Schitour Rostizkogel, 3.394 m

An der Bergstation der Gondelbahn oberhalb des Rifflsees tritt der Rostizkogel knapp aus der Südflanke des mächtigen Seekogels, dessen steile Ostseite im Vordergrund gegen das Riffltal hin abfällt. Am Ende der Tour, auf der südlichen Seite des Rifflsees an der Piste ins Taschachtal hinab, zeichnet sich der rundliche Rostizkogel deutlicher vom Seekogel ab.

Herwig zur Abfahrt gerüstet, im Hintergrund der Rostizkogel

Von der Bergstation aus besser sichtbar ist das beliebte Schitourenziel des sogenannten K2, eine kecke Schneepyramide im Kaunergrat südlich unterhalb des Rostizkogels. Dieser um 140 m niedrigere Gipfel ist nicht in allen Karten verzeichnet, wahrscheinlich schrammt er an der Schartenhöhe als nicht oder gerade schon Gipfel dahin.

Start der Tour an der Mittelbergbahn oberhalb des Rifflsees; der mächtige Seekogel voraus, links Löcherkogel, in der Flanke des Seekogels der K2 und der Rostizkogel

Mit einer vorzüglichen Aussicht auf die Granden des Kaunergrats und des Weißkamms bietet die Schitour auf den Rostizkogel einen besonderen Höhepunkt, der auch nicht schwer zu erreichen ist. Eine kurze Steilflanke ist beim Anstieg auf den Gipfelaufbau nach dem langen Nördlichen Löcherferner zu überwinden, die wir angesichts der Schneeverhältnisse stapfend bewältigten. Es handelt sich dabei um weniger als 20 Hm.

Blick nach Süden, in Bildmitte der Hintere Brunnenkogel

Im unteren Teil unter dem Seekogel kann entweder über eine Schuttreise unterhalb des Felssaumes des Seekogels aufgestiegen werden, oder etwas weiter links (westlich) davon entfernt durch eine verdeckte Mulde, der eine steilere Flanke über etwa 50 Hm folgt. Bei unserer Begehung im April war die Flanke beim Ausapern und der Schnee aufgrund des Hangwinkels am späten Vormittag bereits sehr nass, jedoch ohne Ablegen der Schi zu begehen.

flach ins Riffltal gewandert

Von der Bergstation gilt es 58 Hm zum Niveau des Rifflsees abzufahren. Anschließend führt das lange flache Tal in einer leichten Linkskurve zu den Anstiegen auf mehrere Schitourenziele, darunter der Löcherkogel (3.324 m) und der Wurmtalerkopf (3.2225 m). Auf mehr als einem Kilometer vom Tiefpunkt am See bis zu einer merklichen Steigung legt das Tal kaum 20 m an Höhe zu.

der Talschluß des Riffltals zeichnet sich ab, dahinter beginnt das Wurmtal

Die ersten Höhenmeter über den Hang in Talkessel führen an den Grubengrat heran, der links (südlich) gegen Westen zieht und sich ab der Grubenkarspitze (2.998 m) im Bogen über West nach Nord auf den Wurmtalerkopf, den beiden Hapmesköpfen bis zum interessant geformten Löcherkogel zieht. Diese Berggruppe schließt das Wurmtal ein, an dessen Beginn die Route auf den Rostizkogel rechts (nördlich) abzweigt. Die Flurbezeichnung dort nennt sich „hinter Riffle“.

erste Steigung ins Wurmtal, links der scharfe Grubengrat

Ein mittelbreites Tal zieht nördlich der Abzweigstelle durch die Talstufe herab, dem die Spur und der Tross an Tourengehern, der sich mittlerweile gebildet hatte, auf der rechten Seite im Aufstiegssinn (östlich) folgte. Nach ein paar Minuten quert die Route auf ein Wiesenband zwischen den Felsstufen und bescherte uns einen etwa 25 m kurzen aperen Gang zu Fuß in das oben flachere Tal hinein, das sich trichterförmig weitet.

erste Geländestufe; rechts vom Tal führt die Spur aufwärts, später ins Tal hinein

An dessen Ende folgt kurz flacheres, offenes Gelände, bevor nach wenigen Minuten weiter oben wieder ein kurzes, schwach ausgeprägtes Tälchen folgt, das auf eine wesentlich weitläufigere Hochfläche überleitet. Damit sind die „Katzenköpfe“ etwas weiter links (westlich) des Aufstiegs – und noch unterhalb von 2.700 m – durchschritten und rechts erblickt man das „Schneidige Wandle“, ein Südgrat, der auf den mächtigen Seekogel hinaufzieht.

Querung im oberen Teil in das Tal hinein

Mit mäßiger Steigung führt das gut kupierte Gelände in flacheres Kargelände, in dem sich eine Trinkpause anbot, allerdings ein paar Minuten zu früh, lediglich mit den Bergspitzen im Norden über der noch gerade nicht erreichten Kante ins Kar.

auf ansprechenden Geländewechseln unterwegs; im Hintergrund wieder der Rostizkogel sichtbar

Über der Kante auf das ziemlich flache Kar entwickelte sich nun das Bild auf die obersten Spitzen zu einem beeindruckenden Ausblick im weiten Kar. Der Zusammenhang des Reliefs wird klar und präsentiert den Aufbau des stolz emporragenden Rostizkogels mit dem langen sägezahngespickten Westgrat des ebenfalls zackenbewehrten Seekogels. Dort mußte ein Fotostopp her, um die atemberaubende Szene festzuhalten.

weitläufiges Gelände unterhalb der Geländestufe auf den Nördlichen Löcherferner, mit Rostizkogel und Seekogel

Noch vor dem Übergang zum Flachteil im Kar trennte sich der Pulk an Tourengehern wieder auf und wir dachten schon, wir wären nicht die Einzigen, die den Rostizkogel im Visier hatten. Nach dem Flachteil jedoch sahen wir uns alleine der Spur nach Norden auf die Stufe zum Nördlichen Löcherferner folgen, alle anderen schlugen die Route nach Nordwest auf den Mittleren Löcherferner ein, der mit dem girlandenförmigen Grat zwischen Rostizkogel und dem K2 im Kaunergrat endet.

Geländestufe auf den Nördlichen Löcherferner

Im Nu stiegen wir alleine auf der Route zum Rostizkogel durch eine weite Mulde auf die nächste Geländestufe, von der aus sowohl der Mittlere Löcherferner und der K2 beeindruckend, als auch der Anstieg über eine steilere Stufe auf den Nördlichen Löcherferner eingesehen werden. Von diesem Standpunkt aus wäre es noch möglich, links (westlich) auf den K2 aufzusteigen, die Route trifft im hinteren Teil des Mittleren Löcherferners die bereits unten abzweigende Spur wieder.

Detailansicht Aufstieg auf den Nördlichen Löcherferner; im Hintergrund der Felsbruch am Seekogel Westgrat

Wir freuten uns auf das steilere Gelände, durch das zwischen den aperen Schrofen eine Spur führte und von Hügel zu Hügel und wieder durch Mulden weiterhin abwechslungsreiches Gelände bot, bevor es sich verflachte und der ebenflächige Gletscher unter dem Schi erahnt werden konnte.

Blick nach Westen zum K2

Von dort hatten wir den wirklich als Kogel ausgebildeten Rostizgipfel ständig im Blickfeld. Rechts erahnten wir den leichtesten Aufstieg, zu dem uns auch die Vortagesspur führte.  Mittig Schrofengelände und links im Blick ein bäriger Abfahrtshang, darüber ein flachere Flanke, wie uns schien und zuoberst die runde Kogelkuppe, der Gipfelbereich.

netter Aufstieg über Mulden und Kuppen

Über einen knappen Kilometer, etwa 200 Hm und etwa 20 min zog sich der Aufstieg aus der letzten Mulde an der Gletscherzunge bis zum Gipfelaufbau hin. Der Nördliche Löcherferner ist der längste der drei Brüder und vom Südlichen besteht noch ein kümmerlicher Rest, der nicht mehr als ein Ferner wahrgenommen wird.

durch eine letzte tiefe Mulde auf den Ferner

Beeindruckend im Aufstieg, bei dem genügend Zeit besteht, über die völlig unterschiedliche Form des Rostizkogels gegenüber jener des Seekogels nachzudenken. Wer dann die Geologie zurate zieht, wird in seiner Ahnung bestätigt, dass die beiden Gipfel aus unterschiedlichen Gesteinen aufgebaut sind.

am Nördlichen Löcherferner angelangt, unterwegs zum Nordosteck des Ferners

Während der rundliche Rostizkogel aus dem in der südlichen Umgebung vorherrschenden Glimmerschiefer besteht, der kaum bizarre Formen hinterläßt, besteht der Seekogel aus einem seltenen Einschub von Tonalitgneis, einem sehr harten und spröden Gestein, das die wilden Zacken bildet.

kurz vor dem Gipfelaufbau des Rostizkogels

Bereits vor dem Aufstieg über die Talstufe zum Nördlichen Löcherferner tritt ein markanter Bereich im Westgrat des Seekogels zum Rostizkogel ins Auge und zwar ein massiver Gratabbruch mit jungen, noch hellgrauen Bruchflächen und massiven Felsblöcken in der Südflanke, der sich über eine Länge von 50 m zieht. An diesem Felsbruch, der in den 70er-Jahren durch einen Blitz ausgelöst worden sein soll, zieht die Spur über den Löcherferner entlang.

Rückblick über den Nördlichen Löcherferner, gut sichtbar der Felsbruch am Seekogel Westgrat und der zerrissene Gipfel des Seekogels

Durch die nach Süden einfallende und von der Ferne auffallend ebenflächige Bruchfläche wäre eher anzunehmen, daß es sich hierbei um ein Ereignis geomechanischen Ursprungs handelt anstelle der Wucht, die ein Blitz auszulösen vermag. Möglicherweise gibt es jedoch auch zwei bemerkenswerte Ereignisse an derselben Stelle, denn eine andere Quelle spricht von einem Felssturz im Jahr 2014[1].

teilweise apere Stellen am Aufstieg durch abgeblasene Oberflächen

Am Ende der Fernerquerung, die trotz ihres flachen Eindrucks immerhin 120 Hm überwindet, beginnt der Aufstieg auf den Gipfelaufbau des Rostizkogels genau am auslaufenden Westgrates des Seekogels, der sich an seinem Ende in einen nördlichen (nicht sichtbar) und südlichen Teilgrat gabelt. Westlich dahinter liegt nach einem Steilabbruch der Watzebachferner.

gesamter Westgrat und Seekogel

Die Spur nähert sich dem Steilabbruch und dahinter konnten wir einige Kilometer im Norden eine Wolken und Nebelfront erkennen, die glücklicherweise dort verharrte und sich nicht weiter nach Süden ausbreitete. Auf dem Nordostrücken zieht die Route mit einigen Spitzkehren empor, bis das Gelände – teilweise bis zur Schuttoberfläche vom Schnee abgeweht – sehr steil wurde.

an der Steilpassage am Rostizkogel

Dort entschieden wir uns, wie auch die Begeher am Vortag mit Wahrscheinlichkeit, den schlechten Schneedeckenaufbau des heurigen Winters ins Kalkül zu ziehen, die Schi zu schultern, um das Risiko klein zu halten.

bereits im Gipfelbereich an der Hangquerung am Osthang am Rostizkogel

Hätten wir geahnt, daß dieser Abschnitt kaum 15 Hm beträgt, hätten wir die akrobatische Einlage wohl unterlassen, dachten wir uns oben angekommen. Ein kurzer „Schnapper“, wie man sich hierzulande auszudrücken pflegt und nicht zu verwechseln mit dem „Red Snapper“, dem man anderswo begegnet, über eine Geländekante brachte uns in flacheres Terrain, in dem wieder angeschnallt werden konnte. In unseren Stapfspuren stellten wir jedoch die offenbarend latent vorherrschende Schwachschicht gekennzeichnet durch den typischen Gries ziemlich tief in der Schneedecke fest.

Hangquerung und Vorgipfel am Rostizkogel

Von dort aus führte uns die Spur zunächst am schmalen Nordostrücken ein paar Minuten aufwärts, sodann vorbei an dem Osthang oberhalb der Schrofen, der gequert wird, um die Mulde vor dem östlichen Gratspitz vor dem geodätischen Gipfel zu erreichen.

Rückblick vom Vorgipfel auf den Aufstieg bis zur Mulde

Hinter dem letzten Felsblock öffnet sich dann auch der Blick auf den überwechteten Rostizkogel, der von der Mulde aus gesehen ein imposantes Bild abgibt.

Rostizkogel rechts, Vorgipfel links

Abschnallen empfahl sich auf dem breiten Gratkogel, der auch als Vorgipfel bezeichnet werden könnte, er ist lediglich 12 m niedriger als der Rostizkogel. Durch das Schärtchen hindurch wandert es sich feiner zu Fuß als unter Schi, die ohnehin erst bei der Rückkehr abgefellt werden können.

am Überstieg zum Rostizkogel

Am Rostizkogel besteht normalerweise ein grandioser Ausblick mit einer Unzahl an Gipfeln rundherum. Besonders bestechend wirkt die Ansicht der hehren Kolosse im Norden des Kaunergrates und natürlich auf den zweithöchsten Gipfel Tirols nach dem Ortler, der Wildspitze. Leider war die Sicht auf etwa 15 km beschränkt, sodaß die Gipfelschau bescheiden ausfiel.

im Südosten die Wildspitze, Hinterer und Vorderer Brochkogel im Vordergrund Petersenspitze

Dennoch sind zu erwähnen, beginnend im Süden im Uhrzeigersinn mit der Wildspitze (3.768 m) in 10,8 km Entfernung: Hinterer Brochkogel (3.624 m), sofort rechts dahinter der Vordere Brochkogel (3.560 m), im Vordergrund die sich wenig abzeichnende rundliche Schneekuppe der Petersenspitze (3.475 m), die nach einem frühen Erschließer der Ötztaler Alpen, dem Chemiker Theodor Petersen, Mitbegründer der Sektion Frankfurt am Main des Deutschen Alpenvereins, der zwischen 1871 und 1893 dort zahlreiche Erstbesteigungen vollbrachte und dem die Tradition der Alpenvereinsjahrbücher zu verdanken sei, benannt wurde. Im Hintergrund des Weißkamms ragen die Gipfel des Similauns (3.597 m) und der Finailspitze (3.514 m) auf, die genau hinter der Pitztaler Urkund (3.198 m) im Vordergrund zu finden ist.

die schwarze Nordwand der Hochvernagtspitze, Eiskastenspitze, Bliggspitze und Vordere Ölgrubenspitze, im Vordergrund der Löcherkogel, ganz rechts im Hintergrund die Weißkugel

Im Süden im Vordergrund die schwarze Nordwand der Hochvernagtspitze (3.535 m), davor die Eiskastenspitze (3.371 m), die Bliggspitze (3.453 m) und die mit markant schwarz erscheinender Nordwestwand sichtbare Vordere Ölgrubenspitze (3.452 m), die letzteren alle vom Taschachhaus aus zu begehen. Im Vordergrund vor der Vorderen Ölgrubenspitze befindet sich der Löcherkogel (3.324 m), eine schwierige Schitour vom Rifflsee aus.

links Weißkugel, dann Weißseespitze, im rechten Bilddrittel der Glockturm

Bereits im Südwesten ein weiteres Highlight der Ötztaler Alpen mit der knapp 20 km entfernten Weißkugel (3.737 m), die nur durch den Dunst erkennbar war sowie rechts daneben die Weißseespitze (3.501 m), die durch den langen flachen Gepatschferner als rundliche Kuppe gebildet wird. Den Blick auf den Ortler und die Königsspitze zwischen den beiden vorgenannten blieb durch den Dunst verwehrt.

Glockhaus, Taufererkopf und Pfroselkopf in rechter Bildhälfte

Ebenfalls verwehrt blieb der Blick auf die Berninagruppe, einzig der Piz Sesvenna (3.204 m) in der gleichnamigen Gruppe stach in der Ferne hervor. Ihm folgt im Uhrzeigersinn der mächtige Glockturm (3.353 m) in den Ötztaler Alpen mit seiner atemberaubenden Schitour von der Gletscherstraße im Kaunertal aus. Noch vorher besteht Blick auf die Kaisergratspitze (3.155 m) auf die ebenfalls eine bärige Schitour führt. Im Blick auf das Kaisertal zeigt sich ein herrliches Schitourengelände, das über die Nassereiner Alm erreicht wird, jedoch sehr lange Anmärsche bedeutet.

Kuppkarlesspitze und Feichtner Karlspitze in rechter Bildhälfte, dahinter der Hohe Riffler

Im Kaunertal gegenüber befinden sich Glockhaus (3.096 m) und Pfroselkopf (3.146 m) als wesentliche Schitourenberge. Bevor der Glockturmkamm sich im Norden senkt. Gegen Norden hin konnten wir gerade noch die Parseierspitze (3.036 m) und die Glanderspitze (2.505 m) im Venet durch den Dunst erkennen.

Blick nach Nordwesten mit Parseierspitze und der Glanderspitze im Venet

Im Norden erschienen die Höhepunkte des Kaunergrats. In 2,4 km Entfernung thront die mächtige Watzespitze (5.532 m) als höchste Erhebung im Grat, dann die Verpeilspitze (3.423 m) in 3,9 km Entfernung, knapp rechts daneben die Rofelewand (3.353 m) und bereits 17 km entfernt der Fundusfeiler (3.079 m).

Herrscher im Kaunergrat; Watzespitze, Verpeilspitze, Rofelewand und hinten der Fundusfeiler

Über die Talsenke des Pitztals hinaus erkannten wir den Acherkogel (3.008 m) in 27 km Entfernung, bevor im Geigenkamm so markante Gipfel wie der Luibiskogel (3.110 m) in 12 km Entfernung und die Hohe Geige (3.394 m) selbst auftauchen. Durch den tiefen Sattel zwischen den beiden lugen die Stubaier Alpen mit Breitem Grieskogel (3.287 m), Gleirscher Fernerkogel (3.189 m), Hoher Seeblaskogel (3.235 m) sowie der Lüsener Fernerkogel (3.299 m) durch.

Acherkogel, Luibiskogel und Hohe Geige im Geigenkamm im Tal gegenüber, dahinter Breiter Grieskogel, Gleirscher Fernerkogel, Hoher Seeblaskogel und Lüsener Fernerkogel

Im Vordergrund vor der Scharte zieht die Seekarlesschneid (3.208 m) parallel zum Seekogel von Ost nach West. Beide schließen den Seekarlesferner ein, die dreifache Größe des Nördlichen Löcherferner besitzt und leider nicht in seiner Ausdehnung sichtbar ist.

Vordergrund Seekarlesschneid und Seekogel, im Hintergrund Schrankogel und Ruderhofspitze

Markant hinter der Hohen Geige, fast schon im Osten sticht die weiße Pyramide des Schrankogels (3.497 m) in 25 km Entfernung und gleich daneben die mächtige Ruderhofspitze (3.474 m) in 28 km Entfernung durch. Im Vordergrund beeindruckt der zerrissene Saum der Grate am Seekogel (3.385 m) und dahinter im Tal gegenüber der Puitkogel, die beide von Tonalitgneis gebaut sind.

Wassertalkogel im Geigenkamm, dahinter, nicht sichtbar, Zuckerhütl und Sonklarspitze; Äußere und Innere Schwarze Schneid zentral im Bild

Exakt im Osten befindet sich im Pitztal gegenüber Hillis Wassertalkogel (3.247 m), der sich relativ unscheinbar aus dem Grat erhebt, jedoch eine lange einsame Schitour bietet. In der Flucht dahinter lägen Zuckerhütl und Sonklarspitze, die leider verborgen blieben.

Stockkogel im Ramolkamm, rechts davon Granatenkogel, Hochfirst und Hinterer Seelenkogel im Gurgler Kamm, Großer Ramolkogel und im Weißkamm im Vordergrund Rechter Fernerkogel und Schuchtkogel

Markant und ihrem Namen Ehre erweisend erhebt sich im Südosten die Äußere Schwarze Schneid (3.255 m) sowie etwas südlicher ihre ebenfalls durch die dunkle Nordwand gekennzeichnete Schwester die Innere Schwarze Schneid (3.367 m), durch die das Unternehmen des Autors einen Schifahrertunnel getrieben hat. Die Liftanlagen des Ötztaler Gletscherschigebietes sind vom Rostizkogel aus gut sichtbar. Der Zusammenschluß der Ötztaler und Pitztaler Gletscherbahnen blieb dem Alpenfreund nach einer Abstimmung der Bevölkerung im Pitztal erspart, dem Schifahrer verwehrt.

Wildspitze flankiert von Schuchtkogel, Hinterem Brunnenkogel sowie rechts Brochkogel

Über den Weißkamm hinweg waren bei den schlechten Sichtbedingungen noch der Stockkogel (3.278 m) im Ramolkamm und rechts daneben der Granatenkogel (3.318 m) sowie der mächtige Hochfirst (3.404 m) und der Hintere Seelenkogel (3.475 m) im Gurgler Kamm zu sehen.

Vordere Ölgrubenspitze und dahinter Weißkugel sowie rechts Weißseespitze

Den Abschluß des Gipfelrundblicks bildeten Mittlerer und Großer Ramolkogel (3.549 m) sowie der Rechte Fernerkogel (3.300 m), der von der Pitztaler Gletscherbahn aus erreichbar ist und auf selbem Weg über den gewaltigen Mittelbergferner der Schuchtkogel (3.471 m) im Nordostgrat der Wildspitze. Zwischen beiden liegt der Hintere Brunnenkogel (3.438 m) mit der seit 2020 zweithöchst gelegenen Wetterstation Österreichs.

der mächtige Glockturm mit Kaisergrat- und Rifflkarspitze im Vordergrund

Von der Scharte zwischen dem Rostizkogel und dem Vorgipfel aus erhaschten wir einen Blick hinab auf den tiefer liegenden K2, der gerade stark besucht wurde.

die beeindruckende Sahnewechte am Rostizkogel

Südlich vor dem Rostizkogel liegt das Wurmtal mit seinem o. e. großen Kessel, auf den ein herrlicher Überblick besteht.

K2 Gipfel in der Tiefe

Bei einer kurzen Jause am Vorgipfel und der Vorbereitung zur Abfahrt musterte der Autor den Abstieg von der Watzespitze am Südgrat Richtung Seekarlesferner, den Ingenuin Hechenbleikner im Jahre 1904 im Alter von 21 Jahren, nachdem er im Alleingang die 500 m hohe Watzespitze Nordwand ersterstiegen hat, hinabstieg.

Seekarlesschneid hinter dem Seekogel

Von dort gelangte er zum Seekarlesferner und erstieg aus einer Laune heraus als erster die 240 m hohe Seekogel Nordwand. Anschließend stieg er über den Gletscher zum Riffelsee und weiter nach Plangeross ins Tal ab sowie von dort 10 km zum Gasthaus Lisele in St. Leonhard. Diese Leistung im Anblick der Realität vom Rostizkogel aus wirkt unvorstellbar, auch wenn die Schlüsselstücke, die Nordwände gar nicht sichtbar sind.

letzter Blick auf die Sahnehaube am Rostizkogel

Auf der Abfahrt hatten wir am oberen Osthang vor den Schrofen pulverigen Altschnee oder über Tage gesetzten Pulverschnee, je nachdem, wie man die Charakterisierung vornehmen will.

Abfahrt über den Osthang

Unten am Hang, von wo aus der weitere Verlauf über die Schrofenhänge hinab nicht mehr sichtbar war, querten wir rechts im Abfahrtssinn in Grat hinaus, um dort auf einen durchgängigen Steilhang zu gelangen, der eine bärige Fahrt bis zum flachen Gletscher hinaus zuließ.

Steilhang am Rostizkogel mit bäriger Abfahrt

Vom Gletscher aus erfreute uns die schöne Landschaft über die Geländestufen hinab mit ihren Tälchen, Mulden und kleinen Kuppen. Sehr nett war die Abfahrt über den Gletscherabfluss, ein engeres, steileres Tälchen, das in das weite Kar hinabführt.

In diesem Tal wechselte der Schnee von weich auf durchnässt und schwer zu drehen, bevor er in Firn überging, indem wir zwar leicht einsanken, dennoch aber eine angenehme Abfahrt hatten. Stets die Wildspitze mit dem gesamten Massiv, das mehrere ordentliche Gipfel trägt, im Blick bietet die Abfahrt vom Rostizkogel bis zum Tal hin eine außergewöhnliche Kulisse.

rechts im Bild in das Muldental

Durch die letzte Geländestufe führen ebenfalls zwei Tälchen, wovon wir das rechte im Abfahrtssinn benutzten, da uns dies im Aufstieg als ratsam erschien. Es führte uns genau zur Abzweigung der Schitourenrouten ins Wurmtal und auf den Rostizkogel, unserem vormittäglichen Aufstieg.

im unteren Teil der Abfahrt

Der jedem Schitourengeher instinktiv innewohnende Versuch, eine Flachstrecke so hoch wie möglich an den Hängen seiner Flanken zu überwinden, funktioniert im Riffltal nicht, zumindest nicht im Frühjahr, in dem schwerer feuchter Schnee den Abfahrenden nicht hoch genug halten läßt. Hätte man im Riffltal etwa 160 Hm Höhendifferenz, so gelangt man nicht einmal bis zur Hälfte der Wegstrecke bis zu den Schipisten.

Blick aus dem Riffltal etwa 150 Hm über dem Talboden

Geländeformen tun ihr Übriges, die Fahrt zu begrenzen. So wanderten wir im Tourenmodus über einen guten Kilometer bis zur Schipiste hinaus. Die Annahme, daß das Gelände durch den Rifflbach stets fallend sein müsste, trügt, denn das ist ja auch der Grund für die Ausbildung des Sees. Ab der Hälfte des Sees stagniert das Gefälle bzw. überwindet etwa drei Meter Anstieg. Gut gewachselte Schi sind da von Vorteil.

Talausfahrt am Nordhang des Grubengrats

Die Abfahrt über die Piste stellt die einzige Möglichkeit dar, den aperen, weil sonnengeplagten Rundrücken abzufahren. Man fahre nicht bis zur Seilbahn sondern direkt im seichten Tal neben dem Rifflbach hinab zur Taschachalpe. Dort gönnten wir uns eine nette Einkehr am letzten Tag vor dem Saisonsende und blickten auf die riesenhaften Gipfel im Taschachtal.

im Tourenmodus entlang des Rifflsees

Das Schlußstück der Abfahrt kann entweder über den Taschachbach zum Parkplatz Mittelberg erfolgen, von wo aus ein Bus nach Mandarfen fährt, so riet uns der Hüttenwirt, oder man versucht es über den Weg auf der orografisch linken Seite bis in das Schwemmgebiet der Gletscherbäche, die dort bereits vereint zur Pitze geworden sind. Auf diesem Weg erreichten wir vollständig unter Schi den Parkplatz an der Mittelbergbahn und mußten die letzten 200 m ab der Bachquerung schultern.

Von der Schipiste ein letzte Ansicht mit Zoom auf den Rostizkogel

Die schöne Schitour verlangt 1.160 m Anstieg ab dem Niveau des Rifflsees (2.233 m), vorher besteht die Abfahrt von der Mittelbergbahn mit einer Höhendifferenz von 58 m (vom Tal aus (Parkplatz Mittelberg bei Gletscherexpress) beträgt der Anstieg 1.670 m).

Einkehr auf der Taschachalpe mit Blick auf die Eiskastenköpfe

Ohne die Zeit für die Bahnfahrt mit der Mittelbergbahn, bei Start der Zählung am Rifflsee und Stopp an der Taschachalm betrug die Zeit unserer Tour 5:48 Stunden. Die Wegstrecke für den Aufstieg beträgt dabei 6,4 km.

Mils, 19.04.2026

[1] Maria M. Peintner, Steinschlagmodellierung ausgewählter Wanderwegabschnitte an Jochübergängen in der Permafrostzone im Naturpark Kaunergrat (Tirol). Masterarbeit. Innsbruck 2017.

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