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Schitour Schaflegerkogel, 2.405 m – Abfahrt ins Senderstal

Ein noch schlecht ausgeprägter Winter 2021/22 läßt die Lust auf größere Schitouren nicht so richtig aufkommen, somit eine prädestinierte Gelegenheit unvollendete Touren zu beenden und eine solche besteht bei der Schitour Schaflegerkogel aus dem Fotschertal.

Schaflegerkogel, 2.407 m

Zweimal hatten wir schon auf diesen unspektakulären Gipfel angesetzt, einmal zwang uns ein familiärer Notruf – der sich zum Glück später nicht prekär entwickelte -, ein andermal ein massiver Schlechtwettereinbruch zur Umkehr. Weil der alte Mensch so erzogen wurde, daß er Angefangenes vollendet, mußte der Gipfel fallen und wäre fast ein drittes Mal gescheitert.

Trotz der dem Verfasser privat und undeutlich ergangenen Warnung, daß im Fotschertal ein Aufsteigen nur unter Tragen der Schi möglich sei, startete er das Vorhaben vom Parkplatz Eisbrücke im Alleingang. Zunächst erfolgte der Aufstieg über die Freifläche, anschließend am Rand des schneegeräumten Fotschertalweges, der über dessen gesamte Breite und darüber hinaus abgeschoben war, direkt zwischen Bach und den schotterbedeckten Räumhaufen.

Dies funktionierte unter Akzeptanz des manchmal grenzwertigen Materials unter den Fellen bis zum Abzweig zur Sattelalm einigermaßen bequem, dann war ein Weiterkommen nur zu Fuß möglich. Knapp 400 m nach der Abzweigung folgte aufgrund der Aussichten ein schneller Entschluss die Betonbrücke (1.275 m) über den Fotscherbach zu benutzen, um den Forstweg auf der gegenüberliegenden Talseite zu benutzen. Die andere Talseite trägt den unvergesslichen Namen Fluigenalm.

Alternativaufstieg im Fotschertal auf der gegenüberliegenden Bachseite

Natürlich war der Forstweg unbekannt und nach der anfänglichen Freude, dieser führe ebenfalls zum Bergheim, folgte nach einem Kilometer die Enttäuschung, als dieser mitten in einer abgeholzten Waldfläche endete und nur ein schmaler Pfad weiterführte, der jedoch dermaßen wild begann, daß die Frage aufkeimte, ob es sich wirklich um einen Pfad handle.

Rasch entschlossen das herauszufinden ging es in den Murengraben hinab und jenseits wieder hinauf auf die mit genügend Tierspuren markierten Pfad in schmaler Lichtung. So wurden etwa 400 m zurückgelegt bevor ein neuerliches Forstgebiet erreicht wurde und anschließend auch noch ein Stacheldrahtzaun mit durch Rundholz abgesperrtem Durchlass, der aber am Rundholz gut überstiegen werden konnte. Knapp danach – die Karte spricht vom Gebiet der Söldenalm – begann ein unberührter Forstweg bis zur Abzweigung zur Almindalm, also knapp vor dem Gh. Bergheim.
Ein Leben auf der anderen Seite des Fotscherbaches ist also möglich, allerdings ein rustikales.

Baustelle beim ehemaligen Gasthof Bergheim

Der Anblick des Weges zum Bergheim ernüchterte abermals, denn auch dieser befand sich in ausgezeichnet geräumtem Zustand, mit etwa 25 cm Eisfläche oder -breite zum Aufstieg links und rechts der Fahrspuren.
Nun gut, es sollte auf der Rodelbahn nach dem Bergheim ja Besserung zu erwarten sein…

eine der halbwegs akzeptablen Schneesituationen am Almweg nach der Kehre

Um die Sache abzukürzen sei erwähnt, daß am Weg zur Potsdamer Hütte (ab 28.12.2021 geöffnet) auch nach dem abgerissenen Gh. Bergheim und der momentan in Bau befindlichen Neuerrichtung eines Gebäudes kein Makel an der Schneeräumung zu finden war.
Leider entbehrte der Einstieg am Sommerweg zur Furggesalm entsprechender Schneeauflage, welcher zur Einsicht führte den längeren Almenweg zu nehmen, und der Wunsch keimte auf er würde wohl bald unter Schnee gut zu begehen sein.

Abzweig zur Potsdamer Hütte

Erneut ist zugunsten der Lesefreudigkeit dieses Beitrages an dieser Stelle vorwegzunehmen, daß der Zustand des Weges bis hinauf zur Furggesalm sich keinerlei Besserung hinsichtlich der Schneeräumung erfreute, im Gegenteil, im der Sonne zugewandten Teil nach der Kehre – nach der knapp danach der Weg zur Potsdamerhütte abzweigt – mußten die Schi einige Male über Dutzende Meter Weges geschultert werden, weil auch der schmale Aufstiegsstreifen am Rand entfiel. Dafür tummelten sich auf der Strecke ab der Eisbrücke bis zur obersten Alm beschneekettete kleine grüne Geländeflitzer eifrig der weidmännischen Inspektion sämtlicher Reviere.
So kannte der Verfasser das Fotschertal im Jänner bislang nicht und war geistig bereits im Begriff noch unterhalb der Furggesalm die Tour abzubrechen. Es wäre ein drittes Mal gewesen.

herrliche Ausblicke auf den Talschluß im Fotschertal

An der Furggesalm endete der Schneeräumspuk, wohl aber nur, weil es keine weitere Straße zum Gipfel gibt – so der etwas enttäuscht verärgerte Eindruck nach diesem Spießroutenlauf über annähernd sieben Kilometer Aufstieg. Allerdings versprachen die Unbilden auch völlige Abgeschiedenheit, welche dann für die gesamte weitere Tour auch zutraf.

Blick auf den Schaflegerkogel von der Furggesalm aus

Während des Aufstiegs über die letzten 450 Hm zum Schaflegerkogel konnte das schöne Wetter und die weitgehende Windstille am Aufstieg genossen werden, wohl aber auch einige Gedanken über den Rückweg verschwendet werden, der ja eigentlich über 90% als unfahrbar  eingestuft werden mußte.

hinter den Zirben quert der Hang rechts auf den Buckel hinauf

Der Bergsteiger, mit einiger Routine an vor Ort durch die Notwendigkeit von einzuschlagenden Alternativen trainiert, findet immer einen Weg, auch wenn er einigermaßen radikal wirken mag. Die einzig sinnvolle Alternative bei den Abfahrtsaussichten in der hinteren Fotsch besteht im Talwechsel und der Hoffnung, daß auch noch im äußeren Senderstal die Rodelbahn halbwegs intakt ist.

 

Hohe Villerspitze in Bildmitte

Der Aufstieg auf den Schaflegerkogel bzw. zum Kreuzjöchl am Sommerweg ist durch die Schneestangen auch im Winter gut erkennbar und im Falle dieser Begehung auch an den stets sichtbaren und durch die vom Regen verebneten und durch die fortgeschrittene Schneeumwandlung verkrusteten Schispuren.

 

Zunächst überwiegt die Freude der Zivilisation entkommen zu sein und auf einem weitgehend baumfreien Gelände aufsteigen zu dürfen, welcher auch der regengeplagte harsche Schnee mit seiner charakteristischen Orangenhaut keinen Abbruch tut.

Roter Kogel und das langgezogene Plateau der Schafalm darunter (linke Bildhälfte)

Herrliche Blicke in das hintere Fotschertal mit der Potsdamerhütte auf die Hohe- und die Lüsener Villerspitzen begleiten über einen langen Teil des Aufstiegs. Weiter oben kamen Böen von mäßig kaltem Wind aus Westen auf, die bis zum Gipfel anhielten, nicht aber stärker wurden.

 

Talauswärts das Fotscher Windegg (linke Bildhälfte), rechts davon der Roßkogel

Weiter oben auf der langen Querung zum Gipfelaufbau tritt der Rote Kogel mit der langen und schönen Abfahrt über die Schafalm im Westen richtig ins Blickfeld, sowie auch der Sömen und im Nordwesten das Fotscher Windegg.

Hänge unterhalb des Schaflegerkogels

Die Hangneigung auf diesem Hang bleibt, bei konsequenter Benutzung der Spur um die Schneestangen, stets unter 35° wodurch der Schaflegerkogel einen idealen Berg bei entsprechend angespannter Lawinenlage darstellt. Nur wenige kurze Passagen zwischen 2.200 m und 2.300 m sind über 30° geneigt.

am Schaflegerkogel

Im Gipfelbereich erwarten den Winterbesteiger Stellen von freigelegten Felspartien, sowie auch abgeblasene Stellen im Gratbereich bis zum Gipfel. Dies war bei der Begehung in diesem Bericht nicht ausgeprägt der Fall und störte den Restaufstieg nicht.

Kalkkögel im Osten

Bei Erreichen des Grates tauchen im Osten die famosen Kalkkögel auf, ein prächtiger Anblick mit auch rassigen Schitouren wie beispielsweise auf die Große Ochsenwand oder auf die Schlicker Seespitze. Und getrennt vom Kalk, bereits am Stubai-Kristallin gelegen, die Schitour auf den Gamskogel.

Angerbergkopf im Norden

Anschließend am Kamm selbst befindet sich der Angerbergkopf, der auf einer Schitour von Salfeins über den Breitschwemmkogel einmal das Ziel einer schönen Schitour hätte sein sollen, starker Föhn seine Besteigung jedoch verhindert hat.

links Hohe Villerspitze, rechts Lüsener Villerspitze, nochmals rechts Lüsener Fernerkogel in 11 km Entfernung

Nach dem ersten Rundblick ins hintere Senderstal geschaut fand der Verfasser einen prächtigen Abfahrtshang vor und freute sich, daß die Variante dieser Abfahrt klappen kann. Schnell den Transfer von Grinzens zurück zur Eisbrücke organisiert, abgefellt und kurz gestärkt wurde die Abfahrt angetreten.

der Schafkogel im Süden verdeckt das Schwarzhorn; das kleine Spitzl rechts hinter dem Grat ist die Höhe Schöne

Wieder vorweggenommen sei – nicht überraschend – erwähnt, daß ähnliche Schneeverhältnisse wir beim Aufstieg mit etwas weniger Bruchharsch im unteren Teil, kein besonderes Abfahrtsvergnügen darstellten, aber auch nicht zum Jammern schlecht war.

Abfahrt ins hintere Senderstal

Auch bei der Abfahrt bleibt die Hangneigung zwischen den o. g. Werten, wenn die flachen Teile im Hang gewählt werden. Auf einer Höhe von 2.000 m beginnt die Talausfahrt, den Hang querend, zuletzt auf einem mittelbreiten Rücken, der im lichten Föhrenwald endet.

Rückblick auf den Schaflegerkogel

Zwischen den obersten Föhren hindurch und durch zwei Gräben hindurch gelangt man auf den Hang oberhalb der Talerweiterung mit den beiden Holzbrücken. Die erste der beiden, gleich unterhalb des unbequemen Geländes unterhalb der Staudenbüsche, ermöglich eine Talausfahrt ohne Wiederaufstieg, die untere bedingt etwa 15 Hm Aufstieg auf den Weg.

etwa bei 2.000 m nördlich gequert

 

 

Über den Weg gelangt man unter Fahrt ohne Anschieben bis zum Wendelinkreuzl gegenüber der Kemater Alm, die am 6. Jänner 2022 wieder ihre Pforten öffnet und zu deren Einkehr bei Michael & Kathrin nur geraten werden kann.

auf der Rippe dahin bis zum Zirbenwaldansatz

Die Rodelbahn präsentierte sich bei der Schiabfahrt aufgrund der Teilvereisung als rechte Anstrengung, führte aber mit zwei drei kurzen Tragestrecken im dichten Wald fast bis zur Freifläche vor dem Talende.

letzter Hang vor dem Tal

Die Schitour auf den Schaflegerkogel erstreckt sich über 1.320 m und für den Anstieg rechne man mit maximal vier Stunden (unter den beschriebenen Schwierigkeiten), für die Gesamtstrecke mit Abfahrt bis Grinzens in Summe sechs Stunden. Die Abfahrt nach Grinzens beträgt etwas mehr als 1.450 m.

Rückblick ins hintere Senderstal

Nachgegoogelt hätte es an Wochentagen sogar eine komfortable Busverbindung mit 12 min Fahrzeit zwischen Pafnitz und der Eisbrücke gegeben, wochenends jedoch nur eine hinab ins Inntal und dann wieder bis Sellrain Ort, 150 Hm unterhalb der Eisbrücke. Zu Fuß geht es über 4,7 km in eineinhalb Stunden auf schmaler Straße unter 170 Hm Aufstieg. Allemal komfortabler sollte es aber mit dem Taxi möglich sein.

Kemater Alm

Nachgegoogelt gibt es so gut wie keine offizielle Information über eine Sperre oder Unbenutzbarkeit des Weges ins Fotschertal, am wenigsten auf der Homepage der Gemeinde Sellrain. Die Suchen nach „Kraftwerk“, (führt zur Startseite der TIWAG) oder „Bauarbeiten“ führen dort ins Leere und rufen zur Präzisierung des Suchbegriffes auf.
Der Parkscheinautomat an der Eisbrücke funktioniert erwartungsgemäß einwandfrei.

Mils, 02.01.2022

Schitour Rosskogel, 2.647 m

Der vom Inntal aus mit einem phantastisch langen Kamm das äußere Sellraintal bildende Rosskogel sollte einmal des Winters auf diesem Kamm bestiegen und des Kammes Südflanke als Abfahrt zur Ausbildung einer Schitourenrunde benutzt werden. Schon zuvor, im Herbst eines anderen Jahres, wurde dieser Plan bei einer Wanderung auf den golden getünchten Sonnberg gefasst. Das Vorhaben begann mit einer beeindruckend langen Abfahrt und gelang, wenn auch mit einem wenig wünschenswerten Stück im Wald, das Kräfte und Mühen abverlangte. Daraus entstand eine noch durchzuführende Alternativroute.

Rosskogel – Blick nach Osten

Die Schitour auf den Rosskogel, vielmehr auf das vorgelagerte Kögele, von Tauegert aus ist eine bekannte Schitour und auch bei unserer Begehung folgten wir nach dem Kögele bereits am selben Tag gespurtem Gelände zum Rosskogel. Der Südhang vom Gipfel hinab aber, knapp 800 Hm uneingeschränkt freies Abfahrtsgelände, war die eigentliche Begierde und eine Runde zu formen das Ziel.

Aufstieg auf Wiesen hinter dem Bauernhof in Tauegert im Sellrain

Am kleinen Parkplatz in Tauegert fallen frühmorgens mit Vorsicht die Autotüren zu, weil man sich inmitten eines Wohngebietes ohne sonstigen Lärm befindet. In Tauegert ist diese Situation besonders auffallend. Ebenfalls unterhält man sich nicht lautstark über vergessene Lawinenwarngeräte oder sonstiges. Eine Attitüde, die vielen Tourengehern fehlt und man sie deshalb in Ortschaften nicht haben will.

Übergang von den Wiesen auf den Almweg

Gleich hinter dem Bauernhof oberhalb der Sellrainstraße wird über die Felder 100 Hm schräg in Richtung  Waldrand aufgestiegen, der einen Spitz in die Felder bildet und umgangen wird. Hinter dem Spitz führen die Felder nochmals 150 Hm bis an den Almenweg heran, der angesteuert wird.

nach dem ersten dichten Waldstück wird eine Lichtung erreicht

Ein breites Gatter leitet auf den Almweg, dem kurz ansteigend gefolgt wird, bevor die Spur rechts in den Wald abbiegt. In dichtem Wald wird so eine Abkürzung des Almweges begangen, die denselben weiter oben vor einer Kehre kreuzt und man ihm wieder eine Minute folgt, bevor die Spur erneut rechts in den Wald abzweigt.

Rückblick auf die Lichtung

Man kann auch ab dem Erreichen des Almweges etwa 450 m weit dem ersten Teil des Weges folgen und weiter westlich dem Sommersteig folgen, das wäre der etwas längere Normalanstieg.

kaum eine Minute am Almweg

Gleich nach dem erneuten Abzweig  – der nun die Einmündung auf den Sommerweg darstellt – passiert man ein schönes hölzernes Wetterkreuz als Papstkreuz mit Inschriften der Errichter. Anschließend gelangt man auf eine Waldschneise, die weiter oben wieder auf den Almweg stößt. Dort wird der Wald lichter und eine kleine Hütte sichtbar.

Wetterkreuz (Papstkreuz) im Wald

Der Sommerweg führt links der hohen Lärchen im Jungwald einige Minuten weiter zur Alm Meils, so die Flurbezeichnung.

im Jungwald steigt man geradlinig nach Meils an

Sie besteht aus zwei kleinen Heuhütten und lädt nach etwa 600 Hm und eineinviertel Stunden Aufstieg zur Trinkpause ein.

Alm Meils

Kurz nach dem auffälligen Heckenzaun von Meils wechselt der Wald in Freigelände über und gleich darauf wird das massive Wetterkreuz sichtbar, das angesteuert wird. Dort ist der weitere Verlauf zum Kögele schön einsehbar und der Anblick der bärigen Landschaft lädt zum Foto ein.

Freiflächen tun sich auf, das Wetterkreuz wird sichtbar

Über einige langgezogene Kuppen geht es nun Richtung Kögele dahin, vom Wetterkreuz rechne man mit etwa 50 min. Unterwegs trifft man jede Menge Fotomotive an, am Schönsten wohl die Ansichten der Kalkkögel in 10 km Entfernung im Südosten und der Lüsener Fernerkogel in 15 km Entfernung im Südwesten.

Wetterkreuz mit Kalkkögel

Die letzte Kuppe auf das Kögele strengt nochmals kräftig an und sie wäre nicht unbedingt nötig, will man nur auf den Rosskogel. Bergsteigerisch aber gehört das Kögele dazu, sei es allein um des beeindruckenden Bildes willen, das sich auf den tiefverschneiten Rosskogel anfertigen läßt.

atemberaubend die Kalkkögel im Südosten

Bei der Fortsetzung der Schitour auf den Rosskogel fallen knapp 30 Hm Verlusthöhe vom Kögele in den langen Sattel zum Rosskogel an. Wir bewältigten diese unter Fellen, da anders nicht lohnend. Am Sattel geht es zunächst auf breitem Rücken dahin, dann steigt der Kamm deutlich und geht in ein schärferes Gratstück über, der südlich umgangen werden muß.

Rosskogel vom Kögele (Sellrainer Sonnberg), 2.195 m aus gesehen

Etwa dort wo das Rifflkreuz – ebenfalls ein Wetterkreuz – angetroffen wird, muß mit Serpentinen weiter aufgestiegen werden, um einen steileren Gratkopf zu überwinden, hinter dem die Route mit leichtem Höhenverlust zur südseitigen Querung ansetzt und die ersten Schrofen und Geröllblöcke unten umgeht.

erste Kammpassage

Die Hangneigung, die begangen werden muß beträgt dort über einen kurzen Teilbereich etwas mehr als 35°, jene in den Felsen darüber jedoch über 40° und jene darunter ist ebenfalls höher als die Schneise, die durchschritten wird. Somit besteht an dieser etwa 200 m langen Passage gesteigertes Risikopotential bei entsprechender Lawinenwarnstufe. Mit großem Abstand passierten wir diese Stelle.

südliche Umgehung eines großen Grataufschwungs

Der Aufstieg auf die Grathöhe dahinter erfolgt unter Spitzkehren in gemuldetem, flacheren Gelände und erreicht den Grat etwa 100 m vor der Einmündung des Wanderweges von der Krimpenbachalm herauf.

etwa 100 m vor der Scharte mit der Einmündung des Steigs von Norden kommt man wieder auf den Kamm

Nach der Scharte der Einmündung steigt das Gelände kurz kräftig an, bevor die Neigung bei der Querung im Kar unterhalb des Rosskogels über gut 300 m unter 30° zurückweicht. Der Schlußhang mit etwa 150 Hm Aufstieg bewegt sich dann etwas über 30°, mit kurzen Stellen von 35%. Auch der Ostgrat unterhalb dessen die Querung erfolgt wartet oben mit Geländeneigungen von mehr als 40° auf. Dies gilt es bei der Wahl des Aufstiegsgeländes zu berücksichtigen.

Querung in das Kar unterhalb des Gipfels des Rosskogels

Der Schlußhang wartet nochmals mit einer steileren Neigung auf und wird deshalb westseitig unter dem geodätischen Gipfel des Roßkogels (das Gipfelkreuz steht nicht an der höchsten Stelle) umgangen. Meist ist der Schlußhang auch aper, oder nicht ausreichend mit Schnee bedeckt und man muß bei der Abfahrt durch dunkle Partien hindurch zirkeln.

unmittelbarer Gipfelanstieg von Westen; mächtige Wechten kennzeichnen den Anstieg

Alleine auf dem Roßkogel, das würde man im Sommer nicht vermuten. Aber er ist auch ein sehr beliebter Schitourenberg und vor uns, sowie nach uns befanden sich einige Gruppen in unserer Nähe. Am Gipfel waren wir aber eine Weile alleine.

Herwig bereits am Gipfel

Die Szenerie an diesem Tag war geprägt von Wind, der lose Schneekristalle vor der Linse aufwirbelte, daher die glitzernden Bilder, die beim Autor stets ohne irgendwelche abzulehnende Instagrameffekte zustande kommen.

am Rosskogel, 2.647 m

In Richtung Süden geblickt fällt immer wieder der mächtige Lüsener Ferner und wer ihn kennt, rechts davon, der Hohe Seeblaskogel ins Auge, aber dort gibt es auch viele schöne auf diesem Blog beschriebene Schitouren und die am nächsten gelegene wäre in nur 5,5 km Entfernung talgegenüber jene auf das Fotscher Windegg. An diesem wolkenlosen Tag beeindruckten auch die Ketten im Norden, von den Miemingern über Wetterstein bis zum Karwendel und im Südosten die Kalkkögel.

bärige Landschaft im Südosten; von Habicht bis zum Hohen Seeblaskogel

Die Abfahrt über den sehr langen Hang kann vom Rosskogel aus bis hinab zum Almweg eingesehen werden. Knapp 800 m Lockerschnee mit teilweisen, wenig beleuchteten Partien im unteren Teil mit Pulver über die Kuppe Hirscheben hinab bis zu den Almgebäuden am Sonnberg, bzw. kurz davor auf den Weg östlich davon.

Überblick über den phantastisch langen Kamm vom Sellrain

Das kupierte Gelände ohne Hindernisse läßt jegliche individuelle Linie zu, die wir im unteren Teil eher östlich wählten, um den Weg vor dem Alblstal zu erwischen.

Bei der Abfahrt erblickten wir weitere Gruppen, die den Aufstieg vom Kögele unternahmen.

die Unterquerung des Grataufschwungs von unten gesehen

Noch am ostseitigen Hang konnten wir den Almweg einsehen, für dessen Bewältigung nochmaliges Auffellen vonnöten war. Das war eingeplant und auch ein schönes Erlebnis in der unberührten Natur.

leiten uns hinab auf den Almweg

Bis zu den beiden Hütten die direkt am Weg errichtet wurden war der Weg mit schwerem Gerät geräumt worden und beraubte uns des Abfahrtserlebnisses am Weg, der nur von ein paar Tourengehern vor uns benutzt wurden, die am Sommerweg auf das Riffelkreuz aufstiegen.

 

ansteigender Teil des Almwegs etwa 60 Hm auf 800 m

An der ersten Kehre war unsere Abfahrt zunächst vorbei. Dort hatten wir geplant auf einem Steig zurück zum Kamm nach Meils zu fahren. Leider erwies sich diese Variante wesentlich mühsamer als sie auf der Karte aussah. Ein ständiges Auf und Ab über dicht bewachsene, schlecht beschneite Flächen, deren Verlauf nicht immer eindeutig war. So mühten wir uns einigermaßen ab ein Ende zu finden und aus dem Wald herauszukommen.

bereits wieder auf dem fallenden Weg

Nach einer knappen halben Stunde gelang uns das auch, etwas nass von kleinen Bäumen die so eng passiert werden mußten, daß Berührungen unvermeidlich waren. Froh, dem Wald entkommen zu sein, fellten wir auf einer Freifläche auf und mußten noch einige Minuten horizontal dahinwandern, bis sich am unteren Ende der Forstfläche der dazugehörige Forstweg auftat, zu dem wir abfuhren und gleich darauf eine Kehre der Aufstiegsroute erreichten, die wir durch die Waldlichtung erreichten.

etwas misstrauisch sind wir zunächst

An der Kehre folgten wir nochmals einer Schneise und erreichten die Freifläche Passwies, sowie den Weg zu den Wiesen oberhalb Tauegerts.

rein in das enge Abenteuer

Nachträglich auf der Karte betrachtet, hätte die einfachere Variante so ausgesehen, daß wir auf dem geräumten Weg weiter den Sonnberg abfahren hätten sollen, um dann in St. Quirin möglichst flach nach Tauegert queren zu können.

abgemüht und nass wieder heraus

Abenteuer wie die oben beschriebenen dienen aber auch der Erfahrung und der besseren Einschätzung über Karteninterpretation und Machbarkeit. Es ist gut sie zu erleben.

einige Minuten entlang einer Forstfläche bevor die Abfahrt zum Weg möglich wird

Die schöne Runde an dem perfekten Tag vollzog sich auf knapp 14 km mit einer Höhendistanz von 1.600 Hm. Wir haben gesamt mit Pausen knapp 7 Stunden benötigt.

Mils, 13.02.2021

Schitour Fotscher Windegg, 2.577m

Bereits eine der längeren Schitouren beginnt im Fotschertal an der Eisbrücke auf 1.100m und führt über 1.477Hm auf das 2.577m hohe Fotscher Windegg. Diese Tour ist gekennzeichnet von nicht zu steilen Hängen (< 30°) und daher eine mögliche Wahl bei entsprechender Lawinensituation, wobei natürlich entsprechende Kenntnis selbiger nötig ist und immer auf alle Anzeichen von Lawinengefahr geachtet werden muß, vor allem bei der Abfahrt.

der Autor am Fotscher Windegg nach dem Gipfelschnaps in Silvesterlaune

Zunächst startet die schöne Tour, die einen hohen Anteil an Abfahrten auf Wegen aufweist, am Rodelweg zum Gasthaus Bergheim. Die Strecke dorthin ist lang und zieht sich über 3,3km und 350Hm bis zur Abzweigung unter dem Gasthaus.

kurz nach der Abzweigung unterhalb Gasthaus Bergheim

Dort geht es rechts weiter und zwar nicht auf dem Forstweg, sondern über einen als Schiroute markierten Weg weiter ins Fotschertal hinein, bis eine weitere Markierung die Schiroute rechts in den Wald hinein führt.

unterhalb der Almindalm auf ca. 1.500m

Weiter geht es nach der Akademikerhütte wieder auf den Forstweg zur Almindalm und weiter bis zum höchsten Punkt des weiter hinauf (nordwärts) führenden Forstweges. Kurz vor der Almindalm befindet sich die Bergrettungshütte Fotsch. Hier zweigt auch die Tour auf den Roten Kogel ab.

Almindalm

Der Aufstieg taucht spätestens unterhalb der Almindalm in die Sonne ein, verläßt man den Parkplatz Eisbrücke gegen 8:30 Uhr im endenden Dezember. Daher eignet sich dieser Aufstieg auch gut im kalten Hochwinter.

am Weg nordwärts zum Scheitelpunkt des Almweges

Am höchsten Punkt des Forstweges zweigt links, bergwärts (westlich) die Schitour auf das Fotscher Windegg über die Hänge der Axamer Kälberalm ab.

Abzweigung am höchsten Punkt des Weges

Der Schnee ist bis dort hinauf und noch etwas weiter bis auf ca. 2.000m von einer spürbaren dünnen gefrorenen Schicht an Regenniederschlag der vergangenen Nacht überzogen. In den Hängen darüber fehlt diese Schicht, dort herrschte Schneefall des Nächtens.

und nach wenigen Minuten bewuchsfreies Almgelände der Axamer Kälberalm

Zunächst führt die Tour durch rasch lichter werdenden Wald bevor sie nach kaum 10min in offenes Almgelände mit kaum bis keinem Baumbewuchs übergeht. Die Route zieht sich hangneigungsschonend hinauf und kreuzt dabei in einem langen Rechtsbogen den Ostrücken des Gipfelaufbaues des Fotscher Windegg auf seine Nordseite.

das Gelände flach genug für sichere Verhältnisse

Dort zieht aus dem Almgelände der Seigesalm (Seigesgrube in der AV-Karte) ein kleiner Rücken herauf, der erreicht wird und an dessen Ende sich der Tourverlauf über eine lange Strecke nach Osten wendet und an der Nordflanke des Fotscher Windegg mit mäßiger Steigung Richtung Sattel zwischen dem wesentlich niedrigeren Gamskogel im Norden und dem mächtigeren Fotscher Windegg hinaufzieht.

die Seigesgrube in voller Ausdehnung

Am Ende der Querung erfolgt der weitere Aufstieg in einer breiten karartig ausgebildeten Muldung zum Verbindungsrücken Fotscher Windegg und Gamskogel.

knapp unterhalb des Rückens noch unterhalb des Sattels

Steht man am Gratrücken erblickt man das Ziel der Begierde in kurzer Entfernung von etwa 550m, allerdings mit einem Höhenunterschied von immer noch gut 100m.
Am breiten Rücken werden einige apere (abgeblasene) Stellen umgangen bevor das Schidepot in einer Mulde mit Gegenhang erreicht wird.

Aufstieg vom Schidepot auf das Fotscher Windegg

Der Gipfelanstieg war heute komplett abgeblasen und wahrscheinlich ist dies öfters der Fall, als daß der Aufstieg mit Schi bis zum Gipfel möglich ist.

Gipfel Fotscher Windegg

Also entledigt man sich der Schi im etwas windgeschützen Schidepot und macht sich auf die letzten ca. 50Hm zum Gipfel des Fotscher Windegg zu Fuß zurückzulegen.

Stefan und Clemens am Fotscher Windegg

Den Gipfel ziert ein Stahlkreuz ausgerichtet nach Nordost über die Seigesalm.

nach Osten gen die grandiosen Kalkkögel

Ein kurzer Gipfelaufenthalt wurde für einen grandiosen Rundblick von den schroffen Kalkkögeln im Südosten über die Giganten der Stubaier im Süden bis Westen und im Nordosten das gesamte Karwendel genutzt.

Blick Richtung Südwesten – Lisenser Fernerkogel und rechts Hoher Seeblaskogel

Das prächtige Wetter ermöglichte eine tolle Fernsicht.

Ausgang Sellrain mit dem gesamten Karwendel im Hintergrund

Zur Abfahrt wählten wir die schönen Hänge in die Seigesgrube und weiter rechts von der gleichnamigen Alm zur Sattelalm. Dies erschien uns schöner als die Abfahrt entlang der Aufstiegsrichtung.

Stefan während der Abfahrt

Beiden Abfahrten ist allerdings gemein, daß sie einen recht hohen Anteil an Alm/Forstweg dabei haben und die schönen Hänge nur einen Teil der Abfahrt bis zum Weg in das Fotschertal ausmachen. Insgesamt, rechnet man den Weg ins Fotschertal mit, beträgt der Anteil an Wegabfahrt gut die Hälfte der 1.477m Aufstieg bzw. Abfahrt.

Rückblick zum Fotscher Windegg von der Seigesalm

Allerdings ist die Strecke von der Eisbrücke bis zur Seigesalm mit 770Hm und knapp 7km in ihrem derzeitigen Zustand eine perfekte Rodelbahn.

die schlafende Sattelalm

Während der Abfahrt haben wir auch einige Tourengeher gesehen, die den Aufstieg von der Rodelbahn aus schon  vor der Verzweigung Gasthaus Bergheim begangen haben.

ein letzter Rückblick vor der langen Abfahrt am Almweg

Hierzu kommt die Wegabzweigung zur Sattelalm bei der Luderskaserlalm rechts (unsere Abfahrt, wie oben beschrieben) in Frage. Die Wegstrecke bis zum Fotscher Windegg ist über diesen Aufstieg aber deutlich länger.

Schitour Fotscher Windegg

Stefan, Clemens und ich haben für die Tour gesamt 5 1/4 Stunden benötigt, wobei der Aufstieg mit 4:10 Stunden bewältigt und am Gipfel 15min Pause eingelegt wurden. Diese Tour ist es wert begangen zu werden, auch wenn sie recht frequentiert ist.

Mils, 31.12.2017