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Schitour Stupfarriköpfle, 2.808 m

Schneefall über Nacht zauberte uns eine nette Landschaft, als wir über die Serpentinen der Gemeindestraße von Nufels auf den Kaunerberg fuhren, um den Parkplatz als Ausgangspunkt der Schitour auf das Stupfarriköpfle zu erreichen. Die Beschilderung in den Serpentinen verhindert das unabsichtliche Abzweigen auf Stichstraßen zu Bergbauernhöfen und leitete uns zur letzten Kehre vor dem Gehöft Wiesenhof, von der ein kurzer Stichweg zum vergrößerten Platz vor dem Schranken führt.

am flachen Stupfarriköpfle

Da eine einheimische Gruppe bereits in der ausgeweiteten Kurve parkte, taten wir es ihm gleich und nutzten nicht den richtigen Parkplatz der übrigens gratis zu benützen ist – Jubel dürfte dadurch bei all jenen ausgelöst werden die gerne jammern, wenn eine Gemeinde ein paar Groschen für die Bereitstellung einhebt. Da an diesem Frühlingstag kaum Frequentierung zu erwarten sei und die Kurve ungehindert befahrbar blieb, wäre unser Herdenverhalten gerechtfertigt, dachten wir.

Rechts durch die Waldschneise auf die Wiese; unten die Kurve vor dem Wiesenhof

Gleich oberhalb der Serpentine erblickten wir den Anschnallplatz, der bereits völlig ausgeapert war und aufgrund der glücklichen Fügung von in unergiebigem nächtlichem Niederschlag bestens zu begehen sich zeigte. Allerdings schwanden die Hoffnungen auf eine Befahrung der weiten Wiesen des Wiesenhofs bei der Abfahrt, bei der durch Schwünge unweigerlich in die bereits kräftig tauende Schneedecke mit darunter kaum mehr verborgenen Maulwurfhäufen eingetaucht werden würde.

Aufstieg über freie Hänge des Wiesenhofs

Der guten Stimmung konnte diese Vorahnung jedoch keine Trübung verleihen, der Vormittag war perfekt und versprach, sich zu einem schönen Verlauf zu entwickeln, bevor des späten Nachmittags eine schwache Front ausbilden sollte.

phantastischer Ausblick über das Kaunertal zu Beginn des Aufstiegs

Unter der ständig anziehenden Pracht der zerrissenen Grate und Gipfel des äußeren Kaunergrates stiegen wir über die Wiesen des letzten Gehöfts, dem Wiesenhof, der aufgrund seiner besonders abgeschiedenen Lage als Kleinod eines Ferienziels für den ruhesuchenden, aber auch für den Bergsteiger bezeichnet werden kann, zum Waldrand auf den Spuren der Einheimischen folgend. Nach einer kurzen lichten Waldpassage erreichte die Spur den Almweg, der vom Parkplatz zur Falkaunsalm hinaufzieht und den Normalaufstieg darstellt.

auf den weiten Wiesen des Wiesenhofs

Vor dem Eintauchen in den Wald muß unbedingt noch der Blick auf den Talschluß ausgekostet werden, ein Blick, der haften bleibt, mit der mächtigen Weißseespitze (3.498 m) in 25 km Entfernung und dem an ihrem Ostabhang hervorstechenden Weißkugelgipfel (3.738 m) als Krönung dieses epischen Blickes. Auf der linken Talseite in Blickrichtung erschaudert man vor dem aufgerissenen, wilden und jäh ins Tal abfallenden Grat des Schweikert (2.881 m).

die Grate mit Muttler und Schweikert

Am Almweg führt die Route nun über zwei Kehren moderat steigend bis zu einer größeren lichten Fläche mit einer Wegkreuzung, an der sich die Route südöstlich dreht und kurzzeitig den Weg verläßt. Über die ausgeschlägerte Waldfläche angestiegen, erreichten wir den Almweg wieder. Bald darauf tauchte eine Dreiergruppe auf einer Freifläche unterhalb des Wegs auf, die von der letzten Serpentine im Wald den Sommerweg zur Abkürzung benützt haben dürfte. Im unteren Teil der Schitour gibt es je nach Tourenführer die beiden Varianten ab dem Parkplatz über den Weg oder die Wiesen, im oberen Teil vor der Alm den Sommerweg durch den Wald unter Abkürzung der geschlägerten Freifläche.

durch die kurze Waldpassage links auf den Almweg

Auf 1.962 m wird die Falkaunsalm erreicht. Von dort zieht der Weg um einen Bogen nach Osten drehend, wo die weiten Hänge des Roßbodens sichtbar werden, die zum Stupfarriköpfle sich ausbreiten. Direkt bei der Begehung der Wegkurve bieten sich einige Minuten atemberaubende Blicke auf den Kaunergrat links, die Talfurche mittig und den Glockturmkamm rechts.

auf der ausgeholzten Passage zur Falkaunsalm, im Hintergrund der Peischlkopf

Im Kaunergrat stachen die Gipfeltürme nur so gegen das Blau des Himmels an diesem schönen Tag. Hinter dem Grat vom Schweikert zum Hochrinnegg (3.027 m) lugte der Schwabenkopf (3.379 m) empor und am Ende der Kurve beeindrucken die kühnen Felstürme von Peischlkopf (2.913 m), Kleinem (2.934 m) und Großem Dristkogel (3.057 m).

an der Falkaunsalm

Nördlich oberhalb des Wegs, der sich in drei Richtungen teilt, liegen die weiten Hänge unterhalb des Stupfarriköpfles im äußeren Teil des Kaunergrats. Wir stiegen auf der vorgespurten Route weiter, um abermals den Fahrweg zu erreichen, der auf den Roßboden führt, unter die weiten Hänge des Stupfarriköpfles. Mittig waren die Hänge durch Ausaperung bereits unbefahrbar und auch steiler, schrofiger als zu beiden Seiten. Der Aufstieg links wird in Tourenführer ebenfalls beschrieben, doch dürfte der Aufstieg rechts als Normalaufstieg zu interpretieren sein, da er über leichteres, kupiertes Gelände führt, am Rand des Roßbodens.

nach der Falkaunsalm in Richtung Roßboden

Die sonderbar lustige Bezeichnung „Stupfarri“ findet sich bei Judith Jambor[1] ausführlich erklärt und der Roßboden (Flurbezeichnung lt. TIRIS) liefert den Beweis für die Erklärung. Der Stupfarri ist ein Stutenpferch, welcher mit guter Vorstellungskraft die schroffe Umrahmung des Kaunergrats oberhalb des Roßbodens mit der Flurbezeichnung „Stupfarrikessel“ darstellen soll. Der Grat kesselt den Roßboden sozusagen ein und „pfercht“ das Vieh darin.

die langgezogene Kurve gibt schöne Blicke auf den Peischlkopf und die Dristkögel frei

Weiters soll dieser Ausdruck einen dialektalen Hintergrund haben und zwar soll er sowohl dinglichen Hintergrund haben – was für a Stupfarri! = welch Unordnung! – und auch materiellen – er hat an Haufn Stupfarri mitbracht = er hat viel unnötigen Kram mitgebracht. Sollte sich zu diesem Thema ein mundartkundiger Leser aus dem Kaunertal bereit erklären, einen Kommentar zum Beweis dieser Aussagen abzugeben, wird der Autor den Text gerne damit bereichern.

Blick auf den Hang zum Stupfarriköpfle

Auffallend am breiten Hang zum Stupfarriköpfle ist die andersartige Geländeausbildung als links und rechts am Westabhang dieses Teils des Kaunergrates. Das Auge findest kaum blockiges Felsgelände, der Hang sieht aus, als hätte ihn eine gewaltig breite Lawine angehobelt. Die Ursache für die Felsarmut könnte Zerlegung aufgrund des großräumigen Kriechens[2] des gesamten Hangs darstellen, das schon wissenschaftlich untersucht wurde.

rechtshaltend geht es auf den Roßboden weiter

Bemerkbar ist die Massenbewegung durch Säbelwuchs der alten Lärchen (wobei dieser eher auf die nähere Umgebung der Bäume bezogen ist, als auf den gesamten Hang mit einer Breite von als einem Kilometer. Auf der Landesstraße neben der Fagge, wo sich der sogenannte Talzuschub der schiebenden Masse ausbildet, ist der tiefste Taleinschnitt stellenweise kaum zwei Dutzend Meter breit.

der Aufstieg führt etwa mittig im Bild nach links oben

Das schöne, weitläufige Gelände läßt für die Abfahrt im wahrsten Sinn breiten Spielraum zu. Für den Aufstieg empfahl sich alle Gruppen an diesem Tag aufgrund des ausgeaperten Mittelteils eine Route rechter Hand hin zum Roßboden, wo auch auf den Hinteren Stupfarri aufgestiegen werden kann.

mit Spitzkehren auf den felsigen Teil am Kamm zugestrebt

Weiter oben, etwas unterhalb der Kote 2.400 m, drehten die geländekundigen Gruppen nach links bis leicht über die Nordrichtung hinaus, um den steileren Hangteil zu queren. Im Bereich von 2.500 m erreicht die Route für etwa 50 Hm ihre größte Hangneigung in typischem Lawinengelände. Bei unserer Begehung war jedoch trotz des Neuschnees keine Gefahr daraus mehr vorhanden. Die Neuschneeauflage erreichte keine Mächtigkeit, die gefahrbringend gewesen wäre, der Untergrund fester Firn.

die Aussicht auf den inneren Kaunergrat wird immer beeindruckender

Immer mehr faszinieren beim Aufstieg die weißen Riesen zur Rechten, sie zogen den Autor förmlich in ihren Bann. Die Perspektiven auf den Gsallkopf beim Aufstieg auf das Stupfarriköpfle dürften vor allem im Winter zu den schönsten zählen.

Gsallkopf Nordseite, über die beleuchteten Hänge führt die Schitour

Je höher der Blickpunkt, desto mehr tritt in 6,6 km Entfernung hinter dem Großen Dristkogel die massive Rofelewand (3.353 m) mit ihrer abweisenden mauerartigen Nordflanke ins Auge. Während des Aufstiegs hüllte sich die Rofelewand jedoch in Nebelfetzen, die Belohnung sollten wir erst am Gipfel erhalten.

der Hang wird zusehends steiler

Bereits unter der 2.600 m Kote verflacht sich der Aufstieg auf das Stupfarriköpfle merklich. Über kupiertes Gelände führt die Route auf die Kammhöhe hinauf und man sollte die Distanz nicht unterschätzen, die Strecke von dort zieht sich noch knapp einen Kilometer und führt über herrliches Gelände in die Felsregion am Kamm.

und der Ausblick wird zusehends phantastischer

Zur Linken erblickten wir bei beginnender Einnebelung von Nord noch den Ölgrubenkopf (2.879 m) und das Köpfle (2.834 m) im Nordwesten, bevor die letzte Mulde den Restaufstieg auf die Kammhöhe, diese Blickrichtung durch die Felsen verdeckte.

die steilste Passage auf etwa 2.500 m voraus

In Kammnähe nun eine seltene Situation mit dem Gipfelziel. Die Gruppen vor uns stiegen nicht auf das Stupfarriköpfle, sondern auf einen unbenannten Felssporn im Südwestgrat der Schwarzwand (2.942 m).

Rückblick auf den oberen Teil der Tour

Offenbar, so dachten wir uns bei der Ankunft am Stupfarriköpfle, muß dieser Sporn eine Art Ersatz für einen richtigen Gipfel herhalten, denn das Stupfarriköpfle ist von Westen betrachtet lediglich eine leichte Erhöhung im Kamm, ohne Gipfelstatus und –kreuz. Von den Seen im Osten her betrachtet muß es etwas hergeben, den einige Meter hinter dem Gipfelplateau fällt das Stupfarriköpfle mit ungemeiner Steilwand jäh zum Krummer und Kugleter See ab.

einmal mehr die Gipfel des inneren Kaunergrates mit der Rofelewand im Restnebel

Allerdings bietet der Felssporn außer knapp 50 Hm und der dort vielleicht etwas erhabeneren Aussicht auch keinen großen Mehrwert, auch er besitzt nicht die Schartenhöhe zur Schwarzwand, um als Gipfel zu gelten.

auf den Gratkamm zu , das Stupfarriköpfle noch nicht sichtbar

Somit verblieben wir auf dem Stupfarriköpfle und schonten die schlechte Kondition des Autors. Die Entscheidung erwies sich zusätzlich vorteilhaft, denn die von Norden eintrübende Bewölkung ließ gerade noch schöne Bilder vom inneren Kaunergrat zu, bevor die Abdeckung der Sonne klamme Finger zeitigte und Licht aus der Szenerie stahl.

links, nordwestlich der äußere Kaunergrat mit den nahen Gipfeln Ölgrubenkopf und Köpfle

Die Aussicht auf dem Stupfarriköpfle überrascht trotz der kleinen Erhebung im Kamm. Von West bis Nord deckt zwar der Felssporn gegenüber und die Schwarzwand die Sicht ab, auf alle anderen Himmelsrichtungen bestehen jedoch Fernblicke. Im Südosten finden sich die drei Stupfarrigipfel in nächster Nähe, auf deren Hinteren eine Schitour zu unternehmen ist.

Felssporn als Ersatz für einen ausgeprägten Gipfel, das Stupfarriköpfle befindet sich rechts davon

Weiters besteht in der Ferne hinter dem Hinteren Stupfarri ein bestechender Blick auf den Doppelgipfel der mächtigen Rofelewand. Das schräge Band, das vom Entspringen der Rippe zwischen Gschwandferner und Piösmesferner in der Nordostwand der Rofelewand hinaufzieht, ist durch den darin liegenden Schnee deutlich zu erkennen. Über die erwähnte Rippe und dieses schräge Band stiegen Carl Berger, Eduard Franzelin und Ingenuin Hechenbleikner am 4. September 1903 aus dem Pitztal auf und meisterten dadurch erstmalig einen der schwierigsten Aufstiege in den Ötztaler Alpen. Über letzteren Erstbesteiger, der vorher am 18. August 1903 im Alleingang die Nordwand der Watzespitze ersterkletterte, forscht der Autor seit zwei Jahren nach und wird etwa in einem Jahr eine umfassende Biografie über diesen unerschrockenen Innsbrucker veröffentlichen.

Am Stupfarriköpfle angekommen; erster Blick auf den Gsallkopf und die nun fast nebelfreie Rofelewand; deutlich ist das Band der Nordostwand zu sehen und die steile Eisflanke zwischen dem Doppelgipfel darüber

Im Uhrzeigersinn nach der Rofelewand setzt der beim Aufstieg so erhaben thronende Peischlkopf in nächster Nähe an, dann der etwas höhere Große Dristkogel, bevor der schöne Haifischzahn des Gsallkopfs ins Auge sticht. Über die schön beleuchtete Nordwestflanke vollzieht sich die schwere Schitour auf diese mächtige Spitze.

Blich auf den Kaunergrat und ins Kaunertal mit der Vorderen Ölgrubenspitze sowie rechts die Weißseespitze in der Ferne

Es folgt die Verpeilspitze (3.423 m), der Schwabenkopf (3.379 m) und die Watzespitze (3.532 m), die höchste Erhebung im Kaunergrat. Im Vordergrund befindet sich der Muttler (2.860 m), eine Kette dahinter der Schweikert und das Hochrinnegg (3.058 m). Noch vor dem Schweikert blickt in 20 km Entfernung die Vordere Ölgrubenspitze (3.456 m) durch die Ketten hindurch, bevor die südlichst erkennbaren Spitzen der Langtauferer Spitze (3.528 m) und der Weißkugel (3.728 m) in 32 km Entfernung den Blick mach Südwest zur Weißseespitze (3.498 m) einleiten.

die Gamsköpfe im Glockturmkamm als erste sichtbare Erhebung im Nebel, weiter hinten der Schmalzkopf bei Nauders, ganz rechts der Furgler

Leider vereitelte eine große Nebelbank den Blick auf den Glockturmkamm und die Sicht auf den namengebenden Glockturm (3.355 m) war uns verwehrt. Ab den Gamsköpfen (2.806 m) im Südwesten im Tal gegenüber bestand wieder Sicht jedoch nur bis zu einem westlichen Vorposten der Ötztaler Alpen, dem Schmalzkopf (2.724 m) bei Nauders in 25 km Entfernung.

im Trennkamm mit dem Paznauntal der Blankakopf und Rotpleiskopf; die Sicht auf die Lechtaler Alpen durch Nebel versagt

Die Samnaungruppe befand sich bereits in einer undurchsichtigen Wolkendecke, sodaß nicht einmal deren höchster, der Muttler (3.294 m) mit der selben Entsprechung wie jener in der Kette gegenüber nicht ausgemacht werden konnte. Für die mehrfach in den Ötztaler Alpen und der Samnaungruppe vorkommenden Berge mit der Bezeichnung „Muttler“ erklärt Judith Jambor[3] die Benennung aufgrund ihrer unspektakulären Form nach einem Widder, der sich die Hörner abgestoßen hat und als „Muttl“ bezeichnet wird, mit dem Ursprung in „mutilus“ für „verstümmelt, hornlos, abgehackt“.

am Sporn südwestlich der Schwarzwand (auch Schalwand) die beiden Gruppen, die das echte Stupfarriköpfle nicht am Plan hatten

Im Oberen Gericht gegenüber konnte deutlich der Furgler (3.004 m) sowie die nordöstlichen Gipfel im Trennkamm mit dem Paznauntal, Blankakopf (2.850 m) und Rotpleiskopf (2.936 m) gesichtet werden. Die Pezinerspitze als nordwestlichster Gipfel des Verwall, auf die eine bärige Schitour führt, kann leider vom Stupfarriköpfle aus nicht gesichtet werden, sie ist nur von der Schwarzwand (oder auch Schalwand) aus zu sehen. Der Blick ins Stanzertal blieb ebenfalls in Wolken verborgen.

im Nordosten bereits alle Gipfel in Wolken, hier der Aufbau des Wildgrats vor dem langen Sattel

Im Nordosten könnte man den Geigenkamm wunderbar auf eine beträchtlich Länge hin einsehen können, hätte nicht die Front alle Gipfel verhüllt. Im Nordosten jedenfalls erkannten wir den Wildgratstock und nach dem langen Sattel den Nördlichen Lehner Grieskogel mit dem Fundusfeiler dahinter. Leider war der Acherkogel über dem Sattel nicht zu sehen, ebenso nicht der Breite Grieskogel, auf den eine phantastische Schitour von Niederthai aus führt.

im Geigenkamm gegenüber verbirgt sich der Blockkogel

Der Blockkogel (3.098 m) im Tal gegenüber versteckte sich etwa mittig zwischen dem niederen Stallkogel (2.603 m) und dem Aherkogel (2.803 m) auf dem Westabhang des Kaunergrates und der Schrankogel knapp nach dem Aherkogel blieb im Nebel verborgen. Erst weiter drin im Geigenkamm konnten die Gipfel des Vorderen (2.955 m) und des Hinteren Feuerkogels (3.090 m) in 10 km Entfernung erkannt werden. Der gewaltige Luibiskogel (3.110 m) und der Reiserkogel (3.082 m) mit 11 km Entfernung bildeten den Abschluß der Rundschau.

weit hinten im Geigenkamm sind die Feuerkögel, der Luibiskogel und der Reiserkogel noch nebelfrei zu sehen

Nachdem die Sonneneinstrahlung bereits geraume Zeit ausblieb, beschlossen wir die Abfahrt anzutreten, denn ein nochmaliges Sonnenfenster war nicht zu erwarten. Die ersten Hänge unter Pulverschnee hatten wir im endenden März auch selten erlebt und so erfreuten wir uns an den leichten Schwüngen.

Gipfelpunkt des Stupfarriköpfle, 2.808 m

Im Bereich zu steilerem Gelände hin trafen wir auf die kleine Jagdhütte auf 2.550 m Seehöhe. Dort konnten wir entscheiden im Abfahrtssinn rechts über den Hang, der durch eine Felsrippe begrenzt wird, oder links über die schön kupierten Hänge des Roßbodens abzufahren. Die linke Seite, die im unteren Teil Schneesicherheit versprach, wurde ausgewählt. Die Schneeverhältnisse auf der Abfahrt rechts konnten von oben nicht genau eingesehen werden.

zunächst flach vom Stupfarriköpfle auf die Westflanke des Kaunergrates hinab

Unterhalb des Mittleren Stupfarri mußte bei bäriger Beleuchtung letztmalig der Peischlkopf aufgenommen werden. Majestätisch steht dieser Turm über dem weiten Tal, dahinter die hehren Gipfel im Kaunergrat.

Weiter ging die Fahrt in oberflächlich angetautem und bereits leicht pappigem Schnee hinab zum flachen Plateau oberhalb der Falkaunsalm. Die restliche Abfahrt war bis kurz vor den Schranken vollständig unter Schi möglich, ab der letzten Kehre mußte etwa 200 m getragen werden.

epische Momente hoch über dem Kaunertal

Die schöne Schitour forderte uns 5:15 Stunden bei 1.255 m Aufstieg ab. Dabei legten wir 6,2 km Entfernung zurück.

Abfahrt in schönstem Gelände

Durch die südwestgerichtete Exposition besteht zu Beginn des Frühjahrs ab 9 Uhr der gesamte Aufstieg unter Sonneneinstrahlung, wodurch ein früher Aufstieg empfehlenswert erscheint. Die Exposition ist auch bei der Höhenlage hinsichtlich der Schneesicherheit zu beachten.

über den Roßboden hinab

Trotz dem Ausgangspunkt auf knapp 1.600 m erwischten wir gerade noch genügend Schneeauflage (ohne den beschriebenen nächtlichen Niederschlag, der den ersten Aufstieg über die Wiesen ermöglichte) für den Aufstieg über den Almweg.

Mils, 22.03.2026

[1] Judith Jambor, Die Bergnamen Tirols. Herkunft und Bedeutung. (Veröffentlichungen des Tiroler Landesarchivs, Band 2). 1. Aufl. Innsbruck 2025, S. 146.
[2] M. Weißflog/Kurosch Thuro, Analysis of a large deep-seated creeping mass movement using GIS and DEM.
[3] Jambor, Die Bergnamen Tirols (wie Anm. 1), S. 112.