Rundwanderung Drei Zinnen über das Rienztal

Allein die Vorstellung von den „Drei Zinnen“ löst verschiedenste Gedanken in jedermanns Gedankenwelt aus. Seien es bei jungen alpinistisch Interessierten oder bei an künstlich hochgestylten Fotos auf Meta interessierten Gedanken an das völlig übervölkerte Hochplateau im Herzen der Sextener Dolomiten, bei denen durch Software Natur korrigiert wird oder dem Motiv die Nebenrolle zugewiesen wird, während man selbst, meist gestylt durch undurchsichtige Sonnenbrillen die Hauptrolle einnimmt, oder seien es bei meist älteren Semestern solche, die beim Anblick der immensen Nordwände nicht nur die Entwicklungen alpinistischer Leistungen auf den monumentalen Türmen nachvollziehen oder schlicht die Natur bewundern wollen, sondern denen speziell direkt am Ort auch die Agonie der Geschichte im gesamten Gebiet aufkocht.

Drei Zinnen von Nordosten

Beide Sichtweisen haben ihre Gefolgschaft, Mischungen der genannten Gedankenmotive sind wahrscheinlich. Eine weitere Sichtweise wäre die etwas extreme, aber sehr berechtigte Forderung nach einer Begrenzung des Zutritts zum Juwel. Diese Sichtweise gewinnt im Verhältnis gesehen eine wahrscheinlich stetig größere Gefolgschaft als die beiden erstgenannten, von denen sehr wahrscheinlich die erste auch an Volk dazugewinnt, die zweite sehr wahrscheinlich im Sterben begriffen ist.

erster Blick auf das bärige Tagesziel

Die einen sind entweder angetan von der Erhabenheit der Landschaft mit den Drei Zinnen als dem Mittelpunkt, die anderen sehen dies als Kulisse für die eigene Inszenierung, für die dritten stellen die bizarrsten Zeugen der afrikanischen Vergangenheit der Dolomiten einen notwendigen Ort zum Abhaken der Liste der zu besuchenden Orte von Welt-Kulturerbe dar.

Letztere Motivation zieht jenes Klientel auf die 2.300 m hohe Kulisse, die am wenigsten Bezug zu Menschen, Landschaft und Kultur der Region aufweist, die ausschließlich kommt, um den Fotobeweis mitzunehmen, ein Weltnaturerbe besichtigt zu haben. Insofern stellt sich angesichts der Besuchermassen die Frage nach dem Segen der Erhebung der Drei Zinnen zum Weltkulturerbe.

am Aufstieg über den Talschluß, im Blick vor uns liegt das Rienztal

Dieser Begehungsbericht entstand aufgrund eines Wunsches, eine Geburtstagsbergtour in den Dolomiten zu unternehmen. Um diesen bestmöglich zu erfüllen, wurde das Filetstück dafür in Betracht gezogen und bewußt nicht der Weg der Lemminge, sondern ein weniger begangener, erlebnisreicher Zugang ausgewählt.

phantastischer erster Blick auf die Drei Zinnen im Aufstieg auf den Rienzboden

Der Autor benutzt den Bericht für mehrfache Zwecke, einerseits, um für jene Modernen, die an Landschaft und nicht an Text interessiert sind Bilder der großräumigen Naturkulisse bereitzustellen, die sonst kaum im Kontext der Drei Zinnen im Internet zu sehen sind, weiters für jene, die sich mit Hilfe der Natur auf ihren Lebensunterhalt verstehen und dabei die Grundlage dieses Kreislaufs erhalten sollten, und andererseits für jene, denen sich das doppelnamige Erscheinungsbild der Dreizinnenhütte geschichtlich aufdrängt.

die Drei Zinnen vom Rienzboden betrachtet

Auf der Webseite der UNESCO sucht man vergeblich nach einer echten Liste mit Stichwortsuchfunktion der zum Weltkulturerbe erhobenen Orte, fündig wird man im Menü unter der Seite „List“ bei den aufgeführten Ländern, die ein verliehenes Weltkulturerbe besitzen. Dort muß nach „Italy“ gesucht werden und in der ungeordneten Aufzählung wird dann weit unten ein Punkt „The Dolomites“ gefunden. Es werden also die gesamten Dolomiten als Weltkulturerbe geführt, nicht die Drei Zinnen“ als Einzelgruppe der verschiedenen Gebirge. Skurriles Detail liefert die eingeblendete Übersichtskarte, bei der die Drei Zinnen mit einem Punkt verortet werden, der 10,7 km westlich von der Großen Zinne liegt im Bereich „Im Gemärk“ zwischen Schluderbach und Cortina d‘Ampezzo.

in Bildmitte der Paternkofel, rechts der Passportenkofel

Spannt man nun den Bogen von hochwissenschaftlicher Betrachtung der Dolomiten für die Aufnahme als ein Weltkulturerbe zum Tourismus, den wir gestern dort selbst erlebt haben, dann sollte man zunächst die Kriterien für die Verleihung durchlesen. In der „Description“ erfährt der Leser (Auszug):

Dieses Gebiet umfasst zudem eine international bedeutende Kombination geowissenschaftlicher Werte. Die Menge und Konzentration der äußerst vielfältigen Kalksteinformationen ist im globalen Kontext außergewöhnlich, während die hervorragend freigelegte Geologie Einblicke in die Erholung des marinen Lebens im Trias-Zeitalter nach dem größten Massensterben in der Geschichte des Lebens auf der Erde gewährt.

Paternsattel links und Drei Zinnen

Hier wird also vermittelt, daß das Weltkulturerbe Dolomiten aufgrund seiner geologischen und geomorphologischen Einzigartigkeit ausgewählt wurde. Umso mehr verwundert es den Besucher, daß nirgendwo im Bereich des Hochplateaus ein geringster Hinweis auf die geologische Entstehung der Drei Zinnen oder der Dolomiten schlechthin gefunden werden kann. In keiner Weise gibt es Informationstafeln oder sonstige erklärende Hinweise auf den Grund für das Weltkulturerbe. Hierzu müßte sich der Tourist wochentags nach Toblach ins Naturparkhaus begeben, was für nahezu jeden flachfällt.

Monte Cristallo links, Hohe Gaisl rechts, unten die Rienzböden

Auf der Webseite der UNESCO findet man am Ende der Seite einen Menüpunkt „Media“ der ein Video über die Fichten in den Dolomiten enthält und die Geschichte der Stadt Venedig beschreibt, sowie den antiken Schiffsbau in Venedig.
Welche Vermittlung von Wissen über die Dolomiten hier betrieben werden soll ist völlig unklar und mutet befremdlich an, sozusagen sollen die Dolomiten als mit der Stadt Venedig verbunden anzusehen sein. Andere in den Dolomiten lebende Völker werden im Video nicht erwähnt, ebenso nicht die im Text gepriesenen geologischen Merkmale.

Nina wandert am Schmalblättrigen Weidenröschen vorbei, im Hintergrund der Paternkofel

Auf der Dreizinnenhütte, die heute Rifugio Antonio Locatelli – S. Innerkofler heißt und 1882 von der Sektion „Hochpusterthal des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins“ im Gemeindegebiet von Sexten erbaut wurde, ließen wir uns zur Mittagsrast nieder. Die Hütte wurde erbaut, um den Anmarsch zu den Drei Zinnen zu verkürzen, die damals vorwiegend vom 11 km entfernten Hotel Ploner in Schluderbach aus mit einer Gehzeit von über vier Stunden begangen wurde. Sie unterlag einer stetigen Erweiterung, bis sie unter dem Bergführer Sepp Innerkofler 1908 auf 20 Zimmer mit 40 Betten- und 15 Matratzenlager ausgebaut wurde und in diesem Jahr bis dorthin mehr als 2.000 Besucher dort nächtigten.

am flachen und erstaunlich ebenen Vorfeld der Dreizinnenhütte

Am 24. Mai 1915 ging sie unter italienischen Granatfeuer in Flammen auf. 1922 wurde sie von der neu gegründeten Sektion Hochpustertal wieder aufgebaut und dieser 1923 vom italienischen Staat enteignet. Der Grund dafür war das Singen des Refrains „O Land Tirol, mein einzig Glück“ bei der Einweihungsfeier sowie angeblich missbilligende Äußerungen von Angestellten des Hüttenwirts über italienische Gäste.

Panorama von Dreizinnenhütte: Paternkofel, Paternsattel und Drei Zinnen

Den Faschisten reichten diese Gründe aus, um das Entnationalisierungsprogramm des Ettore Tolomei umzusetzen und die Hütte zu schließen[1]. Tolomei strebte danach „den auf den Südabhang der Alpen gewehten deutschen und französischen Volksteilen“ den Garaus zu machen[2].

Drei Zinnen von der Dreizinnenhütte aus gesehen

Im September 1923 löste der Trienter Provinzialpräfekt Quadagnini alle Südtiroler alpinen Vereine auf (mit Ausnahme des CAI) auf und übergab die Dreizinnenhütte im Jänner 1924 der Sektion Padua des Club Alpino Italiano in dessen Eigentum[3].

skurrile Gedenktafel an Antonio Locatelli aus 1937, der Zeit der Hochblüte des musolinischen Faschismus‘

Der CAI Bozen und die Sektion Padua modernisierten die Hütte, die 1937 neu eröffnet und auf Geheiß des Zentralausschusses des CAI zu Ehren des Fliegermajors Antonio Locatelli in „Schutzhütte Antonio Locatelli“ mit Zusatz „bei den Drei Zinnen“ umbenannt wurde.

am Sextnerstein, einige Aufstiegsminuten hinter der Dreizinnenhütte wird das berühmte Foto erstellt

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Hütte verwüstet brach. Die Sektion Padua übernahm das Zweidrittel-Eigentum von der CAI Sektion Bozen komplett und baute sie wieder auf. 1949 wurde sie eingeweiht und dem Bergführer Josef Reider in Sexten übergeben. Sein Sohn Hugo führte mit seiner Frau Milka die Hütte bis zum Jahr 2023, bevor sie die Pächterfamilie Pintossi Angelo übernahm.

später wurde die Dreizinnenhütte in Rifugio Locatelli umbenannt und noch später in Rifugio Locatelli – Innerkofler

Für die Drei Zinnen Hütte gilt heute ebenso die Festlegung der Kriterien für die Erhebung zum Weltkulturerbe (Auszug):

Für die Stätte und ihre Pufferzonen sind zudem gemeinsame Richtlinien und Programme für die Steuerung der öffentlichen Nutzung und die Präsentation der Stätte erforderlich. Die Stätte muss vor touristischen Belastungen und der damit verbundenen Infrastruktur geschützt werden.

Gebiete, die einer intensiveren Besuchernutzung ausgesetzt sind, müssen so verwaltet werden, dass die Besucherzahlen und -aktivitäten im Rahmen der Tragfähigkeit des Gutes bleiben, sowohl im Hinblick auf den Schutz seiner Werte als auch auf das Erlebnis der Besucher des Gutes.

Wir haben die einzigartige Landschaft von der aus Hütte auf einem kurzen Trailer festgehalten, den wir „Dolomitenfeeling“ genannt haben und noch nicht ahnten, daß die auf der Webseite der UNESCO oben erwähnten Bestimmungen gelten sollen.

Nun könnte jemand auf die Idee kommen zu hinterfragen, ob die enormen Besucherzahlen auf dem wunderbaren Hochplateau „im Rahmen der Tragfähigkeit des Gutes“ bleiben. Hierzu könnte man sich die Buchungsmodalitäten der Dreizinnenhütte ansehen, wo genaue Instruktionen abgegeben werden, um einen Kollaps des offensichtlich überforderten Hüttenwirtes mit seinem Team zu vermeiden. Zum Schmunzeln verleiten dabei die Aussage hinsichtlich der Buchung: „Wir sind mit schätzungsweise 10.000 e-mail Anfragen im Jahr überfordert und schaffen es nicht auf all die eingehenden mails persönlich zu antworten.“ sowie „Wir haben leider keine stabile Internetverbindung auf der Hütte und müssen manchmal zum Herunterladen der Anfragen erst um die Hütte herumlaufen um eine günstige Netzverbindung zu suchen.“ und „Unser veraltetes Richtfunktelefon ist leider nicht mehr zu gebrauchen!“

Mit der Erwähnung dieser Texte aus der Webseite möchten wir keinesfalls den Hüttenwirt diskreditieren, sie sollen vielmehr die Auswirkungen hervorheben, denen eine alpine Einrichtung, die einst als „Schutzhütte“ für Alpinisten ins Leben gerufen wurde, gegenübersteht, wenn knapp daneben ein Weltkulturerbe ausgerufen wird.

unter den Besuchern der Dreizinnenhütte fielen uns unter anderen schrägen Kleidungsvarianten im Hochgebirge speziell jene der Imker auf

Die Dimensionen an Besuchern nehmen derartige Formen an, daß das WC von strenger indischer Hand bewacht wird und ein Benützungseuro eingehoben wird. Das darf auch alles so sein, damit die Benützbarkeit erhalten bleibt. Fraglich dabei ist, ob die UNESCO-„Tragfähigkeit des Gutes“ dabei noch nicht erreicht, ausgeschöpft oder überschritten ist.

Wie kommen nun all die Leute teilweise mit Kleinkindern in ihren Turnschuhen auf das Hochplateau, wenn man selbst zweieinhalb bis drei Stunden des sieben bis acht Kilometer langen Aufstiegs vom Fischlein- oder Rienztal über knapp 1.000 Höhenmeter benötigt? Diese Frage ist leicht zu beantworten – sie werden mit dem Fahrzeug bis vor die Drei Zinnen auf 2.333 m Seehöhe gekarrt und benötigen für den Aufstieg zur Dreizinnenhütte lediglich 215 m Aufstieg über knapp 4 km, der in 1:25 Stunden zu bewältigen ist. Der Paternsattel liegt auf 2.454 m. Um also am Fuß der Kleinen Zinne zu stehen, müssen lediglich 120 Höhenmeter bewältigt werden. Somit ist der Grundstein für den Massentourismus gelegt.

Imker legen auf der Dreizinnenhütte ihre Schutzmasken kaum zum Essen ab

Aus Berichten im Internet geht hervor, daß an normalen Tagen zwischen 8 und 10 Tausend Besucher über die Auronzohütte das Hochplateau erreichen. An Spitzentagen, nach längerem Regenwetter beispielsweise können es bis zu 13 Tausend Besuchern sein. Hinzu kommen die Besucher aus den oben erwähnten Tälern in Südtirol, wobei die unserer Tour waren außer uns beiden etwa 15 weitere Personen von Höhlenstein aus über das Rienztal unterwegs. Die Anzahl aus dem Fischleintal Aufsteigender dürfte im Vergleich mit dem Ansturm von der Auronzohütte verschwindend sein, sollten es über beide Täler sogar mehrere Hundert sein. Mit Grausen erschaudert der alpin Begeisterte beim Vorhaben, eine Seilbahn zu überlegen. Da verspricht die andere Überlegung der Besucherbegrenzung von max. 5 Tausend pro Tag einigermaßen Entspannung und man wäre damit im Einklang der Vorschläge oder Forderungen der UNESCO.

auch die Imker machen sich auf den Weg das berühmte Fotos aus dem Tunnel mitzunehmen

Man hat also die Überlastung erkannt und nun steht Tourismus und Wohlstand der Region gegenüber dem Naturschutz. Wer selbst vom Tal aus auf den Rienzboden aufsteigt und dort eine Rundwanderung durchführt, hat nicht nur das größere Erlebnis, er empfindet auch die Dimensionen der Drei Zinnen eindrücklicher. Die echten Touristen unter den Besuchern, jene mit Ausgangspunkt Parkplatz Auronzohütte, setzen sich aus den verschiedensten Nationen zusammen, kommen aus aller Welt und reisen morgen wieder tausende Kilometer weit weg. Sie haben keinerlei Bezug zu den Dolomiten und auch nicht zu den Drei Zinnen im Besonderen, sie kommen, um eine Station auf ihrer persönlichen Weltkulturerbeliste abzuhaken und Selfies herzeigen zu können.
Dabei befinden sie sich nicht auf einfachem, leicht zu beherrschenden Terrain, so wie das bei den meisten anderen Stätten von Weltkulturerbe der Fall ist, beispielsweise bei den Victoriafällen, am Kölner Dom oder in der Salzburger Altstadt. Sie befinden sich auf knapp 2,500 m Seehöhe, auf der sich selbst im Sommer ein kräftiges Gewitter mit der einhergehenden Abkühlung zu einem ernsten Problem für den Halbschuhtouristen auswirken kann. Vor allem dann, wenn er die angepriesene Rundtour mit vier Stunden reine Gehzeit in alpinem Gelände unternimmt und sich am Tiefpunkt den Rienzböden befindet. Spätestens dann erweisen sich die Turnschuhe als völlig ungeeignet für das Gelände. Selbst wenn wenig Rettungseinsätze durch Halbschuhtouristen zu verzeichnen sind, erhebt sich die Frage, welche Sinnhaftigkeit vorhanden ist, dieses hochalpine Gebiet einer zu leicht zu erreichenden Begehungsmöglichkeit zuzuführen. Die Drei Zinnen haben selbst für ihren Schutz gesorgt, indem durch den selektiven Anstieg nicht jedermann in ihre Nähe kommen kann. Muss die Stellung ob des Geldes völlig verraten werden?
Ermöglicht die praktizierte leichte Vermarktung auch der Umstand, daß die Südseite der Drei Zinnen nicht im Naturpark eingeschlossen ist?
Wäre es nicht besser, gleich den Anstiegen von Südtiroler Seite von West und Nordost, die Touristen vom Süden, vom Misurinasee aus aufsteigen zu lassen, mit Übernachtung in der Auronzohütte? Damit schließe man die nicht ausgerüsteten Touristen bereits aus und bescherte dem Weltkulturerbe Tragfähigkeit des Gutes, den Schutz seiner Werte und eine Aufwertung des Erlebnisses der Besucher des Gutes.

später wurde die Dreizinnenhütte in Rifugio Locatelli umbenannt und noch später in Rifugio Locatelli – Innerkofler

Unsere Rundtour vor den Drei Zinnen beginnt im Höhlensteintal vor Schluderbach kurz vor dem Dürrensee. Ein öffentlicher Parkplatz der Gemeinde Toblach kann benützt werden, falls nicht mit dem Bus von Toblach, dessen Abfahrtszeiten unser Reiseschema gar nicht getroffen hat, angereist wird. Die Tagesgebühr beträgt EUR 15.- (August 2026) und man tut gut daran, mit der Karte zu bezahlen, denn wenn man althergebracht Münzen nicht schnell genug einwirft, glaubt der Automat, man sei schon fertig und druckt um acht Uhr einen Parkschein, der bis halb zwölf gültig ist. Bei der Kartenzahlung kann die Parkzeit per Knopfdruck ausgewählt werden, bevor der Bezahlvorgang ausgeführt wird. Passieret ersteres, dann legt man beide Parkscheine hinter die Windschutzscheibe in der Hoffnung daß der Kontrolleur der Gemeinde erkennt, daß die Tageshöchstsumme entrichtet wurde, auch wenn beide Parkscheine um die Mittagszeit enden. Glücklicherweise stellten wir bei der Rückkehr keine Rüge fest.

Rundwanderung vor den Drei Zinnen über das Rienztal mit Ausgangspunkt Höhlensteintal

Zunächst beginnt der Aufstieg auf einem langen Stück Schotterweg auf die Ostseite des Höhlensteintals, der mit der Talenge ins Rienztal moderat aufsteilt. Im Morgennebel erscheinen die Drei Zinnen am Beginn des noch flachen Weges wie gewaltige Heilige Drei Könige aus Stein, wobei aufgrund des Winkels nur zwei davon sichtbar sind und der dritte im Kopf stattfindet.

Modell der Drei Zinnen mit klassischen Kletterrouten am Beginn des Weges

Am Beginn des Schottwegs möge man nicht achtlos am kleinen Modell der Drei Zinnen vorbeiwandern, dort sind die ältesten und berühmtesten Kletterrouten aufgetragen, die sich durch ihre häufige Begehung als die wichtigsten und schönsten erwiesen haben. Diesen Vorgeschmack möge man sich gönnen, um die Routen in natura an den schauerlichen Nordwänden nachvollziehen zu können und die Kühnheit der Erstbegeher zu erfassen.

Blick nach Norden ins Höhlensteintal

Nach einer Viertelstunde Wanderung in das Rienztal präsentiert sich die schöne Wildheit des Tals mit breiten Schotterzuflüssen von der linken Seite im Aufstiegssinn. Die Rienz ist dort ein schmales Bächlein und von links kommt als Zufluss ein noch schmaleres den Hang herunter. Dort, an einer Talengstelle, muß nach Unwettern sehr wahrscheinlich häufig der Schotterweg ausgebessert oder neu angelegt werden, was auch anhand des jungen Schotters gut sichtbar ist.

durch die schmale Stelle im äußeren Rienztal mit Großer und Westlicher Zinne im Hintergrund

Weiter zieht der Weg wieder an der breiten und dadurch weniger wild sich auswirkenden Rienz ins Tal einwärts. Etwa nach einer dreiviertel Stunde vom Start passiert man eine kleine Jagdhütte mit einem Brunnen, der Wasser spendet. Die Füllung der Flasche ist aber nicht unbedingt dort notwendig, denn am Weg zum Talschluß kommt man noch an mancher Quelle vorbei. Ab dort häufen sich steilere Stufen, über die man jeweils neben dem stetig steigenden Bett der Rienz aufstiegt. Im Rückblick bei einer Kurve kann die zuweilen geballte Kraft des Wassers über das etwa 50 m breite Bachbett mit den Seitenwällen gut betrachtet werden.

im Rienztal führt der Weg bis zum Talschluß auf der linken Seite im Aufstiegssinn aufwärts

Der gewaltigste Zufluß und Ausschwemmung eines Tals ist wohl jenes zum Wildgrabenjoch, das seiner Bezeichnung alle Ehre bereitet. Bis weit hinauf in das Tal können die abgerissenen Waldansätze erblickt werden, die bei jedem Hochwetter eine Verbreiterung erfahren. Im Bett finden sich die in die Schotterrinne gestürzten Bäume.

Rückblick aus dem Rienztal auf den Strudelkopf, von wo man einen guten Blick auf die Drei Zinnen hat

Kurz vor dem Talschluß erreichten wir eine Lichtung mit einer Rastbank auf der Wiese. Rechts davon erkennt man am Gegenhang auf der rechten Talseite einen komfortablen Aufstieg mit Serpentinen. Leider maß der Autor diesem keine besondere Bedeutung zu, weswegen er beim späteren Abstieg auch nicht zur Nutzung in Betracht kam, er aber eine schöne Rundtour abgeben und einiges an Wegstrecke ersparen hätte können. Möglicherweise handelt es sich dabei um eine ehemalige Zuwegung zur Longolbe, der Langalm, oder war ein Transportweg im Ersten Weltkrieg (wofür er zu jung benutzt aussieht). In jedem Fall wäre dieser Weg zu erkunden, obwohl er zwar bedauerlich aber aus gutem Grund entweder aus dem Kartenwerk entfernt oder nie aufgenommen wurde, möglicherweise weil er nicht offiziell ist und keine Pflege erhält.

rechts der Paternkofel, links die Felsnadel, die Frankfurter Würstel genannt wird, mittig der Felsaufbau mit der unpassenden Bezeichnung Buddha

Gegen den Talschluß hin rinnt von der linken Talseite im Aufstieg gesehen ein kleiner Bach herab, der durch eine Brücke überquert wird. Anschließend führt der Steig steiler über den Talkessel hinauf zum Rienzboden. Er führt über acht Serpentinen auf das Hochplateau auf 2.180 m Seehöhe, wobei 230 Höhenmeter überwunden werden und auf den letzten Kehren die Drei Zinnen immer mächtiger hervortreten und die Blicke auf sie das Erlebnis, sie selbst erwandert zu haben, steigern.

die Rienz fließt als Bächlein über den Talschluß herab

Am Weg über die Serpentinenstrecken öffnet sich mit zunehmender Höhe der Blick auf die schöne Höhe Gaisl im Westen, einem Eckpunkt des Naturparks Fanes-Sennes-Prags. Rechts im Blick nach Westen ragen die Gipfel von Rautkofel und Schwalbenkofel auf.

Auf dem felsigen Teil des Aufstiegs führt der Steig nahe an eine Schlucht in der linken Talbegrenzung heran, in der ein kleines Rinnsal hinabrieselt. Dieser Wasserlauf stellt den Ursprung der Rienz dar, deren Wässer sich oberhalb am gleichnamigen Boden sammeln. Einen eindrucksvollen Blick konnten wir vom Holzaufbau in die Schlucht hinab werfen. An dieser Stelle wendet sich auch der Steig nach Osten und gibt den ersten atemberaubenden Nahblick auf die Drei Zinnen frei. Wenig später hatten wir den Rienzboden erreicht, in dem lediglich der ausgetrocknete Wasserlauf zum Wasserfall sichtbar war.

mit dieser Brücke führt der Weg auf die rechts Seite der Rienz im Aufstiegssinn

Bei dem umwerfenden Eindruck setzten wir uns zu einer Trinkpause auf einen erhöhten Platz am Rienzboden, um die ersten Eindrücke zu verarbeiten und Fotos zu schießen. Die schön beleuchteten Bilder von den Nordwänden gab es am Vormittag natürlich nicht. Diese befinden sich bis zum späten Nachmittag bzw. frühen Abend im Schatten. Sonnenlicht ergibt sich in den Wänden, wenn der Sonnenlauf mindestens die Westrichtung (280 °) überschreitet. Zur Sommersonnwende beträgt die maximale Nordrichtung der Sonne 306 ° gegen 21 Uhr, wodurch eine lange Zeitspanne besteht, das wichtige Foto zu schießen.

die Drei Zinnen vom Rienzboden betrachtet

Nach der ersten Gewöhnung an die umwerfende Landschaft sowie an das Gewimmel an Personen, die glücklicherweise auf dem riesigen Plateau völlig untergehen und lediglich als farbige Punkte wahrgenommen werden, begaben wir uns zur abschließenden Etappe auf die Dreizinnenhütte im Wissen, daß der beschauliche Aufstieg dort jäh sein Ende finden wird. Auf dieser Autobahn (Weg Nr. 105 bzw. dessen Derivate) kann man sich das tirolisch gepflegte „Grias di“ oder den Plural davon „Grias eich“ schenken, da man, wenn überhaupt ein verkapptes „Hello“, „Hi“ oder ein knappes „Ciao“ erntet. Anhand der Erscheinung ahnt man außerdem, daß einer wohlbeleibten Gruppe von gleichmütig blickenden Indern der oberen Kaste wohl kaum ein fruchtbringender Gruß zugeworfen werden muß, weil er an ihnen standesgemäß nichts als verhallen würde. Dankbarer sind da schon die emsig sich zielwärts mühenden Chinesen, denen häufig beim Augenkontakt zumindest ein leichtes Lächeln von asiatischer geübter Höflichkeit passiert, nicht aber Herrn und Frau Wu aus dem Land des Lächelns, die tief verhüllt vom dortigen Imkerverein zu den Drei Zinnen abgesandt werden, um Hochkant-Fotos heimzuholen.

Rückblick vom Rienzboden, rechts Rautkopf, Rautkofel und Schwalbenkofel

In steter Gesellschaft kämpften wir uns am ausgetretenen Weg, der von Nr. 102 in Nr. 105 übergeht, in Richtung Hütte hinauf und ein unbeschrittenes kurzes Stück Derivat zum Hauptweg lies sogar ein bäriges Foto von Nina mit dem Kontrast von Waldweidenröschen (Schmalblättriges Weidenröschen) und dem Paternkofel zu.

Drei Zinnen mit Weg zur Dreizinnenhütte unterhalb

Am Plateau unterhalb der Dreizinnenhütte staunten wir nicht schlecht über die Ebenheit der riesigen Fläche – eine Eigenheit dolomitischen Baues schlechthin, dort jedoch von immenser Größe, als wäre sie mechanisch bearbeitet worden. Später, an der Querung des Nordrandes der Drei Zinnen, konnten wir den ebensolchen höhengleich ausgeprägten Trennfugenaufbau zwischen den Dolomitbänken oberhalb der Wandfüße erneut erkennen. Die unverwitterten senkrechten Nordwände spiegeln dort die Entstehungsgeschichte der Drei Zinnen eindrucksvoll wider.

Sextnerstein nordwestlich der Dreizinnenhütte; am seinem Fuße die Fotolocation

Ein Getränk auf der Terrasse der Hütte genehmigten wir uns trotz der guten Auslastung an Besuchern. Der Edelstoff aus München hat wohl unter den Bieren das Rennen im Einkauf des Hüttenwirtes gewonnen, danach folgen andere bayerische Biere, die am Kiosk unter dem Hütteneingang zu erwerben sind, eine lokal erzeugte Sorte befand sich nicht darunter. Gekocht wird im Akkord, verriet uns ein Abstecher auf den Balkon vor dem Hütteneingang, aus dem alle zwei Minuten ein Bursche mit lauten Ausruf von „quarantaquatro“ oder „trenta-sowieso“ aus dem Dunkel der Hütte hervortrat und sobald die jeweilige Nummer ausgerufen wurde, auch schon ein wackerer Weltkulturerbeersteiger heraneilte, um den Teller aus der Hand des Burschen zu befreien und fest zu umschließen. Die Reise von der Auronzohütte bis zur Dreizinnenhütte zehrt offenbar an den Kräften der Besucher des Weltkulturerbes.

Pilgerschar zum Foto-Mekka am Sexnterstein

Dem belustigenden Treiben auf der Terrasse hätte man noch eine Weile mehr widmen können, hätte man sein Getränk nicht gegenüber dem lieferanteneingangähnlichen hölzernen Vorbau eingenommen, aus dem in unerhörter Lautstärke die Weisen einer australischen Hardrockband gedrungen sind. Nicht jeder ist eben betört von gemeinsamer Konsumation von Drei Zinnen und AC/DC.

nordöstlich des Toblinger Riedls, auf dem die Dreizinnenhütte steht, befinden sich die Bödenseen; im Hintergrund die Sextner Rotwand und der Elferkofel

Oberhalb der Nordwesttreppe zum Hütteneingang fällt eine Tafel mit einer Inschrift über einen Mann mit Namen Antonio Locatelli auf, die zum Abschluß den Namen „Mussolini“ beinhaltet, den jeder auch nicht sprachkundige Besucher mit negativ behafteter Verwunderung deuten kann. Natürlich ist sofort klar, daß die Tafel eine Huldigung Locatellis darstellen soll, aber was bedeutet der zweite Teil des Spruchs „…nella dirittura del vivere nell’eroismo del combattere nella santitá morire italiano di Mussolini“?
Dieser Name am Schluß der Aussage wirft Interesse auf. Warum wird ein ehemaliger Diktator, der auch noch zum Vorbild seines deutschen Pendants gereichte, im 21. Jahrhundert dermaßen offen auf einer Huldigung genannt und die „Heiligkeit des Sterbens“ unter ihm? Ist dem CAI, der die Tafel 1937 gewidmet hat, die Geschichte verborgen geblieben? Gewiss mag es aus dem Kontext heraus im Jahr der Montage der Inschrift ein bewußter Affront gegenüber der deutschsprachigen Bevölkerung gewesen sein die Tafel auf Südtiroler Boden anzubringen, mittlerweile hat die Welt jedoch einstimmig erkannt, daß Devotionalien an diese unselige Epoche zu unterlassen sind.

Wirtschaftsgebäude der Bödenalm mit dem bizarren Paternkofel

Es mag sein, daß Locatelli, der Mitglied der faschistischen Partei Italiens war, als hervorragender Bergsteiger und Pilot ein heldenmütiges Leben geführt hat, er hat aber auch mit großer Begeisterung als Bomberpilot im Zweiten Italienisch-Äthiopischen Krieg teilgenommen. Der Abessinienkrieg war ein völkerrechtswidriger Angriffs- und Eroberungskrieg des faschistischen Königreichs Italien gegen das Kaiserreich Abessinien (Äthiopien). In den Briefen an seine Mutter sind dramatische Schilderungen über seine Bombenangriffe zu lesen, die kaum Menschlichkeit gegenüber „dem Feind“, darunter die Zivilbevölkerung, spüren lassen[4]. Schließlich wurde er von äthiopischen Guerillas am 27. Juni 1936 getötet. Besteigungen Locatellis im Gebiet der Drei Zinnen sind in der Literatur nicht aufzufinden, seine alpinistischen Tätigkeiten führte er mit seinem Bruder und anderen in den Bergamasker Alpen und in der Schweiz aus.

herrlicher Blick auf die Bödenseen

Nach einer Stärkung durch Edelstoff, Apfelsaft und Mineralwasser aus Plastikbechern trieb es uns an einen nächsten, ruhigeren Punkt der Rundwanderung, den Paternsattel. Der von der Dreizinnenhütte aus sichtbare, jedoch aus gutem Grund nicht im Kartenwerk verzeichnete Steig oberhalb des Hauptwegs sollte uns mit etwas Auf und Ab direkt auf den Sattel zwischen Paternkofel und der Kleinen Zinne führen. Angenehmer Nebeneffekt dieses Steigs sollte die eher weniger frequente Benutzung durch Halbschuhtouristen gegenüber dem breiten Schotterweg durch die Mulde der Langen Alm sein.

die Drei Zinnen von der Bödenalm aus gesehen; im Vordergrund die immense Flachstelle vor der Dreizinnenhütte

Schweren Herzens ob der theatralischen Aura des Ortes verließen wir ihn, überflutet von für Alpinabenteuer stimulierendem Hardrock, jeder Menge turnschuhbegeisterter Bergsteiger und den völlig verhüllten Imkern, die sich über ihr schwer verdientes Mahl hermachten, dem sie seit der Auronzohütte entbehrten. Letztere befinden sich unter jenen Besuchern, die von weit her angereist sind, um das Weltkulturerbe zu bewundern. Ohne diese Eigenschaft hätten sie wohl nie etwas von der Existenz des Naturschauspiels der Drei Zinnen erfahren und die Strapazen des Anstiegs von der Auronzohütte auf sich genommen.

Stillleben vor der Dreizinnenhütte

Oberhalb der von den Weltkulturerbebesichtigern nicht beachteten Kapelle westlich der Hütte am Fuße des Sextnersteins, lockten die künstlichen Felsnischen aus dem Ersten Weltkrieg die Touristen an, um das weltberühmte Foto der Drei Zinnen aus der vermeintlichen Höhle heraus anzufertigen. Zeitweise scharten sich Trauben von Besteigern der Kriegsrelikte um die begehrten Öffnungen, unter ihnen natürlich Vertreter der Imker, die möglicherweise auch den Schatten dort genossen.

der Gedenkstein für Sepp Innerkofler, dem berühmten Bergführer und Bewirtschafter der Dreizinnenhütte bis 1915, soll eine Eckmauer der ersten Dreizinnenhütte darstellen

Auf der gegenüberliegenden Seite der Dreizinnenhütte wurde 1997 ein Denkmal für Sepp Innerkofler errichtet. Er war jener Mann, der den absoluten Bezug zu den Drei Zinnen hatte. Als Sextener Bergführer erstieg der die Nordwand der Kleinen Zinne ohne dem Schlagen von Haken. Mit der heutigen Schwierigkeitsbewertung ist diese Route als „sehr schwierig“ einzustufen, mit der Ausrüstung von vor 140 Jahren höchstwahrscheinlich noch eine Stufe schwieriger (siehe zum Routenverlauf die Bildergalerie).
Innerkoflers Tätigkeit als Bergführer und Kenner der Sextener Dolomiten brachte ihm auch die Führung der Dreizinnenhütte ein, die er 1898 übernahm und durch Erweiterung und Umbau innerhalb von 10 Jahren zur Blüte brachte, bevor die Hütte wenige Jahre später zerstört wurde und Sepp Innerkofler selbst im Krieg umkam.

die Inschrift würdigt Innerkofler als letzten Verwalter, bevor sie im Ersten Weltkrieg durch italienischen Beschuss niederbrannte

Der CAI Padua hat 1997 die Errichtung des Denkmals[5], dem „cippo“, dem Gedenkstein initiiert, nachdem diese Sektion nach der Enteignung 1923 hauptsächlicher Nutznießer der Dreizinnenhütte war. Die etwas gewöhnungsbedürftige Mauerung des Gedenksteins gewinnt an Sympathie, sobald man weiß, daß sie eine Ecke der ehemaligen Dreizinnenhütte symbolisieren soll. Diesen Akt bergsteigerischer Haltung und dem Zeichen von Versöhnung muß man würdigen, wenngleich in unmittelbarer Nähe die italienische Flagge ohne der Südtiroler gehisst wird, welches als bekräftigender Akt von Versöhnung zeugen würde.

Dreizinnenhütte vom Steig von der Bödenalm zum Paternsattel aus gesehen

Unterhalb der eigenwillig geformten Felsnadel am Grat zum Paternkofel, dem sogenannten Frankfurter Würstel, machten wir uns auf den Steig zum Paternsattel, vorbei an der Bödenalm, benannt nach den beiden schönen Bödenseen etwa unterhalb des Toblinger Riedls.

Beginn des Steigs von der Bödenalm zum Paternsattel; unten der Pilgerpfad von der Lavaredohütte zur Dreizinnenhütte

Der Steig wurde an den meisten Abschnitten breit angelegt, sodaß bei Gegenverkehr meist eine leichte Passage möglich ist, ohne daß in den steilen Hang gewichen werden muß; für die meisten Wanderer mit unzureichendem Schuhwerk ein Segen. Knapp unterhalb der Felslinie der nahezu senkrecht aufragenden Wände des Paternkofels genießt man einen bärigen Blick auf die Drei Zinnen sowie auf die Dreizinnenhütte mit dem Sextnerstein und dem Toblinger Knoten im Hintergrund und das durch eiszeitliche Gletschervorgänge pockennarbig aussehende Zinnenplateau im Gesamten.

Zinnenplateau mit Hoher Gaisl, Mittlerer und Hoher Rautkofel, Schwabenalpkopf, Birkenkofel und Mitterebenkofel in der Umrahmung

Etwa eine Dreiviertelstunde hat der Übergang auf den Paternsattel in Anspruch genommen. Reger Verkehr herrschte auch dort, Weltkulturerbeenthusiasten strömten von der Auronzohütte herauf und hinab, man mühte sich ab, die unvermeidlichen Steinpyramiden aufzustellen, welche mit Dolomit nicht sonderlich schwer zu bauen sind und man bemühte sich um Selfies mit den Nordwänden der Drei Zinnen.

Rückblick am Weg zum Paternsattel mit Dreizinnenhütte und Sextnerstein und Toblinger Knoten

Der Blick auf die umliegenden bizarr geformten Gipfel ist dort einmalig, von Zwölferkofel über Croda Bianca, Cimon del Froppa bis zum vom Torre Siorpaes verdeckten Antelao, der Cadinspitze bis hin zum gerade noch sichtbaren Sorapiss steht man vor einer atemberaubenden Kulisse.

Nina nordöstlich vor den Drei Zinnen

Im Südwesten des Paternsattels die Attraktion schlechthin, die Drei Zinnen, die den Sattel um 400, 545 und 519 m überragen. Welch gewaltiges Schauspiel!
Die Drei Zinnen bestehen so wie der Paternkofel aus Karbonatsedimenten, die sich in einem flachen tropischen Meer von 220 – 200 Ma (Millionen Jahren) gebildet haben. Die Ablagerungen von Karbonaten im Wechsel mit Verlandungen des flachen Lagunenbodens fanden durch Meeresspiegelschwankungen statt. Dies führte zur Entwicklung von Schichten, die dolomitisiert und dadurch die sichtbaren Bänke gebildet wurden. Beim späteren Queren der Nordwände konnten wir sehr eindrucksvoll die nahezu konstanten Trennklüfte zwischen den Bankungen erkennen.

Blick vom Paternsattel Richtung Nordwesten mit dem Rundwanderweg , hinten Mittlerer und Großer Rautkofel, Schwalbenkofel, Schwabenalpkopf (im Vordergrund), Birkenkofel, Mitterebenkofel, die Haunoldgruppe mit Nebelkappe sowie Sextnerstein und ganz rechts Toblinger Knoten

Teilweise überhängend, vor allem dort, wo die Nordwände der Drei Zinnen unverwittert elfenbeinfarben geblieben sind, ragen die Wände Hunderte Meter gegen den Himmel hoch. Hauptdolomit ist das Baumaterial der mächtigen Felstürme. Er wird gebildet, indem im flachen Lagunenwasser Magnesium durch den hohen Salzgehalt verdunstenden Meerwassers und faulende Algen (Kohlenwasserstoff) die Basis für die chemische Umwandlung liefern.

links Campanile Ciastelin, Monte Ciastelin, der Spitze der Croda Bianca, Cimon del Froppa (2.932 m, höchster Gipfel der Marmarole), Monticello, Cime di Vallonga, Pala di Meduce, im Nebel der Antelao (höchste Berg der Cadorischen Dolomiten), im Vordergrund Torre Siorpaes und Cima Cadin di San Lucano sowie Cima Cadin della Neve, rechts Croda Marcora in den Ampezzaner Dolomiten

Bei den Dolomiten, speziell an den Drei Zinnen, müssen diese Prozesse (sogenannte Zyklotheme) sehr gleichmäßig über die Zeit stattgefunden haben, denn die Bankung weist an der durchgehend sichtbaren Wand etwa 50 – 100 cm Stärke auf, jedoch über viele Einzelbänke optisch von der Ferne meist gleichmäßig stark. Bei einer Wandhöhe über dem Schuttfächer von rund 500 m müssen somit mindestens 500 bis 1.000 Zyklotheme stattgefunden haben. Wenn also die Bildung in etwa in einem Zeitraum von 20 Ma[6] stattgefunden hat, dann hätte die Bildung einer einzelnen Bank zwischen 20 ka[7] und 40 ka gedauert. Diese Zeiträume finden sich auch in anderen Gebieten der Nördlichen Kalkalpen.

Drei Zinnen vom Paternsattel gesehen, links Kleine Zinne, mittig Große Zinne, rechts Westliche Zinne, im Hintergrund der Zinnenkopf

Befindet man sich einmal am Paternsattel, so besteht der unbedingte Wunsch an die Monumente der Zeiten heranzutreten und deren Flucht vom Fuße aus nach oben zu verfolgen. Der Zugang ist einfach. Vorbei an einer Gedenktafel, die an einen Besuch des göttlichen Werks von seinem obersten Erdenverteter im Jahre 1996 erinnert und der eifrig gehuldigt wird, betritt man eine Plattform nach der anderen und kommt den erdrückenden Türmen scheinbar nur langsam näher.

Blick auf die Südanhänge der Drei Zinnen, unten die Lavaredohütte; auch der Paternsattel muß die irritierenden Steinschlichtungen ertragen, die seit etwa 15 Jahren omnipräsent in den Alpen errichtet werden und keinerlei Wegmarkierung darstellen sowie keinerlei kultureller Bezug zu den Alpen gegeben ist

Die Hände werden ab einer gewissen Nähe zur Wandflucht benötigt, um die beträchtlichen Höhensprünge der untersten Bänke zu überwinden und mit der Annäherung an den Turm steigt die Ehrfurcht mit der Zunahme an die Bänke, die überwunden werden. Wie gut zu wissen, daß Karol Wojytila einige Stufen unterhalb wirkt.

Anstieg zur Kleinen Zinne mit Wegweiser, der den Weltkulturerbeenthusiasten als Plattform für viel beachtete Eigenwerbung dient

Mit dem Erklimmen der reinen Ecke der Kleinen Zinne mag man sich nicht zufrieden geben. Wenn schon ein einziger Besuch im Leben an Ihr, dann soll die Nordwand besichtigt werden und einer der an Fixpunkten karg ausgestatteten Einstiege in die wahnwitzig senkrechte Odyssee aufgefunden werden. Und tatsächlich ließ sich auf der obersten Bank des Fundamentes der Kleinen Zinne, die noch ein begehbares Band als Standplatz bot, eine Route vom Anseilplatz aus nach oben verfolgen.

die Kleine Zinne vom Anstieg aus emporgeblickt

Da finden die emporblickenden Augen im untern, wenig einladenden dunklen Bereich der Wand Risse und Podeste, aber auch ein bereits ausgeprägtes Dach, bevor sich darüber die Wand ein wenig von der Senkrechten in geringere Neigung ändert, um weiter oben im hellen und schon nicht mehr deutlich einsehbaren Bereich wieder gegen die Senkrechte ausbildet und aufgrund der Oberflächenfarbe im obersten Teil wahrscheinlich leicht überhängend.

Nordwand der Kleinen Zinne vom Wandfuß direkt gesehen

Diesen Blick verliert nicht schnell aus dem Gedächtnis, wer ihn aus dieser Perspektive geschaut hat. Und an dieser Stelle am Preußturm reicht er kaum halb so hoch wie der gleiche an der größten Höhe der Großen Zinne!
Eine kleine Tafel rechts dem schon lange nicht mehr verwendbaren Anseilpunkt erinnert an ein Klettererschicksal, das sehr wahrscheinlich genau an dieser Wand sein Ende genommen hat. Es dürfte sich um eine Einstiegsvariante zum Preußriss handeln, dessen Hauptverlauf eher links an der Kante des Preußturms lieg und mit der Schwierigkeit sehr schwierig bewertet wird.

hier dürfte eine Einstiegsvariante der Preußführe durch den Preußriss ihren Lauf in die Wand nehmen

Zurück am Grat zum Paternsattel lockten mehrere sichtbare Steige in den Schuttreisen vor den Zinnen dazu eher ihnen knapp unter den gewaltigen Wänden zu folgen, als den allgemeinen Trampelpfad hinab auf die Blockfelder am Zinnenplateau. Diese Route versprach auch eine schöne Runde um das Plateau mit der einzigartigen Querung unterhalb der unglaublichen Nordwände.

Paternkofel und Passportenkofel vom Wandfuß der Kleinen Zinne gesehen; unten Normalweg, oben Steig am Felssaum zur Dreizinnenhütte

Mit ein wenig auf und ab starteten wir an der Gedenktafel des Papstbesuchs gegen Westen. Sehr auffällig am Schutt und den Blöcken war die weiße Farbe. Blickt man die monumentalen Nordwände der Drei Zinnen hinauf, so findet sich kein weißer Fels, die Schutthänge jedoch bestehen nur aus weißem Dolomit. Dieses Phänomen mag in der Verwitterung seine Ursache haben, indem die Flächen am Fels viel älter sind als der durch Frostsprengung herabgefallene Schutt, der ständig durch junges Material überlagert wird.

Kleine Zinne Nordwand mit Hoher Gaisl in der Ferne

Am Steig fallen größere Steinbrocken mit Hohlräumen auf, die schön auskristallisierten Dolomit beherbergen. Zum Leidwesen von Nina haben wir leider nicht den schönen Bergkristall als Sammelobjekt gefunden, sondern lediglich kleine Kristalle ohne sammlerischen Wert.

Zinnenplateau mit Panorama nach Nordwesten von der Kleinen Zinne aus gesehen, mit Rautkofel und Schwalbenkofel sowie Schwabenalpenkopf

Unterhalb der Großen Zinne mußten wir noch einmal staunend die Größe der Natur bewundern. Da stehen tatsächlich an die 20 Ma mit einer vertikalen Höhe von mehr als 500 m vor einem und sie zeugen von einem Klima, das es in der heutigen Gegend nicht gibt. Sie wurden Hunderte bis Tausende Kilometer weiter südlich in einem tropischen Meer gebildet und haben unbeschadet eine lange Reise bis zum heutigen Standort ausgeführt.

Zinnenplateau mit Haunoldgruppe, Sextnerstein und Toblinger Knoten sowie Kleiner Schuster, Dreischusterspitze (etwas im Nebel verdeckt) und Schusterplatte

An der Westlichen Zinne fällt das immense Dach in der Nordwand auf. Einem Teil einer Kathedrale gleich wölbt es sich in Stufen stets weiter aufwärts und jede Stufe schiebt sich dabei einige Meter weiter gegen die mächtige Nordwand. An dieser Ausbildung kann man die hohe Festigkeit und vor allem die Kompaktheit der Dolomitbänke der Drei Zinnen absolut eindrucksvoll erkennen. Die Huberbuam beschreiben das Dach als das größte in den Alpen und geben ihre Schätzung – oder Vermessung mit Kletterseilen – mit 40 bis 50 m Ausladung an.

Scharfe Scharte zwischen der Kleinen und der Großen Zinne mit Kletterern sichtbar

Die Einheimischen sind sich ihrer Erhabenheit und Schönheit bewußt. Sie leben seit Jahrhunderten im Einklang mit ihnen. Sie haben gelernt an den Füßen der wildesten Berge Almwirtschaft zu treiben und damit leben zu wollen. Alpine Gefahren haben sie nicht nur verinnerlicht, sie sind in der Lage, diese einzuschätzen und sich mit ihnen zu arrangieren. Wie Einheimische des Polarkreises haben sie sich in Jahrhunderten darauf spezialisiert, von und mit einer Landschaft zu leben, die spezielle Kenntnisse und Anpassungen bedarf.

auskristallisierter Dolomit in kavernösen Ausbildungen im kompakten Dolomit; Hohlräume bilden sich bei der Entstehung des Steins durch verwesende Lebewesen

Nun bringt man Besucher in immensen Massen an diesen Ort, an dem sie innerhalb der flüchtigen Stunden des Besuchs nicht in der Lage sind, die Natur nur ansatzweise zu begreifen, Weltkulturerbejäger, deren Wahrnehmung des Schauspiels bestenfalls in der monumentalen Dimension haften bleibt und durch das Maßstabsfoto mit der Körpergröße zu dokumentieren versucht wird. Sie haben etwas gesehen und dutzendfach abgelichtet, das sie selbst nicht hochstilisiert haben, jedoch zu einem Pflichtpunkt geworden ist. Über Nacht 2009. Sie hätten es ohne den Status, der dem Schauspiel eingehaucht wurde, nie gesehen und die Reise auf 2.500 m Seehöhe unternommen. Bei ihrem Besuch assistieren keinerlei Informationsträger, die das Wesentliche über den Grund, warum sie dieses Schnäppchen mitnehmen müssen, vermitteln. Das schiere Monument ist den Veranstaltern der Völkerwanderung Grund genug, die Leute in diese Region zu treiben.

Dachausbildungen auch an der Großen Zinne, wenn auch nicht in großem Ausmaß

Die Drei Zinnen und andere Südtiroler Dolomitenlandschaften standen bereits lange vor der Erhebung der Dolomiten zum Weltkulturerbe unter Schutz (es ist im Jahr 1981 von der Landesregierung als Naturpark unter Schutz gestellt worden). Die Wenn es also um den Schutz dieser Gebiete geht, dann war man sich darüber schon vorher bewußt und hätte den Dämon, der mit der Hochstilisierung betrieben wurde, nicht benötigt.

Nordwand der Großen Zinne von der Schutthalde unterhalb gesehen

Stakeholder mit selbstgeschaffener Zuständigkeitserhebung haben 1997 damit begonnen, die Maschinerie in Gang zu setzen, die Dolomiten zum Weltkulturerbe zu erheben. Institutionen wie Mountain Wilderness Italia, Legambiente, SOS Dolomites und andere, die Mehrheit davon weit von den Drei Zinnen entfernt residierend, inszenierten im August 1993 in Cortina eine Veranstaltung mit dem Ziel, eine Petition an die UNESCO zu richten, die Dolomiten als eines der großen Monumente der Welt im Rahmen der Welterbekonvention anzuerkennen. Damit nahm der heutige Zustand seinen Lauf. Was haben die Proponenten dieses Vorhabens nun damit erreicht?

Detailansicht der Dolomitbänke der Großen Zinne; deutlich sind die Zyklotheme zu erkennen, die, ähnlich Jahresringen bei Bäumen den Berg aufbauen, jede einzelne Bank mehrere Zehntausend Jahre alt und wieder überlagert

Natürlich stimmten auch die 22 betroffenen Südtiroler Gemeinden ab, wovon 20 davon für den Antrag stimmten, mit der Voraussetzung, nur die bereits bestehenden Naturparks als Weltkulturerbe vorzuschlagen. Dieser Vorschlag scheiterte an den Territorialgrenzen, über die man sich nicht einig wurde.

über den schmalen Steig queren wir die Drei Zinnen in ihren Schuttreisen mit Auf und Ab

Schlussendlich kam 2009 die heutige Fassung der Gebiete und Voraussetzungen zustande, in die nur bereits geschützte Gebiete aufgenommen wurden. Dabei wurde die Forderung der UNESCO umgesetzt:

Kriterium vii – „Güter mit überragenden Naturerscheinungen oder mit Gebieten von außergewöhnlicher Naturschönheit und ästhetischer Bedeutung“ und
Kriterium viii – „Güter, die außergewöhnliche Beispiele der Hauptstufen der Erdgeschichte darstellen“.

Konnte man mit der Aufnahme der Drei Zinnen ins Weltkulturerbe erreichen, daß den „Gütern“ ein besserer Schutz widerfahren ist? Mit der Aufnahme in das Weltkulturerbe ist auch die Verpflichtung zu einem gewissen Schutz verbunden, wie eingangs zu diesem Bericht zu lesen ist: Gebiete, die einer intensiveren Besuchernutzung ausgesetzt sind…dass die Besucherzahlen und -aktivitäten im Rahmen der Tragfähigkeit des Gutes bleiben.
Befinden sich die Besucherzahlen der Drei Zinnen im Rahmen der Tragfähigkeit des Gutes? Kommen die Besucher aufgrund der oben genannten Kriterien Vii und Viii, oder kommen sie aufgrund des Abhakens eines der Weltkulturerbegüter? Oder gar aufgrund medialen Hypes durch den neuerstandenen Beruf des Influencers?

Blick auf das Zinnenplateau unterhalb der Schuttreise; Dolinen zeugen von Karstbildung, die Mulden wurden aber vorwiegend durch Gletscherbewegungen in den Eiszeiten geformt

Auf Südtiroler Seite hat man bereits im Jahre 2008 erkannt, daß der Tourismus dessen Auswirkungen schwer zu quantifizieren sind und der ab diesem Zeitpunkt auch zunehmend im Winter stattfindet, ein „nicht zu unterschätzendes“ Problem[8] für die Fauna darstellt.
Somit stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, die Besucher auf die größtmögliche Höhe zu bringen, im Speziellen ist hier die Straße auf die Auronzohütte gemeint.

Zinnenplateau mit Paternkofel und Passportenkofel

Bei unserer Begehung der Drei Zinnen am 8. August gegen 8:30 Uhr über das Rienztal sind uns über die knapp 7 km lange Strecke vom Parkplatz im Höhlensteintal bis zum Hochplateau des Rienzbodens nicht einmal 10 Personen begegnet und hinter uns kaum welche nachgekommen. Am Rienzboden gegen 10:30 erlebten wir bei einer Rast am Wiesenboden nach der ersten Betrachtung des Panoramas den Besucherwahnsinn, der sich entlang der angepriesenen Wanderroute rund um die Drei Zinnen abspielt. Diese Rundwanderung wird vom Parkplatz der Auronzohütte aus gegen den Uhrzeigersinn um das Weltkulturerbe herum geführt empfohlen.

immense Dachausbildung an der Westlichen Zinne (unten)

Entsprechend viele Besucher schlängeln sich den Weg von der Drei-Zinnen-Hütte herunter, um den steilen, schotterigen Gegenanstieg zur Langalm anzutreten, bei dem viele mehrmals Rast einlegen müssen, weil die Kondition nach der bisherigen Strecke nicht mehr ausreicht. Das Schuhwerk reicht bei vielen der mühsam Aufsteigenden nicht aus, um die Schotterstrecke sicher zu begehen.

Rückblick auf die Große Zinne

Der Weg vom Fischleintal auf das Hochplateau stellt von Länge und Aufstiegshöhe her gesehen etwa die gleiche Anstrengung dar als jene vom Höhlensteintal über das Rienztal. Bei beiden Anstiegen sind etwa 8 km und knapp 1.000 Höhenmeter zu begehen. Vom Süden her von Auronzo gibt es eine ähnliche Situation. Vom Parkplatz in Misurina sind 9,3 km und 800 Höhenmeter zu bewältigen und wenn dieser Parkplatz zur Mautstelle verlegt werden würde, dann 7,5 km und 700 Höhenmeter.

Westliche Zinne mit Dächern in der Nordwand

Nun fragt man sich, ob es nicht sinnvoller wäre, die Naturschönheit der Drei Zinnen in der Form der Selbstersteigung über einen dieser drei Anstiege anzubieten, indem es einfach keine Straße zur Auronzohütte gibt. Nicht nur der Eindruck, der uns bei unserer Rundtour entstanden ist, sondern auch die Realität sagt deutlich, daß schätzungsweise 75 bis 85% der Besucher, die sich auf dem Zinnenplateau befinden, über den leichten Zugang vom Parkplatz der Auronzohütte her das Gelände überflutet.

ausgeprägtes Dach, das von den Huberbuam mit 40 bis 50 m Ausladung als das Größe Dach der Alpen beschrieben wird

Mit einer Begrenzung durch die Erreichbarkeit auf dem ältesten Fortbewegungsmittel des Menschen, seinen beiden Füßen, könnte man die Überbevölkerung wirksam und natürlich regeln. Mit dieser Form des Zugangs erfährt der Besucher auch die Erhabenheit viel eindrucksvoller, er muß zuerst den Fuß des Gebirges überwinden, um in die Region des Hochplateaus zu gelangen und erlebt sie Natur dadurch viel eindrucksvoller und intensiver. Nach der Art von Bergsteigern bedeutet das Erreichen des Ziels dann auch noch zusätzliche Freude eine gewisse Leistung vollbracht zu haben.

Rückblick auf die Große Zinne

Nicht alle Schönheiten dieser Erde lassen sich auf einfachem Touristenfuß begehen. Wer kann sich schon die Achttausender aus unmittelbarer Nähe ansehen. Es gibt dort auch keine Straße, die den alpinistischen Schnäppchenjäger in wenige Kilometer Entfernung bringt, wenngleich diese Regionen auch schon überbevölkert ist und Zugangsbeschränkungen erforderten, allein der Müllvermeidung wegen.

Zinnenseen unterhalb der Schuttreisen mit dem Hintergrund der bereist oben beschriebenen Gipfeln

Wir schlossen unsere Runde mit dem Abstieg vom Steig, der die Schuttfelder unterhalb der Drei Zinnen quert, etwa oberhalb der Zinnenseen, zu denen wir abstiegen, um den westlichsten Punkt unserer Rundwanderung zu erreichen.

mittlerer Zinnensee vor den Drei Zinnen

Diese Seen liegen in direkter Nordwestrichtung vor den Zinnen und dieses Fotos zählt ebenso zu den berühmten Blicken. Wir waren am nördlichsten der drei Seen alleine, wahrscheinlich, weil kein Prospekt die Weltkulturerbejäger dorthin verweist und man die drei Seen von der Langalm aus nicht sehen kann.

am Weg von der Langalm hinab auf die Rienzböden

Von dort steigen wir zur Langalm ab und bogen in den Trampelpfad der Drei-Zinnen-Umrunder ein, auf dem uns die gegen den Uhrzeigersinn marschierenden Massen förmlich niederrannten. Es war dann gut über den Rienzboden wieder in das ruhige Tal abzusteigen und die Erlebnisse zu verarbeiten.

letzter Blick auf die Drei Zinnen vom mittleren Rienztal aus gesehen

Ist es die schiere Jagd nach Touristenmillionen, warum der Überbevölkerung auf dem Zinnenplateau ein leichtes Spiel eingeräumt wird? Selbstverständlich sollen Naturdenkmäler der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und hier liegt auch die Lösung, zu“gäng“lich anstelle von zu“fahr“lich. Im Zuge der Recherchen zu diesem Beitrag hat der Autor ein passendes Zitat vom Schweizer Franz Hohler gefunden: „Es ginge alles so einfach, wenn man wieder mehr ginge.“

Mils, 08.08.2026

[1] Peter Kübler/Hugo Reider, Kampf um die Drei Zinnen. Das Herzstück der Sextener Dolomiten 1915 – 17 und heute. 2. Aufl. Bozen 1982, S. 100.

[2] Hanspaul Menara, Südtiroler Schutzhütten. Ein Bildwanderbuch. Bozen 1978, S. 9.

[3] Menara, Südtiroler Schutzhütten (wie Anm. 2), S. 9.

[4] https://en.wikipedia.org/wiki/Antonio_Locatelli

[5] Paola Gigliotti/Francesco Coscia, Il cippo Innerkofler al Rifugio Locatelli, in: Liburnia LXI, 2000, 13–14.

[6] Ma = Millionen Jahre

[7] ka = Tausend Jahre

[8] Autonome Provinz Bozen ‐ Südtirol, Natura-2000-Managementplan Naturpark Drei Zinnen. Natura-2000-Managementplan. Bozen 2008, S. 61.

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