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Schitour Winnebacher Weißkogel, 3.182 m

Aus der Überlegung eines höher gelegenen Tourenzieles aufgrund der warmen Wetterlage, von der in 2.000 m Temperaturen von 16 °C prognostiziert wurden, rückte der Winnebacher Weißkogel ein Gipfel mit dem steilen Gipfelhang gut über 3.000 m gelegen, in den Fokus.

Winnebacher Weißkogel, 3.182 m

Seine bemerkenswerte Nordostflanke mit dem steilen Restaufstieg ab der Scharte mit dem Schidepot blieb dem Autor von der Schitour auf den Gleirscher Fernerkogel in bester Erinnerung, sodaß er auch aufgrund der nicht unbedenklichen Lawinenvorhersage eine gute Wahl sein sollte, sowohl aufgrund der Höhenlage nicht zuletzt aber auch aufgrund der Hangausrichtung im kritischen Teil des Aufstiegs.

der grandiose Blick frühmorgens in Lüsens

Die Sonnenstandsanalyse auf TIRIS ergibt zum Zeitpunkt des Aufstiegs, geschätzt um etwa 10:45 bis 11:15, auf der Abfragehöhe 3.107 m (mitten im Gipfelhang) bereits vier Stunden Bestrahlung sowie zum steilen Gipfelhang einen genau nach Südost gedrehten Stand, womit der Einfallswinkel nahezu hangparallel gerichtet ist und dadurch weniger Energie in den Schnee eindringen kann als in den Stunden zuvor.

Licht sichtbar!

Diese Betrachtung stellt allerdings nur eine zweidimensionale Sichtweise dar, exakt muß auch der Sonnenhöhenwinkel beachtet werden und dieser beträgt zur Zeit der Tour bereits beachtliche 42°, wodurch die Einstrahlung von oben weniger spitz, daher intensiver stattfindet. Der für den Energieeintrag wirksame gesamte Einfallswinkel auf den Hang dürfte zur Aufstiegszeit somit in der Größenordnung von 20 bis 30° zur Oberfläche liegen und damit wenig gefahrbringendes Aufweichen des Schnees zur Folge haben. So die Theorie bei der Tourvorbereitung.

beflügelnder Sonnenaufgang gegen 8 Uhr

Alleine unterwegs und ohne Zwischenstationen rutschte der Zeitplan etwas vor und aus der Abfahrt um 6 Uhr wurde ein Aufbrechen am Parkplatz in Lüsens um gut vor 7 Uhr. Die Tragestrecke betrug etwa 15 min bzw. 1.200 m, also etwas mehr als die Hälfte des Weges bis zum Anstieg beim Jugendheim.

das Dunkel auf den Längentaler Weißer Kogel

Nach dem Anschnallen mußte auch gleich wieder abgeschnallt werden, denn durch die Steinblöcke hindurch zeigten sich bereits zu lange apere Abschnitte. Etwa 50 Hm darüber erreichte man auf den verdichteten Abfahrtsstrecken eine durchgehende Schneedecke.

Rückblick aus dem Längental mit Westfalenhaus

Von Beginn an, nachdem nur über den untersten, steilen Teil die Harscheisen Verwendung fanden, war die Schneedecke nicht gefroren genug, um nicht einzusinken. Wenn auch nicht viel, so gab die eigene Spur doch nach, die ausgetretene war in den steilen Partien rutschig. Ab der Längentaler Alm gegen die 2.000 m Marke hin besserte sich die Schneedecke aufgrund der Höhenlage merklich.

Eintauchen in Sonnenlicht an der Kante der Geländestufe zum Ochsenkar

Sobald das Längental mehr Einblick zuließ und Licht erschien, stieg auch die Stimmung beim Alleingang des stets sonnensuchenden Autors und endlich, um 8 Uhr kroch die Sonne für kurze Zeit über die im Osten dahinter liegenden Gipfel in das Längental.

bäriges Gelände im Ochsenkar

Die Ausprägung des Längentals ist auch mit ein Grund warum hier am Blog noch nie ein Bericht über den an sich schönen Längentaler Weißer Kogel erschienen ist, da Schitourenaufstiege mit langen Schattenabschnitten vom Autor gerne auf das nächste Mal verlegt werden, da sie eine deprimierende Wirkung erzeugen und keine guten Fotos möglich sind. Irgendwann aber muß auch er an die Reihe kommen.

grandioser Aufstieg durch Moränenwälle und -kuppen

Der Hang über die Geländestufe in das Ochsenkar wurde im Schatten des mächtigen Lüsener Fernerkogels mit hartgefrorener Schneedecke vorgefunden, wodurch die Harscheisen wieder ihren Einsatz fanden. Oben, kurz nach dem Buckel ins Flache, konnten sie wieder verstaut werden, da bereits vor 9 Uhr morgens einige Zentimeter aufgefirnt waren. Die Route über das Westfalenhaus muß zum Aufstieg nicht unternommen werden, etwas weiter südwestlich (nach dem auffälligen Buckel) kann rascher über die Kuppe aufgestiegen werden, um im Kar eine flacheren und landschaftlich schönere Route zu finden.

im Osten die Villerspitzen im Hintergrund, der massive Lüsener Fernerkogel und die Lüsener Spitze

Über das schöne Tal zum Winnebachjoch mit den im Winter als Kuppen wahrgenommenen Moränen und Blockgletscherablagerungen, steigt man nach Belieben auf seiner eigenen Route auf. Alle Anstiege werden gegen das Winnebachjoch hin kanalisiert und enden mit der markanten, steilen Flanke auf die Jochhöhe.

Talschluß im Ochsenkar, hinten der steile Hang zum Winnebachjoch

Bereits am Beginn des Ochsenkars ist die Sicht frei auf den Winnebacher Weißkogel. Linker Hand des selbigen befindet sich ein Gipfel, der vom Ochsenkar aus als ein schöner Gipfel wahrgenommen wird.  Es handelt sich hierbei jedoch um einen Gratpunkt, der zwar Gipfelkriterien erfüllt und deshalb in manchen Karten als „Am Zoachen“ (am Zeichen) benannt wird, der aber keine touristische Bedeutung besitzt.

Winnebacher Weißkogel

Über und durch die Kuppenhänge steigt man weiter gegen das Joch und blickt auf den steilen Hängen im Talschluß beidseits  des Kars jede Menge Rutschungen von Nassschnee, teilweise mit Lawinengröße. Wolkenloses Wetter und Windstille im Kar wirkten schweißtreibend im Aufstieg.

Blick nach Westen in das namensgebende Winnebachkar; rechts der Breite Grieskogel

Über die Steilstufe wird das Winnebachjoch erreicht und durch den Jochwind erfuhr der Autor eine wohltuende Abkühlung beim Aufstieg in den Kessel, der den Weisskogelferner beherbergt. Dieser Kessel besitzt gegen Norden eine niedere Stelle, die sogenannte Roßkarscharte, über die eine schöne Schitour zum Gleirscher Fernerkogel erfolgt, die mit dem Aufstieg von Lüsens und der Ankunft in St. Sigmund mit zwei Fahrzeugen unternommen wird und die eine traumhaft lange Ausfahrt aus dem Gleirschtal bietet.

malerischer Aufstieg auf den Fernerboden des Winnebacher Weißkogels

Jenseits des Winnebachjochs setzt sich der Abstieg in das Winnebachkar etwa gleich fort wieder Aufstieg über das Ochsenkar. Moränenkuppen bilden das Tal, über das man auch den Breiten Grießkogel besteigen kann, um eine sehr lange Schitour zu unternehmen. Diese kann auch noch über das Zwieselbachtal auf den Schartlkopf (Samerschlag) mit Ausfahrt durch das Gleirschtal  weitergeführt werden, wofür ebenfalls zwei Fahrzeuge benötigt werden.

Rückblick auf das Winnebachjoch

Der Aufstieg zum Fernerboden zieht über tolle Abfahrtshänge, die durch ihre Exposition über den gesamten Tag der Sonne ausgesetzt sind und sich bei der Abfahrt in entsprechend aufgeweichtem Zustand wenig Schwünge aufzwingen ließen. Eher war es besonders in den steileren Flächen der Fall, daß die sich die Bretter nur mit Mühe vom selbständigen Kurs abhalten ließen.

Kamm von den Alpeiner Bergen nach Lüsens: links Lüsener Fernerkogel, Lüsener Spitze, Vorderer und Hinterer Brunnenkogel

Noch am Hang unterhalb des Fernerbodens rückt der von dort aus sehr steil empfundene Gipfelhang ins Blickfeld. Die Ansicht täuscht ein wenig über die wirkliche Hangneigung hinweg, denn der Aufstieg erfolgt nicht vorne an der felsigen Kante sondern weiter hinten im Kessel.

Fernerboden unterhalb des Winnebacher Weißkogels mit dem Gipfelhang sichtbar

Mehrere Spuren führten zum Gipfelhang und die Wahl fiel auf die hinterste, bei der man nahe an die Felsen des Gleirscher Fernerkogels heran mußte, nahe der größeren Lawine mit Steinschlag über die glatten Flanken am Verbindungsgrat zwischen beiden Gipfeln.

der schöne Aufstieg über den Gipfelhang wird deutlich sichtbar

Mit einer langen untersten Querung schnitt die Spur angenehm in den Hang ein. Die Schneequalität präsentierte sich gut, recht feucht im unteren Teil, aber kohäsiv pappig und fest.

am Fuße des schönen Gipfelhanges zum Winnebacher Weißkogel

Im mittleren und oberen Teil verringerte sich die Feuchte, der Schnee wurde, solange der Hang steil blieb, eher trockener. Oben an der Scharte beim Schidepot im Flachen herrschte wieder nasser Schnee.

Eindruck der Hangneigung am Gipfelhang des Winnebacher Weißkogels; der Schatten markiert den Einstrahlwinkel

Während des Aufstiegs konnte an einer ausgeaperten Felsrippe die Theorie der Tourvorbereitung geprüft werden und anhand des Schattens ließ sich der Sonneneinfallswinkel etwa so wie geschätzt mit 20 bis 30 ° auf die Schneeoberfläche nachvollziehen.

an der Scharte am Winnebacher Weißkogel mit phantastischem Blick zum Breiten Grieskogel und Strahlkogel

Mit etwa zehn kürzer werdenden Serpentinen führte die Spur zum Schidepot. Unterbrochen von Abfahrtsschwüngen mußte die Spur durch kräftiges Einschlagen in den Hang ein bisschen  nachgearbeitet werden, wobei der Untergrund gut hielt und schmale Marken genügten.

Gipfelhang am Winnebacher Weißkogel

Der Restaufstieg von der Scharte mit einem bärigen Blick zum Breiten Gries- und zum spitzen Strahlkogel befand sich in tief gestapftem Zustand, sodaß der Aufstieg über die grob 40 Hm und teilweise an die 50° steile Flanke nur mit den Stöcken problemlos gemeistert werden konnte.

letzte Steilflanke auf den Winnebacher Weißkogel

Auf dem flachen Gipfelplateau des  Winnebacher Weißkogels befindet sich ein Stahlkreuz, das 1993 von den Lehrlingen eines wohltätigen Industrieunternehmers aus Nürnberg errichtet wurde. Mittlerweile hat es 30 Jahre ohne Schaden überdauert und es besitzt einen wünschenswert ausgebildeten Deckel der Gipfelbuchschachtel.

Gipfelplateau am Winnebacher Weißkogel

Vom Winnebacher Weißkogel aus können enorm viele Gipfel in den Stubaier und Ötztaler Alpen eingesehen werden. In unmittelbarer Nähe befindet sich im Gleirschkamm der bereits erwähnte Gleirscher Fernerkogel in 370 m Entfernung sowie die Sonnenwände etwas nördlicher davon und die schönen Grubenwände im Nordosten.

Blick nach Osten mit den Villerspitzen und dem Lüsener Fernerkogel

Anschließend stechen vor der weit entfernten Kulisse der Zillertaler Alpen die aufgrund des dunklen Amphibolitfelses markanten Villerspitzen auf der gegenüberliegenden Seite im Lüsenstal, im Osten ins Auge.

Blick nach Süden mit den Brunnenkögeln, dem Hohen Seeblaskogel, dem mächtigen Schrankogel

Zwischen diesen und dem Koloss in nächster Nähe, dem Lüsener Fernerkogel, ragt der majestätische Olperer in 46 km Entfernung durch. An den L. Fernerkogel schließt ein schönes Schitourenziel, die Lüsener Spitze an, sowie Vorderer und Hinterer Brunnenkogel und die Ruderhofspitze.

im Südwesten die Ötztaler Wildspitze weithin als höchste Erhebung sichtbar

Gegenüber im Tal befindet sich die schöne Schitour auf den Hohen Seeblaskogel, gleich rechts daneben der massive Schrankogel und im Süden der Hintere Daunkopf.

im Westen der Breite Grieskogel, der Larstiger Fernerkopf und der schöne Strahlkogel

Im Südosten finden sich Similaun, Finailspitze und Wildspitze, sowie die wunderschöne Weißkugel, die im Rahmen der Venter Skirunde bestiegen werden können.

in der rechten Bildhälfte der massive Acherkogel und rechts davon die beiden Spitzen, Sulzkogel und Zwölferkogel

Im Nordwesten und Norden befinden sich hinter der gewaltigen Erscheinung des Acherkogels die Gipfel der Mieminger Kette, von denen sich viele Berichte auf diesem Blog nachlesen lassen.

Sulztal, Hintere Sonnenwand und Gleirscher Fernerkogel 370m gegenüber im Norden

Die vom Winnebacher Weißkogel aus brüderlich aussehenden Doppelspitzen im Norden bilden Sulz- und Zwölferkogel in den Kühtaier Bergen.

die höchsten Ötztaler Gipfel im Zoom – Wildspitze (29 km Entfernung), Hinterer Brochkogel und Weißkugel (43 km Entfernung) rechts

Zur Abfahrt gerüstet verließ der Autor das Schidepot gegen die Mittagszeit. Eine oder auch zwei Stunden früher oder später hätten an der Schneequalität keine wesentliche Verbesserung erbracht, so der Schluß aufgrund der Verhältnisse beim Aufstieg.

Schidepot auf dem Winnebacher Weißkogel

Dennoch bot der Gipfelhang in der Abfahrt Vergnügen und die Ausfahrt am Fernerboden erfreute durch wenig aufgeweichten Firn. Wie beschrieben erforderten die Hänge hinab zum Winnebachjoch einiges an Mühe durch deren völlige Durchweichung.

Gipfelhang mit den schönen Grubenwänden im Hintergrund

Im schönen Tal vom Joch ins Ochsenkar dominierten gute Abfahrtsverhältnisse, weich wurde es wieder mit zunehmendem Höhenverlust gegen die Geländestufe zum Längental hin.

malerische Landschaft im Ochsenkar

Die Ausfahrt aus dem Längental stärkte die Trizepsmuskeln, welches aber auch auf die fehlende Schipflege zurückgeführt werden könnte.

und endlich das dunkle Längental beleuchtet

Ein schöner Blick auf die Hohe Villerspitze, den Grat zum Schafgrübler und den Blechnerkamp konnte bei der Ausfahrt  kurz nach der Längentaler Alm erheischt werden.

gewaltige Formen mit Hoher Villerspitze, Schafgrübler und
Blechnerkamp

Leider war das Gasthaus Lüsens bereits im Frühjahrsschlaf, weswegen das alternative Ziel, die Terrasse des Gasthauses Marmotta in Gries angesteuert wurde.

der grandiose Rückblick nachmittags in Lüsens

Auf der schönen und sehr sonnigen Schitour auf den Winnebacher Weißkogel werden knapp 7 km Strecke zurückgelegt. Der zu bewältigende Höhenunterschied beträgt 1.560 m und der Autor hat mit Pausen gesamt knapp 6:30 Stunden benötigt.

Mils, 13.04.2024