Archiv der Kategorie: Mieminger Gebirge

Karkopf, 2.469m – Normalweg und Runde über Westseite

Ein leichtes Ziel über den Normalweg und Ausgangspunkt einer interessanten Gratüberschreitung – der Karkopf bietet einen Wanderanstieg und einen Kletterabstieg. Unser Ziel, die Gratüberschreitung zur Hohen Wand, konnte aufgrund des Nebeleinfalls an diesem Tag nicht realisiert werden, also nutzten wir zumindest das nebelfreie Fenster am Grat und erkundeten die erste interessante Stelle am Übergang.

Karkopf, 2.496m

Der Aufstieg zum Karkopf erfolgt vom Parkplatz „Lucke“ ein paar Gehminuten unterhalb des Strassberghauses von ca. 1.180m aus und führt zur Alplhütte, wo er etwa 200m nachher rechts abzweigt.

Wegverzweigung zum Wetterkreuz nach der Alplhütte

Dort beginnt der Steig zum Wetterkreuz, ein Vorplateau auf der hauptdolomitdominierten dunklen Gratrippe, die die Hohe Wand nach Südosten entsendet. Auffallend große Anteile Rauhwacken können in der zu querenden Geschieberinne gleich nach der Abzweigung gesichtet werden.

Blick zur Alplscharte und Hochwand rechts

Am gut gewarteten Steig geht es nun knapp 500Hm unterhalb und seitlich von beeindruckend abbrechenden Türmchen und Köpfchen der Raibler Schichten bis zum Wetterkreuz hinauf.

Auf der Grathöhe der Hintereggenrippe angelangt – Blick ins Inntal

Bei der ersten Berührung des Steiges mit der Grathöhe erblickt man nicht nur von toller Lage das Inntal gen Osten sondern bergwärts auch beachtliche Gehängebreccien, die aus dem Wettersteinkalkschutt des Kars oberhalb bestehen und mächtige Abbrüche in das Tal (AV-Karte „Tiergarten“) bilden.

Blick auf den Karkopf, im unteren Teil des Fotos sind die mächtigen Breccien ersichtlich

Gleich nach ein paar Gehminuten wird das Wetterkreuz auf etwa 1.920m erreicht, das wir in leichtem und kurzem Niesel antrafen.

kurz vor dem Wetterkreuz auf 1.920m

Das Kreuz – ein doppelbalkiges Kardinalskreuz – wurde 2001 von der örtlichen Alpenvereinsgruppe Hohe Munde neu aufgestellt und stellt eine Landmarke auf aussichtsreichem Punkt dar.

Simon studiert die weitere Strecke am Wetterkreuz

Am Wetterkreuz gabelt sich der Steig in den Anstieg zur Hochwand und in den zum Karkopf. Der Zweig zum Karkopf führt in einer großen Rechtskurve über Schutthügel zur Südflanke des Karkopfes.

der schöne Ostgrat zwischen dem Karkopf (rechts) und der Hochwand

In der Südflanke sind zunächst ein paar eher plattige aber feste Wettersteinkalkrinnen ansteigend zu queren. Die Südflanke besteht nun fast ausschließlich aus völlig festem Wettersteinkalk, was der Karwendelfreund erfreut feststellt.

Gipfelkreuz des Karkopfes vom Normalweg aus

Der verheißungsvolle Blick auf den Grat vom Karkopf bis zur Hochwand wurde am Tag unserer Begehung getrübt von sich stetig senkenden Nebelbänken und der Gipfel der Hochwand war schon länger nicht mehr sichtbar, was die Vorahnung auf eher schlechter werdendes Wetter verstärkte.

noch unterhalb des Grates am Weg zum Karkopf

Vom Wetterkreuz zur breiten Grathöhe des Karkopf Ostgrates benötigten wir ein knappe Stunde. Die Nebelgrenze änderte sich nicht mehr wesentlich und blieb bei etwa 2.550m konstant. Beide benachbarten Gipfel zum Karkopf, Hohe Munde im Osten und Hochwand im Westen befanden sich nun dauerhaft eingepackt im Nebel.

auf der Gratrippe östlich vom Karkopf; Hochwand leider bis weit hinab im Nebel

Am Gipfel des Karkopf frischte ein leichtes kaltes Lüftl aus Nordwest ziemlich auf, erforderte Windjacken und ließ die Finger während der Rast ansteifen, Herbst war eingekehrt.

vom Karkopf Richtung Osten zur Hohen Munde geschaut

Für unsere geplante Überschreitung herrschten keine optimalen Verhältnisse. Einen unbekannten Grat im Nebel lehnte der Verfasser ab und Evi uns Simon waren auch dieser Überzeugung. Statt der Überschreitung beschlossen wir alternativ den ersten, vom Karkopf aus den ersten sichtbaren Teil unterhalb des Nebels am Westgrat zur Hochwand zu erkunden.

Evis und Simon am Karkopf, 2.496m

Ein markanter Gratkopf mit einem deutlich sichtbaren Riß mutete sehr interessant an und weil wir ja genug Zeit hatten sollte das erste Stück zur Scharte und darüber hinaus der Anstieg über den ersten Kopf näher untersucht werden.

steiler Gratkopf nach der Scharte im Westen des Karkopfes

Der Abstieg auf der Westseite findet zunächst über etwas schuttiges Gehgelände zu einer Scharte statt, bei der eher der Eindruck entsteht, daß die folgende querstehende Rippe der ideale Abstieg wäre. Nach Erkundung der Westflanke der schmäler werdenden Rippe mußten wir feststellen, daß dies keine gangbare Variante war und versuchten von der Scharte aus den kurzen Abstieg nordseitig, um die Felsen gegen Westen näher einsehen zu können.

zunächst über Schutt zur Scharte vor der querstehenden Rippe, dort nordseitig abgestiegen

Dies stellte sich auch als die bessere Variante heraus, denn nach etwa 12m Abstieg (unter kleinen Schneeresten, die nicht ungefährlich sein können) konnte ein horizontales Felspodestchen erblickt werden, bei dem die weitere Route gleich in wieder in die südliche Flanke der Gratrippen führt und unter etwa 20Hm Höhenverlust zu einem breiten Band zwischen den hohen Felsrippen bequemes Weiterkommen zur nächsten querstehenden Rippe ermöglicht.

Abstieg nach der Scharte bis zum kleinen Podestchen im Westen (oberhalb Simons Rucksack sichtbar)

Dort befindet sich ein Steinmann, der nicht passiert wird sondern noch vor diesem wird die überbaute scharfe Gratschneide überquert. Dahinter befindet sich breites Gehgelände und der tiefste Punkt zwischen Karkopfgipfel und Ostgrat ist erreicht.

vom Podestchen südseitig abgestiegen zu einem breiten Band

Auf der Rampe der Gegenseite wartet schon der senkrecht aufragende Gratkopf mit einem außerordentlich schönen Kletterriss in bombenfestem Wettersteinkalk. Sofort konnten wir erkennen, daß diese Stelle eine Genußpartie sein würde und kletterten sie alle drei aufwärts bis zum oberen flacheren Teil, um die weitere Route einsehen zu können.

Überquerung der scharfen Rippe zur jenseitigen Rampe

Herrlich feste und bequem horizontale Tritte und Griffe finden sich am ersten Teil des Risses von unten.  Ausgeschwemmte Löcher und scharfkantige Felsoberflächen mit etwas weniger Tritten finden sich im etwas schwierigeren und einfallenden oberen Teil des Risses.

tolle Aufstiegsroute im Riss des Gratkopfes

Zwischen beiden Kletterteilen befindet sich Gehgelände über ein paar Meter. Im oberen Teil erschien Verspreizen im enger werdenden Riß als bequemste Aufstiegsmethode, wobei links Löcher im Fels und rechts Rippen zum Klemmen als Griffe dienen.

Simon im unteren Teil des Risses

Der Riss unten wäre mit II- einzustufen, der obere Teil mit III-, eher nicht mehr. Der Abstieg vom Karkopf bis zur Scharte kann in Summe mit II bewertet werden.

oben am Gratkopf – Nebel macht den weiteren Aufstieg am Grat zunichte

Die Aussicht auf weitere Erkundung war wegen Nebels nicht gegeben, worauf wir den Gratkopf wieder abkletterten. Selbst das Abklettern gereichte zum Genuß im wunderbar festen Fels und wir freuten uns schon auf den nächsten Versuch bei besseren Verhältnissen.

Blick zwischen unterem und oberem Teil des Aufstieges vom Gratkopf hinab

Nicht ganz am tiefsten Punkt, sondern gleich nach ein paar Metern ostwärts zieht eine leicht begehbare abgestufte Felsflanke über südfallende Wettersteinkalkplatten zum Normalweg hinunter, die auch als Notausstieg dienen könnte, sollte jemand mit dem ersten Gratkopf Schwierigkeiten haben.

Rückblick zum Karkopf – der Abstieg ist hinter den glatten Platten versteckt

Zuerst über felsiges, dann zunehmen schrofigeres Gelände geht es durch die „Karseite“ etwa 150Hm auf den Normalweg zurück und hinab zum Wetterkreuz.

Abstieg durch die „Karseite“ vom Gratkopf aus aufgenommen

Ein paar Steilstufen mit etwa ein bis zwei Meter Mächtigkeit werden leicht über Durchschlupfe abgestiegen.

Simon beim Studieren welche Route durch die Karseite die leichteste ist

Auf der Alplhütte nahmen wir ein tolles Mittagessen ein, die Mädels dort verstehen ihr Handwerk.

Evi beim Abstieg durch eine Steilstufe

Die gesamte Tour – wegen Nebels ja leider abgebrochen – incl. Pausen nahm knapp sieben Stunden in Anspruch, 1.350Hm waren zu bewältigen.

Mils, 07.10.2018

Hohe Munde, 2.662m über Westgrat

Imposant und freistehend aus dem Inntal herausgebildet steht die Hohe Munde mit ihren beiden unterschiedlich geformten Gipfeln mitten in der Landschaft. Durch den tiefen Einschnitt der Niederen Munde erscheint sie fast abgeschieden von der Mieminger Kette an deren östlichen Begrenzung.

Hohe Munde Westgipfel, 2.662m

Hohe Munde Westgipfel, 2.662m

Die Hohe Munde ist weiters von den umgebenden Gebirgsketten – im Norden das Wettersteingebirge, im Osten das Karwendel und gegen Süden über das Inntal von den Sellrainer und Kühtaier Ausläufern der Stubaier Alpen – völlig getrennt und steht, im Blick auf die umgebenden topographischen Verhältnisse,  im wahrsten Sinne des Wortes alleine mitten in der Landschaft.

ein toller Tag kündigt sich an

ein toller Tag kündigt sich an

Die isolierte Stellung der Hohen Munde macht sie daher zu einem besonderen Blickfang wenn man, in welche Richtung auch immer, das Inntal durchreist. Ein Berginteressierter kann sich beim Anblick einer gewissen Faszination, oder zumindest des Interesses an ihr nicht entziehen. Nicht ganz so extrem aus dem Nichts aufragend, wie beispielsweise der Kilimandscharo oder auch der Ararat, als abgesetztes Massiv aber doch unumgänglich anzuschauen steht sie monumental mit beidseitig breit ausladendem Rücken, zweier Flügel gleich, nördlich von Telfs, als ob sie mit dieser Haltung – die Stadt beschützend – jene vom Norden abgrenzen möchte. Natürlich ist sie viel niederer als die beiden vorgenannten berühmten Berge, aber sie ist nicht minder interessant, wenn auch leicht einzunehmen.

Adler Klettersteig

Adler Klettersteig

Dies vor allem über den interessanteren Westanstieg, der auch mit ein paar leichten Klettereien aufwarten kann, die den langen Anstieg am breiten Westrücken, der Himmelsleiter, willkommen unterbrechen.

das Ziel, Westgipfel Hohe Munde

das Ziel, Westgipfel Hohe Munde

Schon einmal scheiterte der Versuch die Hohe Munde bei föhnigem Herbstwetter zu ersteigen. Kein Jahr verging seitdem. Die Schande steckte noch tief drin den Geboten des nahenden Winters nicht nachzukommen und entsprechend Basisausrüstung dabei zu haben.
Diesmal war die Vorbereitung der Ausrüstung richtig und trotzdem passierte wieder ein ähnliches Missgeschick, Andi vergaß seine winddichte Jacke und es mußte die im Wagen vorhandene, unübersehbare Baustellenkleidung zur Substitution gegen den eisigen Wind herhalten.

auf der Niederen Munde, Zeit für bessere Kleidung

auf der Niederen Munde, Zeit für bessere Kleidung

Wieder machte uns der Föhn aus Südwesten den Anstieg am schutzlosen, von Unterholz völlig freien Westrücken den Anstieg schwer. Knapp unter der niederen Munde begannen die Windböen ihr anschiebendes Treiben und bereits am Sattel fanden wir uns in wenig überraschend tiefem Schnee, nachdem am Aufstieg vom Parkplatz vor dem Strassberghaus Windstille geherrscht hat. Eine ähnliche Situation wie sie oft am Lafatscher Joch anzutreffen ist, an diesem Tag auf der Niederen Munde mit heftigen Auswüchsen. Zusätzlich verwandelte der Schnee der letzten Tage die Tour im oberen Teil fast in eine Winterbegehung, die aus der an sich leichten Tour an zahlreichen Stellen eine schwierigere machte.

der klate Föhn fährt ins Gebein

der kalte Föhn fährt ins Gebein

Generell kann die Empfehlung ausgesprochen werden die Hohe Munde nicht bei kaltem herbstlichem Föhn zu besteigen. Am kahlen Westrücken gibt es keinerlei Erleichterung vor dem Wind, man ist im schutzlos ausgeliefert und zwar über die gesamte Strecke bis zum Gipfel, sieht man von der Durchquerung des Rauhen Tales ab, in dem wir – an diesem Tag zumindest – den Föhn kaum zu spüren hatten.

schutzlos vor dem Wind am Rücken bergauf

schutzlos vor dem Wind am Rücken bergauf

Wer an der Beschreibung des unteren Teils vor der Niederen Munde interessiert ist möge den Link zum Beitrag Hohe Munde – leider vereitelt lesen. Dieser Beitrag befaßt sich mit dem oberen Teil ab dem Sattel der Niederen Munde bis zum Westgipfel.

Ostwärts nach dem Sattel erstreckt sich zunächst ein welliger Rücken mit eigenartig angelegtem Steig, oder besser Steige zuhauf und die meisten markiert – die Wahl hier ist dem Unkundigen nicht immer schlüssig – zur ersten markanten Felsstufe, bei der letztlich alle Varianten zusammenführen.

Die Felsstufe ist mit einigen Markierungstangen versehen, was den Vorteil hat sie auch bei Schnee noch gut gefunden werden. An unserem Tag war bereits einiges an Schnee der vorausgegangenen Wetterstörung liegengeblieben, durch den heftigen Wind jedoch am Westrücken bis zum ersten Schartl hinauf nicht viel.

rutschige Flanke nach dem Schartl

rutschige Flanke nach dem Schartl

Spätestens nach dieser Felsstufe mußten wir Handschuhe, Mütze und Windstopper anlegen, der eisige Wind dürfte 60km/h deutlich überschritten haben und er blies konstant.
Andi war allzeit gut zu sehen. Die speziell dafür geschneiderte Warnkleidung tat aber auch ihre zweite Wirkung, er beklagte kein Kältegefühl und da der Wind Unterhaltungen erschwerte sowie der Gipfel anstelle einer Modeschau erklärtes Ziel war entstand auch kein großartiges Palaver darüber.

bei Schnee die besonders rutschige Steilfläche nach der Scharte

bei Schnee die besonders rutschige Steilfläche nach der Scharte

Mit der zunehmenden Schneelage vor der ersten leichten Kletterstelle stieg auch eine gewisse Gefahr durch den teilweise eisigen und daher rutschigen Untergrund deutlich an. Nach der verseilten und mit Klammern versehenen glatten Felspassage hinter der ersten markanten Scharte verloren die Tritte  deutlich an Verlässlichkeit auf einem Untergrund, der schneebedeckt und unterhalb aber auch teilweise eisig sich präsentierte. Speziell die ersten paar Minuten nach dem Ende des Seiles, in dem generell nicht sehr griff- und trittreich ausgebildeten Plattengelände mußten wir förmlich wie blind nach verlässlichem Halt suchen und nicht selten rutschte ebenso vorhandenes und nicht sichtbares Geröll bei Belastung noch nach. Diese Passage soll hier besonders erwähnt sein.
Mit dem Nachteil das Gelände ohne Schnee nicht zu kennen tasteten wir uns so bis zum wieder besser begehbaren oberen Teil des Rückens hinauf.

die kritischen Passagen oberhalb der Scharte

die kritischen Passagen oberhalb der Scharte

Oben angekommen wird das Gelände interessanter. Ein letzter kurzer Aufschwung führt auf die erste, leichte Gratpassage an deren Ende es auch schon in das sogenannte „Rauhe Tal“ hinabgeht.

Abwechslung am Gratstück

Abwechslung am Gratstück

Das Rauhe Tal ist eine karartig ausgebildete breite Mulde im Gratverlauf zwischen dem Westrücken und dem fast quer dazu stehenden Gipfelaufbau der Hohen Munde. Man durchschreitet es im Abstieg über ca. 90Hm und an seinem Ende wieder mit steilem Aufstieg auf Grathöhe, jedoch nicht wieder auf den Grat selber sondern an der Westflanke des Hauptmassives, um den scharfen, fast horizontalen Verbindungsgrat zwischen Westrücken und Hauptmassiv südseitig zu umgehen. Darüber gibt es zwei Fotos in der Galerie bei denen zu beachten ist, daß sie der Eindruck der Höhenverhältnisse und der Geländesteilheit nicht korrekt wiedergegeben werden und sie nur der Orientierung dienen.

hinab ins Rauhe Tal

hinab ins Rauhe Tal

Der Abstieg ins Rauhe Tal ist gut verseilt, teilweise, an kritischen Stellen wurden Klammern angebracht und der Abstieg erscheint nicht so tief wie angegeben. Mittig in der Durchquerung litt die Verseilung kürzlich durch einen massiven Felssturz, der das Seil abgeschlagen hat. In dieser Passage herrscht  jedoch normales Gehgelände wodurch keine Schwierigkeiten angetroffen wurden (später erfuhren wir am Abstieg, daß der Steig deshalb gesperrt ist).

die Westflanke gerade erreicht

die Westflanke gerade erreicht

Am anderen Ende des Rauhen Tales steigt man ein paar Meter in einer schluchtartigen Verschneidung einer Störzone hinauf, bevor der Aufstieg in der weiten Westflanke beginnt. Die Flanke ist steil und leichte Klettereien neben der Verseilung begleiten den gut 100Hm messenden Anstieg zum Gipfelgrat. In dieser Wand sind einige Stellen, die bei unseren Verhältnissen mit in dieser Höhe bereits an die 30cm Schnee nicht ganz einfach sind, aber auch keine besondere Herausforderung darstellen.

Andi mitten in der Westflanke

Andi mitten in der Westflanke

Oben, am Ausstieg aus der Wand, am beginnenden leicht steigenden Gipfelgrat gibt es nochmals eine Stelle an der man gut daran tut bei Schneelage mit beiden Händen das Seil zu verwenden. Das Gelände war dort wieder recht rutschig und die Nordabbrüche unmittelbar unterhalb des Steiges zwangen ebenso dazu.

 

die Verseilung ist hier im Winter sehr notwendig

die Verseilung ist hier im Winter sehr notwendig

Die restliche Strecke zum Gipfel vollzieht sich durchwegs am Grat dahin, das Gipfelkreuz steht nicht an der höchsten aber an der strategisch wichtigen Stelle.

Gipfelgrat zur Hohen Munde

Gipfelgrat zur Hohen Munde

Am Weg dorthin warteten schon eine gute Handvoll Bergdohlen, die ihre eindrucksvollen Startabdrücke im Pulverschnee hinterließen.

Dohlenstartplatz

Dohlenstartplatz

Der Wind hatte zum Glück seit dem ersten Gratstück stetig nachgelassen, aber trotzdem machten wir es uns auf der Leeseite im Osten des Gipfelkreuzes bei nahezu Windstille auf einem Balken des wahrscheinlich alten Gipfelkreuzes gemütlich und hatten unseren Spaß beim Zusammenwirken von Mut und Angst beim Füttern der Dohlen aus der Hand heraus.
Vom Parkplatz bis zum Gipfel hatten wir dreidreiviertel Stunden benötigt.

Manuel und Andi am Gipfel

Manuel und Andi am Gipfel

Trotz der vorhergesagten ausbleibenden Fernsicht für diesen Tag hatten wir Glück indem sich die Gipfel weit in den Osten ins Karwendel und auch passabel weit in den Westen klar abzeichneten. Die Sicht in den Süden hingegen war in der Tat deutlich schlechter.

die Granden des Karwendel im Winterkleid (Ödkarspitzen, Birkkarspitze und rechts Kaltwasserkarspitze)

die Granden des Karwendel im Winterkleid (Ödkarspitzen, Birkkarspitze und rechts Kaltwasserkarspitze)

Die Region um die höchsten Karwendelgipfel wird heuer wohl nicht mehr mit Sommerausrüstung begangen werden können, hier ergeben sich nun viele Wochen Ruhe, bevor man die Seekarspitze als Schitour unternimmt.

über den Ostgipfel auf Seefelderspitzen und Nordkette geschaut

über den Ostgipfel auf Seefelderspitzen und Nordkette geschaut

Der Ausblick auf das Zugspitzplatt und die Wetterstein Gipfel war phänomenal, und wenn man sich rundum zur Fernsicht drehte und nicht wüsste, daß man auf festem Fels stehe, könnte man für einen Moment glauben man säße in einem Ballon und stünde in den Lüften hoch über Telfs.
Für dieses Gefühl hat sich die Hohe Munde alleine schon gelohnt.

Dreitorspitzen

Dreitorspitzen

Den Ostgipfel und die Überschreitung wollten wir unter diesen Verhältnissen nicht unternehmen, dies Vorhaben wird einmal in eine Trainingstour im Frühsommer verpackt und vielleicht hier berichtet.

Mieminger Kette und das Zugspitzplatt

Mieminger Kette und das Zugspitzplatt

Am Abstieg stieg Manuel vor, Andi und der Verfasser rätselten über die beste Möglichkeit den Verbindungsgrat zwischen Westrücken und Westflanke zu begehen. Es scheint zu Beginn eine nicht ganz einfache Scharte zu geben, der Mittelteil erscheint einfach und die Schwierigkeiten dürften in der letzten Steilflanke des Absteiges, vor der Schartenverbindung mit der Westflanke zu liegen. Er erscheint aber generell machbar und da er uns schon im Aufstieg anzog wird es wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis wir das Abenteuer nach weiterer Vorbereitung wagen werden.

Fütterung kecker Dohlen vertreibt Zeit am Gipfel

Fütterung kecker Dohlen vertreibt Zeit am Gipfel

Die Abstiegszeit soll durch die Umgehung im Rauhen Tal ebenfalls nicht unterschätzt werden. Wir mußten uns aufgrund der Schneelage in der Westflanke und auch auf dem zuvor als rutschig beschriebenen Hanges oberhalb der ersten Scharte mehr Zeit lassen als normal notwendig und so beendeten wir die Gesamttour in siebeneinhalb Stunden incl. aller Pausen (am Gipfel ca. 40min) und Umziehvorgänge.

ein paar Stellen mit Biss bei Schneelage

ein paar Stellen mit Biss bei Schneelage

Am Abstieg hatten wir noch das Glück ein Adlerpärchen zu sichten das in einer Höhe von weniger als 100m über uns hinwegzog, sowie, daß der Wind fast völlig zusammenbrach, unterhalb des ersten Felskopfes nach der Niederen Munde konnten Mütze und Handschuhe verstaut werden, trotzdem die Bewölkung von Westen her deutlich zuzog und über dem Lechtal Schauer zu beobachten waren.

Andi analysiert den Verbindungsgrat

Andi analysiert den Verbindungsgrat

Fast hätte und dann noch ein kleiner Guss erwischt, der sich aber nach einer guten Viertelstunde auflöste und sich weitgehend blauer Himmel auftat, als wir im Strassberghaus einkehrten, Manuel dort Schmarrn mit Bier genoss und alle von der Tour angetan waren.

vor der letzten Steilstufe angekommen

vor der letzten Steilstufe angekommen

Gesamt sind rd. 1.700Hm laut Höhenmesser und rd. 13km zu bewältigen. Die Aufstiegszeit wird mit vier bis viereinhalb Stunden ab den Parkplätzen angegeben.

Mils, 23.10.2016

 

Hohe Munde, leider vereitelt und umdisponiert

Der Plan, die beiden Gipfel der Hohen Munde heute zu besteigen scheiterte an dem beißend kalten Wind, der mir so klamme Finger bescherte, die sich zwischen Schmerz und Abnehmen anfühlten.
Alle Windstopper, die ich zur Verfügung hatte taten ihren Dienst, nicht jedoch die löchrigen Kletterhandschuhe. Bei der ersten Verseilung auf ca. 2.550m, ca. 120m unterhalb des Westgipfels mußte ich umdrehen, da vernünftiges Greifen nicht mehr möglich war. Im Restschnee konnte man keine Sohlenabdrücke hinterlassen, es dürfte einiges unter Null gewesen sein und der breite Rücken des Westgrates ist so ohne Deckung, daß der Wind unerbittlich zuschlagen konnte.
Damit hatte ich am Morgen, bei der Wetterbegutachtung, nicht gerechnet.

Beginn Seilsicherungen

Beginn Seilsicherungen

Beide Gipfel laufen mir aber nicht davon und die Tour wurde kurzerhand zur aussichtsreichen Almenwanderung umfunktioniert.

Der Aufstieg begann um 9 Uhr am unteren Parkplatz auf der Schotterstraße zum Strassberghaus, den man über den Ortsteil Lehen – St. Veit erreicht. Diese Ortsteile fährt man am besten von der Autobahnausfahrt Telfs Ost aus an. Mich kostete das Befolgen der meisten Beschreibungen im Internet eine gute halbe Stunde, da ich diese Ortsteile über die Ausfahrt Telfs West angefahren bin und dann vor einer Straßensperre gestanden bin. Das Navi zeigte mir keine Alternative und so mußte ich mangels Einheimischen um 8:30 probieren einen Weg zu finden.

Hohe Munde im Morgenlicht

Hohe Munde im Morgenlicht

Es gibt mehrere Parkplätze und sie kosten den Bürger (noch) nichts – hier können sich andere Gemeinden, die ganze Täler selbstherrlich abriegeln, etwas abschauen.
Das Strassberghaus mit der Abzweigung ist in wenigen Minuten erreicht und auf dem Foto bin ich bereits am Weg zur Niederen Munde und ca. 50Hm über jenem.

Der Aufstieg vollzieht sich im unteren Teil weitgehend in üppig gefärbtem Mischwald bis ca. 1.600m, dann beginnt der Latschengürtel mit teilweise offenen Bergwiesenflächen.

Wegweiser, dem ich später nach Westen zum Alpl folgen sollte

Wegweiser, dem ich später nach Westen zum Alpl folgen sollte

Die Niedere Munde (2.059m) war in eineinhalb Stunden erreicht und auffrischende Böen veranlaßten mich zur Jacke und zu den leichten löchrigen Kletterhandschuhen zu greifen.

auf der Niederen Munde, Blick zur Hohen Munde

auf der Niederen Munde, Blick zur Hohen Munde

Der breite, runde Gratrücken ist prädestiniert, daß der Jochwind ungebremst und über die gesamte Gratlänge darüber hinweg fegt und das mußte ich eine dreiviertel Stunde bis zur Rückzugsentscheidung spüren.
Als ich das Seil sah stand die Entscheidung schnell fest, da ich nicht in der Lage sein würde das Seil, oder auch den Fels vernünftig zu greifen.

Beginn Seilsicherungen

Beginn Seilsicherungen

Vorher wurden aber noch ein paar Bilder von der Umgebung angefertigt. Mit diesen Perspektiven des Karkopfes und der Hohen Wand stand für mich schon bei klirrender Kälte dort oben fest, daß diese beiden Gipfel in meine Besteigungsliste Eingang finden werden. Ist das nicht ein grandioser Anblick?

im Vordergrund der Karkopf, 2.569m, Hohe Wand, 2.715m rechts und Hochplattig, 2.698m links

im Vordergrund der Karkopf, 2.569m, Hohe Wand, 2.715m rechts und Hochplattig, 2.698m links

Mit dem Grat der Judenköpfe links wird das Alpltal gebildet und die heimelige Ähnlichkeit mit dem Halltal gen Stempeljoch ist frappierend. Diese Berge müssen begangen werden!

Zugspitzmassiv

Zugspitzmassiv

Zunächst jedoch meldeten die Finger, daß sie kaum das Knöpflein der kleinen Japanerin gefunden haben, mit dem sie nach den Aufnahmen wieder ausgeschaltet wird. Ohne das Notstirnband im Rucksack denke ich hätte ich beim Schreiben dieser Zeilen bereits die Anzeichen einer Mittelohrentzündung  verspürt. Unglaublich diese Temperaturunterschiede, denn zurück am Joch, der Niederen Munde, konnte ich mich knapp unterhalb am fast windstillen Steig in den Latschen bereits wieder aller Kleidung entledigen.

Wettersteingebirge

Wettersteingebirge

Beim Wegweiser nahm ich dann den Steig zum Alpl, denn der Tag war noch jung und mußte genützt werden. Diese Entscheidung sollte ich nicht bereuen, denn er verläuft mit wenigem Auf und Ab durch eine farbenfrohe herbstliche Alpinlandschaft auf einem durchschnittlichen Niveau von 1600m und fällt gegen das Alpltal hin auf 1.500m zur Alplhütte ab.

Richtung des Steiges zum Alpltal

Richtung des Steiges zum Alpltal

Das Alpltal erreicht man nicht sofort, vorher gilt es einen weniger und einen stark ausgeprägten Rücken abzuschreiten, die vom Karkopf herabziehen. Alles jedoch mit moderatem Höhenverlust.

bizarre Breccienfelsen bildeten die Eiszeiten im Schatten der Fließrichtung aus

bizarre Breccienfelsen bildeten die Eiszeiten im Schatten der Fließrichtung aus

Bevor man die Bergrückenkante überschreitet, die erstmals den Blick auf das Alpltal freigibt findet man rechter Hand abzweigend noch einen vielversprechenden Steig, den vielversprechenden Edi Dengg Gratlsteig. Dieser muß auch ins Repertoire dachte ich mir. Der ist sicher sehr schön über die kleinen Grattürme bis zum Steig auf den Karkopf.

Abzweigung "Edi Dengg Gratlsteig"

Abzweigung „Edi Dengg Gratlsteig“

Knapp nach dieser Stelle sieht man in das malerische Alpltal hinunter und unten bei der Hütte hat man einen grandiosen Blick auf die Mieminger.

das Alpltal

das Alpltal

Von dort ist es noch ca. eine knappe halbe Stunde bis zur Hütte.

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Mittig in der Mieminger Kette erkennt man die Alpl Scharte (Bildmitte), rechts davon die Hohe Wand und links davon den gewaltigen Hochplattig. Im Bild ganz links sieht man die Juden- und die Zwölferköpfe, die man von der Alplhütte aus auf einem Steig umrunden kann.

Alpbachsteig, sicher recht interessant für Kinder

Alpbachsteig, sicher recht interessant für Kinder

Am Abstieg, nach einer Stärkung in der Alplhütte mit dem unglaublichen Panorama auf die Mieminger Kette, entdeckte ich noch einen interessanten Steig durch das trockene Bachbett. Die Kalkblöcke vermitteln einen gewaltigen Eindruck von den Kräften, die hier im Spiel sind.

Mit dem Abstieg zum Strassberghaus und zum nahegelegenen Parkplatz beendete ich meine Runde nach 5 3/4 Stunden und 1.475Hm.

Mils, 14.11.2015