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Seebergspitze, 2.085m – kurze Spritztour von Pertisau

Die Seebergspitze hoch über Pertisau stellt eine leichte und eine ideale Runde für Schnellentschlossene dar und für jene, die auf der Suche nach einem Halbtagstraining sind.
In phantastischer Kulisse geht es die 1.155Hm von Pertisau hinauf und je höher man steigt desto schöner die Aussicht.

auf der Seebergspitze

Blicke, tief in den zentralen Teil des bizarren Karwendels im Westen, das schöne Rofangebirge im Osten und die Vorkarwendelberge im Norden – alle Schönheiten der Gegend nur durch einen kurzen Anstieg und eine moderate Parkgebühr erlebbar.

Start vom Parkplatz einem zunächst unscheinbaren Steig folgend

Gleich anschließend des Parkplatzes um die Kurve auf der der Asphaltstraße nahe der Seepromenade zu einem der hangseitigen Hotels zweigt der etwas versteckte Steig in den Mischwald zur Seebergspitze ab.

in das Falzthurntal g’schaut

Im Wald quert der Steig über Serpentinen zunächst zwei Spazierwege und nach einer Minute bildet er sich hangparallel zum Seebergsteig aus, der flach nach Westen führt. Diesem kann man auch folgen und weiter westliche bergauf ansteigen, die Beschreibung hier bezieht sich aber auf die direkte Route, die in weiteren Serpentinen bis zu einer flacheren Stelle „Hochried“ führt (siehe Karte in Bildergalerie).

über zuerst Mischwald, dann Nadelwald führt der Steig aufwärts

Kurz danach dreht der Steig leicht nach rechts im weiten Bogen um Schrofengelände zur Linken herum, um oberhalb wieder nach links zu drehen. Dieser Bogen ist von lichtem Wald und toller Aussicht auf den Achensee gekennzeichnet.

bis eine steile Querung herrliche Blicke freigibt

Oberhalb des Bogens im Aufstieg vereinigt sich der Steig wieder mit dem alternativen Anstieg über den Seebergsteig – die Geländestufe, die somit umgangen wird ist die „Schafgufel“ (siehe Karte). Anm.: „Gufel“ bedeutet so viel wie Felsnische, die bei Wettern Schutz bietet. Eine solche Stelle kann beim Aufstieg nicht leicht ausgemacht werden.

der Steig führt durch leicht felsiges Gelände

Nach der Umgehung der Wände der Schafgufel leitet der Steig auf etwas falscherem Terrain weiter zur Roßalm und der bewaldete Hang bildet sich mehr und mehr zum latschenbewachsenen Bergrücken aus.
Die Lichtungen zwischen den Latschenfeldern der verfallenen Roßalm (es gibt keine Almgebäude mehr, dafür eine Jagdhütte rechterhand) verjüngen sich weiter oben – auf etwa 1.800m – wieder und das Ziel, die Seebergspitze,  wird in der Ferne erstmals sichtbar.

in das ehemalige Almgelände der Roßalm

An dieser Stelle und in der Folge begleiten den Wanderer tolle Blicke nach links und rechts ins Karwendel und auf das Rofangebirge. Der Bergrücken wird nun schmaler und bildet sich zum sanften Grat aus, der etwa einen guten Kilometer lang bis zur Seebergspitze aufgestiegen wird.

ab ca. 1.800m wird der Gipfel der Seebergspitze sichtbar

Zumeist befindet sich der Steig am Gratrücken ganz oben mit kurzen Abweichungen nach links und rechts, in günstigen Passagen der Vegetation ausweichend.

am Kamm wird der Anstieg teilweise flacher

Manche Stelle am durchwegs leichten Gratsteig führt über Schärtchen mit steilen Abbrüchen rechterhand und es empfiehlt sich an diesen wenigen Stellen übermütige Kinder gut im Auge zu behalten.

und führt über einige Schärtchen mit auf und ab entlang

Abschließend, kurz vor dem Gipfel wird der Grat nochmals etwas steiler, bevor das schöne große Holzkreuz der Bergrettung Maurach erreicht wird.

beeindruckend tiefe Schluchten ab und an in der Ostflanke des Grates

Die Seebergspitze besticht durch ihre freistehende Lage mit wirklich erlebenswerten Aussichten rundum. Besonders gut ist das Abklingen der wilden Kolosse des Karwendels nach Nordosten und die Gesamtansicht des Rofangebirges zu betrachten.

dem Gipfel nahe

Erlebenswert muß auch die knapp 1,7km lange Gratstrecke zur Seekarspitze sein, die sich von der Seebergspitze aus vollständig einsehbar präsentiert.

Seebergspitze, 2.083m

Diese Überschreitung könnte gleich noch etwas spektakulärer zur 18km langen Rundtour mit Abstieg über die Seebergalm und dem Rückweg über den Steig am Westufer des Achensees erweitert werden – heute jedoch ist auf der Seebergspitze Schluß.

Übergang zur Seekarspitze

Eine weitere Möglichkeit die Besteigung der Seebergspitze zur Rundtour auszubauen ist der Abstieg über den westwärts ausgerichteten Steig zum Pasillsattel und zur Pletzachalm.

die ersten Boten des Frühlings

Die Begehung des Autors an dem so schön begonnenen Maitag mußte im Abstieg rasch erfolgen, wollte er nicht nass werden – von Westen her näherte sich eine Gewitterzelle, die einen kurzen Schauer über die Achenseeregion brachte, die tollen Eindrücke der Besteigung aber in keiner Weise zu trüben vermochte.

Anstieg zur Seebergspitze: über den Mischwald geht es hinauf; ab der freien Almfläche in den Latschen weiter, zuletzt am schönen Grat entlang.

Die Strecke vom Parkplatz bis zum Gipfel beträgt knapp 5km und führt über 1.155m Anstieg ans Ziel. Man plane 4 1/2 Stunden für Hin- und Rückweg ein, in 3:19 gesamt wäre der schöne Berg in unnötiger Hast erledigt.

Mils, 19.05.2018

 

Schitour Kotalmjoch, 2.157m

Im malerischen Achental gelegen, auf der Rofanseite, stellt die Schitour auf das Kotalmjoch mit 1.200Hm eine mittellange (im unteren Bereich), landschaftlich reizvolle Schitour dar, die großteils in der Märzsonne aufgestiegen wird.

Kotalmjoch 2.157m

Ideal als komplementäre Tour am Wochenende an dem noch größeres wartet, nicht zu lange, nicht zu kräfteraubend und im März gerade am Beginn des Abschnittes mit tollen Firnhängen eine gute Wahl.

Start beim Abenteuerspielplatz

Firn konnte ich heute allerdings noch keinen erleben, dafür jedoch die schwere Art des Harschdeckels die am besten mit dem väterlich anmutenden, abhebenden Schwung gemeistert wird und wo die in den 70er Jahren erlernte Technik des Stockeinsatzes ungeheure Dienste leistet. Man beobachtet nur wenige junge Tourengeher, die damit vertraut sind, eher wird heute versucht mit roher Kraft an den Schwung zu gehen, was natürlich möglich ist, jedoch der Freude im Gelände nach kurzer Zeit Grenzen setzt.

auf dem Almweg zum Kotalm Niederleger

Nun, mit Hoffnung auf einen sonnigen Tag an dem jedem mit Kindern gut bekanntem Abenteuerspielplatz nach dem Tunnel auf der Achenseestraße gestartet, unternimmt man zuerst eine dreiviertel Stunde den Waldaufstieg zum Niederleger der Kotalm.
Dieser Aufstieg erscheint vor der im März stärker werdenden Sonne recht gut geschützt und dürfte – vor allem bei den phänomenalen Schneeverhältnissen heuer – noch eine gute Zeit befahrbar sein. Die Aussicht auf den See und auf die geschäftige gegenüberliegende Talseite mit den Christlumliften und einigen leichten Familientouren ist trotz etwas diffusem Licht großartig.

Achensee mit Gegenseite

Der Anstieg auf den Niederleger der Kotalm ist für den Hochwinter als teilweise lawinengefährdet beschrieben und die in den Fels gesprengte Straße sollte bei zweifelhaften Bedingungen wahrlich nicht im Pulk begangen werden.
Heute erzählen die zahlreichen Hopser von kleineren Schneerutschungen aus den Verschneidungen oberhalb der Straße, aber die Verhältnisse auf der schattigen Straße sind stabil.

Kotalm-Niederleger 1.260m

Nach diesem großteils schattigen Teil wird das Gelände der Kotalm betreten, ein unvermutet  weitläufiges flaches Gebiet auf knapp 1.300m.
Man verläßt es im Aufstieg gleich wieder an seinem östlichen Rand, no9ch vor den Almgebäuden in Richtung Wald oberhalb.

Aufstiegsgelände nach dem Niederleger

Der Aufstieg wird sogleich relativ steil und er zieht sich in vielen Spitzkehren durch lichten Wald knapp 200Hm in dieser Art hinauf. Da das Aufstiegsgelände auch Abfahrtsgelände darstellt ist die Aufstiegsspur oft unterbrochen und daher ein wenig schweißtreibend.

Auf ca. 1550m wird das Gelände plötzlich flacher, es ist der Wechsel zum Almgelände der Kotalm Mitterleger, deren Almgelände noch weiter erscheint als jenes des Niederleger.

das Gelände wird flacher, der Wald lichtet sich

Zum Kotalmjoch wird durch die Almgebäude hindurch gestiegen in einen weiten langen Kessel mit langer Passage im abschüssigen Gelände mit einigem Auf und Ab und bis zum Talabschluß mit wenig Höhengewinn (nicht verzagen, bei der Abfahrt braucht es kaum Stockeinsatz).

Kotalm Mitterleger, 1.608m

Am Talabschluß führt der Aufstieg auf der Ostseite des Hanges mit ein paar Spitzkehren über die Steilstufe zum verfallenen Hochleger der Alm (im Winter nicht sichtbar) empor und das Hochtal wird oben wieder weiter.

flacher Aufstieg zum Talabschluß

Nach einigen Minuten kann linkerhand die steile Rinne zum Kotalmjoch eingesehen werden. Von dort sind es nur noch gute 200Hm zum Joch und den beiden seitlichen runden Erhebungen von Kotalmjoch und Stuhljöchl, die das Joch nur um wenige Meter überragen.

Rückblick über typisches Kalksteingelände

Die Steilrinne – in der AV-Karte „Kessel“ genannt – ist der Abschluß der Tour und einigermaßen anstrengend, allerdings sind nur knapp 200Hm zu durchsteigen.
Diese Rinne ist auch der schönste Teil der Abfahrt, die sehr weit rechts, also leicht nordwestlich gewählt werden kann, wo das Gelände noch weniger verpurt ist, als direkt an der Flanke der Rinne.

Steilstufe am Talabschluß

Ein nicht besonders kalter aber stetiger Südwind begleitete mich schon ab der Steilstufe vor dem Hochleger und er wurde nur in der Rinne unterbrochen, bevor er in Jochnähe kräftig zulegte. Ein Gipfelerlebnis daher mit vorwiegender Blickrichtung Norden.

Aufstieg zum Kessel

Kein langer Gipfelaufenthalt wurde es daher heute am Kotalmjoch. Allerdings ging meine Spekulation beim Kotalm Mittelleger ein Schäferstündchen abzuhalten als Kompensation für den stürmischen Gipfelaufenthalt auf.

letzte 200Hm des Aufstieges auf das Kotalmjoch in der Steilrinne

Die Abfahrt über das schöne Gelände rechts der Aufstiegsrinne in Altherrentechnik genussvoll absolviert erreichte ich die Almgebäude und stellt einen sehr günstigen Sonnenstand für eine  Rast fest. Eine gute halbe Stunde brachte ich liegend auf der Bank zu und bemerkte im Halbschlaf kaum die vorbeifahrenden Tourengeher.

Blick vom Gipfel des Kotalmjoches in Richtung Karwendel – im Vordergrund die Klobenjochspitze

Aber schweren Herzens mußte ich mich dann doch aufmachen den restlichen Teil der Abfahrt zu unternehmen, um Verpflichtungen im Tal zu erledigen.

Blick Richtung Achensee

Die Abfahrt durch den Wald ist aufgrund der guten Schneelage nicht sehr anstrengend. Der Niederleger der Kotalm ist daher rasch erreicht und – wie könnte es anders sein – er war zum Zwecke des Sonnenbades auch bereits gut besetzt.

Rast auf dem Kotalm Mitterleger

Über den Almweg geht es abwärts zum Parkplatz. Jene Parteien, die in den Fels gesprengt wurden laden nochmals zur Aussicht auf die nun kräftig leuchtende Gegenseite des Achensees ein, bevor die Abfahrt im Wald verschwindet und am Parkplatz wieder in die Sonne eintaucht.

der Rastplatz – ein König hat es nicht schöner

Für die gesamt gut 1.200Hm habe ich genau 3 Stunden benötigt, die gesamte Tour muß mit 4 Stunden oder etwas mehr bemessen werden wodurch am Parkplatz ein 4 Stunden Ticket um €4.- knapp werden könnte.

Idylle pur – der besonnte Kotalm Niederleger

Die überraschend gute Frequentierung der Tour konnte ich mir anschließend erklären, als ich erfuhr, daß tags davor in des Tirolers Standard Zeitung ein einseitiger Bericht über die Schitour auf das Kotalmjoch erschien…

 

Mils, 03.03.2018