Archiv der Kategorie: Stubaier Alpen

Schwarzhorn, 2.812 m – von der Kemater Alm

Die Randlage des Schwarzhorns macht einen kaum zu übertreffenden Blick in die Stubaier möglich. Im Winkel von fast genau 180° – von Rietzer Grießkogel, über die mächtigen zentralen Stubaier Gipfel hinweg, bis zum Habicht und den knapp dahinter liegenden Tribulaunen – kann vom Schwarzhorn au eine wahrlich grandiose Aussicht bewundert werden. Es wird wenige Plätze im Stubai mit einem solch umfassenden Einblick auf das Gesamtgebirge geben – deshalb haben wir ein paar Bilder mit Gipfelbeschriftungen angefertigt.

Stubaier Gipfel Westsüdwest

Der Aufstieg folgt einem bezeichneten Steig durch das Senderstal auf das Sendersjöchl mit Fortsetzung bis zum Gipfel.
Ab der Kemater Alm führt zunächst ein Karrenweg über etwa 3,5 km bis zum hintersten Talboden des Senderstales, bevor er an einer Jagdhütte endet. Dort beginnt der Steig, der sich zunächst noch etwas weiter am Talboden hinzieht bevor er in die Westflanke des Gamskogels führt.

Aufstieg durch das Senderstal, das Sendersjöchl und die Marchsäule bereits sichtbar

Über eine Passage von Blockwerk zieht der Steig nun etwas oberhalb des Talbodens (Wegweiser), sich südwestwärts wendend, den Hang querend unterhalb der Schrofen vom Grat herab weiter taleinwärts.

im hintersten Senderstal bereits aufgestiegen in die Flanke des Gamsjoches

Am Ende der Hangquerung werden die letzten etwa 100 Hm auf das Sendersjöchl im Schrofengelände in Spitzkehren zurückgelegt. Der Aufstieg bis dorthin dauert in etwa ein dreiviertel Stunden und bis zum Gipfel braucht man noch etwa eine knappe Stunde.

Marchsäule und Schwarzhorn auf der gegenüberliegenden Talseite

An Sendersjöchl wir erstmals die Aussicht deutlich, vor allem in die südlichen Stubaier, deren mächtiger Vertreter Habicht etwas südöstlich gegenüber steht. Verblüffend nahe erscheint die Alm in den Oberberger Mähdern auf 1.800 m beim Tiefblick unterhalb des Joches.

Sendersjöchl Richtung Kalkkögel

Ein Zwischenziel am Grat zum Schwarzhorn stellt die Marchsäule dar, ein vom Senderstal hoch aufragender Gratkopf, der von weit außen recht imposant aussieht und mit dem eigentlichen Ziel Verwechslung finden könnte.

Steig zur Marchsäule

Gleich am Grat weiter erspart man sich etwa 10 m Abstieg am Weg zur Seducker Hochalm um von dort wieder Richtung Marchsäule aufzusteigen.

Blick Richtung Gamskogel (späterer Abstieg)

Die Marchsäule auf 2.589 m wird über den steiler werdenden Steig in 15min erreicht. Von dort hat man einen schönen Blick in das Senderstal und den bisherigen Anstieg. Das schlichte Holzkreuz ist in die Jahre gekommen, ein Gipfelbuch gibt es nicht.

Blick Richtung Gamskogel (späterer Abstieg)

Etwa 40m oberhalb der Marchsäule beginnt der typische Gratkamm im Kristallin. Im Fall des Grates zum Schwarzhorn handelt es sich um Gneise und Glimmerschiefer. Unter typisch versteht der Autor die topographische Erscheinung als loses Blockwerk an den flachen Gratstellen und dem festeren Verbund in den steileren Flanken.

weiterer Aufstieg zum Schwarzhorn

Der verbleibende Aufstieg von der Marchsäule am Gratkamm zum Schwarzhorn beträgt 220Hm und etwa einen Kilometer Länge. Hieraus ist alleine schon die recht flache mittlere Steigung abzulesen, wenn auch der Grat flache uns steile Passagen aufweist.

Kamm zum Schwarzhorn

Man möchte meinen, daß diese kurze Strecke rasch begangen werden kann, jedoch hält das Blockwerk im Mittelteil des Aufstiegs die Geschwindigkeit in Grenzen und man rechne mit einer Dreiviertelstunde bis zum Gipfelkreuz.

Blick nach Nordosten, Kalkkögel und Karwendel

Das Kalkül, daß im Herbst der Grat selbst in der großen Höhe von über 2.600 m noch schneefrei sein müßte ging auf. Der Aufstieg erfolgte großteils ohne tiefen Schnee betreten zu müssen und teilweise auf der Südseite ausschließlich auf Fels.

Kammhöhe zum Schwarzhorn

An Kletterei entbehrt das Schwarzhorn fast gänzlich. Es gibt einige wenige Passagen am Gipfelaufbau an denen die Hände zum sicheren Übersteigen von Felsspitzen benützt werden, jedoch sind diese so harmlos, daß dies sogar mit den Stöcken in der Hand möglich ist. Weiters gibt es auch kaum ausgesetzte Stellen am Grat.

Stubaier Gipfel Südwest

Ein kleines Holz-Gipfelkreuz ziert den unspektakulären Gipfel des Schwarzhorns, das Gipfelbuch erlitt leider Feuchtigkeitsschäden und befindet sich durch Schimmel, aber auch mechanisch in weitgehend zerstörtem Zustand. Trotzdem läßt sich anhand der ältesten Einträge erkennen, daß dem Schwarzhorn wenige Besuche pro Jahr zuteil werden, die noch leserlichen Einträge sind aus 2009 und das Buch ist bei weitem noch nicht vollgeschrieben.

Gipfel Schwarzhorn, 2.812 m

Dem Schwarzhorn ist im Norden der Gipfel der Schwarzen Wand vorgelagert. Er ist um 32 m niedriger und trägt ein Gipfelkreuz, obwohl er nicht durch einen offiziellen Steig erreichbar ist. Die Motivation dort ein Gipfelkreuz zu errichten ist aber klar – vom Tal aus besticht der Gipfel durch seinen formschönen Aufbau.

Blick zum Gipfel Schwarze Wand nach Norden

Die Gipfelschau in die mittlerweile überwiegend in Weiß gehüllten Stubaier beginnt im Nordwesten mit dem sehr markanten Rietzer Grießkogel und den Pirchkogel in den Nördlichen Sellrainern.

Stubaier Gipfel Nordwest mit Bezeichnungen

Sie leitet über in die Südlichen Sellrainer Berge mit Sulzkogel und Gleirscher Roßkogel.

Stubaier Gipfel Westnordwest mit Bezeichnungen

Im zentralen Teil ziemlich im Westen des Schwarzhorns finden sich  Gleirscher Fernerkogel, Breiter Grießkogel, Lisenser Fernerkogel,

Stubaier Gipfel West I mit Bezeichnungen

die Villerspitzen im Vordergrund, die Brunnenkögel, der Schrankogel, die Schwarzenbergspitzen, die Seespitzen, die die Ruderhofspitze verdecken und die Knotenspitzen.

Stubaier Gipfel Westsüdwest

Hinter den Alpeiner Bergen im Vordergrund lugen Wilder Pfaff, Wilder Freiger und am Ende der Alpeiner Bergkette die Wetterspitzen und die Feuersteine hervor.

Stubaier Gipfel Südwest mit Bezeichnungen

Den Abschluß der Dreitausender im Süden bilden Habicht im Vordergrund und die Tribulaune, die gerade noch an seiner Westflanke zu sehen sind – ein umfassendes Panorama.

Habicht und südliche Stubaier mit Wetterspitzen und Feuersteinen rechts hinten

Aber auch der Blick nach Südosten zu den Tuxern und Zillertalern sowie nach Osten in die Kalkkögel und auch nach Norden ins Wetterstein und Karwendelgebirge bietet ein umwerfendes Szenario das zum Verweilen einlädt.

Serleskamm und dahinter die Zillertaler Alpen

Für den Rückweg empfiehlt sich die Tour als Rundtour auszudehnen und am Sendersjöchl die Richtung zum Seejöchl einzuschlagen. Für die etwa 100 Hm mehr Aufstieg auf dieser Strecke entschädigen die Kalkkögel reichlich.

See am Seejöchl

Am Seejöchl überschreitet man außerdem die Grenze von Kristallin der Stubaier Alpen zum Kalkdolomit des Brennermesozoikums mehrfach und kann die unterschiedlichen Gesteine in ihrer Grenzlinie bis weit hinab zur Adolf Pichler Hütte bestaunen.

Kristallin (links) und Dolomit (rechts) direkt aneinander, dahinter Wetterstein und Karwendel

Der Steig führt meist an der Grenze der Gesteine dahin und zum Abschluß der Tour erscheinen die Kalkkögel in unverwechselbares dunkelgelbes Herbstlicht getaucht.

Rückblick auf die Kalkkögel

In Summe beträgt der Aufstieg somit 1.250 Hm und der Zeitbedarf mit Pausen und einem 45 minütigem Gipfelaufenthalt gut sechs Stunden für 16 km Strecke.

Mils, 02.11.2019

Schitour Sulzkogel, 3.016m

Nach Schluß der Schisaison und Beendigung des Rummels im Kühtai bieten sich Frühjahrsschitouren von 2.000m Ausgangshöhe immer an – und wenn das Wetter makellos ist, dann lockt die leichte Tour auf den Sulzkogel umso mehr.

Hilli am Sulzkogel

Ideal ist alleine der Ausgangspunkt der Parkplatz beim Alpenrosenlift. Kaum Fahrzeuge anzutreffen, obwohl das Kühtai im Mai immer noch das Mekka der Schitouren im mittleren Inntal darstellt.
Vom Auto geht es ohne Fußmarsch direkt auf die immer noch bestens erhaltenen Schipisten gen Süden, der Staumauer des Kraftwerks Sellrain-Silz entgegen.

Ausgangspunkt Parkplatz Alpenrosenlift

Wir bildeten bei unserer Begehung eine ansehnliche Truppe die sich am Abend tags zuvor mittels what Sepp geschmiedet hatte. Das Wetter war perfekt, der Himmel ohne Trübung, im Schatten jedoch ganz schön kalt von den beginnenden Wetterkapriolen im Mai dieses denkwürdigen Winters 2018/19 geprägt. Es hat während der Woche vor dem Feiertag Neuschnee gegeben, weswegen die Lawinenwarnstufe nicht mehr gespannt, dennoch aber nicht unbedenklich ausfiel.

Aufstieg nach Piste auf Zugangsstraße Staumauer

Über die Pisten rasch in Richtung Graf Ferdinand Haus aufgestiegen passiert man jenes mit etwas Abstand zur asphaltierten Straße zur Staumauer hin, die im Mai bereits schneefrei und sichtbar, nach etwa 20min erreicht und überquert wird.

Blick von Dammkrone in Richtung Stausee und Finstertaler Scharte

Ab der Annäherung zur Staumauer konnten wir den trotz allem Sonnenschein noch vorhandenen Winter in dieser Höhe spüren, es wurde in der Abdeckung durch den Neunerkogel bitter kalt im Schatten. Der Schatten reicht im Verlauf der Tour bis hinter den Stausee auf die ersten Anstiegsmeter bis zur Verzweigung des Anstiegs zur Finstertaler Scharte, über die eine phantastische Rundtour zur Kraspesspitze unternommen werden kann.

kurze Aufwärmpause am einzig sonnigen Platz bis zum Beginn des Hauptaufstiegs

Auf der Staumauer angekommen erheischten wir gegen halb neun vormittags eine Mütze voll Sonnenstrahlen, die just an dem kleinen Plateau mit der Infotafel auf eine kleine Fläche auftraf, bevor wir die Querung der Westflanke der Neunerspitze den See säumten.

Querung der Steilflanke des Neunerkogels

Die Querung wäre ohne die Lawinenbauten bei entsprechender Schneelage durch deren Steilheit etwas prekär, jedoch ist sie durch dieselben entschärft. Es droht bestenfalls ein kurzer Rutscher in die Verbauung hinab.

in Bildmitte die Verzweigung Finstertaler Scharte / Sulzkogel

Nach der Querung wird der Hang recht flach und säumt den im Winter unter niederem Wasserstand gehaltenen Stausee in beträchtlicher Höhe und selbst am Tiefpunkt der Halbumrundung, am südlichen Ende des Stausees, befindet man sich trotz ca. 20Hm Höhenverlust weit vom Wasserspiegel entfernt. Die Westseite des Stausees bietet keinen Vorteil und ist keine Option, hier ist das Gelände felsig, kaum begehbar sowie meist höchst lawinengefährdet.

Rückblick Richtung Staumauer

Vom Tiefpunkt der Halbumrundung wird in wenigen Spitzkehren in eine weite Talmulde (Schafleger) aufgestiegen, in der, wenige Minuten nach Aufstiegsbeginn, der Anstieg zur Finstertaler Scharte abzweigt. Die Route zum Sulzkogel verläuft der Talmulde folgend nach Westen weiter.

an der Verzweigung Finstertaler Scharte / Sulzkogel

Mittlerweile erfreuten wir uns – dank ungetrübter Sonneneinstrahlung – wieder angenehmer Temperaturen, die sich durch die steiler werdende Talmulde zur schweißtreibenden Bestrahlung wandelte.

in der Steilstufe nach dem eher flachen Anstieg nach der Abzweigung

Bald nach der Talmulde, etwa nach einer guten Viertelstunde, erreicht man eine kurze Steilstufe, die in wenigen Spitzkehren überwunden wird.

Rückblick auf den flachen Anstieg

Nach dieser wird das Gelände wieder etwas flacher und etwa nach 100Hm weitern Aufstiegs gibt den Blick auf eine Mulde frei, die südlich unterhalb des Aufstiegs einen See birgt – leider zu dieser Jahreszeit noch gänzlich vom Schnee verborgen.

nach der Steilstufe am flacheren Teil beim See (nur im Sommer sichtbar), im Hintergrund Neuerkogel, dahinter der Rietzer Grießkogel und in Bildmitte der Pockkogel, rechts davon der Gaißkogel

An dieser Stelle dreht die Route nach Westen in das schmale Hochtal mit den Resten des  Gamezkogelferner an dessen Ende die Südflanke des Sulzkogels und die Nordflanke des Gamskogels den Talkessel bilden.

Gelände kurz unterhalb der Flachstelle

Etwa in der Hälfte des recht flach steigenden Tals kann der gesamte restliche Aufstieg bis zum trennenden Sattel zwischen den beiden Gipfeln eingesehen werden.

Weiter im Hochtal mit zunächst flacher Route

Ein toller Hang führt vom Talende auf rund 2.800m über ca. 140Hm auf den Sattel unterhalb des Gipfelaufbaues des Sulzkogels und wird in einem Dutzend Spitzkehren begangen.

Hochtal unter vollem Einblick knapp nach dessen Beginn

Knapp oberhalb des Sattels legten die meisten Tourengeher an diesem Tag ihr Schidepot an.

Sulzkogel – stark besuchtes Ziel bei diesem Prachtwetter

Wir trugen sie bis zum Gipfel hinauf, da es weiter oben die Möglichkeit gab in die Südflanke einzufahren und, was wir noch nicht wussten und sich später herausstellte (siehe Foto in der Galerie), es gab auch die Möglichkeit über einen sehr steilen Hang direkt ostwärts abzufahren.

Blick von der Kraspesspitze links über Rotgrubenspitze (etwa mittig), Gleirscherfernerkogel (Beginn letztes Drittel) bis zurück zum Strahlkogel rechts

Der restliche Aufstieg von gut 50Hm vom Schidepot erfolgte in weniger deckender Schneeauflage, teilweise zwischen Felsen hindurch über die steile Westflanke bis zum Gipfelkreuz des Sulzkogels. Ein sicherer Tritt ist hier ratsam.

Rückblick auf den Sattel zwischen Sulz- und Gamskogel

Nach dem Schidepot gibt es einen Aufstieg eher direkt zur langgezogenen Gipfelrippe und einen nördlich ausgerichteten zum hinteren Ende des Gipfels. Wir nahmen letzteren, da dort weniger Personen aufstiegen.

Das Gros der Gruppe am Schidepot

Das Panorama am Sulzkogel ist sehenswert. Besonders gut kann die rassige Schitour auf den Hochreichkopf im Südwesten eingesehen werden.

Herrliche Blicke nach Westen – in Bildmitte der Hochreichkopf

Links vom Hochreichkopf befindet sich die Hohe Wasserfalle und rechts von ihm der Wechnerkogel mit der steilen Wechnerscharte, sowie in der Gruppe der eindrucksvolle Acherkogel und der niedrigere Manningkogel.

Nahezu der gesamte Verlauf des Aufstiegs auf den Hochreichkopf, über die steile Querung bis zum Sattel und die steile Flanke bis zum Grat, der noch über einige Meter begangen werden muß, ehe der Gipfel erreicht wird, liegen voll ersichtlich vor dem Auge des Betrachters.

Anstieg über die westliche Gipfelflanke

Die letzten Höhenmeter auf den Sulzkogel finden über die recht steile Westflanke des Gipfelaufbaues statt. In unserem Fall waren die Verhältnisse gut, meist im Schnee, weniger auf Fels folgten wir der bereits recht ausgetretenen Spur.

Sulzkogel, 3.016m – Jasi entsprechend entzückt

Das kleine schöne Gipfelkreuz aus Edelstahl huldigt mit einer Bronzegußtafel einem Bergsteiger Sulzberger, die entweder durch die Ironie des Schicksals oder absichtlich am Sulzkogel aufgestellt wurde.

Kühtai und in Bildmitte der Rietzer Grießkogel

Im Nordosten beeindruckt der Rietzer Grießkogel, im Westen Neunerkogel, Gaißkogel und Pockkogel, sowie die Kraspesspitze und fast im Süden der Zwieselbacher Rosskogel.

Welch Ausblick – von Schöllekogel bis zum Zwieselbacher Rosskogel, dahinter die Kalkkögel und wieder dahinter die Zillertaler

Der Sulzkogel ist für Schitouren der einzige leicht erreichbare Dreitausender ab Kühtai. Entsprechend beliebt ist sie daher und während wir die umliegenden Gipfel betrachteten trafen schon die nächsten Tourengeher ein.

Evi am Sulzkogel

Die noch tief verschneite Szenerie war für einen ersten Mai schon außerordentlich zu betrachten, jedoch wurde es bald enger auf der kurzen Gipfelrippe.

Fortunato am Gipfel angelangt

Die verfügbare Fläche zum Verweilen am schmalen Gipfel ist klein und durch vermehrten Andrang von Nachkommenden hielten wir uns nicht sehr lange am Gipfel auf.

Rüsten zur Abfahrt auf der steilen Gipfelrippe

Das weiter vorne (südlich) am Gipfel aufgestellte zweite Gipfelkreuz besuchten wir gar nicht mehr, sondern stiegen gleich wieder durch die Felsen zu einer Stelle ab, an der es auch möglich schien in die Schi einzusteigen, ohne Gefahr daß sich dieselben verabschiedeten.

Im Südhang mit nun deutlich weichem Sulz

Wider Erwarten war der oben steile Hang nur teilweise angenehm zu befahren, weil schon recht aufgeweicht. Zudem bildete angefrorener Schnee aus der Gipfelflanke eine dicke Auflage am Belag des Autors, sodaß dessen Schi unerklärlicherweise unfahrbar wurden.

Mühsames Unterfangen mit aufgestolltem Belag Figur zu machen

Eine neue Erfahrung die – weil unbekannt – über den gesamten Hang für Ärger über die plötzliche Situation und für Verwunderung sorgte und erst beim Ablegen und Wenden der Schi entdeckt wurde.

Südhang gegen mittags

Nach der Panne und dem Säubern des Belags war der Lapsus auf der Ausfahrt aus dem schmalen Tal schnell vergessen. Die Verhältnisse waren besser als weiter oben und die Schneebedingungen so gut wie sie im Hochwinter sein können.

nach der Flachstelle beim See gequert – ein Nordhang verspricht pulverigen Schnee

Über die Steilstufe hinab gab es teils Pulver, teils Harsch und bis unten hin oberhalb des Stausees eine durch kleine Rutschungen verursachte knollige Steilflanke aber alle verschiedenen Schneearten erwiesen sich als recht gut fahrbar.

jedoch mit leichtem Harschdeckel im unteren Teil – dennoch gut fahrbar

Der flachere Teil oberhalb der Verzweigung ließ sich wieder mit leichten Schwüngen fein abfahren.

Abfahrt über den unten flacheren Teil unterhalb der Steilstufe

An der Verzweigung – Schafleger – angelangt versuchten wir so hoch wie möglich in das Flachstück neben dem See einzufahren. Jene, die die höchstmögliche Position befuhren schafften am Ende nur etwa 50m Strecke weiter als jene, die recht mittig durch den Hang querten – wieder etwas dazugelernt.

bei der Verzweigung zur Finstertaler Scharte angelangt

Zur Rückkehr auf das Niveau der Staumauer war ab der Querung erneutes Auffellen notwendig. Der Höhenunterschied ist zwar gering, jedoch geht es nicht mit Anschieben zurück. Die Stecke ist etwa 1.200m lang und in kaum 20min zu bewältigen.

am Auffellpunkt oberhalb des Seeufers

Am kleinen Plateau an der Staumauer wird abgefellt und der letzte Blick auf die Tour und den Sulzkogel gerichtet.

Querung über die Steilflanke oberhalb der Hangverbauung

Über die Nordseite der Staumauer geht es zurück in Richtung, Graf Ferdinand Haus das aber mit den Liften ebenfalls geschlossen wird. Über die Piste des Alpenrosenliftes konnten wir noch ein paar schöne Schwünge im Firn erleben.

an der Dammkrone angelangt – Hilli strahlt über die traumhafte Schitour

Der Zeitbedarf vom Parkplatz und zurück betrug vier Stunden mit einem knapp 30 minütigen Gipfelaufenthalt.
Die Strecke betrug sechs Kilometer bei 1.000m im Aufstieg und die reine Aufstiegszeit etwas mehr als drei Stunden, die Gesamtzeit viereinviertel Stunden

Mils, 01.05.2019

Schitour Pirchkogelrunde – Pirchkogel-Mitterzaigerkopf

Im nördlichen Teil von Kühtai wird der beliebte Pirchkogel zum Ausgangspunkt einer phantastischen Rundtour über die Nordbegrenzung der Stubaier Alpen durch die Schitour Pirchkogelrunde. Vom Gipfel folgt eine Abfahrt Richtung Inntal bis knapp über die Stamser Alm auf etwa 2.000m und über schön gestuftes Gelände erreicht man am Kreuzjoch die Südhänge der Kühtaier Berge mit einer tollen Abfahrt durch die obere Zirmachalm zur Landesstraße vor Kühtai.

der Großteil der Gruppe am Start ins Schneetal

Da mit dem Zielpunkt vor der Galerie nach Kühtai die Runde nicht komplett abgeschlossen ist, sind praktischerweise zwei Fahrzeuge nötig, das zweite eben am Parkplatz vor der Galerie, mit dem man die letzten zwei Kilometer zum Ausgangspunkt gelangt. Zu Fuß auch möglich, jedoch ein unangenehmes Unterfangen.

im rechten Bilddrittel unsere spätere Aufstiegsstrecke

Die Schitour wird zur kompletten Rundtour, wenn nach dem Kreuzjoch nach Südwesten gequert, den steilen Nordosthang zur Scharte am Hochalter aufgestiegen und über das Schigebiet zum Ausgangspunkt abgefahren wird. Dieser letzte Teil blieb uns bei dieser Begehung nicht beschieden und wird nachgeholt.

morgens noch erfreulich gutes Wetter beim Start in Kühtai

Vom leeren Parkplatz beim Hochalterlift steigt man Mitte Mai ohne Rummel über die Schipisten zu einer langen, eher flachen Geländestufe in Richtung auf.
Gleich nach dem Start der Tour öffnet sich ein toller Blick durch das Längental im Südwesten mit zwei schönen und nicht ganz einfachen Schitourenzielen, der Hohen Wasserfalle und dem Hochreichkopf.

am Aufstieg Richtung Pirchkogel ins Längental geblickt – die beiden ganz weißen: Hohe Wasserfalle und Hochreichkopf

Entlang des Schlepplifts, auf der Geländestufe vor dem Gipfelaufbau, nähert man sich den imposanten Irzwänden deren steile Karhänge einige nicht unbeträchtliche Rutschungen von Neuschnee der letzten Tage zeigten.

eindrucksvolle Irzwände

Nach der Flachstrecke folgt eine moderat steigende Kuppe bis auf ein Plateau bei der Bergstation des Schleppliftes am Fuße des Gipfelaufbaues des Pirchkogels.
Weiter führt die Tour in einen trennenden Graben zwischen dem etwas niederen Hinteren Grießkogel und dem die Szene beherrschenden Pirchkogel.

mittig der Hintere Grießkogel, rechts davon der Pirchkogel

Im Graben befindet sich ein kurzes Stück mit einer Hangneigung von 35° und links davon, an der Nordostflanke des Hinteren Grießkogels gibt es im oberen Bereich des Hanges noch größere Neigungen die zu beachten sind.

bereits schön warm

Mittlerweile befand sich unser Aufstieg gegen halb neun bereits unter maximaler Sonnenbestrahlung, die Hang und Sonne bilden können. Gleichzeitig jedoch konnten wir Eintrübung von Süd her erkennen. Für den späteren Verlauf der Tour und der Stimmung wirkte sie sich nicht negativ aus, dem Kontrast der Dokumentationsfotos jedoch unzuträglich.

steilere Partien durch den Graben

Dem Graben folgt ein schöner hindernisfreier Schlußhang auf den Gipfel. Der Pirchkogel hat sein Gipfelkreuz auf einem etwas niederen Vorgipfel, der im Gegensatz zum geodätisch eigentlichen Gipfel vom Inntal aus einsehbar ist. Somit ist der häufig gepflegte Brauch der Situierung des Kreuzes erklärt.

die schönen freien Gipfelhänge am Pirchkogel

Angesichts der großen Popularität des Pirchkogels befanden sich an diesem Tag nicht viele Tourengeher am Gipfel. Unsere Gruppe formierte sich durch Einladung per what Sepp an diesem Tag zu einer stattlichen Gruppe von neun Gleichgesinnten. Keiner von den anderen Tourengehern hatte jedoch die gleiche Runde im Visier und so durften wir uns eines einsamen zweiten Teils der Tour erfreuen.

am geodätischen Pirchkogel

Gut sichtbar vom Pirchkogel zieht das Schneetal in die Nordseite der ins Inntal auslaufenden Kühtaier Berge hinab.

der geschmückte Vorgipfel des Pirchkogels

Die Abfahrt erfolgt in einer nach unten sich verbreiternden und wieder einengenden Mulde. Am Ende derselben weitet sich das Gelände wieder und wir querten die steilen Nordhänge der Irzwände ostwärts Richtung Hochwanner.

diese tolle Abfahrt stand uns bevor, Schneetal

Dort gab es die Möglichkeit in eher direkter Fahrt abwärts zu fahren, oder über eine flachere Scharte im Schrofengelände in den breiteren Kessel östlich des Hochwanner abzufahren und wir zogen diese Variante vor, auch um so weit wie möglich ostwärts zur Rippe vom Hochwanner herab zu gelangen, die es als Tiefpunkt der Tour zu umfahren gilt.

das Schneetal verjüngt sich etwas

Die Abfahrt über das Schneetal und bis zum Tiefpunkt auf knapp über 2.000m beinhaltet einige wenige kurze Stellen mit 35° Hangneigung oder knapp darüber. Die steileren Passagen sind leicht umfahrbar, wodurch die Abfahrt relativ sicher ist. Ein tolles Firnerlebnis hatten wir allemal, da die Sonneneinstrahlung auf der Nordseite am Vormittag im Frühjahr noch wenig tiefenwirksam ist.

und wird unterhalb sehr breit – geht in ein weites Tal über

Tolle Schwünge ließen sich in den breiten Hang nach den Schrofen zum nächsten Sammelpunkt 200Hm tiefer ziehen – auch die Schneequalität ließ auf 2.000m nichts zu wünschen übrig.

Abfahrt bis unter die Nordseite der Irzwände

Oberhalb eines Einschnittes am Hang, der wie ein runder Felskopf wirkt aber nur eine kleine Steilstufe darstellt, kann die weitere Abfahrt zum Hang unter der Felsrippe, die das Tal trennt, gut eingesehen werden. Man ahnt schon die geeignete Passage zur Umfahrung, ohne jedoch die Hinterseite des Geländes zu kennen.

Durchschlupf durch die Schrofen und ganz links das Ende der Rippe

Hangabwärts zur Linken befand sich die Stamser Alm noch im Winterschlaf und rechts davon, in Zugrichtung der ausklingenden Rippe lag die Jagdhütte ebenfalls noch mitten in der Schneedecke. Gegenüber im Inntal hatte der Frühling mit tiefem, üppigen Grün bereits Einzug gehalten.

die Stamser Alm noch in der Winterruhe, gegenüber im Inntal der Frühling

Über die Steilstufe hinab konnten wir noch einmal den bis dorthin überraschend guten Firn genießen bevor sich die Frage erhob, wo wohl die beste Umrundungshöhe der Rippe wäre. Ihr felsiger Teil endete markant in der Baumgrenze und wir versuchten die Linie so hoch wie möglich.

Flex in dynamischer Fahrt

Nach dem Hochpunkt der Umrundung wird der Baumbestand auf der Westseite etwas dichter und vor allem wird das Gelände steiler.

Lagebesprechung zur Umfahrung der Rippe

Bei unserer Befahrung mußten wir in der gewählten maximalen Höhe durch eine Serie von Schneerutschungen mit harten Rutschflächen und großbrockigen Knollen hindurch – eine durchaus abenteuerliche Fahrt mit Anspruch an den Gleichgewichtssinn. Die Passage war jedoch leicht zu finden.

Michi dokumentiert die Umrundung

Rückblickend betrachtet hätten 20 oder 30Hm mehr Verlust flacheres Gelände und weniger Akrobatik erfordert aber letzten Endes hat die Querung im etwas extremeren Gelände nicht schlecht gefallen.

Carina und Sabine

Am Auffellplatz knapp unterhalb von 2.000m befindet man sich am leicht geneigten Talkessel in vereinzelt stehenden Zirben unterhalb einer leichten Steilstufe, die die Sicht das Aufstiegsgelände versperrt.

Auffellplatz auf knapp unter 2.000m

Nach wenigen Minuten durch den alten Zirbenbestand hindurch wird die weitere Strecke sichtbar. So richtig klar wird sie aber erst, wenn auch die Felsrippe zur Linken auf gleicher Höhe liegt, sodaß der Aufstieg links in das Wurmetal einsehbar ist.

kleine nette Stufe durch alte Zirben

Zunächst aber sind dafür etwa gute 15min taleinwärts (südostwärts) unter moderater Steigung notwendig. Der Mitterzaigerkopf als nächstes Ziel ist bereits nach der Geländestufe sichtbar, jedoch erscheint der Gipfel nicht sehr markant im Aufstieg nach den Zirben.

unterwegs zum Wurmetal links – nicht sichtbar

Mit zunehmender Tiefe im Tal taucht das abzweigende Wurmetal ins Blickfeld und leitet die Richtungsänderung durch die Ausbildung einer nach oben hin steiler werdenden Mulde ein. Die Stufe über die Mulde beträgt etwa 140Hm. In unserem Fall blieb durch Nassschneerutschungen der vergangenen Tage an der Engstelle wenig Breite im Steiggelände über und dies erforderte mehr Spitzkehren als normal nötig.

im oberen Teil wird es durch Rutschungen schmal

Oben weitet sich das Tal wieder und der weitere Anstieg erschien über den Graben sinnvoller als über die steile Flanke zu sein, deren obere Ausbildung auch nicht eingesehen werden konnte. Also marschierten wir ostwärts auf den bergenzenden Felsriegel zu und bogen davor rechts hinauf zum Hochpunkt im Wurmetal.

im Wurmetal angelangt

Vom Hochpunkt aus konnte der weitere Anstieg zum Kreuzjoch, bzw. zum Sattel rechts davon und zum Mitterzaigerkopf bestens eingesehen werden.

im oberen Teil des Wurmetals

Der Aufstieg zum Gipfel beträgt ab dort gerade noch 200Hm und wird über eine kleine Senke mit ein paar Metern Höhenverlust, sowie über einen nordseitigen Steilhang zur Scharte westlich des Kreuzjoches erreicht.

der Mitterzaigerkopf gegenüber – eine kleine Geländestufe muß abgefahren werden

Der Nordhang kratzt an einer Stelle an 40° – anhand der Schneerutschungen auf den Fotos ist dies auch ersichtlich. Etwa 100m mißt der Hang in der Höhe, er wird mit ein paar Spitzkehren gemeistert und verflacht auf die letzten 30Hm gegen den Sattel hin.

die Steilheit durch die Schneebälle ersichtlich

Vom Sattel führt der Grat über gut 60Hm zum Mitterzaigerkopf. Einige von uns begingen den Grat komplett im Tourenmodus, manche – darunter der Autor – zogen auf den letzten Metern stapfen den engen Spitzkehren an der Gipfelkuppe vor.

Mitterzaigerkopf vom Sattel aus

Schon bevor wir den Mitterzaiger erreichten war der gesamte Horizont zugezogen und es herrschte zunehmend diffuses Licht am Gipfel.

letze Meter des Aufstieges am Grat – feiner zu tragen als in Spitzkehren

Die Entscheidung die Runde zum Hochalter fortzusetzen endete mit dem Abwinken der Mehrheit in der Gruppe.

Mitterzaigerkopf, 2.629m

Die Tageszeit war fortgeschritten und die Frühjahrsverhältnisse auf der bestrahlten Südseite schon in der Scharte spürbar.

die Gruppe beim Rasten – so manche verweigert Höhenmedizin

Also gab es einen abschließenden Gipfelaufenthalt mit Jause und Höhenmedizin, anstelle eines weiteren Aufstieges um die Mittagszeit.

Ausblick auf das perfekte abschließende Rundenziel – Hochalter mittig, der Aufstieg von links unten

Der Ausgangsgipfel der Runde, der Pirchkogel im Westen, kann vom Mitterzaigerkopf aus gut eingesehen werden und die hinter uns liegende Strecke, da nun bekannt, ebenfalls.

Rückblick auf die Tour mit links dem Pirchkogel

Die Gratbefahrung erforderte ein wenig Konzentration und dosiertes Abbremsen, war aber problemlos möglich.

dann aber doch

Über die Mulde in die Zirmachalm hinab war die Firnoberfläche gerade noch angenehm, ab etwa 2.400m wurden Schwünge kraftraubend und darunter bremste der flache Hang jegliche Fahrt auf ein Minimum ab.

immer schön weg von der Kante geblieben

Die letzten 200Hm zur Landesstraße hinaus zogen die meisten in der Gruppe vor auf der westlichen Talseite unter dem steil aufragenden Mugkogel und seinen entsandten Lawinen zu queren, um der langen Tragestrecke auf der aperen Ostseite des Baches auszuweichen.

ab etwa 2.200m wird es im Südhang anstrengend weich

Es gelang auf dieser Seite in der Tat geschickt durch die Grundlawinen hindurch zu zirkeln und bis knapp oberhalb der Lawinengalerie zu fahren. Über der Galerie angekommen konnten wir noch bis zum Holzzaun fahren bevor die schöne Runde am Parkplatz neben der Landesstraße endete.

Ausfahrt durch das Almgelände – hinten Mitterzaigerkopf

Die Strecke betrug knapp fünfzehn Kilometer bei 1.480m im Aufstieg und die Gesamtzeit betrug fünfeinhalb Stunden.

 

Mils, 18.05.2019

Gleirscher Fernerkogel, 3.194m – über Rosskarscharte

Alpinistisch reizvoll und im Schlussteil nicht mehr ganz so einfach präsentiert sich die Schitour auf den Gleirscher Fernerkogel generell und über die Rosskarscharte angestiegen, kommt man gleich zweimal in den Genuß von Steilaufstiegen im und knapp über dem 40° Bereich.
Die Tour von Lüsens aus entbehrt dem langen Normalaufstieg durch das schöne Gleirschtal bei genauer Vermessung nur wenig, auch der Höhenunterschied im Vergleich zum Startpunkt St. Sigmund steht dieser Variante nur kaum nach. Mehr dazu am Ende dieses Berichtes.

Da für diese Variante auf den Gleirscher Fernerkogel zwei Fahrzeuge vonnöten sind eignet sich als Treffpunkt der große Parkplatz in St. Sigmund und nach eiligem Umladen benötigt man für die Fahrt eine Etage höher (ja, etwa 120m höher!) nach Lüsens weitere 20min.

Lüsener Fernerkogel im Morgenlicht

Um sieben Uhr am Parkplatz in Lüsens gestartet sind wir Mitte April gerade noch nicht zu spät unterwegs, allerdings auch nicht zu früh, denn die südlich ausgerichtete Steilflanke auf die Rosskarscharte muß ja nicht im gefrorenen Firn begangen werden und je nach Sonneneinstrahlung sollte die Schneedecke bei der Ankunft gegen 10 Uhr genau den richtigen Zustand haben.

Sonnenaufgang über der Pforzheimerhütte

Der Anstieg in das Längental führt nach dem Holzhaus (Jugendheim in der AV-Karte) am Talende über die Längentaler Alm zum Westfalenhaus. Bei unserer Begehung gut gefroren, verlangte diese Stufe fast schon Harscheisen.
Vorbei an der Alm erreichten wir den Anstieg zum Westfalenhaus noch in völligem Schatten und erst am Hang hinauf, bei den ersten Schneestangen, tauchten wir endlich in Sonnenlicht, etwa 50Hm unterhalb der Hütte.

Aufstieg zur Pforzheimerhütte aus dem Längental

In Blickrichtung Hoher Seeblaskogel und Längentaler Weißer Kogel herrschte einiger Andrang bei dem prächtigen Frühjahrswetter. Aber auch in unsere Richtung, auf das Winnebachjoch sollten wir ab der Hütte einige Gesellschaft bekommen, da dort gegen 8:45 Uhr Aufbruchsstimmung von der Hütte angesagt war.

prachtvolles Panorama – hinten Längentaler Weißer Kogel

Die Schneeschuhwanderer machten sich auf in Richtung Schöntalspitze, die Tourengeher in unsere Richtung auf das Winnebachjoch.

Das Winnebachjoch voraus – noch sind fast 2km zurückzulegen

Das Tal zum Winnebachjoch zieht sich mit moderaten Stufen über zweieinhalb Kilometer und 500hm vom Westfalenhaus Richtung Westen und stellt den Übergang ins Ötztal dar. Gegen sein Ende hin bildet es einen beeindruckend geformten Kessel, der mit einer einzigen Spitzkehre auf das Joch überwunden wird.

Talbecken und Winnebachjoch

Der Ausblick vom Winnebachjoch ist beengt, zwischen der Flanke vom Westlichen Seeblaskogel und der gegenüberliegenden Erhebung des Gänsekragens lugt die Hohe Geige durch, über der dem Gänsekragen anschließenden Gratkette zur Wantlasscharte ragen Gamezkogel, Rofelewand und Gsallkopf durch, erstere in 16,5km, letzere Gipfel in 21km Entfernung. Ganz rechts (fast westlich) erhebt sich der massive Breite Grießkogel.

Blick vom Winnebachjoch nach Westen

Seit dem allseits reflektierenden Becken vor dem Winnebachjoch und dem fortgeschrittenen Vormittag machten uns Temperatur und Strahlung einigermaßen zu schaffen, beim weiteren Anstieg über die Südhänge zum Winnebacher Weißkogel umso mehr.

Aufstieg zur Rosskarscharte

Der Schnee wurde im stumpfen Winkel zum Sonnenstand stellenweise richtig sulzig und erschwerte die letzten 200m Aufstieg zu den ersten unteren Schrofen an der Felslinie zur Rosskarscharte unerhört. Als Lohn dafür wird am Weg zur Scharte der Blick zur Wildspitze in 30km Entfernung frei.

wir nehmen die östliche Seite des Kopfes (Pkt. 2.993m in d. AV-K) am Weisskogelferner

Recht genau auf 3.000m begann in unserem Fall der Aufstieg zur Rosskarscharte mit den Schi am Rucksack und in vorhandenen Stapfen. Abgesehen von den ersten Schritten an der Felslinie, die wie immer einen Einbruch bis zur Hüfte hervorriefen und ein paar mühevolle Meter bedeuten, befand sich der Schnee auf der sonnenexponierten Flanke noch recht gut in Schuss für den späten Vormittag, an dem wir sie erreichten.

nach der Querung etwa 10m direkt in der Flanke, dann leicht links weiter

Der Aufstieg durch die Felsen führt über ca. 60m zur Rosskarscharte hinauf. Im letzten Drittel ragte eine recht jung angebrachte Seilsicherung aus dem Schnee und ihr Verlauf bis zur Scharte – in einer völlig schneefreien Felsverschneidung gelegen – erscheint jedoch für die Winterbegehung mit Tourenschuhen wesentlich weniger geeignet als linkerhand weiter durch eine schneegefüllt Rinne mit Stapfen. Die Scharte wird somit etwa 10m links der Seilsicherung erreicht.

hier ein Eindruck über die Hangneigung – hinten Winnebacher Weißkogel

Man soll den Zeitaufwand für den Anstieg bis auf die Rosskarscharte nicht unterschätzen. Hatten wir mit drei Stunden gerechnet wurden es dann fast vier. Ohne viel Aufenthalt fellten wir auf geräumigem Platz ab, um die kurze Abfahrt zur nächsten Steilflanke oberhalb des Gleierschfernerbeckens in Angriff zu nehmen.

rechts Verseilung, links fanden wir es bequemer mit Winterausrüstung

Nach Messung auf der Uhr betrug die Abfahrt 75Hm und zugunsten des Schibelages man tut gut daran einige Meter zu „verschenken“ indem man – anders als der Autor – bei nicht weniger als drei Metern Abstand zu den Felsriffen, in der mitunter tückisch dünnen Schneeauflage keine Schrammen mit nach Hause nimmt.

Rosskarscharte; etwas weiter hinten die Ankunftsstelle nach dem verseilten Aufstieg

Zwischen einem markanten Felskopf und der unteren Begrenzung der Felsen endet die Querfahrt von der Rosskarscharte, es hieß erneut Schi auf den Rucksack und stapfen.

Blick zur nächsten Steilflanke auf den Gleirscher Fernerkogel

Der Aufstieg über die Steilstufe ist im oberen Bereich noch etwas steiler als jener zuvor und erreicht mehr als 40° Neigung. Wir nahmen ihn etwa mittig wobei die Stapfen durch die Abfahrt einer Gruppe zuvor zum Teil nicht sichtbar waren und wir eigene Stapftritte anlegten. Trotz der Mittagsstunde konnte der Hang einwandfrei begangen werden, ohne zu tief einzusinken.

am Ende der Steilflanke auf den Gleirscher Fernerkogel mit unseren Abfahrtsspuren von der Rosskarscharte im Hintergrund

Ein Rutscher durch schlampiges Stapfen hätte weitreichende Auswirkungen. Im Gegensatz zur Rosskarscharte sind im Steilhang zum Gleirscher Fernerkogel keine Felsen eingestreut, die einen tiefen Sturz verhinderten. Bei harten Verhältnissen wären beide Steilaufsteige nur mit Steigeisen zu empfehlen, unsere jedoch durften sich unbenutzt eines Ausfluges im Rucksack erfreuen.

imposante Gipfelflanke des Gleirscher Fernerkogels

Ein letztes Auffellen wird für den steilen Gipfelaufbau erforderlich. Der Sonnenbestrahlung am Vormittag weitgehend abgewandt, bzw. in sehr spitzem Winkel zur Sonneneinstrahlung gelegen bot der Gipfelhang sogar fast Pulverschneeverhältnisse.

Gipfelflanke vom Gleirscher Fernerkogel Gipfel aus betrachtet

Allerdings, bei weit über 35° Hangneigung und einer durch eher Abrutschende als -fahrende vielerorts bis auf den harten Untergrund weggerutschter Spur ist der Aufstieg über die 135m hohe Flanke auch kein großes Vergnügen. Nachdem die Schneeverhältnisse entsprechend weich waren und die weggerutschten Teile der Spur mittels einschlagen der Kanten so lala bewältigt werden konnten kam der alternative Stapfaufstieg gar nicht in Erwägung. Eine knappe halbe Stunde nahm der Nervenkitzel des Gipfelhangs trotzdem in Anspruch.

Gipfelplastik am Gleirscher Fernerkogel

Die Mühen bis zum aussichtsreichen Gipfel des Gleirscher Fernerkogels mit der kunstvollen Zier einer „Alpinplastik“ mit Mini-Gipfelkreuz waren bewältigt und der Eindruck am Gipfel phänomenal. Hat man den kunstvollen Gipfelschmuck mit faradayschem Käfig zum Schutze des Pickels ausreichend in Augenschein genommen, bezaubert der Blick in alle Richtungen.

der Nachbar – Winnebacher Weißkogel

Am gewaltigsten ist der Blick von Südost nach West.

bestechender Grat oberhalb des Längentals – links Lüsener Fernerkogel, rechts Schrankogel

In nächster Nähe im Süden der Winnebacher Weißkogel mit seiner tollen Flanke und links davon fast in einer Linie Hoher Seeblaskogel, Längentaler Weißer Kogel und der mächtige Schrankogel, rechts davon die Wilde Leck und gleich daneben in 39km Entfernung die Hohe Wilde sowie der Weißkugel und zahlreiche weitere tolle Dreitausender bis rechts im Bild die Wildspitze mit ihrem großflächigen Massiv auftaucNicht minder imposant der Blick über das lange Zwieselbachtal und weiter im Norden der Hochreichkopf und der mächtige Acherkogel.

Zwieselbachtal zu Füßen

Beim Blick nach Norden stellt sich die Frage, ob die Abfahrt zur Südlichen Sonnenwand nicht möglich sei – Berichten zufolge soll das so sein und wird Thema einer künftigen Erkundung.

linkes Bilddrittel – Südlichste Sonnenwand mit wahrscheinlicher Abfahrtsvariante über den gleichnamigen Ferner

Die Aussicht auf den Kleinen Kaserer und den Olperer gen Osten streift fast die Hohe Villerspitze im Vordergrund leicht links davon.

Hohe Villerspitze in Bildmitte, leicht rechts davon Kleiner Kaserer und Olperer in der Ferne; der mächtige Schatten des Schrammachers, rechts davon der Hochfeiler in 51km Entfernung

Die Abfahrt über die Gipfelflanke beschert einen bleibenden Eindruck. Meint man zuerst, daß die gute Schneequalität eine flüssige Fahrt zuläßt wird man bei den ersten zwei Schwüngen durch die rapide zunehmende Geschwindigkeit freiwillig etwas vorsichtiger im Ansatz des Bogenradius. Ja fast um einen Hupfer ist man bemüht, um den Radius klein zu halten. In Summe aber selbst in dem sehr zerfurchten und noch recht weichen Schnee ein tolles und kraftzehrendes Erlebnis.

zur Abfahrt gerüstet; Steilhänge entbehren nie einer gewissen Spannung

Vor der nachfolgenden Steilstufe verebbt die Kommunikation auf das Wesentliche, gilt es doch einen aufgeweichten Steilhang mit Stellen jenseits von 40° zu fahren. Schließlich ist nicht jeder ist ein Luggi, der solche Übungen tagtäglich macht und es handelt sich nicht um eine präparierte Piste deren Konsistenz gleichförmig ist. Dichteunterschiede in den abgerutschten Schichten erfordern höchste Konzentration und blitzartige Reaktionen.

ein Eindurck der Hangneigung gibt die kleine Rutschung oberhalb von Britta

Mit Routine und Gefühl gelingt jedoch die Rutschfahrt über die 60m bis zur individuell gewohnten Neigung in der man sich auf Schi noch wohlfühlt und gleichzeitig zu fotografieren vermag.

über die 40° Flanke lebt sich’s im aufgeweichten Sulz leichter durch Rutschen mit Distanzhaltung – bei diesem Dichteunterschied wedelt keiner mehr

Am Ende der Steilrinne fällt mit einem Mal die schöne Last der Tour ab und Vorfreude über eine nahezu 12km lange und landschaftlich unvergessliche Ausfahrt macht sich breit.

Rückblick auf die stolze Steilflanke

Setzt man die Ausfahrt so weit wie möglich links im Tal an und vergeudet man kaum Höhenmeter durch einen Mix aus moderater Geschwindigkeit und Höhenerhalt mit wenigen kurzen Schiebestrecken, dann erreicht man ohne große Anstrengung über die „Samerschläge“ die Pforzheimer Hütte.

die Belohnung zum Schluß – Ausfahrt durch das wunderschöne Gleirschtal

Freilich muß dieser Zwischenstopp nach dem grandiosen Erlebnis unbedingt sein – zwei leicht verständliche Gründe bestehen darauf: der Flüssigkeitsbedarf zum einen und die notwendige mentale Verarbeitung des Zugewinns an höchst positivem Erlebnis an Ort und Stelle zum anderen. Beides im Verein lädt den Autor für viele Tage auf wie nichts anderes auf der Welt es vermag, die Maximaldosis Natur eben.

die Länge des inneren Gleirschtales kommt bei der Ausfahrt gut zur Geltung

Abschließend durften wir eine wunderschöne lange und leichte Ausfahrt genießen und weil der außergewöhnliche Tag noch andauerte gab es einen zweiten Stopp mit Knödelsuppe in der netten Gleirschalm bevor wir die letzten Teilabfahrten bis knapp vor die Brücke über den Gleirschbach antraten und nach kurzer Tragestrecke das Relaisfahrzeug erreichten, um das zweite Fahrzeug in Lüsens abzuholen.

Blick talauswärts zur Peiderspitze

Die Schitour auf den Gleirscher Fernerkogel von Lüsens aus ist um knapp drei Kilometer kürzer als die Normalbegehung von St. Sigmund aus und beinhaltet lediglich um 50Hm weniger Aufstiegshöhe. Vom Zeitbedarf her ist sie eher länger einzustufen, bedingt durch mehrfaches Rüsten über die Rosskarscharte. Insofern ist sie keine wirklich kürzere Alternative, sondern eine eigenständige Tour.

Welch Erlebnis, Prost!

Sie ist ebenfalls keine Alternative zur Übernachtung in der Pforzheimerhütte – auch wenn es auf der Karte so aussieht -, da dieser Aufstieg nur knappe 900Hm beträgt.
Der Charme der Tour liegt in der Übersteigung der Rosskarscharte und dem Erlebnis einer „Runde“ unter Vermeidung wiederkehrender Eindrücke.

Gleirschtal – ohne Worte

Steigeisen unbedingt und je nach zu erwartender Schneebeschaffenheit Pickel mitzunehmen.
Der gesamte geodätische Aufstieg beträgt 1.627Hm, der Abstieg (Abfahrt) 1.747m. Wir haben für die reine Tour mit allen Pausen 7:30 Stunden bis zur Gleirschalm benötigt, in Summe vom Parkplatz St. Sigmund bis wieder nach Lüsens mit der letzten Pause auf der Gleirschalm 9:17 Stunden. Die Streckenlänge beträgt knapp 22km.

Mils, 21.04.2019

Schitour Obernberger Tribulaun, 2.780m

Imposant erscheint die steile Aufstiegsrinne schon von weitem und sie ist im Frühjahr bereits am Morgen stark besonnt, wenn man sie über das Seeufer des Obernberger Sees ins Visier nimmt. Ihre östliche Ausrichtung taucht sie bereits weit vor 7 Uhr in direktes Sonnenlicht mit stumpfem Winkel, sodaß ein früher Aufstieg – wir waren mit dreiviertel sieben ab dem Parkplatz nicht zu früh – ratsam ist. Viel früher aber auch nicht, damit man sich im steilen unteren Teil nicht plagen muß.

Obernberger Tribulaun, 2.780m

Bereits am Weg zum Obernberger See konnten wir teilweise mit Schi gehen, entlang des Seeufers mußten wir bis kurz vor das Kirchlein tragen. Bald verließen wir den Weg und marschierten mit etwas Sicherheitsabstand am Ufer dem See Ende zu, vorbei an dem letzten Gebäude durch den kurzen Wald bis zur schönen freien Fläche unterhalb der Rinne.

Kleiner Tribulaun vom Parkplatz Obernberg gesehen

Etwa 700Hm des Aufstiegs können am Fuße des leicht ansteigenden Hanges zur Rinne eingesehen werden. Ob als sogenannte „Kachelstube“ die Rinne selbst, der Hang rechts davon, oder gar erst der obere Teil des Aufstiegs im Kar bezeichnet wird ist im Kartenwerk (AV/Tiris) widersprüchlich bezeichnet.

Aufstiegsrinne Obernberger Tribulaun

Der untere Hang steilt zu Rinne hin kontinuierlich auf und leitete uns auf bereits gut aufgefirnte Oberflächen, sodaß Harscheisen nicht benötigt wurden.  Zwischen den Schneerutschungen hindurch muß im Frühjahr der Aufstieg angelegt werden.

nach dem kurzen Waldstück nach dem See

Bei unserer Begehung waren die Lawinen schon Tage zuvor abgegangen, gesetzt sowie die Oberfläche mehrfach durch Schmelze angeglättet und deshalb einigermaßen bequem zu durchschreiten.

angenehmer Aufstieg am flachen Hang bis zur Rinne

Die Rinne erreicht etwa ab 1.900m gleich knapp an die 40° Neigung und führt in dieser Steilheit weiter.

es wird gleich ordentlich steil

Die Durchquerung der Lawinenstriche in Spitzkehren wurde in der Folge etwas unbequemer, weshalb wir etwa bei 2.050m beschlossen das apere Band einer Rippe rechts der Rinne zu nutzen und über Bergwiesen weiter bis unter die oben sichtbare Felswand zu steigen. Dort sollte es wieder mit Schi und Spitzkehren weitergehen.

wir queren und halten uns weiter rechts der Lawinenrutschungen

Natürlich war es angenehmer den Aufstieg mit geschulterten Schi fortzusetzen und weil die Rippe fast durchgehend aper war, kamen wir auch mit höherer Steiggeschwindigkeit voran.

bei engem Spitzkehrenaufstieg durch die Schneerutschungen entscheiden wir über das apere Band weiter aufzusteigen

Während des Aufstieges konnten wir die jahreszeitlich bereits enorme Kraft der Sonne im Nacken spüren. Gegen halb neun Uhr mußte auch der sehr sonnencremeresistente Autor einen Finger voll aus seiner kleinen Sonnencremetube nehmen. Der Schnee war bereits so aufgeweicht, daß man mit einer Masse von gut 100kg bis zu den Knien einsank und das Stapfen zum schweißtreibenden Erlebnis wurde.

oben auf 2.300m angelangt geht es wieder unter Schi weiter

Auf 2.300m, unterhalb des Felsabbruches steil ober uns, war dann auf einem leicht abgeflachten Teil Schluß mit der Stapferei. Wir konnten dort wieder die Schi anschnallen und links in die sich nach oben hin sehr breit auffächernde Rinne einsteigen.

kurze Pause und die Schi wieder abgeladen

Die Rinne büßt dort noch gar nichts von ihrer Steilheit ein, weitere 150Hm Aufstieg sind nötig, um auf flacheres Terrain zu gelangen. In diesem letzten Teil bis zum flacheren Gelände fühlt man sich beim hinunterschauen etwa wie im oberen, ruhigeren Teil eines Trichters, dem gurgelnden Schlund in der Tiefe entronnen.

Aufstieg durch den „Trichter“ – Flex spurt wieder voran

Die Höhe beträgt nun gut 2.450m und ein Richtungswechsel im Aufstieg steht nach der mächtigen absolvierten Rinne an. Mit dem Richtungswechsel tut sich der Blick auf ein phantastisch schönes Kargelände – man könnte fast sagen ein Kartal – zur Scharte zwischen dem Obernberger Tribulaun und dem Übergang zum Nördlichen Roßlauf auf.  Von unten nicht einsehbar bezaubert diese Höhenlandschaft enorm.

Rückblick, zwei Burschen folgen uns – es sollten die einzigen außer uns bleiben

Sofort erkennt der versierte Winterbergsteiger, daß der Aufstieg in der linken Karflanke auf die nächste Geländestufe sinnvoller ist, als die direkte Linie über die tiefste und schmalste Rinne am Karende.

ab etwa 2.450m wird es über das Kar wieder flacher bis zur nächsten Steilstufe

Der Aufstieg über die linke Flanke präsentiert sich in dieser großartigen Landschaft wieder etwa so steil als im oberen Teil des Trichters, immer aber angenehm bis oben hin. Der Schnee war selbst auf 2.600m bereits leicht aufgefirnt und ohne Harscheisen zu begehen.

kurz vor der nächsten Steilstufe

Die folgenden 100Hm ab einer leichten Senke bis zu der schon bald sichtbaren Scharte im Tribulaunkamm bis zum Grenzkamm mit dem Nördlichen Roßlauf waren bei unserer Begehung zwar teilweise hart, jedoch einwandfrei zu begehen.

Steilstufe oberer Teil

Dieser kurze Abschnitt beinhaltet einen kurzen Teil mit 40° Hangneigung für den, bei nicht so optimalen Bedingungen wie wir sie vorfinden durften, eventuell sogar Steigeisen erforderlich sein können.

etwa 2.650m, die letzte Hürde ist der Hang zur Scharte

Die Ausrichtung des Hanges zur Scharte befindet sich am Vormittag in eher spitzem Winkel zur Sonneneinstrahlung; und im Verein mit der Geländehöhe von immerhin 2.700m firnt es dort selbst nach 10 Uhr vormittags nur mäßig auf – genug jedoch in unserem Fall, um im Tourenmodus unter Schi komfortabel auf die aussichtsreiche Scharte zusteigen.

letzter steiler Hang (dieser könnte Steigeisen und Pickel erfordern)

Von der Scharte öffnet sich der Blick auf das jenseits liegende schöne Hochkar, von dem die Tourenpartner zu berichten wussten, daß es eine Nordabfahrt gibt. Wir waren uns einig, daß sie von uns sicher einmal erkundet werden wird, jedoch in einer nächsten Besteigung und eher gegen Ende im Hochwinter als im Frühjahr.

Evi im letzten Steilhang

Die letzten knapp 100Hm von der Scharte bis zum Gipfel des Obernberger Tribulaun vollziehen sich auf leichtem Gelände über einen sehr breiten Rücken der sehr vom Wind geprägt wird und durch äußerst hart gepressten Schnee bis zum Gipfelkreuz führt.

jenseits der Scharte die Nordabfahrt

Am Weg dorthin muß noch eine letzte Kuppe mit steiler und harter Nordflanke passiert werden – keine Schwierigkeit und nicht ausgesetzt.

letztes zu überschreitendes Köpfchen vor dem Gipfel

Dahinter ging es leicht abwärts etwa 40m zum massiven Gipfelkreuz des Obernberger Tribulaun mit seiner phantastischen Aussicht vor allem auf unsere südlichen Landesteile von den Pfunderer Bergen bis in die Dolomiten.

das Gipfelkreuz des Obernberger Tribulaun

Die ostseitig ausgerichtete Vorderfront des Kleinen- und Obernberger Tribulaun bietet eine grandiose Sicht auf Obernberg- sowie Schmirntal, auf die Tuxer Alpen und den Grenzkamm im Südosten.

Habicht im Nordwesten

Im Nordwesten kann der mächtige Habicht bestaunt werden und seine Zustiegsrichtung im Winter – die Südflanke liegt offen da.

Fernsicht bis zu den Dolomiten in 60km Entfernung

Bei besten Verhältnissen am Gipfel und ohne nennenswerten Wind verbrachten wir ein knappes halbes Stündchen am Obernberger Tribulaun, bevor die Abfahrt um 11 Uhr angetreten wurde.

Evi, Magdalena und Andi am Obernberger Tribulaun, dahinter die Zillertaler Alpen

Da am Gipfel keine windgeschützte Ecke zu finden war entzündete Flex das von ihm mitgebrachte Gedenkkerzlein in den Felsen nach der Scharte – es mögen die wenige Tage zuvor getöteten Kameraden David, Hansjörg und Jess in Frieden ruhen.

Suche nach einem windgeschützten Plätzchen

Die Abfahrt im oberen Teil bis zurück zum „Trichtereinlauf“ war mit einem Wort grandios!

Blick auf die bevorstehende Abfahrt

Beste Firnverhältnisse im obersten Teil ließen die Steilabfahrt zum Vergnügen werden und bis zum unteren Teil vor dem Trichtereinlauf genossen wir die Schwünge.

phantastische Abfahrt im oberen Teil

Ab dem Beginn des Trichters begannen die bereits sehr weichen Schneeverhältnisse dann einigermaßen anstrengend zu werden und mit zunehmender Tiefe fiel es schon schwer einen Schwung professionell auszufahren – die Dichteunterschiede im Schnee durch die Lawinenrutscher hindurch erforderten erhöhte Konzentration.

zu Beginn des Trichters ist die Schneedecke bereits tief aufgetaut

Je tiefer wir kamen desto schwerer wurde der weitgehend aufgeweichte Schnee im steilen Hang fahrbar – eine anstrengende Angelegenheit, die zu mehreren Pausen zwang.

Weiter unten besserte sich die Aufweichtiefe und über den Zustiegshang zur Rinne hatten wir nochmals gute Firnbedingungen bis hinab zum Wald.

unterer Teil der Steilrinne

Bei geschickter Wahl der Route durch den Wald und mit mäßigem Anschieben konnten wir fast bis zur Brücke zum Kirchlein fahren. Dort wurde ohnehin Schultern der Schi notwendig, da bis zum Seeanfang alles aper war.

Andi zieht seine Spur in den schweren Schnee

Die letzte kurze Abfahrt gab es dann am Almengelände nahe dem Wald wo die Sonne noch ein schmales fahrbares Band bis zu den untersten Hütten übrig gelassen hat.

Ab hier die Schi geschultert bis zu den Almenwiesen unterhalb des Sees

Für die 1.375Hm haben wir gesamt 5:40 Stunden benötigt (von/bis Parkplatz, Gipfelaufenthalt etwa 30min).

Track Obernberger Tribulaun

Die Tour erfordert geringe Lawinengefahr (man beachte die Hangneigungskarte in der Bildergalerie), sichere Spitzkehrentechnik in steilem Gelände, Harscheisen sind Bedingung, wir hatten auch Steigeisen/Pickel dabei, beides jedoch nicht benötigt. Ein früher Start, siehe oben, sichert eine schöne Schitour.

Mils, 20.04.2019

Schitour Rötenspitze, 2.481m

Die leichte Schitour über Südhänge auf die Rötenspitze führt nach dem Wald im oberen Teil des Aufstieges durch sanfte, unbewachsene und sonnige Hänge bevor die Gratrippen zum Gipfel betreten werden. Der Aufstieg über das tolle Gelände ist aussichtsreich, wenig steil und mit knapp über 1.000Hm eine ideale Tour nach einem längeren Abend tags zuvor.

Rötenspitze, 2.481m

Der große Parkplatz Am Talende ist der Ausgangspunkt vieler schöner Touren im Obernbergtal, so auch auf die Rötenspitze. Wer am Vortag im Laufschritt mit Flugverspätung über Terminals hinweg in Frankfurt gerade noch den letzten Anschluß nach Innsbruck erwischt und nach 23 Uhr heimkehrt, dem wird diese Schitour als Ausgleich für die Hetze guttun.

Start am Parkplatz Obernberg – hinten oben das Gelände um den Leitnerberg

Der große Parkplatz bietet immer genügend Platz, somit muß nicht allzu früh angereist werden und im Märzen beginnt daher schon der sonnige Aufstieg ab dem ersten Meter.

nach der Kastnerbergalm, links geht es weiter

Nach der kurzen Flachstrecke bis zum Forstweg zur Kastnerbergalm beginnt der Aufstieg mit mäßiger Steigung. Bei unserer Begehung in der letzten Märzwoche mußten wir die Schi im lichten Lärchenwald im unteren Teil zweimal etwa 20m über apere Stellen tragen – eine vertretbare Angelegenheit.

an der Abzweigung Muttenkopf/Rötenspitze (oben hinter Evi erkennt man den Durchschlupf durch den Felsriegel)

Zwei längere Abschnitte mit Spitzkehren im Weg führen etwa 250Hm hinauf bevor die Alm sichtbar wird. Ab diesem Punkt kann meistens über die freien Wiesen unterhalb der Alm angestiegen werden.

Rückblick zur Kastnerbergalm

Die Alm wird rechts liegen gelassen und dem Weg gefolgt, der kurz nachher eine deutliche Linkskurve beschreibt und auf freie Flächen oberhalb der Alm führt. Dasselbe Gelände wird erreicht, wenn vor der Alm bereits nach links weitergestiegen wird. Bis dorthin hat man den selben Anstieg wie auf den weiteren und rassigeren Muttenkopf, eine andere schöne Schitour im Obernbergtal.

Aufstiegsgelände nach der Abzweigung

Etwa 80Hm oberhalb der Kastnerbergalm wendet sich die Route auf die Rötenspitze dann von jener auf den Muttenkopf ab und folgt einer leicht nordöstlichen Richtung über einen zunächst freien leicht geneigten Hang auf steilere Passagen zu. Dies ist auch der Sommerweg.

durch die Sträucher muß man durch auf den Wald hinten zuhaltend

Oberhalb der Kastnerberghänge befindet sich ein sperrender Felsriegel, der bei den zahlreich möglichen Abfahrtsvarianten von der Rötenspitze zum Hindernis werden kann, wenn man nicht den richtigen Durchschlupf kennt.

in Bildmitte die Flanke zum Gipfel sichtbar

Das Gelände wird etwas steiler und durch vereinzelte Bäume und mehr Strauchwerk hindurch geht es auf eine Geländemulde zu, die in ein kurzes Waldstück führt, aus dem nach kaum 100m nach links aufgestiegen wird, über die Waldgrenze hinaus auf die herrlichen weiten Hänge dieses Kammes, bis ins Wipptal.

kurze Rast nach dem letzten lichten Waldstück

Ab dieser Stelle die gleichzeitig auch die Waldgrenze bildet, wird am flachen bis mittelsteilen Hang in wenigen Richtungswechseln bis zum Kammrücken aufgestiegen. Der Winteraufstieg erfolgt eher direkt nördlich auf den Kamm und führt nicht in Richtung Lichtsee/Trunajoch.

Aufstiegsgelände zur Rötenspitze

Während des Aufstieges tritt der Gipfel der Rötenspitze zwar nicht ins Blickfeld, dafür aber die markante Südflanke, in der der Kamm übergeht und die direkt beschritten wird. Orientieren kann man sich bereits von weiter unten an dem Weidezaun am Kamm, der weit in die Flanke hinaufführt. Im Frühjahr heizt die Sonne am Vormittag kräftig auf den Hang herab, zeitiges Aufbrechen ist daher ratsam, will man die Flanke abfahren.

am Kamm – im Hintergrund das Trunajoch und der Leitnerberg

Am oberen Ende der Flanke leitet eine kleine Scharte auf den Gipfelaufbau über. Kurz unterhalb – in der Südflanke – ist der Gipfel mit dem Gipfelkreuz erstmals sichtbar.

Aufstieg über die Südflanke

Die Gipfelflanke ist in wenigen Minuten gemeistert und von Norden her wird das Gipfelkreuz erreicht, wenn der Südhang unterhalb des Kreuzes schon ausgeapert ist.

kurz vor der kleinen Scharte

Das stabile Stahlkreuz der Wettersteiner ziert schon seit 1985 die Rötenspitze und erhielt 2012 eine neue dichte Gipfelbuchkasette – lobenswertes Engagement für die Bergsteigerei.

Gipfelhang von der Scharte aus gesehen

Beim herrlichen Blick auf den 7,5km entfernten Habicht hat man das Gefühl dieser sei fast nördlich und dabei befindet sich dieser zwischen West und Westnordwest.

Habicht in Bildmitte

Der 6km entfernte, mächtige Pflerscher Tribulaun befindet sich südwestlich der Rötenspitze.

Pflerscher Tribulaun in Bildmitte

Ganz im Norden der Rötenspitze befindet sich die Serles mit einer Entfernung von 10,6km.

von Ilmspitze links, Kirchdachspitze über Hammerspitze und Kesselspitze bis zur Serles rechts

Im Südosten hat man einen wunderbaren Blick auf die Zillertaler, von weit östlicher als der Olperer bis zum Wolfendorn und der leicht rechts dahinterliegenden gewaltigen Grabspitze in 20km Entfernung.

Panorama der Zillertaler im Südosten und Süden

Die Abfahrt erschien uns am Schönsten über die Südwestflanke hinab zu einem Kar, das bereits im Aufstieg verlockend aussah. Über die Scharte zum Hohen Kreuz und einen steilen Hang in einer Felslücke erreichten wir das Kar mit schon etwas weichen Schneeverhältnissen. Von dort sollte es in direkter Linie hinab zur Kastnerbergalm gehen – so unsere Hoffnung.

Abfahrt in das Kar unterhalb des Hohen Kreuz Gipfels

Im Kar hielten wir uns an der Ostflanke des Grates zum Hohen Kreuz und erreichten die Kante des eingangs beschriebenen Felsabbruches durch den auch eine Sommerwegverbindung vom Muttenjoch zum Trunajoch führt.

Abfahrtshang – rechts im Bild die Abbruchkante mit der von uns nicht gefundenen Rinne

Leider konnten wir den Höhenunterschied zum darunterliegenden Hang durch die Überwächtung nicht sicher abfahren und einen Sprung über gute 5m wollte keiner wagen (in der Karte grün strichliert dargestellt). Wir waren etwas zu spät im Frühjahr unterwegs, die Durchfahrt ist im Winter mit Sicherheit fahrbar.

Querung um den Felsriegel herum

Also querten wir den Felsrigel ostwärts, übersahen in der Steilheit den Durchschlupf durch eine schmale steile Rinne, fuhren eine weitere schmale Rinne auch nicht ab und näherten uns nach einigen Hundert Meter wieder der Aufstiegsroute (in der Karte grün dargestellt).

sondern die schönen Hänge nahe dem Aufstieg

Schlußendlich kreuzten wir die Aufstiegsspur und steuerten auf die schönen und unberührten Hänge durch den Lärchenwald östlich des Normalaufstiegs zu und hatten dort einige Minuten tolle Firnabfahrt, ehe im Lärchenwald der Schnee sehr weich wurde.

bis dorthin ein fein zu fahrender Hang

Das Ende der Abfahrt ist dort nicht zu übersehen, es ist der Weg, der nach der Kastnerbergalm ostwärts weiterführt. Diesen erreichten wir etwa 200m östlich der Alm.

unsere Abfahrt nach der Querung

Die kaum 10m Höhenunterschied am Weg zur Alm waren rasch aufgestiegen und ab der Alm ging die Abfahrt bis ganz ins Tal und zum Parkplatz – bis auf die zwei kurzen Stellen an denen  die Schi wieder getragen werden mußten.

wieder an der Kastnerbergalm

Mit wenigen kleinen Pausen und einer halben Stunde am Gipfel hat diese leichte, sonnige Schitour 4:15 Stunden, bei einem Höhenunterschied von 1.055m, in Anspruch genommen.

Mils, 23.03.2019

Schitour Allerleigrubenspitze und Hoher Lorenzen, 2.313m – Schitourenrunde von Obernberg

Der Hohe Lorenzen im Obernbergtal kann als Ziel trefflich über eine landschaftlich eindrucksvolle Schitourenrunde erreicht werden. Sie führt über den Kamm mit der Allerleigrubenspitze und den Koatnerberg an ihn heran und bildet damit – stets über 2.000m – eine ungemein aussichtsreiche Variante zu den Talanstiegen.

Hoher Lorenzen, 2.315m

In Obernberg gestartet (Parkplatz Almis Hotel oder anschließend links der Asphaltplatz, 1.380m) muß der Bach überquert werden, bevor auf seiner Südseite, an einem Bauernhof, direkt über die ansteigende Wiese in den Wald eingestiegen wird.

Start über die Wiese am Bauernhof nach dem Obernbergbach

Nach wenigen Minuten im Wald trifft man auf den Weg, dem von dort gut 2km gefolgt wird, ohne ihn den zahlreichen Verzweigungen zu verlassen. Die Richtung lautet Koatnerberg und erst nachdem man den Kleinen Tribulaun querab von sich findet, verläßt man den Weg nach einer Doppelkehre linkerhand auf eine freie Waldfläche zu.

Obernberger Tribulaun – er muß querab stehen bevor es im Wald weiter geht

Bereits vor der Doppelkehre besteht durch eine freie Waldschneise kurz Blickkontakt zum ersten Ziel, dem Gipfelkreuz der Allerleigrubenspitze.

das erste Ziel sichtbar – die Allerleigrubenspitze

Am bereits sichtbaren gelben Wegweiser führt der Anstieg direkt bergwärts in den dichter werdenden Wald und wieder auf weitere schöne freie Flächen. Ab diesen Flächen (etwa 1.850m) drang der Südföhn zwischen den vereinzelt stehenden Bäumen so richtig zu uns durch. Die erste Lage Windstopper wurde erforderlich, obwohl es durch den milden Wind nicht kalt war.

nach zwei Kehren führt der Anstieg in den Wald

Abermals passiert man einen Forstweg, diesmal nicht mehr geräumt aber durch die Trassierung gut erkennbar. Einige Aufstiegsminuten später wird auch schon die Baumgrenze erreicht und der freie Kamm sichtbar. Die Aufstiegsroute folgt nicht dem abgeblasenen Kamm, sondern wurde so angelegt, daß durchgehende Schneeflächen an der westlichen Flanke genutzt wurden.

Querung in die Westflanke hinauf zum Kamm

Vor einem tieferen Einschnitt in die Westflanke führt die Route auf den breiten Kamm. Dieser präsentierte sich sehr abgeblasen, zwischen den aperen Wiesen fanden sich jedoch genügend schneebedeckte Schneisen.

am sehr abgeblasenen Kamm – der Wind peitscht uns ins Gesicht

Der runden Kuppe zustrebend mußte dem starken Wind am Kamm der Kampf durch die zweite Lage, die Tourenjacke mit Kapuze angesagt werden. Die Kuppe wird in der AV-Karte als Allerleigrubenspitze ausgewiesen, das Gipfelkreuz steht allerdings 450m südlich davon entfernt auf einer kleinen aperen Graterhebung.

von links: Hoher Lorenzen, Koatnerberg, Geierskragen und Grubenkopf, darunter das Gipfelkreuz der Allerleigrubenspitze

Flach führt die Route zur Allerleigrubenspitze hin fast ein wenig abwärts. Wer den Gipfelsporn zum Kreuz besteigt wird auf der anderen Seite mit einer felsigen Flanke überrascht, die – sehr abgeblasen, aber auch sonst zu felsig – keine Abfahrt auf Schi zulässt.

Allerleigrubenspitze, 2.131m mit weiterer Runde auf den Hohen Lorenzen

Entweder man steigt einige Meter unter Schi ab oder umgeht die Gipfelerhebung unterhalb in der Westflanke. Letztere Variante ist die sinnvollere.

Kamm zum Koatnerberg

Recht flach mit wenig auf und ab geht es dem Koatnerberg zu, einer halbrunden Erhebung im Kamm, die aus der Ferne höher wirkt als sie tatsächlich ist. Geodätisch sind zwischen der Allerleigrubenspitze und dem Koatnerberg lediglich 70Hm zu bewältigen, mit den kleinen Kuppen vielleicht 100Hm. Die Entfernung von der Allerleigrubenspitze zum Hohen Lorenzen beträgt 2,4km, der Koatnerberg liegt etwa mittig zwischen beiden.

da es nicht kalt ist setzten wir die Runde fort – Kamm zum Koatnerberg

Den Koatnerberg ziert ein Mini-Gipfelkreuz das auch von der untergeordneten Bedeutung der Kuppe Zeugnis gibt. An seiner Südflanke wird die Überschreitung wieder etwas interessanter.
Mit Fellen wird sie abgefahren und hierzu ist einiges an Akrobatik nötig, vor allem, wenn die Überwächtungen recht hart vorgefunden werden und die Abfahrt ein Tanz zwischen der westlichen und östlichen Flanke wird.

Koatnerberg 2.199m

Bei der Abfahrt in das sogenannte Sattele fallen schätzungsweise 70Hm Höhenverlust an, sodaß der Aufstieg zum Hohen Lorenzen mit restlichen 185m zu Buche schlägt. Gleichzeitig ist das auch der letzte Anstieg in der Runde.

Abfahrt ins Sattele

Vom Sattle aus könnte man zu beiden Richtungen abfahren, sollte dies erforderlich sein. Der Aufstieg aber wird mit einer schönen Abfahrt über den Nordosthang des Hohen Lorenzens zur Fraderalm belohnt.

erster Felssporn nach dem Sattele

Gleich nach dem Tiefpunkt am Sattle empfiehlt sich die ostseitige Umgehung des Felssporns am beginnenden Grat, weil die Ostseite mit einer steilen Flanke beginnt, die uns fast die Verwendung von Harscheisen auferlegt hätte. Nach diesem Felssporn steigt man entlang der Almengrenze weiter, einem auffälligen Band ohne felsdurchsetzte Stellen zu.

Almgrenze am Kamm zum Hohen Lorenzen – entlang dieser wird kurz aufgestiegen bevor es am Gipfelaufbau rechts in die Rinne geht

Das Band führt in die Westflanke des Hohen Lorenzens und diese stellt während des gesamten Anstieges – wenn überhaupt – den einzig nennenswert steilen Abschnitt dar, bei dem von kritischer Hangneigung bei höherer Lawinenwarnstufe gesprochen werden kann. Es handelt sich um die letzten etwa 100Hm.

Sandjöchl 2.165m mit Geierskragen 2.309m und Grubenkopf

Am Aufstieg fallen westlich des Hohen Lorenzens die sanften Gipfel Geierskragen und Grubenkopf auf, die jenseits des Sandjöchls ähnlich hohe Erhebungen im Grenzkamm bilden wie der Hohe Lorenzen.
Die gesamte Gegend des Grenzkammes spielte in den Kriegen eine wesentliche Rolle und wer im Sommer dort wandert wird viele Zeugnisse der Ereignisse vor 100 Jahren wiederfinden. Sogar im Winter ist die Trasse der Militärstraße trotz Schneeauflage gut auszumachen.

Plateau des Hohen Lorenzens Richtung Osten geblickt

Am Ende des Aufstiegs leitet der sich von unten dramatisch zuspitzende Hang abrupt auf ein breites und flaches Gipfelplateau über und sofort fällt das riesige Gipfelkreuz in etwa 100m Entfernung ins Blickfeld.

Evi am Hohen Lorenzen

Ganz entgegen der sonstigen Neugier ob der Geschichte des Gipfelkreuzes untersuchten wir im starken Südwestwind nicht einmal das Gipfelbuch. Eiliges Abfellen und ein paar Fotos waren die wenigen Handgriffe am Gipfel des Hohen Lorenzens. Nach etwa eineinhalb Stunden im starken Wind sollte die geschützte Abfahrt über den Nordosthang endlich stattfinden.

Rückblick auf die Runde von der Allerleigrubenspitze

Vorher noch ein Blick auf das Dörfchen Gossensaß und die markante Autobahnbrücke hoch über die Dächer der Siedlung hinweg. Der Hohe Lorenzen ist nach Süden hin völlig unverdeckt von anderen Erhebungen sodaß die Erklärung für den anhaltend starken Wind auch optisch eindrucksvoll zu erleben ist. Immer wieder interessant mit welcher Akribie man sich nach den Friedensverhandlungen von St. Germain in den 1920er Jahren bemüht hat die Grenzmarkierungen zu setzen.

die Runde im Zoom

Ein eingemeißelter Punkt als Hauptmarkierung und mit jeweils einem ebenfalls eingemeißelten kurzen schwarzen Strich wurde der Luftlinienverlauf bis zur nächsten Grenzmarke vorgegeben. Dabei wurde höchster Wert darauf gelegt, daß die tirolische Seite immer etwas abgedrängter am Grat lag als die damals italienische. Deutlich kann man heute noch die unterschiedliche Machtposition der Grenzzieher spüren. Solcherlei Grenzziehung fällt auch an anderen Teilen im Grenzkamm auf.

Einfahrt in den Nordosthang

Über den Ostrücken hinab kann an verschiedenen Positionen in die windgeschützten Nordosthänge eingefahren werden. Uns erschien der Felskopf am Beginn des Gipfelaufbaus auf halbem Weg zum Flachjoch etwas zu uneinsichtig hinsichtlich seiner Umfahrbarkeit, sodaß wir den Gratrücken schon oberhalb in den Nordosthang einfahrend verließen.

Nordosthang mit Sattele

Im Nordosthang – wie kann es anders sein bei Südwestwind – fanden wir einiges an pulverigen Triebschnee vor und fuhren deshalb einzeln bis zu Haltepunkten ab. Die Abfahrten waren entsprechend angenehm, ein hochwinterliches Vergnügen.

herrliche Pulverabfahrt zum Hochleger der Fraderalm

In der Grube der Fraderalm fand sich dann auch noch richtiger Pulverschnee welcher die letzten Höhenmeter bis zur Alm zu einer genussvollen Abfahrt werden ließ.

Rückblick auf die Abfahrt im Nordosthang

Das große Almgebäude des Hochlegers der Fraderalm dürfte vom optischen Eindruck her eher beschädigt worden sein, denn durch Altersschwäche zusammengebrochen. Sehr alt erscheint es nicht – zuviel Schnee oder ein Lawinenausläufer?

prächtige Hänge vom Hohen Lorenzen herab

Nach diesen Almengebäuden beginnt eine schöne Talausfahrt, die zunächst durch einen Lärchenwald und dann am Almenweg  hinausführt. Rasch nimmt das Pulverschneevegnügen ab und es benötigte Standfestigkeit die Bremsung durch den eher feuchten Schnee am Almweg auszubalancieren.

Hochleger Fraderalm

Ein Rinnsal von Bach über den Weg muß zu diesem Datum bereits überschritten werden, zu warm ist es für eine durchgehende Schneedecke darüber. Kurz danach endet die schöne Fahrt durch den Wald in einer leichten Senke der Fraderalm.

ein wenig restlicher Pulverschnee bis zur Baumgrenze

Auf der anderen Seite des Bachs liegt der Weg eher sonnengeschützt nahe den Bäumen und dürfte wohl noch etwas besser befahrbar sein als unsere ostseitige Abfahrt.

nahe der Senke der Fraderalm

Vor der recht neu erbauten Alm werden etwa 200m Schiebestrecke, bzw. kurzzeitig der Grätschschritt nötig, um die paar Meter aus der Senke zur Alm zu überwinden. Nach der Alm bietet sich ein herrlicher Rückblick auf den Hohen Lorenzen.

Fraderalm

Hinter der Alm konnten wir eine Aufstiegs- und mehrere Abfahrtsspuren entdecken. Es dürfte sich um den Anstieg zum Karsattel und dem Kreuzjoch handeln – sicher eine schöne wenig begangene Tour und eine Sache zum Herausfinden.

phantastischer Rückblick auf den Hohen Lorenzen

Die Ausfahrt aus dem Fradertal bleibt östlich des Fraderbachs und führt an zwei weiteren Gebäuden vorbei, bevor das Tal mit einer Geländestufe zum Bach hinab aufwartet.

letzte Gebäude vor der Geländestufe

Unten führt der Weg wenige Meter oberhalb des Baches – teilweise steil mit wenige Möglichkeiten vernünftige Schwünge einzulegen – bis zum Obernbergtal  hinaus. Der Weg führt auch vorbei an einem kleinen Kraftwerk mit einer uns in ihrer Sinnhaftigkeit völlig unerklärlichen Videoüberwachungsanlage.

Obernberg, Ortsteil Frade – links unten die Brücke und das Fahrverbotsschild

Wer unten im Tal möglichst weit rechts den Hang befährt und somit Höhe spart, der kann von dort aus mit genügend Schwung über die Brücke und fast bis hinauf zu einem Fahrverbotsschild fahren, bei dem rechts in den Wiesenhang eingefahren werden kann, der mit genügend Gefälle bis zum Ausgangspunkt, dem Bauernhof am Obernbergbach, führt.

Am Ausgangspunkt angelangt – Ende der schönen Runde

Ohne Hektik, allerdings – wegen des Windes – mit nur einem kurzen Aufenthalt am Hohen Lorenzen absolvierten wir die traumhafte Runde in 4:38 Stunden (Gipfelaufenthalt 20min). Die Höhenmessung der Bergsteigeruhr zeigte 1.140Hm und die Aufzeichnung errechnete eine Gesamtstrecke von 14,8km.

Mils, 10.03.2019

Lüsener Fernerkogel Nordgrat, 3.299m

Bereits während der Anfahrt durch Gries im Sellrain fällt der Blick sofort auf den dominierend schönen Gipfel des Lüsener Fernerkogel am Ende des Lüsenstales. Als freistehende und höchste Erhebung im Tal wird er sowohl im Sommer als auch im Winter häufig begangen und ein schöner Aufstieg im Sommer ist sein Nordgrat, der gemäßigter ist als sein Name vermuten läßt.

Manuel am Lüsener Fernerkogel

Zur alpinen Schwierigkeit dieses Anstieges sei gesagt, daß es sich großteils um leicht zu begehendes steiles Wiesengelände im unteren Teil handelt und um leichte Felskletterei im oberen Teil. Die größten Schwierigkeiten werden angetroffen bei der Begehung in Gratnähe bzw. direkt dort – und sie sind bei II anzusiedeln, jedoch nur auf einzelne Stellen begrenzt. Der  Anstieg führt in der Hauptsache durch Gelände mit der Bewertung I+. Die Wahl des Anstieges liegt im Ermessen des Begehers und die Bewertung variiert dadurch. Knapp an der Gratkante finden sich auch ein paar Stellen für die III vergeben wird.

der Lüsener Fernerkogel am frühen Morgen

In der Literatur werden mehreren Schreibweisen gepflegt, sie reichen von „Lüsener“ bis „Lisener“ und mit und ohne dem abschließenden „s“ abgeleitet von der Ortsbezeichnung Lüsens, geologische Arbeiten des frühen 20. Jhdts spricht teilweise von „Lisenz“. Die Nachforschung des Namensursprungs führt zu keinem wirklich befriedigend klaren Ergebnis. Einerseits wird eine Abwandlung von dem Lawinen bezeichnenden Wort „Lehn“ beschrieben, andererseits, in der sehr empfehlenswerten Bergsteigerdörfer-Broschüre „Alpingeschichte kurz und bündig“ von Georg Jäger, eine Abwandlung von der ursprünglichen Bezeichnung „Malusinus“ der frühen breonischen Einwohner im Sellraintal.
Weil sich vorgenannte Broschüre mit örtlicher Geschichte befaßt und diese Schreibweise wählt wurde auch in vorliegendem Bericht die Bezeichnung „Lüsener“ Fernerkogel gewählt.

die gewaltige Mauer – später unser Abstieg

Zu dritt starteten wir bei frischen Temperaturen gegen halb acht am Parkplatz in Lüsens dem schönen Talabschluß entgegen, stets die „Mauer“, den typischen Talstufensprung in den Staubaier Alpen im Blickfeld. Die Mauer mißt 1.000Hm vom Talabschluß bis zur Gletscherkante und stellt im Winter den langen mühsamen Aufstieg auf den Lüsener Ferner und etwas später am heutigen Tag, unseren Abstieg dar.

Blick auf die Nordflanke des Lüsener Fernerkogels – links im Hang (links der Bildmitte) ist es leichter

Unser Anstieg leitet uns westlich ebenso über eine Talstufe ins Längental zur Längentalalm, wo der Nordgrat direkt in Angriff genommen wird. Diese Talstufe mißt knapp 250Hm und endet bei der Alm nicht ganz auf 2.000m.
Dort wird unter der Seilbahn zum Westfalenhaus der Wandfuß über weit hinaufreichende Almrosenstauden erreicht. Ein quer zur Hangrichtung anzutreffender Steig verführt in Richtung Ostflanke des Berges und wird nur überquert, man folgt ihm nicht.

Wiesengelände bis unterhalb der ersten Felspassage

Den Einstieg durch den ersten Abbruch in die Nordflanke – unten wo es leichtere und etwas schwerere Durchschlüpfe auf den Nordgrat gibt kann man mit etwas Gefühl für das Gelände das seinige wählen und entsprechend über Wiesenbänder dorthin aufsteigen – wählten wir am äußerst westlichen Teil der Flanke, also nicht über die leichteste Route und mittlerweile unter erwärmender Sonnenbestrahlung.

wir wählen einen Durchstieg weit rechts im schwierigeren Teil des Geländes

Oberhalb der untersten Abbruchfelsen wird bis zur nächsten Felsstufe über ein langgezogenes Wiesenband aufgestiegen. Der sogenannte Nordgrat bildet sich erst weiter oben aus und dann  auch nur über kurze Teilstücke. Im gesamten müßte also eher von der Nordkante, als vom Nordgrat gesprochen werden.

kleine Kletterpassagen nach der Querung zu überwinden

Nach dem Wiesenstück beginnt das typische Gelände mit Geh- und Kletterpartien im Wechsel. Meist mit guten Griffstellen und immer im festen Fels – wir haben es am Lüsener Fernerkogel mit Alpeiner Kern-Grantigneis des Ötztal Kristallin zu tun – geht es über plattige und wieder blockige Passagen die Gratkante in feiner leichter Kletterei hinauf, auch immer wieder im Gehgelände.

Manuel im Mittelteil der untersten Felspassage

Steinmänner hin und wieder säumen den Aufstieg bis weit oben hin, wo sich die blockigen Abschnitte ausgeprägter zeigen und auch aufgrund der vorgezeichneten Kante weniger sinnhaft sind.

Abschnitt oberhalb der ersten Felspassage über Bergwiesen


Auf etwa 2.700m trafen wir an einer etwas kniffligeren Stelle auf Sven aus Ulm der mit der Stelle nicht ganz klar kam, worauf wir ihm den nötigen psychologischen Schubs angedeihen liesen und Simons helfende Hand. Über den restlichen Aufstieg hängte er sich dann bei uns an und quasselte unentwegt.

der Nordgrat wird felsiger

Ab etwa 2.600m beginnt die reine Felsstrecke mit einigen schönen Passagen. Die schönste erschien dem Verfasser der breite Gratkopf mit dem weißen Eckpfeil der gerade überklettert werden kann und einen Hauch von Gratkletterei darstellt.

einige schöne Passagen am Grat – und sie werden mehr

Durch den vernachlässigbaren Abstieg auf der hinteren Stirnseite wird das Erlebnis kaum getrübt.

Manuel und Simon folgen am Gratkopf

Im Übermut zogen wir sogar in Betracht das einladende Band auf seiner Westseite vom Schärtchen aus zu begehen, das allerdings auslief und in einer unsinnigen Fortsetzung endete.

Breiter Grieskogel und Strahlkogel rechts

Der Gratkopf bietet einen schönen Blick auf das Finale der Nordkante auf etwas erhöhter Standfläche gegenüber der Fortsetzung des Aufstieges. Atemberaubend gebautes Blockwerk auf der Südseite bildet den Restaufstieg zu einem dem Gipfelaufbau vorgelagertem Sattel.

noch nicht sehr lange ausgeapert

Der Restaufstieg von dort auf den Gipfel ist gut einsehbar und die frische Biotitgranitgneismasse in der direkten körpernahen Begegnung auch optisch schön anzusehen. Frisch – bei Millionen Jahre altem Gestein nicht im Alterssinne zu verstehen – nach Einschätzung des Verfassers weniger aufgrund von verwitterungsbedingtem Zerfall geprägt, eher nur seit ein paar Dutzend Jahrzehnten eisbefreite Gesteinsmassen. Fehlender Flechtenbewuchs bei den hellsten und daher schönsten Partien verstärkt die Vermutung. Junger Bruch einer Gratformation scheidet aufgrund von fehlenden hellen Trümmern an beiden Basisflanken aus.

Rückblick auf das Sattelchen

Dieses Rätsel und herrlich feinstrukturierte Felsfacies begleiten nach dem Sattelchen über die letzten 100Hm Aufstieg zum lange erarbeiteten und stolzen Gipfel des Lüsener Fernerkogel – ein wirklich lohnenswertes Ziel an der Begrenzung eines der größten Gletschers in den Nördlichen Stubaier Alpen.

knapp unterhalb des Gipfels

Am relative kleinem Gipfelbereich des Lüsener Fernerkogel überwältigt bei der Ankunft die Aussicht nach Süden. Alles war in dem Stubaiern an Gipfel bekannt ist kann von dort aus wunderbar eingesehen werden.

Lüsener Fernerkogel, 3.299m

Im Osten beginnend mit der Hohen Villerspitze und den dahinterliegenden Kalkkögeln bis über den Habicht, Knotenspitzen, Seespitzen, Ruderhofspitze und über die Gratabsenkung des Alpeiner Ferners in der Ferne den Sulztalferner mit den beliebtesten Gipfeln des Wilden Pfaffs und des Zuckerhütls bis hin zum mächtigen Schrankogel.

Rundblick über die Stubaier von Südosten nach Südwesten

Ebenfalls bis weit hinein in die Ötztaler Alpen reicht der Blick – selbst die immerhin 30km entfernte Wildspitze scheint zum Greifen nahe. Genau in ihrer Blickrichtung liegen im Vordergrund auch die beliebten Schitourenziele Bachfallenkopf und Längentaler Weißer Kogel.

Alpeiner Ferner und Wilder Pfaff sowie Zuckerhütl im Hintergrund

Im Westen fällt nördlich neben dem Breiten Grießkogl der Strahlkogel auf, der höchste und schönste Gipfel der Larstiggruppe und den nördlichsten, gerade noch sichtbaren Gletscher bildet der Gleirschferner.

Hoher Seeblaskogel links, Breiter Grießkogel mittig und Strahlkogel rechts

Die Gipfelrast mit der schönen Dreitausender Parade liesen wir uns eine Dreiviertelstunde kosten, bevor wir durch die Südflanke zum Rotgratferner abstiegen. Dieser Abstieg ist im Winter Schiabfahrt, im Sommer eine brüchige Angelegenheit und mit Bedacht zu begehen. Gruppen sollten nicht zu große Abstände lassen, um der Gefahr von Steinschlag vorzubeugen.

sehr vorsichtig absteigen ist hier das Gebot

Am Rotgratferner bestand eine 15cm starke Schneeauflage und zur Querung bis zum Abstieg durch die breite Rinne zur Mauer taten die Eisen gute Dienste. So ganz flach, wie vom Gipfel aus vermutet ist der Ferner nicht.

die Hangneigung ist beachtlich

Jenseits des Gletschers versperrten kleine Schrundspalten den Weg und wir stiegen etwas weiter hinab, um in das felsige Gelände unterhalb der Rotgratspitze zu gelangen. Dort konnten wir uns auch wieder der Eisen entledigen.

wieder auf festem Fels angelangt

Viel ist nicht mehr über vom Rotgratferner und die erst kürzlich ausgeaperten geschliffenen Felsen boten einen interessanten Abstieg über unverwitterte Felsoberflächen.

Rückblick auf den Lüsener Fernerkogel

Über viel Schutt im unteren Teil erreichten wir den langen Felsriegel der Mauer, die hinab in Lüsenstal führt. Obwohl diese Felsen schon viele Jahrzehnte ausgeapert sind zeigen sie erstaunlich wenig Zeichen von Verwitterung, die logischerweise nach unten hin allmählich zunehmen.

Abstiegsrinne

Wir haben nicht den Normalweg über die Mauer an die Ostseite des ehemaligen Gletschers genommen, da die direkte Variante erkundet werden sollte – die „Innere Räuhe“.

der Gletscher hat schöne Formen herausgearbeitet

Im untersten Teil braucht es dafür etwas Spürsinn, um den Abstieg durch die Felsen zwischen den Sturzbächen zu finden. Wer im Winter dort die Schitour absolviert hat, der sollte die richtigen Passagen finden. Im Zweifelsfall kommt man äußerst im Abstieg links, also westlich, leicht hinab.

glatte Partien zur Übung der Reibungskletterei

Den Abschluß bildete wie immer ein Besuch im Gasthof Lüsens von dessen Terrasse aus der Großteil der schönen Tour eingesehen werden kann.

am Ende des Schwemmkegels

Für die gesamte Tour mit allen Pausen benötigten wir in gemütlichem Tempo 9 ¾ Stunden bei 1.660Hm Auf/Abstieg.

die Tour vom Gasthaus Lüsens aus gut einzusehen

Mils, 09.09.2018