Hammerspitze, 2.634m von Neder

Eine detaillierte Beschreibung über den Aufstieg auf die Hammerspitze von Neder im Stubai ist im Internet kaum zu finden. Meist beginnen die Touren bei der Pinnisalm und führen über die Kirchdachspitze sowie über das Padasterjochhaus und im Abstieg nach Neder erst zum Gipfel.

Hammerspitze, 2.634m

Hammerspitze, 2.634m

Der Steig den man für den direkten Aufstieg von Neder nimmt wird Rohrauersteig genannt und beginnt knapp unterhalb der Issenangeralm.
Diesen abwechslungsreichen, schönen Steig habe ich heute genommen, als ich um 7:45 Uhr den großen Parkplatz in Neder verlassen und über die Schotterstraße ins Pinnistal angestiegen bin. Der Plan war, nach der Hammerspitze über die Kirchdachspitze und den Jubiläumssteig wieder ins Tal abzusteigen. Wir werden später sehen, daß die Planung, die Runde in dieser Richtung auszuführen, für die herrschenden Wetterverhältnisse richtig war. Und eigentlich sollte die Hammerspitze nur willkommenes “Gipfelbeiwerk” sein.

Blick in Richtung Hammerspitze gegen 8 Uhr

Blick in Richtung Hammerspitze gegen 8 Uhr

Die Schotterstraße zieht sich mit nicht unbedeutender Steigung bis zur Herzebenalm (oder Herzeben Gasthaus, darauf legt man offenbar Wert) hinauf und wird dann bis zur Issenangeralm flacher, nach jener sehr flach. Die Steigung wäre mir mit Alpinausrüstung und Radl schon zu steil zum treten.

bereits am Rohrauersteig im untersten Teil

bereits am Rohrauersteig im untersten Teil

Kurz vor der Kuppe zur Issenangeralm zweigt links in den Wald der Steig ab. Zuerst ist seine Richtungsführung etwas verwirrend – das ist dem Almbetrieb mit Weidevieh geschuldet – aber ausreichend markiert. Nach der Querung einer Almwiese mit Galtvieh beginnt der eigentliche Steig in den Latschen, Schilder genug zum Orientieren.

Kirchdachspitze fast nebelfrei juhu!

Kirchdachspitze fast nebelfrei juhu!

Der Steig mäandert sich zuerst in weitem, später (ab ca. 1.500m) in engerem Zickzack zu einem Ausläuferkamm empor,  der den Bergsteiger in eine tolle Karlandschaft bringt.

verschütteter Teil des Rohrauersteiges (später bereits mit Sanierung begonnen); unten die rostbraunen Latschen sind die Fortsetzung

verschütteter Teil des Rohrauersteiges (später bereits mit Sanierung begonnen); unten die rostbraunen Latschen sind die Fortsetzung

Im unteren Teil, nach ca. 10min Gehzeit in den Latschen wurde der Verlauf des Steiges von einer ansehnlichen Mure verschüttet und war nicht mehr auffindbar. Diese Aktion hat mich 10min des Suchens gekostet, die Strecke auf die der Steig nicht mehr sichtbar war sah ich im Abstieg, es sind ca. 15-30Hm.
Es sei an dieser Stelle vorweggenommen, daß bei meinem Abstieg bereits fleißig an der Wiederherstellung des Steiges gearbeitet wurde. Ein junger Kollege, Wegmacher der AV-Sektion Stubai, arbeitete emsig an einer neuen Variante im noch relativ jungen, wenig verfestigten seitlichen Schuttausläufer der Mure an einer neuen, dauerhaften Variante. Ein schwieriges Unterfangen, denn in diesem Schuttausläufer gibt es so gut wie keine großen Brocken die zur Markierungsstelle herangezogen werden könnten. Möglicherweise müssen die Latschen diese Fixpunkte bilden, er überlegt das noch, wie er mich später nach unser aller Flucht vor einem Platzregen in die Issenangeralm wissen ließ.
Es ist mir ein Anliegen hier zu erwähnen, daß ich die Arbeit dieser freiwilligen Funktionäre beim Alpenverein hoch schätze und darüberhinaus speziell, daß es junge Leute sind, die den Idealismus aufbringen, für die Erhaltung der alpinen Infrastruktur ihre Freizeit zu opfern, bravo!

Issenangeralm

Issenangeralm

Nach dem Ende der Strecke durch die Latschen betritt man den Kamm auf dem der Steig meist in direkter Richtung der Kammneigung folgt. Der Aufstieg erfolgt wie bei vielen solcher Steige im Serleskamm auf ungemein brüchigem Hauptdolomit der bizarre Formen hervorbringt und dessen Wasserrinnen in den Flanken meist aus purem Sand bestehen.

Wasserrinne in schlechtem Hauptdolomit, sandige Seitenflanken

Wasserrinne in schlechtem Hauptdolomit, sandige Seitenflanken

So kommt nachdem der Kammausläufer sein Ende findet und an das Massiv anbindet eine Stelle mit einem kaum zu erhaltendem Steig, besteht diese Wasserrinne doch nur aus Sand zu beiden Seiten. Die Verseilung benötigt man eigentlich nicht zum Auf/Abstieg, man kann nirgendwo gefährlich weit abrutschen, jedoch muß man sich nach Regenfällen sicher seinen Weg suchen und etwas erfahren sein, um hier nicht zaubern zu müssen.

der obere Teil davon

der obere Teil davon

Anschließend tut sich ein bizarrer Kessel aus dem schlechtesten Hauptdolomit auf, den ich auf der gesamten Tour gesehen habe. Der Aufstieg erfolgt links (westlich) davon und enthält ein paar anregenden Passagen zwischen den Felsen. In oberen Teil muß man den Kessel queren. Der Steig ist dort ausreichend verseilt und man muß es teilweise auch benutzen, will man nicht im Schutt abrutschen. Ein Felsbrocken blockiert das vorletzte Seil am oberen Ausstieg, die Passage kann man aber ungefährlich überklettern.

Rückblick auf den Steig im oberen Teil des Schuttkessels

Rückblick auf den Steig im oberen Teil des Schuttkessels

Kurz nach dieser keineswegs unangenehmen und abwechslungsreichen Passage tut sich ein Karboden auf, aufgrund seiner Topographie und des Bewuchses eine Augenweide. Begrenzt im Osten von festen, mindestens 200m hohen senkrechten gelben Kalkfelswänden, im Osten, einer Galapagosechse gleich, einem wild zerklüfteten Restgrat aus bröckelndem Glimmerschiefer, wie er sich im oberen Karteil, kurz vor dem Sattel zum Grat zuhauf findet. Welch Aufeinandertreffen von Gestein, welch einzigartige Landschaft.

ein schöner Karkessel tut sich auf

ein schöner Karkessel tut sich auf

Spätestens hier oben verstummt auch das noch letzte, vom Tale und den Fortstätigkeiten am Gegenhang des Elfermassives heraufziehende Geräusch und man befindet sich auf einer stillen Hochgebirgslandschaft, gleichsam einer Arena, die Hammerspitze als hoch aufragende südliche Begrenzung tragend.

der obere Teil davon

der obere Teil davon

Wie es immer so ist mit Karen glaubt man unten, daß man ruck zuck an der oberen Begrenzung, und daß die Steigung ja nicht so schlimm sei und wird – wie immer – eines besseren belehrt. Der Eintritt unten liegt ca. auf 2.200m und der Sattel mit dem Wegweiser am Ende auf 2.460m.

Hammerspitze

Hammerspitze

Am Wegweiser angelangt mußte ich bereits sehr fortgeschrittene Ausdehnung des Nebels und einen total bedeckten Himmel feststellen. Die Wolkenfarbe eher sehr dunkelgrau als hell.
Die Annahme, daß die Hammerspitze rasch bestiegen sei stimmte auch nicht, der Übergang zur Hammerscharte war ist noch nicht schneefrei und abgebrochener Fels hat den Steig auch einige Male für ein kurzes Stück verlegt.

zuerst links zur Hammerspitze war der Plan...

zuerst links zur Hammerspitze war der Plan…

Der Gipfel der Hammerspitze ist vom Südosten aus betrachtet genau entgegengesetzt so spektakulär wie vom Nordwesten, nämlich ein Wiesenrücken. Daher eignet er sich wohl gut für Schitouren und er wurde von mir auch gleich hierzu ins Gedächtnis genommen.

Hammerspitze vom Grat aus

Hammerspitze vom Grat aus

Ein massives Gipfelkreuz der Bergrettung Steinach mit einer tollen Schachtel, die offenbar sehr trockene Verhältnisse schafft, eine Konstruktion wie sie so mancher Gipfel im Karwendel bräuchte. Kein feuchtes Buch, kein Schimmel, obwohl des Winters dort belassen.
Mit winziger, mäuseartiger Schrift haben zwei – wahrscheinlich junge Mädchen – Erstbesteigerinnen die Saison 2016 eröffnet, ich weiß aber, daß ein Bergkollege bereits mit dem Gleitschirm hinuntergeflogen ist, sich aber nicht eingetragen hat. Also könnte es sein, daß ich wirklich erst der dritte Besucher auf der Hammerspitze in dieser so nassen Saison bin.

Abstieg von der Hammerspitze

Abstieg von der Hammerspitze

Zum Zwecke der Nachforschung, ob man denn am Grat weiter den Umweg über die Scharte mit dem Wegweiser umgehen könnte wanderte ich am Grat weiter zu einem Steinmandl und konnte von dort aus erahnen, daß das möglich sein mußte, wenn man auf den etwas tiefer gelegenen Steig zur Kirchdachspitze wollte. Wegen des Nebels kehrte ich jedoch zum Gipfel zurück und nahm den Weg des Aufstieges.

Padasterjochhaus

Padasterjochhaus

Dort graupelte es auch schon und vermießte mir die Stimmung, denn nach dem von mir wegen seiner hohen Zuverlässigkeit immer genutzten ZAMG Alaro Wetter-Simulationssystems sollte erst mit ca. 15 Uhr mit Regen zu rechnen sein. Kurz und gut, als ich wieder beim Wegweiser war bescherte ich mir ein hin und her an Sichtweisen wie es sich entwickeln würde/könnte und abschließend beschloss ich nach 15min vergeudeter Zeit, zumindest bis zur Scharte zwischen Hammerspitze und Kirchdachspitze zu gehen, um mehr vom Jubiläumssteig zu sehen. Auf den letzten hundert Metern dorthin zog von Südost und auch vom Habicht her eine dermaßen dichte Nebelsuppe, sodaß ich endgültig beschloß das Vorhaben der Kirchdachspitze abzubrechen. Sie muß, so der Vorsatz, nächste Woche über den Aufstieg Jubiläumssteig begangen werden. Daß die Entscheidung gut war merkte ich auch in den vereinzelten Tropfen, die der Nebel mit sich brachte.

Am Steig zur Scharte zwischen Hammerspitze und Kichdachspitze

Am Steig zur Scharte zwischen Hammerspitze und Kirchdachspitze

Also eiligen Schrittes zurück zum Wegweiser und hinab in den Karkessel gehastet. Dort traf ich zwei Kollegen, die über die Hammerscharte von Trins und über das Padasterjochhaus her kamen und ihre Geschwindigkeit im Abstieg dadurch einbüßten, daß sie ca. 20min nach mir total durchnäßt in der Issenangeralm ankamen.

am Abstieg, Kirchdachspitze völlig im Nebel

am Abstieg, Kirchdachspitze völlig im Nebel

Exakt bei meinem eintreffen bei der Alm begann es aus Kübeln zu schütten. Der Kollege Wegmacher hat es gerade noch geschafft die Flucht zu ergreifen und traf kaum 5min nach mir ein.

Issenangeralm

Issenangeralm

Nach einer perfekten Knödelsuppe und einer guten halben Stunde Regen zeigte das – im Juni 2016 immer noch herrschende – “Aprilwetter” wieder blauen Himmel. Es ist schlimm heuer.

nach einer halben Stunde Regen

nach einer halben Stunde Regen

Hinaus aus dem Tal und der blaue Himmel ist schon wieder kleiner geworden. Trotzdem war es eine schöne, sehenswerte Tour.

Wolken von Neuem...

Wolken von Neuem…

Für den Aufstieg habe ich knapp 3 Stunden benötigt, die Markierungen sprechen von 4 Stunden. Gesamte Aufstiegshöhe: 1.650m, gesamter Zeitbedarf mit Regenpause in der Alm, ab/bis Parkplatz: Neder 7 Stunden

Mils, 18.06.2016

 

 

 

 

 

 

 

Kesselspitze, 2.728m von Kampl

Im mittleren Teil des Serleskammes gelegen erhebt sich die Kesselspitze – vom Elferlift im Stubaital aus gesehen – als eine bemerkenswerte, abgerundete Erhebung im Kamm. Dabei sieht man von dort nur den Vorgipfel, der Hauptgipfel, oder besser beide höchsten Erhebungen befinden sich südöstlich dahinter und der östlichere der beiden trägt das Gipfelkreuz.

Kesselspitze, 2.728m

In ungewohnt tiefrotem Kalk (Kalke des unteren Jura – Adneter Schichten) steigt man die letzten Meter vom Vorgipfel – ich habe heute den direkten Übergang über den wenig ausgebildeten Grat genommen – zum Gipfelkreuz auf.
Wie der Gipfel so ist die gesamte Aufstiegsroute von Kampl über die Kesselmahd eine geologische Zeitreise über Jahrmillionen und selbst der geologisch unerfahrene Bergsteiger wird die Eindrücke der gewaltigen Sprünge von Gesteinsarten und -formen, Schichtungen, Korngrößen und Farben in dem vielfältigen Überlagerungsgebiet des Serleskammes gerne wieder mit ins Tal nehmen.

tiefe Schluchten trennen den Ausläufer auf dem der Aufstieg erfolgt vom Serleshauptkamm

tiefe Schluchten trennen den Ausläufer auf dem der Aufstieg erfolgt vom Serleshauptkamm

Im Anstieg bereits, hat man zur Linken gewaltige Felsausläufer aus Kalk mit senkrechten Abbrüchen von mehreren Hundert Metern und das Haupt ihrer kühnsten Türme zieren Latschen in verwegenen Formen. Eine verwegene Landschaft, die den Aufstieg über den zermürbend steilen Waldrücken gut erträglich macht, läßt man das Auge und die Sinne bestimmen und stellt das Training in den Hintergrund.

ab hier wird es eindrucksvoll

ab hier wird es eindrucksvoll

Von einem erfreulich nicht kommunal regulierten Parkplatz, oder besser längeren Parkstreifen, geht es von Kampl aus los. Gleich hinter der OMV Tankstelle führt die Straße – man respektiere das Geschwindigkeitslimit zum Wohle der Kinder der Anrainer – bis zum Fahrverbot und im oberen Teil kann man längs der linken Seite parken, ohne eine Regelung per Tafel anzutreffen.

Nach dem Ende der Asphaltstraße nimmt man – gut beschildert – den Aufstieg im Wald, der gleich richtig zur Sache geht. Rund 400Hm geht es durch den Fichtenwald bis zu einer ersten Rastbank neben einer Wasserfassung. Dieser Steig enthält erstaunlich viele Bänke und die letzte trifft man weit über 2.000m in bereits sehr alpinem Gelände an.

Abzweig, rechts geht es weiter

Abzweig, rechts geht es weiter

Der Aufstieg auf die Kesselspitze zweigt wenige Minuten nach besagter erster Bank rechts ab, links bzw. geradeaus geht es auf kühnem Steig zum Gasthaus Wildeben weiter. Der Verlauf des Steiges führt weiter an einer Doline (Karstvertiefung im Boden) vorbei zu einem Aussichtspunkt mit Bank an der man frei nach Goethe ohne weiteres den Augenblick einige Minuten verweilen lassen sollte. Am Kamm des Wald- und später Zunternrücken macht es Spaß dem recht steilen Steig zu folgen, zu sehen gibt es rundherum genug und die knorrigen Gesellen von exponierten Lärchen erscheinen in schier abenteuerlichen Ausbildungen.

ist dieser Blick nicht traumhaft?

ist dieser Blick nicht traumhaft?

Schärfer, und damit zum leichten Grat wird der üppig bewachsene Rücken dann einige Minuten Gehzeit ab dem markanten Kopf, oder flacherer Stelle, in der AV-Karte mit der Höhenangabe 2.043m. Ab dort besteht der Bewuchs nur mehr ausschließlich aus Zuntern und der Kamm nimmt zusehends mehr die Form des Grates ein. Allerdings ist der Grat auch in den wenigen Metern auf denen man trittsicher unterwegs sein sollte immer breit genug.

nicht schlecht oder?

nicht schlecht oder?

Am Grat endet irgendwann die Vegetation in einer gewissen Übereinstimmung von wenigen Dutzend Höhenmetern auch mit der Geologie. Vom Hauptdolomit tritt man in eine völlig andere Welt ein, für mich vollzieht sich der Wechsel in den Tonschiefer. Auch Höhe und Hangneigung dürften hierzu den Ausschlag geben. Die letzte Rastbank trotzt den Jahreszeiten, wir befinden uns auf rund 2.150m.

ein weiteres kleines Gratstück zur Vorsicht

ein weiteres kleines Gratstück zur Vorsicht

Die letzten kleinkörnigen Kalkschutthänge, die man so gut vom Serleskamm kennt – siehe auch Bilder der Tour auf den Sonnenstein – ziehen von der Verbindung des Kammes, der den Bergsteiger die letzten zwei Stunden beschäftigt hat herunter. Oberhalb finden sich vorwiegend wild zerborstene Tonschieferbänke, leicht gemischt mit Kalken bis zum Joch auf rund 2.580m, bevor sich im Anstieg zum Gipfelaufbau der Fels wieder zum Kalkstein ändert.

der Gipfelaufbau und die Aufstiegsroute nun im Wechsel zum Tonschiefer

der Gipfelaufbau und die Aufstiegsroute nun im Wechsel zum Tonschiefer

Der Aufstieg in dieser Flanke (obere Teil der Kesselmahd) erfolgte am heutigen Vatertag nach den vielen Regentagen in einer teilweise lettigen Erd-Gesteinsmasse, die zähplastisch nachgab. Zudem sind noch zwei wenig mächtige Schneefelder zu durchqueren, bzw. zu umgehen, wenn man keine Überraschungen erleben will und die Umgehung erfolgt im lettigen Schuttgelände.

die beiden Schneefelder knapp unterhalb des Joches

die beiden Schneefelder knapp unterhalb des Joches

Im Abstieg habe ich die Schneefelder genommen, jedoch häufig auf die ungute Vereisung des Firns getreten, die man häufig rund um die herausstehenden Felspartien antrifft.
Die Hangneigung trägt dazu bei, daß man einiges “Zehenspitzengefühl” mitbringen muß, um sicher zu steigen. In zwei bis drei Wochen ist dieser lästige Teil Geschichte.

das Joch erreicht

das Joch erreicht

Ab dem Joch (es ist der Übergang zum weiteren Grat zum Padasterjochhaus und zur Kirchdachspitze) wendet sich der Aufstieg wieder in genussvollere Abschnitte und die letzen paar Dutzend Höhenmeter auf den Vorgipfel neben/unter den mächtigen, tropfenden Kalkmauern machen wieder mehr Spaß.

Gipfelaufbau von Westen

Gipfelaufbau von Westen

Sie will in Serpentinen erobert werden, dachte ich als ich die Richtungsänderungen im letzten Teil mitmachte. Vor hier muß es grandiose Blicke ins Stubai geben kam mir in den Sinn, als ich in den leeren Nebel starrte.

Vorgipfel

Vorgipfel

Der obere Teil bis zum Vorgipfel ist nahezu schneefrei und ab diesem durchschreitet man noch ein letztes Feld am sanften Sattel zu den keck und schroff aus dem Grat herausragenden beiden Gipfeltürme der Kesselspitze.
Ich habe sie am Grat genommen, trotzdem als ich sah, daß zwischen beiden ein tieferer Abstieg nötig ist. Habe diesen durch Umgehung auf der Südseite liegen gelassen.

ein letzter sanfter Sattel

ein letzter sanfter Sattel

Ein schlichtes verzinktes Gipfelkreuz empfängt mich nach nicht ganz drei Stunden des Aufstieges. Wieder einmal Disput um Gipfelhöhen, dachte ich als ich die “2.733m” mit roter Farbe auf roten Fels geschrieben las.

Touristen am Gipfelkreuz

Touristen am Gipfelkreuz

Da die Nebel aus Richtung Habicht enorm stärker zu werden schienen, trat ich gleich nach einem wenig erfolggekrönten Rundblick auf die Gipfel im Kamm und auf die weiteren gewaltigen Stubaier Gipfel in Richtung Süden, dem GB-Eintrag, einer Gedenkminute für alle Väter, die ihren letzten Aufstieg bereits genommen haben und der Erkundung des Normalweges wieder den Rückzug an.

Auf Wiedersehen Kesselspitze!

Auf Wiedersehen Kesselspitze!

Wie immer passiert es mir, daß das Wetter am Abstieg besser wird, als am Aufstieg. Und heute hat es mich am Aufstieg ganz schön getrieben. Also ergeben sich noch eindrucksvolle Stimmungen, die, mit der Kamera versucht einzufangen, nicht einen Bruchteil der natürlichen Wirkung wiedergeben.

Die Kalkkögel aus dem Unterstand

Die Kalkkögel aus dem Unterstand

Am Abstieg bedurfte ich dann am selben Wegabschnitt zum zweiten Mal für 15min der Regenhaut, eine Zelle über Neustift in Richtung Fulpmes hat mich erwischt.
Nach dem gelungenen Bergerlebnis konnte mir das aber so gut wie gar keine Schimpfwörter entlocken.

der Habicht läßt einen Blick zu, tief unten das schöne Pinnistal

der Habicht läßt einen Blick zu, tief unten das schöne Pinnistal

Hier noch ein Blick auf den langen Gratteil, da sind auch ein paar Meter etwas ausgesetzterer Stellen dabei.

eindrucksvoller Grat

eindrucksvoller Grat

Gesamt sind recht genau 1.700Hm zu meistern. Die Aufstiegszeit wird mit 4 Stunden angegeben. Man sollte des Sommers zeitig unterwegs sein, denn gut 1.000Hm vollziehen sich im sonnenbeschienen Wald bzw. Unterholz. Bei Schlechtwetter oder Gewitter werden die letzten 150Hm zum Joch sehr rutschig sein.
Wunderschöner Wald ab 1.400m und eine tolle Tour für jeden, der etwas “zahniges” im Aufstieg auf wenig Streckenlänge sucht.

Mils, Vatertag 12.06.2016

Trattenspitze – Erkundung der Schneelage

Die Trattenspitze, 2.565m, ein lohnendes Frühjahrsziel mit mittlerer Höhe und daher meist schon im Mai begehbar. Allerdings liegt an den wichtigen Stellen heuer noch mehr Schnee als ich erwartet habe und empfehlenswert  – zur sicheren Begehung –  dürfte sie erst in zwei Wochen sein. Eine genaue Beschreibung mit Höhen- und Zeitangaben gibt es bei mir hier.

Trattenspitze 22.05.2016

Trattenspitze 22.05.2016

Vom Anstieg zum Hundskopf aus hat der Grat heute weitgehend eher schneefrei ausgesehen. Ein Trugschluß, wie so oft bei Eindrücken vom Tale aus.

die Tratten (Grat rechts) und die Trattenspitze

die Tratten (Grat rechts) und die Trattenspitze

Die nördliche Route um den Hundskopf herum ist ab der Abzweigung noch voller Schnee und die ersten Steilpartien des Weges wollte ich nicht erstbegehen, zu viel Schnee mit zu großer Hangneigung und keine Sicherungsmittel. Also ging es zweimal über den Hundskopf drüber.

die Tratten vom Hundskopf aus; gleich in der ersten Verschneidung am Weg zur Trattenspitze noch ein mächtiges Schneefeld (Bildvordergrund)

die Tratten vom Hundskopf aus; gleich in der ersten Verschneidung am Weg zur Trattenspitze noch ein mächtiges Schneefeld

In der Rinne ist das Seil schon frei, aber man bedarf es nicht, es geht bequem mit Stufen schlagen durch die Rinne. Das Schneefeld im oberen Teil meidet man indem man seiner rechten Begrenzung folgt und oben zum Normalweg quert.

nach 30min nach der Mannl- und Weibele Scharte kommt man in den Gratbereich mit teils noch kräftigen, meterhohen Wächten

nach 30min nach der Mannl- und Weibele Scharte kommt man in den Gratbereich mit teils noch kräftigen, meterhohen Wächten

Ab hier geht ohne Gamaschen nichts mehr, will man trockenen Fußes weiterkommen. Der Schnee ist um die Mittagszeit ein Sulz in dem man mindestens 40cm einsinkt.

die mächtigste Wächte am Grat

die mächtigste Wächte am Grat

Die Stellen die Fels vom Schnee umgrenzt werden sind tückisch. Sind sie nicht steil sondern eher flach hat sich im Schmelz- und Gefrierbereich rund um den Fels herum Eis gebildet, das man nicht erwartet und das auch rutschig ist. Man sieht es nicht, es liegt unter der Schneedecke.

Highlight am Grat; Wächten mit schmalem Band zum passieren

Highlight am Grat; Wächten mit schmalem Band zum passieren

Kurz vor dem kleinen Sattel zwischen Bockkarlturm und Trattenspitze erwartete mich das Highlight der Tour. Ein Fassadensims Fels gebildet aus dem Fels am Grat und einer noch mächtigen Wächte, die den größeren Teil des Grates für sich beanspruchte zwang mich an die Kante der abfallenden Südseite und lies mir kaum noch Körperbreite zum Aufstieg. Bei queren bergauf bekam ich somit von herabrinnendem Schmelzwasser die rechts Seite abgeduscht und beim Rückzug die linke Seite.

weiterer Gratverlauf

weiterer Gratverlauf

Abschließend zum kleinen Sattel bildeten einige kleine Klettereien am aperen Fels eine willkommene Abwechslung die Bergschuhe aus dem Sulz zu bringen. Der letzte Übergang mit einem atemberaubenden Gratstück von ca. 10m Länge und zu beiden Seiten Schluchten, die man nicht gerne befahren möchte.

letzes Gratstück vor dem Sattel

letzes Gratstück vor dem Sattel

Der letze Aufstieg von ca. 50Hm ab dem Sattel schien mir zuerst als noch recht gefährlich ob der Schneelage. Nach detailliertem Studium der Route machte ich mich auf und stieg über die nicht ungefährliche Wächte im Sattel in den Gipfelaufbau ein.

Gipfelaufbau Trattenspitze 22.05. 2016

Gipfelaufbau Trattenspitze 22.05. 2016

Die einzigen Werkzeuge waren meine einteleskopierten Stöcke und diese erwiesen sich als wenig hilfreich im weichen Sulz. Doch die Strecke bis zu den ersten aperen Felsen war kurz und der Rest bis auf den Gipfel konnte in leichter Felskletterei – ohne in die drohende abfallende Nordwand einsteigen zu müssen – in Routinearbeit erledigt werden.

Trattenspitze am 22.05.2016

Trattenspitze am 22.05.2016

Das Gipfelkreuz ist gut 2m tief mit Schnee umgeben und die Gipfelbuchschachtel war noch nicht freigeschmolzen. Dadurch habe ich es leider ziemlich ganz durchnässt vorgefunden, es zeigte Schimmel und ich habe es aus dem Plastiksack befreit sowie es nicht wieder darin verstaut. Die GB-Schachtel habe ich vom Schnee freigelegt und es bleibt zu hoffen, daß das Buch mit der Temperatur und dem Wind trocknet und die Schachtel heuer nicht mehr unter einer Schneedecke liegen wird.

in Mitleidenschaft gezogenes Gipfelbuch der Trattenspitze

in Mitleidenschaft gezogenes Gipfelbuch der Trattenspitze

Zur rechten (westlich) zeigt der Grat noch eindrucksvolle Barrieren aus Schneewächten, die Fürleg-Runde muß somit noch mindestens eineinhalb Monate warten.

Blick zur Walderkampspitze

Blick zur Walderkampspitze

Der Blick von oben wie immer gewaltig in alle Richtungen. Am Aufstieg sieht man die noch unter viel Schnee liegenden Nordhänge der Kette (das Foto zeigt den Bockkarlturm und die gelbe Störzone desselben im Hintergrund).

Aufstiegsroute großteils über die Felskante

Aufstiegsroute großteils über die Felskante

Die Route ist nicht zu unterschätzen vom Zeitbedarf her. Ab dem Hundskopfgipfel bis zum Erreichen des Gipfels werden bei solchen Verhältnissen rund eineinhalb Stunden benötigt.

Autor auf der Trattenspitze (schlimm diese Fotos und wenn möglich zu vermeiden)

Autor auf der Trattenspitze (schlimm solche Fotos und wenn möglich zu vermeiden, ich glaube sie heißen “selfish”)

Der Rückzug bis zum Sattel hinab ist gut machbar, da er eben – entgegen der Sommerroute – am direkten Grat erfolgt. Die letzten 8-10m ist man gut beraten in Falllinie über der breiten Wächte zu steigen.

Blick gen Süden, vorne der Glungezer, hinten der Olperer

Blick gen Süden, vorne der Glungezer, hinten der Olperer

Aber auch der Abstieg über den Grat bietet die selben Herausforderungen wie der Aufstieg und die Spannung ist man dieser Tage erst los, wenn man sich auf halbem Weg in den Tratten der Gamaschen entledigen kann.

Mils, 22.05.2016

 

Figln Lattenspitze – Stempeljoch

Spät weg von zuhause auf die Lattenspitze und weiter zum Stempeljoch zum figln im Stempelkar.
Im Halltal verglüht bei den momentanen Temperaturen um die Mittagszeit, erst ab dem Törl eine leichte Thermik-Brise als Hilfe bekommen.

am Weg zur Lattenspitze, ca. auf  2.000m

am Weg zur Lattenspitze, ca. auf 2.000m

Das erste größere verbliebene Schneefeld am Weg vom Törl zur Lattenspitze.

Blick in die zweite Karwendelkette zu Stempelspitze und Roßkopf

Blick in die zweite Karwendelkette zu Stempelspitze und Roßkopf

Der Weg nach dem Törl auf die Lattenspitze ist fast frei von Schneefeldern, nur in den Rinnen und ab ca. 100m unter dem Gipfel liegt Schnee.

Der Gipfel der Lattenspitze 2.340m

Der Gipfel der Lattenspitze 2.340m

Die Grate im hinteren Teil des Karwendels sind noch fest in der Hand des Schnees, riesige Wächten zur Stempelspitze und zum Roßkopf sind zu sehen (siehe Foto vom Bachofenkar in der Galerie).

gewaltige Wächten

gewaltige Wächten

Nach der Lattenspitze gilt es ein paar harmlose Schneefelder zur Pfeiserspitze zu überwinden. Der Schnee ist von schlechter Qualität, keinem richtig festen Firn sondern knietiefem Einsinken begegnet man auf der ganzen Tour über den Grat.

letzter Teil zur Pfeiserspitze

letzter Teil zur Pfeiserspitze

Die Pfeiserspitze ist schnell erreicht, das kleine Gipfelkreuzchen wurde verlegt. Heuer durfte ich die Seite im Gipfelbuch mit “2016” und dem ersten Eintrag beginnen.

Blick von der Pfeiserspitze zur Lattenspitze

Blick von der Pfeiserspitze zur Lattenspitze

Und ab ging es über den schneefreien Grat in die kurze Rinne zum oberen Karende an dem ich die Figl erstmals ausprobieren konnte.

hier unten geht das Figln los...

hier unten geht das Figln los…

Die Kombination der alpin-Figl und der eisentauglichen Salewa Schuhe klappte recht gut. Die Abfahrt zum Stepeljoch in dem furchtbar nassen Sulz erwies sich als schweißtreibende Partie.

Figl erstmals "in-situ" anprobiert

Figl erstmals “in-situ” anprobiert

unten angekommen, völlig außer Atem, dem schweren Schnee getrotzt, jedoch immer steiler abgedriftet als ich wollte. Kantenfahrt kann man im nassen Sulz vergessen.

kurz vor dem Stempeljoch am aperen Teil angekommen

kurz vor dem Stempeljoch am aperen Teil angekommen

Am Joch selber waren sicher schon einige Tage keine Tourengeher vom Hafelekar her unterwegs, die Schneedecke zeigt keinerlei Spuren.Ein Blick in das Stempelkar verrät, daß die Schneelage schon nicht mehr besonders gut ist. Tewilweise sieht man apere Stellen, der normal verlässliche linke Teil ist durch eine Lawine mit Figln schwer fahrbar.

Blick vom Stempeljoch ins Kar

Blick vom Stempeljoch ins Kar

Im oberen Teil habe ich die Figl ausgezugen und bin durch den schlechten Sulz gegangen, unten wo das Kar breiter wurde konnte dann richtig gefiglt werden.

sulziger Deckschnee wurde abgetreten, der Firn darunter war fest und gut fahrbar.

sulziger Deckschnee wurde abgetreten, der Firn darunter war fest und gut fahrbar.

Dan kam der schöne Teil der Abfahrt:

Im unteren Teil der Abfahrt war sogar mehr Schnee als im mittleren und oben. Abfahrt bis zur Halltaler Pfeis ohne weitere Störungen möglich.

Mit einem wunderbaren Ausblick endet das Fahrvergnügen und die Figl werden im Rucksack verstaut.

Speckkarspitze und Bettelwürfe

Heute den orografisch linken Teil zum Verlassen des Isstales gewählt und immer die Labestation im Vordergund anvisiert.

Abstieg im Isstal

Abstieg im Isstal

Der Zeitbedarf betrug 6 Stunden und die Höhendifferenz gut 1.500m

Mils, 21.05.2016

 

Schitour Hoher Seeblaskogel, 3.235m von Lüsens

Ob er nun Hoher Seeblaskogel oder – wie die AV-Karte ihn nennt – Seeblaskogl ohne “e” heißt ist eigentlich egal, die Schitour auf diesen Berg ist eine besonders schöne Schitour. Sie bietet im ersten Teil eine typische Karausbildung, von unten nach oben stetig steiler werdend, im Mittelteil eine wenig ausgeprägte Steilstufe und im unteren Teil einen steilen Anstieg bis zum schön geformten Kar.

im noch flacheren Teil des  Kares am Anstieg zum Hohen Seeblaskogel

im noch flacheren Teil des Kares am Anstieg zum Hohen Seeblaskogel

Im Aufstieg stellt sich die mehr als 9km lange Schitour ab Lüsens folgendermaßen dar:
Nach dem Parkplatz (4.- in Münzen am Automat) führt der Schotterweg mit mäßiger Steigung zum Fernerboden, von dem man rechts (östlich) über eine für die Stubaier A. typischen Steilstufe in Richtung Längental und Westfalenhaus verläßt. Im Tag unserer Tour (16. April 2016) mußten wir die Schi am Schotterweg ca. 15min tragen und ebenfalls ca. 10min in besagter erster Steilstufe.

Lisenser Fernerkogel, 3.299m

Lisenser Fernerkogel, 3.299m

Nach der ersten Etappe breitet sich das Längental vor den Schispitzen aus und ist wieder in mäßiger – wenn auch nun mit mehr – Steigung zu begehen.

erste Steilstufe im Rückblick

erste Steilstufe im Rückblick

An unserem Tag herrschte starker Südwind, nicht sehr kalt, aber doch so, daß man zumindest ein Stirnband gut vertrug. Schneedecke gefroren von Lüsens (Start 6:20 Uhr) bis auf 2.300m.
Christian legte mächtig Tempo im ersten Abschnitt des Längentales vor und innerhalb von ca. 45min hatten wir den eher flacheren Teil des Längentales überwunden und mit der horizontalen Strecke von 2,6km auch rd. 300Hm auf ca. 2.270m bis zur zweiten – nicht langen und nicht sehr ausgeprägten – Steilstufe im Längental.

zweite Steilstufe im Längental

zweite Steilstufe im Längental

Weiter geht es nun deutlich rechts, östlich, haltend (Wegweiser) und vom Längental abzweigend auf den unteren Teil des eigentlichen Anstieg auf den “Grünen Tatzen Ferner”.
Hier befindet man sich zwischen 2.400 und 2.500m und steuert auf den immer steiler werdenden Gletscherhang zu der zusehends rechts, nordwestlich, sichtbar wird. In diesem Teil hat sich der Gletscher bereits zurückgezogen.

im Anstieg zum Grüne Tatzen Ferner, Höhe hier ca. 2.500m

im Anstieg zum Grüne Tatzen Ferner, Höhe hier ca. 2.500m

Wir treffen eine Dreiergruppe mit einem meiner Arbeitskollegen darunter und setzen den Weg gemeinsam fort.

Rückblick von ca. 2.700m

Rückblick von ca. 2.700m

Die jungen Burschen legen mächtig vor und ich kann sie nur mehr im Gelände bildlich festhalten. Hohes Tempo im Längental unterschätze man nicht, es machte ich bei mir auf rd. 2.900m bemerkbar, ich bin ca. 20min lang richtig eingegangen und verlor den Anschluß.

den Steilhang zum Kar bald überwunden, das schön geformte Kar wird in seinen Dimensionen sichtbar

den Steilhang zum Kar bald überwunden, das schön geformte Kar wird in seinen Dimensionen sichtbar

Am Ende des Steilhanges wird es flacher. Der nun recht stetig aber wenig steil verlaufende Anstieg über den Grüne Tatzen Ferner ist nur noch von einer etwas steileren Stufe in etwa mittig unterbrochen.

im noch flacheren Teil des  Kares am Anstieg zum Hohen Seeblaskogel

im noch flacheren Teil des Kares am Anstieg zum Hohen Seeblaskogel

Er führt so direkt unterhalb des Gipfels und erst eine letzte kurze Strecke mit zunehmender Steigung und ca. 100Hm Höhendifferenz bis zum Gipfel bildet den Abschluß.

letztes kleines Stück mit ca. 100Hm immer steiler werdenden Anstieges zum Gipfel

letztes kleines Stück mit ca. 100Hm immer steiler werdenden Anstieges zum Gipfel

Das Schidepot liegt am untersten Felsen, ist somit wenige Höhenmeter unterhalb des Gipfels. Eine tiefere Stelle für das Schidepot am Grat kann genauso angelegt werden und ist bei nicht optimalen Schneeverhältnissen keine schlechte Idee.

Christian mit den drei Kollegen am Gipfel

Christian mit den drei Kollegen am Gipfel

Der Anstieg zum Gipfel erforderte keine weiteren Maßnahmen (Steigeisen etc.) ist jedoch schon einigermaßen Konzentration wert, vor allem im Abstieg.
der Gipfel ist wenig ausgeprägt und bietet unserer Gruppe gerade bequem Platz. Umso mehr beeilten wir uns mit den üblichen Gipfelprozeduren, angesichts mehrerer großen Gruppen, die bereits im letzten steilen Anstieg zum Schidepot waren.

Christian und ich am Hohem Seeblaskogel, 3.235m

Christian und ich am Hohen Seeblaskogel, 3.235m

Die Aussicht war eine grandiose, jedoch eine klassische April-Aussicht mit genügend Wolken, die das Licht für die Fotos verhinderte und die Fernsicht auf ca. 15km beschränkte.
Trotzdem waren wir beeindruckt; hier ein paar imposante Gipfel, beginnend in Richtung Südost.

gegenüber im Längental die Lisenser Fernerspitze links, die Lisenser Spitze knapp rechts daneben und weiter rechts in der Kette Vorderer und Hinterer Brunnenkogel

gegenüber im Längental die Lisenser Fernerspitze links, die Lisenser Spitze knapp rechts daneben und weiter rechts in der Kette Vorderer und Hinterer Brunnenkogel

Richtung Süden:

mittig im Bild der Schrankogel

mittig im Bild der Schrankogel

Richtung Nordosten:

Blick in das Längental, im Hintergrund eher links der westlichste Teil des Karwendels

Blick in das Längental, im Hintergrund eher links der westlichste Teil des Karwendels

Richtung Westen:

links die letzten Stubaier und in Hintergrund die Ötztaler, ganz rechts unten die Winnebachseehütte und das Sulztal

links die letzten Stubaier und in Hintergrund die Ötztaler, mittig das Ötztal, ganz unten die Winnebachseehütte und das Sulztal

Richtung Nordwesten:

mittig links Breiter Grießkogel, rechts Strahlkogel

mittig links Breiter Grießkogel, rechts Strahlkogel

Da die Legionen näher kamen machten wir uns rasch auf. Die Kollegen lagerten unten beim Schidepot, eine gute Alternative bei Anstürmen auf den Gipfel.

die Musketiere beim Ausblick vom Schidepot

drei Musketiere beim Ausblick vom Schidepot

Die Abfahrt am heutigen Tag verdient kein besonderes positives Prädikat. Pappiger, schwerer Neuschnee auf ruppigem harten Deckel auf den ersten 300Hm, dann, im unteren sonnenbeschienen Steilstück ein Hauch von Firn.
Im Längental dann ausgeprägte, bremsende Firnverhältnisse um ca. 11:15 Uhr und abschließend eine Rast auf der einladenden Bank in der Längentalalm.

Der April bietet zum Abschluß der Tour noch zwei völlig unterschiedliche Ansichten und Eindrücke:

Blick Richtung Südwest zum Hohen Seeblaskogel

Blick Richtung Südwest zum Hohen Seeblaskogel

und ein Blick wie wir ihn haben wollen:

Blick Richtung Ost zur Lisenser Villerspitze

Blick Richtung Ost zur Lisenser Villerspitze mittig rechts

Den würdigen Abschluß bildeten notwendige Elektrolyttankungen mit den Kollegen im urtypischen Alpengasthof Lüsens.

Ab Lüsens sind 1.600Hm zu bezwingen. Für den Aufstieg bis zum Gipfel haben wir incl. meines Schwächelns 4 1/4 Stunden gebraucht, die Abfahrt mit teilweisem Tragen der Ausrüstung bis Lüsens und mit der 20min Rast in der Längentalalm dauerte 1 1/2 Stunden.

Mils, 16.04.2016

Schitour Granatenkogel, 3.304m

Mächtig erhebt sich der Granatenkogel als Talabschluß des Ferwalltales, das von Obergurgl südostwärts zur Staatsgrenze verläuft. Die Schitour ist eine anspruchsvolle, rassige Hochtour mit verhältnismäßig kurzem Anstieg bis zum Hauptteil, dem Steilhang am Ende des Ferwalltales und dem anschließenden Gipfelgrat. Ein mäßig Maß an alpinistischem Können sind in der Steilrinne und an Stellen am Grat gefragt und notwendig.

Granatenkogel Gipfel, 3.304m

Granatenkogel Gipfel, 3.304m

Vom Parkplatz der Festkogelbahn (gleich die erste Umlaufbahn im Ort links, für das Parken mußten wir nichts bezahlen; danke liebe Festkogelbahn; allerdings wäre bis 8 Uhr früh Parkverbot angeschlagen) nimmt man den Aufstieg auf der Piste und stellt möglicherweise fest, daß Harscheisen im April für diese erste Steilstufe sinnvoll wären. Die Rillen der Pistengeräte schaffen einen gefrorenen Untergrund der uns einige Mühe gemacht und ein paar Höhenmeter gekostet hat.

nach der Piste im Talmund des Ferwalltales

nach der Piste im Talmund des Ferwalltales, noch ist das Ziel nicht sichtbar

Nach Überwindung dieser Steilstufe (ca. 400Hm von 1.900m bis 2.300m) und Erreichen des Talmundes verläßt man das markierte Schigebiet, das Tal beginnt. Wir befinden uns auf der westlichen Seite des Tales und diese Seite ist die richtige oder die bessere. Alte Spuren ziehen sich auf dem mäßig geneigten Hang dahin, den man nun bis zur alten Zollwachehütte auf einer Strecke von ca. 2,2km begeht und dabei nur ca. 200Hm Höhengewinn verbucht.

das Ziel nun im Hintergrund sichtbar. Ein toller Anblick dieser mächtige Berg

das Ziel nun im Hintergrund sichtbar. Ein toller Anblick der mächtige Granatenkogel

Bei der Zollhütte befindet man sich auf 2.500m, zu Füßen liegt dem Alpinisten nun ein respektabler Steilhang mit einer Höhe von mehr als 500Hm, der in einer Scharte endet.

Die Kollegen und die Kollegin beim Aufstieg nach der Zollwachehütte

Die Kollegen und die Kollegin beim Aufstieg nach der Zollwachehütte

Der Steilhang stellt sozusagen die zweite Steilstufe im Anstieg mit Tourenschi dar. Seine Steilheit – aus dem TIRIS entnommen – beträgt:
– im unteren Teil unter 30° (in der Hangneigungskarte unten weiß)
– im mittleren Teil 30° bis 35° (in der Hangneigungskarte unten gelb)
– im oberen Teil wieder unter 35° bis 40° (in der Hangneigungskarte unten orange)

Aufsteig im mittleren Teil des Steilhanges, Christian spurt

Aufstieg im mittleren Teil des Steilhanges, Christian spurt

Der schwierigere Teil, bzw. der Teil mit der größten Neigung  und gem. TIRIS von mehr als 40° (in der Hangneigungskarte unten rotbraun) ist der Aufstieg durch die Steilrinne zur Scharte.

Ab hier beginnt die Steilrinne, Schi auf den Rucksack

Ab hier beginnt die Steilrinne, Schi auf den Rucksack

Der Höhenunterschied vom Ende des Hanges ab dem man die Schi abschnallen muß beträgt ca. 100m und die Kollegen bezeichneten sie in guter Laune als “Schnapper”. Oben erreicht man auf 3.076m eine kleine Scharte, die als Schidepot dient, wenn man nicht die Nordflanke abfahren will.

violett markiert in etwa die Aufstiegsroute durch den Steilhang bis zum Gipfel

violett markiert in etwa die Aufstiegsroute durch den Steilhang bis zum Gipfel

Man beachte diese Daten und auch die nördliche Ausrichtung des Hanges bis zur Scharte (der Grat zieht sich dann südöstlich zum Gipfel) bei der Tourenplanung.

in der Steilrinne

in der Steilrinne

Wir waren heute eine Gruppe von zehn – eine Dame unter uns – und benötigten für den zu spurenden Aufstieg von der Zollwachhütte bis zur Scharte ein dreiviertel Stunden.

in der Scharte - Schidepot

in der Scharte – Schidepot

Von der Scharte aus zieht sich der – in seinem Höhenunterschied nicht zu unterschätzenden – Gratrücken noch 225Hm bis auf den Gipfel des Granatkogels hinauf. Der Grat ist nicht besonders anspruchsvoll, der Aufstieg vollzieht sich zumeist auf der Westseite.

Gratpartie, zumeist auf der Westflanke

Gratpartie, zumeist auf der Westflanke

Jedoch erfordert er Trittsicherheit, teilweise steigt man in der schneebedeckten Flanke mit großer Hangneigung und ein Rutscher wäre verhängnisvoll.
Die mitgebrachten Steigeisen blieben heute ohne Einsatz, die Schneedecke war zwar recht harschig, erforderte diese Maßnahmen jedoch nicht.

Partei am Grat mit steiler Westflanke

Partei am Grat mit steiler Westflanke

Die Südströmung der Wetterlage förderte heute enorme Luftfeuchtigkeit in unser Tourengebiet und daher sind die Fotos allesamt von bescheidener Qualität. Feinteile von Saharasand verstärkten die diffuse Sicht. Dies trübte jedoch nicht die Freude über den Gipfelsieg, der um 10:30 Uhr gefeiert werden konnte. Der Aufstieg vom Parkplatz war in dreieinhalb Stunden geschafft. Am Gipfel herrschte mäßig starker, böiger Südwind.

der Autor am Gipfel, heute am Foto nur teilweise zu sehen - leicht ausreichend

der Autor am Gipfel, heute am Foto nur teilweise zu sehen – leicht ausreichend

Zwei Kollegen aus der Gruppe nahmen ihre Schi bis zum Gipfel mit, um über die Nordwestflanke abzufahren. Diese wird als Abfahrt, die nur bei absolut sicheren Schneeverhältnissen unternommen werden soll, beschrieben und Angaben über ihre Steilheit reichen von 45 bis 50°.

Blick zur Liebener Spitze, 3.400m

Gipfelkreuz Granatkogel und Blick zur Liebener Spitze, 3.400m

Während die beiden Kollegen mit einer anderen Gruppe von drei für die gemeinsame Abfahrt den besten Einstieg in der oben noch weniger steilen Nordflanke suchten, stiegen wir anderen wieder am Grat hinunter zum Schidepot. Am Abstieg konnten wir die fünf Abfahrer in der Nordflanke sehen. Der offensichtlich steilste Teil von der Kameraposition aus gesehen (siehe nächstes Foto) ist jener zwischen den beiden Gruppen. Dies bestätigten unsere Kollegen dann auch und waren unisono der Ansicht, daß die Abfahrt in keinem Teil an 50° heranreicht.

Blick zu den Kollegen in der Nordflanke, zwei bereits im Steilhang, drei noch in der Flanke oben

Blick zu den Kollegen in der Nordflanke, zwei bereits im Steilhang, drei noch in der Flanke oben

Die Abfahrt für uns am Steilhang war nicht viel weniger steil und zwischen den Felsen der Rinne im oberen Teil auch schmal. Trotzdem reicht die Breite für die vier, fünf Schwünge, die man braucht um wieder in den breiten Steilhang zu kommen völlig aus. Wir hatten auch keinen Gegenverkehr. An Tagen mit viel “Verkehr” dürfte diese Rinne ein kleineres Vergnügen sein.

Abfahrt durch die Steilrinne

Abfahrt durch die Steilrinne

Die Abfahrt am Steilhang war im oberen Teil noch recht akzeptabel, im mittleren und unteren Teil brach man durch den Harschdeckel ein.

Abfahrt im Steilhang

Abfahrt im Steilhang

Im untersten Teil und im recht flachen Tal bis hinaus zu den Schipisten der Bergbahn konnte man es “laufen lassen” und wir erreichten ohne zutun durch Anschieben wieder die Piste.

Ausfahrt durch das Ferwalltal

Ausfahrt durch das Ferwalltal

Wir sind um 6:45 vom Parkplatz losmarschiert und um 12 Uhr dort wieder angekommen, haben also mit ca. 15min Gipfelrast 5 1/4 Stunden benötigt. Die gesamte Höhendifferenz betrug 1.400m.

Mils, 02.04.2016

 

 

 

 

Schitour Ellesspitze, 2.661m

Eine Stunde nimmt die Anfahrt nach Stein, hinterer Ortsteil von Innerpflersch in Anspruch, will man als Innsbrucker die Schitour auf die Ellesspitze unternehmen. Man fahre also früh ab, denn der hintere Parkplatz, für dessen Zufahrt ein Mautner drei Euro nimmt, ist nicht besonders groß. Im Fall, daß er voll ist muß man am vorderen Parkplatz parken und hat – zumindest im März – rund einen Kilometer Tragesstrecke vor der Brust.

die Wenigkeit des Autors wieder einmal

die Wenigkeit des Autors wieder einmal; dahinter interessanteres in den Stubaiern

Die Schitour auf die Ellesspitze fängt über einen Forstweg zur Ochsenhütte an und ist im Frühjahr von unten schon frühmorgens großteils sonnig. Hat man den Felsrücken nach ca. 25min ünerschritten vollzieht sich der Aufstieg  weiter im Schatten und nach der Ochsenhütte befindet sich eine Kehre am weiteren Anstieg zur – wie mir schien – verlassenen Grubenalm.

Nach der nächsten Kehre – wir sind immer noch am Anstieg am Almweg – wird es wieder sonniger, bevor man die Grubenalm links liegen läßt und in die weite Talsenke eintritt.

Rückblick auf die Alm

Rückblick auf die Grubenalm im Hintergrund von Zachi

Zuerst ist die Talsenke relativ flach und hier trennen sich die Touren von Mauererspitze und Ellesspitze.

der rechte Teil des weiten Tales nach der Grubenalm

der rechte Teil des weiten Tales nach der Grubenalm

Die Route zur Ellesepitze zweigt im flachen Teil rechts (westlich) ab und folgt einem steilen Hang, der auf einen schon von unten markant sichtbaren, leichten Sattel führt. Der Vorteil im März ist, daß dieser Hang am Morgen um bereits wohlig warm beleuchtet ist.

markanter Sattel zum Hochtal zur Ellesspitze

markanter Sattel zum Hochtal zur Ellesspitze

Christian, Zachi und ich nehmen nach der Grubenalm, bei nicht ganz der Hälfte der Tour, einen kräftigen Schluck aus der Thermosflasche und benötigen für die Strecke bis zum Sattel rund 25min.

am Sattel angelangt

am Sattel angelangt

Der obere Punkt dieses Sattels liegt in etwa auf 2.150m. Von dort geht es in einem schmalen Talkessel bis zur nächsten Steilstufe moderat steil weiter.

schmales schattiges Tal bis zur nächsten Steilstufe

schmales schattiges Tal bis zur nächsten Steilstufe;  Anstieg durch diese links zwischen den Felsen

Ab dem Ende der Steigung, auf einem eher flachen Teil, sieht man die nächste Steilstufe links (östlich) ein. Diese ist nicht so hoch wie die erste Steilstufe. Oben endet die Route eher flach, bzw. leicht gen Süden ansteigend.

nach der zweiten Steilstufe

nach der zweiten Steilstufe

Nach einigen Minuten flacherer Strecke sieht man den Gipfel der Ellesspitze deutlich und südöstlich die Maurer- und dahinter – als gehöre sie fast zum Grat der Maurerspitze – das Gipfelkreuz der bekannten Wetterspitze.

Blick auf die Maurer- und Wetterspitze

Blick auf die Maurer- und dahinter – kaum auszumachen – mittig im Gratkamm das Gipfelkreuz der Wetterspitze

Nun geht es südwestlich drehend weiter mit moderatem Anstieg bis auf einen schwach ausgeprägten Verbindungssattel zwischen einer kleinen, niedrigeren Gipfelerhebung mit Kreuz links und der höheren Ellesspitze rechts.
Von dort sind es noch 60Hm am Grat, rechts (nordwestlich) bis zum Gipfel der Ellesspitze. Ein krönender Abschluß der Grat.

Zachi und Christian rechts vom Grat zur Ellesspitze

Zachi und Christian rechts vom Grat zur Ellesspitze

Die direkte Gratroute sieht man erst vom Gipfel aus und stellt fest, daß diese bequemer begehbar ist als die steile Flankenroute.

Blick zum Pfarmbeiljoch

Blick zum Pfarmbeiljoch und dahinter Maurer- und Wetterspitze

Den Gipfel der Ellesspitze sollte eigentlich – nach diversen Angaben im Internet – ein Gipfelkreuz zieren. Wir mußten aber feststellen, daß dem jedoch nicht so ist. Zumindest ist es nicht sichtbar und möglicherweise ist jenes auf der vom Sattel aus gesehen linken (südöstlichen), niedrigeren Graterhebung gemeint.

letzterAnstiegsteil, der Grat und der Gipfel der Ellesspitze

letzter Anstiegsteil, der Grat und der Gipfel der Ellesspitze

Eine bescheiden große, nach Süden geneigte Gipfelfläche diente uns als Rastplatz und deren Begehung nach Norden vermieden wir weitgehend. Die Blicke am Aufstieg verrieten, daß die Gipfelwechte (ein elendiglich aussehendes Wort hat uns die neue Rechtschreibung da aufgebürdet) eher nicht zu betreten ist. Nach Süden hin konnten wir bereits teilweise aufgrund der Sonnentätigkeit die Wiese und kleinere Felsen sehen und dies markierte in etwa wo wir zu bleiben hatten.

Gipfelrast auf der Ellesspitze, 2.661m

Gipfelrast auf der Ellesspitze, 2.661m (im Hintergrund die kleinere Gipfelerhebung mit Gipfelkreuz

Vom Ridnaunertal über die fernen Dolomiten bis hin zum Olperer reicht die Sicht von Süden bis Osten, von den südlichsten Ötztaler Dreitausender über die Botzergruppe bis zur Sonnklarspitze in den Stubaiern reicht er von Süden bis Nordwesten.

rechts die Sonnklarspitze in den Stubaiern

rechts hinten die Sonnklarspitze in den Stubaiern

Der Wilde Freiger ist nicht sichtbar, er versteckt sich in fast gerader nordwestlicher Richtung hinter dem höchsten Gipfel in dem Grat in dem wir uns befinden, dem Hocheck, 2.867m, hier im Bild ganz rechts.

Die Abfahrt erfolgte direkt vom Grat zum Joch auf festem Harsch und ab dem Joch schon auf einem kleinen Tiefschneehang mit guter Pulverschneequalität.

die flacheren Hänge mit etwas weniger Pulver und mehr Harsch zu befahren

die flacheren Hänge mit etwas weniger Pulver und mehr Harsch zu befahren

Anschließend, am flacheren Teil über der zweiten Steilstufe mit weniger Pulverschnee weiter bis zur zweiten Steilstufe. Über diese – bereits recht zerfahren – ebenfalls im Wechsel zwischen harten zerfahrenen Stellen und noch pulvrigen Einlagen weiter und wenn man sich eher östlich hält erwischt man noch unberührtere Partien.

knapp oberhalb der Baumgrenze, bei der Alm, Rückblick auf die schönen Hänge rechts

knapp oberhalb der Baumgrenze, bei der Alm, Rückblick auf die schönen Hänge rechts

Ab dem Tal nach der zweiten Steilstufe bis hinunter zur Alm durften wir hauptsächlich auf feinem Pulverschnee abfahren und ab unten, an der Kante der ersten Steilstufe wurde der Schnee im Hang etwas kompakter und schwerer, jedoch ohne Kraftakt zu befahren.

Teilweise auf dem Forstweg zur Alm, teilweise zuerst in recht freiem Gelände (nur Staudengewächse in den Hängen), dann ein kurzes Stück im Wald geht die Abfahrt bis zum Parkplatz zu Ende.
Man kann ab der Alm auch die gesamte Strecke auf dem Forstweg (Aufstiegsroute) abfahren.

Für die gesamte Tour waren wir 5 Stunden unterwegs, davon recht genau drei Stunden am Aufstieg.
Knapp 1.300Hm beträgt der Höhenunterschied ab dem Parkplatz nach Stein (Höhe Parkplatz ca. 1.370m).

Mils, 27.03.2016

 

Schitour Pleisenspitze, 2.569m

Brasilien hätte mir heute nicht mehr bieten können, als der Anstieg durch den Wald zur Pleisenhütte mir bot, bevor es ohne Regenwald zur Pleisenspitze weiterging.

Pleisenspitze, 2.569m Hier auch der Verfasser mit dem Gipfelkreuz abgelichtet, damit Rügen entfallen man sähe ihn nie auf seinen Touren

Pleisenspitze, 2.569m
Hier auch der Verfasser mit dem Gipfelkreuz abgelichtet, damit Rügen entfallen man sähe ihn nie auf seinen Touren

Diesen Klassiker der Karwendelschitouren bin ich heute sehr spät angegangen, um 10:45 verließ ich erst den leeren letzten Parkplatz vor dem Fahrverbot in die die Karwendeltäler.

Hoher Gleirsch in der Vormittagssonne mit Restbewölkung

Hoher Gleirsch in der Vormittagssonne mit Restbewölkung

Der Wetterbericht war zwar richtig, jedoch stellte sich der Abzug des Nebels und blauer Himmel im Inntal erst gegen 9 Uhr ein. So begann die Tour erstmals sehr spät am Vormittag, dafür ohne Nebel im Anstieg.
Wenig überraschend, wegen der Wetterlage und höchstwahrscheinlich auch wegen der Schneelage im unteren Teil des Weges zur Hütte, waren an diesem Tag nur eine wirkliche Handvoll Schitourengeher und eine fast so große Hand voll Schneeschuhgeher unterwegs zur Pleisenspitze.

ab ca. 1.250m genug Schnee für den rest der Tour

ab ca. 1.250m genug Schnee für den Rest der Tour

Bis man die Schi wirklich anziehen konnte mußte man heute Schi und Schuhe gute 40min lang tragen, erst nach dem Rutschhang nach der Bachquerung auf ca. 1.200m konnte man in den Tourenmodus wechseln. Und das auch nur weil es des Nächtens zuvor doch recht viel geschneit hat.

Pleisenhütte erreicht

Pleisenhütte erreicht

Zur Pleisenhütte war ich zwei Stunden unterwegs. Anschließend folgte im flacheren Teil in den Latschen eine Strecke mit mehreren Spuren und ich nahm möglicherweise nicht die beste Route, hielt mich aber immer in Richtung zum Graben, durch dem der Sommeraufstieg auch durchführt. In diesem Teil ist es auch eigentlich egal wie mir schien.

die Pleisenspitze noch im Restnebel

die Pleisenspitze noch im Restnebel

Im Graben, bei dem man den weiteren Aufstieg gut ahnen kann, nahm die Route zuerst einen vom Sommerweg wegführenden Verlauf nach links (westlich), jedoch wahrscheinlich nur um der Steilheit etwas zu begegnen. Im Vorderkar angekommen führte die Route wieder zurück zum Sommerweg, also sehr östlich und über die steile Partie hinauf bis zum oberen Ende der Latschen.

das Aufstiegsgelände im mittleren Teil der Latschen

das Aufstiegsgelände im mittleren Teil der Latschen

Dort beginnen “die Pleisen”, der lange Rücken, zuerst mit einem noch ca. 100Hm recht steilen Anstieg und dann etwas flacher, aber doch anstrengend genug, am westlichen Teil des langen breiten Rücken dahin.

Aufstiegsgelände zwischen den oberen Latschenbeständen

Aufstiegsgelände zwischen den oberen Latschenbeständen

Wenn die Sonne dieser Tage ungehindert strahlt, dann ist der Aufstieg dieser Tage Ende März schon auch ein schweißtreibender. Jedoch lohnt der sich, denn unvermittelt tauchen atemberaubende Blicke nach Ost und Süd auf.

am Pleisenrücken angelangt

am Pleisenrücken angelangt

Der breite Parallelrücken der Larchetkarspitze gibt nach und nach herzerfreuende Blicke frei und gleiches widerfährt dem Alpinisten mit der zweiten Karwendelkette, der Gleirsch – Halltalkette. Auf ca. 2.300m kann man die Kette bis fast zu ihrem geodätischen Höhepunkt, dem Großen Bettelwurf, einsehen. Wenn durch restliche Nebelschwanden nicht dort, dann spätestens am Gipfel.

Die Pleisenspitze mit dem abziehenden Restnebel, von hier eine dreiviertel Stunde

Die Pleisenspitze mit dem abziehenden Restnebel, von hier eine dreiviertel Stunde

Diesen erreicht man dann auch recht rasch, wenn man ihn vom flach werdenden Teil vor dem Gipfelaufbau aus erblickt. Ein letzter Aufschwung mit einer Kehre nach Westen und oben wieder nördlich weiter, schon ist er nur mehr 50Hm entfernt.

die Hänge des Gipfelaufbaues schifahrerisch fast jungfräulich

die Hänge des Gipfelaufbaues schifahrerisch fast jungfräulich

Der Gipfel war trügerisch verschneit. Trügerisch, weil die Schneeauflage doch gut 30cm stark war, darunter aber absolut aperer Fels anstand. Diese Situation habe ich falsch eingeschätzt und prompt war mir ein 5cm langer Kratzer bis zum Gewebe im rechten Schi beschieden. Die letzten 15Hm empfehle ich daher, zumindest für den Restwinter heuer, eher zu gehen, als zu fahren.

am Gipfel angelangt das zentrale Karwendel mit Riedelkarspitze, Breitgrießkar- und Seekarspitze

am Gipfel angelangt das zentrale Karwendel mit Riedelkarspitze, Breitgrießkar- und Seekarspitze

Der Ausblick von der Pleisenspitze ist immer grandios, heute, nach viel nächtlichem Niederschlag aber war er besonders klar und rein. Die Bilder in der Galerie zeigen dies schön deutlich.

die Gleirsch - Halltalkette nun bis zu den Bettelwürfen hin klar sichtbar

die Gleirsch – Halltalkette nun bis zu den Bettelwürfen hin klar sichtbar

Zusammengesellt mit Anita, mit der ich zuvor am Parkplatz ein paar Worte wechselte und die min in den Pleisen wieder einholte, bildeten wir ein Abfahrtsduo.

Anita rüstet sich zur Abfahrt

Anita rüstet sich zur Abfahrt

Mittlerweile, es war doch schon fast halb vier Uhr nachmittags, war der Schnee noch feuchter und pappiger als beim Aufstieg geworden. Zusammen mit der immer noch starken Sonneneinstrahlung eine recht schweißtreibende Angelegenheit.

das Abfahrtsgelände von der Pleisenspitze

das Abfahrtsgelände von der Pleisenspitze

Trotzdem genossen wir die freie Abfahrt über die fast unberührten Hänge bis zu den Latschen. In diesen wurde das Drehen der Schi nochmals eine zusätzliche Übung für die Oberschenkel.

der Spaß beginnt; leider mit einer Gewaltsschramme am Belag

der Spaß beginnt; leider mit einer Gewaltsschramme am Belag

Siggi’s Pleisenhütte kam nach diesem Ritt willkommen und ein Bier und eine Knödelsuppe mußten nachgetankt werden.

nach all den schönen Eindrücke von der Pleisenhütte aus noch ein weiterer

nach all den schönen Eindrücke von der Pleisenhütte aus noch ein weiterer

Da es doch schon dreiviertel fünf war, als ich die letzte Ansicht auf die in Frühabendsonne getauchte Pleisenspitze festhielt machte auch ich mich auf den Weg, denn die Tragestrecke vermutete ich durch das Tauen untertags noch viel weiter oben als am Vormittag.

der letzte Rückblick zur Pleisenspitze

der letzte Rückblick zur Pleisenspitze

Zu meiner Überraschung war die Abfahrt am Weg noch fast bis zur Brücke “Wasserlegraben” auf ca. 1.180m möglich, mit ein paar kurzen Abschnitten von 20 bis 100m Tragestrecke. Dies setzte sich nach der Jagdhütte noch einige Hundert Meter so fort, bis rechter Hand die weiten Felder begannen.

Hoher Gleirsch in der Abendsonne ohe Restbewölkung; diesmal hat der Wetterbericht gepaßt...

Hoher Gleirsch in der Abendsonne ohne Restbewölkung; diesmal hat der Wetterbericht gepasst…

Dort war Schluß mit lustig, Schi und Schuhe mußten geschultert werden und mit Turnpatschen ging es gute 2,5km bis zum Auto, das ich um genau 18 Uhr erreichte. Man unterschätze die Strecke nicht, nach einem langen Tag im Karwendel.

Für die Tour habe ich 7 1/4 Stunden gebraucht und davon ca. 15min am Gipfel und gute 30min in der Pleisenhütte zugebracht.

Mils, 26.03.2015