Öfelekopf Westgipfel 2.469m

Die kühne Gestalt der beiden dolomitisch gebauten Gipfel aus allen Richtungen machen vor allem den Ostgipfel, aber auch den Öfelekopf Westgipfel im wilden Wettersteingebirge zu einem hehren Ziel, das im Repertoire eines Bergsteigers nicht fehlen darf und – der Westgipfel ist trotz seiner gegenteilig aussehenden Ansicht vom westlich gelegenen Söllerpass in feiner und leichter Kletterei zu erreichen.

und der Ausstieg auf die quadrigen Brocken

Der Anstieg vom Parkplatz Puitbach erfolgt ärgerlicherweise über den Normalweg im Spitz zur „Tumeslucke“ und zurück zur Gabelung im Puitfeld sofern man wegen Quatschens und morgendlicher Unkonzentriertheit, wie wir, den direkten Zugang neben dem Bach nicht sucht und somit die Touristenstrecke nimmt. Der Umweg ist verkraftbar und eine Sache von wenigen Minuten, die Schande für den Autor, des Kartenlesens nicht mächtig zu sein bleibt.

Parkplatz Puitbach – Blick gegen Öfelekopf

Bei der Weggabelung mit dem Weg zum „Lehner“ (den in AV-Berichten im Internet öfters zu findenden Ausgangspunkt – heutzutage gleichzusetzen mit einem Parkplatz – im Ortsteil Lehner sucht man vergeblich nach einem Parkplatz und das ist auch gewissermaßen ärgerlich) geht es am breiten Steig nach wenigen Hundert Metern gleich ordentlich steil bergauf durch Laubwald. In unserem Fall mit vielen nassen Stellen vom labilen, schauerträchtigen Wetter des Vortages.

erste Ansicht zum Öfelekopf am Puitegg, nach lichten des Nebels

Der Steig ist breit, gut gepflegt und durch dichten Wald lichtgeschützt, wobei bei unserer Begehung die Sonne erst nach der Steilstufe beim „Puitegg“ in der Alm merkbar wurde. Ab dort dafür bis in die Wände unter dem Söllerpass kräftig. Der frühe Startzeitpunkt ist im Sommer daher ratsam.

das schöne Puittal

Das Gelände der Puittal Alm erfreute uns nach dem dunklen Aufstieg im Wald mit dem prächtigem Talkessel und den neugierigen Pferden sehr.

Felsspitzl Wegverzweigung zum Söllerpaß

Beim markanten Felsspitzl mit den Wegweisern schlugen wir die gebotene nordwestliche Richtung ein, die direkt in die Latschen führt und nach wenigen Minuten durch eine lange, immer steiler steigende Bachrinne bis an den unteren Rand der Felsschrofen führt.

Aufstieg in der Bachrinne zu den Schrofen zum Söllerpass – rechts gut erkennbar die Scharte zwischen Vorsporn und  Gipfelmassiv

In den Schrofen überrascht zunächst der für Kalkfels in der Region bemerkenswerte Anteil an rundgeschliffenen Oberflächen. Entweder waren die formenden Kräfte derer dauerhafte Abflußgebiete von Gletschern über extrem lange Zeiträume, oder ein Gletscher selber, mit entsprechenden Drücken. Das „Platt“ über dem Anstieg zum Söllerpass und die Vorstellung von überquellenden Abflüssen mächtiger Vergletscherung dürfte eher der ersten Variante Ursache bilden.

interessante Bänder am Aufstieg in den Felsen

Steil und den Schrofen angepaßt führt der Steig über interessante schräge Plattenflächen nach oben und er lädt zum Nachdenken darüber ein, ob ein solch selektiver Steig in der heutigen Zeit wohl noch errichtet werden würde. Der feinfühlige Beobachter des ungebremsten Importes fremdländischer Empfindungskultur über „sicher“ und „unsicher“ würde den Steig – wenn überhaupt – als Klettersteig der unteren Kategorie zulassen, in jedem Fall aber einen Steig, so wie er seit Jahrzehnten besteht, ablehnen. Die generelle Entwicklung wird die Bergsteigerei künftig noch viel extremer in autobahnähnlichen Massenpfade mit Kostenpflicht und verfallende, nicht mehr beschriebene und gepflegte Einzelsteige spalten.

Öfelekopf unterhalb des Söllerpasses

Der einhergehende enorm steigende Verantwortungsdruck auf die Wegerhalter wird diese Entwicklung exponentiell beschleunigen und niemand – auch nicht der juristisch geführte AV – traut sich heutzutage auch nur ansatzweise drüber, den für Bergwege völlig ungeeigneten und nicht gedachten Grundsatz nach § 1319a (ABGB) aufzulösen, bzw. für die heutigen Erfordernisse der Widmung derselben anzupassen. Steinmandln werden im einstig kühn gewesenen rot-weißen Land bleiben, wenn überhaupt.

Öfelekopf vom Söllerpass aus

Nun, die ärgerliche „Weiterentwicklung“ der Gesellschaft verraucht über den imposanten Steig zum Söllerpass spätestens aus dem Kopfe des Aufsteigers, wenn die flachere Stelle etwa 120m unterhalb des Passes beschritten wird und ein interessanter Blick auf den Westgipfel des majestätischen Öfelekopf sich auftut. Daß der schönste Teil der Kletterei dabei voll sichtbar ist, ahnt der Erstbegeher beim flüchtigen Blick auf sein Ziel noch nicht so wirklich.

im Tiefsten am Zustieg; der erste Turm – vom Söllerpass in seiner Dimension noch nicht richtig sichtbar – hebt sich deutlich vom Berg ab

Am Söllerpass tritt das riesige Platt zwar noch nicht in voller Größe ins Blickfeld des Betrachters, aber ein erster Eindruck über die knapp 2km² große, geneigte und so fremd anmutende Felsfläche mit ihrer interessanten Oberfläche entsteht.
Später, am ersten Turm vor dem Massiv der Öfeleköpfe wird die Dimension spürbar und vom Gipfel aus kann die nicht ungefährliche Oberfläche bestaunt werden.

Leutascher Platt mit Meilerhütte

Der pyramidenartige Aufbau des Westgipfels mit der grünen Zustiegsrampe beeindruckt vom Söllerpass allemal und sogleich sucht man einen möglichen Anstieg. Mit der fehlenden Tiefenperspektive von dort aus kann der westlich vorgelagerte massive Turm nur dann einigermaßen eingeschätzt werden, wenn man beim Aufstieg aufgepaßt und seine Gestalt im Kopf behalten hat. Er ist das nächste unbekannte Ziel nach dem Anstieg am begrünten Grat.

Aufstieg auf den vorgelagerten Turm

Zunächst erfolgt ein etwa 40m tiefer Abstieg in die Einsattelung zwischen dem Pass und der Westflanke des Öfelekopfes. Jenseits leiten bald beginnende Steigspuren zum Ende der Begrünung, an der die leichte Kletterei auf den Vorsporn beginnt. Leicht nördlich des Scheitels leiten Steinmandln über den Sporn in dessen Ostflanke und steil hinab zu einer kleinen halbtiefen Scharte – der Übertritt auf das Massiv der Öfeleköpfe.

Abstieg auf der Ostseite des Turms – leichtes Gelände

Die Kletterei beginnt leicht und setzt sich in dieser Art auch nach dem Schärtchen so fort. Zwischendurch folgt Gehgelände mit viel Schutt, jedoch zumeist mit derart festem Untergrund, sodaß mühsame Rückrutschungen die Ausnahme zum festen Felsgelände bilden.

jenseits der Scharte weiterhin leichter Kletterfels mit Gehgelände

Eine längere Gehstrecke mündet in eine steilere felsige Mulde mit dem fühlbaren Ausstieg links oberhalb.

die Mulde im unteren Teil – reines Gehgelände

Steinmandln sind auf der gesamten Route bis zum Gipfel nur allzu reichlich vorhanden, aber auch ohne sie würde der versierte Bergsteiger den Ausstieg aus der steilen Mulde finden und von unten sogar das breite komfortable Felsband, das vom Vorplatz nach dem Ausstieg aus der Mulde nach rechts oben (südwestlich) zieht.

Simon am flachen Platzl oberhalb der Mulde

Dem einladenden Band gefolgt und mit einer Wende an dessen Ende vor dem Abbruch in eine Schuttrinne wird der Bereich mit der schönsten Kletterstelle des gesamten Aufstieges erreicht.

am Band nach rechts unterhalb auf die Flachstelle zu gequert

Unterhalb eines markanten kleinen Felsdaches wird abermals gewendet – Irrtum durch die Felsgestalt ausgeschlossen – und auf eine kleine Flachstelle auf den sich ausbildenden Grat aufgestiegen.

Simon unterhalb der schönen Kletterstelle auf die Flachstelle zu

An der Flachstelle kann die schöne Kletterei auf den oben scharf anmutenden Grat in seiner vollen Länge eingesehen werden. Solide Griffe, Tritte und Verschneidungsrisse von Finger- bis Handgröße lassen dieses feste und ein wenig ausgesetzte Gelände zur tollen Kletterei werden.

die schöne Kletterstelle im Überblick

Oben am schmalen Grat folgen quadrige Blöcke mit fast technischen Formen, leicht und angenehm zu überschreiten, horizontale Trittflächen und vertikale Risse.

Überstieg auf die Quader

Die Kletterschwierigkeit beschränkt sich trotz des spektakulären Geländes an diesem Grat nur auf den zweiten Grad, das leicht luftige Erlebnis jedoch erfreut als wäre es eine gute Stufe mehr.

oben etwas luftig aber toll zu klettern

Anschließend folgt eine leichte plattige Stufe mit einigen Metern Höhe, bevor das schmale Gratgelände der Gratrippe wieder in das breitere Massiv übergeht

im flacheren Teil vor dem Gipfelaufbau

Der eingangs beschriebene dolomitähnliche Bau der Öfeleköpfe wartet nach dieser Steilstufe mit einer fast flachen Passage zum nächsten schräg gelagerten Felskopf auf, an dessen Westseite ein Band, so breit wie ein Gehsteig in der Stadt gesichtet wird.

Simon am Weg zum letzten Pyramidenteil zum Gipfel des Östlichen Öfelekopfes

Erstiegen wird es über die selbe geologische Trennfuge, die über schmalere und brüchigere Passagen in reinem Gehgelände dorthin führt – sozusagen in der selben Sedimentationszeit des Ladiniums vor etwa 240 Mio. Jahren.

das schöne breite Band zur Westseite des Aufstiegs

Mit grandiosem Tiefblick auf der Klippe am Ende des Bandes nach unten in das Puittal folgt der restliche Aufstieg einem schmalen kurzen Grat bis zur leicht schrägen Gipfelplatte mit dem völligen Abbruch in die Schluchten der Südseite des Westgipfels.

den Westlichen Öfelekopf erreicht

Der Öfelekopf Westgipfel wird schlussendlich über eine schmale Passage auf der Gipfelplatte nach kaum 100m Gehgelände unschwierig erreicht.

Gipfelbuchschachtel am Westlichen Öfelekopf

Das malerische 87 Jahre alte Gipfelkreuz, das den Öfelekopf Westgipfel ziert, zaubert mit seiner einzigartigen Gestalt und der, über die Jahrzehnte sich eingestellten leichten Schrägstellung einen zarten Hauch von Melancholie der Alpingeschichte. Die vom Kreuz oder der Gipfelbuchschachtel abgefallene Herrgottsfigur wurde in ein Drahtgeflecht unter der Schachtel gesteckt und trotzt seither dort den Wettern geduldig – Stillleben der Berge in Reinkultur.
Bemerkenswert am eindrucksvollen Ort ist seine Unberührtheit, kein selbstklebender Egoismus, keine Schmiererei stört die Idylle.

der Autor am Westlichen Öfelekopf beim recognosciren der nördlich gelegenen Grate

Unweigerlich fällt der Blick auf den östlichen Brudergipfel und ebenso sucht das Auge sofort die Verbindung – zwei Türme, denen man die Ablehnung bezwungen zu werden förmlich anzusehen glaubt.

der bizarre Östliche Öfelekopf

Bei näherem recognosciren des Überganges stellt der Gratkletterer zumindest fest, daß die Nordflanke des Ostgipfels halbwegs machbar aussieht, aber was liegt dazwischen? Hierzu war unser Plan eine kleine Erkundung vorzunehmen.

Meilerhütte und Musterstein hinter dem Leutascher Platt

Das labile Wetter wartete mit zunehmender Sonnenenergie auf die vom Vortag regennassen Hänge mit Walzen von thermisch aufsteigenden Nebeln auf und ein Abwarten des Endes von Nebel wollte nicht eintreten.

Ansicht in die Südwände des Westlichen Öfelekopfes

Wir beschlossen daher zunächst einmal die nördliche Kette mit dem Glas zu erkunden und mußten uns über die zur Mittagszeit noch auf die Mittlere Partenkirchner Dreitorspitze aufsteigenden Bergsteiger im Nordwesten wundern. Andererseits ist sie von Bayern aus eine lange Tour.

wie lange er es hier wohl schon aushält?

Die Einrahmung des Leutascher Plattes wird von lauter schön und kühn aussehenden Gipfeln und Graten gebildet. Der Grat zum Musterstein sah, vom Süden aus betrachtet, fantastisch aus. Eine steile Scharte dürfte es aber in sich haben – der Grat wurde geistig aufgenommen und wird auch einmal erkundet werden. Ebenso die Dreitorspitzen.

Marienstatue am Westlichen Öfelekopf

Die Verbindung bzw. die Erkundung der Machbarkeit des Ostgipfels war weiteres Ziel der Tour. Da eine Überschreitung auf Grathöhe schon vom Öfelekopf Westgipfel ausgeschlossen erschien, machten wir uns auf die erste Plateaustufe abzusteigen und in die Nordwand einzuqueren.

Übergang zur Scharte zwischen den beiden Grattürmen der beiden Öfeleköpfe

Die Brüchigkeit in diesem Gelände ist selbst für einen erfahrenen Karwendelfreund beachtlich und unterhalb der Gipfelfelsen strebten wir nach Osten, vorbei an einer auffallenden noch jungen, gelben Abbruchstelle, die in ihrer Erscheinung abstoßend wirkte.

Steinmandl in der Scharte zwischen den beiden Öfeleköpfen

Etwa 50m nach dieser Stelle war das schuttige und überaus rutschende Band zu Ende und für den Autor ein Signal, daß sich seine Abenteuerlust, zumindest an diesem Tag und vor dem abstoßenden Gelände im Verein mit den tristen Nebelfetzen, wie von selbst verflüchtigte.

Aufstieg in der Verschneidung zwischen Gratturm und rechts Gipfelaufbau des Westlichen Öfelekopfes

Simon aber, unerschütterlich, wollte unbedingt die Scharte und das Dahinter erkunden. So stieg er, mit Getöse von Schutt in die Nordwand, einige Meter ab und querte weiter auf schmalem Band in die Scharte sowie in den Riss dahinter, der direkt zum Aufstieg auf den Ostkopf führt.

Schuttfläche zur Verschneidung und zum weiteren Aufstieg

Einige Minuten war er von der Nordflanke aus nicht mehr sichtbar und fertigte Fotos an, die den Aufstieg auf den Ostgipfel im unteren Teil zeigen (siehe Bildergalerie).

Rückblick (nach Westen) auf die Scharte zwischen den Öfeleköpfen

Wieder zurück in der Nordflanke und bei kurzer Betrachtung der Bilder resümierten wir, daß dieser Aufstieg besser gesichert begangen werden sollte und keinesfalls an diesem Tag.
Eine Viertelstunde später waren die beiden Gipfel schon wieder kurz in Nebel verpackt.

Schmalstelle des schuttigen Bandes zur Scharte zwischen den Öfeleköpfen

Am Abstieg genossen wir nochmals die schöne Stelle an der pfeilerartigen Rippe, wenn auch in die Gegenrichtung. Über den hohen Gratspitz nach dem Schärtchen erreichten wir wieder die steilen begrünten Hänge, die wir in Richtung Leutascher Platt und Bergleintal verließen.

Übersicht über den Kernteil am Abstieg

Das Leutascher Platt mit seiner sehenswerten Oberfläche ist eine Begehung wert. Zur Karstfläche geworden muß das Platt jedoch noch mehr geologische Umbrüche durchgemacht haben. Wasserrinnen, ungewöhnliche Vertiefungen, Rippen und löcherartige Vertiefungen deuten auf viele Tausend Jahre Formung durch Wasser hin – eine toll anzusehende Kalkoberfläche.

Rückblick auf den Hauptteil des Aufstieges (die weiße Platte links unten im Vordergrund täuscht, sie gehört zum vorgelagerten Turm)

Bald erreichten wir den Weg zum Mustersteinhaus bzw. zur Meilerhütte im Bergleintal, den wir durch immer noch blühende Almrosenflächen talauswärts wanderten – dieser Weg erlebten wir ebenfalls als eine Schönheit für sich.

Leutascher Dreitorspitze

Mit tollem Rundblick auf die die umgebenden Felsgestalten geht es zuletzt über eine Steilstufe hinab, die überraschenderweise von reinem Laubwald gekennzeichnet ist, der auch mit Latschen durchsetzt ist. Eine seltene Paarung in den Nördlichen Kalkalpen.

im Bergleintal

Nach der gewaltigen Klamm und dem anschließenden Schwemmgelände, die einen phantastischen Blick auf die Arnspitzgruppe im Osten bietet, führte uns die Rundtour etwas ansteigend durch Waldstrecken „um die Ecke“ der Südosthänge der Öfeleköpfe wieder zurück zum Parkplatz Puitbach.

Schwemmfläche im Bergleintal – dahinter die Arnspitzgruppe

Die Aufstiegsdifferenz betrug genau 1.500Hm und die Strecke der Runde 12km (horizontal gemessen).

Öfeleköpfe im Rückblick

Zeitbedarf incl. der knappen Stunde Gipfelpause am Öfelekopf Westgipfel: gut sieben Stunden.

Mils, 04.08.2019

 

Kleiner Falk 2.190m – mit Überschreitung zum Risser Falk

Bereits kurz vor der Ortschaft Hinterriß am Weg von Norden ins Karwendel läßt den Bergsteiger und Gratkletterer der kühne Anblick der Falkengruppe – sichtbar ist der Kleine Falk und der Grat zum Risser Falk – nicht mehr los.

Sequenz Schlüsselstelle 4 – man achte auf die Tritte

Die Reifung die Tour zum Kleinen Falk und die Gratüberschreitung zum Risser Falk im neu auserkorenen Arbeitsgebiet des Autors zu unternehmen dauerte keine Woche – sie mußte unbedingt kurz nach der tollen Tour auf den Risser Falk begangen werden; das nachstehende Foto ist von dieser schönen und eher leichten Tour entlehnt und grundsätzliche Details über Hinterriß, das Falkenkar und dem Abstieg vom Risser Falk können auf diesem Link nachgelesen werden.

Kleiner Falk und Grat zum Risser Falk von Hinterriß aus gesehen

Dieser Beitrag behandelt den Aufstieg zum Kleinen Falk, die Gratüberschreitung zum Risser Falk und nur übersichtshalber einige Hinweise zum Abstieg über die Grüne-Rinn-Scharte und das Falkenkar.

Kleiner Falk vom Parkplatz P4 aus gesehen – die Aufstiegsroute direkt einzusehen

Der schöne und lohnende Gratübergang wird mit einem etwas abenteuerlichen Aufstieg in kniehohem Gras über steiles und wegloses Gelände eingekauft, in dem auch Intuition nötig ist, der Falkenstuhl wird aber jedenfalls gefunden. Ausweichen und Umgehen von morschen Baumriesen aus Windbruch ist weiter oben im lichten Wald ein schweißtreibendes Unternehmen und Scharen von Bremsen unterstützen im schwülen Hochsommer die Abwehr des Berges Klettertouristen zu empfangen.

Aufstieg im lichten Wald in knietiefem Gras

Die Redewendung der Lateiner „per aspera ad astra“ hat am Gipfel des Kleinen Falk seine uneingeschränkte Gültigkeit.

typisches Aufstiegsgelände zum Falkenstuhl

Umso mehr schätzt der Pflanzenfreund unter den Bergsteigern die Vielfalt und Dichte an Alpenblumen am Kreuzgipfel des Kleinen Falk – von der Orchidee bis zum Edelweiß darf er auf Wohnzimmerfläche in etwa 2.070m Höhe ein halbes Dutzend Arten schauen.

Rückblick unterer Teil

Vom Ausgangspunkt für Touren aus dem Norden in die Falkengruppe, dem Parkplatz P4 der Mautstraße, wird die Rißbachbrücke überquert, die gleichzeitig den Zugang zum Johannestal und der Falkenhütte darstellt.

zwischendurch erfreut der Blick zur Birkkarspitze

Noch in der Ebene am südlichen Ufer, etwa 200m am Weg nach dem Überschreiten der Brücke, wird vom Schotterweg in den Wald abgebogen und wiederum nach kaum 100m die sofort ansteigende Böschung des Waldes erreicht. Über hohes Gras wird nun in teilweise von Forstarbeiten geprägtem Gelände intuitiv aufgestiegen. Nach etwa 150Hm wird eine Geländestufe erreicht, die recht flach den nächsten, langen und steilen Abschnitt einleitet.

Gelände vor dem Falkenstuhl

Fehl kann kaum angestiegen werden, denn zur Linken ist das Aufstiegsgelände mit wenig einladenden Schrofen durchzogen und zur Rechten würde man sofort an der Felsgestalt des Kleinen Falk erkennen, daß man zu weit in Richtung der Falkenstuhlrinne geraten ist. Auch bildet sich weiter oben eine Art Verschneidungsbuckel aus, dessen Höhe von der aufgehenden Sonne von den dünkleren Waldpartien westlich davon geschieden wird. Diesem Verschneidungsbuckel folgten wir bis er oben in der Nähe des Falkenstuhles verschwand.

Forsttätigkeit am Falkenstuhl

Zu unserer Überraschung gab es am Falkenstuhl vor Jahren – wenn man sich die Schnittflächen der Bäume ansieht – jede Menge Forsttätigkeit und die Frage wohin das Schnittgut abgeführt worden ist blieb offen. Mit dem Wissen des Geländes am Ende des Weges zum Unteren Falkenkar aus der Begehung der letzten Woche konnte der Autor allerdings vermuten, daß der Abtransport dorthin stattfand.

Falkenstuhl gen Norden

Mittels Seilbahn könnte es jedenfalls dorthin abtransportiert worden sein; kein unbedeutendes Unternehmen von oben aus betrachtet, denn einen Weg gibt es auf den Falkenstuhl nicht.

Hirschbad am Falkenstuhl

Das etwas sumpfige Plateau des Falkenstuhles auf 1.500m scheint anhand der massenhaften Tierspuren ein wahres Wellnessgebiet für das Wild zu sein, gibt es doch dort zwei große mit Wasser gefüllte Lacken, die dem parasitengeplagten Waldbewohner, sei es Reh oder Rotwild, Abkühlung und Schutz verschafft.

Aufstiegsgelände durch eine bewaldete Steilstufe zu den Schrofen

Nach diesen ersten gut 500Hm ging es zwar etwas anders, nicht im Mindesten aber vegetationsärmer weiter. Eine erste ansteigende Stufe nach dem Falkenstuhl leitete durch eine geschickt gefundene Latschengasse zu einer alten Tanne, auf der nun erstmals eine Wegmarkierung zu sehen war – die Relikte eines Steiges, von woher er auch immer gekommen sein mag (auch die AV-Karte verrät keine alten Details, keine Steigspuren sind dort zu sehen).

plötzliche Markierung nach dem Falkenstuhl

Die Markierung links liegen gelassen und der Latschengasse gefolgt sieht man sich im Nu inmitten von dichten Latschen, die es zu durchqueren gilt. Nach dieser Übung wird eine nächste Gasse mit Steinmandln erreicht, bevor das Gelände beachtlich aufsteilt, sodaß die Stöcke am besten verstaut und die Hände im felsig erdigen Gelände zu Hilfe genommen werden.

bereits wieder eingewachsene Latschengasse im weiteren Aufstieg – oberhalb in den Felsen eine kaum sichtbare rote Markierung

In dieser Art wird der schon von unten sichtbare Kopf in der Nordflanke des Kleinen Falk erklommen, dessen Oberkante durch glücklicherweise sehr niedrige junge Latschen erreicht wird und an deren Übergang zum Fels ein Steinmandl zum Überlegen über die Fortsetzung der Route zwingt.

Latschengasse oberer Teil vor dem Schrofengelände

Kurzes Erkunden der Lage führt zurück zum Steinmandl, zum Abstieg über etwa vier bis fünf Meter und zur Fortsetzung der Route in einem Trichter, der, unweit oberhalb der nächsten zwei Felsköpfe, sich zur Mulde formt und deren oberes Ende in eine Steilstufe mündet, das am besten mittels echter Felskletterei an der linken Flanke bezwungen wird. Die Stelle befindet sich etwa auf 1.700m.

Aufstiegsgelände mit Engstelle oben (im Schatten)

Nach der engen Steilstelle weitet sich das Gelände karartig und die Latschen stellen kein solches Hindernis mehr dar, daß die richtige Gasse erwischt werden müßte.

Engstelle am oberen Ende der Schuttreisen – linksseitige Umgehung leichter

Steil und mühsam geht es im Schrofengelände aufwärts. Wir steuerten zwei Felsköpfe an, die durch eine Öffnung zur Pforte unterbrochen wurden, einem Eingang gleich.

der Autor beim Umgehen der Engstelle

Hinter dieser Stelle folgten wir dem beachtlich steilen Gelände westlich bis zur Unterkante der Felslinie nahe dem Gipfelbereich und kreuzten unterhalb der Felsen östlich zu einer eher flacheren Stelle, die zu einer schräg nach oben ziehenden Rinne führte.

den Durchschlupf oberhalb haben wir genommen, danach rechts und wieder links unter die Felsen

Das Gelände talseitig der Rinne ist recht angenehm zu begehen – Wiesenflecken durchziehen die Schrofen in recht festem Gelände.

talseitig entlang der schrägen Rinne aufwärts

Der Rinne, die bald im Felsgelände auftaucht folgten wir an ihrer Flanke in südöstliche Richtung und sie führte direkt zum Kreuzgipfel des Kleinen Falk auf etwa 2.070m.

Kreuzgipfel Kleiner Falk, 2.190m (diese Stelle mit etwa 2.070m allerdings niedriger)

Das Überbleibsel aus glanzvolleren Tagen des Kreuzgipfels besteht aus einer abgebrochenen verwitterten Gipfelstange, noch am Sockel befestigt und inmitten des umgebenden Steinmandls das die Gipfelbuchkasette birgt. Das Gipfelbuch, in etwa in DIN A5 Größe, ist schön anzuschauen, gleich vier Jahrzehnte lang hat man sich bis heute darin verewigt und die letzten Seiten sind noch nicht erreicht. Wie in allen alten Gipfelbüchern üblich verwendete man in der Jugend des Buches einen Bleistift – ein Schreibgerät, das immer funktioniert im Gegensatz zum Kuli.

eine Freude die Blumenpracht

Wie schon anhand der Vegetation erwähnt wohnt diesem Platz eine eigenartig erlesene Stimmung inne, die zum Verweilen einlädt. Bezeichnende aber seltene Alpenblumen, die anderswo vergeblich gesucht werden, fühlen sich dort zu Dutzenden heimisch und der Blick gen die gewaltige Mauer im Süden sowie der hoch aufragende Grat zum Risser Falk, bildet eine kolossale steinerne Umrahmung des kultigen Platzes.

Kohlröschen – eine Orchidee

Die Vorhersagen der Wetterentwicklung zwangen uns nur allzu schnell den wirklich verdienten Platz gleich wieder zu verlassen. Zwar war die Hauptwetterrichtung im Westen von kaum getrübter Wolkenpräsenz, jedoch schien das Geschehen im Osten stattzufinden. Über dem Rofan und von Nordosten türmten sich zwar zunächst nur moderate, jedoch beständig wachsende dunkle Wolken in die Höhe. Unsere Einschätzung, das kann vorweg genommen werden, war richtig, wir setzten zur Überschreitung an, auf der im Ernstfall es keine echten Deckungsmöglichkeiten gäbe.

Grat zum Risser Falk – zweiter, höherer Teil vom Kleinen Falk aus

Zunächst folgt der Grat dem Aufstieg auf den geodätisch echten Gipfel des Kleinen Falk auf 2.190m. Dieser Teil ist in etwa zehn Minuten zu begehen, nicht ausgesetzt und erfordert kaum Kletterfähigkeit. Ein Steinmandl ziert das Gipfelplateau.

Kleiner Falk, geodätischer Gipfel 2.190m

Im Anschluß zum Kleinen Falk folgt ein Gratstück mit zwei drei leichten Felsköpfen zu denen man etwas absteigen muß.

Simon am Kleinen Falk, 2.190m

In der Folge steilt dann erstmalig ein etwas rassigerer Kopf auf, der in direkter Kletterei im wunderbar festen Fels begangen wird und dessen jenseitige Verbindung zum Hauptmassiv zurück mit einer netten schmalen Gratpassage zum Balancieren belohnt wird.

die Gratköpfe im Übergang vom niedrigen Teil des Grates zum hohen Teil – der rechte Gratkopf stellt eine erste schärfere Kletterei dar

Der Gratverlauf leitet nun in den zweiten, hohen Teil der Überschreitung über und wartet zunächst mit einer steilen Gratstufe auf höheres Niveau auf.

Simon im schmalen Übergang

Die bisher moderaten Kletterschwierigkeiten – etwa bis II – bleiben im Wesentlichen erhalten, aber es gibt in diesen Teil der Überschreitung Passagen (nur kurze Stellen), die mit III zu bewerten sind.

Aufschwung zum hohen Teil des Grates

Allerdings sind diese Stellen meist nur auf die jenseitige Fortführung des Gratverlaufes nach Schärtchen beschränkt, die natürlich aufsteilen und ein klein wenig mehr Anspruch an die Kletterkünste erheben – wie gesagt aber nur kurze Stellen und wir empfanden die durchgehende Bewertung des AV-Führers (Klier, 1996) mit Gesamtbewertung III als leicht überzogen.

direkt am Grat im zweiten Teil – teilweise etwas ausgesetzte Passagen

Der vorletzte und der letzte Aufschwung auf den Gratkopf beginnen mit einer Passage nach dem Schärtchen, der mit III bewertet werden kann. In beiden Fällen ist der jenseitige Verlauf sehr steil.

gut erkennbar der erste schärfere Gratkopf in der linken Bildhälfte vom Rückblick

Beim Anstieg zum letzten Gratkopf leitet eine absolut feste aber griffarme Wand leicht nach rechts (westlich) auf eine leichtere Plateaufläche und hierbei muß man für einen einzigen Zug mit etwas ausgedrehtem Oberköper das Gleichgewicht halten. Wie gesagt, sehr kurz und für den geübten Gratgeher nichts Schwieriges.

Simon oberhalb der Stelle die mit verdrehtem Oberkörper schräg nach rechts oben begangen wird

Die letzte Erhebung am direkten Grat leitet auf der Rückseite – nach dem zweiten ihrer beiden Kamelbuckel – an einen sonderbar westlich stehenden Felszacken hinaus, der zunächst – ob seiner seitlichen Position –  nicht zum Gratverlauf zu gehören scheint.

weiter im Gehgelände

Klar wird die Situation dann, wenn man den sich den direkten Gratverlauf ansieht, der plötzlich nicht mehr vorhanden zu sein scheint.

vor dem letzten und höchsten Grataufschwung

Dort wo er seinen Verlauf hätte stürzt eine plötzlich auftauchende tiefe Schlucht gähnend in das Falkenkar hinab, die beim ersten Anblick zunächst zurückschrecken läßt. Deshalb der seitlich stehende Gratturm.

die beiden Kamelbuckel der höchsten Graterhebung voraus – teilweise gibt es am Grat wenig notwendige Steinmandln

Wir wechselten westlich hinüber und erstiegen den Turm auf logischem Weg durch den breiten schuttigen Einschnitt der Nordseite und stiegen auf seiner Westseite bis zu einem Felsabbruch auf der Südseite ab (mehr Bilder in der Galerie).

Situation nach dem zweiten Kamelbuckel – der Grat spaltet sich in einen ostseitigen, nicht zu begehenden Teil und einen westseitig stehenden Gratturm, auf dem die Route weiterführt; mittig die schauerliche Rinnenschlucht ins Falkenkar

Von dort konnten wir etwa zwei Meter unterhalb ein breites Felsband erkennen, das um die Südseite herum auf die Ostseite führt und den weiteren Verlauf des Abstieges beschreibt.

dahinter geht es westseitig steil hinunter auf ein schmales Gesimse – dort wo Simons linker Fuß ruht befindet sich die beschriebene Griffleiste zum Ablassen auf das erkennbare breite Band darunter

Wie bisher bestanden auch diese Steilstellen am Gratturm aus absolut festem Fels und daher war es uns ein Leichtes mit guten Griffen für die Hände die glatte Felswand, die ohne Tritte ausgestattet ist, mit den auf ihr abrutschenden Schuhspitzen bis zum Band hinab zu gleiten.

die Stelle im Rückblick mit der Griffleiste im untersten Bilddrittel

Das Ganze erfolgt schräg, d. h. man greift mit beiden Händen in die feste Leiste an der oberen Wandkante und läßt sich pendelnd nach unten wobei die Arme das gesamte Körpergewicht halten und läßt die Griffe bei durchgestrecktem Körper los (ein wenig sympathischer Zug, den jeder Kletter kennt und ungerne ausführt). Klettertechnisch keineswegs korrekt, die Schwindelei aber über die kurze Distanz von etwas mehr als zwei Metern mit den bombenfesten Griffen an der kurzen Wand jedoch allemal vertretbar und sicher.

Rückblick auf das Band – hinten ist es komfortabel breit

Am zuerst breiten Band unten wendet sich die Route nun direkt nach Osten und dabei wird das Band schmaler, jedoch immer noch so, daß die Passage in die leichtere begrünte, sowie tritt- und griffreiche Ostflanke zum Abstieg in die Scharte gut möglich ist – leichtes Klettergelände über wenige Meter im steilen Schrofenfels mit einwandfreien Griffen und Tritten.

das schmaler werdende Band – Simon ist schon darüber hinweg und am Weg in die ostseitigen Schrofen

Der Autor hat seinen Kletterpartner Simon beim Abstieg fotografiert und jener hat dasselbe dann im Gegenzug von der Scharte aus bei allen wichtigen Positionen beim Abstieg des Autors durchgeführt. Für alle, die sich diese vielleicht schwierigste aller Passagen ansehen wollen  gibt es die Detailfotos in der Galerie (Bilder benannt mit „Sequenz Schlüsselstelle 1 bis 16“).

ostseitig gelegener Riß im Schrofengelände zum Abklettern in die Scharte

Die Schwierigkeit dieser abwechslungsreichen Passage am Gratturm bis zum Abstieg in die Scharte stuft der Autor in Summe mit II+ ein. Oberhalb der Wandstelle befinden sich eine Bandschlinge und ein alter Haken (siehe Bild oben) als Abstiegshilfe über die glatte Wand. Diese technische Hilfe ist jedoch für den versierten Gratkletterer wirklich nicht nötig.

Simon bereits fast unten im Schrofengelände

Für die Stelle der glatten Wand ohne Trittmöglichkeit mögen kleine Personen, die u. U. auch mit ausgestreckten Armen nicht die Reichhöhe haben das Band mit wenig Luft zwischen den Schuhen und der Standfläche zu erreichen und oben schon los lassen müssen, bevor sie unten stehen, schwieriger einstufen.

dieser breite Tritt gleicht einer kleinen Wanne, reicht für beiden Füße und wird zum leichteren Passieren der Engstelle am Band benutzt, um in den ostseitigen Riss bzw. Schrofen zu gelangen

Ein Größenvergleich mag hier die Höhe der Wandstufe verdeutlichen. Die Stelle ist in wenigen Minuten abgeklettert und die Scharte erreicht.

Sequenz Schlüsselstelle 1 – man achte auf die Tritte

Der letzte kurze Abschnitt von etwa 20min bis zum Gipfel (die Angabe der Gesamtzeit für die Überschreitung von drei Stunden im AV-Führer ist nach Ansicht des Autors viel zu lange bemessen) findet in der Nordflanke des Risser Falk statt und ein einziger Gratturm, der im Anblick von Norden nach Süden nicht als solcher erkannt wird, bietet nochmals ein paar schöne Kletterstellen und einen abwechslungsreichen Verlauf über eine Minischlucht, um die Scharte zur Nordflanke zu erreichen.

Anblick der Gegenseite vom schmalen Band aus – daß es sich um einen vorgelagerten Turm handelt ist nicht erkennbar

Nach kurzem Gehgelände am breiten Grat wird in eine immer steiler werdende Wand eingestiegen, die jedoch gut griffig nach oben leitet.

steile und feste Passage im mittleren Teil

Hier ist eine Stelle drin, die mit III bewertet werden könnte, jedoch kaum auffällt. An der steilsten Stelle bestand die Entscheidungsmöglichkeit einen senkrechten Riss mit wenig Aussicht auf Haltemöglichkeiten rechts, oder einen kleinen Felszacken mit uneinsehbarer Hinterseite zu wählen und wir entschieden uns für die Route links.

dahinter leichter einige Meter weiter

Die Hinterseite erwies sich leichter als der vorderseitige Aufstieg. Sie leitet auf die Grathöhe des nicht erkannten Gratturmes.

alternative Minischlucht westseitig

Dort hat man die Möglichkeit eine steile, unten wenig bis nicht einsehbare Wand zur letzten Scharte abzusteigen, oder von der Grathöhe westlich etwa drei Meter abzusteigen und über eine Minischlucht schräg zur Scharte zu übersetzen.

Gegenseite der Scharte – unser Aufstieg nach dem Übertritt

Wir entschieden uns für die zweite Variante, weil sie voll einsichtig schöner erschien. Tipp für jenen, der die Minischlucht nicht mag: im Rückblick konnten wir erkennen, daß der direkte Abstieg auch gut gangbar gewesen wäre.

Simon beim Übersetzen, kurz vor der Scharte, hinter ihm die Mini-Schlucht

Jenseits dieses letzten Turmes – der eigentlich schon auf der Flanke des Gipfels steht und kein Gratturm mehr ist – führt leichtes Klettergelände in etwas mehr als 5min zum Gipfel des Risser Falk und die wirklich schöne Gratstrecke ist abgeschlossen.

nach der letzten Scharte nochmals leicht ausgesetzt aus der Flanke…

Zunächst wird nach der Scharte leicht in die ostseitige Flanke des Gipfelaufbaues ausgewichen und nach wenigen Metern wieder auf die Grathöhe zurückgeklettert und dem Gipfel entgegen gestiegen.

leichtes Klettergelände am Ende auf den Risser Falk

Wir haben aufgrund der Wetterprognose am Grat eher Gas gegeben und für die Strecke vom Kleinen Falk zum Risser Falk 85min benötigt. Das ist sicher keine Richtzeit für eine Erstbegehung, aber die drei Stunden im Führer empfinden wir als auch nicht nötig; zwei bis zweieinhalb Stunden sollte man je nach Kondition und Fotopausen einplanen.

Übersicht über die Gratüberschreitung vom Kleinen Falk bis zum Risser Falk

Der Ausblick auf dem Risser Falk ist phänomenal, er war bei unserer Begehung leider durch Nebel und Wolken getrübt und wer Bilder mit den einzelnen zu bestaunenden Gipfeln sehen möchte findet diese – nebst Beschreibung und auch die Beschreibung des Anstieges zum Risser Falk vom Falkenkar –  im eingangs zu vorliegendem Bericht gesetzten Link.

Rast am Risser Falk

Im Abstieg durften wir dann noch eine seltene Begegnung mit einer Gruppe Jungsteinböcken erleben. Dies just vor der engsten Gratschneide, auf die wir die Gruppe leider aus Mangel an Alternativen mit äußerster Vorsicht und mit dem Versuch der Lautlosigkeit hintreiben mußten.

bereits im Abstieg zur Grünen-Rinn-Scharte

Die Gruppe bestand aus etwa fünf Tieren, wobei uns vorkam, daß das älteste etwa vier bis fünf Jahre alt sein müßte und das jüngste ein Jährling war.

aber auch die anderen in einer Mischung voller Angst und Neugierde

Das Jüngste ergriff auch rasch die Flucht über den äußerst steilen Grat und die Sicherheit, die bereits ein solch junges Tier im etwa 75° steilen Gelände (nordseitig ins Falkenkar) an den Tag legte war phänomenal anzusehen. In einigen Sekunden erreichte es eine Tiefe von etwa 50m unter uns.

und so stieben sie trotz unserer Vorsicht auseinander und die Felsen hinab

Über die Gratscharte am Hauptgrat und dem dort nötigen 40-50Hm Abstieg erreichten wir die Grüne-Rinn-Scharte (Details im Link oben) und das obere Falkenkar.

Simon in der Grünen-Rinn-Scharte

Das Wiesenband zur Grünen-Rinn-Scharte mag bei Nässe oder Schnee wohlüberlegtes Steigen sein. Das Band wird nach oben zur Rinn hin breiter, hat aber unten schmale Stellen, siehe Rückblick.

Rückblick – vor der Grünen-Rinn-Scharte

Die Rinn selber kann bei Nässe oder Schnee nicht minder prekär werden. Sie ist zwar nicht sehr steil, bietet aber wenig Haltemöglichkeiten.

Abstieg in der Grünen-Rinn

Der im Aufstieg nette Jägersteig durch die Falkenkare erwies sich als etwas rutschig, dennoch aber als tolle Abstiegshilfe durch den Latschengürtel.

Zum Abschluß der Tour erreichten wir das beeindruckende Gelände der Wandstufe zwischen unterem und oberem Falkenkar mit dem schönen Wasserfall.

malerischer Wasserfall am Ende des Steiges durch das Falkenkar

Von dort benötigten wir über den Schotterweg etwa 25min zum Parkplatz P4.

Wasserfall aus dem Falkenkar

Die Gesamtzeit der Tour betrug etwas mehr als sieben Stunden. Zweidreiviertel Stunden zum Kleinen Falk und ein Gipfelaufenthalt am Risser Falk von knapp einer halben Stunde.
In Summe wurden genau 1.500Hm Aufstieg absolviert und die Gesamtstrecke betrug nach Simons Navi-Aufzeichnung 9km.

Mils, 27.07.2019

Risser Falk, 2.414m – über Falkenkar mit Überschreitung zum Steinfalk

Wenig bekannt und zumeist nur von Spezialisten begangen sind die rassigen Gipfel der Falkengruppe im Nordosten des Karwendels, und ein Recke in Gestalt und Kühnheit unter ihnen, der Risser Falk, bietet einen unvergesslichen Anstieg aus dem Falkenkar.

Kleiner Falk und Grat zum Risser Falk von Hinterriß aus gesehen

Unglaubliche 170km Autofahrt sind vom Raum Innsbruck aus für diese Tour nötig (Maut 4,50.- für die Hinterrissstraße) und angesichts der Autokennzeichen möchte man meinen sich in Bayern zu befinden und doch befindet sich die Falkengruppe tief auf Tiroler Boden. Einige vereinzelte „SZ“ Fahrzeugkennzeichen lassen darauf schließen, daß die von Süden nur zu Fuß über die Vomperkette zugängliche Berggruppe zum dem Verwaltungsbezirk Schwaz und darin zum Gemeindegebiet von Vomp zugeordnet ist.

Parkplatz P4 gegen Kleiner Falk

Wenn man sich ein Bild von der Lage und Zugänglichkeit der Falkenruppe (dies gilt, mit etwas kürzeren Anreisen aus dem Osten und Süden, ebenso auch für die Gamsjochgruppe) machen möchte, dann seien folgende Möglichkeiten erwähnt, die in ihren Dimensionen ein untrüglich Zeugnis der Mächtigkeit der sperrenden Karwendelketten geben:
Wollte man eine Begehung der Falkengruppe vom Inntal aus begehen, so bräuchte man allein für die Anreise vom Süden, vom Parkplatz Bärenrast (Fiecht, Ortsteil von Vomp) zum Ausgangspunkt – der derzeit wegen Sanierung immer noch geschlossenen Falkenhütte – etwa sieben Stunden für 19km und 1.700Hm, von Hall aus über die Halltal- und Karwendelhauptkette etwa 13 Stunden für 32km und 3.450Hm. An einen Zugang von Süden her ist also nur mit Übernachtung zu denken.

Vom Westen her, von Scharnitz aus – hier könnte das Radl dienen – sieht es wesentlich besser aus, hier gibt es eine durchgehende Straße für die Radlfahrt, die in etwa vier Stunden bezwungen werden kann und mit 27km und 1.330Hm pro Weg für den konditionsstarken Fahrer in Kombination einer mittellangen Begehung in der Falkengruppe noch im Bereich einer Tagestour läge. Vom Osten bietet sich die auch schon nicht mehr kurze Autofahrt ins Falzthurntal bis in die Gramei an. Von dort besteht dann die streckenmäßig kürzeste Anreise von fünfeinhalb Stunden mit 14km und 1.380Hm, die großteils der Anreise von Fiecht entspricht und allerdings wiederum nur zu Fuß zu unternehmen ist sowie für den Normalbergsteiger ebenfalls eine Übernachtung bedingt.

Kleiner Falk mit Aufstiegsgelände links davon

P4 der Hinterrissstraße dient als Ausgangspunkt für die Rundtour mit dem Hauptziel des Risser Falken. Der Risser Falk ist mit 2.414m der zweithöchste Gipfel der Gruppe und nur um 14m niedriger als der Laliderer Falk etwa 1.000m leicht südöstlich davon.

Weg neben dem Rissbach, ca. 650m bis zur Abzweigung

Die Brücke über den Rissbach bildet den einzigen Zugang aus dem Risstal für alle Almen und Hütten im Johannestal (auf alten Wegweisern findet sich die Schreibweise Johannistal), auch für die Zufahrt aus dem Osten zum Karwendelhaus.

obere Abzweigung, links geht es in das Falkenkar

Dem Schotterweg wird zunächst 650m gefolgt, bevor rechts ansteigend abgezweigt wird. Nach wenigen Minuten wird die zweite Abzweigung ins Falkenkar erreicht, die durch einen Hochsitz und der rein optisch weniger benutzten Straße leicht erkenntlich ist.

Weg ins Falkenkar

Abermals nach wenigen Minuten biegt der Weg nach Süden und man erreicht auf 1.128m eine Flachstelle des Falkenkarbaches, die durch Spuren von LKW Befahrung einer Nutzung unterliegt.

am Bachboden zu Beginn des unteren Falkenkars angelangt

Links des Bachlaufes (im Aufstiegssinn; der Bach ist derzeit nicht zu sehen) setzt sich die Straße noch etwa 200m weiter in Richtung Kar fort und dies ist der richtige Anstieg im Gegensatz zum verlockend ausgeschnittenen Pfad rechts des Baches, dem man kurz vor Ankunft bei der Flachstelle geneigt wäre zu folgen (dieser äußerst gepflegte Steig führt in wenigen Minuten zu zwei Ansitzen und dient der hohen Jägerschaft zum schmutzfreien Erreichen Beobachtungsstände und endet dort auf der für den Aufstieg falschen Karseite).

dies ist der falsche Steig!

Am Ende des genutzten Weges, oder etwas weiter bergwärts muß sich der Anschluß an  einen Jägersteig finden lassen. Leider gibt es davon nur ein Foto vom Rückblick auf dem Steig, der der Autor nach Querung des Karbodens in der Höhe der ersten Felsabbrüche erreicht hat, weil er den falschen Pfad zu den Ansitzen gewählt hat und den Karboden queren mußte.

über den falschen Steig am Ansitz angelangt; auf der linken Talseite, etwa oberhalb der Höhle verläuft der Steig ins Falkenkar

Da der Aufstieg in der schattigen Nordseite der Falkengruppe verläuft ist selbst Mitte Juli des Morgens mit Tau auf dem hohen Gras zu rechnen und dies – nebst den Schneefeldern im obersten Karteil – ist ein Grund warum am Berg stets ordentlichen Bergschuhen gegenüber den lustigen Bergläuferpatschln (sog. Zustiegsschuhe) der Vorzug zu geben ist.

Steig gefunden – Aufstieg entlang der Felslinie

Den Steig erlebt man zusehends als ein Gustostück an Aufstiegshilfe, ist er doch interessant angelegt, kein ausgetretener Trampelpfad sondern eher ein recht selektiver schmaler Pfad durch eine total unberührte und großartige Zunternlandschaft. An dieser Stelle muß ein großes Lob an die Errichter – wahrscheinlich, wie so häufig in diesem Gebirge, Jagdgehilfen eines Adeligen Ende des 19. Jhdts – sowie an die heutigen Erhalter erteilt werden.

Rückblick auf den beginnenden Steig in der Schuttflanke mit Fahrstraße unterhalb

Wasser gibt es an mehreren Stellen, erstmals auf etwa 1.400m links neben dem Steig durch etwa 100m Zunterngebüsch, jedoch bequemer etwa 150Hm weiter oben als Quelle direkt am Weg (siehe Bildergalerie) und es lohnt sich diese Möglichkeiten zu nutzen.

Ansicht des Aufstieges in den Zuntern

Am Übergang des unteren in das obere Falkenkar – etwa auf 1.700m – wird der Zunternbewuchs deutlich aufgelockerter und weicht den Bergwiesen. Selbst dort wo der Aufstieg leicht zu finden wäre gibt es noch jede Menge Steinmandln, die wahrscheinlich eher von Bergsteigern errichtet wurden.

Rückblick am Beginn des oberen Falkenkares

Die Schuttreisen im oberen Falkenkar waren bei der Begehung Mitte Juli noch von beachtlich mächtigen Restschneefeldern bedeckt, welche den Aufstieg an deren Übergang zum Geröll etwas erleichterten.

im oberen Falkenkar

An der Engstelle des Kars tut man gut daran sich eher im linken Teil zu bewegen, die Brocken im Altschnee zeugen auf nicht unbeachtlichen Steinschlag über die rechte Flanke herab und einig kleinere Brocken donnerten auch bei des Autors Begehung herab.

Verlauf des oberen Falkenkars

Die Engstelle – etwa 50m Breite – befand sich unter völliger Schneebedeckung über die gesamte Breite. Auf der linken Begrenzung hätte man das Schneefeld über allerdings sehr abgerundeten, wenig griffigen und nassen Fels einen Kletteraufstieg eintauschen können, die selbst geschlagenen Stufen in den noch erstaunlich festen Schnee waren jedoch vorzuziehen.

Blick zur Engstelle im oberen Falkenkar

Die Strecke ist zwar eher steil, jedoch kurz und für den sicheren Steiger wären Grödel nicht von nennenswertem Vorteil gewesen (allerdings ist es gut vorstellbar, daß dieser Anstieg noch drei Wochen zuvor Steighilfen erfordert hätte und man denke zu Beginn des Sommers nach einem guten Winter daran, daß es sich beim Falkenkar um einen Nordaufstieg handelt).

Rückblick unterhalb der Engstelle

Im obersten Karabschnitt – die dunklen und senkrechten umrahmenden Felsen vor und in der Engstelle hinterlassen beim Ersteiger mächtig Eindruck – kam gegen 10:20 Uhr durch Sonnenbeleuchtung Aufhellung hernieder und gepaart mit der Aufweitung des Karkessels erfuhr der mühsame weitere Aufstieg über die Schuttreise plötzlich eine angenehme Freundlichkeit.

Aussicht auf die Grüne-Rinn

Angepeilt wird die markant sichtbare „Grüne-Rinn-Scharte“ im Westen des Karkessels mit ihrer ebenso markanten Schichtbauweise der durch Überschiebung entstandenen aufgestellten Kalkbänke.

Rückblick oberhalb der Engstelle

Die Grüne-Rinn selbst ist leicht zu ersteigen, wenn auch die Stöcke besser verstaut werden und wegen der Steilheit dann und wann die Hände zur Unterstützung zum Einsatz kommen.

Anstieg über Schuttflanken zur Grünen Rinn

Wegen dem Kollegen (übrigens der einzige angetroffene Bergsteiger an diesem Tag), der vor dem Schneefeld an der Engstelle überholt wurde, beeilte sich der Autor die Scharte zu erreichen, da er in der Rinne keinen Steinschlag erzeugen wollte. Deckungsmöglichkeiten sind in der Rinne nicht richtig vorhanden.

mitten in der Grünen Rinn

Über die Scharte hinausgeblickt bestätigt sich das sonderbare Gefühl ob der noch bei weitem nicht erreichten Höhe in der Beschreibung und man ist etwas verblüfft über die Bedeutung dieser Scharte in der AV-Karte, ist sie doch keine Scharte im Sinne eines Festpunktes für einen weiteren direkten Gipfelanstieg. Leider fehlt auch die Sicht auf das weitere Ziel und die Fortführung der Route muß erst erkannt werden.

Grüne-Rinn-Scharte mit Blick auf die andere Seite oben (gelbe Reepschnurschlinge um Felszacke schwer erkennbar – etwa Bildmitte

Hinter der Scharte wird zunächst einmal etwa 10Hm über ein Wiesenband abgestiegen (gelbe Reepschnurschlinge um ein Felsköpfchen markiert die Abstiegsrampe), bevor es jenseits davon in den Aufstieg zur nächsten, höhere und noch nicht sichtbaren Scharte weitergeht, die den direkten Aufstieg zum Risser Falken einleitet.

Rückblick auf die Querung mit Abstieg nach der Grünen-Rinn-Scharte (sieht schlimmer aus als es tatsächlich ist)

Der Aufstieg zur Scharte zum Risser Falk nach dem Übergang dürfte in etwa 50Hm betragen und liegt in der Draufsicht sehr nahe an der Grüne-Rinn-Scharte. Daher ist es auch recht schwierig in dem gebotenen Maßstab der AV-Karte die richtige Position darzustellen, genauso wie der Ersteiger erst nach eigenem optischem Eindruck der – zum Zwecke der Richtigstellung verfassten – Beschreibung im AV-Führer (Klier, 1996) einigermaßen folgen kann.

auf dem Weg nach oben zur nächsten Scharte nach der Grünen-Rinn-Scharte

Allerdings sei festgehalten, daß das Gelände in dem Bereich der beiden höchsten Falken in der Karte generell falsch, jedoch der weitere Anstieg von der Scharte im Kammverlauf auf den Risser Falk logisch ist und man sich keinesfalls versteigen kann, auch wenn man Karte und Führer nicht versteht bevor man das Gelände selbst erkundet hat.

Blick von der Verbindungsscharte hinab zum Aufstieg

Nun beginnt der Aufstieg mit Einlagen leichter Kletterei in nordwestliche Richtung auf den Risser Falk. Dem Autor ist es unverständlich warum dieser Gipfel zu Zeiten H. v. Barths als unersteiglich galt, sind die Kletterpassagen doch im Schwierigkeitsgrad II anzusiedeln und die möglichen Aufstiege über Falkenkar und vom Steinfalk her dem versierten Hermann sicher kein Geheimnis geblieben.

auf der Verbindungsscharte zum Risser Falk angelangt – Blick auf die Südostflanke

Warum also eröffnete er den schwierigen Anstieg über den nach ihm benannten Kamin auf der Südflanke, wenn es direkt an der Südostkante vorwiegend im Gehgelände möglich ist. Die Erklärung kann nur sein, daß es zu jener Zeit noch niemand ernsthaft probiert hat und angesichts des leichten Südostanstiegs auch sein offensichtlich gewählter Anstieg über einen sichtbaren Kamin (den der Autor beim besten Willen nicht ausmachen konnte) ein völliger Irrtum war.

rechts Scharte mit Übergang auf die rechte Gratseite

Nach der Scharte wird die Westflanke zu einem Steinmandl etwa auf gleicher Höhe gequert und jenseits davon, über ein paar kleine Rippen auf ein Schuttband zugestiegen, das in ein Wiesenband übergeht und zur Grathöhe leitet.

Aufstieg nach dem Übertritt und einigen Metern am Band entlang

Die Scharte wird nach rechts überschritten und auf einem schmalen Band, fast ein Steig, zu einer Steilpassage weitergegangen, die direkt durchstiegen wird und oben der Grat in Wiesengelände wieder erreicht wird.

schmales Band nach dem Übertritt

Anschließend folgt schräg nach unten gerichteter plattiger Fels, bei dem man sich nur trauen muß ihn auf Reibung zu nehmen. Alternativ hat er einen Riß, der einem Tritt Halt bietet.

Rampe zur Verschneidung hinab

Die Stelle leitet zu einer Verschneidung über die oben zum Kamin wird mit einem Klemmblock an der oberen Begrenzung. Durch diese schöne Passage wird entweder unter dem Klemmblock durchgestiegen, oder seitlich rechts davon oberhalb vorbei.

breiter Kamin mit Klemmblock oben nach der Verschneidung

Weiter folgt eine schöner Abschnitt am recht flachen und ausgesetzten Grat, mit einer Gehbreite von etwa knapp einem Meter, im ausgesetztestem Teil etwas schräg geneigt, jedoch sicher auf Reibung zu begehen.

unterhalb des Klemmblockes

Am Ende des schmalen Grates hinweg bis zum Abbruch der Grathöhe, der zum Absteigen über etwa drei bis vier Meter in eine Scharte zwingt und in der ein Türmchen rechts umgangen wird. Der weitere Verlauf leitet zum Gipfelaufbau über.

schöne ausgesetzte Schmalstelle

Anschließend an die Scharte wird über flachere glatte Felsen bester Gesteinsqualität zur nächsten Steilpassage aufgestiegen und die Grathöhe nach rechts in wiesendurchzogenes Steilgelände verlassen.

weiterführendes Gratstück mit erkennbarer Scharte links unten

Durch dieses hinauf in die echte Ostflanke des Risser Falk und oben flacher, in leichtem Gehgelände weiter bis zu einem mit Almrosen durchsetzten Rinne mit Steinmandl oben (möglicherweise kann man die Rinne auch rechts umgehen, beim Autor stand jedoch der Klettergedanke im Vordergrund).

Aufstieg jenseits der Scharte über festen, plattigen Fels und oben schräg nach rechts weiter

Am oberen Ende über weitgehend reines Gehgelände am flacheren Gratkamm in etwa 5min bis zum Gipfel.

nächste Kletterstelle – blumenbewachsene Rinne mit Steinmann oben

Der schöne und weithin sichtbare Risser Falk Gipfel entbehrt leider eines Gipfelkreuzes. Ein Gipfelsteinmann stellt die Verwahrung des Gipfelbuches sicher und die Häufigkeit der Besuche des Risser Falks kann an den jährlich etwa fünf Seiten Einträge in das Gipfelbuch abgeschätzt werden. Das Buch stammt aus dem Jahr 1983 und enthält wohl noch Raum für Einträge der nächsten 20 Jahre.

Gipfel des Risser Falk, 2.414m

Zum Zwecke des „recogniscirens“ verbrachte der Autor eine gute Stunde in diesem ihm neuen Teil des Karwendels. Ein lohnende rassige Überschreitungstour, die sofort ins Auge fällt fährt man nach Hinterriß ein scheint die Ersteigung des Kleinen Falk und die Überschreitung auf den Risser Falk. Dieser Übergang dürfte einer der schönsten in der Falkengruppe sein und fällt unter unbedingtes Interesse noch in diesem Sommer.

Gratverlauf Kleiner Falk bis Risser Falk

Gewaltig steht dem Risser Falk im Süden die Mauer aus den höchsten Gipfeln der Karwendelhauptkette gegenüber.

Blick auf die Ladizalm (links Falkenhütte)

Hier ein Blick auf das Gelände der Ladizalm mit den schauerlichen Nordabbrüchen der Karwendelhauptkette – es beherrschen das Bild die Sonnenspitzen und die Kaltwasserkarspitze.

Im Osten des Karwendels thronen Bettlerkarspitze, Schaufelspitze und Sonnjoch (letztere verdeckt durch den Laliderer Falk).

Gipfelaussicht nach Osten – von Guffert über das Rofan bis zur Bettlerkarspitze

Im Südosten kann rechts der runden Schulter der Gamsjochspitze in der Ferne sogar noch der 11,5km entfernte Hochnissl eingesehen werden.

Schaufelspitze im Hintergrund, Laliderer Falk und Gamsjoch bis Lamsenspitze

Über Lamsenspitze, Hochglück und der wenig bekannten und schwer zu erreichenden Spritzkarspitze über die Grubenkarspitze zur auffälligen Dreizinkenspitze und den Laliderer Wänden reicht der Blick.

von Hochglück bis zur Dreizinkenspitze

Im Süden ragt die bekannteste aller Gipfel mit der längsten zusammenhängenden senkrechten Wandflucht in den Nördlichen Kalkalpen auf, die Lalidererspitze, exakt über dem Ladizköpfl tief unterhalb in der Ladizalm gelegen.

im mittleren Bilddrittel die Lalidererspitze, der östliche und westliche Ladizturm (links neben dem dem östlichen L. lugt die Speckkarspitze hervor) sowie rechts davon die gewaltige Bockkarspitze; weiter rechts die Sonnenspitzen, sowie westlich davon die Kühkar- und die Moserkarspitze

Es folgen jeweils links und rechts der Ladizalm die Bockkarspitze, die mächtigen Sonnenspitzen, sowie weiter westlich die Kühkar-, die Moserkar- und die Rauhkarlspitze. Zwischen all den eindrucksvollen Gipfeln dringen immer wieder die Gipfel der Gleirsch-Halltalkette durch und es wird dem Autor ab nun ein leichtes sein, von jenen im Süden den Risser Falk im Norden auszumachen.

Rauhkarlspitze und gleich rechts daneben die Kaltwasserkarspitze, sowie die Birkköpfe im Hintergrund, die Birkkarspitze, die Ödkarspitzen, Seekar-, Breitgrießkar- Riedlkar-, Larchetkar- und zuletzt die Pleisenspitze;
die Arnspitzen (dunkler Turm in der Ferne) und die beginnende Nördliche Karwendelkette

Recht genau mit Peilung Südwest findet sich die gewaltige Kaltwasserkarspitze und links davon lugt sogar noch der höchste der Sägezähne in ihrem Südgrat hervor.
Nach der Kaltwasserkarspitze in Richtung Westen erspäht man bei guter Sicht in der Senke zwischen dem Pkt. 2.552 und dem Hochjöchl (2.413m) den Hohen Gleirsch mit 14,2km Entfernung bevor die Birkköpfe im langen Südgrat der mächtigen Birkkarspitze zu jener gewaltigen Erhebung überleiten.

In der Folge werden die Ödkarspitzen, in Verschneidung mit der Marxenkarspitze gerade noch die Große Seekarspitze, niedriger aber dafür gut zu sehen die Kleine Seekarspitze und rechts davon die Breitgrießkarspitze als markanter Punkt mit steilem dunklen Nordabbruch.

Weiter im Westen dann die Große Riedlkarspitze und fast in deren Flucht, Larchetkarspitze und Pleisenspitze.

Den auffallend dunkle abgerundete Turm im Westen stellen die Arnspitzen in ihrer Flucht dar bevor in deren rechten Flanke die Nördliche Karwendelkette mit Brunnstein- und Kirchlspitze beginnt. Dahinter das gewaltige Massiv der Wettersteiner mit der Zugspitze.

Östliche Karwendelspitze, Grabenkarspitze, Lackenkarkopf und Kuhkopf, rechts die Soierngruppe

Dem Risser Falk gegenüber die höchste Erhebung in der Nördlichen Karwendelkette, die Östliche Karwendelspitze und näher am Grat Grabenkarspitze, Lackenkarkopf und Kuhkopf. Direkt gegenüber die Talelespitze mit dem scharfen Übergang zum Kuhkopf, ein reizvoller Übergang, klettertechnisch nicht sehr anspruchsvoll. Ganz rechts finden sich die Vorkarwendelberge der Soierngruppe.

Gratverlauf über die Köpfe von Norden nach Süden

Da die einzelnen Scharten in der Falkengruppe einer genauen Erkundung bedürfen, die auch durch die Beschreibung im AV-Führer über die falsche Darstellung in der AV-Karte geweckt wurde, beschloss der Autor kurzerhand die Überschreitung zum Steinfalk (Steinspitze, auch Südlicher Falk genannt) fortzusetzen und die Runde über das Johannestal zu schließen.

Blick zum Gegenaufstieg nach der Scharte – der Aufstieg auf den ersten folgenden Kopf aus dieser Perspektive nicht sichtbar

Bei der Betrachtung der beiden im Süden folgenden Köpfen im Übergang kann man sich zuerst kaum eine mögliche Route ausmalen – diese Feststellung trifft man oft in Gratgelände an, da es den Anschein macht, daß ein frontaler Anblick eine senkrechte Wand darstellt, weil das Tiefenrelief fehlt. So ergeht es einem, der erstmalig von der Südostflanke des Risser Falk die beiden zu überwindenden Gratköpfe erblickt.

Scharte mit Gegenaufstieg

Zurück an der Ausgangsscharte wurde der untere Teil des Anstieges gleich klar. Zunächst geht es ein paar Meter auf die steile Ausgangsrampe in nordöstlicher Richtung und dann in der Kehrtwendung nach Süden die eher glatte Felsrutschung hinauf bis zur Verschneidung. An dieser auf schmalem Band nach Westen, also zur Abbruchkante hinaus und von dort mit einer Linkswendung recht bequem und leicht wieder nach Süden über die letzten Meter am Fels auf die Wiesenfläche des Gratkopfes. Es sollte sich bei diesem Kopf um den im AV-Führer benannten Pkt. 2.317 handeln.

Rückblick zur Südostkante des Risser Falk

Von diesem Punkt am Kopf führt die Route weiter zu einem weiteren, etwas höheren Kopf am Grat, wahrscheinlich der Pkt. 2.339 im AV-Führer. Dieser ist eigentlich der Kopf, an dem alle drei Grate auseinanderstreben.

Flanke des nächsten Gratkopfes

Wieder scheint aus der Ferne ein Aufstieg zunächst kaum möglich, aber über den breiten Gratkamm zum Tiefsten der seichten Einschartung angelangt gewinnt der jenseitige Aufstieg gleich an Idee im Kopf und noch bevor die Scharte erreicht ist erkennt man die Route rechts schräg über moderat steilen Fels guter Qualität einem Steinmandl am oberen Ende.

hier wird die Route deutlich

Die Schwierigkeit beider Aufstiege kann wohl mit I bis II- eingestuft werden und es besteht überall fester, nicht brüchiger Fels aus Muschelkalk.

Tiefblick ins Falkenkar

Der Kopf wirkt nur von Norden betrachtet als Kopf, in Wahrheit ist er ein längeres Gratstück, das mit einer schmalen Abbruchkante steil in eine tiefere Scharte abfällt, die im oberen Teil zum Falkenkar hin etwas ausgesetzt ist abgeklettert werden muß.

Gratabstieg in die tiefe Scharte

Das Abklettern erfolgt weitgehend über längsgeschichtete Rippen mit kaum querstehenden Leisten, die am besten mit Klemmung der Tritte gegen die Rippen bewältigt wird. Die Schwierigkeit würde der Autor mit II+ bewerten. Die Abkletterstelle ist kurz, erfordert aber ein wenig Zeit.

Rückblick auf den Gratabstieg mit längsstehenden Felsrippen (etwa im Tiefsten der Scharte abgestiegen)

Am Schutthang angekommen wird ein langes Stück auf recht festem Untergrund, teilweise wiesendurchwachsen gequert, bis die nächste Scharte erreicht ist, zu der noch ein sichtbarer Höhenverlust besteht.

Gratverlauf zum Steinfalk

Es folgt eine Umgehung des Gratkopfes auf dessen Westseite und erstmals wird eine rote Punktmarkierung sichtbar, die bis zum Gipfelkreuz des Steinfalken anhält.

Blausteigkar

In den Wiesen im Westen des Grates geht es nun relativ ohne Höhenverlust weiter bis zu einer markanten, auf den Steinfalk durchgehend hinaufziehenden Felsrippe, die eine unüberwindbar scheinende Barriere zum steilen Wiesenhang bildet. An einer ebenfalls markanten Stelle jedoch zeigt sich eine Unterbrechung der steilen Felswand und dies ist gleichzeitig der Zielpunkt des markierten Steiges auf dem man sich befindet.
Vom Felsdurchschlupf an der Steinfalk Westflanke besteht ein toller Rückblick zum Risser Falk.

Querung auf markiertem Steig – der Ausstieg durch die Felsrippe gut sichtbar

Die Flanke zum Steinfalk ist, wie schon vorher beschrieben, ebenfalls mit ausgebleichten, jedoch dem geübten Auge nicht verborgen, Markierungen versehen. Etwa 140Hm führen über Schutt und Wiesen auf den Steinfalk auf 2.348m.

Ausstieg durch die Felsrippe des Steinfalk

Der Rückblick auf den schönen Kopf des Risser Falken ist hier nochmals einen solchen wert. Auch tritt vom Steinfalk aus der Verlauf des Nordgrates vom Kleinen Falk hinauf näher ins Blickfeld, sowie die sogenannte Sprungrinne, der Normalaufstieg zum Laliderer Falk vom Blausteigkar aus.

Rückblick vom Ausstieg

Die weitere Runde führt nun über den bezeichneten Normalweg in Richtung zur Ladizalm hinab, wobei hier noch die Umgehung der Arzklamm (Arzgraben) erwähnenswert erscheint.

Steinfalk, 2.348m

Diese Klamm wurde aus Gesteinen der Lechtaldecke gebildet (Rauhwacken und Reichenhaller Schichten) und ist unbegehbar.

Blick auf die Gratüberschreitung vom Risser Falk

Der Steig führt unterhalb der Grathöhe  in der Flanke hinab und vor dem Erreichen der tektonischen Grenze der beiden aufeinandertreffenden Gesteinsdecken erfolgt eine Umgehung auf der Stirnfläche des Wettersteinkalks durch Aufstieg zur abgeflachten Grathöhe in nur wenigen Meter Entfernung von furchtbaren Abbrüchen in der enorm gestörten und zerscherter Geologie der Reste der Lechtaldecke. Ein eindrucksvoller Übergang verschiedener Zeitepochen.

Abstieg vom Steinfalk am Normalweg Richtung Ladizalm

An diese wilden Abbrüche anschließend befindet man sich auf eher flachem Almgelände mit dem Steig zur Falkenhütte hinab.

Arzklamm – bizarre Abbrüche

Um Zeit zu sparen beschloß der Autor in der Bachverschneidung direkt zur Ladizalm abzusteigen. Dies ersparte den Umweg im Bogen zur Falkenhütte, die ohnehin geschlossen und daher kein ansteuerbares Ziel für eine Erfrischung in Frage kam.

Almidylle auf der Ladizalm

Nach der Ladizalm blieb der 8,5km lange Fahrweg mit wenigen Abkürzungsmöglichkeiten als Rückweg zum Parkplatz, der in etwa ein dreiviertel Stunden bis zum Parkplatz in Anspruch nahm. Er mag zwar als Hatscher bezeichnet werden, ist aber zum Erreichen eines vollständigen Eindruckes der Falkengruppe notwendig zu Fuß begangen zu werden.

Überschreitung im Rückblick unterhalb der Ladizalm

Auf die Minute pünktlich erreichte der Autor unter den ersten Regentropfen eines sich schnell gebildeten Gewitters dann den Parkplatz P4 wieder.

Risser Falk vom Johannestal aus

Die gesamte Strecke der grandiosen Runde betrug 18,5km (horizontal gemessen) bei 1.700m Aufstieg und einem Zeitbedarf incl. der einstündigen Gipfelpause am Risser Falk von knapp neun Stunden.

Mils, 20.07.2019

Hochwand, 2.719m – Überschreitung vom Karkopf

Mit einer Luftlinienentfernung beider Gipfel der Hochwand vom Karkopf von gerade 1,25km mutet die Strecke eher kurz an. Freunde der Gratkletterei sind sich jedoch bewußt, daß die Erstbegehung einer Überschreitung ein zeitintensives Unternehmen sein kann – die Hochwand als Überschreitung vom Karkopf stellt darunter eine mittellange Tour dar. Dabei werden auch mehr als 300Hm Aufstieg bewältigt.

Rückblick am schmalen Grat – deutlich an Höhe gewonnen

Zusammenfassend kann die Gratstrecke als eine leichte Überschreitung mit ein paar interessanten Stellen in teilweise, nicht allzu sehr aber doch, ausgesetztem Gelände eingestuft werden. Hinsichtlich der Kletterschwierigkeiten vergibt der Autor für den Großteil der Kletterstellen eher II und einige einzelne Stellen mit III. Ein großer Anteil am Grat besteht aus reinem Gehgelände, das sich auf kurzen Strecken auch zur Schneide mit Fußbreite zur Begehung verschmälert.
Die gesamte Strecke für den sicheren Felsgeher allemal ein Gustostück.

Simon und Evi am Karkopf – hinten die Hochwand

Der Anstieg zum Karkopf wird hier nicht beschrieben, er ist beim Erstversuch der Überschreitungstour zu finden.

Abstieg vom Karkopf – über die Scharte in die Nordwand

Bei gutem Wetter erreichten wir den Karkopf gegen 10 Uhr, nachdem wir am Parkplatz „Lucke“ um 7:20 gestartet sind. Nach einer kurzen Rast am Gipfel unter überraschend frischer Thermik starteten wir den Abstieg zum Sattel nach dem Karkopf in Richtung Westen.

kurzer Abstieg – entweder auf einen runden Kopf, oder 5m tiefer zur Querung

Da wir diese Strecke bereits erkundet haben ging der Abstieg diesmal schneller.
Nach den paar Metern vom Gipfelkreuz fällt der Karkopf unter viel Schutt am Fels gleich steil ab und sofort wird auch die schmale Scharte in die Nordseite sichtbar, die man bei der Erstbegehung nicht sofort als den zielführenden Weg wahrnimmt.

im Vordergrund der kleine Kopf, an dessen Westseite abgeklettert wird

Nordseitig der Scharte herrschte zwar Windstille, aber die Temperatur war entsprechend frisch. Für diesen ersten Teil empfahl sich in unserem Fall die Jacke und Evi benötigte sogar Handschuhe. Auch so kann ein Vormittag im Sommer am Grat aussehen.

tieferer Abstieg zur Querung als Variante den kleinen runden Kopf zu überklettern

Ein paar Meter in der Rinne unterhalb der Scharte hinab wird eine kleine runde Felskuppe sichtbar, die etwas unbequem erreichbar ist, jedoch den besseren Weg darstellt, also weitere etwa fünf Meter hinab und westwärts querend wieder links in eine weitere schmale Scharte aufzusteigen.

Westseite des runden Kopfes

Hinter der Felskuppe zieht im festen Fels ein schöner Riss nach unten, der sich perfekt für den Abstieg in eine etwa 15m tiefer liegende Schlucht eignet.

Abstieg in eine kleine Schlucht mit breitem Band

Dort befindet sich der erste Steinmann, der nicht den weiteren Weg am Felsband markiert, sondern bei dem man etwa zwei Meter vorher über plattigen Fels zu einer Verschneidung mit dem überragenden Felskopf aufsteigt und dahinter leichtes Gehgelände vorfindet.

kurzer Aufstieg zu einer Schneide und Wechsel auf die Westseite – noch vor dem Steinmann

Nun ist man im Sattel nach dem Karkopf und diese kurze Strecke war auch so ziemlich die einzige auf der gesamten Überschreitung bei der man die Route wirklich suchen muß, kennt man sie nicht – deshalb die detaillierte Beschreibung.

Westseite der Schneide

Ein Foto mit eingezeichneter Route des Abstiegs vom Karkopf befindet sich in der Bildergalerie.

Nach dem Sattel stellt sich sogleich ein hoch aufragender Felskopf am Grat in den Weg. Er könnte wahrscheinlich nur sehr aufwändig umgangen werden, bietet jedoch eine schöne Kletterei in festem Wettersteinkalk mit einer ersten kniffligen Verschneidung im oberen Teil.

der erste zu überschreitende Gratkopf – leicht rechts der Bildmitte der schöne Riss, der in zwei Stufen erklettert wird.

An seinem Fuße ist die klettertechnische Bewältigung sofort klar ersichtlich. Der erste Aufschwung ist mit guten Tritten und Griffen leichter als der obere Teil, der durch seine V-förmige Verjüngung und glatten Wänden für Reibungstritte sorgt.

Evi im unteren Teil des Risses

Die Wasserlöcher zu beiden Seiten der Verjüngung sorgen für bombenfeste Griffe, die Tritte müssen allerdings sorgsam auf Reibungsstellen gewählt werden und es gilt ohne aufgeschnittene Knie dir kurze – durchaus nicht schwierige – Stelle zu meistern.

etwa 6-7m beträgt er Aufstieg des ersten Teils

Hat man die schöne Strecke bisher ohne Probleme überstanden wird man auch die weitere Überschreitung überstehen, allerdings mit ausgesetzteren Passagen als bei der bisherigen nicht ausgesetzten Strecke. Bis hierher werden etwa dreißig Minuten benötigt.

Simon in der zweiten Stufe

Am Steinmann vorbei führt der Weg entweder direkt auf die Grathöhe oder verlaufend auf diese hinauf und auf einen schrägen plattigen Kopf, der an seinem Westende fast senkrecht abbricht und der mit festem Fels einen schönen Abstieg zu einer schmalen Scharte bietet.

Rückblick auf die erste schöne Kletterstelle

Jenseits der Scharte wird leicht in der Nordflanke auf den nachfolgenden Kopf aufgestiegen, dessen nachfolgender Gratverlauf ein tolles Polster von Enzian mit einer überraschenden Dichte bietet.

kurzer Abstieg zu einer Scharte und jenseits gleich wieder hinauf mit Gehgelände

Es folgt entspannendes Gehgelände in toller Kulisse mit der immer noch 250Hm höheren Hochwand (die ursprüngliche Höhe des Karkopfes ist erst nach der Gehstrecke wieder erreicht – etwa eine Stunde nach Beginn der Überschreitung).

und wieder ein Köpfchen überschritten

Am Ende der kurzen Gehstrecke wird ein nächster Felskopf erreicht, der südseitig angeschnitten wird und dessen Grathöhe über eine Verschneidung erreicht wird.

über eine Verschneidung rechts auf die Grathöhe

Oben kann dem Gratverlauf – bei direkter Routenwahl in brüchigem Fels – durch ein südseitig gelegenes leicht schuttbedecktes und abschüssiges Felsband ausgestellt und die Grathöhe vermieden werden, was uns sinnvoller erschien.

den obersten – etwas brüchigen Kopf – links (südseitig) umgangen

Den Kopf südseitig umrundet sieht man sich einem nächsten gegenüber, immer ähnlich geartet mit Schuttbändern zu beiden Gratseiten und einem festen Kern, der, geologisch bedingt, durch höhere Witterungsbeständigkeit den Kopf bildet.

weiteres Gehgelände im Schutt

Er wird direkt an der Grathöhe überschritten und die Trennung vom verlaufenden Grat wird durch eine Scharte mit ein paar Meter Abstieg gebildet.

und wieder auf den Kopf hinauf

Vor der Scharte ist bereits die Bewältigung des folgenden Kopfes einsehbar. Sie erfolgte mit unserer Einstufung nach einer plattigen Stelle wiederum südseitig auf Schuttreisen. Nordseitig erschien eine Begehung zu Beginn der Strecke auch möglich, jedoch verjüngt sich das Schuttband zusehends, weshalb wir uns für die Südseite entschieden haben.

links auf breiterem Schuttband weiter hinauf (auf glattem Fels hinter Evi ein Haken mit einem alten Seilstück – könnte man überschreiten, wir sind es links umgangen

Etwa eine Stunde nach Verlassen des Karkopfes ist nun wieder seine Höhe erreicht und es wird klar, daß der geodätische Höhenunterschied von 250Hm erst hier beginnt, wenn nicht weitere Scharten abzuklettern wären.

das Gelände am Grat wird merklich steiler

Ein kleiner Kopf in der Folge am Grat kann überklettert werden und an seiner Rückseite über seine steil geneigte platte Oberseite in einem Riß abgeklettert werden. Er kann auch – so haben wir entschieden – südseitig umgangen werden.

das Gelände wird schmaler

Im Anschluß folgt eine wenig aufregende Strecke mit Passagen am eher breiten Grat mit einigen kleinen Köpfchen und stetig großer Steigung. Wie wir oben sehen konnten war dieser Anstieg jener auf den letzten großen Felskopf, bevor der Grat mit dem Ostaufbau der Hochwand verschmilzt.

Evi im Abstieg

Eine letzte scharfe Scharte trennt diese hohe Graterhebung vor den rassigen Partien im Übergang zum Bergmassiv. Zur ihr muß etwa 15m abgeklettert werden.
Vom höchsten Punkt am Vorkopf kann der Verlauf des Grates der Gegenseite gut eingesehen werden und dieses vorausliegende Stück ist eines der am meisten ausgesetzten auf der gesamten Überschreitung.

Umgehung der brüchigen Formation südseitig auf schmalem Band

Bevor jedoch dieses Stück beginnt ist noch ein brüchig aussehender Aufschwung zu nehmen. In direkter Sonnenbestrahlung von oben konnten wir im sehr hellen Kalk kaum eine gangbare Route über den Aufschwung erkennen und kletterten zunächst ab, um mehr Kontrast in die Sicht zu bringen.
Von der Scharte aus wurde die Route über den Aufschwung dann klar, sie mußte südseitig, etwas ausgesetzt, umgangen werden. Oberhalb der Umgehung erreichten wir eine flache Stelle mit nordwärts geneigten Platten und am Ende dieser eine Minischarte mit etwa eineinhalb Meter Abstieg vor der steilen, anspruchsvollen Felsflanke.

eine interessante und ausgesetzte Stelle voraus

Trotz der zunächst grimmigen Erscheinung der Felsflanke ist selbige eher leicht zu klettern, fester Fels und genügend große und zahlreiche Griffe und Tritte ermöglichen die sichere Passage auf eine Flachstelle oberhalb. Wir kletterten die Route auf ihrer Nordseite, bei sie zwar ausgesetzt, jedoch mit guten Tritten und Griffen bestückt ist.

vor dem steilen Aufstieg etwa 1,50m hinab zu einer Minischarte

Nach der flacheren Stelle führt die Route etwa halb um den emporragenden Felskopf herum und endet in einem Felswinkel mit etwas Schatten. Dort konnten wir den Anschluß am Grat studieren – eine steile Flanke mit eher glatter Oberfläche, aber mit einer gutgriffigen Peripherie nahe am nordseitigen Abbruch.

Simon und Evi im jenseitigen Aufstieg

Diese Route kletterte sich leichter als die Platte, auch wenn es von unten etwas prekär aussieht.
Mit dieser Passage ist der Anschluß an das Bergmassiv der Hochwand erreicht.

nordseitig etwas ausgesetzt

Oberhalb dieser Stelle beginnt der Ostgrat der Hochwand. Steil führt die am leichtesten erscheinende Route zuerst ein bisschen in die Nordflanke hinein, um dann wieder die Grathöhe zu erreichen.

Rückblick nach der Kletterstelle von der Grathöhe

Nach einigen Minuten wird noch eine markante Stelle erreicht in der der Schichtenbau der Hochwand richtig deutlich wird. An dieser Stelle muß eine schräge Platte ein paar Meter auf schmalem Band in genussvoller Kletterei begangen und anschließend wieder auf die Grathöhe aufgestiegen werden.

atemberaubende geologische Ausbildungen

Dies ist die letzte nennenswerte Stelle am Ostgrat, die in Kletterei gewältigt wird. Der Restaufstieg erfolgt in Schrofengelände auf den höheren der beiden Gipfel der Hochwand, der kein Gipfelkreuz trägt.

letzte schöne und leichte Kletterstelle voraus

Vom hinteren, höheren Gipfel erreicht man über einen, sowohl vom Zeitbedarf, als auch von der klettertechnischen Anforderung her, nicht zu unterschätzenden Grat den vorderen Gipfel mit dem Gipfelkreuz. Mit einigem Auf und Ab und einer Umgehung auf der steilen Südostseite erreichten wir in gut 15min den Hauptgipfel, der vom hintern Gipfel aus in greifbarer Nähe schien.

knapp unterhalb des Ostgipfels

Die Höhenangaben der AV Karte mit 2.715m für den vorderen und 2.719m für den hinteren Gipfel erscheinen bei der optischen Betrachtung schwer glaubhaft, sieht der hintere Gipfel, vom vorderen aus betrachtet doch wesentlich höher aus.

weiter zum westlichen Hochwandgipfel mit dem Kreuz – Panorama der westlichen Mieminger

Richtung Norden findet sich ein grandioser Blick auf die Zugspitze und Teile des Jubiläumsgrates.

Zugspitzmassiv

Im Nordosten fällt der Blick auf den leicht zu begehenden Hochwanner (2.744m) und den der rassigen und schwierigen Teufelsgrat im Wettersteingebirge in seiner vollen Länge.

Richtung Nordosten in das Wetterstein geblickt

Das Gipfelbuch mit der kunstvollen Grafik verrät, daß die Hochwand pro Jahr nicht sehr viele Besuch erhält – erstaunlich aber die Winterbegehungen mit den Abfahrtrouten.

Gipfelrast auf der Hochwand

Den phantastischen, abwechslungsreichen Grat rückblickend betrachtet kommen die Erinnerungen an jede einzelne markante Graterhebung wieder.

damit alle zu ihrem Gipfelfoto kommen – Hochwand, 2.719m

Nicht ganz zwei Stunden haben wir für die Erstbegehung benötigt, mit dem Vorteil den Abstieg in den Sattel nach dem Karkopf schon zu kennen.

Verbindungsgrat der beiden Gipfel der Hochwand im Überblick – der hintere Gipfel mutet wesentlich höher an, als nur die 4m, die im Kartenwerk abzulesen sind

Der Abstieg darf hinsichtlich Rutschgefahr ebenfalls nicht unterschätzt werden, ein sorgfältig gesetzter Tritt ist vonnöten.

Details am Grat zwischen Karkopf und Hochwand

Vor allem im oberen Teil liegt viel Schotter am Fels der den Sicheren Tritt auf Querpassagen trügerisch werden läßt.

nicht zu unterschätzen der Abstieg

Im unteren Teil muß eine kurze sehr steile Passage abgeklettert werden. Bei Gewittergefahr sollte also die Abstiegszeit beachtet werden.

östlicher Teil des Grates zwischen Karkopf und Hochwand

Tourdaten: Gut 12km (horizontal in der Karte gemessen, räumlich ~14km), 1.700Hm und 7 ½ Stunden Gesamtzeit (ohne das knappe Stündchen Einkehr und das empfehlenswerte Essen in der Alplhütte).

Feuerlilie vor dem Strassberghaus

Mils, 06.07.2019

 

Schitour Gammerspitze, 2.537m

Über die sogenannte Jeneweinrinne führt ein schöner Anstieg auf die Gammerspitze, der im Frühjahr bei gutem Wetter auch einen sonnigen Aufstieg im oberen Teil darstellt.

Herwig auf der Gammerspitze – links neben dem Kreuz kann der südliche Teil der Wattentalreibn eingesehen werden

Die Jeneweinrinne ist recht steil und deshalb nur bei sicheren Verhältnissen ratsam. Die Eigenheit und auch der Reiz der Tour besteht im direkten nordseitigen Aufstieg in Richtung Süden, ohne jegliche Richtungsänderung des Geländes bis zum Gipfel. Das Gipfelkreuz sowie die Tour im Überblick – abgesehen von den Oberseiten der Geländestufen – können von unten eingesehen werden.

Scheibenspitze auf der nördlichen Talseite in der Morgensonne

Den Aufstieg nahmen wir mangels eines anderen Parkplatzes ab einem kleinen Häuschen jenseits der Brücke über den Schmirnbach in der Siedlung zwischen Antritt und Aue in Angriff. Gerade noch reichten die Schneefelder, um direkt vom Auto aus im Tourenmodus loszumarschieren, doch bald nach dem ersten kurzen Waldstück wurde die Schneedecke besser und die Vorausschau auf die beste Möglichkeit durch die apern Stellen hindurch zu zirkeln erübrigte sich.

Aufstieg in der breiten unteren Schneise der Jeneweinrinne – oben eine kurze Schmalstelle

Die breite Schneise – es wird sich auch im unteren Teil um die Jeneweinrinne handeln – muß durch Lawinen gebildet worden sein, da es keinerlei Almgebäude gibt, die auf menschliches Zutun zur Formung der Landschaft hindeuten würden. Über lange und breite Wiesenflächen streckt sich der untere Teil des Aufstiegs dahin.

Jeneweinrinne oberer Teil nach der Schmalstelle

Der Schnee befand sich in gefrorenem Zustand, ideal für den mühelosen Aufstieg unter dem typisch frühjährlichen Geklapper der Ausrüstung, das auch mit Bemühen kaum vermieden werden kann.

Schmalstelle

Bis zum lichten Lärchenwäldchen im unteren Steilabschnitt lag unser Aufstieg noch völlig im Schatten und fast schon hätte man zur Erleichterung der Harscheisen bedurft da erreichten wir etwas weicheres Gelände unterhalb der Kuppe zu dem so plötzlich auftauchenden interessanten Hochtalkessel unterhalb der fächerartigen Flanken zum Gipfel.

das Gelände wird steiler und die Geländestufe im Hintergrund wird sichtbar

Da bei unserer Begehung keine durchgehenden und markant sichtbaren Aufstiegsspuren mehr auffindbar waren mußten wir den Aufstieg selbst wählen. Ein leichtes Unterfangen bei dem zuvor beschriebenen Charakter des Geländes. Kaum eine wirkliche Richtungsänderung findet statt, lediglich ein paar kurvige Stellen der Lichtungen bilden Kurven.

Rückblick auf den schönen Aufstieg

Oberhalb des ersten Hanges taucht durch Bäume hindurch eine Lichtung auf die bald breiter wird und über einen Forstweg hinweg in die wirklich breite Jeneweinrinne mündet. Zuerst stieg diese bis zu einer schmaleren Waldstelle kaum an, sie wird erst allmählich steiler und nach längerem Aufstieg dann wirklich steil.

Bis weit nach der schmaleren Waldstelle am Ende des unteren Teils kann in direkter, schneller Route aufgestiegen werden. Das Gelände ist leicht kupiert, wird schon weit vor dem leichten Lärchenwald stetig steiler und erfordert somit bald ein paar Spitzkehren.

in der steilen Geländestufe – der Normalaufstieg wäre wohl etwas weiter links (westlich) zu suchen, zwischen den jungen Lärchen steigt sich’s aber malerisch

Da wir die Strecke nicht kannten legten wir den Aufstieg durch den Lärchenwald. Es wäre auch möglich gewesen links davon den unbewaldeten Hang zu nehmen, wie wir bei der Abfahrt entdeckten.

Rückblick mitten in der Steilstufe – im April beginnt hier der sonnige Teil

Durch die jungen Lärchen fanden wir leicht hindurch, jedoch zwang uns die Steilheit im Verein mit dem sehr harten Harschdeckel kurz vor der Geländekante oben zur Querung nach links, hinaus aus dem Wäldchen, um die Prozedur der Verwendung der Harscheisen zu vermeiden.

bevor das Gelände Harscheisen erzwang querten wir links auf die Geländekante hinaus

Gleich hinter der Geländekante flacht das Gelände extrem ab und die Sonne erfreute uns. Hand in Hand mit der Neigungsänderung geht auch die Sichtbarkeit des Aufstiegs.

oberhalb der Steilstufe Aufstieg in tollem und freiem Gelände

Das weite kesselartige Gelände im oberen Teil der Schitour ist wenige Aufstiegsminuten nach der Kante voll einsehbar und beeindruckt mit seiner Mächtigkeit, die man nach dem vorangegangenen Gelände nicht in dieser Dimension vermutet hätte.

gegen 9:30 liegt der halbe Aufstieg unter Sonnenbestrahlung

Für den Aufstieg fanden wir trotz der Einstrahlung weiterhin einen pickelharten Harschdeckel vor, der Sonnenwinkel reicht selbst im April noch nicht das dortige Gelände rasch aufzutauen. Allerdings änderte sich die Lage positiv, je steiler der Aufstieg nun wurde – wie bei so vielen Nordhängen im besonderen heurigen Winter ging auch bei diesem ab einer gewissen Neigung der Harschdeckel in lockeren Altschnee über und die Schneefälle der letzten Tage obendrauf verstärkten diese.

das Kar oberhalb der Jeneweinrinne – ein tolles Tourengelände

Entlang einer nun deutlich ausgeprägter Aufstiegsspur folgten wir in einigen Spitzkehren dem Aufstieg von mittig nach eher rechts im Talkessel. Hierbei wird ein Felskopf beschritten, der für etwas Abflachung auf dem zuletzt sehr stark steigenden Hang sorgt.

ein weiter Karboden mit mäßiger Steigung leitet zum steilen Aufstieg über die Nordhänge über

Ab diesem Felskopf sind noch sehr steile etwa 100Hm bis zum Gratrücken zurückzulegen und weiter auf den Gipfel weitere etwa 50Hm. Der Übergang von der steilen Flanke auf den Grat präsentierte sich in unserem Fall als etwas heikel, da die Überwehungskante nordseitig mehr als einen Meter hinab in die Flanke gefroren war und Stufen nicht befriedigend geschlagen werden konnten.

Querung auf die rechte Talseite (im Aufstiegssinn) in Richtung des von unten bestmöglichen Übergangs auf die Gratrippe

Seitlich den harten Übergang schneidend, mit abgelegten Schi war die Stelle jedoch halbwegs sicher begehbar. Oberhalb verläuft das Gelände am breiten Rücken mit moderater Steigung zum Gipfel hin.

kurz vor dem Übergang auf den Grat – Hangneigung auf die letzten Meter knapp unter 40°

Das schöne Gipfelkreuz der Jungbauernschaft Landjugend Vals, in Holz und Edelstahl erst vor kurzer Zeit errichtet, macht wirklich etwas her. Es diente uns, um einen letzten Bergsteigergruß an die noch jungen und großen Tiroler Bergsteiger und deren Amerikanischen Partner zu richten, die dieser Tage in Canada durch eine Lawine zu Tode gekommen sind.

kurzes Stück auf der breiten Gratrippe vor dem Gipfel

Im Valser Kamm, die bereits in den Zillertaler Alpen liegt, bildet die Hohe Warte den höchsten Punkt und der Kamm führt weiter bis zum Fuß des Olpererferners.

Gammerspitze, 2.537m

Südlich der Gammerspitze fällt der Blick auf große und schöne Gipfel der Gebirgsgruppe und der Kamm nennt sich etwas verwirrend Tuxer Hauptkamm. Der Anstieg auf den Olperer über das Valsertal und die Geraer Hütte zählt zu einem der schönsten Gletscheranstiege in den westlichen Zillertalern und die Route ist von der Gammerspitze aus fast zur Gänze einsehbar.

Rückblick über den Aufstieg der Tour

In der Folge der Gipfel nach Westen befindet sich der Fussstein, der mit seiner Kletterroute über die Nordflanke berühmt ist, dann der Schrammacher, der eine tolle Schitour von Südtirol aus bietet und die Sagwandspitze mit ihrem Gratrücken nach Norden, die eine tolle Schitour auf die Hohe Kirche bietet.

Hohe Warte (im Kamm, links), ab Bildmitte – Kleiner Kaserer, Großer und Falscher Kaserer, Olperer und Fussstein

Weiters folgt etwas südlich versetzt die Hohe Wand, ebenfalls ein Schitourenziel, dann, mit einigem Abstand und knapp nach der Pfitscher Scharte gelegen der Kluppen als ein unscheinbarer Gipfel und ein rassiges Schitourenziel.

Fussstein, Schrammacher und Sagwandspitze

Mit etwas Abstand zum Kluppen folgt dann der Kraxentrager, eine lange, schwere Schitour aus Venn und schließlich ganz rechts im Bild der Wolfendorn, eine schöne Schitour mit steilem Gipfelhang im Grenzgebiet auf südtiroler Seite.

Kluppen (nach dem langen Sattel von links), Kraxentrager und Wolfendorn (rechts, darüber Wolken)

Der Valser Kamm von der Gammerspitze nach Westen beherbergt noch das niedrigere Tourenziel der Ultenspitze, auch Oltenspitze genannt, und dieser Kamm ist auch die Alternative zur Gammerspitze im Falle von zweifelhaften Schnee-/Lawinenbedingungen über die Jeneweinrinne.

Blick über den äußeren Valser Kamm mit Riepenspitze (rechts) und Ultenspitze (tiefer, links, bereits weitgehend schneefrei)

Nordöstlich des Gipfelkreuzes befinden sich in 10,5km Entfernung einige der höchsten und lohnendsten Touren rund um den Geier sowie den Lizumer und Naviser Reckner und der südliche Teilabschnitt der Wattentalreibn kann gut eingesehen werden.

schöne Abfahrt mit Lockerschnee oben im steilen Teil und mittlerweile aufgefirntem Harschdeckel gegen die Karmulde hin

Die Abfahrt bot nach den winterähnlich ausgeprägten Schneeverhältnissen am Steilhang gleich unterhalb der Kammhöhe eine tolle Firnabfahrt bis zum letzten Waldteil, etwa 100Hm oberhalb des Ausgangspunktes.

Rückblick über das schöne Kar

Von der Strecke her ist die Tour auf die Gammerspitze recht kurz mit dreieinhalb Kilometer Strecke und einem Zeitbedarf vom Parkplatz und zurück mit kaum dreieinhalb Stunden mit einem knapp 30 minütigen Gipfelaufenthalt. 1.175 m im Aufstieg werden bewältigt.

Abfahrt in die Jeneweinrinne

Mils, 19.04.2019

 

Schitour Sulzkogel, 3.016m

Nach Schluß der Schisaison und Beendigung des Rummels im Kühtai bieten sich Frühjahrsschitouren von 2.000m Ausgangshöhe immer an – und wenn das Wetter makellos ist, dann lockt die leichte Tour auf den Sulzkogel umso mehr.

Hilli am Sulzkogel

Ideal ist alleine der Ausgangspunkt der Parkplatz beim Alpenrosenlift. Kaum Fahrzeuge anzutreffen, obwohl das Kühtai im Mai immer noch das Mekka der Schitouren im mittleren Inntal darstellt.
Vom Auto geht es ohne Fußmarsch direkt auf die immer noch bestens erhaltenen Schipisten gen Süden, der Staumauer des Kraftwerks Sellrain-Silz entgegen.

Ausgangspunkt Parkplatz Alpenrosenlift

Wir bildeten bei unserer Begehung eine ansehnliche Truppe die sich am Abend tags zuvor mittels what Sepp geschmiedet hatte. Das Wetter war perfekt, der Himmel ohne Trübung, im Schatten jedoch ganz schön kalt von den beginnenden Wetterkapriolen im Mai dieses denkwürdigen Winters 2018/19 geprägt. Es hat während der Woche vor dem Feiertag Neuschnee gegeben, weswegen die Lawinenwarnstufe nicht mehr gespannt, dennoch aber nicht unbedenklich ausfiel.

Aufstieg nach Piste auf Zugangsstraße Staumauer

Über die Pisten rasch in Richtung Graf Ferdinand Haus aufgestiegen passiert man jenes mit etwas Abstand zur asphaltierten Straße zur Staumauer hin, die im Mai bereits schneefrei und sichtbar, nach etwa 20min erreicht und überquert wird.

Blick von Dammkrone in Richtung Stausee und Finstertaler Scharte

Ab der Annäherung zur Staumauer konnten wir den trotz allem Sonnenschein noch vorhandenen Winter in dieser Höhe spüren, es wurde in der Abdeckung durch den Neunerkogel bitter kalt im Schatten. Der Schatten reicht im Verlauf der Tour bis hinter den Stausee auf die ersten Anstiegsmeter bis zur Verzweigung des Anstiegs zur Finstertaler Scharte, über die eine phantastische Rundtour zur Kraspesspitze unternommen werden kann.

kurze Aufwärmpause am einzig sonnigen Platz bis zum Beginn des Hauptaufstiegs

Auf der Staumauer angekommen erheischten wir gegen halb neun vormittags eine Mütze voll Sonnenstrahlen, die just an dem kleinen Plateau mit der Infotafel auf eine kleine Fläche auftraf, bevor wir die Querung der Westflanke der Neunerspitze den See säumten.

Querung der Steilflanke des Neunerkogels

Die Querung wäre ohne die Lawinenbauten bei entsprechender Schneelage durch deren Steilheit etwas prekär, jedoch ist sie durch dieselben entschärft. Es droht bestenfalls ein kurzer Rutscher in die Verbauung hinab.

in Bildmitte die Verzweigung Finstertaler Scharte / Sulzkogel

Nach der Querung wird der Hang recht flach und säumt den im Winter unter niederem Wasserstand gehaltenen Stausee in beträchtlicher Höhe und selbst am Tiefpunkt der Halbumrundung, am südlichen Ende des Stausees, befindet man sich trotz ca. 20Hm Höhenverlust weit vom Wasserspiegel entfernt. Die Westseite des Stausees bietet keinen Vorteil und ist keine Option, hier ist das Gelände felsig, kaum begehbar sowie meist höchst lawinengefährdet.

Rückblick Richtung Staumauer

Vom Tiefpunkt der Halbumrundung wird in wenigen Spitzkehren in eine weite Talmulde (Schafleger) aufgestiegen, in der, wenige Minuten nach Aufstiegsbeginn, der Anstieg zur Finstertaler Scharte abzweigt. Die Route zum Sulzkogel verläuft der Talmulde folgend nach Westen weiter.

an der Verzweigung Finstertaler Scharte / Sulzkogel

Mittlerweile erfreuten wir uns – dank ungetrübter Sonneneinstrahlung – wieder angenehmer Temperaturen, die sich durch die steiler werdende Talmulde zur schweißtreibenden Bestrahlung wandelte.

in der Steilstufe nach dem eher flachen Anstieg nach der Abzweigung

Bald nach der Talmulde, etwa nach einer guten Viertelstunde, erreicht man eine kurze Steilstufe, die in wenigen Spitzkehren überwunden wird.

Rückblick auf den flachen Anstieg

Nach dieser wird das Gelände wieder etwas flacher und etwa nach 100Hm weitern Aufstiegs gibt den Blick auf eine Mulde frei, die südlich unterhalb des Aufstiegs einen See birgt – leider zu dieser Jahreszeit noch gänzlich vom Schnee verborgen.

nach der Steilstufe am flacheren Teil beim See (nur im Sommer sichtbar), im Hintergrund Neuerkogel, dahinter der Rietzer Grießkogel und in Bildmitte der Pockkogel, rechts davon der Gaißkogel

An dieser Stelle dreht die Route nach Westen in das schmale Hochtal mit den Resten des  Gamezkogelferner an dessen Ende die Südflanke des Sulzkogels und die Nordflanke des Gamskogels den Talkessel bilden.

Gelände kurz unterhalb der Flachstelle

Etwa in der Hälfte des recht flach steigenden Tals kann der gesamte restliche Aufstieg bis zum trennenden Sattel zwischen den beiden Gipfeln eingesehen werden.

Weiter im Hochtal mit zunächst flacher Route

Ein toller Hang führt vom Talende auf rund 2.800m über ca. 140Hm auf den Sattel unterhalb des Gipfelaufbaues des Sulzkogels und wird in einem Dutzend Spitzkehren begangen.

Hochtal unter vollem Einblick knapp nach dessen Beginn

Knapp oberhalb des Sattels legten die meisten Tourengeher an diesem Tag ihr Schidepot an.

Sulzkogel – stark besuchtes Ziel bei diesem Prachtwetter

Wir trugen sie bis zum Gipfel hinauf, da es weiter oben die Möglichkeit gab in die Südflanke einzufahren und, was wir noch nicht wussten und sich später herausstellte (siehe Foto in der Galerie), es gab auch die Möglichkeit über einen sehr steilen Hang direkt ostwärts abzufahren.

Blick von der Kraspesspitze links über Rotgrubenspitze (etwa mittig), Gleirscherfernerkogel (Beginn letztes Drittel) bis zurück zum Strahlkogel rechts

Der restliche Aufstieg von gut 50Hm vom Schidepot erfolgte in weniger deckender Schneeauflage, teilweise zwischen Felsen hindurch über die steile Westflanke bis zum Gipfelkreuz des Sulzkogels. Ein sicherer Tritt ist hier ratsam.

Rückblick auf den Sattel zwischen Sulz- und Gamskogel

Nach dem Schidepot gibt es einen Aufstieg eher direkt zur langgezogenen Gipfelrippe und einen nördlich ausgerichteten zum hinteren Ende des Gipfels. Wir nahmen letzteren, da dort weniger Personen aufstiegen.

Das Gros der Gruppe am Schidepot

Das Panorama am Sulzkogel ist sehenswert. Besonders gut kann die rassige Schitour auf den Hochreichkopf im Südwesten eingesehen werden.

Herrliche Blicke nach Westen – in Bildmitte der Hochreichkopf

Links vom Hochreichkopf befindet sich die Hohe Wasserfalle und rechts von ihm der Wechnerkogel mit der steilen Wechnerscharte, sowie in der Gruppe der eindrucksvolle Acherkogel und der niedrigere Manningkogel.

Nahezu der gesamte Verlauf des Aufstiegs auf den Hochreichkopf, über die steile Querung bis zum Sattel und die steile Flanke bis zum Grat, der noch über einige Meter begangen werden muß, ehe der Gipfel erreicht wird, liegen voll ersichtlich vor dem Auge des Betrachters.

Anstieg über die westliche Gipfelflanke

Die letzten Höhenmeter auf den Sulzkogel finden über die recht steile Westflanke des Gipfelaufbaues statt. In unserem Fall waren die Verhältnisse gut, meist im Schnee, weniger auf Fels folgten wir der bereits recht ausgetretenen Spur.

Sulzkogel, 3.016m – Jasi entsprechend entzückt

Das kleine schöne Gipfelkreuz aus Edelstahl huldigt mit einer Bronzegußtafel einem Bergsteiger Sulzberger, die entweder durch die Ironie des Schicksals oder absichtlich am Sulzkogel aufgestellt wurde.

Kühtai und in Bildmitte der Rietzer Grießkogel

Im Nordosten beeindruckt der Rietzer Grießkogel, im Westen Neunerkogel, Gaißkogel und Pockkogel, sowie die Kraspesspitze und fast im Süden der Zwieselbacher Rosskogel.

Welch Ausblick – von Schöllekogel bis zum Zwieselbacher Rosskogel, dahinter die Kalkkögel und wieder dahinter die Zillertaler

Der Sulzkogel ist für Schitouren der einzige leicht erreichbare Dreitausender ab Kühtai. Entsprechend beliebt ist sie daher und während wir die umliegenden Gipfel betrachteten trafen schon die nächsten Tourengeher ein.

Evi am Sulzkogel

Die noch tief verschneite Szenerie war für einen ersten Mai schon außerordentlich zu betrachten, jedoch wurde es bald enger auf der kurzen Gipfelrippe.

Fortunato am Gipfel angelangt

Die verfügbare Fläche zum Verweilen am schmalen Gipfel ist klein und durch vermehrten Andrang von Nachkommenden hielten wir uns nicht sehr lange am Gipfel auf.

Rüsten zur Abfahrt auf der steilen Gipfelrippe

Das weiter vorne (südlich) am Gipfel aufgestellte zweite Gipfelkreuz besuchten wir gar nicht mehr, sondern stiegen gleich wieder durch die Felsen zu einer Stelle ab, an der es auch möglich schien in die Schi einzusteigen, ohne Gefahr daß sich dieselben verabschiedeten.

Im Südhang mit nun deutlich weichem Sulz

Wider Erwarten war der oben steile Hang nur teilweise angenehm zu befahren, weil schon recht aufgeweicht. Zudem bildete angefrorener Schnee aus der Gipfelflanke eine dicke Auflage am Belag des Autors, sodaß dessen Schi unerklärlicherweise unfahrbar wurden.

Mühsames Unterfangen mit aufgestolltem Belag Figur zu machen

Eine neue Erfahrung die – weil unbekannt – über den gesamten Hang für Ärger über die plötzliche Situation und für Verwunderung sorgte und erst beim Ablegen und Wenden der Schi entdeckt wurde.

Südhang gegen mittags

Nach der Panne und dem Säubern des Belags war der Lapsus auf der Ausfahrt aus dem schmalen Tal schnell vergessen. Die Verhältnisse waren besser als weiter oben und die Schneebedingungen so gut wie sie im Hochwinter sein können.

nach der Flachstelle beim See gequert – ein Nordhang verspricht pulverigen Schnee

Über die Steilstufe hinab gab es teils Pulver, teils Harsch und bis unten hin oberhalb des Stausees eine durch kleine Rutschungen verursachte knollige Steilflanke aber alle verschiedenen Schneearten erwiesen sich als recht gut fahrbar.

jedoch mit leichtem Harschdeckel im unteren Teil – dennoch gut fahrbar

Der flachere Teil oberhalb der Verzweigung ließ sich wieder mit leichten Schwüngen fein abfahren.

Abfahrt über den unten flacheren Teil unterhalb der Steilstufe

An der Verzweigung – Schafleger – angelangt versuchten wir so hoch wie möglich in das Flachstück neben dem See einzufahren. Jene, die die höchstmögliche Position befuhren schafften am Ende nur etwa 50m Strecke weiter als jene, die recht mittig durch den Hang querten – wieder etwas dazugelernt.

bei der Verzweigung zur Finstertaler Scharte angelangt

Zur Rückkehr auf das Niveau der Staumauer war ab der Querung erneutes Auffellen notwendig. Der Höhenunterschied ist zwar gering, jedoch geht es nicht mit Anschieben zurück. Die Stecke ist etwa 1.200m lang und in kaum 20min zu bewältigen.

am Auffellpunkt oberhalb des Seeufers

Am kleinen Plateau an der Staumauer wird abgefellt und der letzte Blick auf die Tour und den Sulzkogel gerichtet.

Querung über die Steilflanke oberhalb der Hangverbauung

Über die Nordseite der Staumauer geht es zurück in Richtung, Graf Ferdinand Haus das aber mit den Liften ebenfalls geschlossen wird. Über die Piste des Alpenrosenliftes konnten wir noch ein paar schöne Schwünge im Firn erleben.

an der Dammkrone angelangt – Hilli strahlt über die traumhafte Schitour

Der Zeitbedarf vom Parkplatz und zurück betrug vier Stunden mit einem knapp 30 minütigen Gipfelaufenthalt.
Die Strecke betrug sechs Kilometer bei 1.000m im Aufstieg und die reine Aufstiegszeit etwas mehr als drei Stunden, die Gesamtzeit viereinviertel Stunden

Mils, 01.05.2019

Schitour Pirchkogelrunde – Pirchkogel-Mitterzaigerkopf

Im nördlichen Teil von Kühtai wird der beliebte Pirchkogel zum Ausgangspunkt einer phantastischen Rundtour über die Nordbegrenzung der Stubaier Alpen durch die Schitour Pirchkogelrunde. Vom Gipfel folgt eine Abfahrt Richtung Inntal bis knapp über die Stamser Alm auf etwa 2.000m und über schön gestuftes Gelände erreicht man am Kreuzjoch die Südhänge der Kühtaier Berge mit einer tollen Abfahrt durch die obere Zirmachalm zur Landesstraße vor Kühtai.

der Großteil der Gruppe am Start ins Schneetal

Da mit dem Zielpunkt vor der Galerie nach Kühtai die Runde nicht komplett abgeschlossen ist, sind praktischerweise zwei Fahrzeuge nötig, das zweite eben am Parkplatz vor der Galerie, mit dem man die letzten zwei Kilometer zum Ausgangspunkt gelangt. Zu Fuß auch möglich, jedoch ein unangenehmes Unterfangen.

im rechten Bilddrittel unsere spätere Aufstiegsstrecke

Die Schitour wird zur kompletten Rundtour, wenn nach dem Kreuzjoch nach Südwesten gequert, den steilen Nordosthang zur Scharte am Hochalter aufgestiegen und über das Schigebiet zum Ausgangspunkt abgefahren wird. Dieser letzte Teil blieb uns bei dieser Begehung nicht beschieden und wird nachgeholt.

morgens noch erfreulich gutes Wetter beim Start in Kühtai

Vom leeren Parkplatz beim Hochalterlift steigt man Mitte Mai ohne Rummel über die Schipisten zu einer langen, eher flachen Geländestufe in Richtung auf.
Gleich nach dem Start der Tour öffnet sich ein toller Blick durch das Längental im Südwesten mit zwei schönen und nicht ganz einfachen Schitourenzielen, der Hohen Wasserfalle und dem Hochreichkopf.

am Aufstieg Richtung Pirchkogel ins Längental geblickt – die beiden ganz weißen: Hohe Wasserfalle und Hochreichkopf

Entlang des Schlepplifts, auf der Geländestufe vor dem Gipfelaufbau, nähert man sich den imposanten Irzwänden deren steile Karhänge einige nicht unbeträchtliche Rutschungen von Neuschnee der letzten Tage zeigten.

eindrucksvolle Irzwände

Nach der Flachstrecke folgt eine moderat steigende Kuppe bis auf ein Plateau bei der Bergstation des Schleppliftes am Fuße des Gipfelaufbaues des Pirchkogels.
Weiter führt die Tour in einen trennenden Graben zwischen dem etwas niederen Hinteren Grießkogel und dem die Szene beherrschenden Pirchkogel.

mittig der Hintere Grießkogel, rechts davon der Pirchkogel

Im Graben befindet sich ein kurzes Stück mit einer Hangneigung von 35° und links davon, an der Nordostflanke des Hinteren Grießkogels gibt es im oberen Bereich des Hanges noch größere Neigungen die zu beachten sind.

bereits schön warm

Mittlerweile befand sich unser Aufstieg gegen halb neun bereits unter maximaler Sonnenbestrahlung, die Hang und Sonne bilden können. Gleichzeitig jedoch konnten wir Eintrübung von Süd her erkennen. Für den späteren Verlauf der Tour und der Stimmung wirkte sie sich nicht negativ aus, dem Kontrast der Dokumentationsfotos jedoch unzuträglich.

steilere Partien durch den Graben

Dem Graben folgt ein schöner hindernisfreier Schlußhang auf den Gipfel. Der Pirchkogel hat sein Gipfelkreuz auf einem etwas niederen Vorgipfel, der im Gegensatz zum geodätisch eigentlichen Gipfel vom Inntal aus einsehbar ist. Somit ist der häufig gepflegte Brauch der Situierung des Kreuzes erklärt.

die schönen freien Gipfelhänge am Pirchkogel

Angesichts der großen Popularität des Pirchkogels befanden sich an diesem Tag nicht viele Tourengeher am Gipfel. Unsere Gruppe formierte sich durch Einladung per what Sepp an diesem Tag zu einer stattlichen Gruppe von neun Gleichgesinnten. Keiner von den anderen Tourengehern hatte jedoch die gleiche Runde im Visier und so durften wir uns eines einsamen zweiten Teils der Tour erfreuen.

am geodätischen Pirchkogel

Gut sichtbar vom Pirchkogel zieht das Schneetal in die Nordseite der ins Inntal auslaufenden Kühtaier Berge hinab.

der geschmückte Vorgipfel des Pirchkogels

Die Abfahrt erfolgt in einer nach unten sich verbreiternden und wieder einengenden Mulde. Am Ende derselben weitet sich das Gelände wieder und wir querten die steilen Nordhänge der Irzwände ostwärts Richtung Hochwanner.

diese tolle Abfahrt stand uns bevor, Schneetal

Dort gab es die Möglichkeit in eher direkter Fahrt abwärts zu fahren, oder über eine flachere Scharte im Schrofengelände in den breiteren Kessel östlich des Hochwanner abzufahren und wir zogen diese Variante vor, auch um so weit wie möglich ostwärts zur Rippe vom Hochwanner herab zu gelangen, die es als Tiefpunkt der Tour zu umfahren gilt.

das Schneetal verjüngt sich etwas

Die Abfahrt über das Schneetal und bis zum Tiefpunkt auf knapp über 2.000m beinhaltet einige wenige kurze Stellen mit 35° Hangneigung oder knapp darüber. Die steileren Passagen sind leicht umfahrbar, wodurch die Abfahrt relativ sicher ist. Ein tolles Firnerlebnis hatten wir allemal, da die Sonneneinstrahlung auf der Nordseite am Vormittag im Frühjahr noch wenig tiefenwirksam ist.

und wird unterhalb sehr breit – geht in ein weites Tal über

Tolle Schwünge ließen sich in den breiten Hang nach den Schrofen zum nächsten Sammelpunkt 200Hm tiefer ziehen – auch die Schneequalität ließ auf 2.000m nichts zu wünschen übrig.

Abfahrt bis unter die Nordseite der Irzwände

Oberhalb eines Einschnittes am Hang, der wie ein runder Felskopf wirkt aber nur eine kleine Steilstufe darstellt, kann die weitere Abfahrt zum Hang unter der Felsrippe, die das Tal trennt, gut eingesehen werden. Man ahnt schon die geeignete Passage zur Umfahrung, ohne jedoch die Hinterseite des Geländes zu kennen.

Durchschlupf durch die Schrofen und ganz links das Ende der Rippe

Hangabwärts zur Linken befand sich die Stamser Alm noch im Winterschlaf und rechts davon, in Zugrichtung der ausklingenden Rippe lag die Jagdhütte ebenfalls noch mitten in der Schneedecke. Gegenüber im Inntal hatte der Frühling mit tiefem, üppigen Grün bereits Einzug gehalten.

die Stamser Alm noch in der Winterruhe, gegenüber im Inntal der Frühling

Über die Steilstufe hinab konnten wir noch einmal den bis dorthin überraschend guten Firn genießen bevor sich die Frage erhob, wo wohl die beste Umrundungshöhe der Rippe wäre. Ihr felsiger Teil endete markant in der Baumgrenze und wir versuchten die Linie so hoch wie möglich.

Flex in dynamischer Fahrt

Nach dem Hochpunkt der Umrundung wird der Baumbestand auf der Westseite etwas dichter und vor allem wird das Gelände steiler.

Lagebesprechung zur Umfahrung der Rippe

Bei unserer Befahrung mußten wir in der gewählten maximalen Höhe durch eine Serie von Schneerutschungen mit harten Rutschflächen und großbrockigen Knollen hindurch – eine durchaus abenteuerliche Fahrt mit Anspruch an den Gleichgewichtssinn. Die Passage war jedoch leicht zu finden.

Michi dokumentiert die Umrundung

Rückblickend betrachtet hätten 20 oder 30Hm mehr Verlust flacheres Gelände und weniger Akrobatik erfordert aber letzten Endes hat die Querung im etwas extremeren Gelände nicht schlecht gefallen.

Carina und Sabine

Am Auffellplatz knapp unterhalb von 2.000m befindet man sich am leicht geneigten Talkessel in vereinzelt stehenden Zirben unterhalb einer leichten Steilstufe, die die Sicht das Aufstiegsgelände versperrt.

Auffellplatz auf knapp unter 2.000m

Nach wenigen Minuten durch den alten Zirbenbestand hindurch wird die weitere Strecke sichtbar. So richtig klar wird sie aber erst, wenn auch die Felsrippe zur Linken auf gleicher Höhe liegt, sodaß der Aufstieg links in das Wurmetal einsehbar ist.

kleine nette Stufe durch alte Zirben

Zunächst aber sind dafür etwa gute 15min taleinwärts (südostwärts) unter moderater Steigung notwendig. Der Mitterzaigerkopf als nächstes Ziel ist bereits nach der Geländestufe sichtbar, jedoch erscheint der Gipfel nicht sehr markant im Aufstieg nach den Zirben.

unterwegs zum Wurmetal links – nicht sichtbar

Mit zunehmender Tiefe im Tal taucht das abzweigende Wurmetal ins Blickfeld und leitet die Richtungsänderung durch die Ausbildung einer nach oben hin steiler werdenden Mulde ein. Die Stufe über die Mulde beträgt etwa 140Hm. In unserem Fall blieb durch Nassschneerutschungen der vergangenen Tage an der Engstelle wenig Breite im Steiggelände über und dies erforderte mehr Spitzkehren als normal nötig.

im oberen Teil wird es durch Rutschungen schmal

Oben weitet sich das Tal wieder und der weitere Anstieg erschien über den Graben sinnvoller als über die steile Flanke zu sein, deren obere Ausbildung auch nicht eingesehen werden konnte. Also marschierten wir ostwärts auf den bergenzenden Felsriegel zu und bogen davor rechts hinauf zum Hochpunkt im Wurmetal.

im Wurmetal angelangt

Vom Hochpunkt aus konnte der weitere Anstieg zum Kreuzjoch, bzw. zum Sattel rechts davon und zum Mitterzaigerkopf bestens eingesehen werden.

im oberen Teil des Wurmetals

Der Aufstieg zum Gipfel beträgt ab dort gerade noch 200Hm und wird über eine kleine Senke mit ein paar Metern Höhenverlust, sowie über einen nordseitigen Steilhang zur Scharte westlich des Kreuzjoches erreicht.

der Mitterzaigerkopf gegenüber – eine kleine Geländestufe muß abgefahren werden

Der Nordhang kratzt an einer Stelle an 40° – anhand der Schneerutschungen auf den Fotos ist dies auch ersichtlich. Etwa 100m mißt der Hang in der Höhe, er wird mit ein paar Spitzkehren gemeistert und verflacht auf die letzten 30Hm gegen den Sattel hin.

die Steilheit durch die Schneebälle ersichtlich

Vom Sattel führt der Grat über gut 60Hm zum Mitterzaigerkopf. Einige von uns begingen den Grat komplett im Tourenmodus, manche – darunter der Autor – zogen auf den letzten Metern stapfen den engen Spitzkehren an der Gipfelkuppe vor.

Mitterzaigerkopf vom Sattel aus

Schon bevor wir den Mitterzaiger erreichten war der gesamte Horizont zugezogen und es herrschte zunehmend diffuses Licht am Gipfel.

letze Meter des Aufstieges am Grat – feiner zu tragen als in Spitzkehren

Die Entscheidung die Runde zum Hochalter fortzusetzen endete mit dem Abwinken der Mehrheit in der Gruppe.

Mitterzaigerkopf, 2.629m

Die Tageszeit war fortgeschritten und die Frühjahrsverhältnisse auf der bestrahlten Südseite schon in der Scharte spürbar.

die Gruppe beim Rasten – so manche verweigert Höhenmedizin

Also gab es einen abschließenden Gipfelaufenthalt mit Jause und Höhenmedizin, anstelle eines weiteren Aufstieges um die Mittagszeit.

Ausblick auf das perfekte abschließende Rundenziel – Hochalter mittig, der Aufstieg von links unten

Der Ausgangsgipfel der Runde, der Pirchkogel im Westen, kann vom Mitterzaigerkopf aus gut eingesehen werden und die hinter uns liegende Strecke, da nun bekannt, ebenfalls.

Rückblick auf die Tour mit links dem Pirchkogel

Die Gratbefahrung erforderte ein wenig Konzentration und dosiertes Abbremsen, war aber problemlos möglich.

dann aber doch

Über die Mulde in die Zirmachalm hinab war die Firnoberfläche gerade noch angenehm, ab etwa 2.400m wurden Schwünge kraftraubend und darunter bremste der flache Hang jegliche Fahrt auf ein Minimum ab.

immer schön weg von der Kante geblieben

Die letzten 200Hm zur Landesstraße hinaus zogen die meisten in der Gruppe vor auf der westlichen Talseite unter dem steil aufragenden Mugkogel und seinen entsandten Lawinen zu queren, um der langen Tragestrecke auf der aperen Ostseite des Baches auszuweichen.

ab etwa 2.200m wird es im Südhang anstrengend weich

Es gelang auf dieser Seite in der Tat geschickt durch die Grundlawinen hindurch zu zirkeln und bis knapp oberhalb der Lawinengalerie zu fahren. Über der Galerie angekommen konnten wir noch bis zum Holzzaun fahren bevor die schöne Runde am Parkplatz neben der Landesstraße endete.

Ausfahrt durch das Almgelände – hinten Mitterzaigerkopf

Die Strecke betrug knapp fünfzehn Kilometer bei 1.480m im Aufstieg und die Gesamtzeit betrug fünfeinhalb Stunden.

 

Mils, 18.05.2019

Gleirscher Fernerkogel, 3.194m – über Rosskarscharte

Alpinistisch reizvoll und im Schlussteil nicht mehr ganz so einfach präsentiert sich die Schitour auf den Gleirscher Fernerkogel generell und über die Rosskarscharte angestiegen, kommt man gleich zweimal in den Genuß von Steilaufstiegen im und knapp über dem 40° Bereich.
Die Tour von Lüsens aus entbehrt dem langen Normalaufstieg durch das schöne Gleirschtal bei genauer Vermessung nur wenig, auch der Höhenunterschied im Vergleich zum Startpunkt St. Sigmund steht dieser Variante nur kaum nach. Mehr dazu am Ende dieses Berichtes.

Da für diese Variante auf den Gleirscher Fernerkogel zwei Fahrzeuge vonnöten sind eignet sich als Treffpunkt der große Parkplatz in St. Sigmund und nach eiligem Umladen benötigt man für die Fahrt eine Etage höher (ja, etwa 120m höher!) nach Lüsens weitere 20min.

Lüsener Fernerkogel im Morgenlicht

Um sieben Uhr am Parkplatz in Lüsens gestartet sind wir Mitte April gerade noch nicht zu spät unterwegs, allerdings auch nicht zu früh, denn die südlich ausgerichtete Steilflanke auf die Rosskarscharte muß ja nicht im gefrorenen Firn begangen werden und je nach Sonneneinstrahlung sollte die Schneedecke bei der Ankunft gegen 10 Uhr genau den richtigen Zustand haben.

Sonnenaufgang über der Pforzheimerhütte

Der Anstieg in das Längental führt nach dem Holzhaus (Jugendheim in der AV-Karte) am Talende über die Längentaler Alm zum Westfalenhaus. Bei unserer Begehung gut gefroren, verlangte diese Stufe fast schon Harscheisen.
Vorbei an der Alm erreichten wir den Anstieg zum Westfalenhaus noch in völligem Schatten und erst am Hang hinauf, bei den ersten Schneestangen, tauchten wir endlich in Sonnenlicht, etwa 50Hm unterhalb der Hütte.

Aufstieg zur Pforzheimerhütte aus dem Längental

In Blickrichtung Hoher Seeblaskogel und Längentaler Weißer Kogel herrschte einiger Andrang bei dem prächtigen Frühjahrswetter. Aber auch in unsere Richtung, auf das Winnebachjoch sollten wir ab der Hütte einige Gesellschaft bekommen, da dort gegen 8:45 Uhr Aufbruchsstimmung von der Hütte angesagt war.

prachtvolles Panorama – hinten Längentaler Weißer Kogel

Die Schneeschuhwanderer machten sich auf in Richtung Schöntalspitze, die Tourengeher in unsere Richtung auf das Winnebachjoch.

Das Winnebachjoch voraus – noch sind fast 2km zurückzulegen

Das Tal zum Winnebachjoch zieht sich mit moderaten Stufen über zweieinhalb Kilometer und 500hm vom Westfalenhaus Richtung Westen und stellt den Übergang ins Ötztal dar. Gegen sein Ende hin bildet es einen beeindruckend geformten Kessel, der mit einer einzigen Spitzkehre auf das Joch überwunden wird.

Talbecken und Winnebachjoch

Der Ausblick vom Winnebachjoch ist beengt, zwischen der Flanke vom Westlichen Seeblaskogel und der gegenüberliegenden Erhebung des Gänsekragens lugt die Hohe Geige durch, über der dem Gänsekragen anschließenden Gratkette zur Wantlasscharte ragen Gamezkogel, Rofelewand und Gsallkopf durch, erstere in 16,5km, letzere Gipfel in 21km Entfernung. Ganz rechts (fast westlich) erhebt sich der massive Breite Grießkogel.

Blick vom Winnebachjoch nach Westen

Seit dem allseits reflektierenden Becken vor dem Winnebachjoch und dem fortgeschrittenen Vormittag machten uns Temperatur und Strahlung einigermaßen zu schaffen, beim weiteren Anstieg über die Südhänge zum Winnebacher Weißkogel umso mehr.

Aufstieg zur Rosskarscharte

Der Schnee wurde im stumpfen Winkel zum Sonnenstand stellenweise richtig sulzig und erschwerte die letzten 200m Aufstieg zu den ersten unteren Schrofen an der Felslinie zur Rosskarscharte unerhört. Als Lohn dafür wird am Weg zur Scharte der Blick zur Wildspitze in 30km Entfernung frei.

wir nehmen die östliche Seite des Kopfes (Pkt. 2.993m in d. AV-K) am Weisskogelferner

Recht genau auf 3.000m begann in unserem Fall der Aufstieg zur Rosskarscharte mit den Schi am Rucksack und in vorhandenen Stapfen. Abgesehen von den ersten Schritten an der Felslinie, die wie immer einen Einbruch bis zur Hüfte hervorriefen und ein paar mühevolle Meter bedeuten, befand sich der Schnee auf der sonnenexponierten Flanke noch recht gut in Schuss für den späten Vormittag, an dem wir sie erreichten.

nach der Querung etwa 10m direkt in der Flanke, dann leicht links weiter

Der Aufstieg durch die Felsen führt über ca. 60m zur Rosskarscharte hinauf. Im letzten Drittel ragte eine recht jung angebrachte Seilsicherung aus dem Schnee und ihr Verlauf bis zur Scharte – in einer völlig schneefreien Felsverschneidung gelegen – erscheint jedoch für die Winterbegehung mit Tourenschuhen wesentlich weniger geeignet als linkerhand weiter durch eine schneegefüllt Rinne mit Stapfen. Die Scharte wird somit etwa 10m links der Seilsicherung erreicht.

hier ein Eindruck über die Hangneigung – hinten Winnebacher Weißkogel

Man soll den Zeitaufwand für den Anstieg bis auf die Rosskarscharte nicht unterschätzen. Hatten wir mit drei Stunden gerechnet wurden es dann fast vier. Ohne viel Aufenthalt fellten wir auf geräumigem Platz ab, um die kurze Abfahrt zur nächsten Steilflanke oberhalb des Gleierschfernerbeckens in Angriff zu nehmen.

rechts Verseilung, links fanden wir es bequemer mit Winterausrüstung

Nach Messung auf der Uhr betrug die Abfahrt 75Hm und zugunsten des Schibelages man tut gut daran einige Meter zu „verschenken“ indem man – anders als der Autor – bei nicht weniger als drei Metern Abstand zu den Felsriffen, in der mitunter tückisch dünnen Schneeauflage keine Schrammen mit nach Hause nimmt.

Rosskarscharte; etwas weiter hinten die Ankunftsstelle nach dem verseilten Aufstieg

Zwischen einem markanten Felskopf und der unteren Begrenzung der Felsen endet die Querfahrt von der Rosskarscharte, es hieß erneut Schi auf den Rucksack und stapfen.

Blick zur nächsten Steilflanke auf den Gleirscher Fernerkogel

Der Aufstieg über die Steilstufe ist im oberen Bereich noch etwas steiler als jener zuvor und erreicht mehr als 40° Neigung. Wir nahmen ihn etwa mittig wobei die Stapfen durch die Abfahrt einer Gruppe zuvor zum Teil nicht sichtbar waren und wir eigene Stapftritte anlegten. Trotz der Mittagsstunde konnte der Hang einwandfrei begangen werden, ohne zu tief einzusinken.

am Ende der Steilflanke auf den Gleirscher Fernerkogel mit unseren Abfahrtsspuren von der Rosskarscharte im Hintergrund

Ein Rutscher durch schlampiges Stapfen hätte weitreichende Auswirkungen. Im Gegensatz zur Rosskarscharte sind im Steilhang zum Gleirscher Fernerkogel keine Felsen eingestreut, die einen tiefen Sturz verhinderten. Bei harten Verhältnissen wären beide Steilaufsteige nur mit Steigeisen zu empfehlen, unsere jedoch durften sich unbenutzt eines Ausfluges im Rucksack erfreuen.

imposante Gipfelflanke des Gleirscher Fernerkogels

Ein letztes Auffellen wird für den steilen Gipfelaufbau erforderlich. Der Sonnenbestrahlung am Vormittag weitgehend abgewandt, bzw. in sehr spitzem Winkel zur Sonneneinstrahlung gelegen bot der Gipfelhang sogar fast Pulverschneeverhältnisse.

Gipfelflanke vom Gleirscher Fernerkogel Gipfel aus betrachtet

Allerdings, bei weit über 35° Hangneigung und einer durch eher Abrutschende als -fahrende vielerorts bis auf den harten Untergrund weggerutschter Spur ist der Aufstieg über die 135m hohe Flanke auch kein großes Vergnügen. Nachdem die Schneeverhältnisse entsprechend weich waren und die weggerutschten Teile der Spur mittels einschlagen der Kanten so lala bewältigt werden konnten kam der alternative Stapfaufstieg gar nicht in Erwägung. Eine knappe halbe Stunde nahm der Nervenkitzel des Gipfelhangs trotzdem in Anspruch.

Gipfelplastik am Gleirscher Fernerkogel

Die Mühen bis zum aussichtsreichen Gipfel des Gleirscher Fernerkogels mit der kunstvollen Zier einer „Alpinplastik“ mit Mini-Gipfelkreuz waren bewältigt und der Eindruck am Gipfel phänomenal. Hat man den kunstvollen Gipfelschmuck mit faradayschem Käfig zum Schutze des Pickels ausreichend in Augenschein genommen, bezaubert der Blick in alle Richtungen.

der Nachbar – Winnebacher Weißkogel

Am gewaltigsten ist der Blick von Südost nach West.

bestechender Grat oberhalb des Längentals – links Lüsener Fernerkogel, rechts Schrankogel

In nächster Nähe im Süden der Winnebacher Weißkogel mit seiner tollen Flanke und links davon fast in einer Linie Hoher Seeblaskogel, Längentaler Weißer Kogel und der mächtige Schrankogel, rechts davon die Wilde Leck und gleich daneben in 39km Entfernung die Hohe Wilde sowie der Weißkugel und zahlreiche weitere tolle Dreitausender bis rechts im Bild die Wildspitze mit ihrem großflächigen Massiv auftaucNicht minder imposant der Blick über das lange Zwieselbachtal und weiter im Norden der Hochreichkopf und der mächtige Acherkogel.

Zwieselbachtal zu Füßen

Beim Blick nach Norden stellt sich die Frage, ob die Abfahrt zur Südlichen Sonnenwand nicht möglich sei – Berichten zufolge soll das so sein und wird Thema einer künftigen Erkundung.

linkes Bilddrittel – Südlichste Sonnenwand mit wahrscheinlicher Abfahrtsvariante über den gleichnamigen Ferner

Die Aussicht auf den Kleinen Kaserer und den Olperer gen Osten streift fast die Hohe Villerspitze im Vordergrund leicht links davon.

Hohe Villerspitze in Bildmitte, leicht rechts davon Kleiner Kaserer und Olperer in der Ferne; der mächtige Schatten des Schrammachers, rechts davon der Hochfeiler in 51km Entfernung

Die Abfahrt über die Gipfelflanke beschert einen bleibenden Eindruck. Meint man zuerst, daß die gute Schneequalität eine flüssige Fahrt zuläßt wird man bei den ersten zwei Schwüngen durch die rapide zunehmende Geschwindigkeit freiwillig etwas vorsichtiger im Ansatz des Bogenradius. Ja fast um einen Hupfer ist man bemüht, um den Radius klein zu halten. In Summe aber selbst in dem sehr zerfurchten und noch recht weichen Schnee ein tolles und kraftzehrendes Erlebnis.

zur Abfahrt gerüstet; Steilhänge entbehren nie einer gewissen Spannung

Vor der nachfolgenden Steilstufe verebbt die Kommunikation auf das Wesentliche, gilt es doch einen aufgeweichten Steilhang mit Stellen jenseits von 40° zu fahren. Schließlich ist nicht jeder ist ein Luggi, der solche Übungen tagtäglich macht und es handelt sich nicht um eine präparierte Piste deren Konsistenz gleichförmig ist. Dichteunterschiede in den abgerutschten Schichten erfordern höchste Konzentration und blitzartige Reaktionen.

ein Eindurck der Hangneigung gibt die kleine Rutschung oberhalb von Britta

Mit Routine und Gefühl gelingt jedoch die Rutschfahrt über die 60m bis zur individuell gewohnten Neigung in der man sich auf Schi noch wohlfühlt und gleichzeitig zu fotografieren vermag.

über die 40° Flanke lebt sich’s im aufgeweichten Sulz leichter durch Rutschen mit Distanzhaltung – bei diesem Dichteunterschied wedelt keiner mehr

Am Ende der Steilrinne fällt mit einem Mal die schöne Last der Tour ab und Vorfreude über eine nahezu 12km lange und landschaftlich unvergessliche Ausfahrt macht sich breit.

Rückblick auf die stolze Steilflanke

Setzt man die Ausfahrt so weit wie möglich links im Tal an und vergeudet man kaum Höhenmeter durch einen Mix aus moderater Geschwindigkeit und Höhenerhalt mit wenigen kurzen Schiebestrecken, dann erreicht man ohne große Anstrengung über die „Samerschläge“ die Pforzheimer Hütte.

die Belohnung zum Schluß – Ausfahrt durch das wunderschöne Gleirschtal

Freilich muß dieser Zwischenstopp nach dem grandiosen Erlebnis unbedingt sein – zwei leicht verständliche Gründe bestehen darauf: der Flüssigkeitsbedarf zum einen und die notwendige mentale Verarbeitung des Zugewinns an höchst positivem Erlebnis an Ort und Stelle zum anderen. Beides im Verein lädt den Autor für viele Tage auf wie nichts anderes auf der Welt es vermag, die Maximaldosis Natur eben.

die Länge des inneren Gleirschtales kommt bei der Ausfahrt gut zur Geltung

Abschließend durften wir eine wunderschöne lange und leichte Ausfahrt genießen und weil der außergewöhnliche Tag noch andauerte gab es einen zweiten Stopp mit Knödelsuppe in der netten Gleirschalm bevor wir die letzten Teilabfahrten bis knapp vor die Brücke über den Gleirschbach antraten und nach kurzer Tragestrecke das Relaisfahrzeug erreichten, um das zweite Fahrzeug in Lüsens abzuholen.

Blick talauswärts zur Peiderspitze

Die Schitour auf den Gleirscher Fernerkogel von Lüsens aus ist um knapp drei Kilometer kürzer als die Normalbegehung von St. Sigmund aus und beinhaltet lediglich um 50Hm weniger Aufstiegshöhe. Vom Zeitbedarf her ist sie eher länger einzustufen, bedingt durch mehrfaches Rüsten über die Rosskarscharte. Insofern ist sie keine wirklich kürzere Alternative, sondern eine eigenständige Tour.

Welch Erlebnis, Prost!

Sie ist ebenfalls keine Alternative zur Übernachtung in der Pforzheimerhütte – auch wenn es auf der Karte so aussieht -, da dieser Aufstieg nur knappe 900Hm beträgt.
Der Charme der Tour liegt in der Übersteigung der Rosskarscharte und dem Erlebnis einer „Runde“ unter Vermeidung wiederkehrender Eindrücke.

Gleirschtal – ohne Worte

Steigeisen unbedingt und je nach zu erwartender Schneebeschaffenheit Pickel mitzunehmen.
Der gesamte geodätische Aufstieg beträgt 1.627Hm, der Abstieg (Abfahrt) 1.747m. Wir haben für die reine Tour mit allen Pausen 7:30 Stunden bis zur Gleirschalm benötigt, in Summe vom Parkplatz St. Sigmund bis wieder nach Lüsens mit der letzten Pause auf der Gleirschalm 9:17 Stunden. Die Streckenlänge beträgt knapp 22km.

Mils, 21.04.2019