Schöberspitzen, 2.602m

Aus dem Wildlahnertal, das seinem Namen nicht nur im Winter Ehre bereitet,  führt ein netter, leichter und lehrreicher Steig auf die Schöberspitzen inmitten der frühjährlichen Blumenpracht  in den Tuxer Alpen. Die Anreise bis zum Ausgangspunkt, dem kostenlosen Parkplatz im Wildlahnertal, befahren über das malerische Schmirntal, ist ein Erlebnis in sich und man kommt nicht umhin das selbige nicht nur wegen der fesselnden Schönheit der Landschaft, sondern auch wegen der Anrainer respektvoll zu befahren.

Schöberspitzen, 2.602m (2.580m)

Eile ist auf der nachfolgend beschriebenen Tour ohnehin nicht geboten, denn sie kann in Portionen konsumiert und jederzeit verkürzt werden. Beispielsweise müssten die Schöberspitzen nicht unbedingt bestiegen werden, der Anstieg könnte beim Ramsgrubensee enden und es könnte auf gleichem Wege abgestiegen werden. Oder die Tour könnte nach dem Jöchl zum Gipfel über das dort oben schon sehr weite Wildlahnertal auf die andere Talseite zum Steinernen Lamm erweitert werden.

ein kurzes Stück über den Schotterweg

Die ursprünglich angedachte Rundtour über das Steinerne Lamm ließ er großherzig mit wenig Leistungswillen an diesem so mittelmäßigen Bergtag bleiben – die Schneefelder im Übergang des oberen Wildlahnertales waren noch zu dominierend und mit Hilfe des unterdurchschnittlichen Wetters triumphierte in des Verfassers Stimmung sehr selten anzutreffende Gelassenheit. Man erzählt sich sogar, die kleine Runde mit dem Abstieg über die Ochsneralm und weiter zum Wasserfall hätte ihm irgendwie gut getan, man möge dies aber für sich behalten.

in Almwiesengelände weiter auf den Wald zu

Ohne die Sorge schon wieder kaum Münzen mit dabei zu haben, verlassen von aller Technik gestrandet zu sein und somit Strafe zu riskieren, wird das Fahrzeug am Ende der Schotterstraße entlang der letzten Häuser in Toldern endlich abgestellt wo nach dem Aussteigen der Wildlahnerbach  das Wort übernimmt.

Rückblick über den ersten Teil

Leicht ist der Anstieg über die Schotterstraße zu finden, gleich geht es eine Spitzkehre nach rechts, vorbei an einer Heuhütte und einige wenige Minuten leicht bergauf bis zur Abzweigung links, über eine freie Almfläche direkt am Hang hinauf.

im Lärchenwald weiter

Nach knapp 20min des Aufstieges über farbenreiche Almwiesen taucht der Steig ein in immer dichter werdende Almrosenflächen, deren Reiz sie abzulichten überwältigend ist, obwohl – als Vorgriff der Erlebnisse hier bereits erwähnt – diese Flächen nur die Vorboten von weit mächtigeren rotgetünchten Hängen im hinteren Wildlahnertal darstellen.

Jungendgruppe im obersten Almzipfel

Auf die aussichtsreichen offenen Flächen folgt dann ein gutes Stück im sehr naturbelassenen Wald, dessen Boden durch den hohen Anteil an Lärchen recht viel Grün hervorbringt.
Eine plötzlich auftauchende Wiesenfläche taugte zur einprägsamen Begegnung nachdem allerlei unterschiedlich altes Galtvieh den überraschenden Besuch des Verfassers in Ihrem Wohnzimmer als interessante Abwechslung im Almaltag empfand.

Steig zum Sattel nach dem Almgelände – das Ziel bereits sichtbar

Wie eine ländliche Fußballmannschaft aus Kindern und Jugendlichen – auch an der Zahl gleich, weit abgeschieden von Zivilisation und Hetze, machten sich die Kälber auf und versuchten scheu aber neugierig die Nähe des Fremden. Ein kurzes Innehalten und Orientieren des Eindringlings ließ die Tiere gleiches tun und sie verharrten auch während meiner vorsichtigen Passage, ja zogen sich sogar leicht zurück, wenn der Abstand kleiner als eine Körperlänge wurde.
Oberhalb dieser kleinen Almfläche endet der Wald und dort befindet sich auch gleich der Ausstieg über den Zaun auf die hochalpinen Bergflanken, die vom knorrigen Bewuchs her nicht mehr für Rindvieh geeignet ist. In der Kälbergruppe kehrte nach dem Verschwinden des Besuchers wieder Lässigkeit ein, im Rückblick vom Ausstieg oben lagen die ersten schon wieder zum Wiederkauen.

Alpen-Kuhschelle

Der Steig setzt in der Folge wesentlich alpiner fort, die letzten Lärchen sind bald passiert und ab dort folgen nur mehr bodennahe Strauchgewächse. Vor der weiten Freifläche befindet sich noch eine kleine Quelle, die ich genutzt habe und der Hochpunkt der Besteigung, die Schöberspitzen sind bereits gut sichtbar. Es handelt sich von dort augenscheinlich um eine Spitze, die andere liegt südöstlich davon und ist von unten nicht als freistehende Spitze erkennbar. Auf der westlichen Spitze ist das Gipfelkreuz errichtet und dieses liegt auch 20Hm niedriger als die offizielle Höhenangabe der Schöberspitzen mit 2.602m.

Wer sich für die Benennung der Gipfel interessiert: Die doch recht ungewöhnliche  Namensgebung dürfte der Aussage in der Broschüre der Bergsteigerdörfer des ÖAV nach entstanden sein, weil die beiden Spitzen „sich wie zwei große Heuschober erheben“ und der alternativ in der Literatur anzutreffende Name ist oft auch doppelt singulär erwähnt – Schoberspitze. 

gelb punktierter Enzian

Prachtvolle Blumenblüten begleiten am Steig durch die Südflanke der Schönlahnerspitze zum Sattel hinauf. Alpen-Kuhschellen und später der sonst selten zu sehende gelbpunktierte Enzian säumen den Weg zuhauf und sorgen für immer neuen Blickfang.

Zu früheren Zeiten dürfte intensive Schafwirtschaft in diesem Hochtal betrieben worden sein, davon zeugen zwei längst verfallene Schaferhütten, deren hangseitigen Grundmauern noch erhalten sind und deren Dachbalken im ehemaligen Inneren der Hütte dahinrotten.

Zeugen blühender Alm-Vergangenheit

Gegen den Sattel hin kann das Ziel, die Schöberspitzen (jene mit dem Gipfelkreuz) wieder erkannt werden, nachdem sie mitten im Tal durch einen Hang verdeckt war.

dem Sattel zwischen Schönlahner- und Schöberspitze entgegen

Rechterhand geht es die rund 80Hm südlich zum Ramsgrubnersee hinauf. Gegen Ende Mitte Juni fanden sich oben am Plateau zum See hin noch Restschneefelder. Der See beeindruckt mit unerwarteter Größe. Eigentlich sind es zwei Seen, der kleinere liegt westlich, durch eine schmale Geländebrücke vom großen getrennt. Klares Wasser läßt trotzdem die Tiefe nicht eindeutig erkennen, schon gar nicht bei Wind mit gekräuselter Wasseroberfläche. Auch vom Gipfel der Schöberspitzen aus vermochte ich den Grund des Sees nicht auszumachen.

die Schöberspitzen vom Sattel aus gesehen

der große See wurde im Halbkreis umwandert und am gegenüberliegenden Punkt bergauf zur Scharte zwischen den Schöberspitzen verlassen. Mehrmals im Aufstieg ist man geneigt sich zu diesem schönen Blickfang umzudrehen.

Ramsgrubnersee

Gleich fällt am Gipfelanstieg nach dem Ramsgrubnersee auf, daß das Gestein total anders geartet ist als vorher während des bisherigen Aufstieges. Dies liegt daran, daß die Schöberspitzen als Falte von karbonatischen Triasgesteinen in dem umgebenden, jurassisch gebildeten Gestein eingebettet sind. Die Felsbrocken sind dünnschichtig und die Schichtstärke von erstaunlicher Gleichförmigkeit. Solcherart Gestein findet sich auch am Wolfendorn, ebenfalls, wie die Schöberspitzen, in der geologischen Zone des „Tauern Fensters“.

Anstieg vom See zu den Schöberspitzen

Über Schneefelder hinweg durch den schuttigen Hang über mittelgroß zertrümmerte Gesteinsbrocken erreicht man den kleinen Sattel zwischen den beiden Schöberspitzen.
Der interessante Gipfel mit dem Gipfelkreuz ist der rechte (westliche) und er wird unten über ein breites Band westwärts und am Ende in einer Spitzkehre ostwärts über den langen Rücken erstiegen. Sehr eindrucksvoll dabei zeigen sich die deutlich sichtbaren Faltungen in der Schichtung des über die Zeiten arg beanspruchten Gesteins.

Gestein am Anstieg zur Schöberspitzen

Am Gipfel besticht die Aussicht in alle Richtungen. Die Entfernung zum mächtigen Riesen des Olperers beträgt gerade einmal knapp 4km. Leider an diesem Tag nicht in voller Größe sichtbar, da das launische Wetter die Nebelspiele bis zu meiner Abreise nicht beenden mochte.

Jöchl zwischen den Schöberspitzen

Knapp davor und etwas mehr östlich der Große und der Falsche Kaserer und im Westen des Wildlahnertals Fußstein, Schrammacher und die Sagwandspitze.

Richtung Großer Kaserer und Olperer geblickt

Im Norden freier Blick zu den in knapp 8km entfernten Gipfeln des Lizumer Reckner und Geier, geographisch staunend betrachtet in etwa in der Hälfte der Luftlinie zum Wohnort des Verfassers, der über die Straßen eine weitaus längere Anreise hatte.

Fußstein, Schrammacher und Sagwandspitze

Durch das sich verschlechternde Wetter von Nordwesten fiel die Gipfelrast nur kurz aus und wegen des kalten Windes fand die Jause unterhalb des Joches statt, wo auch nochmals der Übergang zum Steineren Lamm mittels dem Glas erkundet wurde.

Blick gen Norden zum Lizumer Reckner und Geier

Die vielen und recht durchgehenden Schneefelder ließen mein Interesse an dem weiten Talkessel bis zum Steineren Lamm schwinden. Mit Bergschuhen im festen Firn Hangquerungen zu vollführen ist nicht so lustig, auch wenn die Neigung derselben dort nicht besonders groß ist.

Ramsgrubnersee vom Gipfel der Schöberspitzen aus

Stattdessen interessierte mich der Abstieg zur Ochsnerhütte. Mir ist diese im Winter noch nie aufgefallen, daher sollte sie erkundet werden. Der Abstieg ist auf einem großen Felsbrocken dem zeichenkundigen Alpenfreund genau genug markiert und die Markierungen in der felsarmen Almwiese  bestehen aus Holzpflöcken, deren Anzahl ausreicht, um den Abstieg richtig zu begehen.

Tiefblick auf den Aufstieg

Links und rechts protestierten schon von weitem die Schafgruppen und ließen mich nicht näher als ca. 50m an sich heran, bevor sie sich gemeinsam in der Herde eilig und schimpfend entfernten.

Wegmarkierungen (in unserem Fall über 72 gekommen um nach Wildlahner abzusteigen, 527 führt zum Steinernen Lamm)

Ein Abstieg über weite Bergwiesen mit einer schönen Kulisse am Gegenhang – da bereute ich die Verkürzung der Runde gar nicht und konnte, weiter unten, das Steinerne Lamm in seiner es bezeichnenden Perspektive sehen. Das Zoom mit der Handykamera ist meist ein echter Kompromiss zwischen Nähe und Schärfe, zeigt es aber dennoch recht treffend.

Abstieg zum Wildlahnertal über die Ochsnerhütte

Die nette Ochsnerhütte, auf einem kleinen Plateau in einer flachen Stufe des Hanges zum Wildlahnerbach hinab errichtet, beherbergt die Schafe in einem kleinen Stall, der den Grundflächengroßteil des kleinen Refugiums inmitten der sprießenden Bergwiesen darstellt. Ein sehr kleiner Teil der Grundfläche ist dem Schäfer vorbehalten und durch die Fenster in sein winziges Stübchen geblickt stellt die Neugier fest, daß er sich im Notfall nur auf den hölzernen Fußboden als Nachtlager zurückziehen kann und weiter, daß er nicht besonders groß von Wuchs sein sollte, will er sich des Nächtens ausstrecken. Allerdings verfügt die kleine Hütte aber auch über einen komfortablen Holzherd und einen Minitisch mit zwei Sitzplätzen, sodaß es sich dort gegen die Unbillen des Wetters  eine Weile aushalten läßt.
Das massiv nieder gespannte Dach – vor allem nach Südwesten – zeugt von großer Sturmgefahr, die ungeschützten Fenster passen jedoch wieder weniger zu dieser Vorstellung.

Ochsnerhütte

Im weiteren undeutlich erkennbaren, jedoch mit Holzpflöcken markierten und logisch verlaufenden Weg hinab ins Tal wird eine verfallende kleinere Hütte passiert, die in ihren Glanzzeiten ein Unterstand für das Vieh oder eine kleine Heupille gewesen sein mußte.

verfallendes Hüttchen unterhalb der Ochsnerhütte

Ihr Anblick erweckt Interesse an ihrer Geschichte wie auch an Ihrer so meisterhaft ausgeübten Bauweise, daß sie mit Leichtigkeit  den Elementen viele Jahrzehnte trotzen konnte in der sie der starken Strahlung im Sommer und übermächtiger Gewichtsbelastung im Winter ausgesetzt war. Allein die Vorstellung was sie erzählen kann beflügelt und lädt zum Innehalten ein.
Das Schöne an dieser Konstruktion ist, daß sie bis zum völligen Verschwinden leben darf. Und noch immer vermittelt sie Schutz in der sonst so schutzlosen ebenflächigen Landschaft – welch Bestimmung für einen solchen Greis! Sie wird nicht abgetragen, geordnet, separiert, einer geregelten Sterbensbestimmung zugeführt, nein sie wird belassen wie erschaffen worden und dient dem neuen Zweck Gedanken anzuregen, Fotomotiv zu sein, Kindern als Forschungsobjekt zu dienen und einfach als dazugehörige Erscheinung inmitten von Natur Teil derselben zu sein – bei aller Traurigkeit ob ihrer schwach gewordenen Gestalt, ein anregender Anblick. Irgendwie lebt sie.

saftige Bergwiesen mit Hoher Warte

Frisch beflügelt über die üppig prallen Wiesen hinab folgt man dem Steig noch gerade zwei   Minuten, bevor er in weitem Bogen eine fast rechtwinkelige Linkswendung taleinwärts beschreibt und den Hang bergab nun schneidet.

das „Steinerne Lamm“ am Gegenkamm gut am Umriss erkennbar ein

Zwei, drei Einschnitte mit kleinen Bächen werden durch die Hangquerung durchschritten und merklich werden die Almrosenflächen mehr und mehr, bis sie eine augenfällige Üppigkeit erreichen, die den nächsten Blickfang bilden.

das innere Wildlahnertal

Nach den Einschnitten wird der Hang zum Talgrund hin flacher und gibt den Blick zum nächsten Highlight frei, dem Wasserfall des Wildlahnerbaches.

Der Steig führt hier im Bogen wieder talauswärts und man kann sich entscheiden seinem Verlauf orografisch rechts zu folgen, oder über eine hohe künstlich geschaffene Sohlstufe auf die linke Talseite zu wechseln, um talauswärts zu gelangen.

Blick talauswärts zur Hohen Warte

Wer aber den sonderbar anmutenden Wasserfall in der glatt geschliffenen Gletscherwand im Tiefen des Wildlahnertals ins Blickfeld bekommen hat, der kann der Anziehungskraft des Schauspieles nicht entgehen, wird der Neugier stattgeben und sucht den Weg dorthin. In meinem Fall war der direkte Weg durch die Almrosenbüschel typischerweise wieder einmal gerade gut genug. Die gesetztere Variante wäre den Abstieg zum Bachbett zu nehmen und auf der Sohlstufe durch den dort breiten und wenig tiefen Bach zu nehmen, um auf dessen orografisch linke Seite zu wechseln und bequem taleinwärts marschieren zu können.

der Wasserfall im Wildlahnerbach

Wenige Minuten und einige Kratzer von knorrigen Zwergsträuchern mehr erreichte ich den besonderen Ort des tosenden Wasserfalles. Die Wahrnehmung der Umgebung ist dort durch den gewaltigen Lärm des Wassers in bekannter Weise bei solchen Erscheinungen sonderbar gehemmt und alle Konzentration kann auf das Phänomen eines urplötzlich aus dem Fels auftauchenden Wasserstrahles gerichtet werden.

Bereits in der Annäherung erkennt man einen Großteil des Geheimnisses, aber in allem Detail soll es hier nicht beschrieben werden, um den Zauber der Entdeckung nicht zu nehmen – man sehe sich die Baumeisterin Natur vor Ort an und staune!

die Dynamik in der Statik erkennbar

„Wo aus schmaler Felsenkluft…“, so der Beginn eines längst vergessenen Bergsteigerliedes, das wir Jungmannschaften im wöchentlichen AV-Vereinsabend in den ’70ern noch gesungen haben, entlockte mir bei der Erforschung des Baches Kanalgeometrie im Fels ein nostalgisches Schmunzeln.

Schwemmland im Wildlahnertal

Die enorme Wassermenge, die sich durch den schmalen Schliff im Fels den Weg gebahnt hat wird erst richtig einschätzbar, wenn man durch genaue Beobachtung den schon beruhigten und breiten Abfluss des Wasserfalles über das Bachbett einzuschätzen vermag.
Darüberhinaus gibt es noch einiges zu entdecken, das hier nicht vorweggenommen werden soll; beispielsweise folgt das Spritzmuster des Wasserfalles einem genauen Rhythmus und – für den der Innehalten und beobachten kann – derlei Entdeckungen mehr.

Den magischen Bereich wieder einmal allzu schnell verlassen zu haben wird einem erst bewußt, wenn die breiten Schwemmflächen talauswärts durchquert worden sind, in denen das Fortkommen einer zeitlich scheinbar so enormen Anstrengung bedarf – am Ende sind es  wenige unbedeutende Minuten die bei dem gebotenen Einblick in die angeschwemmte Geologie noch intensiver hätten genossen werden müssen, könnte man die ewig inhärente Hast ablegen.

die zuvor abgestiegenen Almwiesen auf der Gegenseite

Von der Ferne betrachtet macht unser nun vermeintlich ausreichend erforschter Wasserfall immer noch eine gute Figur, er ist und bleibt „ein Loch in der Wand“, er sieht phantastisch aus.

grandioser Talabschluß mit dem mächtigen Olperer

Der Abstieg durch das sommerliche Wildlahnertal birgt einige Überraschungen, wenn abseits des normalen Weges erkundet wird. Die erste tolle Szenerie ist die hohe, befestigte Sohlstufe im Wildlahnerbach, die das Ende des Schwemmgebietes darstellt.
An richtiger Stelle platziert gelingen dort wunderbare, ja fast kitschige Bilder – der Kitsch in meinem Fall durch das mäßige Wetter vereitelt und mehr davon in der Galerie.

großartige Kulisse und tolle Fotomotive

Zwischen dem Normalweg, orografisch links und der rechten Talseite wanderte ich neben dem tiefen Schluchteinschnitt des Wildlahnerbaches weglos talauswärts. Die Geländestufen führen durch dichte Almrosen und mit ein wenig Vorausblick findet sich ein günstiger Pfad durch die Gestrüppfelder.

Sohlstufe im Wildlahnerbach

Am Ende quert von rechts die Schlucht, bzw. deren Ende in den Abstieg herein. Dort vereinigt sich der Wildlahnerbach, tief in der Schlucht, mit einem von der linken Seite herunterziehenden Gerinne. Die Felsen dort sind eigenartig geformt und bilden dort – meines Erachtens jurassischen Ursprungs der ungewöhnlich rote Farbe wegen – eine eigene Geländestufe die, von unten betrachtet, interessante Verwitterungsformen in Form von kleinen Höhlen birgt. Allerdings sind die Höhlen nur von unten betrachtet Höhlen, denn wer nasse Innenschuhe riskiert und über den etwas sumpfigen Aufstieg auf Erkundungstour geht, der erkennt oben, daß die Höhlen gerade mitteltiefe Auswaschungen der Felsdecke sind.

Gerinne von der Hohen Warte herab

Vom Fuße des Kessels aus kritisch betrachtet muß die oben liegende Decke eine wesentlich härtere sein, die im Laufe der Zeit immer wieder abbricht und so die Geländestufe vergrößert. Ein eigenartiger Einschub in die sonst so anders geformte Landschaft.

Geländestufe vor der Schlucht mit dem Wildlahnerbach

Unterhalb dieses Kessels erreicht man über unwegsames Gelände alsbald eine Holzbrücke, die die notwendige Passage auf die rechte Talseite ermöglicht.

Querungsmöglichkeit im Wildlahnertal

Der Seitenwechsel ist notwendig um der folgenden unwegsamen linken Schluchtseite im Abstieg auszuweichen. Jenseits der Holzbrücke befindet sich wieder der Steig, der hinauf zum Ochsneralm führt und den eine ängstliche Schafgruppe bevölkert.

Schafalm

Der Abstieg auf der Ostseite durch die folgende Schlucht ist durch ein paar kurze Murenstriche vom steilen Gelände, das vor ein paar Stunden bergauf bewältigt wurde gekennzeichnet.
Hinter diesen lettigen Partien verbreitert sich das Tal wieder und wird zum Almgelände mit weiteren kleinen Schafgruppen und prächtigen Blumenwiesen.

Flecken-Knabenkraut, eine Orchidee

Am Ende des Schafalmgeländes formt sich der Steig bald zu einem breiten Weg, der bis hinaus zum Parkplatz, und somit zum Ende der interessanten Rundtour führt. Am Weg dorthin jede Menge Fotomotive.

Rückblick auf die Schönen Schöberspitzen

Die Runde und ihre Alternativen im Wildlahnertal sind im Kartenausschnitt rot markiert. Der Zeitbedarf ist variabel, man rechne in jedem Fall mit 5 Stunden für 8km und knapp 1.100Hm.

Mils, 17.06.2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Waldrasterspitze, 2.442m

Wenig bekannt und selten begangen ist der kleine Vorgipfel der Serles, die Waldrasterspitze. Seit der Sommersonnwende 2015 ziert den Gipfel ein schlichtes formschönes Betonkreuz, das ein paar Idealisten aus dem Stubaital selbst gefertigt und aufgestellt haben, wofür ihnen ein Lob für die großartige Arbeit ausgesprochen werden muß.

Waldrasterspitze, 2.442m

Über dieses bemerkenswerte Unternehmen gibt es einen netten Bericht im Internet in dem auch die beiden Anstiegsrouten auf die Waldrasterspitze knapp beschrieben werden. Anhand dieser Beschreibung wird der erfahrene Bergsteiger den Aufstieg leicht finden (zumindest für die vom Verfasser begangene grüne Route) wo hingegen für die allgemeine Masse – so vermittelt der Internet-Bericht den Eindruck zwischen den Zeilen der Verfasser – der Anstieg nicht gedacht ist.

Serlesgipfel im Hintergrund

Nun, diese Haltung findet sich sehr häufig in Bergsteigerkreisen, vor allem an Routen, an denen Idealisten in ihrer Freizeit tätig sind, Steige in Schuss halten oder den Gipfel betreuen (Buch, etc.) und die keine öffentlichen Wanderwege bzw. Steige im Betreuungsnetz des Alpenvereines sind.
Einerseits möchte man zwar das Kleinod einer phantastischen Besteigung eines Gipfels mit Gleichgesinnten teilen, andererseits soll es aber auch nicht jedermann sein. Das Ideal wäre, daß nur entsprechend versierte, wiederum aber auch nicht zu viele davon, von der Tour Kenntnis haben und sie absolvieren.

freie Almwiesenfläche auf den „Kampele“ Rücken hinauf

Die Gründe für eine solche Haltung mögen auf den ersten Blick äußerst egoistisch wirken, näher erklärt geben sie aber durchaus Sinn, vor allem in einer so auf Sicherheit bedachten Welt in der wir heute leben, aber in der vor allem „Lawyer“ die Sicherheit mehr und mehr als Bringschuld der Infrastruktur ansehen und damit unverhältnismäßig viel gutes Geld verdienen – ganz einfach nach dem Motto, wessen der Besitz, dessen die Gefahr.

Der Rücken wird ausgeprägter

Dieser in vielen Lebensbereichen sinnvolle altrömische Rechtsgrundsatz ist auch in unserer Heimat fest im Rechtssystem verankert und aber auch genau jener, der heutzutage eine Unzahl von Problemen im und um den Bergsport erzeugt (der Verfasser meidet im Normalfall diesen Terminus, Bergsteigen hat nichts mit Sport zu tun, Bergsteigen ist eine Philosophie, außerdem bringt dieser Ausdruck Verbindung mit dem Wirtschaftszweig mit sich, der im Zusammenhang mit diesem Bericht unerwünscht ist), weil der Berg an sich in keiner Weise als Infrastruktur im gewerberechtlichen Sinn einzuordnen ist und die Forderung an Wegerhalter sich aber allzu deutlich auf solcherart geartete Grundsätze bezieht – ein Trugschluss der in wenigen Jahrzehnten zur Spaltung der Gesellschaft am Berg und zu grotesken Entwicklungen führen wird. Ansätze (und Auswüchse in der Entwicklung der Rechtssituation die alpinen Wege betreffend) hierfür gibt es zuhauf, die jüngsten beispielsweise im Halltal.

Blick auf das Kampele

Ohne ein Szenario nach Wells herbeizurufen ist es heute durchaus denkbar, daß noch weit vor der Hälfte dieses Jahrhunderts kartierte Bergwege links und rechts von ihnen durchgehend drei Meter hoch eingezäunt werden, um das Risiko der Haftung des Wegerhalters auf ein erträglich Maß zu reduzieren, damit er und die Seinen ruhig schlafen können. Natürlich kommt die persönliche Unterweisung des Wegebenützers durch den Wegeerhalter als Sicherheitsmaßnahme hinzu, mit abschließender Unterschrift, belehrt worden zu sein.
Sich auszumalen wieviel Wegstrecke es auf Tirols Bergen dann noch geben wird bleibt jedem selbst überlassen, daß es die Wege aber noch geben wird liegt aus touristischen Gründen klar auf der Hand. Mit Zynismus könnte man den Vorschlag der Maut einbringen, damit sich ein paar Kilometer von selbst finanzieren…

am Jagasteig, nach Querung des Rückens

Die andere Gruppe wird Bergwege, die noch heute wie vor hundert Jahren, von alpin wenig ausgebildeten Bürgern begangen werden, als unmarkierte und dem Verfall bzw. dem Überwuchern preisgegebene Routen vorfinden, die offiziell nicht mehr vorhanden sind. Diejenigen, die diese Routen dann noch begehen werden sind dann jene Bergsteiger, die es immer gegeben hat. Solche Leute sind Leute die Terrain betreten, für das niemand Produkthaftung gewährt und die dann, anders als heute, für eine Rettung im Notfall fünfstellige Beträge, oder vierstellige Versicherungsprämien bezahlen werden müssen. Man wird sie dann „Tough Adventurer“ oder ähnlich nennen, wenn sie beispielsweise den äußerst gefährlichen Steig aus dem Halltal auf das Törl beschreiten, von Drohenkameras der Schaulustigen im Tale begleitet oben beide Hände in die Höhe reißen und der Fangemeinde mit den Fingern beider Hände das „Victory“ Symbol auf den Handybildschirm hin schmettern – life natürlich.

Wegverzweigung in die grüne und in die rote Route – Blick auf die rote Route

Ja, wir treiben es auf die Spitze durch den Import von Rechtsphilosophien fremder Kulturen in unser Land und zwar mit Lichtgeschwindigkeit der negativen Entwicklung. „Cui bono?“ ist hier leicht erklärt, manche der vorgenannten Spezies kennen Skrupel nicht und vertreten beide Seiten…
Hier muß etwas geschehen bevor durch Schauprozesse die heimischen freiwilligen Idealisten, die heute bereits tief in die Haftungsecke getrieben wurden ihren Idealismus verlieren und die unentgeltliche Tätigkeit hinschmeißen – der Berg muß als Niemandsland, nein, als Land dessen, der ihn im Haftungssinne benützt erklärt werden, so wie es uns unser bisheriges Rechtsempfinden gewiesen hat.
Jeder Bergsteiger muß für sein eigenes Verhalten die alleinige Verantwortung tragen, auch wenn eine Markierung ihn leiten mag. Genau diesen Zustand muß das Gesetz leisten, damit die in den letzten Jahren ins Wanken geratene Ordnung wieder hergestellt wird und unzuträgliche Entwicklungen hintangehalten werden und hierzulande die Vernunft siegt. Gesetze, die das – unisono – Volksempfinden nicht fassen kann dienen der Gesellschaft nicht und nützen nur dem gewerbsmäßigen Ausbeuter.

Links geht die grüne route hinauf

Der andere Zugang zu einer restriktiven, egoistisch wirkenden Haltung über die Publizität einer eher gefährlichen Besteigung ist jener der Retter im Notfall. Diese ebenfalls ehrenamtlich tätigen Idealisten werden teilweise selbst in Gefahr versetzt, um eine in Not geratene Person zu bergen und man glaubt es kaum was diese Leute über die alpine Unbedarftheit von Bergtouristen zu berichten haben. Wenn also Bergretter die oben beschriebene Einstellung vertreten ist das vielleicht noch weit verständlicher. Allerdings – so hat kürzlich einer derselben über seine Zunft im Internet beschrieben – ist er ja genau für diese Zwecke ausgebildeter und freiwilliger Retter geworden.

der Rücken wird etwas ausgesetzter

Der Diskurs über die traurige Entwicklung im Land soll aber nicht auf dem Rücken der schönen Tour zur Waldrasterspitze ausgetragen werden. Darum nun endlich zur Tour, die im Sinne der „Herren“ des netten Gipfelkreuzes hier nicht so tief beschrieben wird, daß dadurch jeder sonntägliche Turnschuhwanderer Lust zur Besteigung erfährt:

Alleine die ersten zehn Minuten am grün markierten Anstieg nach dem Cabrio-Hochsitz auf dem Kampele wird einen „nur Wanderer und nicht bergfest“ nicht veranlassen den Anstieg fortzusetzen und der weitere Aufstieg durch das Felsgelände garantiert, daß nicht entsprechend versierte Bergsteiger die Waldrasterspitze überlaufen werden.

kühne Felsklippen an der Abbruchkante

Schon der Einstieg in den Wald nach dem Gatter nördlich der Waldrast wird einem nicht an Erkundung gewohnten Interessenten Schwierigkeiten bereiten und wenn dieser nicht, dann der Aufstieg am Weidezaun oberhalb des Hochsitzes am Beginn der Lichtung.

der Steig wendet sich leicht nach links oben

Am Almboden sprießt zu Beginn des Junis alles an Formen und Farben nur so hervor. Allerlei Bergblumen und die fast allgegenwärtigen Almrosen bedecken die Flure, die bedacht begangen werden müssen, will man die Pflanzen nicht beschädigen.

Anstieg im Rückblick

Steil führt die Wiesenschneise den Rücken hinauf und gewinnt rasch an Höhe. Im obersten Bereich erfolgt an geeigneter Stelle der Wechsel über den Zaun im Aufstieg, sodaß dieser nicht beschädigt wird.
In der Folge führt der Steig durch die Latschengasse bergan und quert den Rücken einige Meter abwärts wieder auf dessen rechte Seite. Kurz darauf wird der Cabrio-Hochsitz passiert und nach wenigen Metern ist die Verzweigung der Aufstiegsrouten erreicht.

Querung in die Südflanke

Die rote Route führt geradeaus auf ein breites Band in die Nordflanke des Berges, die grüne Route führt direkt auf den Zunternrücken zurück, dem einige Zeit gefolgt wird bevor sie in die Südflanke des Berges zieht.
Die grüne Route ist die leichtere und nachträglich gesehen ist der Verfasser froh bei der Erstbegehung sie gewählt zu haben, denn auch in dieser Route befand sich zu Beginn des Juni an einer Scharte bzw. Rinne noch signifikant viel Firn, sodaß es für eine Begehung der roten Route wahrscheinlich noch zu früh gewesen wäre, bedenkt man, daß diese – laut dem Bericht der Betreuer – zum Teil im dritten Grad geklettert werden muß.

steiler Aufstieg auf direkter Flanke

Nach gut 20min des Aufstieges am breiten Hauptrücken, teils nahe an der nordseitigen Abbruchkante zu Rinnen hinab, die von kleineren heraufziehenden Rücken gebildet werden, wendet sich der Steig nach links (südseitig) und folgt, einer Wand entlang, einem schmäler werdenden Band fast horizontal in die Südflanke des Berges hinein.
Die bankartige Ausprägung der Felsformationen am Serlesmassiv mit den eindrucksvollen Bändern erinnern unweigerlich an die Kalkkögel wenige Kilometer nördlich davon. Der Grund dafür ist leicht erklärt, auch das Gestein der Serles besteht aus Dolomit, nicht aus Kalkstein.

Rückblick auf die kleine Kletterpartie

Oft sind die Felsbänder annähernd oder völlig horizontal und lassen sich trotz jäher Absturzkante wunderbar begehen, so auch diese Querung in die Südseite.
Wenige Minuten in dieser Art mit nur moderatem Höhengewinn wird ein auffälliger Felskopf erreicht, der den Wendepunkt von Querung zum Direktaufstieg darstellt. Der Steig wendet sich also in die direkte Falllinie der Flanke und führt recht steil bergan über begrüntes Gelände weiter.
Etwa nach 100Hm wird eine unten schmale, oder sich verbreiternde Rinne erreicht in der die ersten kleinen Kletterstellen liegen. Auch ein Seil als Steighilfe befindet sich weiter oben in der Rinne.
Oberhalb des Ausstieges aus der Rinne wird das Gelände etwas schuttiger, ohne Bewuchs der dann aber wieder zunimmt. Der Steig wendet sich unterhalb einiger größerer Schrofenblöcke in der Folge leicht nach links oben zu einem Bereich mit wiederum einer kurzen Kletterstelle. Nach dieser Kletterstelle ist der oberste Rücken am Anstieg erreicht.

Schrofengelände, nicht weiter schwierig

Zunächst wird – wie schon weiter unten – als Weiterführung des Aufstieges eine Umgehung des letzten voranliegenden Felskopfes vermutet, jedoch führte diese Erkundung gleich nach dem Blick jenseits der Felskante zum Schluß, daß dies wegen der steilen Abstürze dahinter der falsche Weg sein muß.

eine zweite Stelle mit kurzer Kletterei

Also einige Dutzend Meter zurück zum obersten Rückenteil und in die Nordseite geblickt in der zunächst ein noch recht mächtiges und steiles Altschneefeld erblickt werden konnte. Nach und nach konnte aber auch ein schmales Band wenige Meter nach unten erkannt werden und auf der Gegenseite der schneegefüllten Rinne ein steiler, schuttbedeckter Hang nach oben auf die restliche Aufstiegsflanke in der aber keine Steigspuren mehr erkennbar waren.

gleich den höchsten Punkt des Rückens erreicht

Sapperlot!, so des Verfassers erster innerliche Ausruf – eine knifflige Stelle! Zu diesem Zeitpunkt übersah er völlig das Stahlseil das jenseits der schneegefüllten Rinne unterhalb an einem Felsband montiert war, wesentlich weiter unten als man den Übergang durch die Rinne erwarten würde, wenn sie, noch meterhoch mit Schnee gefüllt, betrachtet wird.

Rückblick auf die zweite Kletterstelle

Auf vermeintlich richtigem Pfade wurde also abgeklettert und oberhalb des Schneefeldes eine Querung unternommen. Durch das Schneefeld erschien es nicht sicher genug, die Oberfläche war recht hart und es erschien steil genug für eine zu riskante Querung. Außerdem konnte von der Flanke das untere Ende nicht eingesehen werden.

Hanggegenseite vor der schneegefüllten Rinne

Der Umweg über die splitterige Scharte funktionierte als Plan gut. Sogar ein Dokumentationsfoto von dem tollen Felsentor unten in der sich verjüngenden Rinne konnte angefertigt werden.

in der Querung der Rinne, oberhalb des Schneefeldes

Jenseits der Rinne mußte noch mit Bedacht über ein paar schuttbelegte Stufen aufgestiegen werden, bevor im Rückblick dann der originale Steig anhand der Markierung erkannt werden konnte. Somit war logisch, daß der Hang auf der gegenüberliegenden Seite auf der gewählten Querung keine Steigspuren zeigen konnte.

unterer Teil des Aufstieg auf den vorgelagerten Rücken

Über leichtes aber schuttiges Gelände führt der manchmal sichtbare, manchmal etwas verschwindende Steig nach oben und unvermutet taucht nach etwa zehn Minuten steil bergan schon das Gipfelkreuz der Waldrasterspitze mit dem dahinterliegenden und durch die große Entfernung kleiner aussehenden Gipfelkreuz der Serles auf. Ein interessanter Anblick, den es auch auf einem bestimmten Punkt am Plumsjoch auf die Kreuze auf der Bettlerkarspitze gibt.

am Gipfelhang

Sowohl Waldrasterspitze als auch der um weniger Meter niedrigere Sonnenstein zur rechten (nördlich) können als die flankierenden östlichen Vorgipfel der Serles gelten, um das Panorama auf der Waldrasterspitze gegen die gewaltigen Ostabbrüche der Serles hin zu beschreiben.

Sonnenstein gegenüber

Das schöne Betonkreuz mit absichtlich unbehandelten Eisenbeschlägen -und auch einer solcherart gefertigten Gipfelbuchschachtel – ausgestattet, richtet sich gegen Nordosten, in den weiten Kessel der Verzweigung des Inntales mit dem Wipptal, wohin der Ausblick durch die freistehende Serles dutzende Kilometer reicht. Zwischen Patscherkofel und Glungezer hindurch über das 36km entfernte Kellerjoch über Schwaz hinaus reicht der Blick gen Osten.

Blick nach Nordosten

Im Südosten beeindrucken die Zillertaler und im Westen wäre die weitere Route auf die Serles der logische Abschluß der Tour. Dieser Aufstieg ist mit Stellen im dritten Grad beschrieben und an diesem Tag nicht ausgewählt worden, da die Wetterlage zu labil dafür angesagt war. Tatsächlich verdichtete sich auch der Nebel während des Gipfelaufenthaltes und über die nur seitlich sichtbaren Stubaier zogen dunkle Wolken heran, die zum baldigen Verlassen der Waldrasterspitze veranlassten.

am Abstieg

Die Erkundung der weiteren Route sowie auch des Aufstieges durch die rote Route unterblieb daher, war aber auch nicht erklärtes Ziel an diesem so uneinschätzbaren Tag.

Passage mit schneegefüllter Rinne, Band in die Rinne hinab gut sichtbar

Der Abstieg brachte die Entdeckung der originalen Querungsstelle mit Fixseil im Band vorher mit sich, die Querung des steilen Schneefeldes in der Rinne wurde aber auch dann nicht unternommen.
Von oben betrachtet wirkt das Abstiegsband zur Rinne auf der Gegenhangseite wesentlich ausgeprägter und kann auf den Fotos deutlich erkannt werden.

Rückblick auf die Rinne, rechts das Fixseil erkennbar

Am Weg hinab boten sich noch ein paar interessante Fotoszenen auf den blumenbewachsenen aufragenden Klippen an der Abbruchkante des Gratrückens, bevor der Steig wieder sanfter wird und in archaischen Wald übergeht, der zur kleinen Abkürzung in Richtung Waldrast querfeldein durchschritten wurde.

Stimmung auf einer der Klippen am Gratrücken

Die Ochsenalm bot mehr Ruhe als das Gasthaus auf der Waldrast, wo größere Gesellschaften mit erhöhtem Geräuschpegel sich tummelten. Also wurde erstere für die Rast nach der Tour gewählt und von dort bot sich auch ein guter Überblick auf den Grat der beendeten Tour.

Almrausch kann man auch dazu sagen

Der Zeitbedarf ab dem Parkplatz Waldrast betrug vier Stunden bei gut 800m im Aufstieg und mit einem 20 minütigem Gipfelaufenthalt.
Die Karte entfällt  für diese Tour in der Bilderdokumentation.

Mils, 06.09.2018

Hochkanzel, 2.575m

Die Hochkanzel ist der Eckpfeiler im Roßlochkamm bei der sich der Grat von seiner West-/Ostrichtung in die Süd-/Nordrichtung wendet und erreicht wird sie von der Gamskarspitze aus in phantastischer Gratkletterei. Nach ihr folgt die Roßlochspitze als zentraler Gipfel im Roßloch, hoch über dem Roßkar.

Hochkanzel, 2.575m

Wer sich für die gesamte Gratstrecke bis zur Hochkanzel interessiert der möge vorher den Bericht zur Brantlspitze lesen. In gegenständlichem Bericht werden nur neu erlebte, besondere Passagen der ersten Etappe zwischen Gamskarspitze und Brantlspitze beschrieben und die Überschreitung zur Hochkanzel im Detail.

Blick vom Lafatscher Joch auf den auslaufenden Roßlochkamm, dahinter Südliche Sonnenspitze

Als Tagestour gesehen – die wegen der großen Entfernung vom Startpunkt beim Hackl im Halltal in Frage kommt stellt die Hochkanzel, zumindest für den Verfasser, das äußerste Ziel dar, das erreichbar ist. Eine Begehung des gesamten Grates über die Hochkanzel hinweg bis zur Roßlochspitze würde vorzugsweise mit einem Abstieg in das Roßloch und mit Rückweg über die Kastenalm zu wählen sein.

Almauftrieb in den Halleranger, dahinter Jochreisen und Lafatscher Roßkopf

Bei einem solchen Unternehmen muß im Übrigen, nach all der bisherigen Erfahrung mit dem nicht unerheblich zeitraubenden Grat bis zur Hochkanzel, die Begehung in umgekehrter Reihenfolge empfohlen werden, da die genussvollen Gratstücke lieber im Aufstieg genommen werden.

die Raiblerschichten vor dem Burattipfeiler, dahinter die Gamskarspitze

Möglicherweise stellt die oben angedachte Runde eine abschließende Erkundungstour in diesem Gebiet dar und je mehr beim Verfassen dieses Berichtes darüber nachgedacht wird, desto mehr – so muß der Schreiber bei Niederschrift dieser Zeilen feststellen – manifestiert sich dieser Gedanke.

Lafatscherverschneidung

Den durchaus ernst zu nehmenden Gratabschnitten im Roßlochkamm wohnt ein eigener Zauber inne, vielleicht aufgrund der nicht so sehr dramatischen Höhenunterschiede zwischen den Scharten wie in den gewaltigen Girlanden der Gleirsch- Halltalkette und somit für einen alten Mann durchaus schmeichelnd in der konditionellen Herausforderung.

scharf getrennt, schlechter Fels und fester Fels an den Schnittlwänden

Auch wenn hier scheinbar Werbung für ein selten begangenes Kleinod im Karwendel entsteht, so möge der wenig erfahrene Gratkletterer und der vor Ausgesetztheit und Brüchigkeit Scheue auf die weitere Lesung des Berichtes verzichten. Wir sprechen von einem Terrain das gefährlich ist und Klettertechnik, Erfahrung sowie Entschlossenheit voraussetzt – vom Glück, daß allzeit sämtliche lockeren Gratpartien im Verbund halten mögen ganz abgesehen.

Am Aufstieg zur Gamskarspitze in den Halleranger geblickt

Trotz der klettertechnisch nicht sehr schwierigen Partien – die generelle Einstufung in den zweiten Grad (manchmal vielleicht ein sehr oberer „Zweier“) trifft gut zu – sind die begleitenden Umstände am und zu beiden Seiten des Grates zur Hochkanzel eben die Zutaten für ein eher heikles Unternehmen. Hat man einen Partner mit so niemals einen dessen Kletterkünste und Resistenz im Ausgesetzten man nicht genau einschätzen kann.

die Inschriften von Tützscher und Wechner am Beginn der Felsstrecke zur Gamskarspitze

Nun genug der Gefahrenhinweise, all jene die die Begehung der Hochkanzel von der Gamskarspitze ernsthaft in Erwägung ziehen sind sich ihrer Eigenverantwortung bewußt. Als echter Bergsteiger würde man niemals jemand anderen für sein Unglück verantwortlich erklären, dies ist Fremden vorbehalten.

Die wenig dampfgesättigte klare Luft am so herrlichen Junimorgen erlaubte selbst für die mittelmäßige Bildleistung eines Telefons phantastische Aufnahmen während der langen Anreise vom Hackl zum Halleranger. Die Schnittlwände mit dem wurstradlgleich abgeschnittenen Burattipfeiler (vor knapp vier Jahrzehnten von Udo und dem Verfasser als schwierigste Klettertour ever in dessen Karriere bezwungen) hinterm Joch machen Fotos der Heimat zu einem Blickfang an dem alle Ansichten von Südseeinseln verblassen.

am Grat zur Gamskarspitze

Brüchige und deshalb rasch vergängliche Raiblerschichten von hochfestem Wettersteinkalk über Jahrmillionen in der Aufschiebung vorne hergeschoben, senkrecht aufgerichtet, zerschartet und von Wind und Wetter gerichtet können im Abstieg zum Halleranger bestaunt werden. Phantastisch skurrile Anblicke und wie Aristoteles in einem Aphorismus treffend erkannt hat: „Die Natur schafft immer von dem, was möglich ist, das Beste“.

alle Gipfel des heutigen Tages; von re. n. li.: Gamskarspitze, Brantlspitze, Hochkanzel

Nach dem Auftanken von Trinkwasser an nicht ultraviolett behandeltem und daher keimbehaftetem, kristallklarem und wohlschmeckendem Bergwasser an den Quellen im Halleranger galt es, wie alle Jahre wieder, beim Aufstieg zur Gamskarspitze den kleinen Kampf mit den Latschen auszufechten.

das nächste Ziel, die Brantlspitze

Der kleine Kampf besteht in der Suche nach dem effizientesten Aufstieg durch die Zunternfelder (Latschenfelder) nach der großen Wiesenfläche mit den markanten Nadelbäumen an seinem Saum. Hier verliert sich der breite Steig, der von der Lärche schräg oberhalb der Hallerangeralm in Richtung Hallerangerspitzen angestiegen wird in zig einzelne Gassen, die aber meist nur Gamsspuren sind und keine gut gangbaren Aufstiege.

Grubenkar- und Dreizinkenspitze über dem weiten Roßkar

Ein Tipp für all jene denen die Gassen zwischen den sichten Latschen nicht so geläufig sind besteht darin, daß die Almwiesenfläche einfach bis zu einer Wasserrinne ostwärts aufgestiegen wird und dann über den teilweise recht schroffigen aber dafür latschenfreien Einschnitt des Wasserlaufes über die Latschen hinausgestiegen wird.

Karwendelhauptkamm

Damit kommt man etwas weiter östlich der Ideallinie an und muß steil weitersteigen, vermeidet aber den kleinen Kampf und spart Zeit ein. Oben trifft man auf die Rippe mit den Schrofen, die sich zu oberst zum Grataufbau hinziehen und den Weg zur Gamskarspitze auch ohne Markierungen weisen.

Tützscher und Wechner haben sich zu Beginn der folgenden Felsstrecke – wie es deren Brauch gebot – vor mehr als 120 Jahren mit schwarzer Farbe auf glattem Fels verewigt und noch heute ist an den gut erhaltenen Buchstaben erkennbar, daß dies sogar mit hoher Präzision in der Glyphologie geschah (Wechner war Lithograph). Diese Markierungsart von vollendeten Touren als Erstbegehung seien dem alpingeschichtlich interessierten Leser hier nicht vorenthalten (die beiden Paradebergsteiger waren Mitglieder in einer der ersten und berühmtesten Bergsteigervereinigung in Tirol, der „Wilde Bande“, die von 1878 bis Ende der 1930er Jahre existierte; sollten die beiden gemeinsam unterwegs gewesen sein, dann muß es vor 1884 gewesen sein – Wechner starb in diesem Jahr, Tützscher 1897).

von der Gamskarspitze in den Halleranger geblickt

Bald nach dem Ende der Wiesenhänge und dem Beginn der Gratzone ist die Gamskarspitze zuerst über einen Schutthang, sodann weitgehend am Grat und zuletzt in der südlichen Gipfelflanke erreicht.
Bisher ein leichtes Ziel und bis oben hin mit Stöcken zum Gipfel begehbar. Kurz vor dem Gipfel können über einen kurzen Bereich am Grat alle drei Gipfel der nun folgenden Überschreitung bis zur gleichzeitig eingesehen werden – Gamskarspitze, Brantlspitze, die Zwischenerhebung nach der Brantlspitze und zuletzt die heute begehrte Hochkanzel.

Der Rückblick auf den Halleranger und der Halltalkette vor dem nun langen Weg ausschließlich auf Fels ist unersetzlich und deshalb hier eine Ablichtung.
Zu Beginn der Gratkletterei zur Hochkanzel findet sich im Bereich der Gipfelbuchschachtel erneut eine verwitterte Markierung von Wechner am Fels, leider aber auf den folgenden Gipfeln keine mehr. Möglicherweise wegen der dort kaum vorhandenen ebenflächigen Blöcke im Gipfelbereich, denn es ist schwer vorstellbar, daß ihn der Grat nicht unwiderstehlich gereizt hat.
Zum Gipfelbuch und den Gipfelbüchern auf Brantlspitze und auf der Hochkanzel sei ein Lob und Dank an die beiden Betreuer gerichtet. Sie haben sich sogar die Arbeit angetan die letzten Einträge des alten Gipfelbuches zu übertragen, nachdem dieses durch Feuchtigkeit unbrauchbar geworden ist. Leider habe ich die Gipfelbuchschachtel auf der Hochkanzel in genau der Stellung vorgefunden – liegend! -, die eine Durchnässung geradezu perfekt möglich macht – sapperlot Herr Pfarrer!

die Gegend um das Knappenhüttl unterhalb des Überschalljoches

Im Wissen über die zeitraubende Gratstrecke wurde diese nach hastigem Verzehr einer kleinen Portion Studentenfutter ohne großen Aufenthalt auf der Gamskarspitze um 11:15 aufgenommen.

Tiefe Konzentration am schmalen bis schneidigen Grat läßt die Zeit wie im Fluge verstreichen. Ab und zu ein nachdenkliches Innehalten nach einer brüchigen Partie ist durchaus kein seltenes Erlebnis an dieser interessanten Kante sowie der Wechsel zwischen anregenden scharfen und leichten breiten Gratteilen lassen den Geist vollends in die Arbeit eintauchen und betäuben das Zeitgefühl. An einem Tag an dem es mit höchster Wahrscheinlichkeit kein Gewitter geben wird, ein hemmungslos auszukostendes Erlebnis.

kleine Störzone mit leichtem Übergang wenige Minuten nach dem Start am Grat

Drei Stellen mit Störzonen im Übergang zur Brantlspitze wurden neu abgelichtet.
Die erste kleine Einschartung kurz nach dem Start des Überganges ist in Richtung Brantlspitze leicht durch Umgehung links (nördlich) zu umgehen, auch wenn es nicht so aussieht. Dass man sich vor dem Abstieg auf einer Störzone bewegt erkennt man erst im Rückblick.

zweite brüchige Scharte

Die zweite Stelle – durch eine größere und unangenehmere Störzone – stellt die tiefe Scharte kurz vor der Brantlspitze dar und ist ebenso leicht zu begehen. Im Abstieg kann ein sinnvoller Schwenk nach links (nördlich) zu einem spitzen Türmchen erkannt werden, der im brüchigen Material einem Hauch von Rampe gleicht. Vom Türmchen zurück zur Scharte auf geneigter Fläche auf einigermaßen trittfestem Untergrund.

Abstieg in die Scharte, links die logische Route

Die dritte Stelle stellt der Ostrücken zur Brantlspitze dar. Im Aufstieg ist er leicht, ja sogar erfreulich anregend zu nehmen und die eher nicht mehr bombenfesten Partien am schmalsten Teil fallen wenig auf. Im Abstieg erschien mir dieser Teil mit der anderen Körperhaltung als recht brisant und veranlasste mich in die Nordflanke unterhalb abzusteigen und in dieser zur Scharte zu queren.

Rückblick mit erkennbarer Abstiegsroute

Das Gelände dort ist zwar schuttbedeckt und unangenehm für eine Querung, aber doch etwas sicherer als der besagte Gratteil. Wir sprechen von ca. 25m Gratlänge zwischen den losen Partien unten (deutlich sichtbar und rechts, südlich, leicht zu umgehen) und der ebenso deutlich sichtbaren Verschneidung an der Gratschneide oben.

letzter Aufstieg auf die Brantlspitze jenseits der Scharte – im Abstieg den Mittelteil des Grates gemieden

Auf der Brantlspitze angekommen begann die Neuerkundung zur Hochkanzel – das erwartete Abenteuer für das die lange Anreise von 6:30 Uhr bis knapp vor 12 Uhr mittags in Kauf genommen wurde.

Rückblick von der Brantlspitze zur Gamskarspitze

Der Übergang findet auf einer abgewinkelten Gratstrecke ab, die zwar auch nicht vollkommen, so doch viel besser eingesehen werden kann, wie jene von der Gamskarspitze zur Brantlspitze. Vorweggenommen kann festgestellt werden, daß für die Erkundung mit dem Glas eigentlich nur der Ostrücken der Hochkanzel interessant erscheint. Dies deshalb, weil alle anderen Abschnitte ohne jede Schwierigkeit für den erfahrenen Gratkletterer begangen werden können.

der Grat zur Hochkanzel im Überblick

Zunächst erfolgt der Abstieg in die erste der beiden tiefen Scharten, am Weg zum Mittelkopf, der innerhalb der Gratlinie im Roßlochkamm eben einen Knick darstellt. Dieser ist leicht und kann als eine Erholungsstrecke angesehen werden, an der die eindrucksvolle Umgebung unter Betrachtung genommen werden kann, beispielsweise Details des Überganges von der Roßlochspitze zur Hochkanzel.

gewaltige Schlucht hat sich durch eine abgerutschte Platte gebildet; sie zieht – schön anzusehen – vom Grat steil hinab

Eine gewaltige Schlucht, gebildet aus dem Abrutschen einer der brüchigeren gratbildenden Platten zieht sich im Abstieg zur Scharte durch den kompletten Hochkanzelstock und hinterläßt einen gewaltigen Eindruck, der die Ausprägung der weiter unten aufragenden Hochkanzeltürme so richtig zur Geltung bringt. Durch die Hochkanzeltürme führt laut Klier ein Anstieg im IIIer Gelände auf die Hochkanzel und auch diese Route ist ein lange gehegter Wunsch, jedoch muß dieser unbedingt mit Partner erfolgen, zu kühn sieht das Gelände vom Knappenhüttl her aus.

Gratverlauf zum Mittelkopf

In der ersten – halbtiefen – Scharte leitet ein „Häutchen“ an Felsverbindung auf den Anstieg zum Mittelkopf über. Es ist halbwegs fest im Verbund und gut begehbar, aber auch nordseitig umgehbar. Der weitere Aufstieg zum Mittelkopf findet auf breiter Rampe statt.

kleines Grathäutchen im tiefsten Bereich der Scharte zum Mittelkopf

Nun bietet sich erstmals der Blick auf den westseitigen Abstieg in recht brüchigem Gelände. Die verschiedenen Plattenqualitäten haben hier verschiedene Verwitterungsformen hinterlassen und zum Glück derart, daß der Abstieg wesentlich leichter erfolgt als auf den Fotos mit Frontalansicht von der Hochkanzel aus.

die Flanke zur tiefen Scharte im Übergang ist zuerst brüchig, dann fester

Im Abstieg links müssen zuerst ca. 20Hm unangenehmen Schuttgeländes überwunden werden, bevor der Fels fester wird und gleich darauf in eine links hinab führende runde Nische überleitet.

Rückblick auf den gewählten Abstieg, die Nische oben erkennbar

Dieser Nische folgt eine Abstiegsrinne, die durch eine weichere schuttbedeckte Platte gebildet wird und der wiederum einige Dutzend Höhenmeter gefolgt werden kann, bevor abermals linkerhand eine Art Band weiter in die Flanke hinab leitet und erneut in einer vertieften schuttigen Platte bis knapp vor die tiefste Scharte abgestiegen werden kann.

Abstieg in der schuttigen Rinne

Der gesamte Abstieg mag auch auf dem messerscharfen sich abzeichnenden Grat rechts der oben beschriebenen Route möglich sein und das vielleicht sogar in festerem Fels, mir erschien jedoch die beschriebene Route für den Abstieg als sinnvoll, die Handflächen innen bereits einigermaßen vom ungeheuer schneidenden Fels gezeichnet.

Ansicht vom Grat, links davon die gewählte Absteigsroute

Die somit erreichte tiefe Scharte ist jene aus der die Besteigung der Hochkanzel aus dem Kar der Schneepfanne erfolgt. Der Blick in die Rinne und auf die unten ausgebreitete Schneepfanne zeigt, daß die Schneepfanne auch noch Mitte Juni ihrem Namen ganze Ehre zeigt, der Firn reicht durchgehend von unten immer noch bis zur Scharte herauf.
Ein Notabstieg könnte hier erfolgen.

beeindruckender Aufstieg zur Hochkanzel jenseits der Scharte

In der bisher erlebten Manier, möchte man meinen, ginge es nun am Grat weiter. Der Felskopf jenseits der Scharte mit den losen Trümmern am Band ist rasch erklommen und bevor man sich einer schönen weiteren Gratstrecke erfreuen kann wird am Felskopf oben angelangt der jähe, senkrechte Abbruch auf der Westseite des Kopfes erblickt.

an der tiefen Scharte angelangt; gegenüber der Felskopf mit dem senkrechten Abbruch an seiner Hinterseite

Möglicherweise ist er gangbar, mir erschien das Abenteuer aber sofort als unnötig herausfordernd und veranlasste mich zur Rückkehr in die Scharte.

kurzer Abstieg in die Südflanke

Umgesehen nach einer Alternative konnte sofort ein südseitiger Abstieg über eine auffällig „gebrauchte“ Schuttreise erkannt werden. Die Abstiegstiefe beträgt geschätzt 15Hm und nach einer leichten Linkskurve befindet man sich komplett in der plattigen Südflanke der Hochkanzel mit perfektem Ausblick auf die wilden Türme über dem Lochhüttl.

in der Südflanke – Platten mit etwa 70/75° Neigungswinkel

An der imposanten Flanke den sofortigen Aufstieg zum Grat wieder gesucht, kann der Westabbruch des zuvor begangenen Kopfes betrachtet werden und mit dem geistigen Ausruf eines „Halleluja“ geschieht die nachträgliche Zustimmung zur Entscheidung, gar nicht erst über den Abstieg desselben nachgedacht zu haben.

leichte Rückkehr von den Platten in der Flanke auf die Grathöhe

Nun, die Rückkehr aus der etwas bedrückenden Versenkung zum begehrten Grat erfolgt wenige Meter nach dem zuvor beschriebenen Abbruch von der Stirnfläche einer der mächtigen Platten in der Flanke aus über wenige Meter in festem Fels. Der Rückblick zeigt die Situation recht treffend.

die ersten Meter des Grataufstieges im Rückblick

Hiermit sind die leichten Schwierigkeiten im Gratübergang zur Hochkanzel auch schon Geschichte.
Mit einem gewissen Gefühl der Befreiung wird der mäßig schwierige Grat weiter emporgestiegen und nach wenigen Minuten ist der feste Fels des mittelbreiten Grates vollkommen erklommen und schuttiges Gelände leitet in den Gipfelbereich über.

am Ende des Aufstiegsgrates auf den Gipfelaufbau der Hochkanzel

Nach wenigen Dutzend Metern und noch weniger Höhenmeter ist das Ziel, die Hochkanzel, erreicht.

Gipfelplateau der Hochkanzel

Den gesamten Gratverlauf gesehen ist dieser Übergang leichter als jener von der Gamskarspitze zur Brantlspitze, aber er bietet auch einige leicht knifflige Passagen, die abwechslungsreich und in gewisser Weise geistig herausfordernd, aber leicht zu klettern sind.

Gipfelbuchschachtel auf der Hochkanzel – bitte niemals so platzieren!

Der Ausblick auf die Umgebung an diesem markanten Eckpunkt des Roßlochkammes ist natürlich wieder phänomenal. Von Westen bis Norden der gewaltige Kessel des Roßloches mit den Gipfeln oberhalb berühmter Kletterrouten wie die Laliderer Wände und den folgenden Gipfeln in der Vomper Kette wie die Spritzkarspitze oder die Plattenspitze, die nur noch von wenigen Idealisten wie Juergen aufgesucht wird und eine noch entbehrungsreichere Anreise voraussetzt, wie die Tagestour vom Hackl auf die Hochkanzel. Die Begehungen dieser Gipfel hat eine Frequenz die an den Fingern einer Tischler-Hand pro Jahr abgezählt werden kann. Unbedingt zu empfehlen!

Vomperkette mit Platten- und Spritzkarspitze sowie Hochglück

Im Osten beeindruckt der Ausblick über das archaische Vomperloch, und wer dasselbe nicht kennt dem sei seine Durchquerung ans Herz gelegt. Eine solche Wildnis inmitten ausgeprägtester Zivilisation – wo gibt es das schon?

die bizarren Hochkanzeltürme – ein Anstieg führt über sie herauf und läßt nicht los…

Der Hausberg Bettelwurf mit seiner reizvollen Überleitung über die Fallbachkartürme auf Hohe Fürleg und die Trattenspitze bietet eine kolossale Felsenfront im Süden und dieser Mauer nach Westen folgend bildet das schöne Hinterautal zwischen Gleirschkette und Karwendelhauptkamm den Abschluß im Panorama.

schreckliche Anblicke aber Nichtbergsteiger stehen drauf mußte ich lernen

Dem Gipfelbuch – leider recht unfachmännisch im Steinmandl verwahrt wie das Bild zeigt – entnahm ich, daß einer, dem Kanzeln gar nicht fremd sind, der Verursacher für die der Haltbarkeit unzuträglichen Verwahrung des neuen und nett gestalteten Büchleins gewesen ist. Zwei Tage vor mir, sagt sein Eintrag, habe er den Gipfel besucht….seither hat es nicht geregnet. Es sei ihm verziehen – aber Herr, gib ihm ab jetzt die Gabe solche Werke von nun an wettergeschützt zu verstauen.

bereits am Rückzug – der schöne und feste Grat wird wieder abgeklettert

Ein halbes Stündchen konnte der Gipfel genossen und der Aufstieg von der Roßlochscharte beäugt werden bevor die Hast den Rückweg einzuschlagen den Augenblick, der nicht verweilen darf, beendete.

Gelände zur Scharte; habe dort Steinmandl errichtet- Haltbarkeit fraglich

Was den Rückweg und die damit verbundene neue Erfahrung der Kletterstellen anbelangt, so sei eigentlich nur die kurze, wenig vertrauenerweckende schlanke Platte in der kleineren Scharte nach der tiefsten Scharte erwähnenswert. Diese ist vom Osten nach Westen unangenehm aber auch sehr kurz und auch nicht schwierig. Ich habe nördlich eine Umgehung unternommen.

in der Flachstrecke zurück zum Mittelkopf; das dünne Felshäutchen in der Scharte erschien mir am Rückweg unangenehm locker und zu umgehen

Der Aufstieg zum Mittelkopf erschien auch von unten auf gleicher Route des Abstieges am sinnvollsten und alle anderen Partien bis zur Brantlspitze konnten ohne nennenswerte Hirnleistung nach Gutdünken gewählt werden.

Erwähnenswert ist die Dauer der Überschreitung von der Hochkanzel bis zur Gamskarspitze, sie betrug recht genau 1 1/2 Stunden und der Abstieg zur Hallerangeralm weitere 70min.

eine phantastische Reise liegt hinter mir

Nach einer deftigen Knödelsuppe bei Evi und Horst auf der Hallerangeralm über’s Joch zurückgeeilt – und weil auf 2.000m noch Sonne – beschloss ich ein abschließendes Training zur Bettelwurfhütte zu unternehmen, also nochmals an die 300Hm dazu zu hängen.

der berühmte Herzelfelsen

Bei einem Abschlußbier bei Christine und Ralf auf der Bettelwurfhütte konnte dann der Sonnenuntergang im Tal verfolgt werden und den Parkplatz beim Hackl erreichte ich an dem lang hellen Junitag in der Dämmerung nach 14 Stunden gegen 20:45 Uhr.

die letzten Sonnenstrahlen Richtung Bettelwurfhütte

Die Bergsteigeruhr zählte insgesamt 3.020Hm und die Messung anhand der Karte in Outdooractive beträgt 29km.

Mils, 16.06.2018

 

 

Arnspitzüberschreitung – Arnplattenspitze/Mittlere Arnspitze/Große Arnspitze

Außerordentlich schön gelegen befinden sich die Arnspitzen, mit der höchsten Erhebung der Großen Arnspitze (2.196m), in der Seefelder Senke zwischen dem Leutaschtal und der Talfurche von Scharnitz.

oh Augenblick verweile…

In der Würmeiszeit spielte dieser kleine freistehende Gebirgszug eine gewichtige Rolle. Er staute und teilte den Inngletscher in einen Teil, der links, durch das Leutaschtal, hinaus in die breite Fläche nach Mittenwald abfließen konnte und in einen rechts fließenden Strom, der durch die schmalere Talfurche bei Scharnitz floss. Dabei erreichte der Gletscher einen Höchststand von knapp über 2.000m, die durch erratisches Gestein (ortsfremd) an den Flanken der Arnspitzen nachgewiesen werden konnten.

die tolle Bergkette im Morgenlicht

Heute wird die Arnspitzgruppe dem Wettersteingebirge zugeordnet, was rein willkürlich geschah, denn geologisch gesehen gehört die Arnspitzgruppe zum Karwendel.

 

die Raiblerschichten der Kastentalriepen

Wir starteten unsere schöne Klettertour am Parkplatz der Gemeinde Scharnitz in Gießenbach, gleich nach der Abzweigung zum Gießenbachtal in Ortsmitte. Für jenen, der aus dem Süden – aus Innsbruck –  anreist, ein wesentlich komfortablerer Ausgangspunkt als vom Leutaschtal.

Hoher Sattel – links geht es zur Arnplattenspitze hinauf

Eine Schotterstraße führt zunächst rechts neben einem gewaltigen Bachbett über eine weite Strecke zum Hohen Sattel hinauf. Dieses – für die Massen an Wasser und Geröll die man dort vermutet abzufließen – überbreite Bachbett muß von den kohäsionsarmen, brüchigen Raiblerschichten der Kastentalriepen gebildet worden sein; eine der größten offenen Raiblerschichtenformation die ich bisher in der näheren Umgebung bisher angetroffen habe.

im oberen Teil des Anstieges zum Gratrücken auf die Arnplattenspitze

Nach dem Ende der Fahrstraße, weit oben auf ca. 1.300m führt der Steig in einigen Serpentinen den steilen Waldhang zum Hohen Sattel hinauf. Angenehm, auf über 1.400m rinnt eine wenig ergiebige Quelle vom Sattelwald herab (zumindest noch Anfang Juni).

Blick vom Grat in das Leutaschtal

Am Hohen Sattel findet sich der nördliche Abzweig zur Arnplattenspitze (auch Hintere Arnspitze genannt) nach 100m in Richtung Leutaschtal hinab, jedoch noch auf der Sattelfläche.

Blick auf den Gratrücken zurück

Der Aufstieg zum Grat westlich der Arnplattenspitze erfolgt zunächst durch den Wald, dann durch dichten Zunternbewuchs, später kurzzeitig über Reisengelände und zum Schluß in festem Schrofengelände.

die Arnplattenspitze im Nebel

Bereits am Grat bietet sich eine bemerkenswerte Aussicht auf Karwendel, Wetterstein, Seefeld, ja sogar bis in die hohen Stubaier und bis weit in das Werdenfelser Land.

Blick nach Scharnitz

Durch die Zuntern am Grat ging es angenehm weiter, in unserem Fall sogar etwas kühl an diesem an sich warmen Junitag, da sich hartnäckiger Nebel nur sehr zögerlich von der kühn aufragenden Felspyramide der Arnplattenspitze lösen wollte.

Gipfelaufbau der Arnplattenspitze

Mit unserer zeitlichen Annäherung und der stärke werdenden Sonneneinstrahlung löste sich der Nebel um den Gipfelaufbau jedoch nach und nach auf.
Die kurzen und leichten Kletterpassagen bis zum Gipfel bereiteten uns schon Vorfreude auf die bevorstehende Gratüberschreitung zur Großen Arnspitze.

feine Partien…

Evi und Simon erreichten zuerst den Gipfel nach kurzer Kletterei, ich hatte noch ein paar Dokumentationsfotos gebraucht und kam als Letzter am nun nebelfreien, aber immer noch hochnebelbewölktem Gipfel an.

Ankunft auf der Arnplattenspitze

Nach einer sehr kurzen Rast und dem Eintrag ins Gipfelbuch fieberte angesichts der tollen Kulisse gen Mittlere und Große Arnspitze ein jeder schon dem Abmarsch entgegen und die kühle Brise am beschatteten Gipfel tat das ihre dazu, daß der Aufenthalt angesichts der schönen Kulisse verschwenderisch kurz ausfiel.

leider Hochnebel über dem Gipfel

Namensgebend für die Arnplattenspitze sind eben die ostseitig ausgeprägten Platten, die nicht nur ein paar Platten im üblichen bergsteigerischen Sinn im Abstieg darstellen, sondern die ein halbes Fußballfeld knapp unterhalb des Gipfels bedecken, ebenflächig sind und, zur richtigen Zeit am Morgen von Gießenbach aus betrachtet, sich in abhebend erhellter Farbe von der restlichen Gipfelpyramide deutlich unterscheiden – ein erhebendes Gefühl sie zu betreten, wenn keine Scheu vor ihnen vorhanden.

weiterer Verlauf der Überschreitung der Arnspitzgruppe von der Arnplattenspitze gesehen

Die Platten sind durchzogen von weiten bis schmalen Rissen, erstere zum leichten Abklettern, letztere zur teilweise möglichen Verwendung von Handrissen, aber immer ein Genuß sie zu klettern.

Blick voraus auf das Abstiegsgelände

Wir nahmen sie im Abstieg und dadurch büßten sie leider einiges ihres Charmes ein. Im Abstieg sind sie jedoch auch nicht schwer zu nehmen. Zum Teil kann im Stehen die weitere Route erkundet werden und sie stellen im Übergang ein kurzes Vergnügen vor dem weiteren Pfad durch lange nicht ausgeschnittene dichte, starre und knorrigen Zuntern dar.

Abstieg über die Platten mit breiten, leichten Rissen

Eine leichte Route im Abstieg erschien uns eine seitlich rechts vom Gipfelkreuz (in Richtung zur Großen Arnspitz geschaut) auf einen etwas brüchigen Gratansatz und von dort den ersten langen, breiten Riss hinab, sowie halb unten schräg nach links hinaus querend zu sein.

Simon und Evi steigen wie die Gemsen

In den folgenden, teilweise förmlich zugewachsenen Zunterngassen hielten wir uns eher links im Abstieg, dem scharfen Abbruch des Gipfelaufbaues nahe. Auf schmalem Band erreichten wir die untere Begrenzung des Abhanges zur „Weiten Scharte“. Im Rückblick hätte es wohl eine Option innerhalb der Zuntern gegeben, dies konnten wir auch unten feststellen indem sichtlich beide Steige zusammentrafen.

imposantes Plattengelände

Der Abstieg in die Weite Scharte erstreckt sich über gut 170Hm. Mit leichtem Auf und Ab war sie bald durchschritten und wir standen vor dem imposant aufragenden Westturm der Mittleren Arnspitze.

bereits unterhalb der Platten beim Abstieg an der Abbruchkante

Zunächst erkannten wir einen überraschend stark abwärts geneigten Steig, dem wir so weit folgten, daß wir hinter einer Rippe feststellen mußten, daß dieser die nördliche Umgehung der Mittleren Arnspitze darstellt und uns zur Rückkehr zum Ausgangspunkt am Ostende der Weiten Scharte veranlasste.

die Türme in Begutachtung

Dann versuchten wir unser Glück über die Navigation der AV-App und stellten fest, daß diese für steilen Fels untauglich ist, weil man beim queren einer Felsflanke in 35m weder links noch rechts abbiegen kann.

ja, diesen Steig hatten wir auch versucht, er ist die Umgehung der Mittleren Arnspitze

Zum Schluß ließen wir die beste aller Optionen walten und zwar die Intuition. Diese sagte uns, daß in jenem Teil, der vom Auge eingesehen werden konnte eigentlich nur ein teilweise erkennbares Band zu einer zunternbewachsenen Stelle führt, hinter der es möglicherweise weiter gehen könnte – wie so oft im Karwendel.

leicht schräg nach oben

Genauso war es dann auch, an dieser Stelle führt eine leicht kletterbare Verschneidung empor, die mittig eine rechts abzweigende, auffallend glatte und schräge Rampe hat, die zum Weitersteigen über die selbe hinauf einlädt.

Verschneidung/Rinne

Dahinter folgt leichteres Gelände und in etwa weitere 10Hm des Aufstieges bis zu einem Band mit Steinmann und einem tief herab reichenden Überhang, der östlich in Richtung Gipfelturm der Mittleren Arnspitze gequert werden muß. Alles zusammen in dieser Wand vom Sattel der „Weiten Scharte“ aus bis zur Scharte zwischen dem westlich vorgelagerten Turm und dem spitzeren Turm der Mittleren Arnspitze geschätzt an die 70Hm – in wenigen Minuten zu klettern, wenn der beste Einstieg unten gefunden wurde.

in der Verschneidung

Der Anstieg bis zur Scharte zwischen den beiden Türmen kann im spitzen Winkel von unten kaum eingesehen werden, daher hier die Info, daß man sich am besten zunächst schräg aufwärts bis zu den Latschen bei einer in Falllinie hinaufziehenden Verschneidung orientieren möge. Ist man diese einmal aufgestiegen findet sich der Rest von selbst. Die Steilheit ist zwar hoch, die Schwierigkeit aber hält sich in engen Grenzen (max. II), der Fels ist fest – in Summe eine feine leichte Kletterei.

Rampe

In dieser Art geht es nach der begrünten Scharte zwischen den beiden Türmen ca. 30Hm in einer Schleife nach links und wieder rechts weiter, allerdings nun mit dem Gipfelkreuz als sichtbares Ziel.

bereits unter dem Überhang

Von der Scharte aus bietet sich ein toller Tiefblick nach Süd und Nord und der südliche Schwestergipfel der Mittleren Arnspitze (ohne GK) türmt sich markant in der Landschaft auf.

plattig nach dem Überhang aufwärts; tolles Foto mit Schmetterling

Durch eine mittelbreite geologische Störzone wird der letzte Teil des Turmes zum Gipfelkreuz begangen und nach dieser folgt noch eine kurze steile und nett kletterbare Wandstelle auf das Gipfelplateau. Alles Abschnitte an diesem Turm in gleich leichter Kletterei zu begehen wie im Wandteil des Westturmes.

Evi vor mir beendet das Wiesenstück im Sattel

Mitten in der Arnspitzgruppe, hundert Meter über den anschließenden Graten und etwas niedriger als die beiden Gruppengipfel an jedem Ende entzückt die Lage ungemein. Eingebettet in den Gebirgszug und doch allseitig frei – einen gewissen Moment von leichter Erhabenheit und des Genusses an der Vollkommenheit der Natur darf der Ersteiger auf diesem phantastischen Fleckchen Berg erleben.

knapp unterhalb des Gipfels

Das Gipfelkreuz tut das seine, um die malerische Szenerie zu unterstreichen und Bildern, wie sie an dieser so gediegenen Bergkette eindrucksvoller kaum sein können, gilt der Versuch den Nachweis darüber zu konservieren.

Mittlere Arnspitze, 2.091m

Den Wermutstropfen von Thermikbewölkung mußten wir den gesamten Tag lang auf der Überschreitung hinnehmen, ein Mix aus rasch wechselnden Licht- und Schattenpartien begleitete uns auf der Mittleren Arnspitze. Der Vorteil dieser leichten Trübung ist aber auch nicht zu verachten – die mäßige Sonnenbestrahlung bescherte uns angenehme Temperaturen im leichten Lüftl und der Trinkvorrat, der bei heißen Tagen auf der langen Strecke problematisch sein könnte, reichte leicht aus.

die erfreuten Bezwinger

Der Blick zur Arnplattenspitze ist ohne Übertreibung ein atemberaubender. Der oberste kühn aufragende Zinken an Gipfelturm von der Mittleren Arnspitze aus gesehen läßt förmlich den Atem stocken und doch war er so leicht zu begehen. Eine seltene Kombination im Kalkfels der näheren Umgebung.

die gewaltige Arnplattenspitze von der Mittleren Arnspitze aus gesehen

Gegenüber der deutlich unterschiedliche schichtendominierte Aufbau der Großen Arnspitze mit den vielen kleinen Gratköpfchen und –schärtchen macht in seiner Art gleichermaßen Vorfreude wie die bisher erlebte.

der weitere Übergang zur Großen Arnspitze

Mit der üblichen menschlichen Hast beendeten wir nach knapper visueller Erkundung des Abstieges eine kurze und unvergessliche Rast auf der Mittleren Arnspitze und begaben uns den obersten Gipfelaufbau verlassend etwa 20Hm die Aufstiegsroute hinab zu einem schmalen schuttbelegten Felsband das ostwärts neben steiler Wand aus bestem Wettersteinkalk steil zu dichteren Latschenbüscheln hinab führt.

am Abstieg von der Mittleren Arnspitze

Dieses, mit zunehmendem Abstieg steiler werdende Band, ist hinsichtlich der Rutschgefahr im Abstieg mit Bedacht zu begehen. Es mündet in einer schmalen rinnenartigen Verschneidung, die sich – manchmal etwas unangenehm knapp am Ausdrehen des Körpers – bis ganz unten zu schuttigen Karflächen hinabzieht. Teilweise fehlt die Sicht auf Tritte im Abstieg, aber in Summe ist der Riss wieder leicht zu klettern, wenn auch nächste Züge überlegt angegangen werden müssen.

im Riss manchmal etwas unangenehm schräg

Unten angekommen wartet ein schuttreicher Abstieg auf der Schrägfläche bis zu dichteren Zunternbüschen. Die Route quert im Abstieg das karartige Gelände in Richtung Grat zur Großen Arnspitze.

der Riss von oben

Bei Annäherung an den senkrechten Fels im Abstieg auf schmalem Steig öffnet sich der Blick auf ein eingeschnittenes Band, das die Möglichkeit zum Grat zu gelangen aufzeigt.

Querung auf schuttigen Plattenböden zum Grat

In der Literatur wird es als ein „böse aussehendes Band“ beschrieben. Begehen läßt es sich sehr fein mit einer festen Griffleiste aus herausstehenden Felsschuppen oben und einer schrägen Trittfläche mit gerade noch angenehmer Reibungswirkung und kleinen Tritten versehen.

Beginn des Bandes

Bösartigkeit konnten wir nur in seiner Charakterisierung feststellen, seine Begehung hingegen war excellent – ein excellent unbösartig ausgeprägtes Band eben.

Simon lacht auch noch am unbösartigen Band!

Leider beginnt mit dem Erreichen des fortsetzenden Grates schon der letzte Teil der anregenden Reise, zunächst mit einem steilen Anstieg von der sogenannten „Engen Scharte“ über 90Hm auf die Grathöhe, die einige hundert Meter im leichten Auf und Ab am mittelbreiten Grat bis an den Gipfelaufbau der Großen Arnspitze heranführt.

das Band gemeistert

Die Gratwanderung beinhaltet kaum schwierige Passagen, bis auf eine Stelle an der man eher versucht ist links in das Schärtchen abzusteigen, obwohl es rechts in Gehrichtung einfacher erfolgt.

leichtestes Gelände

Nach dieser Stelle führt der allmählich in das Massiv übergehende Grat in stetigem Anstieg über weitere 120Hm auf den etwas höheren Westgipfel der Großen Arnspitze heran.

letzte knifflige Stelle, Evi am leichten Teil

Dieser trägt anstelle des Gipfelkreuzes ein schlichtes Vermessungszeichen. Das Gipfelkreuz der Großen Arnspitze findet sich am Nordostgipfel – wahrscheinlich der Sichtbarkeit von Mittenwald wegen.

Genussgelände zur Großen Arnspitze

Genau über die Gipfel zieht sich die Grenze zwischen Bayern und Tirol dahin; der Abstieg zur bayerischen Arnspitzhütte und weiter nach Scharnitz wechselt ebenfalls zwischen den Hoheitsgebieten, zum Glück heute ohne Bedeutung.

von der Großen Arnspitze auf die abgeschlossene Überschreitung geblickt

Gut besucht fanden wir die beiden Gipfel bei der Ankunft vor, wobei sich dies bei der schon länger abzeichnenden dunkelgrauen Front über das Wettersteingebirge herein rasch änderte. Glücklicherweise bekamen wir aber nur ein paar Tropfen ab, aber auch wir tummelten uns mit kurzer Gipfelrast und suchten im Abstieg zur Arnspitzhütte das Weite.

Blick auf den Ostgipfel der Großen Arnspitze

Über schuttige Partien beeilten wir uns den Steig zur Hütte hinab. Bei der Ankunft unten war der Spuk schon wieder vorbei, er zog über die Leutasch nach Südwesten ab und tangierte uns nur leicht.

trotzdem noch Entspannung auf der Großen Arnspitze angesagt

Als Rückweg hatten wir den Steig unterhalb der Gratüberschreitung zurück zum Hohen Sattel gewählt, der direkt von der Hütte aus beginnt. Im Oberen Teil zwischen den Latschen ist er mit viel Schutt durchzogen und wird im Schrofengelände flacher und besser zu begehen.

Rückblick von der Arnspitzhütte

Imposant ist die riesige Karstfläche, die sich nach einem verehrenden Brand vor 70 Jahren gebildet hat. Trockenheit führte zur Katastrophe, die seither eine Kahlfäche zurückgelassen hat. Das forschende Auge findet jedoch deutliche Ansätze für wiederbeginnende Vegetation auch im oberen Teil der Schrofen.

Abstieg zum Hohen Sattel

Der Rückweg ist ebenfalls eine Begehung wert. Aussichtsreich und mit der bizarr aufragenden Mittleren Arnspitze ein Blickfang.

die Mittlere Arnspitze in der Südostansicht

Am beginnenden Sattelwald überwindet der Steig einmal eine letzte Schuttreise über ca. 25Hm und ab dieser beginnt eine heiße aber sehenswerte Wanderung innerhalb der Zuntern bis hinab zum Hohen Sattel, wo es im Abstieg in Richtung Sattelstiege und Gießenbach wieder das erste Trinkwasser in kleiner Quelle vom Hochfluder herunter zur Labung gibt.

Kleiner Fuchs – ein Edelfalter

Der Abstieg am Nachmittag durch den dichten Wald ist ein letzter angenehmer Ausklang einer wahrlich grandiosen Überschreitung zurück in das nicht überfüllte Örtchen Gießenbach.

Strategien die Karstflächen zu besiegen – der dichte Kegel trotzt den Gewalten

Bei der Einkehr im Ortsgasthaus durften wir noch einen stattlichen Uhu und zwei Papageien bestaunen und der ahnungslose Kellner staunte wiederum als wir den Parkgutschein als Trinkgeld eingelöst haben.

die Arnspitzgruppe im Nachmittagslichte von Gießenbach

Die Bergsteigeruhr zeigte für die Runde einen Gesamthöhenunterschied von 1.540Hm. Die Strecke aus der AV-Karte gemessen beträgt 13km.

Mils, 10.06.2018

 

Figln im Halltal

Ist die Zeit der Schitouren vorbei, keimt gleich der Wunsch auf die letzten Relikte des Winters – und hier vor allem die ordentlich steilen – in einer Kombination aus Bergsteigen und Schifahren zu nutzen. Figln – eine spaßige Sache gepaart mit Nervenkitzel in steilen Rinnen.

Schnappschuss getroffen fast wie ein Gemälde Egger Lienz‘

Das Halltal bietet eine Vielzahl von Figlmöglichkeiten. Zwei wohlbekannte Klassiker und zwei eher anspruchsvollere und weniger bekannte Figltouren sollen hier vorgestellt werden.

Figln durch die Nordrinne der Wildangerspitze:

Dies ist die kürzeste der Touren, sie ist auch leichteste vom Anstieg her. Vom Eingang ins Halltal beim Hackl werden ca. zweieinhalb Stunden bis zur Wildangerspitze benötigt. Der Steig auf das Törl sei plötzlich gefährlich geworden und ist deshalb –wie plötzlich so vieles im Halltal –  gesperrt. Es wird hier nicht näher auf Sinn und Unsinn dieser Maßnahme eingegangen, im Vordergrund stehen heutzutage immer nur mehr rechtliche Aspekte, die in atemberaubender Geschwindigkeit in unser Land importiert und das Zusammenleben zunehmend unbefriedigender werden lassen.

Wildangerspitze, 2.153m

Alternativ zum gesperrten Normalaufstieg auf das Törl steht der Anstieg über die Steinbergreise zur Verfügung. Man rechne dafür ein halbes Stündchen mehr und entscheide selbst welchen man nehme. Auch über die Thaurer Alm ließe sich zum Törl aufsteigen.

Christians jungfräuliche Geräte

Vom Törl zur Wildangerspitze sollte man bei klarem Wetter auch im Mai nicht zu spät am Vormittag unterwegs sein, da der Aufstieg auf einem Südhang erfolgt. Zum figln eignet sich die Nordrinne meist aber auch etwas später am Tag, da sie weitgehend sonnengeschützt ist.

über das Lafatscher Joch zum Roßloch geblickt

Während der Rast auf dem bequemen Bankl beim Gipfelkreuzchen können tolle Aussichten gen Nord und Süd genossen werden. Im Süden das frühlingshafte Inntal von Tuxern und Stubaiern begrenzt, im Norden die Gleirsch-Halltalkette mit ihrem mächtigsten Ausläufer nach Süden, der den Roßkopf – eine besonders schöne Felsgestalt im Halltal – trägt.

prächtige Verhältnisse im Bachofenkar

Genau so schön präsentiert sich dann die Abfahrt vom kleinen Schärtchen leicht westlich unterhalb der Wildangerspitze. Christian mit seinen „originalen“ Figln und ich mit den zufällig passenden Snowblades, die eigentlich für Schischuhe gemacht sind machten uns auf zur Abfahrt.

die Figler vor der Abfahrt

Weil meine schweren Bergschuhe einen Miniabsatz zwischen der Gummizehenkappe und der Sohle haben, rastet der Klappbügel der Bindung zufällig ein und bildet deshalb eine unbeabsichtigte Einheit. Massive Schläge hält die Paarung allerdings nicht aus und darum kommt es manchmal vor, daß mir ein Snowblade davon fliegt. Und weil ich schon einmal in der Pfeis einen 200Hm Abstieg zum wieder Einfangen eines solchen Ausreißers hinter mir habe, verwende ich seither Fangriemen aus Draht (die Verwendung von „Alpindraht“ habe ich vom Absamer und Besitzer des Knappenhäusls Karl Obleitner, einem versierten Erfinder rund um das Thema figln, gelernt).

Eröffnung der Nordrinnenfiglerei

Trotz fortgeschrittener Stunde ließ sich die Nordrinne wunderbar abfahren, vor allem der steile obere Teil war gut zu befahren.

mit viel Geschick

Den Anfang eröffnete ich auf Wunsch von Christian, der ein paar Fotos schießen wollte, die auch gelungen sind. Ich blieb dann in dem mir als steilsten Bereich erschienenen Abschnitt mittig stehen und bannte seine Gleichgewichtskünste auf Fotos. Wer selbst schon einmal auf originalen Figln gestanden ist weiß wie sehr ein ausgeprägter Gleichgewichtssinn dafür notwendig ist. Da sind mir meine in etwa doppelt so langen Brettchen bei weitem lieber. Er machte seine Sache gar nicht so schlecht, stand gut auf den Aluprofilen drauf und landete nicht ein einzig Mal im Schnee.

wedelt Christian die Rinne hinab

Natürlich tat ich mich etwas leichter und vor allem die im Sommerschnee so ausgeprägten und lästigen kleinen Einbuchtungen in der Schneeoberfläche (Kryokonitlöcher bzw. Ablationsformen des Schnees) überfahren sich mit längeren Schi wesentlich besser als mit kurzen Figln.

im Mittelteil der Nordrinne

Wir konnten die gesamte Rinne bis in den tiefsten Karboden abfahren, ein letztes schmales Band an Schnee war sogar noch im latschenbewachsenen Teil der unteren Stempelreisen vorhanden. Gut 400Hm beträgt die Abfahrt bis zur Halltaler Pfeis bzw. Issanger.

Genau zehn Tage später, bei der Figltour auf die Hintere Bachofenspitze zeigt sich die Rinne bereits bis weit hinauf schneefrei.

die Nordrinne vom Bachofenkar aus 10 Tage später

 

Figln im Stempelkar mit Anstieg über Latten-/Pfeiserspitze:

Der Klassiker im Halltal und eine sehr schöne und in der Abfahrt nicht so steile Figltour führt über die Lattenspitze und weiter über den teilweise versicherten Steig zur Pfeiserspitze, sowie über den leichten Grat hinab ins Kar oberhalb des Stempeljoches, von dem aus zum Stempeljoch abgefahren wird.

erste Figlabfahrt vom Grat der Pfeiserspitze zum Stempeljoch

Der Anstieg zur Lattenspitze erfolgt im unteren Teil wie bei der vorgenannten Figltour auf die Wildangerspitze auf normalem Steige. Nach der Abzweigung des kurzen Anstieges zur Wildangerspitze muß eine meist sehr lange im Frühjahr schneegefüllte Rinne durchschritten werden. Dieses einzige Highlight des Anstieges bis zur Lattenspitze kann mit mehreren Möglichkeiten überwunden werden.

schneegefüllte Rinne im Anstieg zur Lattenspitze

Der begeisterte Schneerinnengeher schlägt sich in der Direttissima mittig der Rinne seine Stapfspur bis oben hin, der Felsgeher packt sie rechts an der aperen schrofendurchsetzten Geländewand und der ängstlichere oder ökonomisch gehende Figler schlägt – wenn sich der ängstliche traut – seine Stapfspuren die schneegefüllte Rinne im unteren steilen Teil die wenigen Meter quer zur Rinne um die äußere, fast immer apere Begrenzung in Fels und Wiesenboden aufzusteigen. Alle Arten sind möglich, die erste ist nicht wirklich gefährlich. oben ein Foto der Rinne aus dem letzten Jahr.

Schlußhang zur Lattenspitze

Nach der Lattenspitze geht es über ein paar Gratrippen weiter zur Pfeiserspitze, die mit eine Luftlinienentfernung von 270m fast in Griffweite liegt.
Der Schöne Steig dorthin ist im Frühjahr oft noch mit Restschneefeldern gefüllt wobei diese manchmal etwas Geschick erfordern gequert zu werden, ohne hüfttief einzusinken oder etwas abzurutschen.

Blick von der Pfeiserspitze in Richtung Lattenspitze

Um die Rippe zur letzten Scharte gibt es ein neues Fixseil dessen man nicht unbedingt bedarf. Der Aufstieg nach der Scharte zum Gipfelkreuz der Pfeiserspitze ist nochmals ein kleiner Klettergenuß. Das Gipfelkreuz wurde zwecks besserem Fundament vom scharfen Grat etwas weiter nördlich verlegt, was erklärt, warum die Gipfelbuchschachtel einige Meter weiter südlich am Grat befestigt ist.

die Pfeis noch im Winterschlaf

Hinab ins Kar führt der neu versicherte Steig zunächst am leichten Grat, dann durch eine zunehmend brüchigere Rinne und zum Schluß durch splitterige Türmchen bis zum Ansatz des Schnees auf der Nordseite. Eine nette Passage.

Sodann erfolgt das erste kurze Figlstück, im besten Fall bis in die Nähe der  Stempeljochscharte, im späteren Frühjahr aber nur bis zum Weg aus der Pfeis herauf.

Blick vom Stempeljoch auf die Abfahrt durch das Stempelkar

Unterhalb der Stempeljochscharte befindet sich im Lee des Felskopfes darüber meist ein fast ebener Anschnallplatz, der auch eine gute sicht über die gesamte Abfahrt bietet.
Alternativ kann bereits oberhalb, beim Normalweg angeschnallt und abgefahren werden, dieser Einstieg ist noch einen Deut steiler als der vorher beschriebene. Ich nehme diesen aber nie, da ich weiß ob nicht Stahlstifte von der Wegbefestigung herausstehen.

Rückblick auf das Stempeljoch

Die Abfahrt durch das Stempelkar ist wirklich ein Highlight, es ist breit und bis zum Ende immer einsehbar und die Spur kann nach Belieben ausgewählt werden. Hier ein Video aus dem letzten Jahr:

Halltalrunde; über Hochmahdkopf, Zunterköpfe, Latten- und Pfeiserspitze zum Stempeljoch und abgefiglt.7 Stunden, 1.800Hm#halltal #karwendel #figln

Gepostet von Bergtouren Tirol am Freitag, 26. Mai 2017

Gesamt 500Hm Figlspaß bis zur Grube über dem Issanger und bei genügend Schnee sogar in diesen noch hinein. Beide Abfahrten bei dieser Tour sind weniger steil als von der Wildangerspitze.

 

Figln in den Jochreisen im Kar des Lafatscher Roßkopfs mit Anstieg über den Kleinen Lafatscher:

Anspruchsvoller als die vorher beschriebenen Figltouren. Der Anstieg auf den Kleinen Lafatscher ist weit schöner als das Kar unter Schnee hinauf zu stapfen. Diese Figltour erfordert etwas Klettergewandtheit und etwas Einfühlungsvermögen für die Routenwahl im Abstieg zur Scharte bzw. zum Joch im Grat vom Lafatscher Roßkopf zum Kleinen Lafatscher.

ein imposanter Blick auf die Speckkarspitze

Am Eckpunkt des Grates, der vom Lafatscher Joch heraufzieht und sich fast auf Gipfelhöhe des Kleinen Lafatscher nach Westen dreht zieht der Grat zum Lafatscher Roßkopf hinunter. Der Höhenunterschied beträgt gut 100Hm.

die Einsattelung zwischen Lafatscher Roßkopf und dem Grat zum Kleinen Lafatscher

In der AV-Führerbeschreibung kommt der Aufstieg mit einer Bewertung von III- weg, ich bin jedoch der Ansicht, daß diese kräftig überzogen ist. Selbst im Abstieg käme mir vor, ich hätte nie ernsthaft klettern müssen.

der heuer noch unberührte Kleine Lafatscher, 2.636m

Die oberste schräge schuttbedeckte Platte wird mit Bedacht auf Reibung abgestiegen und in der Folge werden einige Zacken und Türmchen eher westseitig umgangen bzw. abgeklettert. Zu achten ist auf Schutt bei Tritten. Richtig ausgesetzt ist es nie. Nach meiner Einschätzung würde ich II- vergeben, bestenfalls II.

Grat zur Einsattelung in die sogleich abgestiegen wird

In der Einsattelung thront eine sehr mächtige Wechte, deren Dimensionen erst sichtbar werden, wenn man im ausgeaperten Gang zwischen ihr und der gelblichen Felswand bequem hindurch marschiert, um karseitig zum Anschnallplatz zu kommen. Schätzungsweise war die Wächte an ihrer Vorderkante 5-6m hoch.

kleinere Kletterpassagen am Grat hinab

Sich zwischen Fels und Schnee anzuschnallen war etwas mühsam, da die weggeaperten festen Schneepartien weiter außen lagen als ich die Schrittweite bemessen habe. Karls Alpindrahtfangriemen anzubringen war ganz schön anstrengend auf der schmalen Firnbank.

Rückblick auf den Grat vom Sattel aus

Nachträglich gesehen hätte ich die andere Seite der Wächte im Sattel nehmen sollen, dies wäre um einiges bequemer gewesen, weil ich dann direkt vom Grat abfahren hätte können.

die Höhe der Wechte nicht komplett erwischt, sie muß mehr als 5m hoch gewesen sein

Mit Respekt vor der übermächtigen Wechte ging es nun im Kar über die Jochreisen hinab und die Abfahrt war über ein paar alte, kleine Lawinen sehr gut möglich. Über knapp 500Hm beste Firnverhältnisse und erst in der flachen Mulde nördlich des Lafatscher Joches etwas Bremswirkung durch faulen Schnee.

gerüstet zur Abfahrt

Die Speckkarspitze gegenüber sieht aus der Perspektive in der Hälfte der Jochreisen recht imposant aus – dieser Blickwinkel mußte festgehalten werden.

der Wechte Vorderansicht

Täuschend immer die Zeit für die Abfahrten. Inclusive Rüsten für die Abfahrt habe ich bis zur Ankunft in der Senke vor dem Lafatscher Joch lediglich 20min benötigt. Die Intensivität der Erlebnisse von Natur und figln jedoch vermitteln einen wesentlich längeren Eindruck des Erlebnisses.

mitten in der Abfahrt

Die obersten 100Hm der Abfahrt dürften die Steilheit der Wildanger Nordrinne besitzen, anschließend wird es deutlich flacher.

Rückblick auf die Abfahrt über die Jochreisen

 

Figln in der Rinne zu den Bachofenspitzen und im Bachofenkar mit Anstieg auf die Hintere Bachofenspitze:

Für mich die Königstour im Halltal ist die Rinne zu den Bachofenspitzen. Sie ist lang und schwer, Klettererfahrung ist weniger erforderlich, sehr steile Aufstiege mit Steigeisen sollte man jedoch bereits absolviert haben. Die Rinne, die sich in etwa ab 2.400m leicht nordöstlich hinaufzieht trennt die beiden Bachofenspitze mit einer kleinen Einschartung östlich der schon im Bachofenkar drei markanten Felsköpfe und ist an die 150Hm hoch und unter Schnee teilweise an die 45° steil. Sie bildet auch den Sommeranstieg auf die Hintere Bachofenspitze aus dem Bachofenkar.

die Rinne zur Scharte zwischen den Bachofenspitzen

Momentan – per 31.05.2018 – liegt im Bachofenkar noch genügend Schnee für ein schätzungsweise ein bis zwei weitere Wochen durchgehenden Figlvergnüges bis knapp zum Wilde Bande Steig herab. Im Bachofenkar selber schätze ich wird man noch mindestens drei Wochen figln können.

das traumhafte Bachofenkar erwacht aus dem Winterschlaf

Die sehr steile Rinne ist beim ausapern. Ihre momentan obere Begrenzung liegt bei der Engstelle, bei der im Sommer ein beherzter Kletterschritt über die 1,50m hohe Schluchtstufe vonnöten ist, also etwa 30Hm unterhalb der Scharte. An der Engstelle darunter ist sie noch ca. 1,50m breit mit Firn gefüllt.

Abschluß im Bachofenkar

Im Aufstieg habe ich gerne die Eisen benutzt, obwohl der Aufstieg auch rechts im Felsgelände möglich gewesen wäre. Schnee vor brüchigem Fels.

die halbe Rinne erklommen

Die im Sommer ungeliebten letzten Meter vor der Scharte im Schutt blieben mir aber auch nun nicht erspart und so hantelte ich mich im rutschenden Schutt linkerhand bis zur Scharte hoch.

Abschluß der Schneeauflage in der Rinne

Der Übergang zur Hinteren Bachofenspitze ist bis auf ein 25m breites Schneefeld vor dem Gipfelaufbau bereits völlig schneefrei.

Gipfelaufbau der Hinteren Bachofenspitze

Bärige Aussichten auf die Halltal-Gleirschkette sowie den mächtigen Rosskopf und die weite Pfeis gen Süden, sowie auf den Karwendelhauptkamm sind bei gutem Wetter immer garantiert am Gipfel der Hinteren Bauchofenspitze.

Hintere Bachofenspitze, 2.668m

Diesmal aber, vielleicht wegen der klaren Sicht hinab,  hat mich auch der Blick auf die schon lange gehegte Erkundung der Hochflächen im Norden der Gleirschkette besonders fasziniert. Dieses aufgeschobene, zum Teil aus Raiblerschichten gebildete Pendant zum Mittelgebrige im Inntal muß unbedingt heuer erkundet werden.

das Vorgebirge im Hinterautal

Abgestiegen bin ich bis etwa 40m unterhalb des oben beschriebenen momentanen Schneeansatzes, also knapp über der Hälfte der Rinne. Dies um die Engstelle zu vermeiden, die mir aus einer brüchigen Schneedecke zu bestehen schien und in deren Bereich ich einen Sturz vermeiden wollte.

der breite untere Teil der Rinne

Ab der Hälfte allerdings war die Rinne gut zu befahren, sie machte Spaß und das Krascheln der Schi durch die Steinschläge war auszuhalten. Der untere Teil präsentierte sich weniger ruppig zum Fahren als der obere, weniger weiche Stellen waren zu durchfahren.

Rückblick auf die Abfahrt

Im Bachofenkar angekommen bot sich ein imposanter Rückblick auf die Abfahrt in der Rinne. Durch die rasch wechselnde Bewölkung mußte ich einige Minuten warten um die Abfahrtsspuren halbwegs fotografisch in Sonnenlicht aufnehmen zu können.

Rückblick im Bachofenkar

Die weitere Abfahrt über die beiden größeren Steilstufen im Bachofenkar war traumhaft und so konnte ich ein kleines Video nicht lassen:

Am Ende des Kares kommt man dem „offenen Bach“ (daher der Name des Kares und der Gipfel) direkt nahe. Ich realisierte erst, daß ich gerade einmal 20cm verhärteten Firn zwischen mir und dem tosenden Schmelzbach hatte, als ich die Schistöcke einrammte und der linke der beiden durch die Firndecke ins Leere und einen halben Meter tiefer in das Bachbett stieß. Wie von der Tarantel gestochen verließ ich die Schneefläche, durchnässte Bergschuhe konnte ich nicht bauchen, die Abfahrt ging ja weiter.

Blick auf die Abfahrt im Bachofenkar

Direkt am Wilde Bande Steig angekommen marschierte ich rund eine viertel Stunde taleinwärts bis knapp vor das Stempelkar, um dort noch ein durchgehendes Schneeband vom Kälberkar herunter bis zu den Stempelreisen abzufahren und um wieder am bereits beschriebenen Issanger zu landen.

traumhafte Rinne in die Stempelreisen

Diese schöne und lange Figltour bietet eine gesamte Abfahrtsstrecke über rund 900Hm, 500m im Bachofenkar und 400Hm im Stempelkar.

Rückblick auf die steile Rinne aus dem Kälberkar

in jedem Fall sollte man bei dieser Figltour Steigeisen mit dabei haben. Der Steilheit wegen.

restliche Abfahrt zum Issanger

Der Zeitbedarf vom Hackl bis zum Gipfel betrug viereinviertel Stunden, der Rückweg ist in etwas mehr als drei Stunden machbar. Der gesamte Aufstieg beträgt 1.940m.

Schnappschuß auf Werners Flieder – ein Segelfalter mit bereits abgebrochenen Hinterflügelenden

Zu jeder beschriebenen Tour gibt es noch mehr Fotos in der Galerie.

Mils, 01.06.2018

Schitour Birkkarspitze, 2.749m

Dieser Karwendelklassiker wird vorzugsweise im Frühjahr unternommen und die eher anspruchsvolle Tour auf die Birkkarspitze stellt schon fast mehr als nur einen Hauch von Triathlon dar. Einzig die Schwimmdistanz entfällt, dafür bietet die Tour mehr oder weniger Tragestrecke.

Birkkarspitze, 2.749m

Bei meiner Begehung war eigentlich die gesamte Reibn geplant, jedoch ließen das – im Alleingang und an einem sehr einstrahlungsreichen Tag nach einer grenzwertig genügend klaren Nacht mit Regen noch am späten Abend – die Schneeverhältnisse nicht mehr eindeutig zu. Also wurde das Vorhaben mit der Ersteigung der Birkkarspitze abgeschlossen und auf die nächste Saison verlegt. Man muß umdrehen können.

Restnebel im hinteren Karwendeltal

Leicht spät, knapp nach halb sechs mit dem Radl (kein Stromradl!) in Scharnitz gestartet war ich eh schon unter den letzten Triathleten im Aufbruch. Ein netter Kollege aus Bayern wechselte mir den unglaublich großen Zwanziger, nachdem ich wegen des ausspuckenden Parkautomaten festgestellt habe, daß man mir tags zuvor als Münze keinen Zweier herausgegeben hatte, sondern eine osteuropäische Münze, täuschend ähnlich dem Zweier, jedoch um einen knappen Millimeter kleiner im Durchmesser.

Blick ins Marxenkar

Solche Momente braucht man um diese Tageszeit eher nicht – ein schieres Wunder, daß ich den Mann noch gerade neben mir sein Radl bepacken sah. Leider war er schnell dahin und aufgrund meines Radldepots war ich sicher weit mehr als eine Stunde später am Gipfel. Ich konnte ihm dort leider keinen Schnaps mehr anbieten aber meist trifft man sich ja im Leben zweimal.

Karwendeltal am frühen Morgen

Nun, die Radlstrecke zu beschreiben ist hier nicht besonders ergiebig für den Interessenten an diesem Bericht. Jener, der diese Tour oder die Reibn machen will weiß darum, daß ab dem Parkplatz bei der Brücke in Scharnitz bis zur Wildfütterung gute 10km und gut 300Hm (für die gesamte Reibn) und bis zum Wasserwerk unterhalb des Karwendelhauses knapp 15km und 600Hm (für nur die Birkkarspitze) damit zurückgelegt werden müssen.

Abzweigung zum Wasserwerk

Nachdem ich die Reibn geplant hatte war mein Radldepot auch klar an der Wildfütterung fixiert. Dies ist der Punkt an dem man aus dem Neunerkar herunter ankommt und die Ausfahrt aus dem Tal wieder mit dem Radl antritt. Also war meine Tragestrecke nicht für die Birkkarspitze bemessen und um gut 4,5km länger (bis zum Wasserwerk) als geplant.

Beginn des Aufstieges vom Wasserwerk; zunächst noch eine längere Tragestrecke

Beachtlich ist die Zeit, die für die Bewältigung der Tragestrecke von der Wildfütterung bis zum Wasserwerk benötigt. Ich habe (mit Tourenschuhen) für die 4,6km und 300Hm gut ein einviertel Stunden dafür benötigt die man, mit nur dem Ziel der Birkkarspitze allein, mit dem Radl als Tragestrecke vermeiden kann.

der malerische Schlauchkargraben

Am Wasserwerk angelangt mußte ich feststellen, daß die jüngsten Berichte über die Reibn nicht gelogen hatten und weit und breit keine größere Schneefläche durch den Schlauchkargraben hinaufzog.

im Schlauchkargraben

Also bleib ich zunächst recht weit unten und erklomm dann nach und nach die steile schrofendurchzogene Wiesenflanke so, daß der Kontakt mit nassen Latschen ein Minimum betrug (die Tourenhose mußte nach dieser Tour trotzdem in die Waschmaschine).
Mit Schi am Rucksack und Tourenschuhen ein echtes Abenteuer die Flanke bis hinauf zur Wasserleitung.

am Steig neben der Wasserleitung

Die Wasserfassung am Ansatz des Schlauchkares nach einer dreiviertel Stunde erreicht, dürften endlich die Schi vom Rucksack und der Beginn der eigentlichen Schitour brachte somit eine deutliche Erleichterung für die Schultern. Dies nach noch einem Kilometer und wieder 300Hm Tragestrecke (ab der Wildfütterung somit 5,6km und 600Hm Tragestrecke).

kurz vor der Wasserfassung

Keineswegs verzagt ob der langen Anreise trat ich nun bei mittlerweile unerwartet gutem Wetter in die Schitour ein.

an der Wasserfassung – Beginn der Schitour

Das Schlauchkar gibt sein Dimensionen erst nach und nach im Aufstieg preis und wer es nicht kennt ist nach Überwindung der ersten Steilstufe durchaus beeindruckt über die Dimensionen nach dieser Stufe und den steiler werdenen Flanken bis zum dann gut sichtbaren und gut über 700Hm entfernten Gipfelkreuz der Birkkarspitze. Alleine das Kar ist die Reise wert.

toller Start in der Sonne

Frohen Mutes betrat ich nach der Wasserfassung die ab dort geschlossene unnachgiebige Schneedecke. Sie war um halb neun vormittags vollkommen hart gefroren, eigentlich weit härter als ich das nach der mittelmäßigen Nacht erwartet hätte.

unterer, eher flacher Teil des Schlauchkares

Kaum eine Kantenspur verblieb nach einem Schritt in der bockharten Oberfläche und so folgte ich wegen fehlender Spuren nicht dem Herdentrieb und der Spuren der Bergsteiger vor mir, sondern kreuzte deren hauchfeine Kantenabdrücke im rhythmischen Spitzkehrentakt, der so oft im Winter für die einzige Abwechslung im Trott des Aufstieges sorgt.

in der Fortsetzung steiler bis zur Kurve im Kar

Selbst eine Stunde später um halb zehn, als der logische Aufstieg den mittig im Kar liegenden Felsriegel zu dessen Linken leitete war noch kaum Erweichung der Schneedecke spürbar. Das Kar liegt recht lange am Vormittag im Mai im sehr flachen Sonnenwinkel, wodurch dieser nicht unangenehme Aufstieg möglich ist – allerdings mit Harscheisen.

die volle Dimension des oberen Teiles des Kars und den Gipfel der Birkkarspitze im Blickfeld

Harscheisen sind nach dieser Passage (ca. auf 2.500m) in jedem Fall nötig, denn die Hangneigung des Kares erreicht dann zwischen 35 und 40°, an Stellen, laut Tiris über 40°.

Hangneigungen Schlauchkar

Das obere Schlauchkar wird im steilen Aufstieg westlich durchquert und ich entschied mich für die weite Querung bis zum Schlauchkarsattel, weil ich ja die Reibn als Ziel hatte.
Je näher ich dem Grat kam desto weicher wurde der Schnee und zwar drastisch.

Oberer, sehr steiler Teil und Blick zum Schlauchkarsattel

Die Spuren am Sattel in Richtung Östliche Ödkarspitze waren in der Schneeoberfläche am Grat bereits recht aufgearbeitet, ein Zeichen, daß mehrere Tage keine Begehung mehr stattgefunden hat. Der markante Felskopf am Grat war bereits großflächig ausgeapert.

Oberer, sehr steiler Teil und Blick zum Schlauchkarsattel

Mit diesen nicht so guten Aussichten wendete ich mich dem Grat zur Birkkarhütte zu, um den Gipfel zu ersteigen.

Blick zur Birkkarspitze

Natürlich habe auch ich das angekettete Kinderradl fotografiert und einen Blick in den mäßig aber doch verschmutzten Unterstand geworfen.

Birkkarhüttchen – Notunterkunft

Der Aufstieg zum Gipfel war großteils in aperem Gelände möglich. Der Vortagsregen hinterließ einige leicht angeschneite und in der Sonnenbestrahlung tauende Passagen. In den Winkeln manche Stellen noch winterlich schneegefüllt, aber alles in allem der Aufstieg – sowie das gesamte Gipfelplateau – ziemlich aper.

Aufstieg zur Birkkarspitze

Der Blick rundum vom Gipfel erstaunte schon ein bisschen. Mit Mitte Mai waren selbst Grate, Kare und Hänge mit weit über 2.000m Erhebung bereits fast vollständig ausgeapert.

Selbstbildnis auf der Birkkarspitze

Die Erklärung liefert eine aufschlussreiche Grafik des Tiroler Lawinenwarndienstes, die in der zweiten Hälfte April veröffentlicht wurde und zeigt, daß durch den geringen bis fehlenden Neuschneezuwachs ab Mitte Februar mit den darauf folgenden warmen Wochen (die warmen Wochen zeigt die Grafik nur indirekt, aber man weiß, daß es so war, wenn man an den extrem warmen April zurückdenkt) der Schneedecke einen fast jähen Tod beschieden hatte. Die Grafik gilt generell nur für Obergurgl, sie ist übergeordnet jedoch mit Sicherheit für das gesamte Bundesland bezeichnend. Dabei stellt die rosa Ganglinie die heurige Aufzeichnung dar, die graue die Mittelung der Messwerte seit 1961 und der graue Bereich die gesamten Messwerte in jedem Aufzeichnungsjahr.

Schneehöhen 2017/18 Obergurgl (Quelle: Tiroler Lawinenwarndienst)

Deutlich kann der raschen Rückgang der Schneehöhe ab Ende März bis Mitte April erkannt werden, ein kontinuierlicher Absturz, ohne Neuschneezuwachs, wesentlich steiler als die gemittelte graue Kurve.
Im Kopf trägt man die Frühjahrsverhältnisse jedoch anders, vor allem dann, wenn man sich nebenbei auch noch mit seiner Arbeit und anderen Dingen beschäftigen muß und so kommt man heuer für manches Vorhaben, das geplant gewesen wäre, leider einig Wochen zu spät. Höchstwahrscheinlich bin ich nicht der einzige mit dieser Erkenntnis.

das Schlauckkar

Der Ausblick entschädigte die triste Situation mit den noch verbleibenden Möglichkeiten doch sehr und dafür keimte auch die Hoffnung einer rasch beginnenden Bergsaison in dem so sonnig begonnen Jahr.

Die Kaltwasserkarspitze mit noch wenig Restschnee sah aus, als wenn sie schon als Bergtour zu erreichen wäre und im fernen Hintergrund der Grat der Grubenkarspitze völlig schneefrei.

Blick nach Osten, im Vordergrund Kaltwasserkarspitze

Im Westen der Grat über die Ödkarspitzen, der den schwierigeren Teil der Reibn darstellt auch an vielen Stellen bereits schneefrei und mit den Tourenschuhen kein besonderes Vergnügen mehr und im Hintergrund die Nordöstlich ausgerichtete Flanke aus dem Marxenkar zur Großen Seekarspitze allerdings noch voll eingeschneit. Dort drüben wäre die Reibn noch einwandfrei im Schnee machbar.

Route der Karwendelreibn, ganz hinten links der letzte Gipfel der Reibn, die Große Seekarspitze

Die Feuchtigkeit des nächtlichen Regens gut zu erkennen im Blick nach Nordwesten über das Karwendeltal hinaus, über das Bäralpl in die Soierngruppe.

in den Nordwesten geschaut: Karwendeltal mit Bäralpl und gleich dahinter die Soierngruppe

Gen Süden, über das Lafatscher Joch zu den Tuxern noch hohe Restbewölkung sichtbar. Interessant hier, selbst die fast völlig sonnengeschützten Kare und Schuttböden über den höchsten Erhebungen des Gleirschkammes kaum mehr mit nennenswert Schnee belegt – ein Zeichen für das warme Frühjahr.

Gleirsch-Halltalkette 1. Bild

Nach dem Abstieg von der Birkkarspitze zum Schlauchkarsattel ein letztes Innehalten, ob ich denn die Tour doch fortsetzen solle. Aber allein die lange Felsstrecke mit Tourenschuhen bestätigte meine eigentlich schon getroffene Entscheidung der Umkehr.

Abstieg von der Birkkarspitze

Einigermaßen betroffen rüstete ich zur Abfahrt. Verblüffend wieder der extreme Wechsel der Schneekonsistenz vom Grat, in dem der Schnee mittlerweile – es war mittags geworden – völlig aufgefirnt und schmierig war und knappe 50Hm tiefer im nordseitig ausgerichteten Schlauchkar immer noch eine bockharte Piste.

Anstieg auf die Östliche Ödkarspitze

Allemal ein Vergnügen war die Abfahrt etwas weiter unten mit abnehmender Hangneigung und – für das Auffirnen – besserem Sonneneinstrahlungswinkel.

im Schlauchkarsattel, Blick auf den Schlauchkarkopf 2.500m

Nach einer tollen Abfahrt erreichte ich die Wasserfassung wieder und hatte nun die Aussicht auf knappe sechs Kilometer Tragestrecke bis zur Wildfütterung. Das war sozusagen die Belohnung für den Abbruch der Karwendelreibn.

Abfahrt im Schlauchkar

Nun, angesichts der Temperaturen und den klobigen Tourenschuhen war diese Strecke sicher kein wiederholenswertes Vergnügen, aber so schlimm waren die gut eineinhalb Stunden auch wieder nicht. So mancher phantastischer Blick entschädigte.

herrliche Abfahrt im unteren Schaluchkar

Abgestiegen bin ich diesmal direkt über den Steig neben der Wasserleitung bis knapp oberhalb des Wasserwerkes und dann dem breiten Weg folgend bis zum Hauptweg zum Karwendelhaus sowie diesem dann gut vier Kilometer folgend zum Radldepot.

Hochalmkreuz oberhalb dem Beginn des Schlauchkares

Nach zeitraubendem Umziehen und Beladen des Radls ging es die gut 10km in angenehmem Tempo talauswärs zum Parpklatz, den ich gegen 15 Uhr erreichte und eine sagenhaft schöne Tour endete.

ein letzter Rückblick auf die Ödkarspitzen

Zusammengefasst: 2x10km Radlstrecke, Aufstieg ohne Radl 1.460m, Gesamtaufstieg ab Parkplatz 1.770m, gesamter Zeitbedarf knapp neuneinhalb Stunden.
Die Gesamtzeit kann noch signifikant verkürzt werden bei der Anfahrt mit dem Radl bis zum Wasserwerk, was jedoch – wie erwähnt – nicht mein Ziel war.

Mils, 11.05.2018

Schitour Sonklarspitze, 3.467m

Fast einsam abseits des allgemeinen Trubels im Stubaier Gletscherschigebiet – und doch nur durch den Grat der Pfaffenschneid getrennt – liegt ein massiver Südgrat vom Wilden Pfaff mit der ihn krönenden Sonklarspitze.

Sonklarspitze, 3.467m

Um die Sonklarspitze vom Schaufeljoch zu erreichen, muß der Gaißkarferner abgefahren, die Rippe der Pfaffenschneid über den Ausläufer des Pfaffenferners hinweg und über Rinnen zum Gamsplatzl aufgestiegen, sowie das dahinter liegende mächtige Hochtal des Triebenkarlasferner überwunden werden. Jenseits des Triebenkarlasferner steilt eine gewaltige Flanke zum Grat südlich der Sonklarspitze auf, die die wahre Prüfung innerhalb der Tour vor dem dann flach zu erreichenden Gipfel darstellt. Eine abwechslungsreiche Reise mit vielfältigen Eindrücken und viermaliger Auffellnotwendigkeit.

Start am Eisgrat; im Hintergrund, rechts vom Zuckerhütl, ragt der oberste steile Teil der Flanke zum Hohen Eis heraus

Der Lohn der Mühe ist eine wenig begangene Schihochtour, deren Reiz proportional mit der Entfernung vom völlig überlaufenen Pfaffenferner zum Zuckerhütl steigt.

Tourengelände im Blickfeld; der rechte steile Hang führt zum Gamsplatzl

Vom mittleren Inntal aus besteht der logische Aufstieg durch Nutzung der Gletscherbahn bis zum Schaufeljoch, um von dort über den Gaißkarferner bis zum ersten Tiefpunkt auf rd. 2.750m abzufahren. Ein frühes Vergnügen bei einer Schitour.

Start des Aufstieges auf ca. 2.750m unterhalb der Hildesheimerhütte

Wir starten gegen halb zehn – leider ist es kaum möglich mit der Bahn früher an den Startpunkt zu kommen – tief unterhalb der Hildesheimer Hütte auf rund 2.750m, um zum Gamsplatzl aufzusteigen.

Flanke zum Gamsplatzl

Dabei wird der schöne Gletschersee am Fuße des Pfaffenferners links liegen gelassen. Noch machten   Harscheisen ihrer Namensgebung alle Ehre, die steilen Hänge auf das Gamsplatzl hinauf lagen Anfangs Mai um diese Tageszeit großteils noch im Schatten und sie waren durch die klare Nacht sehr hart gefroren.

über den Pfaffenferner wird das Zuckerhütl bestürmt

Die Situation änderte sich schlagartig je flacher der Aufstieg gegen das jochartig ausgebildete Gamsplatzl wurde und die Abfahrt dahinter, am steilen Osthang zum Triebenkarlasferner hinab, lag schon weit mehr als eine Stunde unter Sonnenbestrahlung und präsentierte sich uns dementsprechend aufgeweicht.

Anstieg zum Gamsplatzl

Die gut 250m tiefe Abfahrt, nach meiner Bergsteigeruhr in etwa wieder auf die Höhe von 2.750m, führte uns durch aufgeweichten schweren Sommerschnee.

das Gamsplatzl fast erreicht

Erste Aktion unten am Ferner (am Triebenkarle) war die Entledigung des Anoraks und das obwohl mittlerweile Wolken bei weitem keine dauerhafte Sonneneinstrahlung mehr zuließ. Auch auf dieser Höhe muß im Mai eben mit unerwarteter Wärme in tief gemuldeten Hochtälern gerechnet werden.

letzte steile Passage

Nun stiegen wir diagonal über den breiten Ferner der steiler werdenden Flanke zur Graterhebung zu. Die Mächtigkeit des wenig bekannten Triebenkarlasferner wird deutlich, wenn nach einer halben Stunde des Marsches die respektable steile Flanke immer noch immer nicht komplett erreicht ist, man aber dabei vergisst, daß gleichzeitig an die 300Hm zurückgelegt wurden.

Überquerung des Triebenkarlasferners

Wir hörten bei Annäherung an die Flanke deutlichen Steinschlag von der Felsflanke des Grates herab und die Brockenspur im Weiß unterhalb des brüchigen Felskopfes war unübersehbar. Veranlaßt von dieser Begrenzung im Norden und von einem abgegangenen dünnbankigen schmalen Schneebrett zeichnete sich der Anstieg auf den Gratrücken zur Stelle „Hohes Eis“ für uns deutlich ab.

wir gehen es an

Innerhalb dieser Begrenzung erfolgte unser Anstieg am aufsteilenden Hang unter orts- und fachkundiger Führung von Christian, der die Tour bereits aus mehrfacher Begehung kannte.
Das Wetter verschlechterte sich zusehends. Tiefliegende Nebelschwaden zogen durch die Gegend und mitten im steilen Hang beliebte es just im steilsten Stück eine Weile mittelstark zu graupeln.

ober Christian kann der Ausstieg aus der Flanke erkannt werden

Zu allem Überfluss meldeten sich meine heuer stark strapazierten Felle mit fast völligem Versagen der Klebeeigenschaft. Notfallmaßnahmen taten jedoch ihren Dienst, die Schifixe der Tourenpartner halfen verlässlicher als mein vorsorglich mitgebrachtes Textilklebeband. Mechanik schlägt Chemie, bei der Ausrüstung am Berg immer wieder festzustellen.

Anstieg auf die Flanke zum Hohen Eis

Die Schneeoberfläche im steilen Hang stellte sich mit einigen wenigen Zentimeter aufgeweichter Decke auf gut tragfähiger Basis, jedoch mit nicht durchgehend hartem Untergrund dar. Bei den Spitzkehren wiederum stachen entschlossen eingerammte Schistöcke teilweise zig Zentimeter ein, andererseits überraschten uns glücklicherweise nur wenige Rutscher in den Quergängen. Schneebedingungen, wie sie eben im Frühjahr typisch sein können.

Nebel und Graupel in der Steilflanke

Mit gutem Einfühlungsvermögen steuerte Christian dem Ausstieg aus dem schönen Hang zu, geradewegs auf den Gratrücken zum Hohen Eis und damit waren weit über 200Hm Steilhang ohne Kopfweh überwunden. Nachträglich gut vorstellbar war mir dann, daß dieser Hang im hart gefrorenen Zustand eine noch wesentlich ernstere Sache darstellt, als bei den von uns angetroffenen Verhältnissen. Steigeisen sind in jedem Fall mitzubringen, kennt man ihn nicht schon gut bei allen möglichen Bedingungen.

kurz vor dem Hohen Eis

Der letzte Gratrücken am Hohen Eis zur Gratschneide war schnell überwunden und wieder änderten sich trotz des starken Nebels und fehlender Bestrahlung die Schneeverhältnisse drastisch. Auf der Querung unterhalb der Gratschneide fanden wir auf über 3.300m Sulz vor, der weicher nicht sein hätte können. Immer wieder verblüffend dieser fast konträre Unterschied der Schneedecken im Frühjahr.

am Gratrücken

Im Nebel, entlang der Gratschneide, konnten wir leider den mächtigen Übeltalferner mit seinen gewaltigen Ausdehnungen und seiner Fläche von über 10km² nicht überblicken. Die kurze Flachstrecke zum Sattel vor der Sonklarspitze mußte leider quasi im Blindflug zurückgelegt werden.

bereits in der Einschartung vor dem Gipfel

An der Einsattelung angelangt erlaubte uns ein lichter Moment des launischen Nebels die Sicht auf das kaum höhere Gipfelkreuz welche wir eilig fotografisch festhielten. An Tagen wie diesen weiß der erfahrene Alpinist, daß man das was man im Kasten hat auch wirklich hat.

Ankunft am Gipfel

Nun, es sollte besser kommen, aber zunächst erreichten wir den Gipfel in Waschküchenatmosphäre.
Nach einem Viertelstündchen beliebte das Wetter wieder Gnade vor Recht zu ergehen lassen – es klarte zaghaft auf und der Blick zum Wilden Freiger wurde relativ vollständig frei.

Doris und Christian auf der Sonklarspitze

Noch ehe wir die nebelfreie Phase vollkommen abwarten wollten drängte es uns irgendwie innerlich alle recht gleichmäßig den Rückweg anzutreten und diese zehn Minuten bis zur völligen Luftklarheit am Gipfel sollten sich später als entscheidend für den Rückweg herausstellen.

Blick zur Einschartung

Mir völlig ungewohnt wurde mir von Doris zur eiligen Jause Fremdschnaps als Gipfelstärkung angeboten und gerne stieg ich darauf ein, im Wissen wie wichtig diese Medizin in solchen Höhen für das richtige Funktionieren des Körpers bei der Abfahrt ist. Meine Eigentinktur wurde dann gemeinsam später eingenommen, um sicher zu gehen, daß keine Höhenschäden zurückbleiben.

der Wilde Freiger fast nebelfrei

Mager fielen die Gipfelfotos aus, zu gern hätte ich das bestürmte „Hütl“ und den Wilden Pfaff von geringem Höhenunterschied aus aufgenommen. Leider aber gelang der freie Blick dorthin erst bei der Abfahrt auf ca. 3.100m.

Blick auf den Übeltalferner

Ein kurzer lichter Blick auf den Übeltalferner war uns vom Gipfel aus gestattet aber leider mit nicht genügend aufgeklarter Umgebung, sodaß die Dimensionen des Gletschers und seinen begrenzenden Gipfeln nicht zu Geltung kamen – der Blick zum Botzer blieb uns versagt.

Blick hinab zum Triebenkarlasferner

Es kann vorweggenommen werden, daß diese Abfahrtsroute ein eigenes Highlight in der gesamten Tour darstellt und daß sie bei den vorherrschenden Schneeverhältnissen unserer Befahrung ohne Übertreibung als ein Schmankerl bewertet werden kann.

grandiose Abfahrt durch die Einschartung neben dem Gletscherrest hinab

Als Abfahrtsroute wählten wir die auch Christian noch unbekannte direkte Abfahrt über den Hang von der Einsattelung hinab, also nahezu mittig zwischen Hohem Eis und Sonklargipfel, in dem beim Aufstieg bereits sichtbar war, daß recht südlich innerhalb des steil herabhängenden Gletscherrestes eine gute Abfahrtsmöglichkeit bestehen muß.

Abfahrt rechts neben dem Gletscherbruch

Nach dem schmäler werdenden Trichter oben erreicht der Hang dort seine maximale Steilheit je weiter in den Bereich des Felskopfes eingefahren wird. In der Falllinie des brüchigen Felskopfes befindet man sich bei entsprechender Routenwahl nicht, sodaß relativ gefahrlos über die an die 40° steile Flanke abgefahren werden kann.

Zuckerhütl und Wilder Pfaff aus ungewohnter Perspektive

Unterhalb der steilsten Partie, die etwa 100Hm mißt, bildet ein weiterer schöner Hang den Abschluß der Abfahrt. Hier der Versuch die Pracht des Ortes mit Szenen der Abfahrt festzuhalten:

Im Nu brachten uns die Schwünge an den Tiefpunkt am Triebenkarlasferner, dem Triebenkarle, wo die vorletzte Auffellaktion notwendig wurde.
Das Wetter mittlerweile weiter aufgeklart, brannte um 14 Uhr die Sonne unbarmherzig herunter. Aller Jacken entledigt schlängelten wir uns – Höhenverlust vermeidend – durch  die Reisenrücken im Kessel, dem steilen Hang auf das Gamsplatzl zustrebend.

der Hang wird steiler

Im steilen Hangstück trafen wir auf eine sehr steile Spur, die nach ein paar Spitzkehren meinen Fellen den Garaus machte. In der Steilheit des Hanges wollte ich sie auch nicht mehr herrichten und stieg hinter Christian, der zum Zwecke meiner Erleichterung die Spur verließ, noch ein wenig flacher weiter, bevor ich den ausgeaperten Weg antraf, die Schi verstaute und bis zum Joch auf Fels weiter aufstieg.

die Flanke in voller Größe

Der Schnee in diesem Osthang war schon sehr aufgeweicht, Rutscher kennzeichneten den Aufstieg der Kollegen und ich war nicht traurig über festen Untergrund unter den Tourenschuhen.

zum Schluß die Schi auf das Gamsplatzl getragen

Vom Gamsplatzl hinab erlebten wir natürlich wieder eine genussvolle Abfahrt, wobei auch die Gewissheit, daß nun nur noch ein einziges Mal aufgefellt werden mußte, der ohnehin guten Stimmung einen zusätzlichen Aufwärtsschub verpasste.

traumhaft Abfahrt von der Sonklarspitze

Die Abfahrt bis zum Gletschersee durften wir auf tollem Firn erleben – das ließ uns natürlich jeden einzelnen Schwung auskosten. Umrundet man den Gletschersee im Norden muß nicht mehr auf die Kuppe angestiegen werden, ein paar kräftige Stockschübe genügen um den letzten Tiefpunkt vor dem letzten Aufstieg zu erreichen. Die letzten 100Hm Abfahrt im Tourengelände wurden somit absolviert.

der See wird nördlich umrundet

Jenseits des Tiefpunktes, oberhalb der markanten Aufstiegsrinne die wir Stunden zuvor heruntergefahren sind, war der Gaißkar-Schlepplift noch in Betrieb. Mit etwas Eile versuchten wir vor 16 Uhr dort zu sein, um noch zum Eisjoch auffahren zu können. Das Vorhaben gelang, jedoch war die Liftspur so gut abgesperrt, daß wir Zweifel bekamen und das Vorhaben fallen ließen.

Gletschersee mit der 22km entfernten Wildspitze

Anstelle mit dem Lift stiegen wir auf Fellen zum Fernaujoch auf 3.050m weiter und erreichten gleichzeitig den Abschlußhochpunkt unseres Rückweges. Somit betrug der Gesamtaufstieg unserer Variante der Sonklarspitze 1.535Hm.

Überwindung der Kuppe

Der Lohn für die Mühe war eine nochmals 750Hm Abfahrt über zunächst länger nicht mehr befahrene Pisten (die Fernaubahn hatte schon länger geschlossen) und im unteren Teil über die noch gewartete Piste.

finaler Aufstieg

Allerdings war die Piste um kurz vor halb fünf am Nachmittag in einem Zustand, der sehr kraftraubend war und kein besonders hohes Tempo zuließ. Trotzdem erreichten wir drei Minuten vor Schluß die Talfahrt und waren froh nicht länger auf dem Gipfel der Sonklarspitze gebummelt zu haben. Ein Abstieg von der Mittelstation mit den Schi auf dem Rucksack wäre nicht willkommen gewesen.

fast am Pfaffengrat (Fernaujoch) angelangt

Vernachlässigt man die knappe Stunde, die unser Aufstieg im Trubel des schifahrenden Volkes benötigte, betrug unsere Gesamtzeit genau acht Stunden bei 1.535m im Aufstieg. Die Streckenlänge ist nicht zu unterschätzen und betrug überraschende 12km.

Mils, 12.05.2018

 

Schitour Hinterer Daunkopf, 3.225m

Mit der Seilbahn um €22.- für die Tourengeherkarte bis zum Gamsgarten hochgeschwindelt ist die Schitour auf den Hinteren Daunkopf sozusagen eine Spazierfahrt nach einer anstrengenden Tour am Vortag. Knapp über 600Hm Aufstieg sind in kurzer Zeit geschafft und bei zweifelhafter Wetterlage würde man sich mit dem Abbruch der Tour nicht schwer tun. Im gegenteiligen Fall kann man ad hoc umentscheiden und wenn Wetter und Kondition stimmen, kann vom Parkplatz Mutterberg aus gestartet werden, in diesem Fall mit 1.460Hm Aufstieg. Der Hintere Daunkopf daher eine ideale Schitour für Erholungszwecke und ungewisse Zustände.

Hinterer Daunkopf, 3.225m

Das Klavier auf dem gespielt werden kann wird allerdings nicht nur mit einer besonders preiswerten Liftkarte, sondern auch mit der Tatsache mitten im Schigewühl der Stubaier Gletscherbahnen zu starten erkauft. Für mich war das Gewühl akzeptabel, denn nach den ersten 15min im Gelände wird man dem Trubel nur mehr beim Blick dorthin gewahr.

Hinterer Daunkopf von der Station Gamsgarten aus

Von den eingangs erwähnten Möglichkeiten den Hinteren Daunkopf als Tourenziel zu erwählen lag bei mir die erste der beiden vor. Am Vortag unternahm ich einen Gewaltmarsch von Seduck im Oberbergtal mit der Ausrüstung am Rucksack als Tragestrecke bis knapp unterhalb der Franz Senn Hütte und dann eine Tour bis zum Fuße des Schrankogels und zurück.
Also mußte am heutigen Tag eine Spazierfahrt her.

am Daunjoch, Rückblick auf das Stubaier Gletscherschigebiet

Im Gedränge der Trainierer – die Frage drängte sich mir als ehemaligem Schirennläufervater auf warum polnische, italienische und Südtiroler Kinderläufer am Ende der Saison trainieren und Tiroler Kinder das nicht tun müssen – kam ich kurz nach der Öffnung des Garagentores in den Einstiegsbereich der neuen Gondelbahn und ab der Mittelstation mit der alten Bahn auf 2.600m zur Station Gamsgarten.

Direkt am Ausstieg aus der Seilbahn blickt man in Richtung Hinterer Daunkopf. Das Wetter war um neun Uhr noch recht akzeptabel, wenngleich von Süden her alle Gipfel dauerhaft in Nebel gehüllt waren und eine stabile durchgehende Wolkendecke über den Spitzen schwebte.

am Daunjoch, Blick Richtung Nordwesten

Begleitet von böigem Südostwind trat ich die Tour auf den Hinteren Daunkopf über den zunächst flachen Rücken zum Daunferner an. Über den stetig steiler werdenden Daunferner flaute der Wind leider nicht besonders merklich ab, jedoch wurden die Pausen zwischen den Böen relativ schweißtreibend im endenden April. Die Schneequalität kann man sich vorstellen – bereits um zehn Uhr vormittags sehr tief aufgefirnt, glücklicherweise jedoch auf tragendem Untergrund.

Blick vom Daunjoch Richtung Wilde Leck

Oben am Daunjoch auf rd. 3.000m änderte sich die Situation schlagartig. Durch die Düsenwirkung des Joches war der Wind dauerhaft zu spüren und die Schneedecke nun hart gefroren – ein Glück für den weiteren Aufstieg.

Da sich nun die Aufstiegsrichtung im Halbrund um die Hinterseite des Hinteren Daunkopfs herumwindet kann ich in den Genuß im Windschatten des Gipfelaufbaues ohne Böen in fast windstiller Umgebung aufzusteigen.

Rückblick auf die Gipfelumrundung

So hoch wie möglich am unteren Rand der bereits zum Großteil abgewehten Felsbruchflanke entlang versuchte ich mit wenig Höhenverlust den unbekannten Bogen zu umrunden und ich landete recht hoch über der hinter dem Gipfel gelegenen ehemaligen Gletschergrube.

Der folgende Teil des Aufstieges beschreibt einen Bogen in die Gegenrichtung in der immer steiler werdenden Nordostflanke des Hinteren Daunkopf.
Mittig in dieser Flanke beschloss ich, daß es höchste Zeit zum Anlegen der Harscheisen sei und eigentlich wäre – bei genauer Beobachtung der Flanke zu Beginn nach dem Rechtsbogen – es 100m vorher noch viel unakrobatischer abgegangen, mußte ich mir eingestehen.

Schlüsselstelle im Nordwesten des Gipfels, durch die Schrofen hindurch wird angestiegen

Das sichtbare Ziel im Aufstieg stellt ein Buckel dar, der sich Ende April bereits recht felsdurchsetzt präsentiert und der geschätzte 20Hm mit großer Steilheit weit über 35° aufwartet (siehe hierzu Bildergalerie mit TIRIS-Ausschnitt).
Dieser kurze Aufstieg stellt die Schlüsselstelle dar und bei vereisten Bedingungen mag er anspruchsvoll sein, bzw. bei entsprechender Lawinenwarnstufe auch riskant.
Ohne Harscheisen wäre er am Tage meiner Begehung nicht machbar gewesen.

Durch die aperen Felspartien auf den Rücken hindurchgeschlüpft kann sogleich das Gipfelkreuz eingesehen werden. Der Restaufstieg erfolgt auf der Nordwestflanke des Hinteren Daunkopfes.

Ein schönes Aluminium-Gipfelkreuz, errichtet von der Bergrettung Gries im Sulztal findet sich auf leicht abschüssigem Gipfelplateau.

Blick ins Sulztal über den mächtigen Sulztalferner

Am Tage meiner Begehung war der sonst als aussichtsreich beschriebene Gipfel von Ost bis West über Süd in der Sicht total eingeschränkt – kein einziger Gipfel konnte eingesehen werden, nicht einmal die unmittelbaren Nachbargipfel der zahlreichen Daunkögl.

Blick Richtung Kuhscheibenspitze

Im Westen hätte ich zu gerne die nur knapp mehr als 2km entfernte Wilde Leck gesehen, jedoch war mir auch diese Sicht verwehrt.
Einzig der Sektor von Nordwesten bis Nordosten taugte für ein paar Landschaftsfotos und hier konnten die Kuhscheibe und der Wannenkogl, sowie weit im Nordwesten die Sulzkögl gesichtet werden.

mein unvermitteltes Ziel von gestern, der Schwarzenbergferner, links davon der Schrankogl

Östlich des Sulztales die mächtige Pyramide des Schrankogels mit dem Schwarzenbergferner (meine Vortagestour) und als hintere Begrenzung desselben das spitze Schrandele.

Gletscherschigebiet

Hinter mir stieg ein gutes Dutzend Bergsteiger auf, die mit mir in die Seilbahn eingestiegen sind und zunächst in die Nebelsuppe Richtung Süden – vermutlich zur Schaufelspitze – unterwegs waren. Wahrscheinlich haben sie am Weg dorthin eingesehen, daß angesichts der Sichtverhältnisse diese Ziele am klassischen Apriltag nicht sehr lohnend sind. Ich traf auf sie bei der Abfahrt unterhalb der Schlüsselstelle. Weitere Bergsteiger unternahmen die Besteigung mit Schidepot am Daunjoch über den aperen Gratanstieg.

Somit hatte ich Glück, den Gipfel zuvor ein wenig für mich alleine zu haben.

bei der Abfahrt unterhalb der Liftstation

Vom Gipfel erfolgt die Abfahrt zum Daunjoch zunächst über die Aufstiegsroute und anschließend über das Pistengelände.
Über die schöne Abfahrt der „Wilden Grubn“ konnte fast bis zum oberen Parkplatz abgefahren werden, mit sehr geringer Tragestrecke über ca.300m am Schotterweg.

nebelverhangen der Süden des Gletscherschigebietes

Es gibt eine Abfahrtsvariante über den Daunkopfferner und die Glamergrube – darüber kann auch von der Mutterbergalm aufgestiegen werden. Hierzu liefert der Blog „Almenrausch“ eine Beschreibung.

Rückblick auf den Hinteren Daunkopf

Zeitbedarf incl. Gondelfahrt bis Rückkehr zum Parkplatz betrug knapp viereinhalb Stunden mit einem halbstündigen Gipfelaufenthalt, 700Hm Aufstieg und 1.600m Abfahrt und reiner Aufstiegszeit eineinhalb Stunden.

Lawinenstrich Mutterberger Leger, darüber der Ruderhof

Die Tour eignet sich hervorragend für Tage an denen die Zeit für eine Ganztagestour fehlt, oder an denen das Wetter – wie in meinem Fall – nicht besonders geeignet für eine größere Unternehmung ist, oder ein langer Anstieg aus dem Tal vermieden werden soll. Ebenfalls für Einzelne, die nicht das große Vertrauen in abgelegenes Gelände haben.
Die Schlüsselstelle oberhalb der nordwestlich vom Gipfel gelegenen Mulde ist jedenfalls zu beachten und bei entsprechender Lawinenwarnstufe – oder fehlender Technik – gegebenenfalls durch den Gipfelanstieg über den Nordrücken einzutauschen und am Daunjoch das Schidepot zu errichten.

Mils, 29.04.2018