Innere Rigelkarspitze, 2.438m

So sanft die Gleierschtal-Halltalkette von der Sichtung von Scharnitz aus beginnt, so bizarr und wild setzen die ersten Gratübergänge östlich des Hohen Gleirsch fort und der Übergang zur Innere Rigelkarspitze stellt im Gratverlauf zu den Jägerkarspitzen die große Herausforderung dar.

Gipfelsteinmann der Inneren Rigelkarspitze, 2.438m mit Pleisenspitze im Hintergrund

Schon lange beschäftigt mich der westliche Teil dieser heimatlichen Karwendelkette, weswegen die zentrale  Erhebung der Tour darin bestand, die Inneren Rigelkarspitze nun erstmalig auf leichtem Wege zu erkunden.

Grat von der Inneren Rigelkarspitze zur nördlichen Jägerkarspitze

Gleich bei der Morgentoilette beleidigte ich beim Bücken zum Wasserhahn hin irgendeine Bandscheibe weit unten – was bei mir nur alle zwei Jahre vorkommt – und mußte  selbst während der Anfahrt nach Scharnitz um 7 Uhr noch feststellen, daß diese unbewußte Bewegung längerfristige Konsequenzen haben würde. Also am Radl in Gleirschtal – ich pflege trotz meines hohen Alters noch nicht mit einem Stromradl aufzusteigen – verschwand die Einschränkung nicht und es kann an dieser Stelle schon vorweggenommen werden, daß bis zurück zum Schreibtisch, an dem diese Zeilen entstehen, die mittelmäßig stark spürbare Rebellion der Gummischeibe nicht zur Ruhe gekommen ist. Gut, daß es morgen regnen wird.

den Karboden des Rigelkares erreicht, phantastisches Gelände im weiten Kar

Die Anreise bis knapp vor die Möslalm muß hier nicht erwähnt werden, dafür gibt es Berichte und Webseiten genug; erwähnt sei nur, daß zur Anfahrt ein Rad für den Bergsteiger nottut, will er zu früher Stund zum Ausgangspunkt zu gelangen und weiters sei erwähnt, daß er für die Anreise vom Parkplatz Scharnitz bis knapp vor die Möslalm, wo das Radl in den Wald geworfen werden kann um das Schloss zu sparen, mit einem Stündchen mittelstarke Beinarbeit für ca. 10km über knapp 300Hm rechnen möge.

die Innere Rigelkarspitze etwas links der Bildmitte mit der Aufstiegsrinne in der tiefsten Einschartung

Gleich zu Beginn des Aufstieges darf man sich dieser Tage auf etwa 1.300m eines wahrlich ästhetischen, man könnte sagen zierlich, jungfräulichen Anblickes einer nicht sehr häufigen Orchideenart im Karwendel erfreuen, das Rote Waldvögelein, eine Alpenlilie, geleitet in der Morgensonne am Jagdsteig durch den eigenartig schönen, naturbelassenen, lichten Nadelwald und die außergewöhnliche kräftige violette Farbe der Blüten, zurückzuführen auf den passenden, leicht sauren, pH-Wert des Kalkbodens, vermag die Kamera im Morgenlicht bei weitem nicht so zauberhaft wiederzugeben, wie das Auge sie in natura wahrnimmt.

eine Anhäufung von Rotes Waldvögelein (Cephalanthera rubra) säumt den Steig

Bald ist die Abzweigung des excellent ausgeschnittenen Steiges zum Hohen Gleirsch erreicht und der Bergsteiger, der den eindrucksvollen Kessel des Rigelkares beschreiten will, zweigt nicht links zum Grat zum Hohen Gleiersch ab, er nimmt die gerade Richtung durch die breite Latschengasse mit den auffälligen Markierungen auf zwei Felsbrocken mit „R“ in das lange, weite Rigelkar.

das Rigelkar Ende Juni 2017

Von der Abzweigung sind es gut 500Hm bis der Karboden des Rigelkares erreicht ist. Alleine die Eintrittskarte dieses langen Anmarsches ist schon bezeichnend für das schöne, einsame Rigelkar.

Dolinen geometrisch sauber aufgefädelt

Am fast horizontalen Karboden können Dolinen in einer frappierenden Gleichmäßigkeit ihrer geometrischen Abfolge beobachtet werden, die für mich einzigartig im Karwendel ist und die auf einige interessante Gegebenheiten tief unter den Karwiesen schließen lassen.
Messerstichkalkgeröll (Kalkfels mit schmalen Rissen aussehend wie schmale Messerstiche) und die wahrlich menschenscheuesten Gämsen im Karwendel runden die Szenerie im Kar ab. Alleine für diese Eigenheiten hat das Rigelkar den Aufstieg über knapp 1.000Hm schon verdient. Der Bergsteiger wird mit kostbaren Eindrücken reich entschädigt, bevor es hinein die Rinnen und Zinnen geht.

Anstieg nordöstlich des Karbodens zur Aufstiegsrinne

Im hintersten Karboden halten sich die Lawinenreste meist hartnäckig bis in den Juli hinein und geben der dieser Tage schon strapazierten Trinkflasche wieder etwas Inhalt, soferne man immer warmen Tee mitnimmt, der es mit den fast zu Eis gewordenen Firn aufnimmt und noch trinkbare Mischung erzeugt, ohne daß aufgrund der Kälte Magenkrämpfe entstehen.

Nun steht ein Stück Aufstieg am Programm, das im Kopfe schwer werden kann, wenn man es zu sehr sitzen läßt. Der Anstieg aus dem Karboden zur schon von Weitem sichtbaren Aufstiegsrinne durch die Südwand zur Inneren Rigelkarspitze beginnt nämlich mit ca. 200Hm Reisengeröll.
Bei guter Routenwahl durch die Verschneidung der Reisenkegel mit großem Blockwerk kann das unangenehme pilgerschrittartige Zurückrutschen in praller Sonnenbestrahlung auch auf einem erträglichen Minimum gehalten werden und der Kopf siegt in diesem Fall nicht, man steigt beim Erreichen des festen Felses gut gelaunt aus dem üblen Teil dieser Partie aus.
Die Rinne ist nach gut 20min erreicht, sie durchzieht die Südwand in nordöstlicher Richtung und daher haben wir sie bei unserer Erstbegehung auf die Jägerkarspitzen nicht sofort entdeckt.

vom Felsansatz der Rinne zurück in den Karboden geblickt

Den unteren Teil der nun zu begehenden Rinne lasse man mangels Tritten und der Abgeschliffenheit der seitlichen Begrenzungen der 50cm breiten Rinne weg, man steige rechts im Fels ca. 15Hm weiter an und quere dann nach links in griffiges Rinnengelände.

Aufstiegsrinne nach ca. einem Drittel des Aufstieges

Wenn man sich mit dem Erscheinungsbild der Inneren Rigelkarspitze aber etwas beschäftigt, dann sieht man die Rinne schon von Weitem. Besonders bezeichnend ist der Klemmblock, der am obersten Gratverlauf ein Licht-/Schattenspiel bietet das vom äußersten Karboden bereits gesichtet werden kann. Steht man dann vor diesem Kamin, dann würde man nicht glauben, daß ein Klemmblock dieser Größe von über 1.000m Luftlinie sichtbar ist.

Aufstiegsrinne nach ca. einem Drittel zurückgeblickt

Nun geht es in diesem Riß, oder Rinne, gut griffig mit moderater Steilheit nach oben, so daß für diesen Anstieg großteils die Schwierigkeit II vergeben werden kann; die Führerangabe durch die Erstersteiger vor 120 Jahren mit I erscheint zumindest nach heutiger Geländeeinschätzung leicht untertrieben.
Der Fels links weniger, rechts jedoch signifikant mehr, ist erstaunlich fest. Bei der Begehung in der Gruppe empfiehlt sich doch ein Kopfschutz, da durch die seltene Begehung viel Geröll in der Rinne angetroffen wird, der auf die Nachsteigenden niedergeht.

ca. 30Hm unterhalb des Bereiches in dem sich die Rinne zum Kamin verengt

Der Aufstieg erfolgt selbst im Juni fast bis zur Mittagszeit recht gut vor Sonne geschützt, deshalb dürfte die Rinne auch bis weit ins Frühjahr hinein mit Restschnee gefüllt sein und die Tourenplanung sollte diesen Umstand berücksichtigen.

am Band links (westlich) des Kaminansatzes

Knapp unterhalb der Gratlinie oben verjüngt sich die Rinne zum Kamin und, betritt man diesen sehr schmalen Kamin, schlägt sofort der Gratwind durch; man weiß also, daß die vertikale Nordseite lediglich die zwei bis drei Meter hinter dem Kamin hinunterpfeift. Für mich und den Rucksack war der Kamin aber zu schmal und weil ich alleine unterwegs war wollte ich keine Experimente zur Schlankheit unternehmen, um unbedingt durch den Kamin die Grathöhe zu erreichen.
Anstelle des schmalen Schlufes entschied ich mich das genügend breite Band zu meiner Linken (westlich) zu nehmen, um auf die Grathöhe zu gelangen. Nach einigen Rippen gelang es mir auch halbwegs bequem die ca. 3-4m hohe Felsplatte über dem Band zu erklimmen, die, erdgeschichtlich betrachtet, sicher ein gutes Dutzend von Hunderttausend Jahren für ihre Entstehung gebraucht hat und die durch eine weiche Trennschicht so markant auf der harten Oberfläche des Bandes draufliegt, daß man die Zeitepochen der Entstehung fühlen kann. Im Übrigen ist die Trennschicht geologisch von so schlechtem Fels gebaut, daß sich die an deren Basis entstehenden Einbuchtungen als Notunterschlupf bei Wettersturz eignen würden; ein nicht unbekanntes Phänomen im immer lebendigen Karwendelkalk.

der Verlauf des breiten Bandes in Richtung Gipfel der Inneren Rigelkarspitze

Das moderat aufwärts gerichteten Band kann problemlos beschritten werden, bis eine geeignete Stelle für den Aufstieg zur absoluten Grathöhe gefunden wird, wobei in meinem Fall eine ehe konservativer Aufstieg in zwar brüchigem Gelände, dafür aber ohne großem Risiko gewählt wurde. Knackigere Stellen für junge Gämsen gibt es genug.

Aufstiegsstelle zum Grat

Der Grat selber mutet sichtlich selektiver an als das meiste, das standardmäßig im östlichen Teil der Kette zu finden ist, mangelt es an Türmchen in der direkten Gratlinie und schmalen Parteien doch keineswegs. Selbst der mit II beschriebene weitere Gratverlauf zur Nördlichen Jägerkarspitze erscheint ab dem Kamin keineswegs einfach.

Leider konnte ich kaum Erkundungen zu beiden Gratseiten anstellen, denn die hohe dunkelgraue Wolkenfront über der Hohen Munde überredete mich zur schnellen Gipfelrast mit hastiger Jause und frühem Abstieg. Ein Gewitter am derart selektiven Grat wäre nicht das wofür ich heute losgezogen bin.

Rückblick am Band

Zu meiner Bandscheibenbeleidigung heute früh kam zu allem Überfluss auch noch der Pflanz des Wetters dazu, denn nach dem übereilten Abstieg klärte sich das fälschlich als Ungemach erkannte Wetter von Westen und ich ärgerte mich darüber, daß der Grat nun nicht weitläufiger erkundet werden konnte. Ein weiterer Aufstieg hierzu zur Inneren Rigelkarspitze muß nun leider baldigst her.

Türmchen westseits des Gipfelsteinmannes und Hoher Gleirsch im Hintergrund

Der eingefleischte Karwendelliebhaber wird den wilden Grat mögen, das Erscheinungsbild ist dermaßen archaisch und unberührt, daß man seinesgleichen auf den höchsten Fluren weithin sucht. Der Verwitterungsgrad an der Oberfläche des Gerölls und dessen Rauheit ist von der recht seltenen Art, die nur in den sehr wenig begangenen Gratabschnitten der Kette zu finden ist, insgesamt ein faszinierend Gelände.

Hinterautal

Die Blicke zu allen Seiten der Schneide müssen jeden Karwendelgeher beeindrucken, mag er auch noch so extrem sein. Tiefblicke in das Hinterautal und eine viele Hundert Meter abstürzende Nordwand bleiben lange eingebrannt.
Solch exponierte Spitzen in Gratverläufen besitzen meist kein Gipfelkreuz mehr, die Innere Rigelkarspitze wartet dem Bezwinger mit einem schlichten Gipfelsteinmann auf und diese Auftürmung befindet sich noch nicht einmal auf der höchsten Erhebung, die sich entweder als ein schlichtes schneidiges Grattürmchen 15m weiter westlich oder am Zustieg an dem das folgende Fotos entstanden ist präsentiert. Vom Katzenkopf aus sieht die östliche Erhebung leicht höher aus, siehe Gratfoto in der Galerie.

höchste Stelle der Inneren Rigelkarspitze, oder ist das Türmchen drüben noch ein wenig höher? Rechts unten der Gipfelsteinmann

Heute nicht ganz mein Tag, die Grundmission aber ausgeführt geht es nach einem raschen Moment des Dankes für den geglückten Aufstieg am kurzen Gratstück zurück zur Rinne. Noch ein kleiner Moment des Innehaltens, ob des herrlich aussehenden Kamines, aber nein, die Vorfreude über die nächste Begehung soll die schöne Stelle konservieren, es geht wieder abwärts und zwar gar nicht so unbequem wie man schlechthin Abstiege in Rinnen im Karwendel kennt.

Grat mit ostseits höchster Erhebung der Inneren Rigelkarspitze

Die letzte erwähnenswerte Stelle ist der ganz unterste Teil der Rinne, der weiter oben im Text schon erwähnt wurde. Ich vergaß ihn, kletterte gedankenlos weiter hinab, kokettierte einen Augenblick mit einem drei Meter Sprung, verweigerte aber mit der Erfahrung des Alters, kletterte 10m zurück und nahm den griffigen Felsabstieg.

wieder 15m höher zurückgeklettert

Der Rest im Abstieg ist nicht erwähnenswert und im Karboden schon kam leichter Ärger ob des blauen Himmels über der Hohen Munde auf. Die Wirtsleute der Möslalm aber vertreiben den Ärger mit deren tollen Angebot…

letzter Blick zurück beim Abstieg durch das Rigelkar

Gehzeit ab kurz vor der Möslalm und bis zur selben Stelle zurück ca. 5 Stunden (Radlstrecke zusätzlich ca. 1h rauf + 40min ab), ab Scharnitz ~ 1.500Hm

Mils, 24.06.2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Überschreitung Speckkarspitze – Kleiner Bettelwurf, Variante

Für diese schöne Überschreitung gibt es zur Erstbeschreibung auf diesem Blog am Aufschwung zum Kleinen Bettelwurf eine Variante, die Andis Normalroute darstellt und hier beschrieben wird.
Außerdem haben wir von den Schlüsselstellen Videos gedreht, um die Dokumentation zu verbessern.
Der Bericht bezieht sich auf die wichtigsten Passagen und endet mit der Abstiegsvariante zur Bettelwurfhütte am Südgrat des Kleinen Bettelwurfes.

Grat von Speckkarspitze bis Kleiner Bettelwurf

Nach dem Gipfel der Speckkarspitze gelangt man zum kleinen Abbruch mit Scharte, die jenseits, als Gegenpart, von den markant schräg nach oben ziehenden Rippen gebildet wird und an denen schon Karwendelpioniere bei deren Erstbegehung gescheitert sind.
Der Führer beschreibt hier einen nicht nachvollziehbaren lästigen Abstieg, der das lange queren der scharfen unangenehmen Rippen bis zur Grathöhe danach zur Folge hat.

Abstieg zur Scharte

Wir bleiben also ganz zuoberst und zwar bei vorgenanntem Schärtchen, von dem es nordseitig steil abfällt.
Von der Scharte aus sind es nur wenige Schritte – man mag sie je nach individueller bergsteigerischer Stufe als unangenehm empfinden – zum kleinen Sattel auf und nachdem das Gelände nicht mehr so ausgesetzt abwärts zum Grat zurück weitergeht.
Die Stelle ist nach der Scharte etwas griffarm und der Körper kann nicht wie man sich es wünschen würde dem Verlauf folgen, er tendiert zum leichten ausdrehen. Mit Bedacht jedoch gestiegen ist die Stelle schwierigkeitstechnisch problemlos zu begehen.
Die Passage vom Übergang der Scharte bis hinter das Sattelchen wurde im weiter unten im Bericht folgenden Video festgehalten.

Andi mit seiner gewaltigen Spannweite im Greifen

Weiter geht es etwas mühsam bis zur Grathöhe hinab und unten umgeblickt und die Strecke begutachtet stellt man fest, daß schon nahezu 20min verbraucht wurden (incl. filmen in unserem Fall).

Abstieg zur Grathöhe

nun folgt der lange Grat mit ein paar leichten Überklettereien und er ist eigentlich fast durchgehend genau auf der Grathöhe zu begehen. Manche Passage davon ist gen Norden überhängend und ermöglicht bizarre Tiefblicke.

eine der netten Passagen von Rippen am Grat

In dieser Art werden bis zum Zwischengipfel des Signalkopf hin schätzungsweise zwischen 100 und 120Hm im Auf und Abstieg absolviert und nach diesem folgt der Anstieg zum Kleinen Bettelwurf mit nochmals 140Hm.

lange, leichte Gratstrecken dazwischen

Die Strecke nach dem Signalkopf bis zum Aufschwung zum Kleinen Bettelwurf ist, nach der langen Nordpassage direkt vom Gipfel hinunter zur Scharte, in der man irrtümlicherweise versucht ist abzusteigen, mit einer schönen Plattenkletterei im festen Wettersteinkalk geprägt, die zum Abschluß der leichten Gratstrecke auf den folgenden Aufschwung einstimmt.

am Signalkopf angelangt

Hierzu erklimmt man in der Scharte den Gratteil nach Osten mit einer Höhe von ca. 5m und findet sich in schönem festem Plattengrat wieder. Teilweise aufrecht begehbar, teilweise auf Reibung, wegen wenigen Trittmöglichkeiten wird der sanfte Gratverlauf wieder erreicht.

Andi in der langen Nordpassage nach dem Signalkopfgipfel

Ein paar Minuten später ist der gewaltig aussehende Felsaufschwung zum Kleinen Bettelwurf erreicht und bei der Erstbegehung kann ein etwas ehrfürchtig mulmiger Blick nicht verborgen werden.

Plattenkletterei nach dem Gipfel des Signalkopfes

Die Variante von Andi (rot) ist aber in der Ausgesetztheit um eine Nuance weniger stark ausgeprägt und vorwiegend in griffigem, festen Fels, also für den versierten Bergsteiger, der bisher Freude am Gelände hatte, ein Leichtes.

Aufschwung zum Kleinen Bettelwurf; rot Variante von Andi, Hellblau, Variante im Link am Blog

Zunächst beginnen beide Anstiege auf gleicher Route. Nach ca. 20Hm steigt man bei der Variante in gerader Richtung weiter und bei der Erstbeschreibung auf diesem Blog links abzweigend.

Andi am Sporn

Nach ein paar Höhenmetern in gerader Richtung wird eine glatte Wand erreicht zu deren Rechten sich ein abstehender Felssporn befindet, der einen großen Abbruchklotz trägt. Betrachtet man die Lagerung dieses Klotzes genauer entdeckt man ein kleines Naturschauspiel das wahrlich das Herz erfreut. Der zentnerschwere Klotz ist an seiner Vorderseite mit einigen Klemmstein“chen“ auf der Spitze des Spornes gelagert, dem Phänomen einer Sanduhr gleich und Basis für jegliches vom Menschen der Natur nachgebildete Traggewölbe. Ein einzigartiger Blick, der inmitten der steilen Wand alle schweren Gedanken – sollte man sich von  solchen belastet fühlen – vertreibt. Hiervon kein Foto man entdecke es selbst.

unterhalb des Felsspornes

Oberhalb der Stelle wendet sich die Route nach links, wobei die beste Taktik das komplette Aufsteigen über einen Haken mit Opferschlinge darstellt, um dann auf schmalen Tritten etwas nordöstlich in eine etwas schuttige Rinne zu gelangen.

nun nach links weiter

Von dieser erklimmt man rechter Hand den letzten Aufschwung der mit einer leicht kniffligen Stelle endet, die darüber mit Schutt gefüllt ist und nur ein paar spärliche Rippchen für zwei drei Finger der rechten Hand aufwartet.

knapp unterhalb des Wandkopfes

Trotz dem unübersichtlichen Blick von unterhalb jedoch keine erwähnenswert schwierige Stelle.

knapp oberhalb des Wandendes zur Scharte ihn

Nun ist ein Sattel erreicht bei der sich beide Aufstiegsvarianten wieder vereinen und auf gemeinsamem Band zum sogenannten “ schwierigen Riss“ (vgl. Buch Günter Amor „Die Bettelwurfhütte im Karwendel“ Seite 98) oder „schwierigen Stell‘ “ weiterführen. Vorher jedoch erklimmt Andi noch den Sporn südlich über dem Sattel zu seinem Steinmann, um hinten über dem Felsenfenster, das eine eindrucksvolle Sicht exakt nach St. Magdalena hinab, wieder abzusteigen.

Scharte oberhalb des Wandendes

Der „schwierige Riss“ ist halb so schwer, wie er einst mit Genagelten und – eventuell topografischen Veränderungen – gewesen sein mag.

der schwierige Riss, ein Kamin gut griffig

Ein angenehm breiter, sehr griffiger Riss, zwar in nahezu absoluter Steilheit aber doch angenehm nach innen versetzt bietet ein erstklassiges Klettervergnügen im unteren dritten Grad.

Andi beim Überspreizen der Scharte

Der Ausstieg, nochmals mit einer leichten Erhöhung der Spannung versetzt, bietet er doch einen Hauch an Überhang zum darüberliegenden Geröllfeld, rundet den interessantesten Teil der gesamten Überschreitung genussvoll ab.

der Riss im unteren Teil

Begeht man ihn erstmalig dürfte der Genuß noch nicht so ausgeprägt empfunden werden, als ich ihn bei der wiederholten Begehung empfinden durfte.

des Risses Ausstieg als schwierigste Stelle

Hier das Video mit dem Einstieg nach dem Gipfel der Speckkarspitze und dem „schwierigen Riss“:

Oberhalb dieser Passage kann der weitere Verlauf zum westlichen Gipfelkreuz des Kleinen Bettelwurf eingesehen werden und es folgen noch einige Meter harmloser Geplänkel unter Einsatz der Hände bis sich der Aufschwung in seiner Wildheit gelegt hat und typischer gestufter Karwendelkalk den Bergsteiger dem würdevollen Ziel entgegen geleitet.

Kurzer Aufstieg zum östlichen Gipfelkreuz des Kleinen Bettelwurfes

Wie immer sehr wenig – in unserem Fall, an diesem prachtvollen Frohnleichnamstag anno 17 gar kein – Publikumsverkehr am kleinen, sympathischen Gipfelplateau, von dem sich ostwärts der nicht unerheblich lange Grat zum östlichen Gipfel hinzieht.

Stimmung am Gipfel des Kleinen Bettelwurf mit Westgipfel links und Großem Bettelwurf im Hintergrund

Der sich schier unerschöpflich ständig erneuernde Nebel über dem Großen Bettelwurf dominierte auch während unseres Gipfelaufenthaltes am Kleinen Bettelwurf. Die kalten Nordwinde und die kräftige, von den Südhängen des Bettelwurfmassives heraufziehende Thermik vereinigen sich nur wenige hundert Meter über dem Gipfel und erzeugen somit einen wabbelnden Hut über dem mächtigen Gipfel der seine Gestalt mit rascher Laune verändert und den kleinen Mann unter ihm immer in eine gewisse Spannung versetzt, ob er ihn sogleich in sich verschluckt oder nur gnädig über ihm thront und ihn mit seiner Eiseskälte verschont.

Rückblick auf die Überschreitung

Wir verbrachten eine knappe Stunde Stillleben in dieser sagenhaft anregenden Atmosphäre und blickten mit ruhiger Genugtuung auf die heiße Landschaft des Inntales hinab. Mehr als 30 Grad mögen die im Tal Gebliebenen um die Mittagsstunde aushalten haben müssen und wir oben durften uns im schneeweißen Kalkgebirge einer nur dort erlebbaren Erhabenheit in angenehmer Temperatur erfreuen.

Andi überrascht mich beim Genuss des Früchteriegels und dem Studium der Inhaltsstoffe ob ja kein Zucker dabei ist

Der Abstieg erfolgte – wie soll es anders sein – in ebenso unkonventioneller Weise über den im Vorjahr entdeckten Südgrat.

Südgrat am Kleinen Bettelwurf

Dieser kann wahrlich als Direttissima bezeichnet werden, denn kaum ein Grat im Halltal folgt einer derart linienartig direkten Richtung talwärts.
Er hebt sich vom Gipfel oben talwärts geblickt um ein Vielfaches markanter als durchgehender Grat ab, als das von der Hütte aus auszumachen ist. Der Beginn bis zur Hälfte hin ist selbst im Abstieg eine Freude, Kleine Abbrüche im bankigen Gelände werden durchwegs an deren Westseite leicht abgeklettert, keine Stelle erfordert wahre Konzentration oder Anspannung. Trotz Thermik werden die die Gemsen  unserer sofort gewahr und sammeln sich mit ihren Kitzen auf den sonst so wenig gestörten Bänken des Kleinen Bettelwurf, die Massen an Störenfrieden der Idylle steigen wesentlich weiter östlich auf.

Gemsen ca. 150Hm unterhalb

Die Annäherung an die recht große Herde währte nicht lange, sie stoben bald in das weite Kar der Südwestflanke, die die Route aus dem Südwestanstieg zum Kleinen Bettelwurf bildet, davon.

einer der Abbrüche mit leichter Abkletterei auf der Ostseite

Ab gut der Hälfte des tollen Südgrates taucht man ein in ein weniger einfach begehbares Gelände, das auch die einmalige Wendung des Abstieges nach Osten erzwingt. Sie wird erzwungen durch einen jähen unbegehbaren Abbruch in direkter Falllinie und im Suchen nach einer Alternative fällt die Wahl auf das Gelände linkerhand.

bereits mitten in der einzig westlichen Abkletterstelle

Über eine auffällige, messerscharfe Klippe aus tadellosem, porösem Riffkalk geht es an die 5 – 8m fast senkrecht hinab. Gute Griffe und Tritte machen die Partie einfach zu begehen, aber teilweise überhängende Stellen mit hohlen Ausbuchtungen unterhalb erzwingen einige Konzentration Tritte zu finden und die nadelscharf gebrochene Oberfläche der ehemaligen Schalentiere schmerzt in ungeschützten Fingern und Handflächen.

Abkletterstelle im Rückblick, im Riss oben kommt man an, bevor es in diesem abwärts geht

Nach dieser Passage folgen einige Stellen mit dem ungeliebten Ockerbraunen bis orangem Material, das zu recht nicht als Fels im engeren Sinne bezeichnet werden kann. Man nimmt es leicht südöstlich zu einer Art schmalem Kar, das nun über vielleicht knapp hundert Höhenmeter bis zum Beginn – oder im Abstieg gesehen zum Ende – der Gratrippe ausleitet, die den Südgrat im Aufstieg zu bilden beginnt.

nun rechts in karartigem Gelände mit viel Schutt abwärts

Die gesamte Passage ist von Geröll und Schotter überzogen und auf den plattigen Bänken tückisch zum Ausrutschen wie auf blankem Eis. Eine abrupte rechtwinkelige Wendung nach Westen am Beginn des Grates bildet die Verbindung zum Normalweg auf den Kleinen Bettelwurf. Auch diese mit tückischem Rollsplitt überzogen.

in unteren Teil der Gratstrecke; man kann ihn mit Zeitaufwand auch abklettern

Einen letzen Rückblick auf das in Summe einzigartige Gratgelände mußten wir uns auch diesmal gönnen bevor am Steig zur Hütte die Stöcke seit dem Gipfel der Speckkarspitze wieder ihren Dienst aufnehmen mußten.

über trügerisches schuttbedecktes Plattengelände östlich zum Normalweg (rechter unterer Bildrand) queren

Der Zeitbedarf für die gesamte Runde bis hinab zum Ausgangspunkt mit Pausen beträgt netto mindestens an die 8 Stunden, mit Hüttenaufenthalt rechne man eher mit fast 10 Stunden.

Mils, 15.06.2017

Schitour Große Seekarspitze

Im ersten Drittel in der Karwendelhauptkette unternimmt man einen Klassiker der Karwendelschitouren auf die Große Seekarspitze und dies Abenteuer wird im Frühjahr erst richtig zum Genuß, wenn die Schneeverhältnisse bis zum Neunerkar ideal dafür sind.

Große Seekarspitze

Ideal sind sie dann, wenn der Aufstieg über den netten Jagdsteig durch den Wald ohne Schnee und mit Bergschuhen möglich ist, Schi und Tourenschuhe am Rucksack verstaut sind und für die rund 600Hm bis zum Beginn des Neuenerkars getragen werden müssen.
Ab dem Neunerkar auf ca. 1.800m wird die Plagerei dieser Tage mit einem traumhaften Aufstiegsgelände in zauberhafter Umgebung belohnt.

Jagdsteig zum Neunerkar; Tagesbeginn im Karwendel um 7 Uhr Ende Mai

Um 5:20 Uhr ging es vom Parkplatz in Scharnitz los und die sechs Euro für das Tagesticket ist wohl ein Hohn für die Bergwelt in die eingetaucht werden darf. Eigentlich sind es ja nur 4 Euro, denn es gibt zum Ticket einen zwei Euro Gutschein dazu mit dem man später in Scharnitz sein Bier mitfinanziert und so für die Leute etwas tut, die dort die Masse ertragen müssen.
Los geht es mit dem Radl, denn zunächst gilt es fast 11km Talweg zu meistern. Der komplette Anstieg dieser Strecke beträgt rund 350Hm und so mancher ist hier mit einem Stromradl gut beraten.

Abzweigung nach der Wildfütterung, rechts beim Marterl geht es ab zum Karwendelbach

Je nach Kondition wird der Ausgangspunkt für den alpinistischen Aufstieg nach einer bis eineinhalb Stunden Radfahrt beim Wegkreuzchen kurz nach der Wildfütterung erreicht, siehe Foto. Hier rechts ab ein paar Hundert Meter und über die Holzbrücke über den Karwendelbach.

Holzbrücke über den Karwendelbach

Jenseits des Baches sucht man sich ein Radldepot und – wenn man so wie ich kein Schloß besitzt wirft man es in ein Baumdickicht – findet sofort den Steig in den Wald.
Mit der schweren Last auf den Schultern dünkt der moderat steile Beginn des Steiges angenehm und leitet über in den richtigen Aufstiegs-Rhythmus. Ebenso beschäftigt einem die Frage warum die Schaufel, die Sonde und das Pieps auch mit mußten, ist dies um diese Jahreszeit bei dem total gesetzten Firn doch recht schräg – aber es doch beruhigend und wird akzeptiert.

hier rauf geht es ins Neunerkar, 600Hm Aufstieg mit schwerem Rucksack

Am Aufstieg gibt es zwei Bäche und eine lustige Quelle auf rd. 1.400m die hörbar oberhalb des Steiges zu sein scheint, den Steig aber nicht quert, weil sie vorher wieder versickert. Einige Minuten später erscheint sie rechts neben dem Steig und den Spuren nach labten sich in den letzten Wochen daran eine Vielzahl an Aufsteigenden.

markante Felsstufe Richtung Osten, hinten die Bockkarlspitze

Dutzende gekreuzte Spinnenfäden im Gesicht auf dem Aufstieg verrieten mir, daß ich heute zumindest der erste war und bei solchen Erlebnissen kokettiert man sofort damit, ob man vielleicht auch der Einzige bleiben würde. Letzeres war nicht vorgesehen und mit den Nachfolgenden und Dazugestoßenen ergab sich am Gipfel dann eine nette Unterhaltung beim Jausnen. David aus München hat mit mir sogar die Abfahrt angetreten und mit mir den Parkgutschein zu erquickendem Hopfensaft verwandelt.

Felsriegel hinauf zum Neunerkar, rechts wird aufgestiegen

Einen Tipp mag ich hier geben: die Aufstiegszeit bis zum Neunerkar beträgt eine Stunde oder vielleicht ein wenig mehr, je nach individuellem Vermögen, und in dieser Zeit habe ich den Rucksack nie abgenommen, man mag ihn dann wahrscheinlich kaum mehr wieder aufnehmen.

die Sonne geht über dem Neunerkar auf

Der unbeforstete Ur-Wald mit seinen riesigen Ameisenhaufen, Felsklippen und sonstigen Blickfängen lenkt auch dermaßen ab, sodaß der Aufstieg rasch vorbeigeht. Übrigens, beim größten Ameisenhaufen geht es links weiter, der Steig rechts führt in das Riedlkar.

steiles Schneefeld, im Winter bei gefrorenen Verhältnissen mitunter heikel

auf ca. 1.650m wird eine recht markante Felsstufe erreicht, die den Beginn des Anstieges in das Neunerkar bildet. In der Mitte der aufziehenden Felsen befindet sich eine kleine Höhle, die im Fall von Gewitter des Sommers auf ihren letzten eineinhalb Meter zumindest halbwegs Schutz bietet.

flacher werdendes Gelände in Richtung Neunerkar

Nach der Felsrippe führt der Steig in die steileren Passagen des Felsriegels unterhalb des Neunerkars und die Plagerei erreicht durch Schutt am Steig ihren Höhepunkt. Von dort sind es etwa 100Hm über eine im Winter bemerkenswert steile Flanke im Schnee bis der Steig wieder flacher wird und die Abrundung des beginnenden Kares erreicht wird.
Auf diesem Aufstiegsteil können bei hartgefrorenen Bedingungen heikle Situationen auftreten, nicht mehr aber im Mai und ich wage sogar zu behaupten auch nicht mehr im April.

im Neunerkar angekommen, Auffellpunkt

Ich mußte keine Stufen schlagen, so wenig von der Flanke war noch mit Schnee bedeckt. Der Steig führt auch sofort linkerhand (östlich) in Latschengelände und wird dann – nach Überschreitung des Schmelzwasserbaches – auch gleich wieder flacher.

Neunerkar kurz nach 8 Uhr

Wenig später wird das Gelände flach und das Neunerkar ist erreicht. Schluß mit dem schweren Rucksack, exakt hier wird heute angefellt und es beginnt  der Aufstieg mit Schi in das weitläufige Kar.

Aufstieg im Neunerkar erster Teil

Der Blick auf die schon fast sichtbare Breitgriesskarscharte täuscht mächtig, da steht man nicht innerhalb kaum einer Stunde oben, mich nahm das hinten nicht unwesentlich steil werdende Neunerkar eine Stunde zwanzig in Anspruch.

hinten geht es rechts hinauf

Die Lawinensituation kann am heutigen Tage eigentlich als gebannt angesehen werden. Die von Großer Riedlkarspitze und Bockkarlspitze herabziehenden Schluchten und Reisen sind weitestgehend vom Schnee geleert und anhand der Lawinenreste kann angenommen werden, daß dies innerhalb des letzten Monats passiert ist. Auch ein Grund diese Tour im fortgeschrittenen Mai anzutreten.

Aufstieg rechts (westlich) unterhalb der Steilstufe; Schnee im Gegenhang schon weitgehend aufgefirnt

Um knapp neun Uhr früh ist der Schnee im oberen Kargelände von der starken Maisonne bereits dermaßen erwärmt, daß man – als Tipp – eher besser die östliche Karseite, die um diese Tageszeit auch kaum noch bestrahlt wurde, für den Aufstieg auswählt.

Rückblick auf das Neunerkar oberhalb der Steilstufe

Liegt das weite Kar mit dem stetig steiler werdenden Anstieg einmal hinter einem, wendet sich das Muldengelände zur Breitgriesskarscharte östlich und in dem nun recht flachen Winkel konnte die Sonne nach neun Uhr noch nicht das ihre tun, um den Schneeoberfläche unangenehm aufzuweichen. Vielleicht deshalb die Bezeichnung Neunerkar – jedenfalls eine Eselsbrücke für die Zeitplanung.

Mulde zur Breitgriesskarscharte

In der Breitgriesskarscharte versuchte nicht nur ich vergebens die Biwakschachtel zu finden, als ihr einziges Lebenszeichen räkelte sich allein der Blitzableiter gerade 10cm über die Schneeoberfläche heraus.

kurz vor der Breitgriesskarscharte auf 2.300m sieht man das Ziel, die Große Seekarspitze, erstmalig

Traumhaftes Panorama tut sich hier auf, Blicke in das Breitgriesskar und in die Seefelder Kette erfreuen nach dem Kessel in dem der bisherige Aufstieg erfolgte.

die Biwakschachtel tief eingeschneit

Und natürlich die schön geformte, ja fast symmetrische Pyramide des Zieles, der Großen Seekarspitze erfreut mächtig. Fast sieht es aus, als wären es nicht mehr knapp 300Hm bis zum Gipfel sondern mehr.

Breitgriesskarscharte, Rückblick in das Neunerkar

Der weitere Aufstieg beginnt nun recht flach mit einer gewaltigen Hangquerung, die bei falschen Schneeverhältnissen sicher wesentlich heikler sein kann als die Stellen unterhalb des Neunerkars.

bevorstehende Hangquerung; rechts hinten unterhalb der Schrofen mußte ich die Harscheisen zu Hilfe nehmen

Gequert wird der gesamte Gratausläufer von der Großen Seekarspitze über die Kleine Seekarspitze bis hin zum Übergang in das Seekar und zur Breitgriesskarscharte. Auf dieser Querung waren im – von der Sonne unerreichten – östlichsten Teil des Kessels Harscheisen von Vorteil, allerdings mußten diese dort innerhalb einer unangenehmen Steigung angelegt werden und hier sollte man – als Tipp – vorher überlegen und dies in der flachen Breitgriesskarscharte erledigen, obwohl die Schneeoberfläche dort schon weich ist.

steiler Gipfelhang der Großen Seekarspitze

Am Ende erreicht man die Einsattelung zwischen Großer und Kleiner Seekarspitze. Diese hab ich für den weiteren Aufstieg genommen, weil es schon von unten bequemer aussah, als die gewaltig in das Breitgriesskar abstürzende Gipfelflanke der Großen Seekarspitze mit Spitzkehren zu nehmen.

in der Einsattelung zwischen Kleiner und Großer Seekarspitze

Am Grat zwischen den beiden Seekarspitzen waren dann die Verhältnisse wieder völlig anders, weil seit Sonnenaufgang bestrahlt. Weichster Mulz vor allem in Gipfelnähe zwangen zu einem Schidepot ca. 30-40Hm unterhalb des Gipfels und den Rest per pedes zu nehmen.

Schidepot unterhalb des Gipflaufbaues

Um 10:20 Uhr, exakt 5 Stunden nach dem Aufbruch in Scharnitz stand ich am Gipfel der Großen Seekarspitze. Zunächst wehte kaum ein Lüftl an diesem außergewöhnlich schönen Tag Ende Mai. Später wurde aber doch eine Jacke nötig, nachdem die Thermik zunahm.

Große Seekarspitze, 2.677m

Rundum alle Gipfel der Karwendelhauptkette noch in überwiegend weißem Kleid, der Frühling ist hier oben noch nicht angekommen. Schätzungsweise reicht der Juni kaum aus, um Sommerbesteigungen auf die wichtigsten Gipfel möglich zu machen.

von links Ödkarspitzen, Birkkarspitze und Kaltwasserkarspitze

David, den ich von der Einsattelung zwischen den Seekarspitzen sah und der die Reibn unternahm traf mittlerweile am Gipfel ein und berichtete über teilweise überraschend weiche Verhältnisse im oberen Schlauchkar.

Autor auf der Großen Seekarspitze

Die Reibn ist insgesamt aber noch gut machbar und ein Blick ins Marxenkar bestätigt dies.

Marxenkar

Die Nordhänge und -kare der Hinterautal-Halltalkette sind bei weitem nicht mehr so schneegefüllt wie man das erwartet hätte. Ein Blick auf das Lafatscher Joch bestätigt dies.

Bettelwürfe bis Kaskarspitze, mittig das Lafatscherjoch

Die Abfahrt über die Gipfelflanke war von ändernden Oberflächenbeschaffenheiten geprägt, jedoch erquickender Lohn für die langen Aufstieg. David und ich fuhren zusammen ab und teilten die Freude.

Große Seekarspitze im Rückblick bei der Abfahrt

In der Mulde nach der Breitgriesskarscharte und im Neunerkar waren die Verhältnisse noch besser, es hatte gut 10cm aufgefirnt und der Schnee in den Hängen war recht homogen.

Ab dem Ende des Neunerkares wurde die Tourenausrüstung wieder geschultert und im Gespräch vergingen die rd. 600Hm Abstieg wie im Fluge.

letzter Blick nach der Kante ins Neunerkar

Zum Schluß wurden die Schi wieder auf das Rad gebunden und die meiste Strecke konnte hinausgerollt werden, sieht man vom moderaten Gegenanstieg unter den Wänden der Brunnsteinspitze ab.

die letzten Abstiegsmeter mit toller Kulisse

Die Bergsteigeruhr zeigte 1.750m Aufstieg und 8:30 Stunden Gesamtzeit. Davon brachte ich eine gute Stunde am Gipfel zu und weiter unternahm ich nur unwesentliche Trinkpausen sowie Ausrüstungswechsel.

Mils, 28.05.2017

 

 

Schitour Gamskogel, 2.659m – von Kemater Alm

Fast exakt 1.000Hm gilt es bei der Schitour auf den Gamskogel von der Kemater Alm aus bis zum Gipfel zu bewältigen. Eine eher kurze Tour also, die auch von den Hangneigungen her eher weniger anspruchsvoll ausfällt, sieht man vom unteren Teil des nördlich ausgerichteten Abfahrtshanges in das Senderstal ab.

Kurz vor dem Gipfel des Gamskogel bei den Kalkkögeln

Die größte Hangneigung am Aufstieg ist der von der Schlicker Seespitze herunterziehende Schutthang mit gemessenen 35° (Quelle Tiris), den man ansteigend queren muß und der entsprechender Schneeverhältnisse bedarf, um sicher begangen werden zu können.

kurze Tragestrecke nach der Kemater Alm

Wir konnten bis zur Kemater Alm fahren, die letzten 100Hm der Straße waren teilweise schneebedeckt, jedoch haben es auch andere  ohne Allrad bis zur Alm geschafft.
Die Alm selber ist weitgehend schneefrei wodurch eine ungefähr 15 minütige Tragestrecke den Beginn der Tour bildet. Bei der Wasserfassung in etwa kommen dann die Schi zum Einsatz.

Aufstieg zur Adolf Pichler Hütte in der Morgensonne

Den Aufstieg zur Adolf Pichler Hütte konnten wir in der im Mai schon kräftigen Morgensonne erleben und Maxens Hund wälzte sich übermütig auf der um knapp 9 Uhr noch hartgefrorenen Firndecke.

knapp unterhalb der Hütte

Oberhalb der Adolf Pichler Hütte tritt die breite talartig ausgebildete Almfläche ins Blickfeld, links eingefaßt von den bizarr aufragenden Kalkkögeln, rechts von der sanfteren Bergrippe, die sich vom Sonntagsköpfl bis fast zum Seejöchl hinaufzieht.

Aufstiegsgelände ca. 15min nach der Hütte

Leider nahm die Bewölkung innerhalb der guten Stunde von der Hütte bis zum Gipfel dermaßen schnell zu, sodaß die Bilder die schöne Landschaft nicht im gewünschten Maße wiedergeben können.

Rückblick auf ca. 2.250m

Wir haben den Normalweg inmitten des Almgebietes genommen. Es wäre auch möglich die steilen Hänge von den Kalkkögel herab zu nehmen – jene in denen im Sommer die Steige zu den Scharten führen, aber wozu zweifelhafte Hänge anschneiden, wenn in Talmitte ein bequemer Aufstieg sinnvoller und sicherer ist.

gegen Ende das Almkessels wird es wieder steiler

Die Route durch das abwechslungsreich kupierte Gelände bis zum Seejöchl bedarf keiner besonderen Beschreibung, da sie fast durchgehend einsehbar ist und logisch aufgestiegen werden kann.

das Ziel im Visier, der Gamskogel ganz rechts

Direkt vor dem Beginn der Querung des steilen Schlußhanges zum Seejöchl überraschte uns im bereits diffusen Licht – er endet mit einer steilen Abbruchkante in den Schlußhang hinein. Diese Stelle ist das Ende der Rippe vom Sonntagsköpfl herauf, sie schneidet direkt in den zu querenden Hang ein.

Rückblick vom Seejöchl auf den steilen Hang von der Schlicker Seespitze herab

Ein kleinerer Rutscher ist vom Hang zur Schlicker Seespitze auch bereits abgegangen, jedoch war die Schneedecke recht hart und stabil.

am Seejöchl, 2.518m, im Hintergrund der Gamskogel

Ab dem Seejöchl dreht die Tour von Süden nach Westen, am sanften Grat werden die letzten 140Hm in rund 25min absolviert. Der Grat ist leicht zu bewältigen, eher als Rücken ausgebildet und – wie bei solchen Formationen üblich – beinhaltet ein zwei Absätze, die kurz abgefahren werden.

am Grat zum Gamskogel

Am recht schmalen Gipfelaufbau tummelten sich heute ein Dutzend Tourengeher auf kleinem Raum und das eher rasch schlechter werdende Wetter veranlasste uns nach kurzem Aufenthalt die Abfahrt anzutreten.

kurz vor dem Gipfel des Gamskogel

Eine Abfahrt im direkten Nordhang in das Senderstal hinab, die nicht vollständig eingesehen werden kann, jedoch ein paar schöne Schwünge vermuten ließ.

die Kalkkögel vom Gipfel des Gamskogel aus gesehen

Im oberen Teil, ca. die ersten 150Hm, bot die Nordflanke auch das Gesuchte, um dann aber mit einem schwer zu fahrenden Bruchharsch aufzuwarten.

Abfahrt! Veit, der Hirtenhund lief neben uns fast gleich schnell

Weiter unten wurden die Verhältnisse dann wieder etwas besser und so richtig phantastisch waren sie im flachen Teil der Abfahrt, gebildet vom steilen Hang von der Schlicker Seespitze herab, der unten recht flach bis zum Sendersbach ausläuft, ab ca. 2.150m abwärts.

Bene und Max im unteren Teil der Abfahrt im Nordhang

Der Nordhang weist im unteren Teil, die letzten ca. 100Hm seine größte Steilheit auf. Hier erachteten wir es als besser ihn bergwärts zu queren um rasch zum flachen Teil zu kommen (siehe Tourenkarte, Quelle Tiris).

Die Abfahrt von hier zum Bach war ein Vergnügen auf hartem, tragfähigem Untergrund mit einem Hauch von aufgefirnter Oberfläche.

im flachen Teil angelangt, der Steile Hang von der Schlicker Seespitze herab, der oben gequert werden muß, im Hintergrund

Neben dem Bach am Weg ging es dann in schön anzusehendem Gelände weiter und bis zur Alm mußten wir nur zweimal für ein paar Meter zu Fuß brücken, die Schneelage ließ die Fahrt bis zur Alm zu.

Rückblick auf das schöne Abfahrtsgelände

Für die 1.000m Aufstieg (die Daten aus dem Tiris stimmen nicht ganz mit den geodätischen Daten überein, Höhenverlust gibt es fast keinen) haben wir 2 1/4 Stunden benötigt.

hinab durch das Senderstal

Mils, 06.05.2017

Schitour Pirchkogl und Hochalter

Die kleinen 850Hm vom Parkplatz oberhalb der Dreiseenbahn bis auf den Pirchkogl erschienen etwas gar wenig und darum habe ich die schöne Tour mit einem zweiten Ziel, dem Gipfel des Hochalter, kombiniert.

Pirchkogl, 2.828m Hauptgipfel vom nördlichen Vorgipfel aus gesehen

Diese Kombination stellt auch keine außergewöhnliche Mehrarbeit dar, der zusätzliche Aufstieg beträgt gerade einmal 280Hm, bzw. je nach Schneelage im Frühjahr vielleicht sogar geringfügig mehr.

das Ziel im Hintergrund, der Pirchkogl

Die Wetterlage – ein makelloses Zwischenhoch nach massiven Schneefällen zu und nach Ostern im heurigen verkorksten Winterfrühjahr – erforderte unbedingtes Ausrücken bei ungetrübt blauem Himmel. Im Aufstiegsgelände auf der Piste, nördlich der Bundesstraße in Kühtai war kaum ein dunkler Fleck zu erkennen, die Schneefälle der letzten Tage waren ausgiebig genug.

die Finstertalseite um 9 Uhr vormittags

Kaum ein spürbares Lüftl begleitete mich nicht nur nach der ersten Steilstufe über die „Stockacher Böden“ sondern auch den ganzen Tag über.
Die Lifte geschlossen, der Winterrummel versiegt, in herrlicher Ruhe mühten sich heute Vormittag, ja man kann sagen Dutzende, Tourengeher auf das Ziel, dem Pirchkogl.

der Hochalter, zweites Tagesziel heute

Die Beschreibung der Tour kann kurz gehalten werden, da sie nach Erreichen der Bergstation des Schwarzmoos Schleppliftes nahezu zur Gänze einsichtbar ist. Der zu bewältigende Anstieg von dort liegt in einer breiten Rinne und erreicht in etwa mittig, im schmalsten Teil der Rinne,  seine größte Steigung mit etwa 35°, über eine kurze Strecke.

der vom Tal aus nicht sichtbare Anstieg zum Pirchkogl

Oberhalb dieser Passage befindet sich ein kleines Plateau und generell wird der Restanstieg über die weiteren ca. 150Hm etwas flacher. Der rundlich breite Gipfel bleibt ab dort immer im Blickfeld, während der letzten Serpentinen des Anstieges.

Gelände oberhalb der Flachstelle

Den höheren Gipfel ziert leider kein Gipfelkreuz, dieses befindet sich etwa 25m tiefer, möglicherweise der Sichtbarkeit vom Tale wegen auf dem etwas nördlich davon gelegenen Vorgipfel. Natürlich muß dieses auch besucht werden, kein Gipfelsieg ohne Berühren des Kreuzes (hierzu kann man auch aufgefellt vom Hauptgipfel abfahren und mit Fellen somit wieder den Gegenanstieg überwinden.

der Vorgipfel im Norden, vom Pirchkogl aus

Der schöne Osthang vom Pirchkogl war heute schon recht zerfahren, aber auf der südlich gelegenen Nordflanke des Hinteren Grießkogl fanden sich noch ein paar schöne Schwünge zum Karkessel hinab.

Inntalblick vom Vorgipfel aus, Kloster Stams tief unten

Die reine Tour auf den Pirchkogl würde hier wieder auf den Pisten des Schigebietes nach Kühtai hinunterführen. Da der Tag nach diesem kurzen Tourenerlebnis jung ist kann man – bei zweifelsfreien Bedingungen – den Hochalter mitmachen und zur Hütte im Westen abfahren und erreicht diese fast ohne anschieben. Die Hütte ist eine Limnologische Forschungsstation am Gossenköllesee der Uni Innsbruck und liefert seit Jahrzehnten wichtige Daten zum Klimawandel.

Rückblick vom tiefsten Punkt am Anstieg zum Hochalter

Bei der momentanen Schneelage mußte ich noch weitere 20 bis 30m Höhe einbüßen, um den aperen Teil des nun folgenden Rückens (ein Gratausläufer vom Punkt 2.757m nach Süden herab) zum Hochalterkar unten zu umrunden.

dieser Rücken zum Hochalterkar muß überwunden werden

Recht steil geht es anschließend rund 50Hm hinauf zum Hochalterkar, das rasch nordwestwärts durchschritten wird, bis die Bergstation des Hochalterliftes erreicht wird.

Hochalterkar mit Hochaltergipfel

Von dort kann durch die Lawinenverbauungen bis zum letzten Teiles des Steilhanges zum Gipfel angestiegen werden. Nach den Lawinenverbauungen hält man sich knapp unter den Felsen und muß unterhalb des Gipfelaufbaues den Steilhang queren. Hierzu sind sichere Verhältnisse notwendig.

steiler Anstieg zum Hochalter durch Lawinenverbauungen

Die Alternative wäre, daß vom Hochalterkar aus nicht weiter angestiegen wird, sondern über die Piste bis zu einer kleinen Flachstelle des Steilhanges gequert wird und von dort der Gipfelhang ebenfalls in Spitzkehren in Angriff genommen wird. An Steilheit steht diese Variante aber der anderen nichts nach, daher ist ein früher Aufstieg ratsam und Vorsicht bei zweifelhaften Verhältnissen geboten.

Gipfel des Hochalter, 2.768m

War man eine gute Stunde vorher noch am Westlichen Ende steht man nun am östlichen Ende der Irzwände und kann diese bizarren roten Erscheinungen von Amphibolit (selbes Vorkommen auch tief im Ötztal) in ihrer vollen Pracht betrachten. Der Gipfel ist nicht sehr populär und, ob der Steilheit, auch nicht jedermanns Sache, weswegen ich ihn alleine für mich in Anspruch nehmen durfte.

Schartlestal nördlich nach Stams hinab

Der Blick vom ebenfalls nicht mit einem Gipfelkreuz gezierten Hochalter nach Norden eröffnet Einsicht in ein wunderbares Tal, das von Stams heraufzieht und in dem es die Rundtour vom Pirchkogl über das Schneetal und um den Rücken des Hochwanner herum gibt und deren Anstieg aus Norden auf dem ebenfalls sichtbaren Kreuzjoch wieder in das Kühtai herüberführt. Vom Kreuzjoch kann auch der Hochalter begangen werden (eher nur bei Firn im Frühjahr), die Normalvariante der Umrundung endet bei den Lawinengalerien der Zirmbachalm.

Blick in die Zirmbachalm mit Riezer Grießkogl und Anstieg vom Kreuzjoch (links vom Bild nicht mehr sichtbar

Der Schi habe ich mich im Sattel vor dem Gipfelaufbau entledigt und die letzten 40Hm zu Fuß bewältigt, da der Hang ab dort schon sehr steil ist und der Aufstieg mit Schi kein Vergnügen ist.

Schidepot und Abfahrtsgelände vom Hochalter

Also hinab zum Schidepot und abgefahren über den Steilhang, der unten flacher wird und einen Rücken ausbildet, der am zuvor beschriebenen flachen Köpfl endet. Von hier kommt man scharf westlich wieder zur Schipiste und hinab nach Kühtai.

Abfahrt vom Hochalter im Rückblick

Die schöne Runde nahm incl. Besuch des Vorgipfels am Pirchkogl knappe 4 Stunden in Anspruch, dabei wurden gut 1.170Hm bewältigt.

Mils, 20.04.2017

 

Schitour Kraspesspitze – von Kühtai über Schartenkopf

Auf einen knappen Dreitausender führt die Schitour auf die Kraspesspitze und eine besonders reizvolle Variante davon ist die Begehung über die Finstertaler Scharte, bei der man auch den Schartenkopf mitnehmen kann.

Kraspesspitze 2.953m, im Hintergrund Horlachtal nach Niederthai

Diese Tour kombiniert man am besten mit der Abfahrt von der Kraspesspitze über das gleichnamige Tal nach Haggen; diese Tour stellt sozusagen eine kleine Überschreitung dar, wenn auch keine direkte Gratüberschreitung.

Bei der Dammkrone, der Schartenkopf knapp rechts der Bildmitte zu sehen, die Kraspesspitze beleuchtet in Bildmitte des linken Bildteiles

Nach den ergiebigen Schneefällen um und nach Ostern kam diese Tour heuer in jedem Fall noch in Frage, auch wenn über 2.800m LWS III angesagt war. Die Hangneigungen im Aufstieg sind moderat. Lediglich die Abfahrt durch die Steilrinne östlich der Scharte nach dem Gipfelaufschwung und die Steilstufe nach dem Kraspessee erfordern sichere Verhältnisse. In unserem Fall waren diese Hänge sehr stark zerfahren, sodaß sie als wenig gefährlich eingestuft werden konnten.

Abzweigung am Schafleger beim sichtbaren Tourengeher nach links zur Finstertaler Scharte

Um 7:30 ab der Bundesstraße oberhalb des Dreiseenliftes und bei strahlendem Wetter aufgebrochen erreichten wir noch im Schatten die Dammkrone des Stausees und dessen hinteres Ende. Bis hierher waren die Schneeverhältnisse bereits perfekt, wenn auch noch etwas hart.

nach der Steilstufe am Schafleger nun am Beginn des Kessels zur Finstertaler Scharte

Kurz nach dem Beginn des Schaflegers, der aufsteigende Hang am Südende des Stausees, zweigt die Tour von der geraden Linie durch das Tal des Gamezkogelferners und auf den Sulzkogel links ab und führt in Spitzkehren nach Ost drehend in eine Art Hochtalkessel, der den Tourverlauf dann in weitem Bogen wiederum nach Süd und am Ende – an der Finstertaler Scharte angelangt – nach West vorgibt.

Aufstiegsgelände im Kessel, in Bildmitte die Finstertaler Scharte

Wir sind am Ende des Kessels dabei recht weit an den umrahmenden steilen Hängen – der bereits breit angelegten Aufstiegsspur gefolgt – und am Ende in einer steilen Querung aufgestiegen. Bei entsprechender Lawinengefahr kann man den Kessel auch weiter in seiner Mitte begehen und der steilen Querung etwas ausweichen.

Aufstieg unterhalb der Wände in steilen Hängen

Auf der breiten Finstertaler Scharte gibt es nun die Möglichkeit den Anstieg über ca. 70Hm auf den Schartenkopf mit zu machen, bevor jenseits der Scharte über die „Toten Böden“ eine kurze Abfahrt über ca. 80 bis 100Hm vonnöten ist, um um den Gratrücken zu umfahren, der den Beginn des Aufstieges zur Kraspesspitze in einem weiten, mäßig steilen Tal bildet.

in der Finstertaler Scharte zum Schartenkopf geblickt

Der Schartenkopf (die Literatur und das Internet wetteifern darum, ob Schartenkopf oder -kogel; in diesem Bericht wurde für die AV-Variante entschieden)  ist ein gipfelkreuzloser flacher „Kopf“ von dem aus sich eine recht schöner Rundblick auftut und die kleine Mühe deshalb nicht gescheut werden soll. Weiters wird das Abfellen für die Abfahrt etwas weniger als lästiger Aufwand empfunden, als wenn diese Handgriffe „nur“ für die kurze Abfahrt von der Scharte zu erledigen wären.

Das „Weite Kar“ im Süden von der Scharte aus

Vom Schartenkopf aus nach Süden geblickt eröffnet sich ein eindrucksvoller Blick auf das breite, lang und mächtige Zwiselbachtal mit der Schweinfurter Hütte zu Beginn und gewaltigen Gipfeln von Dreitausender wie Winnebacher Weißkogl, Larstigspitz und Breiter Grießkogel, zu dessen Ende.

Tolle Blicke nach Süden in das lange Zwiselbachtal mit den mächtigen Gipfeln am Ende

Die bergsteigerisch wenig bedeutenden, dennoch aber von schön anzusehenden, plattigen Felsgestalten gebauten drei Gamezkögel werden im Westen gesichtet und etwas nördlicher, tief unter dem Schartenkopf liegt einem das Finstertal und der Gamezkogelferner zu Füßen. Der östlichste der drei Kogel, über einen leichten Grat an den Schartenkopf anschließenden,  ist das von der Staumauer schon markant sichtbare Gamezkögele, oder, treffender genannt, der Finstertaler Fernerkogel.

die Gamezkögl und rechts der Sulzkogl

Eine kurze Abfahrt vom Schartenkopf über die Finstertaler Scharte führt zum unteren Ende des Gratrückens, der von einem Felssporn im Verbindungsgrat zur Kraspesspitze herunterzieht. Die Geländehöhe unterhalb des Gratendes, um den man herumgehen muß, beträgt ca. 2.680m und somit verbleiben zum Gipfel der Kraspesspitze ca. 270Hm Aufstieg.

Finstertaler Scharte und Abfahrt zum Tiefpunkt im Weiten Kar

Das seinem Namen gänzlich Rechnung tragende „Weite Kar“ betritt man an dieser Stelle an seinem Hochpunkt und sieht gerne in das weit unten zur Zwiselbachalm mündende Hochkar.

Weites Kar in voller Pracht

Von hier beginnt der Aufstieg zur Kraspesspitze mit dem Auffellen im steilen Hang, das bei genügend Neuschnee durch treten eines Standplatzes kaum Mühe bereitet.

Aufstiegspunkt im steilen Hang unterhalb des Gratausläufers

Die steile Passage ist nach ein paar Minuten überwunden wenn ein unerwartet ausgeprägtes Flachstück erreicht wird, das einen talähnlichen Beginn des nachfolgenden ungebrochen recht konstant steigenden Hanges bis zum Gipfelkreuz der Kraspesspitze bildet. Diesen schönen Hang, der bei nicht sicheren Verhältnissen der Rinne ins Kraspestal als Alternative dient, sieht man auch im Aufstieg eindrucksvoll von seiner Seite von der Finstertaler Scharte aus und man kann sich von dort schon ausmalen, wie schön sowohl Aufstieg, als auch die Abfahrt im Vormittagslicht sein wird.

Aufstieg zur Kraspesspitze im Zoom

Zur Linken die Langschrofen, zur Rechten der Grat zwischen Weitkarspitzen und Zwiselbacher Roßkogel steigt man dem Ziel entgegen. im ersten Drittel des Grates nach Süden konnten wir von einer Scharte über eine der breiteren Rinnen des Grates kühn herabziehende Schispuren sichten, wonach sich also ein Duo die offensichtliche Kletterei von der Scharte bei der Kraspesspitze über die Weitkarspitzen und weiter bis zum Einstieg in die Rinne angetan hat. Oder es gibt einen Zugang von Osten.

im flachen Teil des Aufstieges zur Kraspesspitze

Am Gipfel der Kraspesspitze angekommen schlugen uns jene schon beim Aufstieg spürbaren unangenehm kalte Windböen von Süd entgegen, die einen gemütlichen Gipfelaufenthalt vereitelten. Also gab es lediglich das Gipfelfoto und ein paar einprägende Blick in alle Himmelsrichtungen, einen Gipfelschnaps und das Abfellen zu erledigen.

der Hang zur Kraspesspitze den man auch schon von der Finstertaler Scharte markant sehen kann

Sehr eindrucksvoll der Blick in Richtung Südsüdwesten über den großen Kessel des Kraspesferner hinweg der Lisenser Fernerkogel in 11km Entfernung, links davon die Rotgrubenspitze und rechts davon der Aufbau zum Zwiselbacher Roßkogel.

Blick auf den Kraspesferner mit Lisenser Fernerkogel in weiter Ferne und rechts der Zwiselbacher Roßkogl

Der Blick in die steile Abfahrtsrinne ins Kraspestal hinab zeigte schon genügend Spuren und die Rinne selber schien total zerfahren, weswegen wir auch beschlossen die geplante Rundtour fortzusetzen und die Abfahrt ins Kraspestal anzugehen.

Abfahrt über die steile Rinne und den Osthang ins Kraspestal

Mit klammen Fingern vom kalten Wind beim Abfellen, selbst nach der nur kurzen Weile von kaum einer Viertelstunde am Gipfel, ging es hinab zur Einschartung und zum Beginn der steilen Rinne ins „Wilde Kar“ hinab auf 2.910m.

Abfahrt durch den unteren Teil der steilen Rinne in das Wilde Kar

Die völlig zerfahrene Rinne, unten ein Couloir, hat ihre Ausrichtung nach Osten und erfährt somit nur in den Vormittagsstunden Bestrahlung mit einem für die Schneeverhältnisse ungünstigen Winkel und um dreiviertel zwölf Uhr erschienen die Verhältnisse gut geeignet für die Abfahrt.

Rückblick auf die steile Rinne vom oberen Teil des anschließenden Hanges

Der Schnee in der Rinne trotzdem etwas pappig, besserte sich weiter unten im breiteren Teil der Rinne beträchtlich, bis am Hang unterhalb der Schrofen schließlich wirklich toller Lockerschnee einige schöne Schwünge zuließ.

das Wilde Kar mit Blick ins Kraspestal und Haggen im Hintergrund

Im flacheren Teil des Wilden Kares bis unterhalb des Krapsessees und der nächsten Steilstufe herrschten dann firnige Verhältnisse mit gut tragfähiger Unterlage, was die weitere Abfahrt genüsslich gestaltete.

Die Abfahrt in das Wilde Kar in der Gesamtansicht im Rückblick

Die Steilstufe am Ende des Kraspestales war wieder geprägt von eher lockerem Schnee und unterhalb im flachen Talende begann dann – mit Ausnahme in der unbeleuchteten Enge der Zwinge-  wieder Firn bis zum Talanfang nach Haggen.

Querung der Steilstufe

Gefahren werden konnte gerade bis 200m vor die Alm in Haggen, der Weg im Lärchenwald war allerdings schon sehr steinig und mit jungen Schi sollte man hier eher Mitleid haben uns sie schultern.

die „Zwinge“ von unten betrachtet

Für die tolle Runde benötigten wir 5 1/4 Stunden, wobei die Aufenthalte auf beiden Gipfeln recht kurz ausfielen und kaum Trinkpausen eingelegt wurden.

Ausfahrt aus dem Kraspestal

Die Runde erstreckt sich über 1.150m vom Parkplatz Kühtai bis auf die Kraspesspitze mit dem kleinen Höhenverlust durch die Abfahrt nach der Finstertaler Scharte. Der Anstieg vom Parkplatz Kühtai auf den Schartenkopf beträgt lediglich 854m.

Kraspestal, die Kraspesspitze ist die zweite von rechts

Vorsicht: der rot gezeichnete Sommerweg im Kartenausschnitt in der Bildergalerie und die Bezeichnung „Kraspesspitz“ sind nicht richtig gezeichnet, es handelt sich dabei um die Nördliche Weitkarspitze /2.248m), der Gipfel der Krapesspitze (2.953m) ist etwas nördlich davon und die steile Rinne ist punktiert – für Steigspuren gekennzeichnet.

Mils, 22.04.2017

Schitour Grubenkarspitze, 2.663m

Inmitten des Herzens des Karwendels, im Roßloch, thront die Grubenkarspitze als östlichste Umrandung des Kessels, den das Roßkar bildet. Es gibt dort mehrere einsame Schitouren, wobei jene auf die Grubenkarspitze einen besonderen Reiz ausstrahlt, ist doch der letzte Gipfelanstieg im Frühjahr wahlweise als leichte Kletterei, oder über einen gut 40 Grad messenden Steilhang erreichbar, dem ein relativ langer, unschwieriger Gipfelgrat folgt.

Grubenkarspitze, 2.663m

Die Grubenkarspitze bildet  die höchste Erhebung im Roßloch und ihr Gipfelgrat ist bereits von weit außen im Hinterautal sichtbar Links, nördlich der Roßlochspitze kann man sie bereits kurz nachdem die Abzweigung der Straße ins Gleirschtal mit dem Radl geschafft ist erblicken. Diese Abzweigung, die Gleirschhöhe, stellt auch den Hochpunkt der Fahrt ins Hinterautal dar, rund 100Hm wurden bis dorthin von den Parkplätzen überwunden.

Anfahrt ins Hinterautal zur Grubenkarspitze

Daß die Strecke allein in die Nähe der Grubenkarspitze lang ist merkt man dann, wenn man um kurz nach 6 Uhr früh – ein späterer Aufbruch rächt sich mit ungünstigen Schneeverhältnissen bei der Abfahrt, allenfalls mit steigender Lawinengefahr, eher bricht man eine halbe Stunde früher auf – mit dem ungefederten alten Radl die ersten 10km hinter sich gelassen hat und – als Nichtmountainbiker – des Sitzens am harten Sattel überdrüssig wird. Die unangenehme Fahrt erstreckt sich aber zu Beginn des April 2017 bis ca. 1km vor die Kastenalm und somit über rd. 13km und gesamt gut 300Hm, weil nach der Gleirschhöhe eine Abfahrt von rd. 50Hm folgt.

Roßlochspitze, Bildmitte, mit unverkennbarem Grat und links der Anstieg auf die Grubenkarspitze

Mit fortschreitender Jahreszeit, wenn die Sonne den Talboden vom Schnee befreit hat kommt man mit dem Radl noch ca. 4km weiter auf den sogenannten „Hinteren Boden“ dem Talabschluß des Roßloches auf 1.440m.

knapp vor dem „Hinterer Boden“

Im April mußte ich jedoch knapp nach der Kastenalm aufgeben das Radl durch die immer wieder über längere Strecken auftretenden Schneefeldern auf der Straße durch zu schieben und erkannte erst bei der Ausfahrt, daß der Versuch so weit wie möglich zum Roßloch vorzudringen für die Ausfahrt keinen Vorteil brachte. Der Tipp ergeht also hier bei den ersten längeren Schneefeldern – i. d. Regel noch einige Hundert Meter vor dem Bachbett aus dem Birkkar – das Rad abzustellen und ab dort die Tragestrecke zu eröffnen.

Rückblick am Talende angelangt

Hat man diese ersten eineinhalb Stunden Radfahrt überstanden und wurde von vermummten, nichtgrüßenden E-Bikern mit echter Federung überholt, befindet man sich bereits voll im Tageslicht und kann sich anfangs April gegen dreiviertel acht Uhr am flach gehaltenen Weg ins Tiefste des Roßloches mitunter für ein paar Minuten direkter Sonnenbestrahlung erfreuen. Sofort aber endet das Vergnügen mit einem Hauch von ansteigendem Aufstieg bis zu einem kleinen Waldstück, nachdem die Route auf eine weite flache Ebene einmündet an deren Ende das Tal jäh zu Ende ist und gewaltige Lawinenreste von links und rechts herabgestürzt sind. Ein schauerlicher Anblick, selbst noch zwei, drei Wochen danach.

erster Aufstieg über Lawinenreste, Harscheisen sind bis auf 2.000m vorteilhaft

Ab dort, auf ca. 1.440m beginnt der anstrengende Aufstieg über gut 1.200m bis zum Gipfel der Grubenkarspitze.
Zunächst steig man auf der rechten Talflanke über Latschen und teilweise anstrengende, lockere Lawinenreste bis auf ca. 1.630m und kann – je nach Schneelage – den Abzweig des Steiges in das Bockkar (Ausgangspunkt für die Schitour auf die Lalidererspitze) ausmachen. Auf der bereits aperen Gegenseite, einem Südhang, zeichnet sich der Steig durch die Latschen gut ab.

die beiden Aufstiegsrinnen im ersten und letzten Drittel des Bildes gut auszumachen

Nach weiteren knapp 100Hm Aufstieges in der rechte Flanke sichtet man zwei Rinnen durch die Latschen wobei sich beide für den Aufstieg eignen, die südliche, höher gelegene aber auch für die Abfahrt. Wegen der besseren Einsicht von unten habe ich im Aufstieg die erste, schmalere, nördlichere Rinne genommen und mußte in der Hälfte die Schi in die Hände nehmen, so schmal wird die Latschengasse nach oben hin. Wahrscheinlich verhält es in der anderen Rinne für den Aufstieg nicht anders, für die Abfahrt, besser für das Abrutschen, ist sie jedoch breit genug und mißt an der schmalsten Stelle in etwa zwei Schilängen.

der unteren Rinne oberster Teil

Oberhalb der Schmalstellen steht man bereits auf 1.800m und kann in einer gewissen Erfreutheit auf das zwar anhaltend steile, aber dafür umso schönere untere Roßkar blicken, tolle Hänge die nun etwas rechts (südlich) haltend über eine als logisch erscheinende Route durch eine auffallende Rinne erstiegen werden.

oberhalb der Rinne – nun lacht das Herz

Nach weiteren gut 100hm taucht der begeisterte Bergsteiger in dauerhafte Sonnenbestrahlung und die zurückgelassenen kraftraubenden 450Hm  verschwinden aus dem Gedächtnis.

weiters Aufstiegsgelände – hier ca. auf 1.950m

Eindrücke, die sich nun in der wunderbaren Winterlandschaft des Roßkares auftun können in Wahrheit nur mit der Wortgewalt eines Dichters beschrieben werden, um ihnen Genüge zu tun.
Wohlgeformte weiße Kuppen tauchen in sanften Kurven ineinander und verbinden sich dazwischen im Absturz ihrer Seiten im Extremfall zu einem deutlichen und selbst in gleißendem Weiß farblich abhebenden Loch – eine schneebedeckte Doline, die klassische Karsterscheinung mit der jeder Karwendelgeher bestens vertraut ist.

die Scharte zur Roßlochspitze und links der Grat auf die Grubenkarspitze

Durch solcherart Blicke angeregt werden die letzten 500Hm bis zur Scharte zwischen der südlich gelegenen Roßlochspitze, deren Grat während des Aufstieges dauerhaft angesteuert wurde, und dem links, nördlich, abzweigenden Steilhang oder bereits aperen Grat zur Freude, auch wenn die Kräfte langsam abnehmen und die Sonnenbestrahlung zwischen 10 und 11 Uhr zu Trinkpausen zwingt.

Rückblick im kurzen Schatten der Roßlochspitze (ca. 10:30)

Auf der Scharte, auf 2.507m habe ich bereits entschieden, daß der  bereits apere Felsgrat in Angriff genommen wird, der Steilhang erschien mir um diese Tageszeit schon recht anstrengend angesichts der Kollegen vor mir und das Klettern liegt mir ohnehin, auch mit den aufgeschnallten Schi am nun schweren Rucksack.

der Steilhang, Neigung >40°

Der ca. 75m hohe erste Teil des Grates sieht unten leichter aus als er sich oben am Ende präsentiert wobei die Schwierigkeit unten kaum signifikant über den ersten Grad hinausgeht.

mittig am Grat, unterer Teil griffig

Im oberen Teil besteht die Schwierigkeit lediglich im Umstand, daß die Tourenschuhe für die glatten Platten nicht geeignet sind und es zum Spiel von Trittchen und Griffchen wird, um die letzten 10Hm bis zur Schneegrenze zu meistern. Ein kurzer Sprung nach links bescherte mir am Ende oben wieder guten Halt auf den letzten Metern. Einem Abrutschen könnte dort durch sofortiges Flachlegen begegnet werden.

oberer Teil des ersten Grataufschwunges, wenig griffig; das Rissl nach links genommen, am Ende ein kleiner Sprung über eine glatte Stelle

Am Ende der ersten Kuppe des Grates zum Gipfel befindet sich eine Steinschlichtung, vermutlich eine Art Wintergipfel, jedenfalls Schidepot.

Schidepot, ca. 2.583m

Der folgende Grat bis zum Gipfelkreuz ist keineswegs kurz und nimmt mindestens weitere 15min in Anspruch; trotzdem schaffte ich es um 10 vor 12 Uhr das noch tief eingeschneite Gipfelkreuz zu erreichen.

langer Grat zum Gipfel

Ein besonderes Erlebnis ist es die Gipfel der Roßlochumrahmung optisch abzugreifen, ein Zirkel mit gewaltigen 1,5km Radius und von Nördlicher Sonnenspitze bis zur Hochkanzel im Südosten 3,75km messend.

der nördliche Teil der Roßlochumrahmung

Im nördlichen Teil der Umrahmung thronen Bockkarspitze, Lalidererspitze und Dreizinkenspitze, letztere beiden weitere lohnende Tourenziele im Roßloch und herrlich anzusehen mit ihren weißen Mützen auf den Gratschultern.

Roßkar mit Roßloch 1.200m tiefer

Dazwischen das Bock- und das Roßkar, herrlichste Hochgebirgslandschaft noch immer tiefwinterlich weiß überzogen mit wenigen aperen schwarzen Stellen.

Grubenkar, unten das Ende des Vomperloches

Im Osten das Grubenkar einer weißen Zunge aus dem Schlund des endenden Vomperloches heraufschnellend gleich und im Süden die furchtbaren Abstürze des Grates von der Trattenspitze (mit dem Olperer im Hintergrund) über die Hohe Fürleg, die Fallbachkartürme über den König Bettelwurf bis zur Speckkarspitze.

Trattenspitze mit vorgelagertem Bockkarlturm bis zu den Fallbachkartürmen und dahinter der Olperer

Die trennenden Ketten zwischen den nördlichen Karwendeltälern, Johannestal, Laliderertal und die Eng sind bereits viel weniger von weißer Pracht bedeckt und der Nordhang zum Hochglückkar dürfte noch wenige Wochen als Schitour begehbar sein.

die Eng

Zurück vom Grat am Schidepot bei der Steinschlichtung lernte ich beim Gipfelschnaps Rainer und Peter kennen – zwei Kenner der Gegend – und trat mit den Kollegen bis zur Einkehr im Gh. Wiesenhof den Rückweg an.

der südliche Teil der Roßlochumrahmung – Hochkanzel bis Gamskarspitze, dahinter der Grat zwischen Speckkarspitze und Kl. Bettelwurf, dahinter die Stubaier…

Zunächst der Steilhang – für mich überraschend gut zu fahren – oben etwas aufgefirnt, unten etwas mehr und unter der Scharte um knapp 13 Uhr bereits etwas sehr weich aber tiefer wieder besser werdend.

des Steilhanges Mitte mit Grat ab der Scharte links unten

Das weite schön geformte Roßkar war teilweise recht gut zu fahren und man erahnte während der Abfahrt die weniger nach Süd geneigten Flächen der dünenartigen Landschaft, sodaß wir eine großteils tolle Abfahrt bis zu den Latschen hatten.

Abfahrtsgelände

In der steilen Rinne blieb ich mit dem Talschi hängen und vollführte einen tollen Salto mit dem Verlust des besagten Schis.

Als ich mich wieder aufraffte und aufsteigen wollte um den Talschi wieder anzuschnallen riefen mir die Kollegen von ca. 50Hm tiefer zu, daß ich an falscher Stelle suche. Gottseidank war ich nicht alleine, ich hätte den Schi dort oben mit Sicherheit noch lange gesucht; er sauste derart schnell hinunter, daß ich diese Blitzreise nicht vermutet hätte.

Blick auf lohnende Tourenziele, Lalidererspitze und Dreizinkenspitze

Im folgenden weichen Sulz unterhalb 1.800m machte jeder von uns Bekanntschaft mit dem nassen Schnee, teilweise durch fehlendes Drehvermögen der Bretter im schweren Sulz, teilweise durch einhakeln in Latschenbrücken, die, tückisch wie eine Schlinge, aus dem Schnee herauslugten und die Abfahrt auf den unrhythmisch geformten Lawinenresten, die wie eine erstarrte stürmische Meeresoberfläche sich zerzaust präsentierten bescherte uns eine schweißtreibende letzte Abfahrt zum Talboden.

obere Rinne perfekt zum abrutschen

Der Rest an Abfahrt bis zur Kastenalm besteht aus viel Schiebearbeit, die nach den Oberschenkeln beim Aufstieg nun die Schultermuskeln heiß werden ließen.

Peter im Latschenslalom

Mit einer ausgeklügelten Aufhängemethode schnallte ich Schi und Tourenschuhe auf das Radl und lediglich die Oberfläche des Schis der stramm mit der Sattelstütze verzurrt war erlitt durch die Vibrationen der langen Fahrt einen speziellen „Karwendelschliff“ bis zu unteren Schichten hinab und hat jetzt was zu erzählen. Vermeiden könnte man dies – als Tipp für alle, die ihre Schi nicht am Rucksack befördern wollen – mittels eines alten Fetzens als Trennschicht.

Rückblick auf ein gewaltiges Abenteuer

Die Freude über die gelungene Tour bei bestem Wetter und das mittlerweile brennende Antlitz bleiben bei der gemütlichen Ausfahrt aus dem frühlingshaften Hinterautal wohlerhalten und in dieser Stimmung erreichten wir gegen 15:30 die Labestelle, das Gh. Wiesenhof.

das Tourenziel in Bildmitte bereits in weiter Ferne

Aufstiegszeit ab Ankunft am Parkplatz knapp 6 Stunden, Gesamtzeit für die Tour ca. 9 1/2 Stunden, wobei der Abstieg und die Ausfahrt gemütlich absolviert wurde.
Gesamtstrecke mit dem Radl zwischen 26km und 34km, je nach Schneelage, Rest mit Schi.
Gesamter Höhenunterschied mit Gegenanstieg bei der Ausfahrt knapp 1.800m.

ein Vorschlag…

Der beste Zeitraum für die Tour dürfte April bis Mitte Juni sein, wobei gegen Ende Mai der Teil der Abfahrt schon zu leiden beginnen wird.

Mils, 09.04.2017

 

 

 

 

Schitour Wildlahnerscharte – Falscher Kaserer, von Schmirn

Eine klassische Frühjahrstour führt vom kostenlosen Parkplatz Toldern/Schmirn auf die Wildlahnerscharte und den Falscher Kaserer, wie sich der kleine Gipfel neben der Bergstation des Schleppliftes der Hintertuxer Gletscherbahnen nennt.

Gipfel Falscher Kaserer, 3.254m

Um gleich allen falschen Angaben im Internet zu entgegnen, der Parkplatz liegt auf 1.515m, der Falsche Kaserer hat eine Höhe von 3.254m und die Route weißt kaum einen einzigen Meter Zwischenabfahrt auf. Der Höhenunterschied beträgt also 1.739m.

Tragestrecke ab dem Parkplatz Toldern

Das Wildlahnertal ist ähnlich kupiert wie die klassischen Talaufstiege im Stubai, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt. So erfreut man sich nach den ersten 380Hm nach der kleinen Hütte eines ausgedehnteren eher flachen Stückes bevor es westseitig durch eine Rinne in der nächsten steilere Stufe zum sich weitenden Tal empor geht.

grandioses Panorama unterhalb der Hütte

Am heutigen Tag  in diesem außergewöhnlich schlechten Winter um – 7:35 gestartet – war ab dem Parkplatz eine ca. 100Hm messende Tragestrecke erforderlich. Man steckt sie allerdings leicht weg. Weiter oben mußte man nur noch weitere ca. 25m abschnallen und tragen. Die Abfahrt am Weg ist allerdings schon nur mehr die Pflugbreite der Schi breit, eine weitere Woche wird das weißgraue Bandl aber nicht mehr halten.

nach der Hütte das komplette Wildlahnertal zu Füßen – rechts steig man auf

Ab der kleinen Hütte herrschen aber noch tief winterliche Bedingungen, die Schneequalität ist gut, von rechts (westlich) sind schon ein paar ältere Lawinen abgegangen, die bei der Talausfahrt nicht übel zu queren sind. Übrigens präsentierte sich der Gesamte Aufstieg ab dem Anschnallpunkt als gefroren und fest.

zur Abwechslung die zweite Steilstufe – Rinne mit einer alten Lawine

Nach der zweiten Steilstufe empfing man heute leichte bis mittelstarke Windböen mit abwechselnder Windstille dazwischen, also ein recht angenehmer Aufstieg für die eigene Vorstellung nach dem unglücklichen Wetterbericht.
An Sonne allerdings mangelte es kräftig, das wäre für den Vormittag auch anders vorausgesagt gewesen. Dafür wiederum profitierte man hinsichtlich der Lawinenwarnstufe. Keine Sonneneinstrahlung ließ den oberen Teil der Tour (ab ca. 2,200m) nicht zu Firn auftauen und im unteren Teil waren die Verhältnisse bei der Abfahrt vor13 Uhr schon perfekt frühjahrsartig „schmierig“.

Rückblick auf ca. 2.100m

Eine große Anzahl an Tourengehern verließ den Aufstieg zur Linken, um den Kleinen Kaserer zu besteigen und so befand ich mich mitten im weiten oberen Wildlahnertal total alleine und genoss die Stille. Der Aufstieg ist mir von Blicken hinab vom Sommer vom Valsertal auf den Olperer bekannt und ich freute mich aufs Wiedersehen – der Olpererferner ist immer eine Freude anzusehen.

die Szenerie – links der falsche Kaserer, mittig im Nebel Olperer, rechts der gewaltige Fußstein

Quer von Osten herab zieht der Wildlahnergrat und wenn man ihn von der Kuppe aus, an dem der unterste Teil des Gletschers beginnt ansieht, dann kann man sich vorstellen warum die Namensgebung so bizarr ausfiel – wilde Lahnen mögen hier durchaus herabstürzen.

der Olpererferner von unten mit dem begrenzenden Wildlahnergrat

Der Gletscher wird im Winter eher in seiner Mitte begangen, die Aufstiegsspuren waren teilweise sichtbar und die logische Route konnte man bereits von unten erkennen. Von links, eben vom Wildlahnergrat sind über den Winter einige unangenehm zu gehende Lawinen heruntergegangen, wogegen die Mitte des kleinen Gletschers eine breite gut zu begehende Zunge bildet.

Rückblick vom oberen Teil des Olpererferners, rechts der Wildlahnergrat

Man möge seine Harscheisen nicht zuhause vergessen, die Steilheit und die Oberflächenbeschaffenheit der Schneedecke mitten im Gletscher sind prädestiniert auch Hartgesottene weich zu klopfen, wenn sie ohne Harscheisen aufsteigen und nach bereits gut 1.300m Aufstieg kann doch durchaus es auch etwas bequemer sein (vielleicht werde ich auch nur alt?).

der Saum des oberen Teiles des Gletschers

Der Gletscher stellt die dritte, steilste und längste Steilstufe dar, sie haben sich sozusagen von Beginn an selber gesteigert. Weiters ersehnt man am oberen Saum des Gletschers die vermeintlich „flache“ Strecke zur Wildlahnerscharte. Aber weit gefehlt, der Saum pflanzt sich nach dem Hauptteil des Gletschers weiter fort und endet nach lange nicht dort, wo man ihn immer wieder  vermuten möchte.

Gletscherbruch vom Olperer herab – Teilweise Felsbrocken über hunderte Jahre eingeschlossen

Endlich aber taucht nicht nur optisch die Antriebsstation des Schleppliftes auf, sondern auch das ab dort durchgehende und mit der Annäherung lauter werdende Surren des Elektromotors.
das einzig Gute an dieser Station ist, daß man hinter dem Liftwart eine vor den Windböen etwas geschützte Position in den Bauten der Station einnehmen kann, um die Felle zu verstauen und sich für die letzten ca. 30Hm ab der Wildlahnerscharte auf den Falschen Kaserer auf 3.254m vorzubereiten.

Die Wildlahnerscharte in Sicht

Ein freundlicher Wink zum Liftwart – wenn er sich denn einmal aus der Konzentration löst und hinter sich blickt – signalisiert den Freund und ein Danke für den Schutz (man dürfte dort nicht stehen…).

Blick vom Gipfel des Falschen Kaserer zum Großen Kaserer – er ist um 9m höher

Der Rundumblick war heute eben nicht so berauschend, aber nach der weiten Tour, satt über 3.000m erfreute er mich heute trotzdem. Dem zunächst freundlichen, dann zweifelhaften Wetter getrotzt, Vorhaben durchgezogen.

Rückblick auf den kompletten Aufstieg – das Wildlahnertal

Nicht wenige Bergsteiger wollten doch tatsächlich auf den komplett und dauerhaft in Nebel gehüllten Olperer, mich konnte er heute in keiner Weise locken. Viele Versuche wurden aber auch am Übergang vom Gletscher zum Fels abgebrochen wie ich während des kurzen Aufenthaltes beobachten konnte.

Olperer Nordgrat gegenüber

Die Abfahrt über den Gletscher mußte ich ob der diffusen Verhältnisse sehr bedacht ausführen, Nebel zog auch kräftig durch – der April hat soeben begonnen. In fast  Schrittgeschwindigkeit mußten manche Passagen befahren werden, besser wurde es ab dem Ende des Wildlahnergrates.

Rückblick auf den Falschen Kaserer knapp unterhalb des Wildlahnergrates auf 2.700m

Die weitere Abfahrt war sehr akzeptabel und wie bereits erwähnt mit leichtem Firn auf meist tragfähigem Untergrund, ideal zum Hinabschwingen wie im Buche.

vom Gasthaus Olpererblick mit Bier und Knödel

Die Aufstiegszeit bis zum Lift auf der Wildlahnerscharte betrug 3 3/4 Stunden, von dort zum kreuzlosen Gipfelchen des Falschen Kaserers knapp 10min. Höhenmeter: 1.738
Gesamtzeit mit Pausen und Abfahrt: 5 1/4 Stunden.

Mils, 01.04.2017