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Hochiss, 2.299m und Dalfazerkamm-Überschreitung

Die Runde über die Dalfazalm zur Hochiss und zurück über den Dalfazerkamm bietet einen abwechslungsreichen Anstieg und im zweiten Teil, am Abstieg über den Kamm, tolle Blicke im Rofan und auf die Umgebung.

auf der Hochiss, 2.299m – Richtung Dalfazerkamm geblickt

Der Dalfazerkamm wurde zu einem markierten Steig ausgebaut und bietet dem Gratkletterfreund kaum Freuden im Fels. Das Gros der Strecke führt westseitig unter den Graterhebungen vorbei, die Aufstiege auf das Dalfazerjoch und die Erhebung südlich gegenüber dem Steinrigen Mann’l mit dem Gipfelkreuz liegen abseits des Steiges und lediglich der Aufstieg auf den Dalfazer Roßkopf führt durch ein paar Meter steilen Fels – seilversichert.
Der einzige kurze Aufstieg auf das die Steinrige Mann’l mit dem Gipfelkreuz bietet einen Hauch von Kletterei, wenn auch nur etwa über etwa 20m.

Start nach dem Kinderhotel in Buchau / Maurach

Touren im Rofan sind aufgrund des eher geringen Höhenunterschiedes vom Ausgangspunkt Maurach bis zum jeweiligen Gipfel ideale Tagestouren bei vorausgesagtem Schlechtwettereinbruch am Nachmittag, oder wenn nicht genügend Zeit vorhanden. In zweieinhalb bis drei Stunden ist die höchste Erhebung, die Hochiss, mit einem geodätischen Höhenunterschied von 1.370m erreicht.

Wasserfall Dalfazbach

Den Startpunkt bildet der Parkplatz bei dem neuen Schwimmbad oder jener beim Kinderhotel in Buchau. Die Parkgebühren sind enorm und für den Bergsteiger gibt es intelligenterweise die Wahl zwischen vier Stunden um 5.- oder 24 Stunden um 8.-.

auf der Teisslalm

Gleich hinter dem Hotel führt der Weg bergan und kurz nach dem Schranken und der ersten Kehre führt der Steig links weg bald neben dem Dalfazbach durch den Wald fast bis zum Wasserfall hinauf. Fast deshalb, weil die letzte Strecke nicht mehr ausgeschnitten wurde und es sich morgens bei Tau empfiehlt in der Kehre zurück auf den Weg zu wechseln und diesen bis zum Ende am Wasserfall zu nehmen.

Dalfazalm Richtung Überschreitung geblickt

Der Wasserfall ist es wirklich erblickt zu werden, die Stufe ist schätzungsweise gut 50m hoch und es gibt eine Aussichtsplattform.
Weiter führt nun ein fortwährend breiter Steig durch den restlichen Wald bis zu den Wiesen der Teisslalm (1.310m) und weiter bis zur Dalfazalm auf 1.697m.

Dalfazalm, 1.697m

Durch die malerische Dalfazalm führt der Steig weiter in Richtung Kotalmsattel und weiter zum Streichkopfgatterl. Ein Weidezaun ist in der Alm zu übersteigen, das einzige Hindernis im Gelände.

in der Dalfazalm Richtung Kotalmjoch

Nach dem Kotalmsattel steilt der Weg zum Kamm hinauf etwas auf und das eher flache Almgelände endet. Links nach Nordwesten geblickt befindet sich der Kamm mit dem Kotalmjoch, im Winter vom Achenseehof eine tolle Schitour.

am Kotalmsattel

Die 200Hm vom Kotalmjoch auf das Streichkopfgatterl, bzw. den Beginn des Dalfazerkammes führen im Mittelteil durch zwei Felsen und oberhalb wieder durch Bergwiesen. Rasch ist man oben am Streichkopfgatterl.

weiterer Steigverlauf auf den Kamm

Die Kammüberschreitung könnte hier schon beginnen, jedoch sollte für den grandiosen Blick auf den Dalfazerkamm und auch wegen der leichten Erreichbarkeit auf der Runde die Hochiss bestiegen werden, die sich hinter dem Streichkopf im west/östlich verlaufenden Hauptkamm des Rofan versteckt und diesen Gipfel mitnehmen. Der geringe Höhenunterschied von etwa 120m und die kurze Strecke von etwa 550m lohnen sich allemal und je früher am Vormittag man dort ist, desto mehr hat man den Gipfel für sich alleine. Zeitbedarf ab dem Streichkopfgatterl hin/zurück mit kleiner Pause etwa 40min.

am Dalfazerkamm angelangt

Am Gipfelsteig, der ein Ausläufer vom Normalweg ist, kommt man den Nordabbrüchen nahe und sollte entsprechend vorsichtig sein.

Blick nach Osten Richtung Hochiss (nicht sichtbar)

Von der Hochiss bietet sich ein guter Überblick über das Rofangebirge. Im Osten kann man zwischen  Spieljoch und Seekarlspitze hindurch den Roßkopf und leicht links davon den majestätisch aufragenden Sagzahn in weiterer Entfernung sehen.

Hauptkamm des Rofan mit Spieljoch, Seekarlspitze, Roßkopf und Sagzahn

Ebenfalls im Osten endet der Hauptkamm mit der Rofanspitze und Rofanturm, bevor der Felsaufbau in die flachen Bergwiesen des Sonnwendjochs übergeht.

die Überschreitung im Zoom

Gen Norden geblickt finden sich noch die beiden Unnütze und der mächtige Guffert, bevor die Brandenberger Alpen Richtung Nordosten abebben.

Unnütze und Guffert

Zurück am Streichkopfgatterl, dem nördlichen Ausgangspunkt der Dalfazerkamm-Überschreitung, beginnt der Kamm, der seine leichte Hangseite im Westen hat, mit dem Abstieg in einen langen Sattel.

Beginn der Dalfazerkamm-Überschreitung

Der etwa 50Hm hohe Aufstieg vom Tiefsten im Sattel auf das Dalfazer Joch erfolgt nicht – der Steig schwindelt sich um den flach ausgeprägten Gipfelaufbau an seiner Westseite herum und trifft den eigentlichen Gratverlauf erst wieder an dessen Südseite.

Dalfazer Joch – der Steig führt rechts (westlich herum)

Wer das Dalfazer Joch dennoch besteigen will, folgt kurz vor dem Gipfelaufbau einem noch gut erkennbaren Steig nach links oben und erreicht das Steinmandl am begrünten Rücken. Besonders ausgeprägt ist dieser flache Gipfel mit 2.243m Höhe nicht.

Dalfazer Joch Gipfel

An seiner Südseite kann recht unbequem auf schrägem Plattenfels ein paar Meter zum Steig abgeklettert werden.

die Steinrigen Mann’ln im Süden und der interessante namenlose Sporn dahinter

Weiter geht es zu den Steinrigen Mann’ln, die zwischen dem Dalfazer Joch und der nächsten Erhebung liegen und wovon jenes, das dem Steigverlauf näher liegt, ein kleines Alu-Gipfelkreuz trägt.

Steinrige Mann’ln

Natürlich mußte der Autor die Gelegenheit sofort wahrnehmen und das Mann’l erklimmen. Dies geschah über einen tiefen Kamin an seiner Südseite, sowie nach dem Ende dieses, über ein paar Meter Grat und noch ein paar Meter auf den Gipfelkopf.

auf dem Steinrige Mann’l nach Norden geschaut

Der Aufstieg im Kamin ist leicht, er ist etwa einen Meter breit und hat durch den eigenartigen Plattenfels, der im Rofan sehr charakteristisch ist, jede Menge Tritte und Griffe die schmale Vorsprünge bilden.

weiterer Kammverlauf

Die Aussicht von diesem Turm auf den im Süden thronenden namenlosen Gipfel ist beeindruckend und man fragt sich, ober dieser an seiner Nordseite bestiegen werden kann (um es vorwegzunehmen: Es scheint ein undeutlich zu erkennender Steig zu den Gipfelfelsen hinauf abzuzweigen, der Autor hat es bei dieser Erstbegehung jedoch nicht versucht).

Grandios ist auch der Blick auf den Achensee und das dahinterliegende Karwendel.

toller Blick auf den Achensee und in das Karwendel

Gleich anschließend am Steig folgt die schön anzusehende Schuppe, die wiederum an ihrer Westseite umgangen wird, die jedoch auch von der Südseite über eine üppige Wiesenfläche erstiegen werden kann. Am Hochpunkt kann der südseitige Kamin des Steinrigen Mann’ls mit dem Gipfelkreuz eingesehen werden, sowie auch der weitere Aufstieg bis zum Gipfelplateau.

das erklommene Steinrige Mann’l – auf der Südseite sieht man den Kamin gut

Von dieser Schuppe führt der Steig nun etwas tiefer hinab, zuerst durch Wiesen, dann durch Latschen bis zu einer Scharte, die an der Nordwand des Dalfazer Roßkopfes endet.

Dalfazer Roßkopf im Süden

Der Aufstieg ist mit zwei Seilstrecken versichert, würde aber auch ohne diese keine besonderen Fähigkeiten erfordern. Oben am grünen Plateau des Dalfazer Roßkopfes (2.143m) befindet sich eine Windmessstation und gleich fällt der schöne Tiefblick zum Achensee auf.

die Scharte und die Aufstiegswand des Dalfazer Roßkopfes

Die letzte Etappe der Überschreitung, der Steig zum Rotspitz, liegt fast völlig einsehbar vor dem Betrachter.

das letzte Etappenziel – der Rotspitz

Hinab über Wiesen bis zu einer Latschenstrecke, die einmal den atemberaubenden Blick über die Dalfazer Wände hinab und den steilen Schuttkaren darunter freigibt, zieht sich der Steig in eine Einsattelung, um jenseits über wenige Aufstiegsmeter bis zur Grathöhe zu gelangen.

Rückblick auf den Sporn im Norden

Von der Grathöhe aus kann der scheinbar gegenüber dem Grat nach Osten versetzte Turm des Rotspitzes bewundert werden. Bei genauer Betrachtung erkennt das geschulte Auge, daß der gesamte Grat sich dort ostwärts abwinkelt und in Richtung Erfurter Hütte ausläuft.

Rofan Richtung Nordosten

Durch den Sattel ist man schnell am Rotspitz Gipfelaufbau und am Gipfelkreuz angelangt.
Von dort können die eindrucksvollen Dalfazerwände und ein großer Teil der Überschreitung eingesehen werden.

Rotspitz Gipfel

Ebenfalls fällt das rote Band von Felsen im Hochtal sofort ins Auge und wer dessen Verlauf nach Norden folgt erkennt, daß es just oben westlich vom  Streichkopf endet, wo man vorher, am Weg zur Hochiss, durch den engen Riss auf und abgeklettert ist.

ein letzter toller Blick nach Südwesten

Dieses rote Gestein ist Jurakalk, der zwischen den triassischen grauen und festen Oberräthkalken durch Überschiebungen sichtbar wurde.

Rückblick auf die Dalfazerkamm-Überschreitung

Auf dem kühnen Sporn des Rotspitz endet die Überschreitung des Dalfazerkammes. Ein häufig rutschiger steiler Steig führt hinab zum Verbindungsweg zwischen der Erfurter Hütte und der Dalfazalm. Bei diesem Teil des Steiges ist Vorsicht wegen der Rutschgefahr angeraten, wenn es an den Vortagen Niederschlag gegeben hat.

kühner Zacken – Rotspitz

Der leicht fallende Verbindungsweg führt über etwa einen Kilometer zur gut besuchten Dalfazalm zurück und dort wird über den Aufstieg nach Maurach abgestiegen.

Abstiegsgelände zum Verbindungsweg – die rutschigen Partien liegen in den Latschen

Die Runde ist etwa 13km lang, benötigt 1.550m Aufstieg gesamt und kann in fünf dreiviertel bis sechseinhalb Stunden bewältigt werden (incl. moderat kurze Pausen).

Mils, 15.08.2019

Schitour Kotalmjoch, 2.157m

Im malerischen Achental gelegen, auf der Rofanseite, stellt die Schitour auf das Kotalmjoch mit 1.200Hm eine mittellange (im unteren Bereich), landschaftlich reizvolle Schitour dar, die großteils in der Märzsonne aufgestiegen wird.

Kotalmjoch 2.157m

Ideal als komplementäre Tour am Wochenende an dem noch größeres wartet, nicht zu lange, nicht zu kräfteraubend und im März gerade am Beginn des Abschnittes mit tollen Firnhängen eine gute Wahl.

Start beim Abenteuerspielplatz

Firn konnte ich heute allerdings noch keinen erleben, dafür jedoch die schwere Art des Harschdeckels die am besten mit dem väterlich anmutenden, abhebenden Schwung gemeistert wird und wo die in den 70er Jahren erlernte Technik des Stockeinsatzes ungeheure Dienste leistet. Man beobachtet nur wenige junge Tourengeher, die damit vertraut sind, eher wird heute versucht mit roher Kraft an den Schwung zu gehen, was natürlich möglich ist, jedoch der Freude im Gelände nach kurzer Zeit Grenzen setzt.

auf dem Almweg zum Kotalm Niederleger

Nun, mit Hoffnung auf einen sonnigen Tag an dem jedem mit Kindern gut bekanntem Abenteuerspielplatz nach dem Tunnel auf der Achenseestraße gestartet, unternimmt man zuerst eine dreiviertel Stunde den Waldaufstieg zum Niederleger der Kotalm.
Dieser Aufstieg erscheint vor der im März stärker werdenden Sonne recht gut geschützt und dürfte – vor allem bei den phänomenalen Schneeverhältnissen heuer – noch eine gute Zeit befahrbar sein. Die Aussicht auf den See und auf die geschäftige gegenüberliegende Talseite mit den Christlumliften und einigen leichten Familientouren ist trotz etwas diffusem Licht großartig.

Achensee mit Gegenseite

Der Anstieg auf den Niederleger der Kotalm ist für den Hochwinter als teilweise lawinengefährdet beschrieben und die in den Fels gesprengte Straße sollte bei zweifelhaften Bedingungen wahrlich nicht im Pulk begangen werden.
Heute erzählen die zahlreichen Hopser von kleineren Schneerutschungen aus den Verschneidungen oberhalb der Straße, aber die Verhältnisse auf der schattigen Straße sind stabil.

Kotalm-Niederleger 1.260m

Nach diesem großteils schattigen Teil wird das Gelände der Kotalm betreten, ein unvermutet  weitläufiges flaches Gebiet auf knapp 1.300m.
Man verläßt es im Aufstieg gleich wieder an seinem östlichen Rand, no9ch vor den Almgebäuden in Richtung Wald oberhalb.

Aufstiegsgelände nach dem Niederleger

Der Aufstieg wird sogleich relativ steil und er zieht sich in vielen Spitzkehren durch lichten Wald knapp 200Hm in dieser Art hinauf. Da das Aufstiegsgelände auch Abfahrtsgelände darstellt ist die Aufstiegsspur oft unterbrochen und daher ein wenig schweißtreibend.

Auf ca. 1550m wird das Gelände plötzlich flacher, es ist der Wechsel zum Almgelände der Kotalm Mitterleger, deren Almgelände noch weiter erscheint als jenes des Niederleger.

das Gelände wird flacher, der Wald lichtet sich

Zum Kotalmjoch wird durch die Almgebäude hindurch gestiegen in einen weiten langen Kessel mit langer Passage im abschüssigen Gelände mit einigem Auf und Ab und bis zum Talabschluß mit wenig Höhengewinn (nicht verzagen, bei der Abfahrt braucht es kaum Stockeinsatz).

Kotalm Mitterleger, 1.608m

Am Talabschluß führt der Aufstieg auf der Ostseite des Hanges mit ein paar Spitzkehren über die Steilstufe zum verfallenen Hochleger der Alm (im Winter nicht sichtbar) empor und das Hochtal wird oben wieder weiter.

flacher Aufstieg zum Talabschluß

Nach einigen Minuten kann linkerhand die steile Rinne zum Kotalmjoch eingesehen werden. Von dort sind es nur noch gute 200Hm zum Joch und den beiden seitlichen runden Erhebungen von Kotalmjoch und Stuhljöchl, die das Joch nur um wenige Meter überragen.

Rückblick über typisches Kalksteingelände

Die Steilrinne – in der AV-Karte „Kessel“ genannt – ist der Abschluß der Tour und einigermaßen anstrengend, allerdings sind nur knapp 200Hm zu durchsteigen.
Diese Rinne ist auch der schönste Teil der Abfahrt, die sehr weit rechts, also leicht nordwestlich gewählt werden kann, wo das Gelände noch weniger verpurt ist, als direkt an der Flanke der Rinne.

Steilstufe am Talabschluß

Ein nicht besonders kalter aber stetiger Südwind begleitete mich schon ab der Steilstufe vor dem Hochleger und er wurde nur in der Rinne unterbrochen, bevor er in Jochnähe kräftig zulegte. Ein Gipfelerlebnis daher mit vorwiegender Blickrichtung Norden.

Aufstieg zum Kessel

Kein langer Gipfelaufenthalt wurde es daher heute am Kotalmjoch. Allerdings ging meine Spekulation beim Kotalm Mittelleger ein Schäferstündchen abzuhalten als Kompensation für den stürmischen Gipfelaufenthalt auf.

letzte 200Hm des Aufstieges auf das Kotalmjoch in der Steilrinne

Die Abfahrt über das schöne Gelände rechts der Aufstiegsrinne in Altherrentechnik genussvoll absolviert erreichte ich die Almgebäude und stellt einen sehr günstigen Sonnenstand für eine  Rast fest. Eine gute halbe Stunde brachte ich liegend auf der Bank zu und bemerkte im Halbschlaf kaum die vorbeifahrenden Tourengeher.

Blick vom Gipfel des Kotalmjoches in Richtung Karwendel – im Vordergrund die Klobenjochspitze

Aber schweren Herzens mußte ich mich dann doch aufmachen den restlichen Teil der Abfahrt zu unternehmen, um Verpflichtungen im Tal zu erledigen.

Blick Richtung Achensee

Die Abfahrt durch den Wald ist aufgrund der guten Schneelage nicht sehr anstrengend. Der Niederleger der Kotalm ist daher rasch erreicht und – wie könnte es anders sein – er war zum Zwecke des Sonnenbades auch bereits gut besetzt.

Rast auf dem Kotalm Mitterleger

Über den Almweg geht es abwärts zum Parkplatz. Jene Parteien, die in den Fels gesprengt wurden laden nochmals zur Aussicht auf die nun kräftig leuchtende Gegenseite des Achensees ein, bevor die Abfahrt im Wald verschwindet und am Parkplatz wieder in die Sonne eintaucht.

der Rastplatz – ein König hat es nicht schöner

Für die gesamt gut 1.200Hm habe ich genau 3 Stunden benötigt, die gesamte Tour muß mit 4 Stunden oder etwas mehr bemessen werden wodurch am Parkplatz ein 4 Stunden Ticket um €4.- knapp werden könnte.

Idylle pur – der besonnte Kotalm Niederleger

Die überraschend gute Frequentierung der Tour konnte ich mir anschließend erklären, als ich erfuhr, daß tags davor in des Tirolers Standard Zeitung ein einseitiger Bericht über die Schitour auf das Kotalmjoch erschien…

 

Mils, 03.03.2018

 

 

 

 

 

 

 

 

Rofanspitze, 2.259m

Ideal für den Herbst, wenn die Schneeauflage über 2.000m schon dauerhaft vorhanden bleibt, ist eine leichte Tour jene auf die Rofanspitze. Alternativ mit der Seilbahn ab der Erfurterhütte, oder, wie in unserem Fall, von Maurach aus. Die Zeitangabe auf der Beschilderung des TVB’s beträgt 2,5 Stunden, wir haben es in 1,5 Stunden geschafft.
Das Rofan ist ein äußerst interessantes Gebiet, wenn es um geologische Entdeckungen geht.

Manuel auf der Rofanspitze, 2.259m

Der Steig zur Erfurterhütte beginnt am Ende der Schiabfahrt (nach den Parkplätzen der Seilbahn) und führt in der Schlucht des Madersbaches bis zu einer Naturfreundehütte hinauf, wo er dann, teilweise am Rand der Schipiste, durch das Gelände des ehemaligen Niederlegers der Mauritzalm weiter bis zur Bergstation der Seilbahn und der Erfurterhütte führt.
Die Zeitangabe von der Erfurterhütte bis zur Rofanspitze beträgt 2 Stunden.

auf der Mauritzalm

Weiter bergan wird nach wenigen Minuten die Mauritzalm erreicht. Hinter dieser tut sich ein schönes Hochplateau auf dessen hintere (leicht nordöstl.) Begrenzung von den dort dominierenden Oberrhätkalkwänden (geologisch Übergang von Trias zu Jura ~208-201Mio Jahre) gebildet wird. Die homogenen, von Furchen durchzogenen, verwitterten Oberflächen sind schön anzusehen und begleiten uns am Weg über die Geländestufe „Grubastiege“ weiter in das nächste und weit größere Hochplateau Gruba mit dem kleinen See Grubalacke.

Oberrhätkalkwand auf der Grubastiege

Der Weg dorthin führt durch mehrere Einengungen. An der obersten kann die schöne Oberfläche des Oberrhätkalkes sehr nahe bestaunt werden. Von der Grubastiege geht es nun einige Meter leicht abwärts in eine Senke an der die zuvor besprochenen oberrhätischen Kalke nochmals eingehend studiert werden können.

Wegweiser am Ende der Grubastiege

Dieses Gestein weist auch eine ganz interessante Erscheinung auf und zwar mitten in den mächtig gebankten Wänden tauchen einige wenige, jedoch zweifelsfrei sichtbare rote Einschaltungen auf. Diese stellen Einlagerungen von Rotkalken und für den Interessierten, der sich diese nicht erklären kann sein gesagt, daß die Entstehung solcher Einlagerungen durch Spaltenfüllung und/oder Sedimentation am Meeresboden entstanden sind. Interessant dabei ist, daß die Füllungen bzw. die Sedimentationen erst durch tektonische Veränderungen am Meeresboden Jahrmillionen nachher entstanden sind.

die Gruba von der Grubastiege aus gesehen

Am Ende der Senke steigt das Gelände wieder sanft an und führt so, nördlich an der Grubalacke vorbei, bis zur Grubascharte. Am Weg dorthin begegnet man so manch interessanter Ausbildung von Gesteinsoberflächen.

Sedimente auf Oberrhätkalk

An der Grubascharte wird nach Osten der schön geschichtete Aufbau der mächtigen Vorderen Sonnwendjoches und des Sagzahnes sichtbar. Links (nördl.) davon der im Gegensatz zu den Felsbänken auf der Gegenseite sanfte, begrünte Hang der Rofanspitze. Dieser Blick lädt einige Minuten zum Verweilen ein und bei dieser Gelegenheit kann – auf der Suche nach einem trockenen Sitzplatz – auch erkannt werden, daß sich die Geologie wieder geändert hat, der Sitzplatz besteht aus der speziellen Rofanbrekzie die jünger ist, als andere Brekzien in der nächsten Umgebung in den Nördlichen Kalkalpen.

auf der Grubascharte

Der Steig zum Gipfel der Rofanspitze ist nun deutlich vorgegeben, er zieht sich am mittelsteilen Hang entlang, steigt unversehens über Serpentinen auf den Grat an und führt ca. 300 Meter auf diesem entlang bis zum Gipfel.

Rofanspitze von der Grubascharte aus gesehen

Bei seiner unteren Abzweigung vom Hauptsteig befindet sich ein Wegweiser und rund um diesen konnten wir auf der aperen Stelle schön die Rofanbrekzie sehen.

Abzweigung zur Rofanspitze

Diese präsentierte sich in abgewitterter Form, wobei die Komponenten – vorwiegend aus Oberrhätkalk – im Laufe der Zeit teilweise freigelegt wurden.

Rofanbrekzie II

Das Gipfelbuch – obwohl an die 40mm dick – ist in etwa ein gutes Jahr alt und war bereits vor einigen Wochen vollgeschrieben. Soviel zur Beliebtheit der Rofanspitze.

Sagzahn und im Hintergrund die Vordere Sonnwendjochspitze vom Gipfel der Rofanspitze gesehen

Der Blick am Gipfel eröffnet freie Sicht auf die beiden Unnütze und den Guffert im Norden, das Inntal und das Kaisergebirge im Osten, den Sagzahn und die Vordere Sonnwendjochspitze im Süden und die mit 2,6km Länge gewaltige Nordwandkette bis zum Streichkopf im Westen. Für den gesamten Aufstieg auf die Rofanspitze benötigten wir geringfügig mehr als 3 Stunden.

Blick von der Rofanspitze nach Norden auf die Unnütze und den Guffert

Tief unter dem Gipfel befindet sich der kleine Grubasee an dem, so wie vorwiegend an der Grubalacke und auch am Ziereinersee östlich der Rofanspitze, mittelsteinzeitliche Produktion von Waffenteilen stattfand. Vor rund 9.600 Jahren wurden an diesen Plätzen aus Radiolarit und Hornstein Speerspitzen und andere Werkzeuge gefertigt.

Die Nordwand der Rofangipfel im Detail

Die beiden Gesteine sind oberjurassischen Ursprungs und der Horizont befindet sich oberhalb des roten Liaskalks, was damals wahrscheinlich auch der leichteren Auffindung diente.
Das Rofan war damals auch ein Jagdgebiet für die Steinzeitlichen Jäger, die durch die Wiederbewaldung nach Abklingen der Eiszeit lernen mußten Standwild in den Wäldern zu jagen.

Blick von der Rofanspitze nach Osten auf den Rest der Brandenberger Alpen und das Inntal

Am Abstieg viel uns im Schutthang von dem gewaltig aufragenden Turm des Rosskopfes noch ein junger Abbruch von rötlichem Kalkgestein auf, der näher untersucht werden mußte.

Crinoidenkalk am Fuße des Rosskopf

Es zeigte sich, daß das Gestein des Abbruches einen sogenannten Crinoidenkalk darstellt. Dieser ist ein durch Sedimentation am Meeresboden entstandener Kalkstein, der aus den versteinerten Resten von Seelilien und Haarsternen (Crinoidea) besteht. Man erkennt diese mit freiem Auge durch kleine weiße Einlagerungen (Durchmesser meist <1mm, mit einem Loch in der Mitte, auch Ruhpoldinger Marmor).

Oberrhätkalk mit Liaskalkeinschluß (rot Bildmitte und links)

Beim Abstieg, bei weniger diffusem Licht als am vormittäglichen Aufstieg, durch die Gruba konnten wir die Rotkalkeinlagerungen im Oberrhätkalk noch einmal gut betrachten und unten im Almgelände fiel uns noch ein extra aufgestellter Liaskalkfelsbrocken auf, der auffällige Einlagerungen in Muschelform enthält. Er ist nicht ohne Grund aufgestellt worden, allerdings konnten wir noch keine Bestimmung für die Einlagerungen finden.

Felsbrocken aus Liaskalk mit Einschlüssen II (Eisen-Mangan?)

Den Abstieg haben wir über die Bucheraueralm gewählt.

Buchaueralm

Am weiteren Weg fällt bei ca. 1.220m ein Einschnitt einer Kehre der Almstraße auf, der eine schräge Bank an Rotkalk enthält.

Rotkalk auf 1.220m in einer Kehre

In dieser Meereshöhe erscheint das Vorkommen von Rotkalk sonderbar, denn beim Aufstieg erschienen die ersten roten Bereiche auf ca. 1.650m knapp oberhalb und nordwestlich des Schichthals orografisch links in den Felsen neben der Schipiste.

Mils, 02.11.2017