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Schitour Hochreichkopf, 3.008m

Über das Kühtaier Längental bietet sich mit dem Hochreichkopf eine rassige mittellange Schitour. Mittellang von der Aufstiegszeit her, weniger vom Höhenunterschied, der nur rund 1.070Hm beträgt, gestartet beim Kraftwerk unterhalb der Dortmunder Hütte. Meine Aufstiegszeit betrug rund dreieinviertel Stunden.
Weil sich im Internet kaum ein Bericht der Tour vom Längental aus – und schon gar keiner mit Kartenmaterial – findet, habe ich dieses Manko im Bericht und der Bildergalerie ausgeräumt und auch eine Neigungskarte eingebaut.

Hochreichkopf, 3.008m

Um sechs Uhr gestartet stellte sich nach wenigen Minuten des Anstieges in das Längental bei Kollegen Stefan ein ernstes Bindungsproblem ein, das zur Umkehr zwang. Alles schimpfen nützte nichts, die Schrauben der Vorderplatte bissen nicht mehr, was das Aus für seinen Aufstieg bedeutete.
Nach Kühtai zur Bushaltestelle gebracht stellten wir fest, daß der Busdienst dorthin genau bis zum 24. April angeboten wird – für den am 1. Mai einem Geisterdorf gleichenden Ort Kühtai braucht es auch nicht mehr.

erster Start beim Kraftwerk der Tiwag

Wenig geistesgegenwärtig ist uns beiden nicht in den Sinn gekommen, daß aber St. Sigmund noch versorgt werden sollte. Also setzte ich den armen Stefan gegen sieben Uhr früh am höchsten Punkt der Kühtaistraße im Ort ab und beide meinten wir, daß er abgeholt werden oder stoppen könne – allerdings wollten alle Fahrzeuglenker zu dieser Tageszeit zu deren Tour, nicht von ihr zurück. Später berichtete mir Stefan von einem langen Fußmarsch nach St. Sigmund…

noch ein wunderbarer Tag – Blick ins Längental

Mit einem knappen dreiviertel Stündchen Verzögerung trat ich neu an und war der letzte der kleinen Gruppen, die an diesem Tag eine wesentlich einsamere Tour unternahmen, als die Dutzenden von der Alpenrose aus, die über den Stausee irgendwohin unterwegs waren.

nach Neustart oberhalb des Messstollens der Tiwag

Das Längental zieht sich wie immer bei ausgewaschenen Hochtälern lange recht flach dahin, manchmal mit ein ganz wenig Gefälle, was jedoch für die Ausfahrt nicht weiter tragisch ist. Die Schiebestrecken sind bei guter Wahl der Spur am Hang recht kurz.

Blick auf den Hochreichkopf ganz hinten – rechts der Vordere Mittertalkopf

Aber auch eine Taldurchquerung hat seinen Reiz. Links und rechts Reste der letzten Nassschneelawinen, von denen man ein oder zwei schon gesetzte auch überschreitet.

das Ende der Flachstrecke erreicht, ab hier wird das Gelände interessanter

Nach drei Kilometern stellt sich ein etwas steileres kupiertes Gelände ein und es geht nach den rund 150 gewonnenen Höhenmetern über diese lange Strecke von Kote ca. 2.100m deutlich steiler bergan, wobei der Bach im Aufstieg gesehen nach rechts überquert wird.

Aufstiegsroute über den Quergang und dem oberen Kar

In der Folge nähert sich der Aufstieg einer weiten Rechtskurve – sinnigerweise „am Bug“ genannt – auf ca. 2.250m, wobei am steilen Hang die Höhe gehalten werden sollte, um sie hinter dem Bug, hinein ins endende Längental,  nicht zu verlieren.

im Hang von rechts ohne großen Höhenverlust, hinten die beiden Hochbrunnachkoglgipfel

Bereits während der Kurve kann der Aufstiegshang und der Quergang zur Längentaler Scharte eingesehen werden. Der dabei leichter aussehende obere Teil – ein steiles Kar oberhalb einem farbenfrohen Bergsee – ist in Wahrheit bei harten Schneeverhältnissen wie heute der eigentlich schwierigere Teil, als der Quergang auf dem hängenden breiten Felsband davor.

Felsriegel zur Längentaler Scharte, Aufstieg oberhalb

Unten wird der Bach abermals überquert und gleich danach empfiehlt sich die Aufrüstung auf Harscheisen. Der Unschlüssige oder wilde Hund hat weiter oben Standplatzprobleme.

traumhafter Talbaschluß im Längental

Ich muß sagen, daß ich mir bei den harten Schneeverhältnissen von heute einen Aufstieg ohne Harscheisen nicht hätte vorstellen können. Die Hangneigungskarte zeigt im oberen Teil des Anstieges zur Längentaler Scharte (im Kar) mehrmals Neigungen von an die 40°. Abgerutschte Nassschneebrocken vom Vortag ergeben im Hang eine noch härtere Rutschbahn, die ohne Harscheisen nicht zu begehen sind – sie gehören also hier zur Standardausrüstung.
Weiters muß im Hochwinter dieser Teil des Aufstieges wegen der Lawinengefahr recht kritisch genommen werden.

steiles Band zwischen den Felsen – der Quergang

Wer der mentalen Belastung in diesem Gelände standhält und den Hang hinabblickt wird sich am Eisblau des Bergsees erfreuen, die Farbe ist am Foto in ihrer Intensität nicht annähernd wiederzugeben.

größte Steilheit am Ende des Querganges

Der Hang des Kares weicht zum Anfang Mai bereits rasch auf, im Aufstieg habe ich ihn gegen neun Uhr begangen und pickelhart vorgefunden, bei der Abfahrt um elf Uhr dreißig hingegen war er unter teilweise Nebel und Bewölkung bereits einige Zentimeter aufgeweicht.

im Kar angelangt, die Steilheit hier noch etwas größer

Auf der Längentaler Scharte bot sich mir ein guter Übersichtsblick auf das Ziel und auf die umgebenden Gipfel.
Den Rücken nach oben geblickt kann ein kleiner Zipfel vom Gipfel des Hochreichkopfes erkannt werden. Dieser ist nicht der im Vordergrund schön weiß sich präsentierender Aufschwung, es ist der felsige kleine Teil links davon, der auch erkennbar dahinter liegt.

Rückblick auf den Quergang, im Hintergrund der Rote Kogl

Nordwestlich der Längentaler Scharte türmt sich majestätisch der Große Wechnerkogl auf, weiter nordwärts – knapp daneben der mächtige Acherkogl im Hintergrund – weiter mittig Wechnerscharte und Wechnerwand und rechts der Rote Kogl. Eine Imposante Kulisse am Übergang vom Längental in das Horlacher Steinkar.

auf der Längentaler Scharte mit tollem Blick auf die großen Gipfel der Region

Nun gibt es hier auf der Scharte die Möglichkeit durch das sogenannte „Tälchen“ aufzusteigen, oder den Rücken, der das „Tälchen“ bildet links (südlich) zu umgehen und über dem Steinkarferner aufzusteigen.

Blick zum Hochreichkopf ganz hinten

Ich entschied mich den drei Gesellen vor mir zu folgen und somit den Sommerweg zu nehmen, um eine Alternative zu Jürgens Bericht abzuliefern, man kann ja schließlich den Kollegen nicht alles nachmachen.

links die Hohe Wasserfalle, mittig die Rippe mit südseitigem Aufstieg zum Hochreichkopf und rechts die Verschneidung zum Tälchen

Bei der Abfahrt stellte ich dann fest, daß der Anstieg durch Jürgens „Tälchen“ wahrscheinlich der nettere wäre, denn ich mußte mehrmals Auf und Ab, sowie einen steilen Hang queren.

links der Bildmitte der Hochreichkopf, rechts Aufstiegsflanke

Der Gipfelhang ist allgemein steil und im Aufstieg aus dem Süden wird auch durch Passagen mit 35° Neigung gestiegen (für den Winter gut zu wissen, daß das Tälchen als Alternative zur Verfügung steht).

die steile Aufstiegsflanke zum Hochreichkopf

Zu den Felsen hin steilt das Gelände noch mehr auf, zwischen den Felspartien gibt es mehrere Rinnen, von denen die Standardaufstiegsrinne die mittlere sich mir präsentiert.
Die Kollegen vor mir schultern die Schi und steigen durch die Partie mit mehr als 40° hindurch und ich entschied, daß mir das zu anstrengend ist und machte am unteren Felsensaum Schidepot.

das Trio bereits in der Aufstiegsrinne, Schi getragen

Als Empfehlung kann ich nachträglich betrachtet jedoch geben, daß die Mitnahme der Schi den Vorteil des leichteren Abstiegs hat und durchaus eine bessere Alternative zum umständlichen Hinuntersteigen in rückwärtiger Weise darstellt. Das Schidepot oben erlaubt das bequeme Anlegen derselben auf breitem, nahezu flachem Gelände.

gemmas an!

Der kurze Gratabschnitt zum Gipfel bietet eine kleine bergsteigerische Abwechslung. Auf den geschätzt 150m gibt es zwei kleine Kletterstellen, wobei ich die erste, die untere, fast unangenehmer im Abstieg empfunden habe. Dies weil sie nicht steil genug ist, um ungebückt Griffe zu finden.

Gipfelgrat zum Hochreichkopf, Schidepot im Vordergrund

Vor der zweiten kleinen Kletterstelle gibt es noch den Blickfang eines Hauches eines scharfen Grates und nach den geschätzt fünf Meter des Kletterns wird das Gipfelplateau betreten. Dieses ist überraschend groß und recht flach, es wird geziert von einem raffinierten Alukreuz mit der Gipfelbuchschachtel im Schnittpunkt. Trocken und gut verwahrt das Gipfelbuch – eine tolle Idee.

zweite Kletterstelle kurz unterhalb des Gipfelplateaus

Leider mußte ich feststellen, daß während meines Aufstieges das Wetter zusehend schlechter wurde, Nebel und Wolken hüllten die umliegenden Erhebungen ein und den Blick auf Umhausen hatte ich bei der Ankunft am Gipfel für wenige Sekunden, bevor Nebel ihn dauerhaft versperrte.

Rückblick auf den Grat

Die so schönen Fotos in das Horlachtal mit der Hohen Wasserfalle zur Rechten und die Zwieselbacher Gipfel aus Umrandung waren heute leider nicht machbar. Neben auf ca. 2.800 bis 2.900m hielt sich wie ein Dampfdeckel hartnäckig über den Gipfeln und der fehlende Südwind (es war , bis auf ein paar leichte Böen, nahezu windstill) ließ die graue Verhüllung mit der Zeit prächtig gedeihen.

Horlachtal

Kaum eine halbe Stunde verweilte ich auf dem Hochreichkopf, dem kleinen Dreitausender. Kaum Sicht und nicht gerade warm sowie der aufweichende Steilhang veranlaßten mich kurz nach den drei Kollegen ebenfalls den Abstieg einzuschlagen.
Bis zum Schidepot brauchte ich auch länger als die drei mit den hinaufgebuckelten Schi. Also hatte ich als letzer Abfahrender heute die Hänge ganz für mich alleine.

bereits am Abstieg – das berühmte Foto bei der zweiten Kletterstelle

Die Aussicht zu jeder Seite ist wirklich erwähnenswert und dies bleibt der Trost für alle, die heute nicht aufgestiegen sind, sie sollen perfektes Wetter abwarten, dann ist die Tour nochmals beträchtlich schöner. Man warte jedoch nicht zu lange mit der Abfahrt, der Steilhang im oberen Kar ist nicht zu unterschätzen.

Rückblick auf den Hochreichkopf

Die Abfahrt bis auf 2.400m, dem Talpunkt, ist wirklich eine Besonderheit, die auf üblichen Touren nicht so häufig angetroffen wird. 250Hm zwischen Felsen oben und Felsen unten, vorher der blaue See, eine phantastische Kulisse.

der schöne blaue See oberhalb der Steilstufe unten im Kar, dahinter das Längental

Vom Talpunkt aus bietet die Tour noch schöne Hänge bis auf die flache Talstrecke. Dort bin ich schon weit vorher so hoch wie möglich geblieben und schnitt durch teils steile Hänge bei weit hinaus ins Längental.
Die Schiebestrecke beträgt derzeit nur wenige hundert Meter vor dem Messstollen der Tiwag.

Blick auf die Flanke zum Quergang – die äußerst rechte Spur ist die frischste

Der gesamte Zeitbedarf ohne die Misere mit Stefans Bindung betrug gut viereinhalb Stunden mit einem halbstündigen Gipfelaufenthalt.

Schitour Hochreichkopf

In der Galerie befindet sich auch eine Hangneigungskarte der Schlüsselpassagen im Aufstieg

Die Strecke betrug siebeneinhalb Kilometer bei 1.070m im Aufstieg und die reine Aufstiegszeit dreieinviertel Stunden.

Mils, 01.05.2018

Schitour Rietzer Grießkogl, 2.884m mit Abstecher auf den Mitterzaigerkopf

Viel besucht und eine Standardtour im Kühtai ist der Rietzer Grießkogl. Der Berg ist weit und breit der höchste im mittleren Oberinntal mit direkter Angrenzung an das Inntal, wenigen vorgelagerten Gipfeln, die die Sicht auf ihn beeinträchtigen und daher entsprechend eindrucksvoll von Telfs bis Mieming aus zu betrachten. Selbst von Innsbruck aus fällt er sofort im Gefüge der Sellrainer Berge auf.

Gratanstieg zum Gipfel des Rietzer Grießkogls

So beliebt der Rietzer Grießkogl ist, so wenige Parkplätze stehen zur Verfügung. Die Situation ist jedem bekannt, die aufgereihten Fahrzeuge am Seitenstreifen der Kühtaistraße sind rasch belegt und ebenso der kleine Platz am Portal der Galerie. Daher empfiehlt sich auch bei zweifelhaftem Wetter ein früher Start.

Start oberhalb der Kühtaistraße

Am Tag nach der phantastischen Tour auf den Zwieselbacher Roßkogl war ich alleine unterwegs und weil das Wetter drohte schlechter zu werden mußte eine eher kurze Tour her.

auf den Sömen nach der kurzen Waldpassage

Den Rietzer Grießkogl hatte ich letztmalig vor 38 Jahren mit einem Schulkameraden als Schitour begangen, womit das Erinnerungsvermögen fast vollständig überfordert war und ich mich nur mehr vage an den Gratanstieg und die kleine Felspartie vor dem Gipfel erinnern konnte. Es war also an der Zeit auf das Jugenderlebnis zu wiederholen.

im hinteren Tal der Zirmbachalm

Diesmal ohne schrittbehindernde Tourenbindung, die durch die Scherenkinematik einen Winkel von nicht mehr als etwa 30° zum Schi zuließ und auch keine selbstgenähten Felle, die vorne und hinten einen Quergurt hatte und jede harte Querneigung des Hanges zum Erlebnis erhob.

Blick nach Westen zum Grat vom Hochalter zum Mitterzaigerkopf

Weil aber die Tour doch eine recht kurze ist und ein paar Tourengeher vor mir nicht zu den Narrenböden abbogen sondern geradewegs auf das Kreuzjoch zuhielten, beschloss ich es denen gleich zu tun und mir zumindest das Joch anzusehen. Dies auch deshalb weil das Kreuzjoch ein Schlüsselpunkt für die schöne Runde vom Pirchkogl aus ist, die ich jedenfalls auf dem Schitourenprogramm stehen habe.

Spitzl Rietzer Grießkogl sichtbar im Nordosten

Vom Parkplatz aus – die Fahrzeuge ins Kühtai brausen schon um 7 Uhr früh mit Gedonner wie auf der Autobahn an einem vorbei – wird an der Bushaltestelle über die Steinmauer auf den zunächst östlich angelegten Weg aufgestiegen. Dieser führt in wenigen Serpentinen über ein lichtes Waldstück kaum 100Hm auf eine flachere Fläche oberhalb der Baumgrenze empor.
Dort befindet man sich „auf den Sömen“, die sich mit konstanter Hangquerneigung recht lange im Aufstieg, bis zur Querung des Klammbaches, durch erhöhte Belastung des rechten Oberschenkels bemerkbar machen.

Aufstieg zur Scharte unterhalb des Hochalter

Ist der Bach überschritten verflacht sich die Hangquerneigung zugunsten der Hanglängsneigung, die durch das zunehmende Talende merklich ansteigt, das Gelände dort „obere Zirmbachalm“ genannt. Nach einer langgestreckten Drehung nach rechts (östlich) und weiter aufsteilendem Gelände, muß die Entscheidung für die Richtung fallen.

Rückblick auf die obere Zirmbachalm

Ich entschied mich dort zunächst zum Kreuzjoch aufzusteigen und auch den völlig überwechteten und nett aussehenden Mitterzaigerkopf mitzunehmen. Das Gelände wird dort kurzzeitig noch etwas steiler, bleibt aber unter 35° Neigung.

aufsteilendes Gelände bei der Abzweigung zum Kreuzjoch

In etwa 250Hm führen im breiten Kar zum Joch hinauf und oben quert man links hinaus auf ein kleines Plateau westlich des Joches auf 2.550m. Dort befindet sich das Schidepot. Die letzen 70Hm zum Gipfel des Mitterzaigerkopfes erden sinnvollerweise ohne Schi angestiegen.

Sonne im Norden

Den Mitterzaigerkopf, 2.629m ziert ein nettes kleines Gipfelkreuz in modernem Design. Gegen Norden kann das Inntal, die Mieminger Kette und das Wetterstein frontal, und auf gleicher Höhe eingesehen werden – ein imposanter Blick.

Mitterzaigerkopf vom Kreuzjoch aus

Im Westen die Irzwände, an deren Ende der Pirchkogl und als nördliche Begrenzung der Hochwanner, die bei der Rundtour umrundet werden. Auch die Stamser Alm, in deren Gelände die Umrundung passiert, kann gut eingesehen werden.

Mitterzaigerkopf, 2.629m

Da das Wetter an diesem Tag schlechter werden sollte habe ich mich nach wenigen Minuten des Genusses der Kulisse wieder auf den Weg zum nächsten Ziel gemacht. Bei völlig bedecktem Himmel stieg ich zum Schidepot ab und durfte auf harter Oberfläche mit Geklapper bis zur Querung am Geländeeck in die „Narrenböden“ abfahren. Der Versuch so hoch wie möglich zu bleiben endete mit sehr steilem Gelände und rd. 2.400m als tiefstem Punkt, mit dem ich als Ergebnis zufrieden war. Bei diesem Teil kamen mir die bewölkten Verhältnisse wieder zugute, denn bei nicht gefrorener Schneedecke muß man das in einer Hangneigung von kurzzeitig an die 40° nicht unternehmen.

schöner Blick auf den Rietzer Grießkogl

Die Narrenböden stellt man sich am besten als breiten Talkessel vor, an dessen Ende sich ein mittelsteiler Hang befindet, der entweder nach Osten, oder, steiler, nach Nordosten aufgestiegen wird. Einige der mittlerweile eingetroffenen Tourengeher verwendeten Harscheisen.

bereits in den Narrenböden mit dem Ziel, dem Rietzer Grießkogl im Blick

Oberhalb der Stufe wird das Gelände etwas flacher und bald wird der Blick zur weit westlich gelegenen Scharte frei, von der aus der Grat nach Osten zum Rietzer Grießkogl begangen wird.

nach der Steilstufe den Grat mit der Scharte in Sicht

Am Weg dorthin kokettierte ich mit einer noch steileren Scharte etwas östlich gelegen. Da jedoch so viele Tourengeher unterwegs waren und die Verhältnisse auch nicht optimal unterließ ich den Versuch näher am Gipfel auf den Grat zu gelangen. Die letzten 60Hm waren auch am Normalweg steil genug, ohne Harscheisen und bei harten Oberflächenbedingungen.

Schidepot am Grat

Von der Scharte bis zum Gipfel des Rietzer Grießkogls benötigt man an die 20min und der Aufstieg erfolgt auf breitem Gratrücken. Der Gipfelaufbau ist als Schitour etwas felsig und teilweise gefroren, jedoch bestehen genug Haltemöglichkeiten.

kurz vor dem Gipfel des Rietzer Grießkogl

Um eine Ecke gebogen schwingt man sich aus dem eisigen Nordanstieg in das apere Felsgelände in der Südflanke und steht sogleich schon am Gipfel.

Den Rietzer Grießkogl mit seinen 2.884m würde man gar nicht so beachtlich hoch einschätzen, steigt man ja im Kühtai von einer Höhe von 1.860m auf, hat also sozusagen gerade einmal einen 1.000er erklommen. Betrachtet man aber den Blick nach Norden, dann erscheint die Höhe des Gipfels im richtigen Licht, denn auf dieser Seite steht man knapp 2.250m über dem Talgrund des Inntales. Ein als Schitourenziel einfacher Berg, jedoch in seiner Wirkung auf den Besteiger ein bedeutender.

Rietzer Grießkogl, 2.884m

Die vielen Aspiranten auf den Gipfel sind plötzlich hinter und unter mir verschwunden, ich stand 20min alleine auf dem Gipfel und war dem Erlebnis nicht gram. Das gewaltige Gipfelkreuz aus dem Jahre 2003 ist nach meiner ersten Begehung erneuert worden und leider bereits durch das Wetter gezeichnet.

Autor am Rietzer Grießkogl

Die Sicht nach Norden war die erbauendste an diesem Tag, denn im Außerfern – wo das schlechteste Wetter an diesem Tag erwartet worden war – schien die Sonne. Es schien, daß mit den Kalkalpen im Norden eine scharfe Wettertrennung stattfand, denn alles südlich des Inn war Aprilwetter grau in grau und nördlich davon weitgehend blau.

Aufstiegsgelände unterhalb des Rietzer Grießkogls

Nun, angesichts des schönen Gipfels konnte ich diesen kleinen Makel des Tages im Vergleich zur sonnigen Tour auf den Zwieselbacher Roßkogl am Vortag wegstecken und nachdem die Schneequalität bei der Abfahrt dem rein alpinistischen Erleben nur sekundäre Bedeutung zukommen läßt war auch dieser Umstand für den nichtpulversüchtigen ein leicht ertragbarer.

nach Osten, nach Innsbruck geblickt

Nach dem hinunterklappern bis zu den Narrenböden löste sich auch das Schneeproblem, das für mich nie eines ist, denn es wurde dort am späten Vormittag weich genug.

von rechts, Kreuzjochkogl, darunter links Mitterzaigerkopf und dahinter (leicht links der Bildmitte) in weiß der Pirchkogl

Die Hänge von den Narrenböden bis zur Bundesstraße sind wirklich vielfältig zu befahren, nach Lust und Laune geht es über die Hänge hinab und es gilt noch nicht einmal die Minimierung von Höhenverlust, auch wenn es vom Talende zuerst so aussieht, als wäre dies taktisch klug.

nochmals der überwechtete Mitterzaigerkopf von den Narrenböden bei der Abfahrt

Über das flach erscheinende Stück der „Sömen“ und weiter durch den lichten Baumbestand geht es zurück zur Bundesstraße.

Ankunft bei der Kühtaistraße

Für die kurze Spritztour habe ich bei gesamt 1.360m Aufstieg 4:20 Stunden benötigt und dabei in Summe eine halbe Stunde auf den Gipfeln zugebracht.

Mils, 15.04.2018

 

Acherkogel über Maningkogel am Nordostgrat

Eine Klettertour im Urgestein, im festen Fels und zumeist direkt am teilweise sehr luftigen Grat, das ist der Anstieg auf den Acherkogel über Maningkogel am Nordostgrat.

Im letzten Drittel der Grattour

Schöne Risse und Kamine durchziehen den langen Grat – sie bilden eine abwechslungsreiche Klettertour zumeist zwischen dem oberen zweiten und dem dritten Grad. Eine recht glatte Platte direkt am Grat, die horizontal gequert werden muß bildet eine Stelle im vierten Grad. Hier ist vor allem eine gute Reibungstechnik gefragt, falls die Bergschuhe dazu geeignet sind.

der Acherkogel und sein Nordostgrat vom Parkplatz aus gesehen

Thomas und ich verließen den Parkplatz genau bei der Dammkrone des unteren Stausees im Kühtai um 8:40 Uhr und strebten dem Talkessel im Mittertal zu. Hier beginnt der Grat bei einem farbenfrohen kleinen Bergsee.

Aufstieg ins Mittertal

Der Aufstieg führt durch eindrucksvolle alte Zirbenbestände und wer weiß, daß ein ca. 30cm im Durchmesser messende Zirbe bereits an die 250 Jahre alt ist, schätzt den Anblick der Giganten von Zirben auf dem Weg ins Talhinterste.

grandiose Landschaft im Mittertal, unsere Tour führt uns auf den äußerst rechten Gipfel

Nicht ganz eineinhalb Stunden dauerte unser Aufstieg bis zum Fuß des Nordostgrates zum Maningkogel.
Der Einstieg in die Kletterei beginnt in angenehmer Steilheit und in leichtem Klettergelände auf etwa 2.500m.

Anseilplatz beim Einstieg

In etwa nach 100Hm trifft man auf die Stelle mit der glatten Platte links (südlich) des Grates und nach zwei kurzen Minuten gäbe es dem Topo zufolge nochmals eine gleich schwere Stelle.

Einstieg

Unser Eindruck der zweiten Stelle war aber, daß sie leichter ist. Gesichert werden kann in diesem Bereich gut, es sind genügend Bohrhaken vorhanden und wir setzten ein paarmal Friends zur Unterstützung der Länge. Vor allem im plattigen Teil etwas unterhalb des Gipfels des Maningkogel tut ein Friend gut und wer die Platte mittig klettert erkennt einen alten Friend, der nicht lösbar ist, zur Sicherung aber taugt.

nach 20min Kletterei

Man möge die 300Hm bis zum Maningkogel nicht unterschätzen. Trotz der eher leichten Kletterei fordert jeder Teilabschnitt einiges an Kondition ab und die Sicherungen mit der doch hohen Reibung am Seil erfordert auch etwas an Armarbeit.

kurze Querung mit Schwierigkeit VI

Den Maningkogel ziert kein Gipfelkreuz, eine Markierungsstecken im Steinmandl ist die Huldigung für diesen Zwischengipfel.

Gratverlauf über weite Strecken

Vom Maningkogel aus kann man den weiteren Verlauf zum Acherkogel gut erkennen und nach dem Gipfel geht es zuerst gut 40Hm hinab in die tiefste Einschartung.

Thomas am Maningkogel

Der Beginn der zweiten Etappe ist von angenehmer flacher Kletterei geprägt.

horizontaler Teil am Grat zum Acherkogel

Es folgt dann gleich eine Abfolge von Kaminen und Rissen im dritten Grad, die teilweise auf der Nordseite angegangen werden.

Thomas am Ende der ersten Passagen im dritten Grad am Acherkogel

Den Abschluß der schwierigen Stellen bildet eine recht glatte Platte mit einem Bohrhaken in Gratnähe inmitten der Platte (Fotos von Thomas unter mir).

Platte am Beginn des letzten Drittels im Aufstieg zum Acherkogel über den Nordostgrat

Nach dieser Stelle geht es noch einmal kurz in die Nordflanke mit einer nicht leichten Stelle. Weiter oben erkennt man dann eine breite leichte Rinne die ein weiters Mal rechts vom Grat in die Nordflanke führt, sie ist jedoch nicht direkt in der Flanke sondern zu dieser begrenzt. Diese Rinne kann man schon von weit unten aus erkennen.

Die restlichen zwei bis drei Seillängen bis zum Gipfel sind im zweiten Grad mit wenig klettertechnischer Herausforderung leicht zu begehen.

Thomas knapp vor dem Ende des letzten schwierigen Teils

Manche Stellen sind dabei noch leicht ausgesetzt.

den Gipfel des Acherkogels 3.008m erreicht

Am Gipfel gibt es kein Gipfelkreuz, dieses befindet sich am Signalgipfel etwas westlicher, durch zwei Einschartungen getrennt.

der Autor am Acherkogel 3.008m

Der Ausblick vom Acherkogel, dem nördlichsten Dreitausender der Stubaier Alpen auf die Giganten der Hauptgebirge der Stubaier und in die Ötztaler Alpen ist grandios. Von Zuckerhütl bis zur Wildspitze, viele wichtige, schöne Gipfel am Präsentierteller.

Blick Richtung Zuckerhütl

Der naheste Gletscherrest ist jener des Larstigferners der durch den Sattel den Blick auf das 29km entfernte Zuckerhütl freigibt, jener begrenzt von links dem gewaltigen Schrankogel.

Blick Richtung Wildspitze

Noch gewaltiger der Blick zu den Granden im Ötztal, die Entfernung zur Wildspitze kann auf der AV-Karte, vorbei an der Hohen Geige (der höchste „schwarze“ Gipfel linkerhand im Bild), mit 34,5km nachgemessen werden.

Thomas am Verbindungsgrat zum Signalgipfel des Acherkogel mit Gipfelkreuz

Der Abstieg Vom Acherkogel durch seine steile und brüchige Nordwand ist ein Unternhmen, bei dem Vorsicht geboten ist. Weniger wegen der klettertechnischen Herausforderungen, vielmehr wegen der teilweise hohen Brüchigkeit des Felses auf der mit roten Punkten markierten Route.

Abstieg vom Acherkogel in dessen Nordflanke

Weiter unten absteigende Bergsteiger können kaum eingesehen werden und die Route führt zwar stetig leicht nach Westen, lange Teile jedoch sind bei Steinschlag gefährdet.

Nordflanke des Acherkogel

Im gesamten würde ich den Normalweg zum Acherkogel durch seine Nordflanke nur dann empfehlen, wenn sich nicht zu viele Bergsteiger darin befinden, also zeitig am Morgen, oder spät am Nachmittag.

Rückblick auf den kurzen Verbindungsgrat zwischen Maningkogel und Acherkogl

Da wir die letzten an diesem Tag waren konnten wir mit etwas zügigerem Tempo absteigen und haben dennoch keinen Steinschlag verursacht. In etwa eine halbe Stunde kostete uns der Abstieg bis zum Geröllfeld darunter, in dem es deutlich freundlicher wird.

Blick auf das Ziel zum Abstieg ins Mittertal, die Maningscharte

Der Rückweg ins Mittertal wird vom Acherkogel am schnellsten, am besten über die erste und gleichzeitig tiefste Einschartung im Verbindungsgrat nach Norden genommen, die Maningscharte.
Nach Erreichen des horizontalen Teiles der der Acherkogel-Nordflanke vorgelagerten Geröllstufe wird nicht am Normalweg zum Mattingsee, sondern in Richtung Maningscharte abgestiegen. Steinmandln begleiten über die Geröllblöcke bis zur Steilstufe und teilweise in der Steilstufe. Ein wenig Orientierungsvermögen ist vonnöten, bzw. zu schnelles Absteigen führt vielleicht in ungangbare felsige Passagen.

Rückblick in die steile Nordflanke des Acherkogels

Von der Maningscharte führt jenseits ein Steiglein bis zu den Geröllhalden des Maningkogel hinab und über 15min Blocksteigerei kommt man wieder auf den Normalweg, der vom Mittertal über die über die Mittertalscharte führt.

am Weg zur Maningscharte

Zum Abschluß hat es uns im Mittertal noch 10min lang ordentlich eingewässert und gegen Ende des kurzen Gewitters durften wir die Mächtigkeit der Natur durch – gottseidank kleinkörnigen – Hagel, der nur an den blanken Beinen schmerzhaft war, erleben.

Maningscharte erreicht, Helm weg.

Eine gewaltige Tour inmitten einer grandiosen Landschaft, auf einem ausgesetzten Grat in moderater durchschnittlicher Schwierigkeit und ein aussichtsreiches, lohnendes Ziel.

Abstieg von der Maningscharte ins Mittertal

Der Frühe Start wird geraten, ein Gewitter sowohl am Grat als auch am Abstieg durch des Acherkogels Nordflanke dürfte kein erstrebenswertes Erlebnis sein.

kurz vor dem Gewitter, Rückblick auf den Maning- und den Acherkogel

Wir haben gesamt gut 8 Stunden benötigt, davon mit durchgehender Sicherung für den ca. 580m hohen Aufstieg am Nordostgrat knapp 4 Stunden.
Für die Planung ist mit einer Gesamtzeit von 8 1/2 bis 9 1/2 Stunden zu rechnen, die Länge der Tour beträgt knapp 12km horizontal und 1.200Hm vertikal.

Mils, 26.08.2017

Schitour Pirchkogl und Hochalter

Die kleinen 850Hm vom Parkplatz oberhalb der Dreiseenbahn bis auf den Pirchkogl erschienen etwas gar wenig und darum habe ich die schöne Tour mit einem zweiten Ziel, dem Gipfel des Hochalter, kombiniert.

Pirchkogl, 2.828m Hauptgipfel vom nördlichen Vorgipfel aus gesehen

Diese Kombination stellt auch keine außergewöhnliche Mehrarbeit dar, der zusätzliche Aufstieg beträgt gerade einmal 280Hm, bzw. je nach Schneelage im Frühjahr vielleicht sogar geringfügig mehr.

das Ziel im Hintergrund, der Pirchkogl

Die Wetterlage – ein makelloses Zwischenhoch nach massiven Schneefällen zu und nach Ostern im heurigen verkorksten Winterfrühjahr – erforderte unbedingtes Ausrücken bei ungetrübt blauem Himmel. Im Aufstiegsgelände auf der Piste, nördlich der Bundesstraße in Kühtai war kaum ein dunkler Fleck zu erkennen, die Schneefälle der letzten Tage waren ausgiebig genug.

die Finstertalseite um 9 Uhr vormittags

Kaum ein spürbares Lüftl begleitete mich nicht nur nach der ersten Steilstufe über die „Stockacher Böden“ sondern auch den ganzen Tag über.
Die Lifte geschlossen, der Winterrummel versiegt, in herrlicher Ruhe mühten sich heute Vormittag, ja man kann sagen Dutzende, Tourengeher auf das Ziel, dem Pirchkogl.

der Hochalter, zweites Tagesziel heute

Die Beschreibung der Tour kann kurz gehalten werden, da sie nach Erreichen der Bergstation des Schwarzmoos Schleppliftes nahezu zur Gänze einsichtbar ist. Der zu bewältigende Anstieg von dort liegt in einer breiten Rinne und erreicht in etwa mittig, im schmalsten Teil der Rinne,  seine größte Steigung mit etwa 35°, über eine kurze Strecke.

der vom Tal aus nicht sichtbare Anstieg zum Pirchkogl

Oberhalb dieser Passage befindet sich ein kleines Plateau und generell wird der Restanstieg über die weiteren ca. 150Hm etwas flacher. Der rundlich breite Gipfel bleibt ab dort immer im Blickfeld, während der letzten Serpentinen des Anstieges.

Gelände oberhalb der Flachstelle

Den höheren Gipfel ziert leider kein Gipfelkreuz, dieses befindet sich etwa 25m tiefer, möglicherweise der Sichtbarkeit vom Tale wegen auf dem etwas nördlich davon gelegenen Vorgipfel. Natürlich muß dieses auch besucht werden, kein Gipfelsieg ohne Berühren des Kreuzes (hierzu kann man auch aufgefellt vom Hauptgipfel abfahren und mit Fellen somit wieder den Gegenanstieg überwinden.

der Vorgipfel im Norden, vom Pirchkogl aus

Der schöne Osthang vom Pirchkogl war heute schon recht zerfahren, aber auf der südlich gelegenen Nordflanke des Hinteren Grießkogl fanden sich noch ein paar schöne Schwünge zum Karkessel hinab.

Inntalblick vom Vorgipfel aus, Kloster Stams tief unten

Die reine Tour auf den Pirchkogl würde hier wieder auf den Pisten des Schigebietes nach Kühtai hinunterführen. Da der Tag nach diesem kurzen Tourenerlebnis jung ist kann man – bei zweifelsfreien Bedingungen – den Hochalter mitmachen und zur Hütte im Westen abfahren und erreicht diese fast ohne anschieben. Die Hütte ist eine Limnologische Forschungsstation am Gossenköllesee der Uni Innsbruck und liefert seit Jahrzehnten wichtige Daten zum Klimawandel.

Rückblick vom tiefsten Punkt am Anstieg zum Hochalter

Bei der momentanen Schneelage mußte ich noch weitere 20 bis 30m Höhe einbüßen, um den aperen Teil des nun folgenden Rückens (ein Gratausläufer vom Punkt 2.757m nach Süden herab) zum Hochalterkar unten zu umrunden.

dieser Rücken zum Hochalterkar muß überwunden werden

Recht steil geht es anschließend rund 50Hm hinauf zum Hochalterkar, das rasch nordwestwärts durchschritten wird, bis die Bergstation des Hochalterliftes erreicht wird.

Hochalterkar mit Hochaltergipfel

Von dort kann durch die Lawinenverbauungen bis zum letzten Teiles des Steilhanges zum Gipfel angestiegen werden. Nach den Lawinenverbauungen hält man sich knapp unter den Felsen und muß unterhalb des Gipfelaufbaues den Steilhang queren. Hierzu sind sichere Verhältnisse notwendig.

steiler Anstieg zum Hochalter durch Lawinenverbauungen

Die Alternative wäre, daß vom Hochalterkar aus nicht weiter angestiegen wird, sondern über die Piste bis zu einer kleinen Flachstelle des Steilhanges gequert wird und von dort der Gipfelhang ebenfalls in Spitzkehren in Angriff genommen wird. An Steilheit steht diese Variante aber der anderen nichts nach, daher ist ein früher Aufstieg ratsam und Vorsicht bei zweifelhaften Verhältnissen geboten.

Gipfel des Hochalter, 2.768m

War man eine gute Stunde vorher noch am Westlichen Ende steht man nun am östlichen Ende der Irzwände und kann diese bizarren roten Erscheinungen von Amphibolit (selbes Vorkommen auch tief im Ötztal) in ihrer vollen Pracht betrachten. Der Gipfel ist nicht sehr populär und, ob der Steilheit, auch nicht jedermanns Sache, weswegen ich ihn alleine für mich in Anspruch nehmen durfte.

Schartlestal nördlich nach Stams hinab

Der Blick vom ebenfalls nicht mit einem Gipfelkreuz gezierten Hochalter nach Norden eröffnet Einsicht in ein wunderbares Tal, das von Stams heraufzieht und in dem es die Rundtour vom Pirchkogl über das Schneetal und um den Rücken des Hochwanner herum gibt und deren Anstieg aus Norden auf dem ebenfalls sichtbaren Kreuzjoch wieder in das Kühtai herüberführt. Vom Kreuzjoch kann auch der Hochalter begangen werden (eher nur bei Firn im Frühjahr), die Normalvariante der Umrundung endet bei den Lawinengalerien der Zirmbachalm.

Blick in die Zirmbachalm mit Riezer Grießkogl und Anstieg vom Kreuzjoch (links vom Bild nicht mehr sichtbar

Der Schi habe ich mich im Sattel vor dem Gipfelaufbau entledigt und die letzten 40Hm zu Fuß bewältigt, da der Hang ab dort schon sehr steil ist und der Aufstieg mit Schi kein Vergnügen ist.

Schidepot und Abfahrtsgelände vom Hochalter

Also hinab zum Schidepot und abgefahren über den Steilhang, der unten flacher wird und einen Rücken ausbildet, der am zuvor beschriebenen flachen Köpfl endet. Von hier kommt man scharf westlich wieder zur Schipiste und hinab nach Kühtai.

Abfahrt vom Hochalter im Rückblick

Die schöne Runde nahm incl. Besuch des Vorgipfels am Pirchkogl knappe 4 Stunden in Anspruch, dabei wurden gut 1.170Hm bewältigt.

Mils, 20.04.2017

 

Schitour Kraspesspitze – von Kühtai über Schartenkopf

Auf einen knappen Dreitausender führt die Schitour auf die Kraspesspitze und eine besonders reizvolle Variante davon ist die Begehung über die Finstertaler Scharte, bei der man auch den Schartenkopf mitnehmen kann.

Kraspesspitze 2.953m, im Hintergrund Horlachtal nach Niederthai

Diese Tour kombiniert man am besten mit der Abfahrt von der Kraspesspitze über das gleichnamige Tal nach Haggen; diese Tour stellt sozusagen eine kleine Überschreitung dar, wenn auch keine direkte Gratüberschreitung.

Bei der Dammkrone, der Schartenkopf knapp rechts der Bildmitte zu sehen, die Kraspesspitze beleuchtet in Bildmitte des linken Bildteiles

Nach den ergiebigen Schneefällen um und nach Ostern kam diese Tour heuer in jedem Fall noch in Frage, auch wenn über 2.800m LWS III angesagt war. Die Hangneigungen im Aufstieg sind moderat. Lediglich die Abfahrt durch die Steilrinne östlich der Scharte nach dem Gipfelaufschwung und die Steilstufe nach dem Kraspessee erfordern sichere Verhältnisse. In unserem Fall waren diese Hänge sehr stark zerfahren, sodaß sie als wenig gefährlich eingestuft werden konnten.

Abzweigung am Schafleger beim sichtbaren Tourengeher nach links zur Finstertaler Scharte

Um 7:30 ab der Bundesstraße oberhalb des Dreiseenliftes und bei strahlendem Wetter aufgebrochen erreichten wir noch im Schatten die Dammkrone des Stausees und dessen hinteres Ende. Bis hierher waren die Schneeverhältnisse bereits perfekt, wenn auch noch etwas hart.

nach der Steilstufe am Schafleger nun am Beginn des Kessels zur Finstertaler Scharte

Kurz nach dem Beginn des Schaflegers, der aufsteigende Hang am Südende des Stausees, zweigt die Tour von der geraden Linie durch das Tal des Gamezkogelferners und auf den Sulzkogel links ab und führt in Spitzkehren nach Ost drehend in eine Art Hochtalkessel, der den Tourverlauf dann in weitem Bogen wiederum nach Süd und am Ende – an der Finstertaler Scharte angelangt – nach West vorgibt.

Aufstiegsgelände im Kessel, in Bildmitte die Finstertaler Scharte

Wir sind am Ende des Kessels dabei recht weit an den umrahmenden steilen Hängen – der bereits breit angelegten Aufstiegsspur gefolgt – und am Ende in einer steilen Querung aufgestiegen. Bei entsprechender Lawinengefahr kann man den Kessel auch weiter in seiner Mitte begehen und der steilen Querung etwas ausweichen.

Aufstieg unterhalb der Wände in steilen Hängen

Auf der breiten Finstertaler Scharte gibt es nun die Möglichkeit den Anstieg über ca. 70Hm auf den Schartenkopf mit zu machen, bevor jenseits der Scharte über die „Toten Böden“ eine kurze Abfahrt über ca. 80 bis 100Hm vonnöten ist, um um den Gratrücken zu umfahren, der den Beginn des Aufstieges zur Kraspesspitze in einem weiten, mäßig steilen Tal bildet.

in der Finstertaler Scharte zum Schartenkopf geblickt

Der Schartenkopf (die Literatur und das Internet wetteifern darum, ob Schartenkopf oder -kogel; in diesem Bericht wurde für die AV-Variante entschieden)  ist ein gipfelkreuzloser flacher „Kopf“ von dem aus sich eine recht schöner Rundblick auftut und die kleine Mühe deshalb nicht gescheut werden soll. Weiters wird das Abfellen für die Abfahrt etwas weniger als lästiger Aufwand empfunden, als wenn diese Handgriffe „nur“ für die kurze Abfahrt von der Scharte zu erledigen wären.

Das „Weite Kar“ im Süden von der Scharte aus

Vom Schartenkopf aus nach Süden geblickt eröffnet sich ein eindrucksvoller Blick auf das breite, lang und mächtige Zwiselbachtal mit der Schweinfurter Hütte zu Beginn und gewaltigen Gipfeln von Dreitausender wie Winnebacher Weißkogl, Larstigspitz und Breiter Grießkogel, zu dessen Ende.

Tolle Blicke nach Süden in das lange Zwiselbachtal mit den mächtigen Gipfeln am Ende

Die bergsteigerisch wenig bedeutenden, dennoch aber von schön anzusehenden, plattigen Felsgestalten gebauten drei Gamezkögel werden im Westen gesichtet und etwas nördlicher, tief unter dem Schartenkopf liegt einem das Finstertal und der Gamezkogelferner zu Füßen. Der östlichste der drei Kogel, über einen leichten Grat an den Schartenkopf anschließenden,  ist das von der Staumauer schon markant sichtbare Gamezkögele, oder, treffender genannt, der Finstertaler Fernerkogel.

die Gamezkögl und rechts der Sulzkogl

Eine kurze Abfahrt vom Schartenkopf über die Finstertaler Scharte führt zum unteren Ende des Gratrückens, der von einem Felssporn im Verbindungsgrat zur Kraspesspitze herunterzieht. Die Geländehöhe unterhalb des Gratendes, um den man herumgehen muß, beträgt ca. 2.680m und somit verbleiben zum Gipfel der Kraspesspitze ca. 270Hm Aufstieg.

Finstertaler Scharte und Abfahrt zum Tiefpunkt im Weiten Kar

Das seinem Namen gänzlich Rechnung tragende „Weite Kar“ betritt man an dieser Stelle an seinem Hochpunkt und sieht gerne in das weit unten zur Zwiselbachalm mündende Hochkar.

Weites Kar in voller Pracht

Von hier beginnt der Aufstieg zur Kraspesspitze mit dem Auffellen im steilen Hang, das bei genügend Neuschnee durch treten eines Standplatzes kaum Mühe bereitet.

Aufstiegspunkt im steilen Hang unterhalb des Gratausläufers

Die steile Passage ist nach ein paar Minuten überwunden wenn ein unerwartet ausgeprägtes Flachstück erreicht wird, das einen talähnlichen Beginn des nachfolgenden ungebrochen recht konstant steigenden Hanges bis zum Gipfelkreuz der Kraspesspitze bildet. Diesen schönen Hang, der bei nicht sicheren Verhältnissen der Rinne ins Kraspestal als Alternative dient, sieht man auch im Aufstieg eindrucksvoll von seiner Seite von der Finstertaler Scharte aus und man kann sich von dort schon ausmalen, wie schön sowohl Aufstieg, als auch die Abfahrt im Vormittagslicht sein wird.

Aufstieg zur Kraspesspitze im Zoom

Zur Linken die Langschrofen, zur Rechten der Grat zwischen Weitkarspitzen und Zwiselbacher Roßkogel steigt man dem Ziel entgegen. im ersten Drittel des Grates nach Süden konnten wir von einer Scharte über eine der breiteren Rinnen des Grates kühn herabziehende Schispuren sichten, wonach sich also ein Duo die offensichtliche Kletterei von der Scharte bei der Kraspesspitze über die Weitkarspitzen und weiter bis zum Einstieg in die Rinne angetan hat. Oder es gibt einen Zugang von Osten.

im flachen Teil des Aufstieges zur Kraspesspitze

Am Gipfel der Kraspesspitze angekommen schlugen uns jene schon beim Aufstieg spürbaren unangenehm kalte Windböen von Süd entgegen, die einen gemütlichen Gipfelaufenthalt vereitelten. Also gab es lediglich das Gipfelfoto und ein paar einprägende Blick in alle Himmelsrichtungen, einen Gipfelschnaps und das Abfellen zu erledigen.

der Hang zur Kraspesspitze den man auch schon von der Finstertaler Scharte markant sehen kann

Sehr eindrucksvoll der Blick in Richtung Südsüdwesten über den großen Kessel des Kraspesferner hinweg der Lisenser Fernerkogel in 11km Entfernung, links davon die Rotgrubenspitze und rechts davon der Aufbau zum Zwiselbacher Roßkogel.

Blick auf den Kraspesferner mit Lisenser Fernerkogel in weiter Ferne und rechts der Zwiselbacher Roßkogl

Der Blick in die steile Abfahrtsrinne ins Kraspestal hinab zeigte schon genügend Spuren und die Rinne selber schien total zerfahren, weswegen wir auch beschlossen die geplante Rundtour fortzusetzen und die Abfahrt ins Kraspestal anzugehen.

Abfahrt über die steile Rinne und den Osthang ins Kraspestal

Mit klammen Fingern vom kalten Wind beim Abfellen, selbst nach der nur kurzen Weile von kaum einer Viertelstunde am Gipfel, ging es hinab zur Einschartung und zum Beginn der steilen Rinne ins „Wilde Kar“ hinab auf 2.910m.

Abfahrt durch den unteren Teil der steilen Rinne in das Wilde Kar

Die völlig zerfahrene Rinne, unten ein Couloir, hat ihre Ausrichtung nach Osten und erfährt somit nur in den Vormittagsstunden Bestrahlung mit einem für die Schneeverhältnisse ungünstigen Winkel und um dreiviertel zwölf Uhr erschienen die Verhältnisse gut geeignet für die Abfahrt.

Rückblick auf die steile Rinne vom oberen Teil des anschließenden Hanges

Der Schnee in der Rinne trotzdem etwas pappig, besserte sich weiter unten im breiteren Teil der Rinne beträchtlich, bis am Hang unterhalb der Schrofen schließlich wirklich toller Lockerschnee einige schöne Schwünge zuließ.

das Wilde Kar mit Blick ins Kraspestal und Haggen im Hintergrund

Im flacheren Teil des Wilden Kares bis unterhalb des Krapsessees und der nächsten Steilstufe herrschten dann firnige Verhältnisse mit gut tragfähiger Unterlage, was die weitere Abfahrt genüsslich gestaltete.

Die Abfahrt in das Wilde Kar in der Gesamtansicht im Rückblick

Die Steilstufe am Ende des Kraspestales war wieder geprägt von eher lockerem Schnee und unterhalb im flachen Talende begann dann – mit Ausnahme in der unbeleuchteten Enge der Zwinge-  wieder Firn bis zum Talanfang nach Haggen.

Querung der Steilstufe

Gefahren werden konnte gerade bis 200m vor die Alm in Haggen, der Weg im Lärchenwald war allerdings schon sehr steinig und mit jungen Schi sollte man hier eher Mitleid haben uns sie schultern.

die „Zwinge“ von unten betrachtet

Für die tolle Runde benötigten wir 5 1/4 Stunden, wobei die Aufenthalte auf beiden Gipfeln recht kurz ausfielen und kaum Trinkpausen eingelegt wurden.

Ausfahrt aus dem Kraspestal

Die Runde erstreckt sich über 1.150m vom Parkplatz Kühtai bis auf die Kraspesspitze mit dem kleinen Höhenverlust durch die Abfahrt nach der Finstertaler Scharte. Der Anstieg vom Parkplatz Kühtai auf den Schartenkopf beträgt lediglich 854m.

Kraspestal, die Kraspesspitze ist die zweite von rechts

Vorsicht: der rot gezeichnete Sommerweg im Kartenausschnitt in der Bildergalerie und die Bezeichnung „Kraspesspitz“ sind nicht richtig gezeichnet, es handelt sich dabei um die Nördliche Weitkarspitze /2.248m), der Gipfel der Krapesspitze (2.953m) ist etwas nördlich davon und die steile Rinne ist punktiert – für Steigspuren gekennzeichnet.

Mils, 22.04.2017

Neunerkogel 2.642m, Pockkogel, 2.807m und Gaißkogel, 2.820m – Überschreitung

Die Runde über diese drei mittelhohen Gipfel führt teils in leichtem Kammgelände, teils in schöner, leichter Gratkletterei über das Hochtal, die diese drei letzten Gipfel des gewaltigen Kammes der südwestlichen Sellrainer Berge um den oberen Plenderlesee bilden.

Panorama Gaiskogel-Neunerkogel

Nahezu als Tagestour steigt man von Kühtai auf, über den Steig zum Finstertaler Stausee, als Halbtagestour starteten Simon und ich von der Bergstation der Drei-Seen-Bahn und mußten zuerst neben einer Haflingerfamilie mit Fohlen rund 100Hm absteigen, um den nordwestlichen Ausläuferkamm des Neunerkogels herum, bis wir den Stausee erreichten.

oberer Plenderlesseee mit Neunerkogel

oberer Plenderlesseee mit Neunerkogel

Von dort geht es dann über den Steig in leichtem Gelände bis zum Gipfel des Neunerkogels weiter. Der Aufstieg von der Bergstation bis zum Gipfel des Neunerkogel dauerte für uns in gemütlichem Tempo genau eine Stunde. Da die morgige Tour auf die Kaltwasserkarspitze im Karwendel eine konditionelle Herausforderung sein würde, war Gemütlichkeit auf dieser kurzen Grattour über die drei schönen Gipfel im Kühtai angesagt.

hier geht es vom Weg auf den Steig über

hier geht es vom Weg auf den Steig über

Die Aussicht vom 2.642m hohen Neunerkogel ist der kurze Aufstieg wirklich wert, er steht mitten im Geschehen zwischen dem Kühtai und den südlich gelegenen Giganten des Stubai.

Neunerkogel, 2.642m

Neunerkogel, 2.642m

Weiter ging es zuerst mit einem ca. 50Hm tiefen Abstieg in den Sattel zwischen Neunerkogel und dem südöstlich anschließenden Pockkogel. Hier befindet man sich knapp unter 2.600m und hat dann gut 200Hm zum Gipfel des Pockkogel, der auf 2.807m liegt.

ein erster steilerer Aufschwung vor uns

ein erster steilerer Aufschwung vor uns

Der Aufstieg vom Tiefpunkt ist der schwierigste Abschnitt der gesamten Runde. Ein Teilstück davon bildet einen schärferen Grat, als er auf der restliche Strecke anzutreffen ist.

ein schönes Stück Grat hinter uns

ein schönes Stück Grat hinter uns

Wir sind im unteren Teil nach links, in die nordöstliche Flanke auf die Seite zum Oberplenderletal hin ausgewichen und kurz vor dem Steilaufschwung, ca. auf 2.680m, den man ohne technische Hilfsmittel kaum erklettern kann, nach Südwesten, über den Grat hinweg in eine Verschneidung, deren Aufstieg – wieder zu Grat hinauf – über ein breites jedoch steiles und schuttiges Band führt.

der Aufschwung mit der Schlüsselstelle vor uns

der Aufschwung mit der Schlüsselstelle vor uns

In diesem Band findet man bei Nässe wenig Halt mit den Schuhen am wenig griffigen Fels und diese Stelle stellt bei Nässe sicher eine nicht einfache Stelle dar. Da die Ausrichtung des Grates im Gesamten am Vormittag genau im Schatten liegt muß man damit rechnen, daß es dort sehr rutschig ist. Nach dem Wetter dieser Wochen trafen wir genau auf solche Bedingungen und die Stelle – keine Herausforderung im Normalfall – war nicht einfach zu meistern.

nach der Schlüsselstelle

nach der Schlüsselstelle

Von 2.700m bis zum Gipfel des Pockkogels zieht sich dann der wenig ausgeprägte Grat hinauf, man steigt ohne weitere Schwierigkeiten vorwiegend in Bergwiesen und oben in Blockwerk zum kleinen Gipfelplatteau auf.

Pockkogel, 2.807m

Pockkogel, 2.807m

Der Pockkogel, 2.807m ist zu Ehren des Gründers der Wilden Bande, Julius Pock benannt worden. Er, in der Wilden Bande „Spitz“ benannt, war im ausgehenden 19. Jahrhundert auch der hauptsächliche Erschließer dieser Region am Ende des Sellraintales, das Kühtai im heutigen Sinne mit Straßen und Infrastruktur gab es um 1876, als er mit seinen Gefährten Carl Wechner und Bernhard Tützscher die Erstbesteigung durchführte, noch nicht.

weiterer Gratverlauf zur Gaißkarscharte

weiterer Gratverlauf zur Gaißkarscharte

Vom höheren Pockkogel aus gewinnt die Fernsicht in das Tiefste der Stubaier Dreitausender noch einmal an Schönheit und von der Hohen Villerspitze, über Lisenser Fernerkogel bis zum Acherkogel.

Gipfelaufbau Pockkogel von Südosten

Gipfelaufbau Pockkogel von Südosten

Über Täler hinweg konnte man heute mit wenig Bewölkung, jedoch Thermiknebel um die Gletscher den Hinteren Brunnenkogel und den Breitgrießkogel erahnen.

herrliche Formen

herrliche Formen

Der Gratverlauf vom Pockkogel hinunter in die nächste Scharte ist mit einem Klettersteig ab dem Oberplenderle durchzogen. Wir nutzten die Abstiegshilfe nur teilweise, im südwestlichen Teil ist sie in einer fast senkrechten Verschneidung sehr hilfreich im Abstieg.

einzig ernstes Stück am Abstieg vom Pockkogel

einzig ernstes Stück am Abstieg vom Pockkogel

Das Ötztal-Stubai-Kristallin mit den verschiedenen Gneisen, meist blockig und gut geklüftet, eignet sich hervorragend für Klettereien am Grat. Meist nicht sehr schwierig, aber oft auch auf Reibung angewiesen geht es am unteren Teil entlang.

Rückblick

Rückblick

Danach folgt ein steil in das Oberplenderle abfallender Grat. An seinem Ende steigt man an der Seite einer Vertiefung im breiter werdenden Gelände mit einem ca. 20m im Durchmesser messenden Vergletscherungsrest, an dessen Rändern man erkennen kann, daß sie erst einige Jahrzehnte frei von Eis und Schnee liegen. Sie sind nicht mit Flechten bewachsen, wie es die weitere Umgebung ist.

ausgeaperte kleine Vertiefung der ehemaligen Vergletscherung

ausgeaperte kleine Vertiefung der ehemaligen Vergletscherung

Anschließend erklimmt man ein kurzes, wenig scharfes Gratstück und an dessen Ende geht es schon wieder hinab in die Gaißkogelscharte. Man erreicht sie in ca. 15 – 20min ab dem Höchstpunkt im Gratstück nach dem Pockkogel.

über zwei Täler hinweg der Lüsenser Fernerkogel

über zwei Täler hinweg der Lüsenser Fernerkogel

Die letzen 50Hm sind etwas steiler gehalten, jedoch an keiner Stelle schwierig. Auch wenn es von oben zuerst den Anschein hat.

Abstiegsgelände

Abstiegsgelände

Ab der breiten Gaißkogelscharte führt ein leichter Steig in 160Hm zum Gipfel. Der Gaißkogel mit 2.820m ist der Höhepunkt der Rundtour und bietet nach Nordosten, zum Kamm der Sellrainer zum Inntal hin und in das Karwendel tolle Aussicht.

Simon am Gipfelkreuz des Gaißkogel, 2.820m

Simon am Gipfelkreuz des Gaißkogel, 2.820m

Wir kokettierten zunächst mit dem Abstieg über den Grat, der die Vollendung der Umrundung des Oberplenderle darstellt, entscheiden uns dann aber doch für den Normalabstieg. Schonen für morgen, das letzte Gratstück ein andermal.

Grat vom Gaißkogel zum Plenderlesseekopf, eine Abstiegsvariante für das nächste Mal

Grat vom Gaißkogel zum Plenderlesseekopf, eine Abstiegsvariante für das nächste Mal

Nach 3 ¾ Stunden und kleinen 655Hm erreichen wir die Bergstation der Drei-Seen-Bahn wieder und fahren zum Parkplatz ab.

im Oberplenderle mit Blick auf die Gaißkogelscharte

im Oberplenderle mit Blick auf die Gaißkogelscharte

Eine tolle Runde für den nicht extremen, aber schwindelfreien Kletterer. Vorsicht allerdings bei der Wahl der Aufstiegsrichtung in der Früh, wenn es noch sehr feucht ist. Da sollte es entweder auch in dieser Höhe trocken sein, man unsere Richtung entweder erst mittags antreten, oder mit dem Gaißkogel beginnen und mit der Sonne nach Nordwesten gehen.

Mils, 13.08.2016