Sonnjoch, 2.457m

Ein letzter mächtiger Ausläufer des Karwendelhauptkammes vor dem Achensee, der Sonnjochkamm, trägt als höchste und namensgebende Erhebung das schöne Sonnjoch. Freistehend zwischen der Lamsenspitze und dem nächst höchsten Gipfel im Kamm, der Schaufelspitze, bildet der massive Felsbau des Sonnjoches von allen erdenklichen Positionen des Karwendels aus den auffälligen Blickfang einer recht gleichseitigen Pyramide.

Sonnjoch, 2.458m

Darüber hinaus hat sie hat auch geologisch einiges Besonderes für Karwendelverhältnisse zu bieten wodurch ihre Ersteigung also nahe lag.
Allerdings wollte der Verfasser nicht den Normalweg von Süden als den Aufstieg wählen, sondern den wesentlich reizvolleren und rassigeren Steig über den Bärenlahner, der bergsteigerisch und auch landschaftlich viel mehr zu bieten hat.

vom Sonnjochgipfel zum Achensee geblickt

Aus dem wunderbar alpinen Anstieg und dem leichten Abstieg über die Südwestflanke mit Besuch des Gramei Hochlegers läßt sich somit eine interessante Rundtour schmieden, die einen wenig begangenen Aufstieg und einen – bei viel Gegenverkehr – gut nutzbaren breiten Abstieg bietet, sodaß der eher schnellere Geher nicht verzagen muß. Die Runde eignet sich für ein Halbtagesunternehmen.

das mächtige Felsmassiv des Sonnjoches

Allerdings bietet die Mautstraße am Ausgangspunkt nicht viel Platz zum Parken, sodaß ein frühmorgendlicher Aufbruch nicht nur mit einem vielleicht sogar schattigen Abstellplatz bei der Rückkehr am Nachmittag, sondern auch mit nur leichter Sonneneinstrahlung über die Bergänger hinauf bis zum Bärenlahner belohnt wird. Die Änger sind durch ihre südöstliche Lage bereits ab dem Sonnenaufgang im effektivsten Winkel voll bestrahlt.

Steig von der Falzhurntalstraße

Zu Beginn des Steiges, der sich zunächst einige Minuten flach in Richtung Bachbett hinzieht, fällt am Wegweiser des Tourismusverbandes der Hinweis auf, daß für den Steig gewisse Voraussetzungen vonnöten sind und dies mag als Ausnahme für diesen Steig auch vom  Verfasser bestätigt werden. Für einen Wanderer ohne alpine Erfahrung ist der Steig nicht geeignet und es ist leicht möglich, daß so mancher Ungeübte im oberen Teil innerhalb der steilen Nordostflanke in Bedrängnis gerät.

der Bärenlahnersattel ca. 700Hm oberhalb

Bevor der Steig steiler wird und in den Mischwald rechts dem Bärental eintaucht kreuzt er noch den Bach, einmal nach links und gleich wieder zurück nach rechts im Aufstieg.
Der Wald spendet über schätzungsweise 250Hm Höhenmeter im August bereits am Vormittag wohltuenden Schatten.
Am Ende der Waldstrecke quert der Steig einen steilen Anger mit einer kleinen Hangrutschung, worauf gleich danach, etwas unterhalb des Steiges oberhalb eines höheren Abbruches , eine Quelle zum Auftanken der Wasservorräte genutzt werden soll, dies ist die einzige wasserführende Stelle im Anstieg.

Rückblick oberhalb des Waldes

Weiter wird über Bergwiesen mit wenig Bewuchs angestiegen, abgesehen von einem gleich folgenden und dichten letzten Latschenfeld, zur Rechten immer dichter an die Felsmauer der Schaufelspitzensüdwand annähernd.

Querung oberhalb des Waldes

Weiter oben, die 1.700m Marke bereits überschritten, bildet sich rechts ein Schuttkar mit Brocken der hohen Wand oberhalb und links davon die weiterhin wiesenbedeckte Rippe von den weniger beeinflussenden Gratpartien des Grates zum Sonnjoch aus. Der Steig wendet sich auch eher nach links, den Wiesen folgend.

Aufstieg durch Reichenhaller Schichten

Auf den letzten 200Hm zum Bärenlahnersattel auf 1.993m, knapp 700Hm nach dem Start im Falzthurntal,  kann linkerhand eine besondere Felsformation betrachtet werden, die sich vom sonst dominierenden Wettersteinkalk abhebt, die Reichenhaller Schichten, ebenfalls Kalkgestein, jedoch älter und aus seichterem Ursprung des Meeres.

die senkrechte Wand der Schaufelspitze deren unterer Sockel aus Muschelkalk gebildet wurde

Am Bärenlahnersattel wird ein toller Blick gen Westen, zur Gamsjochspitze und dahinterliegend zur imposanten Falkengruppe, mit dem auffällig massigen Massiv des Laliderer Falks erreicht. Die kecke Felsspitze hinten mittig ist die Steinspitze, der Südliche Falk.

am Bärenlahnersattel gen Westen zur Sonnjochgruppe geschaut

Der Blick gegen die Abbruchkante zur Schaufelspitze läßt den IVer im oberen Teil deutlich vermuten. Der Wunsch einer Gratüberschreitung des gesamten Sonnjochkammes mag bei vielen, so auch beim Verfasser, an dieser Wand scheitern – vor allem, wenn sie im Abstieg genommen werden soll. Vom Falzthurnjoch bis zur Schaufelspitze können die Überschreitungen auf diesem Blog nachgelesen werden, nicht aber diese Wand.  Vielleicht noch nicht.

die Südkante zur Schaufelspitze – mit Stellen IV

Am Bärenlahnersattel beginnt ein Gratabschnitt, der mit etwas Auf und Ab aber grundsätzlich stetiger Steigung nach Süden gegen die Nordostflanke des Sonnjoches hin führt.
Die AV-Karte täuscht hier etwas, der Grat ist einerseits strukturierter als dargestellt, andererseits seine Lage im oberen Teil weiter in der Ostflanke, denn am Grat. Dieser Abschnitt ist der rassige und für den bloßen Wanderer nicht geeignete.

etwas westlich des Grates geht es weiter zum Sonnjoch

Über Wiesen geht es zunächst etwas westlich der Abbruchkante zum Bärenlahner dahin. Gleich fällt die gewaltige Schichtstärke der Wettersteinkalkplatten an der dunklen Nordflanke des Sonnjoches auf. Es ist diese eine der stärksten Ausprägungen im Karwendel. Und nicht nur die Schichtstärke sondern auch der eigenartige Verlauf der Abbrüche, der Rätsel über die Ursache der sonderbar u-förmigen Abbrüche mit langen Gleitbahnen aufgibt.

Gratverlauf zum Sonnjoch – der nächste nicht mehr bewachsene Gratkopf besteht aus Muschelkalk und wird westseitig umgangen

Angesichts dieser Erscheinungen wird der sich im Aufstieg zum letzten Felskopf vollziehende geologische Wechsel zwischen Wettersteinkalk und Muschelkalk übersehen. Der letzte schräg gelagerte und im Abstieg zu umgehende imposante Gratkopf ist bereits aus Muschelkalk gebildet. Für den Laien kaum sichtbar, mit der Investition von etwas Zeit aber strukturelle Unterschiede in Form, Farbe und Oberfläche erkennbar.

imposante Abbruchszenen des Wettersteinkalksockels an der Sonnjoch Nordflanke

Der Aufstieg aus der westlichen Umgehung erfolgt über unangenehmes Schuttgelände, über den Steig dicht neben der Felskante angelegt. Etwas leichter mit weniger Rutschgeröll kann der Aufstieg weiter rechts in mehr blockigerem und festerem Schuttgelände erarbeitet werden.
Oben gelangt man in eine kleine Scharte hinter der man endlich Klettergelände vermuten würde und das Gegenteil zutage tritt.

dieser Muschalkalkkopf wird durch kurzen Abstieg und längerem Aufstieg im Schutt westseitig umgangen

Wiesendurchsetzte Geländepartien leiten um eine Kante herum in die Ostflanke des Sonnjoches und die Kletterei läßt auf sich warten. Dieser Abschnitt scheidet unter den Begehern die Streu vom Weizen, denn nun befindet man sich in einer steilen Flanke, die nicht jedermanns Sache ist.
Sie führt in wenigen Serpentinen hinauf zum Grat, immer in wiesendurchsetztem Gelände und unschwierig für den der solche Partien gewohnt ist.

am Ende des Aufstieges in der Gratscharte zurückgeblickt

Der untere Teil des Sonnjochmassives besteht aus dem üblichen Wettersteinkalk im Karwendel, dessen Ausbildung auch im Norden in äußerst imposantem Plattenbau zu besichtigen ist. Gewaltige ausgebildete Plattenstärken von Wettersteinkalk, die – für Karwendel – in fast einzigartigen Dimensionen mächtiger Abbrüche ins Grameikar zu sehen sind.

der imposante Gratturm aus Muschelkalk gebildet

Dem empfindsamen Naturbeobachter fällt die ungewöhnlich dunkle Farbe des Deckgesteines am Sonnjochplateau und dem Rücken zum Südwestabstieg so richtig  ins Auge.

Blick in die Ostflanke – hier wird zunächst über Wiesen- und Felsbänder aufgestiegen

Er kennt eine solch untypische Kombination von Erscheinungsbild und Farbe von seinen Karwendeleindrücken kaum bis gar nicht. Es handelt sich um den alpinen Muschelkalk, der optisch just an der Südflanke und am Gratrücken des Sonnjoches besonders augenfällig in Erscheinung tritt. Tatsächlich bildet Muschelkalk das obere Drittel der Sonnjochpyramide, aber am Rücken zur Südwestflanke erkennt ihn mit etwas Beobachtungsgabe auch der Laie.

kurze Kletterstelle – leicht

Weiter unten an der Südwestflanke treten nicht minder imposante Reichenhaller Breccien auf, die oberhalb der Schafrinne den Steig hinab zum Gramei Hochleger mit bizarren Türmen und steilen Abbrüchen deutlich vom östlichen Teil der Bergflanke scheiden.

Rückblick in die Ostflanke

Die Überschiebung des Karwendels mit Gesteinsschichten unterschiedlichsten Alters ist hier besonders gut zu erkennen und der Blick auf die gegenüberliegende Seite im Süden zum Hahnkampl zeigt erneut anderen Fels und zwar vorwiegend Hauptdolomit mit eingelagerten Raiblerschichten. Farbe und Form in deutlichem Unterschied zur Südwestflanke des Sonnjoches – eine geologische Party mit Nachbarn aus allerlei Zeiten – deren unterschiedliches Alter in Millionen von Jahren jeder Vorstellung entbehrt – dicht an dicht gelagert.

ein paar Minuten zum Gipfel des Sonnjoches

Zum Kessel des Gramei Hochlegers hin ist es für den geologisch Interessierten augenscheinlich vorbei mit Entdeckungen, die zunehmende Almwiesenfläche verdeckt das Grundgestein.

Rückblick auf den tollen Anstieg – unten am Grat der Muschelkalkkopf

Dafür tritt die Almwirtschaft mit Jungrindern optisch und zunehmend akustisch ins Blickfeld. Zahlreiche Gruppen von Galtvieh bevölkern die Wiesen neben dem Steig und sie sind an den sonderbaren Artgenossen, die mit nur zwei Beinen im Leben stehen und mit unpassenden Farben am Leib und mit Gepäck am Rücken durch die Gegend stolpern rein gar nicht interessiert, wie es eben äußerst aggressive behornte Untiere so an sich haben.

Blick vom Sonnjoch nach Westen ins Zentralkarwendel – im Vordergrund Muschalkalkterassen

Die Schutzhütte am Gramei Hochleger sollte nicht links liegen gelassen werden. Zum einen bietet sie einen phantastischen Blick in den Kessel zu Hahnkampl und Grameijoch sowie zu den bizarren Hauptdolomitbauten des Rauhen Knöll und der Rappenspitze, zum anderen lohnt das kulinarische Angebot eine Rast in jedem Fall.

der Muschelkalkkopf des Sonnjoches vom Westen aufgenommen

Unterhalb der Alm führt ein Steig mit ungeahnter Schönheit talauswärts hinab durch prächtige Bergwiesen, gespickt mit dem Blauen Eisenhut – von alters her ein tödlich Gift und frei für alle, die Übles im Schilde führten und als Pflanze auch heute noch ein Blickfang.

Grameier Hochleger

Die imposante Bach-Kaskade vom Einschnitt zum Künigskopf herunter wäre fast einen Versuch wert seitlich davon aufzusteigen, um die vermuteten Gumpenbecken zu erkunden – eine seltene Schönheit.

der giftige Blaue Eisenhut

Nach einem Waldstück und der Querung des Baches wird der Abstieg etwas flacher. Die Bergtour als solches gleitet nun in die Rückwanderung ins Falzthurntal aus.

tolle Bachkaskade

Die letzte fotografisch interessante Position befindet sich bei einer Rastbank im flachen Teil nach der Bachquerung. Von dort kann man hinter der Melkstation des Gramei Niederlegers mit Holzzuberfreiluftbadewannenkarwendelblick das schöne Falzthurntal aus erhöhter Position letztmalig bis weit hinaus einsehen.

Blick in das Falzthurntal auf den Grameier Grund

Über den Grameier Grund führt die Rundtour wieder aus dem hinaus Falzthurntal und die anregende Landschaft dort zieht junge Familien auf Sonntagsausflug gleichermaßen an wie den Bergsteiger, nur daß deren Räder am Wagen die kleinen Gipfelstürmer früher stoppen als ihnen lieb ist.

die gewaltige Südflanke des Sonnjoches

Manchmal trifft man dort sogar seine eigenen Verwandten und rechnet damit so wenig, daß man fast aneinander vorbeigeht.

Abschlußblick in die Gramei

Die abwechslungsreiche kurze Runde mißt knapp 10km und kann incl. einer halbstündigen Rast am Hochleger in gut 5 Stunden absolviert werden. Knapp 1.300Hm werden erklommen. Der Erholungssuchende rechne eine oder eineinhalb Stunden mehr.

Mils, 18.08.2018

Äußere Wetterspitze, 3.070m

Die Äußere Wetterspitze, viel mehr der Blick auf ihre schöne Gipfelpyramide fällt bereits vom Parkplatz beim Gasthaus Feuerstein im Gschnitztal auf.
Sie ist ein leichter Dreitausender zu Beginn des Habichtkammes und wird im Standardanstieg im weiten Rechtsbogen von der Bremerhütte aus bestiegen. Durch ihre zentrale und freistehende Lage im Kamm stellt sie auch einen idealen Aussichtsberg in den südöstlichen Stubaiern dar.

Äußere Wetterspitze, 3.070m

Wir starteten um dreiviertel sieben Uhr mit dem Radl für die 3,6km lange Strecke bis zum abzweigenden Steig Richtung Bremerhütte. Vorbei an der Laponesalm, bei der die Asphaltstraße endet und noch ein paar Minuten auf dem Schotterweg taleinwärts gefahren erreichten wir den Steig zur Bremerhütte. Dabei wurden vom Parkplatz 230Hm zurückgelegt.

ein toller Tag steht uns bevor, die Äußere Wetterspitze im Blickfeld

Ein heißer Sommertag war angekündigt und bereits auf den ersten Höhenmetern im Wald ließ sich die Ankündigung auf den lichten Abschnitten durch die kräftige Morgensonne spüren.
Weiter oben in der Südflanke zur ersten Steilstufe, oberhalb der Waldgrenze auf etwa 1.850m, jedoch erst gegen 8 Uhr morgens schwitzten wir bereits ganz ordentlich.

Abzweigung – Steig zur Bremerhütte

Die Steilstufen mit fortschreitendem Talverlauf sind eine Spezialität der Stubaier Alpen. Man findet sie fast überall und in manchen Tälern mehrfach hintereinander. Beispielsweise von der Grawaalm aus wird zunächst die Steilstufe bis zur Sulzaualm überwunden, bevor die nächste Stufe zur Sulzenauhütte führt.

knapp vor der Oberkante der ersten Steilstufe

Eine gleiche Kaskade muß überwunden werden, will man vom Gasthaus Waldesruh auf die Neue Regensburgerhütte aufsteigen und von Seduck aus findet sich die erste Stufe vor der Frans Sennhütte und taleinwärts bis zum Gletscherkessel des Alpeiner Ferners zwei weitere Steil- oder Talstufen.

Bei unserem Anstieg öffnet sich nach der oberen Kante der ersten Stufe das Gelände der großen Simmingalm mit üppigen Bergwiesen und keiner Almwirtschaft dieser Tage mehr auf 2.000m.

der schöne Talkessel der Simmingalm

Die Simmingalm stellt einen schönen weiten Talkessel mit Gletscherbachzuläufen von den Feuersteinen herab, sowie vom Kessel zwischen den Wetterspitzen dar deren südwestliche Begrenzung eine breite Rippe bildet, auf deren hinterstem Ende – zur Inneren Wetterspitze hin – die Bremerhütte liegt. Sie selbst ist von der Kante der Talstufe aus noch nicht sichtbar, ihre Lage aber wohl an den Tragseilen ihrer Materialseilbahn abschätzbar.

Anna auf einem schönen Exemplar von Gletscherschliff

Der Möglichkeit einer Abkürzung weglos nordwestlich über den steilen Südhang an den Fuß des Ostgrates zur Äußeren Wetterspitze aufzusteigen folgten wir doch nicht und schlugen den Normalweg zur Bremerhütte ein. Durch den raschen Aufstieg war keine Notwendigkeit für eine Abkürzung gegeben und dem eher kleinen Risiko von nassen, sumpfigen Partien bis zum Hang stellten wir dadurch ebenfalls aus.

Wenige absteigende Hüttengäste trafen wir bis zur Bremerhütte an und an aufsteigenden Bergsteigern waren Michael, Anna, Evi und der Verfasser die einzigen an diesem Vormittag.

unser Ziel – die Äußere Wetterspitze von Süden gesehen

Nach ein paar ablichtungswürdigen Szenerien in der Umgebung und dem imposanten Bergmassiv bestehend aus Muskovitgranitgneis der Äußeren Wetterspitze von Süden erreichten wir die Bremerhütte, die wir aber nicht besuchten, um gleich vor ihr dem Verlauf des Talkessels nach Norden zu folgen, um zum Lautersee zu gelangen.

Äußere Wetterspitze im Hintergrund

Auf dieser kurzen Passage zum Lautersee muß eine erste kurze Kletterei am seilgesicherten Steig überwunden werden. Zuerst zieht die Felsplatte mit dem Steig im mittig gelegenen Riss hinauf um dann, am Ende der großen Felsplatte, jäh abzubrechen und so den Steigverlauf in einem seichten Kamin zu schaffen und wieder auf die Bergwiese zu führen.

Bremerhütte 2.413m mit Blick zum Simmingjöchl

Steil führt der Kamin nach unten und die vielen Klammern machen den Steig sehr leicht zu begehen, auch wenn durch die Morgenfeuchte Vorsicht durch die Rutschgefahr geboten war.

über diese Felsplatten führt der seilversicherte Steig weiter

Im Nu erreichten wir die tosenden Wasser vom Lautersee herab, der im letzten Talkessel eingerahmt von den Flanken der beiden Wetterspitzen und deren Verbindungsgrat links und rechts des Lauterseejoches liegt.

ohne Sicherungen ein oberer Dreier

Der Verbindungsgrat stellt ebenfalls eine schöne Möglichkeit zur Besteigung der Äußeren Wetterspitze dar (dieser Grat wird als schwierig, also III angegeben) und ebenso zur Inneren Wetterspitze.

Lautersee mit Lauterseejoch dahinter

Perfekt geeignet zum Nachtanken von Wasser ist das kristallklare Wasser des Sees, das von weiter oben betrachtet ein sattes blau zur Geltung bringt.
Am See hatten wir den westlichsten Punkt im Aufstieg zur Äußere Wetterspitze erreicht (wenngleich der Gipfel derselben noch etwas westlicher liegt) und die weite Runde zum Fuße des Ostgrates führt unter etwas Höhenverlust zu ihrem letzten Abschnitt nordostwärts weiter.

am Weg zum Burgschrofen steil bergauf

Nach der Abzweigung des alternativen Steiges vom flachen Talboden der Simmingalm herauf (durch diesen Steig kann der Rücken auf die Bremerhütte und der Lautersee abgekürzt werden) beginnt der nun nur mehr steile Steig bis zum Ausgangspunkt unserer gewählten Anstiegsvariante, dem Ostgrat zur Äußeren Wetterspitze. Gegen zehn Uhr erreichten wir die am Fuße nur leicht ausgebildete breite Gratrippe und verließen den Steig zur Innsbrucker Hütte.

Abzweigung vom Stubaier Höhenweg zum Ostgrat der Äußere Wetterspitze

Beschrieben ist Ostgrat als mäßig schwierig (II) und diese Einstufung trifft auch nur auf einige wenige und kurze Stellen im oberen Bereich zu, bei denen wirklich der Einsatz von Händen und Füßen nötig ist und nach dem Empfinden des Verfassers könnte zu „mäßig schwierig“ noch ein Minus hinzugefügt werden. Das restliche Gelände am Grat ist als „leicht“ zu beschreiben, wobei es den Einsatz der Hände bei steilen Partien lediglich zum Abstützen erforderlich macht. Richtig ausgesetzt ist der Ostgrat nirgendwo.

Anstieg zeitweise auch über plattiges Gelände

Bis auf etwa 2.700m ziehen sich grasige Partien zwischen plattigem Gneisfels empor und ab dort enden sie durch die sich nun deutlicher ausformende Gratrippe.

Bis zuletzt kann der Gipfel der Äußeren Wetterspitze vom Ostgrat nicht eingesehen werden (zumindest wir konnten ihn im Nebel auch von weiter unten nicht erkennen), weil er sich weiter nordwestlich des Grates befindet und erst über einen leichten Sattel vom Vorgipfel erreicht wird.

und erreicht einmal sogar echte Klasse

Der Sattel mit den letzten Kletterstellen wird ostseitig begangen, westseitig bricht der Grat steil ab. Der letzte Gratkopf kann auf Reibung ostseitig, oder leichter, durch knapp zwei Meter abklettern westseitig umgangen werden. Nach diesem Gratkopf führt ein kurzer Anstieg von etwa 30Hm zum flachen Gipfelplateau, das wir vor halb zwölf erreichten.

Blick vom Vorgipfel auf die Äußere Wetterspitze

Ein Gipfelkreuz sucht der Ersteiger vergeblich, ebenso eine Gipfelbuchschachtel. Die einzige Markierung des Gipfels besteht aus einem Steinmann mit Schneestock.

Rückblick auf den Vorgipfel

Den beschriebenen Kamin unterhalb des Gipfels erahnt man nur nach eingehender Betrachtung, denn er scheint in den letzten Jahren zusammengefallen zu sein. Am Foto lassen sich Reste davon ausmachen.

der ehemalige Kamin aus den Beschreibungen – eine andere Stelle mit Kamin gibt es am Gipfel nicht

Leider spielte das Wetter nicht so ganz mit und wir waren für die größte Tageserwärmung auch zu schnell aufgestiegen, weswegen die Fotos mit Rundumsicht nicht so toll ausfielen wie es hätte sein können und wie es sich auch noch eine Stunde später, gegen 13 Uhr entwickelte. Während unseres Aufenthaltes am Gipfel der Äußeren Wetterspitze zogen immer wieder Nebelbänke aus den sich erwärmenden Flanken empor, die nur kurze Sichtfenster zuließen und perfekte Bilder vereitelten.

Wilder Freiger links, Wilder Pfaff rechts und schwach erkennbar rechts davon das Zuckerhütl

Trotz Hochsommer muß man immer wieder feststellen, daß auf dieser Höhe das Gemisch von dichtem Nebel, also Schatten und leichter Thermik ausreicht, um die Finger gefühllos werden zu lassen. Ein Leiden des Verfassers und scheinbar auch von Evi, die für den Abstieg Handschuhe verwendete.

Anna studiert den Abstieg zum Vorgipfel

Nachdem uns trotz geduldigen Wartens nur Sekunden für nebelfreie Blicke zu Freiger, Pfaff, Hütl und in die Gegenrichtung zum Pflerscher Tribulaun beschieden waren und diese auch nicht so toll wie erhofft ausfielen, beschlossen wir nach einer kleinen Jause und einer knappen halben Stunde am Gipfel den Rückzug.
Natürlich entwickelte sich die Sicht kurz nach dem Verlassen des Gipfelbereiches relativ schnell zum Positiven – verhext wie immer an solchen Tagen.

Sattel zum Vorgipfel der Äußeren Wetterspitze

Am Abstieg war es uns dann erlaubt zumindest vom Pflerscher Tribulaun einige schöne Aufnahmen anzufertigen, komplett nebelfrei jedoch nicht.

Östlicher Feuerstein

Kurz nach halb ein Uhr erreichten wir den Stubaier Höhenweg wieder. Die Temperatur dort, auf rund 2.250m war deutlich hochsommerlich also wurden die letzten Wasserreserven verbraucht. Die nächste Gelegenheit bot sich ja gleich ein paar Hundert Meter tiefer am Abfluß des Lautersees hinab zum Gelände der Simmingalm.

von rechts: vom Hohen Zahn zu den drei Tribulaunen

Am Bach entlang und nicht am markierten Steig beschlossen wir sei es schöner als durch die Geröllflanke und so stiegen wir durch Moosbeerenstauden weiter ab, vorbei am schnurrenden Generator des Kraftwerkels der Bremerhütte, angetrieben durch eine Kleinturbine, die sicher sehenswerte tapfere Strömungsmaschine für den Verfasser als Maschinenbauer leider nicht zu sehen.

Simmingboden

Der Weg führte trockenen Fußes durch die flache Alm mit dem Bach, der sich talauswärts mäandert, bis zum Weg zur Bremerhütte.

Ausfahrt zum Parkplatz im Gschnitztal

Das Radldepot erreichten wir knapp nach vierzehn Uhr und den Parkplatz knapp nach halb drei nachmittags.
Gesamt benötigten wir 7:36 Stunden für 1.900m und ca. 2×10,5km (2×3,6km davon mit dem Radl). Man rechne als Normalzeit mit gut einer Stunde mehr, da wir sehr schnell aufgestiegen sind.

Mils, 19.08.2018

Nördliche Sonnenspitze, 2.650m

Die beiden Sonnenspitzen in der Hinterautal-Vomper-Kette zählen zu den am wenigsten begangenen Gipfel in dieser Kette und auf die Nördliche Sonnenspitze, dem gewöhnlichen Ausgangspunkt für die Überschreitung zur Südlichen Sonnenspitze, führt ein mühsamer Anstieg durch das Große Kühkar. Der Grund warum hier nur von der Nördliche Sonnenspitze die Rede ist, wird im Text erläutert.

Nördliche Sonnenspitze, 2.650m

Um den Eintritt zum Großen Kühkar zu erreichen erwartet den Besteiger der Nördliche Sonnenspitze zunächst eine lange Anreise entweder über Scharnitz, heute fast ausschließlich mit dem Radl, oder, im Fall dieser Beschreibung, klassisch zu Fuß über das Lafatscher Joch aus dem Halltal.
Weiters muß dann von der Kastenalm zum Unteren Moserkar aufgestiegen werden und dieses bis zur Karverzweigung durch den südwestlich herunterziehenden Gratrücken von der Moserkarspitze aufgestiegen werden. Eine kürzere Anreise gibt es – ohne die Nordwände zu erklimmen – nicht.

Die Sonnenspitzen vom Lafatscher Joch aus im Norden

Der Anstieg vom Hackl im Halltal bis zur Kastenalm ist für die Beschreibung des Anstieges zur Nördlichen Sonnenspitze ohne Belang und, weil er über breite markierte Wege erfolgt, auch keine besonders beschreibenswerte Anreise.
Die Erwähnung, daß der Verfasser für die Strecke vom Parkplatz Halltal bis zum Kasten dreieinhalb Stunden benötigt hat, sowie ein wunderschönes Bild von den beiden Sonnenspitzen und deren Verbindungsgrat – das gleichzeitig den Blick darstellt, der nach oftmaligem Erleben den Drang zur Ersteigung dieser Region vorantreibt – möge hier genügen.
Weiters sei zur Planung der Tour daran erinnert, daß die Rückreise mindestens genauso lange in Anspruch nimmt und länger, da auf der Rückreise die Hallerangeralm zur notwendigen Labe besucht werden sollte.

Gipfel im Moserkar und rechts der Sonnenspitzenstock

Vom „Kasten“ aus– eine durchaus gebräuchliche und eigentlich treffendere Bezeichnung wie „von der Kastenalm aus“ (das innere Almwiesengelände der Alm wird nämlich gar nicht betreten sondern ein großer Bogen um sie abgeschritten) – führt die Route am Ufer des Moserkarbaches zur Linken entlang.
Der breite Schotterweg kann im Bereich der inneren Alm durch lichten Wald abgekürzt werden um ihn nach ein paar Hundert Meter wieder zu erreichen.

der Moserkarbach an der Stelle an der er versiegt

Im Bereich der größten Nähe zum durch Hochwassereinflüsse aufgeböschten Ufer und einem markanten Ahorn kann das breite, staubtrockene Bachbett überschritten werden um knapp danach wieder begangen zu werden, nämlich um die letzten versiegenden Wasserläufe des Moserkarbaches zur Wasserauffüllung zu benutzen.

Allein die Strecke vom westlichsten Punkt bis zu diesem Gebiet sollte man am Abstieg vom Hinterautal vom Zeitbedarf her nicht unterschätzen, es handelt sich um gute zwei Kilometer bzw. einer halben Stunde Gehzeit, die auf der Karte nicht so aufwendig aussieht (auf der AV-Karte gibt es Steigspuren vom Steilstück zu einem Weg in die Kastenalm hinab – vielleicht wäre dies eine lohnenswerte Abkürzung).

Steig ins Moserkar

Anschließend weisen hohe Lärchen den Weg zum Steig in das Moserkar. Er beginnt an einer Stelle, die unspektakulärer nicht sein könnte und wenn nicht ein breiter ehemaliger Fahrweg dort hin führte, würde man wahrscheinlich einige Zeit suchen. Der Steig ist für seine alpinistische Begehungshäufigkeit phantastisch gut ausgeschnitten, was auf rege Tätigkeit der Jägerschaft in diesem Gebiet hindeutet – vermutlich die Pächter der bei der Kastenalm gelegenen Jagdhütte – denn in dieser Gegend wird sehr wahrscheinlich kein alpiner Verein dafür verantwortlich zeichnen.

Am höchsten Punkt beim Zustieg „Moserkaregg“

Zum Zeitpunkt der Begehung des Steiges durch den Verfasser heizte die Sonne an diesem so traumhaften Hundstag im August bereits derart kräftig herab, daß er sozusagen „einging“, immensen Wasserbedarf zeigte und bis zur Verzweigung vom Unten Moserkar bis ins noch schattige Kühkar schlapp und immer schläpper wurde. Ein grausiger Riegel und ein Apfel waren nicht in der Lage seine Steigleistung in Form zu bringen.

erstmalig das Große Kühkar – der Aufstieg zur Nördlichen Sonnenspitze – zu sehen

Bei der Verzweigung konnte er nicht umhin über die Maßen viel zu trinken beide Flaschen voll aufzufüllen, in Unkenntnis, daß der Bach aus dem Kühkar noch gut 200Hm weiter hinauf ergiebig genug zum Tanken gewesen wäre. Wer das Thema Wasser im Karwendel kennt handelt eher früher als später.

Abzweigung der Kare und im Rückblick die Halltalkette

Unzufrieden schlapp ging es nach der Bachquerung den falschen Steig bergauf. Zwar besteht um die Ecke bei den Latschen knapp oberhalb des Baches ein direkt ins Kühkar abzweigender Steig, allerdings sieht dieser so aus, als verlaufe er sich anstelle markant die Wiese zu durchschneiden. In trügerischer Gleichgültigkeit ob der Schlappheit und ungenauer Erhebung der Situation wurde dem besseren, breiteren Steig in Spitzkehren steil bergauf gefolgt, um nach wenigen Minuten und kaum 100Hm festzustellen, daß dies der falsche war und ein bergsteigerischer Grundfehler begangen wurde – nicht genau festzustellen welcher Steig der richtige ist.

der richtige Steig 40Hm tiefer – Abstieg über unangenehme Schotterflanken notwendig

Der Abstieg zum – von oben natürlich gut sichtbaren – Steig ins Kühkar mußte somit über unangenehmes verfestigtes Sand und Schottergelände erfolgen, glücklicherweise nur über knapp 40Hm.
Solche Fehler nagen und stacheln aber gleichzeitig auch an, in diesem Fall jedoch zum Vorteil der Bekämpfung der Schlappheit gereicht.

Nach wenigen Minuten „versiegte“ aber auch der richtige Steig durch die Nähe zum steil abfallenden Bachbett, dessen abgerutschte Flanken die Latschengassen auf einmal zur steilen Schuttböschung machten.
So kämpfte sich der Verfasser auf die andere, im Aufstieg gesehen rechte Bachseite auf einem Rücken aufwärts, bis der Geländeeinschnitt durch den Bach flacher wurde und eine Rückkehr auf die richtigere linke Seite leicht möglich wurde.

Rast im Kühkar auf 1.750m

Nach diesem unvorteilhaften und eher zu verschweigenden Intermezzo, als erfahrender Bergsteiger irgendwo, aber nur ein paar Dutzend Meter, neben dem richtigen Steig befindlich wie ein Anfänger durch dichte Latschen mit unzähligen, um das Gesicht herum beim Zerreißen knisternden Spinnfäden aufsteigen zu müssen, erreichte der Verfasser die Höhenkote 1.750m und das Kühkar schien kein Ende zu nehmen. Eine Rast mit ordentlicher Nahrungsaufnahme und dem erhobenen innerem Zeigefinger zum Zusammennehmen gab das Unterbewusstsein vor, worauf Rucksack und Körper unsanft auf den Karboden niedersackten. Es galt einen mentalen Tiefpunkt zu überwinden oder nicht.

weiteres Aufstiegsgelände im Kühkar

Ein Gutteil der mitgebrachten Geheimwaffen Rosinen und getrocknete Marillen, sowie Brot und Speck wurden verschlungen und mehr als eine halbe Flasche Wassers obendrein. Ein Zeichen völlig falscher Planung und für die Temperaturen zu anspruchsvoller Route und zu spätem Start.

Nun, das Markenzeichen des Karwendlers ist sein fast unbeugsamer Wille angefangenes fertigzustellen wann immer möglich sowie sinnvoll und nach 20min Rast hatte sich bei der Beobachtung der weißen und dunkelbraunen Schafe mit Glöckchen in den Schuttreisen unter den Abbrüchen des Grates zwischen den beiden Sonnenspitzen neuer Tatendrang breit gemacht. Die Tour muß durchgezogen werden, auch wenn sie bisher nicht professionell genug angegangen wurde und auch der zu späte Aufbruch nach sechs Uhr mit der folgenden extremen Tageserwärmung bis zum Kühkar einen erheblichen Einbruch der Kräfte verursachte.

im obersten Kühkar

Die Essenspause wirkte gleich nach wenigen Minuten wodurch das aufsteilende Kühkar bereits unter besserer Steigleistung bezwungen werden konnte.
Zum raschen Fortkommen eignen sich die Steilwiesen besser als die rechts und mittig herabziehenden Schuttreisen und meint man nach den Steilwiesen, die weiter oben etwas flacher werden, daß der Grat gleich dahinter erreicht wäre, so täuscht man sich. Nach der sichtbaren Kannte beginnt eine weitere Karstufe, die dann nur mehr mit Geröll durchzogen ist, mit einer Muldung beginnt und mit Schrofen im oberen Teil endet die dann aber wirklich den Grat zu den Nordabstürzen zu den Ladizer Reisen und der Falkenhütte bilden.

Reste eines Flugzeugabsturzes; ob das ein Learjet 23 war und weitere Details lassen sich nicht mit Sicherheit aus dem Internet recherchieren

In diesem letzten Karabschnitt befinden sich die traurigen Reste eines abgestürzten Flugzeuges, angeblich ein Learjet 23 und angeblich am 28.08.1972. Je mehr man die spärlichen Berichte dieses tragischen Vorinternetgeschehens in diesem nachzuforschen versucht, desto weniger kann man den gefundenen Details glauben, die auch vom Absturz über dem Sellraintal berichten. Wie auch immer, es war ein Kleinflugzeug dessen kümmerliche Reste zu einem Häufchen zusammengeräumt wurden und sich davon ein paar großflächigere Mantelteile des Rumpfes – durch Stürme verfrachtet – auch noch weiter oben in den Reisen der Nördlichen Sonnenspitze herab finden lassen.

Am Grat zur Nördlichen Sonnenspitze angelangt – Blick gen Norden ins Johannestal

Endlich war der Grat erreicht und der Blick richtete sich gleich auf die beschriebene Aufstiegsrinne. Dieser folgt man im Gegensatz zur Beschreibung im AV-Führer kaum soweit bis sie sich zur echten Rinne ausbildet, sondern übersteigt gleich unterhalb der Rinnenausbildung rechts auf einen Schutthang an dem dann der weitere Aufstieg sogleich sichtbar wird, denn er erfolgt längs einer geologischer Störzone, die regelrechten eingeschnitten in der Bergflanke deutlich sichtbar ist (die 10m sind untertrieben).

Einstieg in die Flanke zur Nördlichen Sonnenspitze

Steinmänner begleiten bis zum zweiten Turm, bei dem der Einschnitt endet und der weitere Aufstieg nach links oben (südöstlich erfolgt). Die Flanke ist deutlich sichtbar und weniger Steil als links davon. Dort etwas höher in der Flanke der vorerst letzte Steinmann durch den man dann weiß, die Linkskurve richtig erraten zu haben.

2. Türmchen voraus – mehr als 10m…

Anschließend wird der Flanke in direktem Anstieg etwa 40Hm weiter gefolgt, bis links ein Schuttband sichtbar wird, mit Steinmann am Ende. Über dieses zum Steinmann und von dort wieder ca. 40Hm leicht rechts haltend empor, wobei am Ende eine etwas schwierigere als der Aufstieg zuvor (im Abstieg) kaminartige Schuppe zu überklettern ist, bevor nach einigen Metern eine Flachstelle erreicht wird, in der ein Holzstock an den Fels lehnt und eine Markierung darstellt.

Rückblick von oben – der Steinmann links unten, die Scharte mit Türmchen rechts oben

Die Markierung weist nach links (nördlich) und sofort wird ein angenehm breites Band, das vorsichtig begangen werden soll, weil sehr mit Schutt beladen, sichtbar, das um einige Ecken und Ausbuchtungen herum zum Gipfelbereich führt.

Dem Holzstock Aufmerksamkeit schenken – er ist nicht durch Zufall hier; links über das Band geht es weiter

War der Fels in der Flanke bis hierher großteils noch recht fest beginnt hier auf den letzten Höhenmetern eine wesentlich schlechtere Qualität und sehr viel von dem was als Griff taugen sollte bricht aus. Noch größere Achtsamkeit auf den letzten zwanzig Höhenmetern tut also Not, vor allem, wenn sie über den Grat begangen werden, wie im vorliegenden Falle.

Mittelteil des Bandes – sieht schlimmer aus wie es ist – man steige es mit Bedacht

Auf der kleinen Gipfelfläche der Nördlichen Sonnenspitze befindet sich kein Gipfelkreuz, dafür aber ein Steinmann und eine Gipfelbuchschachtelhalterung mit einem netten Gipfelbuch der Lenggrieser, die man so oft in Karwendelgipfelbüchern liest. Die erste Seite des Buches trägt das Hinterlegungsdatum und just zu seinem Geburtstag am 4. August hatte der Verfasser seine Tour auf sie durchgeführt. dazu mußte mit Peter Mayr’s  Höhenheilmittel angestoßen werden.

erstmals der Gipfelbereich der Nördlichen Sonnenspitze vom Band aus sichtbar

Während der Jause mußte der Verfasser eine besorgniserregende Beobachtung machen. Über dem Bettelwurf und weiter südlich im Inntal brauten sich hohe dunkle Wolken zusammen und selbiges auch im Vorkarwendel im Nordosten.

die bekannten und geschichtsträchtigen Gipfel im Bockkar über dem Roßloch

Nun wird auch dem Leser auch klar warum der Titel vorliegenden Berichtes nicht von der Überschreitung der beiden Sonnenspitzen spricht – der Verfasser hat zwar mit Widerwillen dennoch entschlossen sofort eine Entscheidung getroffen und recht rasch, nach einer nur zwanzigminütigen Rast, den Rückzug vorgezogen.
Ein Gewitter am schutzlosen Grat, zählt zu den vermeidenswertesten Angelegenheiten der Bergsteigerei.

Blick auf das Lafatscher Joch – Ungemach zieht vom Inntal über Bettelwurf und Großem Lafatscher auf

Nun, jeder Schaden hat auch einen Nutzen lautet eine Weisheit und der Nutzen für den Verfasser war eindeutig, die Aufstiegsflanke auch als Abstiegsflanke kennenzulernen. So sei allen, die die Flanke bereits aufgestiegen sind versichert, daß der Abstieg keineswegs als übel einzustufen ist. Die Schuttpartien mit Bedacht abgestiegen werden immer wieder feste Partien erreicht, die wunderbar abzuklettern sind. Einzig die zuvor beschriebene Schuppe, die etwas kniffliger abzusteigen ist, aber auch ohne große Anstrengung gemeistert wird, dort allerdings mit großer Körpergröße leichter.

Blick von der Nördlichen Sonnenspitze auf den Westteil der Karwendelhauptkette

Der Abstieg ins Kühkar erfolgte rasch. Kaum eine halbe Stunde ist dafür notwendig.
An der Latschengrenze angelangt sollte der Verlauf des Steiges durch die Latschen gefunden werden, doch dies war wieder nicht so möglich wie gewünscht und ein Verbindungssteig wurde stattdessen gefunden, der in der teilweise recht unangenehmen Flanke von der Rippe von der Moserkarspitze herab querte.

Rückzug über die Flanke der Nördlichen Sonnenspitze

Am Moserkarbach angelangt waren die Wolken in dem kleinen Himmelsfenster, das dort sichtbar ist zum Teil wieder aufgelockert und dies war einerseits für den weiteren Abstieg beruhigend, andererseits gab es aber Anlass zum Ärgernis des hastigen Rückzuges.

Abstieg ins Moserkar – Rückblick ins Kühkar und auf die Nördliche Sonnenspitze

Der Steig im Unteren Moserkar führt durch wahrhaft schönes Gelände und erfreut. Tief eingeschnitten zeichnet der Bach seit Jahrtausenden seinen Lauf auf. Am Abstieg durch die Latschen beim Moserkaregg kann das gewaltig weitläufige Gelände der Kastenalm eingesehen werden. Bis ins Roßloch hinein zieht sich die fast ebene Almfläche dahin.

wunderschöne Szenen im Moserkar – der Bach hat sich über lange Zeit tief eingeschnitten

An der Querung des trockenen und sehr breiten Bachbettes, das bei Hochwetter nicht breit genug sein kann, waren nun die ersten Regentropfen zu spüren – die Gewitterzelle hatte sich nun innerhalb einer halben  Stunde über das Sonnenspitzenmassiv geschoben.

Überquerung des Moserkarbaches an markanter Stelle mit altem Ahorn

Mit leichtem Laufschritt versuchte der Verfasser Garagen am Weg zu erreichen, bevor ihn die schweren Tropfen erreichen möchten und das gelang auch.

das Gewitter über den Sonnenspitzen hat begonnen

Unter dem 50cm herausstehenden Dach der Garage neben der Schotterstraße beim Radldepot vor der Kastenalm wurde das Gewitter durch „unterstehen“ – durch das früher sogar Ehen entstanden sind – abgewartet.

aus dem trockenen Unterstand in die Nässe geblickt

Bei jedem der vier bis fünf gewaltigen Blitze über dem Sonnenspitzengrat manifestierte sich Sinnhaftigkeit der Entscheidung umzudrehen noch weiter.

 

Nach einer guten halben Stunde war der Spuck ebenso schnell zu Ende wie er begonnen hat und der Heimweg konnte angetreten werden. Durch die Trockenheit des so schönen Sommers war auch jegliche Lache am Weg sofort aufgesaugt und von oben tropfte ohne Wind auch nichts herab. Der Regenschutz konnte somit diesmal im Rucksack verbleiben.

der Spuk nach 40min vorbei – die Südliche Sonnenspitze erstrahlt im Sonnenlicht

Am Weg zum Halleranger entstand in der gereinigten Luft noch ein klares Foto der Sonnenspitzen und der Kare drum herum – so schnell kann eine Gewitterzelle abregnen und wieder klares Wetter herrschen.

Sonnenspitzen im Zoom

Auf der Alm gab es nochmals Energienachschub – wie könnte es anders sein – in Form von Knödelsuppe und Bier. Als gegen halb acht das Lafatscher Joch erreicht wurde erstrahlten die Sonnenspitzen im Abendlicht. Ein anderes Mal wird auch die Überschreitung gelingen.

Route ab dem Kasten im Hinterautal

Die Tour endete nach 15 Stunden und 3.525Hm gegen neun Uhr am Parkplatz beim Hackl.

Mils, 04.08.2018

Karwendeldurchquerung – mehr als 50 Mio. Jahre in 16 Stunden von Absam bis Krün

Wie kann ein Gebirge am besten in seiner Gesamtheit erfaßt werden?  Wie lange soll der Erfassungsprozess dauern, um den dauerhaftesten Eindruck zu bekommen und welche ist die klügste Erkundungsrichtung?

selten schöne Ansicht der Nördlichen und Karwendelhauptkette von der Soiernspitze

All diese Fragen waren betreffend das Hauptgebirge seiner bergsteigerischen Tätigkeit – zwar noch nicht so ausgeprägt, aber dennoch – schon einmal das Ziel des Verfassers Bestreben. Damals ging es um die Durchschreitung des Karwendels von Ost nach West und auf dieser phantastischen Reise keimte der Wunsch nach einer noch tieferen, umfassenderen Reise in der die Eindrücke dreidimensional und in einem Stück gebündelt werden sollten, ja das Karwendel mußte irgendwie umarmt werden, um seine Gesamtheit unter einmal zu erfassen.
So entstand die Idee das einzigartige Gebirge seiner Entstehungsrichtung entlang zu bereisen. Dabei sollten alle Elemente (in diesem Fall die Hauptketten und in Entstehungsrichtung gesehen auch der nördlichste Kamm einbezogen werden, weil dies den Aufbau des Gebirges am realistischsten darstellt.

Nun, mit einem Tausender in der Hand hätte dieses Vorhaben in wenigen Stunden mit einem Rundflug und vielen Fotos aus einem kleinen Spuckerl an Flugzeug realisiert werden können. Ebenso gut hätte es in einer  mehrtägigen Etappentour durchgeführt werden können und die hartgesottenen Radlfahrer unter den Lesern dieses Blogs hätten höchstwahrscheinlich eine Reise am Umfang des Gebirges vorgeschlagen, sie läßt sich auch in einem Tag durchführen, ohne Stromradl versteht sich.

Nein, das wäre alles nicht gewesen wonach gesucht wurde. Das Ziel – als einzige Möglichkeit die Größe im eigenen Kopf und auf einmal zu erfassen – war: das gesamte Gebirge mußte in einem Zug durchquert werden.

Süd-Nord Karwendeldurchquerung

Natürlich benötigt der Mensch zur Erfassung heute noch sein Augenlicht und keine Kopflampe, die beispielsweise im Schitourensport verwendet wird und in Mils blendet, wenn am Glungezer einer seinen Kopf entsprechend ausrichtet. Nein, alles was das Auge zur Erfassung sehen muß das muß auch ohne künstliche Lichtquelle erfaßt werden können. Grundbedingung des Verfassers, wo immer möglich Mensch bleiben, Technik ist schon genug an Füßen und Buckel.

Somit ergibt sich die Notwendigkeit die lange Reise in einem Zeitraum durchzuführen in dem die Übergänge schneefrei, gleichzeitig der Tag lange genug andauert und es nicht zu heiß ist.
Ob man es nun glaubt oder nicht, dieser Zeitraum ist im Karwendel lange nicht so ausgeprägt als man es vermuten möchte.

Der Juni – der gegen sein Ende den längsten Tag des Jahres beinhalten würde –  fällt für diese Bedingungen komplett aus, denn ohne Erkundung muß auch Ende Juni auf der Nordflanke der Birkkarspitze noch weitgehend mit Schneefeldern gerechnet werden. Nicht, daß man diese nicht meistern könnte, jedoch wäre eine solche Zusatzprüfung auch ein zusätzlicher Risikofaktor, daß das Vorhaben zielsicher gelingt. Sei es durch nasse Schuhe, oder einfach durch zeitliche Behinderung.

Der wettermäßig meist stabile September fiel für den Verfasser vom Angebot des Tageslichtes her weg und der August tat dies wegen seiner eher hohen Durchschnittstemperatur.
Somit bliebt der Juli als jener Zeitraum, bei dem Schneefreiheit, Tageslicht und Tagestemperatur von vorne herein als eher günstig anzunehmen sind und – zusätzlich, bei Vertrauen auf den Wetterbericht – in Summe die besten Rahmenbedingen vorliegen müssten. Natürlich kann die Tour im gesamten Zeitraum von Juni bis September durchgeführt werden aber, in den Monaten außer dem Juli muß viel Glück im Spiel sein, damit sie erfolgreich verläuft.

Karwendelketten bei der Süd-Nord Karwendeldurchquerung

Ein weiteres Faktum, das in der Planung besondere Berücksichtigung verdient, ist die Höhenlage des zentralen Teiles der Tour, dem Anstieg zur und dem Abstieg von der Birkkarspitze. Immerhin dringt man bis über 2.700m Meereshöhe vor und wie man weiß kann dort – je nach Wetterlage tags zuvor – auch schneidend kalter Wind vorherrschen. Die gute Nachricht aber ist, daß diese in etwa genau zur Mittagszeit erreicht wird (Anm. d. Vf.: müßte nach meinen Berechnungen für die Begehung von beiden Seiten zutreffen), wo die besten Bedingungen vorherrschen sollten. Wie man aus eigener Erfahrung aber leidgeprüft aber weiß, muß dem nicht immer so sein, also in der Planung gezielt begegnen.

Hinzu kommt noch die Beschaffenheit des Weges. Im Gegensatz zu Karwendelmärschen erfolgt eine Karwendeldurchquerung nicht auf Fahrwegen, bzw. auf breiten und ebenen Steigen sondern auf sehr beanspruchendem Terrain, beispielsweise dem Abstieg durch das Schlauchkar im oberen Teil und der völlig verwurzelte Gjaidsteig zum Bäralpl. Mit lustig leichten Bergläuferpatschln kann man diesen Strecken also nicht begegnen.
Der Verfasser wählte im Gegensatz zu Simon, seinem Tourenpartner, zwar auch keine stabilen Bergschuhe sondern die heute so beliebten und für das Fußgelenk eigentlich völlig untauglichen Halbbergschuhe, allerdings hiervon die festesten erhältlichen und mutete damit seinen Gelenken trotz viel Training dennoch einiges zu.

Hinsichtlich der Bekleidung sei erwähnt, daß sich im Rucksack für die zuvor erwähnte Höhenlage immer ein gescheiter Windschutz und eine Regenjacke befinden sollen, die Hose bleibt kurz, den Beinen sollte warm genug sein. Wer mit wenig Haarwuchs ausgestattet ist braucht vielleicht ein Käppchen und eine dunkle Sonnenbrille schützt unheimlich effektvoll vor dem erkannt werden auf Fotos, also ist sie für alle außer für den Verfasser unerlässlich.
Die Verpflegung wird unterwegs geklärt und hiermit sei Schluß mit dem Vorspann.

Start um 4:44 Uhr beim Hackl in Absam

Vier Uhr dreißig c. t. lautete der vereinbarte Zeitpunkt des Treffens beim Parkplatz beim Hackl in Absam. Wie immer ist jener mit der längsten Anreise der erste und so schüttelte der Verfasser fünf Minuten später dem Simon die Hand. Am Weg zum Schranken wurde das Log der Uhr gestartet und nach kaum zehn Minuten ward es bereits vor der Bergerkapelle taghell (das Abmarschfoto täuscht über die Lichtverhältnisse, die Dämmerung hatte schon eingesetzt und Simon trägt keine Stirnlampe).

Der Startzeitpunkt war also 4:44 Uhr am 25. Juli 2018, der Himmel war wolkenlos, über dem Bettelwurfeck herrschte nur ein Hauch von Thermik über das Tal herab und somit war wenig Temperaturunterschied in der Höhe zu erwarten. Rasch gewannen wir an Höhe.

Aufstieg im Isstal

Bei einem Vorhaben solcher Art ist nicht unerheblich wie die beiden ersten Stunden ablaufen. Werden sie zu schnell angegangen, kann das schlechte Auswirkungen auf den gesamten weiteren Tagesverlauf haben, umgekehrt wird wertvolle Zeit verloren, die die äußerst knappe Kalkulation ins Wanken bringen könnte und einen letzen Abstieg und Ankunft bei Dunkelheit zeitigen. Man steige also in seiner Normalgeschwindigkeit für größere Vorhaben auf.

Die geringfügige Abkürzung durch das Isstal über den Hirschbadsteig büßten wir wegen des nicht beachteten Taues mit innen spürbar feuchten Schuhen ein. Ausgeschnitten wird dort ja schon Jahre nicht mehr richtig. Eine kleine Beeinträchtigung, die bis weit ins Birkkar hinein spürbar war.
An diesem Beispiel sieht man wie dünn die Decke zwischen der Vorstellung des optimalen Ablaufes und  unvorhergesehener Beeinträchtigung ist. Für uns keine Sache die uns wirklich zu schaffen macht, aber eben etwas unangenehmes, das sich im Kopf festsetzen, oder vorzeitig zu Reibung an Sohle oder Zehen führen könnte und das Vorhaben ins Wanken bringen könnte. Wie wichtig es ist die richtige Balance zwischen Fuß, Socken und Schuh zu haben erfährt man spätestens nach 12 Stunden und gut 40km am Aufstieg zur Soiernspitze.

am Issanger – Sonnenaufgang am Roßkopf

Mit dem unbeugsamen Willen das Gebirge auf einmal haben zu wollen nahmen wir den Anstieg auf das Lafatscher Joch als erste Prüfung locker an – die Licht- und Schattenspiele dorthin präsentierten sich zudem als mentales Doping der Sonderklasse (die Handykamera kann es leider nicht annähernd wiedergeben).
Allein dieser Eindruck des Gebirges im Gesamten taugt schon dazu niemals vergessen zu werden.

Rückblick auf das Halltal

Das Halltal, mittig zwischen Inntal- und Gleirschtal-Halltalkette gelegen, läßt die Inntalkette für die Durchquerung gesehen etwas wenig zur Geltung in der Würdigung aller Ketten kommen. Diese Erkenntnis ist dem Verfasser erst in der Retrospektive aufgefallen, die Vollendung der Überschreitung wäre der Anstieg vom Parkplatz oberhalb Thaur über das Kreuzjöchl und das Stempeljoch gewesen. Diese Strecke hätte lediglich 300Hm mehr hervorgerufen und wäre durchaus richtiger gewesen. Die Macht der Gewohnheit siegte über sorgfältiges Nachdenken. So haben wir nur einen Hauch von Inntalkette durchschritten, sozusagen an ihrer Verschneidung mit der Halltalkette.

Stempeljoch und Stempelspitzen

Das Lafatscher Joch erreichten wir an diesem so strahlenden Julitag nach 2 Stunden 12 Minuten und 1.300Hm Aufstieg und dort gab es frühmorgens herrliche Blicke zu den Tuxern und Zilltertalern im Süden, sowie einen für das vorliegende Vorhaben noch viel interessanteren nordwärts gerichteten Blick auf den Roßlochkamm rechts und die Gipfel im Herz des Karwendels, die Sonnenspitzen und abermals links geschaut auf die gewaltige Kaltwasserkarspitze.
Die Birkkarspitze – das höhenmäßige Ziel der Reise – verbleibt gerade noch abgedeckt und daher unsichtbar durch den gewaltigen Grat der Sägezähne zur Kaltwasserkarspitze. Ein unfassbares Panorama, das selbst in höchster Eile aufgesaugt werden muß und einen weiteren Mosaikstein in der Erfassung des Gebirges darstellt.

Südliche Sonnenspitze vom Lafatscher Joch aus

Die Vorstellung inmitten dieser Gipfel in den nächsten Stunden aufzusteigen und sie viele weitere Stunden später in noch größerer Entfernung von der Gegenseite sehen zu können spornte für einen raschen Abstieg im angenehmen Schatten kräftig an. Die 900Hm Abstieg und immerhin 8km lange Strecke vom Lafatscher Joch bis zur Abzweigung in das Birkkar konnten wir in eineinhalb Stunden absolvieren.

Karwendelhauptkette – Birkkarspitze hinter den Sägezähnen versteckt

Daß es an diesem Tag über die Maßen gut lief und in Wahrheit die Euphorie des Vorhabens über jegliche Beeinträchtigung triumphierte spürte der Verfasser am Anstieg über das enorm tiefe Birkkar. Im Nu erreichten wir die „Ständ“ und füllten aus dem kleinen Bach, der aus dem kleineren östlichen Birkkar heraustritt erstmals die zweite Wasserflasche auch mit auf, bevor es in die ab nun immerwährende Sonneneinstrahlung aufwärts weiterging.

Kastenalm

Im etwas unangenehmen Teil des Birkkares stellten wir den Schotterreisen am Steig westlich aus. Über schuttdurchsetzte Grasnarben stiegen wir allemal bequemer als am ausgetretenen Steig durch die Reisen.

wunderschönes Birkkar

Ein nächster Markstein in der Gesamtbetrachtung ist die Überwindung der Steilstufe und Übertritt in das obere Birkkar auf rund 2.240m. Die Hälfte der gesamten Aufstiegsstrecke liegt dort zwar schon hinter einem (siehe hierzu die Bildgalerie), aber sich an solchen mathematischen Details zu orientieren wäre der falsche Ansatz das Gebirge in seiner Gesamtheit unter einmal zu erfahren. Die Erkenntnis über die mathematischen Gegebenheiten wurde vom Verfasser mit Staunen auch erst im Nachgang ermittelt.

Wasser wird für die Strecke bis zum Karwendelhaus aufgefüllt

An der Schwelle zum Eintritt in das obere Westliche Birkkar erfaßt den Bezwinger der Birkkarspitze zunächst einmal aufs Neue das gewisse Massstabsgefühl das in den meisten Naturbeschreibungen mit der Kleinheit des Menschen vor den Dimensionen der Natur dargestellt wird. Das Westliche Birkkar jedoch ist eine kleine optische Täuschung, es ist mit 40Ha beispielsweise flächenmäßig um ein Drittel kleiner als das lange Gleirscher Rigelkar und auch kleiner als einige seiner gewaltigen Nachbarn in der Hauptkette, allerdings vermittelt es mit den an seinem Umfang ungebrochenen und fast senkrecht hoch aufragenden Mauern ein Volumensgefühl das im Karwendel seines Gleichen sucht.

umwerfender Blick auf die Gleirsch-Halltalkette – Bildmitte die Praxmarerkarspitzen mit 600m hoher Nordwand, links davon die Kaskarspitze, rechts die Nördliche Jägerkarspitze

Die mächtig gebankten und kaum zurückweichenden Felsflanken der Ödkarspitzen und der Birkkarspitze geben sich hier links und rechts die Hände mit ebenso ungebrochen hohen Südgraten, die die Umrahmung bis weit hinaus ins untere Birkkar prägen und einen atemberaubenden Kessel schaffen, in dessen Tiefstem man sich dort befindet und der sich im Kopf heiß einbrennt.

das obere Westliche Birkkar

Nicht minder einprägsam die Erscheinung der im Süden gelegene Halltalkette – sie frontal aus dieser Höhe gesehen vermittelt deutlich die Größenordnungen an Überschiebung die bei den Karwendelketten vorherrschen mußten um sie zu schaffen.

einmal mehr die Gleirsch-Halltalkette mit voraus geschobenen Raiblerschichten

Dem letzten Schatten für einige Minuten des Weges begegneten wir im eher flacheren Teil des oberen Westlichen Birkkares in der Reise in der Flanke des Südgrates der Birkkarspitze.
Mittlerweile, mitten im fortgeschrittenen Vormittag, war die Sonneneinstrahlung selbst in 2.400m Seehöhe deutlich zu spüren. Ein Glück, daß immer noch ein leichtes Lüftl durch Thermik vorherrschte und mit zunehmender Höhe zum Schlauchkarsattel auffrischte.

Aufstiegsgelände zum Schlauchkarsattel

Die ersten Überschreiter von Norden begegneten uns in der mühsam aufzusteigenden Reise zum Schlauchkarsattel; so mancher davon benötigte für den Abstieg länger als wir für den Aufstieg und genau jene wissen nicht einzuschätzen wie damit umzugehen, daß sie auf der Südseite der Birkkarspitze theoretisch 25km Fußmarsch von jeglicher Zivilisation entfernt sind. Und es ist besser so.

Rückblick in das obere Westliche Birkkar

Im Fels ist der Aufstieg zum Sattel vergleichsweise arg strapaziert, die Auswirkungen des Winters sind an der Versicherung zu sehen und dennoch gibt es keinen Grund zur Beanstandung – man befindet sich im Hochgebirge und ist für sich selbst verantwortlich, niemand Dritter sonst, auch nicht der Wegerhalter.

mit Seilversicherung bis weit nach oben

Es war uns klar, daß wir in der Gegend der Birkkarspitze mit einigem Rummel zu rechnen hatten, wobei sich dieser in akzeptablen Grenzen hielt. Umgehungen von heiklen Passagen aufgrund von nicht enden wollenden Gruppenpassagen blieben zum Glück aus und am Gipfel, den wir recht zufrieden um halb zwölf erreichten, fanden wir lediglich vier Bergsteiger vor.

am Schlauchkarsattel angelangt

Am Gipfel der Birkkarspitze, 2.749m, gönnten wir uns – knapp sieben Stunden nach dem Start in Absam – eine gute Viertelstunde für eine erweiterte Mahlzeit. Ein erster Griff zu Speck als Langzeitenergiespender erschien kein Fehler, denn auf den folgenden wenig anstrengenden 1.000Hm Abstieg zum Karwendelhaus würde die Portion gut verarbeitet werden können. Dies und später, nach der feinen Knödelsuppe im Karwendelhaus war Kraft im Überfluss vorhanden. Die warme Suppe wirkte ihre Wunder in der Tageshitze am Südhang des Steiges zum Bäralpl. Wer das Geheimnis von warmen Flüssigkeiten auch bei Hitze kennt wird es gerne anwenden.

Blick zur Birkkarspitze

Vom Gipfel der Birkkarspitze aus öffnet sich ein guter Überblick nach den beiden Durchquerungsrichtungen. Anhand des Rückblickes auf das zum Greifen nahe Lafatscher Joch und der in diesem Moment gefühlten bisherigen Aufwendung an Körpereinsatz und Zeit kann eine erste Einschätzung auf die folgende Herausforderung beim Blick auf die nahezu umgekehrte Himmelsrichtung getroffen werden. Und sie vermittelt erstmalig auf der grandiosen Reise ein Gefühl von der Mächtigkeit des Gebirges.

Simon noch guter Dinge auf der Birkkarspitze – im Hintergrund tolle Gipfel im westlichen Teil der Hauptkette

Das Ziel, die Soierngruppe in bedenklich ferner Distanz, die gesamte Gruppe von hier nur einem Strich von nicht einmal einem Viertel der Breite des Fotos dorthin. Dieser Eindruck ist in natura zu erleben und einer der stärksten, einer der einprägsamsten auf der Zeitreise durch die Karwendelketten.

Rückblick auf das Lafatscher Joch

Die zentrale Lage der Birkkarspitze  muß aber auch genutzt werden, um die für die Durchquerung die Nebenschauplätze bildenden Himmelsrichtungen zur Erfassung des Gebirges zu erleben.

Ansicht in Durchquerungsrichtung – die Soierngruppe nur ein kleiner Strich weit entfernt (gleich rechts Bildmitte)

Da tut sich im Osten ein einzigartiges Panorama auf bei dem die zentral zu bestaunende und gestaltlich auffallende Sonnjochspitze sowie der am Bild rechts (südlich) davon gelegene riesige Roßlochkessel mit seiner grandiosen Umgrenzung von besonderen Gipfeln als prägende Elemente im östlich auslaufenden Gebirge erlebt werden. Umwerfend der Eindruck an diesem Tag.

schöne Kulisse im Ostteil des Karwendels – mittig das Sonnjoch

Den Westen prägen nicht minder interessante Erscheinungen. Die mit dem Schlauckarsattel verbundenen und ebenfalls zu den höchsten zählenden Ödkarspitzen sind innerhalb der Kette in der absolut rechts situierten Position die nächsten Erhebungen. Links davon, in der Tiefe betrachtet eine vermeintliche Unzahl an Gipfeln und Erhebungen, die, einzeln gesehen, bis hin zur äußersten Erhebung im Kamm, der Pleisenspitze, nur dem absoluten Kenner zur Identifizierung vorbehalten sind, denn ihre Lage und Entfernung täuscht ungemein. Gewiss, die schöne Pyramide der Großen Seekarspitze erkennt auch der nicht so versierte Karwendelfreund, aber alles von Süd nach Nord zwischen dieser und den Ödkarspitzen richtig zu deuten bedarf großer Erfahrung und Kenntnis von der von der Birkkarspitze aus sieben Kilometer bis zur Pleisenspitze messenden westlichen Hauptkette.

am Gipfel um halb zwölf angekommen

Die Eindrücke aufgesaugt, steht nach dem Abschied vom Hochpunkt der Reise zunächst ein nicht zu unterschätzender Abstieg mit den leichten Patschln durch das Schlauchkar an, das regelrecht bezwungen werden will. Hierzu sei dem Bergfreund geraten die höchste Aufmerksamkeit walten zu lassen, denn das Schlauchkar mit seinen Dutzenden von Zweigwegen und großen Brocken im obersten Teil des Steiges mag tückisch für das Umknicken beim eiligen Abstieg mit diesem zweifelhaften Schuhwerk sein. Allerdings trägt die gute Laune nach der erlebten Kulisse sehr zur Bewältigung der anstrengenden Etappe bei.

am Abstieg ins Schlauchkar

Im tieferen – und dort schon wieder begrünten – Teil nach der oberen Steinwüste des Schlauchkares nahm die Tageserwärmung ihren Höhepunkt ein, die gut zwei Stunden anhalten sollte und die beiden Wasserflaschen, die am Karwendelhaus nachgetankt wurden, rechtfertigte.

Rückblick im oberen Teil des Schlauchkares

Eine Stunde mußten wir für den Abstieg aufwenden bevor die heiß ersehnte Knödelsuppe im Karwendelhaus vor uns am Tisch dampfte. Am Mittwoch Mittag war das beliebte Karwendelhaus zum Glück mäßig besucht wodurch wir ohne Hast in einer halben Stunde die Hauptpause des Tages absolvierten. Knödelsuppe und ein unkastriertes Bier für den Verfasser, Simon vertraute auf Zuckerwasser zur Suppe. Die rechtzeitige und dosierte Energiezufuhr ist essentiell auf großen Vorhaben – das mußte der Verfasser, der sich bei körperlicher Anstrengung immer dazu zwingen muß, schon oft erfahren.

Bäralplsattel im Zoom

Das Karwendelhaus verließen wir nach knapp neun Stunden nach dem Start und nach der Einschätzung des Verfassers sollte die folgende Etappe bis zur Krinner-Kofler-Hütte eine eher leichte werden, bei der nicht zu viele Kräfte erforderlich sein sollten, um den finalen Anstieg und die Überschreitung der Soierngruppe gut zu verkraften.

Karwendelhaus, 1.771m

Ungern – aber zur besseren Einschätzung von Lesern die die Reise nachvollziehen werden – gleichwohl unumwunden gibt der Verfasser hier zu, daß diese Einschätzung grundfalsch war.
Der schöne Gjaidsteig, noch von der Birkkarspitze aus gesehen ein so unscheinbarer, sich als vermeintlich auf einer Isohypse dahinziehenden Linie erwarteter Steig, gibt seinen schönen Verlauf nicht ohne viel Schweiß her, er hat es mächtig in sich.

Abzweigung vom Fahrweg zum Gjaidsteig

Zuerst zweigt er in der letzten engen Kurve am Schotterweg zum Karwendelhaus unscheinbar ab und steigt  danach gut zwei Dutzend Höhenmeter an. Anschließend führt er in einem nicht enden wollenden und nicht unerheblich anstrengenden Auf und Ab, das jeweils kaum mehr als 10Hm beträgt aber ständig wechselt, eine Stunde durch die Flanke unter der Vogelkarspitze hindurch, um, schlußendlich als Höhepunkt, in einem schauspielartigen Gewirr an quer zur Gehrichtung verlaufendem Wurzelwerk von Zuntern in das man tief eintaucht, sich in einer Art Körpermikado bewegt, um dabei kaum mehr Gehgeschwindigkeit zu erreichen und sich in der den eiligen Marsch überlagernden Nachmittagshitze erstmals mentale Herausforderungen spürbar machen. Wohltuend ist dann der endlich erreichte Blick auf das Bäralpl, auch wenn nach dem Aussichtseck noch 50Hm zum Sattel auf 1.820m anfallen.

am schönen Gjaidsteig

Der Bäralplsattel im südlichen, tirolischen Teil besteht aus Raiblerschichten, erstmals auf der Strecke aus einem geologisch schlechteren Teil, die Festigkeit und Verwitterungsbeständigkeit betreffend. Höchstwahrscheinlich dadurch ist es im Laufe der Zeit überhaupt zu diesem tiefen Einschnitt in der Nördlichen Karwendelkette gekommen, weil die aus festem Wettersteinkalk bestehenden Erhebungen links und rechts des Bäralpls stehen seit jeher bombenfest und ohne Höheneinbußen durch Verwitterung.

einzigartige Ansicht des Karwendeltales vom Gjaidsteig

Überhaupt dürfte sich im Gebiet westlich vom das Bäralpl eine Raibler- oder ähnliche Störzone von Südost nach Nordwest durchziehen, das kann auch auf den Fotos von Juergen auf die Raffelspitze immer wieder deutlich abzeichnet. An der bayerischen Nordflanke der Kette bestehen hohe Abstürze aus wiederum festem Wettersteinkalk, daher nimmt es auch nicht Wunder, warum Jürgens Anstieg immer wieder eher nördlich erfolgt, als am Grat oder südlich desselben.

Bäralplsattel, 1.820m

Der wohltuend leichte Abstieg vom Bäralplsattel Richtung Staatsgrenze wurde für uns zu einem Läutkonzert von Dutzenden von hell klingen Glocken an scheuen Schafen. Bis weit hinaus zur Grenze konnten wir sie hören.

Soierngruppe vom Bäralpl aus

In der Meinung, der Abstieg vom Bäralplsattel sollte eine leichte Erholungsstrecke sein täuschte sich der Verfasser abermals. An der Grenze beginnt ein nicht ganz ungefährlicher Abstieg auf einem schutt- und teilweise nässedurchsetzem natürlichen Felsbandsteig, der seilversichert bis zu weniger steilen Partien hinabzieht. Keine einfache Angelegenheit von Familien mit kleinen Kindern, die uns entgegenkamen (später, unten am Bärenfallbach, der durch die Abbrüche des Sattels herab braust sahen wir, daß es eine zweite Möglichkeit des Abstieges gegeben hätten, in der AV Karte als Steigspuren vermerkt und sicher eine gesonderte Erforschung wert).

luftiger Abstieg zu den Reisen

Fast hätten wir die unbeabsichtigt getarnten Wegweiser in der Schuttreise übersehen und wären Richtung Hochlandhütte aufgestiegen, wenn nicht, nach einer Wegverzweigung am Wiederanstieg des Hauptsteiges zur Hochlandhütte, Wegweiser in der losen Schottereise geschützt hinter Blechwinkeln erblickt werden hätten können.

Wegweiser in schwierigem Gelände

Unser Weg präsentierte sich dabei als ein anscheinend selten begangener, denn er war in der Schottereise teilweise nur erahnbar, nicht aber durch Farbe und Muldung immer eindeutig erkennbar.
In jedem Fall führte er uns wieder genau so nach Osten wie das Felsband in den imposant steilen Wettersteinfelsen oberhalb uns zuvor nach Westen abwärts geleitet hat. Eine nun erklärliche quer ausreißende Spitze auf der Karte.

die beeindruckende Nordseite des Bäralpls

Die Abwärtsquerung in der Schotterreise zeitigte nach 32km nun erstmals aktives Spüren der Sohlen. Die Reibung in den unfesten Halbschuhen ist beim abschüssigen Queren besonders groß und leichtes Brennen die Reaktion davon. Von gut 1.800m am Bäralpl führt der Abstieg auf knapp über 1.300m hinab auf die Almfläche Hufachboden südöstlich der Krinner-Kofler-Hütte.

Huefachboden gen Süden

Bis zu dieser dauert es aber noch ein ganz schönes Stück auf einem wiederum stetig auf- und ab-führenden schmalen Steig, der teilweise an Abbrüchen durch ein Gemisch von Hauptdolomitfelsen und Raiblerzonen hindurchführt und in dem uns just die über uns liegende schwere Regenwolke einen prasselnden Gruß von ein paar Minuten niederbrachte. Ein Gruß der gerade ausreichte, daß aller verfügbare Regenschutz angelegt werden mußte und die nachfolgenden zwei Kilometer über den Steig die kaum knöchelhohen Grashalme links und rechts des schmalen Pfades gerade so weit hereinreichten, daß die Schuhe auch innen nass genug für ein unangenehmes Gefühl wurden. An diesem Abschnitt trennten uns wahrscheinlich gerade einmal 10min von Trockenheit – es sollte für uns nicht sein, daß wir trocken blieben, wir waren vorher wahrscheinlich zu langsam und wurden daher bestraft.

Krinner-Kofler-Hütte

An der Krinner-Kofler-Hütte bestand letztmalig die Gelegenheit Wasser aufzufüllen und dies wird jedem geraten, der nach gut 35km und elfdreiviertelstunden dort ankommt und den Hauptteil der Soierngruppe im Aufstieg vor sich hat.

Aufstieg zur Soiernspitze

Der Aufstieg zur Soiernspitze erfolgt von der Krinner-Kofler-Hütte zunächst über ein paar sanft ansteigende Rampen auf breitem Wege, sodaß sich auch ein schon alter Mann vor dem Simon nicht schämen mußte und zumindest Gehgeschwindigkeit zustande brachte, auch wenn er die Normalsteiggeschwindigkeit von 11m/min nicht erreichte.

auf etwa 1.700m gegen Süden zum Bäralpl geschaut – der Alternativanstieg links kann erahnt werden

Nach 400Hm auf etwa 1.700m war es dann soweit – zu wenig Energiezufuhr (seit dem Karwendelhaus nur einen der grausigen Müsliriegel verzehrt) zwang den alten Mann in die Knie und eine Esspause mußte eingelegt werden. Speck kam zum Einsatz. Im Wissen, daß dieser nicht ganz die richtige Wahl sein würde gab es obendrauf noch einen großen und grausigen Eiweißriegel und damit sich alles zusammen beim Verdauen vertragen mochte, sollte ein Käppchen von Peter Mayrs Enzian, das erprobte Höhenkrankheitsmittel des Verfassers, für Ruhe im Magen auf den nächsten 550Hm Aufstieg sorgen.

Aufstieg zur Soiernspitze oberhalb des Jöchls

Während sich alles mischen sollte unternahmen wir eine „Recognoscirung“ auf den Bäralplsattel und die links und rechts davon flankierenden Nordabstürze der Nördlichen Karwendelkette. Auch diese Kette hat ihre Schönheiten und die nördlich vorangeschobenen hoch aufgerichteten und zu bizarr verwitternden Schluchtenbergen aus Raiblerpartien vermitteln den selben heimeligen Eindruck der südlichen heimischen Karwendelketten. Die Geschlossenheit des Zentralteiles des Gebirges konnte nun in gewisser Weise „von außen“ betrachtet werden. Die Birkkarspitze ist am Anstieg zur Soiernspitze nicht sichtbar, somit fehlt die optische Einschätzung der Distanz.

die hohen Gipfel der Nördlichen Karwendelkette – Wörner äußerst rechts im Bild

Mit einem beginnend sonderbaren Gefühl im Magen des Verfassers starteten wir wieder durch und erreichten einen Sattel an dem eine mit 1 ¾ Stunden völlig falsche Zeitangabe für die verbleibenden 450Hm getroffen wird. Dies verunsichert zunächst, der Gipfel ist von dort nicht sichtbar.
Die Strecke nach dem „Jöchl“ bereitete dem alten Mann dann schon einige Mühe und der edle Speck beschwerte sich ob der Anwesenheit von eher chemischem Gummizeug aus der Fabrik und bereitete zeitweise ein derart unangenehmes Gefühl, das bei zu stark vertiefter Aufmerksamkeit darauf höchstwahrscheinlich in einen unerwünschten Vorgang hätte überschwappen können. Also mußte sich auf den Anstieg konzentriert werden und das erste Nachdenken über die mögliche Ankunftszeit in Krün lenkte genügend ab, um die kritische Verarbeitungsphase im Unterleib unbeschadet zu überstehen.

das Gipfelkreuz der Soiernspitze sichtbar

Bei einem kühlen Lüftl durch mehrere zuvor entladene Regenwolken in der Umgebung ging es am Südostrücken zur Soiernspitze auf 2.257m, die wir knapp nach 18 Uhr erreichten, bzw. Simon 10min eher, um somit nach knapp dreizehneinhalb Stunden den Hauptteil der Anstiege bewältigt zu haben und einigermaßen erfreut darüber zu sein.

Soiernspitze, 2.257m

Das Wetter über uns war wieder grundstabil und großteils sonnig. Der nicht angenehme und kühle Wind von Nordosten, hervorgerufen durch ein Gewitter über Lenggries, veranlasste uns nach einigen Minuten des Verweilens und einigen Übersichtsfotos die Reststrecke in Angriff zu nehmen, immerhin trennten und noch 10km und gut drei Stunden Marsch vom Ziel.

die schönen Soiernkare mit den gleichnamigen Seen

Am interessanten Grat zur Reißenden Lahnspitz trifft man unweit östlich der Scharte mit dem Abzweig zum Soiernhaus auf Felsausbildungen wie sie üblicherweise dem Dolomit vorbehalten sind, grobbankig aufgebaute Felstürmchen. Sie werden südlich umgangen und jenseits der Scharte erfolgt der Anstieg zur Reißenden Lahnspitz, der nun schon recht schwer fällt mit Normalgeschwindigkeit begangen zu werden und auch auf die letzten rd. 40Hm wurde verzichtet und der Gipfel in der Südflanke umgangen.

Blick auf den Hauptgrat der Soierngruppe, weit hinten unser Abstiegspunkt

An der Westseite der Flanke bietet sich der erste Blick zum letzten Sattel, den Seinskopf, und wenn man nach all dem vorher erlebten an diesem Punkt steht glaubt man im diffusen Gegenlicht der schon tief stehenden Sonne nicht mehr so richtig daran den Seinskopf noch zu erleben – ein schier ewig langer Weg scheint sich zu ihm hinzuziehen. Tatsächlich beträgt die Weglänge kaum mehr als 3km, beinhaltet aber doch noch 130 nun auch in den Beinen spürbare Höhenmeter und zieht sich über eine Stunde hin.

schöne Formationen am Grat zur Reißenden Lahnspitze

Die Wanderung auf üppigen Wiesen dorthin – und auch schon eine Stunde vorher – verlief mehr und mehr wortkarg zwischen dem wackeren Simon und dem Verfasser, ein Produkt der Anstrengungen bisher und Manifestation von Zeichnung durch die Anstrengungen.
Die Zeitlosstimmung am Frühabend in Sonnenschein auf 2.000m wirkte gewaltig anstimmend auf das Gemüt und immer wieder kreisten die Gedanken über die bisher erlebten Stationen der Reise, die zigmal im Kopf durchgegangen wurde und trotzdem noch so unfassbar schien. Allein diese Augenblicke wären es wert, das Unternehmen erneut durchzuführen. Ob es dann an Reiz einbüßen würde – wer weiß?

an der Umgehung des Gipfels der Reißenden Lahnspitze – unser Abstiegspunkt im dunklen Sattel leicht links der Bildmitte sichtbar

Die Soierngruppe muß man erlebt haben. Ihr Aufbau ist der typische durch Überschiebung geprägte, mit mehr oder weniger steilen Südhängen und steilen bis senkrechten Nordabbrüchen. Alleine fehlen die nördlich vorne her geschobenen Raiblerpartien – zumindest konnten keine gesichtet werden.
Im Rückblick auf Soiern- und Reißenden Lahnspitze – das Foto zaubert mit dem tollen abendlichen Lichteinfall wunderbar die Schichten des Aufbaues hervor – Plattenkalk in bilderbuchartiger Ausbildung.

wunderbar sichtbarer Plattenkalk Aufbau der Soiernspitze

Zur tiefsten Einschartung vor dem Seinskopf hin benötigten wir eine gute Stunde. Die Schöttelkarspitze haben wir der fortgeschrittenen Stunde wegen ausgelassen. Ziel war ja ohne Fremdlichtquelle auszukommen. Dort beginnt der letzte, dafür auch nur kurze Aufstieg zum Seinskopf, eher ein Joch als ein Kopf, und dort beginnt auch die knapp 6km finale Abstiegsstrecke nach Krün über 1.100Hm.

Grat zur Schöttelkarspitze im Abendlicht

Selbst die wenigen Dutzend Höhenmeter Anstieg wurden dem Verfasser nun anstrengend. Eine leichte Gewitterfront über Garmisch spornte jedoch dadurch an, als daß sie den Anschein hatte sich auf unsern Abstieg auszudehnen.

kurz für der Einschartung zwischen Seinskopf und Schöttelkarspitze

Im letzten Rückblick wartete die Natur noch mit einer kleinen Belohnung auf. Die meisten Gipfel der Karwendelketten waren leider durch Wolken verdunkelt, die Birkkar- und die Ödkarspitzen als einzige Gipfel in 13km Luftlinienedistanz aber wunderschön hell erleuchtet. Mit diesem schönen Abschlussblick in die Ferne und der Verständigung vom treuen Andi, der verletzungsbedingt ausfiel und den Abholdienst versprach, traten wir den allerletzten Abstieg an.

der letzte Blick auf die Birkkarspitze; danke für die grandios heraushebende Beleuchtung!

Die Zugrichtung des Gewitters wies zwar in unsere Richtung, es verlor jedoch glücklicherweise rasch an Kraft, erreichte uns nicht mehr und so bleib uns eine zweite Regenadjustierung erspart.
Man möge den Abstieg vom Seinskopf nach Krün nicht unterschätzen, vor allem, wenn man einiges hinter sich hat. Nach der Halbumrundung des Schöttelkars, beim letzten Blick auf die Schöttelkarspitze vom Sattel in den Wald hinab zieht sich ein recht steiler Weg, der nach fünfzehn Stunden Marsch keinen Abendspaziergang darstellt, auch wenn er abwärts gerichtet ist und wenige kleine Querungen vernachlässigbare Gegenanstiege aufweist.

Abstieg vom Seinskopf nach Krün

Die Route über den Nordteil der Hüttlebachklamm schlug Simon vor auszulassen, da der andere Wegweiser eine Viertelstunde Einsparung nach Krün zu versprechen schien. Beim nachträglichen Studium der Karte erschien das nicht so sicher, denn der alternative Weg beschreibt einen nicht notwendigen Bogen im untersten Teil und führt zuletzt recht seicht knapp oberhalb des Isarufers rückwärts zur Brücke entlang. Natürlich spürten wir auf den letzten Abstiegsmetern jeden einzelnen Schritt recht intensiv auf den Sohlen.

Ankunft am Ziel in Krün, 21:15 Uhr

Um 21:15 erreichten wir nach sechzehneinhalb Stunden, 4.200Hm und knapp 50km Wegstrecke die Brücke über die Isar und den Parkplatz in Krün, bei dem Andi gerade eingetroffen war und mit einer Dose Hopfensaft für die Überraschung des Tages sorgte.

Für Interessierte hier das Höhenprofil (mehr Details und die Gehzeiten in der Bildergalerie):


Die Reise konnte im hellen Teil eines Tages somit plangemäß beendet werden. Unbeschreibliche Eindrücke darüber wurzeln noch immer tief und das Gebirge hat im Kopf eine neue Dimension geöffnet, womit auch das Ziel erreicht wurde und der Verfasser sich vor dem mächtigen Karwendelgebirge tief verneigt zugelassen worden zu sein.

Mils, 25.07.2018

Larchetkarspitze – über Kohlergraben und Hinterkar mit Überschreitung zur Pleisenspitze

Seit Jahrzehnten kann der Anstieg zur Larchetkarspitze über den Kohlergraben und das Hinterkar als die kürzere und abwechslungsreichere Alternative zum Normalanstieg über Pleisenhütte und Mitterkar nachgelesen werden.

Rückblick auf die Strecke von der Larchetkarscharte

Wenn man von der Scharte, die den Gipfel vom südlich vorgelagerten Felsturm trennt, abgestiegen ist und sich den oberen Teil des Mitterkars ansieht, dann bekommt die obige Aussage wirklich Wahrheit, vor allem, wenn man den zuvor absolvierten Anstieg über das Hinterkar damit vergleicht. Gefühlte 250Hm übelste Reisenhänge mit kleinstückigem Schotter und ordentlichen Steigungen müssen kräftig an Kondition und Gemüt zehren wird hier gewagt zu behaupten.

Larchetkarspitze, 2.541m

Anders präsentiert sich der Anstieg über den Kohlergraben und das Hinterkar.
Dieser Anstieg ist in der Tat sehr abwechslungsreich, er liegt im Sommer bis weit in den Vormittag hinein angenehm im Schatten und die Strecke über Reisen vom Kar aus erfolgt bei schlauer Wahl des Anstieges wesentlich weniger im zermürbenden Schotter.

malerisch geht es weiter

Die Tour aber vom Beginn an beschrieben – und da es eine Rundtour über die Pleisenspitze ist, entfällt jegliches Radlfahren zum Ausgangspunkt, auch das zunehmend beliebte Stromradl wird für die Anreise nicht benutzt.
Der Endpunkt der Runde (Gasthaus Wiesenhof) liegt vom Start der Runde auf der Hinterautalstraße ca. 4,3km entfernt. Wer am Ende der Tour diese Strecke taleinwärts bewältigen möchte, der fahre mit dem Radl zum Ausgangspunkt.

am Weg zum Ausgangspunkt die Gipfel bereits sichtbar

Gesamt müssen nicht nur die 4.3km sondern 6km zum Einstieg in den Wald bewältigt werden. Eine gute Strecke zum Aufwärmen und vor Sonnenaufgang eine leichte Sache, die in einer guten Stunde zu schaffen ist. 6kmh sollte für den Bergsteiger zu Beginn eines langen Unternehmens keine nennenswerte Sache sein. Bei diesem Fußmarsch werden knapp 130Hm bewältigt und 40 davon wieder eingebüßt.

genau hinter dem Schotterhaufen geht es hinauf

Zunächst muß der Einstieg gefunden werden und das ist reine Intuitionssache, denn nach 20Hm gibt es keinerlei Steigspuren mehr, denen man folgen könnte. Der Einstieg in den Kohlergraben befindet sich linkerhand wenige Meter vor der Brücke über den Hinterkarbach, just dort wo sich eine Einbuchtung als Ausweiche mit (derzeit) einem Schotterhaufen neben der Straße befindet. Genau in der Einbuchtung setzen am Abbruchrand Steigspuren an, die einige Meter entlang des Bachlaufes und aber gleich links über eine Böschung hinauf in den Wald führen.

Blick Richtung Kohlergraben

Nach kaum zwei Minuten verlieren sich die Spuren im Wald und die Intuition muß die weitere Leitung des Anstieges übernehmen.  Das irritiert zunächst, allerdings wird später klar, daß die Anstiegsrichtung zwangsweise dem Bachlauf folgen muß und unterhalb der von der Hinterautalstraße bereits gut sichtbaren steilen Schrofen in den Kohlergraben führen muß. Wer hierzu nicht in der Lage ist möge das Unternehmen besser über den Normalanstieg über die Pleisenhütte und das Vorderkar durchführen.

den Hang im Wald hinauf, ohne Steigspuren

Im Wald verliert sich großteils die Sicht auf die Schrofen, aber wenn das Geräusch des Hinterkarbaches immer in etwa der gleichbleibenden Lautstärke bleibt, verändert sich auch der Abstand kaum und die richtige Anstiegsrichtung ist somit gut eingehalten. Dann und wann trifft man im Mischwald auf steiler Partien, denen örtlich ausgewichen wird, ohne sich generell zu weit zu entfernen.

ein Abstecher zur Schluchtkante, um den Überblick zu gewinnen

In etwa nach 230Hm, knapp unterhalb Kote 1.300m tauchen steiler werdende Schrofen voraus auf, der Wald wird etwas lichter und das Gelände im Gesamten verändert sich so, daß nur mehr die Gehrichtung nach rechts oben machbar ist. Dies ist die Einmündung in einen Jagdsteig, der ohne große Höhenänderung relativ konstant auf 1.300Hm taleinwärts zieht. Er ist schon von weiter unten gut sichtbar, wenn man etwas westlich ansteigt, nahe dem Schluchtabsturz des Hinterkarbaches. Dieser Blick gibt gute Orientierung von weiter unten.

fast schon am Steig zum Kohlergraben

Ab dieser Einmündung in den Jagdsteig gibt es keine zweifelhaften Passagen bis zum Gipfel mehr es sei denn, eindeutige aber übersehbare Zeichen am Steig werden nicht beachtet, oder man hat keine Führerbeschreibung über den Steig gelesen oder gegoogelt.

am Jagdsteig

Dem Steig wird nun einige Minuten in das Tiefe des Grabens gefolgt, bis er sich mit dem Hinterkarbach schneidet und einige Minuten an dessen linkem Ufer (in Aufstiegsrichtung) entlang führt. Dort angelangt, selbst im Hochsommer in angenehmen Schatten der mächtig hinaufziehenden Basisrippe des Blassengrates lohnt ein Blick zurück auf die bärige Landschaft.

ohne große Höhensprünge

Fast würde nun ein Mini-Steinmännchen auf der anderen Uferseite übersehen, entstünde nicht der deutliche Eindruck, daß der Steig am linken Ufer irgendwie schnell schlechter werden würde und in der Tat, es ist Zeit den Bach zu überqueren und dort einige Meter weiter zu gehen.

welche ein Blick nach Südwesten!

Einen Steig neben dem Ufer wird allerdings vergebens gesucht, ein diesmal großer Steinmann, etwas vom Ufer entfernt, verrät, daß der Steig den Hang hinaufzieht. Deutliche Steigspuren im erdigen Schotter weisen den Anstieg. Vor dem steilen Anstieg empfiehlt es sich den Wasservorrat aufzufüllen. Ein Privileg das bei der Begehung der Larchetkarspitze durch das Vorderkar nicht gegeben ist.

kurz im Graben aufgestiegen

Auf diesem Steig allerdings, kann es 350Hm weiter oben nochmals in Anspruch genommen werden, jedoch ist Wasser im Karwendel auch immer eine jahreszeitliche Angelegenheit und im endenden Juli kann jemand, der die Eigenheiten der jeweiligen Quelle nicht kennt, eine Hand für weitere Versorgung über 1.300m ins Feuer legen.

Steinmann weist den Weg in die Steilflanke

Nun folgen einige Hundert Meter steilen Anstieges durch den schön ausgeschnittenen und abwechslungsreichen Steig, der sich – wirklich toll angelegt – durch den Kohlergraben nach oben zieht. Teils mitten im Latschenfeld, teils an Felswänden der jäh abstürzenden Blassenrippe und noch auf 1.750m mit einem Feld von reifen Moosbeeren, für deren Wohlgeschmack einige Minuten Pflückens verschwendet werden können.

Ausblick nach oben

Bis weit hinauf schlängelt sich der anspruchsvolle Stieg in wohltuendem Schatten dahin, bevor sich auf ca. 1800m die Richtung nach links (westlich) mit ein paar Höhenmetern Verlust ändert und in den wiesendurchzogenen Graben oberhalb der umgangenen Steilstufe mündet.

rasch wird an Höhe gewonnen

Dort gibt es unter Bezahlung von 15Hm Verlust durch Abstieg weiteres Wasser aus einer noch recht ergiebigen Quelle – keine häufige Situation im Karwendel auf dieser Höhe -, die jedoch keine genügend hohe Steilstufe aufweist, sodaß auch lange Flaschen vollständig gefüllt werden können. Eine Schöpfhilfe ist dafür von Vorteil. Da die weitere Tour ohne jeglichen Sonnenschutz stattfindet tanke man entsprechend auf.

Wasser auftanken bei einer hochgelegenen Quelle

Der folgende Abschnitt führt durch Latschengelände durchzogen von Lawinenstrichen. Man halte sich links und erreicht den Toni-Gaugg-Steig, der von der Pleisenhütte zum Karwendelhaus führt und eine ganz tolle Höhenwanderung in der Karwendelhauptkette darstellt.

oberhalb des Toni-Gaugg-Weges Richtung Mitterkar

Diesen auf ca. 2.080m überquert und immer links weiter im noch überwiegend wiesendurchsetzen Kargelände geht es bis etwa auf 2.250m bevor das Hinterkar flacher und nur noch felsig wird. Auf den letzten größeren Brocken empfiehlt sich eine Trinkpause um den günstigsten weiteren Anstieg zu „recognosciren“, wie Alpinisten vor gut hundert Jahren die Geländeerkundung bezeichneten.

den Anstieg am Felssaum gewählt und gut vorangekommen

Die schräge Ansicht der Larchetkarspitze mit ihren südlich anschließenden und von schmalen Scharten getrennten Grattürmen scheint vom Karboden aus höher zu wirken, als sie wirklich ist. Tatsächlich trennen den Ersteiger nur noch an die 250Hm vom Gipfel. Der Anstieg sei zur Vermeidung des Pilgerschrittes in den rutschenden Reisen jedoch strategisch gut gewählt.
Daher entschloss ich mich zum direkt westlichen Aufstieg über das kürzeste Stück Schottereise und dem nach Norden entlang hanteln an der Felskante, mit dem Vorzug immer in festem Fels zu steigen. Diese Taktik funktionierte wunderbar und rascher als erwartet wurde der Einstieg zur Scharte erreicht.

unterhalb des südlich der Larchetkarspitze gelegenen Gratturmes, rechts befindet sich die Scharte

Der Einstieg in die Scharte zum Gipfelturm der Larchetkarspitze erfolgt durch die von unten nur im Ansatz erkennbare Schartenschlucht durch die am Hang darunter auffällig helles (junger Bruch) Schottermaterial zutage tritt und gesichtet wird. Bis dort hinauf wird in sehr akzeptablem Fels- und Schrofengelände gestiegen bzw. im Steigen gequert.

unterhalb der Scharte

Die Brüchigkeit des Gesteins ist hoch und doch bereitet der Aufstieg wenig Schwierigkeiten. Oben am Ansatz der Schartenschlucht blickt man gespannt hinter die Kante die steile Böschung hinauf und bereits nach wenigen Metern zwecks Handeinsatz am festem Fels an der linken Begrenzung wird das schwarze Fixseil zum Gipfel der Larchetkarspitze und die Scharte selber gesichtet. Der Aufstieg in der Scharte dürfte also nur etwa 25-30Hm hoch sein.

in der kurzen Scharte

Vom Schärtchen aus wird über eine kurze Rinne auf ein rechts abgehendes kurzes Band aufgestiegen, das mit einer Verschneidung endet. Der folgende Aufstieg erfolgt mit großer Steilheit (siehe Foto vom Abstieg)  über einen Riß neben der Verschneidung. Das angebrachte Seil bietet vor allem im Abstieg eine psychologische Hilfe in dem „oberen Dreier“ wie Juergen ihn treffend bezeichnete.

das Fixseil bereits sichtbar

Oberhalb dieser Platte wendet sich der Aufstieg abermals nach rechts und führt – nicht sehr angenehm im Abstieg – ein paar Meter über ein mäßig geneigtes schotterbedecktes Band mit brüchigen Griffen in Brusthöhe bevor dann gleich der Ausstieg auf das schmale Gipfelgelände der Larchetkarspitze anschließt. Wenige Meter führen am kurzen Grat bis zum Gipfel.

die Schlüsselstelle gut verseilt für den Abstieg

Das schmucke schmiedeeiserne Gipfelkreuz der Larchetkarspitze erinnert an ein Friedhofskreuz und trägt die Namen zweier Bergkameraden, das sehenswerte Gipfelbuch wird in einer Edelstahlschachtel im Steinmandl daneben verwahrt.

Gipfelbereich der Larchetkarspitze

Natürlich bietet auch die Larchetkarspitze gewaltige Ausblicke auf die umliegenden Karwendelgipfel. Der schönste davon scheint wohl jener in den direkten Osten entlang der Hauptkette zur Birkkarspitze hin zu sein. Aber auch die Ansicht nach Westen zur Pleisenspitze, das weitere Ziel dieser Tour, erfreut durch die schöne Gestalt derselben. Leider läßt sich die Route über den das Kar teilenden Felskopf nicht einmal zur Hälfte ausmachen, weil ein weiterer Kopf dazwischen die vollständige Sicht auf die Ostflanke des Felskopfes raubt.
Der im AV-Führer erwähnte Gamswechsel kann jedoch gut ausgemacht werden und der Weg dorthin scheint zwar kein Vergnügen, aber machbar.

das nächste Ziel die Pleisenspitze – ein formschöner Gipfel von Osten aus gesehen

Die Pause am schönen Gipfel der Larchetkarspitze wurde ob der fortgeschrittenen Tageszeit kurz gehalten und der Abstieg in Angriff genommen.
Das mehrfach geklemmte Kunststoffseil nur an den nötigsten Passagen – und dort auch nur mit kaum Zug – benutzt stieg ich die nicht sehr schweren Passagen bis zur Scharte und weiter bis zum Reisengelände ab. Gleiche Brüchigkeit auch diesseits der Scharte und wen es wundert, der denke darüber nach warum sich ein Trennschnitt im Grat als Scharte gebildet hat.

Bäralpl in der Nördlichen Karwendelkette – in guter Erinnerung des vorwöchigen Vorhabens

Das nun folgende wenig verdichtete und rutschende Reisen- und Geröllgelände ist ein unangenehmes und allein der Gedanke hier aufsteigen zu müssen bereitete mir große Genugtuung der Beschreibung des Anstieges über das Mitterkar Glauben geschenkt zu haben.
Für mich stand nicht der Abstieg bis unter die Kante des Gratkopfes auf der Route, sondern die Querung bis zum nächsten Felskopf an und das gelang nicht ohne einige Tritten ins Leere bzw. in solche Regionen solchen bei denen der rechte Fuß nach dem Auftritt, noch bevor der linke vorne wieder aufgesetzt werden kann, ins Nichts verschwindet, sich plötzlich links unterhalb des Körpers befindet und als Gegenreaktion des Gleichgewichtssinnes der rechte Arm mit dem Stock unkontrolliert hangaufwärts einsticht, um einen Sturz zu vermeiden, was nicht immer gelingt – mein Albtraum im Reisengelände. Es sollte noch einiges an Gelände dieser Art kommen, die Ouvertüre dessen war jedoch nicht zu verachten.

die kühne Larchetkarsopitze

Endlich wieder festen Boden unter den Füßen konnte etwas aufgeatmet werden und die folgenden festen Felspartien um den ersten Kopf herum zu durchschreiten. So gelang ich halbwegs bequem auf den ersehnten Gamswechsel am großen, das Kar teilenden Felskopf.

in der Ostflanke des Felskopfes

Der erste Blick galt der Gegenseite, was mich dort erwarten würde. Eine rotbraune Rinne Störzonenmaterials zieht sich dort hinunter. Sie ist wegen ihrer abhebenden Farbe auch noch gut von der Pleisenspitze aus zu sehen.

Westflanke des Felskopfes

Das beschriebene breite Band blieb aus und weil mich das wunderte beschloss ich am Grat bis zum nächsten Absatz vor zu gehen und die Situation zu erkunden. Dort fand ich das breite Band vor, das jedoch keinen Vorteil zu bieten schien, weil es in der Hälfte des Abstieges wieder in die rotbraune Rinne einbog. Also stieg ich die Rinne ab um an ihrem Fuße das Westende des das Kar teilenden Felskopfes zu erreichen. Die Überschreitung nach dem AV-Führer war somit fast vollbracht, wäre da nicht der weite Kessel an steilem Reisenhang bis zum jenseitigen Aufstieg zum Gratrücken der Pleisenspitze. Die Beschreibung der lästigen Querung unterlasse ich hiermit.

diese ockerfarbene Rinne kann abgestiegen werden

Auf der anderen Seite schätzte ich die Anstrengung über den Felskopf als nicht viel minder gegenüber dem vollständigen Abstieg unterhalb des mittig im Kar liegenden Felskopfes auf Kote 2239m und den Wiederaufstieg ein. Die Ersparnis an Höhe beträgt vielleicht 120m und die Überquerung des Kopfes stellt eben die alpinere Vorgehensweise dar, das ist es aber dann auch. Vielleicht böte sich bei mehrfacher Begehung eine etwas ausgefeilter Routenwahl durch die mühsamen Reisenquerungen, mehr Raffinesse ist aber aus dieser Überschreitung nicht herauszuholen.

eine weite Querung auf unangenehmen Reisen steht bevor

Beim Aufstieg zur Gratrippe der Pleisenspitze galt es wieder die besten Hangverhältnisse zu wählen bei denen möglichst wenig loses Geröll der jungen Schotterreisen begangen werden muß. Zwischen hellem jungen Bruchs liegen ockerfarbene feste Partien, auf denen es sich recht angenehm bis zum Felsansatz steigen läßt.

noch ein wenig Plagerei und dann fester Fels ab der Unterkante der Schrofen

Die felsigen Teile des Trichters oberhalb der Engstelle sind auf der rechten Seite angenehm fest und daher vorteilhafter als die linke Seite, allerdings ist zum Ausstieg (zu einem auch unterhalb schon deutlich sichtbaren Steinmann) dann nach links zu queren. Der Ausstieg aus der Aufstiegsrinne erfolgt etwa 120Hm unterhalb des Gipfelkreuzes der Pleisenspitze unweit vom Normalweg.

am Ausstieg des Aufstiegstrichters

Rasch wird die Pleisenspitze erreicht. Ein unspektakulärer leichter Gipfel, aber auch der erste in der Karwendelhauptkette und daher eine Landmarke.
Der Übergang nahm knapp 75min in Anspruch, die Beschreibung im Führer spricht von zwei Stunden (über den Felskopf). Einen Vergleich mit der meistbegangenen Route unterhalb des Felskopfes werde ich wohl nicht bekommen, da dieser Übergang nicht mehr auf meinem Programm liegt.

erfreulicher Blick Richtung Gipfel der Pleisenspitze

Die wiederum tolle Aussicht von der Pleisenspitze wurde beim Füttern der frechen Dohlen genossen, die diesen touristisch stark genutzten Berg längst für sich als Futterquelle eingenommen haben.
Ein Biker mühte sich ab sein Radl bergab zu schleppen und fand einfach keinen Abschnitt am Gratrücken an dem er fahren konnte.

der Übergang im Überblick, zeitlos schön!

Mit drei wackeren Münchnerinnen wurde noch ein Weilchen geplaudert bevor es ab zur Hütte ging, vorbei am Radlträger mit seinem Betreuer. Das Duo erreichte die Pleisenhütte als ich schon längst mit Siggis toller Knödelsuppe fertig war.

Blick zum Lafatscher Joch

Trotz großer Nachmittagsschwüle eilte ich in Vorfreude auf das Getränk den Abstieg hinab zum r²π/4, dessen mathematische Berechtigung erst nach eingehender Geometrieprüfung des Grundrisses klar wird, meinem Standardeinlöseort für den Parkgutschein.

und dieser Blick!

Die Messung der Bergsteigeruhr zeigte 1.810Hm im Aufstieg und 8:40 Dauer der gesamten Runde, die ich als sehr abwechslungsreich und lohnend empfunden habe.

Mils, 29.07.2018

Voldertalumrundung – Überschreitung von 11 Gipfeln am Grat

Unter den großen Vorhaben von weiten Überschreitungen stellt die Voldertalumrundung für den konditionsstarken Bergsteiger eine leichte Möglichkeit dar in eine solche Erfahrung einzusteigen.
Die Runde kann in beide Richtungen begangen werden, sie kann an vielen Stellen abgebrochen werden und es gibt die Möglichkeit mittels zweier Fahrzeuge Anfang und Ende aufstiegsverkürzend zu verbinden.

das nette Kreuz auf der Seekarspitze mit Grünbergspitze und Rosenjoch im Hintergrund

Bei der Voldertalumrundung geht es nicht um spektakuläre Gipfel. Der einzige Gipfel, der einen Hauch von Kletterei beinhaltet ist der Sunntiger, und auch nur dessen Nordschulter, alle anderen Gipfel sind ohne Schwierigkeit zu besteigen. Einige Passagen im Übergang vom Hanneburger zum Malgrübler, zwei Gratstrecken mit etwas Pfiff hinsichtlich der klettertechnischen Begehung, könn(t)en umgangen werden, wie auch der Nordgrat des Sunntiger, allerdings versäumt man dadurch eine willkommene Abwechslung in der sonst von Felstrümmern geprägten Strecke.

Diese Gratstrecken sind an sich nicht schwierig, vielleicht kann für einige wenige Passagen II- vergeben werden, aber sie bewegen sich teilweise in etwas ausgesetztem Gebiet. Auf den wenigen Gratschneiden wo Tritte rar sind übernimmt Reibung am reich mit Flechten bewachsenen Glimmerschieferfels den Halt, Griffe sind an den scharf abbrechenden Gratklippen immer vorhanden. Alles in allem keine schwierige Übung für den versierten Felsgeher.

Auf der westlichen Talseite findet sich kaum eine Kletterstelle, die nicht durch eine richtige Wegausbildung bzw. einmal sogar mit kurzer Seilversicherung vorgegeben wäre – also eine Begehung ohne jegliche Kopfleistung darstellt. Dadurch erschien die Begehung in Uhrzeigerrunde dem Verfasser individuell auch wesentlich schneller. Die Fortbewegung an „zurückgelegter Strecke“, also die Geschwindigkeit, in den Gratstellen zwischen Hanneburger und Malgrübler schienen angesichts der kleinen Teilstrecke von nur 1,57km (Luftlinie) zwischen den beiden Gipfeln ewig zu dauern. Zum Vergleich: Die Strecke vom Largoz bis zum Hanneburger ist mit 3,07km (Luftlinie) fast exakt doppelt so lang und dafür wurden sogar 10min weniger benötigt, obwohl der Höhenunterschied zwischen Largoz und Hanneburger 356m und zwischen Hanneburger und Malgrübler nur etwa 230m (aus der Karte gemessen, nicht geodätisch) beträgt.

kurz nach dem Start zurücksteigen zur Alm und Zwangspause akzeptieren

Dieser doch signifikante Unterschied erklärt sich zu Beginn der Tour noch nicht aus einem Verfassungsunterschied sondern nur durch die zeitaufwändigen Klettereien, die allerdings auch ausgelassen werden könnten.
Dieses Thema ist im Zusammenhang mit der Gesamtgehzeit ohnehin erwähnenswert. An einer guten Anzahl von Stellen bestünde die Möglichkeit eine Kuppe abzuschneiden um Höhenmeter zu sparen.
Es liegt natürlich in der Betrachtung des Einzelnen worauf er Wert legt, auf die möglichst schnelle Umrundung, oder auf die Ernsthaftigkeit die Umrundung am Königsweg des höchsten Punktes absolviert zu haben.
Insofern sind Zeiten teilweise wenig vergleichbar. Dieser Bericht behandelt letztere Anschauung und es geht auch um Bergsteigen, nicht um das unerwünschte Abdriften in ein Sportthema.

Es wurden an den Gipfeln zwischen 5 (an den Nebengipfeln) und max. 15 Minuten (an den drei Hauptgipfeln Malgrübler, Naviser Sonnenspitze und Rosenjoch) Pausen zur Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme eingelegt und das Wetter beobachtet, sowie fotografiert. Ebenfalls wurde das Gipfelkreuz der „TV Naviser“ an der Sonnenspitze bestiegen und ein wenig in den Gipfelbüchern geblättert, die auch Einträge mit der Aussage „Voldertalumrundung“ beinhalteten (übrigens ein fataler Fehler im Notfall: wohin soll ein Rettungstrupp sich wenden, wenn der Gesuchte „Voldertalumrundung“ ohne Richtungsangabe eingetragen hat? Hier wird das Gipfelbuch – wie so oft heute – eigentlich miss- oder zumindest sinnlos ge-braucht und es siegt Sensationsgier vor dem Hirn). Es wurde nie im Gehen gegessen, der Verfasser lehnt solches ab.

interessante Tafel, siehe Text für mehr Info über die „Charlottenburger“

Zum Abschluß des Vorspannes noch ein wenig geografisches und – wie könnte es heute anders sein – auch ein freizeichnender Disclaimer sei ausgesprochen:
Die Karten sprechen von mehr als von den im Beitragstitel erwähnten elf Gipfeln. Es werden auch solche überschritten, die kein Gipfelkreuz tragen und zwar sind das der Roßkopf (die Wattenspitze wurde als einziger kartografisch erwähnter Gipfel nicht überschritten, hier führt der Steig knapp darunter vorbei) und die Gamslahnerspitze. Darüber hinaus wäre es noch möglich den Schartenkogel als weiteren Gipfel mitzunehmen und vorne nach Halsmarter abzusteigen.

Weiters wäre es möglich gewesen von der Halsmarter oder auch der Tulferhütte nach Volderwildbad abzusteigen und die Strecke somit signifikant zu verkürzen und als letzter Punkt sei erwähnt, daß die Begehung gegen den Uhrzeigersinn den Vorteil mit sich bringt, daß das Groß an Höhenmeter eher zu Beginn der Umrundung absolviert wird und ae ab dem Rosenjoch eher abwärts geht, wenn die Girlanden zwischen den Gipfeln außer Acht gelassen werden (wobei der geodätische Höhenunterschied zwischen Rosenjoch und Malgrübler gerade einmal 47m beträgt und dazwischen wahrscheinlich 800Hm oder mehr echte Aufstiegsstrecke liegen).

Wer beim Lesen dieser phantastischen und erheblich anstrengenden Reise bereits vor dem Erreichen des Glungezers erschöpft ist der scheint noch nicht bereit dazu, möge weiterhin trainieren und erst mit entsprechend guter Kondition mitlesen. Der Verfasser haftet ausdrücklich nicht für hochgradig übersäuerte und schmerzende Lesemuskulatur nach vorliegender Lektüre.

das Largozkreuz erreicht – Wetterlage nicht erbauend

Der Himmel zeigte sich bereits um 6:45 vom Parkplatz oberhalb der Krepperhütte aus betrachtet für das anstehende große Unternehmen als recht kritisch bewölkt und mit zunehmendem Aufstieg keimte sehr bald die Überzeugung, daß aus der langen Tour nichts werden würde. Wie so oft siegte Überempfindlichkeit bei zweifelhaftem Wetter über dem Optimismus – ein Phänomen, das beim Alleingang eines bedeutenden Unternehmens am Berg einen eisernen Griff ausübt und den Geist lähmt. Zu dieser Erfahrung wird sicher eine beträchtliche Schar von Bergsteigern nicken.

Durch den dichten Wald wenig nach oben geblickt und auf den Schritt konzentriert erreichte ich die freie Almfläche der Largozalm, ohne daß irgend ein verirrter Sonnenstrahl mein Blickfeld traf, das Gegenteil war der Fall. Mit großer Gewissheit an so einem Tag vielleicht den Malgrübler absolvieren zu können und somit zumindest Erkundungserkenntnisse gewonnen zu haben wurden die Almgebäude passiert und kaum 10min später waren die ersten Tropfen zu spüren. Im Westen, die Sicht auf die große Stadt schon undeutlich durch den Niederschlag.

selbst im Osten geschlossene Bewölkung

Die Vorhersage für diesen Tag war bis zum Nachmittag zwar nicht wolkenlos, so jedoch als stabil und daher bestens für mein Vorhaben beschrieben. Während der ungewiss lange dauernden Zwangsrast als „Unterstehgast“ unter dem Vordach eines Stallgebäudes wurde dann versucht stoische Ruhe zu üben und das Positive siegte auch in dieser guten halben Stunde, als daß ich erfuhr, daß die „Largotz-Alpe“ einst der Sektion Charlottenburg des D. u. Ö.A.V. angehörte. Da eine solch interessante Geschichtsinformation nie unerforschtes Halbwissen bleiben darf konnte ich im Nachgang nicht umhin mir etwas Wissen über den Verein anzueignen und jedem, dem Alpingeschichte und die der Heimat schlechthin etwas bedeutet, sei dieser interessante Link ans Herz gelegt; er wird staunen welche Entwicklungen die wohlbekannten Hütten am Glungezer von 1923 bis in das dritte Jahrtausend hinter sich haben – eine pfiffige AV-Sektion die Charlottenburger im fernen Berlin!

erste Tendenzen zur Wetterbesserung

Nun, mittlerweile hatten die Almbauern das Vieh in den Stall getrieben und der Regen sich verzogen. Ein Blick nach Westen versprach mit einigermaßen Sicherheit Regenfreiheit die dem weiteren Aufstieg Auftrieb verlieh, jedoch mit der Gewissheit, daß alle gefasste Ernsthaftigkeit für diesen Tag nun aufgelöst werden könne. Trotzdem stieg der Körper wie gesteuert in geplanter Steiggeschwindigkeit weiter.

Der Ausblick am Largozkreuz (im Link weitere Informationen über den beliebten Punkt) verhieß noch keine signifikante Besserung der Wetterlage, lediglich im Westen entstand in der Zwischenzeit ein lichter Bereich, dort wo vorher das Zentrum der Schauer lag. Dieser Hoffnungsschimmer  war nun Antriebsfeder zumindest nicht sofort aufzugeben.

Ab dem Largoz verflacht sich der Steig am Grat erheblich. Die typische Zirbenlandschaft der Tuxer Alpen ist dort fast überwunden, vereinzelt stehen die stämmigen Kiefern noch trotzend in der Landschaft, meist überwiegt aber bereits bodennaher Strauchbewuchs und Almrosenbüschel über Almrosenbüschel säumen den Weg.

die ersten hohen Ziele, Haneburger nd Malgrübler links dahinter

Schnell wird an Terrain gewonnen, der Steig zieht abwechslungsreich und leicht zu begehen an der Ostseite der Wattenspitze (einer der nicht mit Gipfelkreuz ausgestatteten Gipfelerhebungen in der Karte) vorbei, steuert dem nächsten Zwischenpunkt, dem runden Roßkopf zu und wird nach der Wattenspitze wieder etwas steiler. Die Wattenspitze ist mir von früheren Begehungen bekannt gewesen, daher ist sie die einzige Auslassung am Grat über die gesamte Strecke der Umrundung und schätzungsweise 40Hm wurden somit nicht bewältigt.
Der darauf folgende Roßkopf und seine lange südliche Einsattelung ist Schafalmgelände – von weitem sind sie zu hören und wenig zu sehen.
Nach dem Hochpunkt wird in eine moderat tiefe Einschartung (es sind an die 140Hm) wieder abgestiegen, um jenseits den leichten Aufstieg (knapp 300Hm) über die Nordflanke des Haneburger zum Gipfel zu bewältigen.

Rückblick auf den Roßkopf am Weg zum Haneburger – das Karwendel im Norden wolkenfrei

Mittlerweile, und das ist nun auch auf den Bildern nicht zu übersehen, hat sich das Wetter wieder dermaßen gemausert, daß die grauen Zellen sich – wie der Körper im Aufstieg auch – abmühten die verbleibende Aufstiegsstrecke und die Entfernung zum bergsteigerischen Ziel, dem Glungezer, in Gehzeit umzurechnen und eine Ankunftszeit zu ermitteln. Ein schwieriges Unterfangen im Kopf, da bis dorthin fast die Hälfte der Aufstiegsstrecke zurückgelegt war (ca. 1.500Hm), jedoch weniger als ein Viertel der Gesamtstrecke und die verbrauchte Zeit 3 ¼ Stunden betrug. Die Ankunftszeit am Haneburger war rd. 10 Uhr.

erste Sonnenstrahlen am Gipfel des Haneburger, 2.596m

Angesichts der Topografie der noch zu bewältigenden Strecke empfiehlt sich hier eindeutig der Zeitansatz vor  dem Steiggeschwindigkeitsansatz. So hielten zusätzliche drei Mal dreieinviertel Stunden als Daumenpeilung her, die eine Ankunftszeit bei der Krepperhütte von neundreiviertel Stunden bedeuteten. Ein entsprechender Abzug für die bereits zur Hälfte der gesamten Aufstiegsstrecke bewältigten Höhenmeter wurde dabei zugunsten der sich auswirken werdenden Ermüdung im Westteil der Umrundung unterlassen, weil er sich als gleichwertig auswirkend eingestuft wurde.
Nach diesem Ansatz ist klar, daß die Ankunft beim Ausgangspunkt um 19:45 Uhr sein würde und selbst mit dem des Technikers eignem Sicherheitsbedürfnis von 10% bei sehr einschätzbaren Bedingungen würde die Tour noch – und Tageslicht vor Kunstlicht ist eine mir stets selbst gestellte Bedingung wo immer möglich – mit großer Wahrscheinlichkeit planmäßig enden können.

Rückblick auf die Strecke Largoz bis Haneburger, mittig die felsige Wattenspitze, davor der Roßkopf

Das Schild am Gipfelkreuz des Haneburgers straft die Literatur Lügen und zeigt die Gipfelbezeichnung „Hanneburger“ – oder die Literatur straft das Schild Lügen – vielleicht ist es irgendwann herauszufinden.

Mittlerweile hatte es sehr weitgehend aufgeklart, das Inntal und Karwendel war teilweise fast wolkenfrei. Über dem Stubai und den Zillertalern hielten sich jedoch immer noch größere Wolkenpakete.

ein leicht anregender Grat führt direkt vom Gipfel weiter Richtung Malgrübler

Der folgende Grat Richtung Malgrübler schließt direkt am Gipfel des Haneburgers an. Zunächst stieg man ein paar Meter ab, um dann westlich die ersten Meter zu umgehen und steigt dann auf den Grat auf, der sich schätzungsweise 200m ohne wesentliche Höhenänderung bis zu einer Wiesenfläche hinzieht und etwas Abwechslung in die sonst einfache Gehstrecke bringt. In diesem Bereich sind ein paar leichte Klettereien verpackt.

Rückblick auf das schöne leichte Gratstück

Nach dem Übergang vom Grat zur Wiesenfläche ist die beste Richtung links zum Hochpunkt der Wiesenfläche aufzusteigen. Geradeaus geht es wegen Abstürzen nicht, westlich durch die Rinne hinab wäre nicht die gewünschte Route einer Überschreitung gewesen und fällt unten steil und uneinsehbar ab.

Rückblick auf die Strecke vom Haneburger

Nach dem Hochpunkt führt der Gratrücken leicht über Wiesenpartien hinab in das Malgrüblerkar, in dessen südlichen Teil der Grat an Schärfe wieder zulegt und mit ein paar netten aber zeitaufwendigen Klettereien mit viel Auf und Ab aufwartet. Entsprechend beschleunigt man instinktiv und kommt am Ende keuchend an.

jenseits im Westen der Westteil der Tour noch viele Stunden entfernt

Die Kamelbuckel hinter sich gelassen folgt über etwa 200Hm ein monotoner mittelsteiler Aufstieg auf den Malgrübler. Dessen unspektakulär flach ausgebildeter Gipfel trägt ein Stahlkreuz und das Gipfelbuch verrät, daß er schon bedeutend weniger oft erstiegen wird, als sein nördlicher Kollege. Der Malgrübler ist mit 2.749m der zweithöchste Gipfel in der Umrundung und um knapp 50m niedriger als das Rosenjoch mit 2.796m.
Für mich die erste lange Rast von 15min mit etwas Nahrungsaufnahme.

Malgrübler, 2.749m

Von dort könnte man mit dem Glas den Nordrücken des nächsten Zieles in Augenschein nehmen, dem Sunntiger. Ob man die einzig schwierige Stelle dabei erkennt muß bezweifelt werden, den durch den Plattenaufbau des Rückens und Frontalansicht kann den Sägezahn nicht erkannt werden. Dies als Rechtfertigung selbige Erkundung nicht durchgeführt zu haben.

Herr Sunntiger posiert für mich – ein schöner Anblick und ein Vergnügen ihn von Norden zu besteigen

Eine weitere Überraschung erwartet den Begeher hinter den von oben uneinsehbaren Gratpartien und zwar ein beträchtlich tiefer Abstieg von ca. 140m bis in eine Kargrube, von der es ca. 50Hm auf den Sunntiger hinaufgeht. Dieser Aufstieg beinhaltet eine Stelle, die entweder mit einem beherzten Sprung über ca. 1,50m Höhe oder uneinsichtig abgeklettert bewältigt wird, um jenseits auf Reibungsgelände in Gipfelnähe zu kommen. Der Aufstieg wird besser nicht unternommen, wenn man solche Verhältnisse nicht meistern kann. Der Gipfelaufbau kann an der Westseite auch umgangen und südseitig auf dem Normalweg erreicht werden. Ein noch wesentlich schlankeres, kleineres Gipfelbuch zeugt von eher seltener Begehung des schon als rassig zu bezeichnenden Gipfels in dieser sanften Gegend.

Rückblick am Nordgrat des Sunntiger – unten, wo der gelbe Fleck mit Blumen ausgemacht werden kann befindet die Schlüsselstelle

Vom Sunntiger aus kann der weitere Weg zur Naviser Sonnenspitze erstmals fast völlig eingesehen werden, er wird als weitgehend unspektakulär erkannt und so wird er sich auch weisen.

Sunntiger, 2.667m

Der Abstieg vom Sunntiger beinhaltet nur eine einzige Stelle über einen steileren Fels, der zwar glatt ist, aber kleine Tritte und Griffe aufweist, sodaß die knapp 2m Höhe auch keine Schwierigkeit darstellen. Man sollte jedoch genau schauen und die Trittreihenfolge überlegen (im Aufstieg ein Klacks, ich bin dort jedoch nur abgestiegen und hatte keinen Voreindruck).

weitere Strecke zur Naviser Sonnenspitze – ein langer Weg

Das nun folgende Gehgelände erlaubt zunächst eine angenehme Geschwindigkeit und die Entfernung zur Naviser Sonnenspitze schwindet anfänglich recht schnell. Allerdings – wie zu vermuten war – täuscht der Eindruck ungemein und alsbald muß festgestellt werden, daß die Sonnenspitze bei jedem Blick auf sie einige Hundert Meter zurückgeweicht ist, um den Abstand einfach nicht schwinden zu lassen.
Wie der Erfahrene weiß passiert das wirklich und ist eine der Hauptprüfungen bei der Umrundung.

Anstieg zur Seekarspitze

Im Vergleich zu den Gipfelgirlanden vorher bietet die wenig kupierte Strecke mit Ausnahme eines scharfen Pfiffes von Vater Marmot dann und wann kaum Abwechslung. Nur die Seekarspitze, die, fernab von ihrem Kar das auf Höhe des Sunntiger liegt, durch ihr Gipfelkreuz mit seiner Geschichte ein gerne erlebtes Highlight bietet, beeindruckt auf dem langen Teilstück. Sie verleiht diesem, am meisten abgeschiedenen Platz auf dieser Bergkette, Aura.

Die Seekarspitze ist ab dem Sunntiger in einer langen Dreiviertelstunde erreicht. Den schönsten Blick auf die Melkböden der Steinkasernalm hat man nur von ihr und mit geschlossenen Augen gelingt es – wem es an Vorstellungskraft nicht mangelt –  von phantastischen Abfahrten im Februar zu träumen.

Seekarspitze vor den Zillertalern

Aufgerüttelt aus dem Wintererlebnis bringt das verinnerlichte Vorhaben einen Ordnungsruf aus, dem mit einer raschen Kehrtwendung zum kurzen Gratabstieg sogleich stattgegeben wird. Weiter geht es und die Versuchung ist groß sich einzureden, daß die folgende Kuppe die letzte anstrengende Partie zu der nun – vermeintlich – zum Greifen nahen Sonnenspitze wäre.

Weitere gute 20 Minuten und ein kleines Gratstückchen im Fels trennen noch vom Wendepunkt der Umrundung und strategischem Zwischenziel, der Naviser Sonnenspitze. Auf ihr wurde die lange Halbzeitpause von wieder 15min angelegt, die Hauptpausenzeit.

das Eisenkar mit dem nächsten großen Rastpunkt, der Naviser Sonnenspitze

Neben der zweiten Tranche an Speck, Rosinen und Apfel musste nun das Wetter endgültig eingeschätzt werden und nachdem das Fieber der Beendigung der Runde schon entbrannt war möglicherweise etwas dadurch beeinflusst für dauerhaft gut eingestuft. Die Westseite war schon von der Begehung mit Andi zum Vorteil bekannt und somit würde die Gesamtrunde also heute fallen. Natürlich gab diese Erkenntnis unheimlich Schub im Kopf und übermütiger weise mußte auch das mächtige Kreuz der „TV Naviser“ begangen werden bevor, zur vermeintlichen Mitte der Tour, zum Naviser Jöchl abgestiegen wurde, das ich reichlich spät, um kurz vor 14 Uhr erreichte. In Wahrheit sind am Naviser Jöchl gerade 40% der Gesamtstrecke absolviert worden.

auf das Naviser Jöchl geblickt

Den schönen Halbzeiteindruck hier der Wahrheit zuzuführen mündet gewissermaßen zwar in Desillusionierung über das stolze Gefühl, jedoch ist sie vielleicht irgendwann einmal einem Leser dienlich, der bei entsprechender Überbelastung bisher die Größe hat rechtzeitig das Handtuch zu schmeißen, oder durch den Abbruch der Tour auch gerade noch einem schlimmen Wetter entfleuchen kann, weil er nun weiß, daß an diesem Punkt gerade 13km, respektive 38% der Gesamtstrecke absolviert worden sind. Keineswegs aber wird dieser rein mathematische Wert den an mentaler und körperlicher Stärke entschlossenen Umrunder beeindrucken, der auch das Wetter einzuschätzen vermag und sich seiner momentane Gesamtlage bewußt ist.

Naviser Sonnenspitze, 2.619m mit Strecke vom Malgrübler

Der Großteil der Gesamtaufstiegsstrecke liegt zwar bereits zurück, aber die folgenden Girlanden zwischen den Gipfel erscheinen nicht nur körperlich anstrengender als die Strecke bisher, sie sind in der Lage, sehr am Positiven von mentaler Stärke zu zehren und wenn es nur eine ganz kleine Fehlstelle im Konstrukt aus Willen und Vermögen gibt, kann ein geschlagenes mentales Leck selbst das stärkste Schiff in die Versenkung treiben. Kopf und der Körper müssen am Naviser Jöchl eine unzertrennliche Einheit bilden und jegliche auch noch so kleine Beeinträchtigung sollte hinsichtlich ihrer Auswirkung – man stelle sich einen drückenden Schuh oder einen stechenden Schmerz bei einer notwendigen Bewegung im Gehen vor – sorgfältig abgeschätzt werden. Die allgemeinen Angaben vom Naviser Jöchl zum Glungezer sprechen an dieser Stelle von gut fünf Stunden Gehzeit nur bis zum Glungezer (ohne Zeitansatz von Ermüdung), nicht bis zum Ende der Tour – und mehr Gehzeit wurde bereits absolviert. Also frage man sich ernsthaft, ob es möglich ist und treibe sich, eine Bergpartnerschaft oder Bergretter nicht in eine prekäre Situation. Das Naviser Jöchl ist entweder der Wende- oder der Durchstartpunkt.

vom vom Naviser Jöchl ins Voldertal geblickt

Am gut 250Hm Aufstieg zur Grafmartspitze ertappte sich der Verfasser dabei, daß zweimaliges kurzes Innehalten zur Beruhigung der Atmung nötig wurde. Die erwarteten Strapazen begannen also bereits in noch ganz kleiner Dosis. Immerhin aber konnte der Aufstieg in knapp 45min absolviert werden. Wenn aber bedacht wird, daß läppische 250hm innerhalb einer Normaltour in kaum 30min Geschichte sind kann das bisher Geleistete einigermaßen abgeschätzt werden.

am Weg zur Grafmartspitze Blickrichtung Olperer

An der Grafmartspitze sprechen die touristischen Wegweiser von 4 ½ Stunden bis zum Glungezer. Die Uhr zeigte 14:30 Uhr, das Wetter hatte zwar Potential zum jederzeitigen Umschlag, passte aber immer noch recht gut mit kaum hohen Wolkentürmen und die mentale Einheit war unangegriffen stark auf Vollstreckung der Runde ausgerichtet. Nach dem GB-Eintrag und der Fotodokumentation wurde der Marsch unverzüglich fortgesetzt.

Grafmartspitze, 2.720m, im Hintergrund die Grünbergspitze

Im Westteil der Umrundung des Voldertales ist ein Abbruch der Tour nicht an vielen Stellen möglich (zum Voldertal hin), was beachtet werden möge.
Der einzige Abstieg auf markiertem Wege ist der Abstieg auf dem Steig kurz nach dem Rosenjoch (dem höchsten Gipfel der Tour) zur Gwannschafalm und weiter ins Voldertal. Alle anderen in Not als möglich erscheinende Abstiege in das Voldertal sind Expeditionen ohne markierten Steig mit ungewissem Ausgang, anders als auf der felstechnisch leichteren Ostseite der Umrahmung. Dies wäre vielleicht ein anderer Grund die Begehung gegen den Uhrzeigersinn zu planen.

Grünbergspitze, 2.790m, im Hintergrund die Anreise über den Ostteil der Umrundung

Eine wichtige Landmarke in der Voldertalumrundung stellt die Grünbergspitze dar, die über ein Sattelchen (mit wieder knapp 100Hm Aufstieg) nach der Grafmartspitze erkämpft wird und die, mit ihrer Besteigung, die Hauptaufstiegsstrecke beendet.
Keine Angst, es folgen noch genug Girlanden mit Zwischenauf- und -abstiegen vor wiederum Hauptaufstiegen und der höchste Gipfel ist erst jener der Grünbergspitze folgende.
Jedoch kann bereits auf der Grünbergspitze zumindest darüber triumphiert werden, daß die Aufstiege nur noch in Girlanden mit vorhergehender Erholung am Abstieg bestehen und kein substanzieller Höhengewinn mehr erkämpft werden muß. Eine wichtige Gewissheit für manch bereits angeschlagenen Willen dessen so stolze Unbeugsamkeit noch am Jöchl nun zumindest erste Normalisierungstendenzen hin zur Ehrfurcht zeigt.

Abstieg von der Grünbergspitze

Aber auch auf der Grünbergspitze sollte die dritte fünfzehnminütige Hauptrast nicht stattfinden, sie war am Rosenjoch, am höchsten Gipfel der Voldertalumrundung geplant und wurde auch dort abgehalten. Also bleib es bei einem kurzen Trink-, Dokumentations- und Fotostopp, genau in dieser Reihenfolge.
Der Abstand zur Grünbergspitze ist der kleinste aller Gipfelabstände im Westteil der Umrundung. Das Rosenjoch wird dadurch in rd. 25min nach Verlassen der Grünbergspitze erreicht.

im Tiefsten am Anstieg zum Rosenjoch

Am Weg über die Gratgirlande – wir sprechen wieder über knapp 130Hm Aufstieg zum Rosenjoch vom Tiefsten am Grat – konnte ich erkennen wie gnädig der Wettergott mit mir war. Im Stubai entluden sich die Wolken zwar nicht in Gewittern jedoch in einer Heftigkeit, die am Grat einem kleinen Rekordvorhaben wie der Voldertalrunde alles andere als zuträglich gewesen wäre. Mit nasser Kleidung wäre die Fortsetzung der noch langen Tour ein zermürbendes Unterfangen. Wie gesteuert entwickelten sich die Schauerwolken vom Stubai Richtung Inntal und Richtung Olperer vor und hinter mir fort – mein Grat blieb trocken und dafür wurde dem Wettergott am Rosenjoch zugeprostet (auch für solche Situationen ist es immer wichtig, daß man den weltberühmten Enzian von Peter Mayr aus Hall mit im Gepäck hat, ein echtes Multifunktionswerkzeug!).

Rosenjoch, 2.796m

Ungeachtet der Wetterentwicklungen – zu diesem Zeitpunkt konnte ich am Rosenjoch schon fast sicher sein, daß die Zelle über dem Grat trocken blieb – kam Freude über ein Viertelstündchen im Sitzen auf und auch über die letzten Reste von Speck und Studentenfutter in der kleinen Tupperdose und, es sollte auch noch ein dritter Müsliriegel verzehrt werden.

Ebenfalls konnte die Zeit für ein bisheriges Résumé gezogen werden.
Am Rosenjoch, wie bereits mehrfach erwähnt, befindet man sich um 47m höher als am Malgrübler, dem höchsten Punkt im Ostteil der Runde. Vom Gesamtaufstieg (ziemlich genau 3.000Hm) sind nun 80% oder rd. 2.400m und mit verbleibenden 16,8km von der Gesamtstrecke 50% derselben erledigt. Die Gesamtzeit bis hierher betrugt 8 ½ Stunden.

vom Rosenjoch die verbleibende Gratstrecke betrachtet – sie ist noch sehr lange…

Anhand dieser Daten kann der Rest der Tour gut eingeschätzt werden. Die nächsten 2 Stunden, oder etwas mehr, würden (bis auf knapp 300Hm von Windegg bis zur Krepperhütte) mit dem Auf und Ab am Grat bis zum letzten Gipfel des Glungezers über 3,5km und gut 300Hm in dieser Art weitergehen, bevor der mehr als 10km lange Abstieg bis zum allerletzten Gegenanstieg beginnen würde.
Man beachte, daß der letzte markierte Steig hinab zur Gwannschafalm und weiter ins Voldertal knapp nach dem Rosenjoch beginnt und es dann bis zum Glungezer kaum mehr gesichert möglich ist abzusteigen.

die Schauer scheinen mich zu verschonen

Die vorgenannten 3,5km sollten für mich eine Strecke mit mehreren kurzen Verschnaufpausen werden, nachdem es seit dem langen Anstieg vom Jöchl bis zum Rosenjoch überraschend gut gelaufen ist und keine Verschnaufpausen aufgrund von Schwächezuständen auftraten. Für die Physiker sei die Einheit der Verschnaufpause mit 1Vp=90[sec] und man begeht sie stehend, die Stöcke auf die Gurte des Rucksackes gelehnt. Es gibt halbe und ganze Vpn.

Bis zum Glungezer hin zeigt sich ob der Willen entsprechend gefestigt ist und das mentale Kleid trägt. Der Abstand zur Kreuzspitze erscheint nicht besonders fern, aber diesen Zustand kennt man ja schon von den vielen Situationen zuvor. Im Wissen, daß es eine weitere Hürde sein würde setzte ich gestärkt zum ersten Schritt gen Norden an.

das nächste Ziel, die schöne Kreuzspitze

Nach 25min war das vorletzte Gipfelkreuz auf der Kreuzspitze erreicht. Eine kleine Vp unterhalb des Gipfelaufbaues war alles an Schwächebekämpfung, die Jause am Rosenjoch hielt gut an.
Die Kreuzspitze blieb mir von einer phantastischen Schitour in etwas drei Monate vorher in bester Erinnerung. Leider konnte ich das Datum nicht gleich nachvollziehen, weil der Eintrag ins GB fehlte – ein seltener Fehler.

das Voldertal vom Rosenjoch aus gesehen – weit hinten die Wiesenflächen, mein Startpunkt

Von der Kreuzspitze bzw. kurz danach am Gratrücken zur Gamslahnerspitze besteht die schönste Ansicht auf die Seegrube mit dem (B’schriebenen Stoa) im Viggartal. Die Kreuzspitze ist nach Grünbergspitze und Rosenjoch der letzte Gipfel am Weg zum Glungezer, der einen Grat nach Westen ins Wipptal entsendet. Ihr Grat trägt den Morgenkogel, auf den sich ebenfalls eine vortreffliche Schitour aus Ellbögen machen läßt, wie auf die anderen Grate auch, beispielsweise auf das Pfoner Kreuzjöchl von Pfons aus.

die Kreuzspitze und der weitere Gratverlauf

Ab der Kreuzspitze könnte die Strecke als Sonderprüfung beschrieben werden, denn nun sind die Girlanden gespickt mit zermürbenden kleinen Auf und Abstiegen und – nach der Gamslahnerspitze –  gegen Ende des Gratrückens zum Glungezer hin verdichtet sich das Blockwerk deutlich. Die Rasenflächen zwischen den Schrofen weichen zurück, werden kürzer und über weite Strecken muß teilweise hoch aufgetürmtes Blockwerk durchschritten werden.

Kreuzspitze, 2.746m

Im und vor allem am Blockwerk werden nun die Sprunggelenke so richtig beansprucht. Das herumsteigen auf Felskanten, ja manchmal im leichten Sprung, mit nur einer linienförmigen Auflage unter den Sohlen und die Kippgefahr dadurch kann – so glaube ich – niemand leugnen oder herunterspielen, der die Tour mit dem Ziel sie bei Tageslicht zu absolvieren, ausgeführt hat.

Abstieg von der Kreuzspitze – dieser Anblick dar nicht unveröffentlicht bleiben

Ab der Gamslahnerspitze können Teile der Flugzeugortungsanlage bereits gesehen werden. Über diese Anlage ist so gut wie nichts im Internet zu finden. Der Übergang von der Kreuzspitze schlägt nun mit einer guten Stunde zu Buche, obwohl die 1,8km lange Teilstrecke mit 130Hm Aufstieg mit einer Dreiviertelstunde bemessen ist.

die Gamslahnerspitze voraus

Die Gamslahnerspitze trägt kein Gipfelkreuz. Sie hebt sich von den anderen Gipfeln dadurch ab, daß ihr oberster Aufbau  ein scheinbar lose aufgerichteter Blockturm ohne Felsbasis darunter zu sein scheint. Die letzten Aufstiegsmeter verstärken diesen Eindruck, vor allem die Umgebung des zerbrochenen Blockes (kaminartig) durch die eine Variante des Steiges führt.

kaminartiger Riss in einem großen Felsblock

Wer nun glaubt dem Glungezer nahe zu sein, der irrt sich, denn hinter der Gamslahnerspitze wartet einmal mehr ein anstrengender Abschnitt. Die Strecke sieht zwar einigermaßen flach aus, doch ist das nur der optische Eindruck. Zur besseren Verdeutlichung hier das ungefähre Höhenprofil des Überganges aus Outdooractive:

Gratverlauf zwischen Gamslahnerspitze und Glungezer

Die ermittelten 120Hm Gesamtanstieg sind als Mindestanstieg zu werten, da diese Software kleine Höhenunterschiede nicht abbilden kann. Die Gehzeit mit 35min konnte nicht eingehalten werden, ich benötigte dafür 42min angereichert durch einige Vpn.

die Strecke will nicht kürzer werden, aber die meisten Höhenmeter sind bereits Geschichte

Am Glungezer bekommt zunächst einmal die mentale Einstellung einen gewaltigen Schub nach oben, denn die bergsteigerischen Leistungen der Tour sind nun eigentlich erbracht. Der Erfahrene weiß zwar, daß ein Berg bezwungen wurde, wenn der Abstieg vollbracht ist, aber in diesem Fall besteht der Abstieg aus Spaziergelände und der Rückblick auf die bisher erbrachte Leistung darf jetzt durchaus ausgekostet werden.

noch ein anstrengender Buckel wartet vor dem Glungezer

Weil alles nicht so tierisch ernst gesehen werden darf beschloss ich eine Einkehr in der Glungezerhütte. Der Wasservorrat von 3lt war auch verbraucht.
Bei einer Gerstlsuppe mit Bier plauderte ich ein wenig mit Edith, die seit Öffnung im Frühjahr auf der Hütte arbeitet. Natürlich hatte sie in der spärlichen Freizeit dort oben bereits alle denkbaren Anstiege zum Glungezer unternommen und im Umkreis gab es nichts unbekanntes mehr so erzählte sie mir – die Edith eben, Bergfex durch und durch.

den Glungezer erreicht!

Aufgetankt und wie ausgewechselt begann der letzte Abschnitt, der fast 10km lange Abstieg mit dem letzten Gegenanstieg zur Krepperhütte.
Der Abstieg bis Volderwildbad ist nicht berichtenswert, ihn kennt jeder Leser selber und er führt großteils über die Schipiste der Glungezerbahn. Es sei nur erwähnt, daß in der beiliegenden Karte der Voldertalumrundung die Messung der Weglänge von Outdooractive auf der Schotterstraße unter den Liften verwendet wurde und die Strecke direkt unter den Liften einen Kilometer kürzer ist.

Stimmung im Viggartal

Weiters gibt es die Möglichkeit von Halsmarter aus ostseitig zur Stiftsalm abzusteigen, oder auch nach der Gluckserhütte, vorbei an den Sendeanlagen am Tulferberg. Man glaubt es kaum, aber diese Varianten sind nur um 400 respektive 600m kürzer als die gewählte Variante über Windegg. Einzig bei der Variante Halsmarter/Stiftsalm werden 40Hm eingespart.
Wie erwähnt könnte auch noch der Schartenkogel als zwölfter Gipfel mitgenommen werden, was ich aber unterließ.

Stimmung oberhalb Tulfein

Die Strecke Glungezerhütte bis Windegg kostete 1 ¾ Stunden und um 20 Uhr in Windegg stellte ich erstmals fest, daß die Gelenke an diesem doch noch so toll verlaufenen Tag stark beansprucht wurden. Das typische schwer zu beschreibende Gefühl von müden Körperteilen machte sich breit.

unterhalb des Schleppliftes beim Abstieg

Aber, noch lange nicht war die Leistungsgrenze erreicht und auch die Ansicht der Krepperhütte im goldenen Licht der flach stehenden Abendsonne auf der anderen Talseite vermochte kein Niederzwingen des Willens, nein, die Vorstellung von dort oben noch einige schöne Eindrücke mitnehmen zu können ließ allen Körper erstarken.

die Krepperhütte am Waldsaum auf der gegenüberliegenden Talseite

Von Volderwildbad bis zur Krepperhütte wird der Kalkofenweg beschritten. Der gesamte noch zu leistende Höhenunterschied beträgt knapp 300Hm. Gleich nach der Brücke führt zunächst noch eine Asphaltstraße bergauf, die aber nach der ersten Kurve zur Schotterstraße sich wandelt. Kein Verkehr in der kurzen Waldstrecke wird positiv aufgenommen. Oben, nach dem Ende der Waldstrecke und am Beginn der steilen Wiesenhänge wohnen nur Anrainer, gesehen an diesem so schönen Sommerabend, in unbeschreiblicher Idylle. Kein Ton, kein Industriegeräusch stört den zeitlosen Abend. Diese Stimmung läßt alle Müdigkeit verfliegen und so strebte ich, nun wieder auf einer Asphaltstraße vorbei an saftigen Bergwiesen beim Sonnenuntergang über der Nordkette dem Parkplatz oberhalb der Krepperhütte zu – eine phantastische Reise ist um 20:45 damit leider zu Ende gegangen.

Sonnenuntergang über der Nordkette gegen Windegg

Die gesamte Gehzeit incl. Rastpausen betrug rund rd. 13 ½ Stunden (ohne 40min Zwangspause wegen Regen auf der Largozalm), die Einzelabschnitte finden sich in der Tabelle in der Galerie.
Die Gesamtstrecke beträgt 33km, gemessen über die Tourenplanungsfunktion von Outdooractive und abgeglichen mit der elektronischen AV-Karte mit überschlägiger Ermittlung des Einflusses der schrägen Flächen.

Rückblick auf die grandiose Tour mit Grafmartspitze, Grünbergspitze, Rosenjoch und Kreuzspitze

An Gesamthöhe verzeichnete die Bergsteigeruhr sehr genau 3.000Hm (gemessen in zwei Logs, weil die max. Aufzeichnungszeit 12 Stunden nicht überschreitet). Der Einfluss der barometrischen Änderungen auf die Höhenmessung mag einige Millibar betragen haben (festgestellt aufgrund der fehlenden Höhen von rd. 50m auf den Referenzgipfeln) und somit sind die 3.000Hm Aufstieg durchaus gesichert.

Voldertalumrundung 14.07.2018 (aus Outdooractive)

Beim Proviant möge man sich nicht sich am Verfasser orientieren, da er nie viel isst am Berg und sich eher dazu zwingen muß, um nicht einzugehen. Zwei Äpfel, 4 Müsliriegel (nur 3 davon verbraucht), 15dg Speck, 2 Scheiben Brot und ein kleines Händchen voll Studentenfutter neben 3lt Flüssigkeit, davon die Hälfte als gewässerter und ungezuckerter Schwarztee und die Hälfte an Wasser; darüber hinaus wurden auf den Hauptgipfeln drei Kappen Enzian zur mentalen Stärkung und Prophylaxe gegen Höhenkrankheiten eingenommen, die ebenfalls als Energieaufnahme mit in die Bilanz hinein müssen. Natürlich auch das Essen auf der Glungezerhütte.

 

Mils, 14.07.2018

Quellenangaben:
Charlottenburger: http://www.alpinclub-berlin.de/index.php/historisches/109-geschichte#1924-mitgliederzahl-betraegt-jetzt-861
Lagozkreuz: https://voldertal.at/2018/01/22/der-largoz/

Schöberspitzen, 2.602m

Aus dem Wildlahnertal, das seinem Namen nicht nur im Winter gerecht wird führt ein netter, leichter und lehrreicher Steig auf die Schöberspitzen inmitten der frühjährlichen Blumenpracht  in den Tuxer Alpen. Die Anreise bis zum Ausgangspunkt, dem kostenlosen Parkplatz im Wildlahnertal, befahren über das malerische Schmirntal, ist ein Erlebnis in sich und man kommt nicht umhin das selbige nicht nur wegen der fesselnden Schönheit der Landschaft, sondern auch wegen der Anrainer respektvoll zu befahren.

Schöberspitzen, 2.602m (2.580m)

Eile ist auf der nachfolgend beschriebenen Tour ohnehin nicht geboten, denn sie kann in Portionen konsumiert und jederzeit verkürzt werden. Beispielsweise müssten die Schöberspitzen nicht unbedingt bestiegen werden, der Anstieg könnte beim Ramsgrubensee enden und es könnte auf gleichem Wege abgestiegen werden. Oder die Tour könnte nach dem Jöchl zum Gipfel über das dort oben schon sehr weite Wildlahnertal auf die andere Talseite zum Steinernen Lamm erweitert werden.

ein kurzes Stück über den Schotterweg

Die ursprünglich angedachte Rundtour über das Steinerne Lamm ließ er großherzig mit wenig Leistungswillen an diesem so mittelmäßigen Bergtag bleiben – die Schneefelder im Übergang des oberen Wildlahnertales waren noch zu dominierend und mit Hilfe des unterdurchschnittlichen Wetters triumphierte in des Verfassers Stimmung sehr selten anzutreffende Gelassenheit. Man erzählt sich sogar, die kleine Runde mit dem Abstieg über die Ochsneralm und weiter zum Wasserfall hätte ihm irgendwie gut getan, man möge dies aber für sich behalten.

in Almwiesengelände weiter auf den Wald zu

Ohne die Sorge schon wieder kaum Münzen mit dabei zu haben, verlassen von aller Technik gestrandet zu sein und somit Strafe zu riskieren, wird das Fahrzeug am Ende der Schotterstraße entlang der letzten Häuser in Toldern endlich abgestellt wo nach dem Aussteigen der Wildlahnerbach  das Wort übernimmt.

Rückblick über den ersten Teil

Leicht ist der Anstieg über die Schotterstraße zu finden, gleich geht es eine Spitzkehre nach rechts, vorbei an einer Heuhütte und einige wenige Minuten leicht bergauf bis zur Abzweigung links, über eine freie Almfläche direkt am Hang hinauf.

im Lärchenwald weiter

Nach knapp 20min des Aufstieges über farbenreiche Almwiesen taucht der Steig ein in immer dichter werdende Almrosenflächen, deren Reiz sie abzulichten überwältigend ist, obwohl – als Vorgriff der Erlebnisse hier bereits erwähnt – diese Flächen nur die Vorboten von weit mächtigeren rotgetünchten Hängen im hinteren Wildlahnertal darstellen.

Jungendgruppe im obersten Almzipfel

Auf die aussichtsreichen offenen Flächen folgt dann ein gutes Stück im sehr naturbelassenen Wald, dessen Boden durch den hohen Anteil an Lärchen recht viel Grün hervorbringt.
Eine plötzlich auftauchende Wiesenfläche taugte zur einprägsamen Begegnung nachdem allerlei unterschiedlich altes Galtvieh den überraschenden Besuch des Verfassers in Ihrem Wohnzimmer als interessante Abwechslung im Almaltag empfand.

Steig zum Sattel nach dem Almgelände – das Ziel bereits sichtbar

Wie eine ländliche Fußballmannschaft aus Kindern und Jugendlichen – auch an der Zahl gleich, weit abgeschieden von Zivilisation und Hetze, machten sich die Kälber auf und versuchten scheu aber neugierig die Nähe des Fremden. Ein kurzes Innehalten und Orientieren des Eindringlings ließ die Tiere gleiches tun und sie verharrten auch während meiner vorsichtigen Passage, ja zogen sich sogar leicht zurück, wenn der Abstand kleiner als eine Körperlänge wurde.
Oberhalb dieser kleinen Almfläche endet der Wald und dort befindet sich auch gleich der Ausstieg über den Zaun auf die hochalpinen Bergflanken, die vom knorrigen Bewuchs her nicht mehr für Rindvieh geeignet ist. In der Kälbergruppe kehrte nach dem Verschwinden des Besuchers wieder Lässigkeit ein, im Rückblick vom Ausstieg oben lagen die ersten schon wieder zum Wiederkauen.

Alpen-Kuhschelle

Der Steig setzt in der Folge wesentlich alpiner fort, die letzten Lärchen sind bald passiert und ab dort folgen nur mehr bodennahe Strauchgewächse. Vor der weiten Freifläche befindet sich noch eine kleine Quelle, die ich genutzt habe und der Hochpunkt der Besteigung, die Schöberspitzen sind bereits gut sichtbar. Es handelt sich von dort augenscheinlich um eine Spitze, die andere liegt südöstlich davon und ist von unten nicht als freistehende Spitze erkennbar. Auf der westlichen Spitze ist das Gipfelkreuz errichtet und dieses liegt auch 20Hm niedriger als die offizielle Höhenangabe der Schöberspitzen mit 2.602m.

Wer sich für die Benennung der Gipfel interessiert: Die doch recht ungewöhnliche  Namensgebung dürfte der Aussage in der Broschüre der Bergsteigerdörfer des ÖAV nach entstanden sein, weil die beiden Spitzen „sich wie zwei große Heuschober erheben“ und der alternativ in der Literatur anzutreffende Name ist oft auch doppelt singulär erwähnt – Schoberspitze. 

gelb punktierter Enzian

Prachtvolle Blumenblüten begleiten am Steig durch die Südflanke der Schönlahnerspitze zum Sattel hinauf. Alpen-Kuhschellen und später der sonst selten zu sehende gelbpunktierte Enzian säumen den Weg zuhauf und sorgen für immer neuen Blickfang.

Zu früheren Zeiten dürfte intensive Schafwirtschaft in diesem Hochtal betrieben worden sein, davon zeugen zwei längst verfallene Schaferhütten, deren hangseitigen Grundmauern noch erhalten sind und deren Dachbalken im ehemaligen Inneren der Hütte dahinrotten.

Zeugen blühender Alm-Vergangenheit

Gegen den Sattel hin kann das Ziel, die Schöberspitzen (jene mit dem Gipfelkreuz) wieder erkannt werden, nachdem sie mitten im Tal durch einen Hang verdeckt war.

dem Sattel zwischen Schönlahner- und Schöberspitze entgegen

Rechterhand geht es die rund 80Hm südlich zum Ramsgrubnersee hinauf. Gegen Ende Mitte Juni fanden sich oben am Plateau zum See hin noch Restschneefelder. Der See beeindruckt mit unerwarteter Größe. Eigentlich sind es zwei Seen, der kleinere liegt westlich, durch eine schmale Geländebrücke vom großen getrennt. Klares Wasser läßt trotzdem die Tiefe nicht eindeutig erkennen, schon gar nicht bei Wind mit gekräuselter Wasseroberfläche. Auch vom Gipfel der Schöberspitzen aus vermochte ich den Grund des Sees nicht auszumachen.

die Schöberspitzen vom Sattel aus gesehen

der große See wurde im Halbkreis umwandert und am gegenüberliegenden Punkt bergauf zur Scharte zwischen den Schöberspitzen verlassen. Mehrmals im Aufstieg ist man geneigt sich zu diesem schönen Blickfang umzudrehen.

Ramsgrubnersee

Gleich fällt am Gipfelanstieg nach dem Ramsgrubnersee auf, daß das Gestein total anders geartet ist als vorher während des bisherigen Aufstieges. Dies liegt daran, daß die Schöberspitzen als Falte von karbonatischen Triasgesteinen in dem umgebenden, jurassisch gebildeten Gestein eingebettet sind. Die Felsbrocken sind dünnschichtig und die Schichtstärke von erstaunlicher Gleichförmigkeit. Solcherart Gestein findet sich auch am Wolfendorn, ebenfalls, wie die Schöberspitzen, in der geologischen Zone des „Tauern Fensters“.

Anstieg vom See zu den Schöberspitzen

Über Schneefelder hinweg durch den schuttigen Hang über mittelgroß zertrümmerte Gesteinsbrocken erreicht man den kleinen Sattel zwischen den beiden Schöberspitzen.
Der interessante Gipfel mit dem Gipfelkreuz ist der rechte (westliche) und er wird unten über ein breites Band westwärts und am Ende in einer Spitzkehre ostwärts über den langen Rücken erstiegen. Sehr eindrucksvoll dabei zeigen sich die deutlich sichtbaren Faltungen in der Schichtung des über die Zeiten arg beanspruchten Gesteins.

Gestein am Anstieg zur Schöberspitzen

Am Gipfel besticht die Aussicht in alle Richtungen. Die Entfernung zum mächtigen Riesen des Olperers beträgt gerade einmal knapp 4km. Leider an diesem Tag nicht in voller Größe sichtbar, da das launische Wetter die Nebelspiele bis zu meiner Abreise nicht beenden mochte.

Jöchl zwischen den Schöberspitzen

Knapp davor und etwas mehr östlich der Große und der Falsche Kaserer und im Westen des Wildlahnertals Fußstein, Schrammacher und die Sagwandspitze.

Richtung Großer Kaserer und Olperer geblickt

Im Norden freier Blick zu den in knapp 8km entfernten Gipfeln des Lizumer Reckner und Geier, geographisch staunend betrachtet in etwa in der Hälfte der Luftlinie zum Wohnort des Verfassers, der über die Straßen eine weitaus längere Anreise hatte.

Fußstein, Schrammacher und Sagwandspitze

Durch das sich verschlechternde Wetter von Nordwesten fiel die Gipfelrast nur kurz aus und wegen des kalten Windes fand die Jause unterhalb des Joches statt, wo auch nochmals der Übergang zum Steineren Lamm mittels dem Glas erkundet wurde.

Blick gen Norden zum Lizumer Reckner und Geier

Die vielen und recht durchgehenden Schneefelder ließen mein Interesse an dem weiten Talkessel bis zum Steineren Lamm schwinden. Mit Bergschuhen im festen Firn Hangquerungen zu vollführen ist nicht so lustig, auch wenn die Neigung derselben dort nicht besonders groß ist.

Ramsgrubnersee vom Gipfel der Schöberspitzen aus

Stattdessen interessierte mich der Abstieg zur Ochsnerhütte. Mir ist diese im Winter noch nie aufgefallen, daher sollte sie erkundet werden. Der Abstieg ist auf einem großen Felsbrocken dem zeichenkundigen Alpenfreund genau genug markiert und die Markierungen in der felsarmen Almwiese  bestehen aus Holzpflöcken, deren Anzahl ausreicht, um den Abstieg richtig zu begehen.

Tiefblick auf den Aufstieg

Links und rechts protestierten schon von weitem die Schafgruppen und ließen mich nicht näher als ca. 50m an sich heran, bevor sie sich gemeinsam in der Herde eilig und schimpfend entfernten.

Wegmarkierungen (in unserem Fall über 72 gekommen um nach Wildlahner abzusteigen, 527 führt zum Steinernen Lamm)

Ein Abstieg über weite Bergwiesen mit einer schönen Kulisse am Gegenhang – da bereute ich die Verkürzung der Runde gar nicht und konnte, weiter unten, das Steinerne Lamm in seiner es bezeichnenden Perspektive sehen. Das Zoom mit der Handykamera ist meist ein echter Kompromiss zwischen Nähe und Schärfe, zeigt es aber dennoch recht treffend.

Abstieg zum Wildlahnertal über die Ochsnerhütte

Die nette Ochsnerhütte, auf einem kleinen Plateau in einer flachen Stufe des Hanges zum Wildlahnerbach hinab errichtet, beherbergt die Schafe in einem kleinen Stall, der den Grundflächengroßteil des kleinen Refugiums inmitten der sprießenden Bergwiesen darstellt. Ein sehr kleiner Teil der Grundfläche ist dem Schäfer vorbehalten und durch die Fenster in sein winziges Stübchen geblickt stellt die Neugier fest, daß er sich im Notfall nur auf den hölzernen Fußboden als Nachtlager zurückziehen kann und weiter, daß er nicht besonders groß von Wuchs sein sollte, will er sich des Nächtens ausstrecken. Allerdings verfügt die kleine Hütte aber auch über einen komfortablen Holzherd und einen Minitisch mit zwei Sitzplätzen, sodaß es sich dort gegen die Unbillen des Wetters  eine Weile aushalten läßt.
Das massiv nieder gespannte Dach – vor allem nach Südwesten – zeugt von großer Sturmgefahr, die ungeschützten Fenster passen jedoch wieder weniger zu dieser Vorstellung.

Ochsnerhütte

Im weiteren undeutlich erkennbaren, jedoch mit Holzpflöcken markierten und logisch verlaufenden Weg hinab ins Tal wird eine verfallende kleinere Hütte passiert, die in ihren Glanzzeiten ein Unterstand für das Vieh oder eine kleine Heupille gewesen sein mußte.

verfallendes Hüttchen unterhalb der Ochsnerhütte

Ihr Anblick erweckt Interesse an ihrer Geschichte wie auch an Ihrer so meisterhaft ausgeübten Bauweise, daß sie mit Leichtigkeit  den Elementen viele Jahrzehnte trotzen konnte in der sie der starken Strahlung im Sommer und übermächtiger Gewichtsbelastung im Winter ausgesetzt war. Allein die Vorstellung was sie erzählen kann beflügelt und lädt zum Innehalten ein.
Das Schöne an dieser Konstruktion ist, daß sie bis zum völligen Verschwinden leben darf. Und noch immer vermittelt sie Schutz in der sonst so schutzlosen ebenflächigen Landschaft – welch Bestimmung für einen solchen Greis! Sie wird nicht abgetragen, geordnet, separiert, einer geregelten Sterbensbestimmung zugeführt, nein sie wird belassen wie erschaffen worden und dient dem neuen Zweck Gedanken anzuregen, Fotomotiv zu sein, Kindern als Forschungsobjekt zu dienen und einfach als dazugehörige Erscheinung inmitten von Natur Teil derselben zu sein – bei aller Traurigkeit ob ihrer schwach gewordenen Gestalt, ein anregender Anblick. Irgendwie lebt sie.

saftige Bergwiesen mit Hoher Warte

Frisch beflügelt über die üppig prallen Wiesen hinab folgt man dem Steig noch gerade zwei   Minuten, bevor er in weitem Bogen eine fast rechtwinkelige Linkswendung taleinwärts beschreibt und den Hang bergab nun schneidet.

das „Steinerne Lamm“ am Gegenkamm gut am Umriss erkennbar ein

Zwei, drei Einschnitte mit kleinen Bächen werden durch die Hangquerung durchschritten und merklich werden die Almrosenflächen mehr und mehr, bis sie eine augenfällige Üppigkeit erreichen, die den nächsten Blickfang bilden.

das innere Wildlahnertal

Nach den Einschnitten wird der Hang zum Talgrund hin flacher und gibt den Blick zum nächsten Highlight frei, dem Wasserfall des Wildlahnerbaches.

Der Steig führt hier im Bogen wieder talauswärts und man kann sich entscheiden seinem Verlauf orografisch rechts zu folgen, oder über eine hohe künstlich geschaffene Sohlstufe auf die linke Talseite zu wechseln, um talauswärts zu gelangen.

Blick talauswärts zur Hohen Warte

Wer aber den sonderbar anmutenden Wasserfall in der glatt geschliffenen Gletscherwand im Tiefen des Wildlahnertals ins Blickfeld bekommen hat, der kann der Anziehungskraft des Schauspieles nicht entgehen, wird der Neugier stattgeben und sucht den Weg dorthin. In meinem Fall war der direkte Weg durch die Almrosenbüschel typischerweise wieder einmal gerade gut genug. Die gesetztere Variante wäre den Abstieg zum Bachbett zu nehmen und auf der Sohlstufe durch den dort breiten und wenig tiefen Bach zu nehmen, um auf dessen orografisch linke Seite zu wechseln und bequem taleinwärts marschieren zu können.

der Wasserfall im Wildlahnerbach

Wenige Minuten und einige Kratzer von knorrigen Zwergsträuchern mehr erreichte ich den besonderen Ort des tosenden Wasserfalles. Die Wahrnehmung der Umgebung ist dort durch den gewaltigen Lärm des Wassers in bekannter Weise bei solchen Erscheinungen sonderbar gehemmt und alle Konzentration kann auf das Phänomen eines urplötzlich aus dem Fels auftauchenden Wasserstrahles gerichtet werden.

die Dynamik in der Statik erkennbar

Bereits in der Annäherung erkennt man einen Großteil des Geheimnisses, aber in allem Detail soll es hier nicht beschrieben werden, um den Zauber der Entdeckung nicht zu nehmen – man sehe sich die Baumeisterin Natur vor Ort an und staune!

„Dort wo aus schmaler Felsenkluft…“, so der Beginn eines längst vergessenen Bergsteigerliedes, das wir Jungmannschaften im wöchentlichen AV-Vereinsabend in den ’70ern noch gesungen haben, entlockte mir bei der Erforschung des Baches Kanalgeometrie im Fels ein nostalgisches Schmunzeln.

Schwemmland im Wildlahnertal

Die enorme Wassermenge, die sich durch den schmalen Schliff im Fels den Weg gebahnt hat wird erst richtig einschätzbar, wenn man durch genaue Beobachtung den schon beruhigten und breiten Abfluss des Wasserfalles über das Bachbett einzuschätzen vermag.
Darüberhinaus gibt es noch einiges zu entdecken, das hier nicht vorweggenommen werden soll; beispielsweise folgt das Spritzmuster des Wasserfalles einem genauen Rhythmus und – für den der Innehalten und beobachten kann – derlei Entdeckungen mehr.

Den magischen Bereich wieder einmal allzu schnell verlassen zu haben wird einem erst bewußt, wenn die breiten Schwemmflächen talauswärts durchquert worden sind, in denen das Fortkommen einer zeitlich scheinbar so enormen Anstrengung bedarf – am Ende sind es  wenige unbedeutende Minuten die bei dem gebotenen Einblick in die angeschwemmte Geologie noch intensiver hätten genossen werden müssen, könnte man die ewig inhärente Hast ablegen.

die zuvor abgestiegenen Almwiesen auf der Gegenseite

Von der Ferne betrachtet macht unser nun vermeintlich ausreichend erforschter Wasserfall immer noch eine gute Figur, er ist und bleibt „ein Loch in der Wand“, er sieht phantastisch aus.

grandioser Talabschluß mit dem mächtigen Olperer

Der Abstieg durch das sommerliche Wildlahnertal birgt einige Überraschungen, wenn abseits des normalen Weges erkundet wird. Die erste tolle Szenerie ist die hohe, befestigte Sohlstufe im Wildlahnerbach, die das Ende des Schwemmgebietes darstellt.
An richtiger Stelle platziert gelingen dort wunderbare, ja fast kitschige Bilder – der Kitsch in meinem Fall durch das mäßige Wetter vereitelt und mehr davon in der Galerie.

großartige Kulisse und tolle Fotomotive

Zwischen dem Normalweg, orografisch links und der rechten Talseite wanderte ich neben dem tiefen Schluchteinschnitt des Wildlahnerbaches weglos talauswärts. Die Geländestufen führen durch dichte Almrosen und mit ein wenig Vorausblick findet sich ein günstiger Pfad durch die Gestrüppfelder.

Sohlstufe im Wildlahnerbach

Am Ende quert von rechts die Schlucht, bzw. deren Ende in den Abstieg herein. Dort vereinigt sich der Wildlahnerbach, tief in der Schlucht, mit einem von der linken Seite herunterziehenden Gerinne. Die Felsen dort sind eigenartig geformt und bilden dort – meines Erachtens jurassischen Ursprungs der ungewöhnlich rote Farbe wegen – eine eigene Geländestufe die, von unten betrachtet, interessante Verwitterungsformen in Form von kleinen Höhlen birgt. Allerdings sind die Höhlen nur von unten betrachtet Höhlen, denn wer nasse Innenschuhe riskiert und über den etwas sumpfigen Aufstieg auf Erkundungstour geht, der erkennt oben, daß die Höhlen gerade mitteltiefe Auswaschungen der Felsdecke sind.

Gerinne von der Hohen Warte herab

Vom Fuße des Kessels aus kritisch betrachtet muß die oben liegende Decke eine wesentlich härtere sein, die im Laufe der Zeit immer wieder abbricht und so die Geländestufe vergrößert. Ein eigenartiger Einschub in die sonst so anders geformte Landschaft.

Geländestufe vor der Schlucht mit dem Wildlahnerbach

Unterhalb dieses Kessels erreicht man über unwegsames Gelände alsbald eine Holzbrücke, die die notwendige Passage auf die rechte Talseite ermöglicht.

Querungsmöglichkeit im Wildlahnertal

Der Seitenwechsel ist notwendig um der folgenden unwegsamen linken Schluchtseite im Abstieg auszuweichen. Jenseits der Holzbrücke befindet sich wieder der Steig, der hinauf zum Ochsneralm führt und den eine ängstliche Schafgruppe bevölkert.

Schafalm

Der Abstieg auf der Ostseite durch die folgende Schlucht ist durch ein paar kurze Murenstriche vom steilen Gelände, das vor ein paar Stunden bergauf bewältigt wurde gekennzeichnet.
Hinter diesen lettigen Partien verbreitert sich das Tal wieder und wird zum Almgelände mit weiteren kleinen Schafgruppen und prächtigen Blumenwiesen.

Flecken-Knabenkraut, eine Orchidee

Am Ende des Schafalmgeländes formt sich der Steig bald zu einem breiten Weg, der bis hinaus zum Parkplatz, und somit zum Ende der interessanten Rundtour führt. Am Weg dorthin jede Menge Fotomotive.

Rückblick auf die Schönen Schöberspitzen

Die Runde und ihre Alternativen im Wildlahnertal sind im Kartenausschnitt rot markiert. Der Zeitbedarf ist variabel, man rechne in jedem Fall mit 5 Stunden für 8km und knapp 1.100Hm.

Mils, 17.06.2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Waldrasterspitze, 2.442m

Wenig bekannt und selten begangen ist der kleine Vorgipfel der Serles, die Waldrasterspitze. Seit der Sommersonnwende 2015 ziert den Gipfel ein schlichtes formschönes Betonkreuz, das ein paar Idealisten aus dem Stubaital selbst gefertigt und aufgestellt haben, wofür ihnen ein Lob für die großartige Arbeit ausgesprochen werden muß.

Waldrasterspitze, 2.442m

Über dieses bemerkenswerte Unternehmen gibt es einen netten Bericht im Internet in dem auch die beiden Anstiegsrouten auf die Waldrasterspitze knapp beschrieben werden. Anhand dieser Beschreibung wird der erfahrene Bergsteiger den Aufstieg leicht finden (zumindest für die vom Verfasser begangene grüne Route) wo hingegen für die allgemeine Masse – so vermittelt der Internet-Bericht den Eindruck zwischen den Zeilen der Verfasser – der Anstieg nicht gedacht ist.

Serlesgipfel im Hintergrund

Nun, diese Haltung findet sich sehr häufig in Bergsteigerkreisen, vor allem an Routen, an denen Idealisten in ihrer Freizeit tätig sind, Steige in Schuss halten oder den Gipfel betreuen (Buch, etc.) und die keine öffentlichen Wanderwege bzw. Steige im Betreuungsnetz des Alpenvereines sind.
Einerseits möchte man zwar das Kleinod einer phantastischen Besteigung eines Gipfels mit Gleichgesinnten teilen, andererseits soll es aber auch nicht jedermann sein. Das Ideal wäre, daß nur entsprechend versierte, wiederum aber auch nicht zu viele davon, von der Tour Kenntnis haben und sie absolvieren.

freie Almwiesenfläche auf den „Kampele“ Rücken hinauf

Die Gründe für eine solche Haltung mögen auf den ersten Blick äußerst egoistisch wirken, näher erklärt geben sie aber durchaus Sinn, vor allem in einer so auf Sicherheit bedachten Welt in der wir heute leben, aber in der vor allem „Lawyer“ die Sicherheit mehr und mehr als Bringschuld der Infrastruktur ansehen und damit unverhältnismäßig viel gutes Geld verdienen – ganz einfach nach dem Motto, wessen der Besitz, dessen die Gefahr.

Der Rücken wird ausgeprägter

Dieser in vielen Lebensbereichen sinnvolle altrömische Rechtsgrundsatz ist auch in unserer Heimat fest im Rechtssystem verankert und aber auch genau jener, der heutzutage eine Unzahl von Problemen im und um den Bergsport erzeugt (der Verfasser meidet im Normalfall diesen Terminus, Bergsteigen hat nichts mit Sport zu tun, Bergsteigen ist eine Philosophie, außerdem bringt dieser Ausdruck Verbindung mit dem Wirtschaftszweig mit sich, der im Zusammenhang mit diesem Bericht unerwünscht ist), weil der Berg an sich in keiner Weise als Infrastruktur im gewerberechtlichen Sinn einzuordnen ist und die Forderung an Wegerhalter sich aber allzu deutlich auf solcherart geartete Grundsätze bezieht – ein Trugschluss der in wenigen Jahrzehnten zur Spaltung der Gesellschaft am Berg und zu grotesken Entwicklungen führen wird. Ansätze (und Auswüchse in der Entwicklung der Rechtssituation die alpinen Wege betreffend) hierfür gibt es zuhauf, die jüngsten beispielsweise im Halltal.

Blick auf das Kampele

Ohne ein Szenario nach Wells herbeizurufen ist es heute durchaus denkbar, daß noch weit vor der Hälfte dieses Jahrhunderts kartierte Bergwege links und rechts von ihnen durchgehend drei Meter hoch eingezäunt werden, um das Risiko der Haftung des Wegerhalters auf ein erträglich Maß zu reduzieren, damit er und die Seinen ruhig schlafen können. Natürlich kommt die persönliche Unterweisung des Wegebenützers durch den Wegeerhalter als Sicherheitsmaßnahme hinzu, mit abschließender Unterschrift, belehrt worden zu sein.
Sich auszumalen wieviel Wegstrecke es auf Tirols Bergen dann noch geben wird bleibt jedem selbst überlassen, daß es die Wege aber noch geben wird liegt aus touristischen Gründen klar auf der Hand. Mit Zynismus könnte man den Vorschlag der Maut einbringen, damit sich ein paar Kilometer von selbst finanzieren…

am Jagasteig, nach Querung des Rückens

Die andere Gruppe wird Bergwege, die noch heute wie vor hundert Jahren, von alpin wenig ausgebildeten Bürgern begangen werden, als unmarkierte und dem Verfall bzw. dem Überwuchern preisgegebene Routen vorfinden, die offiziell nicht mehr vorhanden sind. Diejenigen, die diese Routen dann noch begehen werden sind dann jene Bergsteiger, die es immer gegeben hat. Solche Leute sind Leute die Terrain betreten, für das niemand Produkthaftung gewährt und die dann, anders als heute, für eine Rettung im Notfall fünfstellige Beträge, oder vierstellige Versicherungsprämien bezahlen werden müssen. Man wird sie dann „Tough Adventurer“ oder ähnlich nennen, wenn sie beispielsweise den äußerst gefährlichen Steig aus dem Halltal auf das Törl beschreiten, von Drohenkameras der Schaulustigen im Tale begleitet oben beide Hände in die Höhe reißen und der Fangemeinde mit den Fingern beider Hände das „Victory“ Symbol auf den Handybildschirm hin schmettern – life natürlich.

Wegverzweigung in die grüne und in die rote Route – Blick auf die rote Route

Ja, wir treiben es auf die Spitze durch den Import von Rechtsphilosophien fremder Kulturen in unser Land und zwar mit Lichtgeschwindigkeit der negativen Entwicklung. „Cui bono?“ ist hier leicht erklärt, manche der vorgenannten Spezies kennen Skrupel nicht und vertreten beide Seiten…
Hier muß etwas geschehen bevor durch Schauprozesse die heimischen freiwilligen Idealisten, die heute bereits tief in die Haftungsecke getrieben wurden ihren Idealismus verlieren und die unentgeltliche Tätigkeit hinschmeißen – der Berg muß als Niemandsland, nein, als Land dessen, der ihn im Haftungssinne benützt erklärt werden, so wie es uns unser bisheriges Rechtsempfinden gewiesen hat.
Jeder Bergsteiger muß für sein eigenes Verhalten die alleinige Verantwortung tragen, auch wenn eine Markierung ihn leiten mag. Genau diesen Zustand muß das Gesetz leisten, damit die in den letzten Jahren ins Wanken geratene Ordnung wieder hergestellt wird und unzuträgliche Entwicklungen hintangehalten werden und hierzulande die Vernunft siegt. Gesetze, die das – unisono – Volksempfinden nicht fassen kann dienen der Gesellschaft nicht und nützen nur dem gewerbsmäßigen Ausbeuter.

Links geht die grüne route hinauf

Der andere Zugang zu einer restriktiven, egoistisch wirkenden Haltung über die Publizität einer eher gefährlichen Besteigung ist jener der Retter im Notfall. Diese ebenfalls ehrenamtlich tätigen Idealisten werden teilweise selbst in Gefahr versetzt, um eine in Not geratene Person zu bergen und man glaubt es kaum was diese Leute über die alpine Unbedarftheit von Bergtouristen zu berichten haben. Wenn also Bergretter die oben beschriebene Einstellung vertreten ist das vielleicht noch weit verständlicher. Allerdings – so hat kürzlich einer derselben über seine Zunft im Internet beschrieben – ist er ja genau für diese Zwecke ausgebildeter und freiwilliger Retter geworden.

der Rücken wird etwas ausgesetzter

Der Diskurs über die traurige Entwicklung im Land soll aber nicht auf dem Rücken der schönen Tour zur Waldrasterspitze ausgetragen werden. Darum nun endlich zur Tour, die im Sinne der „Herren“ des netten Gipfelkreuzes hier nicht so tief beschrieben wird, daß dadurch jeder sonntägliche Turnschuhwanderer Lust zur Besteigung erfährt:

Alleine die ersten zehn Minuten am grün markierten Anstieg nach dem Cabrio-Hochsitz auf dem Kampele wird einen „nur Wanderer und nicht bergfest“ nicht veranlassen den Anstieg fortzusetzen und der weitere Aufstieg durch das Felsgelände garantiert, daß nicht entsprechend versierte Bergsteiger die Waldrasterspitze überlaufen werden.

kühne Felsklippen an der Abbruchkante

Schon der Einstieg in den Wald nach dem Gatter nördlich der Waldrast wird einem nicht an Erkundung gewohnten Interessenten Schwierigkeiten bereiten und wenn dieser nicht, dann der Aufstieg am Weidezaun oberhalb des Hochsitzes am Beginn der Lichtung.

der Steig wendet sich leicht nach links oben

Am Almboden sprießt zu Beginn des Junis alles an Formen und Farben nur so hervor. Allerlei Bergblumen und die fast allgegenwärtigen Almrosen bedecken die Flure, die bedacht begangen werden müssen, will man die Pflanzen nicht beschädigen.

Anstieg im Rückblick

Steil führt die Wiesenschneise den Rücken hinauf und gewinnt rasch an Höhe. Im obersten Bereich erfolgt an geeigneter Stelle der Wechsel über den Zaun im Aufstieg, sodaß dieser nicht beschädigt wird.
In der Folge führt der Steig durch die Latschengasse bergan und quert den Rücken einige Meter abwärts wieder auf dessen rechte Seite. Kurz darauf wird der Cabrio-Hochsitz passiert und nach wenigen Metern ist die Verzweigung der Aufstiegsrouten erreicht.

Querung in die Südflanke

Die rote Route führt geradeaus auf ein breites Band in die Nordflanke des Berges, die grüne Route führt direkt auf den Zunternrücken zurück, dem einige Zeit gefolgt wird bevor sie in die Südflanke des Berges zieht.
Die grüne Route ist die leichtere und nachträglich gesehen ist der Verfasser froh bei der Erstbegehung sie gewählt zu haben, denn auch in dieser Route befand sich zu Beginn des Juni an einer Scharte bzw. Rinne noch signifikant viel Firn, sodaß es für eine Begehung der roten Route wahrscheinlich noch zu früh gewesen wäre, bedenkt man, daß diese – laut dem Bericht der Betreuer – zum Teil im dritten Grad geklettert werden muß.

steiler Aufstieg auf direkter Flanke

Nach gut 20min des Aufstieges am breiten Hauptrücken, teils nahe an der nordseitigen Abbruchkante zu Rinnen hinab, die von kleineren heraufziehenden Rücken gebildet werden, wendet sich der Steig nach links (südseitig) und folgt, einer Wand entlang, einem schmäler werdenden Band fast horizontal in die Südflanke des Berges hinein.
Die bankartige Ausprägung der Felsformationen am Serlesmassiv mit den eindrucksvollen Bändern erinnern unweigerlich an die Kalkkögel wenige Kilometer nördlich davon. Der Grund dafür ist leicht erklärt, auch das Gestein der Serles besteht aus Dolomit, nicht aus Kalkstein.

Rückblick auf die kleine Kletterpartie

Oft sind die Felsbänder annähernd oder völlig horizontal und lassen sich trotz jäher Absturzkante wunderbar begehen, so auch diese Querung in die Südseite.
Wenige Minuten in dieser Art mit nur moderatem Höhengewinn wird ein auffälliger Felskopf erreicht, der den Wendepunkt von Querung zum Direktaufstieg darstellt. Der Steig wendet sich also in die direkte Falllinie der Flanke und führt recht steil bergan über begrüntes Gelände weiter.
Etwa nach 100Hm wird eine unten schmale, oder sich verbreiternde Rinne erreicht in der die ersten kleinen Kletterstellen liegen. Auch ein Seil als Steighilfe befindet sich weiter oben in der Rinne.
Oberhalb des Ausstieges aus der Rinne wird das Gelände etwas schuttiger, ohne Bewuchs der dann aber wieder zunimmt. Der Steig wendet sich unterhalb einiger größerer Schrofenblöcke in der Folge leicht nach links oben zu einem Bereich mit wiederum einer kurzen Kletterstelle. Nach dieser Kletterstelle ist der oberste Rücken am Anstieg erreicht.

Schrofengelände, nicht weiter schwierig

Zunächst wird – wie schon weiter unten – als Weiterführung des Aufstieges eine Umgehung des letzten voranliegenden Felskopfes vermutet, jedoch führte diese Erkundung gleich nach dem Blick jenseits der Felskante zum Schluß, daß dies wegen der steilen Abstürze dahinter der falsche Weg sein muß.

eine zweite Stelle mit kurzer Kletterei

Also einige Dutzend Meter zurück zum obersten Rückenteil und in die Nordseite geblickt in der zunächst ein noch recht mächtiges und steiles Altschneefeld erblickt werden konnte. Nach und nach konnte aber auch ein schmales Band wenige Meter nach unten erkannt werden und auf der Gegenseite der schneegefüllten Rinne ein steiler, schuttbedeckter Hang nach oben auf die restliche Aufstiegsflanke in der aber keine Steigspuren mehr erkennbar waren.

gleich den höchsten Punkt des Rückens erreicht

Sapperlot!, so des Verfassers erster innerliche Ausruf – eine knifflige Stelle! Zu diesem Zeitpunkt übersah er völlig das Stahlseil das jenseits der schneegefüllten Rinne unterhalb an einem Felsband montiert war, wesentlich weiter unten als man den Übergang durch die Rinne erwarten würde, wenn sie, noch meterhoch mit Schnee gefüllt, betrachtet wird.

Rückblick auf die zweite Kletterstelle

Auf vermeintlich richtigem Pfade wurde also abgeklettert und oberhalb des Schneefeldes eine Querung unternommen. Durch das Schneefeld erschien es nicht sicher genug, die Oberfläche war recht hart und es erschien steil genug für eine zu riskante Querung. Außerdem konnte von der Flanke das untere Ende nicht eingesehen werden.

Hanggegenseite vor der schneegefüllten Rinne

Der Umweg über die splitterige Scharte funktionierte als Plan gut. Sogar ein Dokumentationsfoto von dem tollen Felsentor unten in der sich verjüngenden Rinne konnte angefertigt werden.

in der Querung der Rinne, oberhalb des Schneefeldes

Jenseits der Rinne mußte noch mit Bedacht über ein paar schuttbelegte Stufen aufgestiegen werden, bevor im Rückblick dann der originale Steig anhand der Markierung erkannt werden konnte. Somit war logisch, daß der Hang auf der gegenüberliegenden Seite auf der gewählten Querung keine Steigspuren zeigen konnte.

unterer Teil des Aufstieg auf den vorgelagerten Rücken

Über leichtes aber schuttiges Gelände führt der manchmal sichtbare, manchmal etwas verschwindende Steig nach oben und unvermutet taucht nach etwa zehn Minuten steil bergan schon das Gipfelkreuz der Waldrasterspitze mit dem dahinterliegenden und durch die große Entfernung kleiner aussehenden Gipfelkreuz der Serles auf. Ein interessanter Anblick, den es auch auf einem bestimmten Punkt am Plumsjoch auf die Kreuze auf der Bettlerkarspitze gibt.

am Gipfelhang

Sowohl Waldrasterspitze als auch der um weniger Meter niedrigere Sonnenstein zur rechten (nördlich) können als die flankierenden östlichen Vorgipfel der Serles gelten, um das Panorama auf der Waldrasterspitze gegen die gewaltigen Ostabbrüche der Serles hin zu beschreiben.

Sonnenstein gegenüber

Das schöne Betonkreuz mit absichtlich unbehandelten Eisenbeschlägen -und auch einer solcherart gefertigten Gipfelbuchschachtel – ausgestattet, richtet sich gegen Nordosten, in den weiten Kessel der Verzweigung des Inntales mit dem Wipptal, wohin der Ausblick durch die freistehende Serles dutzende Kilometer reicht. Zwischen Patscherkofel und Glungezer hindurch über das 36km entfernte Kellerjoch über Schwaz hinaus reicht der Blick gen Osten.

Blick nach Nordosten

Im Südosten beeindrucken die Zillertaler und im Westen wäre die weitere Route auf die Serles der logische Abschluß der Tour. Dieser Aufstieg ist mit Stellen im dritten Grad beschrieben und an diesem Tag nicht ausgewählt worden, da die Wetterlage zu labil dafür angesagt war. Tatsächlich verdichtete sich auch der Nebel während des Gipfelaufenthaltes und über die nur seitlich sichtbaren Stubaier zogen dunkle Wolken heran, die zum baldigen Verlassen der Waldrasterspitze veranlassten.

am Abstieg

Die Erkundung der weiteren Route sowie auch des Aufstieges durch die rote Route unterblieb daher, war aber auch nicht erklärtes Ziel an diesem so uneinschätzbaren Tag.

Passage mit schneegefüllter Rinne, Band in die Rinne hinab gut sichtbar

Der Abstieg brachte die Entdeckung der originalen Querungsstelle mit Fixseil im Band vorher mit sich, die Querung des steilen Schneefeldes in der Rinne wurde aber auch dann nicht unternommen.
Von oben betrachtet wirkt das Abstiegsband zur Rinne auf der Gegenhangseite wesentlich ausgeprägter und kann auf den Fotos deutlich erkannt werden.

Rückblick auf die Rinne, rechts das Fixseil erkennbar

Am Weg hinab boten sich noch ein paar interessante Fotoszenen auf den blumenbewachsenen aufragenden Klippen an der Abbruchkante des Gratrückens, bevor der Steig wieder sanfter wird und in archaischen Wald übergeht, der zur kleinen Abkürzung in Richtung Waldrast querfeldein durchschritten wurde.

Stimmung auf einer der Klippen am Gratrücken

Die Ochsenalm bot mehr Ruhe als das Gasthaus auf der Waldrast, wo größere Gesellschaften mit erhöhtem Geräuschpegel sich tummelten. Also wurde erstere für die Rast nach der Tour gewählt und von dort bot sich auch ein guter Überblick auf den Grat der beendeten Tour.

Almrausch kann man auch dazu sagen

Der Zeitbedarf ab dem Parkplatz Waldrast betrug vier Stunden bei gut 800m im Aufstieg und mit einem 20 minütigem Gipfelaufenthalt.
Die Karte entfällt  für diese Tour in der Bilderdokumentation.

Mils, 06.09.2018