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Schwarzhorn, 2.812 m – von der Kemater Alm

Die Randlage des Schwarzhorns macht einen kaum zu übertreffenden Blick in die Stubaier möglich. Im Winkel von fast genau 180° – von Rietzer Grießkogel, über die mächtigen zentralen Stubaier Gipfel hinweg, bis zum Habicht und den knapp dahinter liegenden Tribulaunen – kann vom Schwarzhorn au eine wahrlich grandiose Aussicht bewundert werden. Es wird wenige Plätze im Stubai mit einem solch umfassenden Einblick auf das Gesamtgebirge geben – deshalb haben wir ein paar Bilder mit Gipfelbeschriftungen angefertigt.

Stubaier Gipfel Westsüdwest

Der Aufstieg folgt einem bezeichneten Steig durch das Senderstal auf das Sendersjöchl mit Fortsetzung bis zum Gipfel.
Ab der Kemater Alm führt zunächst ein Karrenweg über etwa 3,5 km bis zum hintersten Talboden des Senderstales, bevor er an einer Jagdhütte endet. Dort beginnt der Steig, der sich zunächst noch etwas weiter am Talboden hinzieht bevor er in die Westflanke des Gamskogels führt.

Aufstieg durch das Senderstal, das Sendersjöchl und die Marchsäule bereits sichtbar

Über eine Passage von Blockwerk zieht der Steig nun etwas oberhalb des Talbodens (Wegweiser), sich südwestwärts wendend, den Hang querend unterhalb der Schrofen vom Grat herab weiter taleinwärts.

im hintersten Senderstal bereits aufgestiegen in die Flanke des Gamsjoches

Am Ende der Hangquerung werden die letzten etwa 100 Hm auf das Sendersjöchl im Schrofengelände in Spitzkehren zurückgelegt. Der Aufstieg bis dorthin dauert in etwa ein dreiviertel Stunden und bis zum Gipfel braucht man noch etwa eine knappe Stunde.

Marchsäule und Schwarzhorn auf der gegenüberliegenden Talseite

An Sendersjöchl wir erstmals die Aussicht deutlich, vor allem in die südlichen Stubaier, deren mächtiger Vertreter Habicht etwas südöstlich gegenüber steht. Verblüffend nahe erscheint die Alm in den Oberberger Mähdern auf 1.800 m beim Tiefblick unterhalb des Joches.

Sendersjöchl Richtung Kalkkögel

Ein Zwischenziel am Grat zum Schwarzhorn stellt die Marchsäule dar, ein vom Senderstal hoch aufragender Gratkopf, der von weit außen recht imposant aussieht und mit dem eigentlichen Ziel Verwechslung finden könnte.

Steig zur Marchsäule

Gleich am Grat weiter erspart man sich etwa 10 m Abstieg am Weg zur Seducker Hochalm um von dort wieder Richtung Marchsäule aufzusteigen.

Blick Richtung Gamskogel (späterer Abstieg)

Die Marchsäule auf 2.589 m wird über den steiler werdenden Steig in 15min erreicht. Von dort hat man einen schönen Blick in das Senderstal und den bisherigen Anstieg. Das schlichte Holzkreuz ist in die Jahre gekommen, ein Gipfelbuch gibt es nicht.

Blick Richtung Gamskogel (späterer Abstieg)

Etwa 40m oberhalb der Marchsäule beginnt der typische Gratkamm im Kristallin. Im Fall des Grates zum Schwarzhorn handelt es sich um Gneise und Glimmerschiefer. Unter typisch versteht der Autor die topographische Erscheinung als loses Blockwerk an den flachen Gratstellen und dem festeren Verbund in den steileren Flanken.

weiterer Aufstieg zum Schwarzhorn

Der verbleibende Aufstieg von der Marchsäule am Gratkamm zum Schwarzhorn beträgt 220Hm und etwa einen Kilometer Länge. Hieraus ist alleine schon die recht flache mittlere Steigung abzulesen, wenn auch der Grat flache uns steile Passagen aufweist.

Kamm zum Schwarzhorn

Man möchte meinen, daß diese kurze Strecke rasch begangen werden kann, jedoch hält das Blockwerk im Mittelteil des Aufstiegs die Geschwindigkeit in Grenzen und man rechne mit einer Dreiviertelstunde bis zum Gipfelkreuz.

Blick nach Nordosten, Kalkkögel und Karwendel

Das Kalkül, daß im Herbst der Grat selbst in der großen Höhe von über 2.600 m noch schneefrei sein müßte ging auf. Der Aufstieg erfolgte großteils ohne tiefen Schnee betreten zu müssen und teilweise auf der Südseite ausschließlich auf Fels.

Kammhöhe zum Schwarzhorn

An Kletterei entbehrt das Schwarzhorn fast gänzlich. Es gibt einige wenige Passagen am Gipfelaufbau an denen die Hände zum sicheren Übersteigen von Felsspitzen benützt werden, jedoch sind diese so harmlos, daß dies sogar mit den Stöcken in der Hand möglich ist. Weiters gibt es auch kaum ausgesetzte Stellen am Grat.

Stubaier Gipfel Südwest

Ein kleines Holz-Gipfelkreuz ziert den unspektakulären Gipfel des Schwarzhorns, das Gipfelbuch erlitt leider Feuchtigkeitsschäden und befindet sich durch Schimmel, aber auch mechanisch in weitgehend zerstörtem Zustand. Trotzdem läßt sich anhand der ältesten Einträge erkennen, daß dem Schwarzhorn wenige Besuche pro Jahr zuteil werden, die noch leserlichen Einträge sind aus 2009 und das Buch ist bei weitem noch nicht vollgeschrieben.

Gipfel Schwarzhorn, 2.812 m

Dem Schwarzhorn ist im Norden der Gipfel der Schwarzen Wand vorgelagert. Er ist um 32 m niedriger und trägt ein Gipfelkreuz, obwohl er nicht durch einen offiziellen Steig erreichbar ist. Die Motivation dort ein Gipfelkreuz zu errichten ist aber klar – vom Tal aus besticht der Gipfel durch seinen formschönen Aufbau.

Blick zum Gipfel Schwarze Wand nach Norden

Die Gipfelschau in die mittlerweile überwiegend in Weiß gehüllten Stubaier beginnt im Nordwesten mit dem sehr markanten Rietzer Grießkogel und den Pirchkogel in den Nördlichen Sellrainern.

Stubaier Gipfel Nordwest mit Bezeichnungen

Sie leitet über in die Südlichen Sellrainer Berge mit Sulzkogel und Gleirscher Roßkogel.

Stubaier Gipfel Westnordwest mit Bezeichnungen

Im zentralen Teil ziemlich im Westen des Schwarzhorns finden sich  Gleirscher Fernerkogel, Breiter Grießkogel, Lisenser Fernerkogel,

Stubaier Gipfel West I mit Bezeichnungen

die Villerspitzen im Vordergrund, die Brunnenkögel, der Schrankogel, die Schwarzenbergspitzen, die Seespitzen, die die Ruderhofspitze verdecken und die Knotenspitzen.

Stubaier Gipfel Westsüdwest

Hinter den Alpeiner Bergen im Vordergrund lugen Wilder Pfaff, Wilder Freiger und am Ende der Alpeiner Bergkette die Wetterspitzen und die Feuersteine hervor.

Stubaier Gipfel Südwest mit Bezeichnungen

Den Abschluß der Dreitausender im Süden bilden Habicht im Vordergrund und die Tribulaune, die gerade noch an seiner Westflanke zu sehen sind – ein umfassendes Panorama.

Habicht und südliche Stubaier mit Wetterspitzen und Feuersteinen rechts hinten

Aber auch der Blick nach Südosten zu den Tuxern und Zillertalern sowie nach Osten in die Kalkkögel und auch nach Norden ins Wetterstein und Karwendelgebirge bietet ein umwerfendes Szenario das zum Verweilen einlädt.

Serleskamm und dahinter die Zillertaler Alpen

Für den Rückweg empfiehlt sich die Tour als Rundtour auszudehnen und am Sendersjöchl die Richtung zum Seejöchl einzuschlagen. Für die etwa 100 Hm mehr Aufstieg auf dieser Strecke entschädigen die Kalkkögel reichlich.

See am Seejöchl

Am Seejöchl überschreitet man außerdem die Grenze von Kristallin der Stubaier Alpen zum Kalkdolomit des Brennermesozoikums mehrfach und kann die unterschiedlichen Gesteine in ihrer Grenzlinie bis weit hinab zur Adolf Pichler Hütte bestaunen.

Kristallin (links) und Dolomit (rechts) direkt aneinander, dahinter Wetterstein und Karwendel

Der Steig führt meist an der Grenze der Gesteine dahin und zum Abschluß der Tour erscheinen die Kalkkögel in unverwechselbares dunkelgelbes Herbstlicht getaucht.

Rückblick auf die Kalkkögel

In Summe beträgt der Aufstieg somit 1.250 Hm und der Zeitbedarf mit Pausen und einem 45 minütigem Gipfelaufenthalt gut sechs Stunden für 16 km Strecke.

Mils, 02.11.2019

Schitour Große Ochsenwand, 2.700m

In den bizarren Kalkkögeln bieten die aus dem Dolomit herausgebildeten Kare, Rinnen, Scharten und Tälchen einige rassige Schitouren, unter anderem die Besteigung der Großen Ochsenwand durch eine schmale steile Rinne. Wenige Berichte finden sich über den im oberen Teil durchaus schwierigen und nicht ungefährlichen Anstieg im Internet. Für diese Schitour muß, neben technischer Ausrüstung, auch Können im Schibergsteigen und eine kleine Portion Mut mit im Rucksack sein.

die Truppe auf der Großen Ochsenwand, 2.700m

Die Tour im Gesamten betrachtet ist im Frühjahr – bei Anreise mit dem Auto bis zur Kemater Alm – keine lange Tour, sie erstreckt sich nur über gut 1.000Hm und einer relativ kurzen Gehstrecke von etwas mehr als 4km. Sie ist eine technisch anspruchsvolle Schitour in teils sehr steilem Gelände und, speziell im Frühjahr, mit einem felsigen Teil am Gratrücken von einer Scharte bis zum Gipfel, der am besten ohne Schi zurückgelegt wird, will man nicht ganz extrem vorgehen.

Start mit Schi auf ca. 1.700m

Der Start mit Schitourenausrüstung im bereits fortgeschrittenen Frühjahr erfolgt je nach Schneelage – in unserem Fall heute in etwa auf 1.700m über verfestigte, alte Lawinen, in Aufstiegsrichtung links neben der Adolf Pichler Hütte über die Gräben auf die flachere Talfläche in Höhe der Alpenklubscharte.

gewaltige Lawinen in den letzten Wochen

Mächtige Lawinen sind von den Reisen der Kalkkögel in den letzten Wochen abgegangen – diese Erkenntnis wird beim akrobatischen Aufstieg gewonnen.

die Großen Erhebungen der Kalkkögel

Die heute vorgefundene Schneequalität war wegen der wolkenbedeckten Nacht auch auf der Höhe von 2.100m recht mäßig und – das kann vorweg genommen werden – wurde auch nicht signifikant besser bis zum Gipfel.

der nette Kamm der das Senderstal im Westen begrenzt

Teilweise konnten wir über Felder mit gut verfestigtem Schnee aufsteigen, in dem die Steigspuren nur wenige Quadratzentimeter große Spuren hinterließen, der Großteil des Aufstieges auf aufgeweichtem Schnee bestand aber nicht aus dem klassischen grobkörnigen Firn sondern aus einer Art schmierigem Sommerschnee. Beide Arten sehr feucht und gut gangbar.

wir umgehen die Lawine unterhalb mit geringem Höhenverlust

Im Anstiegshang zwischen Riepenwand und den westlichen Ausläufern der Großen Ochsenwand waren die Verhältnisse recht gut und wir legten für die unbekannten, kommenden Partien in der schmalen Rinne vorsorglich die Harscheisen an.

Stimmungsbild am 05.05.2108 um 07:30 Uhr

Den schönen Hang stiegen wir genussvoll weiter, Hilli als Vorsteiger angesichts der tollen Steigbarkeit über die weichen bis halbharten Hangpartien in fühlbarer Hochstimmung und zusätzlich voll in seinem Element, der klassischen Frühjahrstour.

dem Christian taugt’s!

Ab und zu keimte während des ca. 250Hm Anstieges zur schmalen Rinne die Hoffnung auf einen blauen Himmel auf, jedoch wurde uns dieser Wunsch heute nicht auch noch erfüllt.

ein schöner Aufstieg zur Scharte

Es zogen zwar immer wieder Wolkenfelder durch, die im Kielwasser klare Luft hinterließen, jedoch war dies nur ein Spiel von wenigen Minuten bis die nächste Zelle jeglichen Sonnenschein verdeckte.

die Eindrücke – unvergesslich!

Kurz vor der Scharte zwischen Riepenwand und Großer Ochsenwand beginnt die Schlüsselpassage des Anstieges. Eine schmale Rinne zieht sich linkerhand knappe 100Hm zu einer Scharte zwischen dem westlichen Vorbau der Großen Ochsenwand und seinem Gipfelgratrücken hinauf.

gewaltig eindrucksvoller Blick nach Norden

In der schmalsten Passage hatten wir bei der herrschenden Schneelage heute eine Breite von eineinhalb Schilängen zu durchsteigen – entsprechend viele Spitzkehren mußten hier angelegt werden.

am Beginn der Scharte angelangt

Als Vergnügen empfand ich zunächst den Anstieg durch die schmale Gasse mit den arg zersplitterten Felsbegrenzungen zu beiden Seiten. Der Anstieg zur jeder Seite nach der Spitzkehre eine kurze Angelegenheit und bereits zurück auf die andere Seite. Abwechslung soviel wie den gesamten Winter nicht.

Ui, ab nun Dauergrätschen!

Leider machten sich meine bereits recht mitgenommenen Felle in der feuchten Umgebung mit lösen vom Belag bemerkbar und als ich bei einer nicht sauber gestiegenen Spitzkehre den Clip hinten heruntertrat war die Misere perfekt – das Fell bis zur Bindung löste sich.

anregend geht es hinauf

Nun, ich hätte arge Schwierigkeiten gehabt Fell und Belag zu trockenen und weiterzusteigen. Aber die Kollegenschaft hatte Notfallmaterial mit und Evis Isolierband hielt bis ganz oben hin (auch eine Überlegung solche Sachen mit dabei zu haben). Bei einer Alleinunternehmung hätte ich hier höchstwahrscheinlich abbrechen müssen.

Klassisch trichterartig wird die Rinne oben breiter und – als Abschlußprüfung – erreicht sie dort vor der Scharte ihre maximale Steilheit, die ich mit ca. 40° einschätze.

Ballett „Schwanensee“ oder „Der Widerspenstigen Zähmung“?

Die Felle so halbwegs wirksam prüfte ich den Sitz jeden Schrittes, um nicht in fatale Situationen zu kommen. Der Aufstieg durch den steilsten Teil beträgt glücklicherweise nur wenige Meter und die Haftung der Felle vor der Bindung hielt wie Dreiwettertaft.

Hilli führt sie und steigt souverän durch

Einigermaßen erleichtert konnten dann die letzten Meter durch die Scharte auf den Gratrücken durchstiegen werden, da bereits aper mit den Schi in der Hand.

ja, auch der Autor hat sie mit Fellproblemen erfolgreich durchstiegen

Am Gratrücken angekommen machten wir das Schidepot und stiegen die letzten etwa 100Hm unter leichtem Südostwind teils in aperem, teils auf Schneeflächen zum Gipfel der Großen Ochsenwand hinauf.

am Gratrücken gen Nordwesten

Die Hänge hinab zur Schlicker Alm stehen noch weitgehend unter Schnee und sind trügerisch steil. Bei vereisten Verhältnissen im Winter ist hier höchste Vorsicht geboten. Wir konnten mit den weichen Schneeverhältnissen aber leicht hindurchqueren.

Restaufstieg teils im Schnee, teils am Fels

Den Gipfel der Großen Ochsenwand ziert ein wirklich einzigartiges und malerisches Gipfelkreuz, das hoffentlich noch lange dort zu bewundern sein wird. Dies fällt mir jedes Mal erneut auf dem schönen Gipfel auf.

Große Ochsenwand, 2.700m

Leider ist das Gipfelbuch bereits im Herbst vollgeschrieben gewesen und so konnten wir keinen sinnvollen Eintrag machen.

Stimmung in den Kalkkögeln: Kleine Ochsenwand, Steingrubenkogel, Hochtennspitze und Malgrubenspitze

Der Blick heute, gen Süden wie schon öfters in diesem Frühjahr, von Nebel, verhüllten Dreitausendern im Stubai und in den Zillertalern und generell mit dichtem und hohem Wolkenstock eingeschlossen.

der Südwesten; ganz rechts der Habicht

Gegen Nordwesten, im Außerfern müßte die Wettersituation wesentlich besser gewesen sein, wolkenloser Himmel konnte in einigen zig Kilometern Entfernung gesichtet werden.

die mächtige Riepenwand – ein Ziel für den Sommer

Die Freude am Gipfel wurde durch wechselnde Stimmungsbilder der herumziehenden Wolken und Nebelfetzen gesteigert – auch nicht perfektes Wetter kann schön anzuschauen sein, vor allem, wenn es wechselnde Situationen zeichnet.

Stubaier und rechts Sellrainer Berge

Nach 20 Minuten Rast am Gipfel der Großen Ochsenwand und dem Beschluß die Riepenwand im Sommer zu besuchen beschlossen wir die Talfahrt anzutreten und verließen den schönen Ort über den Gratrücken zur Scharte.

jede Scharte erfordert eine Entscheidung, wir haben uns für die Abfahrt rechts entschieden

Da eine Scharte aus zwei Flanken (und zwei Erhebungen quer dazu) gebildet wird hatten wir die Wahl der Abfahrt und – wie könnte es anders sein –wir nahmen die in Abstiegsrichtung rechte Flanke.

kurz vor dem Schidepot

Sie ist durchwegs breiter als die schmale Aufstiegsrinne und mündet schneller in einer breiten Reise, allerdings ist sie gefühlt noch etwas steiler als die Aufstiegsrinne, zumindest stellenweise.

eine lästige Passage noch

Die Abfahrt im weichen, schweren Nassschnee war gut möglich, wenngleich die Schwünge einigermaßen Kraftaufwand erforderten.

an der Kante – fertig zur Abfahrt

Alte Nassschneerutschungen und Gräben von Wasserrinnen bestimmten ein wenig die Routenwahl im oberen Teil.

der Martin packt es an

Zur allgemeinen Überraschung wurde die Schneequalität nach unten hin immer besser. Die letzten 100Hm konnten wir schöne Schwünge hinab in die Hochfläche vor der Adolf Pichler Hütte ziehen, bevor die beschwingte Fahrt auf der flacheren Strecke wieder schwerer wurde.

wie man sehen kann

Den Abschluss bildete die Bezwingung der Lawinenstriche unterhalb der Hütte – ein schweißtreibendes Unterfangen mit perfektem Training des Gleichgewichtssinnes und des Reaktionsvermögens:

Zum Parkplatz mußten die Schi wieder geschultert werden.

Endstation für die Schifahrt

Die Gesamtzeit betrug vier einviertel Stunden bei 1.035m im Aufstieg und die reine Aufstiegszeit knapp über drei Stunden.

Mils, 05.05.2018

Schitour Gamskogel, 2.659m – von Kemater Alm

Fast exakt 1.000Hm gilt es bei der Schitour auf den Gamskogel von der Kemater Alm aus bis zum Gipfel zu bewältigen. Eine eher kurze Tour also, die auch von den Hangneigungen her eher weniger anspruchsvoll ausfällt, sieht man vom unteren Teil des nördlich ausgerichteten Abfahrtshanges in das Senderstal ab.

Kurz vor dem Gipfel des Gamskogel bei den Kalkkögeln

Die größte Hangneigung am Aufstieg ist der von der Schlicker Seespitze herunterziehende Schutthang mit gemessenen 35° (Quelle Tiris), den man ansteigend queren muß und der entsprechender Schneeverhältnisse bedarf, um sicher begangen werden zu können.

kurze Tragestrecke nach der Kemater Alm

Wir konnten bis zur Kemater Alm fahren, die letzten 100Hm der Straße waren teilweise schneebedeckt, jedoch haben es auch andere  ohne Allrad bis zur Alm geschafft.
Die Alm selber ist weitgehend schneefrei wodurch eine ungefähr 15 minütige Tragestrecke den Beginn der Tour bildet. Bei der Wasserfassung in etwa kommen dann die Schi zum Einsatz.

Aufstieg zur Adolf Pichler Hütte in der Morgensonne

Den Aufstieg zur Adolf Pichler Hütte konnten wir in der im Mai schon kräftigen Morgensonne erleben und Maxens Hund wälzte sich übermütig auf der um knapp 9 Uhr noch hartgefrorenen Firndecke.

knapp unterhalb der Hütte

Oberhalb der Adolf Pichler Hütte tritt die breite talartig ausgebildete Almfläche ins Blickfeld, links eingefaßt von den bizarr aufragenden Kalkkögeln, rechts von der sanfteren Bergrippe, die sich vom Sonntagsköpfl bis fast zum Seejöchl hinaufzieht.

Aufstiegsgelände ca. 15min nach der Hütte

Leider nahm die Bewölkung innerhalb der guten Stunde von der Hütte bis zum Gipfel dermaßen schnell zu, sodaß die Bilder die schöne Landschaft nicht im gewünschten Maße wiedergeben können.

Rückblick auf ca. 2.250m

Wir haben den Normalweg inmitten des Almgebietes genommen. Es wäre auch möglich die steilen Hänge von den Kalkkögel herab zu nehmen – jene in denen im Sommer die Steige zu den Scharten führen, aber wozu zweifelhafte Hänge anschneiden, wenn in Talmitte ein bequemer Aufstieg sinnvoller und sicherer ist.

gegen Ende das Almkessels wird es wieder steiler

Die Route durch das abwechslungsreich kupierte Gelände bis zum Seejöchl bedarf keiner besonderen Beschreibung, da sie fast durchgehend einsehbar ist und logisch aufgestiegen werden kann.

das Ziel im Visier, der Gamskogel ganz rechts

Direkt vor dem Beginn der Querung des steilen Schlußhanges zum Seejöchl überraschte uns im bereits diffusen Licht – er endet mit einer steilen Abbruchkante in den Schlußhang hinein. Diese Stelle ist das Ende der Rippe vom Sonntagsköpfl herauf, sie schneidet direkt in den zu querenden Hang ein.

Rückblick vom Seejöchl auf den steilen Hang von der Schlicker Seespitze herab

Ein kleinerer Rutscher ist vom Hang zur Schlicker Seespitze auch bereits abgegangen, jedoch war die Schneedecke recht hart und stabil.

am Seejöchl, 2.518m, im Hintergrund der Gamskogel

Ab dem Seejöchl dreht die Tour von Süden nach Westen, am sanften Grat werden die letzten 140Hm in rund 25min absolviert. Der Grat ist leicht zu bewältigen, eher als Rücken ausgebildet und – wie bei solchen Formationen üblich – beinhaltet ein zwei Absätze, die kurz abgefahren werden.

am Grat zum Gamskogel

Am recht schmalen Gipfelaufbau tummelten sich heute ein Dutzend Tourengeher auf kleinem Raum und das eher rasch schlechter werdende Wetter veranlasste uns nach kurzem Aufenthalt die Abfahrt anzutreten.

kurz vor dem Gipfel des Gamskogel

Eine Abfahrt im direkten Nordhang in das Senderstal hinab, die nicht vollständig eingesehen werden kann, jedoch ein paar schöne Schwünge vermuten ließ.

die Kalkkögel vom Gipfel des Gamskogel aus gesehen

Im oberen Teil, ca. die ersten 150Hm, bot die Nordflanke auch das Gesuchte, um dann aber mit einem schwer zu fahrenden Bruchharsch aufzuwarten.

Abfahrt! Veit, der Hirtenhund lief neben uns fast gleich schnell

Weiter unten wurden die Verhältnisse dann wieder etwas besser und so richtig phantastisch waren sie im flachen Teil der Abfahrt, gebildet vom steilen Hang von der Schlicker Seespitze herab, der unten recht flach bis zum Sendersbach ausläuft, ab ca. 2.150m abwärts.

Bene und Max im unteren Teil der Abfahrt im Nordhang

Der Nordhang weist im unteren Teil, die letzten ca. 100Hm seine größte Steilheit auf. Hier erachteten wir es als besser ihn bergwärts zu queren um rasch zum flachen Teil zu kommen (siehe Tourenkarte, Quelle Tiris).

Die Abfahrt von hier zum Bach war ein Vergnügen auf hartem, tragfähigem Untergrund mit einem Hauch von aufgefirnter Oberfläche.

im flachen Teil angelangt, der Steile Hang von der Schlicker Seespitze herab, der oben gequert werden muß, im Hintergrund

Neben dem Bach am Weg ging es dann in schön anzusehendem Gelände weiter und bis zur Alm mußten wir nur zweimal für ein paar Meter zu Fuß brücken, die Schneelage ließ die Fahrt bis zur Alm zu.

Rückblick auf das schöne Abfahrtsgelände

Für die 1.000m Aufstieg (die Daten aus dem Tiris stimmen nicht ganz mit den geodätischen Daten überein, Höhenverlust gibt es fast keinen) haben wir 2 1/4 Stunden benötigt.

hinab durch das Senderstal

Mils, 06.05.2017

Riepenwand, 2.774m

Als seltenste begangene Spitze in den Kalkkögeln ist die Riepenwand auf der von mir gewählten Route ein interessantes Ziel für den Bergsteiger, der den alpinistischen Zugang sucht und weniger für den, der das reine Klettern im Sinne hat. Die wenigen Kletterer kennen ihre Routen ohnehin und begehen sie heute teilweise ohne Eintrag im Gipfelbuch.

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am Gipfel der Riepenwand, 2.774m

Als vorletzte hohe Felserhebung in den sich von Norden nach Süden krümmend ziehenden Kalkkögeln und mit einem nicht leichten Zugang von allen Seiten ist es tatsächlich so, daß die Riepenwand ein wenig besuchter Gipfel ist. Die Eintragungen von 2015 sind im endenden Juli lediglich auf zwei Seiten, ohne umzublättern abzulesen. Mehr dazu später und in der Fotogalerie.

Zugang zur Riepenwand, knapp oberhalb der Adolf Picher Hütte

Zugang zur Riepenwand, knapp oberhalb der Adolf Picher Hütte

Möglicherweise ist die Zuwegung zu den Ausgangspunkten schon alleine mit ein Grund warum der schöne Gipfel gar nicht in Erwägung gezogen wird, ist es doch so, daß auf beide Scharten, die die Riepenwand geografisch einschließen, die Riepenscharte im Norden und die Seespitzscharte im Süden, kein Steig hinauf führt. Beide Anstiege im Reisenschutt sind mühsam und steinschlaggefährdet. Allerdings sind sie, speziell für den Bergsteiger der die langen Reisen im Karwendel kennt, nur recht kurz mit ihren ca. 150 – 200Hm.

unterer Aufstiegsteil zur Riepenscharte, weglos

unterer Aufstiegsteil zur Riepenscharte, weglos

Weiters sind die Aufstiege ab den Scharten nicht einfach; im Norden ab der Riepenscharte bildet eine abschreckende schuttbefüllte Reise den Normalanstieg und im Süden ist der Abstieg von der Seespitzscharte und der Aufstieg über das schmale, zur Schlicker Alm hin teils sehr abschüssige Schuttband ein Abenteuer, das der Bergsteiger erst einmal mental verkraften muß, obwohl es klettertechnisch nicht einmal als schwierig (II) zu werten ist.

oberer Teil des Aufstieges zur Riepenscharte

oberer Teil des Aufstieges zur Riepenscharte

Mehr zu diesem Schuttband unten bzw. in der Fotogalerie. Nun, soweit die Hintergründe warum die Riepenwand ein wenig begangener Gipfel in den Kalkkögeln sein mag.
Empfehlenswert ist die Tour im Team, weniger im Alleingang.

Blick von der Riepenscharte auf den ersten Felsturm, der die schwierigen Passagen zum Nordgrat enthält

Blick von der Riepenscharte auf den ersten Felsturm, der die schwierigen Passagen zum Nordgrat enthält

Der Aufstieg zum Beginn der Kletterei, den ich genommen habe ist die nördliche Einschartung, die Riepenscharte. Das Ziel war die im Führer beschriebene Route (ich benutze den Alpenvereinsführer Rabensteiner/Klier 4. Auflage 1958, jedoch sagt die neueste Ausgabe beim googeln im Internet auch nichts anderes) des Nordgrates. Er führt direkt von der Riepenscharte etwas westlich in die ersten Felstürme empor, hat dort auch seine beiden einzigen III- Stellen und wird dann unendlich zahm über die restliche Route bis zum Gipfel. Ich würde die klettertechnische Schwierigkeit ab der Rechtskurve als I bezeichnen, der Führer ist der Meinung, es sei II.

Rückblick nach der ersten III- Stelle auf die Riepenscharte nach ca. 50Hm

Rückblick nach den ersten Aufschwüngen mit Klettereien nach ca. 40Hm

Orientierungshilfen sind sowohl verblichene rote Punkt(Strich)markierungen wie auch Steinmänner. Man hat öfters die Wahl, denn sie decken nicht dieselbe Route ab. Ich bin hauptsächlich den Punktmarkierungen gefolgt, war aber unten bei den III- Stellen froh um die Steinmänner.

so geht es weiter, klettertechnisch zumeist nicht schwierig, aber mental zu bestehen

so geht es weiter, klettertechnisch zumeist nicht schwierig, aber mental zu bestehen

Bei den beiden Rissen, oder auch – nach der Diktion des Führers – Kamin muß man wirklich überlegen, sich Zeit nehmen und, vor allem beim oberen den Rucksack richtig platzieren, da es sehr eng ist.

erste Stelle III- wie mir vorkam

erste Stelle III- wie mir vorkam

Bemerken möchte ich hier besonders auch, daß jemand, der eine Stelle III- im Freiklettern im steilen Gelände nicht beherrscht, gleich gar nicht daran denken soll, die Riepenwand zu begehen.

Rückblick auf den Kamin, nun ca. 80Hm über der Riepenscharte

Rückblick auf den Kamin, nun ca. 80Hm über der Riepenscharte

Rückblick auf die III- Stelle oberhalb des ersten Risses (oder lt. Führer Kamin)

Rückblick auf die III- Stelle oberhalb des ersten Risses (oder lt. Führer Kamin)

Es gibt beim unteren Kamin auch einen Steinmann, der auf ein schmales Band führt, das ich nicht genommen habe.

obererer Kamin und zweite II- Stelle nach meinem Empfinden

obererer Kamin und zweite II- Stelle nach meinem Empfinden

Der im Führer genannte „Nordgrat“ ist eigentlich auch kein ausgeprägter Grat mit gleichmäßig abfallenden Seiten, sondern eher eine Kante horizontal/vertikal im Geländeschnitt gesehen.

Hat man diese ersten ca. 100Hm überwunden liegen keinerlei schwierige Passagen mehr vor einem. Im Rückblick von der Scharte aus muß ich sagen, daß der Aufstieg über den im Führer genannten „Normalweg“ rein bergsteigerisch gesehen sicher wesentlich prekärer sein sollte und ich würde diese Rinne nie wählen (Foto siehe Galerie).

oberhalb des oberen Kamines

oberhalb des oberen Kamines

Natürlich ist die freie Kletterei über den Zustieg zum Nordgrat ob der fast senkrechten Felsstufe eine Nervensache, jedoch ist dort der sonst so brüchige Hauptdolomit bemerkenswert fest und die Kletterei ist m. E. wesentlich sicherer, als die Schuttrinne des Normalaufstieges.
Man findet im Zustieg zum Nordgrat der Riepenwand auch Opferschlingen oberhalb den beiden II- Passagen die eine wertvolle Hilfe beim Rückzug sein können; geprüft habe ich sie nicht, das bleibt jenem vorbehalten, der ihrer bedarf.

weiterer Verlauf, es wird leichter

weiterer Verlauf, es wird leichter

in dieser Art geht es nun in leichtem Geh/Klettergelände zum Gipfel weiter

in dieser Art geht es nun in leichtem Geh/Klettergelände zum Gipfel weiter

Nach dem leichten Aufstieg über den Nordgrat findet man – neben dem Gasflaschenhäuschen der Schlicker Bergbahnen ein leider umgefallenes Gipfelkreuz mit noch befestigtem Gipfelbuchhalter und – gottseidank – unversehrtem Gipfelbuch. Ein wenig feucht ist es wegen der Schräglage und den heftigen Wetterkapriolen der letzten Tage schon, aber doch wunderbar intakt und mit dem Inhalt von Generationen von Motivationen der Besteigung.

Gipfelaufbau nach Verlassen des Norgrates

Gipfelaufbau nach Verlassen des Nordgrates

Ein Eintrag beschreibt, daß man das Gipfelkreuz heuer aus den Schrofen heraufholen mußte, also kann man sich gut vorstellen welche Stürme es auf der Riepenwand geben muß, daß das stählerne Kreuz in die Flanken fällt.

Gipfel Riepenwand

Gipfel Riepenwand

Da es aus 1979 stammt – und dank der Bergwacht Götzens gespendet und bis heute gewartet wird – kann man die letzten 30 Jahre Revue passieren lassen aus welchen Gründen dieser Gipfel bestiegen wird. Das Foto zeigt die Anzahl der Blätter der 3 Dezennien zwischen meinen Fingern.

die Dekaden der Besteigungen getrennt

die Dekaden der Besteigungen getrennt

In der Periode 1980 bis 1990 waren die Kletterer hier, die noch alpinistisch orientiert waren. Eine Skizze von A. Orgler ziert das Büchlein und sie ist fast so perfekt wie die Zeichnungen des großen Erschließers der Kalkkögel, Carl Gsaller. Bergsteiger und Künstler, Homo Faber der Berge! Ich war damals selber in Wattens beim AV und weiß um diese Zeit; es war eine Sturm und Drang Zeit des Kletterns mit möglichst schwierigen Routen und eingeschworenen Seilschaften. Seilschaftskommandos konnte man fast über die Jöcher hören und es gab kaum Lager in den Hütten. Wöchentlichen Sektions-Abende hat es gegeben, eine Hochblüte des Allgemeinbergsteigens.
Die Periode 1990 bis 2000 ist schon wesentlich dünner und hier sind fast nur mehr gut ausgebildete Freaks mit neuen sportlichen Gedanken und Ausrüstungen unterwegs gewesen.
Die Periode 2000 bis 2010 ist, dem Trend folgend, eine Periode des Niederganges des Allgemeinalpinismus und stellt die dünnste Blätterfraktion dar.
Von 2010 bis zum heutigen Tag wollte ich keinen weiteren Finger mehr investieren, leider sind es nur mehr 7 gezählte Blätter, die mit Eintragungen versehen sind und davon 2x jährlich der Hubschrauber für die Gaskanonen der Bergbahnen …
Aufgrund meiner Touren habe aber auch ich die feste Überzeugung und Hoffnung, daß sich die Jugend hinkünftig wieder mehr auf diese Ziele orientieren wird, als an elektronischem Totschlag von Zeit.

die Gipfel rund um Alpeiner und Lüsener Ferner

die Gipfel rund um Alpeiner und Lüsener Ferner

Die Ausblicke von der Riepenwand sind natürlich sensationell. Hier ein paar Rundumblicke.

Schlicker Manndln und dahinter einer meiner Lieblinge, der Habicht

Schlicker Manndln und dahinter einer meiner Lieblinge, der Habicht

die Kalkkögel in ihrer Gesamtheit nach Norden geblickt, Marchreisenspitze im Nebel

die Kalkkögel in ihrer Gesamtheit nach Norden geblickt, Marchreisenspitze im Nebel

Tiefblick in die Schlick

Tiefblick in die Schlick

Kein Gipfel ohne Abstieg. Der Abstieg von der Riepenwand ist kein leichter, auch wenn man den Führer wieder in Anspruch nimmt und dieser den Abstieg über die Südostflanke und das sogenannte breite, gelbe Geröllband als leichtesten Aufstieg (also auch umgekehrt) beschreibt.

Absteigsroute von der Riepenwand zum Geröllband, links neben mir die Gaskanone der Bergbahnen

Absteigsroute von der Riepenwand zum Geröllband, links neben mir die Gaskanone der Bergbahnen

Zum einen gibt es – anders als beim Aufstieg – keine Punktmarkierungen oder Steinmänner, zum anderen keine Höhenangaben in Führer oder Karte (zumindest die AV-Karte die ich habe Nr. 31/5 aus 1996). Allerdings habe ich tags zuvor im Internet einen Bericht gefunden, der die Abstiegsroute zur Seespitzscharte auf einem kleinen Foto zumindest halbwegs nachvollziehbar markiert hat.

Abstieg ca. auf 2.600m beim Geröllband angelangt; Rückblick auf die Abstiegsroute

Abstieg ca. auf 2.600m beim Geröllband angelangt; Rückblick auf die Abstiegsroute

Nun, ein Foto von der Schlicker Seespitze aus mit rotem Strich ist eine Sache, den Einstieg zu dem besagten Band zu finden ist eine andere.

hier geht es nicht mehr weiter

hier geht es nicht mehr weiter

Also probierte ich vom Gipfel aus einen direkten Zugang nach Süden zu finden und wurde aber nicht fündig. Nun nahm ich die geografische Richtung „Ostflanke“ widerwillig zur Kenntnis und stieg direkt vom Gipfelkreuz in die grausige schuttbedeckte Ostflanke ein, ca. 40m rechts (talwärts gesehen) vom Gaskanonenrohr.
Man kennt das von einigen Touren; es gibt Routen die man – ob ihres Erscheinungsbildes – innerlich auf das äußerste bekämpft und als letzte Möglichkeit wählt. Ich finde das aber auch gut so.

das im Führer beschriebene Geröllband auf ca. 2.600m

das im Führer beschriebene Geröllband auf ca. 2.600m

Nachdem ich keinerlei Höhenangaben über den Einstieg zu besagtem breiten, gelben Geröllband hatte mußte ich jeden Felskopf im Abstieg auf dessen Spitze begehen, um Orientierung zu erlangen und, um nicht zu tief zu steigen. Allerdings konnte ich mir auch grob ausrechnen wo die Rinne, oder das Band zu finden sein mußte, denn die Aufstiegsbeschreibung lautete: von der Seespitzscharte 50m hinab und dann über das Geröllband aufwärts – so der Führer – konnte nicht viel tiefer als ca. 2.600m sein, Luftdruckschwankungen am heutigen gewitterträchtigen Tag +/- 50Hm.

Blick zur Seespitzscharte, Höhe kann ungefähr passen, also los!

Blick zur Seespitzscharte, Höhe kann ungefähr passen, also los!

Mit dieser Hilfe erreichte ich auch die Stelle, die es sein mußte. Zur Sicherheit stieg ich noch ca. 50Hm tiefer, um sicher zu sein und die dortigen Felstürme genügten mir, um die Rinne als die richtige zu identifizieren (man muß sich vorstellen, daß man dort unterwegs ist wie einst Carl Gsaller, keine Wegspuren, keine Markierungen, keine Steinmänner, dafür Geröll und Geröll und Geröll).

mitten im Geröllband

mitten im Geröllband

Nun sieht das Band von dieser Seite so ganz anders aus, als auf dem Foto, daß von ca. ½ km Entfernung aufgenommen wurde und ich wunderte mich, daß es eher flach war und im zu überblickenden Teil so gar nicht steil, sondern mit Ausläufern versehen, wo man im Abstieg sogar kurz aufwärts gehen muß.

letzte grausige Stelle im Geröllband

letzte grausige Stelle im Geröllband

Den schon beim Einstieg sichtbaren spitzen Felsturm mit der Zipfelmütze am Ende des Geröllbandes, in der Schlucht, die von der Seespitzscharte hinab Richtung Schlick zieht, habe ich gar nicht bemerkt. Sie beschreibt der Führer nicht, jedoch fand ich diesen Hinweis im Internet.

Rückblick auf den flachen Teil des Geröllbandes

Rückblick auf den flachen Teil des Geröllbandes

Entschlossen stieg ich ein und entdeckte nach dem dritten Ausläufer, daß der letzte Graben zwischen zwei Ausläufern grausig steil ist, mit kleinstückigem Schutt bedeckt und mit ungeheurer Steilheit abfällt. Dies ließ mich zuerst erschaudern, da es ungangbar aussah. Bei näherer Betrachtung stellte ich jedoch ein festes Felsband fest, das sich zum Übersetzen eignen sollte und es war auch so. Allerdings möchte ich keine Hand ins Feuer legen, daß diese Situation immer so erhalten bleibt, denn oberhalb dieses Geröllbandes türmen sich 100m hohe Felsen auf, die die Landschaft darunter prägen, vor allem der brüchige Hauptdolomit.

letzter Teil des Geröllbandes, steil abfallend in die Schlucht unterhalb der Seepitzscharte

letzter Teil des Geröllbandes, steil abfallend in die Schlucht unterhalb der Seepitzscharte (Zipfelmütze rechts neben dem Altschneefeld)

Im Notfall müßte man einige Meter absteigen und sein Glück in der Vertiefung darunter suchen. Diese scheint jedoch nichts anderes zu sein als eine Verklausung der Rinne und kaum fester Fels, das empfand ich zumindest so.

Ausblick nach Osten

Ausblick nach Osten

Nach dieser Passage ist dann der Abstieg in das Tiefste des Geröllbandes bzw. der Schlucht angesagt. Es ist aber auch die leichteste Passage, ca. 25Hm lang und sie endet unter dem markanten Felsturm mit der Zipfelmütze. Dort ist man dann in einer Umgebung die einen erschaudern läßt, Ihresgleichen sucht und die man so schnell nicht wieder zu Gesicht bekommt.

So weit ist man unterhalb der Seespitzscharte und es kommen noch 20Hm dazu

So weit ist man unterhalb der Seespitzscharte und es kommen noch 20Hm dazu

Zur Seespitzscharte hinauf zieht ein Graben, der zu Gänze mit Blockwerk, löchrigen Kalken mit gerundeten Formen, Lehm und Schutt gefüllt ist – Raiblerschichten –  eine extreme Steilheit besitzt und man spürt, daß man hier auf schnellstem Weg hinaus möchte. Bei Regen, oder einem Gewitter möchte ich diese Passage nie erleben und bin überzeugt, daß sie dann so steinschlagträchtig ist, daß man sie nicht begehen kann ohne getroffen zu werden. Die Schutzmöglichkeiten in den Flanken sind zu gering, als daß man es wagen könnte.

Rückblick auf den steilen Teil des Geröllbandes aus dem Tiefsten in der Schlucht angelangt

Rückblick auf den steilen Teil des Geröllbandes aus dem Tiefsten in der Schlucht angelangt

Blick vom Ankunftspunkt in der Schlucht zur Seespitzscharte

Blick vom Ankunftspunkt in der Schlucht zur Seespitzscharte

Nach dem schnellen Aufstieg findet man sich keuchend in der Seespitzscharte wieder. Es gibt nun die Möglichkeit diese westwärts über die Reise hinunterzulaufen, jedoch ist diese wenig einladend (keine schöne Reise mit kleinstückigem Schotter, viel verfestigte Sandpartien und großblockige Felsstücke), oder über einen Riß im der südlich gelegenen Trenngrat zu überschreiten und auf den Normalweg zur Schlicker Seespitze zu gelangen. Diesen Überstieg empfehle ich auch.

Riß mit Übergangsscharte zum Normalweg auf die Schlicker Seespitze

Riß mit Übergangsscharte zum Normalweg auf die Schlicker Seespitze

Er wird höhenmäßig vorgenommen ca. in der Hälfte der Gratkette bei einem tiefen Riß der wegen jungen Ausbrüchen recht hell gefärbt ist. Man ersteigt ihn über einen engen Kamin der sicher ist und nicht sonderlich schwierig. Am oberen Ende liegen drei Felsblöcke, die man einfach übersteigt und sich auf einem Schärtchen wiederfindet.
Auf der Südseite des Schärtchens sieht man schon einen bequemen Zustieg zum Steig auf die Seespitze, dort steigt man auch bequem ab und hat somit nun alle Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Riepenwand gemeistert.

die Seespitzseite vom Schärtchen aus

die Seespitzseite vom Schärtchen aus, Weg im rechten Teil des Bildes gut sichtbar

Zu Dokumentationszwecken bin ich weiter auf die Seespitze und habe das Geröllband nochmals festgehalten.

Geröllband von der Flanke des Aufstieges zur Seespitze aus gesehen; so extrem wie es von dort erscheint ist es aber doch nicht

Geröllband als geologische Trennschicht von der Flanke des Aufstieges zur Seespitze aus gesehen; so extrem wie es von dort erscheint ist es aber doch nicht

Eine Dokumentation über die Schlicker Seespitze findet man hier.
Am Gipfel traf ich einen netten Kollegen aus Telfes mit dem ich abgestiegen bin, da über dem Lüsener Ferner bereits dunkelgraue Wolkentürme sichtbar waren. Er ist dann in bemerkenswerter Geschwindigkeit über, wegen Unwetter an Vortagen, teils weggerissenen Steigpassagen zum Hoadlhaus und weiter zum Halsl gelaufen. Hoffe, trockenen Fußes.

Muren der eltzten Tage am Steig zum Hoadlhaus

Muren der eltzten Tage am Steig zum Hoadlhaus

In der Adolf Pichlerhütte habe ich dann noch kurz eine Jause eingenommen und das Log des Tages von der Uhr genommen.
Mit dem Aufstieg ab der Adolf Pichler Hütte waren es total 1.500Hm im Aufstieg (incl. Schlicker Seespitze) und knapp über 6 Stunden. Von der Adolf Pichler Hütte zur Kemater Alm braucht man 20min und dort habe ich, dem Gewitter gerade entkommen, noch einen romantischen Almaufenthalt bei Kerzenlicht gehabt.

 

das Gewitter nimmt gleich seinen Lauf

das Gewitter nimmt gleich seinen Lauf

Ein schöner Tag in den Kalkkögeln und vielfältige Eindrücke, die lange hängen bleiben.
Leider Fotos nur in Handyqualität wegen des Verlustes meiner Kamera auf dem Grat zur Brantlspitze. Werde mich bessern.

Mils, 24.07.2015