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Signalkopf im Halltal

Kein Gipfelkreuz ziert den Signalkopf im Halltal und er ist auch nur ein wenig auffallender, etwas erhöhter Punkt, wenn man die Gratüberschreitung von der Speckkarspitze zum Kleinen Bettelwurf unternimmt. Mit 2.504m ist er sogar noch niederer als die Gratschneide westlich davon (2.530m), was man auch gerade noch vom Inntal aus sehen kann.
Die Namensgebung weist auf frühe Vermessungstätigkeiten hin, es könnte sein, daß er in der Vermessung der Halltalkette ein wichtiger Visurpunkt war, aber dies werde ich noch herausfinden. Carl Gsaller beschreibt seine Zusammenarbeit mit der militärischen Vermessungstätigkeit der Alpen im ausgehenden 19. Jhdt. und dort wird auch der Ansatzpunkt für meine winterlichen Recherchen der Namensgebung zu suchen sein.
Weiters gibt es auch nur wenig Literatur über den Signalkopf im Halltal, im Internet findet man nur dürftige Erwähnungen über die Überschreitung und wenige Erwähnungen als Schitourenziel.

Inzwischen der Giganten östlich und westlich davon ist er nicht sehr auffallend und dennoch erscheint er, von erhöhtem Blickwinkel aus gesehen, durchaus reizvoll und einladend ihn zu besteigen, wenn man ihn nicht bei der Gratüberschreitung  eben so „mitnimmt“ sondern beispielsweise als kurze Nachmittagstour von der Bettelwurfhütte aus.

Signalkopf von Südosten aus gesehen, Standplatz ca. 100Hm oberhalb des Weges von Bettelwurfhütte zum Lafatscher Joch

Wir haben es einmal vor einigen Jahren von der Bettelwurfhütte aus versucht, scheiterten aber daran, daß wir nicht aufmerksam genug waren und das „Schlupfloch“, die auffallende Scharte im östlichen Drittel des Gipfelaufbaues nicht auf die Nordseite durchquert und somit die wesentlich leichtere Umgehung der Gratschneide nicht gefunden hatten. Letztes Jahr, als Manuel und ich dann die Überschreitung Speckkarspitze zum Kleinen Bettelwurf durchgeführt hatten, fiel uns unser Fehler von damals wie Schuppen von den Augen. Damals jedenfalls hatten wir keine Sicherungsmittel dabei und wagten die weitere Gratkletterei nicht.
Erhöhte Aufmerksamkeit ist auch dem Aufstieg von der Bettelwurfhütte zu widmen, will man nicht die kräftezehrenden Reisen durchwandern. Es gibt zur Aufstiegserleichterung weit bis zum Grat hinaufziehende felsige Rücken und Platten, die recht guten Halt bieten; jene sind etwas weiter östlich zu finden und man muß dann noch ca. 200m westlich am Grat bis zum Gipfelaufbau absolvieren, ist aber bequemer aufgestiegen als in den Reisen.

Ansicht von der Aufstiegsroute von der Bettelwurfhütte etwas östlich des Gipfels, Rinne mit Einschartung am Grat im östlichen Drittel es Gipfels gut erkennbar.

Der Führer rät (von der Speckkarspitze kommend) die Einschartung zu überspreizen und südlich am Grat entlang zu klettern. Auf umgekehrtem Wege erschien es uns damals leichter die Rinne nach der Einschartung hinaufzusteigen. Allerdings ist die Rinne mit viel Schutt durchzogen und daher nicht für mehrere gleichzeitig gut zu begehen. Der Grat dürfte die besser Wahl sein, das ist Geschmackssache.

die Scharte, hier ist auf die Nordseite zu queren

Rinne unterer Teil

Rinne von unten

Der weitere, kurze Verlauf ab der Scharte zum Gipfel ist ein Felsband und erinnert an einen schmalen Steig ähnlich mancher Passagen des „Lustigen Bergler Steiges“ in den Kalkkögeln, wenn es einmal schmäler und leicht ausgesetzt wird. Man kann ihn fast frei ohne Kletterei gehen, ohne viel Einsatz der Hände.

Blick auf den nordseitigen Steig (ein Band 50cm breit) von Westen; die Scharte befindet sich hinter der dem verschwindenden Band

Ab hier  geht das Felsband in eine breite Rinne über und führt in ca. 10-15Hm zum Gipfel.

Rinne mittig im Bild zum Gipfel

Den Gipfel bilden drei auffallende mittelgroße Felsblöcke und dahinter befindet sich die nächste größere Einschartung, die das Gipfelchen von dem weiteren Gratverlauf zum Speckkarspitz trennt.

drei Felsblöcke am Gipfel des Signalkopf, dahinter die Graterhebung P. 2.530m und die Speckkarspitze

Hier schön der Gratverlauf in westliche Richtung.

vom Gipfel des Signalkopf nach Westen, unterhalb eine nicht sichtbare Einschartung

Wenn man am Gipfel steht und in alle Richtungen blickt, dann erkennt man trotz der scheinbaren Bedeutungslosigkeit des Signakopfes den generell typisch wilden, zerrissenen Charakter und die nicht unschwierigen Flanken der Karwendelerhebungen.

die Flanken vom Gipfel des Signalkopf nach Süden geschaut; mit der Bettelwurfhütte, 427m tieferliegend

vom Gipfel des Signalkopf den Gratverlauf nach Osten geschaut, links (nördlich) das innere Vomperloch

der Gigant des Kleinen Bettelwurf im Osten des Signalkopfes; den Übergang haben wir im August 2012 beschrieben, siehe eigenen Artikel

Blick nach Ostnordost, v. r. Hochnissl, Huderbankspitze, Kaiserkopf, Hochglück, Eiskarlspitz, Spritzkarspitz und ganz links die Hochkanzel

Und hier die „zahme“ Westseite des Signalkopf, recht leicht zwischen Großem und Kleinem Speckkar über Wiesen und wenig Schrofen zu erreichen und hierzu bedarf es keiner Beschreibung.

im Vordergrund der Signalkopf, im Hintergrund der Kleine Bettelwurf; es scheint, daß die Platte dazwischen irgendwann ins Halltal abgerutscht sein muß

Hier ein Hauch von Steig zum Gipfel auf der Westseite, knapp unterhalb der Gratschneide zu erkennen.

Signalkopf mit Blick von West nach Ost

Im Abstieg im Osten auf der „wilden“ Seite kann man zuerst im oberen Teil jungfräulichen Reisen frönen die die Höhenmeter zur Bettelwurfhütte rasch verringern (ich schätze ich habe für den gesamten Abstieg keine halbe Stunde dafür gebraucht) und im unteren Teil das Refugium der Gemsen  in der Hangmulde des kleinen Speckkars, ca. 50Hm oberhalb des Weges von der Bettelwurfhütte zum Lafatscherjoch.

beliebter Platz der Gemsen, hier sind sie ungestört, die Eindringlinge queren das Speckkar etwas weiter unten und sehen sie nicht

Das Kleine Speckkar im oberen Teil ist auch ein landschaftlich lohnendes Gebiet, das man einmal gesehen haben sollte. Teilweise erinnert es an eine Mondlandschaft mit anderem Charakter als das restliche Speckkar (vielleicht Reste der Platte dazwischen) und ist daher empfehlenswert.

Für weiter Interessierte hier eine Bildergalerie über die gesamte Tour mit Aufstieg über den Plattensteig, weiter über Speckkar-Südgrat sowie den Einstieg unterhalb des Speckkargipfels in die Gratüberschreitung:

 

Mils, 23.07.2013

 

Die Bettelwurfrunde, Kleiner Bettelwurf und Großer Bettelwurf

Die Runde um die Bettelwürfe empfiehlt sich normalerweise mit dem Anstieg auf den Kleiner Bettelwurf und dann den Übergang, teilweise als Klettersteig ausgeführt, zum Großer Bettelwurf.
Ich habe die Runde heute umgekehrt gemacht, weil der Abstieg zum Bier in der Bettelwurfhütte vom kleinen Bettelwurf schneller und etwas bequemer ist, als vom großen Bettelwurf. Dafür muß man die senkrechten Partien des Klettersteiges im Abstieg machen. allerdings sind diese nur kurz, jedoch muß man die Oberarme strapazieren.

Wenn man den Übergang geht, egal in welche Richtung, dann ergreift einen von selbst Respekt vor dem Erstbegeher des Überganges, Carl Gsaller. Er hat das damals ohne Wegbeschreibung oder Aufstieghilfen geschafft, ja nicht einmal genau gesehen haben kann er den Übergang in seiner gesamten Länge . Er hatte, im Versuch den großen Bettelwurf zu ersteigen, irrtümlich den kleinen Bettelwurf erwischt und seine kämpferische Bergsteigernatur ließ es nicht zu, daß er „unverrichteter“ Dinge wieder ins Tal abstieg, nein er hat am Gipfel des Kleinen beschlossen, den Übergang zum Großen sofort anzugehen.

Wenn man sich das Foto von heute ansieht, dann muß man schon Respekt haben, denn der nächste Zufluchtsort oder Hilfe ist nämlich nur gute 1.100Hm tiefer zu finden und niemand würde ihn am 18. Juni 1878 auf diesem Gebirgszug vermissen:

Blick vom kleinen Bettelwurf zum Übergang auf den großen Bettelwurf

Der Übergang vom Großen Bettelwurf zum Kleinen vom Großen aus gesehen

Die wortgewaltige Beschreibung Carl Gsallers, den Übergang betreffend, hier als Zitat seiner Schriften in kursiv (Start des Originaltextes ist die Beschreibung der letzten Meter des Aufstieges des Kleinen Bettelwurfes):

…Gipfel herabziehende Felsrippe, jetzt von Ost nach  West, querend, sah ich plötzlich eine weite, schneeerfülltc, mässig geneigte Rinne vor mir, die gerade zum Scheitel emporwies. Rasch wurde durch sie hinangestiegen, noch eine kurze, harmlose Kletterei und ich betrat um 12 h mittags in athemloser Spannung den Gipfel. Ein Blick nach Osten und da gab’s eine wahre Ueberraschung. Dort ragte ja pyramidenförmig ein weit höherer Felsscheitel empor, ja dort stand sie, die Grosse Bettelwurfspitze, während ich im blinden Eifer die bisher unerstiegene Kleine Bettelwurfspitze erobert hatte! Statt Freude über die unvermuthete Errungenschaft, bemächtigte sich meiner ein lebhafter Unmuth, der mich auf Alles vergessen und nur nach der grossen Spitze starren liess.
Was nun thun? Diese zweifelhaften, beim Aufstieg überwundenen Felsen gefielen mir für den Rückweg gar nicht, doch im nahen Osten senkten sich von der Scharte zwischen beiden Gipfeln zum Abfahren so recht einladende Schneefelder gegen das Speckkar hinab. Also vorerst dort hinüber, das Weitere wird sich finden! So fing ich denn an, den Quergang zu der gedachten Scharte unter dem etwas niedrigeren Ostkopf der Kleinen Bettelwurfspitze durch zu bewerkstelligen. Angenehm war dieses Kreuzen steiler, mit tiefem Schnee bedeckter Platten keineswegs. Weil ohne Stock, musste ich stets die linke Hand tief in den Schnee vergraben, eine nicht ganz überflüssige Art des Festhaltens, denn mehrmals rutschte die ganze weiche Masse unter meinen Füssen ab. Zudem äusserte sich an den Fingern ein starker Schmerz, der mir erst später klar werden sollte. Ueber trümmerbedeckte Felsen ging’s schliesslich hinab zur angestrebten Scharte zwischen der Grossen und Kleinen Bettelwurfspitze, nach einer von mir vom höheren Zunderkopf bei Hall vorgenommenen halbtrigonometrischen Messung 2564 Meter hoch. Ihre mässig geneigte Schneefläche erschien im Norden von einem fast senkrechten Absturz begrenzt, aus dem ein spitzer Fels, ganz überzogen von Moos und Flechten grüner und gelbgrüner Farbe aufragte und vom Weiss der Umgebung seltsam sich abhob.
Nun hätte ich, wie gewollt, über die lange tiefverschneite Plattenrinne zum Speckkar absteigen können, die Bahn war ja frei. Doch haIt! Da stand der Westabfal1 der Grossen Bettelwurfspitze zu verlockend vor mir, eine prächtige Pyramide, von zahlreichen Querstufen weiss und grau gezeichnet. Ich blickte verlangend hinauf und beschloss, dieselbe sofort anzugreifen. Ein Trümmerband führte auf den Nordabfall des Gipfels, woselbst eine sehr steile Rinne ohne Schwierigkeit erklettert wurde, da ihr Boden mit förmlichen Spitzhöckern sich überzogen erwies. Sodann fortsteigend, wie es eben ging, gelangte ich etwas später durch eine enge Schlucht von Süden her auf eine grössere Felsstufe. Während einer kurzen Rast wurde mit Eislimonade der brennende Durst gelöscht und die im Rücken stehende glatte Wand nach einer Ersteigungsmög1ichkeit studirt. Da sich wenigstens an dieser Stelle keine solche erkennen liess, drang ich auf dem Trümmerbande am Fusse der Wand gegen Süden vor. Bald trat ein Kamin entgegen, freilich mit überhängendem Fels in der Mitte, was mich aber nicht abschreckte, den Aufstieg durch ihn erzwingen zu wollen. Doch der Erfolg blieb aus, die überhängende Stelle war trotz hartnäckiger Versuche weder gerade hinauf, noch seitlich zu bewältigen , ich glitt einfach wieder herab. Zornig ging ich auf das Trümmerband am Fusse der Wand zurück, um weiter südlich einen Anstieg zu suchen. Und wirklich öffnete sich der Fels schon nach wenigen Tritten zu einem ersteigbaren Kamin, oben von einem Felsloch geschlossen. An letzterem wurde nun der Unmuth über den früheren Misserfolg ausgelassen, indem ich mich trotz seiner Enge sammt dem Rucksack hindurchzwang. Hinter dem Loch führte eine mit weichem Schnee erfüllte Schlucht gegen Norden auf eine zweite, der unteren ganz ähnliche Felsstufe. Von hier aus auf schwindligen Trümmerbändern der Nord-(Vomperloch-) Seite vorgehend und zuletzt gerade emporkletternd, wurde der westliche Eckpunkt der Grossen Bettelwurfspitze erreicht. Nun galt es noch den Gratübergang zum höchsten Punkt zu bewerkstelligen. Ein spitzer Kammeinschnitt bot zwar keine Schwierigkeit, unangenehmer waren aber die über den 10001100 Meter hohen nördlichen Steilabsturz ins Vomperloch vortretenden Schneewächten, die Vorsicht erforderten und mangels eines Stockes zu häufigem Kriechen zwangen. Endlich tauchte das Steinmännchen des höchsten Punktes auf gleichzeitig hüllte mich aber Nebel ein. Schnee begann zu fallen und Wie durch einen Schleier  winkte das nahe Ziel.
Um 5h 20m abends war die Grosse Bettelwurfspitze erstiegen. Von Schneeflocken umwallt, kauerte ich mich müde neben dem Steinmännchen nieder, um vor Allem den heftig knurrenden Magen zu befriedigen. Und während dieser Thätigkeit flogen die Blicke im Kreise umher, die Fernsicht zu mustern. Ich war von ihr wahrhaft überrascht und fand sie ebenso grossartig als prächtig. In der Tiefe das grüne, schöne ThaI des Inn, besäet mit Städten und Dörfern, darüber die üppigen Terassen des liebreizenden Mittelgebirges, fernerhin der dunkle Wald, umsäumt von der helleren Region der Alpenmatten, und das Ganze schliesslich gekrönt von der mächtigen, weissblinkenden Gletscherkette, die im fernen Osten auftaucht und quer durch Tirol ziehend, im Westen verschwindet, ein Bild von gewaltiger Wirkung.

 

Natürlich ist der heutige Klettersteig anders angelegt als Gsaller seine Erstbegehung beschreibt (sie dürfte auch etwas weiter südlich des heutigen Klettersteiges gelegen haben, denn er erwähnt, daß erst oben die Abstürze ins Vomperloch bedrohlich waren). Das Ziel war jedoch das gleiche und wer den Übergang heutzutage geht, der muß unweigerlich die hohe Leistung eines Alleingehers mit mittelmäßiger Ausrüstung erkennen.

wenig oft fotografierter hinterer Gipfel des Kleinen Bettelwurf

In einem weiteren Artikel werde ich mich mit Gsallers Anstieg von den Herrenhäusern auf den Kleinen Bettelwurf befassen. Soviel sei vorweggenommen, er hatte mit den selben Problemen wie H. v. Barth mit der Erstersteigung des Großen Bettelwurfes zu kämpfen und die Schwierigkeiten sind geleitet von der Sicht im spitzen Winkel auf die beiden Gipfel.

Mils, 13.07.2013

Erstersteigung Großer Bettelwurf – Hermann von Barth

Angesichts des nun schon seit Wochen anhaltend schlechten Wetters bleibt einem Bergbegeisterten nicht viel anderes übrig, als sich an alternativen Aufgaben zu versuchen, was ich mit dem Artikel Erstersteigung Großer Bettelwurf – Hermann von Barth  unternehmen möchte. Während ich diese Zeilen niederschreibe prasselt der Regen vor meinem Fenster in Mils auf die Landschaft nieder.

Ja, ich kokettierte heute damit meine Leserschaft auch einmal mit der Geschichte der Ersteigung der „Riesen hinter’m Haus“ zu konfrontieren und wage dies nun, großteils unter Zuhilfenahme einer alpingeschichtlich hochwertigen Webseite von Herrn Ulrich Kretschmer aus München die ich schon vor Jahren im Internet gefunden habe, sehr hervorragend finde und die sich weit mehr Besucher erfreuen sollen dürfe, als es der Besucherzähler momentan verrät.

Nun, Hermann von Barth ist den meisten Bergfreunden bekannt, hat er doch beispielweise im Sommer das Jahres 1870 nicht weniger als 88 Gipfel im Karwendel bestiegen, 12 davon als Erstbesteiger. Der gebürtige Oberbayer aus dem Tölzer Land ist der Erschließer, Entdecker und Ersteiger des Karwendels schlechthin und für weitere Details empfehle ich seinen Namen in Wikipedia einzugeben, da muß ich mich hier nicht hervortun.

Barth Denkmal

Als Sohn aus begütertem Hause mit fundierter Ausbildung als Jurist und dann als Naturwissenschaftler hatte er auch kaum Druck für sein täglich Brot sorgen zu müssen uns so konnte er seinem Drang nach den Gipfeln der nördlichen Kalkalpen recht freien Lauf lassen und sich der Bergsteigerei widmen und tat dies mit dem durchaus wissenschaftlichem Hintergrund der Erschließung, wie man in den Schriften seines Werkes „Aus den Nördlichen Kalkalpen“ mit der schriftlichen Niederlegung der „Recognoscirungen“ (Erkundungen) lesen kann.
Bei seinen Ersteigungen kann es auch dann und wann zu direktem Kontakt mit der tiroler Bevölkerung und weiter unten möchte ich seine Beschreibung des skurrilen Treffen und die daraus gezogenen Schlüsse zur Aufheiterung dieses Artikel wiedergeben.

Zunächst aber zum Hauptteil dieses Artikels, der Erstersteigung Großer Bettelwurf.
wie eingangs erwähnt entnehme ich Zitate und Textstellen aus der Webseite von Herrn Kretschmer, die unter folgender Internetadresse zu finden sind: http://www.bergruf.de/alpinhistorie/barth/kalkalpen/
Bei den nachfolgenden, aus dieser Seite entnommenen Textstellen füge ich die Quellenbezeichnung als Internetadresse an. Hier die Inhaltsübersicht:

Inhaltsübersicht Webseite: http://www.bergruf.de/alpinhistorie/barth/kalkalpen/karwendel_grosser_speckkarspitz.html. Die Karten sind im „Vertikal- und Horizontalprofil“ abrufbar

Am 13. Juni 1870 reiste Hermann von Barth – vermutlich mit der damals jüngst erbauten Eisenbahn nach Hall an (auch in den Berichten der Wilden Bande ist von der Localbahn die Rede, die die Mitglieder auf dem Rückweg von deren jährlichem Gründungsfest am Stempeljoch von Hall nach Innsbruck genommen haben; die Eisenbahn war damals also das Reisemittel).

Von Hall zu Fuß bis zu seinem Domizil – den Herrenhäusern – beeindruckte ihn die Landschaft nach der Einmündung ins Halltal und er beschreibt sie wortgewaltig, ähnlich wie man schmale, steile Tallandschaften unter der Stimmung eines herannahenden Gewitters empfindet. Ab diesem Kapitel „Das Haller Salzthal [1870]“ beginnt die äußerst empfehlenswerte Beschreibung seiner Erlebnisse und ich lege euch, liebe Leser, diesen Einstieg ans Herz http://www.bergruf.de/alpinhistorie/barth/kalkalpen/karwendel_grosser_speckkarspitz.html

Angekommen an seinem Ziel beschreibt er die Aufnahme als Gast bei den Knappen in den Herrenhäusern und sein Interesse für die handgefertigten Zeichnungen von der, das Bergwerk, umgebenden Landschaft, worin er aber grobe Widersprüche bzw. Ungenauigkeiten sieht.
Er übernachtete mit zeitiger Bettruhe und machte sich, wie auch so oft in den Berichten über die Wilde Bande zu lesender Tageszeit, um knapp vor vier Uhr auf seine erste Tour; es waren dies die Gipfel rund um das Bachofenkar, die er in einer Gewaltstour  an einem Tag erledigt (ich habe sie schon mehrmals unter Auslassung des Großen Lafatscher, den er fälschlich den Westlichen Lafatscher nennt, selber ausgeführt und kann seine Leistung daher gut einschätzen).

In diesem Kapitel „Die Herrenhäuser“ wird es geschichtlich interessant, taucht doch erstmals die von ihm irrtümlich angenommene falsche Bezeichnung „Speckkar-Gebirge“ auf, wobei es sich hier um den Zug von der Speckkarspitze bis zum Großen Bettelwurf handelt. Beim Bettelwurf, den Barth als solchen zu erkennen glaubt, muß es sich, nach reiflicher Überlegung was man denn von dem von ihm beschriebenen …eisernen Balcone des 1. Stockes gegen Osten… aus überhaupt sehen kann, um die Winklerspitze, bzw. Hüttenspitze handeln.

Hüttenspitze von St. Magdalena aus, dem selben Sichtwinkel wie von den Herrenhäusern aus; dies war für Barth (fälschlicherweise) der Bettelwurf

Text aus http://www.bergruf.de/alpinhistorie/barth/kalkalpen/karwendel_grosser_speckkarspitz_herrenhaeuser.html:
…Eine eigenthümliche Felsgestaltung zeigt sich, nahe dem Fusse des Gebirges, an diesem Wandmassive; ein ziemlich voluminöser, scharf ausgespitzter Zacken hat sich vom Bergkörper völlig losgerissen und eine breite, beiderseits von senkrechter Mauer eingefasste Kluft gegen jenen gebildet; ein steiles Schuttfeld erfüllt diese Tiefe, welche im Hallthale unter dem Namen Bettelwurf bekannt ist…

Wer sich die Beschreibung derselben durchliest und den Blick, den er nach Osten beschreibt, kennt, kann nur zu diesem Schluß kommen.
Möglicherweise war diese Verwechslung auch wieder einmal eine von jenen Geschichten, die beim Befragen der ortsansässigen Bevölkerung entstanden ist. Man kann sich das gut so vorstellen, daß Hermann von Barth nach dem Bettelwurf fragt und jemand deutet ungenau mit dem Finger auf die Hüttenspitze, die er mit seiner Akribie natürlich dann falsch zuordnet. Für die Mehrzahl der Bewohner waren zu diesen Zeiten der Menschheitsgeschichte die Namen der Berge völlig uninteressant und sie sind, ob großteils mangelhafter Kenntnis darüber, sicher teilweise auch falsch zugeordnet worden, bzw. hat es sicher nur in Kreisen, die beruflich mit der Bergwelt zu tun gehabt haben (Bergleute, Jäger, Vermesser), Kenner der Detailnamen der Berge gegeben und für die  – zumeist – Bauern in der Bevölkerung waren die Bezeichnungen eher einerlei. Ich könnte mir sonst die so grundfalsche Zuordnung nicht erklären, handelt es sich doch beim Bettelwurf um den auch vom Tal aus sichtbaren höchsten Gipfel im gesamten Gebirgszug.

Am darauffolgenden Tag, es muß der 14. Juni 1870 gewesen sein, wollte Hermann von Barth sein Hauptvorhaben, den Großen Bettelwurf (in einen Schriften immer der Große Speckkarspitz) erst zu ersteigen umsetzen und beschreibt im Kapitel () zunächst den aufstieg auf den Östlichen Lafatscher (der echten Speckkarspitze). Er verließ die Herrenhäuser um 4:45 Uhr und erreichte den Gipfel um 8:25. Hier möchte ich erklärend einfügen, daß die rund 1.100Hm von den Herrenhäusern auf den Gipfel in normalerweise 1 ½ bis 2 Stunden leicht zu bewältigen sind. Barth hatte 3 ½ Stunden gebraucht. Man muß sich hierzu vorstellen, daß der Aufstieg vom Lafatscher Joch bis zum Gipfel in keiner Weise markiert war und er natürlich auch nicht den direkten Gratsteig sofrot gefunden haben kann, immer den leitenden Gipfel vor Augen. Wer den Aufstieg kennt, der weiß, daß man zuerst den Vorsprung auf knapp halber Höhe erreichen muß bevor man den ausgeprägten Grat vor sich hat. Die Karte mit den von ihm eingezeichneten Aufstiegsrouten (ich weise später darauf hin) zeigt auch, daß er eher die südlichen Hänge genommen haben muß, bis er auf den Grat gekommen ist. Auf diesen sieht man den Gipfel auch nicht oft und ist gezwungen Varianten zu suchen.

Text aus http://www.bergruf.de/alpinhistorie/barth/kalkalpen/karwendel_grosser_speckkarspitz_lafatscher.html
Soweit vom Joche aus der Blick reichte, zeigte die Westkante meines Gipfels sich gut gangbar; doch hatte der gestrige Tag mich belehrt, dass sie in etwa der Mitte ihrer Erhebung eine glattwandige, ziemlich hohe Abstufung berge, deren Umgehung, und zwar der in der Karwendel-Gruppe geltenden Regel zufolge gegen Süden, als unmittelbar geboten erschien. Ich lenkte daher auf der Jochhöhe alsbald vom gebahnten Wege ab und liess den Scheitel des wasserscheidenden Bergrückens zur Linken; immer darauf bedacht, in thunlichst hoher Zone mich zuhalten, und nicht weiter, als der beabsichtigten Umgehung halber erforderlich, in die tief zerfurchte Südflanke der Pyramide mich zu verlieren.

Er ahnte damals noch nicht, daß er die Ersteigung der Speckkarspitze hätte vermeiden können, denn das was ihn nun nach dem Gipfel erwartete war auf das Wort hin exakt das gleiche das Manuel und ich, beim ersten Versuch der Überschreitung zum Kleinen Bettelwurf hin, erlebt haben. Eine echte Tragödie! Wer den Blick von der Speckkarspitze in Richtung Kleiner Bettelwurf hin kennt der muß beim Lesen der folgenden Textpassage schmunzeln, denn wenn man nicht ganz heroben am Grat sofort auf die nördliche Gratseite wechselt und die ersten schräg und überhängenden Rippen so umgeht (vgl. Artikel „Speckkarspitze, Gratüberschreitung Großer Bettelwurfhttp://spitzentreffen.at/speckkarspitze-gratuberschreitung-zum-groser-bettelwurf ), der endet im Desaster, das Barth so beschreibt:

Text aus http://www.bergruf.de/alpinhistorie/barth/kalkalpen/karwendel_grosser_speckkarspitz_lafatscher-abstieg.html
in östlicher Richtung ging’s vom Gipfel hinunter dem ersten Schuttbecken des Grossen Speckkars entgegen; der Gestalt meines Gipfels zufolge erwartete ich nach dieser Seite hin wenig Schwierigkeiten, zum mindestens keine bedeutenderen, als der Anstieg sie mir geboten. Ich fand mich abermals getäuscht; die Schneide des Hauprgrates war bei aller sanften Neigung ihrer Schärfe und sägenartigen Zerschartung wegen nicht zur verfolgen, und einmal in die südöstliche Flanke der Pyramide abgewichen, wurde ich durch seitliche, unübersteigbare Mauerschranken immer weiter abwärts gedrängt, in plattigen, steilein Rinnen mit schwachen und sehr unzuverlässigen Stufen kletterte ich langsam und mit Mühe hinab, oft minutenlang nach einem folgenden Tritte spähend und erst nach mehrfachen Versuchen endlich wieder einige Zolle Terrain gewinnend. Als schliesslich die Ausmündung des Felsgrabens gegen das Grosse Speckkar erreicht war, befand ich mich bereits so tief, dass eine Umgehung der nächstfolgenden schroffen Abdämmungen der Geröllmulden nur in grösserer Tiefe mehr möglich war. Ohne langes Besinnen fuhr ich das nächste Schneefeld hinab, sprang im losen Geschütte rasch zu Thal, querte Sandreissen und Schneelehnen, wandte mich auf schmalen Grasbändern um steil absetzende Mauerstufen; neue Kessel thaten vor mir sich auf, der Kleine Speckkarspitz, allen weiteren Ausblick verdeckend, war wieder in Sicht getreten, an seinem westlichen Fusse berühren die plattigen, schuttbedeckten Hänge auf weite Strecken hin den Hauptgrat. Tief unten führte mein Weg durch den hügeligen Kesselboden, theils durch Trümmerbecken, theils über wellige Grasplätze,…

die Gratroute wollte Hermann von Barth nehmen, am unteren Rand sieht man eine der schrägen Rippen die ihn -wie auch uns schon – zum totalen Abstieg ins Speckkar zwangen

Auch ihm sind somit die tückischen schrägen Rippen zum Verhängnis geworden und er mußte bis ins große Speckkar absteigen, wahrscheinlich nahezu bis dorthin wo heutzutage der Weg zur Bettelwurfhütte ist, den und auch die Hütte es ja bei ihm noch lange nicht gegeben hat.

Was nun folgt ist wiederum eine logische Folge der Aussicht vom Gelände in dem Barth sich befand. Man kann von keinem der Speckkare (kleines und großes) aus den Großen Bettelwurf nicht sehen, nicht einmal den westlichen Gipfel des Kleinen Bettelwurfes. Der Grund dafür ist einfach, man ist zu tief und selbst wenn man einen der vielen kleinen, nicht sehr ausgeprägten Kämme am Weg in Richtung Bettelwurfhütte an deren südlichstem Punkt erreicht, reicht das noch nicht, um einen Gipfelblick zu erheischen. Sehr wahrscheinlich ging er sogar bis weiter östlich der heutigen Bettelwurfhütte. Darauf deuten seine Worte hin, daß er sich im „kahlen Geplätt“ eines Zwischenkammes mit nur äußerster Kraftanstrengung bis zu bewachsenen Plätzen emporarbeiten konnte. Dies muß der trennende Abbruch der Speckkare und dem Südausläufer des kleinen Bettelwurf gewesen sein, mehr oder weniger weit oberhalb der heutigen Bettelwurfhütte.

Barth hatte also den Überblick verloren, beschreibt die ärgerliche Situation im Kapitel „Am Fusse des Kleinen Speckkarspitzes; Anblick des Grossen“ und beschließt umzudrehen.
Hierbei durchlief er noch das Abenteuer des Abstieges durch die Latschen über die Platten, ein Abenteuer das wir auch schon durchmachen mußten und das man nicht wieder vergißt:

Text aus: http://www.bergruf.de/alpinhistorie/barth/kalkalpen/karwendel_grosser_speckkarspitz_umkehr.html
…je tiefer ich aber kam, um so seltener boten sich die freien Plätze, immer dichter tauchte ich in’s Krummholz ein, und versank endlich in ein Meer undurchdringlichen Gefilzes, in welchem ich nur in seltenen Zwischenpausen den Kopf aus der glühend heissen, mit betäubendem Harzdufte geschwängerten Atmosphäre über die Spitzen der Nadelholzzweige zu erheben vermochte und dann im weitergedehnte Felder der schwarz-grünen Dickungen überblickte. Als es mir endlich gelungen war, zur Sohle des vereinigten Felsgrabens hinabzudringen, hemmten jeden Augenblick seine Plattenabschüsse den Hinunterweg, drängten mich zurück in die dichtbestockte Bergflanke und hier gerieth ich zuletzt an den Rand der riesigen Platten, welche in breiten, abgeschliffenen Tafeln, in einer allseitigen Ausdehnung von mehreren hundert Schritten mit 40-45º Neigung zu Thal fallen…

Eine literarische Sonderleistung diese Beschreibung, man kann sich die Situation in den heißen und klebenden harzigen Latschen lebhaft vorstellen, man genieße diese Texte!

Schlußendlich hat er es geschafft die Halltalstraße zu erreichen und zieht hinauf zu seinem Domizil, den Herrenhäusern, wobei er noch einen Abstecher zu einem Berater in St. Magdalena macht.
Franz Posch heißt der Mann, er ist Jagdaufseher und Barth beschreibt ihn in seiner unverwechselbar charakterisierenden Art als einen „rüstigen, ziemlich intelligent aussehenden Mann…der vom Gipfel ziemlich genaue Kenntnis“ hatte und mit dem er die Besteigung wagen wollte. Die kirchlichen Pflichten am nächsten Tag (Fronleichnam) ließen den Traum jedoch zerplatzen und Barth kehrte voller Ungeduld es am Fronleichnamstag alleine probieren zu wollen zu den Herrenhäusern zurück.

Am 16. Juni 1870 um 4 Uhr begann nun der erfolgreiche Tag.
Barth änderte seine Route und mied,  nach den leidvollen Erfahrungen des großen Höhenverlustes nach der Gipfelersteigung der Speckkarspitze und verfolgte einen Pfad der ziemlich genau jenem entspricht wie er heute als Verbindung Lafatscher Joch bis Bettelwurfhütte angelegt ist.
Allerdings, und das muß man erwähnen, riet ihm Posch offenbar die Ecke, die der Normalweg auf das Joch und dann scharf rechts, also östlich weiter, beschreibt, abzukürzen und über die Latschen, nahe der hohen Wand, den Scheitelpunkt der hohen Wand zu suchen, über den kein Weg vorbeiführt. Er mußte diesen oben überqueren, es gibt keine andere Möglichkeit. Diese Mühen beschreibt er im Kapitel „Zweiter Irrgang im Krummholz“.

die vermutliche Abkürzung grün markiert

Nun war es leicht den richtigen Pfad zu finden, denn er wußte vom Vortag, daß es hinter der trennenden Rippe (hinter der die heutige Bettelwurfhütte steht) noch einmal in ein großes Kargebilde hineinging, das durchwandert werden mußte. Diese Passagen beschreibt er im Kapitel „Vom Grossen in das Kleine Speckkar“, wobei er natürlich fälschlicherweise vom kleinen Speckkar sprach, das ja westlicher davon liegt (siehe heutige Karte, es handelt sich um das karartige Gelände im heutigen Normalweg auf die Bettwelwurfhütte).

Text aus http://www.bergruf.de/alpinhistorie/barth/kalkalpen/karwendel_grosser_speckkarspitz_speckkar.html
Dem östliche Abschlusse des Kares*) nahe gekommen, sah ich mich nach der Wendung und die erste vortretende Bergecke in einer von zackigem Gemäuer geschlossenen, steilgehobenen, grünen Sinke. Links abschwenkend strebte ich auf der vorgezeichneten Bahn geradenwegs dem ersten Höhenziele zu.

Nun war er also auf der Rippe die oben im heute so bezeichneten Eisengatterergrat endet und hat somit einen Meilenstein in der Ersteigung erreicht. Er sieht das Bettelkar östlich von sich und beschreibt den jenseitigen Grat von der großen Wechselspitze bis zum Ostgipfel des Großen Bettwelwurf im Kapitel „Auf den Scheiderücken gegen das Bettelkar“.

Nun beschreibt er zunächst den Aufstieg in der Rinne des Eisengatterergrates und mittendrin dürfte er plötzlich in die unverwechselbaren und charakteristischen „mannshohen Stufen“, die geröllbedeckt waren wie er schreibt (und auch heute noch sind, wir kennen sie gut), abgewichen sein. Ein für mich nicht notwendiger Schritt, denn die Furche des Grates ist eigentlich die logische und sehr weit sichtbare Normalroute die jeder Bergsteiger wählen würde. Möglicherweise sah er sich durch den Schnee eines starken winters genötigt seitlich, vorwiegend links also bergseitig, auszuweichen, anders ist mir diese Taktik nicht erklärbar. Andererseits erwähnt er lobend die Hilfe des Schnees und ich weiß was er damit meint, denn der kleinstückige Schutt abseits der Gratrinne ist dort tückisch und rutschend bei Belastung.

Im letzten Viertel des Anstieges durch die Rinne ändert sich die Topographie leicht nach links, nordwestlich und diese Wendung dürfte der Grund sein warum er im Kapitel „Grat und Gipfel [der Großen Speckkarspitze]“ schreibt, daß er westlich stieg. Dies ist aber ein Trugschluß, denn der Grat zieht sich nordöstlich hin, nur oben eben  wendet er leicht nach Nordwest und das ist auch die Höhe, ab der man wieder den Kleinen Bettelwurf (für Barth die „westliche Speckkar-Kuppe“)sehen kann und die Tiefe der Aufstiegsrinne zurücktritt.
Allerdings dürfte er dann wirklich etwas sehr weit westlich gekommen sein, denn beim heutigen Anstieg ist die beschriebene Situation der Topographieänderung dermaßen nahe am Grat, daß man einen Umweg scharf westlich nicht machen würde. Die blumige Beschreibung des Gratverlaufes bis zum Gipfelpunkt deutet jedoch auf eine Ankunftsposition am Grat hin, die weiter westlich vom Gipfel sein müßte als die heutige:

Text aus http://www.bergruf.de/alpinhistorie/barth/kalkalpen/karwendel_grosser_speckkarspitz_gipfel.html
Und nun in eilenden Sprüngen die ostwärts noch steigende Schneide hinan, ihre Blöcke, ihre Thürmchen und Klippen übersetzend, erklimmend, auf engen Galerieen umgehend, – in sicherer Balance aufgewehte Schneefirste überschreitend –jetzt oben! ……. nein, noch eine Strecke verwitterter Zacken, abgerissener, geborstener Schrofen, gesprengter Treppenabsätze– will etwa der widerhaarige Geselle auch jetzt noch gegen das aufgezwungene Joch sich sperren? – Vergebens, unter den unerbittlichen, kreitschenden Einstossen der Eisenklauen sinken seine morschen Bollwerke eins nach dem anderen zurück in die Tiefe – ist das wohl endlich dein letztes, Unbezwinglicher?– Die rissige Klippe hinauf – ja, es ist’s.

leicht rot die Markierung seiner Route in seiner eigenen Grafik (die originale Markirung besteht aus einer schwarz punktierten Linie die nicht durchgehend erkennbar ist

Nun, wie dem auch gewesen sein mag, er hatte den Gipfel erreicht und ich empfehle die weiteren  Kapitel mit der Errichtung eines Steinmannes und des Abstieges mit der stolzen Präsentation seiner Trophäe an den Franz Posch zu lesen.

Wenn man in dieser Gegend nahezu jeden Stein kennt und sehr treffenden, exakten Schilderungen Barth’s liest, dann kann man sich gut die Taktik und den Routenverlauf vorstellen. Ich hoffe, ich konnte mit den Kommentaren und Bildern dem nicht so ortskundigen diese Lektüre auf diese Weise etwas mehr verständlich machen.
Wenn wir uns heute auf diesen Pfaden bewegen, dann ist es für uns selbstverständlich, daß er auf dem direktesten Weg zum Ziel führt und das ist auch so. Wer oft selber Pfade sucht (im Karwendel muß man das durchaus im weglosen höher gelegenen Gelände, das nicht mehr häufig begangen wird, selber tun, ein auf und ab im Pilgerschrittverfahren) der versteht die alpinistische Leistung Barth’s bei dieser Ersteigung. Das Kartenwerk, damals entstanden vom Blickwinkel des Tales aus,  an dem man wahrscheinlich am Bergstandort ständig zweifeln mußte, hat sicher auch die eine oder andere missweisende Richtung in seiner Routenwahl hervorgerufen und die Qualität sowie das Gewicht der Ausrüstung der damaligen Zeit in Betracht gezogen, muß man nochmals mehr die Leistung Hermann von Barth’s würdigen.

Route vom Speckkar bis zum Gipfel

 

Weiter mit einem Auszug seiner Erzählungen gehen wir mit einer Begegnung mit einem Hirten in den Almwiesen der Höttinger Alm, anläßlich seiner Ersteigung des Höttinger Solsteines, der heutigen Vorderen Brandjochspitze, dem knappen Dialog und dem Eindruck, den der Hirte als Stellvertreter der Tiroler Bevölkerung bei Barth hinterlassen hat. Man genieße die unverkennbare Barth’sche Ausdrucksweise:

Text aus http://www.bergruf.de/alpinhistorie/barth/kalkalpen/karwendel_hohes_brandjoch_hoettinger_schaeferhuette.html
Einige Minuten später trat ich auf die abschüssige Wiesenterrasse hinaus, deren äusserster Vorsprung die Schäferhütte trägt; ein kümmerliches, kaum mannshohes, etwa 12′ [4 m] im Geviert haltendes Bauwerk. Der verwildert aussehende Hirt begegnete mir, seinen Schafen nachspürend, bereits am Saume der Kluft. Ich richtete einige Fragen an ihn bezüglich der nächstgelegenen Berggipfel und erhielt, wie zu erwarten stand, nur höchst mangelhafte Auskunft; ich deutete endlich auf den Gipfel des Höttinger Solsteins, der mächtig gross im Nordwesten sich emporbaut, fragte nach dessen Ersteigung und bekam zur Antwort „da kommt man gar nicht hinauf …… dahinter steht noch ein höherer“ …… damit verabschiedete sich der Sohn der Berge. Die plumpen Klötze, die vom Brandjoch-Grat auf mich niederschauten, mutheten mich vertrauter an, als er.

Abschließen möchte ich mit noch einer kleinen Auflockerung und zwar mit Barth’s Einschätzung der optimalen Nächtigungssituation bei Touren mit gesteigerten Gehzeiten und Höhendifferenzen. Sein bergsteigerischer Wunschtraum zerschellt jäh am bornierten Einheimischen:

Text aus http://www.bergruf.de/alpinhistorie/barth/kalkalpen/karwendel_hohes_brandjoch_hoettinger_alpen.html
Die Bergtouren, welche vom Innthale aus auf die Gipfel der Kalkketten unternommen werden, leiden an dem grossen Uebelstande einer unverhältnissmäßig tiefen Lage ihres Ausgangspunktes (Innsbruck 1796′ 583 m. Trinker.). Nach zwei Stunden angestrengten Bergmarsches befindet sich der Wanderer auf der Höttinger Alpe (4707′ 1529 m. Trinker), in einer Höhe erst, von welcher aus unter gewöhnlichen Umständen die Gipfelersteigung schon angetreten zu werden pflegt. Es wäre daher sowohl mit Rücksicht auf die relative Höhe, wie auf die topographische Situation der Höttinger Alpe für manche Hochtour im Innsbrucker Gebirge sehr wünschenswerth, auf ihr Nachtquartier zu beziehen; der mehr als tirolerische Schmutz und der ungastliche Charakter ihrer halbwilden Bewohner jedoch, der nur durch reichliche Branntweinspende zu besänftigen sein soll, lässt ein solches Vorhaben als nicht wohl ausführbar erscheinen. Es wird daher ein künftiger Besucher jener Gebirge besser daran thun, sich für diese Excursionstage eine etwas stärkere Anstrengung zuzumuthen, meinem Beispiele und dem eben beschriebene Wege folgend, der bei der Tour des 31. Mai allerdings nicht der meinige war.

Das Buch „Aus den Nördlichen Kalkalpen“ kann man um rund €50.- bis €60.- (gebraucht/neu) im Handel erwerben, oder bei mir ausleihen.

Mils, 30.05.2013

Großer Bettelwurf Trainingstour

Großer Bettelwurf Trainingstour, 16.06.2012
ab Mils, 6:30Uhr

Das zweite Training heuer mit über 2.000Hm, genau müßten es incl. Jagasteig 2.200Hm gewesen sein, auf den König im Halltal Großer Bettelwurf. Leider keine Aufzeichnungen darüber, weil Manu mit seinem Suunto Vector nicht mit dabei war. Dafür hatte ich die Pulsuhr dabei und mit dieser 3:35h für die Ersteigung von Mils 630m bis Bettelwurf Gipfelkreuz gemessen. Für Freaks sei erwähnt, daß die Pulsuhr incl. Abstieg zur Bettelwurfhütte 4.180kcal errechnet hat, ohne weiterem Abstieg über den Jagasteig. Die Reise am Ende versuchte ich diesmal gleichzeitig mit einem sehr fitten jungen Burschen aus Mils abzulaufen, hatte Mühe mitzuhalten und verlor ihn im unteren Teil. Dokumentiert per Uhr beim Reisenlaufen mit einem Puls-Spitzenwert von 181.

Details am Aufstieg: Am beginnenden Eisengatterergrat (der neue Teil) fand ich auf ca. 2.200m eine tolles Szene. Inmitten eines großen Blumenpolsters frühstückten Schmetterlinge. Dieser Anblick muß geteilt werden:

Der weitere Gratsteig ist bereits nahezu vollkommen schneefrei. Ein kleines Schnneefeld muß man auf ca. 2.450m überqueren (ca. 15Hm), dieses, schätze ich, wird nächste Woche weg sein. Der Gipfel ist noch mit viel Schnee umrahmt und unten beim Eisengatterergrat kann man parallel zum Weg auf den Schuhen abfigeln, da hat sich auf der Leeseite des Grates (ostseitig) ein mächtiger Schneekeil erhalten, der im Winter Wächte war. Sieht toll aus, links und rechts davon blüht es und mittig der 3-4m breite und schätzungsweise immer noch 2m hohe Schneekeil. Er ist, daumengepeilt, 200-300m lang und beginnt knapp nach dem Blumenpolster mit den Schmetterlingen.

Da ich um 16 Uhr in Namlos sein mußte (Markus‘ Geburtstag) konnte ich mich nicht lange aufhalten und genoss ein schnelles Bier auf der Bettelwurfhütte (liebe Hüttenwirtin danke für die Einladung, ich komm wieder), schlug den unvermeidbaren Absteig über den Jagersteig ein und genehmigte mir ein noch schnellers Bier bei Werner und ab mit dem Radl nach Mils ab 2. Ladhütte.