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Schitour Nördlicher Roßlauf, 2.881 m

Mit einem äußerst beeindruckenden Osthang über die hohe Steilstufe in die breite Karmulde teilt sich die Schitour auf den Nördlichen Roßlauf den ersten Teil des Aufstiegs mit dem Obernberger Tribulaun. Früh am Tag, bereits kurz nach Sonnenaufgang am Hang, firnt er auf und bietet unter stumpfem Einstrahlwinkel meist einen herrlichen Aufstieg, der ohne Harscheisen möglich ist. Nach der Karmulde und einer weiteren kurzen Steilstufe trennen sich die Anstiege – die Schitour auf den Nördlichen Roßlauf folgt zunächst einer entgegengesetzten Route als jene zum Obernberger Tribulaun und führt über phantastisches Gelände bis zum flachen Gipfel, der durch einen Steinmann markiert wird.

Blick zum Gipfelplateau des Nördlichen Roßlaufs

Wer das Gelände von Obernberg über den See in die hinteren Gefilde der Seealm kennt, der weiß um das Kleinod an Landschaft. Der eher flache untere Teil des Anstiegs führt über Almwiesen auf das Plateau des Obernberger Sees und am Ufer desselben an der malerischen Seekapelle zu „Unserer lieben Frau am See“ vorbei.

imposante Kulisse am Nördlichen Roßlauf auf den Pflerscher Tribulaun

Im Winter unterschreitet man die hölzerne Rundbogenbrücke und nimmt Richtung Ende des Sees die Uferböschung, die zu Beginn etwas geneigter ist und gegen das Ende hin flach ausläuft.

Oberberger Tribulaun im Morgenlicht

Am Ende des Obernberger Sees führt der Anstieg wieder und den Wald, vorbei an zwei Privatgebäuden. Die Strecke im Wald ist denkbar kurz und an ihrem Ende beginnt der phantastisch schöne Aufstieg auf das Tribulaunmassiv, und der atemberaubende Blick nach dem dichten Wald erstreckt sich nach dem plötzlichen Ende der Waldstrecke über 800 Hm bis zum Ansatz des großen Kars im Herzen des Bergstockes.

Blick auf den langen Aufstiegshang

Nach anfänglich eher flacherem Terrain steilt der Aufstieg am Schuttkegel zunehmend auf, bis er, im engeren Teil, weit über 30° hinaus geht. Im Frühjahr liegt der dann durchgehend steile Teil meist schon so lange in der Sonne, daß man bei angenehm griffig angetauter Oberfläche auch die Harscheisen umsonst im Rucksack trägt, es sei denn, man unternimmt ihn sinnlos früh, etwa vor 6:30 ab dem Parkplatz in Obernberg.

am unteren Teil des Schwemmkegels des langen Kars

Während des schönen und aussichtsreichen Aufstiegs bieten sich wirklich bärige Fotoszenen auf die im Süden prangende Bergwelt des Tuxer-Kammes der Zillertaler und im oberen Teil, nach dem großen Kar in der zweiten Steilstufe sogar bis hinein in den südlichen Landesteil mit den grandiosen Dolomitengruppen.

etwa halber Aufstieg bis zur großen Karmulde

Im Dolomit befindet man sich im nördlichen Tribulaunmassiv übrigens auch, die Gesteine der sich auftürmenden Felsen links und rechts des Aufstiegs werden aus Hauptdolomit, Kalk- und Dolomitmarmor gebildet und sind in der Bezeichnung metamorpher Kalkkomplex zusammengefasst.

oberer Teil des langen Hangs

Nach der zweiten, kleinen Steilstufe über das große Kar, das Kachelstube genannt wird, und seiner Westflanke unter den massiven Felsbau trennen sich die Routen. Zum Obernberger Tribulaun steigt man rechts, (nördlich) weiter, zum Nördlichen Roßlauf quert man einen Steilhang nach links, in südliche Richtung.

kurz in die große Karmulde bevor es links unter den Felssporn hinaufgeht

Die Querung ist nicht von langer Dauer, jedoch erfolgt sie etwas abschüssig in steilem Gelände und deshalb, im Steigmodus mit Fellen, etwas unangenehm. Dies vor allem dann, wenn kurz vorher wenig Neuschnee auf eine schon kompakt umgewandelte Schneedecke gefallen ist und dieser mit den Schrittbewegungen leicht abrutscht.

Trinkpause in der großen Karmulde

Bald hat man aber den tieferen Felssporn unterquert und befindet sich wieder im Steiggelände in einem weiteren schön geformten Kar, das gegen eine hohe Felswand neben einer kühnen Abfahrtsrinne am Talende hin durchstiegen wird. Im Rückblick tut sich mitten im Kar ein einzigartiger Blick gen Süden auf.

Abzweigung zum Obernberger Tribulaun

Die Karmulde zieht sich und zieht sich mit steiler werdendem Gelände und im Verein mit der dauernden Sonnenbestrahlung kann es leicht passieren, daß man, so wie der Verfasser dieses Berichtes, regelrecht „eingeht“. Die Kombination von den Anstrengungen des Anstiegs und der im Frühling noch ungewohnten Intensität der Sonne veranlaßten uns zur erweiterten Rast.

herrliches Aufstiegsgelände

Die letzte Etappe besteht nochmals aus einem steileren Teil, der bis an den Wandfuß des Querriegels am Talende heranführt und auf eine letzte Stufe vor dem Grat führt.

Rückblick aus der Mulde

durch ein mittelbreites kurzes Couloir führt der Anstieg dann steil auf den Gratrücken, der zum Gipfelaufbau leitet.

Passage unter dem letzten Querriegel nach Norden

Der Nördliche Roßlauf verfügt auch über einen rassigen Gipfelaufbau, bei dem man die Schi am besten am Rucksack trägt.

Couloir mit dem Gipfelaufbau des Nördlichen Roßlaufs im Hintergrund

Die Flanke eignet sich aufgrund der Steilheit nicht unter Schi begangen zu werden und somit empfiehlt sich rechtzeitiges Ablegen der Schi und am Rucksack verstauen, oder ein Schidepot anzulegen, weil die Abfahrt – zumindest in unserem Fall – nicht besonders erstrebenswert erschien.

kurze Steilpassage

Eine kurze Steilstufe mit beträchtlicher Hangneigung führt auf eine kurze Flachstelle von der ein letzter kurzer Gratabschnitt auf das leicht gerundete langgezogene Gipfelplateau führt. All diese Abschnitte innerhalb eines Aufstiegs von etwa 70 Hm.

Rückblick auf die Steilpassage

Der Gipfel des Nördlichen Roßlaufs ist kein spektakulärer. Das schlichte Steinmandl zeugt von der Würdigung als eigenständiger Gipfel, ziert den Nördlichen Roßlauf jedoch kaum. Der Obernberger Tribulaun hat ihm im Gebirgsstock den Rang abgelaufen, da er vom Obernbergtal aus deutlich sichtbarer ist, obwohl er aufgrund des dolomitischen Baues ebenfalls keinen spektakulär spitzen Gipfel bildet sondern, der streng liegend gerichteten Schichtung des Dolomits folgend, ein Plateau ausbildet.

der Verfasser kämpft mit den letzten Metern

Wenig beeindruckendes Terrain am Gipfel, aber viel Platz und die obligate Marmorfließe der Grenzziehung, die vor hundert Jahren zwischen dem südlichen und dem nördlichen Landesteil geduldet wurde, fällt nahe der Abbruchkante der Südflanke ins Pflerschertal auf.

Am Nördlichen Roßlauf – Blick zum 100 m niedrigeren Obernberger Tribulaun

Der Ausblick gegen den Süden und Westen könnte imposanter nicht sein, der von den Dolomitengruppen, über die Brentagruppe im Trentino, dem nahegelegenen schönen Schitourenberg der Hohen Kreuzspitze und der unmittelbar gegenüberliegenden netten Schitour auf die Ellesspitze reicht, und unmittelbar gegenüber die beiden Tribulaune in ihrer Größe eindrucksvoll präsentiert.

Steinmandl am Nördlichen Roßlauf

Im Westen erscheint der lediglich gut 2 km entfernte Pflerscher Tribulaun in seinem gesamten Aufbau mit der beeindruckenden hauptdolomitischen Spitze auf ebenfalls dolomitischem, aber älterem Mittelsockel, und der völlig konträren Basis von Ötztal-Stubai Kristallin.

beeindruckend – Pflerscher Tribulaun

Etwas nördlicher der Gschnitzer Tribulaun, dessen Aufstiegsflanke ab der Schneetalscharte vom Nördlichen Roßlauf aus zur Gänze einsehbar ist.

Schneetalscharte und Aufstiegsflanke auf den Gschnitzer Tribulaun

Noch nördlicher als der Gschnitzer Tribulaun türmt sich der mächtige Habicht auf und dessen oberer Teil des Südanstiegs, vom Gschnitztal aus, kann ebenfalls gut eingesehen werden.

gegenüber im Pflerschtal Wetterspitze, Maurerspitze und Ellesspitze, über Botzer bis hin zum Wilden Freiger

Den Abschluß der phantastischen Schau über die Bergketten mit derselben tektonischen Vorgeschichte wie der Nördliche Roßlauf bildet der Serleskamm im Norden von der Kirchdachspitze über die Kesselspitze bis hinaus zur Serles.

Blick vom Nördlichen Roßlauf auf den Serleskamm und in die Tuxer Alpen

Im Südosten prangen die Gipfel des Tuxer Hauptkamms in größerer Entfernung. Zwischen Ihnen und den Sarntaler Alpen gibt der Einschnitt des Südtiroler Wipptales den ungehinderten Blick auf die Dolomitengruppen frei, womit sich die bärige Rundschau schließt.

Dolomiten und Sarntaler Alpen

Die sehr steile Abfahrt über den Gipfelaufbau erwies sich bei unserer Begehung gut fahrbar, jedoch windgepresst ruppig, ganz im Gegensatz zu den flacheren Flächen unterhalb die sich durch den Strahlungswinkel aufgefirnt angenehm befahren ließen.

Abfahrt über das Steilstück am Gipfelhang

Die steile Rinne gleich nach dem Gipfelaufbau rechts haben wir nicht befahren, außen um den letzten felsigen Querriegel herum fanden wir einen bärigen Ausgleich.

ruppige Abfahrt

Wenige Abfahrtsspuren säumten unsere Abfahrt durch die obere Karmulde hinaus, außer uns hat kaum eine Handvoll anderer den  Nördlichen Roßlauf bestiegen.
Am Ende an dem sie sich weitet und in einen offenen steilen Hang übergeht fährt man direkt zur unteren Steilstufe hinab und kürzt damit die flachere Kurve des Aufstiegs ab.

Abfahrt durch das Couloir

Über den langen und steilen Hang hinab erlebten wir zur Mittagsstunde schon wesentlich weichere Firnoberflächen, die für eine Abfahrt eine gute Stunde vorher perfekt vorbereitet gewesen wären.

bestes Gelände unterhalb des Nördlichen Roßlaufs

Weiter unten, im langen Steilgelände besserte sich Firnqualität und Schmelztiefe wieder ein bisschen und insgesamt betrachtet freuten wir uns über die feinen Verhältnisse auf den beeindruckend langen Hängen mit der sehr gleichförmigen Neigung.

in der Karmulde

Etwa 15 Hm Abstieg machen die Flachpassage nach dem Wald und über Erstreckung des Obernberger Sees bis zum verfallenen Gasthaus recht erträglich.

Die Schiebestrecke war auch mit weicher Oberfläche am Ufer nicht allzu kraftraubend und über die Oberreinsalm konnten wir bis zur Brücke abfahren.

letzte Schwünge im steilen Hang

Über 1.460m erstreckt sich der Aufstieg vom Parkplatz auf den Nördlichen Roßlauf. Die Streckenlänge beträgt 6,2 km und weil die ungewohnte Frühjahreshitze dem Verfasser gar so in den Körper fuhr haben wir mit mehr Pausen als gewöhnlich insgesamt 6 Stunden benötigt.

Mils, 24.04.2021

Schitour Obernberger Tribulaun, 2.780m

Imposant erscheint die steile Aufstiegsrinne schon von weitem und sie ist im Frühjahr bereits am Morgen stark besonnt, wenn man sie über das Seeufer des Obernberger Sees ins Visier nimmt. Ihre östliche Ausrichtung taucht sie bereits weit vor 7 Uhr in direktes Sonnenlicht mit stumpfem Winkel, sodaß ein früher Aufstieg – wir waren mit dreiviertel sieben ab dem Parkplatz nicht zu früh – ratsam ist. Viel früher aber auch nicht, damit man sich im steilen unteren Teil nicht plagen muß.

Obernberger Tribulaun, 2.780m

Bereits am Weg zum Obernberger See konnten wir teilweise mit Schi gehen, entlang des Seeufers mußten wir bis kurz vor das Kirchlein tragen. Bald verließen wir den Weg und marschierten mit etwas Sicherheitsabstand am Ufer dem See Ende zu, vorbei an dem letzten Gebäude durch den kurzen Wald bis zur schönen freien Fläche unterhalb der Rinne.

Kleiner Tribulaun vom Parkplatz Obernberg gesehen

Etwa 700Hm des Aufstiegs können am Fuße des leicht ansteigenden Hanges zur Rinne eingesehen werden. Ob als sogenannte „Kachelstube“ die Rinne selbst, der Hang rechts davon, oder gar erst der obere Teil des Aufstiegs im Kar bezeichnet wird ist im Kartenwerk (AV/Tiris) widersprüchlich bezeichnet.

Aufstiegsrinne Obernberger Tribulaun

Der untere Hang steilt zu Rinne hin kontinuierlich auf und leitete uns auf bereits gut aufgefirnte Oberflächen, sodaß Harscheisen nicht benötigt wurden.  Zwischen den Schneerutschungen hindurch muß im Frühjahr der Aufstieg angelegt werden.

nach dem kurzen Waldstück nach dem See

Bei unserer Begehung waren die Lawinen schon Tage zuvor abgegangen, gesetzt sowie die Oberfläche mehrfach durch Schmelze angeglättet und deshalb einigermaßen bequem zu durchschreiten.

angenehmer Aufstieg am flachen Hang bis zur Rinne

Die Rinne erreicht etwa ab 1.900m gleich knapp an die 40° Neigung und führt in dieser Steilheit weiter.

es wird gleich ordentlich steil

Die Durchquerung der Lawinenstriche in Spitzkehren wurde in der Folge etwas unbequemer, weshalb wir etwa bei 2.050m beschlossen das apere Band einer Rippe rechts der Rinne zu nutzen und über Bergwiesen weiter bis unter die oben sichtbare Felswand zu steigen. Dort sollte es wieder mit Schi und Spitzkehren weitergehen.

wir queren und halten uns weiter rechts der Lawinenrutschungen

Natürlich war es angenehmer den Aufstieg mit geschulterten Schi fortzusetzen und weil die Rippe fast durchgehend aper war, kamen wir auch mit höherer Steiggeschwindigkeit voran.

bei engem Spitzkehrenaufstieg durch die Schneerutschungen entscheiden wir über das apere Band weiter aufzusteigen

Während des Aufstieges konnten wir die jahreszeitlich bereits enorme Kraft der Sonne im Nacken spüren. Gegen halb neun Uhr mußte auch der sehr sonnencremeresistente Autor einen Finger voll aus seiner kleinen Sonnencremetube nehmen. Der Schnee war bereits so aufgeweicht, daß man mit einer Masse von gut 100kg bis zu den Knien einsank und das Stapfen zum schweißtreibenden Erlebnis wurde.

oben auf 2.300m angelangt geht es wieder unter Schi weiter

Auf 2.300m, unterhalb des Felsabbruches steil ober uns, war dann auf einem leicht abgeflachten Teil Schluß mit der Stapferei. Wir konnten dort wieder die Schi anschnallen und links in die sich nach oben hin sehr breit auffächernde Rinne einsteigen.

kurze Pause und die Schi wieder abgeladen

Die Rinne büßt dort noch gar nichts von ihrer Steilheit ein, weitere 150Hm Aufstieg sind nötig, um auf flacheres Terrain zu gelangen. In diesem letzten Teil bis zum flacheren Gelände fühlt man sich beim hinunterschauen etwa wie im oberen, ruhigeren Teil eines Trichters, dem gurgelnden Schlund in der Tiefe entronnen.

Aufstieg durch den „Trichter“ – Flex spurt wieder voran

Die Höhe beträgt nun gut 2.450m und ein Richtungswechsel im Aufstieg steht nach der mächtigen absolvierten Rinne an. Mit dem Richtungswechsel tut sich der Blick auf ein phantastisch schönes Kargelände – man könnte fast sagen ein Kartal – zur Scharte zwischen dem Obernberger Tribulaun und dem Übergang zum Nördlichen Roßlauf auf.  Von unten nicht einsehbar bezaubert diese Höhenlandschaft enorm.

Rückblick, zwei Burschen folgen uns – es sollten die einzigen außer uns bleiben

Sofort erkennt der versierte Winterbergsteiger, daß der Aufstieg in der linken Karflanke auf die nächste Geländestufe sinnvoller ist, als die direkte Linie über die tiefste und schmalste Rinne am Karende.

ab etwa 2.450m wird es über das Kar wieder flacher bis zur nächsten Steilstufe

Der Aufstieg über die linke Flanke präsentiert sich in dieser großartigen Landschaft wieder etwa so steil als im oberen Teil des Trichters, immer aber angenehm bis oben hin. Der Schnee war selbst auf 2.600m bereits leicht aufgefirnt und ohne Harscheisen zu begehen.

kurz vor der nächsten Steilstufe

Die folgenden 100Hm ab einer leichten Senke bis zu der schon bald sichtbaren Scharte im Tribulaunkamm bis zum Grenzkamm mit dem Nördlichen Roßlauf waren bei unserer Begehung zwar teilweise hart, jedoch einwandfrei zu begehen.

Steilstufe oberer Teil

Dieser kurze Abschnitt beinhaltet einen kurzen Teil mit 40° Hangneigung für den, bei nicht so optimalen Bedingungen wie wir sie vorfinden durften, eventuell sogar Steigeisen erforderlich sein können.

etwa 2.650m, die letzte Hürde ist der Hang zur Scharte

Die Ausrichtung des Hanges zur Scharte befindet sich am Vormittag in eher spitzem Winkel zur Sonneneinstrahlung; und im Verein mit der Geländehöhe von immerhin 2.700m firnt es dort selbst nach 10 Uhr vormittags nur mäßig auf – genug jedoch in unserem Fall, um im Tourenmodus unter Schi komfortabel auf die aussichtsreiche Scharte zusteigen.

letzter steiler Hang (dieser könnte Steigeisen und Pickel erfordern)

Von der Scharte öffnet sich der Blick auf das jenseits liegende schöne Hochkar, von dem die Tourenpartner zu berichten wussten, daß es eine Nordabfahrt gibt. Wir waren uns einig, daß sie von uns sicher einmal erkundet werden wird, jedoch in einer nächsten Besteigung und eher gegen Ende im Hochwinter als im Frühjahr.

Evi im letzten Steilhang

Die letzten knapp 100Hm von der Scharte bis zum Gipfel des Obernberger Tribulaun vollziehen sich auf leichtem Gelände über einen sehr breiten Rücken der sehr vom Wind geprägt wird und durch äußerst hart gepressten Schnee bis zum Gipfelkreuz führt.

jenseits der Scharte die Nordabfahrt

Am Weg dorthin muß noch eine letzte Kuppe mit steiler und harter Nordflanke passiert werden – keine Schwierigkeit und nicht ausgesetzt.

letztes zu überschreitendes Köpfchen vor dem Gipfel

Dahinter ging es leicht abwärts etwa 40m zum massiven Gipfelkreuz des Obernberger Tribulaun mit seiner phantastischen Aussicht vor allem auf unsere südlichen Landesteile von den Pfunderer Bergen bis in die Dolomiten.

das Gipfelkreuz des Obernberger Tribulaun

Die ostseitig ausgerichtete Vorderfront des Kleinen- und Obernberger Tribulaun bietet eine grandiose Sicht auf Obernberg- sowie Schmirntal, auf die Tuxer Alpen und den Grenzkamm im Südosten.

Habicht im Nordwesten

Im Nordwesten kann der mächtige Habicht bestaunt werden und seine Zustiegsrichtung im Winter – die Südflanke liegt offen da.

Fernsicht bis zu den Dolomiten in 60km Entfernung

Bei besten Verhältnissen am Gipfel und ohne nennenswerten Wind verbrachten wir ein knappes halbes Stündchen am Obernberger Tribulaun, bevor die Abfahrt um 11 Uhr angetreten wurde.

Evi, Magdalena und Andi am Obernberger Tribulaun, dahinter die Zillertaler Alpen

Da am Gipfel keine windgeschützte Ecke zu finden war entzündete Flex das von ihm mitgebrachte Gedenkkerzlein in den Felsen nach der Scharte – es mögen die wenige Tage zuvor getöteten Kameraden David, Hansjörg und Jess in Frieden ruhen.

Suche nach einem windgeschützten Plätzchen

Die Abfahrt im oberen Teil bis zurück zum „Trichtereinlauf“ war mit einem Wort grandios!

Blick auf die bevorstehende Abfahrt

Beste Firnverhältnisse im obersten Teil ließen die Steilabfahrt zum Vergnügen werden und bis zum unteren Teil vor dem Trichtereinlauf genossen wir die Schwünge.

phantastische Abfahrt im oberen Teil

Ab dem Beginn des Trichters begannen die bereits sehr weichen Schneeverhältnisse dann einigermaßen anstrengend zu werden und mit zunehmender Tiefe fiel es schon schwer einen Schwung professionell auszufahren – die Dichteunterschiede im Schnee durch die Lawinenrutscher hindurch erforderten erhöhte Konzentration.

zu Beginn des Trichters ist die Schneedecke bereits tief aufgetaut

Je tiefer wir kamen desto schwerer wurde der weitgehend aufgeweichte Schnee im steilen Hang fahrbar – eine anstrengende Angelegenheit, die zu mehreren Pausen zwang.

Weiter unten besserte sich die Aufweichtiefe und über den Zustiegshang zur Rinne hatten wir nochmals gute Firnbedingungen bis hinab zum Wald.

unterer Teil der Steilrinne

Bei geschickter Wahl der Route durch den Wald und mit mäßigem Anschieben konnten wir fast bis zur Brücke zum Kirchlein fahren. Dort wurde ohnehin Schultern der Schi notwendig, da bis zum Seeanfang alles aper war.

Andi zieht seine Spur in den schweren Schnee

Die letzte kurze Abfahrt gab es dann am Almengelände nahe dem Wald wo die Sonne noch ein schmales fahrbares Band bis zu den untersten Hütten übrig gelassen hat.

Ab hier die Schi geschultert bis zu den Almenwiesen unterhalb des Sees

Für die 1.375Hm haben wir gesamt 5:40 Stunden benötigt (von/bis Parkplatz, Gipfelaufenthalt etwa 30min).

Track Obernberger Tribulaun

Die Tour erfordert geringe Lawinengefahr (man beachte die Hangneigungskarte in der Bildergalerie), sichere Spitzkehrentechnik in steilem Gelände, Harscheisen sind Bedingung, wir hatten auch Steigeisen/Pickel dabei, beides jedoch nicht benötigt. Ein früher Start, siehe oben, sichert eine schöne Schitour.

Mils, 20.04.2019