziel das unbedingt erstiegen werden muß. Hierzu werden optimale Bedingungen benötigt, man muß sie erwischen.

Habicht Südanstieg im Norden

Die Abfahrt vom Eningkopf, bzw. von unserem Rastplatz am Grat führte uns zunächst unterhalb alter Schneemäuler knapp unter dem Grat und einer mittelbreiten Rutschung durch das Altschneeproblem. Wir befuhren die Strecke einzeln bis zu einem sicheren Punkt danach.

Abfahrt vom Grat; links oben das Gleitschneemaul

Von dort hatten wir eine lange Strecke Lockerschnee mit tollem Abfahrtserlebnis über gestuftes Gelände, steiler als auf der Aufstiegsseite. Dies muß bei entsprechender Lawinensituation beachtet werden.

da macht die Abfahrt Freude

Weiter unten flacht das Gelände ab und im selben Maß nahm der Harschdeckel zu. Es wurde bis zum verfallenen Almgebäude hinab schwieriger zu drehen.

im steileren Teil der Abfahrt; Aufstieg im Rückblick mit weiteren Tourengehern

Anschließend Gelangten wir in wieder steileres Gelände mit mitteldichtem Strauchbewuchs durch das die Abfahrt mit Anstrengung auf den Sandestalweg einen netten Abschluß bildete.

im flacheren Teil vor der Almhütte

Zurück zum Parkplatz bleibt der Abfahrt am Weg keine Alternative. Eine Einkehr im Gasthaus Feuerstein schließt Touren im hinteren Gschnitztal immer würdig ab.

Abfahrt vom Eningkopf – bereits der Alm nahe

Gesamt benötigten wir 3:50 Stunden für die kurze Schitour. Die Strecke beträgt 6,2 km und der Aufstieg 920 m.

Mils, 15.01.2022

Schitour Schaflegerkogel, 2.405 m – Abfahrt ins Senderstal

Ein noch schlecht ausgeprägter Winter 2021/22 läßt die Lust auf größere Schitouren nicht so richtig aufkommen, somit eine prädestinierte Gelegenheit unvollendete Touren zu beenden und eine solche besteht bei der Schitour Schaflegerkogel aus dem Fotschertal.

Schaflegerkogel, 2.407 m

Zweimal hatten wir schon auf diesen unspektakulären Gipfel angesetzt, einmal zwang uns ein familiärer Notruf – der sich zum Glück später nicht prekär entwickelte -, ein andermal ein massiver Schlechtwettereinbruch zur Umkehr. Weil der alte Mensch so erzogen wurde, daß er Angefangenes vollendet, mußte der Gipfel fallen und wäre fast ein drittes Mal gescheitert.

Trotz der dem Verfasser privat und undeutlich ergangenen Warnung, daß im Fotschertal ein Aufsteigen nur unter Tragen der Schi möglich sei, startete er das Vorhaben vom Parkplatz Eisbrücke im Alleingang. Zunächst erfolgte der Aufstieg über die Freifläche, anschließend am Rand des schneegeräumten Fotschertalweges, der über dessen gesamte Breite und darüber hinaus abgeschoben war, direkt zwischen Bach und den schotterbedeckten Räumhaufen.

Dies funktionierte unter Akzeptanz des manchmal grenzwertigen Materials unter den Fellen bis zum Abzweig zur Sattelalm einigermaßen bequem, dann war ein Weiterkommen nur zu Fuß möglich. Knapp 400 m nach der Abzweigung folgte aufgrund der Aussichten ein schneller Entschluss die Betonbrücke (1.275 m) über den Fotscherbach zu benutzen, um den Forstweg auf der gegenüberliegenden Talseite zu benutzen. Die andere Talseite trägt den unvergesslichen Namen Fluigenalm.

Alternativaufstieg im Fotschertal auf der gegenüberliegenden Bachseite

Natürlich war der Forstweg unbekannt und nach der anfänglichen Freude, dieser führe ebenfalls zum Bergheim, folgte nach einem Kilometer die Enttäuschung, als dieser mitten in einer abgeholzten Waldfläche endete und nur ein schmaler Pfad weiterführte, der jedoch dermaßen wild begann, daß die Frage aufkeimte, ob es sich wirklich um einen Pfad handle.

Rasch entschlossen das herauszufinden ging es in den Murengraben hinab und jenseits wieder hinauf auf die mit genügend Tierspuren markierten Pfad in schmaler Lichtung. So wurden etwa 400 m zurückgelegt bevor ein neuerliches Forstgebiet erreicht wurde und anschließend auch noch ein Stacheldrahtzaun mit durch Rundholz abgesperrtem Durchlass, der aber am Rundholz gut überstiegen werden konnte. Knapp danach – die Karte spricht vom Gebiet der Söldenalm – begann ein unberührter Forstweg bis zur Abzweigung zur Almindalm, also knapp vor dem Gh. Bergheim.
Ein Leben auf der anderen Seite des Fotscherbaches ist also möglich, allerdings ein rustikales.

Baustelle beim ehemaligen Gasthof Bergheim

Der Anblick des Weges zum Bergheim ernüchterte abermals, denn auch dieser befand sich in ausgezeichnet geräumtem Zustand, mit etwa 25 cm Eisfläche oder -breite zum Aufstieg links und rechts der Fahrspuren.
Nun gut, es sollte auf der Rodelbahn nach dem Bergheim ja Besserung zu erwarten sein…

eine der halbwegs akzeptablen Schneesituationen am Almweg nach der Kehre

Um die Sache abzukürzen sei erwähnt, daß am Weg zur Potsdamer Hütte (ab 28.12.2021 geöffnet) auch nach dem abgerissenen Gh. Bergheim und der momentan in Bau befindlichen Neuerrichtung eines Gebäudes kein Makel an der Schneeräumung zu finden war.
Leider entbehrte der Einstieg am Sommerweg zur Furggesalm entsprechender Schneeauflage, welcher zur Einsicht führte den längeren Almenweg zu nehmen, und der Wunsch keimte auf er würde wohl bald unter Schnee gut zu begehen sein.

Abzweig zur Potsdamer Hütte

Erneut ist zugunsten der Lesefreudigkeit dieses Beitrages an dieser Stelle vorwegzunehmen, daß der Zustand des Weges bis hinauf zur Furggesalm sich keinerlei Besserung hinsichtlich der Schneeräumung erfreute, im Gegenteil, im der Sonne zugewandten Teil nach der Kehre – nach der knapp danach der Weg zur Potsdamerhütte abzweigt – mußten die Schi einige Male über Dutzende Meter Weges geschultert werden, weil auch der schmale Aufstiegsstreifen am Rand entfiel. Dafür tummelten sich auf der Strecke ab der Eisbrücke bis zur obersten Alm beschneekettete kleine grüne Geländeflitzer eifrig der weidmännischen Inspektion sämtlicher Reviere.
So kannte der Verfasser das Fotschertal im Jänner bislang nicht und war geistig bereits im Begriff noch unterhalb der Furggesalm die Tour abzubrechen. Es wäre ein drittes Mal gewesen.

herrliche Ausblicke auf den Talschluß im Fotschertal

An der Furggesalm endete der Schneeräumspuk, wohl aber nur, weil es keine weitere Straße zum Gipfel gibt – so der etwas enttäuscht verärgerte Eindruck nach diesem Spießroutenlauf über annähernd sieben Kilometer Aufstieg. Allerdings versprachen die Unbilden auch völlige Abgeschiedenheit, welche dann für die gesamte weitere Tour auch zutraf.

Blick auf den Schaflegerkogel von der Furggesalm aus

Während des Aufstiegs über die letzten 450 Hm zum Schaflegerkogel konnte das schöne Wetter und die weitgehende Windstille am Aufstieg genossen werden, wohl aber auch einige Gedanken über den Rückweg verschwendet werden, der ja eigentlich über 90% als unfahrbar  eingestuft werden mußte.

hinter den Zirben quert der Hang rechts auf den Buckel hinauf

Der Bergsteiger, mit einiger Routine an vor Ort durch die Notwendigkeit von einzuschlagenden Alternativen trainiert, findet immer einen Weg, auch wenn er einigermaßen radikal wirken mag. Die einzig sinnvolle Alternative bei den Abfahrtsaussichten in der hinteren Fotsch besteht im Talwechsel und der Hoffnung, daß auch noch im äußeren Senderstal die Rodelbahn halbwegs intakt ist.

 

Hohe Villerspitze in Bildmitte

Der Aufstieg auf den Schaflegerkogel bzw. zum Kreuzjöchl am Sommerweg ist durch die Schneestangen auch im Winter gut erkennbar und im Falle dieser Begehung auch an den stets sichtbaren und durch die vom Regen verebneten und durch die fortgeschrittene Schneeumwandlung verkrusteten Schispuren.

 

Zunächst überwiegt die Freude der Zivilisation entkommen zu sein und auf einem weitgehend baumfreien Gelände aufsteigen zu dürfen, welcher auch der regengeplagte harsche Schnee mit seiner charakteristischen Orangenhaut keinen Abbruch tut.

Roter Kogel und das langgezogene Plateau der Schafalm darunter (linke Bildhälfte)

Herrliche Blicke in das hintere Fotschertal mit der Potsdamerhütte auf die Hohe- und die Lüsener Villerspitzen begleiten über einen langen Teil des Aufstiegs. Weiter oben kamen Böen von mäßig kaltem Wind aus Westen auf, die bis zum Gipfel anhielten, nicht aber stärker wurden.

 

Talauswärts das Fotscher Windegg (linke Bildhälfte), rechts davon der Roßkogel

Weiter oben auf der langen Querung zum Gipfelaufbau tritt der Rote Kogel mit der langen und schönen Abfahrt über die Schafalm im Westen richtig ins Blickfeld, sowie auch der Sömen und im Nordwesten das Fotscher Windegg.

Hänge unterhalb des Schaflegerkogels

Die Hangneigung auf diesem Hang bleibt, bei konsequenter Benutzung der Spur um die Schneestangen, stets unter 35° wodurch der Schaflegerkogel einen idealen Berg bei entsprechend angespannter Lawinenlage darstellt. Nur wenige kurze Passagen zwischen 2.200 m und 2.300 m sind über 30° geneigt.

am Schaflegerkogel

Im Gipfelbereich erwarten den Winterbesteiger Stellen von freigelegten Felspartien, sowie auch abgeblasene Stellen im Gratbereich bis zum Gipfel. Dies war bei der Begehung in diesem Bericht nicht ausgeprägt der Fall und störte den Restaufstieg nicht.

Kalkkögel im Osten

Bei Erreichen des Grates tauchen im Osten die famosen Kalkkögel auf, ein prächtiger Anblick mit auch rassigen Schitouren wie beispielsweise auf die Große Ochsenwand oder auf die Schlicker Seespitze. Und getrennt vom Kalk, bereits am Stubai-Kristallin gelegen, die Schitour auf den Gamskogel.

Angerbergkopf im Norden

Anschließend am Kamm selbst befindet sich der Angerbergkopf, der auf einer Schitour von Salfeins über den Breitschwemmkogel einmal das Ziel einer schönen Schitour hätte sein sollen, starker Föhn seine Besteigung jedoch verhindert hat.

links Hohe Villerspitze, rechts Lüsener Villerspitze, nochmals rechts Lüsener Fernerkogel in 11 km Entfernung

Nach dem ersten Rundblick ins hintere Senderstal geschaut fand der Verfasser einen prächtigen Abfahrtshang vor und freute sich, daß die Variante dieser Abfahrt klappen kann. Schnell den Transfer von Grinzens zurück zur Eisbrücke organisiert, abgefellt und kurz gestärkt wurde die Abfahrt angetreten.

der Schafkogel im Süden verdeckt das Schwarzhorn; das kleine Spitzl rechts hinter dem Grat ist die Höhe Schöne

Wieder vorweggenommen sei – nicht überraschend – erwähnt, daß ähnliche Schneeverhältnisse wir beim Aufstieg mit etwas weniger Bruchharsch im unteren Teil, kein besonderes Abfahrtsvergnügen darstellten, aber auch nicht zum Jammern schlecht war.

Abfahrt ins hintere Senderstal

Auch bei der Abfahrt bleibt die Hangneigung zwischen den o. g. Werten, wenn die flachen Teile im Hang gewählt werden. Auf einer Höhe von 2.000 m beginnt die Talausfahrt, den Hang querend, zuletzt auf einem mittelbreiten Rücken, der im lichten Föhrenwald endet.

Rückblick auf den Schaflegerkogel

Zwischen den obersten Föhren hindurch und durch zwei Gräben hindurch gelangt man auf den Hang oberhalb der Talerweiterung mit den beiden Holzbrücken. Die erste der beiden, gleich unterhalb des unbequemen Geländes unterhalb der Staudenbüsche, ermöglich eine Talausfahrt ohne Wiederaufstieg, die untere bedingt etwa 15 Hm Aufstieg auf den Weg.

etwa bei 2.000 m nördlich gequert

 

 

Über den Weg gelangt man unter Fahrt ohne Anschieben bis zum Wendelinkreuzl gegenüber der Kemater Alm, die am 6. Jänner 2022 wieder ihre Pforten öffnet und zu deren Einkehr bei Michael & Kathrin nur geraten werden kann.

auf der Rippe dahin bis zum Zirbenwaldansatz

Die Rodelbahn präsentierte sich bei der Schiabfahrt aufgrund der Teilvereisung als rechte Anstrengung, führte aber mit zwei drei kurzen Tragestrecken im dichten Wald fast bis zur Freifläche vor dem Talende.

letzter Hang vor dem Tal

Die Schitour auf den Schaflegerkogel erstreckt sich über 1.320 m und für den Anstieg rechne man mit maximal vier Stunden (unter den beschriebenen Schwierigkeiten), für die Gesamtstrecke mit Abfahrt bis Grinzens in Summe sechs Stunden. Die Abfahrt nach Grinzens beträgt etwas mehr als 1.450 m.

Rückblick ins hintere Senderstal

Nachgegoogelt hätte es an Wochentagen sogar eine komfortable Busverbindung mit 12 min Fahrzeit zwischen Pafnitz und der Eisbrücke gegeben, wochenends jedoch nur eine hinab ins Inntal und dann wieder bis Sellrain Ort, 150 Hm unterhalb der Eisbrücke. Zu Fuß geht es über 4,7 km in eineinhalb Stunden auf schmaler Straße unter 170 Hm Aufstieg. Allemal komfortabler sollte es aber mit dem Taxi möglich sein.

Kemater Alm

Nachgegoogelt gibt es so gut wie keine offizielle Information über eine Sperre oder Unbenutzbarkeit des Weges ins Fotschertal, am wenigsten auf der Homepage der Gemeinde Sellrain. Die Suchen nach „Kraftwerk“, (führt zur Startseite der TIWAG) oder „Bauarbeiten“ führen dort ins Leere und rufen zur Präzisierung des Suchbegriffes auf.
Der Parkscheinautomat an der Eisbrücke funktioniert erwartungsgemäß einwandfrei.

Mils, 02.01.2022

Schitour Eggerberg, 2.280 m

Für schnell Entschlossene, an sehr kalten Tagen oder auch bei erhöhter Lawinenwarnstufe bietet sich die Schitour auf den sonnigen Eggerberg an. Ebenso auf die Nebengipfel Nösslachjoch oder den Leitnerberg.
Die Tourenhänge können vom Autobahnparkplatz Nösslach aus rasch erreicht werden und die Parkplatznot ist kleiner als vom klassischen Anstieg von Vinaders aus, deren Startpunkt auch etwa 80 m tiefer liegt als der Autobahnparkplatz Nösslach.

Eggerberg, 2.280 m, Blick nach Südosten in die Tuxer Alpen und das Schmirntal

Vom Parkplatz aus kann man entweder gleich links neben der Autobahnabfahrt losmarschieren, oder man trägt die Schi entlang der Abfahrt und überquert noch die Straße zum Feld, in dem es geradewegs auf die Waldgrenze zu geht und spart somit einmal Schi ablegen.

Hang zum Waldrand nach der Autobahnausfahrt Nösslach

Ein großer Bauernhof wird links liegen gelassen und das Gelände steilt etwas auf. Oben wird eine Dorfstraße erreicht, der man etwa 200 m folgt, bevor etwa 50 m vor einer kleinen  Kapelle rechts – mit  Wegweiser nach ein paar Metern – auf den Waldweg zur Nösslachhütte abgezweigt wird.

Rückblick auf den Autobahnparkplatz Nösslach

Der Weg führt zunächst recht steil bergan und nach etwa 50 Hm zweigt man links über ein schmales Bächlein ab zur Nösslachhütte ab. Nach der talseitigen Freifläche – mit schönem Blick über die Nösslacher Hänge und auf das gegenüberliegende Schmirntal – wird der Wald erreicht und der Weg etwas flacher.

Abzweig zur Nösslachhütte, links unten die kleine Kapelle

Nach einer erneuten Freifläche im Wald betritt man tieferen Wald der bis zur Freifläche der  Nösslachhütte führt. Vor der Hütte kann bereits weiter aufgestiegen werden und der charakteristische lichtreiche Lärchenwald wird betreten. Dieser ist im Aufstieg ein besonderes Erlebnis, da die Tour spätestens dort unter voller Sonnenbestrahlung fortgesetzt wird.

ein Bachl wird überquert

Bei der recht beliebten Schitour kann man getrost den sicher vorhandenen Spuren folgen und sollte man das Glück haben nach Neuschnee als erster spuren zu dürfen, orientiert man sich an den zahlreichen und gut sichtbaren Markierungen auf den Lärchen.

malerische Stadel im Aufstieg

Falsch kann man im Aufstieg nichts machen, die Route ist mit der direkten Steiglinie ident und sollte man zeitweise keine Markierung sehen, sie tauchen im lichteren Teil oben bei den Heustadeln mit Sicherheit wieder auf.

Rückblick auf den Startpunkt und die schönen Nösslacher Wiesen

Für ein leichtes und lehrreiches Sommerprogramm kann der Bergwerksweg empfohlen werden, von dem auf Schildern der bis in die 50er Jahre Steinkohle abgebaut wurde (die geologischen Verhältnisse der Karbonzeit (~300 Mioa.) haben zur Bildung von Steinkohle geführt die mit der Aufschiebung der Steinacher Decke auf den Nösslacher Mähdern zu liegen kam. Auf etwa 1800 m kommt man bei entsprechender Routenwahl am Friedrichstollen vorbei (Bild Steinkohle in Bildergalerie).

an der Nösslachhütte angelangt – nach rechts oben geht es weiter

Bei der Bildung der Steinacher Decke entstanden auch Konglomeratgesteine turbidischen Ursprungs, die Jahrhunderte lang als Mühlsteine für die so häufigen Mühlen im Wipptal und den Seitentälern verwendet wurden. In einer Kehre am Bergwerksweg kann man alte Mühlsteine besichtigen, die eventuell bei der Abfahrt auch im Winter ins Auge fallen.

Blick auf den kühnen Spitz des Wolfendorns – eine rassige Schitour

Etwa 100 Hm oberhalb des Portals des Stollens befinden sich die beiden obersten malerischen Heustadel im Wald (1.900 m) – wovon eine bereits verfallen ist – bevor die Route über Buschwerk an die Baumgrenze führt und dabei einen großen Linksbogen beschreibt.

Portal des Friedrichstollens auf 1.818 m

Auf 2.050 m endet der Linksbogen gerade da, wo die letzten stämmigen kleinen Fichten situiert sind und links unterhalb Buschwerk zu sehen ist. Das ist die Stelle an der man zum Eggerberg links weiter ansteigt und zum Nösslachjoch gerade in direkter Hangrichtung aufsteigt. Ab dort gibt es dem Aufstieg entlang kaum mehr einen Baum und es entsteht das Gefühl man wäre in der Tundra unterwegs. Es handelt sich hierbei um alpine Zwergstrauchheiden im unteren Teil der Kammhöhe und im oberen Teil, sowie am Kamm direkt um alpine Grasheiden.

bäriges Gelände mit mäßiger Neigung

Nach einigen Minuten tritt die Schihütte (2.090 m) mitten im rechts flachen Hang ins Auge und wird links liegen gelassen, um die restlichen 190 Hm in direkter Linie zum Eggerberg anzusteigen.

Aufstieg zur Baumgrenze

Bei der hier beschriebenen Begehung wehte kräftiger Nordföhn, sodaß der Aufstieg erst gegen den flachen Gipfelaufbau hin an der Kammhöhe gewählt wurde, um etwas Windschatten auszunützen.

bereits links abgezweigt und unterwegs auf alpinen Zwergstrauchheiden (des Winters nicht erkennbar) zum Eggerberg in der Ferne

Meist sind die flachen Brennerberge mit Wind zu begehen und ohne wirkliche Windschatten durch Felsen oder Geländeformen. Im Süden des Gipfels ließ sich die Gipfelpause jedoch einigermaßen gut aushalten.

der Eggerberg rückt näher

Der Kamm präsentiert sich auch meist recht abgeweht, oder mit erheblichen Windgangln, die bei der Abfahrt für Verrenkungen sorgen. Dafür entschädigt der weitreichende Rundumblick auf Stubaier, Zillertaler – hier die rassigen Touren des Wolfendorns und des Kraxentragers – und die Tuxer Alpen.

Blick auf die westlichen Zillertaler Alpen mit dem Wolfendorn in Bildmitte und links dem Kraxentrager

Im Kamm können weitere Schitouren unternommen werden, beispielsweise auf den Leitnerberg von Trins (demnächst hier am Blog verfügbar), oder von Obernberg aus auf die Rötenspitze und den Muttenkopf.

der Leitnerberg jenseits des Sattels voraus, in der Ferne der Pflerscher Tribulaun

Die Abfahrt erfolgt entlang des Aufstiegs und auf den weiten Hängen findet man jede Menge Raum für seine eigene Spur.

Route Schitour Eggerberg von Nösslach

Die kurze leichte Schitour über 5,7 km Strecke erforderte genau 3:30 Stunden bei einem Gesamtanstieg von 950 m. Zur Einkehr hat die Nösslachhütte meist geöffnet.

Mils, 19.12.2021

Schitour Sattelberg, 2.114 m

Wer kennt den berühmten Schitourenberg an der Landesgrenze zwischen Nord- und Südtirol nicht, den Sattelberg? Meist mit viel Südföhn über die Einsattelung des Brenners ausgestattet, aber als leichte Ausweichtour beliebt bei Jung und Alt. Als Ausweichtour dann, wenn Wetter, Zeit oder die Lawinensituation es erfordern oder erzwingen.

Schitour Sattelberg, 2.115 m

Als Vormittags- oder auch als Nachmittagstour erfreut sich der Sattelberg ungebrochener Beliebtheit und auch bei all jenen, die sich nicht ins Gelände trauen, keine Erfahrung oder Ausbildung über Lawinensituationen haben. Viele benutzen ihn als Trainingsberg.

im Aufstieg etwa eine Viertelstunde nach dem Parkplatz

Die ehemaligen Schihänge (die Lifte wurden 2006 demontiert) werden vom Wirt der Sattelbergalm mit dem Pistengerät präpariert, sodaß man sagen kann, es handelt sich bei der Schitour auf den Sattelberg um eine Pistentour. Mit knapp über 900 Hm und einer durchschnittlichen Neigung von 13° ideal für Schitourenanfänger.

lebender Christbaum an der Engstelle unterhalb dem Roßboden

Unter der Autobahnbrücke in Gries am Brenner wurde ein großer Tourenparkplatz (3.- für fünf Stunden, humane 4.- für den Tag) errichtet, von dem direkt neben dem Auto die Piste betreten wird, bequemer geht es nicht.

Die beiden Bauernhäuser am Hang läßt man im Aufstieg links liegen und steigt gegen Süden über die Piste zur Sattelbergalm auf, vorwiegend auf der rechten Pistenseite.

am Zielhaus zu Beginn des steileren Teils, links neben dem Zielhaus die etwas flachere Umgehung

Im oberen Teil wechselt der eingefleischte Sattelbergspezialist auf einer leichten Querrippe durch die Piste auf deren linke Seite und passiert eine Heuhütte und zwei Hochspannungsmasten. Kurz darauf, auf sehr flachem Gelände, trifft man an der Sattelbergalm ein.

Rückblick auf die Sattelbergalm

Der steilere Teil beginnt rechts, südwestlich der Sattelbergalm am Hang des ehemaligen Schleppliftes auf den Sattelberg. Vorbei am Zielhaus des Schiclubs Gries führt die flachere Variante über eine Kehre zurück zur breiten Piste, die sich weit hinaufzieht.

traumhafter Blick auf die Schitourenziel im Südosten, alle hier am Blog beschrieben

Bereits etwa in der Hälfte des Aufstiegs kann man das Gipfelkreuz sehen.

am langen Aufstieg bis zur Baumgrenze

An der Baumgrenze schwenkt man dann nach links hinüber und quert einen steileren Hang, der Aufstieg geradeaus ist genauso möglich.

knapp unterhalb der Baumgrenze – das Gipfelkreuz schon länger in Sicht

Oberhalb der Querung wird das Gelände flacher und bald wieder etwas steiler gegen den Gipfel zu.

den Weihnachtsurlaub gerade begonnen, da lacht das Herz

Am Gipfel herrschte bei unserer Tour nur ein leichtes Lüftl, ganz untypisch für den Sattelberg. Zum Greifen nahe auf der gegenüberliegenden Seite der Brennergegend liegen Wolfendorn und Kraxentrager, die jeweils mit einer rassigen Schitour bestiegen werden.

Etwa 150 m unterhalb des Gipfels des Sattelbergs

Gut 20 m südlich des Gipfelkreuzes passiert man nach Süden die Landesgrenze. Der geodätische Gipfel des Sattelbergs befindet sich 60 m südwestlich und ist 10 m höher als der Standort des Gipfelkreuzes.

Sattelberg – Gipfel in Sicht

Im Norden liegt ein weiterer Kamm der Steinacher Decke, der ebenfalls charakteristisch sanft geformt ist und ähnlich leichte Schitourenziele trägt, wenn auch nicht als Pistentouren, so doch auch hochfrequentiert und mit dem Vorzug des ständig beschienenen Südhanges, beispielsweise der Eggerberg.

letzte steilere Meter zum Gipfelkreuz mit dem Wipptal im Hintergrund

Etwa 150 m südwestlich des Gipfelkreuzes befindet sich etwa 25 m tiefer das östlichste Gebäude der „Linea Badoglio“, einer Verteidigungsanlage, die Italien in den Jahren 1934 bis 1936 erbaut hat und die sich als Fehlprojekt erwiesen hat, indem der Brennerpaß im darauffolgenden Krieg keinerlei strategische Bedeutung hatte.

die Gruppe am Sattelberg

Erneutes Aufsehen erregte 2011 der Plan in Südtirol den Grenzkamm mit etwa 20 Windrädern mit jeweils 70 m Rotordurchmesser und 60 m Nabenhöhe auszustatten, die eine Jahresproduktion von etwa 100 GWh hätten erbringen sollen. Nicht zuletzt alpinen Vereinen ist es zu verdanken, daß von dem Vorhaben Abstand genommen wurde.

auf zur Abfahrt

Der Sattelberg, ein aufgrund seines weichen Gesteins wohlgeformter Kogel – so könnte man behaupten -, wider Willen zum Grenzberg geworden und auch ein vom Jochwind geprägter, scheint also geschichtlich sowie neuzeitlich kein gewöhnlicher Berg zu sein, so wie er offenbar auch auf all jene wirkt die ihn ständig besteigen und ihn wohl deshalb lieben. Vor allem seine Freunde im nördlichen Landesteil, so kann im Tourengespräch festgestellt werden, lassen sich seiner nicht berauben oder ihn zum Instrument irgendwelcher menschlich kurzweiliger Ideen verkommen, sie halten ihm, ihrem Kultberg, die Treue.

Gipfelkreuz Sattelberg von Norden

Eine Beschreibung der Abfahrt ist müßig, als „Pistenberg“ erklärt sich die Abfahrt selbst. Man nehme nach Neuschnee aber nicht unbedingt die dem Gipfelkreuz direkt nördlich vorgelagerte steilere Flanke, da sie mit heimtückischem Triebschnee im Lee einer Wächte aufwarten kann, das schon einmal ein Unglück verursacht hat. Alle anderen Möglichkeiten sind zum größten Teil unkritisch.

Schitour Sattelberg

Der Aufstieg auf den Sattelberg mit Tourennovizen mag durchaus knapp an drei Stunden in Anspruch nehmen, in gut zwei Stunden geht es mit Normaltempo auch und die Profis unterbieten dies deutlich. Die Strecke beträgt 4,2 km und man vergesse nicht bei Luis & Angie auf der gemütlichen Sattelbergalm einzukehren.

Mils, 26.12.2021

Schitour Gstreinjöchl, 2.520 m

Keine Gipfeltour und keine bekannte Schitour unternimmt man bei der eher kurzen und reizvollen Schitour auf das Gstreinjöchl. Sie besticht durch den Steilhang im Mittelteil, der beeindruckenden Nachbarschaft der Tribulaune und des Muttenkopfs. Das Jöchl selber wird gar nicht betreten, die Tour endet etwa 200 m vorher auf einem Felskopf, der sich im Frühjahr, ausgeapert, bestens zur Gipfelrast eignet und den Logenplatz vor dem Gschnitzer Tribulaun darstellt, hinter dessen rundlichem Gipfelrücken das bizarr aufragende Gipfelspitzl des Pflerscher Bruders hervorragt.

„the view“ – Gschnitzer Tribulaun vom Gstreinjöchl

Mit knapp über elfhundert Meter ist die Schitour eine eher kurze und ihr Reiz dürfte im Frühjahr größer sein als im Hochwinter, allenfalls aus Sicht der Sicherheit auf dem Mittelteil, der mit gut über 40° auch entsprechende Verhältnisse voraussetzt.
Abseits von den klassischen Touren im Obernbergtal wird mit der Inneren Wildgrube ein phantastisches und einsames Gebiet im nordöstlichen Ausläufer des Tribulaunkammes.
Die Hänge, vielmehr die Rinnen und Rippen, die den gesamten Hang bis zum tiefsten Talkessel durchziehen, bieten ein nicht alltägliches Abfahrtsabenteuer und deren oberste Ansätze könnten vom Freak als Halfpipe beschrieben werden.

Hintertrenns und die Schwarze Wand Spitze von Obernbarg aus

Am gewaltigen Schwemmfächer wird über die im Frühjahr verbleibenden Schneefelder gegen das Tal nach Hintertrenns angestiegen, wobei die beste Route, wie wir beim Ansteuern der Richtung zur Kapelle beim Waldbauern erkennen mußten, das weite Bachbett darstellt, und hier der äußerst linke Uferbereich, der mit einer kleinen Böschung gegen Ausapern geschützt ist. Weiter drin, bereits im engen Tal, erfolgt dann die Querung des Bachs auf dessen Nordseite und dem ausgeschnittenen Sommerweg wird gefolgt.

der schöne Hang vom Gstreinjöchl herab nahe dem Talschluß in Hintertrenns

Auf einem schwach ausgeprägten Sattel mit Wegweiser kann der weitere Aufstieg über die Schuttreise bis hinauf zu den gewaltigen Hauptdolomitfelsen eingesehen werden.

am Sommerweg auf das Gstreinjöchl

Über diesen Hang führt der Sommerweg und er wird mittels Spitzkehren bis zu den aufragenden Wänden über seine beeindruckenden 350 Hm aufgestiegen.

Aufstieg zur Inneren Wildgrube

Zwischendurch überquert man die im Frühjahr unvermeidlichen Nassschneelawinenreste, die bei unserer Begehung bereits viele Tag alt und leicht zu überqueren sich erwiesen.

unterer Teil des Aufstiegs – Blick ins Obernbergtal; unten eilen Martin und Chris heran

Kurz vor den Felsen zweigt der Sommerweg etwas westlich der Rinne an, auf die es Chris abgesehen hatte. Er und Martin hatten uns im Aufstieg über den langen Hang eingeholt und übernahmen nun die Führung.

das Gelände wird steiler

Dem Sommerweg kann im Aufstieg mit Harscheisen ebenfalls gefolgt werden, er zieht westlich über die linke Rippe fort und wird erst weiter oben, nach der Steilstufe, wieder sichtbar. Zwei andere Tourengeher nahmen diese Variante und verschwenden hinter der Rippe linkerhand.

die steile Rinne fast erreicht

Chris steuerte zielsicher die steile Rinne zwischen Fels und Rippe an, aus der Lawinenreste, nun deutlicher ausgeprägt und jünger, unseren Aufstieg mittel Stapfen notwendig machten.
Am unteren Rand der Lawinenreste verstauten wir die Schi am Rucksack und stiegen in der Rinne auf.

Stapfstrecke erreicht – ab hier ohne Schi weiter

Nach schätzungsweise 80 Hm wird ein kleines aperes Band erreicht, das auffallend flach zur Rechten auf einen flacheren Bereich des Hanges über den Felsen hinauszieht. Die Stelle befindet sich weit unterhalb des Sommerweges, der in einem weiten Bogen darüber nach rechts hinaufzieht und von unserem Aufstieg aus nicht sichtbar war.

dies ist der steilste Teil mit etwa 43° Hangneigung; die Strecke ist nicht lange

Wir nahmen nun das bereits leicht ausgeaperte Querband auf den nächsten Hangteil, der über eine Steilstelle auf die Rippe erreicht wurde. Nach etwa weiteren 20 Hm konnten wir im Flacheren wieder die Schi anlegen und in der erquickenden Morgensonne weiter aufsteigen, wobei wir wieder mit den beiden anderen Tourengeher zusammentrafen.

Querung am Band

Etwa nach einer Viertelstunde war das untere, südwestliche Ende der Inneren Wildgrube erreicht und der Blick mindestens eine Trinkpause wert.

Rückblick auf den steilen Aufstieg

Bei Betrachtung des Übergangs von der Nordostecke der Inneren Wildgrube auf den Muttenkopf keimte gleich der Gedanke an einer möglichen Überschreitung auf, wobei die Westflanke des Muttenkopfs schon sehr steil ausschaut und vielleicht einmal im Sommer erkundet werden soll.

welch Kulisse!

Ein prachtvoller Hang stellt sich am Rastpunkt als Begrenzung der Inneren Wildgrube gen Westen entgegen und dieser bildet die nächste Etappe, bevor es unterhalb des Grates auf das Gstreinjöchl zu geht.

eine kurze Trinkpause mit dem Obernberger Tribulaun im Hintergrund

Der Hang, etwa 150 Hm messend, wird in Spitzkehren aus dem Tiefsten der Grube angegangen, somit steigt man zuerst einige Minuten unter moderater Steigung zur nördlichen Begrenzung, in der uns Lawinenreste zur ersten Spitzkehre zwangen.

Aufstieg an der Südwestbegrenzung der Inneren Wildgrube

Steil und schweißtreibend erfolgt der Aufstieg über den völlig im stumpfen Winkel beschienen Hang. Nach ein paar langen Etappen, in denen die Umgebung ausgiebig aufgenommen werden kann, folgen wenige Spitzkehren bis zur Abflachung auf knapp unter 2.400  m und der Grat zum Gstreinjöchl wird sichtbar.

Evi mitten im Hang, oben der Grat bereits sichtbar

Schräg nach Süden geht es von dort unterhalb der Gratköpfe und neben Felstürmchen mit moderater Steigung gegen das Gstreinjöchl weiter.

Rückblick mit Grateinschnitt und der Kirchdachspitze

Ein wunderbarer Blick auf die südöstlich gegenüberliegenden Tribulaune im Obernbergtal und auf den weit dahinter liegenden Tuxer Hauptkamm der Zillertaler kann dabei genossen werden.

sagenhafte Kulisse in Richtung Zillertaler

Bald wird eine Senke erreicht an deren jenseitigem Ende zwei Felsspitzln die in direkter Sichtlinie zur Schwarzen Wand stehen. Diese Felsspitzln stellten unser Ziel dar und sie befinden sich noch knapp 400 m von Gstreinjöchl entfernt. Unser Rastplatz liegt auf 2.550 m, der Jochübergang auf 2.533 m.

Blick gen Süden mit Schwarzer Wand und Endpunkt der Schitour

Über die Senke versuchten wir auf der Bergseite die Höhe zu halten und es ist wahrscheinlich so, daß der Verlust der wenigen Höhenmeter wesentlich geringerer Anstrengung bedurft hätte, aber die innewohnende Übung mußte so kurz vor dem Ziel bewiesen werden.

Versuch der Senke keine Höhenmeter zu schenken; Chris bereits am Ziel

Am Rastplatz muß man feststellen, daß die Aussicht für einen Punkt, der nicht der Gipfelpunkt ist, verblüffend großartig ist.

Endpunkt auf 2.550 m auf das Gstreinjöchl mit Martin und Evi

Da öffnet sich das Becken nach über das Obernbergtal zu den Tuxern und Zillertalern im Südosten und schließt sich gegen Süden mit den gewaltigen Nordwänden des Kleinen und des Obernberger Tribulauns.

Obernbergtal mit Tuxer Hauptkamm dahinter

Der Kessel des Talschlusses bildet enge steile Rinnen auf den flachen Übergang zum Nördlichen Roßlauf bevor der weiße Osthang den bizarren Gipfel der Schwarzen Wand über alle Erhebungen in diesem Kammknoten markiert und der Grat zur Eisenspitze und schließlich zum Gstreinjöchl abfällt.

Schwarze Wand – Nördlicher Roßlauf und links Obernberger Tribulaun

Über dem Jöchl, in der Ferne und scheinbar zum Greifen nahe, prangt der Gschnitzer Tribulaun und, knapp unter seinem Gipfel, am Nordwestgrat, ragt der Gipfelspitz des Pflerscher Tribulaun gegen das Blau des Tages, 540 m höher als unser Rastplatz.

Chris am Rückweg nach der Erkundung der inneren Abfahrtsmöglichkeiten

Mit Glättespitze und Habicht im Nordwesten, dem schönen Grat über die Kalkwand zur Ilmspitze und der imposanten Kirchdachspitze endet das Fenster im Nordosten.

Martin, Evi und Chris am Tourenziel des Gstreinjöchls

Wer genau schaut erkennt exakt im Grateinschnitt zwischen Ilmspitze und Kirchdachspitze den Steingrubenkogel der Kalkkögel in knapp 19 km Entfernung.

Blick von Nordwest bis Nord – Glättespitze, Habicht, Ilmspitze und Kirchdachspitze

Unsere Abfahrt führte uns zunächst etwas nordöstlich auf einen Hang zu, der in einer etwas tiefer gelegenen Rinne mündete, die die beiden Kollegen tags zuvor bereits ausgekundschaftet hatten.

ein stimmungsvoller Blick über die Abfahrt

Und sie taten dies nicht schlecht, sowohl oberer Hang als auch  Rinne erwies sich als ein tolles Abfahrtsabenteuer.

[unkommentiert]

Die durchgehende Steilheit und die Abwechslung zwischen Rippen und Rinnen ist wohl ein Zusammenspiel, das diesen, von Obernberg aus eher unscheinbar wirkenden Hang, eine Höchstnote davontragen läßt.

auf die Rippe zur Rinne

Der Hang wäre geeignet im oberen Teil weitere Querungen taleinwärts zu unternehmen und so weitere Abfahrtsmöglichkeiten zu entdecken. Aber es gibt ja weitere Winter.

Chris eröffnet die Rinne

Wenn man sich bei der Ausfahrt vom Talgrund auf der südlichen Talseite möglichst hoch hält, kann man weit hinaus queren und eine abschließende Abfahrt über einen Lärchenhang bis zum breiten Bachbett erleben.

Martin zwischen Sommer und Winter

Die Querung erfolgt über zwei Lawinenrinnen, die möglicherweise schwer befahrbare Reste enthalten können, die sich bei unserer Ausfahrt aber bereits in weitgehend abgeschmolzenem Zustand befanden.

Blick auf das Obernbergtal

Für den Aufstieg der kurzen und bärigen Frühjahrsschitour haben wir  knapp 3 Stunden benötigt, die gesamte Runde incl. Pausen in 4:10 Stunden bewältigt und einen Gipfelaufenthalt von 35 min verbracht. Der Aufstieg betrug 1.120 m.

und mit Wehmut zum Gstreinjöchl zurückgeblickt

Mils, 25.04.2021