Kuhljochspitze, 2.297m – über Südgrat

Imposant vom Solsteinhaus aus anzusehen thront die Kuhljochspitze als westliche Begrenzung des Talkessels über der Solenalm hoch über Zirl.

Kuhljochspitze, 2.297m

Neben der Erlspitze stellt die Kuhljochspitze ein lohnendes Ziel in der Erlspitzgruppe, dem westlichen Teil der Nordkette, dar. Ihre Ersteigung am Normalweg ist leicht, erfolgt jedoch über weite Teile im brüchigem Fels des Hauptdolomites mit seinen ungeordneten, strukturlosen Felsköpfen mit bis zu mehreren Dutzend Meter Mächtigkeit, unterbrochen von Schluchten, mit kleinen Schartenübergängen und vielen Schutthängen. Zwischen diesen Felsformationen finden sich Schrofen und Türmchen, unterbrochen von Wiesenflächen und jähen Abbrüchen.

Südgrat zur Kuhljochspitze. oberste Graterhebungen

Ein Felsbau, den man im Karwendel nur im westlichen Teil der Nordkette, eben von der Furche beim Solsteinhaus bis nach Seefeld findet.

Rückblick auf die Solenalm

Die Ersteigung am Normalweg vom Solsteinhaus über die Kuhljochscharte ist von steilen Steigen mit teilweisen Seilversicherungen geprägt und es geht auf den nicht weithin einsehbaren Steigen munter auf und ab, sodaß eine Entfernungseinschätzung, oder Abschätzung der Gehzeit, dem Kundigen dieses Geländes vorbehalten ist.

Rücken auf den aufgestiegen wird, im Hintergrund die Kuhljochspitze

Besser einzuschätzen hinsichtlich der Gehzeit ist die Ersteigung von der Solenalm aus. Auf dieser Route ist der Weg von weithin sichtbar abzuschätzen, folgt er doch dem langen freien, zunternbewachsenen Gratausläufer, da sich bis zum Kreuzjöchl hinaufzieht und mit wenig weiterem Höhengewinn an die Hauptkette anschließt.

knapp unterhalb des Kreuzjöchls

Der Steig von der Solenalm herauf erreicht den Freiungen Höhenweg im Westen des Gratausläufers und zwar ca. 25m unterhalb der Scharte (manche bezeichnen die Scharte als Kreuzjöchl) und zum Einstieg in den Südgrat müssen ca. 15Hm zusätzlich angestiegen werden.

erster Felskopf am Südgrat, unter der Höhle geht es quer hinauf

Den Einstieg bildet ein zurückgesetzter Absatz der Hauptwand, die auf ca. 25 bis 30m Höhe eingesehen werden kann. Von unten betrachtet, steigt die Route unterhalb einer dunklen Höhle nordwestlich an.

Andi bereits über der Höhle in Richtung zum Wiesenfleck

Im Fels wird rasch klar, daß die logische Route leicht links auf eine Rippe führt und von dieser in leichter Kletterei in direkter Linie über eine griffige aber schuttbedeckte Fläche zum Ausstieg auf eine Wiesenfläche führt.

Aufstieg zum Wiesenfleck

Diese abwechselnden Partien von schroffem brüchigen Fels und oberhalb dieser Wiesenflächen, die in Schärtchen oder Kamine führen sind auch typisch für den Felsbau in der Erlspitzgruppe.

Rückblick unterhalb des wiesenfleckes

Nach der Wiesenfläche erreicht man über eine brüchige Flanke ein Schärtchen, zu dem herauf die im Führer beschriebene Variante zur Vermeidung des ersten Wandkopfes her führt. Man muß diese Rinne mit viel rutschendem Schutt nicht nehmen, der erste Felskopf ist leicht genug um ihn zu erklettern.

das Schärtchen voran und sogleich der nächste Felskopf

Jenseits des Schärtchens warten wieder splittrige, brüchige Felsen auf, die jedoch ebenfalls ohne große Schwierigkeiten überklettert werden und diesmal ist der Ausstieg ein Schuttband das auf eine kleine zunternbewachsene ebene Fläche führt.

Querung zum Schärtchen in sehr brüchiger Flanke

Nach dieser Fläche bricht der zweite Felskopf wieder jäh ab, wobei auf einem schmalen kurzen Felsband in eine weitere Scharte abgeklettert wird.

Beginn des zweiten Felskopfes

Nach diesem Felskopf zieht sich der Hang mit einer langen wiesenbewachsenen Passage bis unter die Gipfelgratfelsen hinauf. Diese könnten an ihrer Westseite in leichtem Gehgelände bis zum nahen Gipfel gemeistert werden, uns reizte jedoch deren direkte Überkletterung bis zum Gipfelkreuz der Kuhljochspitze.

mitten im zweiten Abschnitt

Eine nette kurze Kletterei im II. Grad mit ordentlicher Brüchigkeit, die in jedem Fall einiges an Konzentration erfordert. Er ist jedoch schöner als der brüchige, ausgetretene Normalweg.

eine lange Wiesenpartie erreicht, sie zieht sich bis knapp unter den Gipfel

Am kleinen Gipfelplateau der Kuhljochspitze hat man eine phantastische Aussicht und einstimmig beschlossen wir gleich, daß nächstens der Übergang auf die Erlspitze dazu gehängt werden muß.

letzte Meter zum Gipfel am Südgrat der Kuhljochspitze

Der Aufstieg am Südgrat wird in ca. 35 bis 40min bewältigt, der gesamte Aufstieg von Hochzirl beträgt gut 1.400m.

Kuhljochspitze mit Südgrat vom Solsteinhaus aus

Als Abstieg wählten wir den Normalweg zum Solsteinhaus, um dort in aussichtsreicher Kulisse reichlich und gut zu speisen.

Kreuzjöchl bis Kuhljochspitze

Den gesamten Aufstieg vom Bahnhof in Hochzirl bis zum Gipfel bewältigten wir in 2 3/4 Stunden, der Führer gibt am Normalweg (über die Kuhljochscharte) 4 Stunden an.

Mils, 30.07.2017

Äußere Rigelkarspitze, 2.407m

Der letzte Gipfel der mir in dieser Kette mit all ihren Ausläufern noch gefehlt hat, die Äußere Rigelkarspitze, wurde heute mit Manuel im Rahmen einer schönen Überschreitung bestiegen.

Äußere Rigelkarspitze, 2.407m

Die Überschreitung begann mit dem Aufstieg zum Hohen Gleirsch über seinen schönen, leichten Westgrat, dessen eindrucksvolle erste Erscheinung des Karwendels vom Ausgangspunkt Scharnitz aus schon bestaunt werden kann.

Aufstieg zum Hohen Gleirsch über den Westgrat

Beim Bluetsgraben haben wir die Radeln in den Wald geworfen und nahmen den teilweise weglosen Aufstieg rechts des Grabens durch den Wald. Eine detaillierte Beschreibung des Aufstieges findet sich im Bericht Hoher Gleirsch über Westgrat 2.491m

Eingang zum Steig auf die Bluetsgrabensenke durch die Latschen

Oben, am Ende des Bluetsgrabens, wo der Latschengürtel beginnt, mußte wieder kurz der Einstieg in den Steig durch die Latschen gesucht werden. Er ist wieder etwas mehr zugewachsen, mit ein wenig Spürsinn findet man ihn aber leicht. Hier oben ein Foto zur Unterstützung.

Abzweigung Steig zur Bluetsgrabensenke

An diesem netten Steig zweigt nach ca. 10min – nicht verfehlbar – im ersten freien Reisenfeld der weitere Aufstieg zur Bluetsgrabensenke links ab, eine Senke im Grat, die bereits von unten gesehen werden kann.

Blick hinab zum Bluetsgraben

Am Grat gibt es über weite Bereiche Steigspuren und so manches Steinmandl, jedoch ist auch ohne diese Hilfen der Weg zum Gipfel klar vorgegeben und es gibt kein Verirren.

Blick auf Riedlkar-, Breitgriesskar- und Große Seekarspitze

Von der Bluetsgrabensenke bis zum Gipfel rechne man in etwa eine Stunde, auch wenn der Gipfel des Hohen Gleirsch durch das riesige Gipfelkreuz so aussieht, als wäre er in nächster Nähe und rasch erreicht.

Blick auf Ödkarspitzen, Birkkarspitze und Kaltwasserkarspitze

Am Gipfel findet sich heuer ein junges Buch das beim letzten Besuch gefehlt hat.
Nach einer kurzen Rast und einem Selbstgebrannten von drei bayerischen Freundinnen, die gerne die ganze Kette überschreiten würden und die wir später auf der Möslalm wieder getroffen haben, ging es weiter Richtung Osteck des Rückens des Hohen Gleirsch.

Blick vom Osteck des Hohen Gleirsch zur Scharte zur Äußeren Rigelkarspitze

An diesem Punkt bricht der Gratrücken jäh ab und der erste Abstieg ist geprägt von großer Brüchigkeit. Die ca. 15m Abstieg zum weiteren Grat sind mit Bedacht abzuklettern, da der Fels wirklich nicht von guter Qualität ist und am weiteren Verlauf auch nicht besser wird.

erster Abstieg vom Osteck des Grates vom Hohen Gleirsch

Nach dieser Stelle geht es auf einen Kopf zu auf dem man von Weitem einen größeren Steinmann erspäht. Der Weg dorthin ist einfach. Am Kopf erkennt man, daß er nicht gerade überklettert werden kann. Etwas rechts, nach ein paar Meter Abstieg beginnt ein kurzes Band nach Nordwesten das perfekt zum Abstieg in ein Schärtchen dient und der folgende kleine Kopf, der mit dem großen Kopf das Schärtchen bildet, wird nordseitig auf breitem Schuttband umgangen.

weiterer Gratverlauf, Kopf mit Steinmann voraus

Der folgende Kopf nach dieser Stelle wird nicht mehr erklommen, da sich rechts unterhalb der nun ungemein schuttreichen Schrofenflanke bereits die Scharte zur Äußeren Rigelkarspitze einsehen läßt und somit logisch den weiteren Weg vorgibt.

Köpfchen, das nordseitig auf einem Schuttband umgangen wird (von links hinten kommt man her)

Diese Flanke ist wirklich kein Genuss, sie beinhaltet zwar genügend Bänder zwischen den Schrofen, diese sind jedoch vollends mit Schutt bedeckt auf dem man vielleicht Reisenlaufen könnte, wären dort nicht regelmäßige Absätze mit einer geringen Mächtigkeit von ca. einem Meter, aber doch zu hinderlich.

in der Flanke zur Scharte zur Äußeren Rigelkarspitze

Diese Flanke halb querend halb abkletternd erreichten wir die Scharte, die einen schönen und auch schauderhaften Blick in die Rigelkarnordwände erlaubt. In etwa 30m unterhalb der tiefsten Einschartung beginnt dann der Aufstieg zur Äußeren Rigelkarspitze.

Blick zur Äußeren Rigelkarspitze aus der Flanke (die Risse und Kaminchen in der Südflanke deutlich zu sehen)

Untypischerweise vollzieht sich ein Großteil des Aufstieges zur Äußeren Rigelkarspitze in deren Südflanke. Es gibt zum Aufstieg ein langes Band mit verschiedenen Größenordnungen von Breiten und, noch interessanter, einigen – wenn ich mich richtig erinnere – vier mittellange bis ganz kurze Risse oder Kaminchen.

Rückblick auf die Überschreitung vom Hohen Gleirsch zur Scharte der Äußeren Rigelkarspitze

Diese sind teilweise recht gut mit Schutt gefüllt, bieten aber – mit Ausnahme des zweiten – genügend Haltemöglichkeiten und Tritte.

erster Riss im Aufstieg zur Äußeren Rigelkarspitze

Der zweite Riss ist aufgrund seiner hangseitig fehlenden Felsbegrenzung eigentlich schon kein Riss mehr, sondern nur ein erdiges Band mit wenig Griffmöglichkeiten links und gar keinen vernünftigen rechts. Die Tritte sind lediglich in Erde möglich, obwohl nur Fels weit und breit vorhanden ist.

der zweite Riss, schlechtes Material zu beiden Seiten und unterhalb

Am Ende der Risse oder Kaminchen steigt das Band, das bis dorthin relative flach angestiegen ist, nun etwas mehr wiesendurchsetzt steiler an. Am Ende mündet es in einer Felsformation die ein Weitersteigen links und rechts als gleichwertig möglich erscheinen läßt. Eigentlich ist man da schon ca- 20m unterhalb der Äußeren Rigelkarspitze, man weiß es nur nicht.

nach dem letzten Riss oder Kaminchen, weiterer Verlauf des Bandes ansteigend

Beim weitersteigen entschieden wir uns für die rechte Seite und anhand der folgenden zwei Steinmänner erkannten wir die Originalroute. Nach dem Zweiten Steinmann wendet sich der Aufstieg nach Nordwesten und nach wenigen Metern betritt man den schmalen Gipfelgrat der Äußere Rigelkarspitze.

Entscheidung ob links oder rechts

Am schmalen Gipfelbereich bezeugt nur ein Steinmann mit unter Steinen eingegrabener „Gipfelbuchmunitionsschachtel“ vom Gipfel selber. Der Grat gen Westen erscheint kaum machbar, schmalest, brüchig und mit riesigen Absätzen mäandert er sich hinab zur Scharte zwischen dem Hohen Gleirsch und der Äußeren Rigelkarspitze.

Manuel am Gipfel der Äußeren Rigelkarspitze

In östlicher Richtung erspähen die Bergsteigeraugen einen uneinsehbar zerklüfteten Grat mit offensichtlich sehr tiefen Einschartungen zwischen kühnen Türmen. der erste Anblick keine wahre Freude.

Gratverlauf zur Inneren Rigelkarspitze

Der Blick vom Gipfel hinab ins Weite Tal hoch über dem Jagdhaus Hubertus im Hinterautal ist atemberaubend. ein paar Hundert Meter geht es senkrecht hinab. In jeder Beziehung ist dieser schmale Gipfel ein unvergesslicher.

Blick nordseitig ins Weite Tal hinab

Nach der Rast versuchten wir die Überschreitung zur Inneren Rigelkarspitze zu erkunden. Hierzu folgten wir vom letzten Steinmann einer als Band aussehenden abschüssigen Schuttebene, die sich teilweise verlor und in gelbe brüchige Türmchen links und rechts wandelte. nach 5min erreichten wir den hohen Abbruch bei dem der Führer schreibt ca, 40m abzusteigen, um unten queren zu können. Diese 40m (südseitig) erschienen uns aufgrund der Brüchigkeit kaum machbar und wenn, dann nur gesichert.

der dritte Eintrag im Gipfelbüchlein

Solche lockeren und vom Schutt rolligen Zinnen und Rinnen habe ich im Karwendel nicht oft zu Gesicht bekommen, nicht das geringste Vergnügen muß es sein, diesen Abstieg zu nehmen der obendrein keinen Fehltritt verzeihen wird.

Erkundung des Abstieges in der Überschreitung zur Inneren Rigelkarspitze – kaum begehbar vor Schutt

Mit dieser Ernüchterung über den fast zunichte gemachten Überschreitungsgenuß stiegen wir die ca. 25Hm wieder zurück zum originalen Abstieg von der Äußeren Rigelkarspitze und benötigten von dort ca. 15min bis zur Scharte zurück.

am Abstieg am erdigen Riss angelangt

Die Reise hinab ins Rigelkar kann im oberen Teil gut abgelaufen werden, und mit der Annäherung zum Karboden verliert sich der kleinstückige Schutt, es muß statt Reisenlaufen dann abgestiegen werden.

Reise hinab ins Rigelkar

Durch das schöne Rigelkar geht es hinab ins Gleirschtal zum kulinarischen Stützpunkt der Möslalm.

Rigelkar Beginn des inneren Teiles

Die gesamte Runde ab Scharnitz bis zur Möslalm braucht ca. 6 Stunden und gut 1.700m werden bewältigt.

Mils, 29.07.2017

 

Jägerkarlspitze und Hinterödkopf

Im Verbindungsgrat zwischen den Jägerkarspitzen und den Praxmarerkarspitzen gelegen bieten Jägerkarlspitze und Hinterödkopf eine lohnende Bergfahrt mit phantastischen Blicken in jede Richtung.

Hinterödkopf, 2.450m

Die beiden Nachbarn westlich und östlich überragen Jägerkarlspitze und Hinterödkopf um jeweils gut 150m und von der Jägerkarscharte sind jeweils etwa 200Hm auf die beiden Gipfel zu bewältigen.
Der Aufstieg von der Jägerkarscharte zu beiden Gipfeln ist einfach, jedoch mit ein paar Stellen Kletterei im II. Grad gewürzt.

Jägerkarlspitze 2.470m

Zunächst beginnt die Tour mit der Radlfahrt ins Gleiersch- und weiter ins Samertal von Scharnitz. Auf dieser Strecke werden ca. 14km und 480Hm zurückgelegt. Die Zeit dafür beträgt etwa eineinhalb Stunden mit eigener Muskelkraft. Je nachdem wie gut man mit dem Mountainbike unterwegs ist muß diese Zeit individuell angenommen werden und bei der Einfahrt mit dem Stromradl sowieso.
Ich habe das Radl knapp nach Beginn der alten Straße in den Latschen verstaut, weil der Anstieg über die Umfahrung über das Kreidenegg den Kräfteaufwand für den letzten knappen Kilometer nicht wert ist.

Jägerkar von der Straße aus gesehen

Der Abzweig ins Jägerkar erfolgt unterhalb eines Hochstandes in etwa 200m nach der „Brücke bei der Sag“, die mit einem versperrten vertikalen Schranken für Fahrzeuge gesichert ist.
Dort findet man einen schmalen Jagdsteig auf der rechten (östlichen) Waldbegrenzung (siehe Foto in der Galerie), dem man bis hinauf zu der Querung dessen durch das weniger bewachsene Kar folgt. Nun gäbe es offenbar weitere Steigspuren eher östlich durch das Kar hinauf, ich entschied mich jedoch für die direkte Route durch die Reise bis zu einem unteren Ansatzpunkt von Schrofen, die ein angenehmeres Steigen durch das doch recht steile Kar zu versprechen schienen.
Es sei hier vorweggenommen, daß es einen angenehmeren Anstieg gibt, er wird weiter unten in diesem Bericht beschrieben.

Beginn des Steiges in das Jägerkar

Auf dem Weg in die obere Karmulde jede Menge Blumen und Schmetterlinge, die durch die vom nächtlichen Gewitter noch nassen und schon einige Jahre nicht mehr ausgeschnittenen Latschen zum fotografieren anregen. Einigermaßen nass kommt man bei solchen Verhältnissen oben – ca. nach 300Hm im weniger bewachsenen Kar an.

direkte Aufstiegsroute ins Jägerkar

Der Aufstieg in der direkten Route bleibt anstrengend bis zum Erreichen des Karbodens der gar nicht so ebenflächig ausgebildet ist wie man sich Karboden so vorstellt. Eine beachtliche Hügellandschaft bei der gut 25Hm im weiteren Anstieg zur Jägerkarscharte „verschenkt“ werden, wenn man zu sehr mittig im Kar ankommt.

junges Gamskitz

Ein junges Gamskitz verwechselte mich mit seiner Mutter und kam geradewegs auf etwa 30m auf mich zu. Es schrie fürchterlich mit dem selben herzzerreißenden Muster wie es Babies tun, um die ungeteilte Aufmerksamkeit der Mutter zu erlangen. Erst beim Blickkontakt mit mir völlig überraschten Bergsteiger realisierte es, daß es geradewegs auf die falsche Mutter zulief und ließ mir keinen Moment die Kamera zu zücken und diese einmalige Situation für immer auf ein Video zu bannen.

Jägerkar mittlerer Teil

Ein paar Aufnahmen konnte ich machen, jedoch ist das Windgeräusch durch die starke Thermik dermaßen überragend, daß das Geschrei des Jungtieres leider nicht durchgekommen ist.
Verzweifelt sprang es in nun größerem Abstand vor mir her und wußte nicht recht welche Richtung die richtige war.
Durch mein stetiges Aufsteigen und sein Zurückweichen erreichten wir eine Stelle von der aus das Jungtier die Herde erblicken konnte und war auf und davon.
Die Gemsen im Jägerkar sind ebenso scheu wie jene im Rigelkar und beider geringsten menschlichen Annäherung flüchtet die Herde weit hinauf in die Schuttflanken unterhalb der mächtigen Gipfel mit ihren senkrechten Abbrüchen darüber.

unterer Zugang zur Jägerkarscharte

Nun, nach dem Erreichen des oberen Karbodens, der oberen Karhügellandschaft, kann der weitere Aufstieg zur Jägerkarscharte gut eingesehen werden.
Die Schotterreise, die bis hinan zu den schroffigen, wiesenbewachsenen Felsansätzen führt ist glücklicherweise moderat kurz. Mit bald festem Grund unter den Bergschuhen wird die Flanke zur Jägerkarscharte erklommen.

oberer Teil Aufstieg zur Jägerkarscharte

Wie auch im Karwendelführer beschrieben besteht der, neben dem Lafatscher Joch einzig gangbare Übergang in der Gebirgskette, nicht in der kürzesten Ausprägung durch Überqueren der Scharte an deren tiefster Stelle, nein, ganz im Gegenteil, dort fallen die Wände in das Hinterautal senkrecht ab. Der gangbare Übergang befindet sich etwa 200m östlich der tiefsten Einschartung und besteht im oberen Teil aus einer Schottereise durch eine mittelbreite Schlucht, soweit sie vom Grat aus eingesehen werden kann (siehe Fotos in der Galerie).

Weißer Silberwurz am Grat zur Jägerkarlspitze

Dort beginnt der kletterbare Grat zur Jägerkarlspitze und nach einigen wenigen Minuten und ca. 30Hm wechselt die gangbare Route auf die Nordseite, wo auch der zuvor beschriebene Anstieg zur Jägerkarscharte von der nördlich, im Hinterautal gelegenen Hinterödalm heraufzieht.

Aufstieg zur Jägerkarlspitze

Die nette Kletterei am Grat hat hier auch bald ihr Ende gefunden, denn nun erfolgt der weitere Anstieg zur Jägerkarlspitze in deren Westflanke und nicht mehr am Grat, der seine Ausprägung auch bald verliert.

Doppelkamin probiert – es geht rechts davon weiter

Ein kleiner Doppelkamin wurde zunächst von mir als Aufstiegsmöglichkeit gesehen, jedoch unterließ ich beide Varianten sofort, als ich näher herantrat und die Griff- und Trittmöglichkeiten betrachten konnte. Sie wäre möglich, jedoch deckt sich die dortige Schwierigkeit nicht mit den Aussagen „unschwierig“. Der Aufstieg wurde also weiter rechts davon (südlich) in der Flanke fortgesetzt und leider in sehr gebrächem, schuttübersätem  Gelände bis zum Gipfel.

Felsgestalt am Weg zur Jägerkarlspitze

Außer dem schönen Blickfang einer narrenzeptergleichen Gratausbildung bietet der Aufstieg durch die rippenartige, schuttbedeckte Flanke keine Highlights. Froh ist, wer diese Strecke hinter sich hat und am halbwegs festen Grat mit weniger Steilheit als zuvor, ein paar kleine Köpfchen überschreitet, bis er am ungezierten Gipfel der Jägerkarlspitze steht.

Jägerkarlspitze, 2.470m gen Westen

Ein länger nicht mehr aufgeschichtetes Steinmandl mit dem Latschenstock daneben erwartete mich in der Einsamkeit der Jägerkarlspitze auf 2.470m und ich konnte nicht umhin es ein wenig zusammen zu richten und den Stock wieder in dessen Mitte zu platzieren.

Jägerkarlspitze 2.470m gen Osten

Der Grat zur Westlichen Praxmarerkarspitze sieht gut gangbar aus, mittig im Aufstieg befindet sich eine gewaltige, südwestlich hinabziehende Schlucht mit einer deutlichen Störzonenausprägung als Entstehungsursache für die selbe und an deren oberen Ende dürfte der Grat etwas zäh zu nehmen sein, der schmal und blockartig erscheint. Vielleicht auch nur eine Täuschung durch die Tiefenverzerrung durch das Fernglas.

Aufstieg zum Vorgipfel der Westlichen Praxmarerkarspitze

Die schauerliche Praxmarerkar Nordwand kann von hier aus noch besser eingesehen werden als am Abstieg vom Grat der Östlichen Praxmarerkarspitze aus. Eine furchteinflößende und aufgrund der Farbgebung höchstwahrscheinlich sehr brüchige Wand, die die Bergsteiger bereits von mehr als 100 Jahren in ihren Bann gezogen hat.

Blick hinab zur Hinterödalm

Der Abstieg zur Jägerkarscharte ist eine gut viertelstündige Angelegenheit. Jenseits der tiefsten Einschartung geht es nun dem Hinterödkopf entgegen.

Rinne als Normalaufstieg zur Jägerkarscharte

Dem Karwendelführer folgend werden die ersten Gratzacken unterhalb umgangen. Dann kann eine Art Steig zwischen dem grasdurchsetzten Schutthang und dem festen Fels erkannt werden, der ca. 25m hoch nach oben auf eine flacher ausgeprägte Wiese führt. Der Steigansatz geht weiter und plötzlich befindet man sich in der schmalen Scharte, die schon vom Karboden aus markant sichtbar ist.

erste zu umgehende Grattürme zum Hinterödkopf

Es ginge vielleicht jenseits der Scharte über ca. 8-10m senkrecht hinauf, jedoch war mir nicht klar was mich dort oben erwartete. Hier kann vorweggenommen werden, daß im Abstieg erkundet wurde, daß oben nach wenigen Metern eine weitere tiefe Scharte besteht, die sicher mit einigem Zeitaufwand bewältigt werden kann.

am Ende des Schrofengeländes, kurz vor dem Aufstieg zum Grat

Allerdings unternahm ich ca. 25-30m Abstieg, um unterhalb der Rippe mit der Scharte zu queren und den Empfehlungen des Führers folgt, der die Gratbetretung erst um einige Hundert Meter weiter beschreibt.

am Ende des Schrofengeländes, kurz vor dem Aufstieg zum Grat zum Hinterödkopf

Hierzu ist es notwendig durch wiesendurchsetztes Schrofengelände nordwestwärts aufzusteigen, kein unbedingt beliebtes Gelände für den Bergsteiger.

Gratbeginn zum Hinterödkopf

Am Ende dieser Partie befindet man sich wirklich nur mehr 10 Meter unterhalb der Felsen und erreicht ein fast flaches Wiesenplatzl mit einem kleinen Steinmann. Dem schuttigen Band folgend könnte man nun zur weiter westlich befindlichen Scharte mit einem auffallenden Türm queren, allerdings erschien es mir aus dieser Sichtposition ratsamer ca. 8Hm aufzusteigen um auf den direkten Grat zu gelangen.

direkt am Grat

Dies war keine schlechte Idee, denn nordseitig konnte ich nach 2m Abstieg bequem zur orangefarbenen, brüchigen Scharte gelangen. Im Abstieg habe ich dann die andere Variante gewählt und festgestellt, daß sie auch gut gangbar ist. Soviel zu optischen Eindrücken am Grat und jenseits davon.

kurzer Abstieg nordseitig

Die folgende Strecke besteht aus einem nicht wenig steil ansteigendem mittelbreitem Band, das trügerisch mit Schutt bedeckt ist. Halt am festen Fels tut hier gut.

kleiner Aufschwung, direkt überklettert

Es folgt ein kleiner Aufschwung, den ich gerade überklettert habe und dem jenseits eine glatte Platte folgt, auf die man mit einem beherzten Sprung gelangt. Diese Platte ich auch gleichzeitig der Beginn der Gipfelschuppe, an dessen Ende die höchste Erhebung den Hinterödkopf darstellt.

am Hinterödkopf, Platte mit Sprung unterhalb zu sehen

Am Hinterödkopf gibt es nicht einmal eine Steinschlichtung geschweige denn einen Latschenstock als Kreuzersatz. Er ist ja auch nur ein höherer Punkt am Grat zur Nördlichen Jägerkarspitze, der keine besondere bergsteigerische Bedeutung hat.

Hinterödkopf, 2.450m

Im Gratverlauf vom Hinterödkopf zur Nördlichen Jägerkarspitze folgen einige umgehbare Grattürme, eine scharf werdenden Gratschneide und, wahrscheinlich als Krönung der Schwierigkeiten, der Punkt P2.548m, ein rassiger Kopf mit einer einsehbar schwierigen Gratflanke. weiter folgt ein kleiner Turm und anschließen der steile Aufschwung zur Nördlichen Jägerkarspitze selbst. Ein faszinierender Grat.

Autor am Hinterödkopf, hinten die Jägerkarspitzen

Den Hinterödkopf verlasse ich nach dem Rest der Jause, die noch übrig war und erkundete die etwas unterhalb des Grates möglichen Übergänge von kleinen Graterhebungen, die jedoch allesamt weniger gut gangbar sind, als der Königsweg oben drüber. Entweder sind sie brüchig, oder verwinkelt.

Gratverlauf zum Hohen Gleiersch mit links Innerer und Bildmitte Äußerer Rigelkarspitze

Der Abstieg vom Hinterödkopf bis zur tiefsten Stelle an der Rippe unterhalb der Scharte ist eine Angelegenheit von 15min, sodann werden auf den nächsten 150m im Hang wieder ca. 10Hm Aufstieg nötig, um an den Punkt zu gelangen, an dem der Steig nach unten zum Gelände der Jägerkarscharte zu gelangen. Weitere 15min werden bis zum Karboden benötigt.

Blick nach Osten von Praxmarerkarspitzen bis zu den Bettelwürfen

Von der vorderen Kante am Karboden aus kann auf der echten (westlichen) Seite des steil abfallenden Kares ein Steig erkannt werden, den ich nach ca. 100m Reisengelände erreichte und dem ich bequem bis zu der „Porten“ folgen konnte.

vom bequemen Steig aus gegen den oberen Karboden des Jägerkars geblickt

Dies ist also der bequemste Aufstieg, denn er führt durchwegs auf keinem rutschenden Schuttgelände sondern schneidet die Flanke geschickt so, daß auch der Aufstieg bequem machbar ist.

Steigverlauf zu der „Porten“

Bevor der Steig so richtig in steiles Schrofengelände eintaucht ist er auch schon zu Ende. Man sollte diese letzten 50m nicht verzagen und über die darunter liegende Reise abfahren sondern den Steig bis zu seinem Ende augehen – und steht 10Hm oberhalb der Porten in flacherem Wiesengelände.
Siehe hierzu die Fotos in der Galerie, es braucht keine weitere Beschreibung.

die „Porten“ von unten

Durch die eindrucksvolle Porten geht es dann hinab zum Jagdsteig und hinaus zur Fahrstraße im Samertal.

von der Möslalm ins Samertal geschaut

Eine willkommene Rast bei gutem Essen in der Möslalm bildet immer den krönenden Abschluß im Gleirschtal.

Ohne Aufenthalt in der Möslalm benötigte ich für die Tour ab Parkplatz Scharnitz und zurück genau 9 Stunden. Es wurden 1.665Hm zurückgelegt.

Mils, 09.07.2017

Innere Rigelkarspitze, 2.438m

So sanft die Gleierschtal-Halltalkette von der Sichtung von Scharnitz aus beginnt, so bizarr und wild setzen die ersten Gratübergänge östlich des Hohen Gleirsch fort und der Übergang zur Innere Rigelkarspitze stellt im Gratverlauf zu den Jägerkarspitzen die große Herausforderung dar.

Gipfelsteinmann der Inneren Rigelkarspitze, 2.438m mit Pleisenspitze im Hintergrund

Schon lange beschäftigt mich der westliche Teil dieser heimatlichen Karwendelkette, weswegen die zentrale  Erhebung der Tour darin bestand, die Inneren Rigelkarspitze nun erstmalig auf leichtem Wege zu erkunden.

Grat von der Inneren Rigelkarspitze zur nördlichen Jägerkarspitze

Gleich bei der Morgentoilette beleidigte ich beim Bücken zum Wasserhahn hin irgendeine Bandscheibe weit unten – was bei mir nur alle zwei Jahre vorkommt – und mußte  selbst während der Anfahrt nach Scharnitz um 7 Uhr noch feststellen, daß diese unbewußte Bewegung längerfristige Konsequenzen haben würde. Also am Radl in Gleirschtal – ich pflege trotz meines hohen Alters noch nicht mit einem Stromradl aufzusteigen – verschwand die Einschränkung nicht und es kann an dieser Stelle schon vorweggenommen werden, daß bis zurück zum Schreibtisch, an dem diese Zeilen entstehen, die mittelmäßig stark spürbare Rebellion der Gummischeibe nicht zur Ruhe gekommen ist. Gut, daß es morgen regnen wird.

den Karboden des Rigelkares erreicht, phantastisches Gelände im weiten Kar

Die Anreise bis knapp vor die Möslalm muß hier nicht erwähnt werden, dafür gibt es Berichte und Webseiten genug; erwähnt sei nur, daß zur Anfahrt ein Rad für den Bergsteiger nottut, will er zu früher Stund zum Ausgangspunkt zu gelangen und weiters sei erwähnt, daß er für die Anreise vom Parkplatz Scharnitz bis knapp vor die Möslalm, wo das Radl in den Wald geworfen werden kann um das Schloss zu sparen, mit einem Stündchen mittelstarke Beinarbeit für ca. 10km über knapp 300Hm rechnen möge.

die Innere Rigelkarspitze etwas links der Bildmitte mit der Aufstiegsrinne in der tiefsten Einschartung

Gleich zu Beginn des Aufstieges darf man sich dieser Tage auf etwa 1.300m eines wahrlich ästhetischen, man könnte sagen zierlich, jungfräulichen Anblickes einer nicht sehr häufigen Orchideenart im Karwendel erfreuen, das Rote Waldvögelein, eine Alpenlilie, geleitet in der Morgensonne am Jagdsteig durch den eigenartig schönen, naturbelassenen, lichten Nadelwald und die außergewöhnliche kräftige violette Farbe der Blüten, zurückzuführen auf den passenden, leicht sauren, pH-Wert des Kalkbodens, vermag die Kamera im Morgenlicht bei weitem nicht so zauberhaft wiederzugeben, wie das Auge sie in natura wahrnimmt.

eine Anhäufung von Rotes Waldvögelein (Cephalanthera rubra) säumt den Steig

Bald ist die Abzweigung des excellent ausgeschnittenen Steiges zum Hohen Gleirsch erreicht und der Bergsteiger, der den eindrucksvollen Kessel des Rigelkares beschreiten will, zweigt nicht links zum Grat zum Hohen Gleiersch ab, er nimmt die gerade Richtung durch die breite Latschengasse mit den auffälligen Markierungen auf zwei Felsbrocken mit „R“ in das lange, weite Rigelkar.

das Rigelkar Ende Juni 2017

Von der Abzweigung sind es gut 500Hm bis der Karboden des Rigelkares erreicht ist. Alleine die Eintrittskarte dieses langen Anmarsches ist schon bezeichnend für das schöne, einsame Rigelkar.

Dolinen geometrisch sauber aufgefädelt

Am fast horizontalen Karboden können Dolinen in einer frappierenden Gleichmäßigkeit ihrer geometrischen Abfolge beobachtet werden, die für mich einzigartig im Karwendel ist und die auf einige interessante Gegebenheiten tief unter den Karwiesen schließen lassen.
Messerstichkalkgeröll (Kalkfels mit schmalen Rissen aussehend wie schmale Messerstiche) und die wahrlich menschenscheuesten Gämsen im Karwendel runden die Szenerie im Kar ab. Alleine für diese Eigenheiten hat das Rigelkar den Aufstieg über knapp 1.000Hm schon verdient. Der Bergsteiger wird mit kostbaren Eindrücken reich entschädigt, bevor es hinein die Rinnen und Zinnen geht.

Anstieg nordöstlich des Karbodens zur Aufstiegsrinne

Im hintersten Karboden halten sich die Lawinenreste meist hartnäckig bis in den Juli hinein und geben der dieser Tage schon strapazierten Trinkflasche wieder etwas Inhalt, soferne man immer warmen Tee mitnimmt, der es mit den fast zu Eis gewordenen Firn aufnimmt und noch trinkbare Mischung erzeugt, ohne daß aufgrund der Kälte Magenkrämpfe entstehen.

Nun steht ein Stück Aufstieg am Programm, das im Kopfe schwer werden kann, wenn man es zu sehr sitzen läßt. Der Anstieg aus dem Karboden zur schon von Weitem sichtbaren Aufstiegsrinne durch die Südwand zur Inneren Rigelkarspitze beginnt nämlich mit ca. 200Hm Reisengeröll.
Bei guter Routenwahl durch die Verschneidung der Reisenkegel mit großem Blockwerk kann das unangenehme pilgerschrittartige Zurückrutschen in praller Sonnenbestrahlung auch auf einem erträglichen Minimum gehalten werden und der Kopf siegt in diesem Fall nicht, man steigt beim Erreichen des festen Felses gut gelaunt aus dem üblen Teil dieser Partie aus.
Die Rinne ist nach gut 20min erreicht, sie durchzieht die Südwand in nordöstlicher Richtung und daher haben wir sie bei unserer Erstbegehung auf die Jägerkarspitzen nicht sofort entdeckt.

vom Felsansatz der Rinne zurück in den Karboden geblickt

Den unteren Teil der nun zu begehenden Rinne lasse man mangels Tritten und der Abgeschliffenheit der seitlichen Begrenzungen der 50cm breiten Rinne weg, man steige rechts im Fels ca. 15Hm weiter an und quere dann nach links in griffiges Rinnengelände.

Aufstiegsrinne nach ca. einem Drittel des Aufstieges

Wenn man sich mit dem Erscheinungsbild der Inneren Rigelkarspitze aber etwas beschäftigt, dann sieht man die Rinne schon von Weitem. Besonders bezeichnend ist der Klemmblock, der am obersten Gratverlauf ein Licht-/Schattenspiel bietet das vom äußersten Karboden bereits gesichtet werden kann. Steht man dann vor diesem Kamin, dann würde man nicht glauben, daß ein Klemmblock dieser Größe von über 1.000m Luftlinie sichtbar ist.

Aufstiegsrinne nach ca. einem Drittel zurückgeblickt

Nun geht es in diesem Riß, oder Rinne, gut griffig mit moderater Steilheit nach oben, so daß für diesen Anstieg großteils die Schwierigkeit II vergeben werden kann; die Führerangabe durch die Erstersteiger vor 120 Jahren mit I erscheint zumindest nach heutiger Geländeeinschätzung leicht untertrieben.
Der Fels links weniger, rechts jedoch signifikant mehr, ist erstaunlich fest. Bei der Begehung in der Gruppe empfiehlt sich doch ein Kopfschutz, da durch die seltene Begehung viel Geröll in der Rinne angetroffen wird, der auf die Nachsteigenden niedergeht.

ca. 30Hm unterhalb des Bereiches in dem sich die Rinne zum Kamin verengt

Der Aufstieg erfolgt selbst im Juni fast bis zur Mittagszeit recht gut vor Sonne geschützt, deshalb dürfte die Rinne auch bis weit ins Frühjahr hinein mit Restschnee gefüllt sein und die Tourenplanung sollte diesen Umstand berücksichtigen.

am Band links (westlich) des Kaminansatzes

Knapp unterhalb der Gratlinie oben verjüngt sich die Rinne zum Kamin und, betritt man diesen sehr schmalen Kamin, schlägt sofort der Gratwind durch; man weiß also, daß die vertikale Nordseite lediglich die zwei bis drei Meter hinter dem Kamin hinunterpfeift. Für mich und den Rucksack war der Kamin aber zu schmal und weil ich alleine unterwegs war wollte ich keine Experimente zur Schlankheit unternehmen, um unbedingt durch den Kamin die Grathöhe zu erreichen.
Anstelle des schmalen Schlufes entschied ich mich das genügend breite Band zu meiner Linken (westlich) zu nehmen, um auf die Grathöhe zu gelangen. Nach einigen Rippen gelang es mir auch halbwegs bequem die ca. 3-4m hohe Felsplatte über dem Band zu erklimmen, die, erdgeschichtlich betrachtet, sicher ein gutes Dutzend von Hunderttausend Jahren für ihre Entstehung gebraucht hat und die durch eine weiche Trennschicht so markant auf der harten Oberfläche des Bandes draufliegt, daß man die Zeitepochen der Entstehung fühlen kann. Im Übrigen ist die Trennschicht geologisch von so schlechtem Fels gebaut, daß sich die an deren Basis entstehenden Einbuchtungen als Notunterschlupf bei Wettersturz eignen würden; ein nicht unbekanntes Phänomen im immer lebendigen Karwendelkalk.

der Verlauf des breiten Bandes in Richtung Gipfel der Inneren Rigelkarspitze

Das moderat aufwärts gerichteten Band kann problemlos beschritten werden, bis eine geeignete Stelle für den Aufstieg zur absoluten Grathöhe gefunden wird, wobei in meinem Fall eine ehe konservativer Aufstieg in zwar brüchigem Gelände, dafür aber ohne großem Risiko gewählt wurde. Knackigere Stellen für junge Gämsen gibt es genug.

Aufstiegsstelle zum Grat

Der Grat selber mutet sichtlich selektiver an als das meiste, das standardmäßig im östlichen Teil der Kette zu finden ist, mangelt es an Türmchen in der direkten Gratlinie und schmalen Parteien doch keineswegs. Selbst der mit II beschriebene weitere Gratverlauf zur Nördlichen Jägerkarspitze erscheint ab dem Kamin keineswegs einfach.

Leider konnte ich kaum Erkundungen zu beiden Gratseiten anstellen, denn die hohe dunkelgraue Wolkenfront über der Hohen Munde überredete mich zur schnellen Gipfelrast mit hastiger Jause und frühem Abstieg. Ein Gewitter am derart selektiven Grat wäre nicht das wofür ich heute losgezogen bin.

Rückblick am Band

Zu meiner Bandscheibenbeleidigung heute früh kam zu allem Überfluss auch noch der Pflanz des Wetters dazu, denn nach dem übereilten Abstieg klärte sich das fälschlich als Ungemach erkannte Wetter von Westen und ich ärgerte mich darüber, daß der Grat nun nicht weitläufiger erkundet werden konnte. Ein weiterer Aufstieg hierzu zur Inneren Rigelkarspitze muß nun leider baldigst her.

Türmchen westseits des Gipfelsteinmannes und Hoher Gleirsch im Hintergrund

Der eingefleischte Karwendelliebhaber wird den wilden Grat mögen, das Erscheinungsbild ist dermaßen archaisch und unberührt, daß man seinesgleichen auf den höchsten Fluren weithin sucht. Der Verwitterungsgrad an der Oberfläche des Gerölls und dessen Rauheit ist von der recht seltenen Art, die nur in den sehr wenig begangenen Gratabschnitten der Kette zu finden ist, insgesamt ein faszinierend Gelände.

Hinterautal

Die Blicke zu allen Seiten der Schneide müssen jeden Karwendelgeher beeindrucken, mag er auch noch so extrem sein. Tiefblicke in das Hinterautal und eine viele Hundert Meter abstürzende Nordwand bleiben lange eingebrannt.
Solch exponierte Spitzen in Gratverläufen besitzen meist kein Gipfelkreuz mehr, die Innere Rigelkarspitze wartet dem Bezwinger mit einem schlichten Gipfelsteinmann auf und diese Auftürmung befindet sich noch nicht einmal auf der höchsten Erhebung, die sich entweder als ein schlichtes schneidiges Grattürmchen 15m weiter westlich oder am Zustieg an dem das folgende Fotos entstanden ist präsentiert. Vom Katzenkopf aus sieht die östliche Erhebung leicht höher aus, siehe Gratfoto in der Galerie.

höchste Stelle der Inneren Rigelkarspitze, oder ist das Türmchen drüben noch ein wenig höher? Rechts unten der Gipfelsteinmann

Heute nicht ganz mein Tag, die Grundmission aber ausgeführt geht es nach einem raschen Moment des Dankes für den geglückten Aufstieg am kurzen Gratstück zurück zur Rinne. Noch ein kleiner Moment des Innehaltens, ob des herrlich aussehenden Kamines, aber nein, die Vorfreude über die nächste Begehung soll die schöne Stelle konservieren, es geht wieder abwärts und zwar gar nicht so unbequem wie man schlechthin Abstiege in Rinnen im Karwendel kennt.

Grat mit ostseits höchster Erhebung der Inneren Rigelkarspitze

Die letzte erwähnenswerte Stelle ist der ganz unterste Teil der Rinne, der weiter oben im Text schon erwähnt wurde. Ich vergaß ihn, kletterte gedankenlos weiter hinab, kokettierte einen Augenblick mit einem drei Meter Sprung, verweigerte aber mit der Erfahrung des Alters, kletterte 10m zurück und nahm den griffigen Felsabstieg.

wieder 15m höher zurückgeklettert

Der Rest im Abstieg ist nicht erwähnenswert und im Karboden schon kam leichter Ärger ob des blauen Himmels über der Hohen Munde auf. Die Wirtsleute der Möslalm aber vertreiben den Ärger mit deren tollen Angebot…

letzter Blick zurück beim Abstieg durch das Rigelkar

Gehzeit ab kurz vor der Möslalm und bis zur selben Stelle zurück ca. 5 Stunden (Radlstrecke zusätzlich ca. 1h rauf + 40min ab), ab Scharnitz ~ 1.500Hm

Mils, 24.06.2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Überschreitung Speckkarspitze – Kleiner Bettelwurf, Variante

Für diese schöne Überschreitung gibt es zur Erstbeschreibung auf diesem Blog am Aufschwung zum Kleinen Bettelwurf eine Variante, die Andis Normalroute darstellt und hier beschrieben wird.
Außerdem haben wir von den Schlüsselstellen Videos gedreht, um die Dokumentation zu verbessern.
Der Bericht bezieht sich auf die wichtigsten Passagen und endet mit der Abstiegsvariante zur Bettelwurfhütte am Südgrat des Kleinen Bettelwurfes.

Grat von Speckkarspitze bis Kleiner Bettelwurf

Nach dem Gipfel der Speckkarspitze gelangt man zum kleinen Abbruch mit Scharte, die jenseits, als Gegenpart, von den markant schräg nach oben ziehenden Rippen gebildet wird und an denen schon Karwendelpioniere bei deren Erstbegehung gescheitert sind.
Der Führer beschreibt hier einen nicht nachvollziehbaren lästigen Abstieg, der das lange queren der scharfen unangenehmen Rippen bis zur Grathöhe danach zur Folge hat.

Abstieg zur Scharte

Wir bleiben also ganz zuoberst und zwar bei vorgenanntem Schärtchen, von dem es nordseitig steil abfällt.
Von der Scharte aus sind es nur wenige Schritte – man mag sie je nach individueller bergsteigerischer Stufe als unangenehm empfinden – zum kleinen Sattel auf und nachdem das Gelände nicht mehr so ausgesetzt abwärts zum Grat zurück weitergeht.
Die Stelle ist nach der Scharte etwas griffarm und der Körper kann nicht wie man sich es wünschen würde dem Verlauf folgen, er tendiert zum leichten ausdrehen. Mit Bedacht jedoch gestiegen ist die Stelle schwierigkeitstechnisch problemlos zu begehen.
Die Passage vom Übergang der Scharte bis hinter das Sattelchen wurde im weiter unten im Bericht folgenden Video festgehalten.

Andi mit seiner gewaltigen Spannweite im Greifen

Weiter geht es etwas mühsam bis zur Grathöhe hinab und unten umgeblickt und die Strecke begutachtet stellt man fest, daß schon nahezu 20min verbraucht wurden (incl. filmen in unserem Fall).

Abstieg zur Grathöhe

nun folgt der lange Grat mit ein paar leichten Überklettereien und er ist eigentlich fast durchgehend genau auf der Grathöhe zu begehen. Manche Passage davon ist gen Norden überhängend und ermöglicht bizarre Tiefblicke.

eine der netten Passagen von Rippen am Grat

In dieser Art werden bis zum Zwischengipfel des Signalkopf hin schätzungsweise zwischen 100 und 120Hm im Auf und Abstieg absolviert und nach diesem folgt der Anstieg zum Kleinen Bettelwurf mit nochmals 140Hm.

lange, leichte Gratstrecken dazwischen

Die Strecke nach dem Signalkopf bis zum Aufschwung zum Kleinen Bettelwurf ist, nach der langen Nordpassage direkt vom Gipfel hinunter zur Scharte, in der man irrtümlicherweise versucht ist abzusteigen, mit einer schönen Plattenkletterei im festen Wettersteinkalk geprägt, die zum Abschluß der leichten Gratstrecke auf den folgenden Aufschwung einstimmt.

am Signalkopf angelangt

Hierzu erklimmt man in der Scharte den Gratteil nach Osten mit einer Höhe von ca. 5m und findet sich in schönem festem Plattengrat wieder. Teilweise aufrecht begehbar, teilweise auf Reibung, wegen wenigen Trittmöglichkeiten wird der sanfte Gratverlauf wieder erreicht.

Andi in der langen Nordpassage nach dem Signalkopfgipfel

Ein paar Minuten später ist der gewaltig aussehende Felsaufschwung zum Kleinen Bettelwurf erreicht und bei der Erstbegehung kann ein etwas ehrfürchtig mulmiger Blick nicht verborgen werden.

Plattenkletterei nach dem Gipfel des Signalkopfes

Die Variante von Andi (rot) ist aber in der Ausgesetztheit um eine Nuance weniger stark ausgeprägt und vorwiegend in griffigem, festen Fels, also für den versierten Bergsteiger, der bisher Freude am Gelände hatte, ein Leichtes.

Aufschwung zum Kleinen Bettelwurf; rot Variante von Andi, Hellblau, Variante im Link am Blog

Zunächst beginnen beide Anstiege auf gleicher Route. Nach ca. 20Hm steigt man bei der Variante in gerader Richtung weiter und bei der Erstbeschreibung auf diesem Blog links abzweigend.

Andi am Sporn

Nach ein paar Höhenmetern in gerader Richtung wird eine glatte Wand erreicht zu deren Rechten sich ein abstehender Felssporn befindet, der einen großen Abbruchklotz trägt. Betrachtet man die Lagerung dieses Klotzes genauer entdeckt man ein kleines Naturschauspiel das wahrlich das Herz erfreut. Der zentnerschwere Klotz ist an seiner Vorderseite mit einigen Klemmstein“chen“ auf der Spitze des Spornes gelagert, dem Phänomen einer Sanduhr gleich und Basis für jegliches vom Menschen der Natur nachgebildete Traggewölbe. Ein einzigartiger Blick, der inmitten der steilen Wand alle schweren Gedanken – sollte man sich von  solchen belastet fühlen – vertreibt. Hiervon kein Foto man entdecke es selbst.

unterhalb des Felsspornes

Oberhalb der Stelle wendet sich die Route nach links, wobei die beste Taktik das komplette Aufsteigen über einen Haken mit Opferschlinge darstellt, um dann auf schmalen Tritten etwas nordöstlich in eine etwas schuttige Rinne zu gelangen.

nun nach links weiter

Von dieser erklimmt man rechter Hand den letzten Aufschwung der mit einer leicht kniffligen Stelle endet, die darüber mit Schutt gefüllt ist und nur ein paar spärliche Rippchen für zwei drei Finger der rechten Hand aufwartet.

knapp unterhalb des Wandkopfes

Trotz dem unübersichtlichen Blick von unterhalb jedoch keine erwähnenswert schwierige Stelle.

knapp oberhalb des Wandendes zur Scharte ihn

Nun ist ein Sattel erreicht bei der sich beide Aufstiegsvarianten wieder vereinen und auf gemeinsamem Band zum sogenannten “ schwierigen Riss“ (vgl. Buch Günter Amor „Die Bettelwurfhütte im Karwendel“ Seite 98) oder „schwierigen Stell‘ “ weiterführen. Vorher jedoch erklimmt Andi noch den Sporn südlich über dem Sattel zu seinem Steinmann, um hinten über dem Felsenfenster, das eine eindrucksvolle Sicht exakt nach St. Magdalena hinab, wieder abzusteigen.

Scharte oberhalb des Wandendes

Der „schwierige Riss“ ist halb so schwer, wie er einst mit Genagelten und – eventuell topografischen Veränderungen – gewesen sein mag.

der schwierige Riss, ein Kamin gut griffig

Ein angenehm breiter, sehr griffiger Riss, zwar in nahezu absoluter Steilheit aber doch angenehm nach innen versetzt bietet ein erstklassiges Klettervergnügen im unteren dritten Grad.

Andi beim Überspreizen der Scharte

Der Ausstieg, nochmals mit einer leichten Erhöhung der Spannung versetzt, bietet er doch einen Hauch an Überhang zum darüberliegenden Geröllfeld, rundet den interessantesten Teil der gesamten Überschreitung genussvoll ab.

der Riss im unteren Teil

Begeht man ihn erstmalig dürfte der Genuß noch nicht so ausgeprägt empfunden werden, als ich ihn bei der wiederholten Begehung empfinden durfte.

des Risses Ausstieg als schwierigste Stelle

Hier das Video mit dem Einstieg nach dem Gipfel der Speckkarspitze und dem „schwierigen Riss“:

Oberhalb dieser Passage kann der weitere Verlauf zum westlichen Gipfelkreuz des Kleinen Bettelwurf eingesehen werden und es folgen noch einige Meter harmloser Geplänkel unter Einsatz der Hände bis sich der Aufschwung in seiner Wildheit gelegt hat und typischer gestufter Karwendelkalk den Bergsteiger dem würdevollen Ziel entgegen geleitet.

Kurzer Aufstieg zum östlichen Gipfelkreuz des Kleinen Bettelwurfes

Wie immer sehr wenig – in unserem Fall, an diesem prachtvollen Frohnleichnamstag anno 17 gar kein – Publikumsverkehr am kleinen, sympathischen Gipfelplateau, von dem sich ostwärts der nicht unerheblich lange Grat zum östlichen Gipfel hinzieht.

Stimmung am Gipfel des Kleinen Bettelwurf mit Westgipfel links und Großem Bettelwurf im Hintergrund

Der sich schier unerschöpflich ständig erneuernde Nebel über dem Großen Bettelwurf dominierte auch während unseres Gipfelaufenthaltes am Kleinen Bettelwurf. Die kalten Nordwinde und die kräftige, von den Südhängen des Bettelwurfmassives heraufziehende Thermik vereinigen sich nur wenige hundert Meter über dem Gipfel und erzeugen somit einen wabbelnden Hut über dem mächtigen Gipfel der seine Gestalt mit rascher Laune verändert und den kleinen Mann unter ihm immer in eine gewisse Spannung versetzt, ob er ihn sogleich in sich verschluckt oder nur gnädig über ihm thront und ihn mit seiner Eiseskälte verschont.

Rückblick auf die Überschreitung

Wir verbrachten eine knappe Stunde Stillleben in dieser sagenhaft anregenden Atmosphäre und blickten mit ruhiger Genugtuung auf die heiße Landschaft des Inntales hinab. Mehr als 30 Grad mögen die im Tal Gebliebenen um die Mittagsstunde aushalten haben müssen und wir oben durften uns im schneeweißen Kalkgebirge einer nur dort erlebbaren Erhabenheit in angenehmer Temperatur erfreuen.

Andi überrascht mich beim Genuss des Früchteriegels und dem Studium der Inhaltsstoffe ob ja kein Zucker dabei ist

Der Abstieg erfolgte – wie soll es anders sein – in ebenso unkonventioneller Weise über den im Vorjahr entdeckten Südgrat.

Südgrat am Kleinen Bettelwurf

Dieser kann wahrlich als Direttissima bezeichnet werden, denn kaum ein Grat im Halltal folgt einer derart linienartig direkten Richtung talwärts.
Er hebt sich vom Gipfel oben talwärts geblickt um ein Vielfaches markanter als durchgehender Grat ab, als das von der Hütte aus auszumachen ist. Der Beginn bis zur Hälfte hin ist selbst im Abstieg eine Freude, Kleine Abbrüche im bankigen Gelände werden durchwegs an deren Westseite leicht abgeklettert, keine Stelle erfordert wahre Konzentration oder Anspannung. Trotz Thermik werden die die Gemsen  unserer sofort gewahr und sammeln sich mit ihren Kitzen auf den sonst so wenig gestörten Bänken des Kleinen Bettelwurf, die Massen an Störenfrieden der Idylle steigen wesentlich weiter östlich auf.

Gemsen ca. 150Hm unterhalb

Die Annäherung an die recht große Herde währte nicht lange, sie stoben bald in das weite Kar der Südwestflanke, die die Route aus dem Südwestanstieg zum Kleinen Bettelwurf bildet, davon.

einer der Abbrüche mit leichter Abkletterei auf der Ostseite

Ab gut der Hälfte des tollen Südgrates taucht man ein in ein weniger einfach begehbares Gelände, das auch die einmalige Wendung des Abstieges nach Osten erzwingt. Sie wird erzwungen durch einen jähen unbegehbaren Abbruch in direkter Falllinie und im Suchen nach einer Alternative fällt die Wahl auf das Gelände linkerhand.

bereits mitten in der einzig westlichen Abkletterstelle

Über eine auffällige, messerscharfe Klippe aus tadellosem, porösem Riffkalk geht es an die 5 – 8m fast senkrecht hinab. Gute Griffe und Tritte machen die Partie einfach zu begehen, aber teilweise überhängende Stellen mit hohlen Ausbuchtungen unterhalb erzwingen einige Konzentration Tritte zu finden und die nadelscharf gebrochene Oberfläche der ehemaligen Schalentiere schmerzt in ungeschützten Fingern und Handflächen.

Abkletterstelle im Rückblick, im Riss oben kommt man an, bevor es in diesem abwärts geht

Nach dieser Passage folgen einige Stellen mit dem ungeliebten Ockerbraunen bis orangem Material, das zu recht nicht als Fels im engeren Sinne bezeichnet werden kann. Man nimmt es leicht südöstlich zu einer Art schmalem Kar, das nun über vielleicht knapp hundert Höhenmeter bis zum Beginn – oder im Abstieg gesehen zum Ende – der Gratrippe ausleitet, die den Südgrat im Aufstieg zu bilden beginnt.

nun rechts in karartigem Gelände mit viel Schutt abwärts

Die gesamte Passage ist von Geröll und Schotter überzogen und auf den plattigen Bänken tückisch zum Ausrutschen wie auf blankem Eis. Eine abrupte rechtwinkelige Wendung nach Westen am Beginn des Grates bildet die Verbindung zum Normalweg auf den Kleinen Bettelwurf. Auch diese mit tückischem Rollsplitt überzogen.

in unteren Teil der Gratstrecke; man kann ihn mit Zeitaufwand auch abklettern

Einen letzen Rückblick auf das in Summe einzigartige Gratgelände mußten wir uns auch diesmal gönnen bevor am Steig zur Hütte die Stöcke seit dem Gipfel der Speckkarspitze wieder ihren Dienst aufnehmen mußten.

über trügerisches schuttbedecktes Plattengelände östlich zum Normalweg (rechter unterer Bildrand) queren

Der Zeitbedarf für die gesamte Runde bis hinab zum Ausgangspunkt mit Pausen beträgt netto mindestens an die 8 Stunden, mit Hüttenaufenthalt rechne man eher mit fast 10 Stunden.

Mils, 15.06.2017

Schitour Große Seekarspitze

Im ersten Drittel in der Karwendelhauptkette unternimmt man einen Klassiker der Karwendelschitouren auf die Große Seekarspitze und dies Abenteuer wird im Frühjahr erst richtig zum Genuß, wenn die Schneeverhältnisse bis zum Neunerkar ideal dafür sind.

Große Seekarspitze

Ideal sind sie dann, wenn der Aufstieg über den netten Jagdsteig durch den Wald ohne Schnee und mit Bergschuhen möglich ist, Schi und Tourenschuhe am Rucksack verstaut sind und für die rund 600Hm bis zum Beginn des Neuenerkars getragen werden müssen.
Ab dem Neunerkar auf ca. 1.800m wird die Plagerei dieser Tage mit einem traumhaften Aufstiegsgelände in zauberhafter Umgebung belohnt.

Jagdsteig zum Neunerkar; Tagesbeginn im Karwendel um 7 Uhr Ende Mai

Um 5:20 Uhr ging es vom Parkplatz in Scharnitz los und die sechs Euro für das Tagesticket ist wohl ein Hohn für die Bergwelt in die eingetaucht werden darf. Eigentlich sind es ja nur 4 Euro, denn es gibt zum Ticket einen zwei Euro Gutschein dazu mit dem man später in Scharnitz sein Bier mitfinanziert und so für die Leute etwas tut, die dort die Masse ertragen müssen.
Los geht es mit dem Radl, denn zunächst gilt es fast 11km Talweg zu meistern. Der komplette Anstieg dieser Strecke beträgt rund 350Hm und so mancher ist hier mit einem Stromradl gut beraten.

Abzweigung nach der Wildfütterung, rechts beim Marterl geht es ab zum Karwendelbach

Je nach Kondition wird der Ausgangspunkt für den alpinistischen Aufstieg nach einer bis eineinhalb Stunden Radfahrt beim Wegkreuzchen kurz nach der Wildfütterung erreicht, siehe Foto. Hier rechts ab ein paar Hundert Meter und über die Holzbrücke über den Karwendelbach.

Holzbrücke über den Karwendelbach

Jenseits des Baches sucht man sich ein Radldepot und – wenn man so wie ich kein Schloß besitzt wirft man es in ein Baumdickicht – findet sofort den Steig in den Wald.
Mit der schweren Last auf den Schultern dünkt der moderat steile Beginn des Steiges angenehm und leitet über in den richtigen Aufstiegs-Rhythmus. Ebenso beschäftigt einem die Frage warum die Schaufel, die Sonde und das Pieps auch mit mußten, ist dies um diese Jahreszeit bei dem total gesetzten Firn doch recht schräg – aber es doch beruhigend und wird akzeptiert.

hier rauf geht es ins Neunerkar, 600Hm Aufstieg mit schwerem Rucksack

Am Aufstieg gibt es zwei Bäche und eine lustige Quelle auf rd. 1.400m die hörbar oberhalb des Steiges zu sein scheint, den Steig aber nicht quert, weil sie vorher wieder versickert. Einige Minuten später erscheint sie rechts neben dem Steig und den Spuren nach labten sich in den letzten Wochen daran eine Vielzahl an Aufsteigenden.

markante Felsstufe Richtung Osten, hinten die Bockkarlspitze

Dutzende gekreuzte Spinnenfäden im Gesicht auf dem Aufstieg verrieten mir, daß ich heute zumindest der erste war und bei solchen Erlebnissen kokettiert man sofort damit, ob man vielleicht auch der Einzige bleiben würde. Letzeres war nicht vorgesehen und mit den Nachfolgenden und Dazugestoßenen ergab sich am Gipfel dann eine nette Unterhaltung beim Jausnen. David aus München hat mit mir sogar die Abfahrt angetreten und mit mir den Parkgutschein zu erquickendem Hopfensaft verwandelt.

Felsriegel hinauf zum Neunerkar, rechts wird aufgestiegen

Einen Tipp mag ich hier geben: die Aufstiegszeit bis zum Neunerkar beträgt eine Stunde oder vielleicht ein wenig mehr, je nach individuellem Vermögen, und in dieser Zeit habe ich den Rucksack nie abgenommen, man mag ihn dann wahrscheinlich kaum mehr wieder aufnehmen.

die Sonne geht über dem Neunerkar auf

Der unbeforstete Ur-Wald mit seinen riesigen Ameisenhaufen, Felsklippen und sonstigen Blickfängen lenkt auch dermaßen ab, sodaß der Aufstieg rasch vorbeigeht. Übrigens, beim größten Ameisenhaufen geht es links weiter, der Steig rechts führt in das Riedlkar.

steiles Schneefeld, im Winter bei gefrorenen Verhältnissen mitunter heikel

auf ca. 1.650m wird eine recht markante Felsstufe erreicht, die den Beginn des Anstieges in das Neunerkar bildet. In der Mitte der aufziehenden Felsen befindet sich eine kleine Höhle, die im Fall von Gewitter des Sommers auf ihren letzten eineinhalb Meter zumindest halbwegs Schutz bietet.

flacher werdendes Gelände in Richtung Neunerkar

Nach der Felsrippe führt der Steig in die steileren Passagen des Felsriegels unterhalb des Neunerkars und die Plagerei erreicht durch Schutt am Steig ihren Höhepunkt. Von dort sind es etwa 100Hm über eine im Winter bemerkenswert steile Flanke im Schnee bis der Steig wieder flacher wird und die Abrundung des beginnenden Kares erreicht wird.
Auf diesem Aufstiegsteil können bei hartgefrorenen Bedingungen heikle Situationen auftreten, nicht mehr aber im Mai und ich wage sogar zu behaupten auch nicht mehr im April.

im Neunerkar angekommen, Auffellpunkt

Ich mußte keine Stufen schlagen, so wenig von der Flanke war noch mit Schnee bedeckt. Der Steig führt auch sofort linkerhand (östlich) in Latschengelände und wird dann – nach Überschreitung des Schmelzwasserbaches – auch gleich wieder flacher.

Neunerkar kurz nach 8 Uhr

Wenig später wird das Gelände flach und das Neunerkar ist erreicht. Schluß mit dem schweren Rucksack, exakt hier wird heute angefellt und es beginnt  der Aufstieg mit Schi in das weitläufige Kar.

Aufstieg im Neunerkar erster Teil

Der Blick auf die schon fast sichtbare Breitgriesskarscharte täuscht mächtig, da steht man nicht innerhalb kaum einer Stunde oben, mich nahm das hinten nicht unwesentlich steil werdende Neunerkar eine Stunde zwanzig in Anspruch.

hinten geht es rechts hinauf

Die Lawinensituation kann am heutigen Tage eigentlich als gebannt angesehen werden. Die von Großer Riedlkarspitze und Bockkarlspitze herabziehenden Schluchten und Reisen sind weitestgehend vom Schnee geleert und anhand der Lawinenreste kann angenommen werden, daß dies innerhalb des letzten Monats passiert ist. Auch ein Grund diese Tour im fortgeschrittenen Mai anzutreten.

Aufstieg rechts (westlich) unterhalb der Steilstufe; Schnee im Gegenhang schon weitgehend aufgefirnt

Um knapp neun Uhr früh ist der Schnee im oberen Kargelände von der starken Maisonne bereits dermaßen erwärmt, daß man – als Tipp – eher besser die östliche Karseite, die um diese Tageszeit auch kaum noch bestrahlt wurde, für den Aufstieg auswählt.

Rückblick auf das Neunerkar oberhalb der Steilstufe

Liegt das weite Kar mit dem stetig steiler werdenden Anstieg einmal hinter einem, wendet sich das Muldengelände zur Breitgriesskarscharte östlich und in dem nun recht flachen Winkel konnte die Sonne nach neun Uhr noch nicht das ihre tun, um den Schneeoberfläche unangenehm aufzuweichen. Vielleicht deshalb die Bezeichnung Neunerkar – jedenfalls eine Eselsbrücke für die Zeitplanung.

Mulde zur Breitgriesskarscharte

In der Breitgriesskarscharte versuchte nicht nur ich vergebens die Biwakschachtel zu finden, als ihr einziges Lebenszeichen räkelte sich allein der Blitzableiter gerade 10cm über die Schneeoberfläche heraus.

kurz vor der Breitgriesskarscharte auf 2.300m sieht man das Ziel, die Große Seekarspitze, erstmalig

Traumhaftes Panorama tut sich hier auf, Blicke in das Breitgriesskar und in die Seefelder Kette erfreuen nach dem Kessel in dem der bisherige Aufstieg erfolgte.

die Biwakschachtel tief eingeschneit

Und natürlich die schön geformte, ja fast symmetrische Pyramide des Zieles, der Großen Seekarspitze erfreut mächtig. Fast sieht es aus, als wären es nicht mehr knapp 300Hm bis zum Gipfel sondern mehr.

Breitgriesskarscharte, Rückblick in das Neunerkar

Der weitere Aufstieg beginnt nun recht flach mit einer gewaltigen Hangquerung, die bei falschen Schneeverhältnissen sicher wesentlich heikler sein kann als die Stellen unterhalb des Neunerkars.

bevorstehende Hangquerung; rechts hinten unterhalb der Schrofen mußte ich die Harscheisen zu Hilfe nehmen

Gequert wird der gesamte Gratausläufer von der Großen Seekarspitze über die Kleine Seekarspitze bis hin zum Übergang in das Seekar und zur Breitgriesskarscharte. Auf dieser Querung waren im – von der Sonne unerreichten – östlichsten Teil des Kessels Harscheisen von Vorteil, allerdings mußten diese dort innerhalb einer unangenehmen Steigung angelegt werden und hier sollte man – als Tipp – vorher überlegen und dies in der flachen Breitgriesskarscharte erledigen, obwohl die Schneeoberfläche dort schon weich ist.

steiler Gipfelhang der Großen Seekarspitze

Am Ende erreicht man die Einsattelung zwischen Großer und Kleiner Seekarspitze. Diese hab ich für den weiteren Aufstieg genommen, weil es schon von unten bequemer aussah, als die gewaltig in das Breitgriesskar abstürzende Gipfelflanke der Großen Seekarspitze mit Spitzkehren zu nehmen.

in der Einsattelung zwischen Kleiner und Großer Seekarspitze

Am Grat zwischen den beiden Seekarspitzen waren dann die Verhältnisse wieder völlig anders, weil seit Sonnenaufgang bestrahlt. Weichster Mulz vor allem in Gipfelnähe zwangen zu einem Schidepot ca. 30-40Hm unterhalb des Gipfels und den Rest per pedes zu nehmen.

Schidepot unterhalb des Gipflaufbaues

Um 10:20 Uhr, exakt 5 Stunden nach dem Aufbruch in Scharnitz stand ich am Gipfel der Großen Seekarspitze. Zunächst wehte kaum ein Lüftl an diesem außergewöhnlich schönen Tag Ende Mai. Später wurde aber doch eine Jacke nötig, nachdem die Thermik zunahm.

Große Seekarspitze, 2.677m

Rundum alle Gipfel der Karwendelhauptkette noch in überwiegend weißem Kleid, der Frühling ist hier oben noch nicht angekommen. Schätzungsweise reicht der Juni kaum aus, um Sommerbesteigungen auf die wichtigsten Gipfel möglich zu machen.

von links Ödkarspitzen, Birkkarspitze und Kaltwasserkarspitze

David, den ich von der Einsattelung zwischen den Seekarspitzen sah und der die Reibn unternahm traf mittlerweile am Gipfel ein und berichtete über teilweise überraschend weiche Verhältnisse im oberen Schlauchkar.

Autor auf der Großen Seekarspitze

Die Reibn ist insgesamt aber noch gut machbar und ein Blick ins Marxenkar bestätigt dies.

Marxenkar

Die Nordhänge und -kare der Hinterautal-Halltalkette sind bei weitem nicht mehr so schneegefüllt wie man das erwartet hätte. Ein Blick auf das Lafatscher Joch bestätigt dies.

Bettelwürfe bis Kaskarspitze, mittig das Lafatscherjoch

Die Abfahrt über die Gipfelflanke war von ändernden Oberflächenbeschaffenheiten geprägt, jedoch erquickender Lohn für die langen Aufstieg. David und ich fuhren zusammen ab und teilten die Freude.

Große Seekarspitze im Rückblick bei der Abfahrt

In der Mulde nach der Breitgriesskarscharte und im Neunerkar waren die Verhältnisse noch besser, es hatte gut 10cm aufgefirnt und der Schnee in den Hängen war recht homogen.

Ab dem Ende des Neunerkares wurde die Tourenausrüstung wieder geschultert und im Gespräch vergingen die rd. 600Hm Abstieg wie im Fluge.

letzter Blick nach der Kante ins Neunerkar

Zum Schluß wurden die Schi wieder auf das Rad gebunden und die meiste Strecke konnte hinausgerollt werden, sieht man vom moderaten Gegenanstieg unter den Wänden der Brunnsteinspitze ab.

die letzten Abstiegsmeter mit toller Kulisse

Die Bergsteigeruhr zeigte 1.750m Aufstieg und 8:30 Stunden Gesamtzeit. Davon brachte ich eine gute Stunde am Gipfel zu und weiter unternahm ich nur unwesentliche Trinkpausen sowie Ausrüstungswechsel.

Mils, 28.05.2017

 

 

Schitour Gamskogel, 2.659m – von Kemater Alm

Fast exakt 1.000Hm gilt es bei der Schitour auf den Gamskogel von der Kemater Alm aus bis zum Gipfel zu bewältigen. Eine eher kurze Tour also, die auch von den Hangneigungen her eher weniger anspruchsvoll ausfällt, sieht man vom unteren Teil des nördlich ausgerichteten Abfahrtshanges in das Senderstal ab.

Kurz vor dem Gipfel des Gamskogel bei den Kalkkögeln

Die größte Hangneigung am Aufstieg ist der von der Schlicker Seespitze herunterziehende Schutthang mit gemessenen 35° (Quelle Tiris), den man ansteigend queren muß und der entsprechender Schneeverhältnisse bedarf, um sicher begangen werden zu können.

kurze Tragestrecke nach der Kemater Alm

Wir konnten bis zur Kemater Alm fahren, die letzten 100Hm der Straße waren teilweise schneebedeckt, jedoch haben es auch andere  ohne Allrad bis zur Alm geschafft.
Die Alm selber ist weitgehend schneefrei wodurch eine ungefähr 15 minütige Tragestrecke den Beginn der Tour bildet. Bei der Wasserfassung in etwa kommen dann die Schi zum Einsatz.

Aufstieg zur Adolf Pichler Hütte in der Morgensonne

Den Aufstieg zur Adolf Pichler Hütte konnten wir in der im Mai schon kräftigen Morgensonne erleben und Maxens Hund wälzte sich übermütig auf der um knapp 9 Uhr noch hartgefrorenen Firndecke.

knapp unterhalb der Hütte

Oberhalb der Adolf Pichler Hütte tritt die breite talartig ausgebildete Almfläche ins Blickfeld, links eingefaßt von den bizarr aufragenden Kalkkögeln, rechts von der sanfteren Bergrippe, die sich vom Sonntagsköpfl bis fast zum Seejöchl hinaufzieht.

Aufstiegsgelände ca. 15min nach der Hütte

Leider nahm die Bewölkung innerhalb der guten Stunde von der Hütte bis zum Gipfel dermaßen schnell zu, sodaß die Bilder die schöne Landschaft nicht im gewünschten Maße wiedergeben können.

Rückblick auf ca. 2.250m

Wir haben den Normalweg inmitten des Almgebietes genommen. Es wäre auch möglich die steilen Hänge von den Kalkkögel herab zu nehmen – jene in denen im Sommer die Steige zu den Scharten führen, aber wozu zweifelhafte Hänge anschneiden, wenn in Talmitte ein bequemer Aufstieg sinnvoller und sicherer ist.

gegen Ende das Almkessels wird es wieder steiler

Die Route durch das abwechslungsreich kupierte Gelände bis zum Seejöchl bedarf keiner besonderen Beschreibung, da sie fast durchgehend einsehbar ist und logisch aufgestiegen werden kann.

das Ziel im Visier, der Gamskogel ganz rechts

Direkt vor dem Beginn der Querung des steilen Schlußhanges zum Seejöchl überraschte uns im bereits diffusen Licht – er endet mit einer steilen Abbruchkante in den Schlußhang hinein. Diese Stelle ist das Ende der Rippe vom Sonntagsköpfl herauf, sie schneidet direkt in den zu querenden Hang ein.

Rückblick vom Seejöchl auf den steilen Hang von der Schlicker Seespitze herab

Ein kleinerer Rutscher ist vom Hang zur Schlicker Seespitze auch bereits abgegangen, jedoch war die Schneedecke recht hart und stabil.

am Seejöchl, 2.518m, im Hintergrund der Gamskogel

Ab dem Seejöchl dreht die Tour von Süden nach Westen, am sanften Grat werden die letzten 140Hm in rund 25min absolviert. Der Grat ist leicht zu bewältigen, eher als Rücken ausgebildet und – wie bei solchen Formationen üblich – beinhaltet ein zwei Absätze, die kurz abgefahren werden.

am Grat zum Gamskogel

Am recht schmalen Gipfelaufbau tummelten sich heute ein Dutzend Tourengeher auf kleinem Raum und das eher rasch schlechter werdende Wetter veranlasste uns nach kurzem Aufenthalt die Abfahrt anzutreten.

kurz vor dem Gipfel des Gamskogel

Eine Abfahrt im direkten Nordhang in das Senderstal hinab, die nicht vollständig eingesehen werden kann, jedoch ein paar schöne Schwünge vermuten ließ.

die Kalkkögel vom Gipfel des Gamskogel aus gesehen

Im oberen Teil, ca. die ersten 150Hm, bot die Nordflanke auch das Gesuchte, um dann aber mit einem schwer zu fahrenden Bruchharsch aufzuwarten.

Abfahrt! Veit, der Hirtenhund lief neben uns fast gleich schnell

Weiter unten wurden die Verhältnisse dann wieder etwas besser und so richtig phantastisch waren sie im flachen Teil der Abfahrt, gebildet vom steilen Hang von der Schlicker Seespitze herab, der unten recht flach bis zum Sendersbach ausläuft, ab ca. 2.150m abwärts.

Bene und Max im unteren Teil der Abfahrt im Nordhang

Der Nordhang weist im unteren Teil, die letzten ca. 100Hm seine größte Steilheit auf. Hier erachteten wir es als besser ihn bergwärts zu queren um rasch zum flachen Teil zu kommen (siehe Tourenkarte, Quelle Tiris).

Die Abfahrt von hier zum Bach war ein Vergnügen auf hartem, tragfähigem Untergrund mit einem Hauch von aufgefirnter Oberfläche.

im flachen Teil angelangt, der Steile Hang von der Schlicker Seespitze herab, der oben gequert werden muß, im Hintergrund

Neben dem Bach am Weg ging es dann in schön anzusehendem Gelände weiter und bis zur Alm mußten wir nur zweimal für ein paar Meter zu Fuß brücken, die Schneelage ließ die Fahrt bis zur Alm zu.

Rückblick auf das schöne Abfahrtsgelände

Für die 1.000m Aufstieg (die Daten aus dem Tiris stimmen nicht ganz mit den geodätischen Daten überein, Höhenverlust gibt es fast keinen) haben wir 2 1/4 Stunden benötigt.

hinab durch das Senderstal

Mils, 06.05.2017

Schitour Pirchkogl und Hochalter

Die kleinen 850Hm vom Parkplatz oberhalb der Dreiseenbahn bis auf den Pirchkogl erschienen etwas gar wenig und darum habe ich die schöne Tour mit einem zweiten Ziel, dem Gipfel des Hochalter, kombiniert.

Pirchkogl, 2.828m Hauptgipfel vom nördlichen Vorgipfel aus gesehen

Diese Kombination stellt auch keine außergewöhnliche Mehrarbeit dar, der zusätzliche Aufstieg beträgt gerade einmal 280Hm, bzw. je nach Schneelage im Frühjahr vielleicht sogar geringfügig mehr.

das Ziel im Hintergrund, der Pirchkogl

Die Wetterlage – ein makelloses Zwischenhoch nach massiven Schneefällen zu und nach Ostern im heurigen verkorksten Winterfrühjahr – erforderte unbedingtes Ausrücken bei ungetrübt blauem Himmel. Im Aufstiegsgelände auf der Piste, nördlich der Bundesstraße in Kühtai war kaum ein dunkler Fleck zu erkennen, die Schneefälle der letzten Tage waren ausgiebig genug.

die Finstertalseite um 9 Uhr vormittags

Kaum ein spürbares Lüftl begleitete mich nicht nur nach der ersten Steilstufe über die „Stockacher Böden“ sondern auch den ganzen Tag über.
Die Lifte geschlossen, der Winterrummel versiegt, in herrlicher Ruhe mühten sich heute Vormittag, ja man kann sagen Dutzende, Tourengeher auf das Ziel, dem Pirchkogl.

der Hochalter, zweites Tagesziel heute

Die Beschreibung der Tour kann kurz gehalten werden, da sie nach Erreichen der Bergstation des Schwarzmoos Schleppliftes nahezu zur Gänze einsichtbar ist. Der zu bewältigende Anstieg von dort liegt in einer breiten Rinne und erreicht in etwa mittig, im schmalsten Teil der Rinne,  seine größte Steigung mit etwa 35°, über eine kurze Strecke.

der vom Tal aus nicht sichtbare Anstieg zum Pirchkogl

Oberhalb dieser Passage befindet sich ein kleines Plateau und generell wird der Restanstieg über die weiteren ca. 150Hm etwas flacher. Der rundlich breite Gipfel bleibt ab dort immer im Blickfeld, während der letzten Serpentinen des Anstieges.

Gelände oberhalb der Flachstelle

Den höheren Gipfel ziert leider kein Gipfelkreuz, dieses befindet sich etwa 25m tiefer, möglicherweise der Sichtbarkeit vom Tale wegen auf dem etwas nördlich davon gelegenen Vorgipfel. Natürlich muß dieses auch besucht werden, kein Gipfelsieg ohne Berühren des Kreuzes (hierzu kann man auch aufgefellt vom Hauptgipfel abfahren und mit Fellen somit wieder den Gegenanstieg überwinden.

der Vorgipfel im Norden, vom Pirchkogl aus

Der schöne Osthang vom Pirchkogl war heute schon recht zerfahren, aber auf der südlich gelegenen Nordflanke des Hinteren Grießkogl fanden sich noch ein paar schöne Schwünge zum Karkessel hinab.

Inntalblick vom Vorgipfel aus, Kloster Stams tief unten

Die reine Tour auf den Pirchkogl würde hier wieder auf den Pisten des Schigebietes nach Kühtai hinunterführen. Da der Tag nach diesem kurzen Tourenerlebnis jung ist kann man – bei zweifelsfreien Bedingungen – den Hochalter mitmachen und zur Hütte im Westen abfahren und erreicht diese fast ohne anschieben. Die Hütte ist eine Limnologische Forschungsstation am Gossenköllesee der Uni Innsbruck und liefert seit Jahrzehnten wichtige Daten zum Klimawandel.

Rückblick vom tiefsten Punkt am Anstieg zum Hochalter

Bei der momentanen Schneelage mußte ich noch weitere 20 bis 30m Höhe einbüßen, um den aperen Teil des nun folgenden Rückens (ein Gratausläufer vom Punkt 2.757m nach Süden herab) zum Hochalterkar unten zu umrunden.

dieser Rücken zum Hochalterkar muß überwunden werden

Recht steil geht es anschließend rund 50Hm hinauf zum Hochalterkar, das rasch nordwestwärts durchschritten wird, bis die Bergstation des Hochalterliftes erreicht wird.

Hochalterkar mit Hochaltergipfel

Von dort kann durch die Lawinenverbauungen bis zum letzten Teiles des Steilhanges zum Gipfel angestiegen werden. Nach den Lawinenverbauungen hält man sich knapp unter den Felsen und muß unterhalb des Gipfelaufbaues den Steilhang queren. Hierzu sind sichere Verhältnisse notwendig.

steiler Anstieg zum Hochalter durch Lawinenverbauungen

Die Alternative wäre, daß vom Hochalterkar aus nicht weiter angestiegen wird, sondern über die Piste bis zu einer kleinen Flachstelle des Steilhanges gequert wird und von dort der Gipfelhang ebenfalls in Spitzkehren in Angriff genommen wird. An Steilheit steht diese Variante aber der anderen nichts nach, daher ist ein früher Aufstieg ratsam und Vorsicht bei zweifelhaften Verhältnissen geboten.

Gipfel des Hochalter, 2.768m

War man eine gute Stunde vorher noch am Westlichen Ende steht man nun am östlichen Ende der Irzwände und kann diese bizarren roten Erscheinungen von Amphibolit (selbes Vorkommen auch tief im Ötztal) in ihrer vollen Pracht betrachten. Der Gipfel ist nicht sehr populär und, ob der Steilheit, auch nicht jedermanns Sache, weswegen ich ihn alleine für mich in Anspruch nehmen durfte.

Schartlestal nördlich nach Stams hinab

Der Blick vom ebenfalls nicht mit einem Gipfelkreuz gezierten Hochalter nach Norden eröffnet Einsicht in ein wunderbares Tal, das von Stams heraufzieht und in dem es die Rundtour vom Pirchkogl über das Schneetal und um den Rücken des Hochwanner herum gibt und deren Anstieg aus Norden auf dem ebenfalls sichtbaren Kreuzjoch wieder in das Kühtai herüberführt. Vom Kreuzjoch kann auch der Hochalter begangen werden (eher nur bei Firn im Frühjahr), die Normalvariante der Umrundung endet bei den Lawinengalerien der Zirmbachalm.

Blick in die Zirmbachalm mit Riezer Grießkogl und Anstieg vom Kreuzjoch (links vom Bild nicht mehr sichtbar

Der Schi habe ich mich im Sattel vor dem Gipfelaufbau entledigt und die letzten 40Hm zu Fuß bewältigt, da der Hang ab dort schon sehr steil ist und der Aufstieg mit Schi kein Vergnügen ist.

Schidepot und Abfahrtsgelände vom Hochalter

Also hinab zum Schidepot und abgefahren über den Steilhang, der unten flacher wird und einen Rücken ausbildet, der am zuvor beschriebenen flachen Köpfl endet. Von hier kommt man scharf westlich wieder zur Schipiste und hinab nach Kühtai.

Abfahrt vom Hochalter im Rückblick

Die schöne Runde nahm incl. Besuch des Vorgipfels am Pirchkogl knappe 4 Stunden in Anspruch, dabei wurden gut 1.170Hm bewältigt.

Mils, 20.04.2017