Schitour Pirchkogl und Hochalter

Die kleinen 850Hm vom Parkplatz oberhalb der Dreiseenbahn bis auf den Pirchkogl erschienen etwas gar wenig und darum habe ich die schöne Tour mit einem zweiten Ziel, dem Gipfel des Hochalter, kombiniert.

Pirchkogl, 2.828m Hauptgipfel vom nördlichen Vorgipfel aus gesehen

Diese Kombination stellt auch keine außergewöhnliche Mehrarbeit dar, der zusätzliche Aufstieg beträgt gerade einmal 280Hm, bzw. je nach Schneelage im Frühjahr vielleicht sogar geringfügig mehr.

das Ziel im Hintergrund, der Pirchkogl

Die Wetterlage – ein makelloses Zwischenhoch nach massiven Schneefällen zu und nach Ostern im heurigen verkorksten Winterfrühjahr – erforderte unbedingtes Ausrücken bei ungetrübt blauem Himmel. Im Aufstiegsgelände auf der Piste, nördlich der Bundesstraße in Kühtai war kaum ein dunkler Fleck zu erkennen, die Schneefälle der letzten Tage waren ausgiebig genug.

die Finstertalseite um 9 Uhr vormittags

Kaum ein spürbares Lüftl begleitete mich nicht nur nach der ersten Steilstufe über die „Stockacher Böden“ sondern auch den ganzen Tag über.
Die Lifte geschlossen, der Winterrummel versiegt, in herrlicher Ruhe mühten sich heute Vormittag, ja man kann sagen Dutzende, Tourengeher auf das Ziel, dem Pirchkogl.

der Hochalter, zweites Tagesziel heute

Die Beschreibung der Tour kann kurz gehalten werden, da sie nach Erreichen der Bergstation des Schwarzmoos Schleppliftes nahezu zur Gänze einsichtbar ist. Der zu bewältigende Anstieg von dort liegt in einer breiten Rinne und erreicht in etwa mittig, im schmalsten Teil der Rinne,  seine größte Steigung mit etwa 35°, über eine kurze Strecke.

der vom Tal aus nicht sichtbare Anstieg zum Pirchkogl

Oberhalb dieser Passage befindet sich ein kleines Plateau und generell wird der Restanstieg über die weiteren ca. 150Hm etwas flacher. Der rundlich breite Gipfel bleibt ab dort immer im Blickfeld, während der letzten Serpentinen des Anstieges.

Gelände oberhalb der Flachstelle

Den höheren Gipfel ziert leider kein Gipfelkreuz, dieses befindet sich etwa 25m tiefer, möglicherweise der Sichtbarkeit vom Tale wegen auf dem etwas nördlich davon gelegenen Vorgipfel. Natürlich muß dieses auch besucht werden, kein Gipfelsieg ohne Berühren des Kreuzes (hierzu kann man auch aufgefellt vom Hauptgipfel abfahren und mit Fellen somit wieder den Gegenanstieg überwinden.

der Vorgipfel im Norden, vom Pirchkogl aus

Der schöne Osthang vom Pirchkogl war heute schon recht zerfahren, aber auf der südlich gelegenen Nordflanke des Hinteren Grießkogl fanden sich noch ein paar schöne Schwünge zum Karkessel hinab.

Inntalblick vom Vorgipfel aus, Kloster Stams tief unten

Die reine Tour auf den Pirchkogl würde hier wieder auf den Pisten des Schigebietes nach Kühtai hinunterführen. Da der Tag nach diesem kurzen Tourenerlebnis jung ist kann man – bei zweifelsfreien Bedingungen – den Hochalter mitmachen und zur Hütte im Westen abfahren und erreicht diese fast ohne anschieben. Die Hütte ist eine Limnologische Forschungsstation am Gossenköllesee der Uni Innsbruck und liefert seit Jahrzehnten wichtige Daten zum Klimawandel.

Rückblick vom tiefsten Punkt am Anstieg zum Hochalter

Bei der momentanen Schneelage mußte ich noch weitere 20 bis 30m Höhe einbüßen, um den aperen Teil des nun folgenden Rückens (ein Gratausläufer vom Punkt 2.757m nach Süden herab) zum Hochalterkar unten zu umrunden.

dieser Rücken zum Hochalterkar muß überwunden werden

Recht steil geht es anschließend rund 50Hm hinauf zum Hochalterkar, das rasch nordwestwärts durchschritten wird, bis die Bergstation des Hochalterliftes erreicht wird.

Hochalterkar mit Hochaltergipfel

Von dort kann durch die Lawinenverbauungen bis zum letzten Teiles des Steilhanges zum Gipfel angestiegen werden. Nach den Lawinenverbauungen hält man sich knapp unter den Felsen und muß unterhalb des Gipfelaufbaues den Steilhang queren. Hierzu sind sichere Verhältnisse notwendig.

steiler Anstieg zum Hochalter durch Lawinenverbauungen

Die Alternative wäre, daß vom Hochalterkar aus nicht weiter angestiegen wird, sondern über die Piste bis zu einer kleinen Flachstelle des Steilhanges gequert wird und von dort der Gipfelhang ebenfalls in Spitzkehren in Angriff genommen wird. An Steilheit steht diese Variante aber der anderen nichts nach, daher ist ein früher Aufstieg ratsam und Vorsicht bei zweifelhaften Verhältnissen geboten.

Gipfel des Hochalter, 2.768m

War man eine gute Stunde vorher noch am Westlichen Ende steht man nun am östlichen Ende der Irzwände und kann diese bizarren roten Erscheinungen von Amphibolit (selbes Vorkommen auch tief im Ötztal) in ihrer vollen Pracht betrachten. Der Gipfel ist nicht sehr populär und, ob der Steilheit, auch nicht jedermanns Sache, weswegen ich ihn alleine für mich in Anspruch nehmen durfte.

Schartlestal nördlich nach Stams hinab

Der Blick vom ebenfalls nicht mit einem Gipfelkreuz gezierten Hochalter nach Norden eröffnet Einsicht in ein wunderbares Tal, das von Stams heraufzieht und in dem es die Rundtour vom Pirchkogl über das Schneetal und um den Rücken des Hochwanner herum gibt und deren Anstieg aus Norden auf dem ebenfalls sichtbaren Kreuzjoch wieder in das Kühtai herüberführt. Vom Kreuzjoch kann auch der Hochalter begangen werden (eher nur bei Firn im Frühjahr), die Normalvariante der Umrundung endet bei den Lawinengalerien der Zirmbachalm.

Blick in die Zirmbachalm mit Riezer Grießkogl und Anstieg vom Kreuzjoch (links vom Bild nicht mehr sichtbar

Der Schi habe ich mich im Sattel vor dem Gipfelaufbau entledigt und die letzten 40Hm zu Fuß bewältigt, da der Hang ab dort schon sehr steil ist und der Aufstieg mit Schi kein Vergnügen ist.

Schidepot und Abfahrtsgelände vom Hochalter

Also hinab zum Schidepot und abgefahren über den Steilhang, der unten flacher wird und einen Rücken ausbildet, der am zuvor beschriebenen flachen Köpfl endet. Von hier kommt man scharf westlich wieder zur Schipiste und hinab nach Kühtai.

Abfahrt vom Hochalter im Rückblick

Die schöne Runde nahm incl. Besuch des Vorgipfels am Pirchkogl knappe 4 Stunden in Anspruch, dabei wurden gut 1.170Hm bewältigt.

Mils, 20.04.2017

 

Schitour Kraspesspitze – von Kühtai über Schartenkopf

Auf einen knappen Dreitausender führt die Schitour auf die Kraspesspitze und eine besonders reizvolle Variante davon ist die Begehung über die Finstertaler Scharte, bei der man auch den Schartenkopf mitnehmen kann.

Kraspesspitze 2.953m, im Hintergrund Horlachtal nach Niederthai

Diese Tour kombiniert man am besten mit der Abfahrt von der Kraspesspitze über das gleichnamige Tal nach Haggen; diese Tour stellt sozusagen eine kleine Überschreitung dar, wenn auch keine direkte Gratüberschreitung.

Bei der Dammkrone, der Schartenkopf knapp rechts der Bildmitte zu sehen, die Kraspesspitze beleuchtet in Bildmitte des linken Bildteiles

Nach den ergiebigen Schneefällen um und nach Ostern kam diese Tour heuer in jedem Fall noch in Frage, auch wenn über 2.800m LWS III angesagt war. Die Hangneigungen im Aufstieg sind moderat. Lediglich die Abfahrt durch die Steilrinne östlich der Scharte nach dem Gipfelaufschwung und die Steilstufe nach dem Kraspessee erfordern sichere Verhältnisse. In unserem Fall waren diese Hänge sehr stark zerfahren, sodaß sie als wenig gefährlich eingestuft werden konnten.

Abzweigung am Schafleger beim sichtbaren Tourengeher nach links zur Finstertaler Scharte

Um 7:30 ab der Bundesstraße oberhalb des Dreiseenliftes und bei strahlendem Wetter aufgebrochen erreichten wir noch im Schatten die Dammkrone des Stausees und dessen hinteres Ende. Bis hierher waren die Schneeverhältnisse bereits perfekt, wenn auch noch etwas hart.

nach der Steilstufe am Schafleger nun am Beginn des Kessels zur Finstertaler Scharte

Kurz nach dem Beginn des Schaflegers, der aufsteigende Hang am Südende des Stausees, zweigt die Tour von der geraden Linie durch das Tal des Gamezkogelferners und auf den Sulzkogel links ab und führt in Spitzkehren nach Ost drehend in eine Art Hochtalkessel, der den Tourverlauf dann in weitem Bogen wiederum nach Süd und am Ende – an der Finstertaler Scharte angelangt – nach West vorgibt.

Aufstiegsgelände im Kessel, in Bildmitte die Finstertaler Scharte

Wir sind am Ende des Kessels dabei recht weit an den umrahmenden steilen Hängen – der bereits breit angelegten Aufstiegsspur gefolgt – und am Ende in einer steilen Querung aufgestiegen. Bei entsprechender Lawinengefahr kann man den Kessel auch weiter in seiner Mitte begehen und der steilen Querung etwas ausweichen.

Aufstieg unterhalb der Wände in steilen Hängen

Auf der breiten Finstertaler Scharte gibt es nun die Möglichkeit den Anstieg über ca. 70Hm auf den Schartenkopf mit zu machen, bevor jenseits der Scharte über die „Toten Böden“ eine kurze Abfahrt über ca. 80 bis 100Hm vonnöten ist, um um den Gratrücken zu umfahren, der den Beginn des Aufstieges zur Kraspesspitze in einem weiten, mäßig steilen Tal bildet.

in der Finstertaler Scharte zum Schartenkopf geblickt

Der Schartenkopf (die Literatur und das Internet wetteifern darum, ob Schartenkopf oder -kogel; in diesem Bericht wurde für die AV-Variante entschieden)  ist ein gipfelkreuzloser flacher „Kopf“ von dem aus sich eine recht schöner Rundblick auftut und die kleine Mühe deshalb nicht gescheut werden soll. Weiters wird das Abfellen für die Abfahrt etwas weniger als lästiger Aufwand empfunden, als wenn diese Handgriffe „nur“ für die kurze Abfahrt von der Scharte zu erledigen wären.

Das „Weite Kar“ im Süden von der Scharte aus

Vom Schartenkopf aus nach Süden geblickt eröffnet sich ein eindrucksvoller Blick auf das breite, lang und mächtige Zwiselbachtal mit der Schweinfurter Hütte zu Beginn und gewaltigen Gipfeln von Dreitausender wie Winnebacher Weißkogl, Larstigspitz und Breiter Grießkogel, zu dessen Ende.

Tolle Blicke nach Süden in das lange Zwiselbachtal mit den mächtigen Gipfeln am Ende

Die bergsteigerisch wenig bedeutenden, dennoch aber von schön anzusehenden, plattigen Felsgestalten gebauten drei Gamezkögel werden im Westen gesichtet und etwas nördlicher, tief unter dem Schartenkopf liegt einem das Finstertal und der Gamezkogelferner zu Füßen. Der östlichste der drei Kogel, über einen leichten Grat an den Schartenkopf anschließenden,  ist das von der Staumauer schon markant sichtbare Gamezkögele, oder, treffender genannt, der Finstertaler Fernerkogel.

die Gamezkögl und rechts der Sulzkogl

Eine kurze Abfahrt vom Schartenkopf über die Finstertaler Scharte führt zum unteren Ende des Gratrückens, der von einem Felssporn im Verbindungsgrat zur Kraspesspitze herunterzieht. Die Geländehöhe unterhalb des Gratendes, um den man herumgehen muß, beträgt ca. 2.680m und somit verbleiben zum Gipfel der Kraspesspitze ca. 270Hm Aufstieg.

Finstertaler Scharte und Abfahrt zum Tiefpunkt im Weiten Kar

Das seinem Namen gänzlich Rechnung tragende „Weite Kar“ betritt man an dieser Stelle an seinem Hochpunkt und sieht gerne in das weit unten zur Zwiselbachalm mündende Hochkar.

Weites Kar in voller Pracht

Von hier beginnt der Aufstieg zur Kraspesspitze mit dem Auffellen im steilen Hang, das bei genügend Neuschnee durch treten eines Standplatzes kaum Mühe bereitet.

Aufstiegspunkt im steilen Hang unterhalb des Gratausläufers

Die steile Passage ist nach ein paar Minuten überwunden wenn ein unerwartet ausgeprägtes Flachstück erreicht wird, das einen talähnlichen Beginn des nachfolgenden ungebrochen recht konstant steigenden Hanges bis zum Gipfelkreuz der Kraspesspitze bildet. Diesen schönen Hang, der bei nicht sicheren Verhältnissen der Rinne ins Kraspestal als Alternative dient, sieht man auch im Aufstieg eindrucksvoll von seiner Seite von der Finstertaler Scharte aus und man kann sich von dort schon ausmalen, wie schön sowohl Aufstieg, als auch die Abfahrt im Vormittagslicht sein wird.

Aufstieg zur Kraspesspitze im Zoom

Zur Linken die Langschrofen, zur Rechten der Grat zwischen Weitkarspitzen und Zwiselbacher Roßkogel steigt man dem Ziel entgegen. im ersten Drittel des Grates nach Süden konnten wir von einer Scharte über eine der breiteren Rinnen des Grates kühn herabziehende Schispuren sichten, wonach sich also ein Duo die offensichtliche Kletterei von der Scharte bei der Kraspesspitze über die Weitkarspitzen und weiter bis zum Einstieg in die Rinne angetan hat. Oder es gibt einen Zugang von Osten.

im flachen Teil des Aufstieges zur Kraspesspitze

Am Gipfel der Kraspesspitze angekommen schlugen uns jene schon beim Aufstieg spürbaren unangenehm kalte Windböen von Süd entgegen, die einen gemütlichen Gipfelaufenthalt vereitelten. Also gab es lediglich das Gipfelfoto und ein paar einprägende Blick in alle Himmelsrichtungen, einen Gipfelschnaps und das Abfellen zu erledigen.

der Hang zur Kraspesspitze den man auch schon von der Finstertaler Scharte markant sehen kann

Sehr eindrucksvoll der Blick in Richtung Südsüdwesten über den großen Kessel des Kraspesferner hinweg der Lisenser Fernerkogel in 11km Entfernung, links davon die Rotgrubenspitze und rechts davon der Aufbau zum Zwiselbacher Roßkogel.

Blick auf den Kraspesferner mit Lisenser Fernerkogel in weiter Ferne und rechts der Zwiselbacher Roßkogl

Der Blick in die steile Abfahrtsrinne ins Kraspestal hinab zeigte schon genügend Spuren und die Rinne selber schien total zerfahren, weswegen wir auch beschlossen die geplante Rundtour fortzusetzen und die Abfahrt ins Kraspestal anzugehen.

Abfahrt über die steile Rinne und den Osthang ins Kraspestal

Mit klammen Fingern vom kalten Wind beim Abfellen, selbst nach der nur kurzen Weile von kaum einer Viertelstunde am Gipfel, ging es hinab zur Einschartung und zum Beginn der steilen Rinne ins „Wilde Kar“ hinab auf 2.910m.

Abfahrt durch den unteren Teil der steilen Rinne in das Wilde Kar

Die völlig zerfahrene Rinne, unten ein Couloir, hat ihre Ausrichtung nach Osten und erfährt somit nur in den Vormittagsstunden Bestrahlung mit einem für die Schneeverhältnisse ungünstigen Winkel und um dreiviertel zwölf Uhr erschienen die Verhältnisse gut geeignet für die Abfahrt.

Rückblick auf die steile Rinne vom oberen Teil des anschließenden Hanges

Der Schnee in der Rinne trotzdem etwas pappig, besserte sich weiter unten im breiteren Teil der Rinne beträchtlich, bis am Hang unterhalb der Schrofen schließlich wirklich toller Lockerschnee einige schöne Schwünge zuließ.

das Wilde Kar mit Blick ins Kraspestal und Haggen im Hintergrund

Im flacheren Teil des Wilden Kares bis unterhalb des Krapsessees und der nächsten Steilstufe herrschten dann firnige Verhältnisse mit gut tragfähiger Unterlage, was die weitere Abfahrt genüsslich gestaltete.

Die Abfahrt in das Wilde Kar in der Gesamtansicht im Rückblick

Die Steilstufe am Ende des Kraspestales war wieder geprägt von eher lockerem Schnee und unterhalb im flachen Talende begann dann – mit Ausnahme in der unbeleuchteten Enge der Zwinge-  wieder Firn bis zum Talanfang nach Haggen.

Querung der Steilstufe

Gefahren werden konnte gerade bis 200m vor die Alm in Haggen, der Weg im Lärchenwald war allerdings schon sehr steinig und mit jungen Schi sollte man hier eher Mitleid haben uns sie schultern.

die „Zwinge“ von unten betrachtet

Für die tolle Runde benötigten wir 5 1/4 Stunden, wobei die Aufenthalte auf beiden Gipfeln recht kurz ausfielen und kaum Trinkpausen eingelegt wurden.

Ausfahrt aus dem Kraspestal

Die Runde erstreckt sich über 1.150m vom Parkplatz Kühtai bis auf die Kraspesspitze mit dem kleinen Höhenverlust durch die Abfahrt nach der Finstertaler Scharte. Der Anstieg vom Parkplatz Kühtai auf den Schartenkopf beträgt lediglich 854m.

Kraspestal, die Kraspesspitze ist die zweite von rechts

Vorsicht: der rot gezeichnete Sommerweg im Kartenausschnitt in der Bildergalerie und die Bezeichnung „Kraspesspitz“ sind nicht richtig gezeichnet, es handelt sich dabei um die Nördliche Weitkarspitze /2.248m), der Gipfel der Krapesspitze (2.953m) ist etwas nördlich davon und die steile Rinne ist punktiert – für Steigspuren gekennzeichnet.

Mils, 22.04.2017

Schitour Grubenkarspitze, 2.663m

Inmitten des Herzens des Karwendels, im Roßloch, thront die Grubenkarspitze als östlichste Umrandung des Kessels, den das Roßkar bildet. Es gibt dort mehrere einsame Schitouren, wobei jene auf die Grubenkarspitze einen besonderen Reiz ausstrahlt, ist doch der letzte Gipfelanstieg im Frühjahr wahlweise als leichte Kletterei, oder über einen gut 40 Grad messenden Steilhang erreichbar, dem ein relativ langer, unschwieriger Gipfelgrat folgt.

Grubenkarspitze, 2.663m

Die Grubenkarspitze bildet  die höchste Erhebung im Roßloch und ihr Gipfelgrat ist bereits von weit außen im Hinterautal sichtbar Links, nördlich der Roßlochspitze kann man sie bereits kurz nachdem die Abzweigung der Straße ins Gleirschtal mit dem Radl geschafft ist erblicken. Diese Abzweigung, die Gleirschhöhe, stellt auch den Hochpunkt der Fahrt ins Hinterautal dar, rund 100Hm wurden bis dorthin von den Parkplätzen überwunden.

Anfahrt ins Hinterautal zur Grubenkarspitze

Daß die Strecke allein in die Nähe der Grubenkarspitze lang ist merkt man dann, wenn man um kurz nach 6 Uhr früh – ein späterer Aufbruch rächt sich mit ungünstigen Schneeverhältnissen bei der Abfahrt, allenfalls mit steigender Lawinengefahr, eher bricht man eine halbe Stunde früher auf – mit dem ungefederten alten Radl die ersten 10km hinter sich gelassen hat und – als Nichtmountainbiker – des Sitzens am harten Sattel überdrüssig wird. Die unangenehme Fahrt erstreckt sich aber zu Beginn des April 2017 bis ca. 1km vor die Kastenalm und somit über rd. 13km und gesamt gut 300Hm, weil nach der Gleirschhöhe eine Abfahrt von rd. 50Hm folgt.

Roßlochspitze, Bildmitte, mit unverkennbarem Grat und links der Anstieg auf die Grubenkarspitze

Mit fortschreitender Jahreszeit, wenn die Sonne den Talboden vom Schnee befreit hat kommt man mit dem Radl noch ca. 4km weiter auf den sogenannten „Hinteren Boden“ dem Talabschluß des Roßloches auf 1.440m.

knapp vor dem „Hinterer Boden“

Im April mußte ich jedoch knapp nach der Kastenalm aufgeben das Radl durch die immer wieder über längere Strecken auftretenden Schneefeldern auf der Straße durch zu schieben und erkannte erst bei der Ausfahrt, daß der Versuch so weit wie möglich zum Roßloch vorzudringen für die Ausfahrt keinen Vorteil brachte. Der Tipp ergeht also hier bei den ersten längeren Schneefeldern – i. d. Regel noch einige Hundert Meter vor dem Bachbett aus dem Birkkar – das Rad abzustellen und ab dort die Tragestrecke zu eröffnen.

Rückblick am Talende angelangt

Hat man diese ersten eineinhalb Stunden Radfahrt überstanden und wurde von vermummten, nichtgrüßenden E-Bikern mit echter Federung überholt, befindet man sich bereits voll im Tageslicht und kann sich anfangs April gegen dreiviertel acht Uhr am flach gehaltenen Weg ins Tiefste des Roßloches mitunter für ein paar Minuten direkter Sonnenbestrahlung erfreuen. Sofort aber endet das Vergnügen mit einem Hauch von ansteigendem Aufstieg bis zu einem kleinen Waldstück, nachdem die Route auf eine weite flache Ebene einmündet an deren Ende das Tal jäh zu Ende ist und gewaltige Lawinenreste von links und rechts herabgestürzt sind. Ein schauerlicher Anblick, selbst noch zwei, drei Wochen danach.

erster Aufstieg über Lawinenreste, Harscheisen sind bis auf 2.000m vorteilhaft

Ab dort, auf ca. 1.440m beginnt der anstrengende Aufstieg über gut 1.200m bis zum Gipfel der Grubenkarspitze.
Zunächst steig man auf der rechten Talflanke über Latschen und teilweise anstrengende, lockere Lawinenreste bis auf ca. 1.630m und kann – je nach Schneelage – den Abzweig des Steiges in das Bockkar (Ausgangspunkt für die Schitour auf die Lalidererspitze) ausmachen. Auf der bereits aperen Gegenseite, einem Südhang, zeichnet sich der Steig durch die Latschen gut ab.

die beiden Aufstiegsrinnen im ersten und letzten Drittel des Bildes gut auszumachen

Nach weiteren knapp 100Hm Aufstieges in der rechte Flanke sichtet man zwei Rinnen durch die Latschen wobei sich beide für den Aufstieg eignen, die südliche, höher gelegene aber auch für die Abfahrt. Wegen der besseren Einsicht von unten habe ich im Aufstieg die erste, schmalere, nördlichere Rinne genommen und mußte in der Hälfte die Schi in die Hände nehmen, so schmal wird die Latschengasse nach oben hin. Wahrscheinlich verhält es in der anderen Rinne für den Aufstieg nicht anders, für die Abfahrt, besser für das Abrutschen, ist sie jedoch breit genug und mißt an der schmalsten Stelle in etwa zwei Schilängen.

der unteren Rinne oberster Teil

Oberhalb der Schmalstellen steht man bereits auf 1.800m und kann in einer gewissen Erfreutheit auf das zwar anhaltend steile, aber dafür umso schönere untere Roßkar blicken, tolle Hänge die nun etwas rechts (südlich) haltend über eine als logisch erscheinende Route durch eine auffallende Rinne erstiegen werden.

oberhalb der Rinne – nun lacht das Herz

Nach weiteren gut 100hm taucht der begeisterte Bergsteiger in dauerhafte Sonnenbestrahlung und die zurückgelassenen kraftraubenden 450Hm  verschwinden aus dem Gedächtnis.

weiters Aufstiegsgelände – hier ca. auf 1.950m

Eindrücke, die sich nun in der wunderbaren Winterlandschaft des Roßkares auftun können in Wahrheit nur mit der Wortgewalt eines Dichters beschrieben werden, um ihnen Genüge zu tun.
Wohlgeformte weiße Kuppen tauchen in sanften Kurven ineinander und verbinden sich dazwischen im Absturz ihrer Seiten im Extremfall zu einem deutlichen und selbst in gleißendem Weiß farblich abhebenden Loch – eine schneebedeckte Doline, die klassische Karsterscheinung mit der jeder Karwendelgeher bestens vertraut ist.

die Scharte zur Roßlochspitze und links der Grat auf die Grubenkarspitze

Durch solcherart Blicke angeregt werden die letzten 500Hm bis zur Scharte zwischen der südlich gelegenen Roßlochspitze, deren Grat während des Aufstieges dauerhaft angesteuert wurde, und dem links, nördlich, abzweigenden Steilhang oder bereits aperen Grat zur Freude, auch wenn die Kräfte langsam abnehmen und die Sonnenbestrahlung zwischen 10 und 11 Uhr zu Trinkpausen zwingt.

Rückblick im kurzen Schatten der Roßlochspitze (ca. 10:30)

Auf der Scharte, auf 2.507m habe ich bereits entschieden, daß der  bereits apere Felsgrat in Angriff genommen wird, der Steilhang erschien mir um diese Tageszeit schon recht anstrengend angesichts der Kollegen vor mir und das Klettern liegt mir ohnehin, auch mit den aufgeschnallten Schi am nun schweren Rucksack.

der Steilhang, Neigung >40°

Der ca. 75m hohe erste Teil des Grates sieht unten leichter aus als er sich oben am Ende präsentiert wobei die Schwierigkeit unten kaum signifikant über den ersten Grad hinausgeht.

mittig am Grat, unterer Teil griffig

Im oberen Teil besteht die Schwierigkeit lediglich im Umstand, daß die Tourenschuhe für die glatten Platten nicht geeignet sind und es zum Spiel von Trittchen und Griffchen wird, um die letzten 10Hm bis zur Schneegrenze zu meistern. Ein kurzer Sprung nach links bescherte mir am Ende oben wieder guten Halt auf den letzten Metern. Einem Abrutschen könnte dort durch sofortiges Flachlegen begegnet werden.

oberer Teil des ersten Grataufschwunges, wenig griffig; das Rissl nach links genommen, am Ende ein kleiner Sprung über eine glatte Stelle

Am Ende der ersten Kuppe des Grates zum Gipfel befindet sich eine Steinschlichtung, vermutlich eine Art Wintergipfel, jedenfalls Schidepot.

Schidepot, ca. 2.583m

Der folgende Grat bis zum Gipfelkreuz ist keineswegs kurz und nimmt mindestens weitere 15min in Anspruch; trotzdem schaffte ich es um 10 vor 12 Uhr das noch tief eingeschneite Gipfelkreuz zu erreichen.

langer Grat zum Gipfel

Ein besonderes Erlebnis ist es die Gipfel der Roßlochumrahmung optisch abzugreifen, ein Zirkel mit gewaltigen 1,5km Radius und von Nördlicher Sonnenspitze bis zur Hochkanzel im Südosten 3,75km messend.

der nördliche Teil der Roßlochumrahmung

Im nördlichen Teil der Umrahmung thronen Bockkarspitze, Lalidererspitze und Dreizinkenspitze, letztere beiden weitere lohnende Tourenziele im Roßloch und herrlich anzusehen mit ihren weißen Mützen auf den Gratschultern.

Roßkar mit Roßloch 1.200m tiefer

Dazwischen das Bock- und das Roßkar, herrlichste Hochgebirgslandschaft noch immer tiefwinterlich weiß überzogen mit wenigen aperen schwarzen Stellen.

Grubenkar, unten das Ende des Vomperloches

Im Osten das Grubenkar einer weißen Zunge aus dem Schlund des endenden Vomperloches heraufschnellend gleich und im Süden die furchtbaren Abstürze des Grates von der Trattenspitze (mit dem Olperer im Hintergrund) über die Hohe Fürleg, die Fallbachkartürme über den König Bettelwurf bis zur Speckkarspitze.

Trattenspitze mit vorgelagertem Bockkarlturm bis zu den Fallbachkartürmen und dahinter der Olperer

Die trennenden Ketten zwischen den nördlichen Karwendeltälern, Johannestal, Laliderertal und die Eng sind bereits viel weniger von weißer Pracht bedeckt und der Nordhang zum Hochglückkar dürfte noch wenige Wochen als Schitour begehbar sein.

die Eng

Zurück vom Grat am Schidepot bei der Steinschlichtung lernte ich beim Gipfelschnaps Rainer und Peter kennen – zwei Kenner der Gegend – und trat mit den Kollegen bis zur Einkehr im Gh. Wiesenhof den Rückweg an.

der südliche Teil der Roßlochumrahmung – Hochkanzel bis Gamskarspitze, dahinter der Grat zwischen Speckkarspitze und Kl. Bettelwurf, dahinter die Stubaier…

Zunächst der Steilhang – für mich überraschend gut zu fahren – oben etwas aufgefirnt, unten etwas mehr und unter der Scharte um knapp 13 Uhr bereits etwas sehr weich aber tiefer wieder besser werdend.

des Steilhanges Mitte mit Grat ab der Scharte links unten

Das weite schön geformte Roßkar war teilweise recht gut zu fahren und man erahnte während der Abfahrt die weniger nach Süd geneigten Flächen der dünenartigen Landschaft, sodaß wir eine großteils tolle Abfahrt bis zu den Latschen hatten.

Abfahrtsgelände

In der steilen Rinne blieb ich mit dem Talschi hängen und vollführte einen tollen Salto mit dem Verlust des besagten Schis.

Als ich mich wieder aufraffte und aufsteigen wollte um den Talschi wieder anzuschnallen riefen mir die Kollegen von ca. 50Hm tiefer zu, daß ich an falscher Stelle suche. Gottseidank war ich nicht alleine, ich hätte den Schi dort oben mit Sicherheit noch lange gesucht; er sauste derart schnell hinunter, daß ich diese Blitzreise nicht vermutet hätte.

Blick auf lohnende Tourenziele, Lalidererspitze und Dreizinkenspitze

Im folgenden weichen Sulz unterhalb 1.800m machte jeder von uns Bekanntschaft mit dem nassen Schnee, teilweise durch fehlendes Drehvermögen der Bretter im schweren Sulz, teilweise durch einhakeln in Latschenbrücken, die, tückisch wie eine Schlinge, aus dem Schnee herauslugten und die Abfahrt auf den unrhythmisch geformten Lawinenresten, die wie eine erstarrte stürmische Meeresoberfläche sich zerzaust präsentierten bescherte uns eine schweißtreibende letzte Abfahrt zum Talboden.

obere Rinne perfekt zum abrutschen

Der Rest an Abfahrt bis zur Kastenalm besteht aus viel Schiebearbeit, die nach den Oberschenkeln beim Aufstieg nun die Schultermuskeln heiß werden ließen.

Peter im Latschenslalom

Mit einer ausgeklügelten Aufhängemethode schnallte ich Schi und Tourenschuhe auf das Radl und lediglich die Oberfläche des Schis der stramm mit der Sattelstütze verzurrt war erlitt durch die Vibrationen der langen Fahrt einen speziellen „Karwendelschliff“ bis zu unteren Schichten hinab und hat jetzt was zu erzählen. Vermeiden könnte man dies – als Tipp für alle, die ihre Schi nicht am Rucksack befördern wollen – mittels eines alten Fetzens als Trennschicht.

Rückblick auf ein gewaltiges Abenteuer

Die Freude über die gelungene Tour bei bestem Wetter und das mittlerweile brennende Antlitz bleiben bei der gemütlichen Ausfahrt aus dem frühlingshaften Hinterautal wohlerhalten und in dieser Stimmung erreichten wir gegen 15:30 die Labestelle, das Gh. Wiesenhof.

das Tourenziel in Bildmitte bereits in weiter Ferne

Aufstiegszeit ab Ankunft am Parkplatz knapp 6 Stunden, Gesamtzeit für die Tour ca. 9 1/2 Stunden, wobei der Abstieg und die Ausfahrt gemütlich absolviert wurde.
Gesamtstrecke mit dem Radl zwischen 26km und 34km, je nach Schneelage, Rest mit Schi.
Gesamter Höhenunterschied mit Gegenanstieg bei der Ausfahrt knapp 1.800m.

ein Vorschlag…

Der beste Zeitraum für die Tour dürfte April bis Mitte Juni sein, wobei gegen Ende Mai der Teil der Abfahrt schon zu leiden beginnen wird.

Mils, 09.04.2017

 

 

 

 

Schitour Wildlahnerscharte – Falscher Kaserer, von Schmirn

Eine klassische Frühjahrstour führt vom kostenlosen Parkplatz Toldern/Schmirn auf die Wildlahnerscharte und den Falscher Kaserer, wie sich der kleine Gipfel neben der Bergstation des Schleppliftes der Hintertuxer Gletscherbahnen nennt.

Gipfel Falscher Kaserer, 3.254m

Um gleich allen falschen Angaben im Internet zu entgegnen, der Parkplatz liegt auf 1.515m, der Falsche Kaserer hat eine Höhe von 3.254m und die Route weißt kaum einen einzigen Meter Zwischenabfahrt auf. Der Höhenunterschied beträgt also 1.739m.

Tragestrecke ab dem Parkplatz Toldern

Das Wildlahnertal ist ähnlich kupiert wie die klassischen Talaufstiege im Stubai, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt. So erfreut man sich nach den ersten 380Hm nach der kleinen Hütte eines ausgedehnteren eher flachen Stückes bevor es westseitig durch eine Rinne in der nächsten steilere Stufe zum sich weitenden Tal empor geht.

grandioses Panorama unterhalb der Hütte

Am heutigen Tag  in diesem außergewöhnlich schlechten Winter um – 7:35 gestartet – war ab dem Parkplatz eine ca. 100Hm messende Tragestrecke erforderlich. Man steckt sie allerdings leicht weg. Weiter oben mußte man nur noch weitere ca. 25m abschnallen und tragen. Die Abfahrt am Weg ist allerdings schon nur mehr die Pflugbreite der Schi breit, eine weitere Woche wird das weißgraue Bandl aber nicht mehr halten.

nach der Hütte das komplette Wildlahnertal zu Füßen – rechts steig man auf

Ab der kleinen Hütte herrschen aber noch tief winterliche Bedingungen, die Schneequalität ist gut, von rechts (westlich) sind schon ein paar ältere Lawinen abgegangen, die bei der Talausfahrt nicht übel zu queren sind. Übrigens präsentierte sich der Gesamte Aufstieg ab dem Anschnallpunkt als gefroren und fest.

zur Abwechslung die zweite Steilstufe – Rinne mit einer alten Lawine

Nach der zweiten Steilstufe empfing man heute leichte bis mittelstarke Windböen mit abwechselnder Windstille dazwischen, also ein recht angenehmer Aufstieg für die eigene Vorstellung nach dem unglücklichen Wetterbericht.
An Sonne allerdings mangelte es kräftig, das wäre für den Vormittag auch anders vorausgesagt gewesen. Dafür wiederum profitierte man hinsichtlich der Lawinenwarnstufe. Keine Sonneneinstrahlung ließ den oberen Teil der Tour (ab ca. 2,200m) nicht zu Firn auftauen und im unteren Teil waren die Verhältnisse bei der Abfahrt vor13 Uhr schon perfekt frühjahrsartig „schmierig“.

Rückblick auf ca. 2.100m

Eine große Anzahl an Tourengehern verließ den Aufstieg zur Linken, um den Kleinen Kaserer zu besteigen und so befand ich mich mitten im weiten oberen Wildlahnertal total alleine und genoss die Stille. Der Aufstieg ist mir von Blicken hinab vom Sommer vom Valsertal auf den Olperer bekannt und ich freute mich aufs Wiedersehen – der Olpererferner ist immer eine Freude anzusehen.

die Szenerie – links der falsche Kaserer, mittig im Nebel Olperer, rechts der gewaltige Fußstein

Quer von Osten herab zieht der Wildlahnergrat und wenn man ihn von der Kuppe aus, an dem der unterste Teil des Gletschers beginnt ansieht, dann kann man sich vorstellen warum die Namensgebung so bizarr ausfiel – wilde Lahnen mögen hier durchaus herabstürzen.

der Olpererferner von unten mit dem begrenzenden Wildlahnergrat

Der Gletscher wird im Winter eher in seiner Mitte begangen, die Aufstiegsspuren waren teilweise sichtbar und die logische Route konnte man bereits von unten erkennen. Von links, eben vom Wildlahnergrat sind über den Winter einige unangenehm zu gehende Lawinen heruntergegangen, wogegen die Mitte des kleinen Gletschers eine breite gut zu begehende Zunge bildet.

Rückblick vom oberen Teil des Olpererferners, rechts der Wildlahnergrat

Man möge seine Harscheisen nicht zuhause vergessen, die Steilheit und die Oberflächenbeschaffenheit der Schneedecke mitten im Gletscher sind prädestiniert auch Hartgesottene weich zu klopfen, wenn sie ohne Harscheisen aufsteigen und nach bereits gut 1.300m Aufstieg kann doch durchaus es auch etwas bequemer sein (vielleicht werde ich auch nur alt?).

der Saum des oberen Teiles des Gletschers

Der Gletscher stellt die dritte, steilste und längste Steilstufe dar, sie haben sich sozusagen von Beginn an selber gesteigert. Weiters ersehnt man am oberen Saum des Gletschers die vermeintlich „flache“ Strecke zur Wildlahnerscharte. Aber weit gefehlt, der Saum pflanzt sich nach dem Hauptteil des Gletschers weiter fort und endet nach lange nicht dort, wo man ihn immer wieder  vermuten möchte.

Gletscherbruch vom Olperer herab – Teilweise Felsbrocken über hunderte Jahre eingeschlossen

Endlich aber taucht nicht nur optisch die Antriebsstation des Schleppliftes auf, sondern auch das ab dort durchgehende und mit der Annäherung lauter werdende Surren des Elektromotors.
das einzig Gute an dieser Station ist, daß man hinter dem Liftwart eine vor den Windböen etwas geschützte Position in den Bauten der Station einnehmen kann, um die Felle zu verstauen und sich für die letzten ca. 30Hm ab der Wildlahnerscharte auf den Falschen Kaserer auf 3.254m vorzubereiten.

Die Wildlahnerscharte in Sicht

Ein freundlicher Wink zum Liftwart – wenn er sich denn einmal aus der Konzentration löst und hinter sich blickt – signalisiert den Freund und ein Danke für den Schutz (man dürfte dort nicht stehen…).

Blick vom Gipfel des Falschen Kaserer zum Großen Kaserer – er ist um 9m höher

Der Rundumblick war heute eben nicht so berauschend, aber nach der weiten Tour, satt über 3.000m erfreute er mich heute trotzdem. Dem zunächst freundlichen, dann zweifelhaften Wetter getrotzt, Vorhaben durchgezogen.

Rückblick auf den kompletten Aufstieg – das Wildlahnertal

Nicht wenige Bergsteiger wollten doch tatsächlich auf den komplett und dauerhaft in Nebel gehüllten Olperer, mich konnte er heute in keiner Weise locken. Viele Versuche wurden aber auch am Übergang vom Gletscher zum Fels abgebrochen wie ich während des kurzen Aufenthaltes beobachten konnte.

Olperer Nordgrat gegenüber

Die Abfahrt über den Gletscher mußte ich ob der diffusen Verhältnisse sehr bedacht ausführen, Nebel zog auch kräftig durch – der April hat soeben begonnen. In fast  Schrittgeschwindigkeit mußten manche Passagen befahren werden, besser wurde es ab dem Ende des Wildlahnergrates.

Rückblick auf den Falschen Kaserer knapp unterhalb des Wildlahnergrates auf 2.700m

Die weitere Abfahrt war sehr akzeptabel und wie bereits erwähnt mit leichtem Firn auf meist tragfähigem Untergrund, ideal zum Hinabschwingen wie im Buche.

vom Gasthaus Olpererblick mit Bier und Knödel

Die Aufstiegszeit bis zum Lift auf der Wildlahnerscharte betrug 3 3/4 Stunden, von dort zum kreuzlosen Gipfelchen des Falschen Kaserers knapp 10min. Höhenmeter: 1.738
Gesamtzeit mit Pausen und Abfahrt: 5 1/4 Stunden.

Mils, 01.04.2017

 

 

 

Schitour Eiskarspitze und Torspitze

Bei der Schitour zur Eiskarspitze und Torspitze startet man vom Lager Walchen aus direkt bei der Brücke über den Wattenbach links dem Bach einen schmalen Pfad ein paar hundert Meter entlang des Bachufers. Ende März erfolgt dies nicht mit angeschnallten Schi, sie werden geschultert.

Eiskarspitze, 2.610m Wattental

Am unteren Rand des folgenden Almgeländes der Stieralm entlang bis zum Waldweg zur Innerlannalm. Leider ist auch hier schon eine jahreszeitlich bedingte Tragestrecke ab dem Weg mit der Beschilderung entstanden, sie ist aber verschmerzbar, dauert sie kaum 10 Minuten.

Nach der Stieralm, von links unten kommt man an

Ab dem oberen Almgelände – genau nach kreuzen der beiden Wege zur Innerlannalm – ist das Abschnallen der Schi nicht mehr notwendig, wenn auch einige schon fast aperen Stellen mit schmalem Gang passiert werden.

Almgelände Zirmachalm

Vor den letzten Almgebäuden führt der Anstieg links in den Wald hinein, die Alternative ist eine leichte Abfahrt zur Alm und Aufstieg über einen schattigen Hang der sicher weniger Auf- und Ab auf den ersten 100Hm bedeutet als die Route in den Wald.

links in den Zirbenwald hinauf

Nach ca. 20min wird die Zirmachalm erreicht. Dort ändert sich die Route etwas nach Osten und über den Almgebäuden steig man Mittelteil weiter bis – wieder ca. 150Hm ab der Zirmachalm ein flacherer Hang mit kaum Baumbewuchs die weitere Richtung zum Joch vorgibt.

nach der Zirmachalm

Die malerischen Zirben enden hier und vor dem Bergsteiger liegt ein wunderbar gestufter Hang in winterlichem Kleid mit glänzender Oberfläche wo flach und auf die extreme Erwärmung hinweisend.

das Ziel vor Augen, ein schöner Hang voraus und perfektes Tourenwetter

Im Verlaufe des Hanges wird er moderat steiler und – leider konnte ich den See „in den Lacken“ nicht ausmachen – führt an dieser flachen Stufe vorbei in Richtung des Sattels zwischen Eiskarspitze und Torspitze. Wenig später erreicht man den Sattel von dem aus die Eiskarspitze nach Norden wendend über einen breiten Grat in einer für diese Gegend außerordentlich netten und leichten, ja nur ein Hauch von Kletterei in ca. 15min erklommen wird.

kurz unterhalb des Sattels zwischen Eiskarspitze und Torspitze

Das kleine schöne Gipfelkreuzchen thront auf dem obersten Block schon von im Aufstieg gut sichtbar auf dem hoch aufragenden majestätischen Gipfelfels, lädt zum Verweilen ein und die Aussicht von hier ins Wattental ist besser als sonst wo in dieser Gegend.

die Eiskarspitze vom Sattel aus

Ungern verlasse ich den formschönen pfiffigen Gipfel nach eine halbstündigen Pause mit schweifendem Blick, denn trotz des Leistungstiefs im Aufstieg zur Eiskarspitze habe ich zur Strafe noch die Torspitze als weiters Ziel erkoren.

Gipfelaufbau Eiskarspitze

Die Torspitze ist Luftlinie 1.250m weit vom Gipfel der Eiskarspitze entfernt und über den Verbindungssattel erreicht man sie leicht in weniger als einer Stunde. Sie ist um 50m höher als die Eiskarspitze. Sie trägt nur ein profanes Triangulationszeichen und kein Gipfelkreuz, ist oben flach genug um gleichzeitig 200 Japaner mit Mundmaske zu beherbergen, aber gottseidank ist der Penkenlift mit den Touristen weit östlich über dem Tuxertal und so kann man sich der selben wunderbaren Stille hingeben wie sie auf der Eiskarspitze herrscht.

in der Ferne die Torspitze

Die Abfahrt von der Torspitze erfolgt zunächst über den Aufstiegshang, der fast ein Nordhang ist und somit sehr gute, harte Bedingungen bietet.

Torspitze, 2.663m

Ab dem Verbindungssattel taucht man in die schönen – und um 13:30 Uhr noch harten – steileren Hänge hinunter zum See in den Lacken ein, die ein tolles Abfahrtserlebnis bieten. Erst im flacheren Teil des langen Hanges hinunter zu der Waldgrenze macht sich die enorme Strahlung der Sonne zu Ende des März bemerkbar.

Rückblick von der Torspitze auf die Eiskarspitze

Ab dort ist der südliche Teil des Hanges dermaßen weich, daß man beim Fahren ca. 30cm tief versinkt.
Ich beschloss das vom Gipfel der Eiskarspitze aus der Falllinie hinab gut zu sehende Tal mit den mächtigen Bachflanken zu nehmen, da dieses auf der Nordseite der Rippe von der Eiskarspitze herab liegt und ich dort bessere Schneeverhältnisse vermutete.

Abfahrt am nördlichen Hang des Ausläufers von der Eiskarspitze herunter

Diese trafen auch ein, jedoch nur bis zum wild wuchernden Staudenwerk und in diesen hat die Sonne soviel Arbeit geleistet, daß mich diese Strecke nebst drei Totalumfallern im Stand wegen dem schweren Firn auch eine gute Viertelstunde Zeit zum hindurch lavieren durch die teilweise dichten Stauden kostete. Keine besondere Route unten, aber eine Katastrophe ist dieser Teil der Abfahrt aber nicht.

Rückblick auf die Abfahrt durch das Tal, das sich durch den Bach tief eingeschnitten präsentiert

Ab dem kleinen Häuschen, an dem man herauskommt, wenn man oben beschriebene Route nimmt, wird das Almgelände gequert und man befindet sich wieder am Aufstiegsweg.

Rückblick auf die Eiskarspitze von der Innerlannalm aus

In Summe mußte ich ca. 10-mal die Schi abschnallen, aber nur für kurze Strecken; die längste Strecke ist zu Beginn des Weges nach der Stieralm mit geschätzten 400 bis 500m.
Ob die Tour in einer Woche noch geht: ab der Innerlannalm sicher, darunter wird viel mehr Tragestrecke in Kauf zu nehmen sein.

Gesamte Aufstiegsdauer ab Parkplatz Lager Walchen 3 Stunden, zweiter Gipfel Torspitze nochmals eine Stunde dazu, Abfahrt und Fußweg weniger als 1 Stunde.
Aufstieg zur Eiskarspitze ca. 1.230Hm, zusätzlich zur Torspitze ca. 100m zusätzlich

Mils, 25.03.2107

Schitour Hochplatte – Achenkirch

Tolle Hänge mit sehr moderaten Steigungsverhältnissen und viel Sonne kennzeichnen diese liebliche kurze Schitour auf die Hochplatte nördlich von Achenkirch. Ideal für eine Spritztour am  Vormittag, wenn man mittags wieder zuhause sein muß, oder für Paare mit viel Gesprächsstoff und weniger Wertbeimessung der Gehzeit.

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Hochplatte 1.813m

Die Abfahrt heute war eine echte Freude, zwar ist der Schmelzdeckel mit seinen Rippen vorhanden, aber er ist so fest, daß man nicht einbricht. Der Gipfelhang war besonders fein abzufahren und die folgenden weiten Hänge waren ebenfalls überraschend bärig zu befahren; kein einziges Stück aper.

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Parkplatz nördlich von Achenkirch beim Gh. Tirolerland

Am Parkplatz links der Bundesstraße beim Gh. Tirolerland ist der Ausgangspunkt der Tour. Der Halbtagestarif (4 Stunden ab Ticketdruck) beträgt EUR 2,50.- und wenn man die unsympathische 50 Cent Münze nicht mit sich hat und EUR 3.- einwirft, spendiert man der Gemeinde diesen Betrag als Trinkgeld. Der Tagestarif beträgt EUR 5.-.

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der erste Aufstiegshang um 9 Uhr im Februar

Entweder die Zufahrt beim Gh. Tirolerland, oder gleich hinter dem Parkplatz etwas steiler hinauf beginnt die Tour auf einer großen Wiesenfläche, bevor sie, nach den letzten Häusern und einem kostenlosen Spezialparkplatz für Einheimische in den Wald eintaucht und zunächst recht flach weiterführt.

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oberhalb der letzten Häuser

Dem Waldweg entlang und kleinere Kreuzungen ignorierend steigt die Tour stetig aber mäßig zur Falkenmoosalm an und am unteren Almende, nach dem man plötzlich aus dem Wald heraustritt, hat man einen herrlichen Eindruck vom weiteren Aufstiegsgelände.
Gehzeit ungefähr eine Stunde bis zur Alm.

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unterhalb der Falkenmoosalm, im Hintergrund das Ziel

Nach der Alm wird es kurz etwas steiler und oberhalb des letzten Almhanges betritt man den Wald wieder, aber er ist viel lichter als unterhalb.
Nach weiteren 10 bis 15min gibt es eine Abzweigung zum Juifen, die rechts weggeht. Zur Hochplatte bleibt man auf dem sich nun ausbildenden Hangrücken.

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hinter der Alm etwas steiler weiter

Im lichten Wald kommt nun kurzzeitig ein etwas steileres Stück das oben flacher wird. Oben beginnt dann ein ca. 300m langer Hang der quer durchschritten wird und mit den momentanen Spurverhältnissen ist es weniger anstrengend, wenn man konzentriert auf der Kante steigt, als öfters abzurutschen und den Talschi auffangen zu müssen.

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Hangquerung auf ca. 1.550m

Nach diesem Teilstück führt der Aufstieg wieder durch einen schönen Hang mit kaum Querneigung bis zur nächsten kleinen Kuppe.

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auf ca. 1600m

Nach dieser Kuppe beginnt nochmals eine Hangquerung, in der die Querneigung noch etwas steiler ist als vorher, aber sie ist nur recht kurz und den Gipfelhang mit dem Kreuz oben hat man dahinter schon im Blickfeld.

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kurz vor der zweiten Hangquerung links des Gipfelaufbaues

Der freie Gipfelhang ist schnell hinter sich gebracht und nach der vorhergehenden Querung steht man 10min später am Gipfel der Hochplatte auf 1.813m.

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Gipfelhang der Hochplatte

Der Ausblick auf Rofangebirge und Karwendel ist ein herrlicher und der nördlich gelegene, leuchtende Juifen mach richtig Lust in diesem Gelände noch etwas mehr zu unternehmen.

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Hochplatte, 1.813m

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Blick zum Juifen

Die Abfahrt erfolgt großteils im Aufstiegsgelände über die schönen Hänge und im unteren Teil am Weg im Wald auf harter, schmaler Piste.

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Falkenmoosalm

Zeitbedarf für den Aufstieg: ca. 1 3/4 Stunden, die Wegweiser und andere Angaben im Internet künden von 2,5 Stunden, der Höhenunterschied beträgt 930m.

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Hochplatte von der Bundesstraße aus gesehen

Mils, 11.02.2017

 

 

Schitour Gamskopf – von Inneralpbach

Einladend freie Hänge bis hinab zu den Almenwegen im Talabschluß bei der Greitalm kennzeichnen die Tour auf den Gamskopf, einer mittellangen Tour, die von Inneralpbach durch den Greiter Graben auf den Trennungsgrat zum Hochtal über Stumm im Zillertal zum Gipfel führt. Und wenn diese Hänge mit Pulverschnee bedeckt sind ist diese Schitour ein echtes Erlebnis.

Gamskopf - Inneralpbach, 2.205m

Gamskopf – Inneralpbach, 2.205m

In unserem Fall war die Sicherheit bei der herrschenden Schneesituation und dem jungen Triebschnee durch Föhneinfluß heute ein Kriterium einer angepaßten Routenwahl und weiters konnten wir bei unserer Erstbegehung nicht immer die durch Föhn verwehten Aufstiegsspuren finden. Diese Umstände erzwangen eine teilweise intuitive und möglichst flach angelegte Routenwahl, die nicht ganz dem Original entsprach – wir im Rückblick aber als sicher und schön empfanden.

Parkplatz Inneralpbach bei Gh. Leitner

Parkplatz Inneralpbach bei Gh. Leitner

Vom Parkplatz beim Gh. Leitner (EUR 2.-) muß der breite Greiter Graben durchschritten werden und hier entstand für Christian, Stefan und den Verfasser ein kleiner Umweg, der aber – wie der Originalaufstieg – ebenfalls richtig an der Greitalm endete, allerdings knapp oberhalb der Alm (der Originalweg führt knapp neben dem Bach durch den Wald, wir stiegen etwas rechts davon höher auf und kamen oberhalb der Alm an).

oberhalb Greitalm (nachdem wir die Route neben dem Bach am Talboden versäumt haben, stiegen wir 100m höher auf)

oberhalb Greitalm (nachdem wir die Route neben dem Bach am Talboden versäumt haben, stiegen wir 100m höher auf)

Ab der Greitalm hält man sich dann etwas links, südöstlich, dem Talabschluß zustrebend und erblickt eine schmale Schneise durch die der Aufstieg zur Farmkehr Hochalm führt.

Schneise zum hintersten Talabschluß

Schneise zum hintersten Talabschluß

Diese lassen wir – am sich nach Süd drehenden Aufstieg – links liegen und steigen dem steiler werdenden, noch breiten Hang entgegen.

Richtung Süden geht es steiler werdend weiter

Richtung Süden geht es steiler werdend weiter

Nach einigen Minuten des Anstieges besteht die Möglichkeit dem Hang, der sich oben schon sichtbar zur Rinne verjüngend, zu folgen, oder rechts abzweigend, dem leicht bewaldeten Hang zu folgen.

entweder geradeaus oder, unsere Wahl, rechts über den licht bewaldeten Hang hinauf

entweder geradeaus oder, unsere Wahl, rechts über den licht bewaldeten Hang hinauf

Wir entschieden letzteres, da Aufstiegsspuren diese Variante als sinnvoll erschienen ließen.
Der Hang präsentierte sich nach gut 15min des Aufstieges aber als steiler werdend, was uns veranlasste  einen möglichst flachen Mittelweg zu suchen. Die Aufstiegsspuren waren auch nicht mehr sichtbar und so mußte mit Erfahrung und Bauchgefühl gearbeitet werden. Dadurch haben wir sicher auch die Normalroute etwas verlassen.

schönes Aufstiegsgelände, zunächst flach genug, das sich jedoch recht steil entwickelt

schönes Aufstiegsgelände, zunächst flach genug, das sich jedoch recht steil entwickelt

Auf ungefähr 1.900m wird der Rücken, auf dem wir durch lichte Baumgruppen aus Fichten, Tannen und Zirben aufgestiegen sind erfreulicherweise etwas flacher und das Ziel, der Gipfel des Gamskopfes wurde wieder sichtbar.

am schmal werdenden Rücken, der Gamskopfgipfel im Hintergrund

am schmal werdenden Rücken, der Gamskopfgipfel im Hintergrund

Nun stiegen wir über einige Rinnen, die sich vom Gipfelaufbau in Fallrichtung herunterzogen, ungefähr 150Hm weiter auf und erreichten eine Fachstelle vor dem Gipfelaufbau, die die Querung zum Grat zum Gamskopf zuließ.

flache Stelle unterhalb des Gipfelaufbaues

flache Stelle unterhalb des Gipfelaufbaues

Die Querung führte direkt durch die östliche Flanke des Gipfelaufbaues des Gamskopfes, ein Steilhang, der bei unzweifelhaften Schneeverhältnissen ein kleines Highlight der Tour darstellen muß. Wir entschieden uns, im Gegensatz zu einer großen Gruppe, die sich darin bei den herrschenden Verhältnissen sichtlich abmühte, für den Normalaufstieg vom Grat aus über sichtbar unverwächtetes Gelände und auf sicherem Weg.

Querung zum Grat unterhalb des Gipfels

Querung zum Grat unterhalb des Gipfels

Vor dem Grat fast mit Windstille gesegnet, ging es ab dem Grat unter ordentlichem Südföhn die letzten ca. 70Hm weiter zum Gipfel. für die letzten 25Hm entschieden wir uns den Restaufstieg ohne Schi zu absolvieren und die ziemlich abgewehte Kuppe des Gamskopfes rechtfertigte diese Entscheidung.

der Grat zum Gamskopf

der Grat zum Gamskopf

Die Fotodokumentation am Gipfel hielt sich diesmal in äußerst bescheidenen Grenzen, da die klammen Finger das für Bergsteiger nahezu unbrauchbare Telefon nicht in der dafür notwendigen Geschmeidigkeit bedienen wollten. Die Strafe, die berührungsunsensible und einfach zu bedienende kleine Japanerin zuhause liegen gelassen zu haben folgte somit am Fuße.

die letzten Meter zum Gipfel des Gamskopf

die letzten Meter zum Gipfel des Gamskopf

Also gibt es nur ein paar Schnappschüsse und angesichts des mittlerweile zugezogenen Himmels genügen diese zur Dokumentation des Gipfels, der so schön als krönender Abschluß über dem Alpbachtal thront.

Stefan am Gamskopf, 2.205m

Stefan am Gamskopf, 2.205m

Die kurze Rast unterhalb der Scharte im windstillen Bereich zugebracht, veranlasste uns der mittlerweile vollständig zugezogene Himmel auch schon  wieder zum Aufbruch und einer überraschend feinen Abfahrt in – zugegeben – teilweise Triebschnee im oberen Teil von über dem Joch herüber geblasen, aber auch weiter unten noch von unerwartet weicher Schneequalität mit einem leicht zu fahrendem Bruchharschdeckel.

das Alpbachtal vom Gipfel des Gamskopf aus

das Alpbachtal vom Gipfel des Gamskopf aus

Diese Verhältnisse herrschten bis zum Hang hinab, den wir im Aufstieg rechts verließen. Ab diesem – ca. auf 1.750m – wurde der Harschdeckel dann wesentlich stärker und selbst beim kraftvollen Schwung hinterließen wir eher eine schlechte Figur, als eine echte Kurvenspur.

Abfahrtsgelände (leider mit Handschuh als ungewollte Zugabe)

Abfahrtsgelände mit Gamskopf genau in Bildmitte (leider mit Handschuh als ungewollte Zugabe)

In dieser kraftraubenden Art ging es hinaus bis zur Greitalm, wo das Gelände dann wieder flach genug wurde nur mit kurzen Bremsschwüngen zu operieren und nach der Alm konnten wir es am Waldweg neben dem Bach bis zum Parkplatz „tuschen“ lassen.

Gegenseite mit imposantem Galtenberg, 2.424m

Gegenseite mit imposantem Galtenberg, 2.424m

Eine feine Schitour die ihr echtes Potential bei entsprechend sicheren Pulverschneeverhältnissen zeigt. Wir haben dies nur auf einem recht kurzen Teil der schön freien Abfahrt erlebt uns aber trotzdem darüber gefreut.

Aufstiegszeit mit teilweise eigener Routenwahl und Orientierungsstopps knapp 3 1/2 Stunden für die rd. 1140Hm.

Mils, 04.02.2017

 

 

 

 

Schitour Scheibenspitze, 2.489m – von Navis

Sozusagen das licht- und schneemäßige Gegenstück zur gestrigen Tour ist  die Scheibenspitze – zur Rechten, also südlich, taleinwärts gesehen – eine recht kalte Angelegenheit im Jänner, vor allem wenn man früh startet.

Scheibenspitze, 2.489m

Scheibenspitze, 2.489m

Dafür – in der Natur kein Nachteil ohne Vorteil – finden sich zurzeit bessere Schneeverhältnisse im oberen Teil, ob dem Hochleger der Blasigleralm.
Nicht daß bei mir der so häufig zu lesende Hype nach einer Pulverabfahrt, oder noch schrecklicher der Terminus „Powderalarm“ ausgebrochen wäre, aber für den langen schattseitigen Aufstieg mit fünfeinhalb Minuten durchgehende Fahrt in Summe im weichen, leicht zu beherrschenden Lockerschnee belohnt zu werden ist schon eine Entschädigung, die meinerseits gewürdigt wird.

flaches Almgelände auf ca. 1.560m

flaches Almgelände auf ca. 1.560m

Um 9 Uhr verlasse ich einen kleinen Parkplatz ca. 200m unterhalb des Kirchenwirtes, der zunehmend mit schneehungrigen Südtirolern und auch deren südliche Nachbarn gefüllt wird.

Abzweigung zur Blasigleralm rechts

Abzweigung zur Blasigleralm rechts

Für den Aufstieg kam der direkte Weg, die Rodelbahn, zur Weirichalm zur Auswahl. Möglich wäre auch gleich bei der Kirche aufzusteigen und in den gleichen Weg weiter oben einzubinden. Diesen habe ich zur Erkundung in der Abfahrt genommen und, außer einer Anschiebestrecke von etwas knapp 100m, wenig Unterschied zum Weg direkt neben dem Weirichbach festgestellt.

rechts oben die Blasigleralm 1.715m

rechts oben die Blasigleralm 1.715m

Alsbald gelangt man auf eine Ebene, der mehrere Abzweigungen entspringen. Zuerst geht es rechts ab zur Schafseitenspitze, dann wieder rechts zur Urbesalm und nach einigen Minuten geradeaus wird im Gelände der Weirichalm die Abzweigung zur Blasigleralm erreicht.

Steilstufe zum Hochleger, kaum sichtbar oberhalb der Waldgrenze

Steilstufe zum Hochleger, kaum sichtbar oberhalb der Waldgrenze

Nach dieser Verzweigung geht es wieder ein paar Minuten rechts ab und über eine flache Almpassage über eine Brücke. Vor der Brücke kann bereits der imposant hoch oben thronende Hochleger der Blasigleralm gesichtet werden, der auch eine optisch klare Marke für die nächsten 450Hm setzt, die mit einer gewissen Beeindruckung über das zu bewältigende Gelände einhergeht.

die andere Talseite bereits in schönstem Morgenlicht

die andere Talseite bereits in schönstem Morgenlicht

Wenige Minuten nach der Holzbrücke wird die Blasigleralm erreicht und der Almweg führt noch ungefähr 100Hm weiter bevor er verlassen wird und sich die Aufstiegsspur linkerhand am steilen Hang durch einen lichten Lärchenwald empor schlängelt. Die Hangneigung beträgt hier laut Tiris teilweise mehr als 30° und bei entsprechenden Verhältnissen ist Vorsicht geboten.
Heute allerdings war der Schnee schon gut gesetzt und nicht nur oberflächlich, sondern tief hinab recht fest.

durch den Lärchenwald zum Hochleger

durch den Lärchenwald zum Hochleger

Nach dem Hochleger auf rd. 2.060m würde man sich die noch immer zu flach einfallende Sonne wünschen, aber auch Ende Jänner reicht es am Vormittag dafür nicht und die herabziehende Thermik läßt die Nase einigermaßen gefühllos werden.

Blasigleralm Hochleger, 2.065m

Blasigleralm Hochleger, 2.056m

Die Aufstiegsspur führt dafür zum Glück auf einen wenig ausgeprägten Kamm weiter, der auf den obersten Metern für ein paar Minuten Sonne sorgt. Dort gibt es auch eine Verzweigung der Aufstiegsspuren. Rechts weg geht eine Spur über den Steixnerkamm, vermutlich auf den Grat zur Schafseitenspitze.

Verzweigung der Aufstiegsspur unterhalb des Steixnerkammes

Verzweigung der Aufstiegsspur unterhalb des Steixnerkammes

Links bzw. direkt südwärts geht es dem Steilhang unterhalb des Grates zur Scheibenspitze zu. Schon beim Hochleger war die kleine Lawine zu sehen und verbreitete mulmige Gefühle. Bei der Näherung konnte ich jedoch entdecken, daß sich die Grundlawine bereits total verfestigt hat und die Aufstiegsspur kreuz und quer auf dem Brockenhaufen aufwärts angelegt wurde.

Aufstieg links zum Steilhang unterhalb der Scheibenspitze

Aufstieg links zum Steilhang unterhalb der Scheibenspitze

Das Gelände ist auch hier wieder über 30° steil, im oberen Teil des Hanges, im Anrißgebiet der Lawine ca. 50Hm unterhalb des Grates zur Scheibenspitze, dürften es 35° oder mehr sein.

alte Lawine im Steilhang

alte Lawine im Steilhang

Nach Durchschreiten des Kegels, im oberen Teil der Lawine, bleibt teilweiser Bodenkontakt auf Fels nicht aus, die schlechte Bindung der Schneedecke im heurigen Winter ließ nahezu alles über dem Fels abgleiten.

in der Lawine, oberer Teil

in der Lawine, oberer Teil

Mit ein wenig Akrobatik ganz oben beherrscht man das wechselhafte Gelände und im obersten Anrißgebiet verläßt die Spur rechts die Mulde, der bis oben gefolgt wurde. Von dort sind noch ca. 50Hm im Steilhang zu bewältigen und alle 5m wechselnde Schneebedingungen deuten auf die schwierige Situation mit dem Schneedeckenaufbau hin. Von harschig hart bis total weich mit großen kantigen Kristallen ohne Bindung findet sich nahezu alles.

Anrissgebiet der Lawine

Anrißgebiet der Lawine

Die Freude auf Sonne ist nun auch groß und die letzten 15min am Grat sind eine Wohltat nach dem kalten nordseitigen Anstieg.

am Grat zur Scheibenspitze angekommen

am Grat zur Scheibenspitze angekommen

Am flachen Gipfel herrschte – wie vorausgesagt – Windstille. Eine beträchtlich große Gruppe Südtiroler kam fast gleichzeitig mit mir am Gipfel an, sie haben den Aufstieg vermutlich über die Stoffenalm und über den Grat genommen, wahrscheinlich etwas sonniger und bei prekärer Warnstufe der sicherere.

die letzten Meter zum Gipfel der Scheibenspitze

die letzten Meter zum Gipfel der Scheibenspitze

Der Ausblick wieder gewaltig. Im Süden der Olperer und tief unten das innere Schmirntal, im Nordosten die Reckner und Tarntaler, im Norden die Grünbergspitze, im Westen die um gut 100m höhere Schafseitenspitze und fern im Hintergrund die Stubaier und im Nordwesten die Kalkkögel und das Karwendel im Norden.

Gipfel der Scheibenspitze, 2.489m

Gipfel der Scheibenspitze, 2.489m

Blick zur Schafseitenspitze

Blick zur Schafseitenspitze

Die Abfahrt erfolgt über den Steilhang des Aufstieges. Ab der kleinen Scharte unterhalb des Gipfels der Scheibenspitze hat man den besten Einstieg. Mit einem erwartungsvollen Gefühl stieg ich in den Hang ein und mußte ca. 50Hm den abgeblasenen Felsbrocken ausweichen bevor – nun in Abfahrtsrichtung links (westlich) – ein doch sehr wenig angefahrener Pulverhang sich vorzüglich für die gesamte Abfahrt bis zum flacheren Teil anbot.

Abfahrtsgelände

Abfahrtsgelände

Die Schwünge mit Bedacht gefahren konnte keine außergewöhnliche Situation beobachtet werden. Ab und dann graschelte an den Kanten, die Schneedecke ist nicht sehr dick.

Lockerschnee im unteren Teil des Steilhanges

Lockerschnee im unteren Teil des Steilhanges

Unten angekommen fiel Spannung von mir ab und nun konnte ich mich auch des flachen Hanges bis zum Hochleger erfreuen und ein kurzes Video über die Schneeverhältnisse drehen:

Bereits kurz vor dem Hochleger war nun schon die Sonne aufgegangen und der zerfahrene Hang mit dem Harschdeckel wurde wieder anstrengender zu fahren. Ebenso die beschienenen Hangteile unterhalb des Hochlegers im Lärchenwald.

Rückblick auf den Steilhang; äußerst rechts am besten zu fahren

Rückblick auf den Steilhang; äußerst rechts am besten zu fahren

Im Mittelteil der Abfahrt bis zur Blasigleralm herrschten dann wieder Lockerschneeverhältnisse, weil dort die Sonne im Jänner überhaupt nicht einstrahlt. Also eine weiche Fahrt bis zum Weg oberhalb der Alm.

wieder beim mittlerweile sonnenbeschienenen Hochleger

wieder beim mittlerweile sonnenbeschienenen Hochleger

Der Rest der Abfahrt vollzieht sich wieder auf den Almenwegen des Aufstieges und braucht keine besondere Beschreibung.

nochmals ein Hang mit Lockerschnee

nochmals ein Hang mit Lockerschnee

Im untersten Teil der Rodelbahn probierte ich den eingangs bei der Kirche startenden Weg, der nicht anders ist als der des Aufstieges, mit der Ausnahme, daß man noch ein klein wenig weiter in Dorfmitte kommt.

unterhalb der Blasigleralm

unterhalb der Blasigleralm

Die Schi habe ich mir nicht weiter ruiniert, aber Vorsicht auf der gesamten Abfahrt ist immer vonnöten, es herrscht einfach eine zu dünne Schneedecke.

Pfarrkirche Navis - Endpunkt der Schitour

Pfarrkirche Navis – Endpunkt der Schitour

Für den Aufstieg über die 1.170m habe ich knapp 2 3/4 Stunden benötigt. Man sei hier vorsichtig, im Internet werden die verschiedensten Aufstiegszeiten mit breiter Streuung kolportiert, wobei 3 Stunden +/- angebracht erscheinen.

Mils, 29.01.2017