Schitour Sonnenjoch, 2.292 m

Die streckenmäßig längste Schitour im Luegergraben stellt der schöne, sonnige Aufstieg auf das Sonnenjoch am Talschluß dar. Das geschichtsträchtige Ziel, auch Sonnjoch genannt,  wird bei schönem Wetter auf einer unvergesslichen Tour erreicht, ein leichter Gipfel mit rassiger Abfahrt über seine felsigen Nordhänge.

Sonnenjoch, 2.292 m – mit Herwig und Andrea

Auch geographisch stellt das Sonnenjoch einen Zentralpunkt dar, treffen dort die drei Bezirke Kitzbühel, Kufstein und Schwaz zusammen, sowie fünf Gemeinden: Alpbach, Wildschönau, Hopfgarten, Stummerberg und Hart.

Blickfang – Gedenktafel der Schützen der fünf Gemeinden, die Anteil am Sonnenjoch haben; selbstverständlich regt die Tafel zum Nachforschen an

In den Tiroler Freiheitskämpfen spielte das Sonnenjoch eine wesentliche Rolle, wie im Bericht der Stummer Schützen nachzulesen ist. Es bildete einen geheimen Schützenweg von der Wildschönau in das Zillertal auf dem die Kompanien der oben genannten Gemeinden hin- und her zogen und dadurch Feindberührung im Inntal vermeiden konnten. Weitere Begebenheiten, die – so die Chronik – durch im Ferdinandeum in Innsbruck anhand von Original-Urkunden belegt sind, können sich in der Zusammenstellung Die 15 Kompanien des Zillertales nachlesen lassen.

Rodelbahn im Luegergraben

Unter Läuterung solcherart schwerwiegendem Geschichtswissen unternimmt man aber nicht bereits vom Parkplatz im Luegergraben die lange Anreise auf das Steinbergerjoch unterhalb des Sonnenjochgipfels. Nein, erst am Gipfel selber findet man Zeugnis des Gedenkens an die Ereignisse, die mittlerweile gute 200 Jahre zurückliegen.

kurz vor der Faulbaumgartenalm

Erst durch die schöne Bronzetafel am Sockel des großen Gipfelkreuzes, das von den Schützenkompanien 1974 errichtet wurde, erfährt man vom Schützenweg von 1809 und interessiert sich für das Geheimnis welches das Sonnenjoch in sich birgt.

Faulbaumgartenalm am Vormittag

Die Schützen der angrenzenden Gemeinden veranstalten bis heute in regelmäßigen Abständen und in Abwechslung der Organisation jeweils am letzten Sonntag im August Gedenkfeiern am Gipfel des Sonnenjochs.

Aufstieg zur Filzalm nach der Faulbaumgartenalm

2017 war Stumm an der Reihe, weitere Veranstaltungen konnten im Internet nicht in Erfahrung gebracht werden. Möglicherweise ist aber auch die Abfolge der Gedenkfeiern durch die Vorschriften der noch immer vorherrschenden Virenhysterie durcheinandergeraten.

Rückblick von der zweiten Talstufe

Den Aufstieg entlang der Rodelbahn bis zur Faulbaumgartenalm teilt man sich mit allen übrigen Schitourenfreunden, die andere Routen auf die bärigen Ziele vom Luegergraben aus unternehmen, beispielsweise auf Mareitkopf, Kleiner Beil, Großer Beil oder auf den Torkopf. Und wer spät losmarschiert teilt sich die Rodelbahn mit den ersten Rodlern am Tag.

Filzalm voraus, herrliche Landschaft

Auf der langen Strecke bis hinter die Faulbaumgartenalm von mehr als dreieinhalb Kilometern werden schon beachtliche 360 Hm Aufstieg mitgenommen. Nach der Alm wird es ruhiger und alpiner, nur mehr Schispuren führen hinauf auf die nächste Talstufe zur urigen Filzalm.

auf den Hang querend zur Rippe

Das Gelände um die Filzalm ist breiter und länger als jenes der Faulbaumgartenalm, ein richtiges Plateau bis unter die Steinbergalm fanden wir vor. Links der Steinbergalm zieht eine auffällige Rippe auf das Steinbergerjoch.

Steineralm im Talkessel

Die Filzalm wird rechts liegen gelassen, die Route führt schräg aufwärts, den Hang schneidend, auf die Rippe, die von unten den Eindruck erweckt, sie wäre speziell zum Erreichen des Steinbergerjoches angelegt worden.

Im Hintergrund rechts der Aufstieg zum Großen Beil

Die gesamte Strecke, vom Parkplatz bis zum Joch und auf den Gipfel befindet sich unter Sonnenbestrahlung, mit ganz kleinen Unterbrechungen im Tal. So auch auf der langen Aufstiegsrippe zum Joch, die von der Hälfte ihrer Länge über ihre Restlänge eingesehen werden kann und die über einige Kuppierungen zum Joch ausläuft.

das Joch oberhalb Andrea sichtbar

Am breiten Steinbergerjoch (1.907 m) fallen zunächst die breiten Gründe auf der Südseite auf, der Triplon- und vor allem der Hemmerergrund, die vom Tal ihren Zugang über den bekannteren Märzengrund beziehen.

erster Blick in den Hemmerergrund im Zillertal

Vielmehr fallen die begrenzenden Gipfel an dem Talschlüssen ins Auge, welche da mit Rifflerkogel, Katzenkopf und Torhelm genannt werden können, allesamt 2.500er Erhebungen.

das gewaltige Becken des Hemmerergrundes im Zillertal

Ebenfalls am Steinbergerjoch befindet sich die Otto-Leixl-Hütte, eine Schutzhütte der Akademische Sektion München und privat. Sie wurde 1921 gebaut und steht mit Blick nach Süden rechts neben einem Almgebäude der Kothüttenalm, das wesentlich später errichtet wurde.

Blick nach Westen auf den Märzengrund; rechts oben Otto-Leixl-Hütte

Nach links (östlich) führte uns der sonnige Aufstieg über weitläufiges Gelände auf den breiten flachen Grat. Mit dem Gipfel des Sonnenjochs. Der Aufstieg erfolgt nicht direkt zum vom Joch aus nicht sichtbaren Gipfel, der Routenverlauf der Schitour folgt zuerst dem Sommerweg Richtung Niederjoch, bevor er linkerhand in einen steileren Hangteil abzweigt und direkter auf den Grat führt.

phantastisches Gelände auf das Sonnenjoch

Das herrliche Steiggelände erlaubt nördlich und südlich bärige Blicke auf die Flanken und Talverläufe und man kann die Aussicht aufgrund der eingeschränkt notwendigen Konzentration im einfachen Gelände aufsaugen.

letzte Mulde vor der Westflanke, tolle Übersicht über den Aufstieg

Unterschätzen sollte man den Aufstieg vom Joch in seiner Länge nicht, bis auf den Kamm ist man schon etwa 40min unterwegs. Schön gestuftes Gelände führt zu einer leicht steileren Mulde, die auf den breiten Kamm führt.

der alte Verfasser keucht hinterher und schmiedet Pläne für den Großen Galtenberg

Im oberen Bereich bietet sich ein umfassender Blick auf den Märzengrund, auf das Plateau um die Gmünd Alm, mit einem Höhenunterschied von gut 800 m knapp vor der Kammhöhe. Diese präsentierte sich leicht abgeblasen, sodaß einige Schritte auf den flachen Kamm durch Wiesenbüschel vonnöten waren, um auf den breiten Buckel zu gelangen.

über ein paar Meter abgeblasenes Bergwiesengelände auf den Kamm

Am Kamm angelangt erblickten wir das Gipfelkreuz am Sonnenjoch in einiger Entfernung auf der breiten Hochfläche, die von allen Seiten gestürmt wurde, wie es uns durch mehrere Aufsteigende vom Langen Grund zunächst den Anschein machte.

Sonnenjoch bei der Ankunft am Kamm

Den flachen Gipfel nimmt man gar nicht so offensichtlich als einen solchen an, das Plateau auf dem das Gipfelkreuz thront dürfte die Größe eines Fußballfeldes besitzen.
Natürlich sticht die Bronzetafel der Schützenkompanien ins Auge, die sich in Brusthöhe im Steinsockel des Gipfelkreuzes eingelassen gut lesen läßt.

Gipfelkreuz Sonnenjoch von Norden gesehen

2024 im August jährt sich die Errichtung des Kreuzes zum 50. Mal und die mächtige Holzkonstruktion befindet sich dank gelebter Handwerkskunst vom Schlägern bis zur Verarbeitung in einwandfreiem Zustand.

Hemmerergrund im Süden

Der Fernblick an diesem Tag litt unter der Bewölkung ein bisschen. An den nahen Zielen konnten wir und freuen, Weitblicke blieben leider versagt, wie auch manche  Gipfel, außer dem beherrschenden imposanten Alpbacher, dem Großen Galtenberg mit seinen zwei Trabanten, dem Torkopf und dem Mareitkopf, die vorzügliche Tourenberge darstellen.

die Majestät im Alpbachtal – Großer Galtenberg; rechts Torkopf und Mareitkopf

Bei der Perspektive von Sonnenjoch kommt der lange Rücken des Großen Galtenbergs hinab zum Steinbergerjoch gut zur Geltung und es erhebt sich die Frage, ob die Mädels, die wir zwei Wochen später den Südgrat daher stapfen sahen nicht etwa vom Steinbergerjoch aufgestiegen sind.

Blick in den Osten – Trennkamm zwischen Wildschönau und Hopfgarten

Im Osten und im Süden sah es schlechter aus, die Gipfel jenseits dem Langen Grund konnten wir wegen Nebels nicht sehen, dafür aber im Kamm den Norden mit dem Großen Beil und dem Gressenstein, der an diesen Tag von Osten aus der Wildschönau bestiegen wurde.

Kamm nach Norden mit Gressenstein links und Großer Beil mittig im Hintergrund

Zur Abfahrt wählten wir den Nordwesthang, der – sehr steil – zur Steinbergalm hinunterführt. Das Gelände erreicht dort im steilsten Teil an die 40° Neigung.

Rückblick auf den Sonnenjochgipfel

Der steilste Teil erstreckt sich über etwa 60 bis 80 Hm, die wir in Pulverschnee abfahren konnten und einzeln befuhren. Zu Beginn des Steilhanges öffnet sich ein sagenhafter Blick auf das Alpbachtal.

Unterhalb des Steilstückes flacht der Hang weitgehend ab und bildet an der Kante eine zweite Höhenstufe, mit wesentlich weniger Hangneigung und mit lichter Bewaldung.

ein atemberaubender Blick ins Alpbachtal besteht am Beginn des Nordwesthanges

Dieser Abschnitt führt leider allzu schnell zum Flachstück bei der Filzalm zurück. Wer lange am Hangbleibt und hoch hinausquert erlebt das Flachstück unter voller Fahrt.

Rückblick auf den Steilhang vom Sonnenjoch

Die Abfahrt von der Filzalm zur Faulbaumgartenalm erfolgt entlang der Aufstiegsspur.

malerischer Rückblick auf der Filzalm

Ein beschließender Rückblick auf die beeindruckende Tour sollte beim Bier von der Faulbaumgartenalm den mentalen Abschluß bilden.

Einkehr auf der Faulbaumgartenalm, der „Fauli“, um den überlangen Namen durch Verballhornung zu vereinfachen

Der gesamte Aufstieg vom Parkplatz auf das Sonnenjoch beträgt 1.235 m. Die Streckenlänge stellt mit 8 km eine lange Schitour dar, wahrscheinlich die längste im Alpbachtal. Wir benötigten dafür 5 Stunden incl. Pausen.

Mils, 27.02.2022

Schitour Kleiner Beil, 2.197 m

Links und rechts vom Luegergraben in Inneralpbach ziehen malerische Schitouren auf die Kämme, und links hinauf, im Trennkamm zur Wildschönau, liegt das interessante Ziel Kleiner Beil.

Kleiner Beil, 2.197 m

Der Anstieg über bäriges freies Gelände nach der Talwanderung erfolgt vor knapp der Faulbaumgartenalm. Vom Parkplatz (~1.120 m, 3.- pro Tag) wird entlang der Rodelbahn über 3,6 km und 360 Hm die abzweigende Aufstiegsspur etwa 200 m vor dem Stadel der Alm erreicht.

Abzweigung Route auf den Kleinen Beil vor der Faulbaumgartenalm

Einige aber wenige Spitzkehren führen durch den weitgehend freien mittelsteilen Hang etwa 220 Hm aufwärts, bis die Hangneigung zurückgeht und über wenig steiles Gelände die Stadelkehralm auf 1.800 m angepeilt wird.

über schönes mittelsteiles Geländer führt der Anstieg mit wenigen Spitzkehren

Malerisch führt die Route durch vereinzelte Zirben und gegen das Talinnere hin erreicht der Blick den Talkessel mit dem breiten Sattel in den Märzengrund im Zillertal. Eine der schönsten Schitouren im Alpbachtal führt dort auf das Sonnenjoch.

mit der Höhe gewinnt man einen übersichtlichen Blick auf den Talschluß

Unser Aufstieg war im oberen Teil, etwas oberhalb von 1.700 m von Lockerschnee geprägt, welcher uns später sehr willkommen war.

umfassende Aussicht über den Luegergraben und das Alpbachtal

Knapp unterhalb der Stadelkehralm öffnet sich ein phantastischer Rückblick auf den Luegergraben („Luagergraben“, lernt man vom einheimischen Parkplatzbetreuer) und hinaus nach Alpbach und dieser Platz eignet sich hervorragend für ein Trink- und Betrachtungspause.

Trinkpause bei der Alm, Hintergrund bereits die Umgrenzungen von Triplon- und Hemmerergrund

Linkerhand im Aufstieg besteht ein übersichtlicher Blick auf den Lämpersberg, der vom Parkplatz aus bereits wesentlich früher links abzweigend begangen und der auch in Kombination mit dem Saupanzen bestiegen wird.

phantastischer Blick auf die Westflanke des Lämpersbergs

Tolle freie Abfahrtshänge zur Feldalm hinab kennzeichnen seine Westflanke. Er überragt den Kleinen Beil um fünf Meter.

durch eine schattige Mulde auf eine Flachstelle

Östlich der Stadelkehralm zieht ein Westgrat vom Seekopf herab, der erstmals auf der schönen Route Schatten auf den Aufstieg wirft. Allerdings im Februar schon nur mehr von kurzer Dauer.

Richard an der Flachstelle

Nach einem kurz aufsteilenden schattigen Teil erreicht man wenige Minuten später eine Flachstelle, von der aus der Abschlußhang auf die Grathöhe einsehbar ist. Dieser Hang stellt sozusagen der Schlüsselteil  der Tour dar, denn er wird oben über ein kurzes Stück von etwa 30 Hm über 35° steil.

über Kuppen geht es auf die Steilflanke zu

Von der Flachstelle aus bietet sich auch ein guter Blick auf den Lämpersberg, der an diesem Tag mehrfach von der Wildschönauer Seite aus begangen wurde.

Aufstieg auf die Steilflanke

Ein weiteres Mal durch ein kurzes Stück Schatten stiegen wir von der Grube auf die aufsteilenden Kuppen vor dem Steilhang, dem Schlussstück der Tour.

am oberen Ende der Steilflanke

Der Steilhang dient auch der einzigen Abfahrt vom Kleinen Beil. Es ist also nicht verwunderlich, wenn die Aufstiegsspur über einen sehr großen Teil ihrer Länge zwischen den Spitzkehren sozusagen durch die Abfahrer weggerutscht wird und sich knifflige Partien ergeben, für die der Einsatz von Harscheisen sehr ratsam ist, will man sich nicht plagen.
Da dieser Hang ein Sonnenhang ist tritt diese Situation sicher recht häufig auf.

kurzes aperes Stück vor der Grathöhe

Gegen die Grathöhe flacht der Steilhang ab und wir erreichten eine kurze apere Stelle durch das krautige Gras, die ohne Steine zu durchqueren war.
Den breiten Grat konnten wir vollständig unter Schi aufsteigen, mit einer steilen ersten Partie auf einen runden Vorkopf vor dem Gipfel, der vom selben durch ein Schärtchen mit einigen Metern Abfahrt getrennt ist.

Aufstiegsroute auf den Lämpersberg von der Wildschönau

Am breiten Gipfelplateau sticht ein kunstvoll modernes Gipfelkreuz ins Auge. Wie so häufig bei modernen Gipfelkreuzen wurde es aus Edelstahl und Holz gefertigt und vom AV Wildschönau errichtet.

Blick auf das Feldalphorn zwischen Wildschönau und Kelchsau

Die Rundumsicht am Kleinen Beil ist phantastisch. Im Kamm nach Norden folgen Schitourenziele wie die bereits erwähnten Lämpersberg, der Saupanzen als kleiner „Pinggl“ links davon, dann der beliebte und einfach zu begehende Joel, bzw. Joelspitze.

im rechten Bilddrittel in der Ferne Großglockner und Großvenediger

Im Kamm südwärts geblickt versperrt der um gut 100 Hm mächtigere Große Beil den Blick. Gegen Osten breiten sich die Kitzbüheler Alpen aus, mit dem markanten Gipfel des Großvenedigers über dem Westlichen Salzachgeier im Südosten, sowie links davon der Großglockner in 60 km Entfernung und gegen Nordosten das mit nur mehr 30 km Entfernung gelegene Kaisergebirge.

Großer Beil im Süden

Gegenüber dem Kamm, im Westen besteht ein herrlicher Blick auf den Großen Galtenberg mit seiner bärigen Abfahrt über den steilen Osthang hinab zur Innermareitalm.

Blick auf Triplon- und Hemmerergrund im Zillertal, in der Ferne der Olperer

Rechts davon sein kleiner Trabant der Mareitkopf, der aufgrund seiner Hangneigung eine nette und weitgehend sichere Schitour ab Lawinenwarnstufe III darstellt und links davon ein ebenfalls schön zu begehender Trabant, der Torkopf.

Gegenüber im Tal der Große Galtenberg, links davon und tiefer der Torkopf, rechts davon der Mareitkopf

Rechts neben dem Großen Galtenberg und etwas weiter im Hintergrund die etwas raueren Gesellen der Sagtaler Spitzen mit dem Standkopf als schönstes Ziel und dem Gamskopf östlich davon.

Richard am Kleinen Beil

Mit etwa einer Dreiviertelstunde Pause gönnten wir uns etwas Muse am Kleinen Beil und traten die Abfahrt in der Mittagsstunde an.

Abfahrt über das kurze Gratstück

Der Steilhang erwies sich wenig aufgefirnt, bot aber eine einwandfreie Abfahrt.

Abfahrt am Steilhang

Unterhalb des Steilhanges im flacheren Gelände trafen wir auf weichen Schnee, der im Aufstieg schon Freuden verhieß. Pulverschnee war es keiner mehr, die Sonne hatte bereits ihren Dienst getan.

 

Über die Almwiesen hinab zur Stadelkehralm und weiter hinaus genossen wir die tolle Abfahrt. Im steileren Teil unterhalb 1.700 m bis hinab zur Faulbaumgartenalm machte uns der zunehmende Harschdeckel die Abfahrt schwerer.

an der Stadelkehralm – ideal zum Fühlen der Zeitlosigkeit der Gegend

Mit einer Einkehr auf der Faulbaumgartenalm beendeten wir die Tour vor der Ausfahrt auf den Parkplatz.

Abfahrt über die steileren Hänge hinab zur Faulbaumgartenalm

Die Schitour auf den Kleinen Beil stellt mit 1.125 m Aufstieg und 3:56 Stunden Gesamtzeit eine der kürzeren Schitour im Alpbachtal dar. Der Anmarsch mit 3,6 km über die Rodelbahn eignet sich hervorragend zum Aufwärmen auf den knapp 765 Hm Restanstieg von der Faulbaumgartenalm auf den Kleinen Beil. Die Gesamtstrecke bis zum Gipfel beträgt 6.1 km.

Mils, 13.02.2022

 

 

 

Venter Skirunde

Eine schier unglaubliche Strecke verbirgt sich hinter dem harmlos klingenden Titel der „Venter Skirunde“. Die originale Venter Skirunde misst 72 km an Strecke und erstreckt sich über knapp 6.000 Hm Aufstieg, fünf Tage Dauer und vier Hüttenübernachtungen.
Glücklich, wer die Zeit dafür aufbringen kann, um die phantastische Gletscherwelt so lange ununterbrochen bereisen zu können.

Start am Parkplatz beim Sessellift in Vent

Unsere Ausgabe der Venter Skirunde umfasste nicht die Originalstrecke, sie war verkürzt für vier Tage geplant. Leider musste wegen Schneemangel und gesundheitlicher Beeinträchtigung der vierte Tag ins Wasser fallen, sodaß drei der vier geplanten von fünf originalen Hauptgipfeln des Originals bestiegen werden konnten.

Die Tourengruppe: Florian, Rainer Mathias, Christian, Herwig

Der von uns bereiste Teil der Venter Skirunde umfaßte 54,7 km und 3.510 Hm Aufstieg (ohne Liftfahrt auf das Teufelsegg, die wegen Vereisung auf der nordseitigen Abfahrt auf den Hintereisferner auf der Normalroute unternommen wurde).

entlang am präparierten Weg zur Martin Busch Hütte

Zwei Hüttenübernachtungen bildeten die Stützpunkte zu den Aufstiegen. Am ersten Tag wartete ein langer Aufstieg über gut 12 km von Vent, vorbei an der Martin Busch Hütte auf die Similaunhütte, die einen Steinwurf hinter der Grenze in Südtirol liegt.
Am zweiten Tag trifft man auf der Schönen Aussicht Hütte ein, die hinter dem Hochjochsattel ebenfalls in Südtirol liegt.
Den Abschluss unserer Hüttenaufenthalte sollte das Hochjoch Hospiz bilden, jedoch mußte die Tour unterhalb der Hütte abgebrochen werden und der Abstieg ins Tal nach Vent erfolgen.

Erster Tag – Aufstieg von Vent

Berufsbedingt konnte die Abfahrt in Innsbruck kurz nach acht Uhr beginnen. Während der Anfahrt über die Bundesstraße machte uns vor Ötz eine Felsräumung zeitlich zu schaffen, sodaß der Parkplatz (20.- für vier Tage) am Sessellift in Vent auf genau 1.885 m erst gegen halb elf verlassen werden konnte.

Das schöne Wetter in diesem so ungewöhnlich sonnigen März trieb uns unter der Last der schweren Rucksäcke gleich beim Aufstieg unterhalb des Schleppliftes ins Niedertal den Schweiß aus den Poren.

Rast bei der Jagdhütte

Nach den ersten 100 m Aufstieg zieht sich der zum Fußgängerweg präparierte Weg über einige Kilometer mit einem ständigen leichten Auf und Ab taleinwärts. Diese Strecke ist ein schöner Auftakt, um sich auf die enorme Weite der hintersten Riesen der Ötztaler einzustimmen. Zu schnellen Schrittes erledigten wir diesen ersten Abschnitt, wodurch sich im anschließenden, etwas unangenehmen schrägen Teil der Talwanderung erste Verschleißerscheinungen bemerkbar machten.

Etwa dreieinhalb Kilometer talein oder nach etwa einer guten Stunde wird eine Jagdhütte erreicht, bei der wir eine Trinkpause einlegten. Von dort aus kann der Similaungipfel bereits eindrucksvoll in Augenschein genommen werden.

Mathias bei einer Trinkpause, im Hintergrund Florian

Bald danach endet der schön präparierte Weg, die Schiroute beginnt unter ständiger Hangneigung. Vorbei an einem ausgeklügelt lawinengeschützt errichteten Hirtengebäude (fünf Kilometer nach dem Start) wechselte die abschüssige Spur in steileres Gelände mit ungünstiger Belastung auf das rechte Bein.

beeindruckende Schäferhütte

Mit dem 60 m Seil am Rucksack dauerte es nicht lange, bis sich beim Verfasser die rechte Ferse zu Wort meldete und beklagte, wesentlich mehr Last übernehmen zu müssen als deren linke Schwester. Daraufhin wurde natürlich alles Mögliche versucht, um einen Ausgleich zu schaffen – jedoch vergeblich, die Schmerzen verstärkten sich und nagten so lange am Willen, bis der Besitzer der Ferse Erleichterung schaffte und das Seil zum weiteren Transport abgab. Mit diesem rein psychologischen Trick verbesserte sich die Situation noch nicht besonders, sie verschlechterte sie aber auch nicht.

Autor mit dem Seil und beginnender Überlastung der rechten Ferse

Florian kämpfte mit seinen Tourenschuhen schon wesentlich stärker und mußte auf der Martin Busch Hütte an beiden Innenseiten unterhalb der Knöchel die größten Blasenpflaster auflegen, die Herwig mitgebracht hatte. Schöne Aussichten für eine Mehrtagestour kündigten sich also bereits in den ersten Stunden des Aufstiegs an.

das abschüssige Terrain ist nicht zu unterschätzen – die Martin Busch Hütte bald erreicht

Mittlerweile, bereits vor der Martin Busch Hütte, war uns allen klar, daß der Aufstieg auf den Similaun am heutigen Tag nichts mehr werden würde. Die unbarmherzige Temperatur um die Mittagszeit im Anstieg hatte uns nebenbei auch ganz schön mürbe gemacht. Somit war nach 7,5 km und 600 Hm Aufstieg gegen 14 Uhr auf der Hütte klar, daß keine 1.100 m auf den Gipfel des Similaun mehr drin waren, sondern dieser anderntags in der Früh erstiegen werden wird.

an der Martin Busch Hütte

Unter verarzteten Füßen stieg Florian tapfer weiter, nun über eine lange Strecke durch das zunächst flache und auffällig breit werdende Niedertal, deutliche Spuren der langen Vergletscherung und der Talausformung durch die Eismassen vom mächtigen Niederjochferner des Similaun. 4,3 km misst die Strecke von der Martin Busch Hütte bis zur Similaunhütte, und 530 Hm Aufstieg mit kleinsten Höhenverlusten.

herrlich zeitloses Aufstiegsgelände durch das innere Niedertal

Gleichzeitig mußten wir uns auch nicht mehr beeilen und legten zwei Pausen in der schwächer werdenden Sonne ein, die zuversichtliche Gesichter zeigten.
Am späten Nachmittag, gegen halb fünf trafen wir auf der Similaunhütte ein. Den gesamten Anstieg von Vent zeichnete die Suunto Vector des Verfassers mit 5:53 Stunden und 1.165 m Anstieg auf und exakt dieselbe Anstiegshöhe, sowie 12,17 km Strecke die Sportuhr von Herwig.

Rast im hinteren Niedertal am Weg zur Similaunhütte

Beim Anblick des abendlichen Similaungipfels wurde rasch deutlich, daß sich eine 1.700 Hm Tour, jenseits der 3.000er Grenze, mit einem Abmarsch um halb elf Uhr nicht verträgt. Zumindest konnte der mächtige Gipfel und sein Anstieg von der Terrasse aus studiert und genossen werden.

etwas ansteilende Partie auf das Niederjoch zur Similaunhütte

Mathias und Florian erreichten die Hütte wenig später und zur Feier des Tages gab es einen Südtiroler Zirberler zum Forst auf der Terrasse, auf der sich die Temperaturen mit dem Sonnenuntergang empfindlich senkten und wir die warme Hütte aufsuchten.

Similaun in Spätnachmittagsstimmung

Mit Franzosen in der Mehrzahl der Berggäste und Oberösterreichern in der Minderzahl teilten wir die Gaststube zum Abendessen, mit Ersteren auch das Bettenlager. Die Hüttenwirtsleute bereiteten ein g’schmackiges, empfehlenswertes Abendessen aus „Scheps“ aus eigener Landwirtschaft (so Hüttenwirt Markus aus dem Schnalstal), nordtirolerisch kennt man den Schafsbraten mit leichter Nuance unter „Schöpsernes“, das tatsächlich nicht danach roch und den Verfasser an die Mahlzeiten in der Türkei anno 1982 erinnerte, wo niemals ein muffig riechendes Schaf serviert wurde, weil es dort kein Grünfutter erwischt. Tatsächlich beherrschen die Hüttenwirtsleute die Kunst Schaffleisch zu bereiten das nicht riecht, und zwar ließ man uns wissen, daß es ein paar Monate vor der Schlachtung nur mehr mit Heu gefüttert wird. Welch Erkenntnis nach so vielen Jahren auf solch ungewöhnlichem Ort und so vielen abgelehnten Schafsbraten seither.

Ankunft auf der Similaunhütte

Mit fortschreitendem Abend – und einer Flasche besten Lagrein Rotweins – entdeckten wir im Gespräch mit der netten Hüttenwirtin sogar noch die Gemeinsamkeit der Bekanntschaft der Familien durch Herwigs und des Verfassers Tante Martha, einst Lehrerin zu Vent, die beide Töchter der Hüttenwirtin in Handarbeit unterrichtete. Ein gelungener Hüttenabend mit netten Gastgebern der Similaunhütte.

Log des ersten Tages – 12 km von Vent auf die Similaunhütte (1 – Martin Busch Hütte)

Zu den Gipfeln auf unserer Skirunde gibt es verlinkte Detailbereichte, siehe weiteren Text.

Zweiter Tag – Aufstieg auf den Similaun und auf die Fineilspitze

Einige Ausrüstung ließen wir auf der Hütte zurück, unter anderem das Seil. Mit nächtlicher Besserung der Blasen versuchte Florian den Aufstieg, mußte aber nach dem kurzen Abstieg durch die Felsen auf den Gletscher aufgeben.

Aufbruch zum Similaun

Zu viert unternahmen wir also den Anstieg quer über den stellenweise leicht sichtbaren Niederjochferner auf dessen Ostschulter und dann nach Süden zum Schidepot. Von dort mit Steigeisen über den leichten Grat zum Gipfel des Similaun und zurück zur Hütte.

Detailbericht Similaun

Herwig am Similaun

Auf der Similaunhütte zurück gönnten wir uns gegen mittags eine zünftige Nudelsuppe mit Rindfleisch oder Würstel, die kaum zu bewältigen war.
Mathias entschied sich mit uns drei den Aufstieg auf die Fineilspitze zu unternehmen und dann zur Similaunhütte zurückzukehren, um mit Florian die Ausfahrt aus dem Niedertal und die Heimreise ab Vent anzutreten. Es war mittlerweile bereits bewußt, daß Florian die Skirunde nicht weiter fortsetzen können werde und da beide mit Mathias‘ Fahrzeug angereist sind, wollten sie auch gemeinsam abbrechen. Florians Seil trat ebenfalls die Heimreise an, wir drei waren uns sicher, daß wir es nicht benötigen würden.

Bezüglich des Seils hatten wir uns bei der Vorbesprechung nicht glücklich entschieden, ein einziges mit einer zu großen Länge zu verwenden. Für fünf Mann wäre es zwar gut gewesen, jedoch nahm der Verfasser aus der entstandenen Situation die Erkenntnis mit nie mehr ein Seil für alle zu wählen, sondern mehrere kurze Seile, sodaß die Möglichkeiten vielfältiger werden und der Transport erträglicher (wir sprechen vom 9 mm Einfachseil). Selbst bei fünf Mann könnten zwei hinter einer Dreiergruppe gehen, wodurch das längere Seil mit max. 30 m leicht ausreichen würde.
Weiter sei hier erwähnt, daß zum Zeitpunkt unserer Begehung keine offenen Spalten gesichtet wurden und die Oberflächen am Similaun mit hartgefrorenen Windgangln überzogen.

Abfahrt zum Ausgangspunkt auf die Fineilspitze

Zur Fineilspitze muß von der Similaunhütte etwa 700 m und etwa 100 Hm Richtung Norden ins Niedertal abgefahren werden, um den Jochköfel zu umfahren und im Tal dahinter auf das Hauslabjoch aufsteigen zu können.

Aufstieg zum Hauslabjoch (Ötzi Fundstelle heute im Geröll links der Bildmitte)

Vom Hauslabjoch wird eine Grube umgangen, die zur Nordostflanke der Fineilspitze führt. Der Aufstieg in der Flanke erfolgte im unteren Teil im Schnee, weiter oben in Fels und wieder im Schnee bis zum Grat und von dort im Mix zwischen beiden bis zum schmalen Gipfel.

Mathias auf der Fineilspitze

Nach der Rückkehr auf dem Plateau nördlich des Hauslabjoches verabschiedeten wir uns von Mathias, der den Rückweg zur Similaunhütte antrat, um mit Florian die gut 12 km Ausfahrt nach Vent anzutreten. Wir drei setzten die Skirunde mit der Abfahrt zur Schönen Aussicht Hütte über den Hochjochferner fort und erreichten die Hütte um 17 Uhr nach 1.315 m Aufstieg, 13,9 km Strecke und 9:10 Marschzeit.

Detailbericht Fineilspitze

Abfahrt über den riesigen Hochjochferner zum Hochjoch

Mit dem Vorzug, ein Dreibettzimmer zu haben, bezogen wir unser Nachtlager. Auf der Schönen Aussicht Hütte leistet man sich den Luxus einer Sauna und eines beheizten Holzbeckens vor der Hütte, das von den meisten Gästen gestürmt wurde und sich der Duschbereich dafür herrlich unterbevölkert zeigte.

Auffellpunkt nach der Abfahrt vom Hochjochferner; in der Ferne Schöne Aussicht Hütte

Eine weitere köstliche Flasche Lagrein wählten wir zum perfekt gegarten Schweinsfilet und den vorher gereichten, mit Peperonciniöl verschärften Knoblauchnudeln, sie waren seit Langem die Erlesensten in des Verfassers Erinnerung.
Diesmal überwiegten die Oberösterreicher in der Zahl die Franzosen weit und trotz deutlich in der Minderzahl schafften es einheimische Südtiroler Burschen nach reichlichem Genuss von Forst und dem Verlust von Anstand, die gesamte Hütte bis weit nach Mitternacht munter zu halten.

Dritter Tag – Aufstieg auf die Weißkugel

Ein weiterer sonniger Tag führte uns zum Highlight unserer Skirunde, der Weißkugel.
Die originale Route von der Schönen Aussicht Hütte auf den Hochpunkt „Im Hinteren Eis“ mit der Abfahrt auf den Hintereisferner wird nach den Aussagen des Hüttenwirts kaum mehr begangen, weil die Nordseite hinab zum Ferner eisblank wurde und die Abfahrt dadurch nicht mehr möglich ist.

Aufstieg von der Bergstation Sessellift auf das Teufelsegg; im Hintergrund Fineilspitze

Die neue Route führe über das Teufelsegg und er empfahl die Abfahrt über etwa 200 hm auf der Piste des Gletscherschigebietes zur Talstation des Sesselliftes Teufelsegg und die Auffahrt damit. Wir folgten seinem Rat und investierten 7.- in die kurze Liftfahrt. Am Lift kann man die Schiroute von der Schönen Aussicht Hütte bis zur Bergstation sehen; das ist eine weitere Möglichkeit mit etwa 200 m Aufstieg zur Bergstation des Liftes.

Weißkugel mit Hintereisferner im Vordergrund

Der Rest zum Grat wird unter Schi aufgestiegen und jenseits auf den Hintereisferner abgefahren, bevor der lange Aufstieg zur Weißkugel beginnt.
Nach dem Hintereisjoch wird die steil werdenden Rampe aufgestiegen, bevor es flach zum Schidepot vor dem felsigen Gipfelgrat weitergeht und in leichter Kletterei auf den Gipfel der Weißkugel.

Herwig auf der Weißkugel

Detailbericht Weißkugel

Die lange Abfahrt über den Hintereisferner bleibt als eindrucksvolles Erlebnis haften.
Wir hatten den Vorzug über eine sonderbare Landschaft zum Hochjoch Hospitz auszufahren, die man in dieser Form nicht alle Tage antreffen kann, allerdings auch den Wermutstropfen feststellen zu müssen, daß für unsere weitere Tour das Tragen der Schi über eine signifikant hohe Geländestufe erforderlich gewesen wäre.

Ende des Hintereisferners mit Moränenmaterial der Lawinen des Winters

Gleichzeitig klagte Christian über sein Wohlbefinden, sodaß wir gegen Nachmittag bei der Stahlbrücke unter der Hütte schweren Herzens beschlossen das Lager abzusagen und nach Vent auszufahren.
Von „fahren“ konnte wenig Rede sein, denn auf der Höhe von 2.400 m erwies sich der Südhang im Rofental als weitgehend aper und so wurde unsere Ausfahrt ein Mix aus etwa zehnmal dem Wechsel zwischen Tragen und Fahren.

nach dem Hochjoch Hospiz

Um 18 Uhr erreichten wir den Parkplatz in Vent, leider einen Tag zu früh und etwas lädiert durch eine Verkühlung. Die beeindruckende Tagesstrecke betrug 28,6 km (vorwiegend in Abfahrt angefallen), dabei wurden 1.030 m aufgestiegen und die Skirunde mit 8:57 Stunden Marschzeit abgeschlossen.

Ausfahrt oder Marsch aus dem Rofental nach Vent

Die Venter Skirunde stellt ein besonderes Erlebnis dar, besonders bei den Wetterverhältnissen, die wir vorfinden durften. Die Weitläufigkeit und Schönheit der kühnen Schneiden aus Gneisen und Schiefergneisen der Ötztaler Alpen treten als bleibendes Erlebnis in den Vordergrund.

ein letzter Blick auf die Wildspitze

Die Hüttenaufenthalte waren durchwegs positiv. Leider konnte die Runde nicht auf dem sagenhaft riesigen Verbund von Kesselwand- und Gepatschferner beendet werden.

Übersichtskarte der geplanten Venter Skirunde mit strichliertem Aufstieg auf den nicht mehr absolvierten Fluchtkogel am 4. Tag

Diese Etappe muß unbedingt nachgeholt und mit dem fünften Tag der Skirunde, dem der Wildspitze, verbunden werden.

Mils, 26.03.2022

 

Weißkugel, 3.737 m

Das höhenmäßige Highlight neben der Wildspitze auf der Venter Skirunde stellt die Weißkugel dar. Sie ist der dritthöchste Gipfel im Land und ihre Besteigung erfordert einige Ausdauer. Von der Schönen Aussicht Hütte aus ist die Besteigung bei Weitem nicht so anstrengend als die Tagestour von Vent aus, für die eine Marschzeit von acht Stunden veranschlagt wird. Wir haben für die Besteigung von der Schönen Aussicht Hütte aus etwa viereinhalb Stunden benötigt.

Herwig auf der Weißkugel

Die Weißkugel wurde ebenso wie die beiden zuvor bestiegenen Gipfel des Similaun und der Fineilspitze vom Schnalstal aus erschlossen und benannt. Dabei vermutet Finsterwalder 1, daß die Bezeichnung „Kugel“ (für Kogel) der Schnalstaler Hirten von der Ötztaler Bevölkerung übernommen wurde, weil es im Schnalstal keine Kogel gibt.
In der Tat erscheint die Form der Weißkugel von Südosten aus (Ankunftsgebiet der Schnalstaler Hirten am Niederjoch) betrachtet als ein fast perfekter Kogel.

Weißkugel und Hintereisferner

Die originale Route über den Hochpunkt „Im Hinteren Eis“ mit der Abfahrt auf den Hintereisferner wird nach den Aussagen des Hüttenwirts kaum mehr begangen, weil die Nordseite hinab zum Ferner ausgeapert ist und die Abfahrt dadurch nicht mehr möglich ist.

Aufstieg nach der Liftfahrt auf das Teufelsegg auf den Grat

Er empfahl uns den Sessellift zum Teufelsegg zu nehmen und die restliche Strecke auf den Grat aufzusteigen. Hierzu muß etwa 200 hm auf der Piste des Gletscherschigebietes zur Talstation des Sesselliftes Teufelsegg abgefahren und mit dem Lift auf Station 3.025 m hinaufgefahren werden. Wir folgten seinem Rat und investierten 7.- in die kurze Liftfahrt.

Wildspitze im Nordosten

Auf den Grat legten wir die 200 Hm von der Liftstation mit Harscheisen zurück. Am Grat bietet sich ein eindrucksvolles Bild von der Weißkugel, die mit ihrem mächtigem Gipfelaufbau in 2,9 km Entfernung vorausliegt.

Herwig am Teufelsegg

Auf der Nordseite des Grates kann nicht durchgehend abgefahren werden. Eine kurze Strecke von etwa 30 Hm müssen die Schi abgeschnallt und durch Blockwerk getragen werden.

letzter Teil Tragestrecke durch Blockwerk

Unterhalb des Blockwerks schnallten wir wieder an und querten so hoch wie möglich unter den folgenden Rippen vom Grat herunter, um am Ende etwa auf einer Höhe von 3.060 m am Hintereisferner einzutreffen und von dort den noch etwa 700 Hm Aufstieg zu unternehmen.

Blick zurück auf den Grat

Die Strecke zum Hintereisjoch zieht sich im Aufstieg enorm, der Gletscher mit seinen runden langen Kuppen und Mulden nimmt schier kein Ende.

Aufstieg über die etwas steiler Passage am Hintereisferner

Beeindruckend im Aufstieg wirkt die allmähliche Vergrößerung des Gipfelmassivs. Die plattigen glimmerigen Schiefergneisflächen glänzten in Kontrast zu den rundum weißen Flächen des Gletschers der Vormittagssonne.

flache Strecke Richtung Hintereisjoch

Knapp geht es an die steil abstürzende Südflanke der Weißkugel heran, bevor der Übertritt über das Hintereisjoch die Südansicht der Weißkugel freigibt.

schöne Ausbildung des Hintereisjoches

Die weiße Rampe, die nach oben hin schmaler und steiler wird, ist vom Hintereisjoch aus gut zu sehen und bei einer Trinkpause zu erkunden.

Blick vom Hintereisferner auf Fineilspitze und Similaun

Die Hangneigung auf der Rampe nimmt nach oben hin bis auf über 37 ° zu, mit kurzen Stellen leicht darüber. Mit Harscheisen stellten diese etwa 80 Hm kein Problem dar.

Trinkpause am Hintereisjoch

Anschließend an die Steilstelle flacht die Weißkugel wieder rasch ab und setzt auf breitem  „Kogelrücken“ unter etwa 17° Steigung auf 120Hm bis zur Rippe vor dem Schidepot fort.

Rampe an der Weißkugel im Überblick

Das Schidepot wird über die Rippe erreicht und ist abschüssig.

im Steilhang zur Weißkugel

Hier empfiehlt es sich die Schi in die Wächte einzurammen, oder den Pickel als Halteanker zu verwenden, bei so viel Andrang wie bei unserer Begehung könnte es sonst passieren, daß man über die steile Westflanke absteigen muß, um seine Schi wiederzufinden.

kurz vor dem Schidepot

Den Gipfel der Weißkugel trennen lediglich 130 m Luftlinie vom Schidepot und ein Höhengewinn über den zackigen Grat von 23 m, allerdings auch 20 min Überschreitungszeit bei großem Andrang mit Gegenverkehr.

am Weg zum Gipfel der Weißkugel

Am kleinen Gipfelbereich drängen sich die Gruppen, um möglichst plakativ vor dem kunstvoll gebauten Gipfelkreuz abgelichtet zu werden.

erster Teil der Gratstrecke

Die Erscheinung des Gipfelkreuzes selbst muß angesichts der Erhabenheit des Ortes leider als lausig beschrieben werden, die nordseitigen Halteseile abgerissen und die Konstruktion selbst in einer dem Mensch eigenen dekadenten Weise mit vom Tal herauf gebrachtem Müll verunstaltet.

Herwig auf der Weißkugel

Sogar Bergsteigerriegen und –internetplattformen schrecken nicht vor der Sensationsgier zurück, plakativ hinterlassen zu müssen, daß sie glauben den Berg bezwungen zu haben und ereifern sich im Überkleben den Ort zu entweihen.

Grat zur Weißkugel im Rückblick

Man ist somit auch auf der Weißkugel gezwungen seine persönliche Erinnerung mit diesem Müll abzulichten. Alternativ kann man  versuchen sich schützend vor die Abfälle seiner Mitmenschen zu stellen.

Weißkugel, 3.737 m

Phänomenal der Rundblick von der Weißkugel!
Das Langtauferertal zieht tief unten hinaus zum Rechensee, ganz rechts im Bild findet sich ein schöner Blick zum Glockturm, einer klassischen Schitour im Kanuertal.

Blick von der Weißkugel Richtung Langtauferertal, ganz rechts im Bild der Glockturm

Die Ötztaler Riesen hat man zwischen Norden und Südosten alle vereint, allen voran den riesenhaften Gletscher des Gepatsch- und Kesselwandferners im Nordosten direkt voraus.

Blick von der Weißkugel auf den gewaltigen Gepatschferner

Die ungeheure Erstreckung von Weißseespitze bis zur Kesselwandspitze mit über 6 km Luftlinie stellt ein umwerfendes Panorama dar.

Blick von der Weißkugel auf den Hintereisferner Richtung Vent

Rechts davon der Hintere Brochkogel, die Wildspitze, dann das Rofental. Rechts davon bereits die hohen Staubaier, dann wieder Ötztaler Gipfel mit dem Großen Ramolkogel, der Firmisanschneide, dem Schalfkogel, dem Hinteren Seelenkogel und schließlich, vor dem Similaun, der Hinteren Schwärze.

Blick von der Weißkugel auf die Ötztaler Alpen

Als Rastplatz auf der Weißkugel diente uns die lange obere Rampe unterhalb der markanten Rippe mit dem Schidepot. Der Gletscher ist dort groß genug, um abseits der Aufstiegsroute eine leicht abgeschiedene Gipfelrast zu verbringen.

Vom Grat auf das Schidepot auf der Weißkugel

Die Abfahrt von der Weißkugel stellt aufgrund der Länge bis zum Hochjoch Hospiz ein besonderes Erlebnis dar.

Rast auf der weiten flachen Gletscherfläche unterhalb des Schidepots

Wir konnten sagenhafte 11 km bis nach der Einmündung des Bachs vom Hochjochferner in den Quellfluß der Ötztaler Ache, der am Hintereisferner entspringt.

Abfahrt vom Hintereisjoch unterhalb der Inneren Quellspitze

Auf dieser Fahrt werden über eine Höhenstufe von mehr als 1.300 Hm verschiedenste Schneeverhältnisse durchfahren. Im Gipfelbereich hartgefrorene Oberflächen, im Steilhang leicht aufgefirnter Altschnee, nach dem Hintereisjoch eine dünne weiche Schicht über harter Oberfläche, auf machen steileren Gletscherflächen gesetzter weicher Lockerschnee, über eine lange Strecke bereits unterhalb von 3.000 m aufgefirnte ebene Flächen, die mit Tiefengewinn zusehends weicher werden und kraftvollere Schwünge mit tiefem Einsinken bestrafen, sowie zum Schluß Büßerschneeflächen, mit zunehmend braunen Oberflächen die Moränenmaterial der Lawinen des Winters enthalten, kräftig bremsen und nach dem Gletschertor ausstreifen. Sehenswerte Fotos davon in der Bildergalerie.

Abschließend krümmt sich das Tal gen Osten und wird schmaler, sodaß die Schneeverhältnisse aufgrund verminderter Sonneneinstrahlung unter 2.400 m bei südseitiger Befahrung bis zur Stahlbrücke unterhalb des Hochjoch Hospizes sogar wieder besser werden und man bis zur Holzbrücke unterhalb der Rofenbergalm hinausfahren konnten.

am Hintereisferner nach vielen Kilometern Abfahrt

Leider konnten wir den Hüttenaufstieg und den vierten Tag nicht mehr unternehmen, da sich gesundheitliche Beeinträchtigungen einstellten und die schon von Weitem sichtbaren braunen Hänge oberhalb des Hochjoch Hospizes eine gewaltige Tragestrecke bis auf über 2.800 m erahnen ließen.

Abfahrt über Schneeflächen übersät mit Moränenmaterial der Lawinen des Winters

Unter der Annahme, daß die Probleme über die Nacht stärker würden erachteten wir es als klüger die Ausfahrt nach Vent anzutreten und sagten die Übernachtung im Hochjoch Hospiz ab.

Panorama Gletschertor Hintereisferner

Die Ausfahrt stellte noch einmal eine gewisse Belastung dar, denn die kurzen faulen Schneefelder bis zur Einmündung des Gletscherbachs unterhalb des Vernagteggs präsentierte sich zu Fuß großteils unpassierbar, sodaß die Schi selbst für kurze Passagen angeschnallt und gleich wieder aufgesattelt werden mußten. Ein leicht zermürbendes Wechselspiel.

Rofenbergalm gegen Hochjoch Hospiz

Nach dem Aufstieg am Felsensteig beim Vernagtegg konnten wir im bereits schattigen Teil größere Strecken durchgehend fahren, sodaß wir nach zweieinhalb Stunden nach dem Hochjoch Hospiz bei den Rofenhöfen ankamen.

durch das Brantl

Über die Hängebrücke erreichten wir unter vollständiger Schiabfahrt um 17:45 Vent wieder.

Rofenhöfe

Diese Etappe, leider die letzte, führte uns über 1.030 m Aufstieg, 8:57 Stunden Marschzeit und phantastische 28,6 km (vorwiegend in Abfahrt angefallen) Strecke zum Ausgangspunkt zurück womit die bärige Skirunde abgeschlossen wurde.

nahe Vent

Gesamtbericht Venter Skirunde

Mils, 26.03.2022

1 Finsterwalder: „Von den Namen des Weißkugel-Glockturm-Gebietes“, Tiroler Ortsnamenkunde Band 2, Seite 869

 

Fineilspitze, 3.514 m

Ihren Namen verdankt die Fineilspitze dem hochgelegenen Finailhof in Schnals (fenile = Heustadel). Obwohl nach Finsterwalder 1 urkundlich nie mit „ai“ geschrieben wird die Schreibweise heute auch in der Bezeichnung „Finailspitze“ vorgefunden.

Herwig auf der Fineilspitze

Die Fineilspitze ist eine Nuance schwieriger zu besteigen als der Similaun. Eine Steilflanke führt auf den schmal und flach werdenden Grat, der zum Gipfelkreuz leitet. Steigeisen sind auch im Frühjahr für die Steilflanke angebracht.

am Auffellpunkt unterhalb der Similaunhütte

Bei unserer Begehung entbehrten wir des Pickels. Von der Similaunhütte aus ist die Tour etwa gleich kurz wie auf den Similaun.

durch ein schönes breites Kar in Richtung Tisenjoch

Nach der Besteigung des Similaun und einer zünftigen Suppe auf der Similaunhütte fuhren wir die knapp 100 Hm zum Auffellpunkt nördlich des Jochköfels ab, vorbei an der Zollhütte.
Der Hang vom Jochköfel herab wird dabei so hoch wie möglich gequert, um den Höhenverlust zu minimieren. Noch im schrägen Hang wird aufgefellt.

Herwig mit dem Similaun im Hintergrund

Über eine Rippe erreichten wir den weiten Kessel zwischen Hauslabkogel und dem Grat, der sich vom Jochköfel in Richtung Hauslabjoch hinzieht. Im oberen Teil dürften im Sommer noch Fernerreste begangen werden.

über die breite steilere Flanke nach links oben zur Flachstelle

In zwei Serpentinen wird die aufsteilende, schmäler werdende Mulde in Richtung Tisenjoch erstiegen. Auf 3.200 m erreichten wir das Plateau des Tisenjoches mit der Pyramide als Denkmal für die Fundstelle des prähistorischen Menschen, dem der Name Ötzi gegeben wurde. Gefunden wurde er etwa 70 m nordöstlich davon.

die Kollegen bereits kurz vor dem schneefreien Südhang zum Hauslabjoch; links davon Ötzi-Fundstelle

Der Südhang vom Hauslabjoch herunter war bereits ausgeapert, wodurch etwa 80 Hm mit den Schi am Rucksack aufgestiegen werden mußte.

Anstieg über Blockwerk zum Hauslabjoch

Oben, etwa 250m südwestlich des Hauslabjochs muß eine Mulde umgangen werden, die im Sommer einen Gletschersee bildet, um den Aufstiegsgrat zu erreichen. Aufgrund der Ausaperung trugen wir die Schi bis zum Gratansatz hinüber.

Rückblick auf den Aufstieg; im rechten Bilddrittel das Denkmal der Ötzi-Entdeckung am Tisenjoch

Am Schidepot hinterließen wir auch den Rucksack. Für die restlichen 170 Hm auf die Fineilspitze wählten wir Steigeisen und die Schistöcke.

Hauslabjoch mit der Aufstiegsflanke auf die Fineilspitze

Die Schneeflanke bis zum Ansatz der Felsen oben war mit tiefen Stapfspuren durchzogen, welches auch eine Begehung ohne Steigeisen zugelassen hätte. Der obere Teil ist jedoch von unten nicht einsehbar und daher empfahlen sich Steigeisen.

gegen Ende der Schneeflächen steilere Partie vor der Felsstrecke

Im Mittelteil wurde der Grat felsig, weiter oben muß man südöstlich queren und ab dort herrschten wieder winterliche Bedingungen, die Steigeisen rechtfertigten.

kurz vor dem Gipfelgrat

Vom Vorgipfel trennt die Fineilspitze eine seichte Scharte, die auf schmalem Grat beschritten wird und sich ebenfalls Steigeisen empfehlen.

am Gipfelgrat zur Fineilspitze

Die eher schmale Gipfelschneide war bei unserer Besteigung ausgeapert und bot Platz für die Rast.

letzte Felspartien

Ein prächtiger Ausblick stellt die Belohnung für die Besteigung der Fineilspitze dar. Wir erlebten ihn bei fast ungetrübtem Wetter, Etwas Bewölkung war für diesen Tag prognostiziert und hielt sich in Grenzen, sodaß der Fernblick nicht beeinträchtigt wurde.

Mathias auf der Fineilspitze

Südöstlich gegenüber, mit 4 km Distanz, thront der am Vormittag bestiegene Similaun und links davon die Hintere Schwärze.

Blick nach Osten auf den Niederjochferner und Similaun und links davon die Hintere Schwärze

Fast diagonal gegenüber in 8,3 km Entfernung ragt die mächtige Weißkugel auf, unserer morgiges Tagesziel.

Hochjochferner, Hochjoch mit Schöner Aussicht Hütte und im Hintergrund die Weißkugel

Annähernd im Norden ragen in 9,2 km der Fluchtkogel, der übermorgen auf dem Programm stünde, und etwas weiter über den Norden hinaus, in 11,8 km Entfernung, die Wildspitze auf. Damit ist die Fineilspitze sozusagen der Zentralpunkt der Venter Skirunde, um den sich alle vier anderen Gipfel reihen.

Panorama über den Hochjochferner mit Weißkugel und Wildspitze

Nach dem Abstieg trennten wir uns von Mathias, der den Weg zurück zur Similaunhütte suchte, um mit Florian nach Vent auszufahren. Zu dritt nahmen wir die letzte Teiletappe des Tages, die Abfahrt über den Hochjochferner und den kurzen Aufstieg auf die Schöne Aussicht Hütte in Angriff.

Herwig am Hochjochferner mit Fineilspitze

Die Route hatte Christian von seiner ersten Venter Skirunde noch im Kopf und bildete die Führung über den sehr langen Ferner hinab, Richtung Nordwesten auf die Schrofen zu, die als Nordgrat von der Fineilspitze aus im Eis verschwinden.

Nordgrat der Fineilspitze, der zur Schönen Aussicht Hütte umrundet werden muß

Diesmal bot die Abfahrt ein bäriges Fahrvergnügen ohne große Unebenheiten auf der Oberfläche.

Abfahrt über den Steilhang am Gletscherbruch

Um die Schrofen herum erreichten wir den Gletscherbruch über eine Talstufe hinab. Dort trafen wir auf eine steile Flanke, die gerade noch eine fahrbare Schneise zwischen den blanken Eisflächen bot. Im fortschreitenden Frühjahr dürfte diese Möglichkeit schwinden und der Gletscherbruch unfahrbar werden.

lange Querung Richtung Hochjoch

Er muß dann wesentlich weitläufiger umfahren werden, mit einem signifikant längeren Aufstieg zum Hochjochsattel.

Gletscherbruch am Hochjochferner im Frühjahr

Nach der Steilabfahrt versuchten wir den Hang so hoch wie möglich zu queren, um mit minimalem Höhenverlust weit auf das Hochjoch zu kommen.

am Auffellpunkt zur Schönen Aussicht Hütte

Eine anstrengende Angelegenheit in der Spätnachmittagssonne im Anblick der Schöne Aussicht Hütte.

der letzte Kilometer zur Schönen Aussicht Hütte

Endlich erreichten wir den Totpunkt der Abfahrt und fellten für die letzten knapp 100 Hm und knapp 1.000 m Entfernung zur Hütte auf, die wir zum Schluß über die Schipiste des Gletscherschigebietes gegen 17 Uhr erreichten.

Gesamtbericht Venter Skirunde

Mils, 25.03.2022

1 Finsterwalder: „Die romanischen Namen in Schnals und Passeier als Zeugen für das Alter des Deutschtums“, Tiroler Ortsnamenkunde Band 3, Seite 1076

 

Similaun, 3.597 m

Der Similaun ist ein phantastischer und leicht zu erreichender Gipfel im Schnalskamm  der Ötztaler Alpen und die hier veröffentlichte Gipfelhöhe wurde dem TIRIS entnommen, da diese Quelle durch die Landesvermessung offiziellen Charakter darstellt gegenüber den Angaben anderer, nicht offizieller Quellen im Netz.

Herwig, Christian und Mathias am Similaun

Die ungewöhnlich klingende Bezeichnung des Similauns wurde in seiner Urform 1470 erstmals als „Symelewner“ 1 erwähnt. Über die Bedeutung des Namens ist man sich nur hinsichtlich der romanischen Abstammung einig, nicht aber über die Bedeutung. Während Finsterwalder eine Deutung ablehnt versucht Ortner 2 eine Erklärung.

kurze Tragestrecke durch die Blockhalde

Als Tagestour von Vent aus hat ihn Herwig vor Jahrzehnten als Schitour bestiegen, von dort ein hehres Ziel von mehr als 1.700 Hm und einem 14 km langem Anstieg in einer Höhenstufe mit entsprechenden Hochgebirgsregeln für die Besteigung.

erwartungsvolle Gesichter, hinter der Hütte der Jochköfel

Etwas gemütlicher konnten wir die Tour nach der Nächtigung auf der Similaunhütte angehen. Rein geodätisch wären von der Similaunhütte bis zum Gipfel 578 m zu bewältigen, durch den kurzen Abstieg von der Hütte auf den Fernerrest in der Mulde darunter sind es mit rund 25 m Höhenverlust gut über 600 Hm und ein eher kurzes Unterfangen von zweieinhalb Stunden.

Aufstieg unterer Teil, noch kaum Windgangln

Mit dem Vorzug der Morgensonne im angebrochenen Frühjahr stiegen wir mit den am Rucksack verstauten Schi in die Gletschermulde hinab, die noch genügend Schnee enthielt und gleich nach den Geröllmassen der Muldenflanke das Anschnallen erlaubte. Hier verließ uns Florian wieder, der sich mit den am Aufstieg zur Hütte zugezogenen Blasen nicht darüber hinaussah, den Gipfel zu besteigen.

bereits im windigeren Teil am Niederjochferner, Windgangln gut zu erkennen

Nach der Mulde im aufsteilenden Hang trafen wir recht bald auf die im heurigen Winter so omnipräsenten  Windgangln, ein Zeichen für viel Wind und die Höhe der Ausbuchtungen wies auf lang zurückliegende Niederschläge im Winter hin. Teilweise erreichten die Unterschiede von Tälern und Oberflächen einen halben Meter.

Aufstieg in langgezogener Linkskurve auf Pkt 3.260 m

Über den Gletscher querte die deutliche Aufstiegsspur des Winterwegs auf die östliche Felskuppe zu (Pkt. 3.260 m). Dadurch wurde der steile Teil des Mittelteils des Gletschers vermieden. Dort drehten die Spuren auf Südost über den gut übersichtlichen Ferner auf das Schidepot zu, das sich rechts der gewaltigen Eiswand vom unteren Gipfelaufbau befindet.

der Gipfelaufbau erstmals aus der Nähe sichtbar, noch trennen mehr als 300 Hm zum Gipfelkreuz

Der Anstieg bis dorthin ist übersichtlich und es beeindrucken die Dimensionen des Gletschers, auf dem man schier glaubt zu stehen und nicht weiterzukommen. Mühsam erscheinen die guten 200 Hm bis zum Schidepot.

Die Tourengesellschaft bei einer Trinkpause

Nach einer halben Stunde war das Schidepot erreicht, etwa eineinhalb Stunden nach dem Verlassen der Similaunhütte. Wir legten die Steigeisen an, wobei man nachträglich sagen muß, daß es diese nicht gebraucht hätte.

das Schidepot rückt näher

Im Aufstieg wird eine einzige Stelle über etwa 15 Hm erreicht, die vielleicht Steigeisen erfordert, falls dort schlechte oder keine Stapfen wären. Aber was man mitführt, soll man verwenden, eher an den Füßen als am Buckel.

Schidepot auf der Westgratrippe

Etwa eine knappe halbe Stunde benötigt der Aufstieg vom Schidepot am leichten Nordgrat zum Gipfelkreuz des Similaun. Die gewaltige Aussicht am Similaun umfasst den Blick von der Wildspitze im Norden über die scharfe Schneide der Hinteren Schwärze im Osten, der Hohen Wilde und der Hohen Weiße in die Brenta- und Presanellagruppe.

anspruchsvollste Stelle im Aufstieg über die Gratrippe

Weiter im Uhrzeigersinn auf den Monte Cevedale, Königsspitze und den Ortler im Südwesten, auf Piz Bernina im Westen, die schwarze Pyramide ist der Piz Linard und schließlich, links neben der dominierenden Weißkugel der Piz Buin und die Dreiländerspitze.

gen Osten mit der Hinteren Schwärze und dem Pfossental

Ein auffälliges Votivschild, eines vor fast 40 Jahren Verstorbenen, trotzt den Wettern am Fuße des Gipfelkreuzes am Similaun. Am Gipfel selbst findet sich kein Bezug zu dem Burschen, im Internet wird man fündig und sieht, daß das Schild 1990 noch am Kreuz montiert war.

Blick in den Norden nach Vent

Die Abfahrt vom Schidepot unternahmen wir am orografisch linken Teil des Gletschers unterhalb des Kleinen Similaun (Pkt. 3.363 m) und empfanden diese großteils als anstrengend.

gen Osten mit der Hinteren Schwärze und dem Pfossental

Durch die Windgangln die Abfahrt zu zaubern, verlangte Konzentration und ein wenig Kraft. Wenig wirklich ebene Flächen konnten gefunden werden, um vernünftig Schifahren zu können.

Blick auf das Schidepot

Erst unter 3.200 m gelang und dies durch einige Passagen mit passablem Firn und ebener Oberfläche. Ein kurzes Vergnügen.

durch die Blockhalde auf das Niederjoch

Über die begrenzende Blockschutthalde stiegen wir aus der Mulde auf das Niederjoch auf und erreichten in wenigen Minuten die Hütte wieder.

Gesamtbericht Venter Skirunde

Mils, 25.03.2022

1 Finsterwalder: „Die romanischen Namen in Schnals und Passeier als Zeugen für das Alter des Deutschtums“, Tiroler Ortsnamenkunde Band 3, Seite 1087

2 Ortner: „Stumpfe und Spitze“, Berge erleben DAS MAGAZIN DES ALPENVEREINS SÜDTIROL 04/18

 

Schitour Torkopf, 2.115 m

Im Schatten des Großen Galtenbergs – so könnte man ihn, im Ausläufer des Ostgrates gelegen, beschreiben – findet man eine kleine und feine Schitour auf den Torkopf. Mit gerade 70 Hm von der Einsattelung gegen den mächtigen Großen Galtenberg darf er sich nach den Regeln ein Gipfel nennen. Die Tour ist nicht sehr stark frequentiert.

Torkopf, 2.115 m

Vielmehr ist er aber ein vom Grat abgesetzter und abgerundeter „Gupf“ mit einer landschaftlich ansprechenden Besteigung. Die Abfahrt kann entlang des Aufstiegs, aber auch auf der rauen Nordseite erfolgen, mit beträchtlicher Hangneigung in der Engstelle durch die Felspassage.

Aufstieg zur Faulbaumgartenalm auf der Rodelbahn; rechts der Torkopf

Als Schitour unternimmt man den Torkopf sicher nicht zuerst im Alpbachtal, dazu gibt es viel wichtigere Ziele im Umkreis, von denen die meisten aber, aufgrund seiner zentralen Lage im hinteren Luegergraben, vom Torkopf aus eingesehen werden können. Wir haben ihn als Abschlußtour der Saison im diesjährig etwas üppiger mit Schnee gesegneten Alpbachtal gewählt, als Tüpfelchen am i und wurden nicht enttäuscht.

Aufstieg auf die Filzalm

Der Parkplatz im langen Luegergraben bildet, wie bei allen Touren darin, den Ausgangspunkt. Für den Anstieg zur Faulbaumgartenalm folgt man etwa eine Stunde lang der Rodelbahn. Am Parkplatz wird eine kleine Gebühr von 3.- (2022) eingehoben, mit persönlichem Service ohne Automat, der bei Kleingeldmangel ein Ticket verweigert. Bilder vom Anstieg bis zur Alm man bei den anderen Touren aus dem Luegergraben, die auf diesem Blog beschrieben sind.

Filzalm

Nach der Faulbaumgartenalm verändert sich die Route zur Schitour. Die Spur steigt, sich lang ziehend, über die erste Talstufe auf das nächste Niveau zur urigen Filzalm auf. Durch eine lichte Jungwaldpassage wird das Almgelände erreicht. Am Beginn der Almböden zweigt links der Aufstieg auf den Großen Beil ab, der durch einen schönen Kiefernwald steil in das Kargelände ansteigt.

hinterster Talkessel unterhalb der Steinbergalm

Gleich hält man sich rechts am flachen Gelände auf das Holzgebäude der Filzalm zu. Geradeaus führt die Spur auf das Sonnenjoch, ein tolles Schitourenziel am Talübergang ins Zillertal. Hinter dem flachen Gelände der Filzalm liegt die Steinbergalm (interessanter alter Bericht über die Alm aus 1999), deren aufsteigende untere Hänge angesteuert werden. Die Durchquerung dieses schönen Talkessels mit stetigem Blick auf den rechts im Anstieg liegenden Torkopf bietet jede Menge ansprechende Landschaftseindrücke.

wunderschöne Aufstiegshänge auf den Torkopf

Unterhalb der Steinbergalm zur Linken wendet sich der Anstieg zum Torkopf in einer langen Rechtskurve auf den Rücken mit dem Hochfläche und des Hochlegers der Steinbergalm. Nach einer leichten Mulde steilt das Gelände auf und wird in langen Kehrenabschnitten begangen. Mit dem Aufstieg, links eines Wassergrabens vom Hochfläche herab, wächst die Schönheit des Geländes und der Blicke auf den Talkessel stetig.

Rückblick auf die Filzalm

Lange freie Schihänge über das mittelsteile Gelände herab lassen die Stimmung steigen und das makellose Wetter bei unserer Begehung verstärkte dieselbe weiter. Stefan legte einen ordentlichen Zahn vor, sodaß fotografieren zur Nebensache wurde.

bestes Abfahrtsgelände am Torkopf

Nach dem ersten Hang flacht der Anstieg in den oberen Grabenbereich ab und durchquert denselben auf seine östliche Seite hinüber, wo das Gelände flach wird. Damit ist etwa die Hälfte des Aufstiegs zur Hochfläche geschafft, bevor am Ende der Flachpassage links (westlich) der Anstieg wieder über steileres Gelände fortsetzt.

Trinkpause vor der Flachstelle

Unter steil in diesem Bericht wird eine Hangneigung von unter bis leicht über 30° angesprochen, die diese Schitour auch zu einer möglichen Unternehmung für nicht ganz einwandfreie Lawinenwarnstufen macht, da die Passagen darüber sehr kurz sind.

an der Flachstelle

Im folgenden Hang befindet sich die oberste Strecke über etwa 30 Hm in einem Neigungsband leicht über 30° und flacht oben schnell ab. Während des Aufstiegs wird die 1.900 m Marke passiert, die gleich mit dem Steinbergerjoch auf der Südseite des Talkessels liegt und einen Wegpunkt im Aufstieg zum Sonnenjoch darstellt.

Aufstieg über die zweite Stufe auf die Hochfläche

Die Hochfläche auf etwa 1.950 m wird erreicht und bietet einen phantastischen Überblick auf den restlichen Tourenverlauf zum abgerundeten Torkopf. Über das leicht kupierte Gelände führt die Route im leichten Linksbogen direkt am Hochlegergebäude vorbei.

Almgebäude unterhalb des Torkopfs

Im Sommer mag die Gruberlacke, ein seichter See hinter einer Kuppe rechts neben der Alm, ein schönes Motiv sein, wir haben Mitte März noch nicht einmal eine sich abzeichnende Uferlinie erkennen können. Im TIRIS und in manch anderen Karten ist auch links (im Aufstiegssinn) neben dem Almgebäude ein Gewässer kartiert, auch dieses konnten wir in der Schneedecke nicht ausmachen. Vermutlich handelt es sich hier nur um eine dichte Mulde ohne Abfluss.

phantastischer Blick auf die Hochfläche

Rechts am tief eingeschneiten Almgebäude führt die Route im Bogen auf den Sattel zwischen dem Südostgrat des Großen Galtenbergs und dem Torkopf. Am Weg dorthin passiert man die verfallenen Steinmauern eines ehemaligen Almgebäudes zur Rechten, bevor im Aufstieg der Hangeinschnitt zum Sattel führt.

Aufstieg vom Sattel über den Westrücken auf den Torkopf

Über gut 70 Hm erreichten wir den Gipfelaufbau am Sattel. Von dort kann man die Nordwestabfahrt einsehen, die wir später in Angriff genommen haben.
Die letzte steile Passage zieht sich über den Westrücken des Torkopfs zu seinem langen flachen Gipfelplateau.

am Sattel, Blick auf den Großen Galtenberg

Zunächst aber erfolgte ein Spitzkehrenaufstieg über die kurze steile Flanke mit nur wenigen Schritten in jede Richtung, bevor eine Spitzkehre nötig wurde. Das verbliebene Schneeband im schmalen Teil der Flanke war kaum 10 m breit, weswegen viele Richtungswechsel eingelegt werden mußten. Eine Gruppe der wenigen Schitourengeher, die mit uns aufstiegen, schulterten die Schi und stapften durch das schmale Schneeband in flacheres Gelände.

kurz vor dem Gipfel das Torkopfs

Ein kleines hölzernes Gipfelkreuz mit Stahlringen, Tiroler Adler und Edelweiß verstärkt, fundiert in einem Steinmann ziert den Torkopf. Die Ansicht nach Nordwest zeigt den 300 m höheren Großen Galtenberg und die steile Nordostabfahrt.

Torkopf gegen Galtenberg

Vom Torkopf aus sind alle wesentlichen Schitouren im Luegergraben gut und übersichtlich einsehbar, verdeckt ist lediglich der Anstieg über das Kolbental auf den Großen Galtenberg.

Talblick auf die Faulbaumgartenalm mit Lämpersberg und Kleinem Beil im Hintergrund

Im Nordosten beginnend findet sich der runde Rücken des Lämpersbergs, der final rassige Aufstieg auf den Kleinen Beil, wenig höher als der Torkopf, im Uhrzeigersinn anschließend der Große Beil, der Gressenstein und im Südosten das Sonnenjoch, das drei Bezirke und fünf Gemeinden verbindet.

18 die Gipfelrast

Direkt im Westen befindet sich der Große Galtenberg und im Nordwesten, an seinem Gratausläufer, der Mareitkopf, eine leichte Familienschitour zentral zwischen Luegergraben und Kolbental gelegen.

vom Torkopf gegen Süden in die Zillertaler Alpen geblickt

Mit bäriger Aussicht auf die bereits frühjährlich ausgeaperten Talschaften in der Umgebung genossen wir eine kurze Gipfelrast und verabschiedeten uns sodann vom Torkopf in Richtung der Nordwestabfahrt durch die Steilrinne hinab in die Hänge der Innermareitalm. Daß diese gut befahrbar sein würde wussten wir bereits von der Abfahrt vom Großen Galtenberg eine Woche zuvor.

Abfahrt zur Steilrinne

Bis zum Sattel herrschten absolute Frühjahrsverhältnisse mit firnartigem Schnee (Firn mochte sich in dieser Saison noch kaum ausbilden). Auf der unbeleuchteten Nordseite des Sattels herrschte ein Mix aus anfänglich weichem eingewehtem Schnee unter leichter Windkruste und tiefer unten aus verhärteten Windgangln ohne Einsinken.

In der Steilrinne, diese erreicht eine Hangneigung über 40°, verengt sich die Abfahrtsbreite im  schmalen Teil auf etwas mehr als Schilänge. Strauchwerk und teilweise Felsoberflächen, die bereits von vielen Befahrungen freigerutscht worden sind, bilden dort die Herausforderungen. Bei Vereisung der kurzen Felspassage im engsten Abschnitt, kann die Stelle oberhalb der Sträucher befahren und der felsigen Partie ausgewichen werden.

Engstelle der Steilrinne

Bei unserer Befahrung trafen wir auf keine Vereisung wodurch die Engstelle relativ gut abgerutscht werden konnte.
Der Schuttkegel nach der Engstelle ließ sich auf harter Oberfläche recht gut befahren. Unten wurde der Harschdeckel dann dünner und brach bei jedem Schwung durch – die klassischen Mühen in der Abfahrt.

unterhalb der Steilrinne im Schuttkegel

Im Kessel der Innermareitalm führt die Abfahrt hinab zu den unteren Almgebäuden und über den Luegerbach zurück zur Rodelbahn. In der Abfahrt dorthin hielten wir uns soweit rechts wir möglich, um bis zur Brück mit Schwung abfahren zu können.

Torkopf Nordabfahrt durch Rinne

Bei der Brücke und das kurze Stück zur Rodelbahn, etwa über 100 m müssen 8 Höhenmeter im Grätschschritt überwunden werden.
Über die Rodelbahn, bzw. in den Hängen daneben, erfolgt die Ausfahrt durch den Luegergraben bis zum Parkplatz.

zurück über die Innermareitalm an der Rodelbahn

Wir haben für die etwa 6 km Aufstieg über ziemlich exakt 1.000 Hm und mit einer etwa 25 min Gipfelrast knapp 4:30 Stunden benötigt.

Mils, 23.01.2022

Schitour Standkopf (Sagtalerspitze), 2.241 m

Unter den gängigen Schitouren im Alpbachtal kann jene auf den Standkopf, oder auch Sagtaler – wie er noch genannt wird – als eine landschaftlich außergewöhnlich ansprechende Tour im oberen Teil beschrieben werden. Die ständige Sicht auf das Ziel während des Aufstiegs über die wunderbar kupierten und im fortgeschrittenen Winter sonnigen Osthänge erfreuen dabei bereits nach dem Waldgürtel auf 1.650 m, etwa 600 m unterhalb des Gipfels.

letzte Etappe zum Gipfelaufbau

Vom Parkplatz im Greiter Graben zieht selbiger etwa zweieinhalb Kilometer weiter zum Talschluß hin und unter kleiner bis mäßiger Steigung wird etwa 250 Hm bis zur Greitalm aufgestiegen.

Kurz nach dem Parkplatz im Greiter Graben; das Ziel ganz rechts bereits sichtbar

Die Spuren führen anfänglich rechts des Weges im Talgrund (im Winter Rodelbahn) für einen kurzen Teil auf der Schipiste taleinwärts bis zu einem Waldgürtel, der über einen kleinen Bach durchschritten wird, um anschließend leicht rechtshaltend durch eine Schneise auf das Almgeländer der Greitalm zu gelangen.

Bachquerung vor dem Almgelände

Über das baumlose Almgelände führt die Route an den Almgebäuden vorbei, die links liegen gelassen und neben dem Bach in südwestlicher Richtung aufgestiegen.

am Gelände der Greitalm, links Großer Galtenberg

Hält man sich an der Alm in südöstlicher Richtung erreicht man die Talstufe zur Farmkehralm und kann dort eine Schitour auf den Gamskopf unternehmen, oder auch auf den Großen Galtenberg. Der Gamskopf stellt die östliche Begrenzung der Sagtalerspitzen dar, die sich vom Standkopf über 1.100 m in leicht nordwestlich bis südöstlicher Richtung bis zu ihm hinüberziehen.

Greitalm vor der Talstufe auf die Farmkehralm und den Gamskopf

Im Sommer können sie auf einem leichten Steig mit Seilversicherungen überschritten werden, im Winter taugt diese Kette dafür nur in Einzelanstiegen über die südseitigen Hänge. Der Standkopf, als höchster und zweifellos imposantester der drei Spitzen, bezieht seinen zweiten Namen „Sagtaler“ als Sammelbezeichnung des Trios daraus.

mit leichtem Höhenverlust zur Greitalm hinab, rechts davon im Aufstieg weiter

Die Route auf den Standkopf wechselt nach einigen Minuten rechts über den Bach auf eine Schulter, die etwas steiler als zuletzt zu einer Jagdhütte führt und dabei den Hochleger der Greitalm rechts liegen läßt. In der AV-Karte ist noch eine Materialseilbahn zwischen den Almenstufen eingezeichnet, diese gibt es nicht mehr.

mehrmals nachwachsen und Nerven behalten als einzige Chance auf eine schöne Tour

Ein Tipp für wärmere Tage sei hier gegeben. Erfolgt die Aufstiegsstrecke ab dem Parkplatz schon auf recht feuchtem Schnee, oder gar über oberflächliche Schmelzungen, dann empfiehlt es sich die Felle noch am Parkplatz gut einzuwachsen. Der innerste Greiter Graben ist durch die Abdeckung der Gipfel im Talschluß schattig und daher wesentlich kälter als der äußere Teil (welche dort auch für gute Schneebedingungen sorgt). Steigt man dort mit nassen Fellen, dann erleidet man das Schicksal des Verfassers, der von der Alm bis zum Grat dreimal Aufstollungen abkratzen und nachwachsen mußte.

kurz vor dem oberen Ende des Waldgürtels

Ab dem Gelände unterhalb der Jagdhütte kann eine alternative Abfahrtsroute studiert werden, und zwar die Variante der Kenner des Geländes, die direkt unter der Ostscharte des Standkopfs befahren werden kann, eine steile Nordostrinne, mit gut 40° Hangneigung im oberen Teil. Eine viel beschriebene Engstelle im Fels konnten wir im Aufstieg nicht entdecken. Es sollte jedenfalls möglich sein weiter unten nach Norden zu queren und die Aufstiegsroute zu erreichen, siehe Bildergalerie.

unterhalb den Stauden nach rechts auf eine flachere Schulter

Der spärliche Wald zur Rechten nach der Jagdhütte wird mit fortschreitender Höhe zusehendes ausgedünnter und noch vor dem Erreichen des Staudenwerks oberhalb wechselt die Route durch letzte einzelne Bäume hindurch nach Norden, um einen Rücken zu erreichen, der über den sonnigen Teil der schönen Osthänge auf die Grathöhe führt.

von der Schulter aus auf den Standkopf geblickt

Bei einer Trinkpause, am sonnigen Rücken angekommen, bietet sich ein bäriger Blick auf den Großen Galtenberg und seinen Anstieg aus dem Graben über die Farmkehrnieder- und -hochalm gegenüber. Bei unserer Begehung präsentierten sich der nördliche Gratrücken und der Anstieg über den Gipfelaufbau recht abgeblasen.

Großer und Kleiner Galtenberg gegenüber

Die Hänge bis zur Kammhöhe hinauf wechseln stetig die Steigung, wodurch sich die Spur in interessantem Geschlängel nach oben zieht und auch der Blick auf das Wiedersberger Horn im Aufstieg genossen werden kann. Für die Abfahrt steht praktisch der gesamte Hang bis über den Hochstand hinaus mit einer Breite von mehr als einem Kilometer zur Verfügung.

mit wenigen Spitzkehren und vielen langgezogenen Kurzen bergan

Am Kamm angekommen bliesen uns kräftige Böen aus dem offenen Westen entgegen. Die weitere Route zum Gipfel erfolgt direkt am Kamm, der sich, nach einem felsigen Sporn, als breiter Rücken ausformt und zuerst nur flach ins Zillertal abfällt.

Rückblick auf den exzellenten Hang

Über die breiten flachen Passagen hinweg wird der imposante Gipfelaufbau des Standkopfs erreicht. Auch er war bei unserer Tour vom Westwind gezeichnet und zeigte seine felsigen Konturen an den Übergängen der Nordwestflanke.

am Kamm angelangt, den Standkopf anvisiert

Um die mittelsteile Kante auf die Südostflanke herum mußten wir sorgsam über ein paar Meter felsiges Gelände auf verhärtete Schneefelder wechseln. Ein schmales Band an Schneefläche zog sich bis zum Gipfel hinauf, den wir aber bis oben unter Schi erreichten. Die obersten Meter zeigten sich völlig abgeblasen.

unbenannte Spitzen am Westkamm ins Zillertal

Vom Standkopf aus bieten sich wunderbare Aussichten in alle Richtungen zur Betrachtung. Die Umrahmung des Alpbachtals, in unmittelbarer Umgebung vorrangig beschrieben, bietet einen bärigen Blick auf den Grat über die Sagtalerspitzen. Sichtbar ist aber lediglich der Tapenkopf, der Gamskopf liegt in der Abdeckung einer Graterhebung an den Standkopfs anschließend.

Nordwestflanke Standkopf (Sagtalerspitze)

Links der Sagtaler Spitzen, im Osten, das Spitzl ist der Kleine Galtenberg, und wieder links der mächtige Große Galtenberg.

im Anstieg auf den Standkopf Richtung Westkamm geblickt

Am Nordkamm vom Galtenberg herab schneidet sich dieser mit dem weit im Osten gelegene Kleinen Beil, der vom Luegergraben aus begangen wird und den Grenzkamm zur Wildschönau bildet. Links davon im Grenzkamm befindet sich der Lämpersberg, der vorwiegend von der Wildschönau aus begangen wird, aber auch vom Alpbachtal begangen werden kann.

Standkopf, 2.241 m

Im Vordergrund am Nordkamm vom Großen Galtenberg herab befindet sich der kleine runde Mareitkopf, eine nette leichte Schitour geeignet für Tage, bei denen mit erheblicher Lawinengefahr gerechnet werden muß und man  unterhalb von 35° Geländeneigung bleiben möchte.

Blick nach Osten über die Sagtalerspitzen zum Großen Galtenberg

Ein gewaltig schöner und umfassender Blick eröffnet sich auf den Zillertaler Märzengrund im Süden. Das Gelände von Triplongrund und Hemerergrund, anschließend an den Märzengrund scheint in Breite und Tiefe bis zum 2.536 m hohen und runden Katzenkopf hin kaum ein Ende zu nehmen.

Blick nach Südosten auf das weite Gelände von Märzen- Triplon-und Hemerergrund

Weiter im Süden erscheinen die mächtigen Gipfel des Zillertaler Hauptkamms mit dem mächtigen Gletscher unterhalb des Schwarzensteins rechts der Bildmitte.

im Süden der Zillertaler Hauptkamm

Im westlichen Teil der Zillertaler Alpen sehr markant der Olperer in 37 km Entfernung.

westliche Zillertaler Alpen

In den Tuxern im Südwesten befindet sich der Rastkogel als markant zu betrachtender Gipfel und direkt im Westen die freistehende Gipfelgruppe von Kuhmöser und Kellerjoch.

Tuxer im Westen

Gegen den Nordwesten hin prangen die schönen Karwendelgipfel mit einigen interessanten Schitourenzielen wie beispielsweise auf die Rappenspitze oder im Rofan das Kotalmjoch und den Abschluß im Alpbachtal bildet die äußerst nördlich gelegene, nette und leichte Schitour auf den Loderstein, von Hygna aus.

im Norden der Loderstein und das Wiedersbergerhorn

Mit einem schönen Blick nach Norden auf Inneralpbach und die leichten Touren auf die Joelspitze endet die Rundschau vom Standkopf aus.

Blick auf Inneralpbach mit Abfahrtsgelände

Über die Nordwestflanke erfolgte die Abfahrt, zunächst in etwas gepresstem aber gut zu befahrenden Schnee im steilen Hang mit unten zunehmend besseren Verhältnissen.

Herwig am Standkopf (Sagtaler) 2.241 m

Am Kamm war Vorsicht geboten an dem vom Wind bearbeiteten kupierten Stellen nicht auf felsigem Untergrund aufzusitzen, aber glücklicherweise nur über ein kurzes Gratstück bis zum breiten Osthang zum Greiter Graben hinab.

Abfahrt über die steile Nordwestflanke

Vor dem Waldstück entschieden wir uns für die Passage durch den Wald zur Greitalm, nicht im Schatten über den Aufstieg.

Rückblick auf den Gipfel des „Sagtalers“

Diese Variante sollte man sich vorher in der Draufsicht im TIRIS ansehen, damit die beste Passage erwischt wird.

Uns traf es einige Höhenmeter über Stock und Stein im dichten Wald und nur wenige Meter daneben wären Lichtungen gewesen.

bärige Abfahrt Richtung Greitalm

Die letzten Sonnenstrahlen begleiteten uns zur Greitalm, von der wir die Rodelbahn zur Talausfahrt nutzten, weil sie angenehmer zu befahren ist als die Aufstiegsroute.

letzte Sonnenstrahlen im Gelände der Greitalm

Der Aufstieg auf den Standkopf beträgt  1.190 m und insgesamt aller Pausen benötigten wir dafür 4:20 Stunden. Die Streckenlänge beträgt 5,3 km.

Mils, 30.01.2022