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Sonnjoch, 2.457m

Ein letzter mächtiger Ausläufer des Karwendelhauptkammes vor dem Achensee, der Sonnjochkamm, trägt als höchste und namensgebende Erhebung das schöne Sonnjoch. Freistehend zwischen der Lamsenspitze und dem nächst höchsten Gipfel im Kamm, der Schaufelspitze, bildet der massive Felsbau des Sonnjoches von allen erdenklichen Positionen des Karwendels aus den auffälligen Blickfang einer recht gleichseitigen Pyramide.

Sonnjoch, 2.458m

Darüber hinaus hat sie hat auch geologisch einiges Besonderes für Karwendelverhältnisse zu bieten wodurch ihre Ersteigung also nahe lag.
Allerdings wollte der Verfasser nicht den Normalweg von Süden als den Aufstieg wählen, sondern den wesentlich reizvolleren und rassigeren Steig über den Bärenlahner, der bergsteigerisch und auch landschaftlich viel mehr zu bieten hat.

vom Sonnjochgipfel zum Achensee geblickt

Aus dem wunderbar alpinen Anstieg und dem leichten Abstieg über die Südwestflanke mit Besuch des Gramei Hochlegers läßt sich somit eine interessante Rundtour schmieden, die einen wenig begangenen Aufstieg und einen – bei viel Gegenverkehr – gut nutzbaren breiten Abstieg bietet, sodaß der eher schnellere Geher nicht verzagen muß. Die Runde eignet sich für ein Halbtagesunternehmen.

das mächtige Felsmassiv des Sonnjoches

Allerdings bietet die Mautstraße am Ausgangspunkt nicht viel Platz zum Parken, sodaß ein frühmorgendlicher Aufbruch nicht nur mit einem vielleicht sogar schattigen Abstellplatz bei der Rückkehr am Nachmittag, sondern auch mit nur leichter Sonneneinstrahlung über die Bergänger hinauf bis zum Bärenlahner belohnt wird. Die Änger sind durch ihre südöstliche Lage bereits ab dem Sonnenaufgang im effektivsten Winkel voll bestrahlt.

Steig von der Falzhurntalstraße

Zu Beginn des Steiges, der sich zunächst einige Minuten flach in Richtung Bachbett hinzieht, fällt am Wegweiser des Tourismusverbandes der Hinweis auf, daß für den Steig gewisse Voraussetzungen vonnöten sind und dies mag als Ausnahme für diesen Steig auch vom  Verfasser bestätigt werden. Für einen Wanderer ohne alpine Erfahrung ist der Steig nicht geeignet und es ist leicht möglich, daß so mancher Ungeübte im oberen Teil innerhalb der steilen Nordostflanke in Bedrängnis gerät.

der Bärenlahnersattel ca. 700Hm oberhalb

Bevor der Steig steiler wird und in den Mischwald rechts dem Bärental eintaucht kreuzt er noch den Bach, einmal nach links und gleich wieder zurück nach rechts im Aufstieg.
Der Wald spendet über schätzungsweise 250Hm Höhenmeter im August bereits am Vormittag wohltuenden Schatten.
Am Ende der Waldstrecke quert der Steig einen steilen Anger mit einer kleinen Hangrutschung, worauf gleich danach, etwas unterhalb des Steiges oberhalb eines höheren Abbruches , eine Quelle zum Auftanken der Wasservorräte genutzt werden soll, dies ist die einzige wasserführende Stelle im Anstieg.

Rückblick oberhalb des Waldes

Weiter wird über Bergwiesen mit wenig Bewuchs angestiegen, abgesehen von einem gleich folgenden und dichten letzten Latschenfeld, zur Rechten immer dichter an die Felsmauer der Schaufelspitzensüdwand annähernd.

Querung oberhalb des Waldes

Weiter oben, die 1.700m Marke bereits überschritten, bildet sich rechts ein Schuttkar mit Brocken der hohen Wand oberhalb und links davon die weiterhin wiesenbedeckte Rippe von den weniger beeinflussenden Gratpartien des Grates zum Sonnjoch aus. Der Steig wendet sich auch eher nach links, den Wiesen folgend.

Aufstieg durch Reichenhaller Schichten

Auf den letzten 200Hm zum Bärenlahnersattel auf 1.993m, knapp 700Hm nach dem Start im Falzthurntal,  kann linkerhand eine besondere Felsformation betrachtet werden, die sich vom sonst dominierenden Wettersteinkalk abhebt, die Reichenhaller Schichten, ebenfalls Kalkgestein, jedoch älter und aus seichterem Ursprung des Meeres.

die senkrechte Wand der Schaufelspitze deren unterer Sockel aus Muschelkalk gebildet wurde

Am Bärenlahnersattel wird ein toller Blick gen Westen, zur Gamsjochspitze und dahinterliegend zur imposanten Falkengruppe, mit dem auffällig massigen Massiv des Laliderer Falks erreicht. Die kecke Felsspitze hinten mittig ist die Steinspitze, der Südliche Falk.

am Bärenlahnersattel gen Westen zur Sonnjochgruppe geschaut

Der Blick gegen die Abbruchkante zur Schaufelspitze läßt den IVer im oberen Teil deutlich vermuten. Der Wunsch einer Gratüberschreitung des gesamten Sonnjochkammes mag bei vielen, so auch beim Verfasser, an dieser Wand scheitern – vor allem, wenn sie im Abstieg genommen werden soll. Vom Falzthurnjoch bis zur Schaufelspitze können die Überschreitungen auf diesem Blog nachgelesen werden, nicht aber diese Wand.  Vielleicht noch nicht.

die Südkante zur Schaufelspitze – mit Stellen IV

Am Bärenlahnersattel beginnt ein Gratabschnitt, der mit etwas Auf und Ab aber grundsätzlich stetiger Steigung nach Süden gegen die Nordostflanke des Sonnjoches hin führt.
Die AV-Karte täuscht hier etwas, der Grat ist einerseits strukturierter als dargestellt, andererseits seine Lage im oberen Teil weiter in der Ostflanke, denn am Grat. Dieser Abschnitt ist der rassige und für den bloßen Wanderer nicht geeignete.

etwas westlich des Grates geht es weiter zum Sonnjoch

Über Wiesen geht es zunächst etwas westlich der Abbruchkante zum Bärenlahner dahin. Gleich fällt die gewaltige Schichtstärke der Wettersteinkalkplatten an der dunklen Nordflanke des Sonnjoches auf. Es ist diese eine der stärksten Ausprägungen im Karwendel. Und nicht nur die Schichtstärke sondern auch der eigenartige Verlauf der Abbrüche, der Rätsel über die Ursache der sonderbar u-förmigen Abbrüche mit langen Gleitbahnen aufgibt.

Gratverlauf zum Sonnjoch – der nächste nicht mehr bewachsene Gratkopf besteht aus Muschelkalk und wird westseitig umgangen

Angesichts dieser Erscheinungen wird der sich im Aufstieg zum letzten Felskopf vollziehende geologische Wechsel zwischen Wettersteinkalk und Muschelkalk übersehen. Der letzte schräg gelagerte und im Abstieg zu umgehende imposante Gratkopf ist bereits aus Muschelkalk gebildet. Für den Laien kaum sichtbar, mit der Investition von etwas Zeit aber strukturelle Unterschiede in Form, Farbe und Oberfläche erkennbar.

imposante Abbruchszenen des Wettersteinkalksockels an der Sonnjoch Nordflanke

Der Aufstieg aus der westlichen Umgehung erfolgt über unangenehmes Schuttgelände, über den Steig dicht neben der Felskante angelegt. Etwas leichter mit weniger Rutschgeröll kann der Aufstieg weiter rechts in mehr blockigerem und festerem Schuttgelände erarbeitet werden.
Oben gelangt man in eine kleine Scharte hinter der man endlich Klettergelände vermuten würde und das Gegenteil zutage tritt.

dieser Muschalkalkkopf wird durch kurzen Abstieg und längerem Aufstieg im Schutt westseitig umgangen

Wiesendurchsetzte Geländepartien leiten um eine Kante herum in die Ostflanke des Sonnjoches und die Kletterei läßt auf sich warten. Dieser Abschnitt scheidet unter den Begehern die Streu vom Weizen, denn nun befindet man sich in einer steilen Flanke, die nicht jedermanns Sache ist.
Sie führt in wenigen Serpentinen hinauf zum Grat, immer in wiesendurchsetztem Gelände und unschwierig für den der solche Partien gewohnt ist.

am Ende des Aufstieges in der Gratscharte zurückgeblickt

Der untere Teil des Sonnjochmassives besteht aus dem üblichen Wettersteinkalk im Karwendel, dessen Ausbildung auch im Norden in äußerst imposantem Plattenbau zu besichtigen ist. Gewaltige ausgebildete Plattenstärken von Wettersteinkalk, die – für Karwendel – in fast einzigartigen Dimensionen mächtiger Abbrüche ins Grameikar zu sehen sind.

der imposante Gratturm aus Muschelkalk gebildet

Dem empfindsamen Naturbeobachter fällt die ungewöhnlich dunkle Farbe des Deckgesteines am Sonnjochplateau und dem Rücken zum Südwestabstieg so richtig  ins Auge.

Blick in die Ostflanke – hier wird zunächst über Wiesen- und Felsbänder aufgestiegen

Er kennt eine solch untypische Kombination von Erscheinungsbild und Farbe von seinen Karwendeleindrücken kaum bis gar nicht. Es handelt sich um den alpinen Muschelkalk, der optisch just an der Südflanke und am Gratrücken des Sonnjoches besonders augenfällig in Erscheinung tritt. Tatsächlich bildet Muschelkalk das obere Drittel der Sonnjochpyramide, aber am Rücken zur Südwestflanke erkennt ihn mit etwas Beobachtungsgabe auch der Laie.

kurze Kletterstelle – leicht

Weiter unten an der Südwestflanke treten nicht minder imposante Reichenhaller Breccien auf, die oberhalb der Schafrinne den Steig hinab zum Gramei Hochleger mit bizarren Türmen und steilen Abbrüchen deutlich vom östlichen Teil der Bergflanke scheiden.

Rückblick in die Ostflanke

Die Überschiebung des Karwendels mit Gesteinsschichten unterschiedlichsten Alters ist hier besonders gut zu erkennen und der Blick auf die gegenüberliegende Seite im Süden zum Hahnkampl zeigt erneut anderen Fels und zwar vorwiegend Hauptdolomit mit eingelagerten Raiblerschichten. Farbe und Form in deutlichem Unterschied zur Südwestflanke des Sonnjoches – eine geologische Party mit Nachbarn aus allerlei Zeiten – deren unterschiedliches Alter in Millionen von Jahren jeder Vorstellung entbehrt – dicht an dicht gelagert.

ein paar Minuten zum Gipfel des Sonnjoches

Zum Kessel des Gramei Hochlegers hin ist es für den geologisch Interessierten augenscheinlich vorbei mit Entdeckungen, die zunehmende Almwiesenfläche verdeckt das Grundgestein.

Rückblick auf den tollen Anstieg – unten am Grat der Muschelkalkkopf

Dafür tritt die Almwirtschaft mit Jungrindern optisch und zunehmend akustisch ins Blickfeld. Zahlreiche Gruppen von Galtvieh bevölkern die Wiesen neben dem Steig und sie sind an den sonderbaren Artgenossen, die mit nur zwei Beinen im Leben stehen und mit unpassenden Farben am Leib und mit Gepäck am Rücken durch die Gegend stolpern rein gar nicht interessiert, wie es eben äußerst aggressive behornte Untiere so an sich haben.

Blick vom Sonnjoch nach Westen ins Zentralkarwendel – im Vordergrund Muschalkalkterassen

Die Schutzhütte am Gramei Hochleger sollte nicht links liegen gelassen werden. Zum einen bietet sie einen phantastischen Blick in den Kessel zu Hahnkampl und Grameijoch sowie zu den bizarren Hauptdolomitbauten des Rauhen Knöll und der Rappenspitze, zum anderen lohnt das kulinarische Angebot eine Rast in jedem Fall.

der Muschelkalkkopf des Sonnjoches vom Westen aufgenommen

Unterhalb der Alm führt ein Steig mit ungeahnter Schönheit talauswärts hinab durch prächtige Bergwiesen, gespickt mit dem Blauen Eisenhut – von alters her ein tödlich Gift und frei für alle, die Übles im Schilde führten und als Pflanze auch heute noch ein Blickfang.

Grameier Hochleger

Die imposante Bach-Kaskade vom Einschnitt zum Künigskopf herunter wäre fast einen Versuch wert seitlich davon aufzusteigen, um die vermuteten Gumpenbecken zu erkunden – eine seltene Schönheit.

der giftige Blaue Eisenhut

Nach einem Waldstück und der Querung des Baches wird der Abstieg etwas flacher. Die Bergtour als solches gleitet nun in die Rückwanderung ins Falzthurntal aus.

tolle Bachkaskade

Die letzte fotografisch interessante Position befindet sich bei einer Rastbank im flachen Teil nach der Bachquerung. Von dort kann man hinter der Melkstation des Gramei Niederlegers mit Holzzuberfreiluftbadewannenkarwendelblick das schöne Falzthurntal aus erhöhter Position letztmalig bis weit hinaus einsehen.

Blick in das Falzthurntal auf den Grameier Grund

Über den Grameier Grund führt die Rundtour wieder aus dem hinaus Falzthurntal und die anregende Landschaft dort zieht junge Familien auf Sonntagsausflug gleichermaßen an wie den Bergsteiger, nur daß deren Räder am Wagen die kleinen Gipfelstürmer früher stoppen als ihnen lieb ist.

die gewaltige Südflanke des Sonnjoches

Manchmal trifft man dort sogar seine eigenen Verwandten und rechnet damit so wenig, daß man fast aneinander vorbeigeht.

Abschlußblick in die Gramei

Die abwechslungsreiche kurze Runde mißt knapp 10km und kann incl. einer halbstündigen Rast am Hochleger in gut 5 Stunden absolviert werden. Knapp 1.300Hm werden erklommen. Der Erholungssuchende rechne eine oder eineinhalb Stunden mehr.

Mils, 18.08.2018

Schaufelspitze 2.308m – Überschreitung von der Bettlerkarspitze

Im zentralen Teil des Sonnjochkammes gelegen, kann  die Schaufelspitze im leichten Gratübergang von Nordosten über die Bettlerkarspitze erreicht werden.

der schöne Gratübergang von der Bettlerkarspitze zur Schaufelspitze im Rückblick

Die Grattour ist ein lohnend Ziel für die landschaftlichen Schönheiten im östlichen Karwendel, erlaubt aber auch tiefe Blicke auf die Giganten im zentralen Karwendel und sein Ausklingen im Norden. Sie kann als Rundtour durchgeführt werden mit Zustieg, wie erwähnt, über die Bettlerkarspitze und Abstieg über den Nordwestgrat sowie zurück auf den Plumssattel, meinem Ausgangspunkt für den Anstieg.

Bettlerkarspitze und Schaufelspitze im Hintergrund

Als Zustieg zum Plumssattel wählt jener, der aus dem Inntal anreist, die Gernalm (von Pertisau aus über die bemautete Straße erreichbar) und jener, der aus Bayern bzw. dem Risstal anreist die Hagelhütten am Beginn des Enger Tales.

der Vorgipfel der Bettlerkarspitze – heute leider schon besetzt

Die Beschreibung des Aufstieges zur Bettlerkarspitze kann dem hinterlegten Link entnommen werden. Zur groben Einschätzung sei hier nur erwähnt, daß der Aufstieg etwas leichter ist, als der letzte Teil Gratüberschreitung.

Gratübergang von Bettlerkarspitze zur Schaufelspitze im Überblick

Wegen des Wahlsonntages konnte die Tour – entgegen meiner Gewohnheit – erst recht spät am Tag begonnen werden, der Start am Parkplatz bei der Gernalm erfolgte um 10:20 was bei wolkenlosem Himmel am beleuchteten Hang mit der Straße zum Plumssattel trotz fortgeschrittenem Oktober bereits für eine schweißtreibende Aktion sorgte. Im Sommer sollte man hier also zeitig dran sein.

Etwas kühler erfolgte dann der Aufstieg über die steile Nordflanke, in alten Beschreibungen als hervorragende Schitour dargestellt, und ab dem Köpfchen auf 2.075m (das ist nicht der Vorgipfel!) wurde es wieder sonniger.

am Gipfel der Bettlerkarspitze 2.287m

Alleine am Gipfel bei herrlichem Wetter und eine aussichtsreiche leichte Überschreitung als nächstes Ziel, was will man mehr. Unter „leicht“ verstehe man nicht, daß sie wie eine Wanderung begangen werden kann. Im letzten Teil gibt es einige Stellen, die mittels leichter Kletterei (in etwa II-) bewältigt werden müssen und – das sei dem weniger routinierten Bergsteiger geschildert – die auch recht abschüssig bzw. teilweise etwas ausgesetzt sind, besonders die letzten ca. 40-50m auf der Gratschneide vor der letzten Einschartung die den Grat vom Gipfelaufbau der Schaufelspitze trennt. Alles in allem aber mit geringen Schwierigkeiten ohne Sicherung – und für jenen, der sich geübt und versiert am Grat bewegt, und großteils ohne Einsatz der Hände – begehbar.

Rückblick auf den Anstieg zur Bettlerkarspitze

Die Überschreitung beginnt in breitem Gratgelände auf regelrecht einem Steig bis zum nächsten Gratkopf, im Abstieg zu Beginn nach Verlassen des Gipfels der Bettlerkarspitze rechts in schotterigem Gelände.

Rückblick vom ersten Gratkopf

Der Aufstieg auf der Gegenseite erfolgt über einen breiten Grasrücken. Jenseits nähert man sich einem Steilabbruch, der auch gleich instinktiv zur Auffindung einer Alternative in einer Wendung nach links über die schroffige, aber gut gangbare Ostflanke des Rückens führt.

der erste Gratkopf im Rückblick; rechts unter dem Schneefleckchen geht es leicht abwärts

Dort zwei Dutzend Meter hinab und durch leichte Kletterei in kaminartigen Schroffen ein paar Meter an die Basis des Kopfes zu wiederum leichtem Gehgelände hinab.

kurz nach Verlassen der Bettlerkarspitze am Gratrücken

Es folgt ein langgezogener abfallender Sattel, der auf breitem Rücken begangen wird. Der nächste Gratkopf wird über seine Ostflanke, jedoch in Gratnähe leicht überwandert – auch jenseits – und anschließend erfolgt eine erste kurze Kletterstelle an einem etwas felsigerem Gratköpfchen.

zweiter Gratkopf im Rückblick, rechts kommt man herunter

Am schönsten erschien mir die direkte Überkletterung (zumal auch ein Steinmann am Hochpunkt diese Variante weist), die durch die blockige Ausbildung der Kletterstelle mit guten Griff- und Trittmöglichkeiten ohne Schwierigkeiten gemeistert werden kann.

erstes schärferes Köpfchen, direkt zu überklettern

Anschließen wird der Grat etwas schärfer, abschüssiger, teilweise ausgesetzt, jedoch immer breit genug, um ihn leicht zu begehen, inne zuhalten und links und rechts die Schönheiten des Karwendels zu betrachten.

der schöne Gratübergang von der Bettlerkarspitze zur Schaufelspitze im Rückblick

Die Schaufelspitze wird nun immer mächtiger vor Augen und bevor sie erreicht wird, stellt sich noch ein weiterer Kopf am Grat entgegen, der mit seinem plattigen Aufbau so ganz anders als alle Formen davor aufwartet.

Tiefblick ins Falzthurntal

Über schotterbedeckte Platten geht es aufwärts und bevor man die direkte Ersteigung über eine recht schwierige Verschneidung als Normalroute erkennen zu glaubt fällt rechts (nordwestseitig davon) ein Steinmann ins Auge.

plattiger Turm am Grat

Er ist die Weisung, den schwierigen restlichen Teil in äußerster Steilheit rechts zu umgehen. Auf der Hinterseite des Bandes, auf das der Steinmann leitet, steigt dieses mit großer Steilheit und schuttbedeckt zur Grathöhe an (Steinmann am Hochpunkt).

Steinmann rechts am Umgehungsband

Begangen wird es am besten entweder nahe am Fels zum sicheren Halt oder weiter davon entfernt in wiesendurchsetztem, festerem Gelände ohne Schutt.

Umgehung westseitig

Von diesem Hochpunkt aus (2.242m in AV-Karte) öffnet sich nun nordöstlich ein guter Überblick über die zurückgelegte Strecke und südwestlich der Abstieg zur letzten Einschartung vor dem von dort ca. 80m hohen Aufstieg in der Nordostflanke der Schaufelspitze.

Rückblick über den zurückgelegten Grat zur Schaufelspitze

Vor der letzten Einschartung erfolgt noch einmal ein etwas schärferer Grat, jedoch nur ca. 40-50m, der durch festen Fels führt und jede Menge gute Abstiegsmöglichkeiten bietet.

letztes Gratstück vor dem Gipfelaufbau der Schaufelspitze

Hier das letzte Gratstück vor der Flanke zur Schaufelspitze im Detail:

letzer Gratteil vor der Schaufelspitze

Rückblick von der Einschartung vor der Flanke zur Schaufelspitze:

letzer Gratteil vor der Schaufelspitze im Rückblick

Die steile Flanke zum Gipfel der Schaufelspitze nimmt man in wiesendurchsetztem Gelände durchwegs ein paar Meter rechts (nun nördlich, weil sich der Grat zunehmend gedreht hat) neben dem Gratrücken. Hinweis zur Steilheit – ich habe hierfür bereits wieder die Stöcke verwendet.

Gipfelaufbau der Schaufelspitze, letze ca. 80Hm bis zum flachen Gipfelgrat

Oben angekommen führt ein kurzes Gratstück in drei Minuten fast eben zum Gipfel der Schaufelspitze auf 2.308m.

Gipfelgrat der Schaufelspitze

Phänomenale Aussicht bietet sich hier und das ist wahrscheinlich auch der Grund warum der entbehrungsreiche Aufstieg über den Nordgrat – in der Folge mein Abstieg – aus dem Enger Tal auf sich genommen wird.

Am Gipfel der Schaufelspitze, 2.308m

Die Schaufelspitze stellt am Sonnjochkamm einen Endpunkt für die meisten Bergsteiger dar, die nicht absolut sattelfest in sehr schwieriger Kletterei sind und im Abstieg zum Bärenlahnersattel würde ich die Flanke zum Sonnjoch hin erstmalig nicht durchführen wollen.

Absturz zum Bärenlahnersattel

Umso mehr erfreute mich die exponierte Lage der Schaufelspitze mit der gewaltigen Aussicht auf die gewaltige Nordflanke des um genau 150m höheren Sonnjochgipfels und auf die kühnen Spitzen von Hochglück bis Dreizinkenspitze, die das Enger Tal begrenzen.
Weiter südwestlich schließen die schwierigsten Kletterberge des Karwendels mit ihren bis zu 1.000m hohen Nordwänden an; die beiden optisch markantesten Gipfel davon, die auch Grate nach Süden entsenden, sind die Sonnenspitzen und die Kaltwasserkarspitze ehe sich der Gipfel des Gamsjoches ins Bild schiebt und rechts daneben, in 13km Entfernung noch gerade die Birkkarspitze den Abschluß bildet.

Blick von Hochglück bis Dreizinkenspitze und weiter über Sonnenspitzen und Kaltwasserkarspitze bis zur Birkkarspitze

Westlich ist in 47km Ferne der Höllentalferner unter der Zugspitze erkennbar, der Fernblick möglich durch die vermindert wassergesättigte Luft im Herbst.


Weiter nordwestlich die Falkengruppe und die hohen Gipfel der Nördlichen Karwendelkette, bevor nach der Soierngruppe die mächtigen Gipfel des Karwendels im Rundblick in die  milden, niedrigen Vorkarwendelberge abebben.

der gewaltige Sonnjochgipfel, Namensgeber des Kammes

Nach einer Rast mit Fotodokumentation der außergewöhnlichen Szenerie und einer teilweise möglichen Rekognoszierung des Abstieges über den Nordgrat machte ich mich kurz nach 14:00 auf den Weg, den schönen, nach Norden vollkommen freistehenden Grat abzusteigen.

Nordgrat der Schaufelspitze – Abstiegsgrat

Deutlich vom Gipfel aus erkennbar der Kopf an dem der Abstieg durch Latschen beginnt, Pkt 1.986m. Von dort aus benötigt es einiges Orientierungs- und Einfühlungsvermögen, will man den breiten und nach Nordosten steil abfallenden Waldrücken erreichen, denn nicht überall sind die Steinmänner so dicht aufgestellt, daß der Abstieg ohne Orientierungsnotwendigkeit erfolgen kann.

Das Risstal mit den Hagelhütten

Im Mittelteil glaube ich gibt es mindestens zwei Latschengassen die man absteigen kann und die beide am selben Endpunkt enden, so empfand ich den Blick vom Pkt. 1986m aus.

Blick auf den letzten Teil der Gratüberschreitung zur Schaufelspitze, im Hintergrund Pertisau

Zunächst jedoch erfolgt der Abstieg schräg nordostwärts in der Flanke der Schaufelspitze (das Gipfelkreuz befindet sich nicht auf dem Hochpunkt an dem der Nordgrat endet, sondern etwas südwestlich davon) indem man vom tiefsten Punkt der Einsattelung zwischen Gipfel und Hochpunkt des Nordgrates schräg abwärts über Schutt zum Grat hinabquert.

zu querender Hang zum Nordgrat – viel Schotter in der Flanke

Am Grat geht es auf breitem Rücken mit raschem Höhenverlust abwärts bis ein kleiner Felskopf, dessen Ersteigung nicht lohnt, links, westseitig umgangen wird, um nachher rasch wieder zum Grat zurückzukehren. Über ein paar recht nett abzuschreitende schärfere Gratpassagen nähert man sich fast flach dem Punkt 2.140m, bei dem sich der Abstieg für eine kurze Strecke nach Westen ändert und in etwas schroffigeres Gelände überleitet.

kurz vor Pkt. 2.149m

Nach ein paar Dutzend Höhenmetern führt der Abstieg wieder zurück auf des Rücken breite Mitte und wird am Ansatz der Latschen wieder flach. Durch die Latschen geht es links oder rechts, ich entschied mich für die sonnenbeschienene linke (westliche) Seite.

weiters Abstiegsgelände nach Drehung der Route nach Westen

Diese endet allerdings bald und durch den einigermaßen dichten Latschengürtel konnte ich wieder auf den Rücken zurückkehren (wahrscheinlich wäre die Ostseite etwas günstiger gewesen).

in der Latschengasse zu Pkt. 1.986m

Am Punkt 1.986m angelangt (Steinmann) wendet sich der Abstieg abermals nach links (westlich) um am unteren Ende der breiten Gasse erneut scharf nach rechts (nördlich) abzubiegen und in eine schmale Gasse einzutauchen, die unten wieder breiter wird und am unteren Ende in einem zunächst schwer ersichtlichen Durchschlupf mit Steigspuren in der Schotterreise mündet.

am Pkt. 1.986m

Nach dem Durchschlupf befindet man sich in steilem Wiesengelände, das instinktiv nach rechts (nordöstlich) begangen wird, weil das Ziel ja der Wald- und Latschenrücken bleibt. Hier habe ich keinen Steinmann gesehen, er sollte erst etwas weiter rechts auftauchen.

von Pkt. 1.986m hinabgeschaut; am Ende der Gasse geht es scharf rechts weiter

Ein phänomenaler Rückblick auf die Schaufelspitze

Rückblick auf den schöne Gipfel und dem wilden Abbruch zum Bärenlahnersattel

Nach dem Durchschlupf zurückgeblickt:

nach dem Durchschlupf – von links oben (etwa Bildmitte) kommt man daher

Am Steinmann hat man nun die Wahl ob links oder rechts davon (so zumindest mein Eindruck und Blick nach unten zu einer Stelle an der beide Gassen wieder zusammenkommen) und ich entschied mich  für die dem Rücken nähere rechte Gasse.

vom Steinmann die weitere Abstiegsroute erkundet (tief unten eine gelbe Lärche)

Unten angekommen der nächste Steinmann, unter dem sich nach ein, zwei Minuten Abstieg nun eine deutliche Rinne ausformt, der man weiter folgt. Das Gelände sehr steil, also ein mühsamer Aufstieg in Gegenrichtung.

am Ende der Latschengasse bei einer ab dort deutlichen Ausbildung einer Rinne

Nun verpasse man folgende Geländeausprägung nicht: das Gerinne (in der AV-Karte auszumachen) in dem abgestiegen wird erreicht nach wenigen Minuten einen breitere, flache Stelle im Latschengürtel. An dieser Stelle (Höhe ungefähr 1.730m) wurde mittig im Gerinne ein Steinmann errichtet (Foto), und hier muß dann rechts aufwärts durch eine Gasse aufgestiegen werden in der ebenfalls deutlich Steinmänner zu sehen sind.

markanter Punkt und Rechtswendung des Abstieges in einen kurzen Aufstieg (Steinmann etwa mittig im Bild)

Knapp oberhalb dieser Stelle befindet sich eine im Herbst auffällig gelb gefärbte Lärche, die bereits von weit oben (Steinmann mit Wahl zwischen links oder rechts) gesichtet werden kann und die somit die generelle Richtung weist. Im Rückblick links der Lärche drei kleinere Tannen, die – zwar nicht so markant – aber ebenfalls schon von oben auszumachen sind.

Etwas oberhalb dieser Stelle traf ich auf zwei Burschen, die ich überholt habe und die den Weg kannten. Nachdem ich an der flachen Stelle zu weit links ankam übersah ich den Steinmann und stieg noch ca. 20m in Latschendickicht ab, das nicht weiterführte. Wieder zurück waren die beiden natürlich nun vor mir und daher einer davon in der ansteigenden Abzweigung zu sehen.

nach ca. 30m Aufstieg angekommen am Abbruch in den Sulzgraben – Rückblick (rechts endet der kurze Aufstieg)

Der aufwärtsgerichtete Latschengasse folgt man ca. 30Hm bis zu einer Flachstelle, die gleichzeitig den Abbruch zum Sulzgraben darstellt, einem geologisch sehr interessanten Gebiet.

blockgefüllte Senke

Nach dieser markanten Stelle, die auch von weit oben bereits ansatzweise erahnt werden kann, führt der Abstieg in eine sonderbare, urwaldähnliche, mit großen überwucherten Felsblöcken gefüllte Senke, die links, in offeneres Gelände wieder verlassen wird.

Von dort geht es etwas weit links nun in Wald hinab, Latschenbestände verflüchtigen sich rasch und nach einer Wendung nach rechts übersteigt man einige morsche Wetteropfer an großen Bäumen, die bereits Jahrzehnte lang den Steig überqueren.

in etwa drei Minuten unterhalb der blockgefüllten Senke

Im naturbelassenen Wald führt der Steig nun meist spürbar am Rücken hinab. Eine Detailbeschreibung erübrigt sich hierzu. Falls der Steig einmal nicht gut sichtbar sei und man zu weit in die linke (östliche) Flanke abdriften würde versuche man wieder auf den Rücken zurückzukehren, siehe auch Fotos in Galerie von markanten Gegebenheiten.

Baumstämme queren den Steig

Nordöstlich erblickt man zeitweise mit etwas Wehmut ob des enormen Höhenverlustes den Plumsalm Niederleger, der im Aufstieg zur Plumsjochhütte rechts liegengelassen wird, wenn nicht der Fahrstraße gefolgt, sondern am Steig angestiegen wird.

Ankunft auf der Fahrstraße zum Plumssattel auf 1.275m

Auf 1.275m wird die Fahrstrasse zum Plumssattel erreicht und es beginnt ein abschließender knapp 400m Aufstieg zum Plumssattel, der die schöne Rundtour würdig abschließt und einige bärige Fotomotive bereithält.

der gesamte zurückgelegte Grat zwischen Bettlerkarspitze und Schaufelspitze

Bei wunderschönem Herbstnachmittagslicht und einer deftigen Stärkung endet die Runde bei Johann auf der Plumsjochhütte. Der Abstieg über 500m zur Gernalm nimmt nochmals eine halbe Stunde in Anspruch.

Herbstlich am Spätnachmittag am Plumssattel

Für die gesamte Tour habe ich ab und bis zur Gernalm 8 Stunden benötigt und es fielen 1.720Hm an. Dabei sind ca. 1 1/4 Stunden Rast im Gesamten enthalten.
Wer von den Hagelhütten aufsteigt wird in etwa 40 Minuten und 300Hm gegenüber der beschriebenen Route sparen.

Mils, 15.10.2017

 

 

 

 

Bettlerkarspitze, 2.268m

Von der Gernalm aus ist die Bergtour auf die Bettlerkarspitze eine eher kurze Angelegenheit, jedoch, ihrer Lage zwischen den höchsten und den abklingen Vorgipfeln des Karwendel wegen, ein lohnendes Ziel. Wenn die Bettlerkarspitze allerdings mit einem der abzweigenden Grate verbunden wird, dann kann eine bemerkenswerte Tagestour, mit vielfältigen Landschaftsreizen daraus werden.

Blick von der Bettlerkarspitze auf den Grat zum Falzthurnjoch

Genau richtig für den Wetterbericht am 9. September 2017 erschien sie mir Tage zuvor, als ein Programm für das Wochenende geschmiedet werden wollte. Am Gipfel kann die Entscheidung fallen, ob der Grat zur Schaufelspitze angehängt oder der Rückzug angetreten wird.

Bettlerkarspitze in herbstlichen Morgenlichte, Hauptgipfel hinten links

Kurz vor 8 Uhr begann, bei bereits herbstlich kühlem Fallwind von den Hängen im hintersten Gerntal, vom Parkplatz der Gernalm, der Aufstieg auf der Schotterstraße, die eine alte Militärstraße sei.

auf der Straße zum Plumsjoch

Im unteren Teil durch Wald im oberen Teil durch den splitterigen Hauptdolomit in Raibler Formationen abenteuerlich schmal gewordenen Straße geht es zunächst auf den Plumssattel, einem tollen Aussichtsplateau und wichtigem Knotenpunkt von Nord-Süd-Graten und West-Ost-Übergängen inmitten des Plums Alm Hochlegers.

Bettlerkarspitze und Schaufelspitze vom Plumssattel aus

Am Sattel wendet sich der Aufstieg nach links gegen Süden, um in der bis auf 1.850m latschenbewachsenen Nordflanke des Vorgipfels – „Vordere Bettlerkarspitze“ entnimmt man dem Gipfelbuch – anzusteigen.

Gamsjoch links und Falkengruppe rechts

Nach der Obergrenze des Latschengürtels, der vorwiegend in Hauptdolomit erstiegen wurde, beginnt scharf abgegrenzt der Gipfelaufbau im Wettersteinkalk. Dies jedoch mit einer recht brüchigen Oberfläche mit allerlei geologisch interessanten Einlagerungen. Beim Aufstieg können links und rechts des oft in Querrichtung doppelt angelegten Steiges zahlreiche Fossilien erblickt werden, solange das Auge im Aufstieg dem schrägen Hang nahe genug kommt. Im Abstieg ist es viel schwieriger die Naturschönheiten wiederzufinden, wie sich später herausstellen sollte.
Der Aufstieg über die Flanke erfolgt unter konstanter, bedeutender Steilheit auf brauchbarem Steig, hin und wieder mit weniger griffigen Tritten durchzogen.

die Nordflanke der Bettlerkarspitze

Rasch nach dem Latschengürtel ist ein vorgelagertes Köpfchen am Grat (2.075m) erreicht, das zu einem Rundblick einlädt. Nach dem Blick vom Plumssattel gibt dieser Platz wieder erstmalig die Sicht auf die Bettlerkarspitze frei, die beim Aufstieg von der Alm über die Nordflanke nicht sichtbar war.

die Bettlerkarspitzen von Pkt. 2.075m aus gesehen

Knapp oberhalb des wiesenbewachsenen Köpfchens erscheint der markante Vorgipfel der Vorderen Bettlerkarspitze unwesentlich höher als das Köpfchen zuvor. Der Grat dorthin ist zunächst flach steigend, breit und in kurzer Zeit erstiegen.
Gipfelkreuz und Gipfelbuch für manch jenen, der sich im Internet über die Tour informiert hat und dessen Wahl des Endes der Tour deshalb auf diesen Vorgipfel fällt, so wahrscheinlich zwei Bergsteigerinnen vor mir, die ich am Vorkopf überholte. Im Internet finden sich einige überzeichnete Beschreibungen der Schwierigkeiten des Anstieges zum eigentlichen Gipfel. So wird über eine Stelle III berichtet, die mittels eines Seilstückes „entschärft“ wurde. Diese Stelle, knapp unterhalb des Gipfels, ist gerade einmal 2m hoch und bietet einwandfreie Griffe und Tritte, sodaß auch das Abklettern keine besonderen klettertechnischen Fertigkeiten erfordert.

Der Grat von Pkt. 2.075m zur Vorderen Bettlerkarspitze

Nach dem Vorgipfelchen muß knappe 10m abgestiegen werden. Der Grat wird in der Folge zum großen Teil auf einem kleinen Steig, der nicht schwer zu verfolgen ist, auch wenn er dann und wann etwas schwach ausgeprägt ist, auf der Westseite umgangen.

die Bettlerkarspitze vom Vorgipfel aus

Herrliche Bänder ziehen sich unterhalb des Grates empor, die Teile des Steiges bilden, der in nun wesentlich längeren Abschnitten als die Route bis zum Vorgipfel markiert ist. Ab dem Vorgipfel finden sich verwitterte gelbe Markierungen; ein untrüglich Zeichen, daß dieser Steig nicht von einem Wegerhalter gepflegt wird. Warum das so ist mag sich jeder unter der Vorstellung der krankmachenden, allerorts um sich greifenden Haftungspflicht in der ursprünglich fremdländischen, hier jedoch so rasch adoptierten Lawyerwelt selbst beantworten.

herrliche Bänder, das Vergnügen leider nur von kurzer Dauer

Ein Blick nach links erfüllt mit Verlangen nach dem leicht anmutenden Grat vom Falzthurnjoch zur Bettlerkarspitze herüberziehenden Grat. Er sieht nach wenig Höhenunterschied aus, wer jedoch häufig Gratüberschreitungen ausführt, der weiß wir sehr man sich am bloßen Anblick der Schneide täuschen kann.

der leichtfüßig anmutende Grat vom Falzthurnjoch zur Bettlerkarspitze

Nach kurzer Zeit führt ein auslaufendes Band in einen kleinen Kessel, der sich vom Grat bis zum Steig herunterzieht. Diesen Kessel ersteigt man in Schutt an seiner linken (nördlichen) Seite, um wieder auf Grathöhe zu kommen. Sodann erblickt man den Gipfel der Bettlerkarspitze mit dem schönen hölzernen Gipfelkreuz.

kurz vor dem kleinen Kessel unterhalb der Bettlerkarspitze

Über wiesendurchsetzte Schrofen geht es steil mit gut gestuften Tritten den Steig empor, bis der Grat abermals rechterhand (westlich) verlassen wird, um der direkten Gratlinie zu entweichen und über eine leichte, schräge Rinne zur oben erwähnten „schwierigen“ Stelle zu gelangen.
Diese Stelle ist zwar etwas ausgesetzt, jedoch nicht so schwierig zu meistern wie angenommen. Es gibt links am Abbruch einen spitzen Kopf zum draufsteigen und oberhalb des vorstehenden Blockes genügend Griffe. Sodann unter einmal über den Block.

der letzte Teil des Grates mit einer kleinen Stelle Spannung

Die letzten Meter zum Gipfel führen wie ein U um einen großen Kamin herum. Auf der Gegenseite, fast in gleicher Höhe, das kleine Plateau mit dem Gipfelkreuz. Es wurde in zweieinviertel Stunden ab dem Parkplatz der Gernalm erreicht.

Bettlerkarspitze 2.268m

Eine wahrhaft phantastische Aussicht nach allen Seiten bietet die Bettlerkarspitze mit ihrem, nach Nordosten ausgerichteten Gipfelkreuz.
Das Karwendel kann Gegen Westen sozusagen „seitlich“ in seiner Süd-Nord Ausdehnung betrachtet werden, von den Hauptketten im Südwesten bis zu den Ausläufern und Vorgebirgen im Nordwesten, alle Höhenstufen im Schnitt, den Übergang von Inntaldecke (Linie Lamsenspitze-Sonnenspitze-Birkkarspitze-Pleisenspitze) und Karwendelschuppenzone (Linie Plumssattel-Risser Falk-Wörner) auf die nördlich gelegene Lechtaldecke, die im fernen westlichen Teil noch die Soierngruppe mit erheblichen Gipfelhöhen birgt.

das schöne Holzkreuz der Bettlerkarspitze

Gegen Osten und Nordosten gibt es einen wunderbaren Blick auf den schönen Grat vom Falzthurnjoch herüber, sowie in der Ferne dahinter vom Achensee mit dem dahinter liegenden Rofanstock bevor weiter nordöstlich die letzte bedeutende Erhebung über 2.000m, der Guffert mit knapp 2.200m, nicht zuletzt wegen seiner mächtigen, im Grün der Karwendelvorberge markant hervortretenden, hellen Südabbrüche beeindruckt.

Im Süden beeindruckt das gewaltige Muschelkalkdach des Sonnjochgipfels als mächtiger runder Rücken und höchste Erhebung in der Kette. Es versperrt die Aussicht auf einige Wichtige Gipfel in der Karwendelhauptkette, so sind nach dem gerade noch sichtbaren Hochnissl die Lamsenspitze und der Hochglück verdeckt und erst die Eiskarlspitze kann oberhalb der Verschneidung von Westrücken Sonnjoch und östlichem Gipfelaufbau der Schaufelspitze eingesehen werden.

das massive Sonnjoch und rechts die Schaufelspitze

Ein besonderes Schmankerl ist auch die kleine Vergletscherung unterhalb der Eiskarlnordwand (die sog. Eiskarln, von denen die Spitze mit Sicherheit ihre Namensgebung verdankt), die ein wenig aus der vorgenannten Verschneidung der beiden Flanken herausragt und wirklich eindrucksvoll nur mit einem Fernglas betrachtet werden kann.

die Schaufelspitze mit Ungemach darüber; in der Verschneidung Sonnjoch Westgrat/Schaufelspitze Ostgrat die Vergletscherung der Eiskarln

Die Schaufelspitze im Süden, bzw. der Grat dorthin wäre auch das insgeheime Ziel der heutigen Tour gewesen. Der meist ebenfalls von Haftungsgedanken beeinflusste Medienbericht vom Vortag, sowie die rasche Wetterentwicklung während des 40 minütigen Gipfelaufenthaltes, jedoch, hielten meinen Erfolgsdrang, nach nun einigen aufeinanderfolgenden Wochenenden mit intensivem Gebrauch der Regenjacke und der Heimfahrt in nassen Shorts, recht fest im Zaum.
Zusätzlich erschien eine Gratüberschreitung mit wenig Sonnenlicht und viel schwarzgrauem Gewölk, mit direkter Zugrichtung, rasch sich nähernd, für die Dokumentation nicht dem Wunsche entsprechend, die Schönheit dieser Tour entsprechend einfangen zu können.

Falzthurnjoch mit Achensee

Um es vorweg zu nehmen, das Wetter hätte gehalten, die Überschreitung wäre möglich gewesen.
Allerdings ist das Vorhaben im Herbst immer noch möglich und eingeplant.

Also beschäftigte ich mich auf diesem für die Einschätzung des gegenständlichen Gebirges bedeutsamen Gipfel mit ausgiebigem „recognosciren“ mit dem Fernglas, um in der Sprache der Pioniere dieses Gebirges zu bleiben.

Dabei konnte festgestellt werden, daß der Karwendel-Führer (Klier) in der Aussage, die Bettlerkarspitze wäre vom Plumsjoch (der Plumssattel ist gemeint) aus nicht sichtbar, falsch liegt. Wahrscheinlich soll die Aussage lauten, daß sie von der Plumsjochhütte aus nicht sichtbar ist, denn neben dem Gipfelkreuz platziert kann der Plumssattel in der Tiefe wunderbar eingesehen werden, also auch in Gegenrichtung.
In direkter Blickrichtung auf die höchste Erhebung am Sattel (Abzweig zur Montscheinspitze auf Schotterstraße, Rastbank) vom Hauptgipfel aus liegt das Gipfelkreuz des Vorgipfels fast auf gleicher Linie (siehe auch Karte mit gesamter Strecke von der Gernalm in der Bildergalerie).

Rauer Kranzenzian, man beachte die unterschiedliche Anzahl an Blütenspitzen

Die Flora, die dem Karwendelfreund auf seinen Touren stets ins Auge fällt verrät, daß die Bettlerkarspitze schon eher dem Norden des Karwendels zuzuzählen ist; es findet sich dort eine Enzianart zuhauf – es dürfte sich um den Rauen Kranzenzian handeln, auch wenn die Bestimmung anhand der verfügbaren Bilder für den Laien nicht eindeutig durchzuführen ist – die, bei genauer Betrachtung des Bündels in dem sie auftritt, sowohl vierblättrige als auch fünfblättrige Blüten aufweist und im südlichen Teil des Karwendels nicht anzutreffen ist, zumindest nicht merkbar häufig.

Schneeköpfe mit Rofangebirge dahinterliegend

Für den Abstieg an diesem so jungen Tag machte ich mir das oberflächlich sichtbare Vorkommen von geologischen Besonderheiten und Fossilien in diesem tektonisch so bedeutsamen Gebiet zur Aufgabe.

Muschelfossilien

Dabei mußte ich die bereits oben erklärte logische Feststellung machen, daß im Abstieg Feinheiten auf Gesteinsoberflächen weit weniger gut sichtbar sind als im Aufstieg. Der Blickwinkel mag das seine dazu beitragen. Dennoch konnten einige schöne Stücke gesichtet werden.

Rauhwacke

Die Nordflanke der Bettlerkarspitze stellt sozusagen die vorderste Stirn der Reliefüberschiebung des Karwendels dar und ist somit die nördlichste Front der Inntaldecke, die der Lechtaldecke kurz vor dem Plumssattel aufgeschoben wurde. In solchen Gebieten ist geologisch meist „viel los“.

Breccie

Schöne Rauhwacken (Zellenkalk mit ausgelaugten Hohlräumen) mit ebenflächiger Unterseite (auf eine Gleitbahn hinweisend?) deuten auf eine Haselgebirgseinlage zwischen dem Hauptdolomit und der überschobenen Wettersteinkalkdecke hin.

Kalkbreccie; rechts oben – siehe Detailaufnahme

Wunderschöne Kalkbreccien mit ungeheuer festem Verkittungsmaterial (calcitisch?), ein Zufallsfund knapp neben dem Steig.

Detailaufnahme der Kalkbreccie

Wurmförmige tierische Einschlüsse in Kalk? mit ungewöhnlicher rosa Färbung.

wurmartige tierische Einschlüsse

Die Tour abschließend, das Wetter von sicherer Stelle der Plumsjochhütte aus beobachtend, gab es noch eine hervorragende Speckknödelsuppe vor der Plumsjochhütte, bis schneidig kalte Böen zum Aufbruch übers Joch anregten.

Stimmung oberhalb der Plumsjochhütte

Die gesamte Tour bedurfte fünfeinhalb Stunden, wobei die Rasten am Gipfel und in der Hütte in etwa eineinhalb Stunden dem Studium der Landschaft und der Energieaufnahme dienten.

Peilung Gipfel Bettlerkarspitze – Plumssattel

Foto mit Peilung der Sicht; der Vorgipfel ist in der AV-Karte mit einiger Übung erkennbar, siehe rote Pfeilmarkierung.

Mils, 09.09.2017