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Brandberger Kolm, 2.700 m

Eine hoch aufragende Kalksteinbastion könnte man den Brandberger Kolm nennen, dessen mächtiger Gipfelaufbau vollständig aus jurassischem Kalk der Hochstegen-Zone besteht und daher ähnlich aussieht wie beispielsweise das Gestein im entfernten Karwendel, allerdings wesentlich plattiger. Gegenüber den umgebenden kristallinen Gesteinen der Ahorndecke im Süden und den gemischten Gesteinen der Wolfendorndecke im Norden wirkt der Brandberger Kolm mit seinem mächtigen Gipfelaufbau bereits schon bei der Einfahrt ins Zillertal, von wo er zusammen mit der um 276 m höheren Ahornspitze den vermeintlichen Talschluß beherrscht.

Brandberger Kolm, 2.700 m

Er ist leicht zu besteigen, sowohl von Brandberg aus als auch von Gmünd aus kann er als Trainingstour auf markierten Steigen bis zum Gipfel bestiegen werden, welches auch unsere Absicht an einem wetterbegingt eher zweifelhaften Tag war. Von Brandberg aus machten wir uns auf den Weg.

Morgenstimmung mit Brandberger Kolm

Der Aufstieg von dort wird mit 1.608 m angegeben, wo hingegen der alternative Aufstieg vom Parkplatz zur Kühlen Rast vor Gmünd auf der Gerlosstraße mit 1.640 m angegeben wird, allerdings mit 140 Hm Abstieg vom Joch, die beim Rückweg wieder aufgestiegen werden müssen. Die Streckenlänge beträgt von Brandberg knapp 7 km und vom Parkplatz zur Kühlen Rast 8,5 km. Somit war unser Startpunkt mit Brandberg gleich ausgewählt, allerdings bildet die alternative Route den Ausgangspunkt für eine Gratüberschreitung, deren Erkundung den Zweck der Trainingstour darstellte.

Beginn des Steigs auf das Kolmhaus und dem Brandberger Kolm

Zunächst muß der Parkplatz am Gemeindeamt gefunden werden, der etwas höher als die Straße liegt und nicht eingesehen werden kann. Sobald man am öffentlichen WC vorbeigefahren ist, hat man das Ziel schon verfehlt und sollte 20 m zurückfahren, um sich nicht im Gässchengewirr von Privatleuten zu befinden. Auf der vorher nicht registrierten Kuppe am Gemeindeamt erblickt man dann erfreut einen großen Parkplatz. Zum Jubel all jener, die mit ein paar Euro Parkgebühr für eine Tagestour ihre Schwierigkeiten haben, sei erfreuend bemerkt, daß dieser Parkplatz gratis zu benutzen ist.

Rückblick oberhalb der Wiesen am Hoangatbichl Richtung Westen unterwegs; im Hintergrund der mächtige Tristner

Der Aufstieg von Brandberg auf das Kolmhaus ist vor allem am Beginn durch das in der Höhe verstreute Dorf ein sehr malerischer. Über Bergwiesen und durch Privatgehöfte hindurch führt der öffentliche Steig mit durchgehend ziemlicher Steigung bis in den Waldbereich oberhalb der höchsten Bauernhöfe „Frodls“ zur „Fürleite“, dem letzten Stall vor dem Wald. Vor allem am Nachmittag, wenn die Sonne aus dem richtigen Winkel den Südosthang direkt ausleuchtet, bestehen dort bärige Fotomotive.

kurzer Abschnitt auf der Straße nach Frodls

Wenn eine ziemlich touristisch ausgelegte Tourenbeschreibung die körperlichen Voraussetzungen für die Besteigung des Brandberger Kolms mit „trittsicher und schwindelfrei“ als unerlässlich beschreibt, dann meint diese wohl den ersten Anstieg über die steile Bergwiese, dem „Hoangatbichl“ mit dem kaum ausgeprägten Steig ab dem Gasthaus Thanner, denn im Gipfelbereich erschienen uns diese nicht notwendig. Wer auf der Wiese oberhalb des Parkplatzes rutscht, fällt über die Mauer auf die Straße hinab. Dies eher ironisch zu verstehen.

gegenüber die imposanten Gipfel der Ahornspitze und des Grundschartners

Nach dem Hoangatbichl, in dem sich der Steig ab und zu verliert, die Richtung jedoch klar ist und über ihn daher richtig aufgestiegen werden kann (beim Hochbehälter direkt gerade hinauf), gelangt man auf einen breiten Wiesenweg, der etwa 250 m bis zu einer kurzen Waldschneise führt, die durchschritten wird.

bereits hinter dem Kolmhaus; Ahornspitze und Grundschartner bereits von Nebel umspielt

Anschließend steigt der Weg unter Beibehaltung der Richtung unterhalb des Gehöfts  „Pfister“ durch dasselbe hindurch auf die Ansiedlung Ahornach sowie auf die asphaltierte Straße. Auf der Straße gelangten wir über eine Geländerippe zum Gehöft „Frodls“, dem letzten und höchstgelegenen außerhalb des Dorfkerns von Brandberg. Die Hänge dort sind mit 25 bis 30° recht steil und den Bauern ist für die sichtbare Pflege der Wiesen Respekt zu zollen. Als wir um 8 Uhr hinter Frodls den letzten Anstieg am Weg zur Fürleite benutzten, konnten wir den Bauern mit der Sense im steilen Hang unterhalb des Weges bei der Arbeit beobachten.

das Brandberger Kar, beeindruckendes ehemaliges Gletschertal zum Brandbergjoch mit Brandberger Kolm rechts aufragend

Sogar nach dem Waldstück nach der Flur Fürleite befindet sich noch der Bergwiesenhang „Lochertal“ mit einem fast versteckten Stadl für die Ernte von diesem Hang. Diese Wiese wurde bei unserer Begehung nicht bewirtschaftet, zumindest nicht bis Juli in dem wir unterwegs waren. Die Mühen auf dem steilen Schotterweg Heu einzubringen, sind sicher überdurchschnittlich. Genau an dieser Bergwiese endet der steile Fahrweg und beginnt der Steig auf das Kolmhaus. Aufgrund des Regens am Vortag waren wir rasch recht nass aufgrund des hohen Grases und selbst die Bergschuhe hielten dem Regenwasser von den Gräsern und Sträuchern nicht vollständig stand. Bei einer Trinkpause auf den Mähdern konnten wir den schönen Ahornkamm bewundern. Die Namensgeberin, die Ahornspitze (2.970 m) ist der letzte Gipfel in fallender Richtung nach Mayrhofen, dann folgt nach Süden der Grundschartner (3.065 m), die beide von dort aus zu sehen sind. Die höchste Erhebung liegt genau im Schnittpunkt mit dem Zillertaler Hauptkamm, die Wollbachspitze mit 3.209 m.

Torhelm links und Seespitze mittig am Brandberger Joch; im Vordergrund die auf dem Lawinenreport des Landes Tirol abrufbare Wetterstation

Weiter führt der Steig gleich nach dem breiten Weg auf den Mähdern wieder in ein kurzes Waldstück. Die Straße wird dreimal gekreuzt, bei der vorletzten Kreuzung über ein kurzes Stück benutzt, bevor der Steig nach einer neuerlichen Waldpassage in Latschengelände eintaucht. Dort führt der nun baumlose Weg westlich an das Kolmhaus heran, das wir leider tatsächlich unbewirtschaftet vorfanden (am Wegweiser in Brandberg beim Gh. Thanner bereits bezeichnet). Wie wir später von Brandbergern erfahren haben, erlitt das Kolmhaus einen Wasserschaden, weshalb auch die halbe Einrichtung auf die Terrasse verfrachtet wurde.

Rückblick aus dem Brandberger Kar hinter dem Kolmhaus; eine extensiv genutze Fläche mit gutem Artenreichtum an Alpenblumen und Schmetterlingen

Lange konnten wir uns ohnehin nicht aufhalten, denn die Ahornspitze und der Grundschartner befanden sich bereits in Nebel, was auf eine Abkühlung und Wetterverschlechterung hindeutete. Also marschierten wir in die schöne Hochfläche hinter dem Haus auf den Talschluß zu, an dem der Steig steil in Richtung Brandberger Joch aufsteigt. Die Wetterstation hinter dem Kolmhaus ist eine gute Informationsquelle für Tourenplanungen auf den Torhelm und auf das nette Seespitzl, das wir vor einigen Wintern besuchten. Es ist dies das spitzige Horn mittig am Brandberger Joch oberhalb eines kleinen Sees, der mit knapp 30 m Ausdehnung etwas südwestlich unterhalb der Seespitze am Brandberger Joch liegt.

Rückblick auf das Brandberger Kar hinter dem Kolmhaus von weiter oben

Bärig sieht der Brandberger Kolm von der Almfläche hinter dem Kolmhaus aus. Ein schmaler Zahn, der sich mit steilen Flanken zu einem kofelartigen Gipfel auftürmt. Je näher wir auf der Almfläche kamen, desto eindrucksvoller türmte sich der Kolm vor uns auf. Die Almfläche zieht sich lange ohne nennenswerte zum Talschluß dahin, unter üppiger Vegetation fast 900 m bis zum Bach von dem Hängen des Torhelms herab. Überhaupt ist die Fläche ein Blumenparadies.

der mächtige Zahn des Brandberger Kolms kommt immer näher

Wir benutzten aufgrund des starken Grasbewuchses die Umgehung der Steilstelle, die auf einem kurzen Stück unterhalb der Plattenkalkfelsen des Kleinen Kolm vorbeiführt. Steinschlag war nicht zu befürchten, Wind gab es nicht und Gämsen auch nicht.

Abzweigung der Steige zum Brandberger Joch und zum Kolm

Oberhalb der Umgehung büßt der Brandberger Kolm etwas an Gewaltigkeit ein, da die auslaufende Südflanke sichtbar wird. Bereits weit vor dem Brandberger Joch zweigt der Steig zum Kolm ab. Vor dort wären es noch 140 Hm zum Joch, die bei der Variante vom Parkplatz zur Kühlen Rast abgestiegen werden müssen.

über gestufte Felsbänke mit breiten Bändern dazwischen zieht der Steig bergwärts

Über abgestuftes Gelände betraten wir den Steig in das Kar, das der Kleine Kolm und der westwärts verlaufende Kamm vom Kolm ausbilden. Der Steig verläuft dort an der steilen Bergflanke, um oberhalb des Schuttes Höhe zu den Felsen zu gewinnen, die im Kar gegenüber über den Felsansatz zum Kamm führen. In dieser Kammflanke führt der Steig auf die Kammhöhe, die mit einer großen Steinschlichtung den Beginn des Aufstiegs am Kamm anzeigt.

im Kar zwischen Brandberger Kolm und Kleinem Kolm; der Steig wurde in steiler Querung des Westhangs des Kolm angelegt, um Höhe unterhalb der Felsen auf der gegenüberliegenden Rippe zu gewinnen

Blickt man in den stark bewachsenen Karboden hinab, so fallen mehrere gewundene, talwärts streichende Rinnen auf, die zunächst im Kalk als Karsterscheinungen, im entferntesten als Dolinen eingestuft werden könnten. Tatsächlich aber blickt man hier auf einen fossilen Blockgletscher hinab, der vor mehr als 12.000 Jahren seinen Fluß beendet hat[1].

Blick zum Kleinen Kolm und dem fossilen Blockgletscher am unteren Endes des Kars; die Gletscherflußrichtung deutlich zu erkennen

Unterwegs konnten wir am Grat zum Kleinen Kolm hinab auf den Kopf des Wächters des Brandberger Kolms erspähen, er hat dort den Weg vom Zillergrund herauf beobachtet, nicht aber zu uns herübergeschaut und wir drängten uns auch nicht auf ihn zu rufen.

gegenüber am Grat der schwarze Wächter des Brandberger Kolms

So bizarr die Felsen am Anstieg zum Kamm gen Himmel auslaufen, so zahm wird die Kammhöhe nach ihrer Ersteigung zur Steinschlichtung. Nahezu der gesamte Weg zum Gipfel kann von dort eingesehen werden, wenn auch nicht der Steigverlauf.

die Route zum Brandberger Kolm kann von der Rippe fast zur Gänze eingesehen werden

Der breite Kammrücken bildet den Aufstieg in Richtung Gipfelaufbau. Er geht nach einer gewissen Strecke in diesen über und somit nähert man sich der Südostflanke des Brandberger Kolms, die gegen den Gipfelhochpunkt mächtig aufsteilt und einen imposanten, ungewissen Blick von unten bietet, wobei der Aufstieg durch die Felsen jedoch recht einfach zu bewältigen ist.

Rückblick auf das Kar mit dem ehemaligen Blockgletscher

Das Gestein wird dort innerhalb eines horizontalen Zuges durch den Gipfelaufbau auffällig ockerfarben bis braun und bereits weiter unten auf der Kammschulter wurden Bruchstücke davon gesichtet.

im Anstieg zum Gipfelaufbau leider keine gute Fernsicht auf den Zillertaler Hauptkamm;

Dieses Gestein stellt keinen Kalkmarmor mehr dar, sondern sandige Kalkphyllite, gebildet aus oxidreichen Sedimenten. Innerhalb dieser Zone, gemischt mit dem grauen Kalkmarmor, wird der Durchstieg zum Gipfelbereich über komfortable Bänke, verbunden durch Bänder, erreicht.

die ockerfarben bis braune Störzone von Kalkphyllit im obersten Gipfelbereich des Brandberger Kolms; die Geißen mustern uns schon neugierig, stoben aber weit vor unserer Ankunft davon

Unsere Ankunft am Gipfel des Brandberger Kolms fiel genau mit der herannahenden Regenfront zusammen und bescherte uns lediglich einige hastige Blicke und Fotos in alle Richtungen. Nebel hatte die meisten Gipfel in und über unserer Höhe bereits eingehüllt, sodaß wir froh waren, daß es uns dank des weithin freistehenden Gipfels nicht erwischt hat.

im obersten Teil der Wiesenhänge unterhalb der Felsregion des Gipfelaufbaus des Brandberger Kolms; etwa links hinter der Geiß liegt der Durchstieg auf das Gipfelplateau

Nach kaum 10 min suchten wir Schutz in den überhängenden Wänden der Kalkphyllite am Aufstieg unterhalb des Durchstiegs. Den selben Gedanken hatten die Geißen, die sich dort zur Sommerfrische tummeln auch und etwas missmutig nahmen wir auf den wenigen Quadratdezimeter, die nicht durch Ziegenlosung markiert war, Platz.

Brandberger Kolm, 2.700 m

Der Regen war von kurzer Dauer, was uns bereits nach 10 min aus der Zwangshaltung zwischen der Höhe der kleinen Gufl und nicht verunreinigtem Fels wohltuend befreite. Wir nahmen den Wiederaufstieg über etwa 20 Hm zum Gipfelplateau.

Blick auf den hinteren Zillergrund; Gipfelbezeichnungen siehe ein paar Bilder vorher

Durch den Regen klarte die Sicht auf den zu erkundenden Grat zur Hochsteinflache mehr und mehr auf und bescherte uns passable Sicht auf den Gratübergang. Dieser sollte eine bärige Herbsttour darstellen und damit der Höhepunkt einer Rundtour aus und in das Schwarzachtal.

leider keine freie Sicht auf Grundschartner und Ahornspitze gegenüber

Zwischen den Wolken- und Nebelbewegungen konnten wir im Südosten und in den Süden auf die großen Gipfel der Reichenspitze und des Zillertaler Hauptkamms blicken. Mit der fast 3.500 m hohen Rötspitze in 24 km Entfernung beginnt der Reigen.

Regen rückt von Westen heran; es bleiben ein paar Minuten für eine Gipfelrundschau

Sie war nur teilweise sichtbar, der Gipfelbereich eingehüllt von Nebel. Im Vordergrund die Magner und der Rauchkofel wieder eingehüllt in Nebel. Im Süden gegenüber der Trenkner aufgrund seiner Höhe von 2.666 m gut sichtbar. Rechts dahinter die Ahornspitze eingehüllt in Nebel.

die Tuxer im Hintergrund, Andi verdeckt den Gipfel des niedrigeren Hochfelds, rechts davon der Gerlosstein und wieder rechts der Torhelm mit dem Zillertal dahinter

Im Südwesten der markante Tristner mit 2.767 m gut sichtbar und der Tuxer Kamm weiter gegen Westen leider völlig im Nebel und Wolken verborgen.

südwestliche Kitzbüheler Alpen mit den Gipfeln um das Alpbachtal und den Märzengrund

Die Tuxer Alpen befanden sich zwar nicht in Dunst verhangen, jedoch kann man auf den Bildern kaum Gipfel erkennen, lediglich der Marchkopf in der Region Hochfügen stach heraus. Im Norden erkannten wir den Großen Galtenberg, den Katzenkopf, das Kreuzjoch und den Torhelm in den südwestlichen Kitzbüheler Alpen.

die Gerlos und die angrenzenden Berge im Pinzgau

Gegen Osten, in den der Kalkzug der Hochstegenzone fortsetzt, waren der Schönwieskopf und die Wechselspitze, die ebenfalls den geologischen Aufbau hat, wie der Brandberger Kolm zu sehen.

eindrucksvolle scharfe Grate zum Schwarzachtal und Wimmertal

Der Kleine Kolm und das Hochfeld breiteten sich im Westen vor dem Brandberger Kolm aus. Vom Hochfeld zum Gerlosstein herrscht mit der Wolfendorndecke eine völlig andere geologische Einheit vor als am Kleinen Kolm, der mit seinem großen Bruder einen Keil zwischen Wolfendorndecke und Ahornkern darstellt. Ein imposanter Tiefblick besteht zum Kolmhaus, das sich am Ende des Brandberger Kars zwischen Kleinem Kolm und dem Torhelm 850 m tiefer befindet.

um den Blick hinab auf Brandberg zu gewinnen, muß man vom Gipfelkreuz etwa 50 m nach vorne absteigen; der Blick lohnt sich

In der Ferne über dem Torhelm zieht das immer breiter werdende Zillertal gegen das Inntal, in dem während unseres Aufenthaltes ein kräftiges Gewitter niederging, sodaß vom nördlich angrenzenden Rofangebirge nichts zu sehen war.

Kleiner Kolm und Kolmhaus 850 m tiefer

Auf der Ostseite des Gipfelplateaus ziert den Brandberger Kolm ein kleines Gipfelkreuz aus Edelstahl. Von dort aus konnten wir nach Abzug des Regens noch gute Blicke auf den Kamm zur Hochsteinflache gewinnen.

Andi unterwegs zum westlichen gelegenen Edelstahl-Gipfelkreuz

Ebenso öffnete sich der Nebel über dem Süden auf den Zillertaler Hauptkamm, wodurch die Rötspitze, der Rauchkofel und die Lengspitze frei wurden und die Gipfel sichtbar wurden. Der Schneebige Nock in der Rieserfernergruppe in 31 km Entfernung konnte als weitest entfernter Gipfel eingesehen werden.

am Ende des Zillerkamms die Hochsteinflache mit 2.769 m etwas höher als der Brandberger Kolm, rechts im Bild hinten

Im Tal gegenüber beeindruckte uns die Bodenalm und gab Rätsel auf, wie eine Alm dieser Größe in einem steil zu erreichenden Hochtal ohne Fahrweg hat entstehen können. Da wurde dort gelebt und mit Handwerkzeug gearbeitet, bis die Gebäude fertig waren – unvorstellbar heute.

idyllische Bodenalm gegenüber im Bodengrund

Schließlich erwarteten wir es doch, bis kurz vor dem beschlossenen Abstieg der Blick auf das wohl schönste Ziel im Zillergrund, der Reichenspitzgruppe frei wurde. Da standen sie nun mit der Zillerkopf im Vordergrund beginnend anschließend der Schneekarspitze links davon, der Wildgerlosspitze knapp oberhalb der letzten und schließlich der Namensgeberin, der Reichenspitze (3.303 m) leicht verhüllt sowie rechts dem Kuchelmooskopf.

endlich der Blick auf die Reichenspitzgruppe mit Zillerkopf, Schneekarspitze links, Wildgerlosspitze und Reichenspitze

Rechts neben dem Kuchelmooskopf war auch die rundliche Richterspitze zu sehen. Der Anblick der schönen Gruppe an Dreitausender zauberte ein Lächeln in unsere Gesichter und wir konnten beruhigt den Abstieg antreten.

bäriger Blick hinab auf Brandberg

Über die Kammschulter hinab fiel uns ein sogenanntes Nackentälchen[2] auf, üblicherweise ein Zeichen von Hangrutschung oder Bergzerreißung. In diesem Fall ergab die Recherche, daß es sich um den Rand des Ahornkerns handelt, der in dieser Höhe mit Kristallingestein (Augengneis, Flasergneis[3]) zutage tritt.

im Hang das Nackentälchen, das den Übergang vom Kristallin des Ahornkerns auf den Kalk der Hochstegenzone des Brandberger Kolms bildet

Dort also treffen völlig verschiedene Gesteine aus völlig verschiedenen Epochen der Erdgeschichte aufeinander, die zumindest 100 Mio Jahre voneinander getrennt gebildet wurden und man kann dieses Schauspiel eindeutig nachvollziehen.

Schichtenaufbau eines Kalkmarmorblocks

Im Bereich des Hirtenunterstandes am Kamm vom Kleinen Kolm zum Brandenberger fiel ein Kalkmarmorblock durch seine geometrisch fast parallelen Sedimentationsschichten auf. Wie ein Blätterteig ziehen sich die einzelnen Epochen mit deutlichen Kluftflächen durch den Block. Hierbei muß alle paar Dutzend Tausend Jahre ein Ereignis stattgefunden haben, das verhindert hat, daß sich die Sedimentation durchgehend fortsetzt.

Almrosen gegen den Gipfel des Hochfelds

Über das schöne Gelände hinab zum Beginn des gletschergeformten Brandberger Kars hinaus zum ehemaligen Hauptgletscherstrom von links aus dem Zillergründl heraus blühte es an jeder Kante und in jeder Mulde. Blickt man über das Tal hinaus, so erscheint die typische Form des Gletschertals und das Kolmhaus würde vor 20.000 Jahren gut 200 m tief im Gletschereis gestanden haben.

freiwerdende Sicht vom Kolmhaus auf die Gipfel im Tuxerkamm; Schrammacher, Olperer, Gefrorene Wand-Spitzen und Hoher Riffler sowie Grinbergspitzen; link der Tristner

Fast zurück am Kolmhaus öffnete sich uns zum Schluß noch die Sicht auf den Tuxer Kamm und gab den rechts neben dem nahen Tristner den beeindruckenden Blick auf den sehr spitz zulaufenden Schrammacher in 29 km Entfernung frei sowie jenen auf den gleich rechts davon aufragenden Olperer, die etwas niedrigerer Gefrorene-Wand-Spitze, den Hohen Riffler und schließlich die Real-, die Nest- und die Grinbergspitze.

von den obersten Stadln auf Brandberg geschaut

Über den Steig nach Brandberg hinab gab es jede Menge schöne Szenen auf den üppig sprießenden Wiesen und den schroffen Spitzen und Graten weit darüber.

Frodls mit Kleinem sowie Brandberger Kolm

Die Höfe im Dorfbereich mußten abschließend als Fotomotiv dienen, hinter welchen sich weit härtere Entwicklungsgeschichten und Entbehrungen verbergen, als die aufsteigende Romantik bei deren Betrachtung im ersten verträumten Eindruck zu ermessen vermag.

a jungs Madl

Für diese phantastische einfache Bergtour hatten wir eine Gesamtzeit von 7:15 Stunden benötigt. An Pausen dürften etwa 60 min zusammengekommen sein, 45 min davon am Gipfel des Brandberger Kolms.

letzter Rückblick auf die obersten Gebäude in Brandberg mit dem Kolm dahinter

Die Steigarbeit beträgt 1.610 m und die Streckenläge knapp 7 km bis zum Gipfel. Man kann auch auf der Variante von der Kühlen Rast im Gerlostal aus aufsteigen, siehe Beginn dieses Berichtes. Auf dieser Strecke kann die mächtige Nordwand des Kolms betrachtet werden.

Mils, 18.07.2026

[1] Thomas Hornung, Westlicher Tuxer Kamm, südliche Tuxer Alpen und Brandberger Kolm. Weiche Schale, harter Kern. (Geologie der Zillertaler und Tuxer Alpen, zweiter Band). München 2023, S. 60.
[2] Hornung, Westlicher Tuxer Kamm, südliche Tuxer Alpen und Brandberger Kolm (wie Anm. 1), S. 62.
[3] Geologische Bundesanstalt, GeoFAST 1:50 000. Blatt 150 Mayrhofen. Wien 2014, Stand: 2005. Ausgabe: 2014/06.