Archiv der Kategorie: Bergtouren Winter

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Schitour Wetterspitze, 2.706 m

Die formschöne Wetterspitze im Aggls-Rosskopf-Kamm der Stubaier Alpen in Südtirol ist eine lohnende, nicht ganz einfache und rassige Schitour, aus Nordtirol kommend eher vom Pflerschtal als vom Ridnauntal her begangen. Durch das lange Allrisstal führt die Route auf den kühnen Gipfel.

Herwig am Gipfel der Wetterspitze, 2.706 m

Eine abklingende und sich auflösen sollende Nordstaulage trieb uns hinter den Brenner auf diese außergewöhnlich schöne Reise, die bereits einmal abgebrochen werden mußte, weil sie ihrem Namen alle Ehre erwiesen hat und uns mit Schneefall und Nebel abgewiesen hat. Diesmal sollte es umgekehrt erfolgen.

Start am Parkplatz St. Anton, der Pflerscher Tribulaun bereits voll beleuchtet

Über die Pflerschbachbrücke bei St. Anton im Pflerschtal und 500 m weiter zum Parkplatz, bei dem kein windiger Automat, sondern ein Einheimischer 5.- einkassiert, fährt man, wenn die Wetterspitze bestiegen werden soll. Die Straße noch 1,3 km weiter müßte man fahren, wenn man die Maurer- oder Ellesspitze besteigen wollte.

unterhalb der Allrissalm

Der Aufstieg vom Parkplatz erfolgt teilweise über die Rodelbahn, die, von der Allrissalm herab, ein beliebtes Familienziel darstellt und bei der Abfahrt nach dem Almbesuch zur Ende der Tour meist gut frequentiert ist.

die Allrissalm bleibt rechts liegen

Die Rodelbahn kann nach der ersten und zweiten Kehre abgekürzt und in der Schneise dazwischen aufgestiegen werden. Dabei muß Staudenwerk umgangen werden und bei dürftiger Schneelage bzw. wie in unserem Fall mit Schneefall, der seit vielen Tagen ausgeblieben ist, findet man den Aufstieg durch das Abrutschen von Abfahrern meist vereist vor, müht sich merklich über diese Passagen und bekommt daher gleich zu Beginn der Tour warm.

Brücke über den Allrissbach

Bereits 150 m unterhalb der Alm werden die Almgebäude oberhalb einer freien Weidefläche gesichtet. Und nach der Tour wärmstens empfohlen zu betreten.
Am Weg ins Allrisstal wird die Alm rechts liegen gelassen, man folgt kurz dem Weg, der oberhalb der Alm nicht mehr präpariert ist, ins sich verengende Allrisstal neben dem gleichnamigen Bach, der an der Wasserfassung über die Brücke überquert wird und steigt im Aufstiegssinn rechts vom Bach auf.

das schöne Allrisstal

Das Tal weitet sich sofort nach der kurzen Waldpassage merklich auf und bildet einen breiten Talkessel, den man erst weit hinten, bei einer Talstufe sich verengen sieht. Gleichzeitig erkennt man in schleifendem Winkel links über der Talbegrenzung die Wetterspitze, rechts einen kleinen Teil der Maurerspitze unter Sonnenbeleuchtung.

Rückblick auf den Tribulaune

Der einzige Nachteil der bärigen Tour im Hochwinter ist die fehlende Beleuchtung im Tal. Im Jänner geht es durch das Tal hinauf, meist mit einem leicht unangenehmen Zug von Thermik von der Maurerscharte herab. Da tut manchmal der Blick in die Gegenrichtung not mit dem herrlich beleuchteten mächtigen Pflerscher Tribulaun und der Kette nach Osten mit dem tollen Schitourenberg des Nördlichen Rosslaufs.
In einem schneereichen Winter muß der Aufstieg unter Sonne im März eine wahre Pracht sein.

vor der ersten Geländestufe

Während der Sommerweg die Schrofen der Talstufe recht im Aufstieg durch Serpentinen überwindet, wird im Winter eine direkte Linie verfolgt und zwar links des Bacheinschnitts im Aufstieg. Das Gelände steilt merklich auf, bleibt jedoch unter 35° Hangneigung.

Aufstieg über die erste Geländestufe

Oberhalb der Talstufe weitet sich das Gelände wieder auf und die 2.000 m Marke wird überschritten.
Vegetationslos geht es weiter, der nächsten, kleineren Verengung des Talgrundes entgegen. Zwischen Felsblöcken hindurch, die durch den unverkennbaren Charakter von Schiefergneisen (Ötztaldecke) geprägt sind.

zweite Geländestufe voraus

Die zweite Talstufe erfolgt flacher und etwas länger. Sie leitet in das letzte große Teilbecken des Allrisstals mit dem Talabschluß, ein Hang, der auf den letzten 100 m nach oben hin Hangneigungen von über 35° aufweist – mit Stellen knapp unter 40° -, die aber umgangen werden können.

im Talkessel angelangt; die Maurerscharte bereits sichtbar

Hierzu hält man sich links im Aufstieg, zwischen nur kleinen Gesteinsbrocken hindurch. Mehrere Spitzkehren sind für den Anstieg erforderlich, der nach oben hin flacher wird. Wir konnten diese Steilpassage ohne Harscheisen bewältigen, ihre Notwendigkeit sollte durch die Nordausrichtung des Anstiegs jedoch stets bedacht werden.

Einstieg in den Steilhang zur Scharte

Die Maurerscharte auf 2.511 m wird erreicht. Dort kann das Schidepot angelegt werden, falls die Schneeverhältnisse keinen weiteren Anstieg erlauben. Der Grat der Scharte geht gleich am Ansatz der Wetterspitze steil los, weswegen wir den Anstieg in der Südflanke wählten, leicht unterhalb des Grates.

in der Steilflanke; ging noch ohne Harscheisen

Nach dem vollständigen Übergang des Grates in den zunächst breiten Osthang der Wetterspitze bietet sich ein steiler Aufstieg mit Spitzkehren an, der in unserem Fall wegen Schneemangels bald beendet werden mußte, etwa auf 2.625 m, bei einem schmalen, felsigeren Teil des Osthangs, der mittlerweile eher zu einer Rippe schrumpfte als zu einem Hang.

endlich in der Sonne auf die Gipfelflanke

Auch die Suche nach einer Spur zwischen den Felsbrocken wurde aufgrund Schneemangels immer schwieriger.

bis sie zu häufig auftraten und die Spurwahl schwierig wurde

Das Gipfelkreuz der Wetterspitze ist bereits unterhalb der felsigen Stelle sichtbar. Über die letzten 100 m konnten wir den Restaufstieg problemlos in alten Stapfspuren absolvieren.

Schidepot auf etwa 2.625 m

Vor dem Gipfelaufbau erklimmt man eine vorgelagerte Schuppe, die oben, zum Gipfel hin, mit einem steilen Abbruch auf den dünnen Grat hin abbricht.

am Schidepot; unter Schi geht es hier diesmal nicht weiter

Dort befindet sich eine Kunstplastik aus grob geschnittenen und verschweißten Stahlblechen über deren Sinn man rätselt.

vor dem Gipfelaufbau muß eine Schuppe erklommen werden

Sie stellt möglicherweise eine kühne Bergspitze dar, vielleicht sogar die Wetterspitze selbst und sie wurde fast direkt am Aufstiegspfad errichtet, sodaß ein Ausrutscher auf ihre Spitze fatale Folgen hätte. Ein Augenreizer jedoch allemal.

sonderbare Kunstplastik auf der Schuppe

Dahinter wird auf schmalem Rücken zum Abbruch abgestiegen und dies sollte mit Vorsicht geschehen, je nach Vereisung des Geländes. Der Abbruch ist etwa zwei Meter hoch und bietet gute Griffe, sodaß er dem alpin Gewandten nicht schwierig ist.

abklettern der Schuppe mit Steilabbruch auf den Grat

Jenseits des schmalen Schärtchens warten einige Meter steilen Aufstiegs am schmalen Grat, bevor sich der Hang ausprägt und zur Gipfelflanke wird, die über wenige Aufstiegsmeter zum Gipfelkreuz der Wetterspitze führt.

letzter Aufstiegsabschnitt auf den Gipfelaufbau der Wetterspitze

Zuerst galt unser Blick nach Norden, zur Nordstaulage, die sich hätte rasch am Vormittag auflösen sollten, anhand der Nebel, die immer noch im nördlichen Wipptal zu sehen waren, aber länger dafür benötigte. Somit war der innerliche Drang gestillt, den Beweis gesucht zu haben die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

In dieser Blickrichtung genießt man vom Gipfel der Wetterspitze einen fantastischen Ausblick auf den Tuxer Kamm der Zillertaler Alpen, beginnend mit der Amthor- und Rollspitze, weiter über Wolfendorn, Kraxentrager, Kluppen, Hohe Wand, Sagwandspitze, Schrammacher, Fußstein und schließlich dem Olperer.

Blick nach Osten mit Amthor- und Rollspitze, Wolfendorn, Kraxentrager, Kluppen, Hohe Wand, Sagwandspitze, Schrammacher, Fußstein und Olperer

Den Zillertalern westlich vorgelagert sind die sanften Brennerberge mit den leichten Tourenzielen des Sattelbergs, Hoher Lorenzen, Fradersteller, Grubenkopf und Geierskragen sowie dem Südlichen Rosslauf.

Blick nach Osten mit Amthor- und Rollspitze, Wolfendorn, Kraxentrager, Kluppen, Hohe Wand, Sagwandspitze, Schrammacher, Fußstein und Olperer

Weiter im Osten die höchsten Zillertaler in der Ferne und vorgelagert die Pfunderer Berge mit dem Flaggschiff der Wilden Kreuzspitze.

im Südosten die Dolomitengruppen, mit Langkofel und der Rosengartenspitze

Gegen Südosten hin die Dolomitengruppen, an unserem herrlichen Tag mit vielen Details und den markanten Gipfeln des Langkofel und der Rosengartenspitze sichtbar, im Süden Brenta und Adamello und schließlich im Südwesten die Hohe Kreuzspitze mit dem mächtigen Lodner und der Hohen Weißen in 30 km Entfernung im Hintergrund.

der Süden mit Brenta und Adamellogruppe und im Südwesten die Hohe Kreuzspitze

Die Ötztaler Granden finden sich im Südwesten und Westen mit der Hoch Wilde als südlichste Begrenzung Nordtirols, dem Hinteren Seelenkogel, Liebener Spitze, Hochfirst und dem Granatenkogel, um nur einig zu nennen.

Südwesten und Westen mit Hoch Wilde, dem Hinteren Seelenkogel, Liebener Spitze, Hochfirst und Granatenkogel

Schlußendlich bilden die hohen Stubaier des Südwestens, Botzer, Sonklarspitze, Zuckerhütl und Wilder Pfaff, Wilder Freiger.

Südwesten: Botzer, Sonklarspitze, Zuckerhütl und Wilder Pfaff, Wilder Freiger, Agglsspitze, Westlicher und Östlicher Feuerstein und die Schneespitze

Im Nordwesten die Agglsspitze (auch Aglsspitze), Westlicher und Östlicher Feuerstein, Schneespitze, Weißwandspitze, Hoher Zahn, Pflerscher Pinggl, Goldkappl, die mächtigen Pflerscher und der zahmere Gschnitzer Tribulaun den Abschluß der atemberaubenden Schau.

Weißwandspitze, Hoher Zahn, Pflerscher Pinggl, Goldkappl, der mächtige Pflerscher und der Gschnitzer Tribulaun

Die Abfahrt vom Gipfel zur Scharte wechselte zwischen harten und halbweichen Schneeverhältnissen, schifahrerisch nicht erwähnenswert.

Abmarsch von der Wetterspitze, einem tollen Aussichtsberg

In der Mulde vor der Scharte einige Meter eingewehter Triebschnee.

Abstieg mit Maurerscharte unten

Von der Scharte ins Tal hinab dominierten hartgepresste Oberflächen mit Windgangln, relativ unfein zu befahren.

an der Maurerscharte

Im Talkessel angelangt, wechselten wir auf die orografisch linke Seite und fanden dort etwas bessere Schneeverhältnisse für die Abfahrt vor. Von pulverigem Schnee konnte man allerdings nur in Mulden mit eingewehtem Triebschnee reden.

keine Spur von Pulverschnee…

Weiter unten im Allrisstal herrschten wieder die selben Verhältnisse wie nach der Scharte, allerdings mit wenig fester Decke. Das Drehen im Bruchharsch fiel uns schon schwer und Passagen mit wenigen Schwüngen waren eine Wohltat.

letzter toller Blick auf die Nordseite des Pflerschtals

Das Highlight neben dem Gipfel stellte die Einkehr in der Allrissalm dar. Wie immer war sie gut besucht, den Besuch aber jedenfalls wert.

kulinarisches Highlight in der Allrissalm mit perfekter Abfahrtsspur

Die Bergsteigeruhr zeigte den Aufstieg mit 1.505 m an (geodätisch sind es 1.466m).

Goliath aus der warmen Stube gesehen

Die Strecke beträgt 6,8km (über die Rodelbahn) und unsere Gesamtzeit mit allen Pausen betrug 6:21 Stunden. Die reine Aufstiegszeit auf den Gipfel betrug 3:35 Stunden.

Mils, 23.01.2022

Schitour Hoher Zahn, 2.925 m

Die rassige Schitour auf den Hohen Zahn stellt, wie viele Schitouren im hinteren Gschnitztal, ein recht alpines Unternehmen dar, bedarf der Ausdauer und sollte auch aufgrund der großen Hangneigung ab 2.400 m eher vom Erfahrenen begangen werden. Großartige hochalpine Ausblicke werden über den Verlauf des Aufstiegs angetroffen.

Edit und der Autor am Hohen Zahn

Im oberen Teil der Schitour, nach dem weiten Becken zwischen Schwarzer Wand und Gamsschrofen sowie ab dem oberen Rückenansatz des Gamsschrofens bis zum Sattel am Grat, herrschen Hangneigungen von durchgehend 35° und mehr, die steilsten Passagen reichen an die 40° heran.

tolles Panorama am Weg zur Laponesalm

Aber auch schon im unteren Teil, im Bereich der Schleimsalm auf den Kühberg hinauf, treten am Hang Steigungen über 35° auf. In jedem Fall muß auf dem Nordhang über die gesamte Saison mit der Notwendigkeit von Harscheisen gerechnet werden.

das Ziel sichtbar, links der Hohe Zahn, rechts die Weißwandspitze

Der Start beim Gasthaus Feuerstein, bzw. neben dem im Winter geräumten Straßenstummel zum letzten Wohnhaus erfolgt möglichst früh, um die kleine Kapazität an Parkmöglichkeiten rechtzeitig zu nützen (der große Parkplatz dient im Winter der Loipe und wird auch nicht teilweise geräumt).

an der Laponesalm

Über die leicht steigende Straße beginnt die bärige Tour in Richtung Laponesalm, des Winters, bis in den April und Mai hinein bleibt diese ungeräumt und dient nur als Spazierweg im Tiefschnee, da sie wegen des zu kleinen Gefälles auch als Rodelbahn nicht genutzt werden kann.
Auf diesem Teilstück gibt es einen kleinen Gegenanstieg am Rückweg nach der Tour und wegen des geringen Gefälles muß auch sonst über kleinere Teilstrecken angeschoben werden.

links über die Brücke

Bereits vor der Laponesalm öffnet sich ein tolles Panorama mit Blick auf den Grat von der Weißwandspitze bis hinab zum Schafkamp und auf der rechten Talseite der Inneren und der Äußeren Wetterspitze.

kurz vor dem Schleimsalmbach

Die Brücke über den Gschnitzbach führt in leicht steigendes Almgelände mit einer Hütte, die links liegen gelassen wird und sich das Gelände aufsteilt. In Richtung zum Ufer des Schleimsalmbachs hin  führt die Route durch Stauden und kleine Kuppen bevor der Bach überquert wird und kurzzeitig auf der Westseite in der Nähe des Schotterwegs zur Schleimsalm aufgestiegen wird.

Überquerung auf die Westseite des Bachs

Nach ein paar Minuten führt die Route wieder zurück auf die Ostseite des Bachs und entlang des Weges wird 100 m nach dem Bach bereits vor einer Spitzkehre direkt aufgestiegen. Dort kann man durch Stauden und kleine Birken den Weg verlassen uns zeitsparender durch das steile Gelände aufstiegen, oder dem Weg weiter folgen.

ein kurzes Stück westlich vom Bach aufwärts

Bald, etwa nach 10 min, erreicht man eine leichte Mulde aus der die weitere Route gut sichtbar wird, das Gebiet der Schleimsalm in dem hoher Bewuchs zurücktritt.

Rückblick auf die Laponesalm und das Gschnitztal

In diesem Gelände bildet sich eine sichtbare Rampe auf den steilen Hang oberhalb der Schleimsalm aus, der bis zum Ansatz des Hangs gefolgt wird und ab dieser Stelle bei unserer Begehung Harscheisen vonnöten waren.

bereits im Almgelände der Schleimsalm, im Hintergrund die Schwarze Wand

Nach dem Steilhang, den wir gegen Osten auf einen flacheren Hang hin verließen, wird das Gelände wieder flacher, und bei unserer Tour, in dem nicht besonders mit Schnee gesegneten Winter, zwischen jeder Menge Felsbrocken hindurch.

hartgefrorene Schneeoberfläche am Kühberg

Weiters stiegen wir auf einer völlig umgewandelten und gefrorenen Schneedecke über den Kühberg auf, die das Ablegen der Harscheinsen bis zum unteren Ansatz der Schwarzen Wand nicht erlaubte.

durch Brocken und Blöcke hindurch

Unterhalb der schwarzen Wand, gebildet aus dem interessanten Gestein Amphibolit-Tonalitgneis, so wie auch der anschließend zu bewältigende Gamsschrofen, wurde die Schneedecke wieder etwas durchgehender, blieb jedoch gleich hart wie zuvor.

Querung unterhalb der Schwarzen Wand

Mit geringem Höhenverlust führt die Route nun in das weite Becken zum Gamsschrofen, dessen steile Südostflanke aufgestiegen werden muß, bevor das steilste Stück der Tour in Angriff genommen werden kann.

Im RÜckblick Herwig mit dem Habicht im Hintergrund

Durch das Becken begleitete uns der hartgefrorene Schnee mit teilweise signifikanten Schneegangln, sodaß wir hin und wieder die Schi anheben mußten, um diese zu überwinden.

weiterer Aufstieg im Zoom

Auch im Hang auf den Gamsschrofen betraten wir diese unangenehme Oberfläche, jedoch war ihre Dicke dort nicht so groß, sodaß wir im steilsten Teil glücklicherweise durchbrachen und besseren Halt fanden.

im Osthang auf gefrorener Aufstiegsroute

Am Gamsschrofen studierten wir bei einer Trinkpause den weiteren Verlauf und mußten feststellen, daß das kommende Teilstück unterhalb der Felsschrofen steiler und noch unangenehmer sein würde. Und so kam es mit einigen Rutschern des jeweiligen Talschis auch, trotz Harscheisen.

bereits unterhalb des mächtigen Schrofens auf den Sattel

Durch die Steilpassage konnten der prächtige und bizarre Dolomitaufbau der Weißwandspitze hervorragend studiert werden, wenngleich wir auch die Konzentration auf die widrigen Schneebedingungen legen mußten. Verbunden mit Hangneigungen knapp an 40° eine sehr notwendige Maßnahme in diesem extremen Gelände.

dolomitische Weißwandspitze mit jungen Abbrüchen

Junge Brüche kennzeichnen die Nordwand der nicht umsonst Weißwandspitze getauften mächtigen mesozoischen Sedimente, aufgelagert auf Ötztalkristallin – Überbleibsel des Erdmittelalters, durch Abtrag heute nicht mehr verbunden mit dem westlich gelegenen Dolomitmassiv der Tribulaune.

Edit quält sich unter dem Schrofen zur trichterförmigen Mulde

Die trichterartige Ausmuldung zwischen einem markanten Schrofen rechts und der Rippe – die zum Gamsschrofen hinabzieht – auf der linken Seite wird nach rechts auf die Oberseite des Schrofens gequert, wo eine flachere Passage zur letzten Trinkpause einlädt.

Herwig an der Flachstelle oberhalb des Schrofens

Von dort kann der restliche Aufstieg zum Sattel zwischen dem Hohen Zahn und der Weißwandspitze eingesehen werden. Von dort steigt man etwas flacher unter den Sattel, dessen Anstieg über ein kurzes Stück nochmals mit gut 40° Steigung aufwartet.

Edit oberhalb des Schrofens

Der Sattel wird leicht östlich von der tiefsten Einschartung erreicht, etwa auf 2.850 m. Er ist dort flach, angenehm breit und als Schidepot gut geeignet.

Ausstieg zum Sattel im linken mittleren Bilddrittel

Im beginnenden Frühjahr fanden wir den Gipfelaufbau des Hohen Zahns teilweise aper und mit noch dünner und fauler Schneedecke vor, sodaß wir gleich beschlossen die letzten 100 m Aufstieg zu Fuß zurückzulegen. Die Sommerweg Markierungen am Steig fanden wir bereits völlig ausgeapert vor.

Aufstieg vom Sattel auf den Hohen Zahn, unten Schidepot

Am flachen Gipfel selbst, zum kleinen Gipfelkreuz hin, dominierte eine halbwegs tragfähige Schneeoberfläche. Die steileren Flanken nach Südwesten hin, zur Einsicht der Abfahrt, die man auf die Pflerscher Scharte hin unternehmen kann, waren jedoch aufgeweicht.

das flache Gipfelplateau des Hohen Zahns

Leider trübte Nebel die imposante Rundumsicht am Hohen Zahn.
Hinter den Wetterspitzen im Nordwesten tummeln sich die Östliche Schwarzenbergerspitze und der markante Schrankogl sowie die Ruderhofspitze und Westliche und Östliche Seespitze.

Herwig am Hohen Zahn, 2.924 m

Anschließend gen Norden schwenkend die Knotenspitzen und noch vor der Südlichen Rötenspitze weit in der Ferne der Lüsener Fernerkogel sowie im Vordergrund der Ochsenkogl und dahinter wieder die Brennerspitze.

Blick nach Nordwesten mit Östlicher Schwarzenbergerspitze, Schrankogel, Ruderhofspitze,Westliche und Östliche Seespitze

Im Norden Glättespitze und der mächtige Habicht sowie die Erhebungen des schönen Serleskamms, von denen als bärige Schitouren Hammerspitze, Padasterkogel, Foppmandl, Wasenwand, Lämpermahdspitze, Kesselspitze und Peilspitze zu nennen wären, um nur einige zu nennen.

Knotenspitzen, Rötenspitze, Lüsener Fernerkogel, Ochsenkogl, Brennerspitze, Habicht sowie die Erhebungen des Serleskamms

Im Nordwesten, im Kamm, liegt der Pflerscher Pinggl, ein sehr lohnendes Schitourenziel durch das Sandestal, anschließend die Dolomitriesen Gschnitzer und Pflerscher Tribulaun mit dem vorgelagerten Spitz des Goldkappls und weiter im Osten tief unten das Pflerschtal mit seinen tollen Touren auf dessen Südseite.

Pflerscher Pinggl mittig im Bild, links davon die Gargglerin, rechts davon der Muttekogel und das Goldkappl

Im Süden prangt die Wetterspitze, eine rassige Schitour durch das Allrisstal, die beliebte Schitour auf die Maurerspitze, sowie die nette Schitour auf die Ellesspitze sowie, weiter im Süden in 16 km Entfernung die Hohe Kreuzspitze vom Ratschingstal aus.

links der Gschnitzer Tribulaun, rechts der Pflerscher Tribulaun

Die hohen südlichen Stubaier im Südwesten sind der Botzer, die Aglsspitze sowie Westlicher und Östlicher Feuerstein, bevor die Weißwandspitze die Runde beendet und den Ausblick begrenzt.

Wetterspitze im rechten Bildteil

Das schlichte kleine Gipfelkreuzl am Hohen Zahn mit der Huldigung Christus‘ als dem König der Berge wird seiner großen Aussage durch den Schiefstand nicht ganz gerecht und bedarf eines neuen Sockels, um neu zu erstrahlen. Eine Aufgabe für den Sommer.

die hohen südöstlichen Stubaier: Botzer, Aglsspitze und die Feuersteine

Die Abfahrt wäre vom Blickwinkel des Geländes an sich eine unvergessliche möchte man bemerken. Unsere hingegen war das was der eingefleischte Schitourenfreund, der nicht des Bergsteigen willens Gipfel erreicht, eine Katastrophe nennen würde.

Rüsten zur Abfahrt, Edit machte Schidepot unterhalb des Sattels

Die gefrorene Oberfläche und die teilweise hohen Windgangln verlangten der Edit alles an Können ab und hauten uns – wie man so sagt – die Zähne heraus. Erst weit unten verbesserte die Sonneneinstrahlung die Oberfläche, wodurch wir ab der Schleimsalm noch die restlichen 400 Hm unter bärigem Firm abfahren durften.

Abfahrt vom Sattel

Abschließend konnten wir am vorletzten Märztag am späten Nachmittag sogar noch auf der Terrasse des Gasthof Feuersteins die schöne Tour Revue passieren lassen.

Querung unterhalb der Schwarzen Wand

Der geodätische Höhenunterschied im TIRIS gemessen beträgt 1.640m, die kleinen Passagen mit Gefälle (Weg zur Laponesalm) ließen die Höhenmessung der Bergsteigeruhr schließlich bei 1680 m enden.

verdiente Firnschwünge im Gelände der Schleimsalm, Edit genießt sie

Vom gesamten Aufstieg über 9,3 km werden 185 m in 3,1 km bis zur Laponesalm zurückgelegt. Somit verbleiben lange 6,2 km und 1.495 m Aufstieg vom Tal.

Tourenausklang auf der Terrasse des Gh. Feuerstein

Wir haben für die Schitour unter keineswegs einfachen Bedingungen und einer langsam bedachten Abfahrt gesamt 7:50 Stunden gebraucht, davon knapp 5 Stunden im Aufstieg.

Mils, 20.03.2022

Schitour Glockturm, 3.353 m

Durch die große Höhe bereits am Ausgangspunkt ideal für das Frühjahr, sowie die Aufstiegsdauer in Anbetracht der Anreise moderat, bietet die Schitour auf den Glockturm ein abgerundetes Erlebnis. Startet man ganz früh erlebt man auch noch eine optimale Firnabfahrt.

Glockturm, 3.353 m

Vom Inntal aus, ab Prutz, muß für die 34 km bis zum Ausgangspunkt auf 2.335 m immer noch mit einer guten halben Stunde gerechnet werden, eine gewaltige Anreise, wenn den Startpunkt das mittlere Inntal bildet.

Start auf der Kaunertaler Gletscherstraße

Die Maut für die Gletscherstraße beträgt 25.- (2022, vor 7 Uhr ist die Mautstelle nicht besetzt) und bietet kaum Überholmöglichkeiten, wenn Landschaftsgenießer oder Flachländer angetroffen werden.

strahlendes Wetter – strahlender Hilli

Am Startpunkt, ein kleiner Parkplatz vor dem Riffelbach, finden etwa 10 Fahrzeuge Platz und rund um die weitere Gletscherstraße gibt es noch Seitenstreifen, die längs verparkt werden können.

Herwig mustert den Aufstieg; im Hintergrund die Weißseespitze

Eine zweite Möglichkeit des Aufstiegs zum Glockturm, anstelle durch das Riffltal, bietet das Krummgampental, etwa einen Kilometer weiter oben. Bei zwei Fahrzeugen in der Tourengruppe kann die Schitour zur Runde ausgebaut werden, über eines der beiden Täler ansteigend und über das andere abfahrend. Oder die Abfahrt erfolgt über das Krummgampental und man nimmt den Abstieg großteils zu Fuß in Kauf.

nach dem ersten Hang an der Blockstrecke unterhalb der Hänge der Krummgampenspitze angekommen

Der Winter 2021/22, kein berühmter hinsichtlich Schneefall und Schneequalität, hinterließ seine Mittelmäßigkeit auch bei unserer Tour. Für Mitte Mai wäre in einem Durchschnittswinter in dieser Höhenlage noch mit passablen Verhältnissen zu rechnen, die bei unserer Tour teilweise ausblieben. Unter passabel wäre zu verstehen, daß man auf über 2.300 m vor 8 Uhr morgens nicht einbrechen und auch um 10 Uhr selbst unter praller Sonne nicht vollends im T-Shirt dahinschmelzen sollte.

flach auf den mittigen Einschnitt zu

Beides mußten wir aufgrund der außergewöhnlich hohen Temperaturen im Mai erleben, sowie bei der Abfahrt Passagen am Hang, in denen wir bis zu den Knien völlig mit den Schi versanken. Trotzdem empfanden wir die Schitour auf den Glockturm als bäriges Erlebnis.

durch den Einschnitt leicht bergauf

Nach dem Start am Rifflbach zieht sich das gleichnamige Tal mäßig steil auf 2.550 m hinauf, bevor eine erste Geländestufe das hintere Hochtal vom vorderen trennt.
Unter strahlendem Sonnenschein marschierten wir los. Zu dieser Zeit im Jahr folgte die Spur im unteren Teil des Aufstiegs schon keiner direkten Richtung mehr, sondern umrundete apere Blöcke und Stellen.

wieder flach auf die erste größere Geländestufe zu

Die erste steilere Geländestufe reicht bis auf 2.720 m und wird im Aufstieg ganz links, den Hang schneidend begonnen, über Abbruchströme von der eher dunklen, amphibolitisch gebildeten Krummgampenspitze herab.

vor der Geländestufe; vorne rechts über das schmale Schneeband rechts im Bild

Bei der Verschneidung zweier Geröllströme folgte die Spur dem gerade noch mit einem schmalen Schneeband durchzogenen rechten Schuttkegel und somit etwas flacher auf die Oberseite der Geländestufe.

oben erstmals der Glockturm sichtbar

Oberhalb wird das Ziel, der Glockturm, erstmals sichtbar und wenig später im flachen Aufstieg, das Tal dorthin, das mit kleinen Höhenverlusten durch leichte Ausmuldungen beginnt.

das bärige Riffeltal weitet sich

Von links, vom Kamm der Krummgampenspitze über den Habicht zum Glockturm, zogen kleine und mittelgroße Grundlawinen herab, die keine Gefahr darstellen, weil durch das obere Riffltal nicht zu nahe am Hang aufgestiegen werden muß.

imposanter Rückblick durch das Riffeltal mit Hochvernagtspitze, Schwarzwandspitze und Fluchtkogel rechts

Durch das Tal steigt man etwa 200 Hm auf, die recht flach erscheinen. Mittlerweile, um 9 Uhr, brannte die Sonne bereits unbarmherzig auf uns herab und mit dieser Zusatzbelastung ab 2.900 m begann der Aufstieg zum Rifflferner.

Glockturm voraus mit sichtbaren Anstiegsspuren zum Rifflferner

Zunächst wird dazu der Aufstieg ins Gletscherbecken über einen etwas steileren Hang in Angriff genommen, der im oberen Teil zwischen 30 und 30° Hangneigung aufweist und der ins kleine Gletscherbecken führt.

Aufstieg zum Rifflferner

Der Übergang und die ersten paar Minuten eher rechts im Gletscherbecken erfolgen recht flach, bevor eine Linkswendung eine komplette Querung durch den Gletscher einleitet, die am Ende die Überwindung des linken oberen Beckenrandes zum Ziel hat.

zwei Spitzkehren leiten unter den Beckenrand

Während dieser Querung mußten wir aufgrund der Spur mit zwei Spitzkehren etwa 20 Hm gewinnen, um die günstigste Stelle, zwischen den schon ausgeaperten Felsen am oberen Rand des Beckens und dem dort steilen Hang ins Becken hinein, zu erreichen. Eine kleine Lawine von den Vortagen, ausgelöst vom Gelände des darüberliegenden Hangs, mußte dabei überquert werden.

nach der Durchquerung der alten Lawine auf den Ausstieg aus dem Becken zu

Die oberste Passage unterhalb der Felsbuckel ist keine schwierige, jedoch bei entsprechenden Verhältnissen nur mit Harscheisen zu begehen. Bei unserer Begehung erwies sich fast das Gegenteil, die Geländeneigung und die Lage trugen zur weitgehenden Aufweichung des Schnees bei und bei so manchem Schritt brach der linke Schi weg.

traumhafte Szenen im Rückblick

Oberhalb des Beckenrandes bieten sich ein herrlicher Rückblick über das Riffltal und ein weiterer auf die Weißseespitze. In Richtung des letzteren Blicks gelangt man auch auf diesen Punkt, wenn man den Aufstieg über das Krummgampental unternimmt.

Weißseespitze und Weißkugel

Ab dieser flacheren Stelle wird nun auf den Gipfelaufbau des Glockturms zugestiegen. Der Hang auf den Grat zum Gipfelaufbau wird dabei zusehends steiler. Über einige Spitzkehren wird zunächst eine erhöhte Position erreicht von der aus der steile Teil des Hangs komplett querend und ohne weitere Spitzkehren bis zum Grat aufgestiegen wird. Die größte Hangneigung kommt dabei an 35° heran.

zunächst Höhe in direkter Linie bergauf gewinnen, dann steigend queren

Am Grat erfolgt die Linkswendung auf die schöne Gipfelflanke zu. Sie mißt kaum 100 Hm bis zum Gipfel, steig aber durchschnittlich mit 38° Hangneigung, mit Spitzen bis zu 42°.

nach der Flachstelle am Grat auf den Gipfelhang zu

Leider waren die Schneeverhältnisse gegen 10:30 Uhr bereits sehr schlecht, sodaß wir teilweise über recht faulige, nicht trittfeste Oberflächen teilweise bis zum Geröll einsanken und auch apere Stellen antrafen.

der steile Gipfelhang im Überblick

Hilli, unser Steilhangspezialist der an solchen immer eine spürbare Freude der Führung entwickelt, spurte uns aber entschlossen und enthusiastisch einen angenehmen Aufstieg durch die bereits von Abfahrten zerfurchte und mit tiefen Stapfspuren durchzogene Flanke (bei Begehungen im Winter oder im anbrechenden Frühjahr wird man hiefür jedenfalls Steigeisen mitnehmen und je nach Vereisung des Hangs an der Flachstelle am Grat das Schidepot einrichten). Nach knapp 2 ¾ Stunden erreichten wir den Glockturm.

im Steilhang zum Glockturm

Das Schidepot ist denkbar klein für den beliebten Berg und sich gleichzeitig am Gipfel befindlichen Personen. Zudem liegt es unter entsprechender Hangneigung, und, wenn teilweise ausgeapert und die Schi nicht in den Schnee gerammt werden können, ist erhöhte Vorsicht auf sich selbständig machende Ausrüstung zu legen. Wir hatten Glück, mit einer ankommenden Gruppe Außerferner wechselten wir Gipfelkreutz und Rastplatz, sodaß sich niemand im Bild stand.

Herwig am Schidepot

Das vollständig aus Aluminium gefertigte Gipfelkreuz der Bergkameraden Pfunds tut bereits erstaunliche 44 Jahre Dienst am Glockturm und lediglich der Faradaysche Blitzfang am Vertikalbalken hängt leicht schief.

das Unvermeidbare

Natürlich wendet sich der Blick zuerst auf die inneren zentralen Massive der Ötztaler Alpen, allen voran die beiden höchsten Gipfel Tirols, der Wildspitze im Osten, mit einer Entfernung von 14,5 km, und der Weißkugel im Südosten, mit einer Entfernung von 11,5 km.

Gipfelschau nach Süden mit der Weißkugel und den Bärenbartkogeln

Darüber hinaus sind jedoch eine Vielzahl an Gipfeln in den Ötztaler Alpen sichtbar, wie die beiden Klassiker Similaun und Fineilspitze, sowie der riesige Gepatschferner im Südosten voraus mit der markanten Weißseespitze gegenüber dem Glockturm.

Königspitze und Ortler durch die Wolken in Bildmitte verdeckt

Weiters sind vom Glockturm aus auch fernere Ziele im Süden wie die Cevedale in 50 km Entfernung, Königspitze und Ortler in 44 und 47 km Entfernung sowie exakt im Südwesten ein Viertausender, der Piz Bernina in 81 km Entfernung.

Blick zum Piz Bernina durch die markante Wolke in Bildmitte verdeckt (direkt oberhalb der Nauderer Hennesiglspitze im Vordergrund)

Im Norden die ruhigen und begehrten Lechtaler Alpen, bei denen der Verfasser noch einige Besuche in Planung sind und gegenüber im Kaunertal weitere Klassiker wie Gsallkopf, Rofelewand und Watzespitze.

in Bildmitte Dreiländerspitze und Fluchthorn im Jamtal (mit Udo vor über 40 Jahren bestiegen)

Nachdem wir die Kulisse ein halbes Stündchen genossen haben rüsteten wir zur Abfahrt, von der wir natürlich keine großen Erwartungen mehr hatten und der Gipfelhang auch dieser entsprach.

Radurschltal in der Tiefe, dahinter Hoher Riffler in Bildmitte

Von Sonnenaufgang bis zu unserer Abfahrt über viele Stunden bestrahlt erwies sich der faule Sulz als kraftraubende Angelegenheit, die in den Schwüngen mit Sprungtechnik etwas gemildert werden konnte. Teilweise über unsichtbare, jedoch spürbare Schuttbrocken unter dem Belag mühten wir uns über die 80 m Gipfelhang hinab.

Kaunergrat mit Gsallkopf, Rofelewand und Watzespitze

Ab der Flachstelle blieben Bodenberührungen aus, jedoch verbesserte sich die Schneebeschaffenheit nur mäßig bis zur Kante des Riffelferners hinab. Der Übergang aus dem Fernerkessel war bereits völlig aufgeweicht und erforderte Akrobatik.

grandiose Gipfelpause inmitten erlauchter Erhebungen

Über den Gletscher hinab konnten wir halbwegs normal abfahren, jedoch nur mit weiten Schwüngen und tiefem Einsinken in den Schwüngen. Teilweise erwischten wir „Löcher“ als unerkennbare Schwachstellen der Schneefläche, in denen man bis über die Knöchel hinauf versank.

Rüsten zur Abfahrt

Merkbar besser wurde die Abfahrt im flacheren Teil durch einen flacheren Winkel zur Bestrahlung begünstigt. Etwa ab der Höhe der Seen im Riffeltal bis fast zum Parkplatz konnte das Riffltal in mäßig tiefem Firn befahren werden.

im Hang zum Gletscherbecken wird es besser

Nach der letzten Steilstufe (im Abfahrtssinn) verschlechterte sich die Schneebeschaffenheit wieder enorm, gekennzeichnet durch knietiefes Einsinken in die zuvor genannten Löcher.

Einfahrt ins Gletscherbecken

Der Glockturm, in jedem Fall die lange Anreise wert und heuer zu Mitte Mai schifahrerisch nicht mehr das was man sich von einer Frühjahreshochtour erwarten würde, jedoch als Erlebnis wert und der Abschluß der heurigen Schitourensaison.

durch das Blockwerk der Krummgampenspitze noch gut fahrbare Verhältnisse

Man rechne für die 1.030 m Aufstieg und 4,5 km Entfernung mit 2,5 bis 3 Stunden Aufstieg, starte um diese Jahreszeit möglichst vor 7 Uhr (wir waren eine Stunde zu spät dran) und denke bei der Ausrüstung stets daran, daß der Glockturm  immer noch eine Hochgebirgstour darstellt und bei nicht klarem Wetter auch noch winterliche Bedingungen herrschen können.

Rückblick auf die Blockhalde

Einen netten Bericht verfasst vom Kollegen Hilli findet man am Blog der 60er Gang.

Mils, 15.05.2022

 

Schitour Kuhmöser, 2.264 m

Beim richtigen Wetter schitourentechnisch ein Schmankerl, eine kleine Spritztour, eine Halbtagestour, der Südhang im Frühjahr eine Sonnenspritze und noch mehr positive Eindrücke  stellt das kurze Vergnügen auf den Kuhmöser von Schellenberg aus dar.

Kuhmöser, 2.264 m

Mit knapp unter 1.000 Hm Aufstieg erfolgt die Besteigung des Kuhmösers – oder Kuhmessers, wie er im Volksmund genannt wird – in knapp zwei Stunden wodurch bei frühem Start im Frühjahr auch noch vernünftige Abfahrtsverhältnisse zu erwarten sind.

Schellenberger Anger Blick Richtung Hochfügen

Der Aufstieg erfolgt zur Gänze über einen Südosthang, sodaß man sich der Sonne von Beginn an sicher sein kann. Die einzige Ermangelung bei diesem Vorhaben stellen Parkplätze dar. Etwa 1 km nach dem Gasthaus Schellenberg, bei einer Abzweigung zur Straße in den Finsinggrund hinab, gibt es ab dem Ausaperstadium einige Parkplätze und noch früher, wenn der Pflugfahrer absichtlich etwas breiter geräumt hat als notwendig.

Blick zum Kuhmöser

Den flachen, noch durchgehend schneebedeckten Weg mit zwei Kehren am zu Beginn sollte man im Frühjahr akzeptieren, oder etwas direkter mit ggf. kurzen aperen Passagen ansteigen.

Aufstieg zwischen kleinen Bäumchen und Latschen

Der Anstieg am Weg endet kurz vor der scharfen Waldgrenze in Richtung Gartalm. Dort zweigt der Anstieg auf den Kuhmöser links in die vom Schnee noch gut nieder gehaltenen Latschen ab.

oberhalb der Waldgrenze, Blick Richtung Metzenjoch

Zwischen den jungen Bäumchen zirkelt der Aufstieg fast wahllos durch die bärige Landschaft, in direkter Richtung auf die Schrofen des Kuhmöserkammes zu. Oberhalb des dichten Waldes zur Rechten könnte man über den Druckbichlsteig in den Hang zum Gartalm Hochleger queren und das Kellerjoch – oder auch Kreuzjoch genannt – vom Hochtalkessel aus besteigen.

herrliche freie Flächen voraus

Die Schitour zur Gipfelkapelle ist aber auch über den Normalanstieg auf das Kellerjoch, oder den „Kellner“, wie ihn der Einheimische nennt, eine sehr schöne Schitour.

unterwegs am völlig bewuchsfreien Südhang

Durch einen schwach ausgeprägten Graben wechselt der Anstieg auf den Kuhmöser westwärts, in gutem Abstand zu einem steinernen Lawinenschutz in Pfeilform, der weit rechts liegen gelassen wird und vielleicht gar nicht gesichtet wird, wenn man die Wendung schon weiter unten vollzieht.

leichte Kuppierung bei der Querung leitet an das Südwesteck des Kuhmösers heran

Über den schönen mittelsteilen Südhang führt die Route nun den Hang querend nach oben. Leichte Kupierung ist die einzige Abwechslung in der Querung zum Weg zum Loassattel auf den Kuhmöser während man unterhalb der wenigen Schrofen der Südwestecke des Kuhmösers entgegen strebt.

kurz vor dem Südwesteck

Während der weißen Weiten der unbewachsenen Hänge kann auf der Gegenseite in Richtung Hochfügen der Finsinggrund gut beobachtet werden.

Wetterkreuzspitze gegenüber

Von Marchkopf über den Kraxentrager bis zum krönenden Highlight des Roßkopfs und dem klassischen Schitourenberg des Gilferts hat man viele der schönen Routen vor sich.

Sonntagsköpfl, Gilfert und Gamssteine

Über eine merkbare Kuppe endet die Querung zum Südwesteck des Kuhmösers. Von dort aus genießt man einen traumhaften Blick auf die kleineren Schitourenziele des Sonntagsköpfls und der Gamssteine.

Aufstieg am ausgeaperten Südwesteck zum Kuhmöser

Über das Eck drüber führt die Schitour auf den Kuhmöser ziemlich genau dem Sommerweg entlang. Die Rippe selber ist meist rasch im Frühjahr völlig aper und man steigt in der seichten, eher noch weiter westlichen Mulde steil bis zum Gipfel an. Diese Mulde ist vom Gilfert her gut erkennbar und mutet wie eine Schipiste an.

Blick auf den Loassattel hinab

Die Szene über die Mulde hinauf, ohne den geringsten im Winter sichtbaren Bewuchs, ist beeindruckend und bei ungetrübter Sonnenbestrahlung schweißtreibend. Beim Aufziehen von dichtem Nebel dürfte der Anstieg jedoch abzubrechen sein, wenn nicht die sichere Ortskenntnis Orientierung bietet.

noch genug Schnee in der Mulde westlich der Südkante

Mit dem Abflachen der Mulde nähert man sich dem Gipfelkreuz, das rasch sichtbar wird. Leider verhinderte der Nebel bei des Verfassers Anstieg die Sicht auf das Kreuz stark. Die unüblich warmen Temperaturen ließen aufsteigende Feuchtigkeit schon rasch über dem Gelände kondensieren und somit leichten Nebel entstehen.

abflachend geht es dem Gipfelkreuz zu

Auf dem riesigen flachen Kuhmöser gibt es jede Menge Rastmöglichkeiten mit großem Abstand untereinander, sodaß jede Gruppe individuelle Plätze findet. Eine Steingruppe zwischen dem Gipfelkreuz und der Lawinenauslöseanlage für die Schellenberglawine diente dem Verfasser als Museort für die Gipfelrast.

Kuhmöser mit Kellerjoch im Hintergrund

Von dort bietet sich ein sagenhafter Blick auf die Gipfelkapelle am Kellerjoch. Und der gesamte Hang aus dem Hochtalkessel hinter dem Gartalm Hochleger kann eingesehen werden.

Gipfelkapelle am Kellerjoch bzw. Kreuzjoch

Als äußerst nordöstliche Gipfelgruppe der Tuxer Alpen reicht die Aussicht auch bis in die Kitzbüheler und Zillertaler Alpen, jedoch just nicht zur Stunde des Gipfelaufentaltes des Verfassers. Daher leider keine Bilder in der Bildergalerie davon.

Gipfelkreuz am Kuhmöser

Die Abfahrt auf der Route des Aufstiegs präsentierte sich in den steileren Passagen mit entsprechend intensiver Sonneneinstrahlung mit tiefem Einsinken, auf den flacheren Passagen mit einer passablen Firnoberfläche.

mit zwei Gleichgesinnten bei der Abfahrt zusammengetroffen

Ab der Höhe der Hänge mit Latschenbewuchs bis zum Parkplatz herrschten stets weicher werdende Verhältnisse jedoch gut fahrbar mit wenig tiefem Einsinken.

hinab zum Parkplatz Schellenberg vor der gleichnamigen Jausenstation an der Hochfügenerstraße, die immer für den Abschluß der Tour gut ist.

Bei sonnigem Wetter mußte unbedingt ein Besuch der Terrasse der Jausenstation Schellenberg und zum Bier deftige Knödeln genossen worden sein.

letzter Blick auf Hochfügen auf der Abfahrt zum Parkplatz (verdeckt durch die untersten Bäume)

Gesamt benötigte der Verfasser 3:15 Stunden bei 975 m Aufstieg und 3,6 km Strecke für die nette Tour.

Mils, 19.03.2022

Schitour Marchkopf, 2.499 m

Eine der beiden kurzen Schitouren aus dem Finsiggrund in Hochfügen ist jene auf den Marchkopf, die sich im unteren Teil die Anstiegsroute mit der auf den Kraxentrager teilt. Einige Minuten nach dem Viertelalm Hochleger zweigt die Route auf den Marchkopf links über steileres Gelände ab.

Marchkopf, 2.499 m

Die leichte Nordwestausrichtung des Hangs verspricht bis ins Frühjahr gute Schitourenbedingungen trotz dem vergleichsweise niederem Startpunkt auf 1.470 m bei der letzten Gondelbahn in Hochfügen.

Start auf der Rodelbahn nach der letzten Gondelbahn

Der gebührenpflichtige Parkplatz (Münzautomat) funktioniert auch bereits vor dem Rummel der Schifahrer, sodaß man rechtzeitig starten kann, um ihn hinter sich zu lassen. Über die Rodelbahn gelangt man zum Pfundsalm Niederleger (1.650m).

kurz vor der Pfundsalm

Ein paar hundert Meter anschließend an die Alm zweigt der Weg zum Viertelam ab, der mit ein paar Meter Höhenverlust über die Brücke des Finsingbachs auf die andere Talseite führt.

Aufstiegshang zur Viertelalm

Im Anstieg zur Viertelalm öffnet sich der Blick auf den inneren Finsinggrund mit dem dominierenden Roßkopf hoch über dem Talschluß, auf den vom Talinnersten eine bärige Schitour führt, zuletzt mit einem kurzweiligen Gratübergang und Gipfelaufstieg.

Brücke über den Finsingbach

Im Frühjahr schmelzen die kleinen Wildbäche Schneisen durch die Hänge im Almgelände, was zu einer vorausschauenden Aufstiegsweise zwingt, will man den langweiligen Almenweg vermeiden. So mancher Übergang muß, je nach Schneelage, ohne Schi überwunden werden.

am Rücken hinauf zum Hochleger

Oberhalb der Viertelalm beginnt ein Taleinschnitt mit einem steileren Rücken links und flacherem Gelände rechts. Beide Varianten sind gangbar, durch die Sonnenbestrahlung erweist sich der Rücken meist  aperer als das Flachgelände. Beide Möglichkeiten führen zum Viertelalm Hochleger, über den Rücken steiler und diese Variante zeigen die Bilder.

gegenüber am Hang das flachere Aufstiegsgelände

Oben steilt auch der rechte flache Hang auf und führt in einer Linkskurve zum Hochleger, den man nicht unbedingt passieren muß, weil es an der Linkskurve auch geradeaus weiter, durch das sich ausbildende Tal, möglich ist aufzusteigen.

Viertelalm Hochleger, 2.030 m

Oberhalb der Hochlegergebäude trifft man wieder auf das Tal, das rechts im Aufstieg heraufzieht.

oberhalb des Hochlegers; recht zieht das Tal vom flacheren Anstieg herauf

Kurz danach befindet sich ein Wegweiser, der die Gabelung zwischen den Anstiegen auf den Marchkopf und dem Kraxentrager zeigt. Zum Marchkopf führt der Hang linksseitig im Aufstieg und es ist prinzipiell egal ob man der Richtung des Wegweisers folgt oder den Hang etwas weiter oben in Angriff nimmt.

Wegweiser an der Gabelung zwischen Marchkopf und Kraxentrager (rechtes Bilddrittel in Verlängerung der Spuren)

In direkter Richtung des Wegweisers steigt man etwas flacher in den Hang ein, in direkter Richtung auf den Hang zu etwas steiler. Harscheisen sind im Frühjahr ohnehin unabdingbar, weswegen die größere Steilheit beim Direktanstieg keine besondere Hürde darstellte.

nach dem steilen Stück in eine Hochmulde

Nach ein paar Minuten steilen Anstiegs flacht der Hang ab und eine gemuldete Geländestufe zwischen Grat und einer Felsreihe im Nordwesthang wird sichtbar – der Beginn der eher flachen Überleitung zum Marchkopf, dessen Lage vom Hochleger aus weiter nordöstlich liegt als vermutet. Erst weit oben am Kamm tritt er ins Blickfeld, nachdem man bereits fast auf der Kammhöhe in der Seewand erstaunt nach einem Gipfel sucht.

Rückblick auf das steile Stück oberhalb des Hochlegers

Am Ende der Mulden im flachen Gelände gegen die Kammhöhe hin tritt bei einer Rechtswendung des Kamms plötzlich der Marchkopf ins Blickfeld und er überrascht mit seiner schroffen Form am flachen Kamm.

in die Mulde hinein

Seine auffallend aufragende Gestalt im Kamm wäre durch beständigere Schiefereinlagen im eher weichen Quarzphyllit erklärbar, sonst erscheint eine Erklärung dieser Ausbildung angesichts der Umgebung schwer.

Flachstück auf die Kammhöhe

Über den breiten Kamm zieht sich der Weg zum hoch aufragenden Kopf hinüber. Nach Nordwesten hin fällt der Gipfel schroffig steil in das darunterliegende Schuttfeld ab und für den Aufstieg im Winter eignet sich die direkte Kammlinie ebenfalls nicht. Das Gipfelkreuz am Marchkopf wird von der Südflanke her erreicht.

Marchkopf plötzlich voraus

Eine auffällige Felsschuppe in die Gegenrichtung der allgemeinen Schichtlage am Marchkopf, einem Abri1 gleich, leitet in der Südflanke auf den Gipfelpunkt.

südseitiger Anstieg auf den Gipfel; unterhalb des Felsvorsprungs hindurch

Zuletzt, über wenige Höhenmeter, steilt die Südflanke merklich auf und im Frühjahr zieht ein schmales Band von kompaktiertem Schnee der Befahrungen des Winters zum Gipfelkreuz.

Südflanke auf den Marchkopf

Über die Zillertaler Alpen bietet der Marchkopf eine tolle Übersicht. Von Großglockner in 70 und Großvenediger in 45 km Entfernung bis zum östlichsten Zillertaler Nord-Südkamm der die Reichenspitzgruppe trägt reicht die Aussicht im Südosten.

Blick nach Südosten; Großglockner, Großvenediger und Reichenspitzgruppe

Südlich finden sich die zentralen Gipfel im Zillertaler Hauptkamm mit Großem Löffler und Schwarzenstein, sowie den nicht minder interessanten Erhebungen in den Nord-Süd-Kämmen, beispielsweise die Zsigmondyspitze, alle in einer Entfernung von etwa 26 bis 28 km.

im Süden Großer Löffler und Schwarzenstein

Etwas weiter noch erblickt man den Großen Möseler und in 31 km Entfernung den höchsten Zillertaler Gipfel, den Hochfeiler, bevor der Olperer im Südwesten den Abschluß bildet.

Großer Möseler, Hochfeiler und Olperer bis Bildmitte, rechts der Rastkogel

Über den Rastkogel leitet der Ausblick in den Westen über. Dort kann erstaunlicherweise der lange Kamm von Schwarzwandspitze zur Sonklarspitze in knapp 59 km Entfernung, weiter der Wilde und der Apere Pfaff sowie das Zuckerhütl und der markante Habicht links neben der Hippoldspitze erkannt werden.

Sonklarspitze, Wilder und Aperer Pfaff sowie das Zuckerhütl und der markante Habicht links neben der Hippoldspitze

Der schwarze amphibolitisch geprägte Kamm zur Ruderhofspitze in 55 km Entfernung und der nahe Hirzer im Westen runden das Bild über Tuxer und hohen Stubaier Alpen ab.

Gilfert und Loassattel, Kuhmöser und Kellerjoch

Nordwestlich gegenüber dem Finsinggrund erhebt sich der beliebte Schitourenberg Gilfert bevor die Tuxer nach dem Loassattel mit einer letzten Aufbäumung den Kuhmöser und das Kellerjoch bilden. Beide schöne Schitourenziele, auch im Frühjahr.

im Norden das Schigebiet, rechts das äußere Alpbachtal

Im Norden tummeln sich die Schitouristen der Bergbahnen und weiter im Nordosten findet sich das Alpbachtal mit seinen tollen Touren vom Standkopf im Westen bis zum Sonnenjoch im Südosten.

bäriger Blick zur Reichenspitzgruppe mit den vorgelagerten Süd-Nord Kämmen; durch das Zoom fast schon ein bisschen surreal

Die Abfahrt in der Mittagsstund, unter aufgefirnten Verhältnissen, war natürlich ein einwandfreies Erlebnis.

Sonklarspitze, Wilder Pfaff und Habicht links vor dem Hippold im Zoom

Im steilen Teil oberhalb des Hochlegers paßt die Hangneigung optimal zum Einstrahlwinkel und dort mußten weichere Hänge in Kauf genommen werden, weiter unten im flacheren Teil herrschte Firn in der wünschenswerten Stärke über hartem Untergrund.

bärige Abfahrt in der Mulde nach der Kammhöhe

Mit vorausschauender Wahl der noch zusammenhängenden Schneeflächen konnte die Brücke im Finsinggrund erreicht werden.

Talblick mit flacherem Abfahrtsgelände im Aufstieg rechts

Über die Pfundsalm hinab mußte ein Stück Weg von knapp 3 min mit geschulterten Schi erfolgen, bevor, noch vor dem Wald, die Rodelbahn wieder fahrfähig war.

Abfahrtsgelände zum Viertelalm Niederleger

Für die leichte Schitour rechne man mit einem Gipfelaufenthalt von einer guten Stunde eine Gesamtzeit von knapp 5 Stunden.

Rückblick auf das tolle Gelände; links der steilere Rücken auf den Hochleger schon fortgeschritten ausgeapert

Der Aufstieg über die 1.050 m und 5,4 km wird in 2 bis 2,5 Stunden bewältigt.

Mils, 17.04.2022

1 Abri – Felsunterstand: https://de.wikipedia.org/wiki/Abri

Schitour Steintalspitze, 2.742 m

Zu äußerst im Kraspestal gelegen befindet sich das Schitourenziel der Steintalspitze, die über ein gar nicht so kurzes Tal nach Überwindung der ersten Geländestufe rechts oberhalb des Kraspesbachs über einen tollen Steilhang erreicht wird.

Herwig am Gipfel der Nördlichen Steintalspitze, Im Hintergrund Sulz- und Zwölferkogel

Von Haggen werden knapp 1.100 m Aufstieg zum Gipfel zurückgelegt. Die Sicht auf Kühtai, den Pockkogel und die westlichen und nördlichen Sellrainer Gipfel lassen die Steintalspitze, vielmehr handelt es sich beim Tourenziel um die Nördliche Steintalspitze, zu einer interessanten Unternehmung werden.

Start am Parkplatz in Haggen; Schöllerkogel als markanter Gipfel im vorderen Kraspestal 

Der Blick nach Süden wird durch den höheren Schöllerkogel1 begrenzt, der als Schitour ebenfalls über das Steintal, aber auch über das Wilde Kar tiefer im Kraspestal erreicht werden kann.

am Bachbett Richtung untere Zwinge

Am kleinen Parkplatz in Haggen beginnt die kurze Tour neben der Schärmer Alm. Mitte April 2022, bei unserer Begehung, war es notwendig die Schi bis in den Lärchenwald hinein zu tragen, einen guten halben Kilometer weit, und über Schneereste erreichten wir noch die geschlossene Schneedecke zur ersten Zwinge.

Aufstieg über die Zwinge

Dieser Tage spielt sich die Balz der Birkhühner ab und wir durften das Schauspiel junger Hähne, auf deren typisch traditionellen Balzplätzen östlich oberhalb des Lärchenwaldes, in entsprechender Entfernung miterleben und aufzeichnen. In sich gekehrt beeindruckte die vier Hähne kaum das Vorbeiziehen mehrerer Schitourengruppen mit dem lauten Kraschelgeräusch der Schi auf der gefrorenen Firnoberfläche.

Auf der anschließend freien Fläche bis zur unteren Zwinge lag noch genug Schnee, wenn auch nur mehr im Bachbett durchgehend.

im oberen Teil nahe am Bach

Daß für den Aufstieg über die Zwinge Harscheisen notwendig waren versteht sich, wenn man diesen Abschnitt kennt. Wir beließen sie aber auch für den steilen anschließenden Hang  montiert und sollten damit Recht behalten. Selbst am oberen, sonnigen Teil der ersten Geländestufe ins Steintal leisteten die Harscheisen am frühen Vormittag noch wertvolle Dienste.

am schmalen Schneeband in das Steintal

Flankiert von den herabziehenden Graten des Schöllerkogels links und Windegg rechts beginnt das Steintal auf einer Höhe von etwa 2.250 m. Die rechte Talseite (Blickrichtung Aufstieg) wird von mehreren Moränenwällen geprägt, die linke Talseite ist hingegen bis tief hinein ins Tal frei davon, den Karhängen vom Schöllerkogel herab liegt die natürliche Böschung zugrunde.

Rückblick auf die erste Geländestufe

Relativ flach verläuft der Anstieg bis über die Mitte des Steintals. Zwischen größeren Blöcken zieht der Aufstieg durch die Moränenlandschaft hindurch, bis auf eine scheinbare Kuppe, an der der restliche Teil des Aufstiegs zur Gänze eingesehen werden kann.

am Beginn des Steintals

Vor unseren Augen breitete sich der Talkessel mit dem Steintalsattel (2.670 m) zwischen Steintalspitze und Pockkogel aus, die man im Aufstieg zur Nördlichen Steintalspitze rechts liegen läßt.

Rückblick auf Räuhengrat, Haidenspitze und Rotgrubenspitze

Der Aufstieg erfolgt über einen Steilhang mit der größten Neigung in der Mitte und mit deutlicher Abflachung nach oben, zur Grathöhe hin.

im flachen Teil im Steintal, rechts Moränenwälle

Im Mittelteil, zwischen den begrenzenden Schrofenrippen, noch unterhalb 2.600 m, erreicht die Hangneigung im Durchschnitt etwas mehr als 35° und mehr an Einzelstellen.

durch die Blockfelder hindurch zieht sich der Aufstieg ins Steintal

Wir erreichten den Steilhang etwa um halb elf und fanden ihn bereits tief aufgefirnt, jedoch noch gut griffig vor. Dies vielleicht als Tipp für die Wahl des Abmarsches in Haggen – wir starteten kurz nach acht Uhr.

Herwig voraus zum Steilhang

Die Ausrichtung des Hangs zeigt nach Südost, sodaß er bereits mit den ersten Sonnenstrahlen erwärmt wird. Zusätzlich gibt es ab dem Sonnenaufgang keine Abdeckung durch vorgelagerte  Erhebungen, sodaß er sich im April zu dieser Tageszeit bereits gute drei Stunden unter Erwärmung befindet.

Rückblick auf den Aufstieg im hinteren Steintal

Im oberen Teil flacht die Steigung ab, etwa ab zwei Drittel des Aufstiegs von unten. Einige Steinfelder im oberen Bereich waren bereits ausgeapert, die Schneedecke jedoch weitestgehend geschlossen.

bereits gut aufgefirnte Spur

Am Grat kein störender Jochwind, wir fanden ein angenehmes Lüftchen vor, unter dem der Aufstieg zum Gipfel keine Zusatzbekleidung bedurfte.

oberer Teil des Steilhangs

Der Felsaufstieg von etwa 50Hm läßt sich mit den Tourenschuhen leicht begehen und die Blöcke durchgehend recht griffig. Der Aufstieg ist kaum ausgesetzt und eher steintalseitig denn direkt an der Gratlinie. Etwa zehn Minuten benötigten wir bis zum Gipfelplateau mit dem kleinen Steinmann.

Schidepot unterhalb der Nördlichen Steintalspitze

Die Südliche Steintalspitze liegt ca. 300 m entfernt am Grat zum Schöllerkogel und ob sie wirklich einen eigenständigen Gipfelnamen rechtfertigt mag dahingestellt sein, die notwendigen 30 m Schartenhöhe können im Blick auf sie schwerlich erkannt werden.

Nördliche Steintalspitze, 2.742 m

Am Grat weiter Richtung Süden befindet sich der um 160 m höhere Schöllerkogel (2.902 m), rechts davon der schöne Gipfel der Kraspesspitze (2.954 m) mit Gipfelkreuz.

im Vordergrund kaum gut erkennbar die Südliche Steintalspitze, dahinter Schöllerkogel und rechts davon die Kraspesspitze; ganz rechts Finstertaler Schartenkopf

Weiter südwestlich taucht der Grat zur Finstertaler Scharte ab und schwingt sich wieder zum Schartenkopf hinauf (2.855 m). Der Übergang vom Finstertal mit Schartenkopf und Kraspesspitze stellt eine der bärigen Rundtouren im Kühtai dar.

Finstertaler Schartenkopf, Gamskogel und rechts Sulzkogel

Gegenüber im Westen befinden sich die schön geformten Spitzen des Sulz- und des Zwölferkogels und der Blick auf Kühtai.

Kühtai in der Tiefe

Im Nordwesten, auf der gegenüberliegenden Talseite im Kühtai, markiert der markante Pirchkogel, die zweithöchste Erhebung in den Nördlichen Sellrainer Bergen, das zum Talbeginn des Ötztals hin abfallende Gebirge gegen Westen.

Pirchkogel bis Rietzer Grießkogel im Norden

Die höchste Erhebung im Norden bildet der mächtige Rietzer Grießkogel (2.883 m). Mit nur 117 m fehlendem Höhenunterschied zu einem Dreitausender die weitaus höchste Erhebung direkt im Inntal bis zur Mündung des Ötztals.

Pockkogel und Windegg

Gegenüber der Nördlichen Steintalspitze befindet sich der Pockkogel, den Julius Pock, Gründer der Bergsteigergemeinschaft der „Wilden Bande“ zu Innsbruck (1878), ab Samstag Nachmittag nach Dienstschluss, mit dem Fahrrad von seiner Wohnung in der Colingasse in Innsbruck in Angriff nahm und am Sonntag erst bestieg, sowie wieder am selben Tag nach Hause zurückkehrte.

am Schidepot bei der Rast

Zurück am Schidepot genossen wir die bereits kräftige Sonne bei der Gipfelrast. Einige Tourengruppen kamen nach, die Nördliche Steintalspitze bekam jedoch kaum mehr Besuch, da wenige den Gipfel besuchten, sondern den Aufstieg am Grat beendeten.

der tolle Abfahrtshang im Rückblick

Eine bärige Abfahrt über den mittlerweile schon fast zu tief aufgefirnten Sonnenhang bildete den Auftakt der Abfahrt ins Kraspestal.

Über die dunkle Zwinge hinab herrschten – wie meistens – dieselben Verhältnisse wie in der Früh, die Strecke blieb hart und gefroren.

Flachstrecke im Steintal

Bei kaltem Wind kehrten wir zu g’schmackigen Knödeln in das Gasthaus Forellenhof ein, die Schärmer Alm hatte Vortags den letzten Tag vor einem Betriebsurlaub.

schöner Blick über die untere Zwinge ins äußere Kraspestal

Die sonnige kurze Schitour erstreckt sich über 1.095 m Aufstieg für die wir 4:43 h benötigten. Die Streckenlänge beträgt 5,5 km.

Mils, 18.04.2022

1 interessante Richtigstellung der im Kartenwerk (AV und Tiris) falschen Bergbezeichnung durch Lukas Ruetz: https://www.lukasruetz.at/2016/04/29-4-2016-zwieselbacher-rosskogel-3080m-schoellerkogel-2910m/

die Benennung „Schöller Kogel“ wird ebenfalls im Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt geführt, Jahr: 1932 Band: 82, Ladurner Josef: Die Quartärablagerungen des Sellrain (Stubaier Alpen)

weitere Hinweise der Namensgebung finden sich in der Besteigungsgeschichte des Gleirscher Fernerkogels im September 1883 durch Ludwig Purtscheller und Hans Schöller:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gleirscher_Fernerkogel

Hans Schöller, ein Physiker: https://apis.acdh.oeaw.ac.at/person/39606
dürfte Purtscheller am gemeinsamen Arbeitsplatz in der Ober(Staats)realschule in Salzburg kennengelernt haben und sich nicht nur bei vorgenannter Erstbesteigung, sondern verstärkt in den Sellrainer Bergen aufgehalten haben; es drängt sich der Schluß auf, daß der Schöllerkogel möglicherweise nach ihm benannt wurde

Schitour Brennerspitze, 2.877 m

Bereits eine recht anspruchsvolle stellt die im oberen Teil sehr steile und unvergessliche Schitour auf die Brennerspitze dar, die im oberen Teil durchwegs Hangneigungen von 35 bis 40° aufweist und an den Gratrippen darüber hinaus. Von Krößbach aus, mit 1.760 m Aufstieg, ist sie noch dazu eine lange. Für dieses Unternehmen müssen die Schnee- und Lawinenverhältnisse passen.

Brennerspitze, 2.877 m

Am kleinen Parkplatz Oberegg oberhalb des Neustifter Ortsteils Krößbach starteten wir am Rodelweg in Richtung Milderaunalm. Zunächst mußte am Weg drei Kehren entlang aufgestiegen werden bevor wir rechts in den Wald die Abkürzung nehmen konnten, die in direktem Anstieg zur Milderaunalm führt.

in der Abkürzung kurz vor der Milderaunalm

Nach einer Stunde erreichten wir die geschlossene Alm auf 1.675 m und mit erstem Blick auf das Ziel, noch 1.200m höher.

Gelände der Milderaunalm

Hinter der Milderaunalm folgten wir den Spuren, die entlang des Sommerwegs in den Wald auf einen Rücken mit aufgelockerter Lärchenbewaldung führten. Kurzzeitig wurde dort das Gelände flacher und leitete auf den nächsten Anstieg im stetig lichter werdenden Wald über.

im oberen Teil des Waldes, Lärchenbewuchs sorgt für Auflockerung

Das Gelände wird aufwärts gequert bis sich eine Mulde auftut, in der weiter aufgestiegen wird. Der Wald weicht mehr und mehr zurück, sodaß am oberen Teil der Mulde nur mehr vereinzelt Bäumchen angetroffen werden.

eine Mulde führt unterhalb einer Geländestufe

Entlang der von West auf Nordost drehenden Mulde, die sich verflacht und ausläuft, passiert man eine Geländestufe unterhalb des Hühnerspiels. Diese Stufe ist der nächste Steigabschnitt, sie wird gegen Ende der Nordostrichtung auf langem, jedoch flacherem Weg durchstiegen. Die Dimensionen dieser Passage beeindruckten uns im Aufstieg.

Querung unterhalb der Geländestufe nach Nordwesten

Auf der Geländestufe oben hat man bereits die 2.200 m Marke überschritten und noch knapp 700 Hm zu überwinden. Die Dimensionen dieses Anstiegs erscheinen dennoch gewaltig.

oberhalb der Stufe breitet sich ein schönes breites Kar aus

Der Ausblick auf die Brenner- und die um 130 Hm niedrigere Mittergratspitze, rechts der ersteren ist großartig. Das Schigelände kann als phantastisch bezeichnet werden, ein steiles Hochtal mit wunderbaren Abfahrtshängen.

durch die Mulde auf den steilen Hang

Zunächst mußten wir durch eine seichte Mulde, bevor das Gelände stetig steiler wurde. Zu lange folgten wir den Spuren unserer Vorgänger, sodaß wir den gleichen Fehler begingen und rechts der beiden Rippen unterhalb der Mittergratspitze aufstiegen, die zu steil zum überwechteten Grat führen.

schlechte Aussichten voraus – zu weit rechts aufgestiegen

Der Versteiger führte zu einer etwas prekären Situation, die erforderte, daß wir unter den mächtigen Wechten am Grat westwärts queren mußten. Allerdings auch mit dem Vorteil einer ganz vorzüglichen Perspektive für ein Bild vom Gipfelaufbau der Brennerspitze und den Blick auf den Originalaufstieg, eine Rippe weiter westlich, mit flacheren Flanken.

mit Querung unter extremer Hangneigung

Der Tiefblick in der Querung zum Sattel zwischen beiden Gipfeln zeigt die Steilheit wesentlich besser als der Eindruck von unten. Der letzte Hang zum Schidepot ist dann wesentlich flacher als der Mittelteil davor.

letzte Querung auf den Gipfelhang der Brennerspitze

Vom Schidepot gilt es noch knapp 50 Hm stapfend zu überwinden, wovon der Großteil sehr steiles Gelände darstellt. Mit Stapfspuren jedoch keine gefährliche Angelegenheit und auch nicht ausgesetzt.

am Fuß des Gipfelhangs der Brennerspitze

Das schmale länglich geformte Gipfelplateau konnte die für die Brennerspitze ungewöhnlichen Massen an Schitourenbergsteigern an diesem wunderbaren Tag kaum aufnehmen, so zog sich am Grat eine kleine Schlange an Gipfelbesuchern hin bis vor das erste Schärtchen in Richtung Kerrachspitze.

Gipfelkreuz der Brennerspitze vom Schidepot aus

Zwei Bergfreunde, offensichtlich ein Ehepaar, stifteten der Tafel nach das schöne und massive Holzgipfelkreuz auf der Brennerspitze. Eine Jahreszahl dazu gibt es nicht am Kreuz zu sehen, es dürfte aber schon einige Jahrzehnte die Brennerspitze zieren, bedenkt man die Schlitzschrauben, mit denen die Tafel moniert wurde.

Herwig am Gipfel der Brennerspitze

Aufgrund ihrer zentralen Lage im Stubaital und der weit gen Norden und Osten konkurrenzlosen Höhe stellt die Brennerspitze einen phantastischen Aussichtsberg dar.

Detailaufnahme der Nordflanke des Habichts

Der eindrücklichste Blick ist jener in den Süden auf die gewaltige Nordseite des Habichts. Der Anstieg erfordert hohes alpinistisches Können im Eis sowie eine hervorragende Kondition.

Rechts des Habichts kann in der Ferne gerade noch der Hohe Zahn und die Weißwandspitze erkannt werden, die vom Gschnitztal aus begangen werden.

Habichtkamm mit seinem Namensgeber dem Habicht und rechts im Hintergrund gerade noch der Hohe Zahn und die Weißwandspitze zu sehen.

Weiter rechts, im Südwesten bietet die Brennerspitze eine hervorragende Aussicht auf die Riesen des Mittleren Hauptkamms, von den Wetterspitzen, den Feuersteinen über den Wilden Freiger, dem flachen Gipfel der Sonklarspitze bis hin zu Wildem Pfaff und dem Zuckerhütl.

von links der markante Ochsenkogel, Äußere und Innere Wetterspitze, Schneespitze zwischen beiden, Östlicher, Westlicher (höchster) und Aperer (tiefer unten) Feuerstein, Langental mit Grüblferner am Ende in der rechten Bildhälfte, roter Grat, Wilder Freiger, der flache Kammgipfel der Sonklarspitze, Wilder Pfaff und Zuckerhütl

Von den Alpeiner Bergen muß als höchste Vertreterin die Ruderhofspitze erwähnt werden, mit weiteren seht lohnenswerten Zielen im Ostteil des Kamms, beispielsweise die Östliche Knotenspitze von der Neuen Regensburger Hütte aus und der mächtige Schrankogel.

Zuckerhütl links, Pfaffenschneid, Aperer Pfaff, Schaufelspitze und Nockwand im Vordergrund fast auf einer Linie, in der Ferne Stubaier Wildspitze über der Grawagrubennieder und rechts davon der Östliche Daumkogel, der schwarze amphibolitische Kamm zur Ruderhofspitze, rechts davon die Östliche Seespitze, rechts davon die Kräulspitzen, im Vordergrund die Knotenspitzen, äußerst rechts der mächtige Schrankogel

Im Westen, gut 800m entfernt, die Kerrachspitze, ebenfalls ein Schitourenziel, unternommen aus dem Oberbergtal, rechts davon in der Tiefe das bekannte Rinnenspitzl, erster und leichtester Dreitausender von der Franz Senn Hütte aus, rechts dahinter die Lüsener Spitze, dann der mächtige Lüsener Fernerkogel, der Gleirscher Fernerkogel und schließlich, als Abschluss der Dreitausender im Rundblick, die Hohe Villerspitze, gebaut aus dem bereits von weitem unterscheidbaren schwarzen Amphibolit, der als im Norden den granitischen Kern der Stubaier begrenzt.

rechts neben dem Lüsener Fernerkogel der Gleirscher Fernerkogel über dem kleinen Horntaler Joch, rechts vom Horntaler Joch die Grubenwand, tiefer im Vordergrund der Schafgrübler, die mächtige schwarze Hohe Villerspitze, Lüsener Villerspitze im Hintergrund, Schaldersspitze im Vordergrund und rechts davon Roter Kogel

Das schöne Schitourenziel des Roten Kogels im Hintergrund und das Schwarzhorn bilden in den Sellrainer Bergen den Abschluß, in den anschließenden Kalkkögeln die Schlicker Seespitze.

die ausklingenden Kämme nach Osten; links in den Südöstlichen Sellrainer Bergen das Schwarzhorn, im Vordergrund im Kamm Mittergrat- und Seeblasspitze, im Hintergrund Kalkkögel und in der Ferne die Spitzen des Karwendels

Die Tuxer im Osten und die Zillertaler in der Ferne, sowie die bärigen Schitourenziele im Serleskamm, es seien hier mit der Kesselspitze und der Lämpermahdspitze nur zwei rassige Vertreter der zahlreichen, hier am Blog beschriebenen Touren von Trins aus genannt, runden den Ausblick von der Brennerspitze ab.

der Serleskamm mit bärigen Schitourenzielen südöstlich gegenüber

Im Tiefblick in das Oberbergtal hinab zeigt sich ein durchwegs steiler nordseitiger Anstieg. In den Hängen orographisch links oberhalb der Normalroute forderte ein Lawinenabgang in die Äußere Stöcklengrube hinab wenige Tage später das Leben eines jungen Kollegen, eines exzellenten Schifahrers. Die Hänge sind dort sind so wie auf der Südostseite ebenfalls über 40° steil.

Tiefblick ins Oberbergtal

Vom Schidepot genossen wir die erste pulverige Abfahrt bis zum steilen Mittelteil, über den man nicht hinuntersehen kann, bis dessen obere Begrenzung erreicht ist.

Abfahrt über den Gipfelhang

Wir hatten das große Glück in jungem Lockerschnee zu fahren, ja im oberen Teil kann man sagen es war annähernd Pulverschnee, unten war ihm ein kaum merkbarer dünner Umwandlungsdeckel aufgesetzt.

Steilstrecke von der Brennerspitze hinab

Die Hangneigung mag auf den Bildern nicht steil erscheinen, in Wahrheit beträgt sie im Mittelteil auf dieser Seite im Durchschnitt 38° (gemessen im TIRIS) mit Passagen gut über 40°.

beste Schneeverhältnisse

Bis zur Milderaunalm genossen wir die Abfahrt zwischen schwerem Altschnee auf der Sonne zugewandten Hängen – Firn war noch keiner gebildet – und im schattigen Wald wieder unter lockerem Schnee.

 

 

Ab der Alm überwiegten fauler firnähnlich körniger Altschnee und auf der Rodelbahn feste Oberflächen. Einige Hundert Meter mußten wir die Schi schultern, kaum der Rede wert.

Panorama Südabfahrt Brennerspitze

Gesamt benötigten wir 5:50 Stunden für die lange Schitour. Die Strecke beträgt 6,2 km und der Aufstieg 1.720 m.

Mils, 13.03.2021

Schitour Eningkopf, 2.183 m

Im Hochwinter bietet die Schitour auf den Eningkopf ein kurzes spritziges Aufstiegsvergnügen im oberen Teil nach dem Verlassen des Sandestales mit Sonne auf den wesentlichen Aufstiegs- und Abfahrtshängen.

Ausblick über das Gschnitztal mit den tollen Tourenzielen von Trins aus

Mit einem Aufstieg von gute 900 Hm eignet sich die Tour als Halbtagsvergnügen – abgesehen von der langen und malerischen Anreise durch das gesamte Gschnitztal – sowie zum Ausweichen bei erheblicher Lawinengefahr. Die Hangneigung erreicht im steilsten Stück gerade nicht 35° und erstreckt sich über etwa 30 Hm.

Andrea mit dem Panorama von Kalkwand bis Kirchdachspitze

Mit entsprechender Routenwahl kann dieses kurze Stück entschärft werden. Bei unserer Begehung passierten wir im oberen Teil, etwa 100 m unterhalb der Grathöhe, kleine Rutschungen bis zum Grund entstanden durch das im heurigen Winter so ausgeprägte Altschneeproblem.

am Sandestalweg vor der nächsten Geländestufe

Entlang der Straße nach dem Gasthaus Feuerstein – der Parkplatz dient im Winter als Langlaufpiste und ist nicht geräumt – quetschten wir uns noch in eine etwas ausgeschobene Nische abseits der Straße zur Laponesalm. Die Parkmöglichkeiten vor dem Gasthaus Feuerstein waren bereits ausgeschöpft.

nach der Abzweigung, im Hintergrund Gschnitzer und Pflerscher Tribulaun

Wir nahmen die Abkürzung durch den Wald, direkt am Bauernhof neben der Straße aufsteigend. Durch die relativ unergiebigen Schneefälle bis Mitte Jänner sollte sich diese kleine Abkürzung zeitlich kaum rentieren, denn über zahlreiche Stellen war das Weiterkommen nicht besonders rasch möglich, kurzum es lag wehr wenig Schnee im Wald und die Schleife am fahrbaren Sandestalweg wäre keine langsamere Variante gewesen.

Aufstieg in das Almgelände

Etwa 100 Hm höher erreichten wir den Sandestalweg annähernde gleichzeitig mit der Gruppe, die etwa zeitgleich mit uns den Parkplatz verlassen hat. Über die letzten Meter mußten wir aufgrund der Steilheit und der Baumreste, die über die Wegkante geschoben wurden und uns zu schaffen machten, die Schi ablegen und tief einsinkend stapfen.

Sonne im Jänner um 10:20 Uhr

Am Sandestalweg kann die tolle Landschaft während dem Aufstieg genossen werden, wobei der Rückblick talauswärts immer unweigerlich an dem eindrucksvollen Koloss der Kirchdachspitze hängen bleibt.

Aufstieg zum Eningkopf in toller Kulisse

Zuvor beim Rückblick beeindrucken aber auch die Kletterberge Kalkwand und Ilmspitze, die gegenüber im Tal selbst im Jänner bereits vor neun Uhr unter Sonnenlicht in Weiß erstrahlen und die über die gesamte Drehung des Weges nach Süden eingesehen werden können, fast bis Vordersandes.

bald wechselt die Route auf die rechte Muldenseite

Vorbei am kleinen Jagdhüttchen auf der Freifläche, an der kurzzeitig vom Weg abgewichen wird, führt der Weg taleinwärts und gibt den schwindenden Blick auf die Kirchdachspitze zugunsten der Frontalansicht der beiden hohen Tribulaune, mit ihren mächtigen Nordflanken frei.

im rechten Teil des Hangs

Dem Weg wird noch über zwei Kehren gefolgt, oder diese auf direktem Anstieg abgekürzt, bevor nach 450 m die Abzweigung auf die herabziehende Flanke erreicht wird. Im Gelände ist sie eindeutig sichtbar und sie führte uns über eine Kehre zum Almgelände mit einem Almgebäudes unterhalb der Aufstiegsroute und einem verfallenen jenseits des Bachs, der auch des Winters im Gelände erkennbar ist.

mittelsteiler Aufstieg unterhalb des felsigen Kopfes

Muldenförmig zieht das ansprechende Gelände der Alm in mäßiger Steigung im unteren Teil auf die Einsattelung zwischen Gargglerin und Eningkopf empor. In der Mulde tauchten wir in die Sonne ein und im Südhang änderte sich auch die Schneekonsistenz, unter einem dünnen Harschdeckel jedoch noch locker und weich, merkbar.

im unteren Teil der Steilstufe; rechts oben die kleinen Rutschungen

Die Route zieht im rechten Teil der Mulde hinauf, das Gelände bildet einen netten Aufstieg zwischen kleineren Felsblöcken und wenigen Bäumchen hindurch. Der felsige Kopf mitten im Gelände wird rechts (östlich) umgangen womit in den steileren Teil der Tour eingestiegen wird.

Rückblick auf das Gelände

Der steile untere Teil erstreckt sich bis über den felsigen Kopf, etwa über 50 Hm bevor er in Blockgelände oberhalb wieder abflacht und sich zur Grathöhe hin ein zweites Mal etwas steiler ausbildet. Beide Teile können mit günstiger Routenwahl für größtmögliche Sicherheit begangen werden. Im unteren Teil traten die Rutschungen auf, allerdings östlich von der Spur entfernt.

oberhalb der unteren Steilstufe

Gegen den Grat hin flacht das Gelände leicht ab, am Ankunftspunkt am Grat findet man eine seichte Grube vor, die sich für ein Schidepot eignet.
Über den felsigen Grat kann der Eningkopf bestiegen werden, über 180 m Gratlänge und mit etwa 50 Hm, welches wir aufgrund fehlenden Erlebnisgewinns unterließen und offenbar alle Tourengeher der letzten Tage auch, wie wir anhand der fehlenden Spuren feststellen konnten. Gipfelkreuz trägt der Eningkopf keines.

das obere steile Stück

Stattdessen folgten wir den Spuren unserer Vorgänger auf den Sattel Richtung Gargglerin soweit die Sonne ihn beleuchtete und richteten dort unseren Rastplatz ein. Die orographisch rechte Seite des Almgeländes wird durch die Abdeckung durch die Gargglerin weniger lang beleuchtet und stellt damit auch die besser geeignete für die Abfahrt dar. Und wir sollten dort auch Lockerschnee vorfinden.

dem Grat nahe; im Hintergrund rechts der Aufstieg zum Eningkopf

Trotz der Abdeckung der Sicht durch die Gargglerin genießt man von diesem Rastplatz aus eine tolle Sicht auf die Umgebung. Im Nordosten befinden sich die sagenhaft schönen Touren auf die Hammerspitze, etwas verdeckt durch ihre Gratfelsen, und auf den gut sichtbaren Padasterkogel sowie auf die Peilspitze.

Ausblick über das Gschnitztal mit den tollen Tourenzielen von Trins aus

Gen Südwesten wird als erstes Ziel in der Kette das Gstreinjöchl erblickt. Auf dieses führt eine bärige Frühjahrstour von Hintertrenns aus. Anschließend, weiter im Süden prangt der kolossale Gschnitzer Tribulaun, auf den wir im Vorjahr eine rassige Schitour unternahmen, leider bei mäßigem bis schlechten Wetter.

Herwig und Andrea am Rastplatz

Im Norden gegenüber bietet sich die Frontalansicht auf den Habicht, ein Ziel das unbedingt erstiegen werden muß. Hierzu werden optimale Bedingungen benötigt, man muß sie erwischen.

Habicht Südanstieg im Norden

Die Abfahrt vom Eningkopf, bzw. von unserem Rastplatz am Grat führte uns zunächst unterhalb alter Schneemäuler knapp unter dem Grat und einer mittelbreiten Rutschung durch das Altschneeproblem. Wir befuhren die Strecke einzeln bis zu einem sicheren Punkt danach.

Abfahrt vom Grat; links oben das Gleitschneemaul

Von dort hatten wir eine lange Strecke Lockerschnee mit tollem Abfahrtserlebnis über gestuftes Gelände, steiler als auf der Aufstiegsseite. Dies muß bei entsprechender Lawinensituation beachtet werden.

da macht die Abfahrt Freude

Weiter unten flacht das Gelände ab und im selben Maß nahm der Harschdeckel zu. Es wurde bis zum verfallenen Almgebäude hinab schwieriger zu drehen.

im steileren Teil der Abfahrt; Aufstieg im Rückblick mit weiteren Tourengehern

Anschließend Gelangten wir in wieder steileres Gelände mit mitteldichtem Strauchbewuchs durch das die Abfahrt mit Anstrengung auf den Sandestalweg einen netten Abschluß bildete.

im flacheren Teil vor der Almhütte

Zurück zum Parkplatz bleibt der Abfahrt am Weg keine Alternative. Eine Einkehr im Gasthaus Feuerstein schließt Touren im hinteren Gschnitztal immer würdig ab.

Abfahrt vom Eningkopf – bereits der Alm nahe

Gesamt benötigten wir 3:50 Stunden für die kurze Schitour. Die Strecke beträgt 6,2 km und der Aufstieg 920 m.

Mils, 15.01.2022