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Schitour Wolfendorn, 2.776m – vom Gasthaus Wolf

Einer der Klassiker unter den Schitouren in den Brennerbergen, der Wolfendorn, ist wahrlich ein lohnend Ziel, bietet er doch einen netten Waldaufstieg zu Beginn,  eine steilere Passage oberhalb der Waldgrenze, ein weites schön gestuftes Hochkar und eine bilderbuchhafte Steilflanke zum Gipfel.

Wolfendorn, 2.776m

Darüber hinaus bestechen der rasche Zugang zu den schönsten Teilen und die Länge der Tour. Der Aufstieg bis zur Waldgrenze ist etwa in 70min, zum Beginn der aussichtsreichen Gipfelflanke bei zügigem Aufstieg in gut zwei Stunden geschafft (Gh. Wolf 1.380m – Beginn Gipfelflanke 2.580m).

Start beim Gasthaus Wolf

Der Parkplatz beim Gasthaus Wolf ist klein (etwa 15 Fahrzeuge) und der Wolfendorn ist sehr beliebt – wie man auch auf den Fotos der Abfahrt erkennen kann – also empfiehlt es sich zeitig in der Früh dort einzutreffen, im Fall der heutigen Begehung war das 7:45 Uhr wobei der Parkplatz fast leer vorgefunden wurde.

gut beschildert bis zur Luegeralm

Zwischen dem allgegenwärtigen Getöse der Autobahn freut man sich über Vogelgezwitscher beim Aufstieg zur Luegeralm über den gut beschilderten Waldhang. So manche Abkürzung führt durch dichten Wald und hin und wieder wird der Almweg überschritten.

Luegeralm

Rasch wird an Höhe gewonnen wodurch der Verkehrslärm verstummt und Ruhe eintritt. Schon weit vor der Alm befindet sich der Wald in Stille. Der Aufstieg ist im Durchschnitt steil, zumindest wenn entlang der Abfahrtsspuren im Wald angestiegen wird. Das freie Gelände der Luegeralm betritt man am tiefsten Ausschnitt und durchschreitet es in direkter Linie.

Aufstiegsgelände bis zur steilen Rinne einsehbar

Der Wolfendorn wird von den Italienern, die etwa 130km südlich davon leben, „spinnater (verrückter) Lupo“ genannt. Warum sie sich just hier eines Tiroler Dialektwortes bedienen ist nicht bekannt. Möglicherweise hat das fast hundertjährige schmerzvolle Zusammenleben mit Tirolern Befruchtung in diese Richtung gezeitigt.

durch einen schönen Lärchenwald hinauf

Oberhalb der freien Almfläche führt der Aufstieg im schönen alten Lärchenwald weiter. Ein Zeichen, daß die Lawinentätigkeit durch die folgende steile Rinne nicht so ausgeprägt sein kann. Dir Rinne beginnt oberhalb der Waldgrenze des Lärchenwaldes. In mehreren Spitzkehren wird über die zunächst mittelbreite Rinne angestiegen bevor sie enger wird und der Anstieg über die rechte Flanke in flacheres Gelände hinaus quert. In diesem Bereich ist sie am steilsten (35-39° lt.  OpenSlopeMap).

steile Rinne über der Baumgrenze

Auf der Rippe nach der Flanke angekommen kann das Ziel, der Wolfendorn eingesehen werden. Sogar das Gipfelkreuz ist sichtbar, obwohl den Bezwinger noch etwa 650m Aufstieg davon trennen.

Rückblick in der Rinne

Die rechte Begrenzung des herrlich anzusehenden weiten Hochkars, das mit der Querung auf die Rippe betreten wurde bildet die imposante Flatschspitze (2.566m) mit ihren steilen Rampen und deren senkrechten Abbrüchen.

Wolfendorn mit sichtbarem Gipfelkreuz

Mittlerweile, etwa um viertel nach Neun zu Anfang März, steht die Sonne bereits so hoch, daß der weitere Aufstieg bis zum Gipfel durchgehend beschienen wird, sofern die Wetterlage entspricht, was bei der heutigen Begehung Gottseidank der Fall war, obwohl wesentlich schlechter prognostiziert.

tolle Mulden im Kar

Es geht nun flacher weiter, zunächst sogar einige Meter über die Rippe abwärts, bevor, fast an einen Aufstieg über einen Gletscher erinnernd, ein langes Stück leicht steigend aber bretteben dahingeht, der nächsten Geländekante zustrebend.

Rückblick auf das Hochkar

Die rund 400Hm durch das Hochkar bieten wunderbare Abfahrtshänge, da sie zum Großteil der Sonne abgewandt sind. Auch der Aufstieg durch die weiten Mulden ist ein Genuß, immer die markante Gipfelflanke im Blickfeld. Je weiter gegen diese Flanke angestiegen wird, desto imposanter dringt sie ins Empfinden und je näher sie kommt, desto klarer wirkt die gewaltige Hangneigung (siehe Hangneigungskarte aus Tiris in der Bildergalerie).

letzte Geländestufe vor dem Gipfelhang

Etwa bis 2.660m bleibt die Hangneigung unter 35°, über die letzten 100Hm jedoch steigt sie stetig an. Dies war die Grenze ab der Harscheisen vonnöten waren. Der Schnee war hart, jedoch nicht harschig oder richtig eisig.

etwa dort wo die Kollegen stehen wird der Hang steiler

Ab 2.700m befinden sich etwa 40Hm Aufstieg im Neigungsbereich von über 40°, in dem auch Spitzkehrentechnik gefragt ist. Der Autor weicht den gymnastischen Spitzkehrenübungen immer durch einen Fersentritt auf den Schi aus, der dann in die gewünschte Höhe schnellt und er die Drehung auf diese faule Weise auch hinbringt. Gottseidank filmt das nie jemand.

etwa von 2.600m aus Richtung Gipfel geblickt – die steilen Passagen schon erkennbar

Durch Abfahrtsspuren der vergangenen Tage, sowie durch Stapfspuren befand sich just das steilste Stück in einem rippigen Zustand quer zum Schi bei dem speziell die mittig angeordneten und unerlässlichen Harscheisen kaum Gripp  bekamen – eine Situation für die erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich war, um nicht ins Leere zu treten.

die Steilheit anhand der Spitzkehren der schnelleren Kollegen erkennbar

Die letzten 40Hm flachen dann wieder stetig ab, das Gipfelplateau ist nahezu eben. Die Aufstiegszeit von etwa 2.550m bis zum Gipfel – das sind lediglich ca. 200Hm wurden incl. Harscheisen anlegen 35min benötigt; dies zur Verdeutlichung der Steiggeschwindigkeit am Gipfelhang.

im steilsten Stück

Über den Gipfel des Wolfendorn blies mäßiger Nordwestwind. Der Anraum am Gipfelkreuz jedoch deutete auf den Süden als vorherrschende Wetterlage während des letzten Niederschlags.

Gipfelkreuz

Von Glück konnte man beim Rundblick in die Umgebung reden, daß ausgerechnet ein Kreis um den Wolfendorn heute von Nebel verschon blieb. Im Osten und von Südwesten bis Nordosten zeigten sich die höheren Berge in Nebel eingeschlossen.

Kamm mit Flatsch-, Roll- und Amthorspitze und

Imposant und immer wieder schön anzuschauen erscheinen die Pfunderer Berge im Süden gegenüber mit der Wilden Kreuzspitze (3.132m) und Grabspitze (3.059m).

westliche Pfunderer Berge mit Wilder Kreuzspitze

Ganz im Osten, leider heute im Nebel verborgen blieb der Hochfeiler (3.509m) im Südosten.

östliche Pfunderer Berge mit Grabspitze und ganz links Hochfeiler (nicht sichtbar)

Die Abfahrt über den harten Steilhang präsentierte sich ein wenig als Rutsch- und Zähneklapperpartie im oberen Teil.

Richtung Schmirntal

Aufgrund der plötzlich zahlreichen Nachsteigenden konnten nur wenig Schwünge ausgeführt werden, da sie ja gleich ordentlich Tempo verursachten.
Im unteren Teil entpuppte sich die Abfahrt im weicheren Altschnee aber als recht genussvoll.

Andrang auf den Wolfendorn

Hinausgequert auf den Verbindungssattel zwischen Wolfendorn und Flatschspitze erwischte man auch noch einen schönen Hang mit Pulverauflage. Da dieser Hang der Sonne abgewandt ist konnte in den wenig zerfahrenen Hang neue eigene Spuren eingeschnitzt werden.

schöner Abfahrtshang ins Hochkar

Unten im Hochkar, an der Kuppe zur Steilstufe probierte der Autor eine Abfahrtsvariante ganz links im Abstiegssinn, fast bei den Felsen der Rippe zur Flatschspitze (siehe Routenaufzeichnung).

Rückblick auf die Abfahrt vom Sattel

An sich wäre das ein schöner sehr steiler Hang zum Abfahren, jedoch an diesem Tag etwas hart und gestört durch ein kleines Lawinchen Tage zuvor. Man konnte den Hang vernünftig befahren, aber eine Empfehlung ist er nicht.

Kuppe vor der Steilstufe

Wahrscheinlich ist der Hang neben der mittig in der Steilstufe liegenden Rippe eine bessere Abfahrtsempfehlung (siehe Foto in der Bildergalerie).

umfahrene Felsstufe

Durch den Wald bis zum Alm bieten sich unzählige Möglichkeiten im Slalom um die Lärchen abzufahren.

dort wäre sehr wahrscheinlich die bessere Abfahrt gewesen

Das freie Gelände der Luegeralm wieder an der Aufstiegroute durchfahren und unterhalb in den Fichtenwald eingetaucht werden die Schwünge aufgrund des steileren Geländes zwangsläufig enger und enger. Etwa 200Hm geht es im dichten Wald bis zur Lichtung oberhalb des Gasthauses Wolf hinab, wo die Tour ihr Ende findet.

am unteren Ende der Luegeralm

Zum Abschluß lege man den Heimfahrtsstress ab und besuche den netten alten Wirt des Gasthauses Wolf – der gerne betont, daß er der Jägerei frönt – auf dessen Grundstück man schließlich parkiert. Er bietet ein paar kleine Speisen und seine Erscheinung, sowie die urige Stube mit seinen selbst erlegten Jagdtrophäen wie auch die wunderschönen Kohlestiftzeichnungen seiner Urgroßeltern muß man erlebt haben.

urige Gaststube Gasthaus Wolf

Der Zeitbedarf für den Wolfendorn betrug knapp 4 Stunden und hängt in gewissem Maße von den Schneeverhältnissen und der Versiertheit im Steigen am Steilhang ab – empfohlen  werden 5 Stunden ins Kalkül zu nehmen.

Aufzeichnung Schitour Wolfendorn

Der Gipfelaufenthalt mit moderatem Nordwind beschränkte sich auf ein paar Hände voll Studentenfutter, Apfel, Höhenmedizin und ein paar Fotos.  Bei der Rückkehr am Gasthaus Wolf zeigte die Uhr exakt 1.400Hm und die Aufzeichnung errechnete 5km reine Aufstiegsstrecke.

Mils, 09.03.2019

Wolfendorn 2.774m

Nach Matrei im Wipptal gen Süden von der Bundestraße aus schon in voller Gestalt erkennbar thront der Wolfendorn als unübersehbare und formschöne Landmarke über der heutigen Staatsgrenze. Bekanntheit genießt die leicht zu begehende Felspyramide auch als Schitourenberg.

heute ein kalter, windiger Gipfel

Wir haben wegen des – im heurigen Sommer so oft – an Wochenenden recht zweifelhaften Wetters spät die Entscheidung getroffen eine Bergtour zu unternehmen und weil der Süden des Landes begünstigt sein sollte, fiel die Wahl auf den äußersten Süden im heutigen politischen Sinne.

Gehöft im Eingang zum Silltal

Falls die Rundtour vom Wolfendorn über Wildseespitze und Landshuterhütte möglich sei soll sie durchgeführt werden. Soweit der Plan.

Abzweigung Steig zur Griesbergalm

Die jämmerlich kleinen Parkplätzchen um den einstigen Bahnhof Brennersee waren trotz zweifelhaftem Wetter alle voll belegt – wie muß das erst im Winter sein. Das Gelände des Bahnhofsplatzes darf auch nicht beparkt werden, ein Anachronismus, der auf die Traditionen des einstigen Kaiserreiches zurückzuführen ist, den die Bahnverwaltung in der Kaiserstadt liebevoll pflegt und sich lokale Gemeindevorsteher offenbar keinen Vorstoß getrauen, um in der Enge für das Volk sinnvolles zu erreichen.

der Granitgneis-Steinbruch, links der Wolfendorn durch den Nebel schwach sichtbar

Also parken wir in einer bergseitigen Einbuchtung der Straße über der Mauer neben der Autobahn. Platz genug vorhanden, auch kein Fahrverbot, allein ein abgestellter Schneepflug weist auf die Bedeutung des Platzes im Winter hin.

Steinbruch mit Brennerbergen im Hintergrund

Unser Aufstieg begann um 11:45, eine sehr ungewöhnliche Zeit für uns, hervorgerufen durch ständiges Hadern um die Wetterentwicklung und auch durch die Anreise am Reisewochenende mit den Mautflüchtlingen.

Im Gelände des Steinbruches hält man sich nach Überschreiten der kleinen Brücke in einer Kehre linkerhand des Baches, der als südlichster im Wipptal nach Norden entwässert und Sill genannt wird. Der Steig beginnt etwas nass neben dem Bach und zum Leidwesen von Andi mit kräftigem und vor allem hohem Bewuchs durch Bergwiesenflora.

Griesbergalm 1.953m

Der schimpfende Andi mußte die Feindberührung mit für ihn potentiell zeckengefährdetem Grünzeug über knapp 200Hm über sich ergehen lassen bis wir die weniger hoch bewachsenen Almwiesen vor der Griesbergalm auf 1.953m erreichten. Zecken attackierten in nicht, wie die Leibesvisite erbrachte, nass vom Regen des Vortages waren wir aber beide bis zu den Oberschenkeln.

Blick über das Almgelände hinab, rechts die Almgebäude sichtbar

Die Griesbergalm ist eine menschenleere kleine sympathische Alm ohne Vieh (darauf trifft man erst etwas höher), spendet aber über einen Brunnen Wasser für den weiteren Aufstieg.

Über das weite und wasserdurchzogene Kar geht es im Bogen weiter bis in südöstliche Richtung der Mäuerlscharte entgegen. Diese liegt auf 2.333m, bildet die Grenze zum Landesteil Südtirol und wir erreichten sie gegen 13:45 Uhr. Am Weg dorthin wurden wir von einem kecken Chefmarmot kräftig ausgepfiffen und selbst bei unserer Annäherung zwecks einer guten Fotoposition kam lange keinerlei Hektik zur Flucht auf.

Für uns etwas unlogisch führt der Steig überraschend weit in die Ostflanke des Gipfelaufbaues hinein, wir wären gerne schon eher – um nicht zu sagen am Grat – der Gipfelpyramide des Wolfendorn zugestrebt.

Aufstieg im oberen Almgelände

In etwa um 14 Uhr erreichten wir einen sehr breit angelegten Weg der sich von der Postalm heraufzuziehen scheint. Er führt weiter zum Sattel bei dem es für uns wiederum unlogisch erschien, den gesamten Gipfelaufbau in der Südostflanke zu umgehen, um dann auf der Südseite, 180° entgegensetzt der Mäuerlscharte, die Gifelpyramide in Angriff zu nehmen. Diese sozusagen „Halbumrundung“ des Gipfels soll man vom Zeitaufwand her nicht unterschätzen 15min muß dafür mit Sicherheit aufgewendet werden.

herrlicher Anblick auf Plattenkalke

Den Umstand dieser etwas sonderbaren Wegführung kann man sich nur mit der sinnlosen und von der Verwaltung im weit entfernten Latium blutleer betriebenen Errichtung des Vallo Alpino erklären; dafür hat man breite und nicht zu steile Wege gebraucht und noch teilweise erhaltene Reste davon ziehen sich fast bis in Gipfelhöhe. Wir erreichten den Gipfel nach nicht ganz 2 1/2 Stunden ab dem Parkplatz.

Wolfendorn 2.774m

Die Aussicht auf dem unspektakulären, freistehenden Gipfel des Wolfendorns bleibt wegen der umfassenden Präsentation jedes einzelnen Gebirgsstockes im Umkreis lange im Gedächtnis haften.
Der Gratkette nach Nordosten folgend konnten wir trotz tiefer Bewölkung und Nebel an diesem Tag jeweils kurz einige große Gipfel des Tuxer Hauptkammes einsehen, im Nordwesten war leider nur kurz der Hochferner nebelbefreit.

der Hochferner andeutungsweise sichtbar

Im Süden dafür bessere Sicht, die Pfunderer Berge mit der Wilden Kreuzspitze und undeutlich erkennbar tief im Süden einige markante Erhebungen in den Dolomiten.

das schöne Pfitschertal

Südwestlich der endende Tuxer Hauptkamm mit der Rollspitze (mit 2.800m um wenige Meter höher als der Wolfendorn) und der – wegen der Seilbahn – besser bekannten Amthorspitze, dahinter, weiter südwestlich die Ortlergruppe, jedoch nur noch als dunkel in den Nebel eintauchende Bergmasse zu sehen.

Blick nach Südwesten, Flatschspitze, im Hintergrund Roll- u. Amthorspitze

Weiter im Westen ein besserer Blick zu den südlichen Gipfeln der Stubaier, im Vordergrund die Tribulaune, dahinter, links davon, die Feuersteingipfel.

Im Norden das Wipptal mit den seitlich stetig ansteigenden Rücken der Stubaier und Tuxer und mittig die breite Front des Karwendel. Ein wahrhaft tolles Panorama, auch wenn durch Feuchtigkeit der vergangenen Tage einigermaßen getrübt.

gen Norden, Brenner und Wipptal

Selbst der geologisch nicht interessierte Bergsteiger wird am Aufstieg die buchseitenähnlich dünnen Plattenkalke auf der Ostseite des Wolfendorns entdeckt haben. Unübersehbar zieren diese Papierbündel gleichen Felsbruchstücke den Bergrücken. Das ist aber noch nicht alles.

Grat zur Landshuterhütte und Kraxentrager

Wesentlich interessanter als der Aufstieg zum Wolfendorn ist der Grat nach Nordosten in Richtung zur Landshuterhütte. Obwohl kalt und windig und eigentlich instabil wagten wir die Gratüberschreitung, für die am Wegweiser am Fuße des Gipfelaufbaues 2 1/2 Stunden angeschrieben stehen und für die wir 1 1/2 Stunden benötigten.

Steig zur Landshuterhütte

Aus ganz anders gebildetem Kalk als die am Aufstieg so markant geschichteten Plattenkalke besteht der Gipfelaufbau des Wolfendorns und sein erster östlicher Gratverlauf selber. Er besteht in einer Mächtigkeit von 90m aus Hochstegenmarmor. Dieses Gestein bildet – wie Kalke im Allgemeinen – beeindruckend hohe, senkrechte Felswände mit großblockiger Struktur und gewaltigen Vertikalrissen, ebenso entstehen flache bis mittelschräge Bänder über Dutzende Meter von erstaunlicher geometrischer Gleichartigkeit. In einer solch einprägenden, phantastischen Topographie begeht man die ersten paar Hundert Meter ab dem Wegweiser zur Landshuterhütte.

Rückblick auf den aus Hochstegenmarmor gebildeten Aufbau des Wolfendorn

Nicht genug der Wechselhaftigkeit der Geologie, es treten in der Folge am Grat auch noch weitere unerwartete Schönheiten auf. Einige Gehminuten nach dem Abklingen des Gipfelaufbaues mit den weißlich bis dunkelgelben Marmorfelsen findet sich der Grat mit einem tiefen Riss über geschätzt 40 bis 50Hm wieder. Der Fels dort reiner Kalk, nicht zu Marmor umgewandelt. Der Steig zur Hütte führt unweigerlich hinab in den Riss und am Ende des dadurch gebildeten „Canyons“ reißt der Grat in Querrichtung nochmals an die 50Hm ab, bis eine Scharte mit Gegenanstieg – nun wieder im Hochstegenmarmor – die Gratlinie in etwa in ihrer vorherigen Höhe wieder verbindet. Allein diese Abfolge an Natur haucht die Überschreitung genügend Reiz ein, sie vollzogen haben zu müssen.

Andi begutachtet die Abbrüche im Porphyrgranitgneis

Zur besseren Verdeutlichung der Vielfalt und Schönheit des Gesteines dieses leichten Grates erlaubt sich der Verfasser einen Auszug einer interessanten geologischen Arbeit ungefragt – aber jedenfalls mit großem Dank – als Leihgabe hier zu verlinken. Demjenigen unter den Lesern, der Gefallen am Erforschen der Geologie in diesem Gebiet findet und der sich einer Wissensanreicherung kaum entziehen kann, sei empfohlen die Suchmaschine mit den Begriffen „Wolfendorndecke, Hochstegenmarmor“ zu füttern und er erhält Literatur zuhauf, dem Leser, der darin nicht weiter interessiert ist, sei der Link mit seinen verschiedenen Mustern und der erklärenden Legende lediglich ein Hinweis, daß nicht alle Katzen grau sind (oder alle Felsen gleich).

Riss am Grat dahinter Wolfendorn

Zu diesem beeindruckenden Intermezzo von Natur kommt noch die ebenfalls beeindruckende und im Verfallen begriffene Arbeit des kleinen Menschen dazu. Wie oben erwähnt versuchte man von mediterranem Orte aus, mit fehlendem Einfühlungsvermögen für alpine Erfordernisse ein militärisches Projekt, das von seiner Geburtsstunde bereits zum Scheitern verurteilt gewesen wäre, hätte es jemals seine Wirkung zeigen sollen.

Riss in seiner Höhenausprägung Kalk/Dolomit

Relikte davon sind befahrbare Wege, die man angelegt hat um schweres Gerät zu strategischen Orten zu schaffen und ein solcher befestigter Weg befindet sich in der Abrissflanke des zuvor beschriebenen Grates. Er ist noch teilweise erhalten und in gewisser Weise beeindruckt seine Konstruktion im Schutthang, der, wie man als Alpinist weiß, mit stetigem Druck von oben behaftet ist und in den man auf Dauer nicht gründen kann. Die Römer wussten dies bereits.

Abbruch am Ende des Risses, rechts davon beginnt der Marmor wieder

Es geht weiter am lehrreichen Grat, bzw. meist unterhalb der Gratschneide auf angenehmem, dem Nordwind abgewandtem Steig und erreichen ein Band, das von weitem zunächst aussieht wie ein eine Schneise in der der Schnee in Gratnähe liegengeblieben ist.

Kalkmarmorfelsen, mit mächtigem Abriss nach Süden

Bei der Annäherung erkennen wir, daß es sich um ein selten breites Quarzband handelt. Eine Zone in Gratnähe von Südwest bis Nordost, die zwar bereits recht zerfallen, so doch eindeutig nachverfolgbar ein massiv ausgeprägtes Band von Quarzanhäufung zeigt.

Quarzband im Gneis

Nach diesem Teil folgt ein leicht ansteigender Schnapper auf ein Plateau mit einem Wegweiser, bevor der Steig wieder leicht abwärts in den nächsten Sattel führt, der den Aufstieg zur Wildseespitze bildet. Durch dichten Nebel konnten wir nicht erkennen, ob dieses Plateau eine besondere Landmarke darstellt, vermutlich handelt es sich aber nur um den in der AV-Karte eingetragenen Punkt 2.600m mit einem abzweigenden Steig zur Südtiroler Grubbergalm.

Pfitschertal

Von hier erreichten wir die Wildseespitze in 15min. Sie zu umgehen würde bedeuten auf einen guten Aussichtspunkt am Grat zu verzichten, wie wir später feststellten. Zunächst aber hatten wir, bis auf den luftigen Nordabbruch des Gipfels, wegen Nebels keinen Ausblick.

Wildseespitze 2.733m

Nach dem Gipfel der Wildseespitze folgt am Grat eine kurze seilgesicherte Strecke im Fels, die jedoch leicht zu begehen ist und der Sicherung kaum bedarf. Nach einigen Minuten Abstieg befindet man sich mitten in einem Trümmerfeld wieder am Normalsteig zur Landshuterhütte.

Abstieg von der Wildseespitze

Der Nebel hatte sich wieder verzogen und gab den Blick zum kleinen Bergsee nördlich unterhalb der Landshuterhütte frei. Den Wildsee, Namensgeber der Wildseespitze konnten wir zuvor im dichten Nebel leider nicht erblicken.

Bergsee unterhalb der Landshuterhütte

Die letzte halbe Stunde bis zur Hütte lichtete sich der Nebel noch weiter, sodaß wir den Gipfelaufbau des Hochferners ausmachen konnten, jedoch verzog er sich nicht weit genug, um den Hochfeiler, den höchsten Zillertaler Gipfel, sehen zu können.

Gipfelaufbau Hochferner links im Nebel

Auf der Hütte, die wir um 17 Uhr spät erreichten, war die warme Gaststube nicht unwillkommen und in aller Schnelle nahmen wir ein Süppchen ein, da wir den Rückweg über Venn mit 1 1/2 Stunden einschätzten. Mit dieser Schätzung sollten wir – allerdings nicht im Normalgeschwindigkeitsmarsch – um gut 40min zu wenig angesetzt haben, wie sich später herausstellte.

die Landshuterhütte

Am Abstieg von der Hütte wurde noch die Wasserversorgung derselben sichtbar. Eine ausgiebige Quelle, vom breiten Rücken zum Kraxentrager herab, wird gefaßt und mittels eines Dieselaggregates mit Pumpe müssen schätzungsweise 120Hm bis zur Hütte überwunden werden. Der PE-Schlauch mit geschätzt 1/2″ Durchmesser muß einen recht hohen Widerstand haben sodaß hier Drücke von 15 bar und wahrscheinlich mehr herrschen. Die Fördermenge dürfte leidlich klein sind, sodaß der Hüttenwirt oder sein Knecht  täglich wahrscheinlich ein paar Stunden dort zubringen müssen.

Wasserversorgung der Landshuterhütte

Ein letzter Rückblick auf den Hochtalkessel an dessen Ostende am Grat die Landshuterhütte errichtet ist und an dessen Westende die Wildseespitze nun nebelfrei bewundert werden kann war uns an der Kuppe möglich, die die nächste Steilstufe hinab in das Almgebiet der Venner Alm einleitet.

Rückblick in das Hochtal mit der Landshuterhütte

Der Steig hinab zur südlichen Bergflanke der Alm, über die sich der Abstieg seitlich der nächsten Steilstufe vollzieht ist lang und kreuzt etliche Wasserläufe. Im netten Lärchenwald am unteren Ende des Almgeländes entspringt die Antonienquelle orografisch links.

Blick auf die Wildseespitze

Es folgt ein teilweise recht steiler Abstieg auf, wo feucht, einigermaßen schmierigem Untergrund und, im unteren Teil, die größten Himbeerhänge mit überreifen Beeren zu beiden Seiten des Weges. In diesen brachten wir natürlich auch noch eine Minipause zu.

die Steilstufe zur Venner Alm

Gegen 19:30 erreichten wir den Talboden und blickten auf die mächtige Steilstufe zurück. In dieser befindet sich ein schmales Band mit wenig Staudenbewuchs, das im Winter als Abfahrtsgelände benutzt wird, wenn es die Verhältnisse erlauben.

Am hinteren Talboden in Venn, links der alte Steinbruch

Etwas dem Talboden erhöht, auf ca. 1.560m, befindet sich orografisch rechts im Tal ein 1984 aufgelassener Steinbruch, was auch den Fahrweg erklärt, die sich in ein paar Serpentinen hinaufzieht, bevor er weiter unverfolgbar wird bzw. am oberen Ende des ehemaligen Abbaus endet.  Man baute dort gute Qualitäten von plattigem, feinkörnigem Gneis aber auch Hochstegenmarmor ab.

malerisches Venn mit Saxalmwand

Der nun recht flache Schotterweg über den Weiler Venn hinaus nimmt noch eine halbe Stunde in Anspruch und wegen der fortgeschrittenen Stunde sahen wir von einer Einkehr in der Jausenstation ab.

Rundtour Wolfendorn – Landshuterhütte

Um 20 Uhr erreichten wir nach einer phantastischen Rundtour in Granitgneis und Kalkmarmor den Parkplatz wieder.
Die Messung auf der AV-Karte zeigt eine Weglänge von rd. 18km, die zurückgelegte Höhe haben wir mit der Uhr nicht gemessen, sie dürfte nachgerechnet bei ca. 1.650m liegen und die Gesamtzeit für die Rundtour betrug 8 1/4 Stunden.

Mils, 20.08.2017