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Mitterkogel, 2.583 m – Überschreitung Nordgrat, Weißstein und Roßkogel

Der kurze und leichte Nordgrat, der sich zwischen Roßkogel und Peiderspitze in das Becken der Inzinger Alm vorschiebt, trägt den Mitterkogel, dessen Besteigung zu einer schönen Runde ausgebaut werden kann, mit dem Weißstein und dem Abstieg über den Roßkogel, zurück zur Inzinger Alm. Die ungerechte Beschreibung der Begehung von Norden im Alpenvereinsführer mag Grund für seinen wenig häufigen – und dem Gipfelbuch nach vorwiegend von ansässigen Kennern – ausgeführten Besuch sein.

Mitterkogel, 2.583 m

Weiters beinhaltet kaum ein klassisch alpines Kartenwerk den Anstieg zu seinem Kreuzgipfel, der auf dem 2.376 m hohen Spitzl extrem weit nördlich des geodätisch richtigen Gipfels entfernt errichtet wurde, das keinen eigenen Gipfel nach der allgemeinen Definition darstellt, und das augenscheinlich keinen offiziellen Zustieg zu besitzen scheint. Beim Vergleich des Kartenwerkes mit der Realität in natura fällt dies besonders auf und zieht die Aufmerksamkeit jedes alpinistisch Interessierten auf sich das Geheimnis zu ergründen.

Mitterkogelgrat von der Straße zur Inzinger Alm gesehen

Wer letzteres unternehmen möchte, findet zunächst keinerlei Literatur über das kleine Spitzl, das am Mitterkogelgrat von hoher Stelle aus gegen die Inzinger Alm blickt und, bei genauer Betrachtung mit dem Glas von unten, zwei Gipfelkreuze trägt. Der AV-Führer enthält darüber keine Aussage, zumindest nicht der alte. Selbst bei der Karten-Recherche auf den Apps des AV oder Outdooractive über Anstiegsmöglichkeiten bedarf es der sogenannten „Pro+ Version“ der App, um auf anderen als den Alpinkartenanbietern zumindest einen Steig zum Kreuzgipfel auszumachen – Kartenanbieter1, die ganz und gar nicht den alpinistischen zugerechnet werden, paradoxerweise aber den Anstieg beinhalten.

das „Spitzl“ als Kreuzgipfel am Mitterkogelgrat

Diese Tatsache beflügelt den Entdeckergeist noch weiter, sowie das Grübeln über diese beschämende Situation, für die der Autor seine Meinung hat, die der eifrige Leser dieses Blogs bereits kennt: „Die Dosis [Verf.: Haftung] macht das Gift“ – wie Paracelsus bereits vor Jahrhunderten erkannte – könnte hier als indirektes Zitat der Situation dienen, welche sich, nach Meinung des Verfassers, als solche heute immer noch in §1319a ABGB aufgearbeitet findet.

Harvey Maps Karte; eine Karte, nicht speziell für alpines Gelände

In der Folge gibt es den Steig somit in englischen und anderen internationalen Karten, nicht aber in heimischen, die heute streng der ursprünglich Theresianischen Ordnung im Gebirge folgen, welche damals nicht für diese Extremität vorgesehen war. Und es gibt ihn gottlob im Herz von Eingeweihten.

im Kessel des Hundstales gegen den Grünerlenhang und den Kreuzgipfel geschaut

Der Anstieg führt vorbei an der Inzinger Alm, hinauf in den aufsteilenden Talkessel des Hundstales. Der Parkplatz auf 1.627 m und darüber hinaus – bei großem Andrang – entlang der Straße ist kostenlos, im Sommer ist die Straße frei benutzbar, sonst herrscht Fahrverbot. Wie überall im Gebirge empfiehlt sich die Erkundung über die Situation vor der Tour, es könnten ja Wetterereignisse die Auffahrt temporär verunmöglicht haben, oder die Aktualität des vorliegenden Berichtes überholt sein.

gewaltiger Abbruch des Mitterkogelgrats mit Gletschermoräne

Nach den Almwiesen, zu Beginn des Grünerlengürtels, quert der Steig den Enterbach und führt über eine Kehre unterhalb des steil abfallenden Fußes des Nordgrates in Richtung der  mittleren Stufe des Hundstales, vorbei am Schafhüttl und unterhalb einer Gletschermoräne mit beachtlich großen Gesteinsblöcken.

Abzweigung des Anstieges zum Kreuzgipfel im Rückblick, rechts das Blockfeld

Die Abzweigung auf den Nordgrat nach dem Erreichen der nächsten Talstufe ist nicht sichtbar vom Steig zum Hundstalsee aus. Knapp neben dem Hundstalbach steigt man gegen die Flachstelle auf und übersieht dabei ein schmales, spitz nach links abzweigendes Steiglein, hinauf auf eine Ansammlung größerer Blöcke, das auch als Gamswechsel durchgehen könnte und nicht sofort als Steig erkannt wird.

Rampe nach rechts ansteigend in horizontaler Bildmitte

Das Blockfeld wird durchquert, oder im Norden umgangen, bevor der schwach sichtbare Steig auf eine Art Rampe nach Süden führt, über die bis zu einer Verschanzung der Jäger aufgestiegen wird. Nach der Verschanzung aus Schieferplatten verschwindet der Steig zunächst bis in den schuttüberzogenen Hang, der nordöstlich in die Ausmuldung zum Kreuzgipfel hin führt. Mitten im Hang findet sich der Steig dann wieder.

Rückblick von der Flachstelle mit der Jägerschanz links

Eine mittelbreite junge Murrinne erschwert den Aufstieg dadurch ein wenig, daß der Steig unterbrochen wird, neue Steigspuren sind spärlich vorhanden und jenseits der Rinne wurde zur Orientierung ein Steinmandl errichtet.

Rückblick nach der Murrinne

In der Folge führt der Steig in die Mulde hinein und – zunächst wieder ohne sichtbaren Steig – auf die Gegenflanke, auf der man weit oben einen Steinmann erkennt, zu dem aufgestiegen wird. Von dort ist der weitere Aufstieg recht logisch nachvollziehbar und bei Durchlässen von deutlichen Steigspuren belegt.

weglos zum nächsten Steinmandl hoch oben

Weiter oben muß auf die Nordseite gewechselt werden, um knapp jenseits aufzusteigen und rechts der Felswand zum Kreuzgipfel wieder auf die Südseite zurückzusteigen und entlang der Felswand die Wiesen des oberen Teils der Mulde zurückzukehren, über die der Aufstieg auf steilen Grasflächen zum Gipfelkreuz erfolgt.

Rückblick vom Steinmann zurück auf den Steig in die Muldenverschneidung

Da es in den Vortagen zur Begehung des Verfassers geregnet hat und die Hangneigung entsprechend groß ist (≥ 40°), sei hier die Empfehlung ausgesprochen, diesen Aufstieg nicht nach Regen am Vortag, oder zu erwartender starker Taubildung zu unternehmen. Gleiches gilt auch für den Aufstieg am Grat zum eigentlichen Gipfel des Mittergrates. Weiters muß man bei der im unteren Teil eher abgedeckten Lage des Aufstiegs im Spätsommer oder Herbst nicht zu früh starten, um eher ins Sonnenlicht einzutauchen.

 

kurz vor dem Wechsel auf die Nordostseite am Grat

Wie oben erwähnt stellt der Punkt an dem die beiden Kreuze errichtet wurden, nicht der eigentliche Mitterkogelgipfel, sondern nur eine Gratspitze, die vom Talboden aus schön sichtbare ist und höchstwahrscheinlich deshalb als Mitterkogel adaptiert wurde. Sie weist als Merkmal für einen eigenständigen Gipfel jedoch keinerlei Schartenhöhe auf und der eigentliche Mitterkogel kann von dort nicht eingesehen werden.

Mitterkogel Kreuzgipfel, 2.376 m

Eine raffinierte und eigenwillige Rohrkonstruktion der Gipfelbuchschachtel schützt das dadurch aufgerollte Gipfelheft wirkungsvoll vor Nässe und das Gipfelbuch zeugt von wenigen Besteigungen übers Jahr, darunter manche, deren Hausrunde der Mittergrat wohl sein dürfte, die mehrmals im Jahr diese Tour unternehmen. Wobei, den reinen Aufstieg zum Gipfelkreuz dürften nur wenige zum Ziel haben, meist wird die folgende Gratüberschreitung zum Ostgrat der Nordöstlichen Sellrainer Berge oder dieselbe Runde angegeben, wie in vorliegendem Bericht beschrieben. Liegt aber auch auf der Hand, wenn man diesen schönen, leichten und einsamen Grat einmal begangen hat.

weiterer Anstieg auf den Mitterkogel; links das nächste Ziel, der Weißstein

Das alte Holzkreuz, ein sogenanntes Patriarchenkreuz – es könnte als ein Wetterkreuz für die darunter liegende Alm gedeutet werden -, wurde nach der Errichtung des neuen Stahlkreuzes nicht entfernt sondern belassen. Zweck und Form wären ansonsten nicht erklärbar.

Rückblick vom Nordgrat auf den Kreuzgipfel

Nun am Grat, der zuerst nur als leicht begehbarer Rücken ausgebildet ist, wird über Wiesenflecke mit eingestreuten Felspartien auf den nächsten Gratbuckel aufgestiegen. Spätestens ab dort gilt die Beschreibung im AV-Führer (Klier, Stubaier Alpen, 8. Auflage 1976) „…Anstieg von Nord weniger schwierig als mühsam und nicht ungefährlich über steile, brüchige Flanken emporführt.“ Wenn Julius Pock 1888 dies so beschrieben und die Beschreibung Vorlage für den Führer war, dann hat er sicher den Anstieg zum Kreuzgipfel mit „nicht ungefährlich über steile Flanken“ gemeint (siehe Empfehlung weiter oben), als „brüchig“ könnte der Verfasser aus seiner Beobachtung jedoch keinen Teil der Route bis zum Auslaufen am Ostgrat bezeichnen. Im Gegenteil, die Gratpartien verlaufen nach dem Kreuzgipfel in festem Amphibolit- und Hornblendefels.

kurze Strecke von Gratspitzln

Am Weg zum Hochpunkt auf den Gratkopf (2.508 m) findet sich ein kurzer Abschnitt mit Gratzacken, die überklettert, oder westseitig umgangen werden können und unmittelbar unterhalb des Hochpunktes ein kurzer Kletterabschnitt in festem Blockwerk.

Rückblick vom Gratkopf zum Kreuzgipfel

Vom Hochpunkt aus reicht der Blick über den gesamten folgenden Grat bis zum Mitterkogel. Nicht, daß man den Grat in seinen Einzelheiten ausmachen könnte, aber dessen gesamten Verlauf mit den schmaleren Partien die das Herz schon höher schlagen lassen.

Anstieg auf den Mitterkogel im Überblick vom Gratkopf aus

Mit einem kurzen Abstieg von etwa 20 bis 30 Hm in die tiefste Einschartung zwischen Gratkopf und Mitterkogel beginnt der zweite Abschnitt der Gratüberschreitung. Der Abstieg führt vorwiegend über Gehgelände, bevor die Gegenseite mit einem schönen Aufstieg im Fels aufwartet. Dieser Abschnitt und die folgenden, relativ flachen schärferen Gratpartien hin zum Gipfelaufbau des Mitterkogels stellen das Highlight der kletterbaren Abschnitte der Überschreitung dar. Leider sind sie viel zu kurz.

Aufstieg zum Mitterkogel von der tiefsten Einschartung aus gesehen: im Vordergrund der tolle Felsaufstieg

Am Aufstieg stellen sich schräge plattig, ebene Felsflächen direkt am Grat entgegen, die genügend Risse für eine leichte Begehung aufweisen. Das Gelände steilt auf und wer am Grat bleibt erlebt einige schöne Partien in mäßig schwieriger Kletterei, bevor ein kleiner grasbewachsener Kopf den nächsten, nun schärferen Teil der Gratverbindung zum Gipfelaufbau einleitet und der in luftiger Kletterei an der Gratschneide begeht, bevor er auf der breite Flanke des nördlichen Gipfelaufbaues abrupt ausklingt.

am schärferen Grat zum Gipfelaufbau des Mitterkogels

Anschließend an diesen schönsten Teil der Überschreitung führt ein auffällig gut ausgetretener Steig auf die Westflanke des Mitterkogels, wohl als Umgehung des Gipfels gedacht. Er wurde nicht weiter verfolgt, da das Ziel ja die Gratüberschreitung zum Mitterkogel darstellte. Daher rechts vom Steig am Grat weiter und über einen auffälligen, wenige Meter mächtigen Einschub eines anderen Gesteins wieder auf die Grathöhe.

Rückblick über den bärigen, scharfen Teil des Grates

Nach ein paar Minuten auf der leicht zu begehenden Grathöhe wird der Gipfelpunkt mit dem Steinmandl sichtbar und auch gleich erreicht. Das Steinmandl stellt die Zier des richtigen Mitterkogels dar und das Gipfelplatzl für die Rast fällt denkbar klein aus. Im Süden vor dem Gipfelaufbau befindet sich eine tiefe Scharte zum nächsten Felskopf mit annähernd gleicher Höhe an der Mitterkogel, dessen westseitig wegbrechende Aufstiegsflanke zuerst optisch abstößt.

Rückblick auf den schönsten Teil der Überschreitung

Die Aussicht am Mitterkogel (2.583 m) gegen Westen zeigt die 1.600 m entfernte Peiderspitze (2.808 m), die in einer schönen, abwechslungsreichen Gratüberschreitung vom Brechten (2.419 m)  im Norden erreicht und mit dem Abstieg über den Ostgrat zu den Koflerspitzen (2.663 m) zu einer traumhaften Runde ausgebaut werden kann. Beide Gratüberschreitungen können mit dem Glas in ihrer Gesamtheit vom Mitterkogel eingesehen werden. Tief unten liegt der Hundstalsee als Überrest glazialer Ausprägung des ehemaligen Seitengletschers im Hundstal.

Aussicht gegen Westen mit Peiderspitze, Ostgrat von den Koflerspitzen und Schlossgrat von Norden

Gegen Südosten beeindruckt der wuchtig, bizarre Aufbau des 600 m entfernten Weißsteins (2.640 m) und der Eckpunkt der hier beschriebenen Rundtour, der Roßkogel (2.647 m) im Osten, in 1.600 m Entfernung, dessen Gipfelkreuz ebenfalls nicht am höchsten Punkt errichtet wurde.

Blick ins „Enge Tal“ und bis zu den Karwendelvorbergen nördlich von Scharnitz

Der Blick über die Koflerspitzen in die Sellrainer Seitentäler und den Dreitausender der zentralen Stubaier ist von Peiderspitze, Weißstein und Roßkogel noch besser, dafür aber die Übersicht über das Tal in der Tiefe und den hinter dem Inntal aufsteilenden Karwendelgipfeln in direkter Linie bis weit über Scharnitz hinaus ein bemerkenswerter.

prekär aussehender Gegenaufstieg auf den schroff abfallenden Gratbuckel im Süden

Der Übergang auf den südlichen Vorkopf konnte problemlos über die brüchigen Stellen ausgeführt werden, natürlich unter eingehender Probe der Festigkeit der Griffe. Die kurze Flanke sieht eher schlimmer aus als sie bei Belastung zeigt.

Mitterkogel vom südlichen Gratbuckel aus gesehen

Auf ihrer Hinterseite führt ein steiler wiesenbewachsener Hang auf eine Flachstelle mit anschließendem Abstieg in einen tiefen Sattel an dem die eher flache Gratverbindung zum Ostgrat der Nördlichen Sellrainer Berge beginnt.

Rückblick auf den Südgrat zum Mitterkogel

Einige Gratköpfchen stehen der direkten Verbindung noch im Weg, die der Verfasser am Hochpunkt überschritten hat. Es wäre aber auch möglich, diese auszulassen und den ostseitigen Steig zu benutzen, der mit weniger Auf und Ab dorthin führt.

der imposante Weißstein im Osten, das nächste Ziel

Am Ostgrat angekommen führt die Rundtour hinab in den weiten Sattel zum Weißstein. Etwas nördlich des bezeichneten Steigs erfolgt der Aufstieg aus dem Sattel zum Einstiegspunkt des Weißsteins, dessen schöne Felsgestalt vollständig aus festem Granodioritgneis gebaut ist.

Weißstein Westflanke von der Einsattelung aus gesehen; zu Beginn des letzten Bilddrittels der Einstieg

Der Aufstieg zum Gipfel wurde mittlerweile durch Markierungen gekennzeichnet, obwohl sich die Route in der AV-Karte nicht eingezeichnet findet. Der Einstieg erfolgt imposant am Fuße einer hohen Wand mit schätzungsweise 65 bis 70° Wandneigung in einen gutgriffigen Riss auf ein Wiesenband etwa 20 m darüber.

schöner gutgriffiger Aufstieg auf das Wiesenband

Leider zog just am Aufstieg hartnäckiger Nebel von den feuchten Hängen des Sellraintales herauf, der die Sicht über Minuten nahm und zwecks der fotografischen Dokumentation Pausen bedingte. Die Aufstiegsroute auf den Weißstein ist markiert vorgegeben und deshalb hier nicht ausgeführt.

steiler Aufstieg in eine schuttgefüllte Verschneidung

Am Gipfel wurde von der Bergrettung Gries im Sellrain ein Holzgipfelkreuz aus Rundhölzern gefertigt aufgestellt. Ein aus Blech getriebenes Edelweiß bildet den Kreuzknoten auf Stahlplattengrund und eine bestens ausgeführte Blitzschutzanlage, sowie ein ausgeklügelte Gipfelbuchschachtel runden die Perfektion der Dauerhaftigkeit ab. Ein Blick in das dicke Gipfelbuch verdeutlicht die hochfrequente Begehung des Weißsteins.

unterhalb der Gipfelwand des Weißsteins

Eindrucksvoll erscheint von hier auch der gesamte Nordgrat des Mitterkogels, die Höhenverhältnisse mit Scharteneinschnitten werden gut sichtbar. Leider konnten aufgrund der Nebelattacken die Größen der Stubaier nicht gebührlich betrachtet werden. Eine ausführlichere Beschreibung der Aussicht gen Süden befindet sich im Bericht über die Peiderspitze.

Weißstein, 2.640 m

Der Abstieg vom Weißstein am Grat folgt einem Verschneidungssystem in seiner Ostflanke, der – so wie der Aufstieg auch – seilversichert ist und daher leicht zu begehen. Martin, den der Verfasser am Gipfel kennengelernt hat, nahm gleichzeitig den Rückweg zum Roßkogel, von dem aus er den Abstecher zum Weißstein unternommen hat, in Angriff. Von ihm stammt das Bild in der Verschneidung.

Ansicht der Grate auf den Mitterkogel

Der Übergang zum Roßkogel führt über Bergwiesen mit schrofigen Rippen in einem leichten Auf und Ab ziemlich direkt der Grathöhe folgend, samt und sonders Gehgelände.

Roßkogel vom Weißstein gesehen

Hinter einer letzten Rippe nach dem Ende des Abstiegs in der Verschneidung führt der Steig über einen langen Sattel auf einen Zwischenkopf und weiter zum abgerundeten Roßkogel, bei dem das Gipfelkreuz etwa 90 m östlich der höchsten Erhebung errichtet wurde.

Rückblick auf den Weißstein am Weg zum Roßkogel

Zwischen dem geodätischen und dem Kreuzgipfel des Roßkogels befindet sich ein Streifenfundament mit Resten einer abgebrannten Liftstütze ohne erkennbare weitere Merkmale einer Seilbahn.

letzter Teil der langen, schönen Verschneidung hinab auf den Steig

Das selbe sonderbare Bild zeigt sich am Abstieg vom Roßkogel auf seinem Nordgrat, wo am flachen Teil des Windeggs ebenfalls zwei solcher Fundamente mit abgeschnittenen Stützen vorgefunden werden.

 

Martin am Steig zum Roßkogel

Dort kann man nebst einiger Buchstaben, die offenbar einen Namen bedeuten auch die Jahreszahl 1978 im Schriftzug „T.H. 1978 + A.B.“ lesen. Der Abstand der Fundamente beträgt 865 m und mit dem Höhenunterschied 1.010 m. Eine solche Spannweite würde gewaltige Spannkräfte benötigen mit entsprechenden Gegengewichten.

 

erster Teil des Steiges zum Roßkogel

Mit einem Höhenunterschied von 390 m ein ehrgeiziges Seilbahnprojekt worüber sich rein gar nichts im Internet und in der Chronik der Gemeinde Inzing, auf deren Gebiet die Anlage steht, recherchieren läßt. Was mag das wohl für eine Anlage gewesen sein und was ihr Zweck? Es gibt weit und breit nichts das man hätte mechanisiert auf den Roßkogel hätte bringen müssen.

 

kurz vor dem Roßkogel

Waren die Fundamente in Windegg das untere Seilbahnende? Die Seilachse nach Norden verlängert ergibt keinen Sinn, da sie in der Flanke zum Abhang ins Hundstal hin führen würde, wo eine Beladung der Bahn mit Material nicht hätte stattfinden können.

 

Fundamente am Windegg

Ebenfalls führt kein befestigter Weg vom Krimpenbachsattel zu den Fundamenten auf Windegg. Wozu könnte diese Anlage gedient haben? War sie jemals in Betrieb? All diese Fragen tauchen auf, wenn man die Trasse betrachtet. Wer kann Antwort darauf geben?

Nordgrat Roßkogel

Vom überlaufenen Gipfel des Roßkogels setzt die Rundtour über den markierten Nordgrat zum Krimpenbachsattel fort. Eine Abbruchstelle in der ostseitigen Umgehung eines kleinen Felskopfes, knapp nach dem Verlassen des Gipfelkreuzes, wurde durch eine neu gebaute Seilversicherung entschärft. Die Beschreibung dieses Normalwegs entfällt daher.

Rückblick über den Nordgrat auf den Roßkogel

Auf den Almböden trieben die Besitzer gerade ihre Pferde zusammen, als der Verfasser gegen den Krimpenbachsattel abstieg. Am Krimpenbachsattel muß der Almzaun überklettert werden, es gibt keinen Durchlass. Der Rest des Abstiegs zur Inzinger Alm erfolgt entlang des vom Weidevieh strapazierten Steiges am Almzaun, und später im Wald.

Mitterkogelgrat von der Wiese südöstlich der Inzinger Alm

Die großartige Runde hat 6:40 Stunden in Anspruch genommen. Sie benötigt 1.350 m Aufstieg und misst gut 10 km. Die Tour klingt bei Bier und Graukas in der Inzinger Alm aus.

Mils, 04.09.2022

1 Kartenanbieter, die den Steig zeigen und keinerlei Bezug zur heimischen Landschaft haben:
MapLibre GL JS
https://www.npmjs.com/package/maplibre-gl
https://alpenkarte.eu/
https://mapcarta.com/de/N758871003

 

 

Peiderspitze, 2.808 m über Schloßköpfe

Blickt man im Winter von Innsbruck oder auch von Mils gegen Westen, so erkennt man unweigerlich, bis weit ins Frühjahr hinein, einen Kammrücken mit enormer Wechte, der quer zum Inntal zu stehen scheint, im Brechten gipfelt und als scharf gezackter Grat weiter nach Süden über die Schloßköpfe führt, sowie zuletzt, durch eine tiefe Scharte deutlich getrennt, in der Peiderspitze seinen Abschluß findet.

Hoangart auf der Peiderspitze

Es ist dieser mächtige Nordgrat ein Ausläufer der Nördlichen Sellrainer Berge, der sich gegen das Inntal hin gabelt, zusammen mit dem kleineren Nordgrat der den Mitterkogel trägt, den Talkessel des Hundstales mit der Inzinger Alm bildet und auf seiner zweiten Höhenstufe ab der Alm den farbenprächtigen Hundstalsee birgt.

Rückblick auf den Inneren Schloßkopf und dem Übergang

Bereits längere Zeit fiel uns der interessante Kam ins Auge und im Winter zuvor unternahmen wir auch eine Schitour auf den Archbrandkopf, die eigentlich bis zum Brechten hätte führen sollen, um den weiteren Verlauf des Kamms zu studieren. An diesem extrem kalten Februartag blies uns jedoch ein derart unangenehmer Nordwestwind entgegen, sodaß das Vorhaben am Archbrandkopf endete.

der Kamm von der Peiderspitze Richtung Norden ins Inntal

Nach dem Studium des AV-Führers von 1976 – alte Führer beinhalten oft nicht mehr aktuelle Informationen, aber auch unschätzbare Schmankerln – beschlossen wir die Tour von der Inzinger Alm als Runde auszuführen, mit Abstieg über den Ostgrat und entlang der Koflerspitzen hinab zum Hundstalsee, mit dem Talweg zurück zur Inzinger Alm.

Parkplatz vor der Inzinger Alm

Der beginnende Sommer bescherte uns prächtigstes Wetter sowie wunderbare Farben in der Natur. Blühende Almwiesen im Aufstieg, aber auch lästige Nebelbildung durch die unterschiedlichen thermischen Verhältnisse eines Kaltluftstroms und der zunehmenden Sonnenbestrahlung am Vormittag, bescherten uns wechselnde Eindrücke.

Schloßköpfe und Peiderspitze, links Mitterkogel

Vom Parkplatz vor der Inzinger Alm (auch Hundstalalm, Parkplatz 2022 kostenlos) begaben wir uns, dieselbe zunächst unbeachtet rechts liegen gelassen, um sieben Uhr über den Mittelleger der Galtalm und dem Hochleger der Jochbrunnalm auf den Weg zum Nordostzweig des Gratkamms, der, vom Rauen Kopf ausgehend, den Gabelpunkt des langen Nordgrats von der Peiderspitze gegen das Inntal bildet.

Galtalm, heute Hütte der Bergwacht Inzing; dahinter Mitterkogel

Der Aufstieg erfolgt bis zum Hochleger der Jochbrunnalm entlang dem Schotterweg, der am Hochleger endet. Reichlich Almrosen und auch Galtvieh trifft man auf dieser sonnigen Strecke an. Die Galtalm, auf 1.844 m, auch Alpl genannt, beherbergt heute die Bergwacht Inzing und es gibt über ihre Geschichte eine nette Seite am Blog der Bergwacht.

Idylle auf der Galtalm

Der Hochleger der Jochbrunnalm stellt eine reife Leistung dauerhaft ausgeführter Zimmermannskunst dar. Das Dach wurde unter möglichster Beibehaltung der Hangneigung in denselben hinein gebaut, um keiner Energieumlenkung standhalten zu müssen. Es lohnt sich ein Blick in die Ställe, um die wuchtige Dachkonstruktion zu sehen. Dieses Gebäude hält bereits über viele Jahre Lawinen vom Kamm herab stand, der immerhin mit etwa 30° Hangneigung 240 Hm über der Alm liegt und dessen freie, gleichförmig steigende und eben geformte Hänge keinerlei Bremswiderstand für die Massen bieten.

Hochleger der Jochbrunnalm

Am Nordostkamm angelangt bietet sich ein vortrefflicher Aussichtspunkt auf den weiteren Steigverlauf zum Brechten. Reines Gehgelände auf saftigen Wiesen läßt die Vorfreude auf den schärferen Teil der Kammbegehung wachsen und der erste Gipfelpunkt der Rundtour, der Raue Kopf, ist bald erreicht.

Kamm zum Brechten

Seine Lage befindet sich etwas nördlich der kürzesten Route auf den Nordgrat, er stellt jedoch eine geographische Marke dar und muß für das Gesamterlebnis der Runde begangen werden. Zu bevorzugen ist für den Tiroler und Einheimischen die Bezeichnung seiner Markierung – Heimkehrerkreuz. Ihm vorgelagert befindet sich das Flaurlinger Joch am Nordwestausläufer des Nordgrates.

 

vom Rauen Kopf gegen den Brechten geblickt

Flach steigt nun der erste Teilabschnitt der Gratbegehung gegen den Brechten an. Ein breiter Rücken bildet die Weidefläche für einige aufgeregte Schafherden, die neugierig herankommen, als hätte man Salz anzubieten. Sie wandern erstaunlich weit mit, schrecken jedoch sofort zurück, wenn man ihnen die Hand hinstreckt.

Hocheeder und Rietzer Grieskogel im Nebel verhüllt

Der Hochpunkt auf dem Kamm ist der Brechten und dieser trägt eine Wetterstation, von der auf am Blog der Inzinger Bergwacht in einem weiteren Link vom „Inzing Wetter“ zu lesen ist, das beispielsweise einen jungen, bemerkenswerten Eintrag kolportiert:

„Druckwelle der Vulkanexplosion im Südpazifik auch am Brechten registriert! 16.01.2022

Kurz vor 21:00 Uhr am 15. Jänner 2022 erreichte uns nach der Explosion eines Vulkans im Südpazifik die dabei entstandene Druckwelle. Diese Schockwelle legte 17.000km zurück und wurde als starke Luftdruckschwankung an vielen Wetterstationen dokumentiert. Die Grafiken dieser Anormalie hatten sowohl am Sonnblickobservatorium (ZAMG) und am Brechten die selbe Charakteristik  – mit einer kurzen Spitze und zwei anschließenden Wellentälern.“

Wir übersehen die Anomalie in Anormalie und empfehlen hiermit die tolle Webseite näher zu erforschen, da diese Station vielfältigste Informationen bietet, sowie auch rückblickende Aufzeichnungen liefert, wie z. B. die Information der Durchschnittstemperatur von 11,5°C am Tag unserer Tour. Weiters liegt die Station in der Hauptwetterrichtung und ist für alle Touren östlich davon, z. B. in den vorderen westlichen Tuxern, eine wichtige Informationsquelle am Morgen bei zweifelhaften Bedingungen.

unterwegs zum Hohen Bremstall

Zu beiden Seiten des Brechtens bilden sich im Hochwinter die mächtigen Wechten, von denen eingangs die Rede ist, die sich lange im Frühjahr halten und von denen auch wir zu Sommerbeginn noch kärgliche Reste vorfanden, ideal gelegen, in einer seichten Senke im Lee der Hauptwetterrichtung von Westen.

Hoher Bremstall, 2.602 m

Am Ende der folgenden Senke des Weitkars zeichnen dann bereits erste Blockwerkshaufen die Änderung von flachen und grünen Almwiesen hin zu steileren Felsflächen und dem ersten aufragenden Gratkopf, dem Hohen Bremstall. Spätestens dort ist man die laut klagenden Schafsgruppen los. Und auch deren Hinterlassenschaft, die am Aufschwung noch für deutliches Odeur zwischen den ersten Blockwerksfeldern sorgten.

Rückblick mit Inzinger Alm in der Tiefe

Leiser geht es dann weiter auf den ersten Felsgupf der Schloßköpfe. Eindrucksvoll liegen die mannsgroßen Granitgneisblöcke wirr aufeinander und bilden eine erste leichte Barriere des Grates. Die Streckenlänge vom Rauen Kopf bis zu diesem Felskopf (2.602 m, mit „Hoher Bremstall“ in der AV-Karte benannt) beträgt beachtliche 2,1 km und es handelt sich bei dieser Strecke um den quer im Inntal anmutenden Kamm vom Osten des Inntales aus betrachtet.

ein herrlicher Grat zeichnet sich ab

Mit guter Aussicht zu beiden Seiten vom Kopf kann bei einer Trinkpause der weitere Verlauf des Grates eingesehen werden. Und das Herz jauchzt bereits beim Anblick der schönen Gratformationen, die da kommen werden. Da gibt es zunächst eine flachere Strecke, bevor der deutlich an Schärfe zunehmende Grat mit einigen interessanten Zacken den Entdeckergeist beflügelt.
Äußerer und Innerer Schloßkopf ragen hinter der naheliegenden Gratstrecke in der Ferne sichtbar auf – ein Traum von Gratstrecke kündigt sich an!

herrliche Blockkletterei im festen Granitgneis

Mit geringem Höhenverlust setzten wir mit Bedacht den Fuß auf die willkürlich gestapelten Blöcke, auf deren scharfe Kanten, auf deren ansteigend und abfallend geneigte Reibungsflächen und waren dabei gespannt, ob sie unter unserer Last kippen oder zumindest wackeln und ein verändertes Gleichgewicht einnehmen würden.

erster Aufschwung in Sicht

Kaum ein Geräusch und kaum eine Kippbewegung konnten wir auf dieser ersten Strecke wahrnehmen, so stabil lagern auf diesem schönen Grat Blöcke und Platten aufeinander. Etwa 10 min zieht sich diese Strecke bis zum nächsten Aufschwung hin.

 

Aufstieg auf die Rampe

Nach dem auffällig ebenflächigen und glatten Felsen auf der Ostseite des Grates erreichten wir die schönste Kletterstelle der Überschreitung. Sie beginnt mit einer glatten und steilen Rampe, die in einem Kamin endet. Mitten am Weg auf die Rampe unterquert man einen massiven Block, auf der Grathöhe prekär auflagert – ein Fotomotiv.

 

unter gewaltigen Blöcken hindurch

Im oberen Teil schließt sich die linke Seite durch aufziehenden Fels, der den leichten Kamin ausbildet und nach oben hin enger wird. Diese Stelle erfordert den Durchstieg quer zur Körperachse und das Ablegen des Rucksacks.

 

hin zum Kamin

Beim Versuch dem Kamin auszuweichen und ihn auf den Grathöhe zu überklettern scheiterte der Verfasser an der notwendigen enormen Spreizweite und den zu großen Griffabständen im vorderen Kaminteil.

 

Ausstieg aus dem Kamin

Auf der Grathöhe nach dem Kamin angelangt genießt man eine phänomenale Aussicht auf die nun nahe voraus liegenden beiden Schloßköpfe. Auf der Karte des oben erwähnten alten AV-Führers sind die beiden höchsten Schloßköpfe mit „Innerer und Äußerer Schloßkogel“ und mit orographisch falscher Anordnung eingezeichnet, im modernen Kartenwerk fehlen die Bezeichnungen und nur der Innere Schloßkopf mit 2.725 m wurde markiert.

Blick aus dem Adlerhorst auf den nächsten Abschnitt

Von dem kleinen Adlerhorst in dem man sich nach dem Kamin befindet, fällt die Wand steil gegen den nächsten Aufschwung ab. So steil, daß man zunächst zurückschreckt, bevor man die Möglichkeiten des Abstiegs genauer inspiziert.

Abstieg vom Adlerhorst; erster Tritt zu mehr Überblick

Tatsächlich erkennt man dann einen komfortablen Tritt, auf dem man aus der Kanzel in die freie Wand steigen kann und auf dieser Tiefe dann auch den weiteren Abstieg über herrlich schönen Granitgneis, mit Klüften gesegnet und völlig fest, ausführen kann.

Abstieg zum Grat – welch Pracht an Formen und Farben!

Am schneidigen Grat beschlossen wir dem breiten Riss nach unten zu folgen und dies stellte sich als unnötig heraus, da wir von unten, um eine kleine Rippe herum, sofort wieder gezwungen waren auf die Grathöhe aufzusteigen.

Abstieg vom Grat; hätte es nicht gebraucht, am Grat wäre es bequem weiter gegangen

Wer hier vom Adlerhorst aus den Grat besser studiert und sich nicht nur vom Abstieg beeindrucken läßt findet den schönen Durchstieg zum breiten Abstiegskamin direkt am Grat und bleibt direkt an der Gratschneide (siehe Foto mit Beschriftung).
Im Rückblick konnten wir die etwa 15 m schönen Grates erkennen, die wir durch den Ab- und Wiederaufstieg verabsäumt hatten.

nach dem sofortigen Wiederaufstieg bereits wieder in einem kurzen Abstiegskamin

Der Abstiegskamin führt über kaum 10 m in eine mittelbreite Scharte hinab, deren Gegenaufstieg ein glatter Felskopf bildet, bei dem man schon beim Abstieg erkennt, daß er nicht erkletterbar ist, zumindest nicht direkt von der Scharte.

nächster Felskopf; nicht kletterbar, daher kurzer Abstieg

Der einzige Weg besteht darin ihn zu umgehen und zwar auf der Westseite. Auf seiner Ostseite fällt die Flanke fast senkrecht ins Hundstal ab. Dazu bedarf es einiger Meter des Abstiegs, bis ein Bandansatz den zu großen Höhenverlust begrenzt und gleich wieder aufgestiegen werden kann sowie, auf der Rippe oben, sogleich ein Steinmann gesichtet wird.

Umgehung der Rippe mit Steinmann

Jenseits der Rippe fanden wir gleich wieder grasiges Gehgelände vor und waren ein wenig enttäuscht, daß die bärige Gratstrecke schon zu Ende war.

Überblick des schönsten Kletterabschnittes der gesamten Überschreitung

Als kleinen Trost ließ die Natur dort den punktierten gelben Enzian und in wild zerklüftetem Fels vor schaurigem Absturz der Ostflanke die rostrote Alpenrose gedeihen.

Alpenrose in steiler Scharte

Der nächste Aufschwung stellt bereits den Äußeren Schloßkopf dar (im alten AV-Führer auch als „Kleiner Schloßkopf“ bezeichnet).

Aufstieg zum Äußeren Schloßkopf

Als eher runde, unscheinbare Erhebung ist er um ein paar Meter höher als der südlich dahinterliegende nächste Spitz, der schöner aussieht, der Bezeichnung Schloßkopf eher nahekommt und mit einer langen Flanke in die letzte Scharte zum Inneren Schloßkopf hin abfällt. Der Abstieg in die Scharte beträgt 35 Hm.

 

Besichtigung der Strecke zum Inneren Schloßkopf

Ab der Scharte sind die über längere Strecken durchgehenden Klettereien vorbei, ab und zu werden Aufschwünge überklettert, jedoch nur in sehr kurzen Sequenzen und kaum unter Einsatz der Hände.

Abstieg in gesamter Länge

Der Aufstieg auf den Inneren Schloßkopf, sowie der Übergang zur Palderscharte (Bezeichnung laut Tiris) finden am Grat in Gehgelände statt.

einige wenige Kletterstellen

Wie immer durch kleine Einschartungen mit Auf und Ab, zum Schluß etwa 40 Hm zur Palderscharte abfallend und westseitig am Grat weiter zum begrünten Sattel zwischen dem Nordgrat und der Peiderspitze.

am Inneren Schloßkopf

Den Übergang vom Inneren Schloßkopf bis hin zum steilen Blockgrat auf die Peiderspitze bildet Amphibolitgestein, das in der Farbe auch sichtbar gegenüber dem vorhergehenden Granitgneis sichtbar wird.

Hochpunkt am Übergang; Hintergrund Peiderspitze

Gegenüber erwartete uns ein schöner, durchgehend steiler Aufstieg über 140 m auf die Peiderspitze. Deutlich kann man am Bild von der Gegenseite sehen, daß man sich in mindestens zwei verschiedenen Gesteinsarten bewegen wird, ein rötliches Band, auffallend begrünt, zieht sich durch den Nordgrat der Peiderspitze (Biotit-Plagioklas-Gneis?).

Abstieg zur Palderscharte, jenseits Peiderspitze

Der Aufstieg beginnt auf einer steilen plattigen Rampe mit gut ausgeprägtem Risssystem, um einen Normalweg als Steig zu schaffen. Der Normalanstieg vom Hundstalsee führt über die begrünte Schuttreise auf den Sattel herauf und setzt hier fort. In diesem unteren Teil, sowie im obersten führt sogar einmal ein Normalweg über blockiges Klettergelände, wenn auch durch große Risse und Klüfte fast als Steig ausgebildet.

am Normalweg durch den Blockgrat

Im Mittelteil  ein etwas flacherer und kaum blockiger Abschnitt mit deutlicher Ausprägung eines Steigs auf sandigem Untergrund sowie vegetationsreich. Dieser Gesteinsabschnitt scheint sich der Erosion mit durchwegs weniger Zähigkeit und Härte zu widersetzen als die umgebenden Abschnitte darunter und darüber.

Primel in der mittleren, vegetationsreichen Stufe zur Peiderspitze

Im oberen Teil findet man wieder prächtiges, großblockiges Gelände vor, wobei gegen den Gipfel hin die Blöcke massiv groß ausgebildet sind und einen schönen Abschluß in leichter Blockkletterei bilden.

die letzten Meter mit sichtbarem Gipfelkreuz

Kurz vor Erreichen des Gipfelplateaus, im größten Blockwerk wenige Meter unterhalb des Gipfelkreuzes, findet man auf einer fast horizontalen Fläche eines Blocks im Schatten einen schönen Biotitkristall, eingebettet in Gneis für die Linse.

Biotitmineral, etwa 15 mm Durchmesser

Die Peiderspitze bietet einen phänomenalen Ausblick auf Lüsens- und Gleirschtal, die im Sellrain gegenüber liegen und die Ausgangspunkte für wesentliche Gipfel der Stubaier Alpen bilden, ob als Bergtour oder als Schitour.

Gipfelkreuz der Peiderspitze

Auf diesem Blog wird unter anderem davon in den Berichten über die Hohe Villerspitze, der Ruderhofspitze und vom Lüsener Fernerkogel als Bergtour und vom Roten Kogel, der Lüsener Spitze, dem Hohen Seeblaskogel, der Haidenspitze, dem Samerschlag und dem Gleirscher Fernerkogel berichte, um nur einige nicht überlaufene davon zu nennen.

Abschluß durch den Lüsener Fernerkogel; leider heute im Nebel

Im Südosten bietet die Peiderspitze einen umfassenden und bärigen Blick auf die Kalkkögel in 14 km Entfernung. Hier gibt es wunderbare Bergtouren mit der Schlicker Seespitze, als klettertechnisch schon anspruchsvolle Überschreitung von der Riepenwand und auch als Schitour.

im Südosten die Kalkkögel

Die Kühtaier Berge im Südwesten bieten mit der Weitkarspitze, der Kraspesspitze als Rundtour vom Finstertaler Schartenkopf, dem Sulzkogel und dem Hochreichkopf bärige Schitouren und als Bergtour mit dem Neuner- und Pockkogel, sowie dem Acherkogel über den Maningkogel unvergessliche Bergtouren.

Kühtaier Berge mit Acherkogel in rechtem Bilddrittel

In der Kette, dem Westen folgend, sind schöne Schitouren auf den Pirchkogel mit der Umrundung des Hochalters zu nennen, sowie die Schitour auf den Hochalter selbst und jene auf den Rietzer Grieskogel.

nördliche Kühtaier Berge mit Pirchkogel in Bildmitte

Leider hat das nette Holzkreuz aus 1985 einen Schaden am Querbalken abbekommen und bedarf einer baldigen Reparatur.

Herwig auf der Peiderspitze mit dem Kollegen Stefan und seiner Begleiterin

Wir erreichten die Peiderspitze kurz nach zwei anderen Bergsteigern, die wir von der Gegenseite aus am weißen Helm gut ausmachen konnten; am Gipfel stellte sich heraus, daß es ein Kollege von Herwig war und seine Begleiterin die Schwester eines Kollegen des Verfassers.

eindrucksvoller Tiefblick auf Alt-Peida (sehr wahrscheinlich namensgebend für die Spitze) in Bildmitte und St. Sigmund

So sehr abgeschieden man die Peiderspitze zu liegen vermutet war diese Begebenheit der Auftakt zur gemeinsamen Einnahme von Höhenmedizin und dem Staunen welch Zufälle sich auf diesen Koordinaten ergeben können.

Peiderspitze, 2.808 m

Der Abstieg in Richtung Koflerspitzen wird im Führer als oberer Bereich von mäßig schwierig beschrieben und die südseitige Umgehung mancher scharfer Stellen anheimgestellt.

Abstieg von der Peiderspitze über den Ostgrat

Unsere Wahrnehmung dazu: während der Nordgrat wenige ausgesetzte Stellen aufweist und ebenfalls mäßig schwierig beschrieben wird, kann eindeutig bestätigt werden, daß der Ostgrat wesentlich ausgesetzter ist, klettertechnisch jedoch eher leichter erscheint, wobei wir ganz unten einige uns als nicht ersteigenswert eingestufte Zacken ausgelassen haben und südseitig im Hang querten.

phantastische Aussicht auf Roßkogl und Weißstein im Osten und den Hundstalsee

Wir machten uns einige Minuten später als die beiden Kollegen auf den Weg zum Abstieg, holten sie an einem Gratstück ein und setzten gemeinsam den Abstieg über den schönen Grat fort.

auf schmalem Grat geht es ganz toll weiter – leichtes und bizarres Gratgelände

Die meisten Passagen am Grat sind leicht zu begehen, in durchwegs festem Fels, begrünt selbst an der Gratoberkante.

eine erste schärfere Stelle nach dem breiten Gelände beim Abstieg

Es gibt eine Stelle, die etwas kniffliger erscheint, die aber auf Reibung und einem schwungvollen Schwenk nach rechts zu einem sicheren Griff gut zu meistern ist. Diese kurze Stelle mag die o. g. Einstufung des oberen Grades von mäßiger Schwierigkeit verdient haben.

Detail Gratausbildung

An der Stelle bricht der Grat nach vorne senkrecht ab und im Abstieg muß links (nordseitig) über etwa zwei Meter bis zu einer steilen glatten Felsfläche abgestiegen werden, an deren Vorderkante der Abbruch beginnt.

heikle Stelle am Ostgrat beim Abstieg Pfeil Gehrichtung, Kreis rechts = Griff rechte Hand, Kreis links Griff = linke Hand nach Überstieg auf Reibung

Nun muß die plattige Felsfläche schwungvoll nach rechts (südseitig) gequert werden, um in eine Scharte zu gelangen. An der Südseite gibt es dann einen sicheren Griff für die linke Hand und man kann den Oberkörper rüberziehen.

steile Abstiege sind auch zu bewältigen

Die Schwierigkeit besteht einzig im sicheren Tritt auf der steilen Felsfläche und im schwungvollen Überstieg bis zum Griff für die Linke, wobei der Griff der Rechten kurz vorher ausgelassen werden muß.

Blick auf den schönen Talkessel im Hundstal

Weiter unten sahen wir, daß die Bruchfläche unterhalb der Felsfläche rötlich angewittert ist, also der Abbruch noch nicht sehr lange zurückliegt. Möglicherweise war diese Stelle in den letzten Jahren einmal leichter begehbar.

letzte Passage am Abstieg in der Südflanke (die Spitzen empfanden wir dort nicht mehr als ersteigenswert)

Am Ende des Ostgrates führt ein Aufschwung etwa 30 Hm wieder auf einen Hochpunkt, den Tiris mit (Koflerspitzen 2.663 m) bezeichnet. Im AV-Führer ist von den Koflerspitzen mit der höchsten Erhebung von 2.641 m etwas weiter östlich die Rede und diese näher zusammengehörigen bizarren Spitzen dürften eher die Koflerspitzen darstellen, als der Punkt 2.663 m.

letzte Gratsequenz zum Abschluß, rechts der Punkt 2.663 m

Am Weg in Richtung derselben überschritten wir zuerst flaches Gelände übersät mit Schiefgneisplatten, bevor das Plateau in einen Bereich mit einer tiefen Senke überging. Dabei handelt es sich um eine Bergzerreißung, die dadurch bedingt ist, daß die südliche Flanke (in drei Stufen?) abgesackt ist und den Graben bildete.

Rückblick auf den bärigen Ostgrat – man erkennt den jungen Abbruch über sich dem die heikle Stelle befindet

Allein die entstandenen bizarren Spitzen dürften jene sein welche der erste Beschreiber (Julius Pock?) als Koflerspitzen benennen wollte. Die beiden westlich und östlich von diesen Spitzen liegenden runden Erhebungen dürften nicht zugehörig zu den Koflerspitzen gemeint gewesen sein.

flach von Pkt. 2.663 m Richtung Weißstein

Die Koflerspitzen überschritten wir nicht, vielmehr galt das Ziel der östlichen runden Erhebung, von der aus ein markierter Steig zum Hundstalsee hinab führt. Die Erhebung befindet sich knapp oberhalb der Schneebrücken der Lawinenverbauung  und von ihr führt ein sichtbarer Steig weiter Richtung Mitterkogel.

Bergzerreißung mit Talbildung voraus, rechts die Koflerspitzen

Hier endet die bergsteigerisch interessante Strecke der Rundtour. Am markierten, aber nur im Kompass Kartenwerk verlaufenden Steig, geht es durch Blockschutt hinab zum Hundstalsee, vorbei am formschönen Gipfel des Weißsteins, der am Grat zum Roßkogel eine zentrale Stellung einnimmt.

Weißstein – welch Erscheinung!

Einem interessanten schwarzen Felsblock begegnet man unweit vor dem Seeufer, er liegt mitten auf dem flachen Schutthang und sticht aufgrund seiner Farbe ins Auge.

Abstieg Richtung Hundstalsee auf markiertem Steig, in AV-Kartenwerk nicht vorhanden, jedoch in Kompasskarte

Es handelt sich dabei um einen Bänderamphibolit, der recht genau an der Grenze vom Schiefergneis durch Gletscherbewegungen zu liegen genkommen sein dürfte.

Gesamtszene der westlichen Begrenzung des Hundstals

Ebenfalls ins Auge sticht ein Bau, der in der Natur der Gegend einigermaßen exotisch anmutet. Der von seinen Erbauern „Apollontempel“ genannte Steinbau, der ohne Bindemittel aus lediglich aufeinander geschlichteten Steinen besteht, wird von zwei sich gekrümmt verjüngenden Türmen flankiert und besitzt einen unbeleuchteten runden Innenraum unter runder Kuppel.

Bänderamphibolit unweit des Seeufers – eine auffallende Wegmarke

Am Portal steht ein in Stein gemeißelter Auftrag zu lesen: „Erkenne dich selbst“. Die Außenanlage besteht aus einem Steinsteg in den See und mehreren Türmchen am Ostufer, die den Zugang säumen.

Apollontempel gegen Peiderspitze

Ob es bei diesem Bauwerk eine – und wenn, um welche – Bewandtnis zu den klassischen Tempeln der Antike gibt bleibt offen, vielmehr, dem Einzelnen überlassen. Auf der Homepage eines der beiden Errichter ist zu lesen:

Hierbei handelt es sich um ein ökologisch und ästhetisch neuartiges Kunstwerk, das die Verbindung Natur – Mensch -, Kunst – Mensch, sowie Kunst und Natur darstellen soll“

Nun, es mag jeder selber darüber befinden wie er diese Erscheinung in Verbindung mit der Natur bringt, vor allem Letztere des Zitates der Homepage. Die Animation dazu findet sich am Portal eingemeißelt.

der sogenannte Apollontempel

Der Hundstalsee wird mit Frischwasserquellen aus dem Seeloch gespeist und hat einen Abfluß mit bemerkenswert großer Schüttung, die am Abstieg zur nächsten Talstufe erst so richtig sichtbar wird.

Kuppel des Apollontempels

An der tieferen Talstufe führt der Steig jenseits des sogenannten Enterbachs an einer Jagdhütte vorbei. Die Ebene davor bildet einen Schwemmbereich für den Bach mit allerlei Arten von Gräsern, die im Sumpf prächtig gedeihen.

Hundstalsee mit dem Bauwerk, von dem ein reflektierend Licht auszugehen scheint (es handelt sich um eine Fläche im Inneren, nicht um den Schlußstein der Pforte)

Am Abstieg fällt noch ein Kreuz am nördlichen Teil des kurzen Grates, der vom Mitterkogel in die Inzinger Alm zieht, auf. Diese Erhebung hat keine Bezeichnung im Kartenwerk, ist nirgends beschrieben und einen Gipfel im Sinne der Definition stellt sie auch nicht dar.

eine malerische Feuchtfläche bildet die untere Talstufe

Möglicherweise handelt es sich um ein Kreuz eines örtlichen Vereins, zwar zentral am Gratausläufer recht schön gelegen, aber offenbar ohne allgemeine bergsteigerische Relevanz. Die Besteigung dürfte über das Enge Tal erfolgen.

ein letzter Rückblick von der mittleren Talstufe

In der Inzinger Alm genossen wir noch Kasknödel mit Salat, die empfehlenswert sind. Anders als in der Suppe sind die Knödel mit Salat knackig frittiert und nach der langen Runde genau die richtige Stärkung.

bar jeden Alltags nach einer gelungenen Bergfahrt

Zu den Eckdaten der Runde sei zu sagen, daß wir die 1.450 m Aufstieg und die Streckenlänge von 13,1 km in 8:43 Stunden absolviert haben. Die Gipfelpause betrug dabei eine halbe Stunde, restliche Pausen in Summe geschätzt 20 Minuten.

Mils, 26.06.2022