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Schitour Pezinerspitze, 2.550 m

Die nette und speziell in diesem hinsichtlich der Schneedeckenbeschaffenheit vertrackten Winter unproblematische Schitour auf die Pezinerspitze kann wärmstens empfohlen werden. Leider wahrscheinlich wird eine weitere Woche mit ungebremster Sonneneinstrahlung der Tour für den heurigen Winter den Garaus machen, es sei denn, man ist bereit, gut 100 Hm mit Schi und Schuhen am Rucksack aufzusteigen. Bei unserer Begehung mußten nur 45 Hm getragen werden, um im schattigen Waldeinstieg anschnallen zu können.

Herwig auf der Pezinerspitze

Generell verspricht die Tour gute Aussichten auf eine lange Begehungsmöglichkeit im Spätwinter, denn sie startet auf 1.524 m Seehöhe, obwohl dieser Vorteil wieder durch die Süd-/Südwestexposition aufgebraucht wird, indem die gesamte Route bis auf das kurze Waldstück zu Beginn der Sonne ausgesetzt ist.

vom Parkplatz auf den Beginn der Schitour auf die Pezinerspitze geschaut

Allein die Anfahrt von See bis zu dem kleinen Parkplatz 150 m nach der Linkskurve in Stockach kann als Erlebnis gewertet werden. Man respektiere ab dem Verlassen der Paznauntalstraße die Anrainer, deren Haustüre einen guten Meter vom eigenen Fahrzeug entfernt ist und fahre entsprechend zurückhaltend durch die Ansiedlungen, auch dann, wenn man das LVS vergessen hat und noch einmal nach Hause zurückfahren mußte.

Route durch die Waldschneise

Die Ortsbezeichnung Langesthei, der es höchstwahrscheinlich an Bekanntheit außerhalb des Paznauntals mangelt, deutet bereits auf eine rasche Ausaperung der steilen Bergmähder oberhalb des Talbodens hin und bringt die sonnenzugewandte Exposition der Landschaft zur Geltung, bedeutet sie doch (Langesthey)„Frühjahrsalpe“[1].

Ende der Waldschneise, Übergang auf die weiten Freiflächen unterhalb der Pezinerspitze

Fortgeschrittenen Semestern wird die Bezeichnung „Langes“ für Frühling noch geläufig sein und die Bezeichnung „Thaja“ ist dem Ötztaler als Alm- oder Sennhütte bekannt (ebenso die Kombination „thai“ in Kühtai!) und nicht nur als Jakobs Schihütte oberhalb von Sölden.

links auf die breite Rippe

Dieses Wort entstammt dem Keltischen Es handelt sich bei Langesthei also um eine germanisch-keltische Wortkombination inmitten von einem romanisch, walserisch und bairisch-tirolischem Sprachüberschneidungsgebiet, welche ein Zusammentreffen!

auf diesem breiten Rücken hinauf bis zur Verengung zur Mulde

Eigene Nachlese in Finsterwalders grandiosem Werk durch den Verfasser erbrachte das Ergebnis, daß die Pezinerspitze vom romanischen Wort pezin[2] = Tümpel abgeleitet worden sein muß, wobei sich aber auf der Tour keine Vertiefung in den Hängen finden läßt, die einen Tümpel beherbergen könnte.

auf der rechten Muldenbegrenzung weiter

Allerdings ist das 60 Hm oberhalb der etwa 2,3 km westlich von der Langesthei Alpe gelegenen Spidur[3] Alpe der Fall, die unterhalb des an der Pezinerspitze nach Westen ansetzenden und fortschreitenden Grates liegt. Möglicherweise wurde die Spidur Alpe überhaupt wegen der Tümpel geschaffen und diese namensgebend für die Gipfelbezeichnung, der als einer der ersten bestiegen worden sein dürfte.

auf der Querung nach Nordosten; mitten durch die Hänge in bäriger Stimmung

Sehr auffallend in diesem Zusammenhang erscheint die Tatsache, daß alle anderen Gipfel in der Umgebung germanische Namen tragen, sie müssen also wesentlich später erstiegen und benannt worden sein. Die romanische Bezeichnung Pezid = Föhrenwald dürfte für die Pezinerspitze nicht anzuwenden sein, denn oberhalb Langesthei konnte keine Föhre gesichtet werden.

Rückblick auf die Strecke am Almweg

Zu guter Letzt in der Sprachkunde sei Irene Rapp erwähnt, die für den Berg die von den Einheimischen gepflegte Bezeichnung „Spitzina“ nennt. Noch 1865 wurde sie „Pizini“[4] genannt, wie Anton von Ruthner berichtet.

unterhalb der Schneebrücken nach rechts oben auf die Pezinerspitze

Ideal für die Tourenplanung auf die Pezinerspitze erweisen sich die beiden Schneestationen Spidur Alpe (Nr. 126 in der Stationskarte) und Dias (Nr. 129) sowie die darüberliegende Windstation „Großgfallkopf“ – ein seltener Fall, daß von gleich drei nahegelegenen Messstationen optimale Informationen dazu vorhanden sind, welchen Service man im Land der Berge schätzen darf.

über angenehmes freies Gelände zu den Schneebrücken im Bereich Bergli

Vom Parkplatz etwa 150 m auf der Dorfstraße zurückmarschiert, beginnt die Schitour entweder auf einem kleinen Steig direkt in den Wald oder 30 m weiter im freien Gelände. Wir haben beide Varianten getrennt voneinander probiert und uns weiter oben getroffen. Im Spätwinter erscheint der Anstieg über die gerade noch schneebedeckten Wiesen zum Waldrand geeigneter zu sein, jedenfalls ist sie die direktere Variante durch das kurze Waldstück und die bevorzugte Route der Einheimischen.

rechts neben der Fichte schräg nach oben durch die Schneebrücken hindurch

Auf den freien Flächen weiter oben befanden wir uns dann in der Flur „Dasch oder Hoachmous“ und querten unterhalb des Felsens nordöstlich in Richtung „Berglikapelle“ auf die direkte Route unterhalb des Gipfels. Die Mähder sind in diesem Bereich weit und übersichtlich, sodaß die Querung ohne Kartenhilfe auf mehreren Passagen möglich ist.

die Schneebrücken stellen kein wirkliches Hindernis dar, kaum kommt man ihnen im Aufstieg nahe

Durch den Wald steigt die schmale Schneise einmal über geschnittenes Gehölz, das im Frühjahr sichtbar wird, jedoch keine Plage darstellt. Wenige kurze Steilstellen sind zu meistern. Mit angenehmer Steigung führte unsere Route im Freigelände der Mähder an eine Hütte unterhalb einer Baumgruppe und weiter auf einen freien Hang, der sich weiter oben zu einer Mulde formte, über deren rechte (östliche) Begrenzung auf der Kuppe der Verlauf des Anstiegs sichtbar wurde. Da der Gipfel weiter östlich liegt, mußte querend aufgestiegen werden und das gut einzusehende, kupierte Gelände lies das ohne Versteigen zu.

abwechslungsreiches Gelände auf die Pezinerspitze; hier eine Rampe, die sich oben zu einem steilen Trichter formt

Einige Gruppen vor und hinter uns zweigten im Bereich Dasch nach links (westlich) ab, wahrscheinlich auf das Niederjöchl (2.346 m) zwischen Großgfallkopf und Pezinerspitze. Eine andere Tour in diesem Bereich findet sich nicht beschrieben.

Rückblick auf den Trichter

Wir hielten uns auf eine markante schneebedeckte Kuppe unterhalb der Felsen zu und erreichten den Almweg, dem etwa 200 m gefolgt wurde, um unterhalb der ersten Schneebrücken wieder ins Gelände einzusteigen. Ein uns nachfolgendes Duo stieg nach der Mulde im Bereich Dasch weiter in direkter Linie an und benutzte großteils den Almweg, um zu queren.

nach dem Bereich Bergli wird es flacher auf die Pezinerspitze

An diesem Tag lag noch überwiegend Schnee auf der Route, sodaß wir kaum Stellen erreichten, die uns durch Ausaperung verwehrt waren. Der gesamte Aufstieg konnte auf Sicht von unten begangen werden, was bei der Abfahrt nicht so gut klappte und wir uns einmal fast in völlig ausgeapertes Gelände verirrt hätten.

um eine Kurve herum wieder ein Landschaftswechsel

Nach knapp 400 m am Almweg konnte wieder ins Gelände eingestiegen werden, unter Anpeilung der ersten Schneebrücken im Hang oberhalb. Auf den rechten von zwei muldenartigen Einschnitten beschlossen wir zuzusteuern.

zwei Schneerippen müssen gequert werden, um zu einem breiten Rücken zu gelangen

Die beiden anderen Aufsteigenden verließen den Almweg nicht und querten am Almweg weiter östlich, um offensichtlich den Schneebrücken auszuweichen. Wir trafen sie oben wieder, von der Talmulde aufsteigend, die vom Ende des Almwegs in das darüberliegende Kar hinaufzieht.

Übergang von den Rippen auf den breiten Rücken unterhalb der Pezinerspitze

Das Gelände läßt auf der Tour einige Routen zu und wahrscheinlich gibt es mehrfache Varianten des Aufstiegs. Den Gipfel kann man aber ab kurz nach dem Wald zu Beginn nicht mehr einsehen und muß sich die Position etwa merken.

auf der Hochebene unterhalb der Pezinerspitze

Durch die erste Kaskade an Schneebrücken hindurch erreichten wir ein zweites Mal eine Kehre des Almwegs und verließen diesen gleich wieder durch ein steiles Couloir zwischen einer Schneebrücken-Kaskade links oberhalb.

das Gelände in diesem Abschnitt etwas steiler als bisher

Über dieser abwechslungsreichen Einlage würde das Gelände etwas flacher. Über eine Rippe gelangten wir schlußendlich in den oberen Teil des oben beschriebenen Kars. Von dort führt ein breiter Rücken auf eine flache Fläche unterhalb des Gipfelaufbaus, die wir bis an den Rand des Gipfelhangs durchwanderten, um links (westlich) der Schneebrücken über einen steileren Hangteil auf den leicht überwechteten Gratrücken zu gelangen.

herrliche Aufstiegshänge mit immenser Wärmestrahlung bei Windstille

Dieser Teil der Route war der wärmste. Unbarmherzig brannte die Sonne herab und der ohnehin schlechte Trainingszustand des Verfassers erzwang dadurch mehrere Verschnaufpausen.

Blick auf den Gipfelbereich der Pezinerspitze

Endlich am Gratrücken angelangt änderte sich die Einstrahlung durch die Abflachung und verminderte Reflexion auf den Körper rasch. Der Wechsel von Firn oder besser Nassschnee zu windgepresstem harten Trockenschnee unterstrich die Geländeänderung.

am Kammrücken, Pezinerspitze voraus

Der weitere Anstieg ist einfach, der Gipfel kann eingesehen werden. Nordwestseitig des Gratrückens führt der Anstieg über eine seichte Mulde zum kofelartigen Gipfel. Nach der Mulde war der Hang bereits ausgeapert, wodurch mit einer leichten Rechts- und anschließenden Linkskurve das Gipfelplateau erreicht wurde.

kofelartige Form der Pezinerspitze

Als erste hohe Erhebung im Kamm kann ein weitreichender, beeindruckender Rundblick von der Pezinerspitze aus genossen werden. Zuerst gilt der Blick dem Paznauntal im Südwesten, vielmehr jedoch seinem linken und rechten Saum, der Silvretta und der Verwallgruppe.

ein hohes Holzkreuz ziert die Pezinerspitze

Gegenüber im Tal, nur 7 km entfernt gegen Südosten der Seekopf (2.855 m), der Gamsbergkopf (2.821 m) und zwischen jenem und der Gamsbergspitze (2.839 m), die wilde Rofelewand (3.353 m) dann der Rotpleiskopf 2.936 m) und noch davor im Hintergrund die Granden des Kaunergrats Watzespitze (3.532 m) und Seekogel (3.358 m).

Venet mit Glanderspitze links, mittig Ötztaler und Stubaier Alpen, rechts Samnaungruppe mit Giggler und Rotpleiskopf; dazwischen Gsallkopf, Rofelewand, Hohe Geige, Watzespitze und Seekogel im Kaunergrat

Weiter geht es mit dem Blankakopf (2.892 m) und dem ersten Dreitausender der Kette der Samnaungruppe, dem Furgler (3.004 m) im Südosten, dem Hexenkopf (3.005 m) gegen Süden und dem flachen Gipfel des Vorderen Kreuzjochs (2.845 m) mit dem Muttler (3.295 m) in der Ferne dahinter.

im Süden: Hexenkopf, Vorderes Kreuzjoch, dahinter versteckt Piz Mundin und Muttler

Noch links des Vorderen Kreuzjochs lugt im Hintergrund der Piz Mundin (3.146 m) hervor, die höchste Erhebung der Samnaungruppe.

Hexenkopf, Vorderes Kreuzjoch, Vesilspitze, Bürkelkopf, Vesulspitze, Südliches Fluchthorn, Piz Linard, Piz Buin und Silvrettahorn

Vesilspitze (3.097 m) in 22 km Ferne, Bürkelkopf (3.033 m) und Vesulspitze (3.089 m) in 13 km Entfernung schließen die nahegelegenen Gipfel ab, weit dahinter in 29 km Entfernung dann das berühmte Südliche Fluchthorn (3380 m, vor 2023 sogar 3.397 m), der Piz Linard (3.410 m) als höchster Berg der Silvretta, der Piz Buin (3.312 m) sowie das Silvrettahorn (3.244 m).

Paznauntal im Südwesten mit: Madleinkopf, Seekopf, Saumspitze, Kuchenspitze, Patteriol versteckt und Madaunspitze

Auf der nordwestlichen Verwallseite der Taleinfassung fällt als äußerster Gipfel der Madleinkopf (2.907 m) ins Auge, dann der Seekopf (3.061 m), die Saumspitze (3.039 m), die Kuchenspitze (3.148 m), die lange Zeit als der höchste in der Verwallgruppe galt, der Pateriol (3.056 m), die Seßladspitze (2.906 m), die Madaunspitze (2.061 m) sowie im Westen das wenig entfernte Duo Blankahorn (3.129 m) und Hoher Riffler (3.168 m).

im Westen: Gampernunspitze, Blankahorn und Hoher Riffler

Im Nordwesten finden sich die Lechtaler Alpen des Arlberggebietes, der Stanskogel (2.757 m), die Vallesinspitze (2.769 m), die Vorderseespitze (2.889 m), markant die Holzgauer Wetterspitze (2.895 m), die Fallenbacherspitze (2.723 m), etwas versteckt die Freispitze (2.884 m), im Norden bereits die Eisenspitze (2.859 m), der Dawinkopf (2.968 m) und die Parseierspitze (3.036 m) als höchste Erhebung und einziger Dreitausender der Nördlichen Kalkalpen sowie der Gatschkopf im Nordwesten.

Gipfelrundschau: Stanzertal mit der Taleinfassung durch Gipfel der Lechtaler Alpen; Stanskogel, Vallesinspitze, Vorderseespitze, Holzgauer Wetterspitze, Fallenbacherspitze, versteckt die Freispitze

Weiter im Nordwesten findet sich der Simeleskopf (2.804 m), ein weiteres Blankahorn ( 2.822 m), der Wannenkopf sowie der Ober-Rauhekopf (2.811 m) und die niedrigere aber vom Inntal aus so markante Schneide der Silberspitze (2.461 m) nach der sich die Sicht auf die Lechtaler im Inntal verliert.

Eisenspitze, Dawinkopf, Parseierspitze

Hinter letzterer ragt noch der massive Stock der Zugspitze weit auf, sowie die Mieminger Kette mit Wannig (2.493 m), Grünstein (2.661 m) und Hochplattig (2.768 m), bevor und das Duster des Wüstenstaubes die fernere Sicht an diesem Tag verwehrte.

Gatschkopf im Nordwesten., Simeleskopf, Blankahorn, Wannenkopf, Ober-Rauhekopf, Silberspitze

Von der Leutascher Dreitorspitze (2.682 m) bis zur Hohen Munde blieben alle Gipfel im Dunst verborgen, einzig die Pyramide des Tschirgant (2.372 m) in 31 km Entfernung konnte ausgemacht werden.

Venetstock mit Glanderspitze gegen Osten links, mittig weit entfernt die Ötztaler Alpen von Wildgrat bis Breiter Grieskogel; rechts Gigglerspitze, Seekopf und Gamsbergkopf sowie Rotpleiskopf

Im nahen Venetstock konnte die Glanderspitze (2.5421 m) sowie dahinter die Kühtaier Berge mit dem Rietzer Grieskogel (2.884 m) erkannt werden, dann gegen Osten hin der Acherkogel (3.008 m), der Hochreichkopf (3.010 m) in 41 km Entfernung und der Wildgrat (2.971 m). Weiters der Fundusfeiler (3.079 m), der Strahlkogel (3.288 m) und der Breite Grieskogel (3.287 m) in 44 km Entfernung, genau im Osten, der die Gipfelschau beschließt.

Pezinerspitze gegen Samnaungruppe

Ein Wort noch zu vier Berggipfeln, die in der Umgebung stehen und aus dem Wort „Blanka“ gebildet werden sowie zu mehreren Flurbezeichnungen in der Samnaungruppe und nordwestlich von Kappl im Verwall.

Eisenkopf, Dawinspitze und Parseierspitze im Norden, ganz rechts das Blankahorn in den LechtalerAalpen

Es existieren zwei verschiedene Deutungen der Namensgebung. Die Gipfel der beiden Blankahörner (Verwall und Lechtaler A.) wurden anscheinend aufgrund ihres tektonischen Baus so benannt.

im Zoom: Bürkelkopf, Vesulspitze, rechts dahinter Südliches und Mittleres Fluchthorn sowie Östliche und Westliche Schnapfenspitze

Mundartlich sogenannte „Planggen“[5] stellen Felsschichtungen, Felsbänke oder auch Grasbänder in Felsen dar und sollen ursächlich für die Namensgebung sein. Sinn ergibt diese Deutung dadurch, daß zwar beim Blankahorn in den Lechtaler Alpen durch den Oberräthkalk eine helle „blanke“ Farbe vorliegt, der Bau des Gipfels aber von Felsbänken, eben Planggen geprägt ist. Im Gegensatz zu einer hellen, blanken Farbe ist die Farbe des Blankahorns im Verwall (Nebengipfel des Hohen Rifflers) durch das dort vorherrschende Gestein alles andere als hell oder blank von Nordwesten betrachtet, der Bau aber auch steil geschichtet, sowie die Planggen der nordöstlichen Nachbarin.

im Zoom: seekopf, Saumspitze, Kuchenspitze, rechts dahinter Patteriol und Seßladspitze

Im Gegensatz zur Deutung der Namensgebung nach der Form bei diesen Gipfeln fällt diese bei der Blankaspitze hoch über Flirsch in den Lechtaler Alpen sowie wahrscheinlich beim Blankakopf in der Samnaungruppe als blank im Sinne von „nackt“ durch fehlenden Bewuchs und nur von Schotter geprägt. Die gleiche Situation dürfte auf die mehrfachen o. g. Flure anzuwenden sein, die vorwiegend Karlandschaften bezeichnen.

Abfahrt auf den Grat Richtung Niederjöchl

Bei der Abfahrt durften wir nach der kurzen Gratstrecke feinen Firns erfreuen. Und das in nahezu gleichbleibender Konsistenz über die gesamte Strecke bis in den Wald, also über knapp 1,000 Hm.

weiter Richtung Niederjöchl mit weiten Hängen unter den Schneebrücken als Vorgeschmack

Im Mittelteil kamen wir angesichts fehlender Geländekenntnis und unzureichender „Rekognoszierung“ am Aufstieg fast in eine apere Fläche, die mit einigen Höhenmetern Schispitzeneinfädeln in Staudenwerk bezahlt werden mußten.

 

Glücklicherweise konnten wir den kurzen Hangteil rasch überwinden, ohne große Zurücksteigaktionen.

nach zwei Reihen Schneebrücken sind die Nadelöhre bereits durchfahren

Die Abfahrt war uns auf den letzten Schneefeldern mit einigen Metern aperer Strecke bis etwa 15 Hm über die Gemeindestraße möglich. Durch den Wald führte ein durchgehendes Schneeband, das sich noch ein paar Tage halten wird können.

breites Abfahrtsgelände von der Pezinerspitze

Gemessen über die Bergsteigeruhr betrug der Aufstieg 1.035 m und die Gesamtzeit mit allen Pausen 5 Stunden.

wieder breites Gelände unterhalb des Almenwegs

Die Strecke ist bis auf den steileren Teil im Bereich „Bergli“ und unter dem Gipfelaufbau durchgehend mäßig steil und daher gut geeignet für die modernen Winter mit dem mittlerweile in allen Expositionen omnipräsenten Altschneeproblem, das sich mit stetiger Zunahme über den Großteil der Saison erstreckt.

Ende der Abfahrt knapp oberhalb der Gemeindestraße

Die Schitour auf die Pezinerspitze erstreckt sich über etwa 7,5 km, je nach Route. Die weiten, gut einsehbaren Hangflächen mit netten Kupierungen bieten schöne Aussichten im Aufstieg sowie ein überschwängliches Angebot an Abfahrtsmöglichkeiten.

Mils, 07.03.2026

[1] Karl Finsterwalder, Bergnamenkunde zwischen Enns und Rhein. Zur Denkweise des Volkes in seiner Namensgebung, in: Hermann M. Ölberg/Karl Finsterwalder (Hrsg.), Tiroler Ortsnamenkunde. Gesammelte Aufsätze und Arbeiten. (Schlern-Schriften, Bd. 285) Innsbruck 1990, 313.

[2] Finsterwalder, S. 36 u. 1078

[3] rom. spina, d. i. „Grat” *de dora = ”äußerer”; äußerer Grat

[4] Dr. Anton von Ruthner, Aus Tirol. Berg- und Gletscher – Reisen in den österreichischen Hochalpen. Wien 1869, S. 416.

[5] Judith Jambor, Die Bergnamen Tirols. Herkunft und Bedeutung. (Veröffentlichungen des Tiroler Landesarchivs, Band 24). Innsbruck 2022, S. 82-83.