Archiv des Autors: Rainer

Schitour Pfoner Kreuzjöchl von Navis

Der Winter, noch nicht so richtig in die Gänge gekommen und Weihnachtstauwetter, das uns fest im Griff hält, erlaubt dem Tourenhungrigen derzeit noch nicht viele, aber eine schöne und leichte Schitour auf das Pfoner Kreuzjöchl.

Start oberhalb des Parkplatzes Grünhöfe auf gut 1.500m

Von Pfons aus ist an den Aufstieg auf das Pfoner Kreuzjöchl noch nicht zu denken, genügend Schnee liegt erst ab etwa 1.400m und deshalb kommt als Ausgangspunkt der Parkplatz Grünhöfe auf gut 1.500m in Navis in Frage (2,50.- halbtags / 3.- ganztags). Die Gewissheit auf eine ruhige Schitour war klar als gerade eine Handvoll Fahrzeuge am Parkplatz geschichtet wurden.

Aufstieg im Wald gut möglich, kaum apere Stellen

Der Almweg zur Peeralm befand sich in ausgezeichnetem Zustand hinsichtlich Schneeauflage und es kann vorweggenommen werden, daß die Abfahrt von der Seapnalm bis zum Parkplatz keinerlei Steinkontakt aufweist, so wie auch in der Alpinen Auskunft vom Vortag geschildert.

Blick Richtung Wattental, von Mölser Sonnenspitze bis zu den Recknern

Nach einigen Hundert Metern zweigt links der direkte Aufstieg zur Seapnalm durch den Wald ab. Ein LVS Checkpunkt weist den Weg bei der Abzweigung. Vier Mal wird im Waldaufstieg der Fahrweg zur Alm gekreuzt, beim letzten Mal, oberhalb der Waldgrenze, beginnt das weite, eher flache Almgelände.

Beim Aufstieg durch den recht feuchten Schnee durchnässten die Felle weitgehend, sodaß das fehlende Fellwachs bitter vermisst wurde und mehrmalige Stopps zum Entfernen der Aufstollung eingelegt werden mußte. Erst nach dem Wetterkreuz waren die Temperaturen so nieder, daß ohne Aufstollen marschiert werden konnte. Dafür allerdings waren die Felle vereist und nur durch den eher flachen Aufstieg kam es zu keinen mühseligen Abrutschern. Man sollte also auch bei einer kleinen Tour den Rucksack gewissenhaft packen.

Blick Richtung Scheibenspitze bis Schafseitenspitze

Im Aufstieg bieten sich nahe dem Talende schöne Blicke in die abschließenden Talkessel in Richtung der Naviser Sonnenspitze im Nordosten bis hin zum gemeinsamen Talabschluß des Wattentales mit Lizumer und Naviser Reckner, sowie dem Geier im Osten.

Gegen Süden braucht es eine gewisse Höhe, um das phantastische Panorama vollends einsehen zu können – beim Wetterkreuz auf 2.150m überblickt man dann den Kamm, der unter andern das Naviser Kreuzjöchl, die Scheibenspitze und die Schafseitenspitze trägt, mit den Zillertaler Giganten rund um den 13km entfernten Olperer.

Aufstieg in feuchtem Schnee, rechts die markante Naviser Sonnenspitze

Etwa eine Stunde nach dem Start, gegen die Waldgrenze hin, kann im Norden das schöne Gelände der Grünbergalm eingesehen werden. Der weite Talkessel bietet eine tolle Schitour auf die Grünbergspitze mit einem rassigen Abschlusshang unterhalb des Gipfels.

An der letzten Wegkreuzung zur Seapnalm – sozusagen an der Kuppe – erreicht man flachere Böden, über die von Norden der Wind vollflächigen Zugriff hat und ordentlich blasen kann. So auch am gestrigen Tag – die Bilder der Aufstiegspuren der beiden anderen Tourengeher an diesem Tag verraten die Tätigkeit des Nordwindes.

beim Wetterkreuz nach der letzten Querung des Weges zur Seapnalm

Mit der Orientierung des Aufstieges gibt es trotz zugewehter Spuren kaum Schwierigkeiten, da in kurzen Abständen immer wieder allerlei Markierungspflöcke, aber auch Eisenstangen die Richtung weisen.
Nach der Flachstelle nahe dem Wetterkreuz führt der Aufstieg über ein paar Meter abschüssiges Gelände zum nächsten steileren Hang heran, bevor es dahinter noch einmal etwas flacher wird. Die Hangneigung bleibt im Teil bis zum Gipfelaufbau in Summe jedoch immer unter 30°, mag es auch Stellen geben bei denen sie vielleicht geringfügig größer ist.

das Ziel leicht links Bildmitte erstmals sichtbar – die Aufstiegsspuren durch den Wind bereits zugeweht

Ein weiterer flacher Bereich wird durchschritten bevor sich der Gipfelaufbau deutlich ausprägt und die Steilheit zunimmt. Bald darauf ist die vom Pfoner Kreuzjöchl herabziehende Rippe erreicht. Sie präsentierte sich recht abgeblasen weswegen man in der Abfahrt gut beraten ist Tempo wegzunehmen und sich einen Überblick über den günstigsten Kurs hindurch zu suchen.

auf halbem Weg über die sanften Hügel der Hochfläche der Seapnalm

Der folgende zu querende Hang ist nach Meinung des Verfassers der einzig gefahrenträchtige bei entsprechender Warnstufe, er weist laut Tiris eine Maximalneigung über einen kurzen Teil des Anstieges von über 40° auf, jedoch ist dieser Teil oberhalb des Aufstieges gelegen. Die Querung selbst erfolgt unterhalb in wesentlich flacherem Gelände.
Jenseits der Querung gelangt man in einen breiten, kurzen, rinnenartigen Hang, der im Aufstieg an einem wenige Meter messenden Bereich an 35° Neigung kratzt und die durch die Lage triebschneegefährdet erscheint.

die schön gefprmte Seeblesspitze bis zur Grünbergspitze rechts

Die letzten Aufstiegsmeter bis zum Joch finden in flacherem Gelände statt. Die Schneeoberfläche war aufgrund des starken Windes mit hartgepressten Gangln durchzogen, die zwischen vereisten Parteien sich bilden konnten. Aber auch in diesem etwas unangenehmen Gelände waren Harscheisen nicht erforderlich, da die Hangneigung mäßig ist.

Querung des einzig steilen Hanges Richtung Joch

Nach dem ersten Blick auf das Arz- und Inntal folgten die letzten 40Hm zum Gipfel auf harter, vereister Oberfläche.
Der flache Gipfelbereich um das Wegkreuz am Pfoner Kreuzjöchl zeigte sich völlig schneebedeckt mit stark zugeschneitem leeseitigen Zugang zum Gipfelkreuz.

am Joch angelangt – der angekündigte Wetterumschwung von Nordwest bereits sichtbar, Windböen bis etwa 40kmh

Da der Nordwestwind unangenehm blies und bei einigen Wenigen Fotos schon die Hand einfror, fiel der Gipfelaufenthalt kurz aus. Im Lee des Gipfelzinkens konnte man sich geschützt zur Abfahrt rüsten und etwas Höhenmedizin zu sich nehmen.

Wind von Nordwest beschert einen kurzen Gipfelaufenthalt

Der Ausblick war trotz der unwirtlichen Front von Norden doch ganz passabel, vor allem von Ost bis Südwest. In Südtirol ließ sich prächtiges Wetter erahnen.

Blick gen Südwest – Rauher Kamm zum Mislkopf

Hinab über den harschen Hang bis zum Joch mit allerlei Verkrümmungen des Oberkörpers wie ein Anfänger mühte sich der Verfasser, froh, daß niemand die Wackelpartie auf den haltlosen Eisflächen und wieder bremsenden Triebschneeansammlungen mit ansah.

Blick nach Osten – von Kreuzspitze über Rosenjoch bis Grünbergspitze und Grafmartspitze

Das Vergnügen begann dann nach dem Joch in dem rinnenartigen Hang, der sich an seiner östlichen Seite im Tiefschnee toll fahren ließ. Der steile Hang danach war ebenfalls gut zu fahren und an der abgeblasenen Rippe mußte die günstigste Route für die weitere Abfahrt gewählt werden, wobei die Spuren der beiden Vorgänger hilfreich waren.

einige wenige schöne Abfahrtshänge

Die wenigen tollen Hänge waren rasch abgefahren. Zu des Verfassers Überraschung schlief der Wind innerhalb der wenigen Minuten des Abfahrtsvergnügens urplötzlich vollends ein, was nahe dem Wetterkreuz eine Jausen- und Fotopause ermöglichte und mit der wärmenden Sonneneinstrahlung durch die plötzliche Stille Weihnachtsstimmung aufkam.

Rückblick – toll war’s

Dem Weg zur Seapnalm angekommen folgt man derzeit am besten für die gesamte Abfahrt bis zum Parkplatz. Auch dieser Abstieg durch die verschneite Landschaft hat seinen Reiz.

ein toller Blick auf die hohen Gipfel im Wattental

Für die Tour benötigt man rund 5 Stunden, durch die kurzen Aufenthalte konnte sie in 4:15 durchgeführt werden. Der gesamte Aufstieg beträgt 1.150m.

Mils, 23.12.2018

Teufelskopf, 2.346m Wetterstein

Ein entsprechendes Erlebnis zum Faschingsbeginn hat man nicht alle Tage und der Name des Erreichten – Teufelskopf –  paßt irgendwie dazu.

Ursprünglich hätte das Ziel der Oberreintalschrofen werden sollen und zwar in der Überschreitung vom Teufelskopf, der zum Zwecke der markanten Ablichtung des wild gezackten Oberreintalschrofen in seinem schmalseitigen Profil in der Kette vorab bestieg werden sollte.

Teufelskopf, 2.346m

Nach mehr als 50 Jahren ging es wieder einmal in Richtung Wettersteinhütte. Da diesmal das Ziel aber nicht die Hütte, sondern ein ambitionierteres war, erfolgte der Start gegen halb neun Uhr früh am Parkplatz Stupfer nach dem Ortsteil Klamm in Oberleutasch.

der Autor bei seinem letzten Aufstieg zur Wettersteinhütte

Der frische Herbstmorgen zwang zunächst sogar Handschuhe auf – das neue Leiden mit kalten Fingern also nun schon im beginnenden November – aber nach kurzer Zeit tauchte die Sonne auf und beendete das leidige Thema.

Wettersteinhütte

Die malerische Wettersteinhütte war rasch erreicht und präsentierte sich im Herbstschlaf. Der sonnige Tag, mittlerweile angenehm warm geworden, versprach ein toller zu werden und nach Auffüllung der Flasche wurde das nächste Etappenziel, der Gedenkblock, ein Monolith im Karfuß des Scharnitztales, angesteuert.

Blick von der Wettersteinhütte gegen Oberreintalschrofen – links der Teufelskopf

Die Marterln und die lange Tafel der Bergrettungsmänner am Gedenkblock mahnen auch ob der Gefährlichkeit der Touren der dahinterliegenden Wettersteinketten wovon man nicht unbeeindruckt weiterzieht.
Von dort aus sieht der Gratverlauf des Überganges vom Teufelskopf auf die tiefer liegende Oberreintalscharte nicht besonders steil bzw., auf den ersten Blick hin, gut machbar aus.

Blick zur Oberreintalscharte

In freudiger Erwartung einer leichten Kletterei im sagenhaften Wettersteinkalk – die ausgezeichnete Qualität des Felses konnte jüngst bei der Überschreitung der Oberen Wettersteinspitze auf die Rotplattenspitze getestet werden – stieg der Verfasser die direkte Rippe von der Weggabelung zu den Wandfüßen oberhalb der Roßbergseiten an. Ein mühsamer Anstieg über sehr steile Wiesenhänge, den man sich nicht so einfach unbeobachtet von den Hausherren, stolze Gemsen am besten Aussichtspunkt, hochschleichen kann.

der Teufelskopf in voller Größe

Die Roßbergseiten enden etwas rechts unterhalb des Einstieges in die Felsen des Teufelskopfes. Eine kurze Querung nach Westen bringt den Bergsteiger direkt in die sich nach oben verjüngende Einstiegsschlucht.
Dort, auf etwa 2.230m, lohnt ein gewaltig schöner Rückblick auf die herbstliche Landschaft bevor die Fortsetzung des noch kurzen Anstieges in Angriff genommen wird.

 

Blick auf die Mieminger

Grandios ist die Sicht auf die Mieminger Kette im Südwesten und stark die Erinnerung an die jüngst noch eröffnete Rechnung mit einer tollen Überschreitung, die wegen Nebels abgebrochen und verschoben werden mußte.

Schüsselkar- und Gehrenspitze

Ebenso grandios ist der Blick auf die schmale Felskette zur Schüsselkarspitze mit Osten. Einem Sägeblatt gleich ragen die Felsen senkrecht über den Schuttkaren empor, alles schwierige Kletterfelsen und ohne Sicherung für den normalen Bergsteiger nicht zu begehen.

links der Einstieg in die Schlucht

Selbst die am Grat leicht zu begehende Gehrenspitze im Südostausläufer des Wettersteinhauptkammes präsentiert sich mit ihrer massiven Nordwand von diesem Standort als rassige Erhebung.

Schlüsselstelle in der Schlucht

Die in der Folge zum Gipfel des Teufelskopfes aufzusteigende Schlucht kann leicht durchstiegen werden. Eine etwas schwierigere Stelle – da durch Felssturz und Auswaschung griffarm – kann zwei Meter links (in Aufstiegsrichtung gesehen) einfacher umgangen werden, was jedoch erst im Abstieg von oben bemerkt wird.

schuttiges Kar zum Teufelskopf

Oberhalb der Schlucht schließt sich ein unerwartet schuttiges und steiles Kar an, das die letzten knapp 100Hm zum Gipfel führt. Der markante orangefarbene Felsblock unterhalb des Gipfels kann sowohl links als auch rechts umgangen werden.

Bereits einige Dutzend Meter unter dem Gipfel kam gerade auf, was nicht erwartet wurde – ein eisig kalter Wind aus Norden. Dieser machte den freudig erwarteten Gipfelaufenthalt zunichte. Nach ein paar Fotos auf  Teufelsgrat und Oberreintalschrofen mußte sich zur kurzen Rast in die Flanke zurückgezogen werden, zu unwirtlich war das kleine Gipfelplateau.

Oberreintalschrofen in voller Größe vom Teufelskopf aus

Die geschütztere Position genützt sollte ausgekundschaftet werden, wo der Übergang zum Oberreintalschrofen erfolgen soll. Dies jedoch ohne den gewünschten Erfolg, da alle Partien die hinabgeblickt werden konnten zum Einen fast senkrecht, aber zum anderen noch schlimmer, aus ungemein brüchigem orangen Störzonenmaterial bestanden. Undenkbar, daß es da einen Übergang geben soll.

der schöne Teufelsgrat

Etwas beunruhigt über die bizarren und offensichtlich zum Klettern unsicheren Formationen zurück zum Gipfel und dort nochmals den direkten Grat angesehen mußte der Verfasser abermals kapitulieren, er konnte – zum Teufel! – keine sichere und vernünftig einsehbare Abstiegsmöglichkeit entdecken. Wo überall er seinen Kopf in die Tiefe steckte fand er brüchiges Material, selbst beim Halten an den Türmchen am Gipfel, und bizarre zerklüftete Felsformen unterhalb vor. Den saukalten Wind um die Ohren und einige Minuten Erkundung brachte die Gewissheit, daß es in Gipfelnähe keinen direkten Gratübergang geben kann.

Eine Möglichkeit, so schien das Gelände zur Scharte hinunter beim Anblick von oben zu verraten, könnte noch etwas weiter unten sein. Etwas verärgert wurde abgestiegen.
Die Aussicht auf eine Querung halbwegs in Gratnähe schwand aber auch unten, da die plattige Stelle weit nach unten führte und ein Übergang somit weit entfernt von einer Gratüberschreitung sein würde. Allerding wäre der Verfasser froh gewesen zumindest überhaupt eine Querungsmöglichkeit zu finden, um der verwünschten Flanke des Teufelskopfes zumindest von unten das Geheimnis ihres Abstieges abzuringen.

Versuch des Überganges zum Oberreintalschrofen; unten ist der Schatten der Felsplatte sichtbar, die vermeintlich den Durchschlupf bringen sollte

Ein Versuch unterhalb der plattigen Stelle durch einen schmalen Riß zwischen Fels und einer abgespaltene Felsplatte ins Tiefste der Scharte zu kommen scheiterte dadurch, daß es hinter der Platte mit der Kletterei zu Ende war, denn dort befanden sich ungewisse, brüchige senkrechte Wände.

Das Waterloo mußte nun eingestanden werden, der Übergang konnte nicht gefunden werden.
Für den Bergsteiger, der es gewohnt ist in Gelände ohne Wegmarkierungen sich zu orientieren eine dramatische Situation, die man nicht wahrhaben will – ist man zu blöd dafür?

Schlüsselstelle in der Schlucht am Teufelskopf, links im Schatten fällt der Abstieg leichter

Der Abstieg wurde als eine gewisse Kapitulation empfunden und die Lust auf den Oberreintalschrofen schwand für diesen Tag dahin. Ein weiterer Versuch über die Oberreintalscharte wollte auch nicht sein, weil im Ärger der falsche Einstieg ausgewählt wurde – der Tag war gelaufen.

Oberreintalscharte – beim Schatten rechts von der abgesetzten Felsrippe befindet sich der Übergang zum Oberreintalschrofen

Vom Gedenkblock aus versuchte der Enttäuschte dann die Fehler mit dem Glas aufzuarbeiten, jedoch brachte die halbe Stunde Felsen absuchen auch nur die Vermutung, daß die Platte die richtige Wahl gewesen sein könnte, denn die genaue Route war von so weit unten nicht exakt einsehbar.

Jürgens Route im Aufstieg grün
meine Route im Abstieg rot

Ein Foto, ironischer Weise genau eine Woche später, von Bergsteigerkollegen Jürgen, brachte dann Erleuchtung und Gewissheit – die Route über die plattige Stelle (in Wahrheit ist das eine tektonische Gleitfläche) wäre richtig gewesen, jedoch hätte man bis zum Tiefsten der Scharte noch etwa zehn bis 20 Höhenmeter tiefer der Rinne nach der Platte folgen müssen, anstelle zu versuchen durch die abgespaltene Platte eben hinauszukommen.

Jürgens Route im Aufstieg grün
meine Route im Abstieg rot

Nun, die Niederlage mußte hingenommen werden. Im Abstieg wälzten sich im Kopf allerlei kuriose Gedanken in der Art, daß sie möglicherweise des Teufelskopfes Rache für 50 Jahre Verschmähung gewesen sein könnte.
Die Niederlage war aber auch dazu geeignet wieder einmal erkennen zu dürfen, daß mit Verbissenheit meist keine (gute) Lösung möglich ist. Vielleicht ist die Niederlage aber auch Auftakt zu einer phantastischen Gratüberschreitung über den Teufelsgrat? Zum Oberreintalschrofen in jedem Fall.

Die reine Aufstiegszeit auf den Teufelskopf betrug knapp drei Stunden, die Gesamtzeit ist durch die Überschreitungsuntersuchungen diesmal nicht von Relevanz.

Mils, 11.11.2018

Obere Wettersteinspitze, 2.297m – Überschreitung zur Rotplattenspitze 2.399m

Der Gebirgszug als Namensgeber des sehr festen Wettersteinkalkes wird an seinem östlichen Ende von den beiden Wettersteinspitzen begrenzt – unser Ziel stellte die höhere der beiden, die Obere Wettersteinspitze dar, von der aus die Überschreitung über den tollen Grat auf die Rotplattenspitze erfolgte.

Obere Wettersteinspitze in toller Stimmung

Weder der Südanstieg auf die Obere Wettersteinspitze noch der Abstieg von der Rotplattenspitze sind markiert. Es gibt einen Steig über die Klamm, die von der Rotplattenspitze herunterzieht – im oberen Teil in der AV-Karte mit „Dischlerklamm“ bezeichnet. An- und Abstieg sind sehr steil und die Runde über den Grat stellt den Höhepunkt dar, der die steile Zuwegung jedenfalls rechtfertigt.

die Tour im Detail - eine tolle leichte Runde
die Tour im Detail – eine tolle leichte Runde

Durch die vollständig auf der Wetterstein-Südflanke gelegene Rundtour über beide Gipfel können im späten Herbst die goldenen Tage mit der letzten Sonne genossen werden, auch bald am Morgen bei frühem Aufbruch.

im unteren Teil der Schotterreise, nach dem Ende des Waldes

Am Tag unserer Begehung allerdings mußten wir uns lange gedulden bis Simon und ich in den Genuß der so sehnsuchtsvoll erwünschten Bestrahlung kamen – erst gegen mittags beim Eintreffen am Gipfel der Rotplattenspitze lichteten sich die Hochnebel und die Sonne brach durch.

Anstieg zum Steig

Zunächst starteten wir in Lochlehen nach mulmigem Gefühl ob der Parkplatz wohl nicht jemandes Eigentum verletzte in den Wald nördlich des Weilers, der weithin sichtbaren Schotterreise zwischen den beiden Gipfeln zustrebend.

kurz vor dem Steig – der markante Vogelbeerstrauch im Herbst in rötlichem Kleid

Nach der kurzen Waldpassage wird über ein paar Minuten auf Forstwegen am unteren Ende der Reisen ein Jagdhüttchen erreicht, von dem ein deutlicher, aber teilweise unterbrochener Steig über Wiesen in die Schotterzone hinaufzieht.

Rückblick am Weg zum Umgehungssteig

Bevor sich die Reise zur Klamm ausformt liegen auf ihrer rechten Begrenzung zwei deutlich sichtbare Ausbuchtungen und bei der oberen der beiden zieht von der rechten Begrenzung der Reise ein wenig deutlich sichtbarer Steig nahezu im rechten Winkel hinauf an dessen oberen Ende bereits die ausgeschnittenen Latschen erkennbar sind, die den Beginn eines großzügig ausgeschnittenen Steiges bilden. Ein auffallend rot gefärbter Vogelbeerstrauch bildet im Herbst eine auffällige Landmarke zur Auffindung des Einstieges.

der Steig im oberen Teil

Der steile Steig stellt im Prinzip nichts anderes als die östliche Umgehung der Klamm dar. An einer Stelle befindet sich an einem Steinspitzl eine alte verblichene rote Markierung, was darauf hindeuten könnte, daß er nicht ausschließlich jagdlichen Zwecken dient, oder diente.

knapp nach dem Ende der Latschen und des Umgehungssteiges

Auf etwa 1.650m endet der Umgehungssteig und freies Bergwiesengelände löst den dichten Latschenbestand im unteren Aufstiegsteil ab.

Wir folgten den Wiesen weiter nordöstlich dem Südgrat der Oberen Wettersteinspitze zustrebend. Das Gelände enthält einige Steigspuren, auch deutlich ausgeprägtere, die aber alle nicht unseren Geschmack für die Aufstiegsrichtung trafen. Daher kreuzten wir diese nur und setzten unseren Aufstieg im zunehmend schrofendurchsetzten Gelände in Richtung Südgrat fort.

knapp unterhalb des Gratrückens beobachten die Gemsen von markanter Stelle den Simon

Ein paar Gemsen säumten unseren Weg und beobachteten unser Treiben in stoischer Ruhe.
Etwas unterhalb der Grathöhe erblickten wir ein auffälliges Stück Stahl im Wiesengelände, das nach näherer Untersuchung ein eigenartiges Gefühl hinterließ. Es handelte sich um einen Bombensplitter, gut 10mm stark und mit vielen Berstrissen durch die Explosion durchzogen – ein untrüglich Zeichen daß das Stück vom Umfang eines Bombenmantels stammt.

der Verfasser müht sich die steile Flanke hinauf – im Hintergrund die Rotplattenspitze

Sehr auffallend beeindruckte der Erhaltungs- bzw. der wenig ausgeprägte Korrosionszustand nach etwa 75 Jahren im Hochgebirge. Man hatte die besten Materialien für die niedrigsten Zwecke verschwendet. Gottseidank ist die tödliche Fracht hier heroben auf nahezu 2.000m niedergegangen und hat sein Ziel nie erreicht.

ein Bombensplitter inmitten der Südflanke der Oberen Wettersteinspitze etwa auf 2.100m

Der wenig ausgeprägte Südgrat der Oberen Wettersteinspitze läßt bereits etwa 250Hm unterhalb des Gipfelkreuzes einen Orientierungsblick auf dasselbe zu. Allein die noch vor dem Kreuz liegenden Türme, Scharten und Rinnen können nicht so gut eingesehen werden, daß bei der Erstbegehung die Ideallinie erkennbar wäre. Wir entschieden uns für eine Variante etwas rechts der direkten Sichtverbindung zum Kreuz und stiegen in die steilen Geländeformen ein. Die Sichtverbindung endet in diesem Gelände gleich darauf.

An Süd(grat)rücken zur Oberen Wettersteinspitze, Gipfelkreuz sichtbar

Nach einigen letzten Schrofen wurden die Stöcke verstaut und rassiges leichtes Klettergelände wurde vorgefunden. Schlußendlich standen wir vor einer etwa 10m hohen Rippe aus festem Fels gebildet und sahen uns gezwungen durch einen sich ober verjüngenden Riß auf den Grat zu gelangen, um die Orientierung zum Kreuz wiederzufinden.

die Untere Wettersteinspitze und ihr wilder Grat zur Oberen Wettersteinspitze – eine eigene Tour…

Simon bewältigte die oben an einen „guten Dreier“ grenzende Stelle in Entschlossenheit und fand die Sichtverbindung am Grat sofort, sodaß der alte Mann nachsteigen konnte, zunächst in der Meinung keinen Höhenverlust mitmachen zu müssen. Eine wirklich tolle Passage mußten wir beide von oben feststellen, absolut fest und mit Wasserrippen durchzogen, die beste Klemmgriffe bildeten.

Schlüsselstelle am Gratturm östlich der leicht zu begehenden Rinne zur Oberen Wettersteinspitze

Die Freude über die schöne Stelle währte am weiteren Gratstück allerdings nicht sehr lange, denn wir mußten feststellen am Vorkopf des Gipfels angekommen zu sein. Ein etwa 10m tiefer Abstieg trennte uns durch eine Schuttrinne vom Gipfelaufbau. Diese Hürde mußte noch genommen werden, wobei wir vom Blick hinab in der Rinne unten annehmen konnten, daß sie den Normalaufstieg von der Südflanke darstellt.

Endstation auf unserem Gratturm, ein kurzer Abstieg links in die Rinne wird erforderlich

Am Gipfel der Oberen Wettersteinspitze herrschte an diesem Tag ein unangenehm kalter Nordwind und wenn er auch nicht besonders stark wehte, so förderte er dennoch immer wieder lästigen Nebel auf die Grathöhe, die unsere Unternehmen zunächst bedenklich erschienen ließ.

Obere Wettersteinspitze, 2.297m – dahinter Nördliche Karwendelkette und Sojerngruppe

Unter ständiger Beobachtung der Nebelsituation im nördlichen Tal Richtung Garmisch pausierten wir ein knappes halbes Stündchen. Der Eintrag ins Gipfelbuch erfolgte auf der abgerissenen letzten Seite des arg mitgenommenen Buches. Ersatz wäre schon im heurigen Sommer nötig gewesen.

Jause am kleinen Gipfelplateau – unser Aufstiegsgelände der Südgrat unten gut sichtbar

In der Ferne von Nordwest kämpfte sich hinter dichter Hochnebelfront blauer Horizont in unsere Richtung durch, der allerdings noch in weiter Ferne lag, als wir beschlossen die Überschreitung zur Rotplattenspitze trotz teilweiser Einnebelung des Grates zu unternehmen.
Anhand der Fotos kann man die Situation natürlich nicht nachvollziehen, darauf stellt man ja nur das Beste dar.

der Übergang am Grat mit der Rotplattenspitze jenseits

Gleich nach dem Gipfel folgt nach breitem Gratrücken ein schmaler und ausgesetzter Abstieg über eine Kletterstelle, die sich für den Karwendelfreund dermaßen fest darstellt, daß er laut aufjauchzen könnte. Möglicherweise ist diese Stelle die schönste und vielleicht die schwierigste am gesamten Übergang, sie blieb dem Verfasser jedenfalls in guter Erinnerung.

gleich nach dem Beginn die erste rassige Stelle – kurz senkrecht, fester Fels, max. II+

Es folgen in angenehmer Abwechslung immer wieder leichte Kletterstellen, die im Durchschnitt mit II bewertet werden können, vielleicht die eine oder andere kurze Passage mit II+.
Die Kletterstellen wechseln mit großteils Gehgelände und meist befinden sich diese nur in einer Schwierigkeit, die mit II- bewertet werden kann.

tolles und leichtes Gratgelände

Der Grat teilt sich in zwei Abschnitte.
Der Ostteil bis zur Mittagsscharte ist jener, bei dem die interessanten Kletterstellen nach unserem Empfinden etwa 15% der Distanz ausmachen, die leichten Kletterstellen bei denen nur eine Teilabstützung des Oberkörpers nötig ist mit etwa 20% und reines Gehgelände ohne Einsatz der Hände etwa 65%.

eine der etwas schwereren Stellen – alles aber fest und leicht zu steigen, ein Genuß!

Ein auffälliger Gratzacken ca. 5min vor der Mittagsscharte wird südseitig umgangen. Macht man das sehr knapp an seinem Fuße und steigt sofort wieder zum Grat auf kommt man anschließend in den Genuß von einigen kurzen Passagen auf schönen nordseitig hin geneigten Platten, die in anregender Kletterei bewältigt werden können.

der markante Gratturm

Der Westteil befindet sich hauptsächlich im Gehgelände. Kletterstellen muß man nahezu suchen und abgesehen von der einzigen Wandstufe an der Dischlerklamm gibt es nur ganz kure Passagen die geklettert werden können.

plattiges schärferes Gratgelände

Bis zur Mittagsscharte hinab – der Höhenunterschied von der Oberen Wettersteinspitze auf diesem Abschnitt beträgt 50Hm – benötigten wir eine knappe Stunde. Die letzten Abstiegsmeter bis zur Scharte werden von Steinmännern gesäumt.

die tieferen Scharten dürften max. 20m Abstieg erfordern, meist wesentlich weniger

Nach der Mittagsscharte werden 150Hm Aufstieg ohne weiteren Höhenverlust notwendig. Die Strecke nach der Scharte bis zur Grathöhe wählten wir mit leichter Nordwestroute etwas unter der Grathöhe in der Südflanke, nicht direkt am unbegehbaren unteren Gratteil nach der Scharte.

kurz vor der Scharte

Rasch erreichten wir aber den Grat wieder und erlebten noch ein paar kleine Gratzacken in Kletterei. Ab diesen formt sich ein breiter Rücken aus, der nur von der vorher erwähnten Felsstufe bei der Dischlerklamm als Gehgelände unterbrochen wird.

Gratverlauf westlich der Mittagsscharte – etwas links in die Flanke entschieden wir

Um halb ein Uhr erreichten wir nach nicht ganz eineinhalb Stunden den ungezierten Gipfel der Rotplattenspitze – diesmal dafür in prallem Sonnenlicht.

letzte Gratzacken die Klettervergnügen bereiten, dahinter Gehgelände zur Rotplattenspitze

Außer einer Grenzmarkierung und einem Steinmann gibt es keine weitere Kenntlichmaching der Rotplattenspitze. Zu wenig wichtig wird dieses Zwischenziel zwischen der Oberen Wettersteinspitze und dem noch um 186m höheren Wettersteinwandgipfel sein.
Für uns stellte sie jedoch den Endpunkt der Überschreitung und den Abstiegspunkt von der Wettersteinwand-Kette dar.

letzte Höhenmeter zur Rotplattenspitze

Einfrieren hätten wir uns gewünscht den Augenblick zu können, den wir bei toller Herbststimmung am Gipfel zugebracht hatten. Das halbe Stündchen verflog im Nu.

Simon am Gipfel der Rotplattenspitze, 2.399m


Die Nebel lichteten sich mehr und mehr, zogen jedoch immer noch dunkelgrau aus der Südflanke empor und Simons Idee gleich vom Gipfel anstelle von der Dischlerklamm abzusteigen erschien zunächst ein Blindflug zu werden.

Steinmann markiert die Rotplattenspitze

Den wenig ausgeprägten Südgrat der Rotplattenspitze verließen wir über seine linke Flanke (im Abstieg gesehen) bevor sich eine kurze Gratrippe zu einem Kopf ausbildet, hinter der es einen senkrechten Abbruch in Gratrichtung gibt. Dieser Kopf kann vom Tal aus sehr deutlich eingesehen werden und such seine ostseitige Umgehung, um wieder ins Ausgangskar zu gelangen.

ein toller leichter Grat – markant, die Mittagsscharte mittig


Westseitig ließe sich ins nächste Kar absteigen, von dem es über einen Steig an Jagdhütten vorbei auch einen Abstieg nach Lochlehen gibt. Diesen im Anstieg dokumentiert findet man bei Roman & JuergensBericht in Hikalife.

das Gratgelände um den Gipfel der Oberen Wettersteinspitze herum – auch der Südanstieg erahnbar

Im Schatten, ostseitig des Kopfes, unterhalb seines Abbruches wird eine tektonisch interessante Stelle erreicht.

am Abstieg von der Rotplattenspitze auf deren Südgrat 

Es ist dies eine Trennfuge der Schichten im stark geneigten Wettersteinfels, deren Neigung dann so richtig erfaßt werden kann, wenn man sie zum Zwecke des Abstieges selbst auf Reibung begeht. Diese „Platte“ ist als Fläche dermaßen glatt, daß das Abgleiten der Gesteinsmassen des halben Gratkopfes gut vorstellbar ist und ebenso das noch bevorstehende Abgleiten des nördlichen Teiles des Gratkopfes. Eine eindrucksvolle Stelle am Berg.

immer noch aufsteigende Nebel behindern die Sicht – links vom Gratrücken zu den Platten unterhalb des Gratkopfes war unser Ziel

Unterhalb des Plattengeländes änderten wir die Abstiegsrichtung nach Ost und stiegen über sehr steiles Schrofengelände bis zur Klamm ab, bevor wir den oberen Teil des Kares erreichten. Unterhalb des Schrofengeländes befinden sich schon wieder oberste Steige, die zur früheren Nutzung durch Viehzucht angelegt worden sein müssen.

oberhalb der Platten, rechts der Gratkopf

Über einen Steig erreichten wir das Gelände oberhalb der Klammstufen an denen sich der Einstieg in den Umgehungssteig wieder finden läßt (Steinmann mit Stecken).

Abstiegsgelände von den Platten, teilweise ungemein steil

Über den Steig hinab und über die Schotterreise im unteren Teil führte uns der Rückweg bei mittlerweile fast wolkenlosem Himmel zum Parkplatz und auf die empfehlenswerte Sonnenterrasse des Naturwirtes im Ortsteil Gasse in Leutasch.

Wiedereinstieg in den Umgehungssteig bei zwei sich vereinenden Wasserrinnen – hier die rechte kleinere Rinne

Von oben muß der Einstieg in den Steig wieder gefunden werden – mehr Fotos zur Orientierung siehe Galerie.

Im unteren Teil des Umgehungssteiges

Die bärige und einsame Runde erforderte 1.530m Aufstieg und knapp 7 Stunden Gesamtzeit, wobei wir auf jedem Gipfeln eine gute halbe Stunde Rast einlegten.

Mils, 21.10.2018

Die Fotogalerie diesmal als Einzelfotos (der neue Editor bei WordPress mach noch Schwierigkeiten):

im unteren Teil der Schotterreise, nach dem Ende des Waldes
Rückblick auf Lochlehen
vor der Verengung der Klamm rechts in die Flanke zum Umgehungssteig
Anstieg zum Steig
kurz vor dem Steig – der markante Vogelbeerstrauch im Herbst in rötlichem Kleid
Rückblick am Weg zum Umgehungssteig
der Steig im oberen Teil
knapp nach dem Ende der Latschen und des Umgehungssteiges
wiesendurchsetztes Schrofengelände – der Gratrücken hinten wird angepeilt
knapp unterhalb des Gratrückens beobachten die Gemsen von markanter Stelle den Simon
der Verfasser müht sich die steile Flanke hinauf – im Hintergrund die Rotplattenspitze
ein Bombensplitter inmitten der Südflanke der Oberen Wettersteinspitze etwa auf 2.100m
die Gipfeltürme bereits in greifbarer Nähe
Rückblick auf das Kar das wir im Aufstieg von rechts oben im Bild hierher gequert haben
An Süd(grat)rücken zur Oberen Wettersteinspitze
die Untere Wettersteinspitze im Osten, dahinter die Nördliche Karwendelkette

Nördliche Karwendelkette
die Untere Wettersteinspitze und ihr wilder Grat zur Oberen Wettersteinspitze – eine eigene Tour…
Schlüsselstelle am Gratturm östlich der leicht zu begehenden Rinne zur Oberen Wettersteinspitze
feine Kletterei über ein kurzes Stück bis zum Grat
Endstation auf unserem Gratturm, ein kurzer Abstieg links in die Rinne wird erforderlich
Abstieg zu Rinne
unser Gratturm im Rückblick – er war den kurzen Abstieg zur Rinne allemal wert
Obere Wettersteinspitze, 2.297m – dahinter Nördliche Karwendelkette und Sojerngruppe
Obere Wettersteinspitze – dem Simon ist saukalt
Jause am kleinen Gipfelplateau – unser Aufstiegsgelände der Südgrat unten gut sichtbar
der Übergang am Grat mit der Rotplattenspitze jenseits
gleich nach dem Gipfel der Oberen Wettersteinspitze führen die ersten Gratschärtchen hinab
viel Gehgelände wechselt mit leichtem Klettergelände
es geht wieder in leichtem Auf und Ab weiter
gleich nach dem Beginn die erste rassige Stelle – kurz senkrecht, fester Fels, max. II+
tolles und leichtes Gratgelände
eine der etwas schwereren Stellen – alles aber fest und leicht zu steigen, ein Genuß!
allein der Nebel trübt die Stimmung ein wenig
Simon hinab zu einer der tieferen Scharten
die tieferen Scharten dürften max. 20m Abstieg erfordern, meist wesentlich weniger
ein Felsenfenster mit fehlender Aussicht
immer wieder Gehgelände
der markante Gratturm
am schönsten wird er knapp unterhalb umgangen und sofort wieder aufgestiegen
zu einer netten Gratstelle, die Simon in Angriff nimmt
plattiges schärferes Gratgelände
über ein paar Meter zum nächsten runden Kopf
bald darauf der Abstieg zur Mittagsscharte
mit ein paar Steinmännern gekennzeichnet
im Grunde aber nicht zu verfehlen weil keine andere Möglichkeit vorhanden
kurz vor der Scharte
zu Füßen die Mittagsscharte im Detail – links Tirol, rechts Bayern
Gratverlauf westlich der Mittagsscharte – etwas links in die Flanke entschieden wir
die Mittagsscharte im Rückblick
in der Südflanke nach der Mittagsscharte
endlich Besserung der Nebelsituation – die Mittagsscharte vom Grat danach aus gesehen
letzte Gratzacken die Klettervergnügen bereiten, dahinter Gehgelände zur Rotplattenspitze
Rückblick auf Grat und Obere Wettersteinspitze am Weg zur Rotplattenspitze
letzte Höhenmeter zur Rotplattenspitze
der Grat zur Rotplattenspitze im Rückblick
Simon am Gipfel der Rotplattenspitze, 2.399m

Steinmann markiert die Rotplattenspitze
Ausblick auf die Wettersteinwand, 2.485m und im Hintergrund auf die Zugspitze
Blick nach Norden – leider aller Ausblick im dichten Nebel verborgen
ein toller leichter Grat – markant, die Mittagsscharte mittig
das Gratgelände um den Gipfel der Oberen Wettersteinspitze herum – auch der Südanstieg erahnbar
Blick vom Wetterstein ins Karwendel
am Abstieg von der Rotplattenspitze auf deren Südgrat 
immer noch aufsteigende Nebel behindern die Sicht – links vom Gratrücken zu den Platten unterhalb des Gratkopfes war unser Ziel
oberhalb der Platten, rechts der Gratkopf
die Platten unterhalb des Gratkopfes – eine eindrucksvolle Stelle und toll zu begehen
Blick auf das Aufstiegsgelände, hinten rechts der Südgrat zur Oberen Wettersteinspitze
unterer Teil des Aufsteigsgeländes – an der Schnittkante (im Bild letztes Drittel rechts) der Kontur ist der Steig erkennbar
Abstiegsgelände von den Platten, teilweise ungemein steil
Rückblick auf den Gratkpopf links (im Schatten kommt man vom Südgrat herunter), rechts davon Dischlerklamm (Beginn tiefste Einsenkung am Grat)
der tolle Grat von unten
Wiedereinstieg in den Umgehungssteig bei zwei sich vereinenden Wasserrinnen – hier die rechte kleinere Rinne

Wiedereinstieg in den Umgehungssteig – Simon genau bei der Vereinigung, der Verfasser steht in der linken Wasserrinne 

Wiedereinstieg in den Umgehungssteig – am unteren Ende des Wiesenstückes befindet sich der Steinmann als Marke des Einstiegs der Umgehungssteiges (dort wo die Straße im Tal die Latschen schneidet)
Im unteren Teil des Umgehungssteiges
nach dem Ende des Umgehungssteiges – rechts neben Simon der rote Vogelbeerstrauch
Blick auf die Klamm
goldener Herbst…
von links: Rotplattenspitze mit dem markanten Schatten vom Gratkopf gebildet, der tolle Grat, Obere Wettersteinspitze und ganz rechts die Untere Wettersteinspitze
die Tour im Detail – eine tolle leichte Runde
hier drin wartet viel Arbeit…
Rundtour Obere Wettersteinspitze mit Gratüberschreitung zur Rotplattenspitze

Karkopf, 2.469m – Normalweg und Runde über Westseite

Ein leichtes Ziel über den Normalweg und Ausgangspunkt einer interessanten Gratüberschreitung – der Karkopf bietet einen Wanderanstieg und einen Kletterabstieg. Unser Ziel, die Gratüberschreitung zur Hohen Wand, konnte aufgrund des Nebeleinfalls an diesem Tag nicht realisiert werden, also nutzten wir zumindest das nebelfreie Fenster am Grat und erkundeten die erste interessante Stelle am Übergang.

Karkopf, 2.496m

Der Aufstieg zum Karkopf erfolgt vom Parkplatz „Lucke“ ein paar Gehminuten unterhalb des Strassberghauses von ca. 1.180m aus und führt zur Alplhütte, wo er etwa 200m nachher rechts abzweigt.

Wegverzweigung zum Wetterkreuz nach der Alplhütte

Dort beginnt der Steig zum Wetterkreuz, ein Vorplateau auf der hauptdolomitdominierten dunklen Gratrippe, die die Hohe Wand nach Südosten entsendet. Auffallend große Anteile Rauhwacken können in der zu querenden Geschieberinne gleich nach der Abzweigung gesichtet werden.

Blick zur Alplscharte und Hochwand rechts

Am gut gewarteten Steig geht es nun knapp 500Hm unterhalb und seitlich von beeindruckend abbrechenden Türmchen und Köpfchen der Raibler Schichten bis zum Wetterkreuz hinauf.

Auf der Grathöhe der Hintereggenrippe angelangt – Blick ins Inntal

Bei der ersten Berührung des Steiges mit der Grathöhe erblickt man nicht nur von toller Lage das Inntal gen Osten sondern bergwärts auch beachtliche Gehängebreccien, die aus dem Wettersteinkalkschutt des Kars oberhalb bestehen und mächtige Abbrüche in das Tal (AV-Karte „Tiergarten“) bilden.

Blick auf den Karkopf, im unteren Teil des Fotos sind die mächtigen Breccien ersichtlich

Gleich nach ein paar Gehminuten wird das Wetterkreuz auf etwa 1.920m erreicht, das wir in leichtem und kurzem Niesel antrafen.

kurz vor dem Wetterkreuz auf 1.920m

Das Kreuz – ein doppelbalkiges Kardinalskreuz – wurde 2001 von der örtlichen Alpenvereinsgruppe Hohe Munde neu aufgestellt und stellt eine Landmarke auf aussichtsreichem Punkt dar.

Simon studiert die weitere Strecke am Wetterkreuz

Am Wetterkreuz gabelt sich der Steig in den Anstieg zur Hochwand und in den zum Karkopf. Der Zweig zum Karkopf führt in einer großen Rechtskurve über Schutthügel zur Südflanke des Karkopfes.

der schöne Ostgrat zwischen dem Karkopf (rechts) und der Hochwand

In der Südflanke sind zunächst ein paar eher plattige aber feste Wettersteinkalkrinnen ansteigend zu queren. Die Südflanke besteht nun fast ausschließlich aus völlig festem Wettersteinkalk, was der Karwendelfreund erfreut feststellt.

Gipfelkreuz des Karkopfes vom Normalweg aus

Der verheißungsvolle Blick auf den Grat vom Karkopf bis zur Hochwand wurde am Tag unserer Begehung getrübt von sich stetig senkenden Nebelbänken und der Gipfel der Hochwand war schon länger nicht mehr sichtbar, was die Vorahnung auf eher schlechter werdendes Wetter verstärkte.

noch unterhalb des Grates am Weg zum Karkopf

Vom Wetterkreuz zur breiten Grathöhe des Karkopf Ostgrates benötigten wir ein knappe Stunde. Die Nebelgrenze änderte sich nicht mehr wesentlich und blieb bei etwa 2.550m konstant. Beide benachbarten Gipfel zum Karkopf, Hohe Munde im Osten und Hochwand im Westen befanden sich nun dauerhaft eingepackt im Nebel.

auf der Gratrippe östlich vom Karkopf; Hochwand leider bis weit hinab im Nebel

Am Gipfel des Karkopf frischte ein leichtes kaltes Lüftl aus Nordwest ziemlich auf, erforderte Windjacken und ließ die Finger während der Rast ansteifen, Herbst war eingekehrt.

vom Karkopf Richtung Osten zur Hohen Munde geschaut

Für unsere geplante Überschreitung herrschten keine optimalen Verhältnisse. Einen unbekannten Grat im Nebel lehnte der Verfasser ab und Evi uns Simon waren auch dieser Überzeugung. Statt der Überschreitung beschlossen wir alternativ den ersten, vom Karkopf aus den ersten sichtbaren Teil unterhalb des Nebels am Westgrat zur Hochwand zu erkunden.

Evis und Simon am Karkopf, 2.496m

Ein markanter Gratkopf mit einem deutlich sichtbaren Riß mutete sehr interessant an und weil wir ja genug Zeit hatten sollte das erste Stück zur Scharte und darüber hinaus der Anstieg über den ersten Kopf näher untersucht werden.

steiler Gratkopf nach der Scharte im Westen des Karkopfes

Der Abstieg auf der Westseite findet zunächst über etwas schuttiges Gehgelände zu einer Scharte statt, bei der eher der Eindruck entsteht, daß die folgende querstehende Rippe der ideale Abstieg wäre. Nach Erkundung der Westflanke der schmäler werdenden Rippe mußten wir feststellen, daß dies keine gangbare Variante war und versuchten von der Scharte aus den kurzen Abstieg nordseitig, um die Felsen gegen Westen näher einsehen zu können.

zunächst über Schutt zur Scharte vor der querstehenden Rippe, dort nordseitig abgestiegen

Dies stellte sich auch als die bessere Variante heraus, denn nach etwa 12m Abstieg (unter kleinen Schneeresten, die nicht ungefährlich sein können) konnte ein horizontales Felspodestchen erblickt werden, bei dem die weitere Route gleich in wieder in die südliche Flanke der Gratrippen führt und unter etwa 20Hm Höhenverlust zu einem breiten Band zwischen den hohen Felsrippen bequemes Weiterkommen zur nächsten querstehenden Rippe ermöglicht.

Abstieg nach der Scharte bis zum kleinen Podestchen im Westen (oberhalb Simons Rucksack sichtbar)

Dort befindet sich ein Steinmann, der nicht passiert wird sondern noch vor diesem wird die überbaute scharfe Gratschneide überquert. Dahinter befindet sich breites Gehgelände und der tiefste Punkt zwischen Karkopfgipfel und Ostgrat ist erreicht.

vom Podestchen südseitig abgestiegen zu einem breiten Band

Auf der Rampe der Gegenseite wartet schon der senkrecht aufragende Gratkopf mit einem außerordentlich schönen Kletterriss in bombenfestem Wettersteinkalk. Sofort konnten wir erkennen, daß diese Stelle eine Genußpartie sein würde und kletterten sie alle drei aufwärts bis zum oberen flacheren Teil, um die weitere Route einsehen zu können.

Überquerung der scharfen Rippe zur jenseitigen Rampe

Herrlich feste und bequem horizontale Tritte und Griffe finden sich am ersten Teil des Risses von unten.  Ausgeschwemmte Löcher und scharfkantige Felsoberflächen mit etwas weniger Tritten finden sich im etwas schwierigeren und einfallenden oberen Teil des Risses.

tolle Aufstiegsroute im Riss des Gratkopfes

Zwischen beiden Kletterteilen befindet sich Gehgelände über ein paar Meter. Im oberen Teil erschien Verspreizen im enger werdenden Riß als bequemste Aufstiegsmethode, wobei links Löcher im Fels und rechts Rippen zum Klemmen als Griffe dienen.

Simon im unteren Teil des Risses

Der Riss unten wäre mit II- einzustufen, der obere Teil mit III-, eher nicht mehr. Der Abstieg vom Karkopf bis zur Scharte kann in Summe mit II bewertet werden.

oben am Gratkopf – Nebel macht den weiteren Aufstieg am Grat zunichte

Die Aussicht auf weitere Erkundung war wegen Nebels nicht gegeben, worauf wir den Gratkopf wieder abkletterten. Selbst das Abklettern gereichte zum Genuß im wunderbar festen Fels und wir freuten uns schon auf den nächsten Versuch bei besseren Verhältnissen.

Blick zwischen unterem und oberem Teil des Aufstieges vom Gratkopf hinab

Nicht ganz am tiefsten Punkt, sondern gleich nach ein paar Metern ostwärts zieht eine leicht begehbare abgestufte Felsflanke über südfallende Wettersteinkalkplatten zum Normalweg hinunter, die auch als Notausstieg dienen könnte, sollte jemand mit dem ersten Gratkopf Schwierigkeiten haben.

Rückblick zum Karkopf – der Abstieg ist hinter den glatten Platten versteckt

Zuerst über felsiges, dann zunehmen schrofigeres Gelände geht es durch die „Karseite“ etwa 150Hm auf den Normalweg zurück und hinab zum Wetterkreuz.

Abstieg durch die „Karseite“ vom Gratkopf aus aufgenommen

Ein paar Steilstufen mit etwa ein bis zwei Meter Mächtigkeit werden leicht über Durchschlupfe abgestiegen.

Simon beim Studieren welche Route durch die Karseite die leichteste ist

Auf der Alplhütte nahmen wir ein tolles Mittagessen ein, die Mädels dort verstehen ihr Handwerk.

Evi beim Abstieg durch eine Steilstufe

Die gesamte Tour – wegen Nebels ja leider abgebrochen – incl. Pausen nahm knapp sieben Stunden in Anspruch, 1.350Hm waren zu bewältigen.

Mils, 07.10.2018

Erlspitze Ostgrat, 2.405m

Die wilden Zacken der Grate in der Seefelder Gruppe des Karwendels lassen immer auf ein interessantes Abenteuer hoffen und der eher in Vergessenheit geratene, selten begangene Ostgrat zur Erlspitze  versprach dem Verfasser eine schöne kurze Herbsttour zu werden.

Erlspitze, 2.405m mit Karwendelhauptkette

Der Anstieg erfolgt auf schmalem Steig vom Solsteinhaus wenige Hundert Meter nordöstlich und bereits auf der Höhe der Erlalm links abzweigend bis zu einem Steindenkmal.

Der Ostgrat der Erlspitze

Knapp nach dem Denkmal gabelt sich der Steig wobei laut AV-Führer der oberste abzweigende Steig eingeschlagen wird und diesem etwa 10min gefolgt wird.

bereits auf der Abzweigung – Rückblick zur Erlalm

Er führt in Auf und Ab über ein paar Rippen, die vom Grat herunterziehen und zwischen diesen durch ein paar kleine Schluchten die durch Geröllabgang im Sommer an mancher Stelle den Steig beeinträchtigt haben. Es gibt jedoch derzeit keine unpassierbare oder zweifelhaft gefährliche Stelle.

der obere Steig ist die Empfehlung

Anhand der Karte müßte der untere Steig ebenfalls wieder mit dem oberen zusammentreffen, um die Schluchten bzw. Rinnen zu vermeiden, das gilt es auszuprobieren.

am oberen Steig

Das „Klamml“ (gem. Kartenbezeichnung) bot dem Verfasser eine Miniquelle zum Wasser tanken, jedoch kann auf das Vorhandensein dieses Rinnsals keine Garantie gegeben werden, zu unergiebig scheint sie für eine dauerhafte Quelle zu sein.

die Gratrippe Richtung Jöchl

Sie liegt auch bereits höher als 1.800m und der Karwendelkenner weiß, daß in dieser Lage kaum mehr Quellwasser anzutreffen ist, wobei dies im Hauptdolomit, in dem man sich in der Seefelder Gruppe befindet, wieder anders ist. Der Hauptdolomit mit seinen zahlreichen feinen bis feinsten Klüften dürfte als Wasserleiter und -speicher ideal sein.

Wasser auf gut 1.800m

Nach dieser Stelle (siehe Foto) führt der Steig in kurzen Serpentinen in sehr brüchiger, teilweise nur kieskorngroßer Felsqualität steil zur Grathöhe hinauf. Eine Verwitterungsform des Hauptdolomits besteht in sehr kleinstückigem polygonalem Korn – Grus, wie der Geologe sie nennt. Diese Verwitterungserscheinung begleitet den Bergsteiger über den gesamten Grat.

auf der Gratrippe angelangt, letzter Rückblick Richtung Solsteinhaus

An der Grathöhe angelangt mache man nicht den Fehler des Verfassers und schreite entschlossen dem Steig entlang über die nächste Rippe weiter, sondern blicke sofort nach den ersten Metern in der Bergwiese links auf den sich ausbildenden Ostgrat hinauf.

Der Ostgrat schon ausgeprägter zu sehen

Eine deutliche, sich trichterförmig verengende Latschengasse bildet sich direkt am Gratbuckel aus, der weiter gefolgt wird und die zu einem Vorkopf des schärferen Grates führt.

die Latschengasser mit Rückblick auf die wiesenbewachsene Gratrippe

Der Vorkopf ohne Latschenbestand ist rasch erklommen. Am Weg dorthin öffnet sich ein Blick auf die Fleischbanktürme im Nordwesten der Erlspitze, die am Beginn eines Zweiggrates von der Erlspitze nach Norden zunächst ein wild gezacktes Gratabenteuer bieten. Juergen hat sie besucht und einen Bericht über diesen Anstieg zur Erlspitze verfasst.

Blick nordwestlich auf die Fleischbanktürme

Am obersten Punkt des Vorkopfes blickt man in ein bizarres Felsengewirr mit vielen vertikalen Schichtrippen mit Schuttreisen zwischen den Rippen und fragt sich zunächst, wo denn hier der Einstieg zu finden sein könnte.

Anstieg auf den Vorkopf

Die Rippen hinter dem noch wiesenbewachsenen Vorkopf sehen alles andere als leicht aus, die Bewertung II träfe für sie niemals zu.
Aber der Einstieg will erkundet werden und so schreitet man an einem riesigen Felsenfenster nach Norden zum Ende des Vorkopfes und erkenn, daß zwischen ihm und den jenseitigen Felsen ein unüberwindbarer Felsabbruch liegt.

Rückblick nach Abstieg

Also muß das Glück etwas tiefer liegen – waren die ersten Gedanken – und schätzungsweise 40Hm mußte der Verfasser verschenken, um zu einer schuttgefüllten, sehr steilen Rinne zwischen dem äußersten Flankenteil des Berges und dem Bergstock selber zu gelangen um dort den einzig machbar erscheinenden Aufstieg zu einer hoch liegenden Scharte zu gelangen.

durch diese hohle Gasse muß er kommen…ein mühsamer Aufstieg

Im Verschnaufen vom schweißtreibenden und unangenehmen Aufstieg über Schotter und Erdmatarial auf die bergseitige Flanke des Westgrates geblickt, kann so gut wie keine weitere Route ausgemacht werden. Das Abenteuer durch den komfortablen Riss steil aufzusteigen muß in Angriff genommen werden, um überhaupt zu wissen, ob der Anstieg durch die Rinne richtig war oder nicht.

oben an der Scharte angelangt; der Vorkopf und der Abstieg zum Beginn der Rinne deutlich zu sehen

Zum Glück ist der Hauptdolomit an diesem Einstieg fest und es bieten sich genügend – wenn auch kleine – Griffe und Tritte durch die geheimnisvolle Rinne hinauf (leider ist das Foto dazu unscharf geworden). Die Schwierigkeitsbewertung die im Führer mit II benannt wird ist hier vorhanden, alles andere am Grat ist leichter.

die bergseitige Gegenseite der Scharte

Erleichtert kann oben festgestellt werden, daß es in Gehgelände weitergeht. Die Frage stellt sich nur, ob der Anstieg zum Grat selber richtig ist, oder eine Rampe unterhalb eines auffallend orange gefärbten Felskopfes.

Aufstieg mit Eigenorientierung – orange gefärbter Fels mit Rampe darunter wird sich später als Aufstieg erweisen

Natürlich versucht der Karwendelgeher immer möglichst hoch zu bleiben und entdeckt dabei am Grat einen Durchschlupf unterhalb eines Felsturmes der die Züge eines Basilisken trägt. Ein imposantes Gebilde am Ostgrat.

ein Basilisk auf der Grathöhe, durch das Schärtchen wurde angestiegen

Nach dem Erklimmen des Schärtchens zwischen Basilisk und Felskopf mußte der Verfasser leider feststellen, daß die Hinterseite am Grat im Alleingang nicht gangbar ist, denn die Griff-. Und Trittflächen sind zu sehr abgewittert und von Hauptdolomitgrus bedeckt (Fotos leider unscharf)

die Gegenseite des Schärtchens – ungangbar, zu brüchig

Also bleibt nur der Abstieg durch die Rinne zwischen dem eben erklommenen Gratstück und dem folgenden.
Die Rinne endet just dort, wo die Rampe unter dem farbigen Fels beginnt – das Gefühl hat nicht getäuscht.

nach dem Abstieg zur Rampe erfolgt hier der weitere Aufstieg

Anschließend folgt ein weiterer kleiner Aufschwung, der erstmals kurz abgeklettert werden kann, um jenseits einer Rinne wieder aufzusteigen. Leider ist das kurzzeitige Klettergefühl nur von kleiner Höhe und all die folgenden weiteren Gratrippen sind gleichartig geschichtet.

weiterer Aufstieg zunächst über schroffiges Wiesengelände

Türme können erklommen werden, jedoch führt der Grat nicht auf gleicher Höhe weiter, jede Anhöhe muß an ihrer Hinterseite wenig oder auch tiefer abgeklettert werden und das in recht brüchigem Fels – ein eher mühsames Unterfangen.

Rückblick nach der nächsten Rippe

Gegen Ende des Grates erhebt sich eine letzte hohe Rippe mit einem tollen Blick auf die Erlspitze bei dem der Bau des Berges mit seinen ausgeprägten Rippen und verwitterten Zwischenräumen der Nordflanke deutlich sichtbar wird.

Blick nach Westen zur Erlspitze mit gewaltiger Nordflanke

Leider muß auch diese letzte Rippe südseitig abgeklettert werden – da deren Westflanke sogar einfallend geneigt ist und kein Weiterkommen bietet.

die Rippen bieten bizarre Aussichten

Anschließend befindet man sich im Gehgelände und erreicht über Bergwiesen in 20min den Normalweg vom Solsteinhaus und in weiteren 5min den Gipfel der Erlspitze.

der Ostgrat der Erlspitze im Rückblick

Am Weg dorthin fällt noch die schöne grazile Gipfelstürmernadel auf, die man gesehen haben sollte.

Gipfelstürmernadel, 50m misst sie von Süden gesehen

Die Erlspitze bietet wunderbare Ausblicke.
Gegen Osten auf die mächtigen Felsmassive der Solsteine und weiter auf die Nordkette.

Gipfelblick auf Nordkette

Gegen Westen auf die Kuhljochspitze, die Freiungen und bis zu Reither- und Seefelderspitze im gemeinsamen Kamm.

Blick nach Westen auf die restliche Seefelder Gruppe

Nach Norden von Mittenwald bis zu allen Gipfel der Karwendelhauptkette.

Nordgrat mit Fleichbanktürmen

Der Abstieg zum Solsteinhaus erfolgte auf dem Normalweg. Eine Variante wäre den Westgrat zu nehmen (Zirler Klettersteig) und über die Eppzirler Scharte zum Solsteinhaus zu gelangen.

Solsteinhaus in der Tiefe

Als Empfehlung kann der Anstieg über den Ostgrat nur jenem gegeben werden, der gerne alte Routen sucht bei denen die Orientierung ausschließlich durch Eigeneinschätzung erfolgt, Das Fehlen von Markierungen und Steinmännern macht dies notwendig.

Karwendelhauptkette im Norden

Der Gratkletterer wird in seinen Erwartungen weitgehend enttäuscht.
Eine Karte der Route befindet sich in der Galerie.

Ostgrat vom Abstieg aus betrachtet

Für die Anreise vom Bahnhof Hochzirl bis zum Solsteinhaus wurden zwei Stunden benötigt. Für den Zustieg zum Ostgrat und den Aufstieg bis zum Gipfel gut zweieinhalb Stunden. Für Abstieg, eine tolle Knödelsuppe und der Rückreise nach Hochzirl nochmals drei Stunden. In Summe wurden 1.660Hm Aufstieg zurückgelegt.

Mils, 30.09.2018

Lüsener Fernerkogel Nordgrat, 3.299m

Bereits während der Anfahrt durch Gries im Sellrain fällt der Blick sofort auf den dominierend schönen Gipfel des Lüsener Fernerkogel am Ende des Lüsenstales. Als freistehende und höchste Erhebung im Tal wird er sowohl im Sommer als auch im Winter häufig begangen und ein schöner Aufstieg im Sommer ist sein Nordgrat, der gemäßigter ist als sein Name vermuten läßt.

Manuel am Lüsener Fernerkogel

Zur alpinen Schwierigkeit dieses Anstieges sei gesagt, daß es sich großteils um leicht zu begehendes steiles Wiesengelände im unteren Teil handelt und um leichte Felskletterei im oberen Teil. Die größten Schwierigkeiten werden angetroffen bei der Begehung in Gratnähe bzw. direkt dort – und sie sind bei II anzusiedeln, jedoch nur auf einzelne Stellen begrenzt. Der  Anstieg führt in der Hauptsache durch Gelände mit der Bewertung I+. Die Wahl des Anstieges liegt im Ermessen des Begehers und die Bewertung variiert dadurch. Knapp an der Gratkante finden sich auch ein paar Stellen für die III vergeben wird.

der Lüsener Fernerkogel am frühen Morgen

In der Literatur werden mehreren Schreibweisen gepflegt, sie reichen von „Lüsener“ bis „Lisener“ und mit und ohne dem abschließenden „s“ abgeleitet von der Ortsbezeichnung Lüsens, geologische Arbeiten des frühen 20. Jhdts spricht teilweise von „Lisenz“. Die Nachforschung des Namensursprungs führt zu keinem wirklich befriedigend klaren Ergebnis. Einerseits wird eine Abwandlung von dem Lawinen bezeichnenden Wort „Lehn“ beschrieben, andererseits, in der sehr empfehlenswerten Bergsteigerdörfer-Broschüre „Alpingeschichte kurz und bündig“ von Georg Jäger, eine Abwandlung von der ursprünglichen Bezeichnung „Malusinus“ der frühen breonischen Einwohner im Sellraintal.
Weil sich vorgenannte Broschüre mit örtlicher Geschichte befaßt und diese Schreibweise wählt wurde auch in vorliegendem Bericht die Bezeichnung „Lüsener“ Fernerkogel gewählt.

die gewaltige Mauer – später unser Abstieg

Zu dritt starteten wir bei frischen Temperaturen gegen halb acht am Parkplatz in Lüsens dem schönen Talabschluß entgegen, stets die „Mauer“, den typischen Talstufensprung in den Staubaier Alpen im Blickfeld. Die Mauer mißt 1.000Hm vom Talabschluß bis zur Gletscherkante und stellt im Winter den langen mühsamen Aufstieg auf den Lüsener Ferner und etwas später am heutigen Tag, unseren Abstieg dar.

Blick auf die Nordflanke des Lüsener Fernerkogels – links im Hang (links der Bildmitte) ist es leichter

Unser Anstieg leitet uns westlich ebenso über eine Talstufe ins Längental zur Längentalalm, wo der Nordgrat direkt in Angriff genommen wird. Diese Talstufe mißt knapp 250Hm und endet bei der Alm nicht ganz auf 2.000m.
Dort wird unter der Seilbahn zum Westfalenhaus der Wandfuß über weit hinaufreichende Almrosenstauden erreicht. Ein quer zur Hangrichtung anzutreffender Steig verführt in Richtung Ostflanke des Berges und wird nur überquert, man folgt ihm nicht.

Wiesengelände bis unterhalb der ersten Felspassage

Den Einstieg durch den ersten Abbruch in die Nordflanke – unten wo es leichtere und etwas schwerere Durchschlüpfe auf den Nordgrat gibt kann man mit etwas Gefühl für das Gelände das seinige wählen und entsprechend über Wiesenbänder dorthin aufsteigen – wählten wir am äußerst westlichen Teil der Flanke, also nicht über die leichteste Route und mittlerweile unter erwärmender Sonnenbestrahlung.

wir wählen einen Durchstieg weit rechts im schwierigeren Teil des Geländes

Oberhalb der untersten Abbruchfelsen wird bis zur nächsten Felsstufe über ein langgezogenes Wiesenband aufgestiegen. Der sogenannte Nordgrat bildet sich erst weiter oben aus und dann  auch nur über kurze Teilstücke. Im gesamten müßte also eher von der Nordkante, als vom Nordgrat gesprochen werden.

kleine Kletterpassagen nach der Querung zu überwinden

Nach dem Wiesenstück beginnt das typische Gelände mit Geh- und Kletterpartien im Wechsel. Meist mit guten Griffstellen und immer im festen Fels – wir haben es am Lüsener Fernerkogel mit Alpeiner Kern-Grantigneis des Ötztal Kristallin zu tun – geht es über plattige und wieder blockige Passagen die Gratkante in feiner leichter Kletterei hinauf, auch immer wieder im Gehgelände.

Manuel im Mittelteil der untersten Felspassage

Steinmänner hin und wieder säumen den Aufstieg bis weit oben hin, wo sich die blockigen Abschnitte ausgeprägter zeigen und auch aufgrund der vorgezeichneten Kante weniger sinnhaft sind.

Abschnitt oberhalb der ersten Felspassage über Bergwiesen


Auf etwa 2.700m trafen wir an einer etwas kniffligeren Stelle auf Sven aus Ulm der mit der Stelle nicht ganz klar kam, worauf wir ihm den nötigen psychologischen Schubs angedeihen liesen und Simons helfende Hand. Über den restlichen Aufstieg hängte er sich dann bei uns an und quasselte unentwegt.

der Nordgrat wird felsiger

Ab etwa 2.600m beginnt die reine Felsstrecke mit einigen schönen Passagen. Die schönste erschien dem Verfasser der breite Gratkopf mit dem weißen Eckpfeil der gerade überklettert werden kann und einen Hauch von Gratkletterei darstellt.

einige schöne Passagen am Grat – und sie werden mehr

Durch den vernachlässigbaren Abstieg auf der hinteren Stirnseite wird das Erlebnis kaum getrübt.

Manuel und Simon folgen am Gratkopf

Im Übermut zogen wir sogar in Betracht das einladende Band auf seiner Westseite vom Schärtchen aus zu begehen, das allerdings auslief und in einer unsinnigen Fortsetzung endete.

Breiter Grieskogel und Strahlkogel rechts

Der Gratkopf bietet einen schönen Blick auf das Finale der Nordkante auf etwas erhöhter Standfläche gegenüber der Fortsetzung des Aufstieges. Atemberaubend gebautes Blockwerk auf der Südseite bildet den Restaufstieg zu einem dem Gipfelaufbau vorgelagertem Sattel.

noch nicht sehr lange ausgeapert

Der Restaufstieg von dort auf den Gipfel ist gut einsehbar und die frische Biotitgranitgneismasse in der direkten körpernahen Begegnung auch optisch schön anzusehen. Frisch – bei Millionen Jahre altem Gestein nicht im Alterssinne zu verstehen – nach Einschätzung des Verfassers weniger aufgrund von verwitterungsbedingtem Zerfall geprägt, eher nur seit ein paar Dutzend Jahrzehnten eisbefreite Gesteinsmassen. Fehlender Flechtenbewuchs bei den hellsten und daher schönsten Partien verstärkt die Vermutung. Junger Bruch einer Gratformation scheidet aufgrund von fehlenden hellen Trümmern an beiden Basisflanken aus.

Rückblick auf das Sattelchen

Dieses Rätsel und herrlich feinstrukturierte Felsfacies begleiten nach dem Sattelchen über die letzten 100Hm Aufstieg zum lange erarbeiteten und stolzen Gipfel des Lüsener Fernerkogel – ein wirklich lohnenswertes Ziel an der Begrenzung eines der größten Gletschers in den Nördlichen Stubaier Alpen.

knapp unterhalb des Gipfels

Am relative kleinem Gipfelbereich des Lüsener Fernerkogel überwältigt bei der Ankunft die Aussicht nach Süden. Alles war in dem Stubaiern an Gipfel bekannt ist kann von dort aus wunderbar eingesehen werden.

Lüsener Fernerkogel, 3.299m

Im Osten beginnend mit der Hohen Villerspitze und den dahinterliegenden Kalkkögeln bis über den Habicht, Knotenspitzen, Seespitzen, Ruderhofspitze und über die Gratabsenkung des Alpeiner Ferners in der Ferne den Sulztalferner mit den beliebtesten Gipfeln des Wilden Pfaffs und des Zuckerhütls bis hin zum mächtigen Schrankogel.

Rundblick über die Stubaier von Südosten nach Südwesten

Ebenfalls bis weit hinein in die Ötztaler Alpen reicht der Blick – selbst die immerhin 30km entfernte Wildspitze scheint zum Greifen nahe. Genau in ihrer Blickrichtung liegen im Vordergrund auch die beliebten Schitourenziele Bachfallenkopf und Längentaler Weißer Kogel.

Alpeiner Ferner und Wilder Pfaff sowie Zuckerhütl im Hintergrund

Im Westen fällt nördlich neben dem Breiten Grießkogl der Strahlkogel auf, der höchste und schönste Gipfel der Larstiggruppe und den nördlichsten, gerade noch sichtbaren Gletscher bildet der Gleirschferner.

Hoher Seeblaskogel links, Breiter Grießkogel mittig und Strahlkogel rechts

Die Gipfelrast mit der schönen Dreitausender Parade liesen wir uns eine Dreiviertelstunde kosten, bevor wir durch die Südflanke zum Rotgratferner abstiegen. Dieser Abstieg ist im Winter Schiabfahrt, im Sommer eine brüchige Angelegenheit und mit Bedacht zu begehen. Gruppen sollten nicht zu große Abstände lassen, um der Gefahr von Steinschlag vorzubeugen.

sehr vorsichtig absteigen ist hier das Gebot

Am Rotgratferner bestand eine 15cm starke Schneeauflage und zur Querung bis zum Abstieg durch die breite Rinne zur Mauer taten die Eisen gute Dienste. So ganz flach, wie vom Gipfel aus vermutet ist der Ferner nicht.

die Hangneigung ist beachtlich

Jenseits des Gletschers versperrten kleine Schrundspalten den Weg und wir stiegen etwas weiter hinab, um in das felsige Gelände unterhalb der Rotgratspitze zu gelangen. Dort konnten wir uns auch wieder der Eisen entledigen.

wieder auf festem Fels angelangt

Viel ist nicht mehr über vom Rotgratferner und die erst kürzlich ausgeaperten geschliffenen Felsen boten einen interessanten Abstieg über unverwitterte Felsoberflächen.

Rückblick auf den Lüsener Fernerkogel

Über viel Schutt im unteren Teil erreichten wir den langen Felsriegel der Mauer, die hinab in Lüsenstal führt. Obwohl diese Felsen schon viele Jahrzehnte ausgeapert sind zeigen sie erstaunlich wenig Zeichen von Verwitterung, die logischerweise nach unten hin allmählich zunehmen.

Abstiegsrinne

Wir haben nicht den Normalweg über die Mauer an die Ostseite des ehemaligen Gletschers genommen, da die direkte Variante erkundet werden sollte – die „Innere Räuhe“.

der Gletscher hat schöne Formen herausgearbeitet

Im untersten Teil braucht es dafür etwas Spürsinn, um den Abstieg durch die Felsen zwischen den Sturzbächen zu finden. Wer im Winter dort die Schitour absolviert hat, der sollte die richtigen Passagen finden. Im Zweifelsfall kommt man äußerst im Abstieg links, also westlich, leicht hinab.

glatte Partien zur Übung der Reibungskletterei

Den Abschluß bildete wie immer ein Besuch im Gasthof Lüsens von dessen Terrasse aus der Großteil der schönen Tour eingesehen werden kann.

am Ende des Schwemmkegels

Für die gesamte Tour mit allen Pausen benötigten wir in gemütlichem Tempo 9 ¾ Stunden bei 1.660Hm Auf/Abstieg.

die Tour vom Gasthaus Lüsens aus gut einzusehen

Mils, 09.09.2018

Sonnjoch, 2.457m

Ein letzter mächtiger Ausläufer des Karwendelhauptkammes vor dem Achensee, der Sonnjochkamm, trägt als höchste und namensgebende Erhebung das schöne Sonnjoch. Freistehend zwischen der Lamsenspitze und dem nächst höchsten Gipfel im Kamm, der Schaufelspitze, bildet der massive Felsbau des Sonnjoches von allen erdenklichen Positionen des Karwendels aus den auffälligen Blickfang einer recht gleichseitigen Pyramide.

Sonnjoch, 2.458m

Darüber hinaus hat sie hat auch geologisch einiges Besonderes für Karwendelverhältnisse zu bieten wodurch ihre Ersteigung also nahe lag.
Allerdings wollte der Verfasser nicht den Normalweg von Süden als den Aufstieg wählen, sondern den wesentlich reizvolleren und rassigeren Steig über den Bärenlahner, der bergsteigerisch und auch landschaftlich viel mehr zu bieten hat.

vom Sonnjochgipfel zum Achensee geblickt

Aus dem wunderbar alpinen Anstieg und dem leichten Abstieg über die Südwestflanke mit Besuch des Gramei Hochlegers läßt sich somit eine interessante Rundtour schmieden, die einen wenig begangenen Aufstieg und einen – bei viel Gegenverkehr – gut nutzbaren breiten Abstieg bietet, sodaß der eher schnellere Geher nicht verzagen muß. Die Runde eignet sich für ein Halbtagesunternehmen.

das mächtige Felsmassiv des Sonnjoches

Allerdings bietet die Mautstraße am Ausgangspunkt nicht viel Platz zum Parken, sodaß ein frühmorgendlicher Aufbruch nicht nur mit einem vielleicht sogar schattigen Abstellplatz bei der Rückkehr am Nachmittag, sondern auch mit nur leichter Sonneneinstrahlung über die Bergänger hinauf bis zum Bärenlahner belohnt wird. Die Änger sind durch ihre südöstliche Lage bereits ab dem Sonnenaufgang im effektivsten Winkel voll bestrahlt.

Steig von der Falzhurntalstraße

Zu Beginn des Steiges, der sich zunächst einige Minuten flach in Richtung Bachbett hinzieht, fällt am Wegweiser des Tourismusverbandes der Hinweis auf, daß für den Steig gewisse Voraussetzungen vonnöten sind und dies mag als Ausnahme für diesen Steig auch vom  Verfasser bestätigt werden. Für einen Wanderer ohne alpine Erfahrung ist der Steig nicht geeignet und es ist leicht möglich, daß so mancher Ungeübte im oberen Teil innerhalb der steilen Nordostflanke in Bedrängnis gerät.

der Bärenlahnersattel ca. 700Hm oberhalb

Bevor der Steig steiler wird und in den Mischwald rechts dem Bärental eintaucht kreuzt er noch den Bach, einmal nach links und gleich wieder zurück nach rechts im Aufstieg.
Der Wald spendet über schätzungsweise 250Hm Höhenmeter im August bereits am Vormittag wohltuenden Schatten.
Am Ende der Waldstrecke quert der Steig einen steilen Anger mit einer kleinen Hangrutschung, worauf gleich danach, etwas unterhalb des Steiges oberhalb eines höheren Abbruches , eine Quelle zum Auftanken der Wasservorräte genutzt werden soll, dies ist die einzige wasserführende Stelle im Anstieg.

Rückblick oberhalb des Waldes

Weiter wird über Bergwiesen mit wenig Bewuchs angestiegen, abgesehen von einem gleich folgenden und dichten letzten Latschenfeld, zur Rechten immer dichter an die Felsmauer der Schaufelspitzensüdwand annähernd.

Querung oberhalb des Waldes

Weiter oben, die 1.700m Marke bereits überschritten, bildet sich rechts ein Schuttkar mit Brocken der hohen Wand oberhalb und links davon die weiterhin wiesenbedeckte Rippe von den weniger beeinflussenden Gratpartien des Grates zum Sonnjoch aus. Der Steig wendet sich auch eher nach links, den Wiesen folgend.

Aufstieg durch Reichenhaller Schichten

Auf den letzten 200Hm zum Bärenlahnersattel auf 1.993m, knapp 700Hm nach dem Start im Falzthurntal,  kann linkerhand eine besondere Felsformation betrachtet werden, die sich vom sonst dominierenden Wettersteinkalk abhebt, die Reichenhaller Schichten, ebenfalls Kalkgestein, jedoch älter und aus seichterem Ursprung des Meeres.

die senkrechte Wand der Schaufelspitze deren unterer Sockel aus Muschelkalk gebildet wurde

Am Bärenlahnersattel wird ein toller Blick gen Westen, zur Gamsjochspitze und dahinterliegend zur imposanten Falkengruppe, mit dem auffällig massigen Massiv des Laliderer Falks erreicht. Die kecke Felsspitze hinten mittig ist die Steinspitze, der Südliche Falk.

am Bärenlahnersattel gen Westen zur Sonnjochgruppe geschaut

Der Blick gegen die Abbruchkante zur Schaufelspitze läßt den IVer im oberen Teil deutlich vermuten. Der Wunsch einer Gratüberschreitung des gesamten Sonnjochkammes mag bei vielen, so auch beim Verfasser, an dieser Wand scheitern – vor allem, wenn sie im Abstieg genommen werden soll. Vom Falzthurnjoch bis zur Schaufelspitze können die Überschreitungen auf diesem Blog nachgelesen werden, nicht aber diese Wand.  Vielleicht noch nicht.

die Südkante zur Schaufelspitze – mit Stellen IV

Am Bärenlahnersattel beginnt ein Gratabschnitt, der mit etwas Auf und Ab aber grundsätzlich stetiger Steigung nach Süden gegen die Nordostflanke des Sonnjoches hin führt.
Die AV-Karte täuscht hier etwas, der Grat ist einerseits strukturierter als dargestellt, andererseits seine Lage im oberen Teil weiter in der Ostflanke, denn am Grat. Dieser Abschnitt ist der rassige und für den bloßen Wanderer nicht geeignete.

etwas westlich des Grates geht es weiter zum Sonnjoch

Über Wiesen geht es zunächst etwas westlich der Abbruchkante zum Bärenlahner dahin. Gleich fällt die gewaltige Schichtstärke der Wettersteinkalkplatten an der dunklen Nordflanke des Sonnjoches auf. Es ist diese eine der stärksten Ausprägungen im Karwendel. Und nicht nur die Schichtstärke sondern auch der eigenartige Verlauf der Abbrüche, der Rätsel über die Ursache der sonderbar u-förmigen Abbrüche mit langen Gleitbahnen aufgibt.

Gratverlauf zum Sonnjoch – der nächste nicht mehr bewachsene Gratkopf besteht aus Muschelkalk und wird westseitig umgangen

Angesichts dieser Erscheinungen wird der sich im Aufstieg zum letzten Felskopf vollziehende geologische Wechsel zwischen Wettersteinkalk und Muschelkalk übersehen. Der letzte schräg gelagerte und im Abstieg zu umgehende imposante Gratkopf ist bereits aus Muschelkalk gebildet. Für den Laien kaum sichtbar, mit der Investition von etwas Zeit aber strukturelle Unterschiede in Form, Farbe und Oberfläche erkennbar.

imposante Abbruchszenen des Wettersteinkalksockels an der Sonnjoch Nordflanke

Der Aufstieg aus der westlichen Umgehung erfolgt über unangenehmes Schuttgelände, über den Steig dicht neben der Felskante angelegt. Etwas leichter mit weniger Rutschgeröll kann der Aufstieg weiter rechts in mehr blockigerem und festerem Schuttgelände erarbeitet werden.
Oben gelangt man in eine kleine Scharte hinter der man endlich Klettergelände vermuten würde und das Gegenteil zutage tritt.

dieser Muschalkalkkopf wird durch kurzen Abstieg und längerem Aufstieg im Schutt westseitig umgangen

Wiesendurchsetzte Geländepartien leiten um eine Kante herum in die Ostflanke des Sonnjoches und die Kletterei läßt auf sich warten. Dieser Abschnitt scheidet unter den Begehern die Streu vom Weizen, denn nun befindet man sich in einer steilen Flanke, die nicht jedermanns Sache ist.
Sie führt in wenigen Serpentinen hinauf zum Grat, immer in wiesendurchsetztem Gelände und unschwierig für den der solche Partien gewohnt ist.

am Ende des Aufstieges in der Gratscharte zurückgeblickt

Der untere Teil des Sonnjochmassives besteht aus dem üblichen Wettersteinkalk im Karwendel, dessen Ausbildung auch im Norden in äußerst imposantem Plattenbau zu besichtigen ist. Gewaltige ausgebildete Plattenstärken von Wettersteinkalk, die – für Karwendel – in fast einzigartigen Dimensionen mächtiger Abbrüche ins Grameikar zu sehen sind.

der imposante Gratturm aus Muschelkalk gebildet

Dem empfindsamen Naturbeobachter fällt die ungewöhnlich dunkle Farbe des Deckgesteines am Sonnjochplateau und dem Rücken zum Südwestabstieg so richtig  ins Auge.

Blick in die Ostflanke – hier wird zunächst über Wiesen- und Felsbänder aufgestiegen

Er kennt eine solch untypische Kombination von Erscheinungsbild und Farbe von seinen Karwendeleindrücken kaum bis gar nicht. Es handelt sich um den alpinen Muschelkalk, der optisch just an der Südflanke und am Gratrücken des Sonnjoches besonders augenfällig in Erscheinung tritt. Tatsächlich bildet Muschelkalk das obere Drittel der Sonnjochpyramide, aber am Rücken zur Südwestflanke erkennt ihn mit etwas Beobachtungsgabe auch der Laie.

kurze Kletterstelle – leicht

Weiter unten an der Südwestflanke treten nicht minder imposante Reichenhaller Breccien auf, die oberhalb der Schafrinne den Steig hinab zum Gramei Hochleger mit bizarren Türmen und steilen Abbrüchen deutlich vom östlichen Teil der Bergflanke scheiden.

Rückblick in die Ostflanke

Die Überschiebung des Karwendels mit Gesteinsschichten unterschiedlichsten Alters ist hier besonders gut zu erkennen und der Blick auf die gegenüberliegende Seite im Süden zum Hahnkampl zeigt erneut anderen Fels und zwar vorwiegend Hauptdolomit mit eingelagerten Raiblerschichten. Farbe und Form in deutlichem Unterschied zur Südwestflanke des Sonnjoches – eine geologische Party mit Nachbarn aus allerlei Zeiten – deren unterschiedliches Alter in Millionen von Jahren jeder Vorstellung entbehrt – dicht an dicht gelagert.

ein paar Minuten zum Gipfel des Sonnjoches

Zum Kessel des Gramei Hochlegers hin ist es für den geologisch Interessierten augenscheinlich vorbei mit Entdeckungen, die zunehmende Almwiesenfläche verdeckt das Grundgestein.

Rückblick auf den tollen Anstieg – unten am Grat der Muschelkalkkopf

Dafür tritt die Almwirtschaft mit Jungrindern optisch und zunehmend akustisch ins Blickfeld. Zahlreiche Gruppen von Galtvieh bevölkern die Wiesen neben dem Steig und sie sind an den sonderbaren Artgenossen, die mit nur zwei Beinen im Leben stehen und mit unpassenden Farben am Leib und mit Gepäck am Rücken durch die Gegend stolpern rein gar nicht interessiert, wie es eben äußerst aggressive behornte Untiere so an sich haben.

Blick vom Sonnjoch nach Westen ins Zentralkarwendel – im Vordergrund Muschalkalkterassen

Die Schutzhütte am Gramei Hochleger sollte nicht links liegen gelassen werden. Zum einen bietet sie einen phantastischen Blick in den Kessel zu Hahnkampl und Grameijoch sowie zu den bizarren Hauptdolomitbauten des Rauhen Knöll und der Rappenspitze, zum anderen lohnt das kulinarische Angebot eine Rast in jedem Fall.

der Muschelkalkkopf des Sonnjoches vom Westen aufgenommen

Unterhalb der Alm führt ein Steig mit ungeahnter Schönheit talauswärts hinab durch prächtige Bergwiesen, gespickt mit dem Blauen Eisenhut – von alters her ein tödlich Gift und frei für alle, die Übles im Schilde führten und als Pflanze auch heute noch ein Blickfang.

Grameier Hochleger

Die imposante Bach-Kaskade vom Einschnitt zum Künigskopf herunter wäre fast einen Versuch wert seitlich davon aufzusteigen, um die vermuteten Gumpenbecken zu erkunden – eine seltene Schönheit.

der giftige Blaue Eisenhut

Nach einem Waldstück und der Querung des Baches wird der Abstieg etwas flacher. Die Bergtour als solches gleitet nun in die Rückwanderung ins Falzthurntal aus.

tolle Bachkaskade

Die letzte fotografisch interessante Position befindet sich bei einer Rastbank im flachen Teil nach der Bachquerung. Von dort kann man hinter der Melkstation des Gramei Niederlegers mit Holzzuberfreiluftbadewannenkarwendelblick das schöne Falzthurntal aus erhöhter Position letztmalig bis weit hinaus einsehen.

Blick in das Falzthurntal auf den Grameier Grund

Über den Grameier Grund führt die Rundtour wieder aus dem hinaus Falzthurntal und die anregende Landschaft dort zieht junge Familien auf Sonntagsausflug gleichermaßen an wie den Bergsteiger, nur daß deren Räder am Wagen die kleinen Gipfelstürmer früher stoppen als ihnen lieb ist.

die gewaltige Südflanke des Sonnjoches

Manchmal trifft man dort sogar seine eigenen Verwandten und rechnet damit so wenig, daß man fast aneinander vorbeigeht.

Abschlußblick in die Gramei

Die abwechslungsreiche kurze Runde mißt knapp 10km und kann incl. einer halbstündigen Rast am Hochleger in gut 5 Stunden absolviert werden. Knapp 1.300Hm werden erklommen. Der Erholungssuchende rechne eine oder eineinhalb Stunden mehr.

Mils, 18.08.2018

Äußere Wetterspitze, 3.070m

Die Äußere Wetterspitze, viel mehr der Blick auf ihre schöne Gipfelpyramide fällt bereits vom Parkplatz beim Gasthaus Feuerstein im Gschnitztal auf.
Sie ist ein leichter Dreitausender zu Beginn des Habichtkammes und wird im Standardanstieg im weiten Rechtsbogen von der Bremerhütte aus bestiegen. Durch ihre zentrale und freistehende Lage im Kamm stellt sie auch einen idealen Aussichtsberg in den südöstlichen Stubaiern dar.

Äußere Wetterspitze, 3.070m

Wir starteten um dreiviertel sieben Uhr mit dem Radl für die 3,6km lange Strecke bis zum abzweigenden Steig Richtung Bremerhütte. Vorbei an der Laponesalm, bei der die Asphaltstraße endet und noch ein paar Minuten auf dem Schotterweg taleinwärts gefahren erreichten wir den Steig zur Bremerhütte. Dabei wurden vom Parkplatz 230Hm zurückgelegt.

ein toller Tag steht uns bevor, die Äußere Wetterspitze im Blickfeld

Ein heißer Sommertag war angekündigt und bereits auf den ersten Höhenmetern im Wald ließ sich die Ankündigung auf den lichten Abschnitten durch die kräftige Morgensonne spüren.
Weiter oben in der Südflanke zur ersten Steilstufe, oberhalb der Waldgrenze auf etwa 1.850m, jedoch erst gegen 8 Uhr morgens schwitzten wir bereits ganz ordentlich.

Abzweigung – Steig zur Bremerhütte

Die Steilstufen mit fortschreitendem Talverlauf sind eine Spezialität der Stubaier Alpen. Man findet sie fast überall und in manchen Tälern mehrfach hintereinander. Beispielsweise von der Grawaalm aus wird zunächst die Steilstufe bis zur Sulzaualm überwunden, bevor die nächste Stufe zur Sulzenauhütte führt.

knapp vor der Oberkante der ersten Steilstufe

Eine gleiche Kaskade muß überwunden werden, will man vom Gasthaus Waldesruh auf die Neue Regensburgerhütte aufsteigen und von Seduck aus findet sich die erste Stufe vor der Frans Sennhütte und taleinwärts bis zum Gletscherkessel des Alpeiner Ferners zwei weitere Steil- oder Talstufen.

Bei unserem Anstieg öffnet sich nach der oberen Kante der ersten Stufe das Gelände der großen Simmingalm mit üppigen Bergwiesen und keiner Almwirtschaft dieser Tage mehr auf 2.000m.

der schöne Talkessel der Simmingalm

Die Simmingalm stellt einen schönen weiten Talkessel mit Gletscherbachzuläufen von den Feuersteinen herab, sowie vom Kessel zwischen den Wetterspitzen dar deren südwestliche Begrenzung eine breite Rippe bildet, auf deren hinterstem Ende – zur Inneren Wetterspitze hin – die Bremerhütte liegt. Sie selbst ist von der Kante der Talstufe aus noch nicht sichtbar, ihre Lage aber wohl an den Tragseilen ihrer Materialseilbahn abschätzbar.

Anna auf einem schönen Exemplar von Gletscherschliff

Der Möglichkeit einer Abkürzung weglos nordwestlich über den steilen Südhang an den Fuß des Ostgrates zur Äußeren Wetterspitze aufzusteigen folgten wir doch nicht und schlugen den Normalweg zur Bremerhütte ein. Durch den raschen Aufstieg war keine Notwendigkeit für eine Abkürzung gegeben und dem eher kleinen Risiko von nassen, sumpfigen Partien bis zum Hang stellten wir dadurch ebenfalls aus.

Wenige absteigende Hüttengäste trafen wir bis zur Bremerhütte an und an aufsteigenden Bergsteigern waren Michael, Anna, Evi und der Verfasser die einzigen an diesem Vormittag.

unser Ziel – die Äußere Wetterspitze von Süden gesehen

Nach ein paar ablichtungswürdigen Szenerien in der Umgebung und dem imposanten Bergmassiv bestehend aus Muskovitgranitgneis der Äußeren Wetterspitze von Süden erreichten wir die Bremerhütte, die wir aber nicht besuchten, um gleich vor ihr dem Verlauf des Talkessels nach Norden zu folgen, um zum Lautersee zu gelangen.

Äußere Wetterspitze im Hintergrund

Auf dieser kurzen Passage zum Lautersee muß eine erste kurze Kletterei am seilgesicherten Steig überwunden werden. Zuerst zieht die Felsplatte mit dem Steig im mittig gelegenen Riss hinauf um dann, am Ende der großen Felsplatte, jäh abzubrechen und so den Steigverlauf in einem seichten Kamin zu schaffen und wieder auf die Bergwiese zu führen.

Bremerhütte 2.413m mit Blick zum Simmingjöchl

Steil führt der Kamin nach unten und die vielen Klammern machen den Steig sehr leicht zu begehen, auch wenn durch die Morgenfeuchte Vorsicht durch die Rutschgefahr geboten war.

über diese Felsplatten führt der seilversicherte Steig weiter

Im Nu erreichten wir die tosenden Wasser vom Lautersee herab, der im letzten Talkessel eingerahmt von den Flanken der beiden Wetterspitzen und deren Verbindungsgrat links und rechts des Lauterseejoches liegt.

ohne Sicherungen ein oberer Dreier

Der Verbindungsgrat stellt ebenfalls eine schöne Möglichkeit zur Besteigung der Äußeren Wetterspitze dar (dieser Grat wird als schwierig, also III angegeben) und ebenso zur Inneren Wetterspitze.

Lautersee mit Lauterseejoch dahinter

Perfekt geeignet zum Nachtanken von Wasser ist das kristallklare Wasser des Sees, das von weiter oben betrachtet ein sattes blau zur Geltung bringt.
Am See hatten wir den westlichsten Punkt im Aufstieg zur Äußere Wetterspitze erreicht (wenngleich der Gipfel derselben noch etwas westlicher liegt) und die weite Runde zum Fuße des Ostgrates führt unter etwas Höhenverlust zu ihrem letzten Abschnitt nordostwärts weiter.

am Weg zum Burgschrofen steil bergauf

Nach der Abzweigung des alternativen Steiges vom flachen Talboden der Simmingalm herauf (durch diesen Steig kann der Rücken auf die Bremerhütte und der Lautersee abgekürzt werden) beginnt der nun nur mehr steile Steig bis zum Ausgangspunkt unserer gewählten Anstiegsvariante, dem Ostgrat zur Äußeren Wetterspitze. Gegen zehn Uhr erreichten wir die am Fuße nur leicht ausgebildete breite Gratrippe und verließen den Steig zur Innsbrucker Hütte.

Abzweigung vom Stubaier Höhenweg zum Ostgrat der Äußere Wetterspitze

Beschrieben ist Ostgrat als mäßig schwierig (II) und diese Einstufung trifft auch nur auf einige wenige und kurze Stellen im oberen Bereich zu, bei denen wirklich der Einsatz von Händen und Füßen nötig ist und nach dem Empfinden des Verfassers könnte zu „mäßig schwierig“ noch ein Minus hinzugefügt werden. Das restliche Gelände am Grat ist als „leicht“ zu beschreiben, wobei es den Einsatz der Hände bei steilen Partien lediglich zum Abstützen erforderlich macht. Richtig ausgesetzt ist der Ostgrat nirgendwo.

Anstieg zeitweise auch über plattiges Gelände

Bis auf etwa 2.700m ziehen sich grasige Partien zwischen plattigem Gneisfels empor und ab dort enden sie durch die sich nun deutlicher ausformende Gratrippe.

Bis zuletzt kann der Gipfel der Äußeren Wetterspitze vom Ostgrat nicht eingesehen werden (zumindest wir konnten ihn im Nebel auch von weiter unten nicht erkennen), weil er sich weiter nordwestlich des Grates befindet und erst über einen leichten Sattel vom Vorgipfel erreicht wird.

und erreicht einmal sogar echte Klasse

Der Sattel mit den letzten Kletterstellen wird ostseitig begangen, westseitig bricht der Grat steil ab. Der letzte Gratkopf kann auf Reibung ostseitig, oder leichter, durch knapp zwei Meter abklettern westseitig umgangen werden. Nach diesem Gratkopf führt ein kurzer Anstieg von etwa 30Hm zum flachen Gipfelplateau, das wir vor halb zwölf erreichten.

Blick vom Vorgipfel auf die Äußere Wetterspitze

Ein Gipfelkreuz sucht der Ersteiger vergeblich, ebenso eine Gipfelbuchschachtel. Die einzige Markierung des Gipfels besteht aus einem Steinmann mit Schneestock.

Rückblick auf den Vorgipfel

Den beschriebenen Kamin unterhalb des Gipfels erahnt man nur nach eingehender Betrachtung, denn er scheint in den letzten Jahren zusammengefallen zu sein. Am Foto lassen sich Reste davon ausmachen.

der ehemalige Kamin aus den Beschreibungen – eine andere Stelle mit Kamin gibt es am Gipfel nicht

Leider spielte das Wetter nicht so ganz mit und wir waren für die größte Tageserwärmung auch zu schnell aufgestiegen, weswegen die Fotos mit Rundumsicht nicht so toll ausfielen wie es hätte sein können und wie es sich auch noch eine Stunde später, gegen 13 Uhr entwickelte. Während unseres Aufenthaltes am Gipfel der Äußeren Wetterspitze zogen immer wieder Nebelbänke aus den sich erwärmenden Flanken empor, die nur kurze Sichtfenster zuließen und perfekte Bilder vereitelten.

Wilder Freiger links, Wilder Pfaff rechts und schwach erkennbar rechts davon das Zuckerhütl

Trotz Hochsommer muß man immer wieder feststellen, daß auf dieser Höhe das Gemisch von dichtem Nebel, also Schatten und leichter Thermik ausreicht, um die Finger gefühllos werden zu lassen. Ein Leiden des Verfassers und scheinbar auch von Evi, die für den Abstieg Handschuhe verwendete.

Anna studiert den Abstieg zum Vorgipfel

Nachdem uns trotz geduldigen Wartens nur Sekunden für nebelfreie Blicke zu Freiger, Pfaff, Hütl und in die Gegenrichtung zum Pflerscher Tribulaun beschieden waren und diese auch nicht so toll wie erhofft ausfielen, beschlossen wir nach einer kleinen Jause und einer knappen halben Stunde am Gipfel den Rückzug.
Natürlich entwickelte sich die Sicht kurz nach dem Verlassen des Gipfelbereiches relativ schnell zum Positiven – verhext wie immer an solchen Tagen.

Sattel zum Vorgipfel der Äußeren Wetterspitze

Am Abstieg war es uns dann erlaubt zumindest vom Pflerscher Tribulaun einige schöne Aufnahmen anzufertigen, komplett nebelfrei jedoch nicht.

Östlicher Feuerstein

Kurz nach halb ein Uhr erreichten wir den Stubaier Höhenweg wieder. Die Temperatur dort, auf rund 2.250m war deutlich hochsommerlich also wurden die letzten Wasserreserven verbraucht. Die nächste Gelegenheit bot sich ja gleich ein paar Hundert Meter tiefer am Abfluß des Lautersees hinab zum Gelände der Simmingalm.

von rechts: vom Hohen Zahn zu den drei Tribulaunen

Am Bach entlang und nicht am markierten Steig beschlossen wir sei es schöner als durch die Geröllflanke und so stiegen wir durch Moosbeerenstauden weiter ab, vorbei am schnurrenden Generator des Kraftwerkels der Bremerhütte, angetrieben durch eine Kleinturbine, die sicher sehenswerte tapfere Strömungsmaschine für den Verfasser als Maschinenbauer leider nicht zu sehen.

Simmingboden

Der Weg führte trockenen Fußes durch die flache Alm mit dem Bach, der sich talauswärts mäandert, bis zum Weg zur Bremerhütte.

Ausfahrt zum Parkplatz im Gschnitztal

Das Radldepot erreichten wir knapp nach vierzehn Uhr und den Parkplatz knapp nach halb drei nachmittags.
Gesamt benötigten wir 7:36 Stunden für 1.900m und ca. 2×10,5km (2×3,6km davon mit dem Radl). Man rechne als Normalzeit mit gut einer Stunde mehr, da wir sehr schnell aufgestiegen sind.

Mils, 19.08.2018