Fallbachkartürme – Überschreitung von Hoher Fürleg bis Großer Bettelwurf

Das vom Tal wenig einsichtige Fallbachkar findet seine nördliche Begrenzung in einer gewaltigen Felsmauer, den Fallbachkartürmen. bis zu 200m ragen sie – im Bogen geschlossen – über den hinteren Karboden auf und stellen somit die fortlaufende Halltalkette sicher, die durch das Kar eine jähe Trennung erfährt.

Der Walderkampturm in den Fallbachkartürmen

rechts der Walderkampturm in den Fallbachkartürmen

Die Überschreitung der Fallbachkartürme stellt für den Bergsteiger auch die elegantere Methode dar, vom Hundskopf auf die Bettelwürfe zu gelangen. Die Alternative hierzu stellt nur der fast völlige Abstieg von der Hohen Fürleg in das Fallbachkar und ein sehr mühsamer Aufstieg von diesem auf die Scharte bis Pkt. 2.625m dar. Diese Alternative ist jene, die als Normalweg für dieses Vorhaben im AV-Führer beschrieben ist.

Die Fallbachkartürme vom Osteck des Großen Bettelwurf aus gesehen

Die Fallbachkartürme vom Osteck des Großen Bettelwurf aus gesehen

In Bergsteigerkreisen kursiert noch eine Variante die zwischen den beiden Routen liegen soll. Beim Anblick der Türme fällt es jedoch schwer sich auf halber Höhe eine Passage auszumalen. In jedem Fall aber kommt man bei jeder anderen Variante, als der Direktüberschreitung, um das Hinaufwühlen zu Pkt. 2.625m, über steilste Schutthänge nicht herum.

in den Tratten

in den Tratten

Die Fallbachkartürme sind im Ostteil teilweise sehr brüchig (vor allem am Walderkampturm) und abgesehen von einigen typischen gelbbraunen Störzonen sowie einem Bereich im Mittelteil bei dem das Gefühl aufkommt, es handle sich beim Fels um Hauptdolomit, akzeptabel fest. Man traue dem einladend griffigen Fels generell aber nie wirklich und prüfe bevor man sich bindet…

Aufstieg zur Tratenspitze

Aufstieg zur Trattenspitze

Unsere Anreise erfolgte über die Hinterhornalm. Andi und ich verließen die Alm knapp vor halb acht Uhr, durften uns daher noch auf einen kühleren Aufstieg freuen.

Andi am Gipfel der Trattenspitze

Andi am Gipfel der Trattenspitze

Wie immer im Karwendel ist der Wasservorrat ein zentrales Thema, oberhalb der Alm gibt es keine Möglichkeit zur Tankung. Meine große Aluflasche würde daher nur sehr knapp ausreichen, aber im Hinblick auf die nahegelegene Bettelwurfhütte konnte dieser Minimalismus eingegangen und mit leichtem Rucksack auf Hundskopf, Trattenspitze und über die Walderkampspitze zur Hohen Fürleg angestiegen werden.

Rückblick auf die Tratten und Hundskopf

Rückblick auf die Tratten und Hundskopf

Den Hundskopf erreichten wir um halb 9 Uhr, die Hohe Fürleg knapp nach 10 Uhr; bis dorthin ein gutes Tempo.

der Autor am Gipfel der Hohen Fürleg

der Autor am Gipfel der Hohen Fürleg

Während einer recht ausgiebigen Rast, für die bis dorthin kurze Strecke, studierten wir nochmals die spärlichen Führerangaben zur Überschreitung. Andi hat die Überschreitung schon einmal teilweise zu beiden Seiten ausgeführt, daher konnte auch auf etwas Vorwissen zurückgegriffen werden. Immer wieder blickten wir zu den scharfen Zähnen hinüber und malten uns die einzelnen Aufstiegsmöglichkeiten aus. Und wie immer kam es dann meist irgendwie anders als man denkt.

Überblick über die vor uns liegenden Fallbachkartürme

Überblick über die vor uns liegenden Fallbachkartürme

Gegen halb elf Uhr machten wir uns dann an die Kante, die den Walderkampturm der Fallbachkartürme vom Gratverlauf zur Hohen Fürleg trennt. Dieser erste Absatz erscheint von oben senkrecht, brüchig und die kleine Verschneidung in der es hinabgeht dermaßen uneinsehbar, daß wir beschlossen nicht schon am Anfang ein zu großes Risiko einzugehen und stiegen die ca. 30Hm über den Normalweg zur Fürleg vom Kar aus ab und querten bei einem Steinmann am Normalweg knapp unterhalb von Felsen zur Scharte über ein akzeptables Schuttband auf dem plattigen Abhang zur kleinen Scharte hinauf.

der Walderkampturm vor uns, rechts in der Verschneidung geht es hinauf und dann oben links wendend

der Walderkampturm vor uns, rechts in der Verschneidung geht es hinauf und dann oben links wendend, sodann am Grat weiter

Im Rückblick konnten wir nun erkennen, daß dieser Abbruch eigentlich mit mäßigen Schwierigkeiten, jedoch unter relativ großer Brüchigkeit erklettert werden kann, jedoch stellt sich eine solche Sicht im gleißenden Gegenlicht der Vormittagssonne leichter dar, als sie im Abstieg wirklich sein wird.
Also im Aufstieg würden wir sie jedenfalls nehmen, im Abstieg dürfte eine Sicherung von oben die sinnvollste Taktik sein, beschlossen wir für weitere Begehungen.

Rückblick auf den ersten Abbruch den wir umgangen haben

Rückblick auf den ersten Abbruch den wir umgangen haben

Nun lag der Walderkampturm vor uns. Von der Scharte aus kein hoher Turm, jedoch ist der Aufstieg klettertechnisch nicht einfach. Der Führer beschreibt ihn mit –IV , die kleine Verschneidung in der man ihn genau rechts oberhalb der Scharte und nahe an den Abbrüchen ins Vomper Loch ersteigt ist jedoch mit vielen festen griffen und Tritten, sowie guter Spreizmöglichkeiten gespickt, sodaß er diese Bewertung eigentlich nicht verdient, er ist weit nicht so schwierig als es der Ausstieg über eine sehr brüchige Wand knapp vor Erreichen des Pkt. 2.625m ist.

Anstieg zum Walderkampturm

Anstieg zum Walderkampturm

Knapp oberhalb der schwierigeren Stelle, ca. in 8-9m Höhe, wendet sich der weitere Aufstieg in einer kleinen Scharte im Turm über nochmals die eineinhalbfache Höhe nach links (Westen). Bereits dann steht man am Walderkampturm. Ein Leckerbissen in festem Fels gleich zu Anfang, der dann, auf seiner Nordseite, völlig anders wird. Man erreicht diesen nach kurzer Strecke am Grat mit Steinmann.

am Grat am Walderkampturm

am Grat am Walderkampturm

Die Nordseite ist geprägt von großer Brüchigkeit und man lasse sich wirklich genügend Zeit und prüfe jeden einzelnen Griff und Tritt mehrfach, bevor man ihn verwendet. Der Abstieg ist klettertechnisch nicht sehr schwer, aber die Tücke liegt in der Festigkeit des Felses und auch der geschulte Blick wird manches Mal betrogen. Ohne wirkliche Dreipunkttechnik ist ein sicherer Abstieg hier nicht möglich.

Nordabbruch am Walderkampturm; über die kleinen Türmchen gibt es keine Passage

Nordabbruch am Walderkampturm; über die kleinen Türmchen gibt es keine Passage

Warum man dort absteigen muß ist einem sofort klar, wenn man die grazilen brüchigen Türmchen im weiteren Gratverlauf erblickt. Es gibt auf jenen am Grat kein weiteres Fortkommen und in der grausigen Schlucht zur Rechten der Türmchen, tief unten, nach ca. 40m Abstieg erkennt man kaum den Steinmann von oben, weiß aber, daß die Schlucht die einzige Möglichkeit darstellt.

Abstieg vom Walderkampturm

Abstieg vom Walderkampturm

Eine Alternative ist ein Haken mit Schlinge (letztere ist nicht empfehlenswert, weil man ihr Alter nicht kennt, wenn dann der Haken selber) zum Abseilen. Hierzu würde man ein Seil mit gut 25m Länge benötigen, um auf halbwegs günstiges Terrain zu kommen, um selbiges bei gutem Stand wieder abziehen und verstauen zu können.

unteres Abstiegsgelände vom Walderkampturm

unteres Abstiegsgelände vom Walderkampturm

Es geht aber auch ohne Hilfsmittel, wobei der erste Absatz der entscheidende ist. Hat man ihn ober sich, erfolgt der weitere Abstieg „nur“ in brüchigem, schuttigen, plattigen Fels.

Rückblick auf die Abstiegsroute vom Walderkampturm

Rückblick auf die Abstiegsroute vom Walderkampturm

Beim Steinmann endet die Herausforderung jähe, scharf links davon erkennt man den nächsten Steinmann der ein paar Meter höher wieder auf den nun sanften Grat hinaufführt.

Querung auf den Grat hinaus zur Fallbachkarscharte

Querung auf den Grat hinaus zur Fallbachkarscharte

Somit steuert man auf die weite Fallbachkarscharte zu und für die nächste Viertelstunde am Grat begegnet man keiner weiteren Schwierigkeit bis auf den nächsten abgeflachten Turm. Ab hier ändert sich der Fels hin zu weniger bizarren, spitzen Felsgestalten, zu eher bankigem Schichtgebirge, das, sedimentartig flach geschichtet, mit teilweise breiten und schuttigen Bändern ausgestattet, einen perfekten Stock bildet und dessen Bänder für die Überschreitung nun häufig genutzt werden.

am Weg zur Fallbachkarscharte

am Weg zur Fallbachkarscharte

Diesen abgeflachten Turm muß man gar nicht vollständig begehen, die Route führt, von Steinmännern begleitet, auf seiner Südflanke am Höchstpunkt vorbei. Wir begehen ihn zwecks Begutachtung zähen pflanzlichen Lebens auf über 2.500m Höhe am steinernen Grat (Andi hatte diese in Erinnerung, wir konnten die krautige Pflanze, die an Lorbeer erinnert jedoch nicht klassifizieren) und einiger schöner Fotos über den Rückblick der bewältigten Strecke aber trotzdem und steigen dann über Schutt in Richtung der nächsten Scharte wieder ab.

Rückblick von der Fallbachkarscharte

Rückblick von der Fallbachkarscharte, zwischen den Türmen steigt man von oben ab

Die Scharte ist leicht zu begehen, jedoch sehr schuttig und wiederum ist Vorsicht geboten. Der folgende Turm erscheint in der Frontalansicht schwieriger als er ist. Die zuvor erwähnte Bankigkeit schafft gut und leicht zu erkletternde Stufen, deren Außenseite zumeist aus festem, griffigem  Wettersteinkalk besteht.
Ein Steinmann auf der Gegenseite ist bereits im Abstieg zur Scharte sichtbar und gibt den Beginn der Aufstiegsroute vor.

weiterer Gratverlauf nach dem ersten Kopf, nordwestlich der Fallbachkarscharte

weiterer Gratverlauf nach dem ersten Kopf, nordwestlich der Fallbachkarscharte

Am folgenden Grat bewegen wir uns auf den höchsten Turm mit 2.548m Höhe zu. Am Weg dorthin erleben wir über einen weitgehend bis zum Grat hinaufziehenden Einschnitt einen gewaltigen Tiefblick in die Au im Vomperloch.

Abstieg zur nächsten kleinen Einschartung in den Fallbachkartürmen

Abstieg zur nächsten kleinen Einschartung in den Fallbachkartürmen

Die folgende Scharte ist etwas schwieriger im Abstieg, es sei denn man umgeht sie auf tiefliegendem Schuttband unter Einbuße von ca. 20m Höhenverlust.
Wir entscheiden uns für eine höher gelegene Variante mit dem Nachteil der Brüchigkeit in einer fast senkrechten Passage, die man nicht nur absteigen, sondern auch nach Norden hinaus queren muß, um zum schmal ausgeprägten Schärtchen zu gelangen. Mit Einsatz von Zeit nehmen wir die heikle Stelle ohne große Probleme, empfehlenswerter im Abstieg ist die Umgehung unten.

der nächste Turm ist der höchste

der nächste Turm ist der höchste

Jenseits geht es südseitig über Schuttbänder nicht auf die volle Höhe des Turmes empor, man quert ihn im Aufstieg sozusagen und schneidet den Höchstpunkt ca. 20m unterhalb in den Felsen ab, um zur nächsten Scharte zu gelangen, die auf der Gegenseite nun erstmals mit wirklich grausiger gelbbrauner Störzone zur Durchquerung aufwartet. Jedoch auch dieser Bereich ist halb so schlimm.

im etwas heiklen Abstieg zum höchsten der Fallbachkartürme

im etwas heiklen Abstieg zum höchsten der Fallbachkartürme

Von unserer Seite aus zeichnete sich schon die Routenführung ab, indem südseitig mit senkrechten, teils überhängenden Wänden ein Fortkommen auch schon optisch sofort erkennbar ausfällt und man nur ungern ein rechts auf die Nordseite hinaufziehendes schmales Band inmitten der Störzone erkennt, das, und nur jenes, für den weiteren Verlauf in Betracht kommt.

Aufstieg in der südseitigen Flanke des höchsten der Fallbachkartürme

Aufstieg in der südseitigen Flanke des höchsten der Fallbachkartürme

Zunächst sind wir über eine nicht fein zu begehende Schartenausbildung darüber gesprungen und fanden jenseits wenig feste Haltepunkte, jedoch ausreichend für das Erreichen einer besseren Stelle zur Beobachtung des schmalen brüchigen Bandes in dem so gemiedenen ockerfarbenen Material.

die erste massivere Störzone und der Anstieg wendelartig in die Nordseite

die erste massivere Störzone und der Anstieg wendelartig in die Nordseite

Mit Vorsicht läßt sich auf diesem schmäler werdenden Band ein breiteres, komfortableres Band erreichen, das geheimnisvoll um die Nordkante des Turmes herumführt und mit einiger Spannung ob der Entdeckungen, die man jenseits machen würde, schreitet man unter Prüfung der Tritte vorwärts.

Andi im Anstieg auf die Nordseite

Andi im Anstieg auf die Nordseite

Nordseitig angekommen weicht unerwartet plötzlich alle Spannung und man findet sich auf dem bequemsten, flachen Felsband wieder das man nach den Metern vorher nie erwarten würde.

nordseitig Ausbildung der Route nach der Störzone in den  Fallbachkartürmen

nordseitig Ausbildung der Route nach der Störzone in den Fallbachkartürmen

So ist eben das Karwendel, nach bedrohlichen zugespitzen Engstellen können sich Autobahnen auftun und nach ebensolchen können sich schmalste senkrechte Abbrüche befinden, deren erster Anblick einen erschaudern lassen.

Aufstieg wieder zum Grat auf die Türme

Aufstieg wieder zum Grat auf die Türme

Nun führt der logische Weg wieder im Aufstieg auf den Grat. Von oben ein toller Blick in die Tiefen des Vomperloches. Am Grat geht es nun einmal etwas mehr, einmal etwas weniger scharf weiter.

Tiefblick in das Vomperloch

Tiefblick in das Vomperloch

Wer keine Kletterhandschuhe benutzt, so wie ich, hat spätestens hier Reibeiseninnenflächen der Hände. Der Erosion ausgesetzter Kalk entwickelt an der Oberfläche nadelartig spitze Oberflächen, die den Innenflächen der Hände gewaltig zusetzen und sie in eine Schruppfeile verwandeln. Man wird in seiner Konzentration dessen aber nur gewahr, wenn man zwischendurch einmal andere Hautflächen berührt, beispielsweise beim Auftrag von Sonnencreme im Nackenbereich, welches selbst bei mir als notorischen Verweigerer von Sonnencreme, an diesem bilderbuchartigen, wolkenlosen Tag unbedingt erforderlich war.

Abstieg in die nächste Einschartung etwa auf 2/3 der Überschreitung

Abstieg in die nächste Einschartung etwa auf 2/3 der Überschreitung

Nach einigen Minuten ist die Stelle erreicht über die im Führer zu lesen ist „einen plumpen Felsklotz umgeht man auf der Südseite“. Nach diesem eröffnet sich erstmalig ein schöner Tiefblick auf den Halleranger und das Überschalljoch.

südseitige Umgehung des plumpen Felsklotzes

südseitige Umgehung des plumpen Felsklotzes

Am Grat wechselt man nun immer wieder zwischen Nord- und Südseite, wobei am Schluß seines deutlich ansteigenden Verlaufes der Schwerpunkt auf der Nordseite liegt. Auch noch dort, wo der Grat wirklich scharf wird und man versucht ist ihn – zwecks Aussicht auf den Verlauf – immer wieder direkt zu begehen.

nordseitige Umgehungen des schärfer werdenden Grates in den Fallbachkartürmen

nordseitige Umgehungen des schärfer werdenden Grates in den Fallbachkartürmen

Wir versuchten auch aus Gründen der richtigen und bergsteigerisch ehrenvollen Begehung immer wieder Stücke direkt an der Schneide zu bewältigen, wurden aber immer wieder – auf den einfachen Pfad – in die Nordseite gezwungen.

in den nordseitigen Umgehungen

in den nordseitigen Umgehungen

Bei einer markanten Stelle mit kleinem Felsenfenster und glatter, aber rissdurchzogenen Wand steigt man dann ca. 6m auf den schmalen Grat, beschreitet diesen einige Meter bevor man wieder in die Nordseite gezwungen wird und findet sich dann wiederum nur einige Meter später in einer ähnlichen Situation wieder, jedoch mit deutlich höherer Wand zum Grat. Auch hier ist der Aufstieg relativ problemlos, vor allem nach den Passagen, die man bis hierher geklettert ist.

Andi beim Aufsteig aus der Nordseite auf den Grat der Fallbachkartürme

Andi beim Aufstieg aus der Nordseite auf den Grat der Fallbachkartürme

Die nun folgende Passage ist klettertechnisch der schwierigste Teil der Überschreitung. Nach einer Scharte – die letzte in der Überschreitung – sieht man sich vor einer Wand, die über gut 10m fast senkrecht vor Ihrem Bezwingerkandidaten steht und wenig Flächen aufweist, die nicht sehr brüchig erscheinen. Wir befinden uns hier in einem Gebiet in dem es von gelbbraunen Störzonen in der Mittagssonne nur so leuchtet.

am Grat in den Fallbachkartürmen noch vor dem schwierigen Teil

am Grat in den Fallbachkartürmen noch vor dem schwierigen Teil

Die gute Nachricht für all jene, die diese Wand nicht mehr mitmachen wollen sei, daß es einen Ausweg auf die Schuttreise, die sich auf den Pkt. 2.625m hinaufzieht gibt. Ein ockerfarbenes Band führt direkt über 20-30Hm in die mühsame Rinne hinunter und würde dem Grat ein Ende bereiten.

letzte Einschartung mit schwieriger Wand folgend; links wäre das Störzonenband hinab zur Schuttrinne

Steinmann in der letzten Einschartung mit schwieriger Wand folgend; links wäre das Störzonenband hinab zur Schuttrinne

Der Führer beschreibt diese Stelle als Abseilstelle (in der umgekehrten Richtung begangen) und in dieser Richtung ist das angesichts der Aussicht von unserer Seite auch die einzig sinnvolle Möglichkeit sie zu bewältigen. Allerdings gehört für uns diese Wand mit zur vollständigen Überschreitung und wir denken gar nicht daran sie auszulassen.

letzte schwierige Stelle bei der Überschreitung der Fallbachkartürme; zwischen Nordkante und Riss links geht es hinauf

letzte schwierige Stelle bei der Überschreitung der Fallbachkartürme; zwischen Nordkante und Riss links geht es hinauf

Nach sorgfältiger Untersuchung – die generelle Route hat man schnell entdeckt, aber die Suche nach Griff/Trittmöglichkeiten braucht ein paar Minuten – des bestmöglichen Aufstieges steigt Andi als erster ein und in fast völligem Gegenlicht gelingt mir mit einer lichtabschirmenden Hand ein kleiner Eindruck dieser letzten Prüfung, siehe Foto.

Andi im unteren Teil der schwierigen Wand

Andi im unteren Teil der schwierigen Wand

Weiter rechts (nördlich) ist die Wand überhängend, weiter links noch brüchiger als in der wenig ausgeformten rinnenartigen Verschneidung, die oben in schuttigem Gelände abflacht und leichter fortführt.

RÜckblick vom Mittelteil der schwierigen Wand; Aufstieg nicht sichtbar darunter

Rückblick vom Mittelteil der schwierigen Wand; Aufstieg nicht sichtbar darunter

Schon von der Hohen Fürleg aus sieht man die bedrohliche Situation am Ende der Überschreitung. Nun aber, da ich davorstehe und eine fest entschlossene Route mit allen Möglichkeiten der Haltpunkte ausgekundschaftet habe, erscheinen diese rd. 10m Wand gut machbar.
Sie waren es auch und die Griffe und Tritte haben alle gehalten.

Schutttrichter von oben gesehen; links unten befindet sich der senkrechte Aufstieg

Schutttrichter von oben gesehen; links unten befindet sich der senkrechte Aufstieg

Von oben, am oberen Ende der Wand, an der sich ein Schutttrichter mit dem braunen Störzonenmaterial kann nur ein schwacher Eindruck von der Wand gegeben werden, aber es sei erwähnt, daß auch der Aufstieg in diesem unangenehmen Trichter bis hin zu festem Fels nicht zu unterschätzen ist, das Terrain ist trügerisch.

nach der schwierigen Wand

nach der schwierigen Wand, man kommt von unten links vom schattigen Grat

Die folgenden rd. 10Hm bis zur letzten Einschartung im Grat sind Routinearbeit und ein letztes Köpfchen wird überstiegen bevor man hinten mit wenigen Metern Abstieg von diesem die Scharte bei Pkt. 2.625m erreicht und die Überschreitung der Fallbachkartürme geschafft hat.

letzter Aufschwung am Grat in den Fallbachkartürmen  vor Pkt. 2.625m

letzter Aufschwung am Grat in den Fallbachkartürmen vor Pkt. 2.625m

Wir haben für die Überschreitung gesamt 2:15 benötigt, hatten aber nie vor sie eiligst zu erledigen. Ohne große Foto- und Trinkpausen könnte man auch eine halbe Stunde eher ankommen, jedoch sicher nicht bei einer Erstbegehung.

Rückblick auf die Überschreitung der  Fallbachkartürme

Rückblick auf die Überschreitung der Fallbachkartürme

Der weitere Aufstieg auf das Osteck und den Großen Bettelwurf ist einfach und in dem Link zu Beginn dieses Berichtes nachzulesen.

Andi unter der Wand mit der Aufstiegsrinne dahinter

Andi unter der Wand mit der Aufstiegsrinne dahinter

Erwähnt sei nur die etwas versteckte Verschneidung hinter einer markanten glatten Felswand, bei der man geneigt ist am Steinmann ostwärts weiterzugehen, anstelle schräg hinter sich auf ca. 120° drehend die Aufstiegsrinne zu entdecken.

Aufstiegsrinne zum Osteck des Großen Bettelwurf

Aufstiegsrinne zum Osteck des Großen Bettelwurf

Am Osteck beim der Holzpflockmarkierung bietet sich nochmals ein toller Tiefblick auf den gesamten faszinierenden Grat mit den einzelnen Fallbachkartürmen, der gerade gemeistert wurde.

Die Fallbachkartürme, Rückblick vom Osteck des Großen Bettelwurf

Die Fallbachkartürme, Rückblick vom Osteck des Großen Bettelwurf

In weiteren 10min ist der der Gipfel des Großen Bettelwurfes erreicht.

Großer Bettelwurf, 2.726m

Großer Bettelwurf, 2.726m

Weil es so schön und zeitig am Tag war nahmen wir auch noch den Kleinen Bettelwurf mit und Andi besuchte auch das kleine Gipfelkreuz am Kleinen Bettelwurf bevor wir zur Bettelwurfhütte abstiegen.

Kleiner Bettelwurf, 2.650m

Kleiner Bettelwurf, 2.650m

Von der Hinterhornalm bis zur Bettelwurfhütte benötigten wir 8 Stunden. Für die Rückkehr zum Parkplatz beim Hackl weitere 1 ½ Stunden.

Andi im Abstieg vom Kleinen Bettelwurf

Andi im Abstieg vom Kleinen Bettelwurf

Es empfiehlt sich ein Fahrzeug dort abzustellen und mit diesem dann das andere auf der Hinterhornalm zu holen. Alternativ kann man auch in der Bettelwurfreise nach Südosten abzweigen und über die Alpensöhnehütte zur Hinterhornalm zurückzukehren.

Bettelwurfhütte, 2.077m

Bettelwurfhütte, 2.077m

Die Strecke von Hinterhornalm bis zum Parkplatz beim Hackl beträgt kurze 13km und 1.400m geodätischer Höhenunterschied über Gipfel und Scharten und wahrscheinlich nochmals ca. 300hm für die Abstiege und Aufstiege vom Hundskopf in die Mannl u. Weibelescharte und dieselben in den Türmen.

Mils, 27.08.2016

Östliche Knotenspitze, 3.100m – Gratüberschreitung von der Falbesoner Knotenspitze, 3.120m

Grandiose Aussichten auf die höchsten Dreitauender des Stubai bieten die Gipfel der Knotenspitzen. Die Knotenspitzen – ebenfalls Dreitausender –  teilen sich in die Falbesoner (oder Falwesuner) Knotenspitze, sie ist nach der Alpeiner Knotenspitze die zweithöchste und die Östliche Knotenspitze ist die niedrigste der drei.

am Gipfel der Falbesoner Knotenspitze, 3.120m

am Gipfel der Falbesoner Knotenspitze, 3.120m

Die mittellange Tour vom Waldcafe zu Falbeson überwindet die typischen Stubaier Höhenstufen und zwar zwei davon, ähnlich wie der nahe gelegene Aufstieg auf den Wilden Freiger über die beiden Steilstufen bis zur Sulzenauhütte.

Panorama Vordere Plattenspitze, Falbesoner Knotenspitze und Kreuzspitze kurz vor der Ochsenalm aus gesehen

Panorama: ganz links Alpeiner Knotenspitze, Vordere Plattenspitze, Falbesoner Knotenspitze und Grat zur Kreuzspitze kurz vor der Ochsenalm aus gesehen

Oft begangen wird die Östliche Knotenspitze, bzw. wird irrtümlich die Kreuzspitze anstelle der Östlichen Knotenspitze begangen, weil das Gipfelkreuz auf dieser um 17m niedrigeren Gipfel steht und dem – nicht kartenkundigen – Begeher damit die Besteigung der Östlichen Knotenspitze vermittelt.

Sei es wie es sei, die Tour auf diese Gipfel ist ein vorwiegend leichtes bis mäßig schwieriges Unterfangen, das für ein mittellanges Tagesabenteuer geeignet ist. Der Grat von der Falbesoner Knotenspitze zum Sattel der Kreuzspitze ist allerdings dem klettergewandten Bergsteiger vorbehalten, hierzu ist Gratklettertechnik, und, in den luftigen Passagen, auch die nötige Schwindelfreiheit – bzw. besser formuliert – Absturzangstarmut vonnöten. In jedem Fall erfreut sich die Rundtour auf die Falbesoner Knotenspitze und der Übergang ein bergsteigerisch delikateres Unternehmen, als die Normalroute auf die Östliche Knotenspitze.

Etwas spät für die Besteigung eines Dreitausenders starteten wir gegen 8:45 Uhr beim Waldcafe in Falbeson, bzw. beim Parkplatz für Bergsteiger rechts neben der Brücke davor, von 1.212m los.

Von dort, über viele Serpentinen am breiten Steig bis zur Überwindung der ersten Talstufe auf ca. 1.700m empor, führt der Waldweg in schattigem Steilgelände. Oben –bei der Forche  genannt – (es beginnt dort tatsächlich ein naturbelassener Föhrenbestand in blockigem Gelände) wird es bis weit nach die Ochsenalm flacher und man erahnt die Dimension dieser mächtigen Talstufe. Bis die Steigung auf die zweite Talstufe zur Regensburgerhütte wieder ansteigt zieht sich über mehr als 1,5km der Almweg durch das Tal. Auf dieser Strecke beträgt der Höhenunterschied gerade 250Hm.

bei der Ochsenalm, direkt über dem Stallgebäude ein kleiner weißer Schneefleck zu erkennen; das ist das Joch des Schrimmennieder als Übergang zur Franz-Senn-Hütte

bei der Ochsenalm, direkt über dem Stallgebäude ein kleiner weißer Schneefleck zu erkennen; das ist das Joch des Schrimmennieder als Übergang zur Franz-Senn-Hütte

Mehrmals quert der Steig durch den Wald die Schotterstraße zur Ochsenalm (auch Falbesoner Alm) und auf 1.780m bindet der Steig in diese ein. Sie wäre eine Alternative für jenen, der gern so weit als möglich mit dem Mountainbike aufsteigt. Allerdings beginnt der Aufstieg dann 1.2km weiter talauswärts bei der Brücke über die Stubaital-Landesstraße und man muß den Parkplatz zunächst in die Gegenrichtung verlassen.

Ochsenalm mit Neuer Regensburgerhütte

Ochsenalm mit Neuer Regensburgerhütte

Die malerische kleine Ochsenalm wird mittig durchquert – man kann rechts vom Bach bleiben – bevor Blockgelände beginnt und die Steigung allmählich, der nächsten Stufe entgegen, anzieht. Rund 200m nach den Gebäuden der Ochsenalm befindet sich ein wichtiger Übergang ins Oberbergtal zur Franz Senn Hütte, ein Joch Schrimmennieder genannt auf  2.706m. Man kann ihn auf dem Foto dort erkennen wo sich die weißen Schneeflecken befinden. Den selben Übergang erreicht man auch noch über einen Steig, der von der Neuen Regensburgerhütte aus ostwärts auf das Joch angelegt wurde.

mitten in den Almwiesen

mitten in den Almwiesen

Über den Steig unterhalb von Schrofen an der Nordseite des Hanges zur Neuen Regensburgerhütte erreicht man diese in rund 2 Stunden vom Parkplatz, Simon und ich haben 1 ¾ Stunden benötigt und wurden von einem noch schnelleren Kollegen überholt, der uns dann später am Rückweg in der Regensburgerhütte bekocht hat.

zweite Talstufe auf die Neue Regensburgerhütte

zweite Talstufe auf die Neue Regensburgerhütte

Nach der Hütte zieht sich der Steig weiter in nördlicher und später in nordwestlicher Richtung links vom sog. Jedlasgrübl hinauf, um oben einen unverkennbar typisch glazial aufgeschobenen Rücken zu überwinden, bevor der ehemalige Jedlasgrüblferner beginnt.

Neue Regensburgerhütte, 2.286m, dahinter der mächtige Habicht

Neue Regensburgerhütte, 2.286m, dahinter der mächtige Habicht

Eine für das Stubai recht ungewöhnliche Flurbezeichnung „Jedlas…“, was mag diese Schöpfung für einen Ursprung haben, dachte ich beim Aufstieg zum Wegweiser, bei dem man zur Linken, also westlich, das leichte schön geformte Plattenspitzl erreiche, in der Bezeichnung exakt die Vordere Plattenspitze.

am Weg zum Jedlasgrüblferner

am Weg zum Jedlasgrüblferner

Diese habe ich vor fünf Jahren bereits schon einmal wegen dichten Nebels als Alternative zur Östlichen Knotenspitze mit Manuel bestiegen. Das Gipfelplateau ziert ein Stahlkreuz.

 

am Rücken mit dem Wegweiser; rechts von der Rinne der Aufstieg zur Östlichen Knotenspitze

am Rücken mit dem Wegweiser; rechts von der Rinne der Aufstieg zur Östlichen Knotenspitze

Wir verließen den Normalweg und nahmen nach dem Wegweiser den direkten Weg zur Einschartung zwischen der Vorderen Plattenspitze und der Falbesoner Knotenspitze, in der AV-Karte der Punkt 2.916m nordwestlich der kümmerlichen Restes des Jedlasgrüblferners, der nur mehr aus einem ca. 200m im Durchmesser messenden Firnfeld –mit möglicherweise dünner Eisplatte darunter – liegt und bei weitem nicht mehr bis nahe an den Grat heranreicht, wie noch in der Ausgabe der Achtziger Jahre in der AV-Karte dargestellt.

die Reste des Jedlasgrüblferners

die Reste des Jedlasgrüblferners, dahinter Punkt 2.916m

Dort beginnt eine herrliche leichte (Grat)kletterei auf die Falbesoner Knotenspitze, im oberen Teil mehr eine Südflanke als ein Grat.

Rückblick auf den Habichtkamm

Rückblick auf den Habichtkamm

Mit tollem Blick auf den dahinschwindenden Knotenferner (auch Falbesoner Ferner), auf die hintere Plattenspitze, die Alpeiner Knotenspitze und die Nördliche Kräulspitze steigen wir in festem Blockwerk auf und passieren sogar eine Stelle mit jüngst erfolgtem Felssturz, zwischen den Blöcken noch von Erde durchzogen.

am Grat bei Pkt. 2.915m angekommen, dahinter die Vordere Plattenspitze; kann man noch mitnehmen in der Runde über die Knotenspitzen

am Grat bei Pkt. 2.916m angekommen, dahinter die Vordere Plattenspitze; kann man noch mitnehmen in der Runde über die Knotenspitzen

Der Aufstieg beinhaltet auch kurze, teilweise fast senkrechte anmutende Partieen, jedoch finden sich beste Griff- und Trittverhältnisse sowie Umgehungsmöglickeiten an vielen Stellen, sodaß sich für schwierigkeitsgradorientierte Bergsteiger eine Bewertung auf den unteren zweiten Grad ableiten läßt.

Aufstieg auf den Falbesoner Knotenspitze am Grat

Aufstieg auf den Falbesoner Knotenspitze am Grat

Der erfreuende und leichte Aufstieg erfolgt auf logischer Route in wenig ausgebildeten, aber gut erkennbaren Verschneidungen, ohne jegliche Markierung.

Aufstieg am Südgrat zur Falbesoner Knotenspitze

Aufstieg am Südgrat zur Falbesoner Knotenspitze

Nach den 200m im dicht bewachsenen Blockwerk findet man sich auf einem relativ ausgeprägten Gipfelplateau und den Steinmann als Gipfelkreuzersatz erblickt man in der nordwestlichen Ecke dieses.

Gipfelaufbau der Falbesoner Knotenspitze

Gipfelaufbau der Falbesoner Knotenspitze

Ein herrlicher Blick auf die in der Höhe weiter ansteigenden Gipfel westlich in dieser Kette und ein ebensolcher auf die in der Höhe abnehmenden Gipfel östlich, sowie der Grat, den wir in der Folge beschreiten werden, bildet den Lohn für die Ersteigung der kaum begangenen Falbesoner Knotenspitze. Wir haben für den gesamten Aufstieg von gut 1.900Hm bis hierher 3 ½ Stunden benötigt.

Gipfel im westliche Teil des Kammes; von Alpeiner Knotenspitze bis Östliche Seespitze

Gipfel im westliche Teil des Kammes; von Alpeiner Knotenspitze bis Östliche Seespitze

Fast westlich gelegen ein phantastischer Blick auf die südlichen Kühtaier Berge und südöstlich bis südwestlich gelegen die wohlbekannten Riesen des Hauptkammes von den Feuersteinen bis zum Zuckerhütl. Aber auch bis tief ins Karwendel konnte man an diesem klaren Tag blicken.

die südlichen Kühtaier Berge

die südlichen Kühtaier Berge

Die kurze Gipfelrast wurde auch zur Einsicht auf den nun folgenden Grat zur Kreuz- und Östlichen Knotenspitze genützt, wobei dieser nicht sehr einsichtig ist, da er sich vorwiegend auf gleicher Höhe dahinzieht.

der Hauptkamm der Stubaier

der Hauptkamm der Stubaier

Zunächst geht es in eine Einschartung ca. 50Hm hinab, die Passage ist leicht, jedoch mit viel plattigem Bruch durchzogen. Ein folgendes Spitzl wird am Grat überschritten, um wieder ein eine tiefere Einschartung zu gelangen. Diese ist der tiefste Punkt in der Überschreitung und ein Abstieg in der Schuttreise zum Jedlasgrüblferner wäre hier möglich.

Gratüberschreitung zur Östlichen Knotenspitze links vom Grat hinten

Gratüberschreitung zur Östlichen Knotenspitze hinten links vom Grat

Anschließend folgt ein längerer Aufstieg auf einen Doppelkopf der wiederum gefolgt ist von einem tieferen Abstieg in eine Einschartung, von der es wieder einen Aufstieg über geschätzt 30-40Hm gibt.

erster Abstieg in eine Einschartung; Blick auf Gratverlauf erster Teil

erster Abstieg in eine Einschartung; Blick auf Gratverlauf erster Teil

Hierdrin ist auch die ausgesetzteste Stelle mit einer markanten Plattenformation, die aus dem plattigen Grat aufsteigt, im Nichts endet und deren einzige Möglichkeit der Überwindung in der direkten Überschreitung liegt.

hinter Simon die Platten als schwierigster Teil am Grat

hinter Simon die Platten als schwierigster Teil am Grat

Die Schneide ist gut griffig und bietet jede Menge Reibungstritte, sodaß die Schwierigkeit in Grenzen bleibt und sich nicht anders gestaltet als im Aufstieg zur Falbesoner Knotenspitze. Jedoch muß man mit der ausgesetzten Lage zurechtkommen.

weiterer Gratverlauf ohne sehr ausgesetzte Partien

weiterer Gratverlauf ohne sehr ausgesetzte Partien

 

Nördlich glatte Platten hinab zum östlichen Teil des Knotenspitzferners, südlich Schrofengelände fast senkrecht zum Jedlasgrüblferner hinab. Wer dies mit Gleichmut erträgt, der erlebt eine phantastisch luftige Passage. Knapp dahinter, nach ein paar Meter Abstieg auf dem Gratspitz folgt wieder leichtes Gehgelände.

kleine schärfere Gratpartieen ohne Schwierigkeiten und nur stellenweise leicht brüchig

kleine schärfere Gratpartieen ohne Schwierigkeiten und nur stellenweise leicht brüchig

Die folgenden Gratpassagen vollziehen sich durchwegs in leichtem Gelände und zusehends, je näher man zur Scharte mit der Kreuzspitze kommt, weicht man südseitig auf Rasenbänder aus um die Gratköpfchen zu umgehen.

südseitige Umgehungen der Gratspitzen

südseitige Umgehungen der Gratspitzen

Abschließend, kurz vor der Scharte folgt noch ein Gustostück am Grat mit schmaler Passage in aufrechter Haltung, jedoch mit genügend Möglichkeit im Notfall rechts auf abschüssige Plattenfläche auszuweichen, falls man mit dem Gleichgewicht nicht zurecht käme.

letzte schärfere Gratstelle vor der Einschartung zur Kreuzspitze

letzte schärfere Gratstelle vor der Einschartung zur Kreuzspitze

In der Scharte finden sich Gneis- und Glimmerschieferbrocken mit relativ gut ausgeprägten Granateinschlüssen, die aber weit hinter Qualität und Reinheit der Ötztaler Granaten liegen. Unglaublich aber trotzdem, daß sich solch schöne Formen erst bei Temperaturen von 500 bis 700°C und Gebirgsdrücken von mehreren Tausend bar entwickeln.

Granateinschlüsse im Glimmerschiefer und Gneis

Granateinschlüsse im Glimmerschiefer und Gneis

Der letze Aufstieg zur Kreuzspitze ist einfach, er erfolgt auf breitem Rücken und man erreicht recht nahe unter dem Gipfelkreuz den Normalweg, der über die sehr steile Südflanke heraufzieht.

Rückblick auf die Überschreitung von der Falbesoner zur Östlichen Knotenspitze

Rückblick auf die Überschreitung von der Falbesoner zur Östlichen Knotenspitze

Das Gipfelkreuz der Kreuzspitze, 3.082m soll nicht darüber hinwegtäuschen, daß es nicht jenes der Östlichen Knotenspitze ist. Die Östliche Knotenspitze erblickt man nordöstlich vom Gipfelkreuz und erreicht sie in 10 bis 15min über eine kleine Einschartung.

auf der Kreuzspitze, 3083m südlich der Östlichen Knotenspitze

auf der Kreuzspitze, 3083m südlich der Östlichen Knotenspitze

Wir haben für die schöne Gratüberschreitung recht genau 40min benötigt und legten am Gipfel der Kreuzspitze nochmals eine Pause ein. Das Gipfelbuch der Östlichen Knotenspitze befindet sich in der gleichen Schachtel auf der Kreuzspitze und so kann man sich doppelt verewigen, wenn man den Katzensprung hinüber zur Östlichen Knotenspitze unternimmt. Den Rucksack, oder zumindest die Kamera sollte man mitnehmen, sonst gibt es kein Foto von drüben…

Östliche Knotenspitze, 3.100m und Gratverlauf bis zur Brennerspitze

Östliche Knotenspitze, 3.100m und Gratverlauf bis zur Brennerspitze

Der Abstieg am Normalweg erfolgt in sehr steilem Gelände über einen breiten Steig mit Seilsicherung an den absturzgefährdetsten Stellen. Für den Abstieg sind die Sicherungen recht hilfreich, wenngleich der Steig auch ohne diese sicher wäre.

Tiefblick von der Kreuzspitze zur Regensburgerhütte

Tiefblick von der Kreuzspitze zur Regensburgerhütte

Am Gipfel und am Abstieg zur Regensburgerhütte wurden wir der schnellen Zugrichtung des angekündigten Tiefdruckgebietes gewahr, denn in der Zeit vom Erreichen des Gipfels der Falbesoner Knotenspitze bis zum Abstieg kam uns die Front, die den gesamten Westen überspannte, geschätzte 20km näher.

Grat von der Falbesoner zur Östlichen Knotenspitze

Grat von der Falbesoner zur Östlichen Knotenspitze

Da wir trocken bleiben wollten legten wir im Abstieg vom Jedlasgrüblferners aus einen Zahn zu und erreichten um 14 Uhr die Regensburgerhütte.

Abstieg am Normalweg von der Östlichen Knotenspitze

Abstieg am Normalweg von der Östlichen Knotenspitze

Diese ist seit ein paar Wochen unter neuer Führung und als Tipp empfehlen wir in jedem Fall dort nicht nur das verdiente Bier einzunehmen, sondern auch das kulinarische Angebot zu nutzen. Der eilig aufsteigende Koch nutzt seine Zeit gut bis die Bergsteiger mit Hunger am Nachmittag eintreffen. In unserem Fall reichte eine – selbst für den hungrigen Bergsteiger mehr als großzügig bemessene Portion Suppe – zum vollständigen Stillen des Hungers nach 5 ½ Stunden Gehzeit ohne große Pausen.

herzhaftes Bergsteigeressen auf der Regensburderhütte macht Laune

herzhaftes Bergsteigeressen auf der Regensburgerhütte macht Laune

Der restliche Abstieg bis zum Waldcafe bedarf keiner weiteren Beschreibung, für die immerhin noch knapp 1.100m benötigten wir fast 1 ½ Stunden, sodaß wir kurz vor 16 Uhr am Parkplatz zurückkehrten.

Wilder Pfaff, Zuckerhütl und im Vordergrund die Nockwand am Ende des Falbesoner Tales

Wilder Pfaff, Zuckerhütl, Aperer Pfaff und im Vordergrund die Nockwand am Ende des Falbesoner Tales

Für die gesamte Tour – mit Gratüberschreitung dürften es 2.100m gewesen sein und 15km- benötigten wir laut der Vector Uhr 7:07. Man rechne für das Gesamtunternehmen als Normalzeit aber knapp zwei Stunden mehr, weil der Aufstieg zur Östlichen (im Führer auch zur Falbesoner) Knotenspitze allein mit fünf Stunden beschrieben ist, die Überschreitung mit einer und der Abstieg mit drei Stunden.

Mils, 20.08.2016

 

 

Kaltwasserkarspitze, 2.733m – über Südgrat

Mit kühn aufragendem Gipfelaufbau ist die Kaltwasserkarspitze eine der markantesten und schönsten Gipfelformen in der Karwendelhauptkette sowie der vierthöchste Berg im Karwendel.

Gipfelaufbau der Kaltwasserkarspitze

Gipfelaufbau der Kaltwasserkarspitze

Der Südgrat, auch Heissenkopfgrat, über den Großen Heissenkopf, die Sägezähne, die sich auf kurzem Teil fast zur Schneide verjüngen, und der ca. 70m hohe Gipfelaufbau bestehen aus hellem, gebanktem oberen Wettersteinkalk. Dieser Bankigkeit verdankt man auch den relativ leichten Übergang auf einem mittelbreiten Felsband unterhalb des Grates vom ersten Gratausläufer vom Gipfel aus gesehen, im Aufstieg gesehen eben der letzte zu meisternde vor dem Gipfelaufbau.

Aufstieg auf den die höchste Erhebung der Sägezähne

Aufstieg auf den die höchste Erhebung der Sägezähne

Die Tour über den Südgrat und Großen Heissenkopf ist zweifellos die wesentlich schönere als jene über das östliche Birkkar und das Hochjöchl. Dessen gewahr wird man im Abstieg zu selbigem.

Das noch schlafende Halltal vom Lafatscher Joch aus geserhen

Das noch schlafende Halltal vom Lafatscher Joch aus gesehen

Der Start der Tour war für mich der Parkplatz beim Hackl am Eingang ins Halltal. Um 4:40 Uhr verließ ich zuerst im Schein der Lampe, dann im Dunkeln, eiligen Schrittes die schlafenden Dörfer des Inntales, dem Lafatscher Joch entgegen und weiter zum Jagdhaus im Kasten, um dort Simon zu treffen, der in gut einer Stunde mit dem Radl von Scharnitz unterwegs sein würde.

Olperer vom Lafatscher Joch aus in der Morgensonne um 6:45 Uhr

Olperer und Schrammacher vom Lafatscher Joch aus in der Morgensonne um 6:45 Uhr

Im Grübeln beim Aufstieg kam mir der Gedanke, daß es bei einer so langen Tour falsch ist, den Treffpunkt mit normaler Marschzeit zu kalkulieren, denn der Löwenanteil an Aufstiegsmetern lag ja nach dem Treffpunkt noch vor uns und die Wetterlage versprach einen zermürbend heißen Tag. Aber vereinbart ist vereinbart und so mußte ich in gut drei Stunden – 7:45 bis 8 Uhr war vereinbart – im Kasten sein.

der Zunterkopfkamm

der Zunterkopfkamm

Am Joch entstand diese schöne Aufnahme der Kaltwasserkarspitze im Morgenlicht (siehe Foto oben) mit dem sehr langen Grat, der im Aufstieg – so viel sei hier schon verraten – schier nicht enden will, bevor es abwechslungsreich in leichte Kletterei auf die Sägezähne übergeht.

Kaltwasserkarspitze mit Südgrat; ganz unten (knapp über dem Repskamm) der kleine Heissenkopf, großer Heissenkopf und Sägezähne vor der Kaltwasserkarspitze

Kaltwasserkarspitze mit Südgrat; ganz links (knapp neben dem Repskamm) der Großer Heissenkopf, dann die Höchsterhebung der Sägezähne und der Grat zur Kaltwasserkarspitze

Das Joch 10min früher erreicht als kalkuliert, beschleunigte ich den Schritt ein wenig über das Normale hinaus als ich die Distanz zum markanten Gumpenkopf südlich der Kastenalm sah. Ein langer Weg von fast 7km und mir blieb eine knappe Stunde dafür, um die Vereinbarung zu halten.

Lafatscher Nordwand im Morgenlicht

Lafatscher Nordwand im Morgenlicht

Die Beleuchtung der Berge um 7 Uhr früh Mitte August ist dermaßen einmalig, daß ich jedem nur raten kann um 3:45 Uhr aufzustehen und sich auf zu machen auf das Lafatscher Joch, um dort einmalige Eindrücke von Licht und Schatten zu erleben. Nahezu jeder Riss ist zu dieser Tageszeit in der Nordwand des Großen Lafatscher sichtbar.

Weg ins Rossloch; bei der Kurve geht es schneller im Bachbett weiter

Weg ins Rossloch; bei der Kurve geht es schneller im Bachbett weiter

Um 8:10 Uhr das Ziel im Kasten erreicht – es waren genau die 10min, die ich in der Früh noch vergaukelt habe – war ich froh, daß ich nicht zu arg wortbrüchig war. Simon ist mir ca. 100Hm entgegen gegangen, um nicht untätig im Tal zu sitzen.

markanter Laubbaum bei Abzweigung zum Moserkarsteig

markanter Laubbaum bei Abzweigung zum Moserkarsteig

Der Schotterstraße links folgend (nicht rechts zum Jagdhausgelände hinein) marschierten wir ca. 5min bis eine scharfe Rechtskurve unser Missfallen weckte und wir links ins Bachbett auswichen. In diesem beobachteten wir sehr genau die beiden Ufer und fanden mit scharfem Blick die Stelle, an der die Abzweigung ins Moserkar mit einer eher breiten, schnurgeraden Latschengasse abzweigte. Am rechten Ufer (in Gehrichtung) konnte man, wegen dem Schottergeschiebe dieses Sommers, nur schwach Steigspuren erkennen, dafür aber einen markanten Baum, dessen Foto in der Bildgalerie als einprägsame Hilfe dienen möge.

nördlicher Teil der Abzweigung

nördlicher Teil der Abzweigung

Es gibt eine zweite Stelle, an der eine Abzweigung möglich ist und zwar einige Gehminuten weiter und hier ist die Bachquerung rechts gut sichtbar, dafür die linke Seite mit Schottergeschiebe gut getarnt.

Lärchenwald am Beginn des Steiges ins Moserkar; links in den Zuntern geht es auf den Kleinen Heissenkopf

Lärchenwald am Beginn des Steiges ins Moserkar; links in den Zuntern geht es auf den Kleinen Heissenkopf

Für den weniger Orientierungsbegabten sei einfach gesagt, daß das Ziel, der Aufstiegssteig ins Moserkar, am Fuße des kleinen Lärchenwaldes an der Flanke des Heissenkopfes zu finden ist. Dort beginnt der Steig, der dann nochmals eine Überraschung in sich birgt, will man nicht ins Moserkar, sondern auf leicht übersehbarem Steige auf den Kleinen Heissenkopf.

Beginn des Steiges oberer Teil

Beginn des Steiges oberer Teil

Zunächst beginnt der Steig mit dichtem Grasbewuchs, sodaß man genau schauen muß, um ihn zu erkennen. Nach ca. 20Hm findet man sich aber bereits in typischem Steigbild mit jüngst ausgeführtem Zunternausschnitt, danke hier an die Wegpfleger, ein angenehmer Aufstieg beginnt.

langes Teilstück vor markanter Abzweigstelle nach links, westlich

langes Teilstück vor markanter Abzweigstelle nach links, westlich

Durch den archaischen Lärchenwald geht es, noch gut geschützt vor der Augustsonne, einige Kehren hinauf, bis die Kehren enden und der Steig sich dann deutlich und dauerhaft ins Moserkar wendet. Nun muß aufgepaßt werden: ca. 10-20m nach einer markanten Stelle, an der der Steig über eine Rippe herumführt, befinden sich linkerhand kleine rote Markierungen auf recht kleinen Steinen im Boden. Diese stellen den Aufstieg zum Heissenkopf dar. Folgt man der Abzweigung vor der markanten Stelle im Steig, endet man ca. 50Hm oberhalb auf einem Jägersteig und erkennt bald, daß es dieser nicht sein kann. Wir profitierten von einem anderen Bergsteiger, der einige Minuten vor uns diesen falschen Steig versuchte und oben herumirrte. Die Situation ist in der AV-Karte nicht so dramatisch darstellbar wie sie wirklich ist; den Abzweig zu finden kann, wenn man im Gespräch mit Tourenpartnern ist, leicht übersehen werden und man findet sich, bis man es merkt, zu weit ins Moserkar hinein.

Abzweigung zum Steig auf den Kleine Heissenkopf; der Steig führt am Steilhang links weiter

Simon nach der Abzweigung zum Steig auf den Kleine Heissenkopf; der Steig führt am Steilhang links weiter

Nach 20Hm muß man sich wieder orientieren, da die roten Markierungen dünner werden und man am Fuß des Steilhanges nicht sofort erkennt, daß es links weitergeht. Hat man die ersten 30-40Hm gefunden sind die weiteren gut 500Hm nicht mehr zu verfehlen.

Steiggelände zum Kleinen Heissenkopf

Steiggelände zum Kleinen Heissenkopf

Der Steig ist von der Abzweigung unten nicht mehr ausgeschnitten, zumindest nicht die groben Zuntern, die weit in den Steig hereinhängen und so muß man gut die Hälfte des sehr steilen Steiges immer wieder nicht nur angestrengt in brütender Hitze aufsteigen, sondern auch noch alle möglichen Verrenkungen vollführen und der Rucksack bleibt so manches Mal richtig hängen. Ein häufiger Blick auf die Uhr zeigte mir aber doch eine durchschnittliche Steiggeschwindigkeit von rd. 500Hm/h.

Simon im Steig nach ca. 2/3 der Aufstiegshöhe

Simon im Steig nach ca. 2/3 der Aufstiegshöhe

Zwei Trinkpausen mußten es doch sein und zwei Riegel mit dem mir unangenehmen Industriezuckergeschmack ebenso. Die Länge der Tour erfordert zwingend regelmäßige Energieaufnahme und die moderne Art davon hatte ich in Form von sechs – modern genannten – Powerbars mitgenommen, neben einer mittelgroßen Tupperbox Rosinen, Nüssen und getrockneten Mangostreifen, nebst meinem Standardmahl am Berg, dreier Äpfel.

es wird Gottseidank luftiger

es wird Gottseidank luftiger, weit hinten die Rauhkarlspitze

Unbedingt empfehlenswert ist die Auffüllung des Trinkvorrates am Moserkarbach, bevor der Anstieg beginnt, denn – wie der Karwendelkenner weiß – kein Wasser abgesehen von gelegentlichem Schmelzwasser oberhalb der Almenlinie auf ca. 1.700m.

das Rossloch aus ca. 1.800m Höhe

das Rossloch aus ca. 1.800m Höhe

Während ich mich in den Latschen hinauf quälte und versuchte nicht zu schnell Kräfte zu vergeuden, lief mir der junge Simon mit seiner bestechenden Kondition regelrecht davon. Wie unter Bergsteigern üblich geht aber jeder seinen ihm angenehmen Schritt und man wartet an geeigneter Stelle wieder zusammen. Somit kommt jeder auf seine Rechnung, keiner verausgabt sich oder muß bummeln und der Schnelle hat mehr Zeit sich umzusehen und ins Schwärmen zu kommen.

am Kleinen Heissenkopf

am Kleinen Heissenkopf

Im letzten Teil des extremen Steiges nimmt der Zunternbewuchs deutlich ab, man befindet sich schon nahezu auf 2.000m in Kammnähe, und ein heiß begehrtes kühles Lüftl kühlt wieder auf angenehme Betriebstemperatur herunter.

Aufstiegsgelände zum Großen Heissenkopf

Aufstiegsgelände zum Großen Heissenkopf

Am überraschend großen, dolinendurchzogenen Plateau des Kleinen Heissenkopfes machen wir im Schatten eine Rast; ich mußte unbedingt für einige Minuten der erbarmungslosen Sonne auf den Nackenbereich entgehen. Für weniger sonnenfeste und helle Typen ist für diese Tour unbedingt ein Nackenschutz ratsam, der gesamte Aufstieg bis zum Gipfel (ca. 4 Stunden ab dem Abzweig unten beim Moserkarbach) bietet keinerlei Schutz vor der Sonne, auch nicht unten in den eher kleinwüchsigen Zuntern.

Rückblick am Kamm zum Großen Heissenkopf

Rückblick am Kamm zum Großen Heissenkopf

Nun beginnt ein äußerst langer Kamm/Gratanstieg, der mehrmals Gipfelnähe vorspiegelt und in der Nähe der gipfelartigen Erhebung den Blick auf weitere Erhebungen preisgibt. Sehr markant ist das in der Nähe des Großen Heissenkopfes und steht man auf jenem und erblickt nach allem Aufstieg die Entfernung zur Kaltwasserkarspitze, wird einem erst bewußt wie lange der Grat wirklich ist.

weiterer Aufstieg

weiterer Aufstieg

Die Beschreibung des Kammes bis zum Großen Heissenkopf (2.437m, nicht die höchste Erhebung im Grat) kann insofern schmal ausfallen, als daß dies einfach ein Rücken ist, der manchmal mehr, manchmal weniger von Bergwiesen durchzogen ist und ab und zu schuttige Partieen enthält.

am Großen Heissenkopf; nein dahinter befindet sich nicht die Kaltwasserkarspitze!

am Großen Heissenkopf; nein dahinter befindet sich nicht die Kaltwasserkarspitze!

Ab diesem geht es mit schmäler werdendem Grat weiter, zunächst leicht abwärts aber bald wieder aufsteigend mit ein paar ganz leichten Kletterstellen, bzw. solche für die man ab du zu mit den Händen hilft.

teilweise etwas schärfere Partieen am Aufsteig zu den Sägezähnen

teilweise etwas schärfere Partieen am Aufstieg zu den Sägezähnen

Die nächste Erhebung sind die Sägezähne (2.660m) und diese gut 200Hm vollziehen sich nur mehr in schuttigem Felsgelände auf wenig bis schärfer ausgeprägtem Grate mit einer Abkletterstelle in der tiefsten Einschartung zum folgenden Gratteil, die auch westseitig umgangen werden kann, aber im Abklettern leicht bewältigbar ist, wie man im Rückblick von unten aus erkennt; vorwiegend jedoch ist dieser Aufstieg leichtes Aufstiegsgelände ohne Herausforderungen.

abklettern der einzigen Scharte bis zu den Sägezähnen

ein paar Meter abklettern der einzigen Scharte bis zu den Sägezähnen

Knapp vor Erreichen des Hochpunktes der Sägezähne läßt sich erstmals die Kaltwasserkarspitze erblicken. Die Entfernung ist atemberaubend, man glaubt dabei, vom gewaltigen Eindruck getroffen und stockenden Schrittes, daß man erst die Hälfte des Grates hinter sich gelassen hat.

noch ein ordentliches Stück Aufstieg

noch ein ordentliches Stück Aufstieg

Tatsächlich aber liegt diese Erhebung recht genau bei zwei Drittel der Gesamtstrecke, und, was man noch nicht realisiert hat, man hätte brutto nur mehr 73Hm Aufstieg vor sich. Netto sind es aber sicher deutlich mehr als 100Hm, wahrscheinlich sogar 150Hm, da nun die Sägezähne beginnen.

das Ziel zum ersten Mal vor Augen und doch noch so weit entfernt

das Ziel zum ersten Mal vor Augen und doch noch so weit entfernt

Ab diesem Punkt beginnt ein äußerst schöner Gratabschnitt mit kleinen Herausforderungen am Ende und mitten drin zwei tiefere Einschartungen, die beide östlich umgangen werden. Wie so oft bei Karwendelgraten kann man bei beiden im Rückblick erkennen, das das Abklettern an der Abbruchfront gar nicht so dramatisch gewesen wäre.

der Gratverlauf zur Kaltwasserkarspitze

der Gratverlauf zur Kaltwasserkarspitze

Der Grat gibt sich nun häufig schärfer als zuvor, jedoch gibt es aufgrund der plattigen Struktur des oberen Wettersteinkalkes auch flächenhafte Teile, die mittelsteil geneigt sind und nach Osten ins Rauhkarl abfallen. Ein Freude auf diesen schuttfreien, reibungsfreudigen Flächen entlang zu marschieren.

schärfer Teil am Grat zur Kaltwasserkarspitze

schärfer Teil am Grat zur Kaltwasserkarspitze

Häufige Steinmänner – wie bisher –  begleiten den Ersteiger sogar am Grat, wo ihre Wirkung eher klein ist, aber in den Umgehungsflanken an den Abkletterstellen wichtiger sind.

Umgehung der vor uns liegenden Scharte durch abklettern rechts (östlich)

Umgehung der vor uns liegenden Scharte durch abklettern rechts (östlich)

Eine besonders schöne Einschartung befindet sich kurz vor einem langen Gratteil in festem Plattenkalk mit einem nahezu horizontalen Gratstück bis zur nächsten Einschartung folgend.

Rckblick auf Abkletterflanke

Rückblick auf Abkletterflanke

Dieses bewältigt man über die Ostflanke und mit ca. 30m Abstieg erreicht man die Scharte mit leichtem Aufstieg (anders als sie am Foto aussieht) auf der Gegenseite.

Aufstieg aus einer Scharte  zur Kaltwasserkarspitze

Aufstieg aus einer Scharte zur Kaltwasserkarspitze

Ein gewaltiger Felsklotz, einem Echsenkopf gleich,  ist die letzte Erhebung am Grat, die man rechts, ostseitig umgeht. Die Umgehung  erfolgt vom scharfen Grat ca. 20m abwärts und unten mit ca. 100m Länge in der Flanke zu einer weiteren breiten Scharte, die man links liegen läßt und daran vorbeigeht.

eine weitere Scharte folgt am Gratverlauf Kaltwasserkarspitze

eine weitere Scharte folgt am Gratverlauf Kaltwasserkarspitze

Nach der Scharte bleibt man unterhalb des Grates und erreicht, zwischen großen lose liegenden Blöcken nach einer Minute eine weitere kleinen Scharte (ca. 2-3m breit) an der man sich wegen der weiteren Ungangbarkeit der Ostflanke und des kaum kletterbaren Aufstieges auf den Grat unversehens und instinktiv auf die schattige Westseite zu queren veranlaßt sieht.

sie wird ebenfalls rechts (östlich) umgangen

sie wird ebenfalls rechts (östlich) umgangen

Die Westseite des Grates verspricht Zuversicht für den Weiterweg und mit ihren ca. 50m langen Bändern könnte sie als die Schlüsselstelle des Aufstieges bezeichnet werden. Sie stellt den Höhepunkt an leichtem Klettergenuß auf diesem Grat dar und bildet gleichzeitig den Abschluß des Grates vor dem Gipfelaufbau zur nun steil aufragenden Kaltwasserkarspitze.

zwischen Blöcken hinweg

zwischen Blöcken hinweg

Die Bänder, bzw. das Band, das man naheliegend wählt ist das mit durchschnittlich 40cm breiteste und es zieht sich – wegen einer größeren Rippe in der Hälfte nicht vollkommen einsichtbar – fast bis zum Felsstock des Gipfel hin. Bei einer kleinen Einschartung nach der Rippe wechselten wir auf ein leicht höheres Band für die letzten 20m bis zum Ende des Grates.

letzter Gratverlauf zur Kaltwasserkarspitze unterhalb auf schmalem Band mit mäßiger Schwierigkeit

letzter Gratverlauf zur Kaltwasserkarspitze unterhalb auf schmalem Band mit mäßiger Schwierigkeit

Die Felsneigung sieht auf den Fotos steiler aus als sie wirklich ist, jedoch ist eine überlegte Dreipunkttechnik beim Klettern, sowie absolute Schwindelfreiheit vonnöten, um diesen Abschnitt zu bewältigen.

Simon am Band letzter Teil

Simon am Band letzter Teil

Der Fels ist dort im Griffbereich weitgehend fest und nebst dem Band für meist vollflächige Trittauflage gibt es ausreichend Griffe, die man natürlich vor der Verwendung auf Festigkeit prüft.

die letzten paar Meter am Band

die letzten paar Meter am Band

Nachdem man den Felsstock erreicht hat erklimmt man über viel Schutt und entweder ein paar Serpentinen oder im direkten Aufstieg über ca. 30Hm wieder den Grat, der an dieser Stelle in den Felsstock der Kaltwasserkarspitze übergeht.

weiterer aufstieg, die Flanke rechts nach oben

weiterer Aufstieg, die Flanke rechts nach oben

Nun ragt die Kaltwasserkarspitze noch ca. 50Hm hoch auf und der Gipfel wird über einen schuttigen Anstieg zu einem kurzen Riss erklommen.

Gipfelaufbau der Kaltwasserkarspitze

Gipfelaufbau der Kaltwasserkarspitze

Nach dem Riss und einem weiteren Riss im Übergang steht man bereits am schräg gerichteten, zerklüfteten Gipfelplatteau der Kaltwasserkarspitze, die wir knapp nach 12 Uhr erreichten.

Rückblick vom Gipfel der Kaltwasserkarspitze auf den Südgrat (Heissenkopfgrat)

Rückblick vom Gipfel der Kaltwasserkarspitze auf den Südgrat (Heissenkopfgrat)

Leider ist das Gipfelkreuz vom mühevoll gebauten, horizontalen Sockelchen abgerissen und ein paar verbogene M16 Edelstahlanker bilden den traurigen Rest vom einstigen Glanz des Kreuzes auf diesem edlen Gipfel. Ein längs zerbrochenes Holzstück im Steinmann, in dem auch das leider sehr mitgenommene Gipfelbuch verstaut ist, ziert nun den Gipfel.

Simon und der Verfasser auf der Kaltwasserkarspitze

Simon und der Verfasser auf der Kaltwasserkarspitze

Die Kaltwasserkarspitze ist aufgrund ihrer entbehrungsreichen Zustiege kein häufig begangener Gipfel und trotzdem zählten wir Mitte August 2016 an die 25 Personen in diesem Jahr, die ersten beiden bereits Ende Mai und nochmals Anfang Juni, wahrscheinlich Figlfreaks.

das ehemaliger Gipfelkreuz der Kaltwasserkarspitze

das ehemaliger Gipfelkreuz der Kaltwasserkarspitze

Lohn für die Mühe des Aufstieges ist ein – rein mit Fotos – unbeschreibbarer Ausblick in alle Richtungen. Am Sonntag des 14. August herrschte eine derart geringe Luftfeuchtigkeit, daß die Fernsicht gewaltig war. Im Osten konnte man Großglockner (wie man von mir in anderem Bericht weiß beträgt dessen Luftlinienentfernung zum Großen Bettelwurf nur 97km) und Großvenediger deutlich und scharf erkennen. Im Südosten bis Süden die Gletscher der Zillertaler mit hervorstechendem Markpunkt des Olperers und im Südwesten die Stubaier Gletscher und weit entfernt die Giganten im Ötztal bis nach Westen über die Spitzen im Arlberggebiet bis zur Zugspitze. Alle Gletscher trugen weitreichende Wolkenanhäufungen über den Gletscherflächen, ein Zeichen der unaufhaltsamen, enormen Verdunstung und dem traurigen Rückzug der Eisflächen.

die Bettelwürfe, der große davon fünfthöchster Gipfel im Karwendel (zählt man die Ödkarspitzen als zwei Einzelgipfel)

die Bettelwürfe hinter dem Rosslochkamm, der große davon fünfthöchster Gipfel im Karwendel (zählt man die Ödkarspitzen als zwei Einzelgipfel)

Auf den selben 180 Grad des Ausblickes hat man aber auch in nächster Nähe die gewaltigen Gipfel und Grate der Hinterautal-Vomper-Kette, der Karwendelhauptkette. Im nächsten Osten beginnend ein weiteres lohnendes Ziel aus dem Kasten, die beiden Sonnenspitzen, noch etwas anspruchsvoller als die Kaltwasserkarspitze mit einem haarigen Abstiegsgrat hinab ins Moserkar, weiter im Osten die Lalidererspitze mit ihren berühmten Nordwänden, die bis vor gut hundert Jahren als letztes „Problem“ im Karwendel durchstiegen wurden, sie sind die längste geschlossene Wandflucht der Nördlichen Kalkalpen. Als letzter markant sichtbarer Gipfel begrenzt die Dreizinkenspitze den Hinterautalteil der Karwendelhauptkette.

Blick auf die östlichen Gipfel der Karwendelhauptkette

Blick auf die östlichen Gipfel der Karwendelhauptkette

Nochmals so weit wie die Dreizinkenspitze kann man weit im Osten die Lamsenspitze mit links daneben das Lamsenjoch erkennen, etwas südöstlich davon bei guter Orientierungsgabe den Hochnissl, fast von der Dreizinkenspitze verdeckt. Etwas rechts der Hochglück und hinter dem Grat der beiden Sonnenspitzen kann man gerade noch die Rosslochspitze erkennen.
Im Südosten dann Hochkanzel, Brantlspitze und Gamskarspitze sowie die Hallerangerspitzen mit auslaufendem Repsgrat.

Blick auf Rossloch Repskamm und die Gipfel des östlichen Teiles der Gleirsch-Halltal-Kette

Blick auf Rossloch Repskamm und die Gipfel des östlichen Teiles der Gleirsch-Halltal-Kette

Fast schon im Süden das Lafatscher Joch – mein Heimweg – mit anschließend exakt südlich die beiden Lafatscher und die Gipfel des Westteiles der Gleirschtal-Halltal-Kette mit dem unverkennbaren Turm der Kaskarspitze sowie zu deren Rechten die beiden gleichgestaltigen Schwestern der Praxmarerkarspitzen ruhen. Weiter östlich findet man die Jägerkarscharte, neben dem Lafatscher Joch der einzige Süd/Nord Übergang vom Gleirschtal in das Hinterautal.
Den Abschluß im Südosten bilden die mächtigen Jägerkarspitzen und der wild gezackte Rigelkargrat der am Hohen Gleirsch übergeht bevor dieser mit einem langen Kamm hinunter nach Scharnitz die Kette beendet.

Blick auf die Gipfel des westlichen Teiles der Gleirsch-Halltal-Kette

Blick auf die Gipfel des westlichen Teiles der Gleirsch-Halltal-Kette

Im Uhrzeigersinn weiter erkennt man hinter dem zuvorderst gelegenen südlichsten der Birkköpfe den unteren Spitzhüttenkopf, direkt vor der weit entfernten Hohen Munde.
Das östliche Ende des Spitzhüttengrates trägt die Große Seekarspitze im Osten. Dieser nordwärts folgend finden sich Pleisenspitze, Breitgreißkarspitze und von jener fast verdeckt die Larchetkarspitze. Abschließend, nach der Kleinen Seekarspitze die Große Riedelkarspitze, die Marxenkarspitze im Vordergrund und weiter hinten die Bockkarlspitze.

Blick auf die westlichen Gipfel des Karwendelhauptkammes

Blick auf die westlichen Gipfel des Karwendelhauptkammes

Die zweithöchsten Gipfel im Karwendel, die Westliche und Östliche Ödkarspitze mit der Krönung uns gegenüber, dem höchsten Gipfel des Karwendels, die Birkkarspitze bilden den Abschluß nach Nordwesten.

Birkkarspitze in voller Größe

Birkkarspitze in voller Größe

Im Norden ein schöner Blick auf die Östliche Karwendelspitze, die Grabenkarspitze, den Lackenkar- und den Kuhkopf ziemlich exakt im Norden und im Nordosten das weite Johannestal mit den Falkengipfeln.

Blick ins Johannestal

Blick ins Johannestal

Um 12:45 verließen wir den schönen Gipfel der Kaltwasserkarspitze, um den Abstieg in Richtung Hochjöchl anzutreten. Hierzu steigt man wieder bis zum Beginn des Südgrates ab und vor dem Grat mit dem langen Band steigt man über viel Schutt mit Querbändern durchzogen zunächst steil in das östliche Birkkar ab. Steinmänner weisen den Weg, es ist jedoch auch ohne sie klar, wie die Route begangen werden muß. Weiter unten in der bereits flacheren Flanke ist der Steig zum anschließenden Sattel wieder deutlich ausgeprägt.

Abstiegsgelände zum Hochjöchl vom Ansatz des Südgrates aus gesehen

Abstiegsgelände zum Hochjöchl vom Ansatz des Südgrates aus gesehen

Der Abstieg in der Flanke stellt kein Problem dar, Nachfolgende können jedoch Steinschlag auslösen, daher ist es ratsam dicht beieinander zu bleiben.

Abstiegsgelände oberer Teil

Abstiegsgelände oberer Teil

Nach dem Sattel, auf der Gegenseite gibt es einen kleinen Gegenanstieg und man glaubt sich danach im westlichen Birkkar. Das ist weit gefehlt, denn hinter der lieblichen Kuppe beginnt ein sehr brüchiger, schuttiger Gratteil mit weiteren kleinen Kuppen und orangebraunem Störzonenmaterial , nicht sehr sympathisch im Abstieg.

weiterer Abstieg zum Sattel

weiterer Abstieg zum Sattel

Allerdings muß diese Partie im Aufstieg mindestens ebenso unfein sein und wir waren uns einig diesen Aufstieg besser nicht gewählt zu haben.

steile Abstieg mit viel Schutt und Störzonenmaterial

steile Abstieg mit viel Schutt und Störzonenmaterial

Die Strecke bis zum Hochjöchl ist auch gar nicht so kurz, wie sie von oben scheint. Zuletzt muß man über eine zwar feste, griff- und trittreiche aber steile Platte in den oberen Teil der Schuttreisen absteigen bei der Vorsicht geboten ist.

letzte steile Stufe in fester glatter Wand

letzte steile Stufe in fester glatter Wand

Die Reisen kann man oben teilweise gut abfahren, im unteren Teil werden sie allerdings blockig, sodaß man sie nur mehr gehen kann. In unserem Fall lag im Kar noch ein mächtiges Schneefeld, das zur Verbesserung der Wanderung im Blockwerk genutzt wurde.

Scheefeldd unterhalb der blockig werdenden Schotterreise

Scheefeldd unterhalb der blockig werdenden Schotterreise

Von unten hinaufgeblickt (Foto in Galerie) könnte man annehmen, daß der Umweg über das Hochjöchl nicht nötig sei, denn das Nebenkar direkt in Falllinie vom langen Sattel herunter sieht auch gangbar aus. Die Erkundung folgt vielleicht das nächste Mal.

Rückblick auf den beschwerlichen Aufstieg zum Hochjöchl

Rückblick auf den beschwerlichen Aufstieg zum Hochjöchl; rechts kommt man von Sattel

Nach einer weiteren Steilstufe im Gelände des Kares trifft man auf einen tiefen Bacheinschnitt im Tal, der von oben gesehen rechts zu nehmen ist. Auf Steigspuren geht es dann auf rd. 1.850m bis zur Einmündung zum Weg auf die Birkkarspitze.

das östliche Birkkar, man hält sich talauswärts rechts

das östliche Birkkar, man hält sich talauswärts rechts

Es folgen dann rd. 600Hm und ein langer Marsch abwärts und viel horizontale Strecke bis man aus dem Tal hinauskommt. Zuletzt im Wald ohne gleißende Sonne erreicht man den Schwemmkegel des Birkkarbaches im Hinterautal, kurz vor dem Kasten wieder.

von "die Ständ" aus talauswärts ins vordere Brikkar geschaut

von “die Ständ” aus talauswärts ins vordere Brikkar geschaut

Für die Tour ab dem Kasten bis zu Simons Radldepot zurück benötigten wir knapp 7 ½ Stunden incl. 40min Gipfelaufenthalt als wir um 15:30 Uhr dort ankamen. Für Simon war nun ein langer Ritt talauswärts angesagt und auf mich warteten noch knapp 900hm über das Lafatscher Joch zurück.

wunderbar geformte Katarakte im Birkkarbach kurz vor der Klamm

wunderbar geformte Katarakte im Birkkarbach kurz vor der Klamm

Zum guten Glück nahm ich die Vorbereitung ernst und zwang mich oft genug immer wieder kleine Portionen und die Riegel zu essen, daher machten mir die folgenden 350Hm bis zum Lafatscher Niederleger keine Probleme. Nun waren 3.000Hm Aufstieg und mein persönlicher Rekord mehr als geknackt.

an Simons Radladepot vor der Straße ins Rossloch

an Simons Radladepot vor der Straße ins Rossloch

Nach dieser Strecke gibt es eine kleine Erholungsphase von 2km bis auf die Hallerangeralm, bevor der abschließende Anstieg auf das Lafatscher Joch beginnt. Zwecks Zuführung von Mineralstoffen nahm ich zur denkbar schlechtesten Tageszeit um rund halb sechs, wo die Lager eingeteilt werden und Essenszeit ist, auf der Alm mein Standardmenü ein. Ein Bier und zwei Speckknödel sagte ich mir wären schon verdient.

das Ziel, die Kaltwasserkarspitze in der Abendsonne; am Südgrat ganz links (knapp oberhalb dem Repskamm) der Kleine Heissenkopf, Großer Heissenkopf mittig und Sägezähnegrat oberhalb zur Kaltwasserkarspitze; eine gewaltige Tour

das Ziel, die Kaltwasserkarspitze in der Abendsonne; am Südgrat ganz links (knapp oberhalb dem Repskamm) der Kleine Heissenkopf, Großer Heissenkopf mittig und Sägezähnegrat oberhalb zur Kaltwasserkarspitze; eine gewaltige Tour

Eine gute halbe Stunde später wurde die Schlußetappe in Angriff genommen und knapp vor 18:30 Uhr erreichte ich, zu meiner Überraschung keineswegs weitgehend verbraucht, das Lafatscher Joch mit schöner Abendstimmung.

Abendstimmung im vorderen...

Abendstimmung im vorderen…

Die folgenden 8km Abstieg über eine Abkürzungsreise und im schnellen Schritt bis zum Parkplatz beim Hackl verursachten mir noch eine kleine Blase am rechten Sohlenballen und damit war die Tour war um 19:35 beendet.

...und hinteren Halltal

…und hinteren Halltal

Gesamt habe ich knapp 16 Stunden für die rund 38km und 3.675Hm benötigt.

Aufstiegsberechnung

14-08-2016 KWK vom Halltal

Die Tour vom Kasten aus beträgt 1.513Hm und 12km, der Aufstieg nach Führerangabe 4 Stunden, für den Abstieg gibt es keine Angabe, man kann sie mit 2 ½ Stunden annehmen.

Mils, 15.08.2016

 

Neunerkogel 2.642m, Pockkogel, 2.807m und Gaißkogel, 2.820m – Überschreitung

Die Runde über diese drei mittelhohen Gipfel führt teils in leichtem Kammgelände, teils in schöner, leichter Gratkletterei über das Hochtal, die diese drei letzten Gipfel des gewaltigen Kammes der südwestlichen Sellrainer Berge um den oberen Plenderlesee bilden.

Panorama Gaiskogel-Neunerkogel

Nahezu als Tagestour steigt man von Kühtai auf, über den Steig zum Finstertaler Stausee, als Halbtagestour starteten Simon und ich von der Bergstation der Drei-Seen-Bahn und mußten zuerst neben einer Haflingerfamilie mit Fohlen rund 100Hm absteigen, um den nordwestlichen Ausläuferkamm des Neunerkogels herum, bis wir den Stausee erreichten.

oberer Plenderlesseee mit Neunerkogel

oberer Plenderlesseee mit Neunerkogel

Von dort geht es dann über den Steig in leichtem Gelände bis zum Gipfel des Neunerkogels weiter. Der Aufstieg von der Bergstation bis zum Gipfel des Neunerkogel dauerte für uns in gemütlichem Tempo genau eine Stunde. Da die morgige Tour auf die Kaltwasserkarspitze im Karwendel eine konditionelle Herausforderung sein würde, war Gemütlichkeit auf dieser kurzen Grattour über die drei schönen Gipfel im Kühtai angesagt.

hier geht es vom Weg auf den Steig über

hier geht es vom Weg auf den Steig über

Die Aussicht vom 2.642m hohen Neunerkogel ist der kurze Aufstieg wirklich wert, er steht mitten im Geschehen zwischen dem Kühtai und den südlich gelegenen Giganten des Stubai.

Neunerkogel, 2.642m

Neunerkogel, 2.642m

Weiter ging es zuerst mit einem ca. 50Hm tiefen Abstieg in den Sattel zwischen Neunerkogel und dem südöstlich anschließenden Pockkogel. Hier befindet man sich knapp unter 2.600m und hat dann gut 200Hm zum Gipfel des Pockkogel, der auf 2.807m liegt.

ein erster steilerer Aufschwung vor uns

ein erster steilerer Aufschwung vor uns

Der Aufstieg vom Tiefpunkt ist der schwierigste Abschnitt der gesamten Runde. Ein Teilstück davon bildet einen schärferen Grat, als er auf der restliche Strecke anzutreffen ist.

ein schönes Stück Grat hinter uns

ein schönes Stück Grat hinter uns

Wir sind im unteren Teil nach links, in die nordöstliche Flanke auf die Seite zum Oberplenderletal hin ausgewichen und kurz vor dem Steilaufschwung, ca. auf 2.680m, den man ohne technische Hilfsmittel kaum erklettern kann, nach Südwesten, über den Grat hinweg in eine Verschneidung, deren Aufstieg – wieder zu Grat hinauf – über ein breites jedoch steiles und schuttiges Band führt.

der Aufschwung mit der Schlüsselstelle vor uns

der Aufschwung mit der Schlüsselstelle vor uns

In diesem Band findet man bei Nässe wenig Halt mit den Schuhen am wenig griffigen Fels und diese Stelle stellt bei Nässe sicher eine nicht einfache Stelle dar. Da die Ausrichtung des Grates im Gesamten am Vormittag genau im Schatten liegt muß man damit rechnen, daß es dort sehr rutschig ist. Nach dem Wetter dieser Wochen trafen wir genau auf solche Bedingungen und die Stelle – keine Herausforderung im Normalfall – war nicht einfach zu meistern.

nach der Schlüsselstelle

nach der Schlüsselstelle

Von 2.700m bis zum Gipfel des Pockkogels zieht sich dann der wenig ausgeprägte Grat hinauf, man steigt ohne weitere Schwierigkeiten vorwiegend in Bergwiesen und oben in Blockwerk zum kleinen Gipfelplatteau auf.

Pockkogel, 2.807m

Pockkogel, 2.807m

Der Pockkogel, 2.807m ist zu Ehren des Gründers der Wilden Bande, Julius Pock benannt worden. Er, in der Wilden Bande „Spitz“ benannt, war im ausgehenden 19. Jahrhundert auch der hauptsächliche Erschließer dieser Region am Ende des Sellraintales, das Kühtai im heutigen Sinne mit Straßen und Infrastruktur gab es um 1876, als er mit seinen Gefährten Carl Wechner und Bernhard Tützscher die Erstbesteigung durchführte, noch nicht.

weiterer Gratverlauf zur Gaißkarscharte

weiterer Gratverlauf zur Gaißkarscharte

Vom höheren Pockkogel aus gewinnt die Fernsicht in das Tiefste der Stubaier Dreitausender noch einmal an Schönheit und von der Hohen Villerspitze, über Lisenser Fernerkogel bis zum Acherkogel.

Gipfelaufbau Pockkogel von Südosten

Gipfelaufbau Pockkogel von Südosten

Über Täler hinweg konnte man heute mit wenig Bewölkung, jedoch Thermiknebel um die Gletscher den Hinteren Brunnenkogel und den Breitgrießkogel erahnen.

herrliche Formen

herrliche Formen

Der Gratverlauf vom Pockkogel hinunter in die nächste Scharte ist mit einem Klettersteig ab dem Oberplenderle durchzogen. Wir nutzten die Abstiegshilfe nur teilweise, im südwestlichen Teil ist sie in einer fast senkrechten Verschneidung sehr hilfreich im Abstieg.

einzig ernstes Stück am Abstieg vom Pockkogel

einzig ernstes Stück am Abstieg vom Pockkogel

Das Ötztal-Stubai-Kristallin mit den verschiedenen Gneisen, meist blockig und gut geklüftet, eignet sich hervorragend für Klettereien am Grat. Meist nicht sehr schwierig, aber oft auch auf Reibung angewiesen geht es am unteren Teil entlang.

Rückblick

Rückblick

Danach folgt ein steil in das Oberplenderle abfallender Grat. An seinem Ende steigt man an der Seite einer Vertiefung im breiter werdenden Gelände mit einem ca. 20m im Durchmesser messenden Vergletscherungsrest, an dessen Rändern man erkennen kann, daß sie erst einige Jahrzehnte frei von Eis und Schnee liegen. Sie sind nicht mit Flechten bewachsen, wie es die weitere Umgebung ist.

ausgeaperte kleine Vertiefung der ehemaligen Vergletscherung

ausgeaperte kleine Vertiefung der ehemaligen Vergletscherung

Anschließend erklimmt man ein kurzes, wenig scharfes Gratstück und an dessen Ende geht es schon wieder hinab in die Gaißkogelscharte. Man erreicht sie in ca. 15 – 20min ab dem Höchstpunkt im Gratstück nach dem Pockkogel.

über zwei Täler hinweg der Lüsenser Fernerkogel

über zwei Täler hinweg der Lüsenser Fernerkogel

Die letzen 50Hm sind etwas steiler gehalten, jedoch an keiner Stelle schwierig. Auch wenn es von oben zuerst den Anschein hat.

Abstiegsgelände

Abstiegsgelände

Ab der breiten Gaißkogelscharte führt ein leichter Steig in 160Hm zum Gipfel. Der Gaißkogel mit 2.820m ist der Höhepunkt der Rundtour und bietet nach Nordosten, zum Kamm der Sellrainer zum Inntal hin und in das Karwendel tolle Aussicht.

Simon am Gipfelkreuz des Gaißkogel, 2.820m

Simon am Gipfelkreuz des Gaißkogel, 2.820m

Wir kokettierten zunächst mit dem Abstieg über den Grat, der die Vollendung der Umrundung des Oberplenderle darstellt, entscheiden uns dann aber doch für den Normalabstieg. Schonen für morgen, das letzte Gratstück ein andermal.

Grat vom Gaißkogel zum Plenderlesseekopf, eine Abstiegsvariante für das nächste Mal

Grat vom Gaißkogel zum Plenderlesseekopf, eine Abstiegsvariante für das nächste Mal

Nach 3 ¾ Stunden und kleinen 655Hm erreichen wir die Bergstation der Drei-Seen-Bahn wieder und fahren zum Parkplatz ab.

im Oberplenderle mit Blick auf die Gaißkogelscharte

im Oberplenderle mit Blick auf die Gaißkogelscharte

Eine tolle Runde für den nicht extremen, aber schwindelfreien Kletterer. Vorsicht allerdings bei der Wahl der Aufstiegsrichtung in der Früh, wenn es noch sehr feucht ist. Da sollte es entweder auch in dieser Höhe trocken sein, man unsere Richtung entweder erst mittags antreten, oder mit dem Gaißkogel beginnen und mit der Sonne nach Nordwesten gehen.

Mils, 13.08.2016

 

 

Olperer, 3.476m über Geraer Hütte und Nordgrat

Bereits am Parkplatz das Ziel im Visier; diesen schönen Anblick hat man auf den Olperer vom Parkplatz Touristenrast im Tiefsten des Valsertales.

Olperer vom hintersten Innervals aus gesehen

Olperer vom hintersten Innervals aus gesehen

Mit Bedacht fahre ich vor sieben Uhr durch das sehr natürlich belassene und kaum touristisch erschlossene, ansprechende Valsertal von St. Jodok bis zur Touristenrast, zum Parkplatz des gleichnamigen Gasthauses, bei dem man nach seiner Tour natürlich einkehrt und sich damit für den Parkplatz bedankt.

Fahrstraße zu den Almen und der Geraer Hütte

Fahrstraße zu den Almen und der Geraer Hütte

Um fünf vor sieben machte ich mich dort von ca. 1.300m eiligen Schrittes auf zur Geraer Hütte, die zeitmäßig in etwa in der Hälfte der Gesamttour liegt, mit der Angabe von drei Stunden ab dem Parkplatz. Von dort auf den Olperer wären es dann nach Führerangabe in etwa dreieinhalb bis vier Stunden über den Nordgrat auf den Gipfel des Olperers.

Morgenpanorama um den Schrammacher

Morgenpanorama um den Schrammacher

Eilig, weil der Hochalpinist natürlich am Olperergletscher – er wird Olpererferner genannt – noch gute Bedingungen, also eine harte, möglichst gefrorene Firndecke vorfinden möchte, die Garant für einen angenehmen Aufstieg  sein soll.

Seilbahn zur Geraer Hütte

Seilbahn zur Geraer Hütte

Die Straße bis zu den Almen verläuft mit angemessener Steigung, sodaß das “Eingehen” optimal erfolgt und man ab der Materialseilbahn dann in den breiten Steig zur Geraer Hütte einmündet.

Morgenpanorama um den Schrammacher

Morgenpanorama um den Schrammacher

Dieser ist zunächst sehr flach ansteigend angelegt und wird von mir als Autobahn empfunden, die mir zwar nicht gerade Nervosität beschert, aber doch Verwunderung wie man einen Hüttenanstieg mit 1.000m Höhenunterschied nur so langwierig gestalten kann.

knapp unterhalb der Geraer Hütte

knapp unterhalb der Geraer Hütte der tiefe Einschnitt des Gletscherbaches

Nach den ersten zweihundert Höhenmetern findet man dann auf den langen Abschnitten zwischen den Serpentinen die kleinen “Hüttenschnellwege”, die für den Hochalpinisten, für den die Hütte erst im Abstieg interessant wird, ungemein abkürzen.

bei der Geraer Hütte

bei der Geraer Hütte

So wandert man zunächst durch einen archaischen Kiefern- (Zirben) Wald, in dem sich auch einige Tannen und Fichten eingestreut finden, einige Hundert Höhenmeter bis zur Baumgrenze knapp unter 2.000m hinauf. Schweres Blockwerk, teilweise komplett überwachsen und mit Flechten dermaßen stark überzogen, daß man ihre unveränderte Lage mit vielen Hundert Jahren annehmen muß, macht die Konstruktion des Steiges in der oben geschilderten Art notwendig; erst im Abstieg kommt mir die Erleuchtung warum das so ist.

Gelber Enzian

Gelber Enzian

Oberhalb der Baumgrenze findet sich die typische “Tundra” (Eigenbezeichnung, bitte vergessen) des Kristallin der Zentralalpen mit widerstandsfähigem Gestäud, Gräsern und kaum aufkommenden Bäumchen wieder. Alpenrosen, Alpenblumen und zahlreiche Quellen zaubern eine hochalpine Flora in die man am liebsten reinspringen und dort verharren möchte. Die Gräser streifen an den nackten Wadeln und die Farben des Unterholzes im Morgenlicht (der Aufstieg ist eher nordseitig ausgerichtet und die Sonne erscheint in Hüttennähe im endenden Juli erst gegen 9 Uhr) leuchten in allen erdenklichen Grüntönen.

Geraer Hütte, 2.325m

Geraer Hütte, 2.325m

Vorbei an der Ochsnerhütte mit Almbetrieb geht es etwas flacher im “hin und her” unter der Seilbahn hinauf bis zur Geraer Hütte auf 2.325m. Ich stoppe dort nicht, weil ich nach diesen ersten 1.000Hm noch weitere 1.150Hm zu bewältigen habe.

am Abzweig zum Olpererweg

am Abzweig zum Olpererweg

Ab 2.500m wird es trotz der Julitemperaturen und mit ein wenig Thermik hinterlegt doch recht frisch am Olpererweg in der Nähe des Schaeffersteines, der nach einem Hochtouristen, der mit seinem Führer 1900 in einer Gletscherspalte am Olpererferner umgekommen ist, benannt wurde. Eine schöne Gedenktafel im Jugendstil – und heute ein Kunstwerk für sich selbst – gehalten erinnert daran.

Denkmal Schaefferstein, man beachte die kunstvolle Umrahmung der Innschrift

Denkmal Schaefferstein, man beachte die kunstvolle Umrahmung der Innschrift

Der Steig führt nun bald auf der ausgeprägten, schönen Gletschermoräne weiter, bis er auf ca. 2.650m vom Kamm in die Flanke der Moräne abzweigt und zur kaum ausgeprägten Gletscherzunge hinaufführt. Dort beginnt dann ein steilerer Gletscherhang mit guter Firnauflage und bis weit hinauf führt Blockwerk, in dem man zunächst ohne Steigeisen aufsteigen kann.

auf ca. 2.600m auf der Gletschermoräne des Olpererferners

auf ca. 2.600m auf der Gletschermoräne des Olpererferners

Allerdings ist der Aufstieg mit Eisen dann auch sehr angenehm, der Firn ist hart und es gibt kaum blanke Eisstellen, bzw. sind die  kurzen Rücken mit fast blankem Eis nicht sehr mächtig.

im Bereich der Gletscherzunge, hier verliert sich der Steig, Steinmandln und Logik weisen den Weg

im Bereich der Gletscherzunge, hier verliert sich der Steig, Steinmandln und Logik weisen den Weg

Der Aufstieg war also in keiner Weise gefährlich, denn die logische Route verläuft sehr nahe am nördlich angrenzenden Felsgrat, dem Wildlahnergrat. Dieser ist allerdings in seinem Falsgefüge recht gestört und deutlich kann man  junges Blockwerk erkennen, das sich gelöst hat und schier nur auf etwas Energie zu warten, um den Gletscher hinabzusausen.  Also ist es ratsam nicht in der Falllinie unter den Felsen des Grates aufzusteigen, sondern einige Meter daneben im freien Firnfeld.

im unteren Teil des Olpererferners

im unteren Teil des Olpererferners

Der Aufstieg auf diesen sympathischen kleinen Ferner macht Spaß und er ist auch in einer guten halben Stunde vorbei, wenn man oben dann neben den Eisabbrüchen des oberen Olpererferners  zur Rechten der Wildlahnerscharte entgegen steigt.
Spätestens in der Hälfte des Aufstieges scheint Ende Juli die Sonne auf die weißen Flächen und das Herz lacht.

an der Linkskurve im Aufstieg, die beiden Felsen läßt man weit rechts liegen, die Route führt links außerhalb des Fotos weiter

an der Linkskurve im Aufstieg, die beiden Felsen läßt man weit rechts liegen, die Route führt links außerhalb des Fotos weiter

Eine Stelle am flacheren Teil des Ferners zur Wildlahnerscharte hin ist mit einem deutlich sichtbaren Abbruch von Eis und Geröll gekreuzt. Ich fragte mich, ob ich es schaffen würde einer Eislawine rechtzeitig auszuweichen, wenn ich ca. 30Hm darunter und nur ca. 50m weg von der Kante des Eisbruches entfernt den Ferner quere und gestand mir ein, daß das kaum möglich sein würde, da zu wenig Zeit von Ankündigung mit Getöse und Reaktion so knapp darunter sein würde.

imposanter Einsbruch vom oberen Olpererferner herab

imposanter Eisbruch vom oberen Olpererferner herab

Die Scharte selber war von monotonem Surren des Schleppliftmotors und den periodischen Rollenbockgeräuschen der vorbeiziehenden Bügel geprägt. Kaum Bergsteiger frequentierten den sonst so beliebten Nordgrat zum Olperer. Außer mir waren an diesem Tag nur ungefähr fünf bis sechs Seilschaften über den gesamten Grat verteilt. Somit hatte jeder einen angenehmen Auf/Abstieg.

nahe der Wildlahnerscharte

nahe der Wildlahnerscharte

Ich wählte eine recht weit oben angelegte Einstiegstelle nach dem Steilaufstieg von der Scharte am Ferner und hier leisteten die Steigeisen nochmals gute Dienste. Es wäre – wie unten am Ferner – auch ohne Eisen gegangen, aber das Gelände ist mir – obwohl einsehbar – nicht bekannt und die Sicherheit wichtiger.

Wildlahnerscharte, Blick auf den Olperer Nordgrat

Wildlahnerscharte, Blick auf den Olperer Nordgrat

Bei der Einstiegstelle wurden nicht nur die Steigeisen, sondern auch die Stöcke verstaut, die wichtiger waren als der Pickel (ich würde ihn um diese Jahreszeit nicht mehr mitnehmen, da ich kaum – oder gar nicht – in Spaltengefahr gekommen bin und er auch nicht für die Rettung anderer notwendig geworden wäre). Das Aufstiegsgelände knapp neben dem Wildlahnergrat ist nur bei der ausgeaperten Stelle, bei der man eine leichte Linkskurve im Aufstieg einlegt, leicht kupiert und in einer Zugzone, das war die für mich erkennbar einzige Stelle mit nahe an der Route gelegenen kleinen Spalten.

nach der hoch gewählten Einsteigsstelle nun am Grat

nach der hoch gewählten Einstiegsstelle nun am Grat

Nun ging es an die Felskletterei am Grat.
Hierzu sei einmal grundsätzlich zu sagen, daß der Grat an kaum einer Stelle so schmal ist, daß man seitlich in die Flanken abstürzen könnte, wenn man mittig auf ihm verbleibt. Rechterhand im Aufstieg geht es in vielen Stufen zum Olpererferner hinab auf denen man liegen bleiben würde. Linkerhand würde man jedoch mit der gesamten glatten Wand bis zum Tuxer Ferner Bekanntschaft machen. Geschätzt ist der Grat überall mindestens 2m breit und auch Absteigende können großteils vernünftig passieren.

etwas griffärmere Stellen, jedoch ausreichend Klammern

etwas griffärmere Stellen, jedoch ausreichend Klammern

Weiters ist es  so, daß am gesamten Grat kaum ein Felsbrocken liegt, der als Griff oder Tritt dienen soll, der lose wäre. Dies ist der extrem häufigen Begehung zu verdanken. Man kann also davon ausgehen, daß jeglicher Griff hält. Allerdings ist die auffallende Speckigkeit (Abgegriffenheit) der Griffe und Tritte auch der häufigen Begehung geschuldet und wenn man mit den eher harten, unbiegsamen, eisenfesten Bergschuhen einen Tritt am speckigen Fels sucht, dann wähle man diesen sorgsam. Dies ist besonders bei nassen Verhältnissen nötig und ich würde – nach nun gemachter Erfahrung im Trockenen – bei nassen Verhältnissen auch nicht ungesichert aufsteigen.

Blick zurück am Grat

Blick zurück am Grat

Es gibt eine kurze senkrechte Stelle, die Schlüsselstelle (leider habe ich wegen Überlegung der richtigen Klettertechnik kein Bild davon angefertigt), die jedoch unten und gleich oberhalb der Kante mit Klammern bestückt ist und für mich mit gut 1,80m Körpergröße keine große Meisterleistung in der Überkletterung darstellte. Sobald man sich im senkrechten Teil etwas gestreckt aufrichtet sieht und ergreift man auch schon den oberen Bügel; das Nachziehen des Körpers ist unter einer unangenehmen Fußhaltung dann gut möglich.

und noch ein Rückblick

und noch ein Rückblick

Weiter oben kommen noch zwei kurze, ca. 10m lange Stellen vor, bei denen Griff- und Trittarmut herrscht. Außerdem ist der Fels wiederum recht speckig. Allerdings sind auch hier wieder Klammern eingebohrt und man muß sich ja auch einmal in der Reibungstechnik üben, also setzt man den Fuß entsprechend und vertraut dem Gummi am Fels (bei Nässe sicher heikel!).
Die obere dieser beider Stellen (kurz vor der Verflachung zum Gipfelkreuz hin) kann besser rechterhand genommen werden, da man links zu breite Risse für Hand oder Fuß vorfindet, wogegen man rechts regelrecht in einem Loch steht von dem aus man gute Griffe zum Ausstieg findet.
Hat man diese Stelle gemeistert sind es noch ca. 50m zum Gipfel.

Durchschlupf etwa 100Hm vor dem Gipfel

Durchschlupf etwa 100Hm vor dem Gipfel

Zur generellen Frage ob Seilsicherung oder nicht kann ich für die Beschreibung dieser Tour schlicht sagen, daß sie mir nicht möglich war, weil ich alleine unterwegs war, ich jedoch bei mehreren Teilnehmern auch seilgesichert aufsteigen würde. Nicht der Schwierigkeit (keine Stelle ist auch nur annähernd schwieriger als II, die sog. Schlüsselstelle vielleicht II+; es gibt ein Topo dessen Nordpfeil nach Süden zeigt, also nicht verwirren lassen; die bis heute bestehenden Berichte im Internet zeichnen ein zu schwieriges Bild vom Grat) sondern der generellen Sicherheit wegen.
Allerdings würde ich erst ab der senkrechten Stelle anseilen, vorher empfand ich den Grat als Gehgelände mit fallweisem Handeinsatz, so wie ich auch den größten oberen Teil empfand. Bei nassen Verhältnissen bedeutet der Aufstieg ohne Sicherung ein hohes Risiko, für den Vorsteiger einer Seilschaft allemal.

Beginn des Südostgrates (Riepengrat, Weg der Erstersteiger 1867)

Beginn des Südostgrates (Riepengrat, Weg der Erstersteiger 1867)

Der Gipfel zeigte sich von Süden her von aufsteigendem Nebel bedeckt und so beschloß ich den Abstieg über den Südostgrat (Riepengrat) und die Rundtour über die Alpeinerscharte zur Geraer Hütte zurück nicht zu nehmen. Der Berg steht noch länger.

Olperer, 3.476m

Olperer, 3.476m

Ein schönes kleines Holzkreuz mit geschmiedeten Beschlägen krönt den Gipfel des Olperers auf 3.476m Höhe. Das Gipfelbuch ist eher eine billige, viel zu kleine Ausgabe, so wie meist auf solchen Touristenbergen. Man beugt damit einerseits dem Diebstahl vor und für die vielen – oft unsinnigen – persönlichen Bemerkungen, die weder alpinistischer noch rettungstechnischer Sachlichkeit dienen, tut es wohl jedes Papier, das man finden kann.

Blick über die Tuxer Alpen zum Karwendel

Blick über die Tuxer Alpen zum Karwendel

Der Rundblick war nicht nur gen Süden verwehrt, auch im Westen, zu den Stubaiern und im Osten, dem Tuxer Hauptkamm folgend, war keine gute Fernsicht möglich. Gegen Norden, in das Karwendel konnte man zwar über die wolkenfreien Tuxer hinwegsehen, jedoch selbst die hohen Bettelwürfe, überhaupt die Halltalkette gesamt, war ebenfalls in dichtem Gewölk eingebettet, mit wenig Auflockerung um die Gipfel. Kein Fototag leider, gerne hätte ich den Blick zum Hochfeiler gehabt.

Grat zum Fussstein

Grat zum Fussstein

Da es zwar kaum windig, jedoch aufgrund der fehlenden Sonneneinstrahlung recht frisch war fiel mir der Abbruch des viertelstündigen Aufenthaltes am Gipfel nicht schwer. Zum Abstieg hatte ich ein 15m langes Seilstück mitgenommen, um die Klammern zu nutzen und bequem, vor allem recht zügig absteigen zu können.

typischer Gratverlauf

typischer Gratverlauf

Mit Dülfertechnik – für mich auch heute noch ein genial einfaches Verfahren ohne Alukrempel um die Hüfte – konnte ich alle kritischen Stellen recht rasch abfahren. Man muß dabei die Seilmitte suchen und Bedacht darauf nehmen, wann das Seil zu Ende ist. Für die wenigen Stellen, bei denen man sich hart tun würde reichten die rund 7-8m Seil in Doppellänge gemessen aber aus.

diesen Aufschwung kann man rechts umgehen

diesen Aufschwung kann man rechts umgehen

Die Steigeisen sind vor allem beim Abstieg ein Genuß, jeder Tritt fest verschweißt mit dem harten bis weichen Firn. So kam ich im Nu wieder zur Wildlahner Scharte und dann westlich weiter unter dem tollen Eisbruch hinweg zum Olpererferner.

am Abstieg wieder in der Firnflanke

am Abstieg wieder in der Firnflanke

Dort, auf knapp über 3.000m konnte die deutlich wärmere und sonnenbeschienene Firnoberfläche nur mehr mit tiefem Einsinken bis zu den Wadeln begangen werden und ich war recht froh um den guten Gripp auf der spürbaren Eisdecke darunter.

Steigungsverhältnisse im unteren Teil

Steigungsverhältnisse im unteren Teil

Den unteren Teil des Ferners, ca. 50Hm unterhalb der zuvor beschriebenen Kuppierung mit teilweisem Blankeis, konnte ich dann ohne Steigeisen, auf den Bergschuhen hinunterfigeln. Ich vertraute dem Ferner, daß sich hier in der eher konkav geformten Hangmuldung keine Spalten befinden würden. Die Firndecke war oberflächlich durchgehend gleich, wie mit dem Kurvenlineal gezogen. Keinerlei Anzeichen von Unregelmäßigkeit.

Stimmung am Olpererferner

Stimmung am Olpererferner

Imposant erscheint die Gletscherzunge, etwas südlich von der Aufstiegsroute. Diese mußte näher begutachtet werden. Spalten kann man dort auch noch bis zum jähen Ende des schuttbedeckten Eises finden, wobei diese eher nicht aufgrund von Zugspannung durch den Flußverlauf in der Zugzone entstanden sind, sondern eher durch die dort unten schon kräftigeren Bäche an Schmelzwasser. Beeindruckend jedoch die bizarre Oberfläche mit Felsbrocken jeglicher Größe, die vom Eis Zentimeter für Zentimeter nach unten getragen, um am Ende zu einem riesigen Feld an Trümmern ihresgleichen ausgespuckt zu werden.

ein toller Gletscher

ein toller Gletscher

Zurück auf der Seitenmoräne hatte ich dann den Blick für die Flora; Arnika, ein Asterngewächs der Alpen, auf immerhin noch 2.650m. Und sie wird auch dort oben noch bewirtschaftet; Bergbienen bei der Arbeit.

Arnika

Arnika

In der Geraer Hütte nahm ich mein Lieblingsbergmahl, die Knödelsuppe, ein. Ist die Knödelsuppe in der Hütte gut, dann kann man dort alles andere auch essen. Und sie war hervorragend.

der gewaltige Fussstein von der Hütte aus

der gewaltige Fussstein von der Hütte aus

Ein Blick zur Alpeiner Scharte verrät, daß der Bergbau dort oben auf rd. 2.800m (die Scharte  selber liegt auf 2.959m) einer größeren Ausbeutung hätte dienen sollen. Deutlich kann man die Seilbahnstützen der damaligen Erzseilbahn erkennen und ich beschloß, daß ich das als Maschinen- und Tunnelbauer bei nächster Gelegenheit unbedingt näher inspizieren muß.
Die traurige Geschichte des Bergwerkes möchte ich hier nicht wiedergeben, dazu ist dieser Bericht nicht geeignet. Bei der Recherche darüber fand sich ein toller Link zum Molybdänbergbau auf der Alpeiner Scharte , dessen Studium ich sehr empfehlen kann.

etwas verdeckt die Alpeiner Scharte, jedoch gut zu erkennen

etwas verdeckt die Alpeiner Scharte, jedoch gut zu erkennen

Beim Abstieg von der Hütte, am unteren Teil des breiten gut gebauten Steiges schoss es mir dann plötzlich durch den Kopf! Die Zuwegung zur Hütte mußte deshalb so aufwendig angelegt werden, damit die Schwertransporte mit Lasttieren zum Bergwerk möglich wurden. Alleine zur Bewirtschaftung der schon vor dem Bergwerk bestehenden Alm bei der Ochsnerhütte würde man solche Anstrengungen wohl nicht unternehmen.

Habicht im Stubai 26km entfernt, exakt westlich, vorgelagert auf einer Linie Padauner Kogel und Egger Joch

Habicht im Stubai 26km entfernt, exakt westlich, vorgelagert auf einer der Linie Padauner Kogel und das Egger Joch

Der Steig ist bautechnisch teilweise dermaßen aufwändig und solide angelegt, daß er in seiner Gesamtheit ein nicht unbedeutendes inneralpines Bauwerk darstellt. Sozusagen ein Industriedenkmal, ähnlich den – leider dem Verfall preisgegebenen – Lawinenkegeln von den Herrenhäusern zum Wasserberg im Halltal.

aufwändig gebauter Steig im Kiefernwald

aufwändig gebauter Steig im Kiefernwald

Bei der Seilbahn erreicht man den Fahrweg wieder. Im Abstieg fand ich dann auch noch einen weiteren “Hüttenschnellweg” und für den Eiligen sei hier der Hinweis gegeben, daß man mitten bei der ersten Blockwerkreise, die nach der Seilbahnhütte linkerhand herunterzieht einen kleinen Abkürzungssteig findet, wenn man genau hinsieht. Somit spart man die ersten flachen Serpentinen im Kiefernwald.

Alm nach ihrer Blütezeit

Alm nach ihrer Blütezeit

Vorbei an bewirtschafteten kleinen Almhütten, deren Vieh bis unter die Felsen zu sichten war, zieht sich der Fahrweg durch das sehr schöne Innervals hinaus und man staunt nicht schlecht über die gewaltigen Dimensionen an Geschiebe von Stein- und Blockwerk, das der Gletscher in vielen Jahrhunderten bis weit hinaus befördert hat. Ein wahres naturbelassenes Paradies.

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Zum Abschluß der Tour, bei der Einkehr in das Gasthaus Touristenrast, fällt der grandiose Blick auf die Gratkette vom Kraxentrager bis zur Sagwandspitze auf. Gleichzeitig Grenze zu einem anderen Teil der Heimat. Muß unbedingt begangen werden, beschloss ich sofort.

Grat vom Kraxentrager bis zur Sagwandspitze

Grat vom Kraxentrager bis zur Sagwandspitze

Nimmt man die Angaben des Führers, dann sind die Teilstücke mit 3 Stunden Parkplatz – Geraer Hütte und 3 1/2 bis 4 Stunden von Geraer Hütte bis Olperer über Nordgrat beschrieben. Der Höhenunterschied beträgt 2.130m und die Entfernung hin und zurück auf der AV-Karte 19,2km.
Ich habe eine Gesamtzeit von knapp 9 Stunden benötigt.

Mils, 30.07.2016

 

Westliche Praxmarerkarspitze, 2.642m und Östliche Praxmarerkarspitze, 2.638m

Der frühmorgendliche Blick von der Pfeishütte nach Nordwesten entbehrt keinesfalls einer gewissen Ehrfurcht vor diesen beiden schöngestaltigen Giganten in der Gleirschtal – Halltalkette, und sind die Westliche Praxmarerkarspitze und die Östliche Praxmarerkarspitze in das warme Morgensonnenlicht des Heuert getaucht, dann leuchten sie mit ihren orangefarbenen Vertikalwänden herüber und betören ihre potentiellen Besucher mit enormer Fülle an Farbe und Schroffheit.

beide Praxmarerkarspitzen

beide Praxmarerkarspitzen

Eingetaucht in diese magnetisierenden Eindrücke und Gedanken betrat ich die Pfeishütte, nach der Überschreitung des Stempeljoches mit Start vom Hackl in Absam, um eine Minirast mit nötiger Wasserfüllung zu vollziehen.
Leider hat das Wetter relativ rasch beschlossen mit Drohgebärden zu agieren und bereits am Stempeljoch war sichtbar, daß von Süden her Ungemach sich breitmachen würde. Daher große Eile, um das Vorhaben keiner unnötigen Geduldsprobe auszusetzen. Ein Hollersaft und weiter.

vorbei an meiner Lieblingsfahne

vorbei an meiner Lieblingsfahne

Leider leiden die Inntaler, die Touren in der zweiten (nördlichen) Kette durchführen wollen, immer unter teilweise enormen Höhenverlust nach den Verbindungsjöchern, vor dem Anstieg zu den Gipfeln in der zweiten Kette, was für die Rückkehr natürlich beschwerlich und in der Tourenplanung zu beachten ist. So auch für diese Tour. Der Höhenunterschied vom Stempeljoch bis zum Abzweig in das Kaskar (gleicher Abzweig wie für das Praxmarerkar) beträgt gut 350Hm. Der Anstieg von Thaur über das Kreuzjöchl würde kaum 100Hm weniger Beinarbeit bedeuten, also kein wirklicher Vorteil, abgesehen von der Länge.

ein erster Blick auf das Ziel, 150m unterhalb des Stempeljoches mitten in der Pfeis

ein erster Blick auf das Ziel, 150m unterhalb des Stempeljoches mitten in der Pfeis

Allerdings werden diese Gewaltstouren dafür aber auch mit archaischer Einsamkeit und unerwarteten Erlebnissen von Flora und Fauna belohnt. Heute war es eher die Flora, die Fauna war sehr karg, Gemsen und Raubvögel scheinen in den Ferien zu sein, nur vereinzelte Krickelträger im Bereitschaftsdienst konnten gesichtet werden.

der Steig vom Kaskar in das Praxmarerkar mit Höhenunterschied

der Steig vom Kaskar in das Praxmarerkar mit Höhenunterschied

An der Flora im Praxmarerkar fiel heute besonders auf, daß es gefühlte zehn Kohlröschen (Brunelle) pro Quadratmeter zu geben scheint, eines graziler als das andere und von ausgesuchter schwarzbraun-violetter Farbe, die Orchideenart im Tirolerland. Hinauf bis über 2.000m trotzen sie den Gewalten der Witterung dort oben und wiegen sanft im Wind. In dieser Dichte suchen die Kare der zweiten Karwendelkette diese Pflanzenfamilie ihresgleichen.

Kohlröschen (Brunellen)

Kohlröschen (Brunellen)

Genau 6:30 Uhr zeigte die Uhr, als ich den tückischen Parkplatz – der junge Familien verleitet dort zu verharren, anstelle die Einzigartigkeit des Halltales zu erfahren – mit schnellem Schritt verließ. Das Vorhaben duldet kein Bummeln, zumindest nicht, bis man zwei Drittel des Aufstieges hinter sich gelassen hat.

schöne Blicke in das Samertal

schöne Blicke in das Samertal

Die Pfeis, wie die Hütte im Volksmund genannt wird, war um 9:30 erreicht und der Einstieg zum Kas- und Praxmarerkar weiter unten auf der Fahrstraße ins Samertal um 10 Uhr.
Zunächst führt der Steig über Reisengelände empor und wechselt mit kleinen Einschnitten von trockenen Wasserläufen und steileren Partien innerhalb Latschen.

Rückblick zur Pfeis

Rückblick zur Pfeis

Kaum eine halbe Stunde später steht man – rückblickend – bereits höher als die Pfeis und blickt von der südöstlichen Ecke in das Kaskar hinein. War man noch nie auf der Kaskarspitze, dann möchte man es nicht für möglich halten, daß auf diesen bizarren Gipfel mit seinen schroffen Wänden, die abweisend aufragend zum Kar hingeneigt vor dem Begeher liegen, ein Steig als Normalweg führen kann. Es ist aber glücklicherweise so – ein Phänomen bei zahlreichen Karwendelflanken – daß sich die wahre Steilheit  für den Betrachter erst bei der direkten Begehung eröffnet.

das Praxmarerkar wird sichtbar

das Praxmarerkar wird sichtbar

Nun ist dieses Kar aber nicht das angestrebte und mit forschendem Blick erspäht man tief unten den schmalen Steig, der in das Praxmarerkar weiterführt. Zu diesem Expeditionszeitpunkt verschwendet man keinen Augenblick des Bedauerns über den sichtbar großen Höhenverlust, das Ziel ist zu begehrt um Kleinigkeiten zu ernst zu nehmen.

der Südgrat mit beiden Praxmarerkarspitzen

der Südgrat mit beiden Praxmarerkarspitzen

Mit weiteren signifikanten Aufs und Abs im Steigverlauf gelangt der Geprüfte sodann in das Praxmarerkar, ohne beim Anblick der weiteren Strecke auf die Gipfel zurückzuzucken. Nach dem auch dem Karwendelkenner ungewohnt aufwendigen Anmarsch  staunt man beim wieder Südöstlich ausgerichteten Blickpunkt auf die beiden Gipfel nicht schlecht ob deren imposante Erscheinung und doch milderer Gestalt als die zuvor gesichtete Kaskarspitze.

der Südgrat auf die Westliche Praxmarerkarspitze im Detail; der begrünte Hang führt auf den Rücken

der Südgrat auf die Westliche Praxmarerkarspitze im Detail; der begrünte Hang führt auf den Rücken

Doch Vorsicht, eine gemähte Wiese ist weder der Normalweg (ich kenne ihn nun nur vom Rückweg), noch der viel schönere Südgrat auf den westlichen Bruder, der sich zum Rundweg ausbildet, weil man dann den Ostgipfel aufsucht. Ein Abstieg vom westlichen Gipfel über den Südgrat empfiehlt sich nicht.

im unteren Schrofengelände; Aufstieg ist nicht schwierig, leichte Kletterei auf Fels- und Rasenstufen

im unteren Schrofengelände; Aufstieg ist nicht schwierig, leichte Kletterei auf Fels- und Rasenstufen

Die eigentlich logische Variante, aber wieder nur von jemand machbar der sich selber in unmarkiertem Gelände bewegen kann und Sinn für einen Aufstieg mitbringt, der unten kaum einsehbar ist, das wäre der Südgrat. Sein Einstieg ist logisch für den erfahrenen Bergsteiger, ein großteils begrünter Rücken bildet am Südwestende des Kares den Einstieg in die leichte Grattour.

im unteren Schrofengelände; Aufstieg ist nicht schwierig, leichte Kletterei auf Fels- und Rasenstufen

im unteren Schrofengelände; Aufstieg ist nicht schwierig, leichte Kletterei auf Fels- und Rasenstufen

Grat ist im unteren Teil des Südgrates etwas sehr übertrieben, dort besteht er vorwiegend aus einem jähen östlichen Felsabbruch und einem begrünten Rücken mit mäßiger Hangneigung im Westen, ideal für alle Steigertypen an Bergsteigern.

am Südgrat oder -rücken

am Südgrat oder -rücken

Schätzungsweise erst 150m unterhalb des Gipfels wird der Rücken dann zum zahnigen Grat im Wortsinne. Ich habe diese auch erst spät entdeckt und bin einen Gutteil im Grünen aufgestiegen, immer in Sorge um die von den Zillertalern und Wipptaler Bergen nahenden dunklen Wolken im Süden. Böiger Wind besorgte die richtige Stimmung alle hundert Höhenmeter endlich zur Umkehr einzulenken.

Wetterentwicklung; im Süden die Grubreisentürme

Wetterentwicklung; im Süden die Grubreisentürme

Die Wetterentwicklung im Westen voll einsehbar empfiehlt es sich nach dem Aufstieg auf den Rücken in der Tat bei zweifelhafter Entwicklung über die Fortführung der Tour ernsthaft nachzudenken, denn eine Flucht von dort ist langwierig und die Topografie der Gegend läßt keinen wirklichen Schutz zu.

Gratverlauf

Gratverlauf

Die Grenzsituation heute war belastend. Von Geforener Wand bis zum Habicht hüllte sich alles in Nebel und die Zugrichtung gen Norden machte mich nervös. Mehrmals überdachte ich die Umkehr, bis die Uhr von fallendem auf gleichbleibenden Luftdruck umschaltete und mir somit kleinen Trost brachte, das Richtige mit dem weiteren Aufstieg zu tun. Die wahre Überzeugung fand ich aber erst auf der Westlichen Praxmarerkarspitze, als erkennbar war, daß die dunklen Wolken eher nach Nordosten in Richtung Salzburg zogen und von Westen nichts dergleichen zu erwarten war.

hier hat es mich vom Grat in die westlich gelegene kleine Schlucht abgedrängt, 10min zur Durchquerung

hier hat es mich vom Grat in die westlich gelegene kleine Schlucht abgedrängt, 10min zur Durchquerung

Manchem Leser mag diese möglicherweise übergebührliche Beschäftigung mit dem Wetter meinerseits im Bericht  als übertrieben vorkommen, aber wenn man auf halbem Weg am Südgrat der Westlichen Praxmarerkarspitze unterwegs ist und im Süden vorwiegend schwarz sieht ist Beschäftigung mit dieser Situation angesagt. Eine Flucht in beide Richtungen ist wie gesagt nicht schnell vollziehbar, die Hänge über den Steilstufen der Gratausläufer in das Samertal begrenzen jedes rasche Fortkommen ungemein und bieten keinen Schutz.

markanter Felsen, links durchstiegen

markanter Felsen, links durchstiegen

Nun ist der echte ausgeprägte Grat erreicht und es macht richtig Spaß diesen zu erklimmen und darauf emporzuschreiten. Er ist keineswegs so ausgeprägt wie einer der Verbindungsgrate der Gipfel in der Kette und auch nicht sehr steil. Vielleicht hätte ich ihn schon weiter unten aufsuchen sollen, aber der Blick von unten zwang mich eher in die kleine Schlucht vor dem Gipfelaufbau.

Rückblick auf den unteren Teil

Rückblick auf den unteren Teil

Am Gipfel der Westlichen Praxmarerkarspitze – der um 4m höheren der beiden – findet sich ein Steinhaufen mit einer sorgsam verwahrten – und vor allem dichten – Gipfelbuchschachtel und mit einem gut 30 Jahre alten Gipfelbuch in überraschend gutem Zustand. Zahlreiche bekannte Namen kehren immer wieder und diese liest man auch in den Gipfelbüchern der umliegenden Berge. Das Buch ist zu einem Fünftel vollgeschrieben, bei den meisten Jahren fanden unter zehn Besuche statt. Das hätte der Berg zwar nicht verdient, die Tatsache aber zeugt von der Beschwerlichkeit ihn zu besteigen. Von allen Seiten ist er nicht ohne ein hohes Maß an Anstrengung zu erreichen, es sei denn man übernachtet auf der Pfeishütte.

 schöner leichter Gratverlauf bis zum Gpfel

schöner leichter Gratverlauf bis zum Gipfel

Der schwierigste Anstieg ist die Nordwand, Melzerwand genannt, nach einem berühmten Innsbrucker Kletterpionier Otto Melzer, der, mit Kletterfreund Emil Spöttl, in dieser im Oktober 1901 im Wettersturz letztlich auch jämmerlich zu Tode kam. Spöttl stürzte ab und Melzer erfror in einer Felsnische. Wer sich die Fotos dieser schauerlichen Wand in der Bildergalerie ansieht ist fassungslos wie man vor mehr als 100 Jahren mit der damals üblichen Ausrüstung so eine Leistung erbringt konnte.

Gipfel Westliche Praxmarerkarspitze, 2642m

Gipfel Westliche Praxmarerkarspitze, 2642m

Viel Geschichte und Fakten ranken sich also um diese abgelegenen Gipfel und ein weiteres Faktum ist ihrer markanten Lage geschuldet. Die Westliche Praxmarerkarspitze ist die höchste Erhebung des Innsbrucker Stadtgebietes.

Abstieg von der Westlichen Praxmarerkarspitze

Abstieg von der Westlichen Praxmarerkarspitze

Der Übergang von der Westlichen zur Östlichen Praxmarerkarspitze führt über die Einschartung der beiden. Der Hang auf dieser östlichen Seite ist sehr brüchig, die im Karwendel so bekannten orangefarbenen Störzonen sind allgegenwärtig. Trotzdem bieten Schotter und Hangneigung kein wirkliches Problem im Abstieg in die Scharte, die ebenfalls aus keinem felsigen Material besteht, sondern aus kleinkörnigem Bruchmaterial, ja fast Kalksand. und dadurch ist sie komfortabel breit am Rücken geformt.

das schön geformte Felsenfenster mit den Jägrkarspitzen im Hintgrund

das schön geformte Felsenfenster mit den Jägerkarspitzen im Hintergrund

Auf der anderen Seite, dem Westhang der Östlichen Praxmarerkarspitze gestaltet sich der Aufstieg auf den ersten 10Hm etwas kniffliger, als es der Abstieg war. Dafür viel festerer Fels und eine Naturschönheit, ein kleines Felsenfenster, erfreut das Auge. Dieses erscheint an seiner schlanksten Stelle als ein sehr endliches Gebilde, wenn man es aus der Nähe betrachtet, dann gibt man ihm eher wenige Monate als weitere Jahre an Lebensdauer mehr. Gottseidank kommen hier nur mehr solche Naturfreunde her, die solche Formen nicht einmal berühren und dadurch für andere erhalten.

Rückblick Aufstieg zur Östlichen Praxmarerkarspitze

Rückblick Aufstieg zur Östlichen Praxmarerkarspitze

Nach dieser schönen Stelle, durch die man einen gewaltigen Blick auf die Jägerkarspitzen und ein übliches Foto erheischen kann, geht es auf plattigem Gelände direkt am Grat unschwer zuerst auf Reibung, dann auf griffigerem Fels bis zum Gipfel der Östlichen Praxmarerkarspitze weiter. Der Übergang nimmt gerade 15min in Anspruch.

Gipfel Östliche Paxmarerkarspitze, 2.638m

Gipfel Östliche Praxmarerkarspitze, 2.638m

Diese ziert seit zwei Jahren ein formschönes, modernes Edelstahlgipfelkreuz, innovativ in einer Gitterbox montiert, die, mit Steinen gefüllt, jahrzehntelanges Trotzen gegen Sturm und Schnee garantiert. Das Gipfelkreuz wurde von Schülern der HTL Fulpmes (meine Gratulation!) hergestellt und mittels Hubschrauber im September 2014 hinaufgeflogen.
Eine sauber gefertigte Gipfelbuchschachtel in modernem Design, und mit Tropfrändern über die Unterkante hinaus, garantiert auch ohne ein in mehreren zerrissenen Plastiksäcken verpacktes Buch absolute Trockenheit desselben. Ein Blickfang diese Kombination!

Kaskar-, Sonntagskar-, Hintere Bachofenspitze und Großer Lafatscher

Kaskar-, Sonntagskar-, Hintere Bachofenspitze und Großer Lafatscher

Am Abstieg, den ich um 12:30 von der Östlichen Praxmarerkarspitze antrat, ließ ich mit etwas Zeit um aus mehreren Positionen den Gipfelaufschwung des Gratüberganges zur Kaskarspitze näher mit dem Glas anzusehen. Eine der letzten Hürden in der Gratüberschreitung der Kette, die noch absolviert werden muß.

die schauerliche Praxmarerkar Nordwand, viel brüchiges oranges Material

die schauerliche Praxmarerkar Nordwand, viel brüchiges oranges Material

Der Normalweg im Abstieg ist nun gut markiert und auch ohne Markierungen findet man sich gut zurecht.
Im unteren Teil des Kares finden sich jede Menge Stahlsplitter vom Kopf und zerborstene Körper von Fliegerbomben, wild zerstört und in den 70 Jahren seit ihrem Abwurf der Korrosion getrotzt. Wahrscheinlich hätte die tödliche Fracht die Landeshauptstadt treffen sollen, ein hässlicher Anblick in der Stille des Kares (Galerie).

die Kaskarspitze

die Kaskarspitze

Der Abmarsch aus dem Kar sei nicht zu hoch genommen, manch Gamssteig verleitet einen zu hohen Einstieg in den steilen Hang, der unter den Schrofen herum in das Kaskar führt. Bald ernüchtert dann der Steig über die noch zurückzulegende Strecke, die Aufs und Abs sind jetzt schon deutlicher zu spüren und die knapp 100Hm Stufe im Kaskar bildet den ersehnten Abschluß bis zur Straße auf die Pfeis.

nicht zu hoch angehen den Hang zum Kaskar, auf die Markierungen achten

nicht zu hoch angehen den Hang zum Kaskar, auf die Markierungen achten

Die Pfeishütte ist ein wichtiger Stützpunkt in dieser Tour. Sowohl kulinarisch als auch wettertechnisch. Man erreicht sie nach weiteren 100Hm des Aufstieges von der Einmündung des Steiges aus dem Kaskar. In der Eile wegen des Wetters habe ich lediglich Zeit für eine schnelle und schmackhafte Suppe aufbringen können, da es schon bei der Ankunft getröpfelt hatte. Der Wind verhinderte stärkeren Regenfall und es blieb dann bis zum Stempeljoch so, daß es stark tröpfelte oder leicht regnete, mit Regenjacke jedoch auch Hose und Beine trocken blieben.

die zu überwindende Höhenstufe im Kaskar

die zu überwindende Höhenstufe im Kaskar; man muß ober die dunkelgrünen Latschen hinauf

Ab dem Stempeljoch jauchzt man dann ein wenig, denn ab hier hat man jegliche Höhenmeter hinter sich gelassen und steht doch noch auf gut 2.200m.

Stimmung am Stempeljoch

Stimmung am Stempeljoch

Der Rest der Tour ist bekannt, vom Stempeljoch bis St. Magdalena beträgt die Gehzeit ca. eine Stunde und bis zum Hackl eine Dreiviertelstunde.

Die gesamte Tour hat 11 Stunden in Anspruch genommen, davon eine gute Stunde Rast. Die Länge auf der AV-Karte nachgemessen beträgt 27,8km und der gesamte Höhenunterschied 2,760m.
Man rechne ab der Abzweigung des Steiges nach der Pfeishütte auf dem Normalweg zur Östlichen Praxmarerkarspitze mit 3 1/2 Stunden bis zum Gipfel, so die Angabe auf dem Wegweiser. Alle anderen Zeiten sind individuell zu ermitteln und die oben gemachte Aussage mit der Gesamtzeit ab Eingang Halltal und zurück nicht für eine Tourenplanung zu verwenden.

Mils, 23.07.2016

 

 

Durchschreitung Hinterautal – Vomper Kette, Karwendel

Als längste der vier Bergketten beinhaltet die Hinterautal – Vomper Kette auch die mächtigsten Gipfel des Karwendels. Die Durchquerung dieser eröffnet nicht nur den Blick auf die höchsten Karwendelgipfel, sondern auch auf die bizarren Nordwände der Gleirschtal – Halltal Kette, die ihren nördlichen Nachbarn in keiner Weise nachstehen.

Manuel, Julian und Simon sozusagen am Gipfelpunkt

Manuel, Julian und Simon sozusagen am Gipfelpunkt, am Überschalljoch

Wir wählten als Richtung der Durchquerung die Möglichkeit von Osten nach West, von der Karwendelrast am Vomperberg bis nach Scharnitz. Diese Richtung bietet den Vorteil, daß die eher anstrengenden Abschnitte gleich zu Beginn gemeistert werden und die leichteren ab der Hälfte.

Abmarsch um 5 Uhr von der Karwendelrast

Abmarsch um 5 Uhr von der Karwendelrast

Sie hat auch den Vorteil des leichteren Abbruches bei Wetterkapriolen, da im Vomperloch zwei Möglichkeiten und nach dem Höchstpunkt am Überschalljoch, über das nahegelegene Lafatscherjoch, eine dritte Möglichkeit zum vorzeitigen Ausstieg gegeben ist. Man stelle sich den “Ausstieg” jedoch nicht als eine kurze Möglichkeit vor, bei allen drei Möglichkeiten benötigt man mehreren Stunden bis ins Inntal, jedoch um einiges weniger, bis zu einer Unterkunft.

das Zwerchloch erreicht

das Zwerchloch erreicht

Diese Richtung hat aber auch den Nachteil, daß der lange – aber sehr schöne – Weg durch das Hinterautal, er wird auch etwas abwertend ein “Talhatscher” genannt, des Nachmittags bewältigt wird und an schönen Tagen ist dieser äußerst frequentiert mit Mountainbikern, die sich mit doppelter Geschwindigkeit als die – auch nicht wenigen – Fahrzeuge und zumeist ohne Klingel meuchlings nähern und wegen des Baches zur Linken nicht immer sofort hörbar sind. Die linke Seite der Schotterstraße empfiehlt sich also auch im wildromantischen Hinterautal und eine Gruppe tut sich schwer, wenn, nach langer Strecke in Abgeschiedenheit, der Einzelne nun im Gänsemarsch weiterkommen soll.

beim der JH im Zwerchloch

beim der JH im Zwerchloch

Wer das Tiefste des Karwendels kennenlernen möchte ist mit dieser gewaltig schönen und auch gewaltig langen Tour gut beraten. Allerdings sei hier gleich erwähnt, daß die Schluchten im Vomperloch eine alpine Bewegungsweise und vor allem das nötige  Leistungsvermögen voraussetzen. Zusätzlich ist auch gegen Unbillen des Wetters vorzusorgen und eine Strategie für die Herbeischaffung von Hilfe vonnöten. Bei einer ernsthaften Verletzung, beispielsweise im inneren Vomperloch, die das Gehen verhindert, ist ein Einzelner in einer nicht erstrebenswerten Lage. Das Handy fungiert dort nur noch als Fotoapparat oder Taschenlampe.

Brücke über den Zwerchbach

Brücke über den Zwerchbach

Umso mehr kann die Abgeschiedenheit genossen werden. Einzigartig ist die Situation, daß man von der Zivilisation “nur” von einer Bergkette, die Gleirschtal – Halltalkette getrennt ist. Und doch sind die Mauern dieser nur an wenigen Stellen überwindbar. Es ist dies als erste Möglichkeit das Kristalpl, eine Teillandschaft in dichtem Mischwald aus Laubholz mit vorwiegend Buchen und Nadelhölzern.

Steig zur Katzenleiter

Steig zur Katzenleiter

Das Kristalpl ist eine ordentliche Brücke (sollte trotzdem immer einzeln betreten werden) über eine Engstelle des Vomper Baches. Von dort führt ein – für Übermütige und bei nassen Verhältnissen – nicht ungefährlicher Steig zur Walder Alm. Das Gelände, das er durchquer kann man von der gegenüberliegenden Seite bereits gut einsehen, besonders die schroffen, senkrechten Abbrüche, die sich vom Bach gute Hundert Höhenmeter hochziehen. Man sollte auf diesem Steig nicht ins Rutschen kommen (Details siehe Link unten Huderbankspitze).

gut gewartete Steiganlage

gut gewartete Steiganlage

Gleiches gilt für unsere Seite, die nach dem Jagdhaus im Zwerchloch so richtig alpin wird. Bis zum Jagdhaus im Zwerchloch ist der Steig eher eine Wanderung ohne gefährliche Steigabschnitte, sieht man von dem kurzen Stück – “Haselbach” genannt – an der Richtungsänderung des Steiges ungefähr 5 bis 10 Minuten des Weges vor dem Jagdhaus ab, bei der ein Schutthang durchquert wird, der teilweise bei Hochwettern abbricht und deshalb dort die ersten Verseilungen als Steighilfe angebracht sind.

schöne Tiefblicke

schöne Tiefblicke

Der Steig bis zum Zwerchloch bedarf keiner besonderen Beschreibung, er vollzieht sich ab dem Parkplatz bei der Karwendelrast großteils im laubholzdominierten Mischwald, beginnend am Forstwege und nach ca. 20min, am breiten Steig. Vorbei an der nicht bewirtschafteten Melans Alm über ständiges leichtes mehr “auf” als “ab”, die Gegenseite mit der Ganalm immer schön im Blick, bis zu einem kurzen Abstieg, Hirtenschlag genannt, von dort auf schmalerem Steige bis zum o. ew. kleinem Intermezzo am Haselbach.

oben an der Katzenleiter angekommen

oben an der Katzenleiter angekommen

Der Steig nach dem Zwerchbach führt ca. 150Hm hoch in die Flanke der Huderbankspitze, vorbei an der Huderbankklamm mit malerischer Kulisse des dortigen Wasserlaufes aus der Klamm, hinweg über einige kleine Ausläuferkämme der Klamm, über verseilte und gestufte Treppen hinauf bis zur Katzenleiter; eine wahrlich schöne und kühne angelegte Steiganlage in gutem Zustand. Vielen mag der wunderschöne Tiefblick auf das auslaufende Zwerchloch bereits hier nicht möglich sein.

oben an der Katzenleiter angekommen

oben an der Katzenleiter angekommen

Die Katzenleiter ist ein Steig auf die Huderbankspitze und wird jenem, der sie nicht kennt auch nicht auffallen. Sie zieht sich gleich nach dem Ankunftspodestchen aus der Steiganlage rechts hinauf, verliert sich im Wald teilweise und tritt erst wieder prägnant zum Vorschein, wo sich der Huderbankrücken deutlich ausprägt.
Die steilen Hänge der Huderbank werden nun umrundet wobei sich mit zunehmender Richtungsänderung nach Westen auch die Topographie vom dichteren Mischwald in einen lichteren Kiefernwald ändert. Die Hänge werden schroffer, felsiger und die Abbrüche zum Vomper Bach können als senkrechte Felsen eingesehen werden. Unwetter haben einige Baumgruppen von Kiefern hingerichtet, man muß sie umgehen über- und unterqueren. Bis hierher ist die Motorsäge der Wegerhalter noch nicht vorgedrungen; die turnerischen Einlagen sind eine willkommene Abwechslung und verstärken den Urwaldeindruck, der im Vomperloch recht bald aufkommt.

Abzweigung über das Kritstalpl zur Walder Alm

Abzweigung über das Kristalpl zur Walder Alm

Leider hat es bei unserer Begehung hier zeitweise zu regnen begonnen, daher konnten nur wenige eilige Fotos mit zweifelhafter Qualität genommen werden. Zum Zwecke der Dokumentation sind diese aber notwendig hier gezeigt zu werden.

schöne Schluchten und Einschnitte im weiteren Verlauf im Knappenwald

schöne Schluchten und Einschnitte im weiteren Verlauf im Knappenwald

Der Kiefernwald ändert sich nach dem Höchstpunkt vor der Weißen Wand (übrigens ein guter Unterstand bei Gewitter) von ca. 1.200m wieder hinunter zur Wegverzeigung Knappenwald auf 1.130m und nochmals um 100Hm tiefer zur Brück Kristalpl.

Einmündung des Ödkarbaches

Einmündung des Ödkarbaches

Anschließend überwindet der Steig eine wenig hohe Klamm, die einen neuerlichen Anstieg auf gut 1.200m erzwingt. Diese Klamm hat ihr Westende dort wo der Ödkarbach von Norden dem Vomper Bach auf ca. 1.100m zufließt. Eine tolle Kulisse!

Brücke über den Ödkarbach

Brücke über den Ödkarbach

Der Steig quert die Bachmündung über eine Brücke (bei uns durch den Regen rutschig) und führt ca. 60Hm wieder steil nach oben, um eine weitere Engstelle im Bachlauf zu überwinden. Hinter dieser Engstelle geht es wieder abwärts und der atemberaubende Blick auf die “Au” öffnet sich.

die Au erreicht

die Au erreicht

Die Au ist ein weiterer Meilenstein der Durchquerung. Hier gibt es die letzte Möglichkeit dem Vomperloch zu entkommen, ist man dazu gezwungen. Der Knappensteig zweigt hier ab und führt steil und einigermaßen gefährlich in vielen Serpentinen in den schuttigen Nordhang des Briglkarls unterhalb der Tratten und des Hundskopfes.

die Nordwände des Hundskopfes

die Nordwände des Hundskopfes

Dieser Steig ist als Fluchtweg vor allem bei Erfordernis wegen Wetterumschwung zweifelhaft. Im Regen wäre da der Rückweg am Normalsteig bis zum Kristalpl eher in Erwägung zu ziehen.

in der Au

in der Au

Orografisch rechts vom Vomper Bach, also links in Richtung Westen setzt der Steig zum Jagdhaus fort. Dort gibt es bei der Tankmöglichkeit vor der Hütte nicht nur frisches Quellwasser sondern auch genügend Bremsen, die selbst eine kürzere Rast in recht unspektakulärer Weise auf das Minimum der Tankung verkürzen und den Durchschnitt der Gehzeit gleichsam.
Die Hütte trägt die Hausnummer Vomperberg Nr. 28; hier möchte man gerne Briefträger sein, um von Amts wegen zustellen zu dürfen, eine Dienstreise der Sonderklasse.
Vom Zwerchloch bis zur JH. in der Au macht man kaum Höhenmeter, absolut gesehen. Die Hütte liegt auf knapp über 1.100m.

Jagdhaus in der Au

Jagdhaus in der Au

Nun folgt ein wenig ausgeschnittener Teil des Steiges mit hohem Gras das in unserem Fall in den schmalen Steig hereingebogen sich präsentierte und jeder einzelne Halm – vom Regen vor einer Stunde – ein winzig Wassertröpfchen trug, und deren Masse das ihre tat, um uns nun vollends die Feuchtigkeit in den Zehenspitzen spüren zu lassen. Mit einem Wort, die leichten Halb-Bergschuhe waren durchnäßt.

wilde Bachläufe

wilde Bachläufe

Trüben konnte die naßgraue Situation unsere Freude über die packende Landschaft, die fesselnden Blicke und das schon halb gelungene Vorhaben unsere Launen aber in keiner Weise. Simon, Julian, Manuel und der Verfasser querten nun über einen vom Nordabsturz der Halltalkette herabziehenden, mehr als zwei Dutzend Meter breiten, mit meterhohen Schotterränder begrenzten Flußlauf, der mit seiner freiwerdenden Gewalt bei Unwettern das Tal umpflügt und strebten dem ehemaligen Lochhüttl zu, das die hintere Begrenzung des Talkessels des Vomperloches darstellt.

Uferbereiche meterhoch

Uferbereiche meterhoch

Auf 1.280m gelegen finden sich vom ehemaligen Lochhüttl noch die sechs Betonsäulenfundamentchen auf kiesiger Fläche. Ein Brand trug es vor zwei Jahren ab, man denkt daran es wieder aufzubauen.
Hier befindet man sich bereits in der Wettersteinkalkstufe, gebildet von den südlichen und nördlichen Massiven von Bettelwurf und Hochkanzel. Der Vomper Bach sägt sich in diese ein.

Steig zum Lochhüttl, ab hier ordentlich Höhengewinn bis zum Joch

Steig zum Lochhüttl, ab hier ordentlich Höhengewinn bis zum Joch

In diesem Gebiet muß die Unterkunft der im zweiten Weltkrieg geflüchteten heimischen Deserteure gewesen sein. Es war dies eine dermaßen versteckte Hütte, die den Männern jahrelang Zuflucht vor den Häschern des Regimes war und in der sie sommers wie winters in stetiger Sorge über verräterische Rauchsäulen vom Heizen und Kochen und ohne jede medizinische Hilfe in unvorstellbaren Zuständen zugebracht hatten und nie aufgespürt wurden. Noch viel interessanter wären die Bergbauaktivitäten des Mittelalters, denen das Lochhüttl überhaupt seine Existenz verdankt. Man baute damals vorwiegend Bleiglanz und Galmeierze (Zinkerze) ab und die Stollen befinden sich einige Hundert Höhenmeter nordwestlich des Lochhüttls, in den Hängen der Hochkanzel gelegen. Man weiß heute kaum mehr etwas darüber zu berichten.

Das Grubenkar mit Plattenspitze vom Lochhüttl aus gesehen

Das Grubenkar mit Plattenspitze vom Lochhüttl aus gesehen

Ebenfalls bemerkenswert sind die Zirben- und Lärchenbestände oberhalb des Ortes des Lochhüttls. Diese befinden sich rechts (nordwestlich) des Steiges, der, ab dem Lochhüttl aus dem Talkessel heraus, rund 650Hm ansteigt und die Haupthöhenstufe der Durchquerung darstellt. Vorbei an üppiger Vegetation mit einem Jahrhunderte alten Baumbestand zur rechten und gewaltigen herabziehenden Schotterreisen, gebildet von den Nordabstürzen der Bettelwurf Nordwände, zieht sich der Steig entlang dieser Grenze bis zum Überschalljoch empor.

Steigverlauf auf das Überschalljoch

Steigverlauf auf das Überschalljoch

Vor dem Erreichen des Jochplateaus zieren markante Formationen der Raibler Schichten die Tal- oder Hangmitte. Am Steig selber kann man die verschiedenen Gesteinsarten dieser geologischen Formation gut erkennen. Das Joch selber ist sehr flach und davon gebildet. Auf 1.912m bildet das Überschalljoch den Kulminationspunkt der Durchschreitung der Hinterautal – Vomper Kette.

Raibler Schichten inmitten des beginnenden Überschalljoches

Raibler Schichten inmitten des beginnenden Überschalljoches

Die erste und einzige ausgedehnte Rast unternahmen wir auf der Hallerangeralm. Sie ist Fixpunkt all unserer Unternehmungen in diesem Gebiet nördlich des Lafatscher Joches und Wirtin Evi und Tochter Julia zauberten uns auch diesmal wieder einmal eine deftige Jause.

ein Rückblick auf die fast  fertige Etappe

ein Rückblick auf die fast fertige Etappe

Die Webseite der Halleranger Alm enthält eine interessante Chronik und den Hinweis auf den wahren Ursprung der Isar im Almgebiet, der dort Lafatscherbach heißt und den längsten Quellfluß der Isar darstellt.

Am Überschalljoch mit Sunntiger, Hallerangerspitzen und Gamskogel

Am Überschalljoch mit Sunntiger, Hallerangerspitzen und Gamskogel

Wer die Zeit dazu hat, der schaue sich den lichten Wald aus Zirben und Lärchen im geschützten Übergang zwischen Halleranger Alm und Halleranger Haus an. Sie liegen im Blockwerk der herabgebrochenen Schnittlwände, sind hunderte Jahre alt und ein einzigartiger Anblick.

Das Hinterautal liegt vor uns

Das Hinterautal liegt vor uns

Ab der Halleranger Alm bzw. ab dem Überschalljoch weitet sich das Tal im Gegensatz zum schluchtartigen Vomper Loch gewaltig auf. Die Begehung erfolgt nur bergsteigerisch eher eintönig auf der Schotterstraße, die sich nun die restlichen rund 19km bis zum Bahnhof in Scharnitz hinzieht und die ab dem östlichen Ortsende in Scharnitz asphaltiert ist.

auf der Halleranger Alm, recht im Sonnenlicht der Gumpenkopf

auf der Halleranger Alm, recht im Sonnenlicht der Gumpenkopf

Topographisch interessant sind die Raibler Schichten der Gschnierköpfe gleich südwestlich unterhalb der Alm, eine brüchige morsche Masse, sich deutlich abhebend vom gebirgsbildnerisch einwandfreien Material des Wettersteinkalkes, aus dem fast ausschließlich die, das Hinterautal begrenzenden Ketten besteht.

Blick talauswärts mit Gupenkopf südlich und nebelverhülltem Spitzhüttenkopf

Blick talauswärts mit Gumpenkopf südlich und nebelverhülltem Spitzhüttenkopf

Eine Besonderheit bildet eine Höhenstufe am Südrand des Hinterautales. Diese Höhenstufe ist eine vorwiegend aus Hauptdolomit und Raiblerschichten bestehende mehr oder weniger flache gehaltene Hochfläche, die ihren Bestand sicher den unten im Tal überdeutlich sichtbaren Wettersteinkalkwänden verdankt, gleichsam als schützende Mauer vor dem Gebirgsabtrag durch den Bach im Tal. Sehr deutlich sieht man dies an Gumpen- und Zeigerkopf, die eine regelrechte Hochfläche bis zu den Kettenriesen der Kaskar- und Praxmarerkarspitze bilden. An ihrer Vorderseite brechen ihre Steilwände an der Kastenalm jäh und senkrecht ab.

unweit vom "Silbernen Hansl"

unweit vom “Silbernen Hansl”

In der nördlichen Begrenzung durch diese Steilstufe hat sich der Lafatscherbach im Laufe der Zeit eingeschnitten und eine mächtige Schlucht hinterlassen, an deren südlichen Seite selbst die zähesten Mountainbiker ihr Ross schieben. Die Schotterstraße vom Kasten bis zur Halleranger Alm wurde kürzlich instand gesetzt und die jüngst erfolgten Erdbewegungen links und rechts davon stechen dem Begeher regelrecht ins Auge und müssen erst vernarben.

renovierte Schotterstraße hinunter zum Kasten

renovierte Schotterstraße hinunter zum Kasten

Im Kohlerwald treffen wir auf eine Ansammlung von auffälligen Pflanzen der Gattung Weißer Germer (Nieswurz). Er ist nicht zu verwechseln mit der Heilpflanze des Gelben Enzian. Wir selber führen im Hochgebirge stets ein Tröpfchen der heilenden Tinktur aus Gelbem Enzian mit uns und nehmen diese am Gipfel vorbeugend zu uns. Den Weißen Germer aber meidet selbst das Almvieh.

der giftige Weiße Germer (Nieswurz) sieht dem gelben Enzian ähnlich

der giftige Weiße Germer (Nieswurz) sieht dem Gelben Enzian ähnlich

Wegbeschreibung benötigt es für das Hinterautal und vor allem ab der Kastenalm keine, die Schotterstraße schlängelt sich zumeist devot neben dem dort bereits gezähmten Lafatscherbach, bzw. ab einem Schauspiel um einige Quellen aus dem Massiv der Birkköpfe, der Isar.

die tiefe Schlucht des Lafatscherbaches vor der Kastenalm

die tiefe Schlucht des Lafatscherbaches vor der Kastenalm

Diese Quellen sind noch einmal ein Blickfang des Weges talauswärts, sie sind glasklar und strömen in mehreren Teilarmen dem dort schon breiten Lafatscherbach zu, der bereits mit den Zuflüssen aus dem Rossloch und dem Birkkarbach gespeist wurde, und an deren Ende, neben der Schotterstraße deren Schüttung nochmals mittels Thomsonwehr gemessen wird.

Blick ins Moserkar und in das Roßloch

Blick ins Moserkar und in das Roßloch

Ab dem “Kasten”, wie die gleichnamige Alm auch genannte wird, weitet sich das Tal nochmals augenfällig, vorwiegend bedingt durch den Zufluß des Birkkarbaches, der in seinem Schwemmgebiet mit dem Lafatscherbach eine ungeahnt breite Talfläche bildet.

auf der Kastenalm

auf der Kastenalm

Selbst bei dieser Breite des Tales erheischt man kaum Blicke auf die nördlich gelegenen Gipfel, zu hoch sind sie und von langen Ausläufern abgedeckt. Man sieht sie besser im Rückblick mit einigen Kilometern Entfernung, und von dieser schreitet man genug ab, um z. B. die Große Seekarspitze zu erspähen.

Abzweigung zum Rossloch

Abzweigung zum Rossloch

Dafür ist der Blick auf die Giganten der Gleirschtal – Halltal Kette umso beeindruckender. Deren Nordwände mit dem zerklüfteten Spitzen- und Nadelwerk am Gratsaum zwischen den Gipfeln läßt die Schwierigkeit und langwierige Begehung erahnen.

zur Birkkarspitze

zur Birkkarspitze

Sehr imposant und beeindruckend sind hierbei die Türmchen und Zinnen des Überganges vom Hohen Gleirsch bis zur Nördlichen Jägerkarspitze. Man nennt sie die Äußere und Innere Rigelkarspitzen mit ihren Zwischenverbindungen und detaillierte Ansichten davon findet man in unserem Bericht über die Jägerkarspitzen und über den Katzenkopf.

links Jägerkarspitze, mittig die Rigelkarspitzen, rechts der Wasserkarlspitz als Ableger des Hohen Gleirsch

links Jägerkarspitze, mittig die Rigelkarspitzen, rechts der Wasserkarlspitz als Ableger des Hohen Gleirsch

Mit dem Hohen Gleirsch links neben sich wird das Hinterautal zahmer und hat man diesen links liegen gelassen nähert man sich bereits dem Talausgang. Dort steigt die Straße nochmals ein bisschen an, die Abzweigung der Schotterstraße in das Gleirschtal mündet links ein und die restlichen Kilometer bis nach Scharnitz geben nicht mehr viel zu berichten her.

und steig nochmals kurz an; ein phntastischer Rckblick auf eine kaum bewschreiblich schöne Durchquerung

und steig nochmals kurz an; ein wehmütiger Rückblick auf eine kaum beschreiblich schöne Durchquerung

Die letzte Klamm ist die Vereinigung von Gleirschbach und Isar, sie beeindruckt mit ihrer Tiefe und sie ist das letzte topografische Highlight dieser einzigartigen und außergewöhnlich anregenden Durchquerung der Hinterautal – Vomper Kette.

Durchschreitung Hintautal - Vomper Kette

Durchschreitung Hinterautal – Vomper Kette

Diese Tour erstrecke sich über 1.550Hm Aufstieg und im Abstieg etwas weniger, weil Scharnitz auf 964m liegt und die Karwendelrast auf 860m. Die in der AV-Karte gemessenen Längen betragen 17,4km von der Karwendelrast bis zur Halleranger Alm und 19,3km von dort bis zum Bahnhof Scharnitz, Summe 36,7km. Zeitangaben geben wir für diese Strecke ungern (wir haben gesamt 11:11 benötigt und für den ersten Teil 5:00), jedoch sei erwähnt, daß die Angaben des Karwendelführes eine reine Gehzeit in Summe von 13:25 veranschlagen.

Mils, 10.07.2016

 

 

 

 

Gschnitzer Tribulaun, 2.946m

“Zahmer Bruder” nennt man den auch um gut hundert Meter niedrigeren der beiden Tribulaune, den Gschnitzer Tribulaun.
Er ist nicht nur zahmer uns niederer, er ist auch ohne Schwierigkeit zu besteigen. Die vielleicht etwas ausgesetzten kurzen Teile des  Aufstieges wurden seilversichert und im unteren Anstieg liegt im Sommer bestenfalls Schnee oder Firn, der zwar ab und zu zum Einsinken neigt, aber gefahrlos begehbar ist. Im oberen Teil – der auch fast von Süden nach Nordwesten begangen wird, ist der Gschnitzer Tribulaun ein relativ flach und gleichmäßig steigend und mit interessanten Verwitterungsformen der dort vorkommenden plattigen Dolomite die letzten 200Hm den Restaufstieg ziert. Man hat dort allerhand selten sichtbare Platten und sonstige Figuren zu bestaunen.

Gschnitzer Tribulaun im Morgenlichte

Gschnitzer Tribulaun im Morgenlichte, der Pflerscher Tribulaun in Nebel gehüllt

Den Aufstieg muß ich heute nicht besonders beschreiben, der ist vielfach nachzulesen. Orographisch rechts vom Sandesbach, also vom Parkplatz aus über die Brücke und links vom Mühlendorf geht es los. Die Alternative wäre die Forststraße, jedoch eher nur zur Tribulaunhütte, nicht für die Gipfeltour.

Wasserfall beim Mühlendorf

Wasserfall beim Mühlendorf

Das Wetter war wieder einmal im Alaro Modell der ZAMG, eine der zuverlässigsten Vorbereitungsquellen, mit Niederschlägen ab 15 Uhr vorausberechnet, also startete ich am Parkplatz um 7:15 Uhr und erreichte um 8:30 die Tribulaunhütte. Ein kurzes Getränk und weiter ging es auf die beiden Gipfel zu, die sich bereits beim Abmarsch in Nebel hüllten.

Anstieg zur Tribulaunhütte

Anstieg zur Tribulaunhütte

Durch den Föhn verdichtete sich der Nebel vor allem um den Pflerscher Tribulaun noch weiter und ich sah der Gewissheit entgegen, diesen bizarren Berg, heute nicht von seinem Bruder aus ablichten zu können. Leider kam es so.

Steig nach der Tribulaunhütte

Steig nach der Tribulaunhütte, am oberen Teil des Riegels angekommen

Nach der Tribulaunhütte ist das Kar zuerst flach, begrünt, aus Kalken bestehend und dann bildet es – steil aufsteigend – einen Riegel gegen den oberen Teil des Tales um oben wieder flach zu werden. Oben sieht man die Restblöcke eines gewaltigen Felssturzes am Steig liegen und der größte Rutschblock ist noch auf der ca. 200Hm höher liegenden Rutschfuge geblieben. Eine Frage der Zeit bis dieser nachkommt.

Bergsturzblockwerk am Steig, mit Blick in die Sturzrichtung

Bergsturzblockwerk am Steig, mit Blick in die Sturzrichtung

Interessant ist die Wasserfassung von der aus die Tribulaunhütte gespeist wird. Sie liegt knapp neben dem Steig in das Schneetal auf die gleichnamige Scharte. Die dort gefaßten Wässer sind Porenwässer eines fossilen Blockgletschers im Schneetal.

das Schneetal hat seinen Namen nicht von ungefähr

das Schneetal hat seinen Namen nicht von ungefähr

Die Scharte zwischen Südtirol und Nordtirol wird ihrer Bezeichnung sehr gerecht, sie könnte minimalistischer nicht sein, auch verhüllte sie den Einblick in den Abstieg südseitig. Man kann jedoch annehmen, daß dieser – zumindest auf den letzten Höhenmetern – ein wesentlich mühsamerer sein muß, als der nordseitige.

Rckblick nach Norden von der Schneetalscharte

Rückblick nach Norden von der Schneetalscharte

Der nachfolgende Teil mit den Seilsicherungen ist von großer Brüchigkeit geprägt. Dieser Teil erstreckt sich über ca. 100Hm. Schlechter bis schlechtester Hauptdolomit (im Bergsteigersinne) durchaus bis zum wieder flacher werdenden oberen Teil.

rechts der Schneetalscharte geht es auf versichertem, brüchigem Steig weiter

rechts der Schneetalscharte geht es auf versichertem, brüchigem Steig weiter

Der Gipfel heute zumeist im Nebel, kurze Nebelauflockerungen durch den böigen Föhn nutzte ich für ein paar eilige Aufnahmen, die jedoch allesamt nur in Richtung Westen und vor allem nach Süden möglich waren.

der von plattigin Dolomiten geprägte flache Rücken des Gipfelplatteaus

der von plattigen Dolomiten geprägte flache Rücken des Gipfelplateaus

Leider konnte der Hauptzweck der Bergfahrt, die Erkundung des Pflerscher Tribulaunes mit Fernglas und Kamera nicht durchgeführt werden. Nach gut 10min verließ ich den unwirtlichen Gipfel.

unwirtlich heute am Gschnitzer Tribulaun

unwirtlich heute am Gschnitzer Tribulaun

Das Schneetal gereichte nun zur Freude, konnte ich doch mit den Bergschuhen relativ bequem, jedoch etwas ruppig in den kleinen Schmelzvertiefungen abfahren. Mit gekonnter Fussstellung funktionierte es im flacheren Teil dann so gut wie  früher und eine Hand konnte mit Kamera zur “GoPro” umgewandelt werden.

Nach einem gut ausreichenden, deftigen Mittagessen bei den Wirtinnen der Tribulaunhütte – und weil der Tag jung und das Wetter noch zu halten schien – beschloss ich noch eine Karrunde auszuführen und den Abstieg über den Steig zur Garklerin zu nehmen.

Blick zur Pflerscherr Scharte links und  zur Garklerin rechts

Diese Idee sollte sich als goldrichtig erweisen, auch wenn es just am Joche dort für 10min zu nieseln begann und der Abstieg dann etwas rutschig war, bis erneut Föhn einsetzte und die Vegetation vom Wasser befreite.

5m hohes Restschneefeld zwischen selbigem und Fels begangen

5m hohes Restschneefeld zwischen selbigem und Fels begangen

Bei dieser Runde muß man von der Hütte noch rd. 200Hm aufsteigen, dies jedoch im Verlauf der Runde recht aufgeteilt, sodaß  dies Vorhaben auch mit vollem Bauch gelingt, ohne den schnellen Schritt zu verlieren.

Abzweig zur Garklerin rechts

Abzweig zur Garklerin rechts

Der Teil des Steiges auf dem, der Hütte gegenüberliegenden Hang ist wieder einer aus dem Ötztal/Stubai-Kristallin gebildeten Geologie, daher muß man schon auch einiges Blockwerk überwinden und trainiert in schnellem Schritt das Gleichgewichtsvermögen.
Überhaupt wechselt auch diese Tour auf den Gschnitzer Tribulaun sehr häufig die Gesteinsarten. Wer hier aufmerksam die Eindrücke aufnimmt, spürt die Höhenmeter in den Wadln weniger.

Rückblick vom Joch zur Tribulaunhütte

Rückblick vom Joch zur Tribulaunhütte

Nach dem Joche am Fuße der Garklerin – sie muß, wegen des Nieselns noch auf ihre erste Begehung von mir warten – tut sich ein schönes, leicht nach Norden geneigtes Hochplateau auf, dessen Ausdehnung man während des Abschreitens staunend zu Kenntnis nimmt.

Hochplatteau

Hochplatteau

Später kommt man an die Westhänge der Garklerin heran und wechselt auf einen schmalen Nordwestausläufer mit prächtigem Bewuchs und einer nicht zu unterschätzenden Westflanke.

Abstieg von der Scharte bei der Garklerin

Abstieg von der Scharte bei der Garklerin

Den Abschluß dieses empfehlenswerten Steiges ins Tal bilden herrlich sprießende Almwiesen und im unteren Teil ein Urwald auf kristallinem Blockwerk der seinesgleichen in Schönheit und Urbelassenheit sucht. Einzigartig erscheint die Vegetation durch die der Steig führt; sie muß von dauerhafter Feuchtigkeit geprägt sein, angesichts des Moosbewuchses und der zahlreichen Farngewächse.

toller Absteig durch saftige hochalpine Wiesen

toller Abstieg durch saftige hochalpine Wiesen

Wenn der Begeher dort unten im Urwald – und das kommt mehrfach vor – auf einen umgestürzten Baum trifft, dann sieht er nicht nur jenen, sondern einen Krater an Geschehnissen im Einflußbereich der Wurzeln rundherum, die von echten Naturgewalten zeugen. Man schaue sich diesen Steig an!

herrlicher Blick zu innerer und äußerer Wetterspitze und rechts zur südlichen Rötenspitze

herrlicher Blick zu innerer und äußerer Wetterspitze und rechts zur südlichen Rötenspitze

Bei Regen dürfte der Steig jedoch sehr mühsam und rutschig sein. Er mündet unten in Tal bei der Wasserfassung links neben der Straße ein; dort ist auch der Wegweiser mit Bezeichnung “Garklerin Nr. 63″ zu finden.

Urwald im unteren Teil des Steiges

Urwald im unteren Teil des Steiges, hier eine gemäßigte Stelle

Für die gesamte Tour habe ich 7 1/4 Stunden gebraucht, man rechne jedoch mindestens 9 Stunden. Pausen halte ich relativ kurz, das Mittagessen dauert kaum mehr als 1/2 Stunde.
der gesamte Höhenunterschied beträgt rund 1.900m.

Mils, 02.07.2016