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Schitour Hochunnütz durch Nordostkar, 2.075 m

Landschaftlich und alpinistisch stets der Extraklasse zuzuordnen beeindrucken die heimischen Kalkalpen und in den Brandenberger Alpen speziell die Schitour auf den Hochunnütz durch das steile Nordostkar. Der Anstieg führt über eine untere und eine obere Karrinne mit Stellen über 40° Hangneigung, deren Bewältigung nebst guten Schneebedingungen und geringer Lawinengefahr auch Erfahrung voraussetzt. Die bemerkenswerte Schitour ist eher kurz, bietet dafür wirklich schöne Passagen, Kulissen und einen Hauch von Abenteuer.

steiler Aufstieg in der Scharte zum Hochunnütz

Durch nordöstliche Exposition bietet sich die Besteigung des Hochunnützes speziell im Frühjahr an, wenn die Steilstellen schon durch hochwinterliche Lawinen etwas entschärft worden sind und trotzdem die Schneequalität durch die eher schattige Lage gut ist. Wegen der unteren Steilrinne sollte man recht früh starten, denn diese weicht aufgrund ihrer besonnten Lage auf etwas mehr als 1.600 m auch bereits am frühen Vormittag rasch auf.

Gipfelaufbau des Hochunnütz

Den Start kann man, nach der Obingermoosalm, an eine in Fahrtrichtung nach Steinberg links abzweigende Forststraße legen, wo im Frühjahr bei bereits genügender Ausaperung eine Parkmöglichkeit neben der Kreuzung gegeben ist. Von dort querten wir die große Almwiese gegen den leicht bewaldeten Schuttkegel in das Tal zum Nordkar zu.

Start bei der Obingermoosalm

Sicherer ist die Variante den öffentlichen Parkplatz (Münzen nicht vergessen) etwas weiter im Tal außen, nach der Unteren Bergalm, zu benutzen. Von dort marschiert man über einen etwa einen dreiviertel Kilometer längeren Zustiegsweg bis zur Forststraße am Ansatz des schmalen Tals zwischen Zwölferkopf und dem niedereren Kopf mit der auffälligen Waldschneise.

am Forstweg vor dem Tälchen zum Nordostkar

Nach Überqueren des Forstweges verbleibt die Zivilisation buchstäblich hinter einem, wenn über den anfänglichen Waldaufstieg das Tälchen schmaler wird und sich ein erster steiler Aufstieg abzeichnet.

das Tal formt sich und wird schmal und steiler

Im Tälchen quert die Aufstiegsspur an geeigneter Stelle, an der auf der rechten Talseite der Anstieg durch die Hangneigung praktisch unmöglich wird, den kleinen klaren Bach und setzt durch Staudenwerk links weiter fort.

teilweise knapp neben dem Bach

Gleich darauf führt die Route über den steilen Hang, stets taleinwärts querend unterhalb der Waldlinie aufwärts. Harscheisen benötigten wir zwar nicht, jedoch muß davon ausgegangen werden, daß die Schneeoberfläche morgens knackig hart ist, wenn dem Aufstieg eine klare Nacht vorausgegangen ist.

bis zur letzten Talstufe vor dem breiter werdenden Kar

Abschließend muß eine kurze Steilstufe überwunden werden, zu deren Höhenunterschied zwei drei Spitzkehren notwendig werden und die Durchquerung einer kurzen Latschenfläche erforderlich ist. Nach den letzten Latschen öffnet sich eine Flachstelle mit dem ersten freien Blick auf die bevorstehende Aufstiegsroute bis zu Scharte zwischen Vorderunnütz und Hochunnütz – ein gewaltig schöner Blick auf die bereits besonnten Hänge, in die wir bald eintauchen würden.

nach der Talstufe

Das Hochtal gibt die weitere Route durch das Gelände eindeutig vor, das im Aufstieg ohne Orientierungsgabe verfolgt werden kann. Wenige Minuten nach Überquerung der Flachstelle und einer Schneise mit mäßig steilem Aufstieg betraten wir das breit werdende Nordostkar und tauchten in wärmendes Sonnenlicht ein, unter dem wir eine Trinkpause und die Erkundung des steil werdenden Geländes vornahmen.

im unteren Kar bereits in der Sonne

Vom Rastplatz aus konnten wir schon die nächste Geländestufe einsehen. Zwischen zwei Felsrippen hindurch nahmen wir die untere Steilstelle war, die markant am Ende der Geländestufe und links einer hohen Felswand sichtbar wurde. Der Felswand konnten wir schon um 9:30 Uhr das allgemeine vormittäglich beginnende Tauen ansehen.

Rückblick mit der tollen Kulisse des Guffert

Die Geländestufe weist allerdings etwas weiter links eine zweite Rinne auf, die möglicherweise auch begangen werden kann, wir in diese Richtung jedoch keine Steigspuren ausmachen konnten.

unterhalb der unteren Steilstufe

Der herrliche Aufstieg zur Steilrinne war bei unserer Begehung geprägt von alten Nassschneelawinenresten von der Felswand rechts herab, die gefroren den Aufstieg etwas erschwerten.

toller Anstieg durch das Nordostkar

Mit dem Aufsteilen der Hangneigung wurden die Spitzkehren in engeren Abständen notwendig und zwischen den Felsrippen wechselte die Schneebeschaffenheit zwischen bereits tief aufgefirnten weichen und bockhart gefrorenen Flächen, je nach Überdeckung der Einstrahlung in der Rinne durch die Felsen zur Linken.

Herwig in der unteren Steilstufe

Alles in Allem gesehen stellte der kurze Steilaufstieg über etwa 60 Hm jedoch ein schönes, nicht sehr schweres Erlebnis dar. Die Breite der Rinne erlaubt nicht gerade die Überwindung von signifikanten Höhenunterschieden, jedoch reiht sich auch nicht Spitzkehre an Spitzkehre ohne ein paar Schritte dazwischen.

in der Steilstufe zum Hochunnütz

Während des Aufstiegs nähert man sich den sich vom Weiß abhebenden hellgrauen Wettersteinkalkfelsen auf Tuchfühlung. Unter voller Ausnützung der Rinnenbreite passierte so an mancher Stelle eine leichte Berührung der Felswand beim Umsetzen des Außenschis.

Steilstufe von oben

Im oberen Teil öffnet sich die Rinne trichterartig zum Ende der Steilstufe hin und dort wird auch gleich ein idealer flacher Platz für die Erkundung des nächsten Aufstiegsabschnittes erreicht. Herrlich präsentiert sich auf etwa 1.660m Höhe, nach Überwindung der unteren Steilstufe, das breite Hochtal mit seinem geradlinigen weiteren Aufstieg, der Scharte zwischen Vorder- und Hochunnütz zustrebend.

kurz vor dem Ausstieg

Wie meist nach Geländestufen setzt der Aufstieg zuerst ein Stück flach fort, bevor die nächste Stufe beginnt. So auch im Nordostkar zum Hochunnütz dessen Wanne nach der Steilstufe glazialen Ursprungs ist – ein paar Minuten führt die Route eher flach an eine tiefe steilere Mulde heran, durch die zum oberen Karbereich aufgestiegen wird, in dem das Gelände wieder steiler wird. Von unten ist die gesamte Route wunderbar einzusehen.

im Flachteil oberhalb der Steilstufe

Vom Rastplatz über der unteren Steilstufe aus könnte man auch links auf die Felsnase, die vom Vorderunnütz herunterzieht und das große Kar teilt, zu aufstiegen und sie auf etwa 1.750 m umrunden, um zum Vorderunnütz zu gelangen – eine weitere tolle Tour in der Kette die unbedingt erkundet werden muß und bis zur Vorlage eines eigenen Berichtes bei Jürgen & Roman nachgelesen werden kann.

schöner Aufstieg zum Hochunnütz; oben bereits die Scharte zu sehen

Wir durchquerten die Engstelle zum oberen Kar, dessen Hangneigung, zur Scharte zwischen Vorder- und Hochunnütz ab etwa 1.840 m wieder steiler und vor allem sehr eng wird. Die steile Engstelle vermeidend folgten wir den Spuren unserer beiden Vorgänger, die im oberen Kar nicht den direkten Anstieg auf den Grat suchten, sondern auf die Rippe, die nördlich  vom Hochunnütz nach Osten herab hinaus querten und ihren Anstieg dort nicht mehr fortsetzten, wie wir später anhand der Abfahrtsspuren erkennen konnten.

Aufstieg über die nächste Talstufe

So gelangten wir auf einen ebenfalls nicht angespurten, aber besser geeigneten Hang, als durch die steile Engstelle etwas nördlich von der Scharte, die wir erreichen wollten.

bärige Verhältnisse im Aufstieg zum Hochunnütz

Nach einer Trinkpause querten wir den Hang wieder, südlich ansteigend zur steilen Scharte hinüber. Am Gegenhang des Vorderunnützes vermieden wir somit einen alten Schneebrettanriss zu unterstiegen.

Querung zur Scharte

Die Scharte erreichten wir somit quer unter ihrem rechten Felsansatz, rund 70 Hm unterhalb der großen Wechten, die sie nahezu über ihre gesamte Breite zu tragen schien. Der Anblick der Wechtendimension erschreckte uns zunächst ein bisschen, jedoch stiegen wir unter der Hoffnung auf eine Möglichkeit des Durchstiegs zu ihrer Rechten im Aufstiegssinn weiter.

mächtige Wechten am Schartenansatz oben

Mit einigen Spitzkehren bewältigten wir die Schartenrinne, die nach oben hin breiter, allerdings auch steiler wurde und mit den letzten Spitzkehren im bereits wieder sonnenbeschienenen ober Teil wurde der Durchstieg auf der bereits gut aufgefirnten rechten Schartenseite sichtbar. Von rechts kamen die letzten Tage kleine Rutschungen vom steilen Fels über der Scharte herab, die sich aber als gut angefroren und eher hinderlich im Aufstieg erwiesen.

letzte Spitzkehren zur Scharte auf den Hochunnütz

Die letzten drei vier Spitzkehren erforderten im weichen Firn und aufgrund der Hangneigung schon etwas Akrobatik und sichere Stockhaltung.

etwas Assistenz auf den steilsten Metern am Schartenansatz oben

Beim Verlassen der Scharte auf den Fels wird eine Spitzkehre auf einem abschüssigen Felsband in die Gegenrichtung zum Aufstieg nötig, die einen kurzen herrlich exponierten Blick auf Wilden Kaiser und Guffert bietet. Nach ein paar Metern am Felsband wird eine Spitzkehre in die Gegenrichtung auf den Grat zum Hochunnütz erforderlich und in etwa 30 m der flache Grat am Schartenansatz erreicht.

letzte Meter mit dem Felsband rechts unten im Bild

Diese Passage, die letzten Meter in der Scharte, über das Band bis zur Spitzkehre und zurück zum Grat stellt das steilste Stück dar, das wohl teilweise mit einer Neigung über 40° anzusetzen ist.

Rückblick auf den Aufstieg in der Scharte

Nach dieser etwas nervenkitzelnden Passage folgten wir dem flach steigenden Grat unter plötzlichem unangenehmen Jochwind bis zu einem Aufschwung, der ohne Schi überklettert werden mußte, da eine Umgehung auf deren Westseite einen weiteren Abstieg erfordert hätte. Daher wählten wir diese etwa 4m mächtige Felsschuppe als Schidepot und stiegen die letzten geschätzten 50 Hm zu Fuß zum abgerundeten Gipfel des Hochunnütz auf.

Hochunnütz vor uns im Norden

Die Wechten mit Respektsabstand meidend stapften wir nach einer letzten kleinen Scharte bergwärts mit teilweiser Begehung des Sommerwegs, der an sehr abgeblasenen Stellen genauso wie die Markierungen sichtbar wurde.

am Gipfelhang des Hochunnütz

Leider ziert den Hochunnütz kein Gipfelkreuz, so wie das bei seinen beiden Nachbargipfeln der Fall ist. In jedem Fall aber erlebt man selbst auf der geringen Höhe von 2.075 m eine phänomenale Aussicht aufgrund der freien Stellung des Bergzuges der Unnütze.

unvermeidbare Gipfelfoto am Hochunnütz

Von Guffert im Nordosten  bis zum 42 km entfernten Wilden Kaiser im Osten und dem Großglockner in 87 km Entfernung, streift der Blick über den Großvenediger in die hohen Zillertaler Gipfel.

Fernsicht über die Zillertaler Alpen bis zu Großglockner und Großvenediger

Unweit gegenüber, fast schon im Süden, die schöne Silhouette der Rofangipfel mit deren senkrecht abbrechenden Nordwänden.

im Süden der Vorderunnütz und die Nordwände der Rofangipfel

Hinter dem Achensee im Süden der Olperer und der Hochfeiler, höchster Gipfel der Zillertaler Alpen.

der Südwesten – Achensee vor Olperer und Hochfeiler im Hintergrund

Wohl der schönste Blick ist jener gen Südwesten. Die bizarren Gipfel des Karwendels in einer Entfernung von rd. 25 km, die noch Detailansichten zuläßt.

im Westen die bizarren Karwendelgipfel

Den Abschluß der Gipfelschau der hohen Gipfel bildet die Zugspitze in 57 km Entfernung, am nördlichen Rand des Bildes mit Blickrichtung Karwendel und im Norden klingen mit der Benediktenwand in den Bayerischen Voralpen die Berge aus.

im Norden die ausklingenden Bayerischen Voralpen mit der Benediktenwand

Unsere Abfahrt erfolgte am Aufstieg. Der Scharteneinstieg ließ sich bequem befahren, Firnverhältnisse bis in die unbesonnten Teile der Scharte boten wenig Anstrengung.

Wechte im Abstieg vom Hochunnütz

Durch die schmalen Stellen herrschte oberflächlich weicher Schnee auf hartem Grund, der sich zwar als nicht besonders drehfreudig erwies, jedoch passabel zu fahren.

am Einstieg in die Scharte zwischen Hochunnütz und Vorderunnütz

Im breiten Nordostkar dann erlebten wir wirklich tolle Firnabfahrten über steile Hänge. Allgemein auffallend am Firn des Winters 20/21 ist dessen ungenügende Grobkörnigkeit.

Abfahrt nach der Scharte

Möglicherweise liegt das an den ungenügend konstanten Frost/Tauwechsel der heurigen Saison, die einfach andere Alterungsformen hervorbringt, möglicherweise aber bildet sich der klassisch grobe Firma aber auch noch.

Richard schwingt über den tollen Hang

Selbst die untere Steilrinne ließ sich wunderbar befahren, mit Ausnahme der mittleren Stelle, die trotz der fortgeschrittenen Tagestemperatur und Strahlungsintensität im schattigen Teil gefroren blieb.

Bärig war auch die Abfahrt durch den unteren schmalen Teil des archaischen Tälchens zur Obingermoosalm hinaus, in dem es sowohl harte als auch aufgeweichte Passagen zu befahren galt.

Herwig in der unteren Steilstufe

Am Forstweg legten wir etwa 300 m Fußweg zu einer relativ freien Hangfläche zurück, die wir nutzten um zur Loipe zu gelangen, die wir etwa 300m in östlicher Richtung befuhren, bevor wir links hinab, nahezu ohne Anschieben bis zu den Fahrzeugen fahren konnten.

wildromantisch über die steile Flanke hinaus aus dem Tälchen

Die phantastische Schitour auf den Hochunnütz mit ihrem atemberaubenden Gelände absolvierten wir in knapp fünf Stunden mit allen Aufenthalten.

letzte Passage nach etwa 300 m Forstweg

Der gesamte Aufstieg beträgt 1.080 m und die Streckenlänge bis zum Gipfel 3,8 km.

Mils, 28.03.2021

 

Rofanspitze, 2.259m

Ideal für den Herbst, wenn die Schneeauflage über 2.000m schon dauerhaft vorhanden bleibt, ist eine leichte Tour jene auf die Rofanspitze. Alternativ mit der Seilbahn ab der Erfurterhütte, oder, wie in unserem Fall, von Maurach aus. Die Zeitangabe auf der Beschilderung des TVB’s beträgt 2,5 Stunden, wir haben es in 1,5 Stunden geschafft.
Das Rofan ist ein äußerst interessantes Gebiet, wenn es um geologische Entdeckungen geht.

Manuel auf der Rofanspitze, 2.259m

Der Steig zur Erfurterhütte beginnt am Ende der Schiabfahrt (nach den Parkplätzen der Seilbahn) und führt in der Schlucht des Madersbaches bis zu einer Naturfreundehütte hinauf, wo er dann, teilweise am Rand der Schipiste, durch das Gelände des ehemaligen Niederlegers der Mauritzalm weiter bis zur Bergstation der Seilbahn und der Erfurterhütte führt.
Die Zeitangabe von der Erfurterhütte bis zur Rofanspitze beträgt 2 Stunden.

auf der Mauritzalm

Weiter bergan wird nach wenigen Minuten die Mauritzalm erreicht. Hinter dieser tut sich ein schönes Hochplateau auf dessen hintere (leicht nordöstl.) Begrenzung von den dort dominierenden Oberrhätkalkwänden (geologisch Übergang von Trias zu Jura ~208-201Mio Jahre) gebildet wird. Die homogenen, von Furchen durchzogenen, verwitterten Oberflächen sind schön anzusehen und begleiten uns am Weg über die Geländestufe „Grubastiege“ weiter in das nächste und weit größere Hochplateau Gruba mit dem kleinen See Grubalacke.

Oberrhätkalkwand auf der Grubastiege

Der Weg dorthin führt durch mehrere Einengungen. An der obersten kann die schöne Oberfläche des Oberrhätkalkes sehr nahe bestaunt werden. Von der Grubastiege geht es nun einige Meter leicht abwärts in eine Senke an der die zuvor besprochenen oberrhätischen Kalke nochmals eingehend studiert werden können.

Wegweiser am Ende der Grubastiege

Dieses Gestein weist auch eine ganz interessante Erscheinung auf und zwar mitten in den mächtig gebankten Wänden tauchen einige wenige, jedoch zweifelsfrei sichtbare rote Einschaltungen auf. Diese stellen Einlagerungen von Rotkalken und für den Interessierten, der sich diese nicht erklären kann sein gesagt, daß die Entstehung solcher Einlagerungen durch Spaltenfüllung und/oder Sedimentation am Meeresboden entstanden sind. Interessant dabei ist, daß die Füllungen bzw. die Sedimentationen erst durch tektonische Veränderungen am Meeresboden Jahrmillionen nachher entstanden sind.

die Gruba von der Grubastiege aus gesehen

Am Ende der Senke steigt das Gelände wieder sanft an und führt so, nördlich an der Grubalacke vorbei, bis zur Grubascharte. Am Weg dorthin begegnet man so manch interessanter Ausbildung von Gesteinsoberflächen.

Sedimente auf Oberrhätkalk

An der Grubascharte wird nach Osten der schön geschichtete Aufbau der mächtigen Vorderen Sonnwendjoches und des Sagzahnes sichtbar. Links (nördl.) davon der im Gegensatz zu den Felsbänken auf der Gegenseite sanfte, begrünte Hang der Rofanspitze. Dieser Blick lädt einige Minuten zum Verweilen ein und bei dieser Gelegenheit kann – auf der Suche nach einem trockenen Sitzplatz – auch erkannt werden, daß sich die Geologie wieder geändert hat, der Sitzplatz besteht aus der speziellen Rofanbrekzie die jünger ist, als andere Brekzien in der nächsten Umgebung in den Nördlichen Kalkalpen.

auf der Grubascharte

Der Steig zum Gipfel der Rofanspitze ist nun deutlich vorgegeben, er zieht sich am mittelsteilen Hang entlang, steigt unversehens über Serpentinen auf den Grat an und führt ca. 300 Meter auf diesem entlang bis zum Gipfel.

Rofanspitze von der Grubascharte aus gesehen

Bei seiner unteren Abzweigung vom Hauptsteig befindet sich ein Wegweiser und rund um diesen konnten wir auf der aperen Stelle schön die Rofanbrekzie sehen.

Abzweigung zur Rofanspitze

Diese präsentierte sich in abgewitterter Form, wobei die Komponenten – vorwiegend aus Oberrhätkalk – im Laufe der Zeit teilweise freigelegt wurden.

Rofanbrekzie II

Das Gipfelbuch – obwohl an die 40mm dick – ist in etwa ein gutes Jahr alt und war bereits vor einigen Wochen vollgeschrieben. Soviel zur Beliebtheit der Rofanspitze.

Sagzahn und im Hintergrund die Vordere Sonnwendjochspitze vom Gipfel der Rofanspitze gesehen

Der Blick am Gipfel eröffnet freie Sicht auf die beiden Unnütze und den Guffert im Norden, das Inntal und das Kaisergebirge im Osten, den Sagzahn und die Vordere Sonnwendjochspitze im Süden und die mit 2,6km Länge gewaltige Nordwandkette bis zum Streichkopf im Westen. Für den gesamten Aufstieg auf die Rofanspitze benötigten wir geringfügig mehr als 3 Stunden.

Blick von der Rofanspitze nach Norden auf die Unnütze und den Guffert

Tief unter dem Gipfel befindet sich der kleine Grubasee an dem, so wie vorwiegend an der Grubalacke und auch am Ziereinersee östlich der Rofanspitze, mittelsteinzeitliche Produktion von Waffenteilen stattfand. Vor rund 9.600 Jahren wurden an diesen Plätzen aus Radiolarit und Hornstein Speerspitzen und andere Werkzeuge gefertigt.

Die Nordwand der Rofangipfel im Detail

Die beiden Gesteine sind oberjurassischen Ursprungs und der Horizont befindet sich oberhalb des roten Liaskalks, was damals wahrscheinlich auch der leichteren Auffindung diente.
Das Rofan war damals auch ein Jagdgebiet für die Steinzeitlichen Jäger, die durch die Wiederbewaldung nach Abklingen der Eiszeit lernen mußten Standwild in den Wäldern zu jagen.

Blick von der Rofanspitze nach Osten auf den Rest der Brandenberger Alpen und das Inntal

Am Abstieg viel uns im Schutthang von dem gewaltig aufragenden Turm des Rosskopfes noch ein junger Abbruch von rötlichem Kalkgestein auf, der näher untersucht werden mußte.

Crinoidenkalk am Fuße des Rosskopf

Es zeigte sich, daß das Gestein des Abbruches einen sogenannten Crinoidenkalk darstellt. Dieser ist ein durch Sedimentation am Meeresboden entstandener Kalkstein, der aus den versteinerten Resten von Seelilien und Haarsternen (Crinoidea) besteht. Man erkennt diese mit freiem Auge durch kleine weiße Einlagerungen (Durchmesser meist <1mm, mit einem Loch in der Mitte, auch Ruhpoldinger Marmor).

Oberrhätkalk mit Liaskalkeinschluß (rot Bildmitte und links)

Beim Abstieg, bei weniger diffusem Licht als am vormittäglichen Aufstieg, durch die Gruba konnten wir die Rotkalkeinlagerungen im Oberrhätkalk noch einmal gut betrachten und unten im Almgelände fiel uns noch ein extra aufgestellter Liaskalkfelsbrocken auf, der auffällige Einlagerungen in Muschelform enthält. Er ist nicht ohne Grund aufgestellt worden, allerdings konnten wir noch keine Bestimmung für die Einlagerungen finden.

Felsbrocken aus Liaskalk mit Einschlüssen II (Eisen-Mangan?)

Den Abstieg haben wir über die Bucheraueralm gewählt.

Buchaueralm

Am weiteren Weg fällt bei ca. 1.220m ein Einschnitt einer Kehre der Almstraße auf, der eine schräge Bank an Rotkalk enthält.

Rotkalk auf 1.220m in einer Kehre

In dieser Meereshöhe erscheint das Vorkommen von Rotkalk sonderbar, denn beim Aufstieg erschienen die ersten roten Bereiche auf ca. 1.650m knapp oberhalb und nordwestlich des Schichthals orografisch links in den Felsen neben der Schipiste.

Mils, 02.11.2017