Durchschreitung Hinterautal – Vomper Kette, Karwendel

Als längste der vier Bergketten beinhaltet die Hinterautal – Vomper Kette auch die mächtigsten Gipfel des Karwendels. Die Durchquerung dieser eröffnet nicht nur den Blick auf die höchsten Karwendelgipfel, sondern auch auf die bizarren Nordwände der Gleirschtal – Halltal Kette, die ihren nördlichen Nachbarn in keiner Weise nachstehen.

Manuel, Julian und Simon sozusagen am Gipfelpunkt

Manuel, Julian und Simon sozusagen am Gipfelpunkt, am Überschalljoch

Wir wählten als Richtung der Durchquerung die Möglichkeit von Osten nach West, von der Karwendelrast am Vomperberg bis nach Scharnitz. Diese Richtung bietet den Vorteil, daß die eher anstrengenden Abschnitte gleich zu Beginn gemeistert werden und die leichteren ab der Hälfte.

Abmarsch um 5 Uhr von der Karwendelrast

Abmarsch um 5 Uhr von der Karwendelrast

Sie hat auch den Vorteil des leichteren Abbruches bei Wetterkapriolen, da im Vomperloch zwei Möglichkeiten und nach dem Höchstpunkt am Überschalljoch, über das nahegelegene Lafatscherjoch, eine dritte Möglichkeit zum vorzeitigen Ausstieg gegeben ist. Man stelle sich den “Ausstieg” jedoch nicht als eine kurze Möglichkeit vor, bei allen drei Möglichkeiten benötigt man mehreren Stunden bis ins Inntal, jedoch um einiges weniger, bis zu einer Unterkunft.

das Zwerchloch erreicht

das Zwerchloch erreicht

Diese Richtung hat aber auch den Nachteil, daß der lange – aber sehr schöne – Weg durch das Hinterautal, er wird auch etwas abwertend ein “Talhatscher” genannt, des Nachmittags bewältigt wird und an schönen Tagen ist dieser äußerst frequentiert mit Mountainbikern, die sich mit doppelter Geschwindigkeit als die – auch nicht wenigen – Fahrzeuge und zumeist ohne Klingel meuchlings nähern und wegen des Baches zur Linken nicht immer sofort hörbar sind. Die linke Seite der Schotterstraße empfiehlt sich also auch im wildromantischen Hinterautal und eine Gruppe tut sich schwer, wenn, nach langer Strecke in Abgeschiedenheit, der Einzelne nun im Gänsemarsch weiterkommen soll.

beim der JH im Zwerchloch

beim der JH im Zwerchloch

Wer das Tiefste des Karwendels kennenlernen möchte ist mit dieser gewaltig schönen und auch gewaltig langen Tour gut beraten. Allerdings sei hier gleich erwähnt, daß die Schluchten im Vomperloch eine alpine Bewegungsweise und vor allem das nötige  Leistungsvermögen voraussetzen. Zusätzlich ist auch gegen Unbillen des Wetters vorzusorgen und eine Strategie für die Herbeischaffung von Hilfe vonnöten. Bei einer ernsthaften Verletzung, beispielsweise im inneren Vomperloch, die das Gehen verhindert, ist ein Einzelner in einer nicht erstrebenswerten Lage. Das Handy fungiert dort nur noch als Fotoapparat oder Taschenlampe.

Brücke über den Zwerchbach

Brücke über den Zwerchbach

Umso mehr kann die Abgeschiedenheit genossen werden. Einzigartig ist die Situation, daß man von der Zivilisation “nur” von einer Bergkette, die Gleirschtal – Halltalkette getrennt ist. Und doch sind die Mauern dieser nur an wenigen Stellen überwindbar. Es ist dies als erste Möglichkeit das Kristalpl, eine Teillandschaft in dichtem Mischwald aus Laubholz mit vorwiegend Buchen und Nadelhölzern.

Steig zur Katzenleiter

Steig zur Katzenleiter

Das Kristalpl ist eine ordentliche Brücke (sollte trotzdem immer einzeln betreten werden) über eine Engstelle des Vomper Baches. Von dort führt ein – für Übermütige und bei nassen Verhältnissen – nicht ungefährlicher Steig zur Walder Alm. Das Gelände, das er durchquer kann man von der gegenüberliegenden Seite bereits gut einsehen, besonders die schroffen, senkrechten Abbrüche, die sich vom Bach gute Hundert Höhenmeter hochziehen. Man sollte auf diesem Steig nicht ins Rutschen kommen (Details siehe Link unten Huderbankspitze).

gut gewartete Steiganlage

gut gewartete Steiganlage

Gleiches gilt für unsere Seite, die nach dem Jagdhaus im Zwerchloch so richtig alpin wird. Bis zum Jagdhaus im Zwerchloch ist der Steig eher eine Wanderung ohne gefährliche Steigabschnitte, sieht man von dem kurzen Stück – “Haselbach” genannt – an der Richtungsänderung des Steiges ungefähr 5 bis 10 Minuten des Weges vor dem Jagdhaus ab, bei der ein Schutthang durchquert wird, der teilweise bei Hochwettern abbricht und deshalb dort die ersten Verseilungen als Steighilfe angebracht sind.

schöne Tiefblicke

schöne Tiefblicke

Der Steig bis zum Zwerchloch bedarf keiner besonderen Beschreibung, er vollzieht sich ab dem Parkplatz bei der Karwendelrast großteils im laubholzdominierten Mischwald, beginnend am Forstwege und nach ca. 20min, am breiten Steig. Vorbei an der nicht bewirtschafteten Melans Alm über ständiges leichtes mehr “auf” als “ab”, die Gegenseite mit der Ganalm immer schön im Blick, bis zu einem kurzen Abstieg, Hirtenschlag genannt, von dort auf schmalerem Steige bis zum o. ew. kleinem Intermezzo am Haselbach.

oben an der Katzenleiter angekommen

oben an der Katzenleiter angekommen

Der Steig nach dem Zwerchbach führt ca. 150Hm hoch in die Flanke der Huderbankspitze, vorbei an der Huderbankklamm mit malerischer Kulisse des dortigen Wasserlaufes aus der Klamm, hinweg über einige kleine Ausläuferkämme der Klamm, über verseilte und gestufte Treppen hinauf bis zur Katzenleiter; eine wahrlich schöne und kühne angelegte Steiganlage in gutem Zustand. Vielen mag der wunderschöne Tiefblick auf das auslaufende Zwerchloch bereits hier nicht möglich sein.

oben an der Katzenleiter angekommen

oben an der Katzenleiter angekommen

Die Katzenleiter ist ein Steig auf die Huderbankspitze und wird jenem, der sie nicht kennt auch nicht auffallen. Sie zieht sich gleich nach dem Ankunftspodestchen aus der Steiganlage rechts hinauf, verliert sich im Wald teilweise und tritt erst wieder prägnant zum Vorschein, wo sich der Huderbankrücken deutlich ausprägt.
Die steilen Hänge der Huderbank werden nun umrundet wobei sich mit zunehmender Richtungsänderung nach Westen auch die Topographie vom dichteren Mischwald in einen lichteren Kiefernwald ändert. Die Hänge werden schroffer, felsiger und die Abbrüche zum Vomper Bach können als senkrechte Felsen eingesehen werden. Unwetter haben einige Baumgruppen von Kiefern hingerichtet, man muß sie umgehen über- und unterqueren. Bis hierher ist die Motorsäge der Wegerhalter noch nicht vorgedrungen; die turnerischen Einlagen sind eine willkommene Abwechslung und verstärken den Urwaldeindruck, der im Vomperloch recht bald aufkommt.

Abzweigung über das Kritstalpl zur Walder Alm

Abzweigung über das Kristalpl zur Walder Alm

Leider hat es bei unserer Begehung hier zeitweise zu regnen begonnen, daher konnten nur wenige eilige Fotos mit zweifelhafter Qualität genommen werden. Zum Zwecke der Dokumentation sind diese aber notwendig hier gezeigt zu werden.

schöne Schluchten und Einschnitte im weiteren Verlauf im Knappenwald

schöne Schluchten und Einschnitte im weiteren Verlauf im Knappenwald

Der Kiefernwald ändert sich nach dem Höchstpunkt vor der Weißen Wand (übrigens ein guter Unterstand bei Gewitter) von ca. 1.200m wieder hinunter zur Wegverzeigung Knappenwald auf 1.130m und nochmals um 100Hm tiefer zur Brück Kristalpl.

Einmündung des Ödkarbaches

Einmündung des Ödkarbaches

Anschließend überwindet der Steig eine wenig hohe Klamm, die einen neuerlichen Anstieg auf gut 1.200m erzwingt. Diese Klamm hat ihr Westende dort wo der Ödkarbach von Norden dem Vomper Bach auf ca. 1.100m zufließt. Eine tolle Kulisse!

Brücke über den Ödkarbach

Brücke über den Ödkarbach

Der Steig quert die Bachmündung über eine Brücke (bei uns durch den Regen rutschig) und führt ca. 60Hm wieder steil nach oben, um eine weitere Engstelle im Bachlauf zu überwinden. Hinter dieser Engstelle geht es wieder abwärts und der atemberaubende Blick auf die “Au” öffnet sich.

die Au erreicht

die Au erreicht

Die Au ist ein weiterer Meilenstein der Durchquerung. Hier gibt es die letzte Möglichkeit dem Vomperloch zu entkommen, ist man dazu gezwungen. Der Knappensteig zweigt hier ab und führt steil und einigermaßen gefährlich in vielen Serpentinen in den schuttigen Nordhang des Briglkarls unterhalb der Tratten und des Hundskopfes.

die Nordwände des Hundskopfes

die Nordwände des Hundskopfes

Dieser Steig ist als Fluchtweg vor allem bei Erfordernis wegen Wetterumschwung zweifelhaft. Im Regen wäre da der Rückweg am Normalsteig bis zum Kristalpl eher in Erwägung zu ziehen.

in der Au

in der Au

Orografisch rechts vom Vomper Bach, also links in Richtung Westen setzt der Steig zum Jagdhaus fort. Dort gibt es bei der Tankmöglichkeit vor der Hütte nicht nur frisches Quellwasser sondern auch genügend Bremsen, die selbst eine kürzere Rast in recht unspektakulärer Weise auf das Minimum der Tankung verkürzen und den Durchschnitt der Gehzeit gleichsam.
Die Hütte trägt die Hausnummer Vomperberg Nr. 28; hier möchte man gerne Briefträger sein, um von Amts wegen zustellen zu dürfen, eine Dienstreise der Sonderklasse.
Vom Zwerchloch bis zur JH. in der Au macht man kaum Höhenmeter, absolut gesehen. Die Hütte liegt auf knapp über 1.100m.

Jagdhaus in der Au

Jagdhaus in der Au

Nun folgt ein wenig ausgeschnittener Teil des Steiges mit hohem Gras das in unserem Fall in den schmalen Steig hereingebogen sich präsentierte und jeder einzelne Halm – vom Regen vor einer Stunde – ein winzig Wassertröpfchen trug, und deren Masse das ihre tat, um uns nun vollends die Feuchtigkeit in den Zehenspitzen spüren zu lassen. Mit einem Wort, die leichten Halb-Bergschuhe waren durchnäßt.

wilde Bachläufe

wilde Bachläufe

Trüben konnte die naßgraue Situation unsere Freude über die packende Landschaft, die fesselnden Blicke und das schon halb gelungene Vorhaben unsere Launen aber in keiner Weise. Simon, Julian, Manuel und der Verfasser querten nun über einen vom Nordabsturz der Halltalkette herabziehenden, mehr als zwei Dutzend Meter breiten, mit meterhohen Schotterränder begrenzten Flußlauf, der mit seiner freiwerdenden Gewalt bei Unwettern das Tal umpflügt und strebten dem ehemaligen Lochhüttl zu, das die hintere Begrenzung des Talkessels des Vomperloches darstellt.

Uferbereiche meterhoch

Uferbereiche meterhoch

Auf 1.280m gelegen finden sich vom ehemaligen Lochhüttl noch die sechs Betonsäulenfundamentchen auf kiesiger Fläche. Ein Brand trug es vor zwei Jahren ab, man denkt daran es wieder aufzubauen.
Hier befindet man sich bereits in der Wettersteinkalkstufe, gebildet von den südlichen und nördlichen Massiven von Bettelwurf und Hochkanzel. Der Vomper Bach sägt sich in diese ein.

Steig zum Lochhüttl, ab hier ordentlich Höhengewinn bis zum Joch

Steig zum Lochhüttl, ab hier ordentlich Höhengewinn bis zum Joch

In diesem Gebiet muß die Unterkunft der im zweiten Weltkrieg geflüchteten heimischen Deserteure gewesen sein. Es war dies eine dermaßen versteckte Hütte, die den Männern jahrelang Zuflucht vor den Häschern des Regimes war und in der sie sommers wie winters in stetiger Sorge über verräterische Rauchsäulen vom Heizen und Kochen und ohne jede medizinische Hilfe in unvorstellbaren Zuständen zugebracht hatten und nie aufgespürt wurden. Noch viel interessanter wären die Bergbauaktivitäten des Mittelalters, denen das Lochhüttl überhaupt seine Existenz verdankt. Man baute damals vorwiegend Bleiglanz und Galmeierze (Zinkerze) ab und die Stollen befinden sich einige Hundert Höhenmeter nordwestlich des Lochhüttls, in den Hängen der Hochkanzel gelegen. Man weiß heute kaum mehr etwas darüber zu berichten.

Das Grubenkar mit Plattenspitze vom Lochhüttl aus gesehen

Das Grubenkar mit Plattenspitze vom Lochhüttl aus gesehen

Ebenfalls bemerkenswert sind die Zirben- und Lärchenbestände oberhalb des Ortes des Lochhüttls. Diese befinden sich rechts (nordwestlich) des Steiges, der, ab dem Lochhüttl aus dem Talkessel heraus, rund 650Hm ansteigt und die Haupthöhenstufe der Durchquerung darstellt. Vorbei an üppiger Vegetation mit einem Jahrhunderte alten Baumbestand zur rechten und gewaltigen herabziehenden Schotterreisen, gebildet von den Nordabstürzen der Bettelwurf Nordwände, zieht sich der Steig entlang dieser Grenze bis zum Überschalljoch empor.

Steigverlauf auf das Überschalljoch

Steigverlauf auf das Überschalljoch

Vor dem Erreichen des Jochplateaus zieren markante Formationen der Raibler Schichten die Tal- oder Hangmitte. Am Steig selber kann man die verschiedenen Gesteinsarten dieser geologischen Formation gut erkennen. Das Joch selber ist sehr flach und davon gebildet. Auf 1.912m bildet das Überschalljoch den Kulminationspunkt der Durchschreitung der Hinterautal – Vomper Kette.

Raibler Schichten inmitten des beginnenden Überschalljoches

Raibler Schichten inmitten des beginnenden Überschalljoches

Die erste und einzige ausgedehnte Rast unternahmen wir auf der Hallerangeralm. Sie ist Fixpunkt all unserer Unternehmungen in diesem Gebiet nördlich des Lafatscher Joches und Wirtin Evi und Tochter Julia zauberten uns auch diesmal wieder einmal eine deftige Jause.

ein Rückblick auf die fast  fertige Etappe

ein Rückblick auf die fast fertige Etappe

Die Webseite der Halleranger Alm enthält eine interessante Chronik und den Hinweis auf den wahren Ursprung der Isar im Almgebiet, der dort Lafatscherbach heißt und den längsten Quellfluß der Isar darstellt.

Am Überschalljoch mit Sunntiger, Hallerangerspitzen und Gamskogel

Am Überschalljoch mit Sunntiger, Hallerangerspitzen und Gamskogel

Wer die Zeit dazu hat, der schaue sich den lichten Wald aus Zirben und Lärchen im geschützten Übergang zwischen Halleranger Alm und Halleranger Haus an. Sie liegen im Blockwerk der herabgebrochenen Schnittlwände, sind hunderte Jahre alt und ein einzigartiger Anblick.

Das Hinterautal liegt vor uns

Das Hinterautal liegt vor uns

Ab der Halleranger Alm bzw. ab dem Überschalljoch weitet sich das Tal im Gegensatz zum schluchtartigen Vomper Loch gewaltig auf. Die Begehung erfolgt nur bergsteigerisch eher eintönig auf der Schotterstraße, die sich nun die restlichen rund 19km bis zum Bahnhof in Scharnitz hinzieht und die ab dem östlichen Ortsende in Scharnitz asphaltiert ist.

auf der Halleranger Alm, recht im Sonnenlicht der Gumpenkopf

auf der Halleranger Alm, recht im Sonnenlicht der Gumpenkopf

Topographisch interessant sind die Raibler Schichten der Gschnierköpfe gleich südwestlich unterhalb der Alm, eine brüchige morsche Masse, sich deutlich abhebend vom gebirgsbildnerisch einwandfreien Material des Wettersteinkalkes, aus dem fast ausschließlich die, das Hinterautal begrenzenden Ketten besteht.

Blick talauswärts mit Gupenkopf südlich und nebelverhülltem Spitzhüttenkopf

Blick talauswärts mit Gumpenkopf südlich und nebelverhülltem Spitzhüttenkopf

Eine Besonderheit bildet eine Höhenstufe am Südrand des Hinterautales. Diese Höhenstufe ist eine vorwiegend aus Hauptdolomit und Raiblerschichten bestehende mehr oder weniger flache gehaltene Hochfläche, die ihren Bestand sicher den unten im Tal überdeutlich sichtbaren Wettersteinkalkwänden verdankt, gleichsam als schützende Mauer vor dem Gebirgsabtrag durch den Bach im Tal. Sehr deutlich sieht man dies an Gumpen- und Zeigerkopf, die eine regelrechte Hochfläche bis zu den Kettenriesen der Kaskar- und Praxmarerkarspitze bilden. An ihrer Vorderseite brechen ihre Steilwände an der Kastenalm jäh und senkrecht ab.

unweit vom "Silbernen Hansl"

unweit vom “Silbernen Hansl”

In der nördlichen Begrenzung durch diese Steilstufe hat sich der Lafatscherbach im Laufe der Zeit eingeschnitten und eine mächtige Schlucht hinterlassen, an deren südlichen Seite selbst die zähesten Mountainbiker ihr Ross schieben. Die Schotterstraße vom Kasten bis zur Halleranger Alm wurde kürzlich instand gesetzt und die jüngst erfolgten Erdbewegungen links und rechts davon stechen dem Begeher regelrecht ins Auge und müssen erst vernarben.

renovierte Schotterstraße hinunter zum Kasten

renovierte Schotterstraße hinunter zum Kasten

Im Kohlerwald treffen wir auf eine Ansammlung von auffälligen Pflanzen der Gattung Weißer Germer (Nieswurz). Er ist nicht zu verwechseln mit der Heilpflanze des Gelben Enzian. Wir selber führen im Hochgebirge stets ein Tröpfchen der heilenden Tinktur aus Gelbem Enzian mit uns und nehmen diese am Gipfel vorbeugend zu uns. Den Weißen Germer aber meidet selbst das Almvieh.

der giftige Weiße Germer (Nieswurz) sieht dem gelben Enzian ähnlich

der giftige Weiße Germer (Nieswurz) sieht dem Gelben Enzian ähnlich

Wegbeschreibung benötigt es für das Hinterautal und vor allem ab der Kastenalm keine, die Schotterstraße schlängelt sich zumeist devot neben dem dort bereits gezähmten Lafatscherbach, bzw. ab einem Schauspiel um einige Quellen aus dem Massiv der Birkköpfe, der Isar.

die tiefe Schlucht des Lafatscherbaches vor der Kastenalm

die tiefe Schlucht des Lafatscherbaches vor der Kastenalm

Diese Quellen sind noch einmal ein Blickfang des Weges talauswärts, sie sind glasklar und strömen in mehreren Teilarmen dem dort schon breiten Lafatscherbach zu, der bereits mit den Zuflüssen aus dem Rossloch und dem Birkkarbach gespeist wurde, und an deren Ende, neben der Schotterstraße deren Schüttung nochmals mittels Thomsonwehr gemessen wird.

Blick ins Moserkar und in das Roßloch

Blick ins Moserkar und in das Roßloch

Ab dem “Kasten”, wie die gleichnamige Alm auch genannte wird, weitet sich das Tal nochmals augenfällig, vorwiegend bedingt durch den Zufluß des Birkkarbaches, der in seinem Schwemmgebiet mit dem Lafatscherbach eine ungeahnt breite Talfläche bildet.

auf der Kastenalm

auf der Kastenalm

Selbst bei dieser Breite des Tales erheischt man kaum Blicke auf die nördlich gelegenen Gipfel, zu hoch sind sie und von langen Ausläufern abgedeckt. Man sieht sie besser im Rückblick mit einigen Kilometern Entfernung, und von dieser schreitet man genug ab, um z. B. die Große Seekarspitze zu erspähen.

Abzweigung zum Rossloch

Abzweigung zum Rossloch

Dafür ist der Blick auf die Giganten der Gleirschtal – Halltal Kette umso beeindruckender. Deren Nordwände mit dem zerklüfteten Spitzen- und Nadelwerk am Gratsaum zwischen den Gipfeln läßt die Schwierigkeit und langwierige Begehung erahnen.

zur Birkkarspitze

zur Birkkarspitze

Sehr imposant und beeindruckend sind hierbei die Türmchen und Zinnen des Überganges vom Hohen Gleirsch bis zur Nördlichen Jägerkarspitze. Man nennt sie die Äußere und Innere Rigelkarspitzen mit ihren Zwischenverbindungen und detaillierte Ansichten davon findet man in unserem Bericht über die Jägerkarspitzen und über den Katzenkopf.

links Jägerkarspitze, mittig die Rigelkarspitzen, rechts der Wasserkarlspitz als Ableger des Hohen Gleirsch

links Jägerkarspitze, mittig die Rigelkarspitzen, rechts der Wasserkarlspitz als Ableger des Hohen Gleirsch

Mit dem Hohen Gleirsch links neben sich wird das Hinterautal zahmer und hat man diesen links liegen gelassen nähert man sich bereits dem Talausgang. Dort steigt die Straße nochmals ein bisschen an, die Abzweigung der Schotterstraße in das Gleirschtal mündet links ein und die restlichen Kilometer bis nach Scharnitz geben nicht mehr viel zu berichten her.

und steig nochmals kurz an; ein phntastischer Rckblick auf eine kaum bewschreiblich schöne Durchquerung

und steig nochmals kurz an; ein wehmütiger Rückblick auf eine kaum beschreiblich schöne Durchquerung

Die letzte Klamm ist die Vereinigung von Gleirschbach und Isar, sie beeindruckt mit ihrer Tiefe und sie ist das letzte topografische Highlight dieser einzigartigen und außergewöhnlich anregenden Durchquerung der Hinterautal – Vomper Kette.

Durchschreitung Hintautal - Vomper Kette

Durchschreitung Hinterautal – Vomper Kette

Diese Tour erstrecke sich über 1.550Hm Aufstieg und im Abstieg etwas weniger, weil Scharnitz auf 964m liegt und die Karwendelrast auf 860m. Die in der AV-Karte gemessenen Längen betragen 17,4km von der Karwendelrast bis zur Halleranger Alm und 19,3km von dort bis zum Bahnhof Scharnitz, Summe 36,7km. Zeitangaben geben wir für diese Strecke ungern (wir haben gesamt 11:11 benötigt und für den ersten Teil 5:00), jedoch sei erwähnt, daß die Angaben des Karwendelführes eine reine Gehzeit in Summe von 13:25 veranschlagen.

Mils, 10.07.2016

 

 

 

 

Gschnitzer Tribulaun, 2.946m

“Zahmer Bruder” nennt man den auch um gut hundert Meter niedrigeren der beiden Tribulaune, den Gschnitzer Tribulaun.
Er ist nicht nur zahmer uns niederer, er ist auch ohne Schwierigkeit zu besteigen. Die vielleicht etwas ausgesetzten kurzen Teile des  Aufstieges wurden seilversichert und im unteren Anstieg liegt im Sommer bestenfalls Schnee oder Firn, der zwar ab und zu zum Einsinken neigt, aber gefahrlos begehbar ist. Im oberen Teil – der auch fast von Süden nach Nordwesten begangen wird, ist der Gschnitzer Tribulaun ein relativ flach und gleichmäßig steigend und mit interessanten Verwitterungsformen der dort vorkommenden plattigen Dolomite die letzten 200Hm den Restaufstieg ziert. Man hat dort allerhand selten sichtbare Platten und sonstige Figuren zu bestaunen.

Gschnitzer Tribulaun im Morgenlichte

Gschnitzer Tribulaun im Morgenlichte, der Pflerscher Tribulaun in Nebel gehüllt

Den Aufstieg muß ich heute nicht besonders beschreiben, der ist vielfach nachzulesen. Orographisch rechts vom Sandesbach, also vom Parkplatz aus über die Brücke und links vom Mühlendorf geht es los. Die Alternative wäre die Forststraße, jedoch eher nur zur Tribulaunhütte, nicht für die Gipfeltour.

Wasserfall beim Mühlendorf

Wasserfall beim Mühlendorf

Das Wetter war wieder einmal im Alaro Modell der ZAMG, eine der zuverlässigsten Vorbereitungsquellen, mit Niederschlägen ab 15 Uhr vorausberechnet, also startete ich am Parkplatz um 7:15 Uhr und erreichte um 8:30 die Tribulaunhütte. Ein kurzes Getränk und weiter ging es auf die beiden Gipfel zu, die sich bereits beim Abmarsch in Nebel hüllten.

Anstieg zur Tribulaunhütte

Anstieg zur Tribulaunhütte

Durch den Föhn verdichtete sich der Nebel vor allem um den Pflerscher Tribulaun noch weiter und ich sah der Gewissheit entgegen, diesen bizarren Berg, heute nicht von seinem Bruder aus ablichten zu können. Leider kam es so.

Steig nach der Tribulaunhütte

Steig nach der Tribulaunhütte, am oberen Teil des Riegels angekommen

Nach der Tribulaunhütte ist das Kar zuerst flach, begrünt, aus Kalken bestehend und dann bildet es – steil aufsteigend – einen Riegel gegen den oberen Teil des Tales um oben wieder flach zu werden. Oben sieht man die Restblöcke eines gewaltigen Felssturzes am Steig liegen und der größte Rutschblock ist noch auf der ca. 200Hm höher liegenden Rutschfuge geblieben. Eine Frage der Zeit bis dieser nachkommt.

Bergsturzblockwerk am Steig, mit Blick in die Sturzrichtung

Bergsturzblockwerk am Steig, mit Blick in die Sturzrichtung

Interessant ist die Wasserfassung von der aus die Tribulaunhütte gespeist wird. Sie liegt knapp neben dem Steig in das Schneetal auf die gleichnamige Scharte. Die dort gefaßten Wässer sind Porenwässer eines fossilen Blockgletschers im Schneetal.

das Schneetal hat seinen Namen nicht von ungefähr

das Schneetal hat seinen Namen nicht von ungefähr

Die Scharte zwischen Südtirol und Nordtirol wird ihrer Bezeichnung sehr gerecht, sie könnte minimalistischer nicht sein, auch verhüllte sie den Einblick in den Abstieg südseitig. Man kann jedoch annehmen, daß dieser – zumindest auf den letzten Höhenmetern – ein wesentlich mühsamerer sein muß, als der nordseitige.

Rckblick nach Norden von der Schneetalscharte

Rückblick nach Norden von der Schneetalscharte

Der nachfolgende Teil mit den Seilsicherungen ist von großer Brüchigkeit geprägt. Dieser Teil erstreckt sich über ca. 100Hm. Schlechter bis schlechtester Hauptdolomit (im Bergsteigersinne) durchaus bis zum wieder flacher werdenden oberen Teil.

rechts der Schneetalscharte geht es auf versichertem, brüchigem Steig weiter

rechts der Schneetalscharte geht es auf versichertem, brüchigem Steig weiter

Der Gipfel heute zumeist im Nebel, kurze Nebelauflockerungen durch den böigen Föhn nutzte ich für ein paar eilige Aufnahmen, die jedoch allesamt nur in Richtung Westen und vor allem nach Süden möglich waren.

der von plattigin Dolomiten geprägte flache Rücken des Gipfelplatteaus

der von plattigen Dolomiten geprägte flache Rücken des Gipfelplateaus

Leider konnte der Hauptzweck der Bergfahrt, die Erkundung des Pflerscher Tribulaunes mit Fernglas und Kamera nicht durchgeführt werden. Nach gut 10min verließ ich den unwirtlichen Gipfel.

unwirtlich heute am Gschnitzer Tribulaun

unwirtlich heute am Gschnitzer Tribulaun

Das Schneetal gereichte nun zur Freude, konnte ich doch mit den Bergschuhen relativ bequem, jedoch etwas ruppig in den kleinen Schmelzvertiefungen abfahren. Mit gekonnter Fussstellung funktionierte es im flacheren Teil dann so gut wie  früher und eine Hand konnte mit Kamera zur “GoPro” umgewandelt werden.

Nach einem gut ausreichenden, deftigen Mittagessen bei den Wirtinnen der Tribulaunhütte – und weil der Tag jung und das Wetter noch zu halten schien – beschloss ich noch eine Karrunde auszuführen und den Abstieg über den Steig zur Garklerin zu nehmen.

Blick zur Pflerscherr Scharte links und  zur Garklerin rechts

Diese Idee sollte sich als goldrichtig erweisen, auch wenn es just am Joche dort für 10min zu nieseln begann und der Abstieg dann etwas rutschig war, bis erneut Föhn einsetzte und die Vegetation vom Wasser befreite.

5m hohes Restschneefeld zwischen selbigem und Fels begangen

5m hohes Restschneefeld zwischen selbigem und Fels begangen

Bei dieser Runde muß man von der Hütte noch rd. 200Hm aufsteigen, dies jedoch im Verlauf der Runde recht aufgeteilt, sodaß  dies Vorhaben auch mit vollem Bauch gelingt, ohne den schnellen Schritt zu verlieren.

Abzweig zur Garklerin rechts

Abzweig zur Garklerin rechts

Der Teil des Steiges auf dem, der Hütte gegenüberliegenden Hang ist wieder einer aus dem Ötztal/Stubai-Kristallin gebildeten Geologie, daher muß man schon auch einiges Blockwerk überwinden und trainiert in schnellem Schritt das Gleichgewichtsvermögen.
Überhaupt wechselt auch diese Tour auf den Gschnitzer Tribulaun sehr häufig die Gesteinsarten. Wer hier aufmerksam die Eindrücke aufnimmt, spürt die Höhenmeter in den Wadln weniger.

Rückblick vom Joch zur Tribulaunhütte

Rückblick vom Joch zur Tribulaunhütte

Nach dem Joche am Fuße der Garklerin – sie muß, wegen des Nieselns noch auf ihre erste Begehung von mir warten – tut sich ein schönes, leicht nach Norden geneigtes Hochplateau auf, dessen Ausdehnung man während des Abschreitens staunend zu Kenntnis nimmt.

Hochplatteau

Hochplatteau

Später kommt man an die Westhänge der Garklerin heran und wechselt auf einen schmalen Nordwestausläufer mit prächtigem Bewuchs und einer nicht zu unterschätzenden Westflanke.

Abstieg von der Scharte bei der Garklerin

Abstieg von der Scharte bei der Garklerin

Den Abschluß dieses empfehlenswerten Steiges ins Tal bilden herrlich sprießende Almwiesen und im unteren Teil ein Urwald auf kristallinem Blockwerk der seinesgleichen in Schönheit und Urbelassenheit sucht. Einzigartig erscheint die Vegetation durch die der Steig führt; sie muß von dauerhafter Feuchtigkeit geprägt sein, angesichts des Moosbewuchses und der zahlreichen Farngewächse.

toller Absteig durch saftige hochalpine Wiesen

toller Abstieg durch saftige hochalpine Wiesen

Wenn der Begeher dort unten im Urwald – und das kommt mehrfach vor – auf einen umgestürzten Baum trifft, dann sieht er nicht nur jenen, sondern einen Krater an Geschehnissen im Einflußbereich der Wurzeln rundherum, die von echten Naturgewalten zeugen. Man schaue sich diesen Steig an!

herrlicher Blick zu innerer und äußerer Wetterspitze und rechts zur südlichen Rötenspitze

herrlicher Blick zu innerer und äußerer Wetterspitze und rechts zur südlichen Rötenspitze

Bei Regen dürfte der Steig jedoch sehr mühsam und rutschig sein. Er mündet unten in Tal bei der Wasserfassung links neben der Straße ein; dort ist auch der Wegweiser mit Bezeichnung “Garklerin Nr. 63″ zu finden.

Urwald im unteren Teil des Steiges

Urwald im unteren Teil des Steiges, hier eine gemäßigte Stelle

Für die gesamte Tour habe ich 7 1/4 Stunden gebraucht, man rechne jedoch mindestens 9 Stunden. Pausen halte ich relativ kurz, das Mittagessen dauert kaum mehr als 1/2 Stunde.
der gesamte Höhenunterschied beträgt rund 1.900m.

Mils, 02.07.2016

 

Kirchdachspitze, 2.840m von Neder

Der mächtigste und höchste der Gipfel im Serleskamm, die Kirchdachspitze, verfügt von Neder aus begangen, über einen sensationell schönen Zugang über den, knapp nach der Pinnisalm abzweigenden Steig mit – von dort gemessenen – fast 1.300Hm  Anstieg.

Kirchdachspitze, 2.840m

Kirchdachspitze, 2.840m

Der gesamte Höhenunterschied von Neder bis zum zentral gelegenen und aussichtsreichen Gipfel beträgt 1.840m, ein Klassiker der Touren im Serleskamm; bei rechtzeitigem Aufbruch von Neder, dank des westseitigen Hanges, schattig bis auf gut 2.600m (Ende Juni).

Das Massiv der Kirchdachspitze im Serleskamm

Das Massiv der Kirchdachspitze im Serleskamm

Dieser gewaltige Steig nennt sich Jubiläumssteig und ist ein gut gepflegter, teilweise versicherter Steig mit phänomenalen Kulissen zur Elfergruppe, zum gewaltigen Massiv des alles beherrschenden Habicht, in höherer Lage zu Wildem Freiger und Zuckerhütl und später, ab dem Joch gen Süden, zu den bizarren Türmen und Formen der Tribulaune.

links in den Latschen der Jubiläumssteig abzweigend

links in den Latschen der Jubiläumssteig abzweigend

Einige Minuten nach der Pinnisalm verrät ein Wegweiser den Abzweig zur mächtigen Schuttreise am Fuß des Kirchdachmassives. Den Pinnisbach je nach vorhergehender Wetterlage mehr oder weniger akrobatisch überquert, machen wir uns, Simon und der Autor, auf den Serpentinensteig in den latschenbewachsenen Schutthängen die ersten gut hundert Meter auf, bevor der Steig in recht festem festem Fels (Hauptdolomit) weiterführt.

Am Jubiläumssteig, Aufstiegsgelände unterer Teil

Am Jubiläumssteig, Aufstiegsgelände unterer Teil

Zwei unübersehbare Steilstufen aus festem Kalk überwindet man an ihrer Rechten immer dem ungefährlichen, teils versicherten Steig folgend.

die obere Steilstufe

die obere Steilstufe

Nach den beiden Steilstufen, einem nicht ganz verständlichem alten Wegweiser und einer der kuriosen – vom Winter gezeichneten – Rastbänke in hochalpinem Gelände im Stubai geht es etwas steiler weiter. zur Rechten (südlich) tut sich nun eine gewaltige Wand aus festem Kalk auf, die Ihresgleichen sucht, befindet man sich auf Normalsteigen für das Gesamtvolk geeignet.

gewaltige Wände zur Rechten ab dem mittleren Teil

gewaltige Wände zur Rechten ab dem mittleren Teil

Durch eine mäßig ausgeprägt Schlucht bleibt man getrennt von ihr immer noch – in einer, für den Karwendelgeher unüblichen Höhe von mehr als 2.000m – im Hauptdolomit mit seiner ausgeprägten Splitterigkeit.

Simons Blick schweift von Ilmspitze bis Elfer

Simons Blick schweift von Ilmspitze bis Elfer

Weiter oben, ab etwa 2.500m kommt man in die Gipfelzone der Kirchdachspitze und interessante jünger aufgeschobene Gesteinsarten kommen – wie auch auf der Hammerspitze – zu Tage.

kleiner Gratausläufer mit Rastbank im oberen Teil des Jubiläumssteiges

kleiner Gratausläufer mit Rastbank im oberen Teil des Jubiläumssteiges

Es handelt sich um Glimmerkalke und Quarzphyllite, die in einer ungeheuer homogenen Mischung aus den Nordabbrüchen der Kirchdachspitze den weichen, teils lettigen Anstieg vom letzten Nordausläufer bis auf den Silbersattel bilden (verantwortlich für den Letten ist der Quarzphyllit). In diesem Nordhang lag dieser Tage noch eine dünne Schneedecke und am Sattel eine gegen Ende Juni doch noch mächtige Restwächte (auf rd. 2.750m) und diese Partie von etwa 150Hm erfolgte großteils über die Restschneefelder.

noch ca. 150Hm bis zum Silbergrat auf 2.750m

noch ca. 150Hm bis zum Silbergrat auf 2.750m

Am Weg dorthin kann man eine Abbruchstelle ausmachen, die möglicherweise Namensgebend für die Kirchdachspitze sein mag. Sie ist gleichsam ein Schnitt durch eine Kirche und vermittelt durch Form und den gut erkennbaren bzw. vorstellbaren “Inneneinrichtungen” den Eindruck eines Altares. Welche Bewandtnis diese Formation auch immer haben möge, sie ist sehr symbolhaft.

das Felsenbild im Gipfelaufbau, Namensgeber der Kirchdachspitze?

das Felsenbild im Gipfelaufbau, Namensgeber der Kirchdachspitze?

Vom Sattel aus hat man, aus dem Pinnistal kommend, erstmalig Sicht gen Süden. Diese mag der Bergsteiger als Einschätzungskriterium für die weitere Tourenplanung nicht vergessen, denn relativ häufig kommen heftige Wetter von dort auf den Serleskamm hergezogen.

Simon in den Restschneefeldern (sie sind leichter zu nehmen als der weiche lettige Quarzphyllit

Simon in den Restschneefeldern (sie sind leichter zu nehmen als der weiche lettige Quarzphyllit

Der restliche Aufstieg zum Gipfel erfolgt zuerst östlich des nicht besonders ausgeprägten Grates, weiter oben weit östlich davon und die letzten Meter wieder recht nahe am Grat.

Am Silbergrat auf 2.750m

Am Silbersattel auf 2.750m

Dort in blockigem festen Gipfelgestein, im Kristallin und Glimmerkalken im unteren Teil dagegen in gebrächem Quarzphyllit. Kleine Restschneefelder auf glatten Platten zwangen uns zu kleinen Umwegen, der Aufstieg wird jedoch in wenigen Tagen frei von jeglichen Schneefeldern sein. Ab Neder gemessen erreichten wir den Gipfel in 3 1/2 Stunden.

Restschneefelder am Gipfelaufbau

Restschneefelder am Gipfelaufbau

Das eindrucksvolle Holzkreuz mit schmiedeeisernen Beschlägen trägt eine kleine Gipfebuchschachtel und obwohl wir in 2016 die ersten Begeher waren und offenbar der Deckel der Schachtel den Winter über offen geblieben ist, war das Buch in tadellos trockenem Zustand. Grund dafür war die Aufbewahrung in einem alten wasserdichten Trinkbeutel. Das Schloß des Deckels haben wir etwas nachgebogen, um den windsicheren Verschluß wieder zu gewährleisten.

Simon am Gipfel der Hammerspitze, 2.840m

Simon am Gipfel der Kichdachspitze, 2.840m

Eines meiner Ziele am Gipfel war auch den Gratverlauf von der Kirchdachspitze zur Ilmspitze zu erkunden, jedoch hätte ich müssen einige Zeit zur Erkundung im sichtbar mächtig steilen Abstieg zubringen. Also dienen vorerst nur ein paar Fotos zur weiteren Erforschung und die Frage muß an einen Kenner der Situation gestellt werden. Genial wäre die Überschreitung von der Innsbrucker Hütte her über die Ilmspitze allemal.

Gratverlauf zur Ilmspitze; ist er ohne Schlosserei und Seiltechnik machbar?

Gratverlauf zur Ilmspitze; ist er ohne Schlosserei und Seiltechnik machbar?

Den Abstieg zum Padasterjochhaus nahmen wir in knapp 1 1/4 Stunden. Auf dem Weg dorthin sichten wir in der Einschartung zwischen Kirchdachspitze und Hammerspitze auf 2.400m einen jungen und einen alten Steinbock die sich selbstsicher bewegen und deren Auftritt ich dem Leser nicht vorenthalten möchte:

Der Steig kreuzt weiters eine alte Schäferhütte, die leider dermaßen verfallen ist, daß man darin kaum vor einem Gewitter sicher ist. Ein Unterstand im Notfall jedoch allemal.

Schäferhütte

Schäferhütte

Nach einer schmackhaften und augengerecht angerichteten Knödelsuppe vom Wirt des Padasterjochhauses selber setzten wir unsere Tour über den Grat, der die Wasenwandspitze, 2.563m mit dem Foppmandl verbindet und über das Auf und Ab am Grat über den Roten Kopf bis zum Sattel unterhalb der Kesselspitze fort. Man unterschätze diese zusätzlichen ca. 400Hm nicht, wenn man vom Padasterjochhaus aufbricht.

Padasterjochhaus im Kessel, dahinter Grat zwischen Wasenwand und Foppmandl

Padasterjochhaus im Kessel, dahinter Grat zwischen Wasenwand und Foppmandl und ganz dahinter das langgezogene Massiv der  Kesselspitze

Die deutlich kürzere Alternative für den Abstieg wäre hier der etwas südwestlich vom Padasterjochhaus abzweigende Aufstieg zur Hammerscharte (auf 2.528m, also nur 300Hm ab dem Padasterjochhaus), die über den Rohrauersteig zurück in das Pinnistal zur Issenangeralm führt. Ein Detailbericht über den Aufstieg über den Rohrauersteig findet sich hier unter dem Beitrag Hammerspitze.

Steig zur Hammerscharte etwas vor dem Padasterjochhaus

Steig zur Hammerscharte etwas vor dem Padasterjochhaus

Die Wasenwandspitze haben wir noch mitgemacht, das Foppmandl verschmähten wir ob der flachen zeitraubenden Partie am Grat.

Wasenwandspitze, 2.563m

Wasenwandspitze, 2.563m

Den Abstieg vom Joch unterhalb der Kesselspitze bildet ein sehr schöner Gratabstieg, der hier unter Kesselspitze beschrieben ist.

weiterer Steig zum Abstieg; er befindet sich dort wo die Restschneefelder zu erkennen sind

weiterer Steig zum Abstieg; er befindet sich am Grat dort wo die Restschneefelder zu erkennen sind

Rund 200Hm vor der unteren Waldgrenze in Kampl und oberhalb der Häuser kann man auf einem Forstweg in leichtem Anstieg den Rückweg nach Neder nehmen. Wir haben diesen genommen und erreichten über den letzten Teil des Besinnungsweges den Talausgang wieder.

Rückblick auf die Tour, ganz hinten majestätisch die Kirchdachspitze

Rückblick auf die Tour, ganz hinten majestätisch die Kirchdachspitze und rechts der Habicht

Unsere Tour erstreckte sich über ziemlich genau 20km und gesamten 2.370Hm. Die Gesamtzeit betrug incl. aller Pausen 8 3/4 Stunden (keine Richtzeit für Normalgeher!).

Rückblick am Ende des Forstweges, bei der Einmündung in den Besinnungsweg

Rückblick am Ende des Forstweges, bei der Einmündung in den Besinnungsweg

Nimmt man die kürzere Variante (ab dem Padasterjochhaus über die Hammerscharte so kürzt man rund 5km und einige Höhenmeter ab.
Für den Aufstieg zur Kirchdachspitze von Neder rechne man mit 4-5 Stunden, je nach Vermögen. Man unterschätze den Abstieg ins Pinnistal nicht, will man im Padasterjochhaus einkehren.

Die kürzeste Alternative wäre der Abstieg vom tiefsten Punkt zwischen Kirchdachspitze und Hammerspitze über den Steig links (westlich) der Hammerspitze und den Rohrauersteig. Auch hier muß man aber wieder ca. 100Hm aufsteigen, um die Hammerspitze links umgehen zu können.

Mils, 25.06.2016

 

 

Hammerspitze, 2.634m von Neder

Eine detaillierte Beschreibung über den Aufstieg auf die Hammerspitze von Neder im Stubai ist im Internet kaum zu finden. Meist beginnen die Touren bei der Pinnisalm und führen über die Kirchdachspitze sowie über das Padasterjochhaus und im Abstieg nach Neder erst zum Gipfel.

Hammerspitze, 2.634m

Hammerspitze, 2.634m

Der Steig den man für den direkten Aufstieg von Neder nimmt wird Rohrauersteig genannt und beginnt knapp unterhalb der Issenangeralm.
Diesen abwechslungsreichen, schönen Steig habe ich heute genommen, als ich um 7:45 Uhr den großen Parkplatz in Neder verlassen und über die Schotterstraße ins Pinnistal angestiegen bin. Der Plan war, nach der Hammerspitze über die Kirchdachspitze und den Jubiläumssteig wieder ins Tal abzusteigen. Wir werden später sehen, daß die Planung, die Runde in dieser Richtung auszuführen, für die herrschenden Wetterverhältnisse richtig war. Und eigentlich sollte die Hammerspitze nur willkommenes “Gipfelbeiwerk” sein.

Blick in Richtung Hammerspitze gegen 8 Uhr

Blick in Richtung Hammerspitze gegen 8 Uhr

Die Schotterstraße zieht sich mit nicht unbedeutender Steigung bis zur Herzebenalm (oder Herzeben Gasthaus, darauf legt man offenbar Wert) hinauf und wird dann bis zur Issenangeralm flacher, nach jener sehr flach. Die Steigung wäre mir mit Alpinausrüstung und Radl schon zu steil zum treten.

bereits am Rohrauersteig im untersten Teil

bereits am Rohrauersteig im untersten Teil

Kurz vor der Kuppe zur Issenangeralm zweigt links in den Wald der Steig ab. Zuerst ist seine Richtungsführung etwas verwirrend – das ist dem Almbetrieb mit Weidevieh geschuldet – aber ausreichend markiert. Nach der Querung einer Almwiese mit Galtvieh beginnt der eigentliche Steig in den Latschen, Schilder genug zum Orientieren.

Kirchdachspitze fast nebelfrei juhu!

Kirchdachspitze fast nebelfrei juhu!

Der Steig mäandert sich zuerst in weitem, später (ab ca. 1.500m) in engerem Zickzack zu einem Ausläuferkamm empor,  der den Bergsteiger in eine tolle Karlandschaft bringt.

verschütteter Teil des Rohrauersteiges (später bereits mit Sanierung begonnen); unten die rostbraunen Latschen sind die Fortsetzung

verschütteter Teil des Rohrauersteiges (später bereits mit Sanierung begonnen); unten die rostbraunen Latschen sind die Fortsetzung

Im unteren Teil, nach ca. 10min Gehzeit in den Latschen wurde der Verlauf des Steiges von einer ansehnlichen Mure verschüttet und war nicht mehr auffindbar. Diese Aktion hat mich 10min des Suchens gekostet, die Strecke auf die der Steig nicht mehr sichtbar war sah ich im Abstieg, es sind ca. 15-30Hm.
Es sei an dieser Stelle vorweggenommen, daß bei meinem Abstieg bereits fleißig an der Wiederherstellung des Steiges gearbeitet wurde. Ein junger Kollege, Wegmacher der AV-Sektion Stubai, arbeitete emsig an einer neuen Variante im noch relativ jungen, wenig verfestigten seitlichen Schuttausläufer der Mure an einer neuen, dauerhaften Variante. Ein schwieriges Unterfangen, denn in diesem Schuttausläufer gibt es so gut wie keine großen Brocken die zur Markierungsstelle herangezogen werden könnten. Möglicherweise müssen die Latschen diese Fixpunkte bilden, er überlegt das noch, wie er mich später nach unser aller Flucht vor einem Platzregen in die Issenangeralm wissen ließ.
Es ist mir ein Anliegen hier zu erwähnen, daß ich die Arbeit dieser freiwilligen Funktionäre beim Alpenverein hoch schätze und darüberhinaus speziell, daß es junge Leute sind, die den Idealismus aufbringen, für die Erhaltung der alpinen Infrastruktur ihre Freizeit zu opfern, bravo!

Issenangeralm

Issenangeralm

Nach dem Ende der Strecke durch die Latschen betritt man den Kamm auf dem der Steig meist in direkter Richtung der Kammneigung folgt. Der Aufstieg erfolgt wie bei vielen solcher Steige im Serleskamm auf ungemein brüchigem Hauptdolomit der bizarre Formen hervorbringt und dessen Wasserrinnen in den Flanken meist aus purem Sand bestehen.

Wasserrinne in schlechtem Hauptdolomit, sandige Seitenflanken

Wasserrinne in schlechtem Hauptdolomit, sandige Seitenflanken

So kommt nachdem der Kammausläufer sein Ende findet und an das Massiv anbindet eine Stelle mit einem kaum zu erhaltendem Steig, besteht diese Wasserrinne doch nur aus Sand zu beiden Seiten. Die Verseilung benötigt man eigentlich nicht zum Auf/Abstieg, man kann nirgendwo gefährlich weit abrutschen, jedoch muß man sich nach Regenfällen sicher seinen Weg suchen und etwas erfahren sein, um hier nicht zaubern zu müssen.

der obere Teil davon

der obere Teil davon

Anschließend tut sich ein bizarrer Kessel aus dem schlechtesten Hauptdolomit auf, den ich auf der gesamten Tour gesehen habe. Der Aufstieg erfolgt links (westlich) davon und enthält ein paar anregenden Passagen zwischen den Felsen. In oberen Teil muß man den Kessel queren. Der Steig ist dort ausreichend verseilt und man muß es teilweise auch benutzen, will man nicht im Schutt abrutschen. Ein Felsbrocken blockiert das vorletzte Seil am oberen Ausstieg, die Passage kann man aber ungefährlich überklettern.

Rückblick auf den Steig im oberen Teil des Schuttkessels

Rückblick auf den Steig im oberen Teil des Schuttkessels

Kurz nach dieser keineswegs unangenehmen und abwechslungsreichen Passage tut sich ein Karboden auf, aufgrund seiner Topographie und des Bewuchses eine Augenweide. Begrenzt im Osten von festen, mindestens 200m hohen senkrechten gelben Kalkfelswänden, im Osten, einer Galapagosechse gleich, einem wild zerklüfteten Restgrat aus bröckelndem Glimmerschiefer, wie er sich im oberen Karteil, kurz vor dem Sattel zum Grat zuhauf findet. Welch Aufeinandertreffen von Gestein, welch einzigartige Landschaft.

ein schöner Karkessel tut sich auf

ein schöner Karkessel tut sich auf

Spätestens hier oben verstummt auch das noch letzte, vom Tale und den Fortstätigkeiten am Gegenhang des Elfermassives heraufziehende Geräusch und man befindet sich auf einer stillen Hochgebirgslandschaft, gleichsam einer Arena, die Hammerspitze als hoch aufragende südliche Begrenzung tragend.

der obere Teil davon

der obere Teil davon

Wie es immer so ist mit Karen glaubt man unten, daß man ruck zuck an der oberen Begrenzung, und daß die Steigung ja nicht so schlimm sei und wird – wie immer – eines besseren belehrt. Der Eintritt unten liegt ca. auf 2.200m und der Sattel mit dem Wegweiser am Ende auf 2.460m.

Hammerspitze

Hammerspitze

Am Wegweiser angelangt mußte ich bereits sehr fortgeschrittene Ausdehnung des Nebels und einen total bedeckten Himmel feststellen. Die Wolkenfarbe eher sehr dunkelgrau als hell.
Die Annahme, daß die Hammerspitze rasch bestiegen sei stimmte auch nicht, der Übergang zur Hammerscharte war ist noch nicht schneefrei und abgebrochener Fels hat den Steig auch einige Male für ein kurzes Stück verlegt.

zuerst links zur Hammerspitze war der Plan...

zuerst links zur Hammerspitze war der Plan…

Der Gipfel der Hammerspitze ist vom Südosten aus betrachtet genau entgegengesetzt so spektakulär wie vom Nordwesten, nämlich ein Wiesenrücken. Daher eignet er sich wohl gut für Schitouren und er wurde von mir auch gleich hierzu ins Gedächtnis genommen.

Hammerspitze vom Grat aus

Hammerspitze vom Grat aus

Ein massives Gipfelkreuz der Bergrettung Steinach mit einer tollen Schachtel, die offenbar sehr trockene Verhältnisse schafft, eine Konstruktion wie sie so mancher Gipfel im Karwendel bräuchte. Kein feuchtes Buch, kein Schimmel, obwohl des Winters dort belassen.
Mit winziger, mäuseartiger Schrift haben zwei – wahrscheinlich junge Mädchen – Erstbesteigerinnen die Saison 2016 eröffnet, ich weiß aber, daß ein Bergkollege bereits mit dem Gleitschirm hinuntergeflogen ist, sich aber nicht eingetragen hat. Also könnte es sein, daß ich wirklich erst der dritte Besucher auf der Hammerspitze in dieser so nassen Saison bin.

Abstieg von der Hammerspitze

Abstieg von der Hammerspitze

Zum Zwecke der Nachforschung, ob man denn am Grat weiter den Umweg über die Scharte mit dem Wegweiser umgehen könnte wanderte ich am Grat weiter zu einem Steinmandl und konnte von dort aus erahnen, daß das möglich sein mußte, wenn man auf den etwas tiefer gelegenen Steig zur Kirchdachspitze wollte. Wegen des Nebels kehrte ich jedoch zum Gipfel zurück und nahm den Weg des Aufstieges.

Padasterjochhaus

Padasterjochhaus

Dort graupelte es auch schon und vermießte mir die Stimmung, denn nach dem von mir wegen seiner hohen Zuverlässigkeit immer genutzten ZAMG Alaro Wetter-Simulationssystems sollte erst mit ca. 15 Uhr mit Regen zu rechnen sein. Kurz und gut, als ich wieder beim Wegweiser war bescherte ich mir ein hin und her an Sichtweisen wie es sich entwickeln würde/könnte und abschließend beschloss ich nach 15min vergeudeter Zeit, zumindest bis zur Scharte zwischen Hammerspitze und Kirchdachspitze zu gehen, um mehr vom Jubiläumssteig zu sehen. Auf den letzten hundert Metern dorthin zog von Südost und auch vom Habicht her eine dermaßen dichte Nebelsuppe, sodaß ich endgültig beschloß das Vorhaben der Kirchdachspitze abzubrechen. Sie muß, so der Vorsatz, nächste Woche über den Aufstieg Jubiläumssteig begangen werden. Daß die Entscheidung gut war merkte ich auch in den vereinzelten Tropfen, die der Nebel mit sich brachte.

Am Steig zur Scharte zwischen Hammerspitze und Kichdachspitze

Am Steig zur Scharte zwischen Hammerspitze und Kirchdachspitze

Also eiligen Schrittes zurück zum Wegweiser und hinab in den Karkessel gehastet. Dort traf ich zwei Kollegen, die über die Hammerscharte von Trins und über das Padasterjochhaus her kamen und ihre Geschwindigkeit im Abstieg dadurch einbüßten, daß sie ca. 20min nach mir total durchnäßt in der Issenangeralm ankamen.

am Abstieg, Kirchdachspitze völlig im Nebel

am Abstieg, Kirchdachspitze völlig im Nebel

Exakt bei meinem eintreffen bei der Alm begann es aus Kübeln zu schütten. Der Kollege Wegmacher hat es gerade noch geschafft die Flucht zu ergreifen und traf kaum 5min nach mir ein.

Issenangeralm

Issenangeralm

Nach einer perfekten Knödelsuppe und einer guten halben Stunde Regen zeigte das – im Juni 2016 immer noch herrschende – “Aprilwetter” wieder blauen Himmel. Es ist schlimm heuer.

nach einer halben Stunde Regen

nach einer halben Stunde Regen

Hinaus aus dem Tal und der blaue Himmel ist schon wieder kleiner geworden. Trotzdem war es eine schöne, sehenswerte Tour.

Wolken von Neuem...

Wolken von Neuem…

Für den Aufstieg habe ich knapp 3 Stunden benötigt, die Markierungen sprechen von 4 Stunden. Gesamte Aufstiegshöhe: 1.650m, gesamter Zeitbedarf mit Regenpause in der Alm, ab/bis Parkplatz: Neder 7 Stunden

Mils, 18.06.2016

 

 

 

 

 

 

 

Kesselspitze, 2.728m von Kampl

Im mittleren Teil des Serleskammes gelegen erhebt sich die Kesselspitze – vom Elferlift im Stubaital aus gesehen – als eine bemerkenswerte, abgerundete Erhebung im Kamm. Dabei sieht man von dort nur den Vorgipfel, der Hauptgipfel, oder besser beide höchsten Erhebungen befinden sich südöstlich dahinter und der östlichere der beiden trägt das Gipfelkreuz.

Kesselspitze, 2.728m

In ungewohnt tiefrotem Kalk (Kalke des unteren Jura – Adneter Schichten) steigt man die letzten Meter vom Vorgipfel – ich habe heute den direkten Übergang über den wenig ausgebildeten Grat genommen – zum Gipfelkreuz auf.
Wie der Gipfel so ist die gesamte Aufstiegsroute von Kampl über die Kesselmahd eine geologische Zeitreise über Jahrmillionen und selbst der geologisch unerfahrene Bergsteiger wird die Eindrücke der gewaltigen Sprünge von Gesteinsarten und -formen, Schichtungen, Korngrößen und Farben in dem vielfältigen Überlagerungsgebiet des Serleskammes gerne wieder mit ins Tal nehmen.

tiefe Schluchten trennen den Ausläufer auf dem der Aufstieg erfolgt vom Serleshauptkamm

tiefe Schluchten trennen den Ausläufer auf dem der Aufstieg erfolgt vom Serleshauptkamm

Im Anstieg bereits, hat man zur Linken gewaltige Felsausläufer aus Kalk mit senkrechten Abbrüchen von mehreren Hundert Metern und das Haupt ihrer kühnsten Türme zieren Latschen in verwegenen Formen. Eine verwegene Landschaft, die den Aufstieg über den zermürbend steilen Waldrücken gut erträglich macht, läßt man das Auge und die Sinne bestimmen und stellt das Training in den Hintergrund.

ab hier wird es eindrucksvoll

ab hier wird es eindrucksvoll

Von einem erfreulich nicht kommunal regulierten Parkplatz, oder besser längeren Parkstreifen, geht es von Kampl aus los. Gleich hinter der OMV Tankstelle führt die Straße – man respektiere das Geschwindigkeitslimit zum Wohle der Kinder der Anrainer – bis zum Fahrverbot und im oberen Teil kann man längs der linken Seite parken, ohne eine Regelung per Tafel anzutreffen.

Nach dem Ende der Asphaltstraße nimmt man – gut beschildert – den Aufstieg im Wald, der gleich richtig zur Sache geht. Rund 400Hm geht es durch den Fichtenwald bis zu einer ersten Rastbank neben einer Wasserfassung. Dieser Steig enthält erstaunlich viele Bänke und die letzte trifft man weit über 2.000m in bereits sehr alpinem Gelände an.

Abzweig, rechts geht es weiter

Abzweig, rechts geht es weiter

Der Aufstieg auf die Kesselspitze zweigt wenige Minuten nach besagter erster Bank rechts ab, links bzw. geradeaus geht es auf kühnem Steig zum Gasthaus Wildeben weiter. Der Verlauf des Steiges führt weiter an einer Doline (Karstvertiefung im Boden) vorbei zu einem Aussichtspunkt mit Bank an der man frei nach Goethe ohne weiteres den Augenblick einige Minuten verweilen lassen sollte. Am Kamm des Wald- und später Zunternrücken macht es Spaß dem recht steilen Steig zu folgen, zu sehen gibt es rundherum genug und die knorrigen Gesellen von exponierten Lärchen erscheinen in schier abenteuerlichen Ausbildungen.

ist dieser Blick nicht traumhaft?

ist dieser Blick nicht traumhaft?

Schärfer, und damit zum leichten Grat wird der üppig bewachsene Rücken dann einige Minuten Gehzeit ab dem markanten Kopf, oder flacherer Stelle, in der AV-Karte mit der Höhenangabe 2.043m. Ab dort besteht der Bewuchs nur mehr ausschließlich aus Zuntern und der Kamm nimmt zusehends mehr die Form des Grates ein. Allerdings ist der Grat auch in den wenigen Metern auf denen man trittsicher unterwegs sein sollte immer breit genug.

nicht schlecht oder?

nicht schlecht oder?

Am Grat endet irgendwann die Vegetation in einer gewissen Übereinstimmung von wenigen Dutzend Höhenmetern auch mit der Geologie. Vom Hauptdolomit tritt man in eine völlig andere Welt ein, für mich vollzieht sich der Wechsel in den Tonschiefer. Auch Höhe und Hangneigung dürften hierzu den Ausschlag geben. Die letzte Rastbank trotzt den Jahreszeiten, wir befinden uns auf rund 2.150m.

ein weiteres kleines Gratstück zur Vorsicht

ein weiteres kleines Gratstück zur Vorsicht

Die letzten kleinkörnigen Kalkschutthänge, die man so gut vom Serleskamm kennt – siehe auch Bilder der Tour auf den Sonnenstein – ziehen von der Verbindung des Kammes, der den Bergsteiger die letzten zwei Stunden beschäftigt hat herunter. Oberhalb finden sich vorwiegend wild zerborstene Tonschieferbänke, leicht gemischt mit Kalken bis zum Joch auf rund 2.580m, bevor sich im Anstieg zum Gipfelaufbau der Fels wieder zum Kalkstein ändert.

der Gipfelaufbau und die Aufstiegsroute nun im Wechsel zum Tonschiefer

der Gipfelaufbau und die Aufstiegsroute nun im Wechsel zum Tonschiefer

Der Aufstieg in dieser Flanke (obere Teil der Kesselmahd) erfolgte am heutigen Vatertag nach den vielen Regentagen in einer teilweise lettigen Erd-Gesteinsmasse, die zähplastisch nachgab. Zudem sind noch zwei wenig mächtige Schneefelder zu durchqueren, bzw. zu umgehen, wenn man keine Überraschungen erleben will und die Umgehung erfolgt im lettigen Schuttgelände.

die beiden Schneefelder knapp unterhalb des Joches

die beiden Schneefelder knapp unterhalb des Joches

Im Abstieg habe ich die Schneefelder genommen, jedoch häufig auf die ungute Vereisung des Firns getreten, die man häufig rund um die herausstehenden Felspartien antrifft.
Die Hangneigung trägt dazu bei, daß man einiges “Zehenspitzengefühl” mitbringen muß, um sicher zu steigen. In zwei bis drei Wochen ist dieser lästige Teil Geschichte.

das Joch erreicht

das Joch erreicht

Ab dem Joch (es ist der Übergang zum weiteren Grat zum Padasterjochhaus und zur Kirchdachspitze) wendet sich der Aufstieg wieder in genussvollere Abschnitte und die letzen paar Dutzend Höhenmeter auf den Vorgipfel neben/unter den mächtigen, tropfenden Kalkmauern machen wieder mehr Spaß.

Gipfelaufbau von Westen

Gipfelaufbau von Westen

Sie will in Serpentinen erobert werden, dachte ich als ich die Richtungsänderungen im letzten Teil mitmachte. Vor hier muß es grandiose Blicke ins Stubai geben kam mir in den Sinn, als ich in den leeren Nebel starrte.

Vorgipfel

Vorgipfel

Der obere Teil bis zum Vorgipfel ist nahezu schneefrei und ab diesem durchschreitet man noch ein letztes Feld am sanften Sattel zu den keck und schroff aus dem Grat herausragenden beiden Gipfeltürme der Kesselspitze.
Ich habe sie am Grat genommen, trotzdem als ich sah, daß zwischen beiden ein tieferer Abstieg nötig ist. Habe diesen durch Umgehung auf der Südseite liegen gelassen.

ein letzter sanfter Sattel

ein letzter sanfter Sattel

Ein schlichtes verzinktes Gipfelkreuz empfängt mich nach nicht ganz drei Stunden des Aufstieges. Wieder einmal Disput um Gipfelhöhen, dachte ich als ich die “2.733m” mit roter Farbe auf roten Fels geschrieben las.

Touristen am Gipfelkreuz

Touristen am Gipfelkreuz

Da die Nebel aus Richtung Habicht enorm stärker zu werden schienen, trat ich gleich nach einem wenig erfolggekrönten Rundblick auf die Gipfel im Kamm und auf die weiteren gewaltigen Stubaier Gipfel in Richtung Süden, dem GB-Eintrag, einer Gedenkminute für alle Väter, die ihren letzten Aufstieg bereits genommen haben und der Erkundung des Normalweges wieder den Rückzug an.

Auf Wiedersehen Kesselspitze!

Auf Wiedersehen Kesselspitze!

Wie immer passiert es mir, daß das Wetter am Abstieg besser wird, als am Aufstieg. Und heute hat es mich am Aufstieg ganz schön getrieben. Also ergeben sich noch eindrucksvolle Stimmungen, die, mit der Kamera versucht einzufangen, nicht einen Bruchteil der natürlichen Wirkung wiedergeben.

Die Kalkkögel aus dem Unterstand

Die Kalkkögel aus dem Unterstand

Am Abstieg bedurfte ich dann am selben Wegabschnitt zum zweiten Mal für 15min der Regenhaut, eine Zelle über Neustift in Richtung Fulpmes hat mich erwischt.
Nach dem gelungenen Bergerlebnis konnte mir das aber so gut wie gar keine Schimpfwörter entlocken.

der Habicht läßt einen Blick zu, tief unten das schöne Pinnistal

der Habicht läßt einen Blick zu, tief unten das schöne Pinnistal

Hier noch ein Blick auf den langen Gratteil, da sind auch ein paar Meter etwas ausgesetzterer Stellen dabei.

eindrucksvoller Grat

eindrucksvoller Grat

Gesamt sind recht genau 1.700Hm zu meistern. Die Aufstiegszeit wird mit 4 Stunden angegeben. Man sollte des Sommers zeitig unterwegs sein, denn gut 1.000Hm vollziehen sich im sonnenbeschienen Wald bzw. Unterholz. Bei Schlechtwetter oder Gewitter werden die letzten 150Hm zum Joch sehr rutschig sein.
Wunderschöner Wald ab 1.400m und eine tolle Tour für jeden, der etwas “zahniges” im Aufstieg auf wenig Streckenlänge sucht.

Mils, Vatertag 12.06.2016

Trattenspitze – Erkundung der Schneelage

Die Trattenspitze, 2.565m, ein lohnendes Frühjahrsziel mit mittlerer Höhe und daher meist schon im Mai begehbar. Allerdings liegt an den wichtigen Stellen heuer noch mehr Schnee als ich erwartet habe und empfehlenswert  – zur sicheren Begehung –  dürfte sie erst in zwei Wochen sein. Eine genaue Beschreibung mit Höhen- und Zeitangaben gibt es bei mir hier.

Trattenspitze 22.05.2016

Trattenspitze 22.05.2016

Vom Anstieg zum Hundskopf aus hat der Grat heute weitgehend eher schneefrei ausgesehen. Ein Trugschluß, wie so oft bei Eindrücken vom Tale aus.

die Tratten (Grat rechts) und die Trattenspitze

die Tratten (Grat rechts) und die Trattenspitze

Die nördliche Route um den Hundskopf herum ist ab der Abzweigung noch voller Schnee und die ersten Steilpartien des Weges wollte ich nicht erstbegehen, zu viel Schnee mit zu großer Hangneigung und keine Sicherungsmittel. Also ging es zweimal über den Hundskopf drüber.

die Tratten vom Hundskopf aus; gleich in der ersten Verschneidung am Weg zur Trattenspitze noch ein mächtiges Schneefeld (Bildvordergrund)

die Tratten vom Hundskopf aus; gleich in der ersten Verschneidung am Weg zur Trattenspitze noch ein mächtiges Schneefeld

In der Rinne ist das Seil schon frei, aber man bedarf es nicht, es geht bequem mit Stufen schlagen durch die Rinne. Das Schneefeld im oberen Teil meidet man indem man seiner rechten Begrenzung folgt und oben zum Normalweg quert.

nach 30min nach der Mannl- und Weibele Scharte kommt man in den Gratbereich mit teils noch kräftigen, meterhohen Wächten

nach 30min nach der Mannl- und Weibele Scharte kommt man in den Gratbereich mit teils noch kräftigen, meterhohen Wächten

Ab hier geht ohne Gamaschen nichts mehr, will man trockenen Fußes weiterkommen. Der Schnee ist um die Mittagszeit ein Sulz in dem man mindestens 40cm einsinkt.

die mächtigste Wächte am Grat

die mächtigste Wächte am Grat

Die Stellen die Fels vom Schnee umgrenzt werden sind tückisch. Sind sie nicht steil sondern eher flach hat sich im Schmelz- und Gefrierbereich rund um den Fels herum Eis gebildet, das man nicht erwartet und das auch rutschig ist. Man sieht es nicht, es liegt unter der Schneedecke.

Highlight am Grat; Wächten mit schmalem Band zum passieren

Highlight am Grat; Wächten mit schmalem Band zum passieren

Kurz vor dem kleinen Sattel zwischen Bockkarlturm und Trattenspitze erwartete mich das Highlight der Tour. Ein Fassadensims Fels gebildet aus dem Fels am Grat und einer noch mächtigen Wächte, die den größeren Teil des Grates für sich beanspruchte zwang mich an die Kante der abfallenden Südseite und lies mir kaum noch Körperbreite zum Aufstieg. Bei queren bergauf bekam ich somit von herabrinnendem Schmelzwasser die rechts Seite abgeduscht und beim Rückzug die linke Seite.

weiterer Gratverlauf

weiterer Gratverlauf

Abschließend zum kleinen Sattel bildeten einige kleine Klettereien am aperen Fels eine willkommene Abwechslung die Bergschuhe aus dem Sulz zu bringen. Der letzte Übergang mit einem atemberaubenden Gratstück von ca. 10m Länge und zu beiden Seiten Schluchten, die man nicht gerne befahren möchte.

letzes Gratstück vor dem Sattel

letzes Gratstück vor dem Sattel

Der letze Aufstieg von ca. 50Hm ab dem Sattel schien mir zuerst als noch recht gefährlich ob der Schneelage. Nach detailliertem Studium der Route machte ich mich auf und stieg über die nicht ungefährliche Wächte im Sattel in den Gipfelaufbau ein.

Gipfelaufbau Trattenspitze 22.05. 2016

Gipfelaufbau Trattenspitze 22.05. 2016

Die einzigen Werkzeuge waren meine einteleskopierten Stöcke und diese erwiesen sich als wenig hilfreich im weichen Sulz. Doch die Strecke bis zu den ersten aperen Felsen war kurz und der Rest bis auf den Gipfel konnte in leichter Felskletterei – ohne in die drohende abfallende Nordwand einsteigen zu müssen – in Routinearbeit erledigt werden.

Trattenspitze am 22.05.2016

Trattenspitze am 22.05.2016

Das Gipfelkreuz ist gut 2m tief mit Schnee umgeben und die Gipfelbuchschachtel war noch nicht freigeschmolzen. Dadurch habe ich es leider ziemlich ganz durchnässt vorgefunden, es zeigte Schimmel und ich habe es aus dem Plastiksack befreit sowie es nicht wieder darin verstaut. Die GB-Schachtel habe ich vom Schnee freigelegt und es bleibt zu hoffen, daß das Buch mit der Temperatur und dem Wind trocknet und die Schachtel heuer nicht mehr unter einer Schneedecke liegen wird.

in Mitleidenschaft gezogenes Gipfelbuch der Trattenspitze

in Mitleidenschaft gezogenes Gipfelbuch der Trattenspitze

Zur rechten (westlich) zeigt der Grat noch eindrucksvolle Barrieren aus Schneewächten, die Fürleg-Runde muß somit noch mindestens eineinhalb Monate warten.

Blick zur Walderkampspitze

Blick zur Walderkampspitze

Der Blick von oben wie immer gewaltig in alle Richtungen. Am Aufstieg sieht man die noch unter viel Schnee liegenden Nordhänge der Kette (das Foto zeigt den Bockkarlturm und die gelbe Störzone desselben im Hintergrund).

Aufstiegsroute großteils über die Felskante

Aufstiegsroute großteils über die Felskante

Die Route ist nicht zu unterschätzen vom Zeitbedarf her. Ab dem Hundskopfgipfel bis zum Erreichen des Gipfels werden bei solchen Verhältnissen rund eineinhalb Stunden benötigt.

Autor auf der Trattenspitze (schlimm diese Fotos und wenn möglich zu vermeiden)

Autor auf der Trattenspitze (schlimm solche Fotos und wenn möglich zu vermeiden, ich glaube sie heißen “selfish”)

Der Rückzug bis zum Sattel hinab ist gut machbar, da er eben – entgegen der Sommerroute – am direkten Grat erfolgt. Die letzten 8-10m ist man gut beraten in Falllinie über der breiten Wächte zu steigen.

Blick gen Süden, vorne der Glungezer, hinten der Olperer

Blick gen Süden, vorne der Glungezer, hinten der Olperer

Aber auch der Abstieg über den Grat bietet die selben Herausforderungen wie der Aufstieg und die Spannung ist man dieser Tage erst los, wenn man sich auf halbem Weg in den Tratten der Gamaschen entledigen kann.

Mils, 22.05.2016

 

Figln Lattenspitze – Stempeljoch

Spät weg von zuhause auf die Lattenspitze und weiter zum Stempeljoch zum figln im Stempelkar.
Im Halltal verglüht bei den momentanen Temperaturen um die Mittagszeit, erst ab dem Törl eine leichte Thermik-Brise als Hilfe bekommen.

am Weg zur Lattenspitze, ca. auf  2.000m

am Weg zur Lattenspitze, ca. auf 2.000m

Das erste größere verbliebene Schneefeld am Weg vom Törl zur Lattenspitze.

Blick in die zweite Karwendelkette zu Stempelspitze und Roßkopf

Blick in die zweite Karwendelkette zu Stempelspitze und Roßkopf

Der Weg nach dem Törl auf die Lattenspitze ist fast frei von Schneefeldern, nur in den Rinnen und ab ca. 100m unter dem Gipfel liegt Schnee.

Der Gipfel der Lattenspitze 2.340m

Der Gipfel der Lattenspitze 2.340m

Die Grate im hinteren Teil des Karwendels sind noch fest in der Hand des Schnees, riesige Wächten zur Stempelspitze und zum Roßkopf sind zu sehen (siehe Foto vom Bachofenkar in der Galerie).

gewaltige Wächten

gewaltige Wächten

Nach der Lattenspitze gilt es ein paar harmlose Schneefelder zur Pfeiserspitze zu überwinden. Der Schnee ist von schlechter Qualität, keinem richtig festen Firn sondern knietiefem Einsinken begegnet man auf der ganzen Tour über den Grat.

letzter Teil zur Pfeiserspitze

letzter Teil zur Pfeiserspitze

Die Pfeiserspitze ist schnell erreicht, das kleine Gipfelkreuzchen wurde verlegt. Heuer durfte ich die Seite im Gipfelbuch mit “2016” und dem ersten Eintrag beginnen.

Blick von der Pfeiserspitze zur Lattenspitze

Blick von der Pfeiserspitze zur Lattenspitze

Und ab ging es über den schneefreien Grat in die kurze Rinne zum oberen Karende an dem ich die Figl erstmals ausprobieren konnte.

hier unten geht das Figln los...

hier unten geht das Figln los…

Die Kombination der alpin-Figl und der eisentauglichen Salewa Schuhe klappte recht gut. Die Abfahrt zum Stepeljoch in dem furchtbar nassen Sulz erwies sich als schweißtreibende Partie.

Figl erstmals "in-situ" anprobiert

Figl erstmals “in-situ” anprobiert

unten angekommen, völlig außer Atem, dem schweren Schnee getrotzt, jedoch immer steiler abgedriftet als ich wollte. Kantenfahrt kann man im nassen Sulz vergessen.

kurz vor dem Stempeljoch am aperen Teil angekommen

kurz vor dem Stempeljoch am aperen Teil angekommen

Am Joch selber waren sicher schon einige Tage keine Tourengeher vom Hafelekar her unterwegs, die Schneedecke zeigt keinerlei Spuren.Ein Blick in das Stempelkar verrät, daß die Schneelage schon nicht mehr besonders gut ist. Tewilweise sieht man apere Stellen, der normal verlässliche linke Teil ist durch eine Lawine mit Figln schwer fahrbar.

Blick vom Stempeljoch ins Kar

Blick vom Stempeljoch ins Kar

Im oberen Teil habe ich die Figl ausgezugen und bin durch den schlechten Sulz gegangen, unten wo das Kar breiter wurde konnte dann richtig gefiglt werden.

sulziger Deckschnee wurde abgetreten, der Firn darunter war fest und gut fahrbar.

sulziger Deckschnee wurde abgetreten, der Firn darunter war fest und gut fahrbar.

Dan kam der schöne Teil der Abfahrt:

Im unteren Teil der Abfahrt war sogar mehr Schnee als im mittleren und oben. Abfahrt bis zur Halltaler Pfeis ohne weitere Störungen möglich.

Mit einem wunderbaren Ausblick endet das Fahrvergnügen und die Figl werden im Rucksack verstaut.

Speckkarspitze und Bettelwürfe

Heute den orografisch linken Teil zum Verlassen des Isstales gewählt und immer die Labestation im Vordergund anvisiert.

Abstieg im Isstal

Abstieg im Isstal

Der Zeitbedarf betrug 6 Stunden und die Höhendifferenz gut 1.500m

Mils, 21.05.2016

 

Schitour Hoher Seeblaskogel, 3.235m von Lüsens

Ob er nun Hoher Seeblaskogel oder – wie die AV-Karte ihn nennt – Seeblaskogl ohne “e” heißt ist eigentlich egal, die Schitour auf diesen Berg ist eine besonders schöne Schitour. Sie bietet im ersten Teil eine typische Karausbildung, von unten nach oben stetig steiler werdend, im Mittelteil eine wenig ausgeprägte Steilstufe und im unteren Teil einen steilen Anstieg bis zum schön geformten Kar.

im noch flacheren Teil des  Kares am Anstieg zum Hohen Seeblaskogel

im noch flacheren Teil des Kares am Anstieg zum Hohen Seeblaskogel

Im Aufstieg stellt sich die mehr als 9km lange Schitour ab Lüsens folgendermaßen dar:
Nach dem Parkplatz (4.- in Münzen am Automat) führt der Schotterweg mit mäßiger Steigung zum Fernerboden, von dem man rechts (östlich) über eine für die Stubaier A. typischen Steilstufe in Richtung Längental und Westfalenhaus verläßt. Im Tag unserer Tour (16. April 2016) mußten wir die Schi am Schotterweg ca. 15min tragen und ebenfalls ca. 10min in besagter erster Steilstufe.

Lisenser Fernerkogel, 3.299m

Lisenser Fernerkogel, 3.299m

Nach der ersten Etappe breitet sich das Längental vor den Schispitzen aus und ist wieder in mäßiger – wenn auch nun mit mehr – Steigung zu begehen.

erste Steilstufe im Rückblick

erste Steilstufe im Rückblick

An unserem Tag herrschte starker Südwind, nicht sehr kalt, aber doch so, daß man zumindest ein Stirnband gut vertrug. Schneedecke gefroren von Lüsens (Start 6:20 Uhr) bis auf 2.300m.
Christian legte mächtig Tempo im ersten Abschnitt des Längentales vor und innerhalb von ca. 45min hatten wir den eher flacheren Teil des Längentales überwunden und mit der horizontalen Strecke von 2,6km auch rd. 300Hm auf ca. 2.270m bis zur zweiten – nicht langen und nicht sehr ausgeprägten – Steilstufe im Längental.

zweite Steilstufe im Längental

zweite Steilstufe im Längental

Weiter geht es nun deutlich rechts, östlich, haltend (Wegweiser) und vom Längental abzweigend auf den unteren Teil des eigentlichen Anstieg auf den “Grünen Tatzen Ferner”.
Hier befindet man sich zwischen 2.400 und 2.500m und steuert auf den immer steiler werdenden Gletscherhang zu der zusehends rechts, nordwestlich, sichtbar wird. In diesem Teil hat sich der Gletscher bereits zurückgezogen.

im Anstieg zum Grüne Tatzen Ferner, Höhe hier ca. 2.500m

im Anstieg zum Grüne Tatzen Ferner, Höhe hier ca. 2.500m

Wir treffen eine Dreiergruppe mit einem meiner Arbeitskollegen darunter und setzen den Weg gemeinsam fort.

Rückblick von ca. 2.700m

Rückblick von ca. 2.700m

Die jungen Burschen legen mächtig vor und ich kann sie nur mehr im Gelände bildlich festhalten. Hohes Tempo im Längental unterschätze man nicht, es machte ich bei mir auf rd. 2.900m bemerkbar, ich bin ca. 20min lang richtig eingegangen und verlor den Anschluß.

den Steilhang zum Kar bald überwunden, das schön geformte Kar wird in seinen Dimensionen sichtbar

den Steilhang zum Kar bald überwunden, das schön geformte Kar wird in seinen Dimensionen sichtbar

Am Ende des Steilhanges wird es flacher. Der nun recht stetig aber wenig steil verlaufende Anstieg über den Grüne Tatzen Ferner ist nur noch von einer etwas steileren Stufe in etwa mittig unterbrochen.

im noch flacheren Teil des  Kares am Anstieg zum Hohen Seeblaskogel

im noch flacheren Teil des Kares am Anstieg zum Hohen Seeblaskogel

Er führt so direkt unterhalb des Gipfels und erst eine letzte kurze Strecke mit zunehmender Steigung und ca. 100Hm Höhendifferenz bis zum Gipfel bildet den Abschluß.

letztes kleines Stück mit ca. 100Hm immer steiler werdenden Anstieges zum Gipfel

letztes kleines Stück mit ca. 100Hm immer steiler werdenden Anstieges zum Gipfel

Das Schidepot liegt am untersten Felsen, ist somit wenige Höhenmeter unterhalb des Gipfels. Eine tiefere Stelle für das Schidepot am Grat kann genauso angelegt werden und ist bei nicht optimalen Schneeverhältnissen keine schlechte Idee.

Christian mit den drei Kollegen am Gipfel

Christian mit den drei Kollegen am Gipfel

Der Anstieg zum Gipfel erforderte keine weiteren Maßnahmen (Steigeisen etc.) ist jedoch schon einigermaßen Konzentration wert, vor allem im Abstieg.
der Gipfel ist wenig ausgeprägt und bietet unserer Gruppe gerade bequem Platz. Umso mehr beeilten wir uns mit den üblichen Gipfelprozeduren, angesichts mehrerer großen Gruppen, die bereits im letzten steilen Anstieg zum Schidepot waren.

Christian und ich am Hohem Seeblaskogel, 3.235m

Christian und ich am Hohen Seeblaskogel, 3.235m

Die Aussicht war eine grandiose, jedoch eine klassische April-Aussicht mit genügend Wolken, die das Licht für die Fotos verhinderte und die Fernsicht auf ca. 15km beschränkte.
Trotzdem waren wir beeindruckt; hier ein paar imposante Gipfel, beginnend in Richtung Südost.

gegenüber im Längental die Lisenser Fernerspitze links, die Lisenser Spitze knapp rechts daneben und weiter rechts in der Kette Vorderer und Hinterer Brunnenkogel

gegenüber im Längental die Lisenser Fernerspitze links, die Lisenser Spitze knapp rechts daneben und weiter rechts in der Kette Vorderer und Hinterer Brunnenkogel

Richtung Süden:

mittig im Bild der Schrankogel

mittig im Bild der Schrankogel

Richtung Nordosten:

Blick in das Längental, im Hintergrund eher links der westlichste Teil des Karwendels

Blick in das Längental, im Hintergrund eher links der westlichste Teil des Karwendels

Richtung Westen:

links die letzten Stubaier und in Hintergrund die Ötztaler, ganz rechts unten die Winnebachseehütte und das Sulztal

links die letzten Stubaier und in Hintergrund die Ötztaler, mittig das Ötztal, ganz unten die Winnebachseehütte und das Sulztal

Richtung Nordwesten:

mittig links Breiter Grießkogel, rechts Strahlkogel

mittig links Breiter Grießkogel, rechts Strahlkogel

Da die Legionen näher kamen machten wir uns rasch auf. Die Kollegen lagerten unten beim Schidepot, eine gute Alternative bei Anstürmen auf den Gipfel.

die Musketiere beim Ausblick vom Schidepot

drei Musketiere beim Ausblick vom Schidepot

Die Abfahrt am heutigen Tag verdient kein besonderes positives Prädikat. Pappiger, schwerer Neuschnee auf ruppigem harten Deckel auf den ersten 300Hm, dann, im unteren sonnenbeschienen Steilstück ein Hauch von Firn.
Im Längental dann ausgeprägte, bremsende Firnverhältnisse um ca. 11:15 Uhr und abschließend eine Rast auf der einladenden Bank in der Längentalalm.

Der April bietet zum Abschluß der Tour noch zwei völlig unterschiedliche Ansichten und Eindrücke:

Blick Richtung Südwest zum Hohen Seeblaskogel

Blick Richtung Südwest zum Hohen Seeblaskogel

und ein Blick wie wir ihn haben wollen:

Blick Richtung Ost zur Lisenser Villerspitze

Blick Richtung Ost zur Lisenser Villerspitze mittig rechts

Den würdigen Abschluß bildeten notwendige Elektrolyttankungen mit den Kollegen im urtypischen Alpengasthof Lüsens.

Ab Lüsens sind 1.600Hm zu bezwingen. Für den Aufstieg bis zum Gipfel haben wir incl. meines Schwächelns 4 1/4 Stunden gebraucht, die Abfahrt mit teilweisem Tragen der Ausrüstung bis Lüsens und mit der 20min Rast in der Längentalalm dauerte 1 1/2 Stunden.

Mils, 16.04.2016