Schitour Hintere Goinger Halt, 2.192m

Karwendelcharakter kann der rassigen Schitour auf die Hintere Goinger Halt inmitten des Wilden Kaisers allemal zugeschrieben werden, und sie ist eine Tour die auch konditionell, schitechnisch sowie bergsteigerisch nicht unterschätzt werden sollte.

Hintere Ellmauer Halt, 2.291m

Beim großen Parkplatz der Wochenbrunneralm über – bzw. nördlich von Going auf 1.080m geht es zunächst flach nach Norden in den Wald hinein in Richtung Gaudeamushütte. Das Zwischenziel – das Ellmauer Tor auf 1.980m – ist bereits am Start gut sichtbar. Diesem wird auf kontinuierlich steiler werdendem Gelände zugestrebt.

knapp nach dem Start bei der Wochenbrunneralm

Die Hänge vor der Gaudeamushütte sind in einer guten halben Stunde erreicht. Trotz des kräftig gefrorenen Firndeckels müssen wir uns des Windstoppers entledigen. Kaum ein Lüftl weht in dieser Höhenlage und die Temperatur war knapp unter null am Ausgangspunkt.

auf Höhe der Gaudeamushütte

Nach der Gaudeamushütte dreht der Anstieg leicht auf Nordwest und die langen Schuttreisenhänge von der Goinger Törl Spitze herab werden in einer langen Querung aufwärts durchschritten. Zwei Lawinen mußten durchquert werden und bei der völlig gefrorenen Oberfläche wurde dies – wie meist bei Schitouren – zum akrobatischen Training mit teils völlig durchgebogenen und teils wieder steckengebliebenen Schiern.

Anstieg zur ersten Steilstufe

Der Anstieg erfolgt mit wenigen Serpentinen im Mittelteil solange in die selbe Richtung, bis eine markante kleine Fels/Latschenstufe erreicht wird, die sich – bei der Abfahrt erst so richtig bemerkt – in unnötig steilem Gelände befindet. Dies erklärte uns nachträglich, warum einige Tourengeher rechts neben uns höher angestiegen sind und damit diesen steileren Teil umgangen haben.

wenige Serpentinen am Weg zur ersten Steilstufe

Aufstiegsspuren gibt es durch die Frequentierung der Tour genügend, sodaß der Novize eher die schlechtere Wahl trifft, um dem vermeintlich steileren Anstieg auszuweichen.

Rückblick auf den zurückgelegten Anstieg zur ersten Steilstufe, nach den steilen Passagen

Am heutigen fast vollständig bewölkten Tag ist die bockharte Spur natürlich in keiner Weise aufgefirnt worden, was uns ohne Harscheisen bei ein paar speziellen Stellen ganz schön gefordert hat und ein gutes Dutzend echt anstrengende Rutscher auf der recht steil angelegten Aufstiegsspur verursacht hat. Man sollte also bei solchen Bedingungen auf die Harscheisen nicht verzichten und es ärgerte mich, daß ich trotz Vorbereitung, aber dem Wunschdenken eines weiteren sonnigen Tages wie gestern auf die Torwand, zuhause lies.

nach dem Flachteil oberhalb der ersten Steilstufe

Nach dem Steilstück wechselt das Gelände im Kübelkar in eine kurze flache Mulde, bevor sich wieder die nächste Steilstufe ausbildet. Bis hierher, auf ca. 1.600m haben wir 75min benötigt.

im Aufstieg von Max mit der Linse erwischt – aber nur ein kleiner Punkt vor der Karlspitze

Im Aufstieg in dieser nächsten Stufe befindet sich links im Kar eine Felsstufe, die rechts umgangen wird. Hier zeigt sich der Vorteil jener, die schon vorher rechts ab steiler aufgestiegen sind, denn diese Route befindet sich in einer optimaleren Position, rechts im Kar und höher.

Bene in der Flanke kurz vor dem felsig durchsetzten Teil der zweiten Steilstufe

Nach dieser Stufe wird das Gelände flacher und der Blick zum Joch, dem Ellmauer Tor, tut sich auf. Von dort werden noch gut 10min bis zum Höchsten Punkt  im Joch benötigt. Wir haben das Ellmauer Tor nach nicht ganz 135min ab dem Start erreicht.

Rückblick nach Süden vom Ellmauer Tor

Max und ich setzten die Tour auf den Gipfel fort, während Bene sich entschied den Rückweg anzutreten und in der Wochenbrunneralm auf uns zu warten.

Aufstieg zur Hinteren Goinger Halt vom Ellmauer Tor aus gesehen (Schidepot unterhalb der Felsen)

Also nahmen wir den kurzen Anstieg zum Schidepot in Angriff und zu unserer Freude erfolgte dieser in leicht gepresstem Altschnee ohne gefrorene Verkrustungen.

bereits nach den steilen Passagen, am Weg zum Gipfel der Hinteren Goinger Halt

Der Hang zum Schidepot wechselt von unter 30° Neigung auf über 30° und kurz bevor es schräg nordöstlich in noch steileres Gelände übergeht entledigten wir uns der Schi.

Rückblick auf den Aufstieg ohne Schi

Der erste Teil des nur 212Hm langen Aufstieges nach dem Schidepot erreicht lt. TIRIS eine Hangneigung von über 40°, im Hauptanstiegsteil danach beträgt die Neigung zwischen 35 und 40° und im oberen Teil, bereits gut gangbar auf Stapfsteig liegt sie deutlich darunter.

Hangneigungen Aufstieg Hintere Goinger Halt über Ellmauer Tor

Vom Ellmauer Tor bis zum Gipfel der Hinteren Goinger Halt haben wir kaum eine halbe Stunde benötigt und die Gesamtaufstiegszeit betrug somit 2 3/4 Stunden.

Gaudeamus igitur iuvenes dum sumus – Max am Gipfel der Hinteren Goinger Halt

Schroffe Spitzen und Türme ringsum – typisches Wilder-Kaiser-Gelände und toll anzusehen. Vor uns die Vordere Goinger Halt und neben uns im Westen die Karlspitzen und die Fleischbank, im Norden der Predigtstuhl.

die Karlspitzen und die Fleischbank

Nach kaum einer Viertelstunde traten wir den Rückweg von der Hinteren Goinger Halt an, um den dritten Mann nicht so lange warten zu lassen.

Vordere Goinger Halt

Steigeisen waren heute weder für Aufstieg, noch für Abstieg erforderlich. Die Schneedecke ist weich genug, um knietiefe Tritte zu schlagen. Im Übrigen gibt es schon eine recht akzeptable Aufstiegsspur mit tiefen Tritten.

von Lärchegg bis Ackerlspitze, mittig der Mitterkaiser und unten die Fritz-Pfaumhütte

Die Abfahrt ab dem Schidepot war besser als die weitere Abfahrt ab dem Ellmauer Tor, diese bereitete uns heute eine recht große Anstrengung.

Max kurz vor dem Schidepot

Die teils sehr harte Piste mit den gefrorenen Firnabfahrtsspuren von gestern ließen vor allem im oberen Teil die Zähne klappern.

am Schidepot

Im unteren Teil unterhalb der ersten Steilstufe wurde dies etwas besser, das mittlerweile genug Einstrahlung (Sonne trotzdem kaum zu sehen) in den Südhang eingetragen wurde, sodaß zumindest im unverspurten Gelände etwas Freude aufkam.

am Rand des Kübelkars ist die Abfahrt in unverspurtem Gelände etwas besser

Nach 3 3/4 Stunden endete diese landschaftlich großartige Tour und für einen Karwendelliebhaber kam deutlich das bekannte schroffe, senkrechte, graufarbene und zerrissene Gelände heimelig zur Geltung.

nach anstrengender Abfahrt wieder im flacheren Gelände ab der Gaudeamushütte angelangt

Der Abschluß mit dem im Winter bergsteigerisch nicht ganz einfachen Gipfelaufstieg stellt die Krönung der schönen Tour auf die Hintere Goinger Halt dar. Insgesamt wurden 1.120Hm bewältigt.

Mils, 28.01.2018

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

zehn + 15 =