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Überschreitung Speckkarspitze – Kleiner Bettelwurf, Variante

Für diese schöne Überschreitung gibt es zur Erstbeschreibung auf diesem Blog am Aufschwung zum Kleinen Bettelwurf eine Variante, die Andis Normalroute darstellt und hier beschrieben wird.
Außerdem haben wir von den Schlüsselstellen Videos gedreht, um die Dokumentation zu verbessern.
Der Bericht bezieht sich auf die wichtigsten Passagen und endet mit der Abstiegsvariante zur Bettelwurfhütte am Südgrat des Kleinen Bettelwurfes.

Grat von Speckkarspitze bis Kleiner Bettelwurf

Nach dem Gipfel der Speckkarspitze gelangt man zum kleinen Abbruch mit Scharte, die jenseits, als Gegenpart, von den markant schräg nach oben ziehenden Rippen gebildet wird und an denen schon Karwendelpioniere bei deren Erstbegehung gescheitert sind.
Der Führer beschreibt hier einen nicht nachvollziehbaren lästigen Abstieg, der das lange queren der scharfen unangenehmen Rippen bis zur Grathöhe danach zur Folge hat.

Abstieg zur Scharte

Wir bleiben also ganz zuoberst und zwar bei vorgenanntem Schärtchen, von dem es nordseitig steil abfällt.
Von der Scharte aus sind es nur wenige Schritte – man mag sie je nach individueller bergsteigerischer Stufe als unangenehm empfinden – zum kleinen Sattel auf und nachdem das Gelände nicht mehr so ausgesetzt abwärts zum Grat zurück weitergeht.
Die Stelle ist nach der Scharte etwas griffarm und der Körper kann nicht wie man sich es wünschen würde dem Verlauf folgen, er tendiert zum leichten ausdrehen. Mit Bedacht jedoch gestiegen ist die Stelle schwierigkeitstechnisch problemlos zu begehen.
Die Passage vom Übergang der Scharte bis hinter das Sattelchen wurde im weiter unten im Bericht folgenden Video festgehalten.

Andi mit seiner gewaltigen Spannweite im Greifen

Weiter geht es etwas mühsam bis zur Grathöhe hinab und unten umgeblickt und die Strecke begutachtet stellt man fest, daß schon nahezu 20min verbraucht wurden (incl. filmen in unserem Fall).

Abstieg zur Grathöhe

nun folgt der lange Grat mit ein paar leichten Überklettereien und er ist eigentlich fast durchgehend genau auf der Grathöhe zu begehen. Manche Passage davon ist gen Norden überhängend und ermöglicht bizarre Tiefblicke.

eine der netten Passagen von Rippen am Grat

In dieser Art werden bis zum Zwischengipfel des Signalkopf hin schätzungsweise zwischen 100 und 120Hm im Auf und Abstieg absolviert und nach diesem folgt der Anstieg zum Kleinen Bettelwurf mit nochmals 140Hm.

lange, leichte Gratstrecken dazwischen

Die Strecke nach dem Signalkopf bis zum Aufschwung zum Kleinen Bettelwurf ist, nach der langen Nordpassage direkt vom Gipfel hinunter zur Scharte, in der man irrtümlicherweise versucht ist abzusteigen, mit einer schönen Plattenkletterei im festen Wettersteinkalk geprägt, die zum Abschluß der leichten Gratstrecke auf den folgenden Aufschwung einstimmt.

am Signalkopf angelangt

Hierzu erklimmt man in der Scharte den Gratteil nach Osten mit einer Höhe von ca. 5m und findet sich in schönem festem Plattengrat wieder. Teilweise aufrecht begehbar, teilweise auf Reibung, wegen wenigen Trittmöglichkeiten wird der sanfte Gratverlauf wieder erreicht.

Andi in der langen Nordpassage nach dem Signalkopfgipfel

Ein paar Minuten später ist der gewaltig aussehende Felsaufschwung zum Kleinen Bettelwurf erreicht und bei der Erstbegehung kann ein etwas ehrfürchtig mulmiger Blick nicht verborgen werden.

Plattenkletterei nach dem Gipfel des Signalkopfes

Die Variante von Andi (rot) ist aber in der Ausgesetztheit um eine Nuance weniger stark ausgeprägt und vorwiegend in griffigem, festen Fels, also für den versierten Bergsteiger, der bisher Freude am Gelände hatte, ein Leichtes.

Aufschwung zum Kleinen Bettelwurf; rot Variante von Andi, Hellblau, Variante im Link am Blog

Zunächst beginnen beide Anstiege auf gleicher Route. Nach ca. 20Hm steigt man bei der Variante in gerader Richtung weiter und bei der Erstbeschreibung auf diesem Blog links abzweigend.

Andi am Sporn

Nach ein paar Höhenmetern in gerader Richtung wird eine glatte Wand erreicht zu deren Rechten sich ein abstehender Felssporn befindet, der einen großen Abbruchklotz trägt. Betrachtet man die Lagerung dieses Klotzes genauer entdeckt man ein kleines Naturschauspiel das wahrlich das Herz erfreut. Der zentnerschwere Klotz ist an seiner Vorderseite mit einigen Klemmstein“chen“ auf der Spitze des Spornes gelagert, dem Phänomen einer Sanduhr gleich und Basis für jegliches vom Menschen der Natur nachgebildete Traggewölbe. Ein einzigartiger Blick, der inmitten der steilen Wand alle schweren Gedanken – sollte man sich von  solchen belastet fühlen – vertreibt. Hiervon kein Foto man entdecke es selbst.

unterhalb des Felsspornes

Oberhalb der Stelle wendet sich die Route nach links, wobei die beste Taktik das komplette Aufsteigen über einen Haken mit Opferschlinge darstellt, um dann auf schmalen Tritten etwas nordöstlich in eine etwas schuttige Rinne zu gelangen.

nun nach links weiter

Von dieser erklimmt man rechter Hand den letzten Aufschwung der mit einer leicht kniffligen Stelle endet, die darüber mit Schutt gefüllt ist und nur ein paar spärliche Rippchen für zwei drei Finger der rechten Hand aufwartet.

knapp unterhalb des Wandkopfes

Trotz dem unübersichtlichen Blick von unterhalb jedoch keine erwähnenswert schwierige Stelle.

knapp oberhalb des Wandendes zur Scharte ihn

Nun ist ein Sattel erreicht bei der sich beide Aufstiegsvarianten wieder vereinen und auf gemeinsamem Band zum sogenannten “ schwierigen Riss“ (vgl. Buch Günter Amor „Die Bettelwurfhütte im Karwendel“ Seite 98) oder „schwierigen Stell‘ “ weiterführen. Vorher jedoch erklimmt Andi noch den Sporn südlich über dem Sattel zu seinem Steinmann, um hinten über dem Felsenfenster, das eine eindrucksvolle Sicht exakt nach St. Magdalena hinab, wieder abzusteigen.

Scharte oberhalb des Wandendes

Der „schwierige Riss“ ist halb so schwer, wie er einst mit Genagelten und – eventuell topografischen Veränderungen – gewesen sein mag.

der schwierige Riss, ein Kamin gut griffig

Ein angenehm breiter, sehr griffiger Riss, zwar in nahezu absoluter Steilheit aber doch angenehm nach innen versetzt bietet ein erstklassiges Klettervergnügen im unteren dritten Grad.

Andi beim Überspreizen der Scharte

Der Ausstieg, nochmals mit einer leichten Erhöhung der Spannung versetzt, bietet er doch einen Hauch an Überhang zum darüberliegenden Geröllfeld, rundet den interessantesten Teil der gesamten Überschreitung genussvoll ab.

der Riss im unteren Teil

Begeht man ihn erstmalig dürfte der Genuß noch nicht so ausgeprägt empfunden werden, als ich ihn bei der wiederholten Begehung empfinden durfte.

des Risses Ausstieg als schwierigste Stelle

Hier das Video mit dem Einstieg nach dem Gipfel der Speckkarspitze und dem „schwierigen Riss“:

Oberhalb dieser Passage kann der weitere Verlauf zum westlichen Gipfelkreuz des Kleinen Bettelwurf eingesehen werden und es folgen noch einige Meter harmloser Geplänkel unter Einsatz der Hände bis sich der Aufschwung in seiner Wildheit gelegt hat und typischer gestufter Karwendelkalk den Bergsteiger dem würdevollen Ziel entgegen geleitet.

Kurzer Aufstieg zum östlichen Gipfelkreuz des Kleinen Bettelwurfes

Wie immer sehr wenig – in unserem Fall, an diesem prachtvollen Frohnleichnamstag anno 17 gar kein – Publikumsverkehr am kleinen, sympathischen Gipfelplateau, von dem sich ostwärts der nicht unerheblich lange Grat zum östlichen Gipfel hinzieht.

Stimmung am Gipfel des Kleinen Bettelwurf mit Westgipfel links und Großem Bettelwurf im Hintergrund

Der sich schier unerschöpflich ständig erneuernde Nebel über dem Großen Bettelwurf dominierte auch während unseres Gipfelaufenthaltes am Kleinen Bettelwurf. Die kalten Nordwinde und die kräftige, von den Südhängen des Bettelwurfmassives heraufziehende Thermik vereinigen sich nur wenige hundert Meter über dem Gipfel und erzeugen somit einen wabbelnden Hut über dem mächtigen Gipfel der seine Gestalt mit rascher Laune verändert und den kleinen Mann unter ihm immer in eine gewisse Spannung versetzt, ob er ihn sogleich in sich verschluckt oder nur gnädig über ihm thront und ihn mit seiner Eiseskälte verschont.

Rückblick auf die Überschreitung

Wir verbrachten eine knappe Stunde Stillleben in dieser sagenhaft anregenden Atmosphäre und blickten mit ruhiger Genugtuung auf die heiße Landschaft des Inntales hinab. Mehr als 30 Grad mögen die im Tal Gebliebenen um die Mittagsstunde aushalten haben müssen und wir oben durften uns im schneeweißen Kalkgebirge einer nur dort erlebbaren Erhabenheit in angenehmer Temperatur erfreuen.

Andi überrascht mich beim Genuss des Früchteriegels und dem Studium der Inhaltsstoffe ob ja kein Zucker dabei ist

Der Abstieg erfolgte – wie soll es anders sein – in ebenso unkonventioneller Weise über den im Vorjahr entdeckten Südgrat.

Südgrat am Kleinen Bettelwurf

Dieser kann wahrlich als Direttissima bezeichnet werden, denn kaum ein Grat im Halltal folgt einer derart linienartig direkten Richtung talwärts.
Er hebt sich vom Gipfel oben talwärts geblickt um ein Vielfaches markanter als durchgehender Grat ab, als das von der Hütte aus auszumachen ist. Der Beginn bis zur Hälfte hin ist selbst im Abstieg eine Freude, Kleine Abbrüche im bankigen Gelände werden durchwegs an deren Westseite leicht abgeklettert, keine Stelle erfordert wahre Konzentration oder Anspannung. Trotz Thermik werden die die Gemsen  unserer sofort gewahr und sammeln sich mit ihren Kitzen auf den sonst so wenig gestörten Bänken des Kleinen Bettelwurf, die Massen an Störenfrieden der Idylle steigen wesentlich weiter östlich auf.

Gemsen ca. 150Hm unterhalb

Die Annäherung an die recht große Herde währte nicht lange, sie stoben bald in das weite Kar der Südwestflanke, die die Route aus dem Südwestanstieg zum Kleinen Bettelwurf bildet, davon.

einer der Abbrüche mit leichter Abkletterei auf der Ostseite

Ab gut der Hälfte des tollen Südgrates taucht man ein in ein weniger einfach begehbares Gelände, das auch die einmalige Wendung des Abstieges nach Osten erzwingt. Sie wird erzwungen durch einen jähen unbegehbaren Abbruch in direkter Falllinie und im Suchen nach einer Alternative fällt die Wahl auf das Gelände linkerhand.

bereits mitten in der einzig westlichen Abkletterstelle

Über eine auffällige, messerscharfe Klippe aus tadellosem, porösem Riffkalk geht es an die 5 – 8m fast senkrecht hinab. Gute Griffe und Tritte machen die Partie einfach zu begehen, aber teilweise überhängende Stellen mit hohlen Ausbuchtungen unterhalb erzwingen einige Konzentration Tritte zu finden und die nadelscharf gebrochene Oberfläche der ehemaligen Schalentiere schmerzt in ungeschützten Fingern und Handflächen.

Abkletterstelle im Rückblick, im Riss oben kommt man an, bevor es in diesem abwärts geht

Nach dieser Passage folgen einige Stellen mit dem ungeliebten Ockerbraunen bis orangem Material, das zu recht nicht als Fels im engeren Sinne bezeichnet werden kann. Man nimmt es leicht südöstlich zu einer Art schmalem Kar, das nun über vielleicht knapp hundert Höhenmeter bis zum Beginn – oder im Abstieg gesehen zum Ende – der Gratrippe ausleitet, die den Südgrat im Aufstieg zu bilden beginnt.

nun rechts in karartigem Gelände mit viel Schutt abwärts

Die gesamte Passage ist von Geröll und Schotter überzogen und auf den plattigen Bänken tückisch zum Ausrutschen wie auf blankem Eis. Eine abrupte rechtwinkelige Wendung nach Westen am Beginn des Grates bildet die Verbindung zum Normalweg auf den Kleinen Bettelwurf. Auch diese mit tückischem Rollsplitt überzogen.

in unteren Teil der Gratstrecke; man kann ihn mit Zeitaufwand auch abklettern

Einen letzen Rückblick auf das in Summe einzigartige Gratgelände mußten wir uns auch diesmal gönnen bevor am Steig zur Hütte die Stöcke seit dem Gipfel der Speckkarspitze wieder ihren Dienst aufnehmen mußten.

über trügerisches schuttbedecktes Plattengelände östlich zum Normalweg (rechter unterer Bildrand) queren

Der Zeitbedarf für die gesamte Runde bis hinab zum Ausgangspunkt mit Pausen beträgt netto mindestens an die 8 Stunden, mit Hüttenaufenthalt rechne man eher mit fast 10 Stunden.

Mils, 15.06.2017

Großer Bettelwurf, 2.726m – Sylvester 2016

Liebe Leser,

leider nichts Neues, die Jahreszeit eignet sich – trotz des perfekten Wetters – nicht wirklich für noch nicht beschriebene Touren, die Tage sind zu kurz und oberhalb von 2.000m muss immer mit Eis am Grat gerechnet werden, ganz sicher auf der Nordseite jeden Grates.

Großer Bettelwurf, 2.726m am 31.12.2016

Großer Bettelwurf, 2.726m am 31.12.2016

Also begnügen wir uns derzeit mit der multiplen Besteigung des Zunterkopfes, um ein wenig im Training zu bleiben.
Für heut jedoch habe ich mir das Ziel des Großen Bettelwurfes gesetzt und diesen in schlappen 3:45 erreicht.

das Zeil nach 8 Uhr im Morgenlicht beleuchtet

das Ziel nach 8 Uhr im Morgenlicht beleuchtet

Vorweg sei gesagt, daß ich die Eisen umsonst hinaufgeschleppt habe, sie sind nicht notwendig. In den harten Schneefeldern wurde gut gespurt und eigentlich ist es von der Abzweigung am Weg zur BW-Hütte bis zum Eisengatterergrat fast rutschiger als oberhalb, dort wo man es erwarten würde.

die Bettelwurfhütte schläft über dem Halltal

die Bettelwurfhütte schläft hoch über dem Halltal

Die Südhänge bei uns zulande sind derzeit eine Wucht was die Temperatur anbelangt. So konnte ich mich ab dem Sonnenaufgang (derzeit ca. 10min nach der Katzenleiter bei Start um 8 Uhr am Hackl) bis zum Gipfel in nur einem langärmeligen Shirt bewegen, die 20min ab der Abzweigung bis zum Eisengatterergrat ausgenommen, wo der fehlende Bewuchs Thermik entstehen ließ und der sehr spitze Winkel der Sonne um Gelände keine ausreichende Erwärmung zustande brachte.

Anstieg vom Eisengatterergrat aus gesehen

Anstieg vom Eisengatterergrat aus gesehen

Ab dem Stöckedepot (ca. 2.300m) besteht innerhalb der Rinne durchwegs griffiger Schnee und an Kuppen und Abbrüchen Eisbildung, jedoch ungefährlich, wenn man etwas aufpaßt. Eisen wären eher hinderlich.

Passage innerhalb der Rinne

Passage innerhalb der Rinne

Kurz vor dem Gipfel gehe ich immer nur rechts weg, um unterhalb des trigonometrischen Punktes aufzusteigen. Diese Route war nicht gespurt, jetzt ist sie es, jedoch ist dort so wenig Schnee, daß es auf ein paar geschlagene Tritte nicht ankommt, man steht fast durchwegs am Fels.

150m unterhalb des Gipfels

~150m unterhalb des Gipfels

Am Gipfel kein Lüftl, Wolken auf der gesamten Rundumsicht nicht auszumachen und warm genug um im sommerlichen Windstopper wieder abzusteigen.

Das Gipfelbuch verrät, daß in den Weihnachtsferien doch einige Bergsteiger am Gipfel waren. Kein Wunder bei den guten Bedingungen für diesen Gipfel.

am Gipfel des Großen Bettelwurfes am 31. Dezember 2016

am Gipfel des Großen Bettelwurfes am 31. Dezember 2016

Sicht weit über 100km, von den fernen Lechtalern bis zum Glockner, die fehlende Gesamtfeuchtemenge in der kalten Luft macht’s möglich.

Glocknergruppe vom Großen Bettelwurf aus gesehen 31.12.2016

Glocknergruppe vom Großen Bettelwurf aus gesehen 31.12.2016

Allen wäre wahrscheinlich lieber, wenn die Schneelage eine Besteigung des Großen Bettelwurfes gar nicht zulassen würde, aber wir müssen uns damit abfinden, daß die Tourenschi noch länger im Keller warten müssen. Ein Traumtag wie der heutige entschädigt aber vollauf und man lasse die Bilder wirken!

Fallbachkartürme vom Großen Bettelwurf aus gesehen 31.12.2016

Fallbachkartürme vom Großen Bettelwurf aus gesehen 31.12.2016

Berg Heil und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2017!

Rainer
31. Dezember 2016

 

 

Kleiner Bettelwurf – Südwestflanke und Südgrat

Alte Routen und Steige zu erforschen war uns immer schon eine beliebte Tätigkeit am Berg und heute waren es zwei eher kurze Klettereien die uns auf den Kleinen Bettelwurf führten, bzw. auch wieder hinunter.

Südgrat des Kleinen Bettelwurf

Südgrat des Kleinen Bettelwurf

Abseits von Normalanstiegen gibt es meist viel Neues zu schauen und wenn diese noch dazu neue mittelschwierige Kletterrouten beinhalten, dann lacht das Herz des Entdeckers.
Der Klier Karwendelführer von 1978 – damals noch ein umfassender Führer der, im Gegensatz zur heutigen Handhabung, alle Routen auf einen Gipfel enthielt, beschreibt, wenn auch recht knapp, zwei Anstiege auf den Kleinen Bettelwurf, die uns nicht bekannt waren und deren Entdeckung uns bei zufälligem Blättern in dieser alten Literatur spontan in ihren Bann zogen. Außerdem soll es nicht sein, daß in unserem unmittelbaren Heimatgebiet Routen – noch dazu beschriebene – existieren, die wir nicht kennen.

Aufstieg auf den Westgipfel des Kleiner Bettelwurf über den Südgrat

Aufstieg auf den Westgipfel des Kleiner Bettelwurf über den Südgrat

In Entschlossenheit, diese Routen einer Erstbegehung durch Andi und dem Verfasser dieses Beitrages zuzuführen starteten wir früh morgens gegen die Bettelwurfhütte. Perfektes Wetter und nahezu Windstille auch in größerer Höhe machte den Anstieg zum Vergnügen.

Klier Karwendelführer 1978

Klier Karwendelführer 1978

Für die Südwestflanke muß die Hütte westwärts passiert werden, um hinter die beschriebene „zweite Rinne, wenige Minuten nach der Hütte“ (es sind ca. 10min) zu gelangen, von der aus, rechts die leicht begrünte Rippe hinaufzieht, die den ersten Anstieg abseits des Steiges zum Lafatscher Joch bildet.

Blick zum Aufstieg zur Südwestflanke des Kleinen Bettelwurf

Blick zum Aufstieg zur Südwestflanke des Kleinen Bettelwurf

Der Aufstieg erfolgt im unteren Teil großteils über schuttbedeckten Wiesenflecken und zum anderen Teil auch nur über schuttbedeckten Schrofen bis zum erwähnten Trümmerfeld, ab diesem der Aufstieg bis zur Querungsmöglichkeit der ebenfalls erwähnten „hinaufziehenden Felsrippe“ etwas angenehmer wird. Teilweise kann man auch einen alten Steig erkennen, der sich zwischendurch wieder verliert, bevor man ihn nach ein, zwei Minuten wieder ausmachen kann und ihm weiter folgt.

Aufstiegsgelände zur Südwestflanke ca. 100Hm oberhalb der zweiten Rinne

Aufstiegsgelände zur Südwestflanke ca. 100Hm oberhalb der zweiten Rinne

Den Aufstieg bis zur Querungsmöglichkeit sollte man nicht zu weit oben vermuten und zu weit aufsteigen, denn dort wo man ihn als bequem erachtet ist man unter Umständen schon nahezu 50Hm zu hoch aufgestiegen und ärgert sich ein wenig über den vermeidbaren Höhenverlust, sobald der beschriebene Einstieg „in die erste steile Felsrinne von links gezählt“ sichtbar wird.

hinter dem Rücken im Vordergrund zeichnet sich die Südwestflanke ab

hinter dem Rücken im Vordergrund zeichnet sich die Südwestflanke ab

So ereilte auch uns dieses Schicksal und wir mußten in lockerem Schutt die Reise auf ihrer Breite von ca. 50m abwärts queren, schenkten dadurch nicht nur mühsam erstiegenes Terrain her, sondern erreichten den Felsgürtel auch nur unter viel Lärm vom abrutschendem Schutt, ca. 150Hm über dem Weg zum Lafatscher Joch. Eine Situation die der Bergsteiger versucht zu meiden wie der Leibhaftige das Weihwasser, ist sie doch bei geringem Höhenunterschied für andere gefährdend und vermittelt sie auch völlig unverschuldet einen gewissen Anfängereindruck, vor dem man sich vor – auch noch so weit entfernten und daher unerkannten – Beobachtern nicht wegstehlen kann.

Querung im Reisengelände mit losem Schutt

Querung im Reisengelände mit losem Schutt

Nachdem wir mit geizig abgegebenem Höhenverlust nun festen Fels erreichten, waren wir natürlich nicht an der originalen Einstiegsstelle, sondern ca. 20Hm darüber und mußten einen Übergang um die bereits aufgezogene Rippe in die Rinne – oder besser Schlucht – finden, die weiter unten in leichtem Gelände beginnt. Die Stöcke wurden endgültig verstaut und der anstehende Fels gemustert.

am Felsgürtel bei der ersten Rinne angekommen

am Felsgürtel bei der ersten Rinne angekommen

Eine furchtbar brüchige Passage mit steil abwärts geneigten schuttbedeckten Plattenstufen – der Albtraum eines jeden Kletterers – begrüßte uns im nicht ganz originalen Einstieg der Südwestflanke. Die kurze Passage bis zur Rinne in festerem Wettersteinkalk forderte gleich gute 10min, die sich wahrscheinlich die Waage gehalten hätten mit einem geringfügig weiteren Abstieg und dem originalen Einstieg. Das Schicksal des Entdeckers hielt uns fest im Griff.

Einstieg etwas zu hoch des Endes der Rinne

Einstieg etwas zu hoch des Endes der Rinne

Die folgenden und in der knappen Beschreibung „Steilabsätze“ genannten Kletterpassagen machten jedoch die zuvor erlebte Situation mit der unglücklichen Querung und dem unfreundlichen, gefährlichen falschen Einstieg wieder wett. Andi mit seiner phänomenalen Reichweite – die man sich niemals zum Vorbild durch Nachahmung machen darf, ohne in ernsten Schwierigkeiten zu enden, weil ein halber Meter, vom linkshändigen Griff zum diagonal gemessenen gestreckten rechten Tritt, einfach fehlt – sprang förmlich über eher glatte, wenig strukturierte Partien hinauf, während ich eher hinterher keuchte, jedoch unter nicht minderer Freude und Begeisterung über die nette Kletterei nach dem unfreundlichen Einstieg.

nach dem Einstieg in festerm Fels und deutlich ausgeprägter Rinne; unten kann man Steigspuren erkennen; sind sie jünger als der Führer die Querung "hinab" beschreibt?

nach dem Einstieg in festerm Fels und deutlich ausgeprägter Rinne; unten kann man Steigspuren als Querung erkennen; sind sie jünger als der Führer die Querung „hinab“ beschreibt?

Die Schwierigkeiten in der ca. 200Hm messenden Rinne hielten sich in Grenzen, aber einige Stellen III, mit mäßiger Ausgesetztheit können unsererseits bescheinigt werden. Zur besseren Verdeutlichung hier ein Link zum Video über den Aufstieg in der Rinne:

Kleiner Bettelwurf Südwestflanke

Sobald man sich in der Rinne wohlfühlt und Zeit und Raum beim Klettern vergisst, erfährt man auch gleich deren oberes Ende. indem sie sich recht plötzlich weitet und nach dem die letzten Felspartien in flacherem Gelände emporgestiegen wurden, ein wenig felsdurchzogener Schutttrichter sich öffnet, der zur eigentlichen Westflanke sich ausbildet.

typisches Gelände in der Rinne der Südwestflanke

typisches Gelände in der Rinne der Südwestflanke

Der Aufstieg in diesem ist richtig mühsam und die Entscheidung den Allradantrieb, durch die Verwendung der Stöcke, zu verwenden wird so lange hinausgezögert, bis der Anteil an festem Fels immer kleiner wird, je näher man sich gegen den Westgipfel des Kleinen Bettelwurf hinauf kämpft. Diese letzten ca. 150Hm zum Gipfel der fürwahr unerstrebenswerte Teil der Südwestflanke.

Andi am oberen Ende einer Steilstufe

Andi am oberen Ende einer Steilstufe

Während dieses Aufstieges in der richtig breiten Südwestflanke kann man recht gut den Südgrat, unseren auserkorenen Abstieg, erkennen und in dessen oberstem Teil auch so manches – für den Abstieg – zuversichtlich stimmendes Steinmandl.

am unteren Ende des Trichters der die Westflanke bildet

am unteren Ende des Trichters der die Westflanke bildet

Endlich am Westgipfel des Kleinen Bettelwurf angekommen kann man die im Führer genannte Aufstiegszeit von 2-3h eher nachvollziehen, als mit dem Maß des Blickes von der Hütte bis zum blitzenden Gipfelkreuz auf dem Ostgipfel des Kleinen Bettelwurfes gemessen.

Kleiner Bettelwurf Westgipfel

Kleiner Bettelwurf Westgipfel

Das alte kleine hölzerne Kreuz und die an diesem Tag phänomenale Weitsicht entschädigte uns für die unterste und oberste Partie auf der Route der Südwestflanke. Trotz der schönen Kletterei in der Rinne sprechen wir aber in völliger Übereinstimmung keine Empfehlung für die Südwestflanke aus, zu inhomogen sind die Einzelabschnitte und die Kletterei kommt eindeutig zu kurz. Diese Überzeugung erlangten wir noch stärker nach dem Abstieg über den eindeutig schöneren Südgrat, der in weiten Teilen genau den Geschmack des Karwendelfelsgehers trifft und auch weitgehend einer leichten Gratkletterei entspricht.

von links oben nach rechts unten im Vordergrund Großer u. Kleiner Lafatscher, im Hintergrund Kaskar- u. Sonntagskarspitze und die beiden Praxmarerkarspitzen, rechts das Zugspitzmassiv

von links oben nach rechts unten im Vordergrund Großer u. Kleiner Lafatscher, im Hintergrund Kaskar- u. Sonntagskarspitze und die beiden Praxmarerkarspitzen, rechts das Zugspitzmassiv

Die echten Kletterpassagen am Südgrat fallen im Abstieg gefühlt deutlich kurz aus, denn die meisten Höhenmeter werden auf den steil abwärts geneigten Steilstufenplatten der auffallend mächtigen Schichtung am Kleinen Bettelwurf gemacht, sodaß die Gratabbrüche an ihrer Spitze zwar nicht an der Vorderseite, aber nur knapp dahinter im oberen Teil durchwegs westseitig abgeklettert werden und der mächtigste aller, im untersten Teil – zunächst etwas schwer zu finden –  an dessen Ostseite über eine sehr scharfkantige, mit eigenartig rundlich geformten Oberflächen ausgestattete Verschneidung genommen wird.

Andi am beginnenden Südgrat

Andi am beginnenden Südgrat

Diese Passage ist höchstwahrscheinlich im Aufstieg in direkter Route zu ersteigen, soviel wir dann von unten sehen konnten. Nach der oben beschriebenen Rinne muß nämlich ein etwa knapp zehn Meter langes, abwärts geneigtes, brüchiges Band mit einer mittigen Schmalstelle begangen werden das wiederum, leicht abwärts geneigt, zum Gratverlauf hinaus führt. Im Aufstieg wird es eher gemieden, weil dort wegen der Felsgeometrie die unangenehme ausdrehende Körperhaltung erforderlich ist und auch, weil Griffe eher brüchig und spärlich sind.

schöne Passagen mit westseitigem Abklettern vom Grat

schöne Passagen mit westseitigem Abklettern vom Grat

Wieder am Grat angekommen befindet man sich auf der letzten großen Steilplatte und findet den von uns vergrößerten Steinmann auf der Spitze der leicht abschüssigen gestuften Platte, die den Auftakt zum letzten, besonderen Teil.

Rinne ostseitig im unteren Teil des Südgrates, Blick von oben

Rinne ostseitig im unteren Teil des Südgrates, Blick von oben

An dieser Stelle mußten wir länger innehalten um uns zu orientieren.
Die Routenbeschreibung sieht hier eine Rhythmusänderung vor (im Text in den Aufstieg versetzt: …der erste Gratabbruch wird an der W-Seite über schottrige Platten umgangen…).
Der Blick auf das Gelände unter uns zeigte auf der Ostseite das übliche Gelände in der Südflanke mit steilen, schuttbedeckten Platten und somit keine wirklich logische Weiterführung der Route, mittig am Grat den ungangbaren Steilabbruch mit dem extrem scharf werdenden unteren Teil und westseitig in sich übergehende extrem schuttbedeckte Platten, die seitlich des Grates eine variierende Breite von etwa drei bis sieben Meter aufwiesen.

Rinne ostseitig im unteren Teil des Südgrates, Rückblick von unten

Rinne ostseitig im unteren Teil des Südgrates, Rückblick von unten

Soviel wir auch nach Steinmandln östlich in Gratnähe suchten, wir konnten keine sichten. Also stellte sich eine etwa 30m lange prägnante Verschneidung westlich des Plateaus auf dem wir das Gelände erkundeten als einzig logische Verbindung zu den Schuttterassen „auf der W-Seite des ersten Gratabbruches“ und man konnte am Ende jener den „ersten Gratabbruch“ erkennen und die 90° Kurve nach Osten um den Gratabbruch herum erahnen, der am Ende des begrünten Rückens, wenige Meter neben dem Normalweg auf den Kleinen Bettelwurf auf diesen einmünden mußte.

Querung am Band nach der Rinne wieder zum Grat

Querung am Band nach der Rinne wieder zum Grat

Leider ist aber mit der Wendung auf die Westseite damit auch die aussichtsreichen Gratkletterei vorbei, führt doch die Rinne und dann die Schuttterassen etwa 10m unter dem Grat auf wenig sympathischem Terrain die letzten ca. 100Hm knapp neben dem schönen Grat im Schutt abwärts und man fühlt jähe, daß dieser Teil nicht so recht zum Kontext des bisher erlebten paßt.

unterstes Plateau nach Querung aus der Rinne

unterstes Plateau nach Querung aus der Rinne

Der Aufstieg muß daher – per aspera ad astra – umso schöner sein, wenn man vom tückisch rollenden Untergrund am Plateau oben dann in festen Fels einsteigt.

Gelände unterhalb des letzten Plateaus, der Normalweg ist nicht einmal mehr 100Hm entfernt

Gelände unterhalb des letzten Plateaus, der Normalweg ist nicht einmal mehr 100Hm entfernt

Nun, wir mußten uns mit der Natur der Sache abfinden und beschlossen, daß wir bei nächster Gelegenheit den Südgrat im Aufstieg erkunden wollen und vielleicht ergibt sich eine Möglichkeit, die Gratkletterei von ganz unten zu beginnen.

Andi beim Erkunden; diese Richtung entspricht nicht der Originalbeschreibung, wäre aber machbar gewesen

Andi beim Erkunden; diese Richtung entspricht nicht der Originalbeschreibung, wäre aber machbar gewesen

Im Abstieg neben dem Grat fanden wir noch eine, von oben aus schon gut sichtbare, kleine Scharte, von der aus wir die Ostseite des Grates erkunden konnten. Von dieser aus zeigt sich aber kein erstrebenswerterer Abstieg als die noch etwa drei Duzend Meter weiter zu findende Stelle – um den ersten Gratabbruch herum – an der man die 90° Kurve nach links auf den Normalweg hinaus queren kann.

dieser Abstieg muß jener der Originalbeschreibung sein

dieser Abstieg muß jener der Originalbeschreibung sein; in der Rinne bis zu den Schuttterassen abgestiegen

An dieser Stelle wäre ein Steinmandl mehr als angebracht, jedoch ließen sich nicht einmal Reste davon finden. Dieses wäre für den Aufstieg wichtig, da es exakt den Auftakt der Beschreibung des Führers bilden würde.

Blick über die geneigten Schuttfelder zum ersten Gratabbruch unten

Blick über die geneigten Schuttfelder zum ersten Gratabbruch unten

Die Vermutung liegt nahe, daß die Errichtung an dieser Stelle nicht erwünscht ist/war, da  eines Steinmandls möglicherweise unerfahrene Berggeher auf den Plan rufen würde ihm zu folgen und diese dann in Schwierigkeiten enden, die sie nicht mehr bewältigen können.
Wir haben jedenfalls keines aufgebaut, die Stelle ist für jenen, der den Südgrat probieren will und sich entsprechend vorbereitet und das Vermögen an Kletterkunst hat, leicht zu finden.

Blick über die geneigten Schuttfelder vom ersten Gratabbruch hinauf

Blick über die geneigten Schuttfelder vom ersten Gratabbruch hinauf

Am Normalweg angekommen wendeten wir uns zurück und betrachteten den schönen Abstieg, den schönen Südgrat.
Rückblickend muß festgestellt werden, daß unsere Abstiegsgeschwindigkeit am Grat trotz der nötigen Orientierung bei der Erstbegehung atemberaubend war. Verglichen mit der Abstiegszeit  vom Ostgipfel des Kleinen Bettelwurfs ist der Südgrat in geschätzt die Hälfte der Zeit abzusteigen. Kaum verwunderlich, steigt man doch großteils direkt am Grat und somit in der direkten Route bis auf das Ende der Wiesenhänge die von der Bettelwurfhütte heraufziehen.

Andi nach der 90° Kurve um den untersten Gratabbruch herum auf der Querung zum Normalweg

Andi nach der 90° Kurve um den untersten Gratabbruch herum auf der Querung zum Normalweg

am Ende der Wiesenhänge, rechts Normalweg, nach links geht es ab zum Südgrat

am Ende der Wiesenhänge, rechts Normalweg, nach links geht es ab zum Südgrat

Der Aufstieg kann für den geübten Karwendelgeher als ein kleiner Leckerbissen bezeichnet werden. Stellen im III. Grad sind durchaus vorhanden, schmales, abschüssiges und meist mit Schutt bedeckte Passagen am Grat sind nicht zu unterschätzen und der etwas abgelegene Westgipfel des Kleinen Bettelwurf lädt zu längerem Verweilen ein. Rundum, eine gelungene Alternative zum Normalweg, der sie für uns künftig sein wird.

Mils, 25.09.2016

 

 

 

Bettelwurfhütte, Lage per 20.03.2016

Die Route über den Graben war mit dem makellosen Wetter heute ein toller Anstieg, wenn auch im oberen Teil nicht ungefährlich. Klettertechnisch durch die steile Schneerinne noch nicht zu empfehlen, bzw. dem Spezialisten vorbehalten.

Andi nimmt die Platten rechts neben dem Steig, ich den Steig

Andi nimmt die Platten rechts neben dem Steig, ich den Steig

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gute Steigverhältnisse

 

Der Abzweig vom Graben rechts (östlich) in die relativ wenig beleuchtete Verschneidung war um 10:30 im unteren Teil noch im Schatten und man muß Stufen schlagen.

fester Harsch; die Jacke notwendig um 9:30

fester Harsch; die Jacke notwendig um 9:30

Das Seil ist großteils noch eingefroren, links der harten Schneedecke kann man zum Teil im aperen Fels klettern.

ab hier kein Fels mehr, Stufen schlagen ist angesagt

ab hier kein Fels mehr, Stufen schlagen ist angesagt

Im oberen Teil ist die Verschneidung total schneebedeckt und wir mußten nach der feuchten Stelle die letzten Meter bis zur Kante links weitersteigen.

die Querungen nicht ohne

die Querungen nicht ohne

Von dort akzeptable Schneeverhältnisse  zur Hütte und tolles Panorama.

da lacht das Herz, die Kante erreicht, hinten die Hütte

da lacht das Herz, die Kante erreicht, hinten die Hütte

Den Normalweg zu gehen muß man sich derzeit noch verkneifen. Die Schinderei ist zu groß. Um 13 Uhr Schnee bis zur Hüfte von der Hütte bis zur Lawine im Graben und dann in dieser Art weiter bis unter den Juchetzer.

eine tolle Abstiegsstrecke, hinauf: momentan nein!

eine tolle Abstiegsstrecke, hinauf: momentan nein!

Mehr und wichtige weitere Bilder von der Schneelage im Halltal in der Galerie unten!

Mils, 20.03.2016

 

Kreuzotter im Karwendel

„In der Sitzung vom 22. Jänner 1896 hat der hohe Landtag über Antrag des Budgetausschusses ddto. 14. Jänner 1896 den Beschluß gefaßt, für die Tötung jeder Giftschlange gegen Einsendung des Kopfes derselben eine Prämie von einem Gulden zu bewilligen und hiefür den Betrag von 100 fl. aus dem Landesfonde in das Präliminare pro 1896 einzustellen. Mit der Agnoszierung der Schlangenköpfe wurde ich betraut.

eine der beiden Karten mit dem Verbreitungsgebiet in Tirol

eine der beiden Karten mit dem Verbreitungsgebiet in Tirol

Mit diesen Worten leitete Prof. Dr. K. W. v. Dalla Torre, Professor für Zoologie und ab 1921 Ordinarius an der Universität Innsbruck, seine „zoogeographische Studie über die Schlangen Tirols“, die sich auch mit ungeheurem Detail auf Giftschlangen erstreckt, ein, die 1910 erschienen sein dürfte.
Dieser akribisch zusammengestellte Bericht mit seiner – für heutige Verhältnisse – erschreckend bizarren Einleitung befaßt sich mit der zahlenmäßigen und örtlichen Erfassung von getöteten und eingesandten Giftschlangen, die eben aufgrund des oben erwähnten Beschlusses des Landtages daran glauben mußten.
Zum Verständnis des Greuls muß jedoch auch die damalige Situation, vor allem in der Landwirtschaft, ins Kalkül gezogen werden bevor ein schnelles Urteil über die Rohheit eines gesamten Volkes gesprochen wird. Ein durch einen Schlangenbiß ausgefallener Knecht oder mitarbeitendes Familienmitglied war besonders in der Erntezeit eine wirtschaftliche Katastrophe und die medizinische Hilfe zur raschen Genesung war im Vergleich zu heute äußerst begrenzt.
So darf man nicht mit heutigem Maß urteilen, sondern muß versuchen diese Maßnahmen aus dem Horizont einer Agrargesellschaft anders einzustufen und sie nicht der totalen, alleinigen Rücksichtslosigkeit zu bezichtigen. Unter „Tirol“ war zu jener Zeit das ethnogeografisch gesamte, historisch richtige Tirol gemeint.
Ich kann das Studium dieser Studie jedem Naturfreund und geschichtlich Interessierten alleine der alten Ausdrucksweisen wegen sehr empfehlen, für mich stellt sie nicht nur eine wissenschaftliche Lektüre, sondern auch einen literarischer Leckerbissen dar.
Das Landesmuseum Ferdinandeum hat das Copyright im file vermerkt, weswegen ich hier nicht die gesamte Studie veröffentlichen möchte, sondern nur den Link zum download: http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/VeroeffFerd_3_56_0001-0069.pdf
Man habe mit dem Download etwas Geduld, es lohnt sich! (Auf Anfrage sende ich den file gerne persönlich).

 

Kreuzotter im Halltal am Jägersteig auf ca. 1.800m

Kreuzotter im Halltal am Jägersteig auf ca. 1.800m

Nun, zum Thema Kreuzotter – vipera berus, im Nordtiroler Unterland und von Dalla Torre auch „Beißwurm“ genannt – im Karwendel ist es wohl so, daß der regelmäßige Besucher dieser einzigartigen Bergwelt – meist abhängig von seinem Verhalten – mit diesen, und ähnlich aussehenden Schlangen, zumindest in Blickkontakt kommen wird. Deshalb möchte ich dem weniger erfahrenen Besucher und Naturfreund einige Fakten näherbringen, um Scheu und Ablehnung abzubauen, oder gar die Bekämpfung dieser Spezies hintanzuhalten und dafür werben, daß er sie als wichtigen, gewachsenen Teil der Fauna der Region schätzen lernt.
Im Übrigen stehen sie unter Naturschutz.

Der Kreuzotter begegnet man, wie ich es ausdrücken möchte, nicht zufällig. Dies deshalb, weil sie mit ihrem, am Gaumendach liegenden Jacobsonsches Organ geringste Konzentrationsunterschiede von Geruchsmolekülen unterscheiden und somit die Richtung einer Geruchsquelle feststellen kann. Weiters lässt sie ihr hochentwickeltes Cortisches Organ Erschütterungen über weite Strecken wahrnehmen, den potentiellen Gegner hinsichtlich seiner Größe einschätzen und noch ehe wir sie zu Gesicht bekommen, die Flucht ergreifen. Wer sich also mit der normalen Verhaltensweise, mit festem Schritt und vielleicht auch noch in der richtigen Windrichtung auf eine Kreuzotter zu bewegt, wird sie in den meisten Fällen nicht erkennen können, da sie sich sofort bei der Wahrnehmung verkriecht. Und die Wahrnehmung, so habe ich bei den meisten meiner Begegnungen festgestellt, haben sie zumeist schon auf gut fünf Meter Entfernung. Jedoch ist sie sehr abhängig von der Beschaffenheit des Untergrundes. Bei einem weichen Bergboden und vorsichtiger Näherungsweise passiert es leicht, daß man fast auf sie draufsteigt, bevor sie dann, bei dieser bedrohlichen Nähe, in Abwehrhaltung wechselt und mit deutlichem Zischen Ihre Bereitschaft zum Angriff kundtut. Die selbe Situation erfolgt, wenn sie merkt, daß sie in einer Lage ist, in der sie nicht flüchten kann, denn die Flucht würde sie in jedem Fall vorziehen.

Kreuzotter, man beachte die Augenschuppe

Kreuzotter, man beachte die Augenschuppe

Die Kreuzotter, sowie auch alle anderen heimischen (Gift)schlangen ist scheu und in keiner Weise angriffslustig, dies sollte man bei der eben geschilderten plötzlichen Begegnung immer im Kopf behalten. Meist genügt bei der Wahrnehmung ein abruptes Innehalten im Schritt und die Gefahr einer unerwünschten Reaktion des Tieres ist zumindest schon einmal herabgesetzt. Ein Schritt zurück setzt eigentlich immer die unmittelbare Gefahr eines Abwehrangriffes sofort aus, denn sie merkt durch das Züngeln, daß eine Entfernung der Gefahr für sie stattfindet. Schlangen können Unterschiede von Hundertsteln von Graden feststellen und der Mensch mit seiner Masse und Wärmestrahlung ist für sie deshalb schon weithin feststellbar.

In der Regel hat der Eindringling nach der zuerst erschreckenden ersten Wahrnehmung die Möglichkeit das Tier zu studieren, vor allem wenn es sich in einer ungünstigen Fluchtposition befindet, denn dann verharrt es meist in dieser Position. Das verschafft die Möglichkeit sehr vorsichtig die Kamera hervorzukramen und das Tier zu verewigen.

Meine bereits trainierte erste Reaktion bei der Begegnung mit Schlangen ist stets der Blick auf die Augen des Tieres. Anhand der Augen, die – vor allem in der Abwehrstellung des Tieres – immer sehr gut sichtbar sind erkennt auch der Laie sofort ob es sich um eine harmlose Natter, oder um eine giftige Schlange handelt. Natternaugen haben eine – wie gemeinhin bekannt – große, meist schwarze, runde Pupille, hingegen haben Vipern- und Otternaugen immer eine vertikal stehende schlitzartige dunkle Pupille, die eher bedrohlich aussieht. Dies ist für den Nichtfachmann das sicherste Erkennungsmerkmal, denn das vielgenannte Zickzackband am Rücken der Kreuzotter ist nicht immer einwandfrei erkennbar und fehlt bei der Höllenotter, der gänzlich schwarzen Art der Kreuzotter, gänzlich.

runde Pupillen

Schlingnatter, runde Pupillen

runde Pupillen

Ringelnatter, runde Pupillen

Kreuzotter, vertikale schlitzförmige Pupillen

Kreuzotter, vertikale schlitzförmige Pupillen

Bereits fixiert auf Einstufung des Tieres in der persönlichen Gedankensammlung schätze immer seine Länge, wobei das eigentlich nur bei dessen Flucht gut möglich ist, sowie den Durchmesser. Leider ist es mir noch nie gelungen ein Tier zu Gesicht bekommen, das kurz zuvor gefressen hatte und die Beute noch an der Körperform erkennbar wäre.
Im Karwendel habe ich noch keine sehr große Kreuzotter gesichtet, meist liegt die Länge der Tiere zwischen 40 und 50cm und meist ist die Grundfarbe des Körpers eher hellbraun mit sehr dunkler, fast schwarzer Kreuzbandzeichnung und gleichzeitig mit einer dadurch sehr guten Tarnung. Die Fotos im Internet zeigen meist heller grundgefärbte Tiere, die ich im Karwendel noch nicht gesichtet habe. Ebenfalls konnte ich noch keine Jungtiere und keine Höllenotter erspähen.

Als Empfehlung für den Ängstlichen, der beim plötzlichen Erkennen der Begegnung überrascht erstarrt, wiederhole ich die oben erwähnte sofortige Verharrung in der Bewegung und nachdem man sich vom Schreck gesammelt hat den vorsichtigen Rückzug. Das Tier wird die Entfernung immer mit Wohlwollen honorieren und niemals einen Rückzug vom Vorpreschen nutzen. Greift man als Kletterer allerdings zu nahe zur Ruhestätte, bzw. dem Aufwärmeplatz an dem sich die Kreuzotter befindet, dann ist ein Abwehrbiß äußerst wahrscheinlich. Allerdings, um das gleich zu erwähnen, passiert das mit verschwindender Wahrscheinlichkeit selten. Eher kann es sein, daß man beim Gehen im Knöchelbereich bzw. am Unterschenkel erwischt wird, oder sich im Gelände hinsetzt und dadurch Bekanntschaft mit einem Tier macht, das sich klarerweise bedroht fühlt.
Wie auch immer, man vergesse nie, daß die Kreuzotter in jedem Fall die Flucht versuchen wird und wenn das nicht möglich ist, mit deutlichem Zischen ihr Vorhandensein kundtut, ehe sie zur letzten Waffe greift, die sie nur in ausweglosen Situationen anwendet, denn ihr Gift wird nur mühsam produziert und ist im kurzen Sommer im Gebirge zu kostbar, um es an einer nicht potentiellen Beute zu vergeuden.

Beim Thema Gift und dessen Wirkung muß gesagt werden, daß das Gift der Kreuzotter – lt- Wikipedia – etwa zwei- bis dreimal giftiger ist als das der Diamant-Klapperschlange und daß auch schon die Jungtiere (ca. 14 bis 20cm lang und 3,5 bis 8g schwer!) bereits nach ihrer Geburt über die gleiche Stärke des Giftes verfügen. Dies ist gut zu wissen. Allerdings muß man sofort wieder zum Wohle der Kreuzotter einschränken und die Wissenschaft sprechen lassen. Der LD50-Wert des Giftes (Menge bei der 50% der Probanden sterben) liegt für eine subkutane Injektion bei etwa 6,45 Milligramm pro Kilogramm Körpermasse und bei einer Injektion in ein Blutgefäß bei rund 0,55 Milligramm pro Kilogramm Körpermasse. Für einen Menschen von 75 Kilogramm Körpermasse bedeutet dies also, dass er eine tödliche Dosis bei der Injektion von 483,75 mg respektive 41,25 mg des Giftes erreichen würde, was dem durchschnittlichen Biss von mehr als fünf Kreuzottern entspräche. Daher sind Todesfälle allein aufgrund von Kreuzotterbissen unwahrscheinlich. Da die Kreuzotter das giftige Sekret, welches sie zum Jagen von Mäusen, Fröschen, Blindschleichen oder anderen Tieren benötigt, nicht einfach verschwendet, verwendet sie von ihrem geringen Vorrat bei einem Großteil der Verteidigungsbisse zudem entweder gar kein oder nur sehr wenig Gift.
Mit diesem Wissen im Kopf gewinnt das Tier merklich an Sympathie, bzw. wird die Panik davor deutlich herabgesetzt finde ich, ohne mich als Wissenschaftler, viel mehr als Botschafter für das Tier betätigen zu wollen.

Kreuzotter Zickzack-Rückenzeichnung

Kreuzotter Zickzack-Rückenzeichnung

Die Kreuzotter bevorzugt Lebensräume mit starken Tag-Nacht Temperatur­schwankungen, die auch durch hohe Luftfeuchtigkeit und ein gewisses Maß an Bodenfeuchte gekennzeichnet sind. Das Karwendel bietet diese Eigenschaften.
Nach der Winterruhe und der anschließenden Frühjahrshäutung im März / April begeben sich vor allem die männlichen Tiere auf die Suche nach einem geeigneten Geschlechtspartner und legen dabei weite Strecken zurück. Es ist also bereits im Frühjahr recht wahrscheinlich, daß man sie antrifft, bereits bei Aussentemperaturen um 5 – 7 Grad trifft man sie außerhalb ihres Schlupfwinkels an.
Wird man -lt. Wikipedia – mit dem Einsatz von Gift gebissen, dann entsteht, neben einem stechenden Schmerz, um die Bissstelle herum etwa eine Stunde später eine große Schwellung. Auf Grund von Nervengiften kann es zu Atemnot und Herzbeschwerden kommen. Der Biss einer Kreuzotter kann darüber hinaus auch zu Lähmungen führen und es gibt auch schwere Fälle, die stationär behandelt werden müssen. Wegen des blutzersetzenden Teils des Sekretes ist es möglich, dass die Zone nahe der Bissstelle bläulich aussieht. Oft treten diese Symptome jedoch gar nicht auf, und auch die Schmerzen des Bisses halten sich meist in Grenzen, so dass manche Menschen überhaupt nichts davon merken, wenn sie gebissen werden.
In „reptilien.com“ ist zu lesen: „In Österreich ist seit 1954 kein Mensch nachweislich durch einen Kreuzotternbiss zu Tode gekommen.“

im Karwendel typische Färbung der Kreuzotter

im Karwendel typische Färbung der Kreuzotter

Wieder aus den einschlägigen Seiten möchte ich, mangels eigener Erfahrungen, über die schwere einer Vergiftung und der sinnvollsten Verhaltensweisen einiges Wissenswertes bringen und hier „goruma.de“ zitieren. Bei allen europäischen Giftschlangen lassen sich im Prinzip die drei folgenden Vergiftungsstufen beobachten. Welche Art der Vergiftung im Einzelfall auftritt, hängt von zahlreichen Faktoren ab, so u.a. dem Alter des Gebissenen (Kind), dem Allgemeinzustand und natürlich davon, wohin die Schlange gebissen hat:

  • Leichtere Vergiftung
    In der Umgebung der Bissstelle treten Schwellungen und evtl. ein kleineres Ödem auf. Dazu kommen Übelkeit meist mit Erbrechen, eine erhöhte Herzfrequenz (Herzklopfen). Außerdem gibt es Schmerzen um die Bissstelle herum.
  • Mittelschwere Vergiftung
    Die Schwellung breitet sich aus, Ödembildung, dazu kommen Entzündungen der Lymphbahnen mit Verknotung und Rötung (Lymphangitis), Erbrechen, Durchfall, krampfartige Schmerzen im Bauchbereich, starke Blässe sowie ein erniedrigter Blutdruck
  • Schwere Vergiftung
    Starke, sich über die gebissene Extremität hinweg ausbreitende Schwellungen, wiederholtes Auftreten von (Kreislauf)Schockzuständen, bläuliche Hautverfärbung, Bewusstseinstrübungen bis hin zur Bewusstlosigkeit, evtl. auch ein Koma.

Schwere Vergiftungserscheinungen sind beim Biss einer Kreuzotter nur in wenigen Fällen zu erwarten. Neben (Klein)Kindern sind vor allem ältere oder gesundheitlich vorgeschädigte Menschen von schwereren Formen einer Vergiftung betroffen.

Verhaltensweise (auch wenn sie zum Teil im Gebirge nicht möglich sind):

  • Ruhe bewahren, sowohl körperlich wie auch psychisch. Falls vorhanden, ist die Gabe eines Beruhigungsmittels empfehlenswert
  • die gebissene Extremität ruhig stellen, den Arm in eine Schlinge legen und das Bein möglichst schienen.
  • die Schlange identifizieren
  • die Gabe von Flüssigkeit ist sinnvoll, aber nur in Form von Wasser, Säften u.ä. und nicht als Alkohol, Cola oder Kaffee
  • Dafür sorgen, dass die gebissene Person möglichst bald professionelle Hilfe bekommt
  • das Aussaugen, Ausschneiden oder Ausbrennen der Bisswunde hat sich als nicht sinnvoll erwiesen

Auch das Kühlen mit Eis hat sich als wirkungslos und teilweise sogar schädlich erwiesen. Durch starkes Kühlen können entstandene Gewebsnekrosen verstärkt werden und es kann zu Durchblutungsstörungen kommen.
Das Anlegen eines Immobilisierungs-Druckverbandes ist nach einem Biss dieser Schlange nicht nur nicht empfehlenswert, sondern verschlimmert die Bissfolgen meist noch.

typischer Lebensraum im Gebirge, felsdurchsetzte Bergwiesen

typischer Lebensraum im Gebirge, felsdurchsetzte Bergwiesen mit Schlupfwinkeln

Die Verwechslung der Kreuzotter mit der Schlingnatter ist sprichwörtlich für den Laien. Kreuzottern kommen bis weit über 2.000m Seehöhe vor, Schlingnattern (auch Glattnatter genannt) bis etwa 1.000m.
Mir selber ist es bereits passiert als ich die Unterschiede der beiden noch weniger kannte und im Internet noch nicht recherchiert hatte. Auf den „Platten“ im Halltal (Höhenlage ca. 1.100m, schon sehr hoch für diese Gattung) habe ich bei dem bekannten Riss, der sich am Weg zum Köpfl befindet eine Schlingnatter entdeckt und dachte vorerst an eine Kreuzotter.

Schlingnatter in den "Platten"

Schlingnatter in den „Platten“

Es gelang mir sie oberhalb der steilen, griffarmen Platten zu umrunden und vom breiteren Steig aus einige Aufnahmen zu machen.

Deutlich kann man die runden Natternpupillen erkennen und wenn man sich die Rückenzeichnung eingeprägt hat, dann kann man auch jene als untrügliches Zeichen der Schlingnatter erkennen.

Schlingnatter

Schlingnatter

Abschließend hoffe ich ein wenig Positives über das prinzipiell ungefährliche Wesen der Kreuzotter und die Mähr über die zum Tode führende Giftigkeit beigetragen haben zu können und hoffe der Leser sehe sie dadurch nun mit deutlich weniger Angst und Panik. Für eine mögliche Begegnung wünsche ich ihm, daß sie als aufregendes Naturerlebnis ausgehen möge und wenn sie mit einem Abwehrbiss enden sollte, dann mit schneller Genesung und ohne bleibenden Ärger oder gar Hass auf die Gattung des Nachbar Beißwurm.

Mils, 23.05.2015

Bild

Schitour Hafelekar – Halltal

In mehrerlei Hinsicht ist diese Tour eine lohnenswerte, die man nicht wieder vergisst.

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Nordkette von der Seilbahn Hungerburg-Talstation aus

 

Zum einen ist sie per Seilbahn schnell erreichbar, taucht sofort nach dem Ausgangspunkt, der Hafelekar-Bergstation, in das wilde Karwendel ab in dem man sich in vollkommener Abgeschiedenheit wiederfindet und erfreut sich der beiden moderat langen Aufstiege bis man dann vom Stempeljoch aus nur noch abfahrend dem Ziel zustrebt.

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Zum anderen ist die Tour eine perfekte Rundtour, die bei der Station am Löwenhaus der Hungerburgbahn beginnt – dorthin gelangt man bequem und mit einer einigermaßen befriedigenden Parkplatzsituation des Morgens am Wochenende mit dem Fahrzeug – und dort auch wieder endet, nachdem man das kurze Stück von 10min vom Hackl (Eingang Halltal) bis zur Bushaltestelle die Schi schultert und mit dem IVB-Bus um lächerliche €3,50.- wieder exakt bis zum Löwenhaus gebracht wird. Was für den Alpinschifahrer die Sella Ronda oder die Grande Guerra, das ist für den Tourengeher diese Tour.
Eine Situation wie diese findet man selten und das Erlebnis innerhalb der Nordkette ist einzigartig.

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Das Hafelekar

 

Nach der Ankunft mit der Seilbahn gibt es zwei Möglichkeiten. Man kann das kurze Stück auf die Hafelekarspitze aufsteigen (Schi geschultert) und hinten nordöstlich eine Rinne/einen Hang abfahren, oder man umfährt den Grat nach der Hafelekarspitze auf der Südseite, dem Inntal zugewandt, bevor man über eine Scharte ebenfalls ins Hafelekar abfährt.
Wir, Bene und meine Wenigkeit, wählten letztere Möglichkeit und mußten die Schi in der Nordseite der Scharte ca. 20Hm abwärts tragen, bevor wir zum Anziehpodestchen kamen.

In Bildmitte die Scharte, die nach der Umgehung der Hafelekarspitze in das Hafelekar hinunterführt

In Bildmitte die Scharte, die nach der Umgehung der Hafelekarspitze in das Hafelekar hinunterführt

Sodann geht es (moderat) steil die Rinne unter Scharte hinab und man erreicht den Talkessel des Hafelekar (auch Gleirschkar) wobei man sich östlich, an der Flanke des Ausläufers der Gleierschzähne nach Norden hält, um diesen Ausläufer zu umrunden.

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Nach der Umrundung des Ausläufers erreicht man den Talboden des Mannltals, fellt auf und läßt das Mühlkar, der Mannlscharte im Aufstieg zustrebend, rechts liegen. Hoch oben verläuft der Herman Buhl Weg und mittig in dem breiten Karkessel thront die Mannlspitze im Süden.

Aufstieg zu den Gleierschtaler Brandjoch Spitzen durch eine andere Gruppe

Aufstieg zu den Gleierschtaler Brandjoch Spitzen durch eine andere Gruppe

Der Aufstieg wird nun sehr genau östlich genommen und die Mannlscharte ist gut sichtbar. Ihr strebt man zu und erreicht nach einigen hügeligen Passagen den Aufstieg der nach oben hin stetig steiler wird. Wir haben die letzten ca. 30Hm die Schi getragen, da der Schnee sehr hart war und wir mit der Fellhaftung schon einige Mühe hatten. Harscheisen sind hier bei der richtigen Schnee- (Eis-) konsistenz von nicht geringem Vorteil.

Aufstieg zur Mannl Scharte

Aufstieg zur Mannl Scharte

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Auf der Mannlscharte blies der Föhn etwas weniger erbittert als am Hafelekar, jedoch reichte auch dieser, daß wir mit der Abfahrt keine Zeit verloren.

Auf der Mannl Scharte

Auf der Mannl Scharte

Die Abfahrt war nicht so toll wie jene zuvor in das Hafelekar, bei der wir in die nordseitigen Verhältnisse eingetaucht sind. Generell war der Schnee auf den südseitigen Lagen schlechter, härter und durch die Frosttauwechsel der letzten warmen Tage schwerer fahrbar. Trotzdem erfreuten wir uns an jeder einzelnen Abfahrt.

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Mit einigen Anschiebesituationen erreichten wir die südlichst mögliche Passage um die Reisenausläufer der von der Rumerspitze herabziehenden Reisen herum, versuchten damit möglichst wenig an Höhe zu verlieren und fellten wieder auf, um die letzte Erhebung dieser Tour, das Stempeljoch, zu erreichen.

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Der Föhn wechselte nun die Richtung und kam direkt auf uns zu. Nach der Querung des Kreuzjöchls, südlich unserer Route, wechselte die Richtung wieder und wir hatten den Föhn im Rücken.
Diesmal machten mir meine antiquierten Felle echte Probleme. Die Haftung war gleich Null und ich erinnerte mich an die Zeiten, als wir noch Spannfelle mit vorne und Hinten Riemen für die Querhaftung hatten.

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Aufstieg zum Stempeljoch

Nun ging es doch noch halbwegs akzeptabel, Querungen vermeidend, das Stempeljoch ohne viel Ärger und Fluchen zu erreichen. Die letzten 30Hm mit geschulterten Schi, aufgrund Schneemangels.

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Der Aufenthalt am Stempeljoch wurde ebenfalls wieder nur auf ein paar Fotos ausgedehnt, rasch stiegen wir in die kurze Rinne unterhalb des Joches ab, um diesen vorzüglichen Windschutz aufzusuchen.

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Nach dem Abfellen begann die lange Fahrt hinaus durch das Halltal. Immer so gut als möglich rechts, südlich an der Flanke der Latten- und der Wildangerspitze haltend, um der Sommerwegroute zu folgen.

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Die Schneeverhältnisse waren in diesem Nordhang wieder recht gut und die Abfahrt machte Spaß. Schlußendlich erreichten wir die Steinbergreise und genossen diesen Hang trotz recht wechselhafter Verhältnisse.

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Über die Straße, an Karls schlafendem Knappenhäusl vorbei, und nach einem schnellen tonischen Getränk in St. Magdalena erreichten wir – ohne die Schi auch nur einen Meter über die Halltalstraße tragen zu müssen – den Schranken beim Hackl.

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Der Bus – er fährt des Samstags alle 30min –  brachte uns, mit Blick auf die Nordkette während der Fahrt, wieder zum Löwenhaus zurück.
Bequemer kann es nicht sein und wenn man im Bus über die mannigfaltigen Facetten des, in so kurzer Zeit zum ersten Mal Erlebten vertieft nachdenkt, dann glaubt man es kaum und kann die Angeregtheit darüber nicht abstreiten.

Schi Heil und Berg Heil!

Mils, 21.02.2015

 

Erste Schitour Aufstieg

Schitour zum Ferdinand – ein erster Versuch nach langer Zeit

Nach gut 30 Jahren die erste Schitour für mich, die erste für Manuel überhaupt.
Die Schi-Renntätigkeit mit der letzten Saison endgültig an den Nagel gehängt und mit viel Vorfreude auf etwas, das ich Ende der ’70er und den frühen ’80ern immer als etwas besonderes, etwas optisch zauberhaftes, erstrebenswertes empfunden habe – als ich als Jugendlicher mit meinem Bergkamerad Udo begann Schitouren zu unternehmen – gingen wir nun ans Werk.

erste Schitour Aufstieg im Halltal

erste Schitour Aufstieg im Halltal

Seinerzeit konnten wir Felle in Meterware, Gurte und Kipphebelverschlüsse bei Sport Perktold in Wattens kaufen und Mutters Nähmaschine wurde arg in Mitleidenschaft gezogen, als wir uns unsere Ausrüstung bastelten. Klebefelle waren noch lange nicht erfunden…

Gilfert, Glotzen und alle gangbaren Gipfel im Watten- und Voldertal, im Westen den Rietzer Grieskogel, bis hin zu den klassischen südlichen Sellrainer Tourengipgfel habe ich sie noch alle in guter Erinnerung – und nun wieder in bevorstehender Erwartung – während wir die letzten Tage lang im Keller die uralten Ausrüstungen restaurierten, die wir schon vor Jahren geschenkt bekommen haben und nun endlich nutzen wollen.

erste Schitour Aufstieg
Den Kleber mit Terpentinersatz und Spachtel entfernt (funktioniert übrigens einwandfrei und ich ziehe sie der alternativ beschrieben Methode des Heißluftföns nach der nunmehrigen Erfahrung jedenfalls vor), neuen Kleber mittels Colltex Transfer Tape und Wachbügeleisen aufgebracht, die uralten Felle dann gegen Aufstollen gewachst, die brutal zugerichteten Schi sowohl am Belag repariert und gewachst als auch die Kanten gefeilt (hier kam uns Ausrüstung und Wissen der Schi-Alpin-Renntätigkeit voll zugute), Bindung auf die Schuhgröße angepaßt und die Auslösestärke eingestellt; das waren die Vorbereitungen.
Nun beabsichtigten wir eine klassische Route mit leichten Anfangsbedingungen, den Glungezer, zumindest bis zur Halsmarter oder dem Ende des Schleppliftes als Teststrecke zu nehmen. Ein Blick ins Internet bestätigte die traurige Vermutung, daß es drei Tage vor Silvester 2014 noch immer nicht möglich ist mit dem Lift bis zur Halsmarter aufzusteigen. Also machten wir uns auf den Weg bis zur Tulferhütte zu fahren. Schnell nach der Talstation erkannten wir, daß zum einen wesentlich weniger Schnee als auf unserer Talseite anzutreffen war und daß die Straße ersten nicht geräumt und zweitens bei Schneefahrbahn mit Kettenpflicht ausgestattet ist. Das Fahrverbotsschild mit dem Hinweis, daß nur Anrainer erwünscht wären ließ uns dann blitzartig in unser Halltal umkehren.

erste Schitour Ankunft beim Ferdinand

erste Schitour Ankunft beim Ferdinand

Mit ausreichenden Schneeverhältnissen schon bei der Golden Gate Brücke starteten wir dann unseren Test und staunten nicht schlecht wieviel Tourengeher uns um 14:30 Uhr talauswärts fahrend begegneten.
Die Flachstrecke bis zur ersten Ladhütte kamen wir uns unter den Rodlerfamilien etwas sonderbar exotisch vor. Der Hafttest für die Felle bei der Steigung am Bettelwurfeck wurde von der alten Ausrüstung aber einwandfrei absolviert und somit wuchs das Erfolgserlebnis schlagartig.

Ausrüstung aus "Anno Schnee"

Ausrüstung aus „Anno Schnee“

Wir beschlossen bis zum Ferdinand aufzusteigen, dort die abzufellen und noch einen Sprung in St. Magdalena vorbeizuschauen, es war immerhin schon 16 Uhr und der Aufstieg hat uns 1:20 gekostet.

Abfahrt vom Ferdinand

Abfahrt vom Ferdinand

Mit stolzer Brust trafen wir dort  ein und erlebten noch eine gemütliche Runde mit Bekannten, nachdem die großen Rodlerhorden ob der bevorstehenden Dämmerung bereits talwärts gezogen waren.

Aufbruch in der fotgeschrittenen Dämmerung

Aufbruch in der fortgeschrittenen Dämmerung

Selber erwischte uns noch die Dunkelheit insofern als Manuel wegen des spärlichen Lichtes aus der Gaststube mit noch wenig Routine in den Vorderbacken der Dynafitbindung einsteigen wollte und dabei einigermaßen Probleme hatte. In Ermangelung einer eigenen Lichtquelle (haben wir im Sommerrucksack im Tale gelassen…) bedurften wir der Hilfe eines Rodlerkollegen, mit dessen Scheinwerfer die Sache dann im Nu funktionierte.

Hilfe eines Kollegen mit Lichtquelle

Hilfe eines Kollegen mit Lichtquelle

Eine nette Abfahrt stand nun bevor und die letzte Erinnerung an einen schnellen Ritt aus dem Tal war das Mountainbike mit dem wir schon lange nicht mehr im Halltal waren.

Nach dem Bettelwurfeck beim Wasserstollen

Nach dem Bettelwurfeck beim Wasserstollen

Einige Rodler überholt und verzweifelt versucht die schöne Fahrt mit einem Video einzufangen kamen wir dann beim Wasserstollen an und mußten feststellen, daß es ohne Beleuchtung auch nur mehr möglich war Fotos zu machen, kein Video.

Abfahrt beim Wasserstollen

Abfahrt beim Wasserstollen

Den Rest der dann flachen Fahrt nach der ersten Ladhütte erledigten wir dann nahezu in Schußfahrt und haben hoffentlich keine aufsteigenden Rodler erschreckt.

Mils, 28.12.2014

 

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Fallbachkarspitze (Große Wechselspitze) 2.316m

Eine ausgesprochen anspruchsvolle Tour auf eine kühne Felsschneide hinter’m Haus und Zwischenziel der Königsdisziplin auf der südlichen Seite des Großen Bettelwurfes ist die Fallbachkarspitze.

Gleich vorweg sei erwähnt, daß die Fallbachkarspitze – im Volksmund und in jüngeren Karwendelführern auch Große Wechselspitze genannt wird – und daß diese Bezeichnung nicht richtig ist. Die Wechselspitze ist der kleine Sporn südöstlich der Fallbachkarspitze, von der Fallbachkarspitze getrennt durch eine Schlucht, die man durchsteigt, wenn man ins Fallbachkar aufsteigt (im AV Führer Klier 1951, Überarbeitung 1978 wird sie nicht einmal erwähnt). Diese wiederum nennt man auch Kleine Wechselspitze.
Die Höhenangaben der Fallbachkarspitze in der alpinen Literatur schwanken von 2.316m bis 2.324m.

Blick vom Gipfel der Hüttenspitze zur Fallbachkarspitze

Blick vom Gipfel der Hüttenspitze zur Fallbachkarspitze

Vom Inntal aus, vor allem wenn man genau südlich in Gnadenwald oder Mils zur Fallbachkarspitze emporschaut wirkt sie so, wie sie auch während der gesamten Besteigung ab der Wechselscharte bleibt, eine ungemein steile, kühne Felspyramide, deren mittlere Hangneigung im oberen Teil – gemessen nach alter Väter Sitte mit dem Aufdruck auf der Hülle meiner AV-Karte (Karwendel mittleres Blatt) – die 50° Marke erreicht. Dies wird einem spätestens 50Hm nach der Querung der Markierung mit der Stange bewußt.

Wir sind heute zu dritt mit unserem Kollegen Bene und beginnen den Aufstieg vom Halltal vom Parkplatz bei der Sprungschanze durch den Wald und – unmarkiert und nicht gut erkennbar für den Erstbegeher – ca. 300m vor dem Klettergarten durch den Wald zur Halltalerhütte hinauf. Die Alternative wäre die Halltalstraße bei der ersten Ladhütte am Steig rechts zu verlassen und durch die Ladhüttenklamm aufzusteigen. Der erstgenannte Anstieg ist in der AV-Karte als offizieller Steig rot eingezeichnet.

Von der Halltalerhütte geht es durch Mischwald weiter in Richtung Alpensöhnehütte. Dort trifft man nicht auf Wasser, denn die lächerliche, dieser Tage allgemein am Berg anzutreffende Hysterie um Keimfreiheit hat die Alpensöhne – so scheint es mir – veranlaßt den Brunnen abzudrehen (wer genaues darüber weiß möge bitte die Kommentarfunktion nutzen und den Sachverhalt darstellen). Jedenfalls haben wir aus diesem Brunnen schon Hektoliter getrunken und leben weiter.
Ich möchte das Thema Wasser speziell für die Sommerbesteigung nochmals besonders erwähnen, da wir schon des Öftern auf der relativ kurzen Tour zur Fallbachkarspitze bei dreiviertel der Strecke ohne Wasser dagestanden sind.
Man kann aber ca. 200m vor der Alpensöhnehütte dem schwachen Steig nördlich folgen und kommt nach ein paar Minuten zu einer Bank mit „Gipfelbuch“ und steigt dahinter im Wald auf mehreren Steigmöglichkeiten weiter (Weidevieh hat hier einige Steige hervorgebracht und man tut sich schwer immer exakt der Markierung zu folgen, wenn man sie nicht vorausblickend ansteuert.
Jeder Anstieg führt aber letztendlich zu einer Verengung der Steigmöglichkeit oben und, gleich einem Flaschenhals, spuckt der Wald den Ersteiger aus und man findet sich mit befreitem Gefühl auf einer luftigen, kurzen und zunternbewachsenen Querung wieder, die man dann links wendend über eine Rinne (Ferkelrinne) verläßt und gut markiert links der Rinne hochsteigt.
Nach ungefähr 150Hm erreicht man eine mehr oder weniger ausgeprägte Schotterreise, deren schottrige Stellen man tunlichst versucht auszustellen. Diese unangenehme Stelle ist jedoch recht kurz und oben taucht man, weiter westlich als die Reise, wieder in die Zuntern ein und steigt – immer gut markiert – zur Hüttenspitze, oder wie sie richtig heißt, dem Halltaler Zunterkopf empor.

die Nagelwand

die Nagelwand

Von hier aus hat man einen ausgesprochenen Logenplatz auf das Ziel, die Fallbachkarspitze und man erkennt auch präzise die trennende Schlucht bzw. im oberen Teil die Rinne die die beiden eingangs erwähnten Gipfel separiert (wobei man erwähnen muß, daß die Kleine Wechselspitze kein eigentlicher Gipfel ist, sondern ein Grat, der sich von der Rinne südwärts zieht und der am Ende mit einer Steilwand zur Wechselscharte abfällt).

Wechselscharte ist das Stichwort, das den nächsten Etappenpunkt darstellt. So toll wie man die weitere Tour nach oben sehen kann, so gut sieht man vom Gipfelkreuz der Hüttenspitze auch nach unten zur Wechselscharte, die man nun ansteuert. Leider verliert man dabei ziemlich genau 100Hm, die sich am Gegenhang als mühsam wieder eingenommen erweisen.
So wie man den Gipfelrücken der Hüttenspitze betreten hat, so verläßt man ihn wieder rechts bzw. östlich, etwas südlich des zunternbewachsenen Grates auf gut sichtbarem und markiertem Steig. Nach zwei Minuten erreicht man dann an der Südseite steileres Terrain und steigt über dieses weiter hinab bis sich der Steig nordwärts wendet und über Wurzelwerk hinweg erreicht man eine kleine Rinne, ca. 15m hoch, die in das Verbindungsgelände zur die Scharte führt und nach unten hin flacher wird.

An der Scharte angekommen sieht man schon etwas oberhalb einen recht neu angelegten Klettersteig, den man sogleich in Angriff nimmt. Es ist dies die Nagelwand und sie ist sehr steil, also empfiehlt sich für den Erstbegeher und den Vorsichtigen ein Klettersteigset. Steinschlag haben wir dort noch nie beobachtet, jedoch ist ein Helm auch für die weitere Tour von Vorteil.

Am Ende der Nagelwand (auch Ende des Klettersteiges) dreht man sich außer Atem zur Hüttenspitze um und hat somit den Abstieg wieder kompensiert. Gleichzeitig ist es nun ziemlich heiß geworden, wenn man die Tour an einem wolkenlosen Tag unternimmt. Ab jetzt stellt sich die Frage nach dem Trinkvorrat…

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Durch die Zuntern und teilweise anstrengendes Gelände steigt man weiter, an der kleinen verwitterten Holztafel mit dem Abzweig „Fallbachkar“ bis zum flacher werdenden Rücken empor und achtet nun auf die Markierung mit einer Holzstange in einer Steinanhäufung. An dieser Stelle hat man die Wahl zwischen dem Grat und der westlich davon gelegenen Rinne.
Wir nehmen die Rinne und hoffen – je nach Tageszeit – auf einige schattige Stellen in dieser beim weiteren Aufstieg. Nach der Holzstange einige Meter abwärts und sogleich wieder steil über eine kleinstückige Reise hinauf bis die Rinne felsdurchzogen wird. Der weitere Anstieg ist sehr schön voraus zu sehen, da zwei Tage vor unserer Begehung (unsere Begehung fand am 9.6. statt) die uralten vergilbten Punktmarkierungen mit einer dunkelrot schimmernden Farbe streifig sehr schön sichtbar neu markiert wurde und auch das GB ausgetauscht wurde. Danke Mander!

Markierungsstange

Markierungsstange

Nun offenbart sich die Rinne mit ihrer extremen Steilheit über gute 250Hm bis zu einem schmalen Grat, der von der Hüttenspitze aus gut sichtbar ist. Hat man diesen erreicht steigt man, sich nach Osten drehend, über eine kleine noch steilere Rinne ca. 20m hinauf und befindet sich auf einem einladend flachen, wiesenbewachsenen Plateau mit – um diese Jahreszeit – im Sonnenlicht unerschrocken aufgerichtet und kraftstrotzenden Enzianen und Platenigln.

Basislager am Plateau

Basislager am Plateau

Das Plateau zum Verweilen genutzt und den weiteren Anstieg nun im echten Klettergelände gemustert steigt man nun an der Ostseite des Gipfelaufbaues zuerst einige Meter fast eben auf einem schmalen und dann breiter werdenden Band bis zur Einstiegstelle der Kletterei und befindet sich nur mehr ca. 50Hm unter dem Gipfelgelände. Die leichte Verschneidung gilt es nun zu meistern und wir haben sie vor sieben, acht Jahren auch nicht beim ersten Mal geschafft. Es gilt jedoch nicht die Nerven wegzuwerfen, denn die Verschneidung ist sehr gut mit festen Griffen und Tritten ausgestattet, hat an der schwierigen Stelle einige Klammern als Steig- und – bei Bedarf – Sicherungshilfe und formt sich im oberen Teil symphatisch eng, einem Mutterschoße gleich und beugt somit dem Kitzel der Ausgesetztheit vor.

die Verschneidung am Gipfelaufbau

die Verschneidung am Gipfelaufbau

Am Ende der Verschneidung wird es etwas luftiger und man wendet sich fast 120° nach links, umgeht einen Felssporn und ist am zuerst schmalen Grat, der sich nach wenigen Metern verbreitert und nimmt die letzten Höhenstufen zum ca. 100m entfernten Gipfel.

...am Ende der Verschneidung wendet man sich 120° nach links...

…am Ende der Verschneidung wendet man sich 120° nach links…

die letzte Markierung im Aufstieg

die letzte Markierung im Aufstieg

Die Aussicht zu allen Himmelsrichtungen ist phänomenal und entschädigt für die Mühen.
Im Norden das Bettelwurf-Osteck; es liegt ausgebreitet vor einem da und lockt mit einer wild aufragenden letzten Steilwand, die heuer auch noch gemeistert werden wird.
Im Süden das Wiesenplateau und die Felsabstürze des Ausläufers, im Westen der beginnende Eisengatterergat und die Bettelwurfhütte, gerade noch über dem Grat sichtbar, sowie im Osten die mächtige Formation der Hohen Fürleg, die mit den wild gezackten Fallbachkartürmen – dem Unterkiefer eines Raubtieres gleich – in Verbindung mit König Bettelwurf steht.

das Bettelwurf-Osteck

das Bettelwurf-Osteck

die Bettelwurfhütte hinter dem beginnenden Eisengatterergrat

die Bettelwurfhütte hinter dem beginnenden Eisengatterergrat

Hohe Fürleg

Hohe Fürleg

Der Rückweg von der Fallbachkarspitze wird normalerweise nicht angetreten, sie ist viel mehr Zwischenziel des Aufstieges zum Osteck des Großen Bettelwurf. So wie viele Tourenberichte es tun müssen auch wir den Abstieg als strapaziös und langwierig beschreiben. Man tritt ihn mit Vorsicht an, die Steilheit des Geländes läßt nur verminderte Gehgeschwindigkeit zu und oft muß man in der Rinne richtig abklettern. Man beachte dies bei entsprechenden Wetterbedingungen. Der Wetterschutz, den man bis zur Wechselscharte finden kann, ist kärglich.

die Aufstiegsrinne zum Plateau im abstieg

die Aufstiegsrinne zum Plateau im abstieg

Es gibt eine Möglichkeit am Verbindungsgrat zum Osteck zum Bettelwurfkar und weiter zum Eisengatterergrat zu queren und somit wäre man auf leichtem Abstiegsgelände und mit der Bettelwurfhütte sogar in Biernähe, jedoch können wir diese Variante noch nicht antreten und jetzt nicht beschreiben, da wir sie erst finden müssen. Und dies wird heuer von der anderen Seite im Aufstieg erfolgen, denn die Rinnen, die dabei in Betracht kommen, möchte man bei der Erstbegehung lieber aufwärts durchsteigen als abklettern.

das Gröbste geschafft

das Gröbste geschafft

Den Rückweg ohne nennenswerten Trinkvorrat gemeistert und die Wechselreise in Rekordtempo mit -80Hm/min auf der Vector genommen kann uns nichts mehr vor dem nahen Gh. Walderbrücke aufhalten. Ein Minigewitter ist auch schon im Anrollen.

ein Minigewitter treibt uns  die Reisen hinab...

ein Minigewitter treibt uns
die Reisen hinab…

Man rechne mit dem Aufstieg bis zur Hüttenspitze mit ca. 1:30 Stunden und bis man die gleiche Höhe auf der Nagelwand erreicht hat mit nochmals gut 30min. Von dort wird es mühsam und für den Aufstieg bis zum Plateau addiere man weitere 1:30 bis 1:45 Stunden. Den Gipfel ab dem Plateau erreicht man in 15 bis 20min.
Der Rückweg läßt sich in 2:30 bis 3 Stunden ausführen, vor allem wenn man die Reisen zum Abfahren nimmt. Sie sind in Summe 700m hoch und können über weite Teile benutzt werden.

Mils zu Sonnwend 2014