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Mitterkogel, 2.583 m – Überschreitung Nordgrat, Weißstein und Roßkogel

Der kurze und leichte Nordgrat, der sich zwischen Roßkogel und Peiderspitze in das Becken der Inzinger Alm vorschiebt, trägt den Mitterkogel, dessen Besteigung zu einer schönen Runde ausgebaut werden kann, mit dem Weißstein und dem Abstieg über den Roßkogel, zurück zur Inzinger Alm. Die ungerechte Beschreibung der Begehung von Norden im Alpenvereinsführer mag Grund für seinen wenig häufigen – und dem Gipfelbuch nach vorwiegend von ansässigen Kennern – ausgeführten Besuch sein.

Mitterkogel, 2.583 m

Weiters beinhaltet kaum ein klassisch alpines Kartenwerk den Anstieg zu seinem Kreuzgipfel, der auf dem 2.376 m hohen Spitzl extrem weit nördlich des geodätisch richtigen Gipfels entfernt errichtet wurde, das keinen eigenen Gipfel nach der allgemeinen Definition darstellt, und das augenscheinlich keinen offiziellen Zustieg zu besitzen scheint. Beim Vergleich des Kartenwerkes mit der Realität in natura fällt dies besonders auf und zieht die Aufmerksamkeit jedes alpinistisch Interessierten auf sich das Geheimnis zu ergründen.

Mitterkogelgrat von der Straße zur Inzinger Alm gesehen

Wer letzteres unternehmen möchte, findet zunächst keinerlei Literatur über das kleine Spitzl, das am Mitterkogelgrat von hoher Stelle aus gegen die Inzinger Alm blickt und, bei genauer Betrachtung mit dem Glas von unten, zwei Gipfelkreuze trägt. Der AV-Führer enthält darüber keine Aussage, zumindest nicht der alte. Selbst bei der Karten-Recherche auf den Apps des AV oder Outdooractive über Anstiegsmöglichkeiten bedarf es der sogenannten „Pro+ Version“ der App, um auf anderen als den Alpinkartenanbietern zumindest einen Steig zum Kreuzgipfel auszumachen – Kartenanbieter1, die ganz und gar nicht den alpinistischen zugerechnet werden, paradoxerweise aber den Anstieg beinhalten.

das „Spitzl“ als Kreuzgipfel am Mitterkogelgrat

Diese Tatsache beflügelt den Entdeckergeist noch weiter, sowie das Grübeln über diese beschämende Situation, für die der Autor seine Meinung hat, die der eifrige Leser dieses Blogs bereits kennt: „Die Dosis [Verf.: Haftung] macht das Gift“ – wie Paracelsus bereits vor Jahrhunderten erkannte – könnte hier als indirektes Zitat der Situation dienen, welche sich, nach Meinung des Verfassers, als solche heute immer noch in §1319a ABGB aufgearbeitet findet.

Harvey Maps Karte; eine Karte, nicht speziell für alpines Gelände

In der Folge gibt es den Steig somit in englischen und anderen internationalen Karten, nicht aber in heimischen, die heute streng der ursprünglich Theresianischen Ordnung im Gebirge folgen, welche damals nicht für diese Extremität vorgesehen war. Und es gibt ihn gottlob im Herz von Eingeweihten.

im Kessel des Hundstales gegen den Grünerlenhang und den Kreuzgipfel geschaut

Der Anstieg führt vorbei an der Inzinger Alm, hinauf in den aufsteilenden Talkessel des Hundstales. Der Parkplatz auf 1.627 m und darüber hinaus – bei großem Andrang – entlang der Straße ist kostenlos, im Sommer ist die Straße frei benutzbar, sonst herrscht Fahrverbot. Wie überall im Gebirge empfiehlt sich die Erkundung über die Situation vor der Tour, es könnten ja Wetterereignisse die Auffahrt temporär verunmöglicht haben, oder die Aktualität des vorliegenden Berichtes überholt sein.

gewaltiger Abbruch des Mitterkogelgrats mit Gletschermoräne

Nach den Almwiesen, zu Beginn des Grünerlengürtels, quert der Steig den Enterbach und führt über eine Kehre unterhalb des steil abfallenden Fußes des Nordgrates in Richtung der  mittleren Stufe des Hundstales, vorbei am Schafhüttl und unterhalb einer Gletschermoräne mit beachtlich großen Gesteinsblöcken.

Abzweigung des Anstieges zum Kreuzgipfel im Rückblick, rechts das Blockfeld

Die Abzweigung auf den Nordgrat nach dem Erreichen der nächsten Talstufe ist nicht sichtbar vom Steig zum Hundstalsee aus. Knapp neben dem Hundstalbach steigt man gegen die Flachstelle auf und übersieht dabei ein schmales, spitz nach links abzweigendes Steiglein, hinauf auf eine Ansammlung größerer Blöcke, das auch als Gamswechsel durchgehen könnte und nicht sofort als Steig erkannt wird.

Rampe nach rechts ansteigend in horizontaler Bildmitte

Das Blockfeld wird durchquert, oder im Norden umgangen, bevor der schwach sichtbare Steig auf eine Art Rampe nach Süden führt, über die bis zu einer Verschanzung der Jäger aufgestiegen wird. Nach der Verschanzung aus Schieferplatten verschwindet der Steig zunächst bis in den schuttüberzogenen Hang, der nordöstlich in die Ausmuldung zum Kreuzgipfel hin führt. Mitten im Hang findet sich der Steig dann wieder.

Rückblick von der Flachstelle mit der Jägerschanz links

Eine mittelbreite junge Murrinne erschwert den Aufstieg dadurch ein wenig, daß der Steig unterbrochen wird, neue Steigspuren sind spärlich vorhanden und jenseits der Rinne wurde zur Orientierung ein Steinmandl errichtet.

Rückblick nach der Murrinne

In der Folge führt der Steig in die Mulde hinein und – zunächst wieder ohne sichtbaren Steig – auf die Gegenflanke, auf der man weit oben einen Steinmann erkennt, zu dem aufgestiegen wird. Von dort ist der weitere Aufstieg recht logisch nachvollziehbar und bei Durchlässen von deutlichen Steigspuren belegt.

weglos zum nächsten Steinmandl hoch oben

Weiter oben muß auf die Nordseite gewechselt werden, um knapp jenseits aufzusteigen und rechts der Felswand zum Kreuzgipfel wieder auf die Südseite zurückzusteigen und entlang der Felswand die Wiesen des oberen Teils der Mulde zurückzukehren, über die der Aufstieg auf steilen Grasflächen zum Gipfelkreuz erfolgt.

Rückblick vom Steinmann zurück auf den Steig in die Muldenverschneidung

Da es in den Vortagen zur Begehung des Verfassers geregnet hat und die Hangneigung entsprechend groß ist (≥ 40°), sei hier die Empfehlung ausgesprochen, diesen Aufstieg nicht nach Regen am Vortag, oder zu erwartender starker Taubildung zu unternehmen. Gleiches gilt auch für den Aufstieg am Grat zum eigentlichen Gipfel des Mittergrates. Weiters muß man bei der im unteren Teil eher abgedeckten Lage des Aufstiegs im Spätsommer oder Herbst nicht zu früh starten, um eher ins Sonnenlicht einzutauchen.

 

kurz vor dem Wechsel auf die Nordostseite am Grat

Wie oben erwähnt stellt der Punkt an dem die beiden Kreuze errichtet wurden, nicht der eigentliche Mitterkogelgipfel, sondern nur eine Gratspitze, die vom Talboden aus schön sichtbare ist und höchstwahrscheinlich deshalb als Mitterkogel adaptiert wurde. Sie weist als Merkmal für einen eigenständigen Gipfel jedoch keinerlei Schartenhöhe auf und der eigentliche Mitterkogel kann von dort nicht eingesehen werden.

Mitterkogel Kreuzgipfel, 2.376 m

Eine raffinierte und eigenwillige Rohrkonstruktion der Gipfelbuchschachtel schützt das dadurch aufgerollte Gipfelheft wirkungsvoll vor Nässe und das Gipfelbuch zeugt von wenigen Besteigungen übers Jahr, darunter manche, deren Hausrunde der Mittergrat wohl sein dürfte, die mehrmals im Jahr diese Tour unternehmen. Wobei, den reinen Aufstieg zum Gipfelkreuz dürften nur wenige zum Ziel haben, meist wird die folgende Gratüberschreitung zum Ostgrat der Nordöstlichen Sellrainer Berge oder dieselbe Runde angegeben, wie in vorliegendem Bericht beschrieben. Liegt aber auch auf der Hand, wenn man diesen schönen, leichten und einsamen Grat einmal begangen hat.

weiterer Anstieg auf den Mitterkogel; links das nächste Ziel, der Weißstein

Das alte Holzkreuz, ein sogenanntes Patriarchenkreuz – es könnte als ein Wetterkreuz für die darunter liegende Alm gedeutet werden -, wurde nach der Errichtung des neuen Stahlkreuzes nicht entfernt sondern belassen. Zweck und Form wären ansonsten nicht erklärbar.

Rückblick vom Nordgrat auf den Kreuzgipfel

Nun am Grat, der zuerst nur als leicht begehbarer Rücken ausgebildet ist, wird über Wiesenflecke mit eingestreuten Felspartien auf den nächsten Gratbuckel aufgestiegen. Spätestens ab dort gilt die Beschreibung im AV-Führer (Klier, Stubaier Alpen, 8. Auflage 1976) „…Anstieg von Nord weniger schwierig als mühsam und nicht ungefährlich über steile, brüchige Flanken emporführt.“ Wenn Julius Pock 1888 dies so beschrieben und die Beschreibung Vorlage für den Führer war, dann hat er sicher den Anstieg zum Kreuzgipfel mit „nicht ungefährlich über steile Flanken“ gemeint (siehe Empfehlung weiter oben), als „brüchig“ könnte der Verfasser aus seiner Beobachtung jedoch keinen Teil der Route bis zum Auslaufen am Ostgrat bezeichnen. Im Gegenteil, die Gratpartien verlaufen nach dem Kreuzgipfel in festem Amphibolit- und Hornblendefels.

kurze Strecke von Gratspitzln

Am Weg zum Hochpunkt auf den Gratkopf (2.508 m) findet sich ein kurzer Abschnitt mit Gratzacken, die überklettert, oder westseitig umgangen werden können und unmittelbar unterhalb des Hochpunktes ein kurzer Kletterabschnitt in festem Blockwerk.

Rückblick vom Gratkopf zum Kreuzgipfel

Vom Hochpunkt aus reicht der Blick über den gesamten folgenden Grat bis zum Mitterkogel. Nicht, daß man den Grat in seinen Einzelheiten ausmachen könnte, aber dessen gesamten Verlauf mit den schmaleren Partien die das Herz schon höher schlagen lassen.

Anstieg auf den Mitterkogel im Überblick vom Gratkopf aus

Mit einem kurzen Abstieg von etwa 20 bis 30 Hm in die tiefste Einschartung zwischen Gratkopf und Mitterkogel beginnt der zweite Abschnitt der Gratüberschreitung. Der Abstieg führt vorwiegend über Gehgelände, bevor die Gegenseite mit einem schönen Aufstieg im Fels aufwartet. Dieser Abschnitt und die folgenden, relativ flachen schärferen Gratpartien hin zum Gipfelaufbau des Mitterkogels stellen das Highlight der kletterbaren Abschnitte der Überschreitung dar. Leider sind sie viel zu kurz.

Aufstieg zum Mitterkogel von der tiefsten Einschartung aus gesehen: im Vordergrund der tolle Felsaufstieg

Am Aufstieg stellen sich schräge plattig, ebene Felsflächen direkt am Grat entgegen, die genügend Risse für eine leichte Begehung aufweisen. Das Gelände steilt auf und wer am Grat bleibt erlebt einige schöne Partien in mäßig schwieriger Kletterei, bevor ein kleiner grasbewachsener Kopf den nächsten, nun schärferen Teil der Gratverbindung zum Gipfelaufbau einleitet und der in luftiger Kletterei an der Gratschneide begeht, bevor er auf der breite Flanke des nördlichen Gipfelaufbaues abrupt ausklingt.

am schärferen Grat zum Gipfelaufbau des Mitterkogels

Anschließend an diesen schönsten Teil der Überschreitung führt ein auffällig gut ausgetretener Steig auf die Westflanke des Mitterkogels, wohl als Umgehung des Gipfels gedacht. Er wurde nicht weiter verfolgt, da das Ziel ja die Gratüberschreitung zum Mitterkogel darstellte. Daher rechts vom Steig am Grat weiter und über einen auffälligen, wenige Meter mächtigen Einschub eines anderen Gesteins wieder auf die Grathöhe.

Rückblick über den bärigen, scharfen Teil des Grates

Nach ein paar Minuten auf der leicht zu begehenden Grathöhe wird der Gipfelpunkt mit dem Steinmandl sichtbar und auch gleich erreicht. Das Steinmandl stellt die Zier des richtigen Mitterkogels dar und das Gipfelplatzl für die Rast fällt denkbar klein aus. Im Süden vor dem Gipfelaufbau befindet sich eine tiefe Scharte zum nächsten Felskopf mit annähernd gleicher Höhe an der Mitterkogel, dessen westseitig wegbrechende Aufstiegsflanke zuerst optisch abstößt.

Rückblick auf den schönsten Teil der Überschreitung

Die Aussicht am Mitterkogel (2.583 m) gegen Westen zeigt die 1.600 m entfernte Peiderspitze (2.808 m), die in einer schönen, abwechslungsreichen Gratüberschreitung vom Brechten (2.419 m)  im Norden erreicht und mit dem Abstieg über den Ostgrat zu den Koflerspitzen (2.663 m) zu einer traumhaften Runde ausgebaut werden kann. Beide Gratüberschreitungen können mit dem Glas in ihrer Gesamtheit vom Mitterkogel eingesehen werden. Tief unten liegt der Hundstalsee als Überrest glazialer Ausprägung des ehemaligen Seitengletschers im Hundstal.

Aussicht gegen Westen mit Peiderspitze, Ostgrat von den Koflerspitzen und Schlossgrat von Norden

Gegen Südosten beeindruckt der wuchtig, bizarre Aufbau des 600 m entfernten Weißsteins (2.640 m) und der Eckpunkt der hier beschriebenen Rundtour, der Roßkogel (2.647 m) im Osten, in 1.600 m Entfernung, dessen Gipfelkreuz ebenfalls nicht am höchsten Punkt errichtet wurde.

Blick ins „Enge Tal“ und bis zu den Karwendelvorbergen nördlich von Scharnitz

Der Blick über die Koflerspitzen in die Sellrainer Seitentäler und den Dreitausender der zentralen Stubaier ist von Peiderspitze, Weißstein und Roßkogel noch besser, dafür aber die Übersicht über das Tal in der Tiefe und den hinter dem Inntal aufsteilenden Karwendelgipfeln in direkter Linie bis weit über Scharnitz hinaus ein bemerkenswerter.

prekär aussehender Gegenaufstieg auf den schroff abfallenden Gratbuckel im Süden

Der Übergang auf den südlichen Vorkopf konnte problemlos über die brüchigen Stellen ausgeführt werden, natürlich unter eingehender Probe der Festigkeit der Griffe. Die kurze Flanke sieht eher schlimmer aus als sie bei Belastung zeigt.

Mitterkogel vom südlichen Gratbuckel aus gesehen

Auf ihrer Hinterseite führt ein steiler wiesenbewachsener Hang auf eine Flachstelle mit anschließendem Abstieg in einen tiefen Sattel an dem die eher flache Gratverbindung zum Ostgrat der Nördlichen Sellrainer Berge beginnt.

Rückblick auf den Südgrat zum Mitterkogel

Einige Gratköpfchen stehen der direkten Verbindung noch im Weg, die der Verfasser am Hochpunkt überschritten hat. Es wäre aber auch möglich, diese auszulassen und den ostseitigen Steig zu benutzen, der mit weniger Auf und Ab dorthin führt.

der imposante Weißstein im Osten, das nächste Ziel

Am Ostgrat angekommen führt die Rundtour hinab in den weiten Sattel zum Weißstein. Etwas nördlich des bezeichneten Steigs erfolgt der Aufstieg aus dem Sattel zum Einstiegspunkt des Weißsteins, dessen schöne Felsgestalt vollständig aus festem Granodioritgneis gebaut ist.

Weißstein Westflanke von der Einsattelung aus gesehen; zu Beginn des letzten Bilddrittels der Einstieg

Der Aufstieg zum Gipfel wurde mittlerweile durch Markierungen gekennzeichnet, obwohl sich die Route in der AV-Karte nicht eingezeichnet findet. Der Einstieg erfolgt imposant am Fuße einer hohen Wand mit schätzungsweise 65 bis 70° Wandneigung in einen gutgriffigen Riss auf ein Wiesenband etwa 20 m darüber.

schöner gutgriffiger Aufstieg auf das Wiesenband

Leider zog just am Aufstieg hartnäckiger Nebel von den feuchten Hängen des Sellraintales herauf, der die Sicht über Minuten nahm und zwecks der fotografischen Dokumentation Pausen bedingte. Die Aufstiegsroute auf den Weißstein ist markiert vorgegeben und deshalb hier nicht ausgeführt.

steiler Aufstieg in eine schuttgefüllte Verschneidung

Am Gipfel wurde von der Bergrettung Gries im Sellrain ein Holzgipfelkreuz aus Rundhölzern gefertigt aufgestellt. Ein aus Blech getriebenes Edelweiß bildet den Kreuzknoten auf Stahlplattengrund und eine bestens ausgeführte Blitzschutzanlage, sowie ein ausgeklügelte Gipfelbuchschachtel runden die Perfektion der Dauerhaftigkeit ab. Ein Blick in das dicke Gipfelbuch verdeutlicht die hochfrequente Begehung des Weißsteins.

unterhalb der Gipfelwand des Weißsteins

Eindrucksvoll erscheint von hier auch der gesamte Nordgrat des Mitterkogels, die Höhenverhältnisse mit Scharteneinschnitten werden gut sichtbar. Leider konnten aufgrund der Nebelattacken die Größen der Stubaier nicht gebührlich betrachtet werden. Eine ausführlichere Beschreibung der Aussicht gen Süden befindet sich im Bericht über die Peiderspitze.

Weißstein, 2.640 m

Der Abstieg vom Weißstein am Grat folgt einem Verschneidungssystem in seiner Ostflanke, der – so wie der Aufstieg auch – seilversichert ist und daher leicht zu begehen. Martin, den der Verfasser am Gipfel kennengelernt hat, nahm gleichzeitig den Rückweg zum Roßkogel, von dem aus er den Abstecher zum Weißstein unternommen hat, in Angriff. Von ihm stammt das Bild in der Verschneidung.

Ansicht der Grate auf den Mitterkogel

Der Übergang zum Roßkogel führt über Bergwiesen mit schrofigen Rippen in einem leichten Auf und Ab ziemlich direkt der Grathöhe folgend, samt und sonders Gehgelände.

Roßkogel vom Weißstein gesehen

Hinter einer letzten Rippe nach dem Ende des Abstiegs in der Verschneidung führt der Steig über einen langen Sattel auf einen Zwischenkopf und weiter zum abgerundeten Roßkogel, bei dem das Gipfelkreuz etwa 90 m östlich der höchsten Erhebung errichtet wurde.

Rückblick auf den Weißstein am Weg zum Roßkogel

Zwischen dem geodätischen und dem Kreuzgipfel des Roßkogels befindet sich ein Streifenfundament mit Resten einer abgebrannten Liftstütze ohne erkennbare weitere Merkmale einer Seilbahn.

letzter Teil der langen, schönen Verschneidung hinab auf den Steig

Das selbe sonderbare Bild zeigt sich am Abstieg vom Roßkogel auf seinem Nordgrat, wo am flachen Teil des Windeggs ebenfalls zwei solcher Fundamente mit abgeschnittenen Stützen vorgefunden werden.

 

Martin am Steig zum Roßkogel

Dort kann man nebst einiger Buchstaben, die offenbar einen Namen bedeuten auch die Jahreszahl 1978 im Schriftzug „T.H. 1978 + A.B.“ lesen. Der Abstand der Fundamente beträgt 865 m und mit dem Höhenunterschied 1.010 m. Eine solche Spannweite würde gewaltige Spannkräfte benötigen mit entsprechenden Gegengewichten.

 

erster Teil des Steiges zum Roßkogel

Mit einem Höhenunterschied von 390 m ein ehrgeiziges Seilbahnprojekt worüber sich rein gar nichts im Internet und in der Chronik der Gemeinde Inzing, auf deren Gebiet die Anlage steht, recherchieren läßt. Was mag das wohl für eine Anlage gewesen sein und was ihr Zweck? Es gibt weit und breit nichts das man hätte mechanisiert auf den Roßkogel hätte bringen müssen.

 

kurz vor dem Roßkogel

Waren die Fundamente in Windegg das untere Seilbahnende? Die Seilachse nach Norden verlängert ergibt keinen Sinn, da sie in der Flanke zum Abhang ins Hundstal hin führen würde, wo eine Beladung der Bahn mit Material nicht hätte stattfinden können.

 

Fundamente am Windegg

Ebenfalls führt kein befestigter Weg vom Krimpenbachsattel zu den Fundamenten auf Windegg. Wozu könnte diese Anlage gedient haben? War sie jemals in Betrieb? All diese Fragen tauchen auf, wenn man die Trasse betrachtet. Wer kann Antwort darauf geben?

Nordgrat Roßkogel

Vom überlaufenen Gipfel des Roßkogels setzt die Rundtour über den markierten Nordgrat zum Krimpenbachsattel fort. Eine Abbruchstelle in der ostseitigen Umgehung eines kleinen Felskopfes, knapp nach dem Verlassen des Gipfelkreuzes, wurde durch eine neu gebaute Seilversicherung entschärft. Die Beschreibung dieses Normalwegs entfällt daher.

Rückblick über den Nordgrat auf den Roßkogel

Auf den Almböden trieben die Besitzer gerade ihre Pferde zusammen, als der Verfasser gegen den Krimpenbachsattel abstieg. Am Krimpenbachsattel muß der Almzaun überklettert werden, es gibt keinen Durchlass. Der Rest des Abstiegs zur Inzinger Alm erfolgt entlang des vom Weidevieh strapazierten Steiges am Almzaun, und später im Wald.

Mitterkogelgrat von der Wiese südöstlich der Inzinger Alm

Die großartige Runde hat 6:40 Stunden in Anspruch genommen. Sie benötigt 1.350 m Aufstieg und misst gut 10 km. Die Tour klingt bei Bier und Graukas in der Inzinger Alm aus.

Mils, 04.09.2022

1 Kartenanbieter, die den Steig zeigen und keinerlei Bezug zur heimischen Landschaft haben:
MapLibre GL JS
https://www.npmjs.com/package/maplibre-gl
https://alpenkarte.eu/
https://mapcarta.com/de/N758871003

 

 

Peiderspitze, 2.808 m über Schloßköpfe

Blickt man im Winter von Innsbruck oder auch von Mils gegen Westen, so erkennt man unweigerlich, bis weit ins Frühjahr hinein, einen Kammrücken mit enormer Wechte, der quer zum Inntal zu stehen scheint, im Brechten gipfelt und als scharf gezackter Grat weiter nach Süden über die Schloßköpfe führt, sowie zuletzt, durch eine tiefe Scharte deutlich getrennt, in der Peiderspitze seinen Abschluß findet.

Hoangart auf der Peiderspitze

Es ist dieser mächtige Nordgrat ein Ausläufer der Nördlichen Sellrainer Berge, der sich gegen das Inntal hin gabelt, zusammen mit dem kleineren Nordgrat der den Mitterkogel trägt, den Talkessel des Hundstales mit der Inzinger Alm bildet und auf seiner zweiten Höhenstufe ab der Alm den farbenprächtigen Hundstalsee birgt.

Rückblick auf den Inneren Schloßkopf und dem Übergang

Bereits längere Zeit fiel uns der interessante Kam ins Auge und im Winter zuvor unternahmen wir auch eine Schitour auf den Archbrandkopf, die eigentlich bis zum Brechten hätte führen sollen, um den weiteren Verlauf des Kamms zu studieren. An diesem extrem kalten Februartag blies uns jedoch ein derart unangenehmer Nordwestwind entgegen, sodaß das Vorhaben am Archbrandkopf endete.

der Kamm von der Peiderspitze Richtung Norden ins Inntal

Nach dem Studium des AV-Führers von 1976 – alte Führer beinhalten oft nicht mehr aktuelle Informationen, aber auch unschätzbare Schmankerln – beschlossen wir die Tour von der Inzinger Alm als Runde auszuführen, mit Abstieg über den Ostgrat und entlang der Koflerspitzen hinab zum Hundstalsee, mit dem Talweg zurück zur Inzinger Alm.

Parkplatz vor der Inzinger Alm

Der beginnende Sommer bescherte uns prächtigstes Wetter sowie wunderbare Farben in der Natur. Blühende Almwiesen im Aufstieg, aber auch lästige Nebelbildung durch die unterschiedlichen thermischen Verhältnisse eines Kaltluftstroms und der zunehmenden Sonnenbestrahlung am Vormittag, bescherten uns wechselnde Eindrücke.

Schloßköpfe und Peiderspitze, links Mitterkogel

Vom Parkplatz vor der Inzinger Alm (auch Hundstalalm, Parkplatz 2022 kostenlos) begaben wir uns, dieselbe zunächst unbeachtet rechts liegen gelassen, um sieben Uhr über den Mittelleger der Galtalm und dem Hochleger der Jochbrunnalm auf den Weg zum Nordostzweig des Gratkamms, der, vom Rauen Kopf ausgehend, den Gabelpunkt des langen Nordgrats von der Peiderspitze gegen das Inntal bildet.

Galtalm, heute Hütte der Bergwacht Inzing; dahinter Mitterkogel

Der Aufstieg erfolgt bis zum Hochleger der Jochbrunnalm entlang dem Schotterweg, der am Hochleger endet. Reichlich Almrosen und auch Galtvieh trifft man auf dieser sonnigen Strecke an. Die Galtalm, auf 1.844 m, auch Alpl genannt, beherbergt heute die Bergwacht Inzing und es gibt über ihre Geschichte eine nette Seite am Blog der Bergwacht.

Idylle auf der Galtalm

Der Hochleger der Jochbrunnalm stellt eine reife Leistung dauerhaft ausgeführter Zimmermannskunst dar. Das Dach wurde unter möglichster Beibehaltung der Hangneigung in denselben hinein gebaut, um keiner Energieumlenkung standhalten zu müssen. Es lohnt sich ein Blick in die Ställe, um die wuchtige Dachkonstruktion zu sehen. Dieses Gebäude hält bereits über viele Jahre Lawinen vom Kamm herab stand, der immerhin mit etwa 30° Hangneigung 240 Hm über der Alm liegt und dessen freie, gleichförmig steigende und eben geformte Hänge keinerlei Bremswiderstand für die Massen bieten.

Hochleger der Jochbrunnalm

Am Nordostkamm angelangt bietet sich ein vortrefflicher Aussichtspunkt auf den weiteren Steigverlauf zum Brechten. Reines Gehgelände auf saftigen Wiesen läßt die Vorfreude auf den schärferen Teil der Kammbegehung wachsen und der erste Gipfelpunkt der Rundtour, der Raue Kopf, ist bald erreicht.

Kamm zum Brechten

Seine Lage befindet sich etwas nördlich der kürzesten Route auf den Nordgrat, er stellt jedoch eine geographische Marke dar und muß für das Gesamterlebnis der Runde begangen werden. Zu bevorzugen ist für den Tiroler und Einheimischen die Bezeichnung seiner Markierung – Heimkehrerkreuz. Ihm vorgelagert befindet sich das Flaurlinger Joch am Nordwestausläufer des Nordgrates.

 

vom Rauen Kopf gegen den Brechten geblickt

Flach steigt nun der erste Teilabschnitt der Gratbegehung gegen den Brechten an. Ein breiter Rücken bildet die Weidefläche für einige aufgeregte Schafherden, die neugierig herankommen, als hätte man Salz anzubieten. Sie wandern erstaunlich weit mit, schrecken jedoch sofort zurück, wenn man ihnen die Hand hinstreckt.

Hocheeder und Rietzer Grieskogel im Nebel verhüllt

Der Hochpunkt auf dem Kamm ist der Brechten und dieser trägt eine Wetterstation, von der auf am Blog der Inzinger Bergwacht in einem weiteren Link vom „Inzing Wetter“ zu lesen ist, das beispielsweise einen jungen, bemerkenswerten Eintrag kolportiert:

„Druckwelle der Vulkanexplosion im Südpazifik auch am Brechten registriert! 16.01.2022

Kurz vor 21:00 Uhr am 15. Jänner 2022 erreichte uns nach der Explosion eines Vulkans im Südpazifik die dabei entstandene Druckwelle. Diese Schockwelle legte 17.000km zurück und wurde als starke Luftdruckschwankung an vielen Wetterstationen dokumentiert. Die Grafiken dieser Anormalie hatten sowohl am Sonnblickobservatorium (ZAMG) und am Brechten die selbe Charakteristik  – mit einer kurzen Spitze und zwei anschließenden Wellentälern.“

Wir übersehen die Anomalie in Anormalie und empfehlen hiermit die tolle Webseite näher zu erforschen, da diese Station vielfältigste Informationen bietet, sowie auch rückblickende Aufzeichnungen liefert, wie z. B. die Information der Durchschnittstemperatur von 11,5°C am Tag unserer Tour. Weiters liegt die Station in der Hauptwetterrichtung und ist für alle Touren östlich davon, z. B. in den vorderen westlichen Tuxern, eine wichtige Informationsquelle am Morgen bei zweifelhaften Bedingungen.

unterwegs zum Hohen Bremstall

Zu beiden Seiten des Brechtens bilden sich im Hochwinter die mächtigen Wechten, von denen eingangs die Rede ist, die sich lange im Frühjahr halten und von denen auch wir zu Sommerbeginn noch kärgliche Reste vorfanden, ideal gelegen, in einer seichten Senke im Lee der Hauptwetterrichtung von Westen.

Hoher Bremstall, 2.602 m

Am Ende der folgenden Senke des Weitkars zeichnen dann bereits erste Blockwerkshaufen die Änderung von flachen und grünen Almwiesen hin zu steileren Felsflächen und dem ersten aufragenden Gratkopf, dem Hohen Bremstall. Spätestens dort ist man die laut klagenden Schafsgruppen los. Und auch deren Hinterlassenschaft, die am Aufschwung noch für deutliches Odeur zwischen den ersten Blockwerksfeldern sorgten.

Rückblick mit Inzinger Alm in der Tiefe

Leiser geht es dann weiter auf den ersten Felsgupf der Schloßköpfe. Eindrucksvoll liegen die mannsgroßen Granitgneisblöcke wirr aufeinander und bilden eine erste leichte Barriere des Grates. Die Streckenlänge vom Rauen Kopf bis zu diesem Felskopf (2.602 m, mit „Hoher Bremstall“ in der AV-Karte benannt) beträgt beachtliche 2,1 km und es handelt sich bei dieser Strecke um den quer im Inntal anmutenden Kamm vom Osten des Inntales aus betrachtet.

ein herrlicher Grat zeichnet sich ab

Mit guter Aussicht zu beiden Seiten vom Kopf kann bei einer Trinkpause der weitere Verlauf des Grates eingesehen werden. Und das Herz jauchzt bereits beim Anblick der schönen Gratformationen, die da kommen werden. Da gibt es zunächst eine flachere Strecke, bevor der deutlich an Schärfe zunehmende Grat mit einigen interessanten Zacken den Entdeckergeist beflügelt.
Äußerer und Innerer Schloßkopf ragen hinter der naheliegenden Gratstrecke in der Ferne sichtbar auf – ein Traum von Gratstrecke kündigt sich an!

herrliche Blockkletterei im festen Granitgneis

Mit geringem Höhenverlust setzten wir mit Bedacht den Fuß auf die willkürlich gestapelten Blöcke, auf deren scharfe Kanten, auf deren ansteigend und abfallend geneigte Reibungsflächen und waren dabei gespannt, ob sie unter unserer Last kippen oder zumindest wackeln und ein verändertes Gleichgewicht einnehmen würden.

erster Aufschwung in Sicht

Kaum ein Geräusch und kaum eine Kippbewegung konnten wir auf dieser ersten Strecke wahrnehmen, so stabil lagern auf diesem schönen Grat Blöcke und Platten aufeinander. Etwa 10 min zieht sich diese Strecke bis zum nächsten Aufschwung hin.

 

Aufstieg auf die Rampe

Nach dem auffällig ebenflächigen und glatten Felsen auf der Ostseite des Grates erreichten wir die schönste Kletterstelle der Überschreitung. Sie beginnt mit einer glatten und steilen Rampe, die in einem Kamin endet. Mitten am Weg auf die Rampe unterquert man einen massiven Block, auf der Grathöhe prekär auflagert – ein Fotomotiv.

 

unter gewaltigen Blöcken hindurch

Im oberen Teil schließt sich die linke Seite durch aufziehenden Fels, der den leichten Kamin ausbildet und nach oben hin enger wird. Diese Stelle erfordert den Durchstieg quer zur Körperachse und das Ablegen des Rucksacks.

 

hin zum Kamin

Beim Versuch dem Kamin auszuweichen und ihn auf den Grathöhe zu überklettern scheiterte der Verfasser an der notwendigen enormen Spreizweite und den zu großen Griffabständen im vorderen Kaminteil.

 

Ausstieg aus dem Kamin

Auf der Grathöhe nach dem Kamin angelangt genießt man eine phänomenale Aussicht auf die nun nahe voraus liegenden beiden Schloßköpfe. Auf der Karte des oben erwähnten alten AV-Führers sind die beiden höchsten Schloßköpfe mit „Innerer und Äußerer Schloßkogel“ und mit orographisch falscher Anordnung eingezeichnet, im modernen Kartenwerk fehlen die Bezeichnungen und nur der Innere Schloßkopf mit 2.725 m wurde markiert.

Blick aus dem Adlerhorst auf den nächsten Abschnitt

Von dem kleinen Adlerhorst in dem man sich nach dem Kamin befindet, fällt die Wand steil gegen den nächsten Aufschwung ab. So steil, daß man zunächst zurückschreckt, bevor man die Möglichkeiten des Abstiegs genauer inspiziert.

Abstieg vom Adlerhorst; erster Tritt zu mehr Überblick

Tatsächlich erkennt man dann einen komfortablen Tritt, auf dem man aus der Kanzel in die freie Wand steigen kann und auf dieser Tiefe dann auch den weiteren Abstieg über herrlich schönen Granitgneis, mit Klüften gesegnet und völlig fest, ausführen kann.

Abstieg zum Grat – welch Pracht an Formen und Farben!

Am schneidigen Grat beschlossen wir dem breiten Riss nach unten zu folgen und dies stellte sich als unnötig heraus, da wir von unten, um eine kleine Rippe herum, sofort wieder gezwungen waren auf die Grathöhe aufzusteigen.

Abstieg vom Grat; hätte es nicht gebraucht, am Grat wäre es bequem weiter gegangen

Wer hier vom Adlerhorst aus den Grat besser studiert und sich nicht nur vom Abstieg beeindrucken läßt findet den schönen Durchstieg zum breiten Abstiegskamin direkt am Grat und bleibt direkt an der Gratschneide (siehe Foto mit Beschriftung).
Im Rückblick konnten wir die etwa 15 m schönen Grates erkennen, die wir durch den Ab- und Wiederaufstieg verabsäumt hatten.

nach dem sofortigen Wiederaufstieg bereits wieder in einem kurzen Abstiegskamin

Der Abstiegskamin führt über kaum 10 m in eine mittelbreite Scharte hinab, deren Gegenaufstieg ein glatter Felskopf bildet, bei dem man schon beim Abstieg erkennt, daß er nicht erkletterbar ist, zumindest nicht direkt von der Scharte.

nächster Felskopf; nicht kletterbar, daher kurzer Abstieg

Der einzige Weg besteht darin ihn zu umgehen und zwar auf der Westseite. Auf seiner Ostseite fällt die Flanke fast senkrecht ins Hundstal ab. Dazu bedarf es einiger Meter des Abstiegs, bis ein Bandansatz den zu großen Höhenverlust begrenzt und gleich wieder aufgestiegen werden kann sowie, auf der Rippe oben, sogleich ein Steinmann gesichtet wird.

Umgehung der Rippe mit Steinmann

Jenseits der Rippe fanden wir gleich wieder grasiges Gehgelände vor und waren ein wenig enttäuscht, daß die bärige Gratstrecke schon zu Ende war.

Überblick des schönsten Kletterabschnittes der gesamten Überschreitung

Als kleinen Trost ließ die Natur dort den punktierten gelben Enzian und in wild zerklüftetem Fels vor schaurigem Absturz der Ostflanke die rostrote Alpenrose gedeihen.

Alpenrose in steiler Scharte

Der nächste Aufschwung stellt bereits den Äußeren Schloßkopf dar (im alten AV-Führer auch als „Kleiner Schloßkopf“ bezeichnet).

Aufstieg zum Äußeren Schloßkopf

Als eher runde, unscheinbare Erhebung ist er um ein paar Meter höher als der südlich dahinterliegende nächste Spitz, der schöner aussieht, der Bezeichnung Schloßkopf eher nahekommt und mit einer langen Flanke in die letzte Scharte zum Inneren Schloßkopf hin abfällt. Der Abstieg in die Scharte beträgt 35 Hm.

 

Besichtigung der Strecke zum Inneren Schloßkopf

Ab der Scharte sind die über längere Strecken durchgehenden Klettereien vorbei, ab und zu werden Aufschwünge überklettert, jedoch nur in sehr kurzen Sequenzen und kaum unter Einsatz der Hände.

Abstieg in gesamter Länge

Der Aufstieg auf den Inneren Schloßkopf, sowie der Übergang zur Palderscharte (Bezeichnung laut Tiris) finden am Grat in Gehgelände statt.

einige wenige Kletterstellen

Wie immer durch kleine Einschartungen mit Auf und Ab, zum Schluß etwa 40 Hm zur Palderscharte abfallend und westseitig am Grat weiter zum begrünten Sattel zwischen dem Nordgrat und der Peiderspitze.

am Inneren Schloßkopf

Den Übergang vom Inneren Schloßkopf bis hin zum steilen Blockgrat auf die Peiderspitze bildet Amphibolitgestein, das in der Farbe auch sichtbar gegenüber dem vorhergehenden Granitgneis sichtbar wird.

Hochpunkt am Übergang; Hintergrund Peiderspitze

Gegenüber erwartete uns ein schöner, durchgehend steiler Aufstieg über 140 m auf die Peiderspitze. Deutlich kann man am Bild von der Gegenseite sehen, daß man sich in mindestens zwei verschiedenen Gesteinsarten bewegen wird, ein rötliches Band, auffallend begrünt, zieht sich durch den Nordgrat der Peiderspitze (Biotit-Plagioklas-Gneis?).

Abstieg zur Palderscharte, jenseits Peiderspitze

Der Aufstieg beginnt auf einer steilen plattigen Rampe mit gut ausgeprägtem Risssystem, um einen Normalweg als Steig zu schaffen. Der Normalanstieg vom Hundstalsee führt über die begrünte Schuttreise auf den Sattel herauf und setzt hier fort. In diesem unteren Teil, sowie im obersten führt sogar einmal ein Normalweg über blockiges Klettergelände, wenn auch durch große Risse und Klüfte fast als Steig ausgebildet.

am Normalweg durch den Blockgrat

Im Mittelteil  ein etwas flacherer und kaum blockiger Abschnitt mit deutlicher Ausprägung eines Steigs auf sandigem Untergrund sowie vegetationsreich. Dieser Gesteinsabschnitt scheint sich der Erosion mit durchwegs weniger Zähigkeit und Härte zu widersetzen als die umgebenden Abschnitte darunter und darüber.

Primel in der mittleren, vegetationsreichen Stufe zur Peiderspitze

Im oberen Teil findet man wieder prächtiges, großblockiges Gelände vor, wobei gegen den Gipfel hin die Blöcke massiv groß ausgebildet sind und einen schönen Abschluß in leichter Blockkletterei bilden.

die letzten Meter mit sichtbarem Gipfelkreuz

Kurz vor Erreichen des Gipfelplateaus, im größten Blockwerk wenige Meter unterhalb des Gipfelkreuzes, findet man auf einer fast horizontalen Fläche eines Blocks im Schatten einen schönen Biotitkristall, eingebettet in Gneis für die Linse.

Biotitmineral, etwa 15 mm Durchmesser

Die Peiderspitze bietet einen phänomenalen Ausblick auf Lüsens- und Gleirschtal, die im Sellrain gegenüber liegen und die Ausgangspunkte für wesentliche Gipfel der Stubaier Alpen bilden, ob als Bergtour oder als Schitour.

Gipfelkreuz der Peiderspitze

Auf diesem Blog wird unter anderem davon in den Berichten über die Hohe Villerspitze, der Ruderhofspitze und vom Lüsener Fernerkogel als Bergtour und vom Roten Kogel, der Lüsener Spitze, dem Hohen Seeblaskogel, der Haidenspitze, dem Samerschlag und dem Gleirscher Fernerkogel berichte, um nur einige nicht überlaufene davon zu nennen.

Abschluß durch den Lüsener Fernerkogel; leider heute im Nebel

Im Südosten bietet die Peiderspitze einen umfassenden und bärigen Blick auf die Kalkkögel in 14 km Entfernung. Hier gibt es wunderbare Bergtouren mit der Schlicker Seespitze, als klettertechnisch schon anspruchsvolle Überschreitung von der Riepenwand und auch als Schitour.

im Südosten die Kalkkögel

Die Kühtaier Berge im Südwesten bieten mit der Weitkarspitze, der Kraspesspitze als Rundtour vom Finstertaler Schartenkopf, dem Sulzkogel und dem Hochreichkopf bärige Schitouren und als Bergtour mit dem Neuner- und Pockkogel, sowie dem Acherkogel über den Maningkogel unvergessliche Bergtouren.

Kühtaier Berge mit Acherkogel in rechtem Bilddrittel

In der Kette, dem Westen folgend, sind schöne Schitouren auf den Pirchkogel mit der Umrundung des Hochalters zu nennen, sowie die Schitour auf den Hochalter selbst und jene auf den Rietzer Grieskogel.

nördliche Kühtaier Berge mit Pirchkogel in Bildmitte

Leider hat das nette Holzkreuz aus 1985 einen Schaden am Querbalken abbekommen und bedarf einer baldigen Reparatur.

Herwig auf der Peiderspitze mit dem Kollegen Stefan und seiner Begleiterin

Wir erreichten die Peiderspitze kurz nach zwei anderen Bergsteigern, die wir von der Gegenseite aus am weißen Helm gut ausmachen konnten; am Gipfel stellte sich heraus, daß es ein Kollege von Herwig war und seine Begleiterin die Schwester eines Kollegen des Verfassers.

eindrucksvoller Tiefblick auf Alt-Peida (sehr wahrscheinlich namensgebend für die Spitze) in Bildmitte und St. Sigmund

So sehr abgeschieden man die Peiderspitze zu liegen vermutet war diese Begebenheit der Auftakt zur gemeinsamen Einnahme von Höhenmedizin und dem Staunen welch Zufälle sich auf diesen Koordinaten ergeben können.

Peiderspitze, 2.808 m

Der Abstieg in Richtung Koflerspitzen wird im Führer als oberer Bereich von mäßig schwierig beschrieben und die südseitige Umgehung mancher scharfer Stellen anheimgestellt.

Abstieg von der Peiderspitze über den Ostgrat

Unsere Wahrnehmung dazu: während der Nordgrat wenige ausgesetzte Stellen aufweist und ebenfalls mäßig schwierig beschrieben wird, kann eindeutig bestätigt werden, daß der Ostgrat wesentlich ausgesetzter ist, klettertechnisch jedoch eher leichter erscheint, wobei wir ganz unten einige uns als nicht ersteigenswert eingestufte Zacken ausgelassen haben und südseitig im Hang querten.

phantastische Aussicht auf Roßkogl und Weißstein im Osten und den Hundstalsee

Wir machten uns einige Minuten später als die beiden Kollegen auf den Weg zum Abstieg, holten sie an einem Gratstück ein und setzten gemeinsam den Abstieg über den schönen Grat fort.

auf schmalem Grat geht es ganz toll weiter – leichtes und bizarres Gratgelände

Die meisten Passagen am Grat sind leicht zu begehen, in durchwegs festem Fels, begrünt selbst an der Gratoberkante.

eine erste schärfere Stelle nach dem breiten Gelände beim Abstieg

Es gibt eine Stelle, die etwas kniffliger erscheint, die aber auf Reibung und einem schwungvollen Schwenk nach rechts zu einem sicheren Griff gut zu meistern ist. Diese kurze Stelle mag die o. g. Einstufung des oberen Grades von mäßiger Schwierigkeit verdient haben.

Detail Gratausbildung

An der Stelle bricht der Grat nach vorne senkrecht ab und im Abstieg muß links (nordseitig) über etwa zwei Meter bis zu einer steilen glatten Felsfläche abgestiegen werden, an deren Vorderkante der Abbruch beginnt.

heikle Stelle am Ostgrat beim Abstieg Pfeil Gehrichtung, Kreis rechts = Griff rechte Hand, Kreis links Griff = linke Hand nach Überstieg auf Reibung

Nun muß die plattige Felsfläche schwungvoll nach rechts (südseitig) gequert werden, um in eine Scharte zu gelangen. An der Südseite gibt es dann einen sicheren Griff für die linke Hand und man kann den Oberkörper rüberziehen.

steile Abstiege sind auch zu bewältigen

Die Schwierigkeit besteht einzig im sicheren Tritt auf der steilen Felsfläche und im schwungvollen Überstieg bis zum Griff für die Linke, wobei der Griff der Rechten kurz vorher ausgelassen werden muß.

Blick auf den schönen Talkessel im Hundstal

Weiter unten sahen wir, daß die Bruchfläche unterhalb der Felsfläche rötlich angewittert ist, also der Abbruch noch nicht sehr lange zurückliegt. Möglicherweise war diese Stelle in den letzten Jahren einmal leichter begehbar.

letzte Passage am Abstieg in der Südflanke (die Spitzen empfanden wir dort nicht mehr als ersteigenswert)

Am Ende des Ostgrates führt ein Aufschwung etwa 30 Hm wieder auf einen Hochpunkt, den Tiris mit (Koflerspitzen 2.663 m) bezeichnet. Im AV-Führer ist von den Koflerspitzen mit der höchsten Erhebung von 2.641 m etwas weiter östlich die Rede und diese näher zusammengehörigen bizarren Spitzen dürften eher die Koflerspitzen darstellen, als der Punkt 2.663 m.

letzte Gratsequenz zum Abschluß, rechts der Punkt 2.663 m

Am Weg in Richtung derselben überschritten wir zuerst flaches Gelände übersät mit Schiefgneisplatten, bevor das Plateau in einen Bereich mit einer tiefen Senke überging. Dabei handelt es sich um eine Bergzerreißung, die dadurch bedingt ist, daß die südliche Flanke (in drei Stufen?) abgesackt ist und den Graben bildete.

Rückblick auf den bärigen Ostgrat – man erkennt den jungen Abbruch über sich dem die heikle Stelle befindet

Allein die entstandenen bizarren Spitzen dürften jene sein welche der erste Beschreiber (Julius Pock?) als Koflerspitzen benennen wollte. Die beiden westlich und östlich von diesen Spitzen liegenden runden Erhebungen dürften nicht zugehörig zu den Koflerspitzen gemeint gewesen sein.

flach von Pkt. 2.663 m Richtung Weißstein

Die Koflerspitzen überschritten wir nicht, vielmehr galt das Ziel der östlichen runden Erhebung, von der aus ein markierter Steig zum Hundstalsee hinab führt. Die Erhebung befindet sich knapp oberhalb der Schneebrücken der Lawinenverbauung  und von ihr führt ein sichtbarer Steig weiter Richtung Mitterkogel.

Bergzerreißung mit Talbildung voraus, rechts die Koflerspitzen

Hier endet die bergsteigerisch interessante Strecke der Rundtour. Am markierten, aber nur im Kompass Kartenwerk verlaufenden Steig, geht es durch Blockschutt hinab zum Hundstalsee, vorbei am formschönen Gipfel des Weißsteins, der am Grat zum Roßkogel eine zentrale Stellung einnimmt.

Weißstein – welch Erscheinung!

Einem interessanten schwarzen Felsblock begegnet man unweit vor dem Seeufer, er liegt mitten auf dem flachen Schutthang und sticht aufgrund seiner Farbe ins Auge.

Abstieg Richtung Hundstalsee auf markiertem Steig, in AV-Kartenwerk nicht vorhanden, jedoch in Kompasskarte

Es handelt sich dabei um einen Bänderamphibolit, der recht genau an der Grenze vom Schiefergneis durch Gletscherbewegungen zu liegen genkommen sein dürfte.

Gesamtszene der westlichen Begrenzung des Hundstals

Ebenfalls ins Auge sticht ein Bau, der in der Natur der Gegend einigermaßen exotisch anmutet. Der von seinen Erbauern „Apollontempel“ genannte Steinbau, der ohne Bindemittel aus lediglich aufeinander geschlichteten Steinen besteht, wird von zwei sich gekrümmt verjüngenden Türmen flankiert und besitzt einen unbeleuchteten runden Innenraum unter runder Kuppel.

Bänderamphibolit unweit des Seeufers – eine auffallende Wegmarke

Am Portal steht ein in Stein gemeißelter Auftrag zu lesen: „Erkenne dich selbst“. Die Außenanlage besteht aus einem Steinsteg in den See und mehreren Türmchen am Ostufer, die den Zugang säumen.

Apollontempel gegen Peiderspitze

Ob es bei diesem Bauwerk eine – und wenn, um welche – Bewandtnis zu den klassischen Tempeln der Antike gibt bleibt offen, vielmehr, dem Einzelnen überlassen. Auf der Homepage eines der beiden Errichter ist zu lesen:

Hierbei handelt es sich um ein ökologisch und ästhetisch neuartiges Kunstwerk, das die Verbindung Natur – Mensch -, Kunst – Mensch, sowie Kunst und Natur darstellen soll“

Nun, es mag jeder selber darüber befinden wie er diese Erscheinung in Verbindung mit der Natur bringt, vor allem Letztere des Zitates der Homepage. Die Animation dazu findet sich am Portal eingemeißelt.

der sogenannte Apollontempel

Der Hundstalsee wird mit Frischwasserquellen aus dem Seeloch gespeist und hat einen Abfluß mit bemerkenswert großer Schüttung, die am Abstieg zur nächsten Talstufe erst so richtig sichtbar wird.

Kuppel des Apollontempels

An der tieferen Talstufe führt der Steig jenseits des sogenannten Enterbachs an einer Jagdhütte vorbei. Die Ebene davor bildet einen Schwemmbereich für den Bach mit allerlei Arten von Gräsern, die im Sumpf prächtig gedeihen.

Hundstalsee mit dem Bauwerk, von dem ein reflektierend Licht auszugehen scheint (es handelt sich um eine Fläche im Inneren, nicht um den Schlußstein der Pforte)

Am Abstieg fällt noch ein Kreuz am nördlichen Teil des kurzen Grates, der vom Mitterkogel in die Inzinger Alm zieht, auf. Diese Erhebung hat keine Bezeichnung im Kartenwerk, ist nirgends beschrieben und einen Gipfel im Sinne der Definition stellt sie auch nicht dar.

eine malerische Feuchtfläche bildet die untere Talstufe

Möglicherweise handelt es sich um ein Kreuz eines örtlichen Vereins, zwar zentral am Gratausläufer recht schön gelegen, aber offenbar ohne allgemeine bergsteigerische Relevanz. Die Besteigung dürfte über das Enge Tal erfolgen.

ein letzter Rückblick von der mittleren Talstufe

In der Inzinger Alm genossen wir noch Kasknödel mit Salat, die empfehlenswert sind. Anders als in der Suppe sind die Knödel mit Salat knackig frittiert und nach der langen Runde genau die richtige Stärkung.

bar jeden Alltags nach einer gelungenen Bergfahrt

Zu den Eckdaten der Runde sei zu sagen, daß wir die 1.450 m Aufstieg und die Streckenlänge von 13,1 km in 8:43 Stunden absolviert haben. Die Gipfelpause betrug dabei eine halbe Stunde, restliche Pausen in Summe geschätzt 20 Minuten.

Mils, 26.06.2022

Östlicher Feuerstein, 3.267 m

Als Ursprungspunkt zweier mächtiger Gebirgskämme, dem Habicht-Elfer-Kamm in den Nordosten und dem Aggls-Rosskopf-Kamm in den Südosten, stellt der Östliche Feuerstein nicht nur eine geografisch bedeutsame Position dar, seine Erscheinung vom Simmingjöchl aus beeindruckt auch durch Farbe und alpiner Schönheit.

Grüblferner Juli 2022

Die Besteigung von der Bremerhütte über das Simmingjöchl verhüllt den Blick auf den Grüblferner sehr lange im Aufstieg, erst nach der Nürnberger Scharte öffnet sich ein phänomenaler Blick auf die Eismassen und die beiden Feuersteine gegenüber.

Grat zum Östlichen Feuerstein mit klaffendem Bergschrund

Überdies ist der Östliche Feuerstein für den versierten Bergsteiger kaum mit nennenswerten Schwierigkeiten zu besteigen. Der kurze Aufstieg über den Grüblferner ist eher flach, der Gletscheransatz knapp unterhalb des Pflerscher Hochjochs stellt mit einer breiten Spalte (Bergschrund) die Schlüsselstelle im Eis die einzige Prüfung dar. Hiefür empfiehlt sich, neben Eisen für den Gletscher, ein klassischer Pickel mit Schaft. Im Fels am Grat bilden wenige Passagen, denen man die untere Stufe von mäßiger Schwierigkeit zuordnen kann, die kleinen Prüfungen an die Kletterfähigkeit.

Landesstraße nach Gschnitz – Sichtbarkeit Östlicher Feuerstein bis Jubiläumssteig Innsbrucker Hütte

Ausgesetzt muß nicht gestiegen werden, die Länge des Grates vom Pflerscher Hochjoch bis zum Gipfel soll auch nicht unterschätzt werden. Alle Kartenwerke, die auf Outdooractive zugreifen (so auch die digitale AV-Karte) zeigen eine Aufstiegsroute von der Nürnberger Scharte auf den Grüblferner, die heute nicht mehr begehbar ist. Mehr zu diesem wichtigen Thema weiter unten.

gegen 7 Uhr ab mit dem Radl Richtung Laponesalm

Der Aufstieg vom Gschnitztal scheint von den beiden Normalwegen der weniger oft begangene zu sein. Auch im Internet finden sich derzeit (Juli 22) wenige Berichte dieser Route. Es mag wohl auch an der Länge der Route liegen, die mit 11,3 km vom Langental (Stubai) gegenüber 12,8 km vom Gschnitztal kürzer und um gut 100 Aufstiegsmeter niedriger ausfällt. Die Tour kann für den konditionsstarken Bergsteiger als Tagestour absolviert werden, ansonsten empfiehlt sich bei mehr als 2.100 m Gesamtaufstieg vom Parkplatz Feuerstein bis auf den Gipfel die Nächtigung in der Bremer Hütte.

Parkplatz beim Gh. Feuerstein – Aperer Feuerstein im Hintergrund

Wer glaubt den Östlichen Feuerstein von der Terrasse der Hütte aus sehen zu können der irrt. Der Gipfel zeichnet sich erst einige Dutzend Vertikalmeter oberhalb der Hütte ab; von der Terrasse kann man das Osteck des Pflerscher Hochjochs sehen, in dessen südwestlicher Verlängerung der Gipfel liegt. Die Sichtbarkeit des Östlichen Feuersteins, als höchstem Gipfel aller drei Feuersteine, ist von der Ferne im Gschnitztal nur bis nach dem Ort Gschnitz und aus der Nähe erst wieder bei der Nürnberger Scharte gegeben. Vom Gasthaus Feuerstein aus kann man nur den Aperen Feuerstein sehen.
Von dort, vom Gasthaus, über die Laponesalm bis zum abzweigenden Steig auf die Bremer Hütte, benutzten wir das Radl für die schnellere Ausfahrt am Abend und kürzten damit den Rückweg gegenüber der Bewältigung per pedes um knapp 4 km oder gut 40 min ab.

phantastischer Rückblick auf das hintere Gschnitztal

Um 6:45 konnte man an dem zwar wetterstabilen – jedoch durch die Regenfälle am Vortag feuchtigkeitsreichen und mit zunehmender Bestrahlung daher nebelanfälligen – Vormittag auf der Landesstraße nach Gschnitz die so atemberaubend schönen, feuerroten Felsflächen der Feuersteine in der Morgensonne förmlich brennen sehen, welches ein Foto nicht wiederzugeben vermag. Man muß das Schauspiel in natura erleben.
Um kurz nach sieben Uhr starteten wir mit dem Radl vom Parkplatz nach dem Gasthaus Feuerstein in Richtung Laponesalm.

Eintritt in die Simmingalm

Auf der Strecke zum abzweigenden Steig durch den Wald werden geodätisch 248 Hm Aufstieg absolviert (Gh. Feuerstein 1.282 m / Abzweigung 1.530 m). Der Großteil der Straße ist asphaltiert, nach der Laponesalm führt sie als Schotterweg bis zur Talstation der Materialseilbahn der Bremer Hütte weiter; die Abzweigung auf den Steig befindet sich vor der Talstation.

die Simmingalm vom Steig zur Bremer Hütte

Mit dem Steig über den Südhang der Hohen Burg überwindet man eine für die Stubaier Alpen – speziell im Stubaital – so charakteristischen Talstufen, die mit teilweise imposant steilen Abbrüchen jeweils die nächsthöhere Stufe einleiten und über die die klaren Bäche der Gletscherabflüsse hinab tosen. Eine etwas kleinere Ausgabe zum bekanntesten dieser Bäche, dem Grawafall im hinteren Unterbergtal (Stubai), birgt das hinterste Gschnitztal mit dem Simmingbach, der über die Steilstufe von der Simmingalm herunter bricht.

Herwig vor der noch nebelverhüllten Äußeren Wetterspitze

Der Steig führt zunächst durch den Wald, um dann, um etwa acht Uhr bereits spürbar sonnenbestrahlt, über grasbewachsene Serpentinen gegen Westen auf die nachfolgende Talstufe, der Simmingalm, führt. Der Steig, wunderbar gepflegt durch mühsam händisch ausgeführte Mäharbeit mit der Sense zu beiden Seiten des mittelbreiten Steigs.

Bremer Hütte gegen Hintersimming mit Aperem Feuerstein

Wurde die Talstufe erreicht geleiten ein paar Höhenmeter abwärts zu den weiten saftigen Almwiesen, durch die sich der Simmingbach mit seinen zahlreichen kleinen Zuflüssen hindurch mäandert, eine grüne Pracht die Ebene. Im hinteren Teil der Ebene befindet sich der kleine seichte Simmingsee, gebildet durch die Zuflüsse vom schönen Lautersee herab, der passiert wird, wenn man zur Äußeren Wetterspitze unterwegs ist. Das Turbinenkraftwerk der Bremer Hütte befindet sich auch oberhalb des Talkessels der Simmingalm, gespeist von den Wassern der Wetterspitze – eine hervorragend nachhaltige Lösung für die menschlichen Notwendigkeiten auf 2.400 m. Die schöne Almfläche wird heute nicht mehr als solche genutzt.

Bremer Hütte, 2.414 m

Am eisgeschliffenen Hang gegenüber dem Eintritt in die Simmingalm, dem „Mitteregg“ setzt der Steig mit weiteren 400 Hm zur Bremer Hütte als Ausgang fort. Dort wird auch die Seilbahntrasse der Materialseilbahn der Bremer Hütte gequert. Dieser Aufstieg bietet einen schönen Einblick auf Jahrtausende von Behandlung der Felsoberflächen durch bewegtes Eis mit Schutt auf dessen Unterseite.

am Weg ins Hintersimming

Die Schleifspuren durch Geschiebetrümmer, die zwischen der massiven Auflast der Eismassen und der Felsoberfläche entstanden sind, können eindrucksvoll nachvollzogen werden und es ist dabei gut ersichtlich, daß sich die härteren Quarzgänge im Fels gegen den Schliff wehrten, indem sie – deutlich sichtbar – kleine Rippen auf der glatten Oberfläche bildeten, die kaum mehrere Millimeter – aber doch – aus der sie umgebenden Gneismatrix hervorstehen. Diese glatten aber griffigen Flächen werden im Aufstieg zur Bremer Hütte direkt begangen.

Murmelen (Mangger) am Weg zum Talkessel

Wollgras wächst auf dem flachen Teil des Mittereggs, und es ist schön anzusehen, wenn sich die flauschigen Blütenpollen im leichten Lufthauch der Thermik wiegen. Am Weg dorthin, noch vor diesen flachen und feuchten Mulden die Wollgras als Lebensraum benötigt, zweigt der Steig über den Kamm im Süden zu den beiden Tribulaun Hütten ab.

Simmingferner, oder sein Rest; die Fortsetzung der Eisfläche am, unteren Rand noch sichtbar

Die Bremer Hütte auf 2.414 m gelegen bildet den zentralen Stützpunkt für die Touren auf die Feuersteine und andere Gipfel des Grenzkamms zum südlichen Tiroler Landesteil, sowie auch auf die Gipfel des inneren Habicht-Elfer-Kammes. Sie feiert 2022 ihr 125-jähriges Jubiläum. Wir rasteten dort ein Viertelstündchen bei einem Getränk, mit wunderschönem Blick auf die rotgefärbten Gipfel, bevor wir den Steig zum Simmingjöchl fortsetzten.

Simmingjöchl (zu dem nicht direkt aufgestiegen wird; rechts führt der Steig zur Zollhütte)

Als Wermutstropfen in der Landschaft muß nicht erwähnt werden, daß vom einst mächtigen Simmingferner nur noch ein Abklatsch an Eiskörper übrig geblieben ist, auch wenn er sich unter ständig hör- und sichtbar herunterbrechendem Geröll und Schutt noch einige Dutzend Höhenmeter unterhalb der Abdeckung zu Tale hin zieht. Die einstige Mächtigkeit des Ferners kann man am weiteren Weg ins Hintersimming studieren, die verschiedenen Wallformen und Seitenmoränen (siehe eindrucksvolles Bild der Blöcke an der Oberseite der Seitenmoräne in der Bildergalerie) seiner größten Ausdehnung.

Rückblick vom Hintersimming zur Bremer Hütte

Bis in den Kessel im Hintersimming gewinnt man an Höhenmeter nur wenig dazu. Im Gegenteil, man ist gezwungen ungangbare Felsrippen von der Inneren Wetterspitze herab zu untersteigen und verliert nach der Hütte merklich an Höhe, bevor der Steig gegen den Talkessel zunächst mäßig ansteigt, bevor er über Serpentinen steiler wird und zuletzt in einer brüchigen, seilversicherten Rinne gegen die Zollhütte ansteigt.

auf der Kammhöhe bei der Zollhütte; Blick nach Westen zur Nürnberger Hütte: links Wilder Freiger erahnbar

Ziemlich am Tiefpunkt des Steigs ins Hintersimming zweigt ein Steig zur Magdeburger Hütte in Südtirol ab. Sein Verlauf ist schwer auszumachen, wenn man ihn nicht kennt. Er führt, ansteigend über die Fernerschröfen, östlich der Bremer Scharte über den Grenzkamm.

Zollhütte gegen Innere Wetterspitze

An der Zollhütte ist man wohlgemerkt nicht am Simmingjöchl, selbiges befindet sich 160 m weiter südlich und kann im Aufstieg anhand der Einsattelung deutlich als „Jöchl“ wahrgenommen werden. Wer also von der Bremer Hütte zur Nürnberger Hütte wechselt passiert das Simmingjöchl nicht direkt.

Grat zum Grüblferner im Nebel, rechts Aperer Feuerstein

Wer sich in der Zeit der Europäischen Union keine Vorstellung mehr über den Zweck einer Zollhütte auf 2.754 m Höhe machen kann, dem sei hier näher gebracht, daß in der Zeit nach dem letzten Weltkrieg auf dieser die Zollbeamten aus dem Gschnitztal ihren Dienst verrichteten und Schmuggler, die vor allem viel billigeren Tabak und Kaffee, aber auch andere Waren italienischer Provenienz, des Nächtens und bei Nebel auf dem Gletscherweg nach Tirol und nach Deutschland brachten, um teilweise sogar davon zu leben. Die Zeiten waren karg und man nahm was zu nehmen war, auch unter größten alpinen Gefahren.

vor dem Simmingjöchl mit den jung ausgeaperten Fernerflächen bis zur Nürnberger Scharte; rechts Aperer Feuerstein

Der Verfasser dieses Berichtes kennt beide, einen berühmten Absamer Gemeindebürger als bekennender Schmuggler und seinen eigenen Großvater, der als Zöllner viele Jahre seines Lebens zwischen dem Brenner und dem Timmelsjoch Dienst tat und Schmuggler aufspüren mußte, somit das Bergsteigen und Schitouren mit dem Beruf vereinen konnte. Beide, Gejagte und Jäger, wussten spannende Geschichten über ihre Alpinerlebnisse zu erzählen.

Gletschersee in der Mulde am Simmingjöchl zur Nürnberger Scharte

Die Zollhütte schwappte bei unserer Ankunft über vor Weitwanderer, die eben von der Nürnberger zur Bremer Hütte hin wechselten und man unterhielt sich per Videotelefonie lautstark mit den Verwandten, irgendwo in Holland, denen die Landschaft ins Haus gebracht werden sollte. Ein zu geschäftiger Ort, den wir recht bald verließen, um die Richtung nach Süden zum Simmingjöchl einzuschlagen.

Ausdehnung der Eisfläche unterhalb der Nürnberger Scharte

Am Simmingjöchl entdeckten wir am Rückweg deutliche Steigspuren hinab hinter die Felsen. Es sollte also möglich sein den Aufstieg zur Zollhütte auszusparen und somit etwa 50 Hm abzukürzen. Wir sind dem Steig aber auch beim Abstieg nicht gefolgt, um mit Gewissheit sagen zu können, daß er durchgehend an den Steig im Hintersimming heranführt. Von diesem sieht man nämlich keinen Abzweig im Aufstieg. Möglicherweise verläuft sich der Steig im Geröll der Flanke und man steigt weglos weiter.

obere Bruchzone nicht begehbar

Südlich des Simmingjöchl blickt man nun umso näher auf die geschliffenen rotbraunen Gletscherfelsen und riesigen Gesteinsblöcke, die der Gletscher herausgearbeitet hat. Der Grund für die äußerst intensive, ja fast bis ins rostbraune gehende – sodaß man meinen könnte man stünde Gestein mit Eisenoxidgehalt gegenüber -, rötlich-braune Färbung liegt am geringen Gehalt an Hellglimmern (hier ist vorwiegend Muskovit gemeint) in einer Quarz, Plagioklas und Biotit-reichen Matrix.

ab ins Blockwerk mit noch beachtlicher Blockgletscherreichweite

Die Verwitterungsfarbe von Biotitplagioklasgneis erscheint daher rötlich-braun. Auch die umgebenden Gipfel im Kamm und der Zweigkämme, z. B. die Wetterspitzen, bestehen aus diesem Gestein, wenngleich man es nach vielen Jahrhunderten der Verwitterung gegenüber den jungen Flächen der sich zurückziehenden Gletscher nur mehr an ihren kürzlich passierten Abbrüchen zu sehen bekommt.

 

Rückblick auf das Simmingjöchl

Der Aufstieg vom Jöchl auf die Nürnberger Scharte ist ein mühsamer. Zunächst stiegen wir nach dem Simmingjöchl wieder etwas tiefer – zu den unter Sonnenbeleuchtung von Schluff leicht türkis gefärbten Gletscherlacken – ab, durchschritten eine kurze weiche Zone von Feinteilen, die vom Schmelzwasser an des Gletschers Stirn gebildet wird, bevor wir mit Vorsicht erstmals nach über vier Stunden des Aufstiegs Gletschereis betraten.

mühsam zur Nürnberger Scharte

Wir blieben nahe am Rand des Eiskörpers und konnten im Aufstieg mit den Stöcken ab und zu Hohlräume unterhalb erklopfen, die jedoch wunderbar standhielten. Gegen die obere Begrenzung hin mußten wir die angenehm flache Eismasse verlassen, da sich signifikante Spalten und Schollenbrüche auftaten. Somit waren wir wieder auf das mühsame Fortkommen über die zum Teil Kubikmeter messenden Blöcke angewiesen. Schutt und unverwitterte Flächen auf den Trümmern zeugten von Felsstürzen vom Aperen Freiger herab. Die kurze Strecke von der Zollhütte zur Nürnberger Scharte mit gut einem Kilometer und nur 180 Hm Aufstieg dauerte somit eine Dreiviertelstunde.

Nürnberger Scharte; Blick auf den Fernerrest auf den die Route der AV-Karte führt

Die Überraschung an der Nürnberger Scharte besteht nicht nur in der einmaligen Sicht auf die hohen der drei Feuersteine, vor allem aber in der Tatsache, daß die in oben erwähntem Kartenwerk eingezeichnete Route nicht begehbar ist. Die Flanke von der Scharte zum tief liegenden Ferner erscheint im oberen Teil fast senkrecht und besteht aus – weit gefährlicher noch als die Steilheit – mannsgroßen Blöcken in feinerer Einbettung, mit einem Wort nichts anderes als offen dastehendes Gletschergeschiebe von dem zu jeder Zeit Ausbrüche auf den Gletscher darunter passieren, wie im Tiefblick ersichtlich wurde.

Abbruchkante von der Nürnberger Scharte nach Westen; Hintergrund: Östlicher und Westlicher Feuerstein

Beeindruckt von dieser Situation, sowie mit Respektabstand von der Abbruchkante, stiegen wir aufwärts, um oben vielleicht das Glück zu haben zum Grüblferner zu gelangen, da es von unten danach aussah. Den Aperen Feuerstein ließen wir rechts liegen und folgten einer Art Steig am Rücken, von der Abbruchkante entfernt. Oben angekommen präsentierte sich ein atemberaubender Blick auf den Ferner und die beiden hohen Feuersteine, leider aber wieder kein Weiterkommen, durch dieselbe Abbruchsituation wie unten an der Nürnberger Scharte bedingt. Zwar wäre dieser Abstieg nicht so tief gewesen, mit Sicherheit aber genau so risikoreich, unter keinen Umständen eine Option.

kurzer Aufstieg zum Aperen Feuerstein

Nun blieb nichts anderes mehr über als einen eigenen Aufstieg zu suchen und zwar hinauf auf den Buckel und weiter am Grat, der zur Pflerscher Scharte hinauf zieht. Von unten konnten wir ausmachen, daß es weiter oben am Grat die Möglichkeit geben muß auf den Gletscher abzusteigen und vom Aufstieg vor der Nürnberger Scharte wußten wir, daß auf dem Buckel oben Holzstangen (Schneestangen?) montiert waren, sodaß dieser Aufstieg nun logisch erschien. Allein der lockere Fels brachte einige Anspannung, ob Blöcke sich lösen würden.

links im Bild ein verlockender Steig, der keiner ist

Die etwa 50 Hm messende Flanke bestand nahe an ihrer Kante aus Blöcken, die sich bereits aus der stabilen Verkeilung gelöst hatten und teilweise gefährlich lose auf ihrem Untergrund auflagen. Wir kletterten daher weiter innerhalb der Flanke als am Rand und immer wieder konnten wir feststellen, daß der Verbund sich hier in den nächsten Jahren bis tief in die Flanke lösen wird.

am der Abbruchkante zum Grüblferner nach Süden; Hintergrund Östlicher Feuerstein

Oben fast direkt am Hochpunkt angekommen – die kurze Kletterei kann als mäßig schwierig beschrieben werden – trafen wir die Holzstangen an. Ein wunderbares Plätzchen zur Beobachtung von Schmugglern und daher muß es dort hinauf einen besseren Weg geben, den wir im Abstieg auch in der direkten Gratbegehung von der Nürnberger Scharte gefunden haben. Steinmänner übersahen wir dort jedoch keine, sodaß dieser Weg nicht sofort gefunden wird.

am Gupf angekommen, eine wunderbare Fotoperspektive

Nun folgten wir der Gratlinie, die mit leichtem Abstieg und über schärfere Teilstücke zu ihrem Tiefpunkt führte, an dem wir den Übergang zum Grüblferner suchen wollten. Die „schärferen“ Gratstücke muß man sich nicht mit Kletterei verbunden vorstellen, sie werden mit Stöcken begangen, sind jedoch ähnlich zerrissen wir der zuvor beschriebene Aufstieg auf den Buckel.

am Grat zum Pflerscher Hochjoch

Hier kann jederzeit ein Rutscher die Platten und Schollen zum Absturz bringen. Die kompakte Flanke im Osten ist dabei an manchen Stellen hilfreich, wenn einem die Klüfte zwischen den Platten auf der Gratlinie zu instabil und zu weit erscheinen. Diese Strecke ist jedoch recht kurz und rasch gemeistert.

Rückblick zum Gratkopf – man beachte die Lagerung der Plattenschollen

Während unseres Aufstiegs und der Gratbegehung beobachteten wir Aufsteigende sowie Absteigende von und zur der Nürnberger Hütte mitten am Grüblferner, wie sie die kürzesten Schritte über die massiven Spalten suchten. Von oben hatten wir natürlich die beste Route im Blick und konnten sehen wie mühsam manche Spalte zu umgehen war und welche Zeit man für einen solchen Aufstieg benötigt.

geeignete Stelle mit Abstieg zum Grüblferner

Nach kurzer Gratbegehung erreichten wir den Tiefpunkt von dem aus wir den kurzen Abstieg schräg nach unten zum Grüblferner zu unternehmen gedachten. Die Stelle muß nicht extra beschrieben werden, sie erscheint durch ihre Lage logisch und der schräge Abstieg erfolgt zwar in ebenfalls gelockertem Gelände, jedoch mit wesentlich geringerer Hangneigung. Aufhalten sollte man sich unten am Rand des Grüblferners jedoch nicht unnötig lange, wovon abgestürzte Brocken zeugen.

Anlegen der Eisen für den Gletscheraufstieg

Mit Steigeisen bewältigten wir den ersten flacheren Teil am Gletscher recht zügig. Imposant und auf den Bildern nachvollziehbar sind die Rutschbahnen der Gesteinsbrocken, die teilweise etwa hundert Meter in das Fernerbecken hineinreichen.

über gut sichtbare Spalten hinweg

Die Spalten am Grüblferner waren Ende Juli bestens sichtbar und da wir recht nahe am linken Rand (in Aufstiegsrichtung) unterwegs waren trafen wir auch nicht sehr viele Spalten an. Jene, die wir bis zum Aufsteilen des Gletscherbeckens überwinden mußten, waren maximal unter einem Meter breit, meist unter einem halbem Meter.

etwas tiefer in den Ferner hinein, jedoch weit links im Aufstieg bleibend

Der Pickel gibt hier zusätzliche Sicherheit und wird oben, an einer Spalte, die als Bergschrund bezeichnet und als Schlüsselstelle unseres Gletscheraufstiegs angesehen werden kann, ein wichtiges Instrument der vorbeugenden Sicherung. Als Bergschrund ist die Spalte gegenüber jener weiter westlich an der Gratflanke zum Östlichen Feuerstein ein Zwerg, für die mögliche Schrittlänge ist sie jedoch schon zu breit.

oberhalb des Bergschrundes am Pflerscher Hochjoch

Wir stiegen nach dem Bergschrund respektvoll bis auf die völlig unter Eis stehende Gratkante zum Pflerscher Hochjoch auf, um dann festzustellen, daß wir am Felsansatz im Westen wieder 20 Hm absteigen mußten, um an den günstigsten Ausgangspunkt für die Erklimmung des Grates zu gelangen. Im Abstieg querten wir kaltschnäuzig zum Bergschrund, ohne nennenswerten Höhenverlust auf kompaktem Eis, ohne Spalten.

vereiste Grathöhe am Pflerscher Hochjoch

Schräg nach oben steigt man nach dem Ablegen der Eisen und des Pickels am Ende der Eisstrecke zum Felsgrat auf. Einige Minuten wird er direkt begangen unter phänomenalem Blick auf den Feuersteinferner im Süden. Die Gratflanken sind zu beiden Seiten durchaus steil, ausgesetzte Stellen gibt es aber eigentlich nicht.

zeitlich nicht zu unterschätzender Grat zum Östlichen Feuerstein

Nach dem ersten flacheren Stück trennt eine schmale Scharte den recht steil aufsteigenden weiteren Gratverlauf. Diese Scharte, eine Störzone, scheint aus recht schlechtem Gestein und Feinteilen zu bestehen und wird in den kommenden Jahren mit Sicherheit an Schwierigkeit zulegen.

Rückblick am Grat auf das Pflerscher Hochjoch

Derzeit ist sie sicher zu begehen, weist jedoch deutliche Spuren der Erosion auf und bricht mit gefährlichem Geröll zu beiden Seiten auf die Gletscher hinab.

Scharte mit Störzone

Ein paar Aufstiegsminuten später erblickten wir das ersehnte Gipfelkreuz. Nach sechseinhalb Stunden, mit nur einer nennenswerten Pause von etwa 20 Minuten bei der Bremer Hütte, waren wir doch recht froh darüber und auf mittlerweile signifikant über 3.000 m Seehöhe auch entsprechend angestrengt. Es sollten aber knapp sieben Stunden werden, die für den Gipfelsieg am Östlichen Feuerstein nötig wurden.

Rückblick an der mäßig schwierigen Kletterstelle

Anschließend an die steile Flanke folgte der Aufstieg über eine leichte Kletterstelle, der man die eingangs erwähnte untere Schwelle von „mäßig schwierig“ zumessen kann. Sie besteht aus schräg gestellten glatten Felsflächen, die jedoch mit Handrissen durchzogen sind, die auch als Tritte einwandfrei begehbar sind.

eine weitere Stelle mit netter Kletterei in gut griffigem Schiefergneis

Weiter geht es anschließend noch eine Viertelstunde über ein paar Aufschwünge ohne nachfolgende Scharten, bei denen abgestiegen werden müßte. Der Gipfelbereich wird dann überraschend förmlich auf einem Steig erreicht und ist ebenfalls überraschend untypisch rund geformt im Gegensatz zum vorher durchwegs bizarren Grat. Unser Aufstieg hatte somit 6:50 Stunden in Anspruch genommen.

Rückblick auf den Grataufstieg vom Pflerscher Hochjoch

Leider verzog sich der Nebel auch bis zum Erreichen des Gipfels gegen 14 Uhr hin nicht vollständig, womit wir beschlossen die Gipfelrast etwas ausdehnten, um in den Genuss von nebelfreien Bildern zu kommen, falls er uns die Gnade erweisen sollte, sich von den besten Fokuspunkten zu entfernen.

Herwig am Östlichen Feuerstein

Unser erster Blick galt dem Tale und von wo im Gschnitztal aus man den Östlichen Feuerstein sehen kann. Dies ist bis etwa 500 m nach dem Parkplatz des Jubiläumssteiges zur Innsbrucker Hütte auf der Landesstraße der Fall, bis nach dem Gschnitzer Ortsteil „Gurns“. Das Bild dazu befindet sich in der Bildergalerie und man kann auch deutlich erkennen, daß die Bremer Hütte leider nicht sichtbar ist, sie versteckt sich hinter dem Grat, den wir als Zugang zum Grüblferner nutzten.

Talblick über das Osteck vom Pflerscher Hochjoch ins Gschnitztal

Dem noch deutlich höheren Wilde Freiger galt unser zweiter Blick und bei diesem tat uns der Nebel erst beim Abstieg den Gefallen denselben vollständig zu enthüllen. Nach Süden hin waren die Nebelverhältnisse besser, hier hatten wir einen guten Fernblick auf den Aggls-Rosskopf-Kamm die tollen Schitourenziele auf die Ellesspitze und die Wetterspitze.

gewaltiger Aggls-Rosskopf-Kamm mit schönen Schitourenzielen

Im Westen, am mittleren Hauptkamm,  reicht der Blick auf die Sonklarspitze, den Wilden Pfaff und das Zuckerhütl.

Westlicher Feuerstein mit Schwarzwand- und Sonklarspitze rechts (vor dem Nebel)

Die Aussicht in den Südwesten besticht mit dem Botzer in 5,7 km Entfernung und auf die Ötztaler Alpen rund um das Timmelsjoch, gleich rechts neben dem Botzer der Granatenkogel in 19 km Entfernung.

im Hintergrund rechts neben dem Botzer die Granatenspitze in den Ötztaler Alpen; rechts der gewaltige Übeltalferner

Im Süden ragt die Nordwand der unmittelbar gegenüber dem Feuersteinferner gelegenen Agglsspitze und rechst dahinter der Hohen Kreuzspitze, beide tolle Schitourenziele.

Agglsspitze mit Magdeburger Scharte; im Hintergrund das Schitourenziel der Hohe Kreuzspitze

Der Blick in den Osten, dem Kamm folgend, in unmittelbarer Nähe jenseits des Pflerscher Hochjochs findet sich die Schneespitze und dahinter die Weißwandspitze (mit der Besonderheit einer Dolomitaufsattelung auf kristallinem Untergrund), knapp noch an der südlichen Flanke der Weißwandspitze sichtbar das tolle Schitourenziel Hoher Zahn, bevor der mächtige Pflerscher Tribulaun sich auftürmt, mit seinem nördlichen Bruder dem Gschnitzer Tribulaun.

die dolomitische Weißwandspitze, rechts (beschattet) das Schitourenziel Hoher Zahn, rechts die gewaltigen Tribulaune

Eines der – dem Verfasser bekannten – ältesten Gipfelkreuze ziert den Östlichen Feuerstein. Ein Stahlkreuz der katholischen Jugend St. Theresia aus Nürnberg aus dem Jahr 1964, mit Christusmonogramm, auf schmalem Betonsockel widersteht seit 58 Jahren den Wettern in der Höhe. Leider fehlt das Gipfelbuch.

Östlicher Feuerstein, 3.267 m

Gegen halb drei, nach einer 40 minütigen Gipfelrast mit vergeblichem Warten auf Aufklaren,  verließen wir den Gipfel und nahmen denselben Weg zurück zum Pflerscher Hochjoch.

Gipfelkreuz am Östlichen Feuerstein aus 1950 (möglicherweise versetzt bei Errichtung des neuen Kreuzes 1964)

Dort schlüpften wir wieder in die Eisausrüstung und querten direkt ohne Höhenverlust zum Bergschrund hinüber. Der Übergang erwies sich völlig spaltenfrei direkt auf der Eisoberfläche, teils tiefschwarz durch Staub- und Schmutzablagerungen überzogen und Mitgrund für den Teufelskreis der schmelzenden Eismassen.

Bergschrund unterhalb des Pflerscher Hochjochs

Den restlichen Abstieg vom Grüblferner, dessen einst größter Teil heute nahezu eisfrei unterhalb des Gletscherbruchs im Westen der übrig gebliebenen jämmerlich kleinen Zunge zu finden war, unternahmen wir direkt auf den Aufstiegsspuren, deren einzige Begeher wir selber waren, während alle anderen Gruppen von der Nürnberger Hütte über das Langental aufgestiegen sind.

Spalte mit Bergschrund im Hintergrund

Am Abstieg klarte das Wetter dann weiter auf und ließ einige schöne Blicke auf den Wilden Freiger zu. Deutlich kann man am Südkamm des Freigers auch die Wetterstation im Süden erkennen. Die Zollhütte dort ist verfallen.

Wilder Freiger vom Pflerscher Hochjoch gesehen

Wir erstiegen nun den Buckel, auf den wir im Aufstieg mit prekärer Stabilität der Brocken am Hang überwinden mußten, um zum Grüblferner zu gelangen, folgten dem direkten Abstieg am Grat und fanden bereits oben einen deutlich sichtbaren Steig, teilweise mit Steinmännern markiert, vor. Diese Route ist flacher und sicherer als die Westflanke, die wir im Aufstieg unfreiwillig nehmen mußten.

wieder auf der Grathöhe

Unterhalb der Nürnberger Scharte, beim Abstieg zum Simmingjöchl, passierten wir einen kleinen Gletschertisch mitten im kläglichen Rest der schwindenden Eisfläche.

Abstieg vom Felsgupf nun auf Steig mit Steinmandln

Der Gegenanstieg zum Simmingjöchl bietet nochmals einen herrlichen Blick über die Gletschertätigkeit früherer Jahrhunderte. Am Grat zur Zollhütte fiel uns noch die Begrenzung der Höhe des maximalen Simmingferners im Hintersimming auf.

Hintersimming, Bremer Hütte und Gschnitztal

Hier zieht sich eine auffallende Linie von mittelgroßen Felsblöcken durch die nördliche Seitenbegrenzung, etwas unterhalb des Steigs zur Bremer Hütte. Auffallend und bezeichnend ist auch die oben erwähnte charakteristisch rötliche Färbung der Blöcke (Verwitterung seit Ablagerung noch nicht so lange eingetreten) gegenüber den viel älter abgelagerten höher liegenden Gesteinsblöcken. Zusammen mit dem Wall etwa mittig im Tal kann man das Ausmaß der Eismassen noch vor etwa zwei Jahrhunderten erkennen, und etwas weiter unten die massive Stirnmoräne.

am Blockgletscherfeld

Leider erreichten wir die Bremer Hütte nicht mehr rechtzeitig, um dort eine längere Rast einzulegen. Ein Bier mußte nun aber sehr wohl aufgenommen werden, bevor wir nach 17:30 den Abstieg antraten und das Schnitzel bei stimmungsvollem Blick auf den Aperen Feuerstein gegen 19:30 im Gasthaus Feuerstein einnahmen. Somit dauerte die Tour 12:27 Stunden, wie die Aufzeichnung dokumentierte.

Aussichtshighlight: Wilder Pfaff und Zuckerhütl an Nordflanke des Wilden Freigers in Bildmitte

Wir sind beim Abendessen zum Schluß gekommen, daß die Tour kaum in wesentlich kürzerer Zeit durchgeführt werden kann, es sei denn man hält Pausen in geringstmöglicher Kürze. Die Gesamtzeit unserer Pausen dürfte bei 90 min, zuzüglich doppeltes Rüsten für die Gletscherbegehung mit etwa 20 min gelegen haben, sodaß die reine Gehzeit, bzw. incl. Ausfahrt mit dem Radl 10:40 Stunden betrug.

Aussicht auf die zentralen Stubaier Gipfel

Mit diesem Wissen erscheint die Angabe auf dem nicht besonders glücklich gewählten Wegweiser an der Bremer Hütte „Feuersteine 3 – 4 Stunden“ als unpassend und unrealistisch, für den Westlichen Feuerstein als nahezu fahrlässig, für den Östlichen als äußerst knackig, und, sollte hierbei der Apere Feuerstein gemeint sein, als fast unrealistisch lange. Um von der Hütte auf den Östlichen Feuerstein zu gelangen erscheinen vier Stunden als Wegweiserangabe für den durchschnittlichen Geher bei der Erstbegehung heute kaum mehr tauglich. Hierzu ist das Blockwerk ab dem Simmingjöchl bis zum Grüblferner viel zu hinderlich.

sichtbare ehemalige Gletscherausdehnung durch die rötliche Blockfront am Südhang der Inneren Wetterspitze (linke Bildhälfte), darüber ältere Blockablagerungen

Die Strecke vom Gasthaus Feuerstein bis zum Östlichen Feuerstein beträgt nach Routenplanung in Outdooractive 12,8 km, die Aufstiegshöhe beträgt nach Aufzeichnung der Bergsteigeruhr  2.135 m (barometrische Messung).
Unsere Alternativroute zu jener in Outdooractive und AV befindet sich in der Bildergalerie.

Mils, 24.07.2022

Wildkopf, 2.718 m – Überschreitung bis zum Schwarzhorn

Der Südöstliche Sellrainkamm bietet eine lange und leichte Kammbegehung vom Wildkopf, östlich des Schaldersjoches gelegen, bis zum Sendersjöchl, bei der mit dem Schwarzhorn ihre höchste Erhebung erreicht wird. Die Strecke von der Wildkopfscharte zum Wildkopf wird dabei am Steig doppelt begangen, da es leider keinen direkten Anstieg von der Seducker Hochalm auf den Wildkopf gibt. Der Direktanstieg im steilen Schrofengelände ist jedoch möglich.

Wildkopf Kreuzgipfel, 2.718 m

Genauer genommen muß man den Wildkopf, auf dem das Gipfelkreuz errichtet wurde, als einen Vorgipfel verstehen, denn der eigentliche Gipfel mit 2.738 m Höhe befindet sich westlich vom Kreuzgipfel und die Schartenhöhe (zwischen beiden) des Kreuzgipfels erreicht nicht die Kriterien für die Bezeichnung als Doppelgipfel.

am Weg zur Seducker Hochalm, Parkplatz links unten

Diese topographischen Verhältnisse werden den meisten Besteigern des Kreuzgipfels einerlei sein, jedoch lohnt es sich für den Erfahrenen die mäßig schwierigen, recht kurzen und netten Klettereien in durchwegs festem Glimmerschiefer zum westlich gelegenen Hauptgipfel zu unternehmen. Diese kleine Extratour stellt dem Gratkletterfreund auf der durchwegs über Steige verlaufenden Kammüberschreitung eine kleine Prise Salz in der Suppe dar, die er nützen sollte. In der Bildergalerie befindet sich ein Profil aus TIRIS entnommen.

Weggabelung; Empfehlung: links weiter

Der Start der bärigen Runde erfolgt im Oberbergtal am Parkplatz in Seduck, dass die Einheimischen auch so schreiben, entgegen den touristischen Wegweisern, auf welchen sich die Schreibweise „Sedugg“ findet. Vom Parkplatz aus kann auch ein Spitzl des Wildkopfs gesichtet werden.

unglaubliche Farben am Zenit des Frühlings

Über den Oberbergbach auf der Asphaltstraße bis zum Gasthaus Alpenfrieden zweigt gleich rechts vor dem Gasthaus der Steig zur Seducker Hochalm ab, der steil beginnt und nach dem Passieren einer Materialseilbahn im Wald verschwindet.

am Steig an der Waldgrenze

Im Aufstieg trifft man alsbald im Wald einer Gabelung des Steiges an der der Verfasser die linke Möglichkeit empfiehlt, nachdem er die rechte Seite im Abstieg beging. Links führt der Steig hinaus auf eine Weidefläche, die vom Issebach durchzogen wird und es danach sehr steil weitergeht.

herrliche Ausblicke auf den Alpeinerkamm

Die Möglichkeit rechts führt im oberen Teil ebenfalls über die Weide und ist durch Nutzung der Steige durch das Almvieh über längere Teilstrecken in Letten und unwegsames Gelände verwandelt. Oberhalb der Waldgrenze endet die Weide und die Steige vereinen sich wieder.

kurz vor der Almhütte wendet der Steig nach Nordosten zum rechts von der Gabelung abgehenden Steig

Der Steig links führt sodann an eine Almhütte heran, zweigt aber kurz vorher rechts ab und führt bis zur Vereinigung mit dem rechten Steig kurzzeitig in die Gegenrichtung des bisherigen Anstiegs. Ein einziger Steig führt anschließend in westlicher Richtung zur Seducker Hochalm weiter.

Oberbergtal mit Tuxer Alpen im Hintergrund

Das makellose Spätfrühlingswetter mit der ungetrübten Sonnenbeleuchtung zauberte am frühen Vormittag bereits unglaubliche Farben in den Jungwald und auf die Zwergstrauchmatten durchzogen mit blühenden Alpenrosen. Im Hintergrund dazu die noch weißen Gletschergipfel des Alpeinerkamms.

an der Seducker Hochalm

Die Seducker Hochalm war bei unserer Begehung bewirtschaftet, jedoch mußte der Almwirt noch viele Stunden auf unsere Einkehr warten, denn die weite Runde über den Kamm wollte erst begangen werden. Später plauderten wir über die Schitour auf die Wildkopfscharte, von der man hört, sie aber nie sieht und die von Seduck aus manchen Winters möglich ist, wenn die Südhänge im Frühjahr noch genügend Schneebedeckung aufweisen.

an der Wildkopfscharte

Der Steig führt an der Seducker Hochalm weiter gegen Norden auf die Wildkopfscharte. Bis zur Hütte rechne man mit etwa eineinhalb Stunden und von der Alm bis zur Wildkopfscharte mit einer Dreiviertelstunde. Von der Scharte bis zum Wildkopf eine weitere Dreiviertelstunde, sodaß vom Tal bis zum Wildkopf Kreuzgipfel drei bis dreieinviertel Stunden angesetzt werden können.

Blick auf den von der Hohen Villerspitze nordwärts ziehenden Kamm mit bärigen Schitourenzielen

Nach der Wildkopfscharte muß zweimal abgestiegen werden, um Gratköpfe zu überwinden. Die Abstiege sind moderat in der Höhe. Zuletzt möchte man gern über eine recht glatte Plattenflanke zum Gipfel aufsteigen, der Steig führt jedoch unterhalb um dieselbe herum und berührt nur leicht die Felsflächen.

vom höchsten Gratbuckel aus auf den Wildkopf geblickt; ein paar wenig tiefe Scharten sind auf ihn abzuschreiten

Das Holzgipfelkreuz am Wildkopf wurde eindrucksvoll zimmermannsmäßig gefertigt und dient seit wenigen Jahren dem Schmuck des Vorgipfels.
Der beeindruckende Ausblick vom Wildkopf reicht vom Blick auf die nächste Etappe im Nordosten mit Hoher Schöne, Schwarzhorn und Schwarzer Wand über die Kalkkögel und auf das Stubaital im Osten.

Wildkopf Kreuzgipfel am Rückweg vom Westlichen Wildkopf gesehen

Im Süden beeindruckt der Alpeinerkamm, stets an Höhe zunehmend, von der Seblasspitze über Brennerspitze – in der Ferne Wilder Freiger – und Knotenspitzen bis zu den Seespitzen und schließlich, fast verdeckt von der Östlichen Seespitze, die Ruderhofspitze.

Wildes Grübl im Vordergrund, hinten der Alpeiner Gletscher mit den Schwarzenbergspitzen; rechts Hohe Villerspitze

Am Ende des Alpeiner Ferners thronen die Schwarzenbergspitzen im Südwesten  und nach Westen aufschließend der mächtige Schrankogel bevor die Dreitausenderschau im zentralen Stubai durch die schroff aufragende Flanke der Hohen Villerspitze im Vordergrund unterbrochen wird.

Hohe und Lüsener Villerspitze, Hohe Röte und Gallwieser Mittergrat

Vor der Hohen Villerspitze, im unmittelbaren Vordergrund befindet sich der eigentliche Gipfel des Wildkopfs, kaum 200 m vom Kreuzgipfel entfernt. Er behindert die Sicht auf den Grat zwischen Hoher Villerspitze und Lüsener Villerspitze, einem sagenhaft schönen Abenteuer, beschrieben im obigen Link.

Kammüberschreitung der Südöstlichen Sellrainer Berge vor uns, hinten Kalkkögel

Gegenüber im Nordwesten befinden sich im Kamm, den die Villerspitzen nach Norden bilden, bärige Schitourengipfel, unter anderem: Gallwieser Mittergrat, Roter Kogel, Sömen und das Fotscher Windegg weit nördlich.

Abkletterstelle am Weg zum Gipfel des Westlichen Wildkopfs

Der Übergang auf den eigentlichen Wildkopf besteht im Abstieg in eine kleine Senke, einem Aufstieg auf einen schrägen Zahn und einem Senkrechtabbruch über ein paar Meter, der im festen Fels leicht abgeklettert werden kann.

Rückblick über die Grat vom Kreuzgipfel auf den Westlichen Wildkopf

Auf diese Passage folgt eine nächste schräg gerichtete Schuppe, die etwas an Schärfe gegen oben hin zunimmt. Vorwiegend südlich wird sie genommen. Nach dieser Passage wird der Gipfel in wenigen Minuten erreicht.

inneres Fotschertal mit Potsdamerhütte vom Westlichen Wildkopf gesehen

Ein abgebrochener Skistock mit Aufdrucken aus den achtziger Jahren war das einzige Markierungsmaterial, das auf dem flachen Gipfelplateau vorgefunden werden konnte. Mit einem kleinen Steinmann als Fundament ließ sich daraus eine schnelle Gipfelmarkierung basteln.
Ein Foto des Kreuzgipfels aus ansprechender Perspektive sowie ein eindrucksvoller Blick auf die schneidigen Grate der Villerspitzen kann sonst noch vom Wildkopf Hauptgipfel mitgenommen werden. Knappe 40 Minuten ohne Hast dauerte der kleine Ausflug vom Kreuzgipfel.

Alpeiner Ferner mit umliegenden Gipfeln, mittig die Schwarzenbergspitzen, links Seespitzen, Ruderhofspitze, rechts Schrankogel, Schrandele und Hinterer Wilder Turm

Zurück beim Gipfelkreuz traten wir sogleich die lange Überschreitung an mit dem ersten Abschnitt über die beiden Graterhebungen zurück in die Wildkopfscharte und begleitenden Schönheiten an Alpenblumen neben dem Steig.

die Zottige Primel am Weg zurück zur Wildkopfscharte

Zunächst führt die Route mit moderatem Auf und Ab in eine kleine Grateinsenkung vor einem signifikanteren Anstieg von etwa 100 Hm, der den Westanstieg zur Hohen Schöne einleitet. Vor der Senke zum Anstieg wechselt das Gestein über von der extremen Ausbildung der Glimmerschiefer in einen Schiefergneis mit Ausbildung deutlich größerer blockiger Schollen am Grat.

östlich der Wildkopfscharte bleibt der Steig zunächst südostseitig unterhalb der Kammhöhe

Der Anstieg führt über unerwartet steiles Gelände auf eine Art Hochfläche, durchzogen mit kleinen Senken von Bergzerreissungen sowie mit der massivsten Ausprägung an der Hohen Schöne selbst.

dann wechselt der Steig auf die Nordwestseite

Die Route führt hinab in eine breite Mulde, die noch Mitte Juni mit tiefem Schnee gefüllt ist, zwischen dem Hochplateau und der Hohen Schöne. Die Gesteinsbrocken werden größer und ändern auch die Farbe, dunkles Amphibolitgestein tritt auf.
Links in der Mulde, nordwestlich, führt ein Steig hinab zur Potsdamerhütte.

in den Mulden am Kamm halten sich auf 2.600 m im Juni noch leeseitige Einwehungen des Winters, hier mit der Höhen Schöne im Hintergrund

Schenkt man neugierigen Schafen am Kammverlauf zur Hohen Schöne, die sich auf den Weg machen den Neuankömmlingen entgegenzuströmen, keine Beachtung, dann ist man sie und ihr manchmal herzzerreißendes Geblöke nach wenigen Minuten wieder los.

schönes Beispiel von Bergzerreißung, Hohe Schöne rechts, links ein unbenannter Gratkopf

Die Hohe Schöne stellt keinen Gipfel dar, den man sich klassisch vorstellt. Ein recht runder Blockgesteinshöcker mit einer wettergepeitschten schiefen Markierungsstange, die nicht einmal am Hochpunkt errichtet wurde, enttäuscht als bezeichneter Gipfel.

Aufstieg vom Tälchen zur Hohen Schöne

Höchstwahrscheinlich handelt es sich hierbei bestenfalls um einen Signalgipfel für die Almwirtschaft, topographisch kann der Hohen Schöne jedenfalls kein Gipfelstatus zuerkannt werden, da keine Schartenhöhe zum Schwarzhorn hin vorhanden ist, im Gegenteil, der Grat steigt stetig weiter an.

enttäuschende Markierung des Hochpunktes der Hohen Schöne

Ohne zu verweilen, verließen wir die Hohe Schöne in Richtung Schwarzhorn. Von der Hohen Schöne führt der Steig aus der Mulde nordwestlich auf eine Grathöhe, die etwas schmaler weiterführt. Dabei passiert man beim Grataufstieg noch eine Linse mit sogenanntem Muskovitgranitgneis.

Ausblick auf das Schwarzhorn und links davon der Gipfel der Schwarzen Wand

Nicht lange bleibt die Route auf der Grathöhe, nach zwei Minuten Gehzeit führt sie in die westliche Flanke hinab. Nicht sehr weit, jedoch gut 20 Hm.

kurz vor der Scharte zum Schwarzhorn in der steilen Nordwestflanke (Biotitgranitgneis)

Im Abstieg wird die Flanke wird und führte bei unserer Begehung noch ein bemerkenswertes Schneefeld, das wir am oberen Rand, unterhalb der Felsen, durchschritten. Diese Flanke, bis kurz vor die Scharte, wird von einem Band von Biotitgranitgneis gebildet.

Abstieg in der steilen Flanke zur Scharte zum Schwarzhorn; Schneereste an der Grenze zum Steig

Das Ende des Abstieges befindet man sich wenige Meter unterhalb der Verbindungsscharte zum Schwarzhorn, zu der der Steig hinaufführt. Dort wechselt das Gestein wieder in den Glimmerschiefer. Wenige Steigminuten führen über die breite steinige Flanke auf das Schwarzhorn.

Aufstieg von der Scharte zum Schwarzhorn

Ein kleines Holzgipfelkreuz schmückt das Schwarzhorn und sein Gipfelbuch fanden wir leider in schlimmem Zustand, völlig durchfeuchtet, zerfallen und teilweise schimmlig. Nicht gerade würdig als Zierde der höchsten Erhebung im Kamm.

Schwarzhorn, 2.812 m, höchste Erhebung in der Rundtour

Vom Schwarzhorn genießt man eine sehr schöne Rundumsicht und auf die Nennung aller bedeutenden Gipfel im Umkreis wird hier verzichtet. Eine ausführliche Benennung findet man im Bericht zum Schwarzhorn dazu.

atemberaubender Blick auf die zentralen Stubaier Alpen

Interessant am Nordgrat, den das Schwarzhorn entsendet, ist die Würdigung des Gipfels der Schwarzen Wand, auf dem ein schönes großes Gipfelkreuz errichtet wurde. Der Grat dorthin wäre sicher eine Begehung wert, im Rahmen dieser Überschreitung jedoch zu viel des Guten.

Schwarze Wand und Trennkamm zwischen Fotscher- und Senderstal im Norden

Derr Abstieg vom Schwarzhorn beginnt auf schmalem Grat und führt hinab in eine sehr breite seichte Mulde, von der aus der Steig allmählich in den steilen Südhang hinab zur Marchsäule führt. Beherrschendes Gestein auf diesem Abstieg ist der Biotitgranitgneis.

im Osten die Kalkkögel – Nordostgrenze der Stubaier Alpen

Im Bereich der Mulde kann direkt am Steig, inmitten der großen Blöcke und Platten, die mineralische Form von Biotit beobachtet werden.

Biotitkristalle

Marchsäule, so nennt sich die Gratabflachung im Westgrat zum Schwarzhorn, die im Abstieg als nächster Meilenstein der Rundtour erreicht wird. Sie stellt keinen eigenständigen Gipfel dar, vielmehr muß man ihre Würdigung als „March“ (stubaierisch für Markpunkt, Markierung) durch die Besteigung vom Sendersjöchl aus verstehen. Von dort aus ist die Marchsäule der erst Flachpunkt eines steilen Anstieges und erring dadurch ihre Bedeutung, die im Abstieg vom Kamm nicht nachvollzogen werden kann.

Holzkreuz auf der Marchsäule

Das hölzerne Gipfelkreuz ist wohl ob der untergeordneten Rolle des Punktes in der Neuzeit ziemlich verwahrlost worden, die Halteseile sind längst abgerissen, beeindruckender Flechtenbewuchs zeugt vom Alter der Balken und es gibt kein Buch. Punkten kann die einst wichtige Marchsäule heute nur noch als Fotomotiv des Kreuzes vor der Kulisse der gewaltigen Kalkkögel im Osten.

Blick über den Rückweg mit dem Oberbergtal und Alpeinerkamm

Den eben erwähnten steilen Abstieg kostet der Absteigende sofort nach dem kleinen Plateau mit dem Kreuz aus, indem über sehr steile, schroffige Bergwiesen abgestiegen werden muß. Stöcke sind dabei von Vorteil, es sei denn, man erfreut sich blühender Jugend oder unversehrter Gelenke im Alter. Tröstend dabei ist, daß das Sendersjöchl nicht viel tiefer liegt und die Mühen in wenigen Minuten erledigt sind.

Sendersjöchl sowie Übergang zum Gamskogel von der Marchsäule aus

Das eigentliche Sendersjöchl wird auf der Rundtour nicht betreten, der Steig zurück zur Seducker Hochalm kehrt unterhalb des Grates bereits nach Westen um. Am Grat vor der Umkehr kann das einsame Senderstal gut überblickt werden. Im Winter ein großartiges Schitourenziel und ganzjährig ein Gamsrevier.

nach dem Abstieg von der Marschsäule am Rückweg zur Seducker Hochalm

Der Weg zurück ist nicht – wie man meinen könnte – ohne Aufstiegshürden, kleine Zwischenaufstiege sind hier zu bewältigen und wem die Tour bisher schon in die Füße gegangen ist, der möge sich spätestens an dieser Textstelle bewußt werden, daß die Runde zwar bergsteigerisch leicht ist, jedoch konditionell eine gewisse Herausforderung stellt. Von der Gesamtstrecke wurden hier erst etwa 60% gewonnen.

Alpenmargarite

Ebenfalls könnte man meinen, daß der Rückweg angesichts der schönen und abwechslungsreichen Gratstrecke nun eine langweilige Pflichtübung auf einem ausgetretenen Steig erwarten ließe.
Nun, die Topographie des Steiges zurück zur Seducker Hochalm kann wie folgt beschrieben werden:

am Rückweg sind schroffige Rippen unten zu umgehen, daher leichtes Auf und Ab des Steiges im ersten Teil

Zunächst führt die Route – zum Ärgernis des Begehers – tief hinab. Zu tief, um den schwindenden Höhenunterschied zur Alm als einen angenehm abwärts gerichteten Steig wahrzunehmen. Dann geht es unterhalb von einigen Schrofenrippen – die ursächlich für den tiefen Steig verantwortlich sind – um dieselben herum, um dann über eine moderate jedoch merkbare Strecke wieder anzusteigen.
Anschließend hat man die Auf und Ab Strecke größtenteils überwunden und der Steig wird gegen die Alm hin zahm. Eine Stunde mag man schnellen Schrittes dafür ins Kalkül ziehen.

der Lichtpunkt am Ende des linken Bilddrittels markiert die Seducker Hochalm

Alte Karten zeigen auch einen Steig – etwa oberhalb der schwer im Kartenwerk zu findenden „Steininger Alm“ – von der Hohen Schöne hinab. Naheliegend als kürzeste Verbindung vom Fotschertal ins Oberbergtal und parallel zum Übergang über die Wildkopfscharte, jedoch etwas weiter talauswärts im Oberbergtal gelegen. Die Abzweigung ist vom bezeichneten Steig zur Seducker Hochalm aus sichtbar und befindet sich nach zwei kurz aufeinander folgenden Wasserrinnen unterhalb des Schwarzhorns. Wir haben das Abenteuer nicht unternommen, da auch das Ende des Steiges nicht direkt in Seduck liegt, sondern etwas östlich davon.

Abstieg von der Seducker Hochalm

Auf der Seducker Hochalm trafen wir gerade noch die Wirtsleute an und es ging sich bei einem netten Plausch über die Möglichkeiten des Winters auf dem Kamm um den Wildkopf eine Dose Bier aus. Der Abstieg zieht sich in zügigem Marsch von der Alm noch gut eine Stunde bis zum Parkplatz.
Wir unternahmen ihn über die besagte längere Stecke durch die große Weide und den Wald, welche, wie oben erwähnt, nicht empfohlen werden kann.

am Weg zum Parkplatz in Seduck

Auf 16,6 km Streckenlänge werden auf der Rundtour gesamt 1.780 Hm zurückgelegt. Den Abstieg vom Sendersjöchl sollte man wie erwähnt nicht unterschätzen. Natürlich wäre es auch möglich vom Sendersjöchl direkt über schroffige Bergwiesen auf den Steig abzusteigen, jedoch ist diese Variante nur dem Spezialisten empfohlen, der Erfahrung mit weglosem Gelände besitzt. Gesamt benötigten wir für die Rundtour 10:20 Stunden, wobei hier etwa 90 min Pausen enthalten sind, sowie die Gratstrecke zum Westlichen Wildkopf.

Mils, 12.06.2022

Schitour Wetterspitze, 2.706 m

Die formschöne Wetterspitze im Aggls-Rosskopf-Kamm der Stubaier Alpen in Südtirol ist eine lohnende, nicht ganz einfache und rassige Schitour, aus Nordtirol kommend eher vom Pflerschtal als vom Ridnauntal her begangen. Durch das lange Allrisstal führt die Route auf den kühnen Gipfel.

Herwig am Gipfel der Wetterspitze, 2.706 m

Eine abklingende und sich auflösen sollende Nordstaulage trieb uns hinter den Brenner auf diese außergewöhnlich schöne Reise, die bereits einmal abgebrochen werden mußte, weil sie ihrem Namen alle Ehre erwiesen hat und uns mit Schneefall und Nebel abgewiesen hat. Diesmal sollte es umgekehrt erfolgen.

Start am Parkplatz St. Anton, der Pflerscher Tribulaun bereits voll beleuchtet

Über die Pflerschbachbrücke bei St. Anton im Pflerschtal und 500 m weiter zum Parkplatz, bei dem kein windiger Automat, sondern ein Einheimischer 5.- einkassiert, fährt man, wenn die Wetterspitze bestiegen werden soll. Die Straße noch 1,3 km weiter müßte man fahren, wenn man die Maurer- oder Ellesspitze besteigen wollte.

unterhalb der Allrissalm

Der Aufstieg vom Parkplatz erfolgt teilweise über die Rodelbahn, die, von der Allrissalm herab, ein beliebtes Familienziel darstellt und bei der Abfahrt nach dem Almbesuch zur Ende der Tour meist gut frequentiert ist.

die Allrissalm bleibt rechts liegen

Die Rodelbahn kann nach der ersten und zweiten Kehre abgekürzt und in der Schneise dazwischen aufgestiegen werden. Dabei muß Staudenwerk umgangen werden und bei dürftiger Schneelage bzw. wie in unserem Fall mit Schneefall, der seit vielen Tagen ausgeblieben ist, findet man den Aufstieg durch das Abrutschen von Abfahrern meist vereist vor, müht sich merklich über diese Passagen und bekommt daher gleich zu Beginn der Tour warm.

Brücke über den Allrissbach

Bereits 150 m unterhalb der Alm werden die Almgebäude oberhalb einer freien Weidefläche gesichtet. Und nach der Tour wärmstens empfohlen zu betreten.
Am Weg ins Allrisstal wird die Alm rechts liegen gelassen, man folgt kurz dem Weg, der oberhalb der Alm nicht mehr präpariert ist, ins sich verengende Allrisstal neben dem gleichnamigen Bach, der an der Wasserfassung über die Brücke überquert wird und steigt im Aufstiegssinn rechts vom Bach auf.

das schöne Allrisstal

Das Tal weitet sich sofort nach der kurzen Waldpassage merklich auf und bildet einen breiten Talkessel, den man erst weit hinten, bei einer Talstufe sich verengen sieht. Gleichzeitig erkennt man in schleifendem Winkel links über der Talbegrenzung die Wetterspitze, rechts einen kleinen Teil der Maurerspitze unter Sonnenbeleuchtung.

Rückblick auf den Tribulaune

Der einzige Nachteil der bärigen Tour im Hochwinter ist die fehlende Beleuchtung im Tal. Im Jänner geht es durch das Tal hinauf, meist mit einem leicht unangenehmen Zug von Thermik von der Maurerscharte herab. Da tut manchmal der Blick in die Gegenrichtung not mit dem herrlich beleuchteten mächtigen Pflerscher Tribulaun und der Kette nach Osten mit dem tollen Schitourenberg des Nördlichen Rosslaufs.
In einem schneereichen Winter muß der Aufstieg unter Sonne im März eine wahre Pracht sein.

vor der ersten Geländestufe

Während der Sommerweg die Schrofen der Talstufe recht im Aufstieg durch Serpentinen überwindet, wird im Winter eine direkte Linie verfolgt und zwar links des Bacheinschnitts im Aufstieg. Das Gelände steilt merklich auf, bleibt jedoch unter 35° Hangneigung.

Aufstieg über die erste Geländestufe

Oberhalb der Talstufe weitet sich das Gelände wieder auf und die 2.000 m Marke wird überschritten.
Vegetationslos geht es weiter, der nächsten, kleineren Verengung des Talgrundes entgegen. Zwischen Felsblöcken hindurch, die durch den unverkennbaren Charakter von Schiefergneisen (Ötztaldecke) geprägt sind.

zweite Geländestufe voraus

Die zweite Talstufe erfolgt flacher und etwas länger. Sie leitet in das letzte große Teilbecken des Allrisstals mit dem Talabschluß, ein Hang, der auf den letzten 100 m nach oben hin Hangneigungen von über 35° aufweist – mit Stellen knapp unter 40° -, die aber umgangen werden können.

im Talkessel angelangt; die Maurerscharte bereits sichtbar

Hierzu hält man sich links im Aufstieg, zwischen nur kleinen Gesteinsbrocken hindurch. Mehrere Spitzkehren sind für den Anstieg erforderlich, der nach oben hin flacher wird. Wir konnten diese Steilpassage ohne Harscheisen bewältigen, ihre Notwendigkeit sollte durch die Nordausrichtung des Anstiegs jedoch stets bedacht werden.

Einstieg in den Steilhang zur Scharte

Die Maurerscharte auf 2.511 m wird erreicht. Dort kann das Schidepot angelegt werden, falls die Schneeverhältnisse keinen weiteren Anstieg erlauben. Der Grat der Scharte geht gleich am Ansatz der Wetterspitze steil los, weswegen wir den Anstieg in der Südflanke wählten, leicht unterhalb des Grates.

in der Steilflanke; ging noch ohne Harscheisen

Nach dem vollständigen Übergang des Grates in den zunächst breiten Osthang der Wetterspitze bietet sich ein steiler Aufstieg mit Spitzkehren an, der in unserem Fall wegen Schneemangels bald beendet werden mußte, etwa auf 2.625 m, bei einem schmalen, felsigeren Teil des Osthangs, der mittlerweile eher zu einer Rippe schrumpfte als zu einem Hang.

endlich in der Sonne auf die Gipfelflanke

Auch die Suche nach einer Spur zwischen den Felsbrocken wurde aufgrund Schneemangels immer schwieriger.

bis sie zu häufig auftraten und die Spurwahl schwierig wurde

Das Gipfelkreuz der Wetterspitze ist bereits unterhalb der felsigen Stelle sichtbar. Über die letzten 100 m konnten wir den Restaufstieg problemlos in alten Stapfspuren absolvieren.

Schidepot auf etwa 2.625 m

Vor dem Gipfelaufbau erklimmt man eine vorgelagerte Schuppe, die oben, zum Gipfel hin, mit einem steilen Abbruch auf den dünnen Grat hin abbricht.

am Schidepot; unter Schi geht es hier diesmal nicht weiter

Dort befindet sich eine Kunstplastik aus grob geschnittenen und verschweißten Stahlblechen über deren Sinn man rätselt.

vor dem Gipfelaufbau muß eine Schuppe erklommen werden

Sie stellt möglicherweise eine kühne Bergspitze dar, vielleicht sogar die Wetterspitze selbst und sie wurde fast direkt am Aufstiegspfad errichtet, sodaß ein Ausrutscher auf ihre Spitze fatale Folgen hätte. Ein Augenreizer jedoch allemal.

sonderbare Kunstplastik auf der Schuppe

Dahinter wird auf schmalem Rücken zum Abbruch abgestiegen und dies sollte mit Vorsicht geschehen, je nach Vereisung des Geländes. Der Abbruch ist etwa zwei Meter hoch und bietet gute Griffe, sodaß er dem alpin Gewandten nicht schwierig ist.

abklettern der Schuppe mit Steilabbruch auf den Grat

Jenseits des schmalen Schärtchens warten einige Meter steilen Aufstiegs am schmalen Grat, bevor sich der Hang ausprägt und zur Gipfelflanke wird, die über wenige Aufstiegsmeter zum Gipfelkreuz der Wetterspitze führt.

letzter Aufstiegsabschnitt auf den Gipfelaufbau der Wetterspitze

Zuerst galt unser Blick nach Norden, zur Nordstaulage, die sich hätte rasch am Vormittag auflösen sollten, anhand der Nebel, die immer noch im nördlichen Wipptal zu sehen waren, aber länger dafür benötigte. Somit war der innerliche Drang gestillt, den Beweis gesucht zu haben die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

In dieser Blickrichtung genießt man vom Gipfel der Wetterspitze einen fantastischen Ausblick auf den Tuxer Kamm der Zillertaler Alpen, beginnend mit der Amthor- und Rollspitze, weiter über Wolfendorn, Kraxentrager, Kluppen, Hohe Wand, Sagwandspitze, Schrammacher, Fußstein und schließlich dem Olperer.

Blick nach Osten mit Amthor- und Rollspitze, Wolfendorn, Kraxentrager, Kluppen, Hohe Wand, Sagwandspitze, Schrammacher, Fußstein und Olperer

Den Zillertalern westlich vorgelagert sind die sanften Brennerberge mit den leichten Tourenzielen des Sattelbergs, Hoher Lorenzen, Fradersteller, Grubenkopf und Geierskragen sowie dem Südlichen Rosslauf.

Blick nach Osten mit Amthor- und Rollspitze, Wolfendorn, Kraxentrager, Kluppen, Hohe Wand, Sagwandspitze, Schrammacher, Fußstein und Olperer

Weiter im Osten die höchsten Zillertaler in der Ferne und vorgelagert die Pfunderer Berge mit dem Flaggschiff der Wilden Kreuzspitze.

im Südosten die Dolomitengruppen, mit Langkofel und der Rosengartenspitze

Gegen Südosten hin die Dolomitengruppen, an unserem herrlichen Tag mit vielen Details und den markanten Gipfeln des Langkofel und der Rosengartenspitze sichtbar, im Süden Brenta und Adamello und schließlich im Südwesten die Hohe Kreuzspitze mit dem mächtigen Lodner und der Hohen Weißen in 30 km Entfernung im Hintergrund.

der Süden mit Brenta und Adamellogruppe und im Südwesten die Hohe Kreuzspitze

Die Ötztaler Granden finden sich im Südwesten und Westen mit der Hoch Wilde als südlichste Begrenzung Nordtirols, dem Hinteren Seelenkogel, Liebener Spitze, Hochfirst und dem Granatenkogel, um nur einig zu nennen.

Südwesten und Westen mit Hoch Wilde, dem Hinteren Seelenkogel, Liebener Spitze, Hochfirst und Granatenkogel

Schlußendlich bilden die hohen Stubaier des Südwestens, Botzer, Sonklarspitze, Zuckerhütl und Wilder Pfaff, Wilder Freiger.

Südwesten: Botzer, Sonklarspitze, Zuckerhütl und Wilder Pfaff, Wilder Freiger, Agglsspitze, Westlicher und Östlicher Feuerstein und die Schneespitze

Im Nordwesten die Agglsspitze (auch Aglsspitze), Westlicher und Östlicher Feuerstein, Schneespitze, Weißwandspitze, Hoher Zahn, Pflerscher Pinggl, Goldkappl, die mächtigen Pflerscher und der zahmere Gschnitzer Tribulaun den Abschluß der atemberaubenden Schau.

Weißwandspitze, Hoher Zahn, Pflerscher Pinggl, Goldkappl, der mächtige Pflerscher und der Gschnitzer Tribulaun

Die Abfahrt vom Gipfel zur Scharte wechselte zwischen harten und halbweichen Schneeverhältnissen, schifahrerisch nicht erwähnenswert.

Abmarsch von der Wetterspitze, einem tollen Aussichtsberg

In der Mulde vor der Scharte einige Meter eingewehter Triebschnee.

Abstieg mit Maurerscharte unten

Von der Scharte ins Tal hinab dominierten hartgepresste Oberflächen mit Windgangln, relativ unfein zu befahren.

an der Maurerscharte

Im Talkessel angelangt, wechselten wir auf die orografisch linke Seite und fanden dort etwas bessere Schneeverhältnisse für die Abfahrt vor. Von pulverigem Schnee konnte man allerdings nur in Mulden mit eingewehtem Triebschnee reden.

keine Spur von Pulverschnee…

Weiter unten im Allrisstal herrschten wieder die selben Verhältnisse wie nach der Scharte, allerdings mit wenig fester Decke. Das Drehen im Bruchharsch fiel uns schon schwer und Passagen mit wenigen Schwüngen waren eine Wohltat.

letzter toller Blick auf die Nordseite des Pflerschtals

Das Highlight neben dem Gipfel stellte die Einkehr in der Allrissalm dar. Wie immer war sie gut besucht, den Besuch aber jedenfalls wert.

kulinarisches Highlight in der Allrissalm mit perfekter Abfahrtsspur

Die Bergsteigeruhr zeigte den Aufstieg mit 1.505 m an (geodätisch sind es 1.466m).

Goliath aus der warmen Stube gesehen

Die Strecke beträgt 6,8km (über die Rodelbahn) und unsere Gesamtzeit mit allen Pausen betrug 6:21 Stunden. Die reine Aufstiegszeit auf den Gipfel betrug 3:35 Stunden.

Mils, 23.01.2022

Schitour Hoher Zahn, 2.925 m

Die rassige Schitour auf den Hohen Zahn stellt, wie viele Schitouren im hinteren Gschnitztal, ein recht alpines Unternehmen dar, bedarf der Ausdauer und sollte auch aufgrund der großen Hangneigung ab 2.400 m eher vom Erfahrenen begangen werden. Großartige hochalpine Ausblicke werden über den Verlauf des Aufstiegs angetroffen.

Edit und der Autor am Hohen Zahn

Im oberen Teil der Schitour, nach dem weiten Becken zwischen Schwarzer Wand und Gamsschrofen sowie ab dem oberen Rückenansatz des Gamsschrofens bis zum Sattel am Grat, herrschen Hangneigungen von durchgehend 35° und mehr, die steilsten Passagen reichen an die 40° heran.

tolles Panorama am Weg zur Laponesalm

Aber auch schon im unteren Teil, im Bereich der Schleimsalm auf den Kühberg hinauf, treten am Hang Steigungen über 35° auf. In jedem Fall muß auf dem Nordhang über die gesamte Saison mit der Notwendigkeit von Harscheisen gerechnet werden.

das Ziel sichtbar, links der Hohe Zahn, rechts die Weißwandspitze

Der Start beim Gasthaus Feuerstein, bzw. neben dem im Winter geräumten Straßenstummel zum letzten Wohnhaus erfolgt möglichst früh, um die kleine Kapazität an Parkmöglichkeiten rechtzeitig zu nützen (der große Parkplatz dient im Winter der Loipe und wird auch nicht teilweise geräumt).

an der Laponesalm

Über die leicht steigende Straße beginnt die bärige Tour in Richtung Laponesalm, des Winters, bis in den April und Mai hinein bleibt diese ungeräumt und dient nur als Spazierweg im Tiefschnee, da sie wegen des zu kleinen Gefälles auch als Rodelbahn nicht genutzt werden kann.
Auf diesem Teilstück gibt es einen kleinen Gegenanstieg am Rückweg nach der Tour und wegen des geringen Gefälles muß auch sonst über kleinere Teilstrecken angeschoben werden.

links über die Brücke

Bereits vor der Laponesalm öffnet sich ein tolles Panorama mit Blick auf den Grat von der Weißwandspitze bis hinab zum Schafkamp und auf der rechten Talseite der Inneren und der Äußeren Wetterspitze.

kurz vor dem Schleimsalmbach

Die Brücke über den Gschnitzbach führt in leicht steigendes Almgelände mit einer Hütte, die links liegen gelassen wird und sich das Gelände aufsteilt. In Richtung zum Ufer des Schleimsalmbachs hin  führt die Route durch Stauden und kleine Kuppen bevor der Bach überquert wird und kurzzeitig auf der Westseite in der Nähe des Schotterwegs zur Schleimsalm aufgestiegen wird.

Überquerung auf die Westseite des Bachs

Nach ein paar Minuten führt die Route wieder zurück auf die Ostseite des Bachs und entlang des Weges wird 100 m nach dem Bach bereits vor einer Spitzkehre direkt aufgestiegen. Dort kann man durch Stauden und kleine Birken den Weg verlassen uns zeitsparender durch das steile Gelände aufstiegen, oder dem Weg weiter folgen.

ein kurzes Stück westlich vom Bach aufwärts

Bald, etwa nach 10 min, erreicht man eine leichte Mulde aus der die weitere Route gut sichtbar wird, das Gebiet der Schleimsalm in dem hoher Bewuchs zurücktritt.

Rückblick auf die Laponesalm und das Gschnitztal

In diesem Gelände bildet sich eine sichtbare Rampe auf den steilen Hang oberhalb der Schleimsalm aus, der bis zum Ansatz des Hangs gefolgt wird und ab dieser Stelle bei unserer Begehung Harscheisen vonnöten waren.

bereits im Almgelände der Schleimsalm, im Hintergrund die Schwarze Wand

Nach dem Steilhang, den wir gegen Osten auf einen flacheren Hang hin verließen, wird das Gelände wieder flacher, und bei unserer Tour, in dem nicht besonders mit Schnee gesegneten Winter, zwischen jeder Menge Felsbrocken hindurch.

hartgefrorene Schneeoberfläche am Kühberg

Weiters stiegen wir auf einer völlig umgewandelten und gefrorenen Schneedecke über den Kühberg auf, die das Ablegen der Harscheinsen bis zum unteren Ansatz der Schwarzen Wand nicht erlaubte.

durch Brocken und Blöcke hindurch

Unterhalb der schwarzen Wand, gebildet aus dem interessanten Gestein Amphibolit-Tonalitgneis, so wie auch der anschließend zu bewältigende Gamsschrofen, wurde die Schneedecke wieder etwas durchgehender, blieb jedoch gleich hart wie zuvor.

Querung unterhalb der Schwarzen Wand

Mit geringem Höhenverlust führt die Route nun in das weite Becken zum Gamsschrofen, dessen steile Südostflanke aufgestiegen werden muß, bevor das steilste Stück der Tour in Angriff genommen werden kann.

Im RÜckblick Herwig mit dem Habicht im Hintergrund

Durch das Becken begleitete uns der hartgefrorene Schnee mit teilweise signifikanten Schneegangln, sodaß wir hin und wieder die Schi anheben mußten, um diese zu überwinden.

weiterer Aufstieg im Zoom

Auch im Hang auf den Gamsschrofen betraten wir diese unangenehme Oberfläche, jedoch war ihre Dicke dort nicht so groß, sodaß wir im steilsten Teil glücklicherweise durchbrachen und besseren Halt fanden.

im Osthang auf gefrorener Aufstiegsroute

Am Gamsschrofen studierten wir bei einer Trinkpause den weiteren Verlauf und mußten feststellen, daß das kommende Teilstück unterhalb der Felsschrofen steiler und noch unangenehmer sein würde. Und so kam es mit einigen Rutschern des jeweiligen Talschis auch, trotz Harscheisen.

bereits unterhalb des mächtigen Schrofens auf den Sattel

Durch die Steilpassage konnten der prächtige und bizarre Dolomitaufbau der Weißwandspitze hervorragend studiert werden, wenngleich wir auch die Konzentration auf die widrigen Schneebedingungen legen mußten. Verbunden mit Hangneigungen knapp an 40° eine sehr notwendige Maßnahme in diesem extremen Gelände.

dolomitische Weißwandspitze mit jungen Abbrüchen

Junge Brüche kennzeichnen die Nordwand der nicht umsonst Weißwandspitze getauften mächtigen mesozoischen Sedimente, aufgelagert auf Ötztalkristallin – Überbleibsel des Erdmittelalters, durch Abtrag heute nicht mehr verbunden mit dem westlich gelegenen Dolomitmassiv der Tribulaune.

Edit quält sich unter dem Schrofen zur trichterförmigen Mulde

Die trichterartige Ausmuldung zwischen einem markanten Schrofen rechts und der Rippe – die zum Gamsschrofen hinabzieht – auf der linken Seite wird nach rechts auf die Oberseite des Schrofens gequert, wo eine flachere Passage zur letzten Trinkpause einlädt.

Herwig an der Flachstelle oberhalb des Schrofens

Von dort kann der restliche Aufstieg zum Sattel zwischen dem Hohen Zahn und der Weißwandspitze eingesehen werden. Von dort steigt man etwas flacher unter den Sattel, dessen Anstieg über ein kurzes Stück nochmals mit gut 40° Steigung aufwartet.

Edit oberhalb des Schrofens

Der Sattel wird leicht östlich von der tiefsten Einschartung erreicht, etwa auf 2.850 m. Er ist dort flach, angenehm breit und als Schidepot gut geeignet.

Ausstieg zum Sattel im linken mittleren Bilddrittel

Im beginnenden Frühjahr fanden wir den Gipfelaufbau des Hohen Zahns teilweise aper und mit noch dünner und fauler Schneedecke vor, sodaß wir gleich beschlossen die letzten 100 m Aufstieg zu Fuß zurückzulegen. Die Sommerweg Markierungen am Steig fanden wir bereits völlig ausgeapert vor.

Aufstieg vom Sattel auf den Hohen Zahn, unten Schidepot

Am flachen Gipfel selbst, zum kleinen Gipfelkreuz hin, dominierte eine halbwegs tragfähige Schneeoberfläche. Die steileren Flanken nach Südwesten hin, zur Einsicht der Abfahrt, die man auf die Pflerscher Scharte hin unternehmen kann, waren jedoch aufgeweicht.

das flache Gipfelplateau des Hohen Zahns

Leider trübte Nebel die imposante Rundumsicht am Hohen Zahn.
Hinter den Wetterspitzen im Nordwesten tummeln sich die Östliche Schwarzenbergerspitze und der markante Schrankogl sowie die Ruderhofspitze und Westliche und Östliche Seespitze.

Herwig am Hohen Zahn, 2.924 m

Anschließend gen Norden schwenkend die Knotenspitzen und noch vor der Südlichen Rötenspitze weit in der Ferne der Lüsener Fernerkogel sowie im Vordergrund der Ochsenkogl und dahinter wieder die Brennerspitze.

Blick nach Nordwesten mit Östlicher Schwarzenbergerspitze, Schrankogel, Ruderhofspitze,Westliche und Östliche Seespitze

Im Norden Glättespitze und der mächtige Habicht sowie die Erhebungen des schönen Serleskamms, von denen als bärige Schitouren Hammerspitze, Padasterkogel, Foppmandl, Wasenwand, Lämpermahdspitze, Kesselspitze und Peilspitze zu nennen wären, um nur einige zu nennen.

Knotenspitzen, Rötenspitze, Lüsener Fernerkogel, Ochsenkogl, Brennerspitze, Habicht sowie die Erhebungen des Serleskamms

Im Nordwesten, im Kamm, liegt der Pflerscher Pinggl, ein sehr lohnendes Schitourenziel durch das Sandestal, anschließend die Dolomitriesen Gschnitzer und Pflerscher Tribulaun mit dem vorgelagerten Spitz des Goldkappls und weiter im Osten tief unten das Pflerschtal mit seinen tollen Touren auf dessen Südseite.

Pflerscher Pinggl mittig im Bild, links davon die Gargglerin, rechts davon der Muttekogel und das Goldkappl

Im Süden prangt die Wetterspitze, eine rassige Schitour durch das Allrisstal, die beliebte Schitour auf die Maurerspitze, sowie die nette Schitour auf die Ellesspitze sowie, weiter im Süden in 16 km Entfernung die Hohe Kreuzspitze vom Ratschingstal aus.

links der Gschnitzer Tribulaun, rechts der Pflerscher Tribulaun

Die hohen südlichen Stubaier im Südwesten sind der Botzer, die Aglsspitze sowie Westlicher und Östlicher Feuerstein, bevor die Weißwandspitze die Runde beendet und den Ausblick begrenzt.

Wetterspitze im rechten Bildteil

Das schlichte kleine Gipfelkreuzl am Hohen Zahn mit der Huldigung Christus‘ als dem König der Berge wird seiner großen Aussage durch den Schiefstand nicht ganz gerecht und bedarf eines neuen Sockels, um neu zu erstrahlen. Eine Aufgabe für den Sommer.

die hohen südöstlichen Stubaier: Botzer, Aglsspitze und die Feuersteine

Die Abfahrt wäre vom Blickwinkel des Geländes an sich eine unvergessliche möchte man bemerken. Unsere hingegen war das was der eingefleischte Schitourenfreund, der nicht des Bergsteigen willens Gipfel erreicht, eine Katastrophe nennen würde.

Rüsten zur Abfahrt, Edit machte Schidepot unterhalb des Sattels

Die gefrorene Oberfläche und die teilweise hohen Windgangln verlangten der Edit alles an Können ab und hauten uns – wie man so sagt – die Zähne heraus. Erst weit unten verbesserte die Sonneneinstrahlung die Oberfläche, wodurch wir ab der Schleimsalm noch die restlichen 400 Hm unter bärigem Firm abfahren durften.

Abfahrt vom Sattel

Abschließend konnten wir am vorletzten Märztag am späten Nachmittag sogar noch auf der Terrasse des Gasthof Feuersteins die schöne Tour Revue passieren lassen.

Querung unterhalb der Schwarzen Wand

Der geodätische Höhenunterschied im TIRIS gemessen beträgt 1.640m, die kleinen Passagen mit Gefälle (Weg zur Laponesalm) ließen die Höhenmessung der Bergsteigeruhr schließlich bei 1680 m enden.

verdiente Firnschwünge im Gelände der Schleimsalm, Edit genießt sie

Vom gesamten Aufstieg über 9,3 km werden 185 m in 3,1 km bis zur Laponesalm zurückgelegt. Somit verbleiben lange 6,2 km und 1.495 m Aufstieg vom Tal.

Tourenausklang auf der Terrasse des Gh. Feuerstein

Wir haben für die Schitour unter keineswegs einfachen Bedingungen und einer langsam bedachten Abfahrt gesamt 7:50 Stunden gebraucht, davon knapp 5 Stunden im Aufstieg.

Mils, 20.03.2022

Schitour Steintalspitze, 2.742 m

Zu äußerst im Kraspestal gelegen befindet sich das Schitourenziel der Steintalspitze, die über ein gar nicht so kurzes Tal nach Überwindung der ersten Geländestufe rechts oberhalb des Kraspesbachs über einen tollen Steilhang erreicht wird.

Herwig am Gipfel der Nördlichen Steintalspitze, Im Hintergrund Sulz- und Zwölferkogel

Von Haggen werden knapp 1.100 m Aufstieg zum Gipfel zurückgelegt. Die Sicht auf Kühtai, den Pockkogel und die westlichen und nördlichen Sellrainer Gipfel lassen die Steintalspitze, vielmehr handelt es sich beim Tourenziel um die Nördliche Steintalspitze, zu einer interessanten Unternehmung werden.

Start am Parkplatz in Haggen; Schöllerkogel als markanter Gipfel im vorderen Kraspestal 

Der Blick nach Süden wird durch den höheren Schöllerkogel1 begrenzt, der als Schitour ebenfalls über das Steintal, aber auch über das Wilde Kar tiefer im Kraspestal erreicht werden kann.

am Bachbett Richtung untere Zwinge

Am kleinen Parkplatz in Haggen beginnt die kurze Tour neben der Schärmer Alm. Mitte April 2022, bei unserer Begehung, war es notwendig die Schi bis in den Lärchenwald hinein zu tragen, einen guten halben Kilometer weit, und über Schneereste erreichten wir noch die geschlossene Schneedecke zur ersten Zwinge.

Aufstieg über die Zwinge

Dieser Tage spielt sich die Balz der Birkhühner ab und wir durften das Schauspiel junger Hähne, auf deren typisch traditionellen Balzplätzen östlich oberhalb des Lärchenwaldes, in entsprechender Entfernung miterleben und aufzeichnen. In sich gekehrt beeindruckte die vier Hähne kaum das Vorbeiziehen mehrerer Schitourengruppen mit dem lauten Kraschelgeräusch der Schi auf der gefrorenen Firnoberfläche.

Auf der anschließend freien Fläche bis zur unteren Zwinge lag noch genug Schnee, wenn auch nur mehr im Bachbett durchgehend.

im oberen Teil nahe am Bach

Daß für den Aufstieg über die Zwinge Harscheisen notwendig waren versteht sich, wenn man diesen Abschnitt kennt. Wir beließen sie aber auch für den steilen anschließenden Hang  montiert und sollten damit Recht behalten. Selbst am oberen, sonnigen Teil der ersten Geländestufe ins Steintal leisteten die Harscheisen am frühen Vormittag noch wertvolle Dienste.

am schmalen Schneeband in das Steintal

Flankiert von den herabziehenden Graten des Schöllerkogels links und Windegg rechts beginnt das Steintal auf einer Höhe von etwa 2.250 m. Die rechte Talseite (Blickrichtung Aufstieg) wird von mehreren Moränenwällen geprägt, die linke Talseite ist hingegen bis tief hinein ins Tal frei davon, den Karhängen vom Schöllerkogel herab liegt die natürliche Böschung zugrunde.

Rückblick auf die erste Geländestufe

Relativ flach verläuft der Anstieg bis über die Mitte des Steintals. Zwischen größeren Blöcken zieht der Aufstieg durch die Moränenlandschaft hindurch, bis auf eine scheinbare Kuppe, an der der restliche Teil des Aufstiegs zur Gänze eingesehen werden kann.

am Beginn des Steintals

Vor unseren Augen breitete sich der Talkessel mit dem Steintalsattel (2.670 m) zwischen Steintalspitze und Pockkogel aus, die man im Aufstieg zur Nördlichen Steintalspitze rechts liegen läßt.

Rückblick auf Räuhengrat, Haidenspitze und Rotgrubenspitze

Der Aufstieg erfolgt über einen Steilhang mit der größten Neigung in der Mitte und mit deutlicher Abflachung nach oben, zur Grathöhe hin.

im flachen Teil im Steintal, rechts Moränenwälle

Im Mittelteil, zwischen den begrenzenden Schrofenrippen, noch unterhalb 2.600 m, erreicht die Hangneigung im Durchschnitt etwas mehr als 35° und mehr an Einzelstellen.

durch die Blockfelder hindurch zieht sich der Aufstieg ins Steintal

Wir erreichten den Steilhang etwa um halb elf und fanden ihn bereits tief aufgefirnt, jedoch noch gut griffig vor. Dies vielleicht als Tipp für die Wahl des Abmarsches in Haggen – wir starteten kurz nach acht Uhr.

Herwig voraus zum Steilhang

Die Ausrichtung des Hangs zeigt nach Südost, sodaß er bereits mit den ersten Sonnenstrahlen erwärmt wird. Zusätzlich gibt es ab dem Sonnenaufgang keine Abdeckung durch vorgelagerte  Erhebungen, sodaß er sich im April zu dieser Tageszeit bereits gute drei Stunden unter Erwärmung befindet.

Rückblick auf den Aufstieg im hinteren Steintal

Im oberen Teil flacht die Steigung ab, etwa ab zwei Drittel des Aufstiegs von unten. Einige Steinfelder im oberen Bereich waren bereits ausgeapert, die Schneedecke jedoch weitestgehend geschlossen.

bereits gut aufgefirnte Spur

Am Grat kein störender Jochwind, wir fanden ein angenehmes Lüftchen vor, unter dem der Aufstieg zum Gipfel keine Zusatzbekleidung bedurfte.

oberer Teil des Steilhangs

Der Felsaufstieg von etwa 50Hm läßt sich mit den Tourenschuhen leicht begehen und die Blöcke durchgehend recht griffig. Der Aufstieg ist kaum ausgesetzt und eher steintalseitig denn direkt an der Gratlinie. Etwa zehn Minuten benötigten wir bis zum Gipfelplateau mit dem kleinen Steinmann.

Schidepot unterhalb der Nördlichen Steintalspitze

Die Südliche Steintalspitze liegt ca. 300 m entfernt am Grat zum Schöllerkogel und ob sie wirklich einen eigenständigen Gipfelnamen rechtfertigt mag dahingestellt sein, die notwendigen 30 m Schartenhöhe können im Blick auf sie schwerlich erkannt werden.

Nördliche Steintalspitze, 2.742 m

Am Grat weiter Richtung Süden befindet sich der um 160 m höhere Schöllerkogel (2.902 m), rechts davon der schöne Gipfel der Kraspesspitze (2.954 m) mit Gipfelkreuz.

im Vordergrund kaum gut erkennbar die Südliche Steintalspitze, dahinter Schöllerkogel und rechts davon die Kraspesspitze; ganz rechts Finstertaler Schartenkopf

Weiter südwestlich taucht der Grat zur Finstertaler Scharte ab und schwingt sich wieder zum Schartenkopf hinauf (2.855 m). Der Übergang vom Finstertal mit Schartenkopf und Kraspesspitze stellt eine der bärigen Rundtouren im Kühtai dar.

Finstertaler Schartenkopf, Gamskogel und rechts Sulzkogel

Gegenüber im Westen befinden sich die schön geformten Spitzen des Sulz- und des Zwölferkogels und der Blick auf Kühtai.

Kühtai in der Tiefe

Im Nordwesten, auf der gegenüberliegenden Talseite im Kühtai, markiert der markante Pirchkogel, die zweithöchste Erhebung in den Nördlichen Sellrainer Bergen, das zum Talbeginn des Ötztals hin abfallende Gebirge gegen Westen.

Pirchkogel bis Rietzer Grießkogel im Norden

Die höchste Erhebung im Norden bildet der mächtige Rietzer Grießkogel (2.883 m). Mit nur 117 m fehlendem Höhenunterschied zu einem Dreitausender die weitaus höchste Erhebung direkt im Inntal bis zur Mündung des Ötztals.

Pockkogel und Windegg

Gegenüber der Nördlichen Steintalspitze befindet sich der Pockkogel, den Julius Pock, Gründer der Bergsteigergemeinschaft der „Wilden Bande“ zu Innsbruck (1878), ab Samstag Nachmittag nach Dienstschluss, mit dem Fahrrad von seiner Wohnung in der Colingasse in Innsbruck in Angriff nahm und am Sonntag erst bestieg, sowie wieder am selben Tag nach Hause zurückkehrte.

am Schidepot bei der Rast

Zurück am Schidepot genossen wir die bereits kräftige Sonne bei der Gipfelrast. Einige Tourengruppen kamen nach, die Nördliche Steintalspitze bekam jedoch kaum mehr Besuch, da wenige den Gipfel besuchten, sondern den Aufstieg am Grat beendeten.

der tolle Abfahrtshang im Rückblick

Eine bärige Abfahrt über den mittlerweile schon fast zu tief aufgefirnten Sonnenhang bildete den Auftakt der Abfahrt ins Kraspestal.

Über die dunkle Zwinge hinab herrschten – wie meistens – dieselben Verhältnisse wie in der Früh, die Strecke blieb hart und gefroren.

Flachstrecke im Steintal

Bei kaltem Wind kehrten wir zu g’schmackigen Knödeln in das Gasthaus Forellenhof ein, die Schärmer Alm hatte Vortags den letzten Tag vor einem Betriebsurlaub.

schöner Blick über die untere Zwinge ins äußere Kraspestal

Die sonnige kurze Schitour erstreckt sich über 1.095 m Aufstieg für die wir 4:43 h benötigten. Die Streckenlänge beträgt 5,5 km.

Mils, 18.04.2022

1 interessante Richtigstellung der im Kartenwerk (AV und Tiris) falschen Bergbezeichnung durch Lukas Ruetz: https://www.lukasruetz.at/2016/04/29-4-2016-zwieselbacher-rosskogel-3080m-schoellerkogel-2910m/

die Benennung „Schöller Kogel“ wird ebenfalls im Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt geführt, Jahr: 1932 Band: 82, Ladurner Josef: Die Quartärablagerungen des Sellrain (Stubaier Alpen)

weitere Hinweise der Namensgebung finden sich in der Besteigungsgeschichte des Gleirscher Fernerkogels im September 1883 durch Ludwig Purtscheller und Hans Schöller:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gleirscher_Fernerkogel

Hans Schöller, ein Physiker: https://apis.acdh.oeaw.ac.at/person/39606
dürfte Purtscheller am gemeinsamen Arbeitsplatz in der Ober(Staats)realschule in Salzburg kennengelernt haben und sich nicht nur bei vorgenannter Erstbesteigung, sondern verstärkt in den Sellrainer Bergen aufgehalten haben; es drängt sich der Schluß auf, daß der Schöllerkogel möglicherweise nach ihm benannt wurde

Schitour Brennerspitze, 2.877 m

Bereits eine recht anspruchsvolle stellt die im oberen Teil sehr steile und unvergessliche Schitour auf die Brennerspitze dar, die im oberen Teil durchwegs Hangneigungen von 35 bis 40° aufweist und an den Gratrippen darüber hinaus. Von Krößbach aus, mit 1.760 m Aufstieg, ist sie noch dazu eine lange. Für dieses Unternehmen müssen die Schnee- und Lawinenverhältnisse passen.

Brennerspitze, 2.877 m

Am kleinen Parkplatz Oberegg oberhalb des Neustifter Ortsteils Krößbach starteten wir am Rodelweg in Richtung Milderaunalm. Zunächst mußte am Weg drei Kehren entlang aufgestiegen werden bevor wir rechts in den Wald die Abkürzung nehmen konnten, die in direktem Anstieg zur Milderaunalm führt.

in der Abkürzung kurz vor der Milderaunalm

Nach einer Stunde erreichten wir die geschlossene Alm auf 1.675 m und mit erstem Blick auf das Ziel, noch 1.200m höher.

Gelände der Milderaunalm

Hinter der Milderaunalm folgten wir den Spuren, die entlang des Sommerwegs in den Wald auf einen Rücken mit aufgelockerter Lärchenbewaldung führten. Kurzzeitig wurde dort das Gelände flacher und leitete auf den nächsten Anstieg im stetig lichter werdenden Wald über.

im oberen Teil des Waldes, Lärchenbewuchs sorgt für Auflockerung

Das Gelände wird aufwärts gequert bis sich eine Mulde auftut, in der weiter aufgestiegen wird. Der Wald weicht mehr und mehr zurück, sodaß am oberen Teil der Mulde nur mehr vereinzelt Bäumchen angetroffen werden.

eine Mulde führt unterhalb einer Geländestufe

Entlang der von West auf Nordost drehenden Mulde, die sich verflacht und ausläuft, passiert man eine Geländestufe unterhalb des Hühnerspiels. Diese Stufe ist der nächste Steigabschnitt, sie wird gegen Ende der Nordostrichtung auf langem, jedoch flacherem Weg durchstiegen. Die Dimensionen dieser Passage beeindruckten uns im Aufstieg.

Querung unterhalb der Geländestufe nach Nordwesten

Auf der Geländestufe oben hat man bereits die 2.200 m Marke überschritten und noch knapp 700 Hm zu überwinden. Die Dimensionen dieses Anstiegs erscheinen dennoch gewaltig.

oberhalb der Stufe breitet sich ein schönes breites Kar aus

Der Ausblick auf die Brenner- und die um 130 Hm niedrigere Mittergratspitze, rechts der ersteren ist großartig. Das Schigelände kann als phantastisch bezeichnet werden, ein steiles Hochtal mit wunderbaren Abfahrtshängen.

durch die Mulde auf den steilen Hang

Zunächst mußten wir durch eine seichte Mulde, bevor das Gelände stetig steiler wurde. Zu lange folgten wir den Spuren unserer Vorgänger, sodaß wir den gleichen Fehler begingen und rechts der beiden Rippen unterhalb der Mittergratspitze aufstiegen, die zu steil zum überwechteten Grat führen.

schlechte Aussichten voraus – zu weit rechts aufgestiegen

Der Versteiger führte zu einer etwas prekären Situation, die erforderte, daß wir unter den mächtigen Wechten am Grat westwärts queren mußten. Allerdings auch mit dem Vorteil einer ganz vorzüglichen Perspektive für ein Bild vom Gipfelaufbau der Brennerspitze und den Blick auf den Originalaufstieg, eine Rippe weiter westlich, mit flacheren Flanken.

mit Querung unter extremer Hangneigung

Der Tiefblick in der Querung zum Sattel zwischen beiden Gipfeln zeigt die Steilheit wesentlich besser als der Eindruck von unten. Der letzte Hang zum Schidepot ist dann wesentlich flacher als der Mittelteil davor.

letzte Querung auf den Gipfelhang der Brennerspitze

Vom Schidepot gilt es noch knapp 50 Hm stapfend zu überwinden, wovon der Großteil sehr steiles Gelände darstellt. Mit Stapfspuren jedoch keine gefährliche Angelegenheit und auch nicht ausgesetzt.

am Fuß des Gipfelhangs der Brennerspitze

Das schmale länglich geformte Gipfelplateau konnte die für die Brennerspitze ungewöhnlichen Massen an Schitourenbergsteigern an diesem wunderbaren Tag kaum aufnehmen, so zog sich am Grat eine kleine Schlange an Gipfelbesuchern hin bis vor das erste Schärtchen in Richtung Kerrachspitze.

Gipfelkreuz der Brennerspitze vom Schidepot aus

Zwei Bergfreunde, offensichtlich ein Ehepaar, stifteten der Tafel nach das schöne und massive Holzgipfelkreuz auf der Brennerspitze. Eine Jahreszahl dazu gibt es nicht am Kreuz zu sehen, es dürfte aber schon einige Jahrzehnte die Brennerspitze zieren, bedenkt man die Schlitzschrauben, mit denen die Tafel moniert wurde.

Herwig am Gipfel der Brennerspitze

Aufgrund ihrer zentralen Lage im Stubaital und der weit gen Norden und Osten konkurrenzlosen Höhe stellt die Brennerspitze einen phantastischen Aussichtsberg dar.

Detailaufnahme der Nordflanke des Habichts

Der eindrücklichste Blick ist jener in den Süden auf die gewaltige Nordseite des Habichts. Der Anstieg erfordert hohes alpinistisches Können im Eis sowie eine hervorragende Kondition.

Rechts des Habichts kann in der Ferne gerade noch der Hohe Zahn und die Weißwandspitze erkannt werden, die vom Gschnitztal aus begangen werden.

Habichtkamm mit seinem Namensgeber dem Habicht und rechts im Hintergrund gerade noch der Hohe Zahn und die Weißwandspitze zu sehen.

Weiter rechts, im Südwesten bietet die Brennerspitze eine hervorragende Aussicht auf die Riesen des Mittleren Hauptkamms, von den Wetterspitzen, den Feuersteinen über den Wilden Freiger, dem flachen Gipfel der Sonklarspitze bis hin zu Wildem Pfaff und dem Zuckerhütl.

von links der markante Ochsenkogel, Äußere und Innere Wetterspitze, Schneespitze zwischen beiden, Östlicher, Westlicher (höchster) und Aperer (tiefer unten) Feuerstein, Langental mit Grüblferner am Ende in der rechten Bildhälfte, roter Grat, Wilder Freiger, der flache Kammgipfel der Sonklarspitze, Wilder Pfaff und Zuckerhütl

Von den Alpeiner Bergen muß als höchste Vertreterin die Ruderhofspitze erwähnt werden, mit weiteren seht lohnenswerten Zielen im Ostteil des Kamms, beispielsweise die Östliche Knotenspitze von der Neuen Regensburger Hütte aus und der mächtige Schrankogel.

Zuckerhütl links, Pfaffenschneid, Aperer Pfaff, Schaufelspitze und Nockwand im Vordergrund fast auf einer Linie, in der Ferne Stubaier Wildspitze über der Grawagrubennieder und rechts davon der Östliche Daumkogel, der schwarze amphibolitische Kamm zur Ruderhofspitze, rechts davon die Östliche Seespitze, rechts davon die Kräulspitzen, im Vordergrund die Knotenspitzen, äußerst rechts der mächtige Schrankogel

Im Westen, gut 800m entfernt, die Kerrachspitze, ebenfalls ein Schitourenziel, unternommen aus dem Oberbergtal, rechts davon in der Tiefe das bekannte Rinnenspitzl, erster und leichtester Dreitausender von der Franz Senn Hütte aus, rechts dahinter die Lüsener Spitze, dann der mächtige Lüsener Fernerkogel, der Gleirscher Fernerkogel und schließlich, als Abschluss der Dreitausender im Rundblick, die Hohe Villerspitze, gebaut aus dem bereits von weitem unterscheidbaren schwarzen Amphibolit, der als im Norden den granitischen Kern der Stubaier begrenzt.

rechts neben dem Lüsener Fernerkogel der Gleirscher Fernerkogel über dem kleinen Horntaler Joch, rechts vom Horntaler Joch die Grubenwand, tiefer im Vordergrund der Schafgrübler, die mächtige schwarze Hohe Villerspitze, Lüsener Villerspitze im Hintergrund, Schaldersspitze im Vordergrund und rechts davon Roter Kogel

Das schöne Schitourenziel des Roten Kogels im Hintergrund und das Schwarzhorn bilden in den Sellrainer Bergen den Abschluß, in den anschließenden Kalkkögeln die Schlicker Seespitze.

die ausklingenden Kämme nach Osten; links in den Südöstlichen Sellrainer Bergen das Schwarzhorn, im Vordergrund im Kamm Mittergrat- und Seeblasspitze, im Hintergrund Kalkkögel und in der Ferne die Spitzen des Karwendels

Die Tuxer im Osten und die Zillertaler in der Ferne, sowie die bärigen Schitourenziele im Serleskamm, es seien hier mit der Kesselspitze und der Lämpermahdspitze nur zwei rassige Vertreter der zahlreichen, hier am Blog beschriebenen Touren von Trins aus genannt, runden den Ausblick von der Brennerspitze ab.

der Serleskamm mit bärigen Schitourenzielen südöstlich gegenüber

Im Tiefblick in das Oberbergtal hinab zeigt sich ein durchwegs steiler nordseitiger Anstieg. In den Hängen orographisch links oberhalb der Normalroute forderte ein Lawinenabgang in die Äußere Stöcklengrube hinab wenige Tage später das Leben eines jungen Kollegen, eines exzellenten Schifahrers. Die Hänge sind dort sind so wie auf der Südostseite ebenfalls über 40° steil.

Tiefblick ins Oberbergtal

Vom Schidepot genossen wir die erste pulverige Abfahrt bis zum steilen Mittelteil, über den man nicht hinuntersehen kann, bis dessen obere Begrenzung erreicht ist.

Abfahrt über den Gipfelhang

Wir hatten das große Glück in jungem Lockerschnee zu fahren, ja im oberen Teil kann man sagen es war annähernd Pulverschnee, unten war ihm ein kaum merkbarer dünner Umwandlungsdeckel aufgesetzt.

Steilstrecke von der Brennerspitze hinab

Die Hangneigung mag auf den Bildern nicht steil erscheinen, in Wahrheit beträgt sie im Mittelteil auf dieser Seite im Durchschnitt 38° (gemessen im TIRIS) mit Passagen gut über 40°.

beste Schneeverhältnisse

Bis zur Milderaunalm genossen wir die Abfahrt zwischen schwerem Altschnee auf der Sonne zugewandten Hängen – Firn war noch keiner gebildet – und im schattigen Wald wieder unter lockerem Schnee.

 

 

Ab der Alm überwiegten fauler firnähnlich körniger Altschnee und auf der Rodelbahn feste Oberflächen. Einige Hundert Meter mußten wir die Schi schultern, kaum der Rede wert.

Panorama Südabfahrt Brennerspitze

Gesamt benötigten wir 5:50 Stunden für die lange Schitour. Die Strecke beträgt 6,2 km und der Aufstieg 1.720 m.

Mils, 13.03.2021