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Figln Rosenjoch, 2.796 m

Ein Sondererlebnis an erblühender Natur über den Talboden hinauf einerseits und dem noch winterlichem Kleid der Hochkare im späten Frühjahr andererseits bietet das Figlerlebnis am Rosenjoch in den Tuxer Alpen. Der traumhaft archaische Steig von Schwarzbrunn zur Gwannschafalm stellt das Highlight im schneefreien Teil des Aufstiegs dar. Dort blühen die ersten Alpenrosen am sonnigen Westhang frühmorgens besonders eindrucksvoll.

Rosenjoch, 2.796m

Die Anreise zum Ausgangspunkt, der Gwannschafalm, kann auf mehrere Arten erfolgen und  nach jedermanns Geschmack gewählt werden. Da wäre zunächst die lange Variante entweder mit dem Radl auf der Schotterstraße bis zum Klausboden und von dort ohne Radl talauswärts wieder zur Gwannschafalm querend, oder zu Fuß (sinnvollerweise bei dieser Variante jedoch nicht bis zum Klausboden sondern bis Schwarzbrunn und von dort auf interessantem Steige zur Gwannschafalm), oder die um etwa 3,3 km kürzere Variante ab dem Parkplatz Nößlach bis Schwarzbrunn. Für letztere muß man für das Fahrzeug am Automat beim letzten Bauernhof am Großvolderberg ein Tagesticket zum Parken lösen (4.-/2020).

Blick von Schwarzbrunn auf den Steig zur Gwannschafalm

Der Aufstieg von Schwarzbrunn ist in jedem Fall reizvoller als die Route über den Klausboden, da es auf diesem Steig einiges zu entdecken gibt. Wie beschrieben vor allem die Flora, die zu dieser Jahreszeit erwacht, aber auch die mächtigen Abbrüche der typisch tuxerschen Geologie, unter denen sich der schmale Steig dahinzieht, und nicht zuletzt die tollen roten Grünalgen auf den Felsblöcken am landschaftlich beeindruckenden Platz von Schwarzbrunn, die man in einem der vielen interessanten Berichte auf voldertal.at beschrieben findet.

Jagdhütte Schwarzbrunn

Hat man also die Anreise von wo auch immer bis zur Abzweigung „Schwarzbrunn“ von der Schotterstraße nach Steinkasern erreicht, beginnt das Abenteuer der Figltour auf das Rosenjoch. In der Kehre wird der Schotterweg flach, bzw. etwas abschüssig taleinwärts nach Schwarzbrunn verlassen. Die Vorbergalm, gut 50 Hm oberhalb der Abzweigung bleibt links liegen.

der größte Block von Gletscherresten vor der Talstufe zum Klausboden

Die Strecke nach Schwarzbrunn ist kurz, in einigen Minuten wird die Jagdhütte erreicht, bei der die gesamte umgebende Ebene ein fühlbar eigenartig positives, sympathisches Flair ausstrahlt. Kraftplatz nennt man das Gelände in der heutigen, auf Kommerzialisierung ausgerichteten Sprache (Kommerzialisierung in diesem Sinne als „Vorwegnehmen vor das Selbsterlebnis gestellt“ zu verstehen und durch die lesbare Kennzeichnung somit bereits kategorisiert ohne das Erlebnis erfahren zu können; sozusagen eine Anleitung für das Empfinden).

Blick Richtung Steigverlauf

Schwarzbrunn (1.600 m) bildet gleichsam den Talschluß der letzten der unteren Stufen des Voldertals. Von dort führt eine ausgeprägte Steilstufe über 200 Hm auf den Klausboden hinauf.
Der Steig durch diese Steilstufe, links neben dem Bach (in Aufstiegsrichtung gesehen), beginnt nach der Jagdhütte mit zunehmender Steigung und kann als schöne Wanderung durch mystisch anmutenden alten Baumbestand empfohlen werden.

Rückblick in halber Höhe unter den Felsen

Zur Gwannschafalm1 (das Gwannschaf gibt es nicht – höchstwahrscheinlich beinhaltet die Wortzusammensetzung „Gwann“-Schafalm eine Flurbezeichnung und die Alm könnte diese Benennung aus dem Erbrecht erlangt haben) wird zunächst auf kleiner Holzbrücke über den dort beruhigten und etwa fünf bis sechs Meter breiten Voldertalbach übergesetzt.

Felsen oberhalb des Steigs zur Gwannschafalm

Durch leicht sumpfiges Gebiet führt der Steig über einige Dutzend Meter in den archaischen Wald hinein, und führt dort ein paar Hundert Meter rechts (im Aufstiegssinn) neben dem tosenden Bach und durch auffällige Felsblöcke in Garagengröße. Auf einer Lichtung nach dem Wald wendet sich Steig nach Westen, den bereits besonnten Hang in Serpentinen aufsteigend.

An diese Stelle wandert man zwischen eindrucksvoll großen Felsblöcken ehemaliger Gletschermoränen hindurch. Der größte, nach oben hin auskragende, Block wurde mit Expressen (Karabiner) zum Erklettern ausgestattet und steht mitten in der Landschaft.

Rückblick von den Felsen

Von dort leitet der offensichtlich nicht häufig begangene Steig in Serpentinen, teilweise mit Gras bis zur Unkenntlichkeit überwachsen jedoch gut erahnbar, steil nach oben in Richtung der mächtigen Felswände oberhalb. Am Weg dorthin bieten sich einige großartige Fotomotive.

Steigverlauf bei den Felsen

Die Felsen, bestehend aus Quarzphyllit und Glimmerschiefer, dort aber auch aus Gneisen gebildet, werden in etwa 30 min ab Schwarzbrunn erreicht. Sie ragen ziemlich senkrecht mit etwa 30 bis 40 m Höhe aus dem Hang. Im Rückblick läßt sich die abfallende Hangneigung vom Steilsten der Vorbergreise bis hinab zum Talgrund eindrucksvoll studieren. Bis in den untersten, flachen Bereich schafften es beim Felssturz vor 200 Jahren nur die größten Felsblöcke.

nächste Talstufe durch lichtes Zwergstrauchgebüsch (links im Bild)

Die üppige Vegetation im unteren Teil des netten Steigs auf die Gwannschafalm bilden subalpine Au-Gebüsche, die ab den Felsen durch Zwergstrauchheiden der alpinen Stufe abgelöst werden, letztere typisch für silikatreiche, kristalline Böden. Die Zwergstrauchheiden stellen zum überwiegenden Teil Alpenrosen dar und begleiten den Steig bis weit über die Gwannschafalm hinauf.

die Landschaft wechselt auf die alpine Stufe

Eine kleine Flachstufe bildet die nächste markante Stelle im Aufstieg. Auf 1.890 m trifft man auf den Einschnitt des Gwannalmbachs und durchsteigt eine flache Stelle, den Bach überquerend. Links des Baches führt der Steig zum Verbindungssteig vom Klausboden her weiter. Der Baumbewuchs wird auf diesem Teil zusehends dünner, die Strauchflächen ausgeprägter und kaum fünf Minuten des Aufstiegs nach der Vereinigung der beiden Steige ist die Gwannschafalm auf 1.966 m erreicht.

bei der Kreuzung der beiden Steige

Stellt man sich die Alm als eine bewirtschaftete vor so täuscht man sich. Die Bebauung der Alm besteht aus nichts anderem als einem Stallgebäude aus zu Grundmauern aufgeschichteten Steinen und einem schindelgedecktem Holzdach, gerade einmal als Unterstand für die Schafe geeignet. Stirnseitig durch die Stalltür geblickt befindet sich innen ein wenig Gerümpel, jedoch ist der Gebäudeteil großteils leer.

vor der Gwannschafalm

Die ältesten Balken dürften wohl bereits über 130 Jahre alt sein, wie die eingeschnitzte Bauinschrift “ P 8 + 7 J “ verrät (wobei das erste Zeichen kein „P“ darstellt, das Symbol konnte vom Autor aber auch nicht recherchiert werden). Ein weiters ehemaliges Gebäude besteht nur noch in den Resten der Grundmauern als Ruine.

Gwannschafalm

Die Gwannschafalm liegt auf dem Steig zur Tulfer- und Glungezerhütte und kann als Rundwanderung entweder mit dem Anstieg aus dem Tal (wie in diesem Bericht bis jetzt beschrieben) oder sogar als sehr lange Höhenwanderung mit Aufstieg ab Volderwildbad auf der östlichen Talseite zur Markissalm und weiter über den Steig zum Largotz bis auf 2.200 m, taleinwärts bis zum Klausboden mit Wechsel auf die westliche Talseite, an der Gwannschafalm vorbei und weiter bis zum Tulfeinjöchl mit beliebigen Abstieg entlang der Lifttrasse zurück nach Volderwildbad ausgeführt werden.

gewaltiger Blick nach Norden ins Karwendel

Die lange der beiden Varianten wäre dann mit 1.600 Hm und 23 km Länge eine „light“- Ausgabe der phantastischen Reise der Voldertalrunde, die sich auf diesem Blog beschrieben findet.

Bauinschrift der Gwannschafalm (1887 – erstes Zeichen noch zu recherchieren)

Von der Wiese vor der Alm kann ein beeindruckender Blick talauswärts auf den Talgrund mit den meisten Almen und außerhalb des Voldertals auf die nördlich des Inntals gelegenen mächtigen Karwendelgipfel genossen werden.

ehemaliges zweites Almgebäude im Vordergrund

Der Steig auf das Rosenjoch verläuft diagonal durch die kleine ebene Fläche um das Almgebäude, der Wegweiser ist nicht zu übersehen. Hinter der Alm erhebt sich eine kleine Geländestufe auf 2.100 m, bei der die ersten durchgehenden Schneefelder begannen, sowie eine weitere ins vordere Gamskar auf gut 2.200 m an deren Ende die Schneedecke durchgehend bis zum Gipfel vorgefunden wurde. Die Abfahrt würde also über 800 Hm möglich sein und die Aussicht darauf reichte zu Hochstimmung an dem perfekten Tourentag.

Aufstieg zum Gamskar (links im Bild der letzte Abfahrtshang)

Die gewaltigen Felsblöcke im Gamskar stammen vom ehemaligen Rosenjochgletscher, der in alten Karten2 noch zu finden ist, sowie von Blockgletschern. Ihre Form verrät, daß sie nicht von einem Bergsturz stammen können.

die Schmelzwässer rauschen im Gwannalmbach zu Tale – dahinter erstmals das Rosenjoch zu sehen

Die Basis im Gamskar ist eine sehr reizvolle leicht geneigte Hochfläche mit allerlei kleinen und größeren Schmelzwasserlacken, viel Vegetation im beginnenden Juni und unübersehbar violett leuchtende Mehlprimeln, meist die ersten Boten der floristischen Wiedergeburt im Hochgebirge.

Groß hilft Klein – es wäre sonst hier nicht möglich

Ob der wahre Kraftplatz im Gamskar zu finden ist? Zumindest ein weiterer, denn ein tief wurzelndes, wohliges Gefühl steigt bei einer kurzen Rast an so zeitlosen Tagen wie jener bei der Begehung durch den Autor aus den Tiefen der Seele. Den Anlass für die positive Wirkung bildet die Aussicht auf die vorausliegende Strecke durch das schöne, zwar steile aber nicht bedrohliche Kar auf die ehemalige Gletscherstufe hinauf – ein alpin interessantes Gelände und gleichzeitig entspannend.

Gamskar zum dahinschmelzen

Der Firn, gegen 10 Uhr morgens kaum zwei Finger breit aufgetaut, hielt dem entschlossenen Schritt wunderbar stand und erwies sich andererseits doch weich genug, um eine trittfeste Kerbfläche mit genügendes Standfestigkeit in des Winters Resten zu erzeugen, ohne daß übermäßiges Stufenschlagen vermieden werden konnte und der Aufstieg auf die Abbruchkante des Gletscherkessels des Rosenjochs in der selbstgewählten Steigung mit einigen Spitzkehren unter innerem Jauchzen zur Freude gereichte.

das schöne Couloir im Gamskar auf die nächste Talstufe

Momente wie diese, nein die Mischung aus allen Empfindungen – von Temperatur, Stille, Licht, Anstrengung, Ausblick, geometrische Erhabenheit, Klarheit der Dinge, die spürbare Ordnung des Chaos von Jahrmillionen und eine schwer erklärbare Verzauberung – bilden die Gefahr der Droge Berg, der sich das kleine Individuum keck anvertraut, ihrer zur Gänze erliegt und den gesamten Aufstieg einfordert.

Indikatoren für die Hangneigung – im Frühjahr wenig Thema…

Die Bilder von Fels, Schnee, Sonne und Blau brennen sich am Weg dorthin in die Erinnerung ein, der Schritt wird von der Sucht nach ständig neuen Eindrücken getrieben. Berauscht wie einst von Odysseus von Sirenen gibt es kein Entrinnen vor dem Ende, dem süßen Tod des Gipfels – der Sonnentau unter den Naturerlebnissen.

welch Szene!

Das kleine Erwachen aus dem faustischen Traum erfolgt auf knapp 2.450 m, am Übergang zum gewaltigen Becken des ehemaligen Rosenjochgletschers. Dort breitet sich die Landschaft plötzlich von einer kaum 100 m breiten und steilen Karrinne auf einen zunächst flach erscheinenden Hochtalkessel von etwa 500 m Breite der unteren Basis und einer Breite an den Graten von fast einem Kilometer aus – ein gewaltiger Eindruck, dessen Mitte das Rosenjoch mit seinem abgerundeten Gipfel von knapp 2.900 m Höhe bildet. Ein Eindruck der einer Aufsaugminute bedarf.

Rosenjoch von der Stufe auf ca. 2.450m aus gesehen

Die Wahl des weiteren Aufstiegs fiel für den Verfasser, der Figlerlebnisse in eisenfesten Südtiroler Schuhen und kurzer Hose zu ersteigen pflegt, auf eine apere Rippe, die auch des Sommers den Normalaufstieg bildet. Um dorthin zu gelangen, erforderte das Gelände eine Querung über etwa 150 m fast ebener Fläche, die von der Sonne bereits besonders tief aufgeweicht wurde und manche Stellen Gamaschen erfordert hätten. Man sollte sie also auch auf über 2.500 m nicht zuhause vergessen haben.

am Weg zur aperen Rippe

Auf der aperen Rippe angelangt bot sich ein toller Blick in den südwestlich vorausliegenden Kessel, der in dieser Höhe am Beginn des Monats Juni noch vollends schneebedeckt eine bärige Abfahrt verspricht.

Rosenjoch südwestlich der Aufstiegsrippe

Unter sommerlichem Schritt auf Fels entlang der Kante der Rippe wird rasch an Höhe gewonnen – die Wahl des kleinen Umwegs stellte sich damit als richtig heraus.
In Gratnähe – es handelt sich um die Leeseite der Kette – mußten abschließend noch ca. 100 Hm (auf ca. 2.670 m) wieder in tieferem Schnee bewältigt werden, dank festem Untergrund jedoch mit Bergschuhen gut gangbar.

Rückblick auf den unteren Teil des Aufstiegs in die letzte Talstufe: von ziemlich rechts im Bild wird gequert

Der Grat wartete mit einer kühlen Brise Westwind auf, nicht stark, aber ohne Bewegung mit der leichten Bekleidung eines Shirts kaum aushaltbar.

am Grat angelangt (etwa 2.750m)

Innerhalb weniger Meter aus der Leeseite auf den Grat wechselte die Schneekonsistenz von weichem nassem Firn auf windgepressten, wenig umgewandelten Altschnee von winterlicher Ausprägung. Die Niederschläge und kalten Tage über mehr als eine Woche vorher ermöglichten diese Schneesituation, die meist ab April nicht mehr anzutreffen ist.

Rückblick über den traumhaften oberen Talkessel unterhalb des Rosenjochs

Von der tiefsten Stelle am Joch zwischen Rosenjoch und Kreuzspitze wird der Gipfel in einer Viertelstunde am Grat erreicht.

ein paar Minuten bei kaltem Lüftchen am Grat entlang

Wider Erwarten bekam das Rosenjoch nicht nur durch den Autor vom Voldertal her, sondern auch vom Arztal her Besuch von Figlern. Etwa 20 min nach dem Eintreffen am Gipfel erreichten drei Figler, die sich ins Arztal hatten bringen lassen, ebenfalls den Gipfel, um auf der Voldertalseite abzufahren.

Blick bis Volders

Weitere 20 min später erreichten zwei Tourengeher, die der Autor bei der Gwannschafalm überholt hatte, mit Winterausrüstung das Rosenjoch.

Zillertaler Hauptkamm im Süden

Der klare Tag und die spärliche Bewölkung ermöglichten tolle Fernblicke in alle Himmelsrichtungen mit besonders ungetrübter Sicht ins Karwendel, nach Südwesten (in Bildmitte abgedunkelt die als Schitour tolle „Seabelesspitze“) und in die Lechtaler Alpen.

grandioser Blick in die Stubaier Alpen; markant links im Bild das Sarner Weißhorn mit abgedunkelter Spitze

Zur Abfahrt rüstete der Autor nach einer guten Stunde des Genusses der Landschaft, zeitgleich mit den Figlern und kurz vor den Schifahrern. Bald stellte sich, völlig unbeabsichtigt, aber eindrucksvoll in der Auswirkung, ein Vergleich von drei verschiedenen Hilfsmitteln zur Abfahrt heraus. Während die Figler kaum drei Minuten Vorsprung hatten startete der Autor etwa acht Minuten vor den Schifahrern. Die Positionen auf der Abfahrtsroute können gut im Bild von 12:27 erkannt werden.

bärige Abfahrt über den steilen Gipfelhang vom Rosenjoch

Ohne im Entferntesten einen Wettkampf austragen zu wollen, sondern mit normalem Abfahrtsgenuss seine Schwünge zu ziehen, starteten die beiden Gruppen sowie der Autor als Einzelner ins Vergnügen. Schon nach wenigen Minuten trat der Unterschied der möglichen Fahrgeschwindigkeiten zwischen den Figlern und den Kurzschi des Autors deutlich hervor.

Impressionen am Rosenjoch

Selbst bei Bewertung der Behäbigkeit einer Dreiergruppe im Vergleich zu einem Einzelnen kann anhand der Positionen im Bild eindeutig erkannt werden, daß die Kurzschi enorme Vorteile gegenüber Figln aufweisen. Wenige Minuten später erwies sich die größere Schilänge in umgekehrtem Verhältnis zwischen den Schifahrern und den Kurzschi des Autors als unschlagbar, als die Schifahrer den Autor am Ende des steilen Teils im Gamskar mühelos überholten.

Rosenjoch: Bild von 12:27, äußerst links die Schifahrer und in der rechten Bildhälfte die Figler

Die Figler wurden im oberen Gamskar erst wieder sichtbar als die Schifahrer bereits unterhalb des Gamskars auf den letzten langgestreckten Schneefeldern bis auf etwa 2.150 m abfuhren und ein letzter Blick zum Rosenjoch geworfen werden kann. In den weichen, tief ausgekolkten Schneerinnen im warmen Gamskar, in denen auch der Autor mit Kurzschi Schwierigkeiten hatte, erwiesen sich die langen Alpinschi natürlich als unschlagbar.

bereits im unteren Teil des ehemaligen Gletscherkessels

Mit Sicherheit haben alle die Abfahrt genossen und keiner ist extra schnell gefahren, um zu überholen. Sehr wahrscheinlich hatten die Figler mit der geringsten Aufstandsfläche und mehrfachen Stürzen den größten Spaß dabei, aber dennoch zeigt der zufällige Vergleich die Möglichkeiten verschiedener Abfahrtshilfen, die über knapp 800 Hm Abfahrt signifikant ausgefallen sind.

das Couloir im Gamskar

Schließlich aber zeigte sich doch wieder ein Wechsel in „Poleposition“ dadurch, daß das Umrüsten auf den Marschbetrieb der Schifahrer wesentlich länger dauerte als beim Autor, der keine Schuhe wechseln mußte und die Schifahrerkollegen nach dem letzten Schneefeld einholte.

gewaltige Szenerie im Gamskar, letzer Blick gen Rosenjoch

Eine nähere Beschreibung der traumhaften Abfahrt erübrigt sich, dafür sprechen die Bilder in der Galerie Bände. Erwähnt sei lediglich, daß man sich der Schi oder Figl nicht zu früh entledigen sollte, da nach der Kante vom Gamskar talwärts noch etwa 100 Hm Abfahrt warten könnte, auch wenn man sie nicht gleich einsehen kann. Die letzten Schneefelder befinden sich etwas links der Aufstiegsroute und werden von diesem nicht unbedingt erkannt, wenn man sie noch nicht kennt.

letzte Meter unter Schi – bäriger Abschluß

Vom letzten Schneefeld empfiehlt sich die direkte Route abwärts durch knorrige Almrosenbüsche zur Gwannschafalm, die man mit diesem Abstieg sozusagen umrundet hat und in der Nähe vom Bach wieder auf den Steig nach Schwarzbrunn oder zum Klausboden trifft.

letzte tolle Stufe mit Ende der Schneefelder

Im Nachmittagslicht und bei sommerlichen Temperaturen kann der schöne Steig nach Schwarzbrunn ein weiteres Mal genossen werden.

knapp oberhalb der Gwannschafalm

Die außerordentlich ansprechende Figltour erforderte eine Gesamtgehzeit ab dem Parkplatz Nößlach von 6:10 Stunden bei 1.370 m Aufstieg. Die Gipfelpause betrug 75 min.

Mils, 01.06.2020

1 Wikipedia: Die Ausdrücke Gewann (süddeutsch und schweizerisch auch Gewand) und Gewann(e)flur, bezeichnen eine Flurform, die vor allem infolge der zelgengebundenen Dreifelderwirtschaft und des Erbrechts entstand.
Die Gewannbezeichnungen lassen noch heute Rückschlüsse auf die frühere Nutzung, Lage oder Beschaffenheit des bezeichneten Gebietes zu. Sie sind ein wesentlicher Teil der Flurnamenforschung, die sich darüber hinaus auch mit Namen etwa von Waldflächen oder bestimmten kleinräumigen geografischen Einheiten befasst, die nicht im engeren Sinne als Gewann angesprochen werden.

2 Es handelt sich um die von k.u.k. Obstlt. Rudolf Czelechowsky aus Hall gezeichnete Karte, der von 1893 bis 1900 als 1. Vorsitzender der D.u.Oe.AV Section Hall i.T. vorstand. Czelechowsky hat diese „Umgebungskarte von Hall“ im Maßstab 1:50.000 in mehrjähriger Arbeit gebietsgetreu selber aufgenommen und händisch gezeichnet (Gerald Aichner, Alpenverein Hall, 2019 / https://www.7tuxer.at/idee-blog/).
Äußerst interessant an dieser Karte von 1909 sind Details, die in unmittelbarer Nähe der Figltour auf das Rosenjoch zu finden sind, die auf der heutigen AV-Karte verschwunden sind, wie ein Steig, der noch in, oder knapp nach den untersten Blöcken der Vorbergreise, jedenfalls vor oder äußerst nördlich von Schwarzbrunn und im gemuldeten Tal steil nach oben zum Kreuzjöchl führt. Oder die Fortsetzung des besagten Steigs auf der westlichen Gratseite, vom Kreuzjöchl hinab zum Viggar Hochleger, damals „Vicar Alm“ benannt, wovon der obere Teil nicht mehr zu existieren scheint.
Weiters erscheint interessant, daß der einzige Aufstieg zur „Schaf Alm Gwann“ jener Steig darstellt, der in gegenständlichem Beitrag gewählt wurde und sich als Kleinod entpuppte. Die Jagdhütte Schwarzbrunn ist zeitlich gesehen gerade nicht mehr erfaßt, weil sie in den Jahren der Vermessung und Detailarbeit zur Karte erbaut und möglicherweise erst just zur Drucklegung von Czelechowskys Karte fertig wurde.
Ins Auge fallen weiters alle Bezeichnungen der Almen in der Talmitte und aber keine Bezeichnung für die heute wohl wichtigste? Alm in Talgrundnähe, die Vorbergalm, zumindest die heute Größte aller dort aktiven.

 

Schitour Seekarspitze, 2.646m Voldertal

Im Verein mehrerer berühmter Seekarspitzen – von Karwendel bis Achensee und sonst wo in den Alpen – stellt die Seekarspitze im Voldertal eine phantastische, eine lange und zum Abschluß eine pfiffige Schitour dar und reiht sich somit in einen erlauchten Kreis von begehenswerten Seekarspitzen in Tirol ein.

Autor auf der Seekarspitze, 19.01.2019

Einem an sich unspektakulärem Gipfel geht ein traumhafter Aufstieg durch die in den südlichen Tuxern so verbreiteten und wunderschönen Zirbenwäldern voraus und der Aufstieg zum Abschluß der langen Tour – sie ist streckenbezogen signifikant länger als die Schitour von der Karlskirche auf den Glungezer – ist keine gemähte Wiese. Der Aufstieg erfordert sichere Verhältnisse und testet die verbliebene Leistungsfähigkeit nach gut 1.000Hm Aufstieg durch das wunderschöne Tal auf den letzten 500Hm noch einmal spürbar. Die Gipfelflanke weist einige Stellen mit einer Hangneigung im Bereich von und über 35° auf und wohlüberlegt sollten die letzten 150Hm angegangen werden.

hier rechts weg Richtung Voldertalhütte

Zumeist ist der Tourenfreund im Gelände des hinteren Voldertales alleine, oder nur mit wenigen Gleichgesinnten im zufälligen Verein unterwegs. Die meisten Erholungssuchenden Tourenfreunde sind bereits spätestens bei der Vorbergalm auf den Hauptgipfel dieser Kette, den um hundert Meter höheren Malgrübler, abgebogen. Die weite und großteils wenig steile Anreise bis Steinkasern schreckt den sensationssuchenden Schitourengeher zu sehr ab, er mag beispielsweise seine Lampsenspitze oder sonstige Modeziele des Sellrains lieber wiederholt begehen, die Seekarspitze im hinteren Voldertal ist ein stiller Klassiker ohne Rummel, geschätzt von naturbegeisterten Bergsteigern.

der Tag beginnt sonnig

Ausgangspunkt der Schmankerl-Schitour auf die Seekarspitze ist der kostenlose Parkplatz in Volderwildbad. Und schon wieder muß vor der Gemeinde der Hut gezogen werden, der Parkplatz ist erstklassig geräumt und eben kostenlos (wie auch jener bei der Karlskirche).

Rückblick an Vereinigung Fußweg und Fahrweg

Nach der Anfahrt mit dem PKW über den Großvolderberg startet das phantastische Abenteuer auf etwa 1.100m Seehöhe. Wer die Anfahrt entlang der Bauernschaften und Anrainern schaumgebremst absolviert, der sichert sich des frühen Morgens am Wochenende nicht nur die Sympathie der schlafenden Bewohner; auf der geräumten, aber teilweise noch beschneiten Straße werden zusätzlich auch vermeidbare Malusstufen bei der Begegnung mit Pendlern vom Berg gespart – eine „WinWin-Situation“ also.

rechts unten die Voldertalhütte

Die klirrende Kälte dieser so schönen Wintertage Mitte Jänner 2019 sorgt zwar – vor allem bei dem mittlerweile sehr alten Autor – für klamme Finger auf den ersten Höhenmetern, aber auch für eine kristallklare Sicht in das morgendliche Kälteblau des Voldertales, das die meisten (Handy)Kameras so schön übertrieben widergeben.

Spuren ab Abzweigung „Vorberg“

Das Wettergeschenk für den kleinen Mensch in der Natur zu Beginn dieses Jahres bescherte einen völlig verschneiten Voldertalweg, der auch noch dazu richtig geräumt wurde, sodaß nicht nur der Aufstieg am Parkplatz beginnen kann sondern auch die Abfahrt, nach welcher Schitour auch immer im Voldertale, zum selben zurück. Dies soll hier anerkennend erwähnt werden.

unterhalb der Vorbergalm

Der Aufstieg nach Steinkasern vollzieht sich mehr oder weniger meist auf dem Talweg, der durch die Spuren eines Motorschlittens bis zur Abzweigung Malgrübler/Vorberg (etwa 1.460m). Von dort hatten wir an diesem wunderschönen Tag die Ehre die Spur bis auf die Seekarspitze zu ziehen. Und es sollte, an diesem Tag, auch nach der Vorbergalm keine zusätzlichen Aufstiegsspuren zu unserem Ziel mehr geben.

Vorbergalm – links über der Alm in den Wald ginge es hinauf zum Malgrübler

Die Vorbergalm (1.668m) stellt noch nicht ganz die Hälfte der Tourenlänge dar und weit nicht den halben geodätischen Aufstieg. Trotzdem fühlt man sich dort schon weit gereist angesichts der malerischen Almgebäude, die momentan in idyllischer Schneeumhüllung zu bewundern sind und in absolute Stille eingebettet ruhen. Abgerutschte Dachbeladung der Schneemassen der letzten drei Wochen beeindruckt zum Verewigen auf Bild.

die Klausböden erreicht

Der weitere Wegverlauf von der Vorbergalm zu den Klausböden weckt die unberechtigte Sorge einer beschwerlichen Abfahrt. Die Steigung dorthin erscheint im Aufstieg als zu gering für das heutzutage völlig entrückte Zeitgefühl wie schnell es auf einer Talausfahrt hinab gehen soll. Unberechtigt ist das fälschliche Gefühl deshalb, weil die geringe Steigung genügt, um mit halbwegs vernünftigem Schibelag eine durchgehend energiezufuhrlose Abfahrt zu erleben. Wer jedoch der Geißel der Zeit unterliegt mag mit so manchem „Anschupfer“ mittels Schistöcken die eine oder andere Minute eher wieder an der Vorbergalm eintreffen und zeigt sich vielleicht sogar zufrieden damit dort für sich persönlich eine unglaubliche Ersparnis wertvoller Zeit verbuchen zu dürfen.

Blick Richtung Steinkasern nach den Klausböden

Die Klausböden oder – der Autor ist sich seit jeher in der Schreibweise nicht sicher – der Klausboden, stellt eine Flachstelle im Talaufstieg dar. Die „Klause“ leuchtet dem Geschichtsinteressierten als eine Talsperre, eine Engstelle ein, die möglicherweise schon früh energetisch genutzt worden sein könnte und deshalb den treffenden Namen erhalten hat. Sie kann aber auch einfach eine geologisch, topografische Besonderheit sein, in jedem Fall aber eröffnet sie einen herrlichen Blick in den dahinter liegenden Talkessel, der mit seinem imposanten Aufsteilen zum Naviser Jöchl hin die Wende zur echten Anstrengung im Aufstieg einleitet.

Steinkasern

Der Talkessel nach den Klausböden beherbergt die Almsiedlung der Steinkasern Alm. Eine schöne Ansammlung wirklich alter und auch junger Almgebäude in schützendem ehemals felssturzträchtigem Gelände, die bei unserer Durchschreitung in einer bemerkenswerten Weise von Schnee und Eis eingeweht wurden. Von so manchem Gebäude sind lediglich nur mehr Dachausprägungen zu sehen, der Rest befindet sich fest im Griff eines beeindruckenden meterhohen hartgepressten Schneepanzers.

unser Ziel die Seekarspitze recht rechts der Bildmitte

Über das wesentlich steilere als das bisherige Gelände zur Steinkasernalm kam mehr und mehr Wind auf. Nicht daß dieser nennenswerte Stärke erreichte, aber – wie so oft bei Schitouren – reichte seine Intensität aus, daß zur Verstärkung der Oberkleidung innegehalten werden mußte. Dies obwohl der Nordanstieg im Talkessel nach Steinkasern endlich in Sonne getaucht wurde.

Seekarspitze mit Anstieg über die Südwestflanke

Eine kurze Beruhigung der Steilheit des Anstieges erfolgte in einer weit angelegten Linkskurve zu den Melkböden. Dort befindet sich der ebenso völlig durch die Schneestürme verpackte Hochleger der Steinkasernalm und die Fotos sprechen Bände über die Herrschaft, die die Stürme dort hinterlassen haben. Diese Kurve führt direkt zum Gipfelaufbau der Seekarspitze.

einmal musste einer der Hügel im Kar rechts umgangen werden

Über ein paar ernste Hügel im Zentrum des Talkessels hinweg peilten wir eine unkonventionelle Aufstiegsroute in der Südflanke der Seekarspitze an, die sich weiter oben zur Westflanke ausbildet. Spätestens am Fuß des Gipfelaufbaues mußte sich der Autor eingestehen, daß bis zum Flankenfuß ein direkter Ostanstieg auf Höhe der Steinkasernalm in kürzerer Strecke zur Gipfelflanke geführt hätte. Dies allerdings unter wesentlich schärferer Steigung über derzeit unbesonnte Steilhänge in nordwestlicher Ausrichtung, die nach den Schneefällen seit Jahresbeginn bewußt zu vermeiden waren, wie uns schien auch bei LWS2.

am unteren Teil der Gipfelflanke

Letztlich, am Fuße der Seekarspitze angelangt und noch gut 150Hm vor sich, entschieden wir uns für die Begehung der Südwestflanke, selbst wenn die Hangneigung dort stellenweise an 35° grenzt, bzw. diese über wenige Aufstiegsmeter noch überschreitet.

blick zur Naviser Sonnenspitze

Der Hang präsentierte sich großteils hartgepresst mit Windgangln großen Ausmaßes, deren Bewältigung beträchtliche Schrittweiten erforderte und aber auch die positive Seite eines sicheren Aufstieges vermittelte.
Evi übernahm bis zum Grat bravourös die Spurarbeit über den mittlerweile windfreien Hang, der angenehm bestrahlt wurde und das Ablegen von Windjacke und Stirnband erforderte.

Evi spurt in der Gipfelflanke

Dieser Schlußhang hat es nach gut 1.400m Aufstieg wirklich in sich und fordert ein letztes Mal die Kondition heraus. Eine sinnvolle Querung zum westlich ausgerichteten Gratrücken bei großer Hangneigung erschien uns als logischer Schritt, um den Aufstieg dort flacher fortzusetzen.

Anstiegsgelände aus den Melkböden (im letzten Bilddrittel der komplett eingeschneite Hochleger)

Diese Ahnung erwies sich auch als richtig. Allerdings wird am Grat zunächst das Schultern der Schi erforderlich, da er durch großblockiges und erstaunlich bodennah abgeblasenes Felsgelände führt.

ein kurzes Stück Schitragen am Gratrücken

Ein paar Dutzend Höhenmeter ließen sich aber auch noch mit angeschnalltem Schi im Tourenmodus absolvieren und in dieser Weise endete die Strecke beim kleinen Gipfelkreuz der Seekarspitze auf 2.646m.

die letzten Meter konnten im Tourenmodus begangen werden

Der immerhin dritthöchste Gipfel der östlich das Voldertal begrenzenden Kette gestattet eine wunderbare Aussicht auf die umliegenden Spitzen und Grate, deren viele der Autor in den letzten Jahren als Schitouren bestiegen und auf diesem Blog beschrieben hat.

Seekarspitze, 2.646m mit Malgrübler

Das im Osten gelegene Wattental wartet mit einer Vielzahl an malerischen Schitouren auf, ja schier der gesamte Bergkamm seiner östlichen Begrenzung ist als Schitour begehbar, vom Poferer Jöchl über den mächtigen Hirzer bis zur rassigen Torwand.

Evi auf der Seekarspitze, 2.646m

Im Süden kann das Panorama der epischen Zillertaler Alpen mit seinen hohen Dreitausendern bestaunt werden – die schönste Erscheinung bildet der Olperer.

phantastische Einsicht ins Wattental

Ein Berg, den der Tiroler Bergsteiger bestiegen haben muß, und zwar von der historisch bestimmenden Variante für die Talschaft Tux, über das Kleinod des Valsertales. Tux gehörte bis vor knapp hundert Jahren zur Gemeinde Schmirn und die Verstorbenen der Tuxer mußten über das Tuxer Joch nach Schmirn zum Friedhof gebracht werden (nach dem Winter natürlich, versteht sich). Die Begehung vom Valsertal über die Geraer Hütte entbehrt überdies dem Schirummel des Gletscherschigebietes und erfolgt klassisch vom Tal aus.

Eisenkarspitze gleich neben der Seekarspitze. dahinter die Zillertaler – sie trägt nur eine Schneestange

Im Westen begeistert die Rosenjochgruppe mit dem gleichnamigen höchsten Gipfel, dem Rosenjoch, mit beachtlichen 2.796m. Die großartige 34km lange Reise der Voldertalumrundung des Sommers führt von der ostseitigen Begrenzung des Voldertales, die die Seekarspitze beinhaltet, über den unübersehbaren Gipfels der Naviser Sonnenspitze über das Naviser Joch auf die westseitige Begrenzung des Voldertales und findet sich hier in diesem Blog beschrieben.

Grafmartpitze, Grünbergspitze, Rosenjoch von links – die westliche Umrahmung des Voldertales

Nordwärts geblickt fanden wir eine Abfolge von befahrbaren Teilhängen, die sich, hintereinander gereiht, als Experiment einer Gesamtabfahrt bis zum orografischen Ende der Klausböden handhaben lassen sollte – so unsere Einschätzung.

die Abfahrtsroute wird ausgespäht

Nach einer knappen Dreiviertelstunde starteten wir unsere Abfahrt, die zunächst mit dem felsig anmutenden Gelände bis hinab zum nördlich laufenden Kamm zum Sunntiger begann und die vom Gipfel nicht befriedigend genug einsichtig war.

eine Route ohne abschnallen oder Schi tragen tut sich auf

Den Sattel am Kamm konnten wir mit bedachter Wahl der kurzen Abfahrt auf der Ostseite erreichen (für einen genaueren Eindruck der Passagen siehe hierzu die Bildergalerie). Ein Durchschlupf zwischen den Felsblöcken führte uns dann zu einem schönen Westhang auf dem wir die ersten Schwünge im Pulvergelände ziehen konnten.

ab dem Sattel eröffnen sich tolle Hänge – allerdings muß die Route genau ausgespäht werden

Der Hang, zunächst rein Richtung Westen ausgerichtet, drehte weiter unten in nordnordwestliche Richtung, zu den Klausböden hin – perfekt für unsere Absicht.

Rückblick auf den ersten Hang unter dem Sattel

Bei häufigem Stopp und Einschätzung des Abfahrtsgeländes findet sich eine Schneise mit schönen breiten Hängen (siehe hierzu Detailfotos in der Bildergalerie).

die Hänge werden weiter und erlauben eine fast wahllose Abfahrt

Und mit gebotener Bedachtname auf Vermeidung der steilen Hänge am Ende der baumfreien Höhenzone oberhalb der traumhaften Zirbenwälder erlebt man damit eine sichere und schöne Abfahrt (siehe heirzu mehr Bilder in der Galerie).

Zum Abschluß der Abfahrt wird in die lichten Zirbenbestände eingefahren. Im Inneren des Waldes befinden sich immer wieder kleine Schneisen und Lichtungen, die ein abschließendes Vergnügen über teils steile Hänge bis zum Weg von der Vorbergalm zu den Klausböden bieten.

traumhafte Hänge im Zirbenwald stehen bevor

Mit kleiner Geschwindigkeit gepflegter Schi führt der Weg dann hinab zur Vorbergalm. Von ihr empfiehlt es sich den Hang stark nach rechts zu befahren, um unten auf den Weg zu kommen, der bei den Schneeverhältnissen dieser Tage ohne wesentliche Anschiebehilfe die nahezu 5km weit bis zum Parkplatz führt.

Vorbergalm am frühen Nachmittag

Das unvergessliche Abenteuer der Seekarspitze im Voldertal beanspruchte uns über 6:20 Stunden, wovon wir viel zu kurze 45min am besonnten und windfreien Gipfel verbracht haben.

zurück am Parkplatz Volderwildbad

Insgesamt sind bei der Schitour auf die Seekarspitze gut 12km Tourenstrecke und rd. 1.550Hm Aufstieg zu bewältigen (siehe Routenübersicht und Hangneigungskarte in der Bildergalerie).

Mils, 19.01.2019