Schitour Obernberger Tribulaun, 2.780m

Imposant erscheint die steile Aufstiegsrinne schon von weitem und sie ist im Frühjahr bereits am Morgen stark besonnt, wenn man sie über das Seeufer des Obernberger Sees ins Visier nimmt. Ihre östliche Ausrichtung taucht sie bereits weit vor 7 Uhr in direktes Sonnenlicht mit stumpfem Winkel, sodaß ein früher Aufstieg – wir waren mit dreiviertel sieben ab dem Parkplatz nicht zu früh – ratsam ist. Viel früher aber auch nicht, damit man sich im steilen unteren Teil nicht plagen muß.

Obernberger Tribulaun, 2.780m

Bereits am Weg zum Obernberger See konnten wir teilweise mit Schi gehen, entlang des Seeufers mußten wir bis kurz vor das Kirchlein tragen. Bald verließen wir den Weg und marschierten mit etwas Sicherheitsabstand am Ufer dem See Ende zu, vorbei an dem letzten Gebäude durch den kurzen Wald bis zur schönen freien Fläche unterhalb der Rinne.

Kleiner Tribulaun vom Parkplatz Obernberg gesehen

Etwa 700Hm des Aufstiegs können am Fuße des leicht ansteigenden Hanges zur Rinne eingesehen werden. Ob als sogenannte „Kachelstube“ die Rinne selbst, der Hang rechts davon, oder gar erst der obere Teil des Aufstiegs im Kar bezeichnet wird ist im Kartenwerk (AV/Tiris) widersprüchlich bezeichnet.

Aufstiegsrinne Obernberger Tribulaun

Der untere Hang steilt zu Rinne hin kontinuierlich auf und leitete uns auf bereits gut aufgefirnte Oberflächen, sodaß Harscheisen nicht benötigt wurden.  Zwischen den Schneerutschungen hindurch muß im Frühjahr der Aufstieg angelegt werden.

nach dem kurzen Waldstück nach dem See

Bei unserer Begehung waren die Lawinen schon Tage zuvor abgegangen, gesetzt sowie die Oberfläche mehrfach durch Schmelze angeglättet und deshalb einigermaßen bequem zu durchschreiten.

angenehmer Aufstieg am flachen Hang bis zur Rinne

Die Rinne erreicht etwa ab 1.900m gleich knapp an die 40° Neigung und führt in dieser Steilheit weiter.

es wird gleich ordentlich steil

Die Durchquerung der Lawinenstriche in Spitzkehren wurde in der Folge etwas unbequemer, weshalb wir etwa bei 2.050m beschlossen das apere Band einer Rippe rechts der Rinne zu nutzen und über Bergwiesen weiter bis unter die oben sichtbare Felswand zu steigen. Dort sollte es wieder mit Schi und Spitzkehren weitergehen.

wir queren und halten uns weiter rechts der Lawinenrutschungen

Natürlich war es angenehmer den Aufstieg mit geschulterten Schi fortzusetzen und weil die Rippe fast durchgehend aper war, kamen wir auch mit höherer Steiggeschwindigkeit voran.

bei engem Spitzkehrenaufstieg durch die Schneerutschungen entscheiden wir über das apere Band weiter aufzusteigen

Während des Aufstieges konnten wir die jahreszeitlich bereits enorme Kraft der Sonne im Nacken spüren. Gegen halb neun Uhr mußte auch der sehr sonnencremeresistente Autor einen Finger voll aus seiner kleinen Sonnencremetube nehmen. Der Schnee war bereits so aufgeweicht, daß man mit einer Masse von gut 100kg bis zu den Knien einsank und das Stapfen zum schweißtreibenden Erlebnis wurde.

oben auf 2.300m angelangt geht es wieder unter Schi weiter

Auf 2.300m, unterhalb des Felsabbruches steil ober uns, war dann auf einem leicht abgeflachten Teil Schluß mit der Stapferei. Wir konnten dort wieder die Schi anschnallen und links in die sich nach oben hin sehr breit auffächernde Rinne einsteigen.

kurze Pause und die Schi wieder abgeladen

Die Rinne büßt dort noch gar nichts von ihrer Steilheit ein, weitere 150Hm Aufstieg sind nötig, um auf flacheres Terrain zu gelangen. In diesem letzten Teil bis zum flacheren Gelände fühlt man sich beim hinunterschauen etwa wie im oberen, ruhigeren Teil eines Trichters, dem gurgelnden Schlund in der Tiefe entronnen.

Aufstieg durch den „Trichter“ – Flex spurt wieder voran

Die Höhe beträgt nun gut 2.450m und ein Richtungswechsel im Aufstieg steht nach der mächtigen absolvierten Rinne an. Mit dem Richtungswechsel tut sich der Blick auf ein phantastisch schönes Kargelände – man könnte fast sagen ein Kartal – zur Scharte zwischen dem Obernberger Tribulaun und dem Übergang zum Nördlichen Roßlauf auf.  Von unten nicht einsehbar bezaubert diese Höhenlandschaft enorm.

Rückblick, zwei Burschen folgen uns – es sollten die einzigen außer uns bleiben

Sofort erkennt der versierte Winterbergsteiger, daß der Aufstieg in der linken Karflanke auf die nächste Geländestufe sinnvoller ist, als die direkte Linie über die tiefste und schmalste Rinne am Karende.

ab etwa 2.450m wird es über das Kar wieder flacher bis zur nächsten Steilstufe

Der Aufstieg über die linke Flanke präsentiert sich in dieser großartigen Landschaft wieder etwa so steil als im oberen Teil des Trichters, immer aber angenehm bis oben hin. Der Schnee war selbst auf 2.600m bereits leicht aufgefirnt und ohne Harscheisen zu begehen.

kurz vor der nächsten Steilstufe

Die folgenden 100Hm ab einer leichten Senke bis zu der schon bald sichtbaren Scharte im Tribulaunkamm bis zum Grenzkamm mit dem Nördlichen Roßlauf waren bei unserer Begehung zwar teilweise hart, jedoch einwandfrei zu begehen.

Steilstufe oberer Teil

Dieser kurze Abschnitt beinhaltet einen kurzen Teil mit 40° Hangneigung für den, bei nicht so optimalen Bedingungen wie wir sie vorfinden durften, eventuell sogar Steigeisen erforderlich sein können.

etwa 2.650m, die letzte Hürde ist der Hang zur Scharte

Die Ausrichtung des Hanges zur Scharte befindet sich am Vormittag in eher spitzem Winkel zur Sonneneinstrahlung; und im Verein mit der Geländehöhe von immerhin 2.700m firnt es dort selbst nach 10 Uhr vormittags nur mäßig auf – genug jedoch in unserem Fall, um im Tourenmodus unter Schi komfortabel auf die aussichtsreiche Scharte zusteigen.

letzter steiler Hang (dieser könnte Steigeisen und Pickel erfordern)

Von der Scharte öffnet sich der Blick auf das jenseits liegende schöne Hochkar, von dem die Tourenpartner zu berichten wussten, daß es eine Nordabfahrt gibt. Wir waren uns einig, daß sie von uns sicher einmal erkundet werden wird, jedoch in einer nächsten Besteigung und eher gegen Ende im Hochwinter als im Frühjahr.

Evi im letzten Steilhang

Die letzten knapp 100Hm von der Scharte bis zum Gipfel des Obernberger Tribulaun vollziehen sich auf leichtem Gelände über einen sehr breiten Rücken der sehr vom Wind geprägt wird und durch äußerst hart gepressten Schnee bis zum Gipfelkreuz führt.

jenseits der Scharte die Nordabfahrt

Am Weg dorthin muß noch eine letzte Kuppe mit steiler und harter Nordflanke passiert werden – keine Schwierigkeit und nicht ausgesetzt.

letztes zu überschreitendes Köpfchen vor dem Gipfel

Dahinter ging es leicht abwärts etwa 40m zum massiven Gipfelkreuz des Obernberger Tribulaun mit seiner phantastischen Aussicht vor allem auf unsere südlichen Landesteile von den Pfunderer Bergen bis in die Dolomiten.

das Gipfelkreuz des Obernberger Tribulaun

Die ostseitig ausgerichtete Vorderfront des Kleinen- und Obernberger Tribulaun bietet eine grandiose Sicht auf Obernberg- sowie Schmirntal, auf die Tuxer Alpen und den Grenzkamm im Südosten.

Habicht im Nordwesten

Im Nordwesten kann der mächtige Habicht bestaunt werden und seine Zustiegsrichtung im Winter – die Südflanke liegt offen da.

Fernsicht bis zu den Dolomiten in 60km Entfernung

Bei besten Verhältnissen am Gipfel und ohne nennenswerten Wind verbrachten wir ein knappes halbes Stündchen am Obernberger Tribulaun, bevor die Abfahrt um 11 Uhr angetreten wurde.

Evi, Magdalena und Andi am Obernberger Tribulaun, dahinter die Zillertaler Alpen

Da am Gipfel keine windgeschützte Ecke zu finden war entzündete Flex das von ihm mitgebrachte Gedenkkerzlein in den Felsen nach der Scharte – es mögen die wenige Tage zuvor getöteten Kameraden David, Hansjörg und Jess in Frieden ruhen.

Suche nach einem windgeschützten Plätzchen

Die Abfahrt im oberen Teil bis zurück zum „Trichtereinlauf“ war mit einem Wort grandios!

Blick auf die bevorstehende Abfahrt

Beste Firnverhältnisse im obersten Teil ließen die Steilabfahrt zum Vergnügen werden und bis zum unteren Teil vor dem Trichtereinlauf genossen wir die Schwünge.

phantastische Abfahrt im oberen Teil

Ab dem Beginn des Trichters begannen die bereits sehr weichen Schneeverhältnisse dann einigermaßen anstrengend zu werden und mit zunehmender Tiefe fiel es schon schwer einen Schwung professionell auszufahren – die Dichteunterschiede im Schnee durch die Lawinenrutscher hindurch erforderten erhöhte Konzentration.

zu Beginn des Trichters ist die Schneedecke bereits tief aufgetaut

Je tiefer wir kamen desto schwerer wurde der weitgehend aufgeweichte Schnee im steilen Hang fahrbar – eine anstrengende Angelegenheit, die zu mehreren Pausen zwang.

Weiter unten besserte sich die Aufweichtiefe und über den Zustiegshang zur Rinne hatten wir nochmals gute Firnbedingungen bis hinab zum Wald.

unterer Teil der Steilrinne

Bei geschickter Wahl der Route durch den Wald und mit mäßigem Anschieben konnten wir fast bis zur Brücke zum Kirchlein fahren. Dort wurde ohnehin Schultern der Schi notwendig, da bis zum Seeanfang alles aper war.

Andi zieht seine Spur in den schweren Schnee

Die letzte kurze Abfahrt gab es dann am Almengelände nahe dem Wald wo die Sonne noch ein schmales fahrbares Band bis zu den untersten Hütten übrig gelassen hat.

Ab hier die Schi geschultert bis zu den Almenwiesen unterhalb des Sees

Für die 1.375Hm haben wir gesamt 5:40 Stunden benötigt (von/bis Parkplatz, Gipfelaufenthalt etwa 30min).

Track Obernberger Tribulaun

Die Tour erfordert geringe Lawinengefahr (man beachte die Hangneigungskarte in der Bildergalerie), sichere Spitzkehrentechnik in steilem Gelände, Harscheisen sind Bedingung, wir hatten auch Steigeisen/Pickel dabei, beides jedoch nicht benötigt. Ein früher Start, siehe oben, sichert eine schöne Schitour.

Mils, 20.04.2019

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