Schitour Gstreinjöchl, 2.520 m

Keine Gipfeltour und keine bekannte Schitour unternimmt man bei der eher kurzen und reizvollen Schitour auf das Gstreinjöchl. Sie besticht durch den Steilhang im Mittelteil, der beeindruckenden Nachbarschaft der Tribulaune und des Muttenkopfs. Das Jöchl selber wird gar nicht betreten, die Tour endet etwa 200 m vorher auf einem Felskopf, der sich im Frühjahr, ausgeapert, bestens zur Gipfelrast eignet und den Logenplatz vor dem Gschnitzer Tribulaun darstellt, hinter dessen rundlichem Gipfelrücken das bizarr aufragende Gipfelspitzl des Pflerscher Bruders hervorragt.

„the view“ – Gschnitzer Tribulaun vom Gstreinjöchl

Mit knapp über elfhundert Meter ist die Schitour eine eher kurze und ihr Reiz dürfte im Frühjahr größer sein als im Hochwinter, allenfalls aus Sicht der Sicherheit auf dem Mittelteil, der mit gut über 40° auch entsprechende Verhältnisse voraussetzt.
Abseits von den klassischen Touren im Obernbergtal wird mit der Inneren Wildgrube ein phantastisches und einsames Gebiet im nordöstlichen Ausläufer des Tribulaunkammes.
Die Hänge, vielmehr die Rinnen und Rippen, die den gesamten Hang bis zum tiefsten Talkessel durchziehen, bieten ein nicht alltägliches Abfahrtsabenteuer und deren oberste Ansätze könnten vom Freak als Halfpipe beschrieben werden.

Hintertrenns und die Schwarze Wand Spitze von Obernbarg aus

Am gewaltigen Schwemmfächer wird über die im Frühjahr verbleibenden Schneefelder gegen das Tal nach Hintertrenns angestiegen, wobei die beste Route, wie wir beim Ansteuern der Richtung zur Kapelle beim Waldbauern erkennen mußten, das weite Bachbett darstellt, und hier der äußerst linke Uferbereich, der mit einer kleinen Böschung gegen Ausapern geschützt ist. Weiter drin, bereits im engen Tal, erfolgt dann die Querung des Bachs auf dessen Nordseite und dem ausgeschnittenen Sommerweg wird gefolgt.

der schöne Hang vom Gstreinjöchl herab nahe dem Talschluß in Hintertrenns

Auf einem schwach ausgeprägten Sattel mit Wegweiser kann der weitere Aufstieg über die Schuttreise bis hinauf zu den gewaltigen Hauptdolomitfelsen eingesehen werden.

am Sommerweg auf das Gstreinjöchl

Über diesen Hang führt der Sommerweg und er wird mittels Spitzkehren bis zu den aufragenden Wänden über seine beeindruckenden 350 Hm aufgestiegen.

Aufstieg zur Inneren Wildgrube

Zwischendurch überquert man die im Frühjahr unvermeidlichen Nassschneelawinenreste, die bei unserer Begehung bereits viele Tag alt und leicht zu überqueren sich erwiesen.

unterer Teil des Aufstiegs – Blick ins Obernbergtal; unten eilen Martin und Chris heran

Kurz vor den Felsen zweigt der Sommerweg etwas westlich der Rinne an, auf die es Chris abgesehen hatte. Er und Martin hatten uns im Aufstieg über den langen Hang eingeholt und übernahmen nun die Führung.

das Gelände wird steiler

Dem Sommerweg kann im Aufstieg mit Harscheisen ebenfalls gefolgt werden, er zieht westlich über die linke Rippe fort und wird erst weiter oben, nach der Steilstufe, wieder sichtbar. Zwei andere Tourengeher nahmen diese Variante und verschwenden hinter der Rippe linkerhand.

die steile Rinne fast erreicht

Chris steuerte zielsicher die steile Rinne zwischen Fels und Rippe an, aus der Lawinenreste, nun deutlicher ausgeprägt und jünger, unseren Aufstieg mittel Stapfen notwendig machten.
Am unteren Rand der Lawinenreste verstauten wir die Schi am Rucksack und stiegen in der Rinne auf.

Stapfstrecke erreicht – ab hier ohne Schi weiter

Nach schätzungsweise 80 Hm wird ein kleines aperes Band erreicht, das auffallend flach zur Rechten auf einen flacheren Bereich des Hanges über den Felsen hinauszieht. Die Stelle befindet sich weit unterhalb des Sommerweges, der in einem weiten Bogen darüber nach rechts hinaufzieht und von unserem Aufstieg aus nicht sichtbar war.

dies ist der steilste Teil mit etwa 43° Hangneigung; die Strecke ist nicht lange

Wir nahmen nun das bereits leicht ausgeaperte Querband auf den nächsten Hangteil, der über eine Steilstelle auf die Rippe erreicht wurde. Nach etwa weiteren 20 Hm konnten wir im Flacheren wieder die Schi anlegen und in der erquickenden Morgensonne weiter aufsteigen, wobei wir wieder mit den beiden anderen Tourengeher zusammentrafen.

Querung am Band

Etwa nach einer Viertelstunde war das untere, südwestliche Ende der Inneren Wildgrube erreicht und der Blick mindestens eine Trinkpause wert.

Rückblick auf den steilen Aufstieg

Bei Betrachtung des Übergangs von der Nordostecke der Inneren Wildgrube auf den Muttenkopf keimte gleich der Gedanke an einer möglichen Überschreitung auf, wobei die Westflanke des Muttenkopfs schon sehr steil ausschaut und vielleicht einmal im Sommer erkundet werden soll.

welch Kulisse!

Ein prachtvoller Hang stellt sich am Rastpunkt als Begrenzung der Inneren Wildgrube gen Westen entgegen und dieser bildet die nächste Etappe, bevor es unterhalb des Grates auf das Gstreinjöchl zu geht.

eine kurze Trinkpause mit dem Obernberger Tribulaun im Hintergrund

Der Hang, etwa 150 Hm messend, wird in Spitzkehren aus dem Tiefsten der Grube angegangen, somit steigt man zuerst einige Minuten unter moderater Steigung zur nördlichen Begrenzung, in der uns Lawinenreste zur ersten Spitzkehre zwangen.

Aufstieg an der Südwestbegrenzung der Inneren Wildgrube

Steil und schweißtreibend erfolgt der Aufstieg über den völlig im stumpfen Winkel beschienen Hang. Nach ein paar langen Etappen, in denen die Umgebung ausgiebig aufgenommen werden kann, folgen wenige Spitzkehren bis zur Abflachung auf knapp unter 2.400  m und der Grat zum Gstreinjöchl wird sichtbar.

Evi mitten im Hang, oben der Grat bereits sichtbar

Schräg nach Süden geht es von dort unterhalb der Gratköpfe und neben Felstürmchen mit moderater Steigung gegen das Gstreinjöchl weiter.

Rückblick mit Grateinschnitt und der Kirchdachspitze

Ein wunderbarer Blick auf die südöstlich gegenüberliegenden Tribulaune im Obernbergtal und auf den weit dahinter liegenden Tuxer Hauptkamm der Zillertaler kann dabei genossen werden.

sagenhafte Kulisse in Richtung Zillertaler

Bald wird eine Senke erreicht an deren jenseitigem Ende zwei Felsspitzln die in direkter Sichtlinie zur Schwarzen Wand stehen. Diese Felsspitzln stellten unser Ziel dar und sie befinden sich noch knapp 400 m von Gstreinjöchl entfernt. Unser Rastplatz liegt auf 2.550 m, der Jochübergang auf 2.533 m.

Blick gen Süden mit Schwarzer Wand und Endpunkt der Schitour

Über die Senke versuchten wir auf der Bergseite die Höhe zu halten und es ist wahrscheinlich so, daß der Verlust der wenigen Höhenmeter wesentlich geringerer Anstrengung bedurft hätte, aber die innewohnende Übung mußte so kurz vor dem Ziel bewiesen werden.

Versuch der Senke keine Höhenmeter zu schenken; Chris bereits am Ziel

Am Rastplatz muß man feststellen, daß die Aussicht für einen Punkt, der nicht der Gipfelpunkt ist, verblüffend großartig ist.

Endpunkt auf 2.550 m auf das Gstreinjöchl mit Martin und Evi

Da öffnet sich das Becken nach über das Obernbergtal zu den Tuxern und Zillertalern im Südosten und schließt sich gegen Süden mit den gewaltigen Nordwänden des Kleinen und des Obernberger Tribulauns.

Obernbergtal mit Tuxer Hauptkamm dahinter

Der Kessel des Talschlusses bildet enge steile Rinnen auf den flachen Übergang zum Nördlichen Roßlauf bevor der weiße Osthang den bizarren Gipfel der Schwarzen Wand über alle Erhebungen in diesem Kammknoten markiert und der Grat zur Eisenspitze und schließlich zum Gstreinjöchl abfällt.

Schwarze Wand – Nördlicher Roßlauf und links Obernberger Tribulaun

Über dem Jöchl, in der Ferne und scheinbar zum Greifen nahe, prangt der Gschnitzer Tribulaun und, knapp unter seinem Gipfel, am Nordwestgrat, ragt der Gipfelspitz des Pflerscher Tribulaun gegen das Blau des Tages, 540 m höher als unser Rastplatz.

Chris am Rückweg nach der Erkundung der inneren Abfahrtsmöglichkeiten

Mit Glättespitze und Habicht im Nordwesten, dem schönen Grat über die Kalkwand zur Ilmspitze und der imposanten Kirchdachspitze endet das Fenster im Nordosten.

Martin, Evi und Chris am Tourenziel des Gstreinjöchls

Wer genau schaut erkennt exakt im Grateinschnitt zwischen Ilmspitze und Kirchdachspitze den Steingrubenkogel der Kalkkögel in knapp 19 km Entfernung.

Blick von Nordwest bis Nord – Glättespitze, Habicht, Ilmspitze und Kirchdachspitze

Unsere Abfahrt führte uns zunächst etwas nordöstlich auf einen Hang zu, der in einer etwas tiefer gelegenen Rinne mündete, die die beiden Kollegen tags zuvor bereits ausgekundschaftet hatten.

ein stimmungsvoller Blick über die Abfahrt

Und sie taten dies nicht schlecht, sowohl oberer Hang als auch  Rinne erwies sich als ein tolles Abfahrtsabenteuer.

[unkommentiert]

Die durchgehende Steilheit und die Abwechslung zwischen Rippen und Rinnen ist wohl ein Zusammenspiel, das diesen, von Obernberg aus eher unscheinbar wirkenden Hang, eine Höchstnote davontragen läßt.

auf die Rippe zur Rinne

Der Hang wäre geeignet im oberen Teil weitere Querungen taleinwärts zu unternehmen und so weitere Abfahrtsmöglichkeiten zu entdecken. Aber es gibt ja weitere Winter.

Chris eröffnet die Rinne

Wenn man sich bei der Ausfahrt vom Talgrund auf der südlichen Talseite möglichst hoch hält, kann man weit hinaus queren und eine abschließende Abfahrt über einen Lärchenhang bis zum breiten Bachbett erleben.

Martin zwischen Sommer und Winter

Die Querung erfolgt über zwei Lawinenrinnen, die möglicherweise schwer befahrbare Reste enthalten können, die sich bei unserer Ausfahrt aber bereits in weitgehend abgeschmolzenem Zustand befanden.

Blick auf das Obernbergtal

Für den Aufstieg der kurzen und bärigen Frühjahrsschitour haben wir  knapp 3 Stunden benötigt, die gesamte Runde incl. Pausen in 4:10 Stunden bewältigt und einen Gipfelaufenthalt von 35 min verbracht. Der Aufstieg betrug 1.120 m.

und mit Wehmut zum Gstreinjöchl zurückgeblickt

Mils, 25.04.2021

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

13 − zwölf =