Archiv der Kategorie: Tuxer Alpen

Schitour Hirzer, 2.725m über Hirzerkar

Die Alternative des Anstiegs auf den Hirzer über das Wattental stellt die zehn Kilometer lange Schitour über den Kolsassberg und das Hirzerkar dar. Diese Schitour ist um einiges länger und im Hochwinter stellt sie die zweifellos schattigere Variante dar. Im Frühjahr beschränkt sich die Abschattung nur auf ein kurzes Stück von etwa einer halben Stunde Gehzeit, bei dem Grat und Wildofengipfel am Morgen im Weg stehen.

Hirzer, 2.725m

Der nordseitige Anstieg durch das Hirzerkar läßt auch im Frühjahr noch auf gute Abfahrten hoffen und die unsere war phänomenal angesichts der Schneeverhältnisse ringsum durch die Wetterfront ein paar Tage zuvor.

Anstieg Schitour Hirzer über Hirzerkar

Startpunkt des grandiosen Anstiegs ist der kleine kostenlose Parkplatz beim Fanghaus (Anm.: Haus (Wirtschaftsgebäude) innerhalb einer Einzäunung) am Weerberg auf 1.025m. Von dort gibt es des Winters eine Tragestrecke über ein paar hundert Meter der Straße entlang und im Frühjahr müssen die Schi unterschiedlich weit geschultert werden – in unserem Fall bis weit in den Wald, etwa 220Hm, knapp unter die Jagdhütte.

Hirzer im Zoom von der Studlalm

Ab dem Schranken wäre zwar am Weg noch über nennenswerte Strecken Schnee gelegen, jedoch häufig unterbrochen, sodaß ein ständiger Wechsel erfolgen hätte müssen. Die Strecken durch den Wald waren schon sehr mit Flechten, Nadeln und abgebrochenen Zweigen belegt, sodaß die Felle jede Menge Wald auf die Klebeseite aufnahmen – aber: ohne Fleiß kein Preis.

 

am Ende des „Damms“ – der zu durchschreitende Wald voraus

Den Waldanstieg ab der vorletzten Kehre zur Studlalm war einigermaßen gut gangbar, mit weniger Gehölz als die enge Waldstrecke vorher. Auf dem Weg wäre es noch besser gewesen, jedoch auch um einiges länger.

 

am Ende des Waldes, Pkt. 1.792m

Beim Zaun zur Studlalm (1.500m) erreichten wir dann gute Schneeverhältnisse, hart, durchgehend und immer noch genügend hoch. Gleich nach dem Erreichen des Almweges öffnet sich auch ein schöner Blick auf das Tagesziel, dem Hirzer, der im Morgenlicht majestätisch in der Ferne aufragt und seinen schönen Nordhang zeigt.

Evi erfreut – der Waldanstieg im Hintergrund

Die Alm wird links liegen gelassen und dem Weg noch über die Alm hinaus weiter gefolgt. An der Kehre zur Alm führt die Tour dann rechts zum Sagbach hinein und über die Brücke auf die Westseite des Tales. Die Alternative wäre auf der Ostseite des Sagbaches zu bleiben und durch diesen Wald aufzusteigen. Dieser Anstieg ist aber schattiger und wurde von uns zur Ausfahrt genutzt.

Doris und Manuel mit dem Wildofen im Hintergrund

Nach der Überschreitung des Sagbaches wendet sich der Aufstieg auf dem Almweg zur Sagalm etwas nach rechts und nach ca. 200m wieder nach links auf eine Art Damm hinauf, die bei unserer Begehung bereits in Sonnenlicht getaucht war.

kurz vor dem Flachstück – jeder hat schnell etwas festzuhalten…

Der Damm läuft nach Süden gegen eine kleine Jagdhütte hin aus und geht in den Hang über, der vom Poferer Jöchl herunterzieht und auf dem ein schöner Kiefernwald wächst, den man querend bis zum Talende durchschreitet.

Einblick in Hirzerkar knapp vor der Flachstelle

Am Ende dieser Waldstrecke wird die Route leicht abschüssig und man verliert ein paar Höhenmeter. Diesem könnte man aber vorausschauend entgegensteuern indem weit genug in den Wald aufgestiegen und oben ein Weg erreicht wird (haben wir erst bei der Abfahrt gesehen). Allerdings muß dann eine Lawinenrinne vom Poferer Jöchl herab gequert werden, die bei unserer Begehung bereits abgegangen war.

Sonnenstand über dem Wildofen um 9:26 Uhr Anfang April

Bei unserer Variante über den Steig durch den Wald erreicht man am Talende auf 1.792m den Bach an dessen Westseite im Einschnitt zuerst steil, dann flacher aufgestiegen wird bis er auf einen pistenartigen Hang überschritten wird. An dieser Stelle vereinigen sich die Aufstiegsrouten wieder, die Route ostseitig neben dem Sagbach und unsere durch den Wald.

in Bildmitte hinter dem Lärchlein die Aufstiegsmulde

Die weiteren sanft gestuften Hänge ziehen mit mäßiger Steigung im noch breiten Tal empor. Der Baumbewuchs endet auf 1.950m.

mitten in der Flachstelle – Aufstieg führt rechts nach oben

Der Anstieg erfolgt an der rechten Begrenzung im Hirzerkar mit Spitzkehren durch eine nach oben hin schmaler werdende Rinne auf eine flachere Geländestelle auf 2.350m etwa 150Hm unterhalb des wenig ausgeprägten Kammes zwischen Hirzer und Sagspitze.

Aufstiegsmulde – durchwegs nicht wenig steil

Dort dreht der Aufstieg wieder etwas nach links (Süd) und ein mittelsteiler Hang muß bis knapp unterhalb der Kammhöhe aufgestiegen werden.

Ende der Mulde, nach links oben geht es weiter

Hier zweigte eine Spur auf den Kamm ab – möglicherweise eine Alternative, die zum Aufstieg vom Wattental führt.

abzweigende Spur – im Bild nach rechts oben, hier haben wir uns links nach oben gehalten

Wir haben den schönen breiten Hang bis auf den Grat, etwa 50Hm unterhalb des Gipfels nicht verlassen und damit den logischeren Restaufstieg gewählt.

Blick zum Gipfel bei der Abzweigung der Spur zum Kamm

Auf den letzten Metern des schönen restlichen Aufstiegs beginnt man die Länge der Tour zu spüren, vor allem dann, wenn man tags zuvor auch keine kleine Tour absolviert hat.

letzter längerer Hang, links die Gipfelkuppe – ein Traum im Gegenlicht

Da kommt die Scharte am Ende des langen Hanges unterhalb des Gipfels gerade recht – der tolle Ausblick auf westliche Tuxer und die Zillertaler im Süden lädt zu einer letzten Pausenminute ein.

Ausblick an der Gratkante knapp unterhalb des Gipfels des Hirzer

Vom Pulver wechselten wir auf die Westseite des Hirzer und fanden dort harte Oberflächen auf abschüssigem Gelände vor, weniger Spaß auf den letzten Metern als der Aufstieg aus dem Hirzerkar.

letzter Anstieg auf den Hirzer

Am Gipfel recht durch ein Lüftl kalt und zunächst nichts los, ein Ehepaar verabschiedete sich bald nach unserer Ankunft in Richtung Wattental. Die beiden wurden kurz darauf durch drei andere aus dem Wattental abgelöst. Während unseres gesamten Aufstieges trafen wir drei Tourengeher im Hirzerkar bei der Abfahrt an, sonst war an diesem herrlichen Tag niemand unterwegs.

Gipfelkreuz am Hirzer, 2.725m

Vom Hirzer aus kann das Wattental in seiner Ausdehnung gut überblickt und alle Gipfelziele eingesehen werden – ein grandioser Ausblick.

im Südwesten das hintere Wattental und Zillertaler im Hintergrund

Im Osten beeindrucken die Gipfel um das Weertal mit Hobarjoch, Halslspitze und Rastkogl, sowie die dahinterliegenden Zillertaler Gipfel.

schöne Gipfel im Weertal – als Schitouren alle hier auf dem Blog beschreiben

Nach einer halben Stunde beschlossen wir die Abfahrt in Angriff zu nehmen. Das kalte Lüftl war nicht besonders wirtlich und der Hirzer verfügt über keine echte windabgeschotteten Rastplatz.

Doris erhält ihre prophylaktische Dosis

Zunächst wurde die beste Abfahrtsroute erkundet, wobei uns der dem Wildofen zugeneigte Hang als zu steinig erschien und wir die direkte Route über die steilen Passagen des Nordhanges auswählten. Daran hatten wir gut getan, denn die Abfahrt über fast 700Hm in feinstem Pulver war phänomenal.

der Hang zum Wildofen hin erscheint zu steinig

Zwar muß die Fahrt wegen eingestreuter Felsen und Steinbrocken mit weiter Vorausschau erfolgen, die Hänge sind aber breit genug, um mit Tempo den Hindernissen auszuweichen. Im oberen Teil – so der nachträgliche Eindruck – lauern mehr Hindernisse als im Mittelteil und unten.

Manuel im oberen Steilhang

Hier ein Video der phantastischen Abfahrt, beginnend mit einem steilen Hang am unteren Ende des oberen Teils:

Manuel hat am letzten Hangteil unten die steilste Abfahrt befahren (~40°) bei der die Steilheit anhand der Schneerutschungen sichtbar wird (siehe Bildergalerie).

herrliches Abfahrtsgelände

Voll Freude und überrascht blickten wir unten auf unsere Abfahrten zurück. Im Wissen wie die Schneeverhältnisse an diesem Wochenende tags zuvor andernorts in der Umgebung beschrieben wurden, dann konnten wir unsere fast hochwinterliche Pulverfahrt kaum glauben.

Manuel nach dem Steilhang am Kesselboden des Hirzerkars angelangt – traumhafte Hänge!

Bis auf 2.100m hinab bescherte uns der grandiose Nordhang höchstes Vergnügen.

Rückblick auf die Abfahrt von unten

Im Flachteil herrschten dann klarerweise Frühjahrsverhältnisse. Der Firn im Becken war zur Mittagsstunde bereits recht tief aufgeweicht, jedoch noch gut fahrbar. An der Kante zum Talschluß hinab änderte sich die Schneeoberfläche durch die Neigung und die lange Abschattung durch den Wildofen wieder hin zu eher harten Verhältnissen, jedoch gerade angetaut – ebenfalls ein tolles Fahrgefühl auf der Südseite des Tales.

Rückblick vom Übergang auf die Abfahrtshänge – in Bildmitte unsere Spuren direkt unter dem Gipfel

Ein anregendes Gefühl erlebt man dann auf firnbedeckter und im Untergrund harter Schneedecke durch den aufgelockerten Zirbenwald hindurch, wenn links und rechts Bäume vorbeiflitzen.

Rückblick auf den Hirzer

Die meisten Spuren befinden sich auf diesem Teil mittig im Tal wie uns der Rückblick zeigte. Es dürften dort auch gute Firnverhältnisse geherrscht haben sein, dennoch zogen wir die Abfahrt durch den Wald am Hang des Wildofens bis auf etwa 1.800m vor.

anregendes Gelände bei tollem Firn

Eine weitere Waldabfahrt wird durch Felsbrocken und die Geländeform verhindert und wir mußten etwa 100Hm ins Tal abfahren.

hier endet die Weiterfahrt talauswärts und die Abfahrt ins Tal ist erforderlich

Im Tal angelangt bleibt der Normalweg knapp neben Bach als einzig mögliche Ausfahrt über. Sie ist aber genauso reizvoll wie die oberen Teile nach dem Hirzerkar. Die Mulden und Rippen verlangen in der meist rasanten Waldabfahrt schnelles Reagieren und etwas akrobatisches Gefühl, wie das meist bei engen Waldabfahrten so anfällt. In Summe auch ein lustiger, überraschungsreicher Abschnitt.

Ausfahrt im Tiefsten des Tales – sehr schönes Gelände

Den Almweg erreicht man ohne große Orientierungsnotwendigkeit im auslaufend flachen Teil der Abfahrt wieder, kurz vor der letzten Kehre zur Studlalm.

Rückblick auf die Ausfahrt aus dem Wald

Am unteren Ende des Almgeländes zurückgeblickt schauten wir auf eine großartige Schitour mit allen wünschenswerten Elementen, die sie in diesem Gebiet aufweisen muß. Sie kann als eine der schönsten Touren in den Tuxern im Kopf behalten werden – und dieser Eindruck liegt möglicherweise in unserer Begehung im Frühjahr.

beim untersten Gebäude der Studlalm

Die Abfahrt über die Waldschneise wollten wir uns dem vielen Baumabfall und abgebrochenem Geäst am Weg wegen nicht antun und wählten diese über den Almweg ab dem untersten Gebäude der Studlalm. Dieser Weg befand sich in gut befahrbarem Zustand bis hinab auf 1.220m.

pic of the day! kurz vor dem Ende einer grandiosen Tour 07.04.2019

Mit 6:33 Stunden, genau 1.700Hm und einer Strecke von 10km ist die Schitour auf den Hirzer über das Hirzerkar eine längere Tour, die im Frühjahr zeitig angetreten werden sollte. Je nach Schneelage fällt eine mehr oder wenig lange Tragestrecke an, in unserem Fall, Anfang April, über mehr als 200Hm bzw. etwa 30min. Der Aufstieg nach der Studlalm links vom Bach ist gleichzeitig die Abfahrtsstrecke, der Aufstieg am rechtsseitigen Damm und im Wald danach stellt die sonnigere, von uns gewählte Variante dar.

Mils, 07.04.2019

Malgrübler, 2.749m – Schitour vom Wattental

Liebe Leser,

wie ihr im Tourenverzeichnis sehen könnt sind wir einige Touren hinten in der Dokumentation – erhöhte berufliche Reisetätigkeit hat Spuren hinterlassen.
In Kürze aber werden die ausständigen Touren nachgetragen. Zwischenzeitlich viel Spaß mit dem Video der heutigen tollen Abfahrt vom Malgrübler:

Berg Heil!

r&m
31.03.2019

Schitour Hobarjoch, 2.512m – über Weidener Hütte und Nafingalm

Die rassigste Schitour im Nafingtal stellt wohl unbestritten der Aufstieg über die teilweise steile Nordostmulde auf das Hobarjoch dar. Durch die Steilheit des Hanges im unteren Teil, sowie der westlich begrenzenden Graterhebung bedarf es für diesen Anstieg entsprechend guter Schneeverhältnisse und geringer Lawinengefahr.

Britta am Gipfelplateau des Hobarjochs, 2.512m

Die Schitour besticht im Spätwinter auch wegen der prächtigen und durchgehenden Sonnenbestrahlung vom Tiefsten des Nafingtales bis zum Gipfel. Ein Umstand der je nach Jahreszeit und Temperaturverhältnissen gegebenenfalls auch einen rechtzeitigen Aufstieg erfordert. Der Aufstieg von Innerst bis zur Weidener Hütte möge mit gut 1 ½ Stunden kalkuliert werden.

Vom Parkplatz Innerst zum Hobarjoch geschaut

Als Alternative steht bei schlechteren Verhältnissen der Aufstieg über das Hubertuskreuz und den Vorgipfel des Hobarjochs zur Verfügung. Dieser Aufstieg bietet nur kurze Passagen mit Hangneigungen  über 30°, vor allem aber keine steileren Hänge oberhalb der Aufstiegsroute. Zum Abschluß dieser Variante kann man über eine kurze Gratkletterei auf den Gipfel des Hobarjochs, oder man läßt diesen letzten Teil aus, bleibt etwa 30Hm unterhalb des Gipfels und fährt über das Aufstiegsgelände und unten über den lichten Wald ab, wobei man dabei wieder zum Ausgangspunkt, dem Wegkreuz vor der Nafingalm, oder weiter hinab bis auf Höhe der Weidener Hütte fahren kann. Bei letzterer Abfahrtsvariante werden allerdings etwa 30 bis 50Hm Aufstieg zur Weidner Hütte fällig, je nachdem wo der Bach überquert wird. Diese Variante wird hier nicht beschrieben.

von der Weidener Hütte auf das Hubertuskreuz geblickt

Nach dem passieren der Weidener Hütte wird nach weiteren 120Hm das erste Wegkreuz vor der Nafingalm (rechts im Hangrücken zum Bach hinab und schmiedeeisern) erreicht. Knapp nach diesem zweigt der Anstieg zum Hobarjoch rechts ab und führt über ein paar Meter hinab zum Nafingbach, der – in unserem Fall an diesem herrlichen Märztag – unsichtbar unter der massiven Schneedecke liegt und überquert wird.

Nafingtal im Morgenlicht; nach der bewaldeten Stufe geht es rechts ab

Auf den ersten Minuten Aufstieg auf der Gegenseite des Baches sieht die Hangneigung plötzlich völlig anders aus, die Steilheit der unteren Stufe wird erst dort optisch so recht sichtbar.
Diese erste Stufe erfordert einige Spitzkehren, die Route meist direkt unterhalb der steilen Hänge vom Gratrücken herab verlaufend, immer den steilsten Stücken im Hang ausweichend – ein Anstieg, der richtig Freude bereitet.

Aufstiegsgelände; rechts im Bild der Alternativaufstieg mit Hubertuskreuz

Durch die Kaltfront und den nicht unbeachtlichen Neuschnee tags zuvor erlebten wir eine echte Winterlandschaft und wenn die Temperaturen nicht so mild gewesen wären, dann hätte man in der Umgebung geglaubt den Jänner zu sehen.

Abzweig Route Halslspitze/Hobarjoch

Nach kaum 100Hm, etwa auf 2.000m, zweigt rechts die Aufstiegsroute zum Hubertuskreuz ab, die eingangs kurz als Alternative beschrieben ist. Wir folgten der rassigeren Route hinauf zur schönen Mulde mit dem angenehm abgestuften Mittelteil.

Überquerung Nafingbach

Der Mittelteil der Tour beginnt auf rund 2.100m nach dem steilen unteren Teil etwa 20min nach der Bachüberquerung. Ein paar größere Felsbrocken vom Gratrücken herab stellten an unserem Tourentag die einzige Unterbrechung des Weiß in der heimeligen halbflachen Mulde dar. Oberhalb dieser Felsbrocken wartete die nächste kurze Steilstufe idyllischer Ausprägung – ein wahrer Traum dieser Anblick.

steiler unterer Teil des Aufstiegs zum Hobarjoch

Durch unseren westseitigen Aufstieg erreichten wir die obere Kuppe, die, recht abgeblasen, für eine kurze Strecke auf harschiger Schneedecke sorgte. Dies war die einzige Stelle im Mittelteil, die nicht von Neuschnee bedeckt und nach ein paar Minuten auch schon überwunden war.

Abzweigung zum Alternativaufstieg über das Hubertuskreuz

Das folgende, etwas flachere Teilstück führt in wenigen Minuten hin zum letzten Steilhang, der gleichzeitig den Gipfelhang bildet. Bis zur Gipfelkuppe kann der Hang vom Flachstück aus eingesehen werden und der Aufstieg mit seinen wenigen, oben im steilsten Abschnitt etwas verdichteten Spitzkehren liegt vor seinem Bezwinger. Ein toller Hang – leicht felsdurchzogen und leider zuvor dem Wind ausgesetzt, daher etwas harschig bei der Abfahrt aber dennoch phantastisch zu fahren.

prächtiges Gelände unterhalb des Gratkamms

Dem steilsten Stück folgt gleich die stetige Abflachung des kofelartigen runden Gipfels. Zuvor noch kann der kleine Felssporn am Gratrücken eingesehen werden, den man überklettern muß, um auf den Gipfel des Hobarjochs zu gelangen wenn der Alternativaufstieg über das Hubertuskreuz genommen wurde. Keine besondere Herausforderung an Kletterkünste, jedoch mit Tourenschuhen und nicht einsichtigem Untergrund eine Sache, die erhöhte Aufmerksamkeit erfordert.

malerische Szenen am Aufstieg zum Hobarjoch

Am Gipfelplateau angekommen fällt ein Vermessungszeichen anstelle eines Gipfelkreuzes auf – es handelt sich um die Bezirksgrenze zwischen Innsbruck-Land und Schwaz.

flacheres Teilstück nach dem unteren Steilhang

Das Gipfelkreuz befindet sich auf einem Nebengipfel, der durch ein seichtes Sattelchen separiert ist und im Wettstreit über die größere Höhe fällt es optisch schwer den Nebengipfel als den höheren anzuerkennen. Möglicherweise liegt die Verlagerung des Gipfelkreuzes am Hobarjoch auf den Zwillingsgipfel in der gewünschten allseitigen Sichtbarkeit des Vermessungszeichens.

phantastisches Gelände in der Aufstiegsmulde zum Hobarjoch

Die in den meisten Internetberichten zu findende Bezeichnung „Almkogel“ ist falsch, jener Gipfel befindet sich 1.170m weiter westlich in Richtung Hippold und er ist um knapp 100m niedriger als das Hobarjoch.

bereits im oberen Teil unterhalb des steilen Abschnittes

Der Gipfel mit dem Kreuz ist ein Zwillingsgipfel vom Hobarjoch, der Almkogel ist vom Gipfel mit dem Vermessungszeichen aus nicht sichtbar, weil er sich in der Flucht des Zwillingsgipfels befindet. Mit Ausnahme von Tiris greifen die meisten Webseiten auf ein falsch bezeichnetes Kartenwerk zu.

steiler Teil am Gipfelhang

Richtung Nordwesten fällt ein traumhaft anzusehendes Kar zur Krovenzalm ab und hinter der Krovenzalm ragt eindrucksvoll der Hirzer auf.

Vermessungsmarke am Hobarjoch

Richtung Südwesten thront der allgegenwärtige Gipfel der Zillertaler, der Olperer und selbst in 17km Entfernung macht der massive formschöne Gipfel einiges her.

Blick zum Olperer

Im Osten bestechen die weiß gekleideten Hänge im Nafingtal, wobei ebenfalls die Gratkette des Nurpenstales weiter im Osten deutlich sichtbar ist, mit dem Gilfert im Nordosten beginnend und mit dem markanten Rastkogel im Osten endend.

Panorama Nafingtal und dahinter Nurpenstal

Nach Rast und dem Genuß der Szenerie freuten wir uns auf die tollen Abfahrtshänge. Am Steilhang unter dem Gipfelaufbau mußte vorausschauend das etwas seichte Schrofengelände durchfahren werden in dem man gut tut lieber einmal mehr hinzuschauen ob einzelne Spitzen sichtbar sind. Sobald die Neigung nachläßt empfanden wir die Bedrohung für den Schibelag überwunden und konnten unbeschwert die Mulde darunter bis zur nächsten Stufe abfahren.

Rast am Hobarjoch

Im weiteren Verlauf bestand keinerlei Gefahr von Steinkontakt, der Neuschnee bescherte uns eine wahrlich hochwinterliche Pulverabfahrt bis zum Nafingbach hinunter. Mehrmals hielten wir inne um das Erlebnis auszukosten.

Die Abfahrt über den unteren Teil bedarf, nachträglich betrachtet, wirklich guter Verhältnisse. Man mag Schlupflöcher mit Neigungen um oder unter 35° finden, der Hang insgesamt betrachtet muß aber darüber eingestuft werden und ist bei Warnstufe III nicht mehr sicher genug.

die Abfahrt – ein Traum

Bei unseren Verhältnissen jedoch bleibt diese Abfahrt in guter Erinnerung – ein Traumhang der im Nafingtal sicher die Krönung an Aufstiegs- und Abfahrtserlebnis darstellt. In der Bildergalerie befindet sich die Aufzeichnung unseres Aufstiegs und der Abfahrt ab dem Wegkreuz und zurück.

bereits wieder fast unten am Nafingbach

Beim Bergsteigermenü – Knödelsuppe und Bier – in der Weidener Hütte genossen wir noch die Mittagszeit bevor der 5.5km lange Weg mit ein paar kurzen Stücken leicht anschiebend talauswärts in Angriff genommen wurde.

unberührtes Talende im Nafingtal

Für die Tour werden gut 6 Stunden benötigt, incl. kurzer Trinkpausen, etwa 35min am Gipfel und ebenso lange auf der Weidener Hütte. Dabei werden knapp 1.360Hm und etwa 8km Aufstieg zurückgelegt.

Mils, 02.03.2019

Nafingköpfl, 2.454m – über Weidener Hütte und Nafingalm

Die Alternative zum Aufstieg auf das Nafingköpfl über die Fiderissalm besteht im Aufstieg bis zur Nafingalm und über einen Teil des Anstieges zur Halslspitze.  Somit wird eine kleine Runde beschrieben.

vom Nafingköpfl nach Norden geblickt – der Kamm zwischen Nafing- und Nurpenstal

Von Innerst müssen zunächst 5,5km und 550Hm zur Weidener Hütte zurückgelegt werden. Bei der heutigen Begehung mußte gespurt werden. Am Anfang der Strecke durch einen Hauch von Neuschnee, am Ende durch knapp 10cm davon. Das Maximum an Neuschnee auf der Tour, im Bereich und oberhalb der Nafingalm, kann mit 15cm beziffert werden.

Nafingtal vor der vermeintlichen Wetterbesserung

Aufgrund der Wetterfront, wie so häufig mit beharrlichem Auftreten an den drei letzten Tagen der Woche, konnte keine interessantere Tour in Angriff genommen werden. Der prognostizierte Sonnenschein, zumindest Wetterbesserung war bis weit nach 14 Uhr nicht in Sicht und so wurde das Nafingköpfl zur Verlegenheitstour in diffusem Licht.

Aufstieg zur Weidener Hütte – bei diesem Haus endete die Waldabfahrt

An sich sind alle Schitouren auf diesem Kamm bei gutem Wetter ja schier unvergesslich schöne, weshalb der Autor im langen Aufstieg zur Weidener Hütte beschloss keine beleidigte Miene aufzusetzen und das letze aller dortigen „Gipfelchen“ zwischen Nafingtal und Nurpenstal, der von ihm noch nicht bestiegen wurde, in freudiger Erwartung bei wenig Sicht und alleine zu begehen.

vor der Weidener Hütte

Von der großartigen Überschreitung von der Halslspitze zum Rastkogel war die Strecke bekannt und es mußte nur eine geeignete Stelle in geeigneter Höhe ausgesucht werden den Anstieg zur Halslspitze zu verlassen und gegen derer Richtung in die entgegengesetzte Anstiegsrichtung nach Nordosten zu wählen.

Hubertuskreuz von der Nafingalm aus – dahinter , kaum sichtbar, das Hobarjoch

Diese Stelle lag nach heutigem Ermessen bei schlechter Sicht über die Hänge schräg hinüber zum Nafingköpfl etwa auf 2.250m, also recht genau 200Hm unterhalb des Gipfels.
Bis dorthin konnte in der Spur der Vorgänger aufgestiegen werden und die offenbar wenig versierten Vorsteiger nutzten Harscheisen auf harter Unterlage unterhalb von etwa 15cm Neuschnee.

Blick talauswärts

Die Querung mit Anstieg der 200Hm findet in leichtem Gelände statt. Es gibt kaum Stellen die 30° Hangneigung signifikant überschreiten und steilere Passagen sind recht kurz.
Auch dem Autor passierten kleine Abrutscher beim Spuren, jedoch konnte diesen mit einem beherzten festen Schritt begegnet werden, der die nötigen Millimeter Gripp in der harten Unterlage schaffte.

Nafingköpfl in Sicht

Zunächst werden beim leichten kurzen Anstieg einige kleine Geröllrinnen überwunden, die die direkte Linie etwas unterbrachen und später tauchten ein paar Felsköpfln im Gelände ober und unter dem Anstieg auf, die wenigstens für etwas bessere Sicht sorgten. Alles zusammen eine Angelegenheit von etwa 20 Minuten.

Abzweigepunkt zum Nafingköpfl

Durch eine leichte Rinne steigt man zur Scharte am Gratrücken auf und von dieser auf den wenig ausgeprägten und langgezogenen Gipfel des Nafingköpfls.
Die letzten Meter beschloss der Autor nicht westlich unterhalb zu umgehen, sondern die Schi abzuschnallen und etwa 15Hm durch Felsschrofen zum Gipfelplateau aufzusteigen.
Die bereits unten in der Querung lästigen Windböen aus Nordwest bildeten sich in Gipfelnähe zum Dauerwind aus, weshalb eine zweite Windstopperjacke nicht fehl am Platz war.

kurz vor der Scharte und dem etwas felsigen Aufstieg zum Gipfelplateau

Am gestreckten Gipfelbereich muß die höchste Erhebung richtiggehend gefunden werden, da das Nafingköpfl kein Gipfelkreuz ziert. Ein granitischer Vermessungspunkt deutet auf den Gipfel hin und dieser wurde am Nordteil des Plateaus errichtet. Das Nafingköpfl dürfte lediglich als Schitourenziel eine kleine Bedeutung haben und dann als Alternative zur Halslspitze, wenn diese gestürmt wird.

vom Gipfelplateau in Richtung des Aufstieges geblickt

Der Bezwinger des Nafingköpfls ist dem Wind völlig ausgesetzt und somit beschränkt sich der Aufenthalt auf ein paar Fotos und dem Ausrüstungswechsel auf Abfahrtsmodus. Sogar auf die Höhenmedizin wurde im Wind verzichtet.

Gipfelrast mit Genuss der Aussicht – im Hintergrund der Rastkogel links, die Halslspitze rechts

Die Abfahrt ins unstrukturierte, kaum einzuschätzende Weiß über den Gipfelhang hinunter war – wie immer bei diesen Verhältnissen – recht abenteuerlich. Abwechselnd beschleunigten die Schi auf abgewehtem Bruchharsch um dahinter in der leichten Mulde vom Triebschnee wieder rasant gebremst zu werden. Diese Abfolge wiederholte sich ein halbes Dutzend Male, bevor das Gelände gegen den Hohen Kopf hin flacher wurde und im Pulver angenehm, aber kaum ohne Anschieben zu den ersten Aufsteigern von der Weidener Hütte zum Hohen Kopf hin zu gelangen.

Abfahrt Richtung Hoher Kopf

Es wäre auch möglich steil in direkter Richtung nach Westen abzufahren und so in der Nähe der Weidener Hütte auf den Almweg zu gelangen. Die Route mehr nordwestlich abzufahren erschien aber interessanter, auch um eine längere Abfahrt durch den Wald erleben zu können.

die ersten Aufsteiger auf den Hohen Kopf

Die Waldabfahrt ermöglichte erstmals klare Kontraste bei der durchgehend diffusen Sicht. Dieser Teil der Strecke erzeugte Genuss, zumal auch genügend Neuschnee ein hochwinterliches Abfahrtsgefühl bescherte.

Abfahrt zur Waldgrenze

Auf den Almweg kommt man je nach Abfahrtsroute durch den Wald und man kann sie ohne Geländekenntnis nicht wirklich bestimmen, auch wenn man bemüht ist die schönsten Freiflächen zu nutzen.
So wird der Ankunftspunkt unten am Weg wenig planbar und zu einer Überraschung. Heute war dieser weit nördlich der Weidener Hütte bei dem markanten Haus mit dem hoch thronenden Erker, das im Aufstieg so eindrucksvoll wirkt wie es den Almenweg säumt.

Beginn der Waldabfahrt mit Rückblick auf das offene Gelände darüber

Der Rest der Abfahrt besteht aus etwa 25min Talausfahrt am Aufstiegsweg mit Gegenanstieg und ein paar untergeordneten Schiebestreckenabschnitten.

Nafingköpfl über Nafingalm

Für die Tour werden etwa 4 ½ Stunden benötigt, incl. kurzen Trinkpausen und etwa 10min am Gipfel. Dabei werden knapp 1.200Hm und etwa 8km Strecke zurückgelegt.

Mils, 02.03.2019

Schitour Wildofen, 2.553m

Kaum eine Schitour im Weertal erfreut sich einer derart abgeschiedenen Lage wie der Gipfel des Wildofens. Sein Ausgangspunkt liegt nahe jenem, von dem aus die Mehrzahl aller Touren von Innerst begangen werden und doch wird er recht wenig besucht.

Wildofen, 2.553m

Der kleine Parkplatz „beim Kraftwerk“ auf 1.120m präsentierte sich bei unserer Ankunft (die erste am Morgen) ärgerlicherweise wenig platzsparend belegt. Die einzig noch freie Parkmöglichkeit mußte mit viel Geschick und noch mehr Schräglage präzise angefahren werden. Das diesmal unvermeidbare zweite Fahrzeug wurde nach der Tour mit Hilfe von einem halben Dutzend Mander aus der versackten Lage befreit. Parkchallenge beim Kraftwerk in Innerst zum Auftakt.

Aufstieg über die Wiesenflächen nach der Brücke über den Weerbach

Hierzu sei erwähnt, daß es – vom Gegenhang im Aufstieg zum Wildofen betrachtet – möglich gewesen wäre am großen Parkplatz Innerst zu parken und einfach per Schi abzufahren. Mit einem zweiten Fahrzeug wäre nach der Tour auch kein Aufstieg auf der Straße nötig gewesen. Mit Hirn gelänge also auch der diesmal verpatzte Start, der Selbstzweifel beim Verfasser hinterlassen hat.

am rechten Bildrand beginnt der Aufstieg durch den Wald; rechte Bildhälfte Abfahrtshang zur Umgehung

Nach dem Überschreiten der Brücke über den Weerbach werden die sich linkerhand, nach einem Wirtschaftsgebäude, auftuenden freien Wiesenflächen aufgestiegen. Nach klarer Nacht befand sich der Aufstieg recht hart gefroren und teilweise mußten wir die steil angelegte Spur verlassen, um den nötigen Gripp zu bekommen.

die Wiesenflächen der Sagbergaste

Am oberen Ende der Freiflächen, nach ein paar Almengebäuden, tauchte die Spur kurz in den Wald ein, um die Straße abzukürzen. Dieser Teil über ca. 20Hm führt über viel Geschuppe des dichten Baumbestandes, ist aber erträglich.

ein toller Tag und ein schöner Aufstieg

Oberhalb beginnt eine neue schöne Freifläche, die gleichzeitig für uns den Sonnenaufgang darstellte. An malerischen Almen der Sagbergaste vorbei führt diese nächste kurze Etappe. Am oberen Ende erzwingt das Gelände dann den Almenweg zur Thagetlahnalm (über die Schreibweise dieser Alm sind sich kommerzielles Kartenwerk und Wegweiser des Tourismusverbandes wie so oft in der Heimat wieder einmal nicht einig, in diesem Bericht wird die Schreibweise der Wegweiser verwendet).

nach den letzten Gebäuden weiter auf dem Almweg

Über 2km und mäßiger Steigung, die auch etwa 150m Schiebestrecke retour enthält, folgt man nun dem Almenweg geradeaus wobei ein Abzweig und eine Kehre missachtet werden. An einer Kehre mit großem baumfreien Almgelände beginnt die schön gelegene Thagetlahnalm.

unterhalb der Thagetlahnalm mit dem Ziel, dem Wildofen im Hintergrund

Zu dieser wird in Schleifen etwa 150Hm direkt aufgestiegen wobei links und rechts jede Menge Blickfänge für die Linse auftauchen.

ohne Worte

Die Szene zum Innehalten ist der zentrale Teil der Thagetlahnalm mit dem quer stehenden Stanser Joch im Hintergrund, ein wahrlich Zeugnis von Almidylle.

Thagetlahnalm und wunderschöner Blick talauswärts

Gegenüber im Nafingtal auf gleicher Höhe (1.750m) die Fiderissalm – Meilenstein auf der Schitour zu Roßlaufspitze und Hoher Kopf.

gegenüber Fiderissalm

Vor einem schön gealterten Almgebäude aus den 20er Jahren wacht der Sepp, bis zum Kragen eingeschneit. Beides zusammen ein echter Blickfang und Zeugnis kreativen, entbehrungsreichen bäuerlichen Lebens in den Bergen.

rechts um das Almgebäude herum beginnt der Aufstieg durch den Zirbenwald

Von der Thagetlahnalm bis zum Gratkamm gibt es zwei Möglichkeiten, die sich oben an selber Stelle wieder vereinigen. Eine Möglichkeit, nach der spontanen Einteilung des Autors die „klassische“ Route durch den lichten Zirbenwald und links davon eine Möglichkeit, die in völlig freiem Gelände hochzieht. Beide Varianten unterliegen des Vormittags extremer Sonnenbestrahlung. Wir wählten die klassische Variante.

im grandiosen Zirbenwald – ein sehr schöner Aufstieg

Hinter der Alm führt die klassische Variante in leichten Schleifen zum Ansatz des Waldes empor. Im Wald wird der Anstieg steiler und ein paar Spitzkehren werden notwendig.
Die Schneeoberfläche der Aufstiegsspur war gegen halb elf Uhr vormittags teilweise noch gefroren – dort wo Bäume erst kurz vorher die Einstrahlung abgeschattet hatten – und nötigten uns zu mancher akrobatischen Einlage. Alles in allem empfanden wir diesen Anstieg aber als wunderschön.

Nafingtal und Hobarjoch rechts

Weiter oben – wie könnte es anders sein bei den frühlingshaften Temperaturen dieser Tage – durften wir uns dann auch hartnäckiger Aufstollungen erfreuen.

der Baumgrenze nahe

Hierzu wurde halt gemacht und, neben Harscheisen, von einem der größten Schätze bei Frühjahrstouren, dem Fellwachs Gebrauch gemacht. Diese Behandlung wirkte trotz sehr feuchter Felle bis zum Gipfel des Wildofens.

letzte Meter zum Gratrücken des Wildofens

Der Gratrücken, an vielen Stellen kein Rücken sondern ein aufgesteilter, nach Westen abbrechender Grat, wir etwa auf 2.100m erreicht und die beiden Aufstiegsvarianten vereinigen sich wieder. Von dort sind es noch gut 450m zum Gipfel, wobei ein Großteil des Aufstieges knapp östlich der Gratnähe verläuft, ein kleiner Teil nur direkt am Gratrücken.

Wildofen in voller Pracht

Direkt beim Erreichen des Gratrückens öffnet sich ein schöner Blick auf den Anstieg zum Poferer Jöchl westseitig gegenüber und vom Kolsassberg begangen. Diese Tour ist jener zum Wildofen um unteren Teil topographisch recht ähnlich und ebenfalls wenig besucht. Ein Tipp für den Freund der ruhigen Tuxer.

am Grat angelangt – Blick auf den Aufstieg zum Poferer Jöchl

Am Grat kam Wind bei unserer Begehung mit Böen auf und die leichte Kleidung des Anstieges mußte verstärkt werden; trotz allem ist Ende Februar noch mitten Winter.

Gratverlauf zum Wildofen

Die Aufstiegsspur auf etwa 2.200m befand sich in hartgepresstem Zustand, teilweise eingeweht und von Windgangln durchzogen, der in den letzten Tagen besonders tätig gewesen sein muß.
Kurze Gegenpassagen auf die Graterhebungen schirmten die südöstlich einfallenden Windböen etwas ab, aber aufkommende Schäfchenwolken (Altocumulus) schwächten dafür die Sonneneinstrahlung ab. Insgesamt empfanden wir den Grataufstieg als kalt.

kurz vor dem Gipfelaufbau des Wildofens

Nach dem Sattel vor dem Gipfelaufbau zum Wildofen war die Aufstiegsspur an den arg vom Wind beeinflussten Stellen nicht mehr sichtbar. Dieser Teil war der windigste bevor der Aufstieg etwas nordwestlich der Kante in eher windgeschützter Passage bis zum Schidepot führt.

man sieht den kalten Wind, Evis fest eingepackt

Zwischen Felsschuppen manövriert der Aufstieg bis zu einer auffallenden nach rechts ansteigenden Rinne unter dem Gipfelkreuz hindurch. Die Passage ist gut begehbar und für die spätere Abfahrt merkt man sich die tückischen Felsspitzen, die kaum aus dem Schnee herausstehen und doch so schadenbringend sein können.

etwa 120Hm noch im Felsgelände

Wegen dem abgeblasenen und großteils aperen Geländes der restlichen 15Hm zum Gipfel entschlossen wir das sichtlich geschützte Schidepot aufzusuchen und zu Fuß zum Gipfelkreuz aufzusteigen.

die auffällige nach rechts ansteigende Rinne bildet den Aufstieg

Ein schönes altes Holzkreuz mit sanierungsbedürftiger Gipfelbuchschachtel und zerfallenem Gipfelbuch ziert den imposanten Wildofen-Gipfel. Dem schmalen Grat gefolgt und ein paar Meter abgeklettert muß der Tourenfreund vor uns sein, denn seine Spuren im Sattel unterhalb der Abkletterstelle waren noch frisch.

die letzten Meter vor dem Gipfel

Der Gipfelaufenthalt am Wildofen dauerte nicht länger als für einen Rundblick mit Ablichtungen nötig war. Um den Windböen zu entfliehen, verbrachten  wir die Gipfelrast im Schidepot mit grandiosem Blick auf die Nordkette.

Alternativabfahrt

Das geschulte Auge erkennt vom Wildofen aus allerdings noch mehr Gipfel der anderen Karwendelketten, beispielsweise – sehr beeindruckend – die Breitgrießkarspitze und die Große Seekarspitze zwischen dem Lafatscher Joch und der Speckkarspitze, oder die Ödkarspitzen genau über dem Grat zwischen der Speckkarspitze und dem Kleinen Bettelwurf.

Evis am Wildofen

Ein weiterer grandioser Blick sind die Dreizinken- und die Grubenkarspitze im tiefen Roßloch leicht seitlich des Hundskopfes oder die Linie Huderbankspitze, Kaiserkopf bis Hochglück ober der Walderalm. Dieser schöne Reigen beginnt mit der Zugspitze und kann bis zum Stanser Joch fortgesetzt werden.

Blick zum Rastkogel

Im Südosten fällt der massive Bau des Rastkogels auf, eine sehr schöne Tour ebenfalls von Innerst und als Überschreitung vom Nafingtal mit Ausfahrt im Nurpenstal eine unvergessliche Runde.

Hirzer mit Hirzerkar im Südwesten

Für die perfekte Präsentation der Abfahrtsfotos in Pulverschnee gleich unterhalb der Grathöhe und bis hinab zur Thagetlahnalm fehlte leider die Sonne – eine hartnäckige dichte Wolkenbank hatte sich mittlerweile über Inntal und Tuxer gelegt und tauchte die Hänge in diffuses Licht. Also mußten wir ein kleines Video drehen, an dem die tolle Abfahrt sichtbar wird.

Am Ende der tollen Abfahrt über das Almgelände gelangt man wieder auf den Almweg und fährt diesen mit einer kurzen Schiebestrecke (etwa 150m lang mit geringem Höhenunterschied) bis zu den Almwiesen der Sagbergaste.

Abfahrtstraum

Weiter abwärts geht es entlang des Aufstiegs wobei wir das kurze Waldstück ausließen und über den Weg, bzw. einen steilen Hang mit weiteren Almgebäuden abfuhren, um zur letzten Freifläche hinab zum Kraftwerk zu kommen. Diese wurde dann wieder entlang des Aufstieges abgefahren.

letzter Rückblick auf Gipfel und Abfahrt

Die Aufstiegsstrecke beträgt gut 7km und der Gesamtaufstieg 1.450m. Wir haben für die gesamte Tour 4:30 Stunden benötigt; hierbei sind ca. 40min Gipfelaufenthalt und Pausen enthalten.

Mils, 24.02.2019

Schitour Rastkogel, 2.762m – von Innerst über Weidener Hütte

Der höchste Gipfel der östlichen Tuxer Alpen, der Rastkogel, bietet mehrere schöne Aufstiege und ein echtes Schmankerl darunter ist jener mit der Gratüberschreitung von der Halslspitze aus dem Nafingtal.

Rastkogel, 2.762m – gegen Hintertux und Olperer

 

Interessant ist diese Route auch deshalb, weil sie eine Runde bildet und somit Aufstieg und Abfahrt in zwei benachbarten Tälern stattfinden – mit der Abfahrt im Nurpenstal werden die landschaftlich lohnenden Schitourenziele Roßlauf, Hoher Kopf und Nafingköpfl umrundet.

am Weg zur Weidener Hütte

Die Anreise über die Weidener Hütte im Nafingtal ist eher flach und lang und damit bestens geeignet der breiten Masse nicht das angestrebte sofort verfügbare Modeschitourenerlebnis zu bieten, nein, für die landschaftlichen Perlen in den Tiefen der Tuxer Alpen will man zunächst mit einem Hauch von Leidensfähigkeit über ein paar Stunden für das Abenteuer qualifiziert werden. Der Aufstieg über den Almenweg bis zur Nafingalm ist für den Naturfreund nicht minder interessant, aber er bietet eben kein spektakuläres Aufstiegsgelände.

Rückblick auf die Weidener Hütte

Ab der Nafingalm, vielmehr nach dem letzen Hochlegergebäude der Alm beginnt der Aufstieg über schöne, zunächst steile Westhänge (kaum jedoch deutlich über 30° Neigung) oberhalb der Baumgrenze. Nach den Richtungswechseln über Spitzkehren öffnen sich schöne Blicke talauswärts und auf das Karwendel im Norden.

Obere Nafingalm

Das Ziel, die Halslspitze, bleibt den Blicken lang verborgen, das Gipfelkreuz des Vorgipfels, der Vorhalslspitze, ist bereits am Weg zum letzten Almgebäude sichtbar (nicht zu verwechseln mit dem Nafingköpfl, weiter außerhalb im Tal).

Aufstieg zur Halslspitze

Nach etwa dreihundert Höhenmetern wird das Gelände in Gratnähe flacher und erstmals kann das noch weit entfernte Ziel, der Rastkogel, vor dem weiten Nurpenstal erblickt werden. Sonne erwischt man Anfang Februar während des Aufstieges bis zum Gratrücken über kurze Passagen.

 

erster Blickkontakt zum Rastkogel

Während des kurzen Restaufstieges auf die beiden Halslspitzen ist man ständig – jedoch vergebens – bemüht im Augenwinkel den herrlich aussehenden Grat nach Schwierigkeiten zu erkunden. So sehr der Rücken einsehbar ist, so sehr bietet er auch sichtlich Geheimnisse hinter den Gratbuckeln wodurch eine gewisse Spannung bestehen bleibt.

Gipfel der Vorhalslspitze sichtbar

Ohne Rast stürzten wir uns auf die Überschreitung des Gratrückens indem wir die etwa 50Hm tiefe Abfahrt von der Halslspitze bis zur ersten – und auch zur tiefsten – Einsattelung mit Fellen und aber mit der Bindung im Abfahrtsmodus in Angriff nahmen.

Vorhalslspitze,, 2.540m

Die kurze, wenig steile Abfahrt gelang auch entsprechend befriedigend. Es gibt hierzu in der Bildergalerie einen Schnitt mit der Gratkontur als Screenshot aus Tiris an dem man die Route über den Gratrücken – mit seinen doch beachtlichen 300Hm Restaufstieg von der Halslspitze – dargestellt findet.

Gratrücken zum Rastkogel

Auf die Einsattelung folgen ein kurzer Aufstieg, eine Flachstrecke und eine kurze, wellige Abfahrt über kaum 10Hm.

Willi in der Einsattelung nach der Abfahrt von der Halslspitze

Nach dieser Sequenz folgt ein etwas längerer Aufstieg zum Nurpensjoch (2.525m), an dem der Wegweiser im Sommer die Ziele nach Westen und Osten beschreibt. Am Nurpensjoch ist auch ein gutes Drittel der etwa 1,6km langen Strecke (Luftlinie) zum Rastkogel geschafft.

Gratverlauf nach dem Aufstieg von der ersten Einsattelung

In der Folge wechselt eine kurze Abfahrt in den Sattel, der den Sommerabstieg nach Lanersbach eröffnet, mit einem steileren Aufstieg auf eine etwas schärfere Gratpassage.

erste kurze Abfahrt

Diese kann als Schlüsselpassage bezeichnet werden. Der Aufstieg war aufgrund zu starker Vereisung in unserem Fall nicht über die steile Nordflanke möglich. Sie mußte also direkt überquert werden und dies wiederum ist nur mit dem Schi am Rucksack möglich, der Anstieg ist zu steil im Schitourenmodus.

am Nurpensjoch

Nach dem steilen Anstieg wird der Gratrücken über eine kurze Strecke breiter, jedenfalls können die Schi gleich bei der Ankunft am flachen Gratrücken wieder angeschnallt werden.

Aufstieg über die vereiste Passage nach dem Nurpensjoch

Die letzte Passage mit einem schmalen Gratstück folgt sofort nach etwa 100m. Die kurze Passage ist nun richtig schmal, jedoch sehr kurz und durch die herausstehenden Felsen kann die richtige Route gut abgeschätzt werden, denn ein halber Meter zu weit nach Süden gestiegen könnte eine unfreiwillige weite und sehr steile Abfahrt zur Folge haben, der man sich tunlichst nicht aussetzen will.

Aufstieg auf die letzte schmale Gratpassage

Nach diesem Teil am Grat sind die ausgesetzten Passagen überwunden.

Richard und Evi am schmalsten Teil des Gratrückens

Der folgende Gratrücken wird breiter und zunächst durch zwei Serpentinen mit Spitzkehren der Aufstieg bis zum nächsten einsehbaren Punkt gemeistert.

restlicher Anstieg auf den Rastkogel

Nun folgen einige Minuten auf der Nordflanke, die sich in unserem Fall nicht so hart präsentierte, daß Harscheisen vonnöten gewesen wären.
Mäßig steil leitet der Gratrücken nun an den Gipfelaufbau des Rastkogels heran, wobei ein Hauch von Graterlebnis bis unter die deutlich sichtbaren Felsen erhalten bleibt.

breiter Gratrücken zum Rastkogel

Die Gruppe, die nördlich von uns aus dem Nurpenstal herauf spurte überraschte uns am Gipfel mit Fotos von uns am Gratrücken – hiermit nochmals danke Nina!

von anderen Tourengehern wurden wir am Grat fotografiert

Eine letzte steile Passage bildet den Aufstieg über den felsendurchsetzten Vorgipfel, die von unserer Position aus zunächst steiler aussah als sie wirklich war.

letzter Abschnitt vor dem Gipfelaufbau

Allerdings kann dieser Aufstieg nur bei guten Verhältnissen empfohlen werden, denn dort nähert man sich über einige Dutzend Höhenmeter der 35° Hangneigungsgrenze. Die Alternative dafür wäre die nordseitige Querung der Felsen und der Aufstieg im Bogen, der unsere Abfahrt bildete.

steile Passage durch die felsendurchsetzte Südwestflanke

Nach dem steilen Abschnitt folgt ein überraschend flacher Restaufstieg auf den sich wenige Meter abhebenden Gipfel des Rastkogels und das flache Gipfelplateau mit dem imposant abgespannten Gipfelkreuz aus Holz wird erreicht.

flacher Gipfelanstieg nach dem Vorgipfel

Wie immer im schneereichen Winter breiten sich atemberaubend anzusehende weiße Hänge mit unzähligen Schattierungen, die so eindrucksvoll die Geländeoberfläche zeichnen vor dem Betrachter aus und die darüberliegenden Gipfel in allen Himmelsrichtungen krönen diese Schöpfung.

Hochfügen mit dem Rofan und den Brandenberger Alpen im Hintergrund

Nicht nur die gewaltigen Zillertaler Dreitausender ziehen das Auge dauerhaft auch sich, auch die von diesem Standort aus nicht so eindrucksvoll erwarteten sanfteren Brandberger Alpen im Norden rechts neben dem Rofan erscheinen geschlossen und übersichtlich, sie bezaubern des Bergfreunds Auge.

Zillertaler Alpen

Wilder Kaiser, Steinernes Meer – sehr fern und durch die hervorragende Fernsicht eindeutig erkennbar- im Osten, sowie die westlichen Tuxer und bis tief hinein die Stubaier Alpen breiten sich vor dem staunenden Betrachter aus.

Wilder Kaiser und Steinernes Meer

Eine besondere Freude war dem Autor der phänomenale Überblick über die Karwendelgruppe – dem schönsten Gebirg‘ der Welt.

östlicher Teil des Karwendels im Hintergund des Nurpenstales

Das Gipfelerlebnis ist bei langen Touren meist nur von kurzer Dauer und so muß ein immer zu kurzer Aufenthalt bei der Abfahrt beklagt werden.

Rastkogel, 2.767m (mit unserer Fotografin aus dem Nurpenstal)

Die Routensuche, vielmehr die Pulverschneesuche hilft meist ein wenig über den zu kurzen Genuß der Landschaft hinweg und es entstehen in der menschlichen Hektik wieder neue Reize, die soeben erlebtes vergessen lassen.

Abfahrt ins Unrpenstal

Vom Gipfel nordseitig begannen wir die Abfahrt bis zu uneinsehbaren Hängen, die unterhalb Felsen vermuten ließen. Also orientierten wir uns am langen steilen Gipfelhang, dem Normalanstieg, den die Gruppe aus dem Nurpenstal aufkreuzte.

der Autor bei der Abfahrt unterhalb des Gipfels

Dort und über die folgenden noch steilen Hänge hinab fanden wir hervorragende Bedingungen vor, die sich weit hinaus bis zur Hagelhütte fortsetzten – ein schwer zu beschreibend schönes Abfahrtserlebnis.

Evi am Ende einer traumhaften Pulverschneepassage

An einer Sammelstelle über die weichen Hänge hinab wollte es der Zufall, daß wir Bergsteigerkollegen Jürgen, just im Anstieg auf den Rastkogel, antrafen, dessen interessanter Bericht über eine andere Begehung des Rastkogels der Autor seinen Lesern hiermit als eine schöne Alternative ans Herz legen möchte.

Evi und Richard in einem der schönen Hänge

Nach der Hagelhütte folgt eine Strecke mit einer faszinierenden Taldurchquerung im Nurpenstal mit leichten, kurzen Schiebestrecken aufgrund der geringen Neigung.

Abfahrt zur Hagelhütte

Keine Sorge, die Armmuskeln brennen zwar, aber der Reiz der Landschaft im engen Tal läßt alle Mühsal vergessen. Von Vorteil für den Komfort der Armmuskulatur sind für diese Passage jedenfalls gut gewachste Schi mit glattem Belag.

nach der Hagelhütte zum Rastkogel zurückgeblickt

Hat man sich nach vorne und hinten sattgesehen von dem besonderen Reiz dieser Passage erreicht man die tief verschneiten, malerischen Gebäude der Obere Nurpensalm.

zeitlos schön…

Ab dort hat die Armmuskulatur Pause bis über die Wehranlage und der Brückenquerung hinaus in den unteren Teil des Nurpenstals.

Willi bei der ausfahrt zur Nurpensalm

Am Weg nach der letzten Schiebestrecke führt die Beendigung der Runde in schneller Fahrt bis zum Parkplatz Innerst zurück, vorbei an der Stallenalm, die im Aufstieg die erste der prägenden menschlichen Einrichtungen im schönen Tal wäre.

Nurpensalm

Nach gut 22km, 1.600Hm und 6:23 Stunden fand eine Reise der Extraklasse mit einem Einkehrschwung bei der Jausenstation Innerst leider viel zu früh ein Ende.

ein letzter Blick auf den Rastkogel

Man rechne für die Überschreitung von der Halslspitze bis zum Rastkogel in jedem Fall 90min ein, bei schwierigen Verhältnissen mehr.

Sie stellt die Schlüsselstrecke dar und sollte zeitlich, wie technisch nicht unterschätzt werden. Der Start in Innerst empfiehlt sich nicht später als 7:30 früh.

Mils, 09.02.2019

Schitour Mislkopf, 2.623m – von Kerschbaum, Navistal

Sonnig und hell! – lautet das Stichwort für diese tolle kurze Schitour auf den Mislkopf im vorderen Navistal.
Nach einer kurzen Waldstrecke öffnen sich schöne breite Hänge zwischen malerischen Lärchenbeständen unterhalb der Mislalm. Das Gelände oberhalb der Mislalm bis zum Kamm wird durch sanfte Kuppen und Mulden gebildet, die sowohl im Aufstieg, als auch bei der Talfahrt ein angenehm entspanntes Berggefühl vermitteln.

Mislkopf, 2.623m

Den Ausgangspunkt  bildet der Parkplatz Kerschbaum in der gleichnamigen Siedlung auf dem „Oberweg“ nach Navis. Trotz der momentan erheblichen Schneemassen befand sich der kostenlose Parkplatz auf 1.450m in hervorragend geräumtem Zustand.

Start am kostenlosen Parkplatz Kerschbaum

Bei der letzten Kurve beginnt der Waldweg zur Mislalm (laut Inschrift auf der Hütte selber „Mieslalm“). Diesem kann gefolgt werden, oder man geht auf der Straße etwa 20Hm und 200m Strecke hinab und startet in der Kurve unterhalb.
Der Unterschied besteht in der Aufstiegsstrecke durch den Wald westlich vom unscheinbaren und kaum sichtbaren Bach (oben beim Parkplatz) und im Aufstieg östlich vom Bach (Kehre unterhalb) in weitgehend freiem Gelände mit nur kurzen Passagen im Wald.
In diesem Bericht wird der Aufstieg durch den Wald beschrieben, die Abfahrt erfolgte östlich vom Bach, der eher nur ein Graben zu sein scheint, im freien Gelände.

Weg zur Mislalm

Einige Minuten nach dem Start zweigt vom Fahrweg zur Mislalm ein schmaler Steig steil ab. Er führt zunächst kurz durch dichten Wald und verliert gleich an Steilheit. Bald wird der Weg oben wieder überquert und gleich wieder in den Wald steil eingestiegen.

erste Abzweigung in den Wald nach ein paar Gehminuten

Bei einer größeren offenen Fläche tritt man wieder aus dem Wald aus. Die breite Spur verriet den offiziellen Anstieg weiter nordwärts über die freie Fläche hinweg während eine östlich abzweigende Spur das Interesse weckte, um aus dem dichten Wald herauszukommen und den östlich des Baches gelegenen Aufstieg über die Wiesenflächen zu erreichen.

erste große Freifläche (geradeaus führt der Normalanstieg zur Mislalm), die weitere beschriebene Route geht an der freien Tanne rechts weg

Lange geht es also mit wenig Höhengewinn (rechts) östlich auf dem Almweg weiter bevor der Wald plötzlich breiten Hängen weicht über die bereits ein gutes Dutzend Abfahrtsspuren gezogen wurden.
Vergeblich suchte der Autor im breiten Hang nach einer Aufstiegsspur und fand keine augenfällige.

am Weg zu den freien Almflächen

Also folgte er dem Weg etwa 500m bis zur nächsten Kehre weiter und fand dort das Ende der bereits gezogenen Einzelspur im Gewirr von Abfahrtspuren. Somit mußte er selber einen eigenen Aufstieg westwärts in Richtung Mislalm anlegen.

herrliche Almflächen unterhalb der Mislalm

Dieser kleine Umweg bot allerdings auch den Vorteil eine etwa 100m breite Gleitschneelawine einsehen zu können, die, etwa 500m östlich der Mislalm, auf halbem Weg zur Stroblalm vom Hang oberhalb abging und deren unteres Ende durchfahren werden muß, will man in der Abfahrt vom Mislkopf den schönen Hang östlich davon nutzen (was nach den vielen Abfahrtsspuren offenbar mehreren Tourengehern schon als Idee gedient hat).

Abfahrtshänge – heute durch eine Gleitschneelawine getrübt

Zwischen dieser Lawine und der Mislalm befanden sich noch zwei breite Gleitschneemäuler, weswegen die Aufstiegsrichtung westwärts zur Mislalm zurück umgelenkt wurde und der ursprüngliche Plan, östlich der Alm aufzusteigen fallen gelassen wurde.

Mislalm auf 2.018m, Blick Richtung weiterem Aufstiegsgelände

Hinter der Mislalm (2.018m) führt der Aufstieg kurz durch etwas steileres Gelände, bis eine eher flache Mulde auf den nächsten Buckel hinaufführt. Laut AV-Karte muss dies der Sommerweg sein.
Zur Vermeidung der steilen Passagen kann man auch bei der Alm etwas weiter westlich weitergehen und den Aufstieg zum Misljoch einschlagen. Diese Strecke ist im beiliegenden Kartenausschnitt strichliert eingezeichnet.

weiterer Aufstieg hinter den Almgebäuden

Der Sommerweg allerdings bietet einen schönen halbsteilen Aufstieg bis zu einer Rippe, die vom Kamm herunterzieht und nur im obersten Teil etwas steiler ist. Der Vorteil dieses Anstiegs war bei der heutigen Begehung, daß sie leeseitig recht gut verschont vom  Nordwestwind war.

felsiger Gratkopf sichtbar, rechts davon der Mislkopf

In ein paar weiten Kurven schmiegt sich der Aufstieg an das Gelände, das herrlich breite Flächen für die Abfahrt bietet. Etwa 250Hm sind in diesem Gelände nach der Mislalm zurückzulegen, bis die Rippe deutlich aufsteilt und nach oben hin schmaler wird.

Gratrücken vom Misljoch als alternative Aufstiegsroute

Am Ende der Rippe, direkt an ihrer Verschneidung mit dem Kamm vom Mislkopf ins Wipptal, führt der Anstieg auf der Westseite einer felsigen Erhebung in deren Flanke bis zum Kammkopf. Der Aufstieg ist dort über etwa 25Hm steiler als zuvor und teilweise aper. Diese Stelle ist bereits weit unten erkennbar, jedoch harmlos kurz und nicht allzu steil. Wem dies nicht behagt, der kann den alternativen Anstieg über das Misljoch nehmen.

das Gelände wird etwas steiler

Die letzte Abwechslung vor dem Gipfel besteht in einem steilen Hang nach dem Sattel am Kamm. Es gibt die Möglichkeit durch die Abfahrtsspuren direkt im steilen Teil aufzusteigen, oder nördlich davon eine Spur zu nehmen, die teilweise durch abgeblasenes steiles Wiesengelände führt.

am Gratrücken angelangt – dahinter imposant die Stubaier Alpen

Beide Varianten dürften ihre Mühen haben. Während es nicht sehr fein ist durch Abfahrtsspuren aufzusteigen findet man sich an der Alternative in rutschigem halb aperen Gelände wieder, das Rück- oder Abrutscher auslösen kann. Mir weniger Bodenproblemen dürfte es sich wohl über die Abfahrtsspuren aufsteigen lassen, wie ein Test mit einer gleichzeitig am Sattel gestarteten Gruppe zeigte.

Steilhang auf den Vorgipfelrücken

Während sich der Autor nördlich des Steilhanges über eine nicht weniger steile Partie aus rutschigen vereisten aperen Wiesenbüschel hinauf mühte kam die Dreiergruppe über den zerfahrenen Steilhang geringfügig früher an.

Gelände nach dem Vorgipfel – über kleine Mulde auf den Mislkopf

Nach diesem Teil muß noch eine flache lange Senke mit etwa drei Meter Höhenverlust durchschritten werden, bevor der Gipfelhang in moderater Steigung und etwa 60Hm beschritten wird. Das Gipfelkreuz befindet sich nochmals etwa 50m hinter der letzten Kuppe auf gleicher Höhe.

Gipfelplateau erreicht

Die gesamte Strecke bis zum Gipfel, mit Ausnahme der knappen halbe Stunde im Wald zu Beginn, liegt unter durchgehender Sonnenbestrahlung. Die Tour muß also im Frühjahr – entsprechende Schneelage vorausgesetzt – ein Schmankerl für Sonnenhungrige sein. Und eine Rast zum Sonnenbaden bei der Abfahrt auf der Mislalm die Krönung.

Rückblick auf den Vorgipfel

Am Gratverlauf östlich nach dem Mislkopf schließt der „Rauhe Kamm“ an. Er stellt den Übergang zum Pfoner Kreuzjöchl dar, das um 17m höher ist als der Mislkopf. Im Sommer ist der Rauhe Kamm begehbar, im Winter macht die Überschreitung keine Freude.

Blick Richtung „Rauher Kamm“ und Rosenjochgruppe

Gegen Norden fällt der Mislkopf steil ab und tief unten, im Gelände der Ochsenalm, führt ein phantastischer Anstieg von Pfons auf das Pfoner Kreuzjöchl. Diese Schitour ist eine außerordentlich schöne und wenig begangene, leider besteht eine grundsätzliche Voraussetzung – man muß in Oberpfons einen Parkplatz finden.

Richtung Süden in die Zillertaler Alpen – im Vordergrund der Kamm zwischen Navis und Schmirn mit vielen schönen Schitouren

Nach Süden hin ragen – wie könnte der Ausblick anders sein – die Dreitausender der Zillertaler Alpen hoch auf, alle überschattend der Olperer mit seinen 3.476m. Aber auch die niedere Kette von Naviser Kreuzjöchl, Hoher Warte, Scheibenspitze und Schafseitenspitze stellen lohnende Tourenziele dar.

Wipptal unten und die Stubaier im Hintergrund

An diesem so ganz anders verlaufenden Tag – die Vorhersage hatte einen recht bewölkten Tag mit wenig Sonnenfenstern kolportiert – erfreute ein besonderer Ausblick auf die vielen hundert Gipfel der Stubaier im Westen.

Abfahrtsgelände vom Vorgipfel aus betrachtet

Nach und nach stiegen mehrere Gruppen vom Navistal auf und für die Gipfelfotos ohne Personen musste ein paar Minuten länger im leichten kalten Wind ausgeharrt werden, bis alle vier abgefahren waren. Das ausgezeichnete Wetter dürfte doch noch so manchen angelockt haben und unter Sonne, über den herrlichen Südanstieg herrschten angenehme Temperaturen.

die einzige Spur bis jetzt…

Die Abfahrt im oberen Teil bis zur Mislalm präsentierte sich großteils in tollem Pulverschnee, weiter unten dann mit lediglich einer hauchdünnen Harschschicht, in die weiche Schwünge zu legen waren. Kurz oberhalb der Mislalm, in steileren Partien, wurde der Harschdeckel etwas stärker, sodaß ein gewisser Kraftaufwand vonnöten wurde.

Abfahrt 200m östlich der Mislalm

Dies allerdings nur in steileren Abschnitten, mit stumpfem Winkel zur Sonnenbestrahlung und dadurch gesteigerte Umwandlung und Schmelze. Auf den flachen Wiesen unterhalb der Mislalm bis zur steilen Schneise hin herrschten einwandfreie Bedingungen. Je flacher die Hänge gefahren wurden, desto weicher die Oberfläche.

freie Almflächen unterer Teil

Die schmale Schneise knapp östlich vom Bach bildet den letzten Abschnitt der Abfahrt und der hatte es in sich. Völlig zerfahren und gegen 13 Uhr immer noch recht hart gefroren liegt der etwa 130Hm messende Hang nach dem Ende der breiten Almflächen östlich über der Siedlung Kerschbaum.

zeitlose Szenen…

Anfängergleich rumpelt man abschließend über die harte und zerfurchte Buckelpiste hinab – ein krasser Gegensatz zu dem Fahrgefühl seit dem Gipfel. Solche Verhältnisse sind jene bei denen man scherzhaft bemerkt, daß man dort das Schifahren erst richtig lernen würde.

Rückblick auf die unvergessliche Abfahrt

Auf den letzten Metern verbreitert sich die Schneise wieder. Man erreicht die Höhe des Weges zur Mislalm, die einige Stunden zuvor der Tourenbeginn war. Leider kann hier der Bach nicht überquert werden, zu ungünstig ist das Gelände und ein weitläufig eingezäuntes Häuschen erschwert die Querung. Möglicherweise müßte man den Bachgraben schon etwas weiter oben queren, das gilt es bei der nächsten Tour herauszufinden.

steile Schneise mit anstrengenden Schneeverhältnissen

Der Ankunftspunkt an der Straße liegt dadurch etwas unterhalb des Parkplatzes, mit schätzungsweise 20Hm und etwa 300m Gehstrecke bis oben zum Parkplatz hinauf.

Rückblick auf den unteren Teil der schon wieder breiteren Waldabfahrtsschneise

Die Schitour führt über 1.250m auf den Gipfel und weist bei geschickter Streckenwahl großteils eine Hangneigung von unter 30° auf. Eine steilere Passage hinter der Mislalm ist kurz und wird rasch durchschritten. Ebenso jene am Steilhang vor dem Gipfel.

Ankunftspunkt leicht unterhalb des Parkplatzes

Auf den Kartenausschnitten in der Bildergalerie sind alternative Routen zur Vermeidung der steileren Passagen dargestellt.
Der Zeitbedarf betrug dreidreiviertel Stunden mit 15min Gipfelaufenthalt. Man rechne für den Aufstieg zwischen drei und dreieinhalb Stunden.

Mils, 20.01.2019

Schitour Seekarspitze, 2.646m Voldertal

Im Verein mehrerer berühmter Seekarspitzen – von Karwendel bis Achensee und sonst wo in den Alpen – stellt die Seekarspitze im Voldertal eine phantastische, eine lange und zum Abschluß eine pfiffige Schitour dar und reiht sich somit in einen erlauchten Kreis von begehenswerten Seekarspitzen in Tirol ein.

Autor auf der Seekarspitze, 19.01.2019

Einem an sich unspektakulärem Gipfel geht ein traumhafter Aufstieg durch die in den südlichen Tuxern so verbreiteten und wunderschönen Zirbenwäldern voraus und der Aufstieg zum Abschluß der langen Tour – sie ist streckenbezogen signifikant länger als die Schitour von der Karlskirche auf den Glungezer – ist keine gemähte Wiese. Der Aufstieg erfordert sichere Verhältnisse und testet die verbliebene Leistungsfähigkeit nach gut 1.000Hm Aufstieg durch das wunderschöne Tal auf den letzten 500Hm noch einmal spürbar. Die Gipfelflanke weist einige Stellen mit einer Hangneigung im Bereich von und über 35° auf und wohlüberlegt sollten die letzten 150Hm angegangen werden.

hier rechts weg Richtung Voldertalhütte

Zumeist ist der Tourenfreund im Gelände des hinteren Voldertales alleine, oder nur mit wenigen Gleichgesinnten im zufälligen Verein unterwegs. Die meisten Erholungssuchenden Tourenfreunde sind bereits spätestens bei der Vorbergalm auf den Hauptgipfel dieser Kette, den um hundert Meter höheren Malgrübler, abgebogen. Die weite und großteils wenig steile Anreise bis Steinkasern schreckt den sensationssuchenden Schitourengeher zu sehr ab, er mag beispielsweise seine Lampsenspitze oder sonstige Modeziele des Sellrains lieber wiederholt begehen, die Seekarspitze im hinteren Voldertal ist ein stiller Klassiker ohne Rummel, geschätzt von naturbegeisterten Bergsteigern.

der Tag beginnt sonnig

Ausgangspunkt der Schmankerl-Schitour auf die Seekarspitze ist der kostenlose Parkplatz in Volderwildbad. Und schon wieder muß vor der Gemeinde der Hut gezogen werden, der Parkplatz ist erstklassig geräumt und eben kostenlos (wie auch jener bei der Karlskirche).

Rückblick an Vereinigung Fußweg und Fahrweg

Nach der Anfahrt mit dem PKW über den Großvolderberg startet das phantastische Abenteuer auf etwa 1.100m Seehöhe. Wer die Anfahrt entlang der Bauernschaften und Anrainern schaumgebremst absolviert, der sichert sich des frühen Morgens am Wochenende nicht nur die Sympathie der schlafenden Bewohner; auf der geräumten, aber teilweise noch beschneiten Straße werden zusätzlich auch vermeidbare Malusstufen bei der Begegnung mit Pendlern vom Berg gespart – eine „WinWin-Situation“ also.

rechts unten die Voldertalhütte

Die klirrende Kälte dieser so schönen Wintertage Mitte Jänner 2019 sorgt zwar – vor allem bei dem mittlerweile sehr alten Autor – für klamme Finger auf den ersten Höhenmetern, aber auch für eine kristallklare Sicht in das morgendliche Kälteblau des Voldertales, das die meisten (Handy)Kameras so schön übertrieben widergeben.

Spuren ab Abzweigung „Vorberg“

Das Wettergeschenk für den kleinen Mensch in der Natur zu Beginn dieses Jahres bescherte einen völlig verschneiten Voldertalweg, der auch noch dazu richtig geräumt wurde, sodaß nicht nur der Aufstieg am Parkplatz beginnen kann sondern auch die Abfahrt, nach welcher Schitour auch immer im Voldertale, zum selben zurück. Dies soll hier anerkennend erwähnt werden.

unterhalb der Vorbergalm

Der Aufstieg nach Steinkasern vollzieht sich mehr oder weniger meist auf dem Talweg, der durch die Spuren eines Motorschlittens bis zur Abzweigung Malgrübler/Vorberg (etwa 1.460m). Von dort hatten wir an diesem wunderschönen Tag die Ehre die Spur bis auf die Seekarspitze zu ziehen. Und es sollte, an diesem Tag, auch nach der Vorbergalm keine zusätzlichen Aufstiegsspuren zu unserem Ziel mehr geben.

Vorbergalm – links über der Alm in den Wald ginge es hinauf zum Malgrübler

Die Vorbergalm (1.668m) stellt noch nicht ganz die Hälfte der Tourenlänge dar und weit nicht den halben geodätischen Aufstieg. Trotzdem fühlt man sich dort schon weit gereist angesichts der malerischen Almgebäude, die momentan in idyllischer Schneeumhüllung zu bewundern sind und in absolute Stille eingebettet ruhen. Abgerutschte Dachbeladung der Schneemassen der letzten drei Wochen beeindruckt zum Verewigen auf Bild.

die Klausböden erreicht

Der weitere Wegverlauf von der Vorbergalm zu den Klausböden weckt die unberechtigte Sorge einer beschwerlichen Abfahrt. Die Steigung dorthin erscheint im Aufstieg als zu gering für das heutzutage völlig entrückte Zeitgefühl wie schnell es auf einer Talausfahrt hinab gehen soll. Unberechtigt ist das fälschliche Gefühl deshalb, weil die geringe Steigung genügt, um mit halbwegs vernünftigem Schibelag eine durchgehend energiezufuhrlose Abfahrt zu erleben. Wer jedoch der Geißel der Zeit unterliegt mag mit so manchem „Anschupfer“ mittels Schistöcken die eine oder andere Minute eher wieder an der Vorbergalm eintreffen und zeigt sich vielleicht sogar zufrieden damit dort für sich persönlich eine unglaubliche Ersparnis wertvoller Zeit verbuchen zu dürfen.

Blick Richtung Steinkasern nach den Klausböden

Die Klausböden oder – der Autor ist sich seit jeher in der Schreibweise nicht sicher – der Klausboden, stellt eine Flachstelle im Talaufstieg dar. Die „Klause“ leuchtet dem Geschichtsinteressierten als eine Talsperre, eine Engstelle ein, die möglicherweise schon früh energetisch genutzt worden sein könnte und deshalb den treffenden Namen erhalten hat. Sie kann aber auch einfach eine geologisch, topografische Besonderheit sein, in jedem Fall aber eröffnet sie einen herrlichen Blick in den dahinter liegenden Talkessel, der mit seinem imposanten Aufsteilen zum Naviser Jöchl hin die Wende zur echten Anstrengung im Aufstieg einleitet.

Steinkasern

Der Talkessel nach den Klausböden beherbergt die Almsiedlung der Steinkasern Alm. Eine schöne Ansammlung wirklich alter und auch junger Almgebäude in schützendem ehemals felssturzträchtigem Gelände, die bei unserer Durchschreitung in einer bemerkenswerten Weise von Schnee und Eis eingeweht wurden. Von so manchem Gebäude sind lediglich nur mehr Dachausprägungen zu sehen, der Rest befindet sich fest im Griff eines beeindruckenden meterhohen hartgepressten Schneepanzers.

unser Ziel die Seekarspitze recht rechts der Bildmitte

Über das wesentlich steilere als das bisherige Gelände zur Steinkasernalm kam mehr und mehr Wind auf. Nicht daß dieser nennenswerte Stärke erreichte, aber – wie so oft bei Schitouren – reichte seine Intensität aus, daß zur Verstärkung der Oberkleidung innegehalten werden mußte. Dies obwohl der Nordanstieg im Talkessel nach Steinkasern endlich in Sonne getaucht wurde.

Seekarspitze mit Anstieg über die Südwestflanke

Eine kurze Beruhigung der Steilheit des Anstieges erfolgte in einer weit angelegten Linkskurve zu den Melkböden. Dort befindet sich der ebenso völlig durch die Schneestürme verpackte Hochleger der Steinkasernalm und die Fotos sprechen Bände über die Herrschaft, die die Stürme dort hinterlassen haben. Diese Kurve führt direkt zum Gipfelaufbau der Seekarspitze.

einmal musste einer der Hügel im Kar rechts umgangen werden

Über ein paar ernste Hügel im Zentrum des Talkessels hinweg peilten wir eine unkonventionelle Aufstiegsroute in der Südflanke der Seekarspitze an, die sich weiter oben zur Westflanke ausbildet. Spätestens am Fuß des Gipfelaufbaues mußte sich der Autor eingestehen, daß bis zum Flankenfuß ein direkter Ostanstieg auf Höhe der Steinkasernalm in kürzerer Strecke zur Gipfelflanke geführt hätte. Dies allerdings unter wesentlich schärferer Steigung über derzeit unbesonnte Steilhänge in nordwestlicher Ausrichtung, die nach den Schneefällen seit Jahresbeginn bewußt zu vermeiden waren, wie uns schien auch bei LWS2.

am unteren Teil der Gipfelflanke

Letztlich, am Fuße der Seekarspitze angelangt und noch gut 150Hm vor sich, entschieden wir uns für die Begehung der Südwestflanke, selbst wenn die Hangneigung dort stellenweise an 35° grenzt, bzw. diese über wenige Aufstiegsmeter noch überschreitet.

blick zur Naviser Sonnenspitze

Der Hang präsentierte sich großteils hartgepresst mit Windgangln großen Ausmaßes, deren Bewältigung beträchtliche Schrittweiten erforderte und aber auch die positive Seite eines sicheren Aufstieges vermittelte.
Evi übernahm bis zum Grat bravourös die Spurarbeit über den mittlerweile windfreien Hang, der angenehm bestrahlt wurde und das Ablegen von Windjacke und Stirnband erforderte.

Evi spurt in der Gipfelflanke

Dieser Schlußhang hat es nach gut 1.400m Aufstieg wirklich in sich und fordert ein letztes Mal die Kondition heraus. Eine sinnvolle Querung zum westlich ausgerichteten Gratrücken bei großer Hangneigung erschien uns als logischer Schritt, um den Aufstieg dort flacher fortzusetzen.

Anstiegsgelände aus den Melkböden (im letzten Bilddrittel der komplett eingeschneite Hochleger)

Diese Ahnung erwies sich auch als richtig. Allerdings wird am Grat zunächst das Schultern der Schi erforderlich, da er durch großblockiges und erstaunlich bodennah abgeblasenes Felsgelände führt.

ein kurzes Stück Schitragen am Gratrücken

Ein paar Dutzend Höhenmeter ließen sich aber auch noch mit angeschnalltem Schi im Tourenmodus absolvieren und in dieser Weise endete die Strecke beim kleinen Gipfelkreuz der Seekarspitze auf 2.646m.

die letzten Meter konnten im Tourenmodus begangen werden

Der immerhin dritthöchste Gipfel der östlich das Voldertal begrenzenden Kette gestattet eine wunderbare Aussicht auf die umliegenden Spitzen und Grate, deren viele der Autor in den letzten Jahren als Schitouren bestiegen und auf diesem Blog beschrieben hat.

Seekarspitze, 2.646m mit Malgrübler

Das im Osten gelegene Wattental wartet mit einer Vielzahl an malerischen Schitouren auf, ja schier der gesamte Bergkamm seiner östlichen Begrenzung ist als Schitour begehbar, vom Poferer Jöchl über den mächtigen Hirzer bis zur rassigen Torwand.

Evi auf der Seekarspitze, 2.646m

Im Süden kann das Panorama der epischen Zillertaler Alpen mit seinen hohen Dreitausendern bestaunt werden – die schönste Erscheinung bildet der Olperer.

phantastische Einsicht ins Wattental

Ein Berg, den der Tiroler Bergsteiger bestiegen haben muß, und zwar von der historisch bestimmenden Variante für die Talschaft Tux, über das Kleinod des Valsertales. Tux gehörte bis vor knapp hundert Jahren zur Gemeinde Schmirn und die Verstorbenen der Tuxer mußten über das Tuxer Joch nach Schmirn zum Friedhof gebracht werden (nach dem Winter natürlich, versteht sich). Die Begehung vom Valsertal über die Geraer Hütte entbehrt überdies dem Schirummel des Gletscherschigebietes und erfolgt klassisch vom Tal aus.

Eisenkarspitze gleich neben der Seekarspitze. dahinter die Zillertaler – sie trägt nur eine Schneestange

Im Westen begeistert die Rosenjochgruppe mit dem gleichnamigen höchsten Gipfel, dem Rosenjoch, mit beachtlichen 2.796m. Die großartige 34km lange Reise der Voldertalumrundung des Sommers führt von der ostseitigen Begrenzung des Voldertales, die die Seekarspitze beinhaltet, über den unübersehbaren Gipfels der Naviser Sonnenspitze über das Naviser Joch auf die westseitige Begrenzung des Voldertales und findet sich hier in diesem Blog beschrieben.

Grafmartpitze, Grünbergspitze, Rosenjoch von links – die westliche Umrahmung des Voldertales

Nordwärts geblickt fanden wir eine Abfolge von befahrbaren Teilhängen, die sich, hintereinander gereiht, als Experiment einer Gesamtabfahrt bis zum orografischen Ende der Klausböden handhaben lassen sollte – so unsere Einschätzung.

die Abfahrtsroute wird ausgespäht

Nach einer knappen Dreiviertelstunde starteten wir unsere Abfahrt, die zunächst mit dem felsig anmutenden Gelände bis hinab zum nördlich laufenden Kamm zum Sunntiger begann und die vom Gipfel nicht befriedigend genug einsichtig war.

eine Route ohne abschnallen oder Schi tragen tut sich auf

Den Sattel am Kamm konnten wir mit bedachter Wahl der kurzen Abfahrt auf der Ostseite erreichen (für einen genaueren Eindruck der Passagen siehe hierzu die Bildergalerie). Ein Durchschlupf zwischen den Felsblöcken führte uns dann zu einem schönen Westhang auf dem wir die ersten Schwünge im Pulvergelände ziehen konnten.

ab dem Sattel eröffnen sich tolle Hänge – allerdings muß die Route genau ausgespäht werden

Der Hang, zunächst rein Richtung Westen ausgerichtet, drehte weiter unten in nordnordwestliche Richtung, zu den Klausböden hin – perfekt für unsere Absicht.

Rückblick auf den ersten Hang unter dem Sattel

Bei häufigem Stopp und Einschätzung des Abfahrtsgeländes findet sich eine Schneise mit schönen breiten Hängen (siehe hierzu Detailfotos in der Bildergalerie).

die Hänge werden weiter und erlauben eine fast wahllose Abfahrt

Und mit gebotener Bedachtname auf Vermeidung der steilen Hänge am Ende der baumfreien Höhenzone oberhalb der traumhaften Zirbenwälder erlebt man damit eine sichere und schöne Abfahrt (siehe heirzu mehr Bilder in der Galerie).

Zum Abschluß der Abfahrt wird in die lichten Zirbenbestände eingefahren. Im Inneren des Waldes befinden sich immer wieder kleine Schneisen und Lichtungen, die ein abschließendes Vergnügen über teils steile Hänge bis zum Weg von der Vorbergalm zu den Klausböden bieten.

traumhafte Hänge im Zirbenwald stehen bevor

Mit kleiner Geschwindigkeit gepflegter Schi führt der Weg dann hinab zur Vorbergalm. Von ihr empfiehlt es sich den Hang stark nach rechts zu befahren, um unten auf den Weg zu kommen, der bei den Schneeverhältnissen dieser Tage ohne wesentliche Anschiebehilfe die nahezu 5km weit bis zum Parkplatz führt.

Vorbergalm am frühen Nachmittag

Das unvergessliche Abenteuer der Seekarspitze im Voldertal beanspruchte uns über 6:20 Stunden, wovon wir viel zu kurze 45min am besonnten und windfreien Gipfel verbracht haben.

zurück am Parkplatz Volderwildbad

Insgesamt sind bei der Schitour auf die Seekarspitze gut 12km Tourenstrecke und rd. 1.550Hm Aufstieg zu bewältigen (siehe Routenübersicht und Hangneigungskarte in der Bildergalerie).

Mils, 19.01.2019