Archiv des Autors: Rainer

Nafingköpfl, 2.454m – über Weidener Hütte und Nafingalm

Die Alternative zum Aufstieg auf das Nafingköpfl über die Fiderissalm besteht im Aufstieg bis zur Nafingalm und über einen Teil des Anstieges zur Halslspitze.  Somit wird eine kleine Runde beschrieben.

vom Nafingköpfl nach Norden geblickt – der Kamm zwischen Nafing- und Nurpenstal

Von Innerst müssen zunächst 5,5km und 550Hm zur Weidener Hütte zurückgelegt werden. Bei der heutigen Begehung mußte gespurt werden. Am Anfang der Strecke durch einen Hauch von Neuschnee, am Ende durch knapp 10cm davon. Das Maximum an Neuschnee auf der Tour, im Bereich und oberhalb der Nafingalm, kann mit 15cm beziffert werden.

Nafingtal vor der vermeintlichen Wetterbesserung

Aufgrund der Wetterfront, wie so häufig mit beharrlichem Auftreten an den drei letzten Tagen der Woche, konnte keine interessantere Tour in Angriff genommen werden. Der prognostizierte Sonnenschein, zumindest Wetterbesserung war bis weit nach 14 Uhr nicht in Sicht und so wurde das Nafingköpfl zur Verlegenheitstour in diffusem Licht.

Aufstieg zur Weidener Hütte – bei diesem Haus endete die Waldabfahrt

An sich sind alle Schitouren auf diesem Kamm bei gutem Wetter ja schier unvergesslich schöne, weshalb der Autor im langen Aufstieg zur Weidener Hütte beschloss keine beleidigte Miene aufzusetzen und das letze aller dortigen „Gipfelchen“ zwischen Nafingtal und Nurpenstal, der von ihm noch nicht bestiegen wurde, in freudiger Erwartung bei wenig Sicht und alleine zu begehen.

vor der Weidener Hütte

Von der großartigen Überschreitung von der Halslspitze zum Rastkogel war die Strecke bekannt und es mußte nur eine geeignete Stelle in geeigneter Höhe ausgesucht werden den Anstieg zur Halslspitze zu verlassen und gegen derer Richtung in die entgegengesetzte Anstiegsrichtung nach Nordosten zu wählen.

Hubertuskreuz von der Nafingalm aus – dahinter , kaum sichtbar, das Hobarjoch

Diese Stelle lag nach heutigem Ermessen bei schlechter Sicht über die Hänge schräg hinüber zum Nafingköpfl etwa auf 2.250m, also recht genau 200Hm unterhalb des Gipfels.
Bis dorthin konnte in der Spur der Vorgänger aufgestiegen werden und die offenbar wenig versierten Vorsteiger nutzten Harscheisen auf harter Unterlage unterhalb von etwa 15cm Neuschnee.

Blick talauswärts

Die Querung mit Anstieg der 200Hm findet in leichtem Gelände statt. Es gibt kaum Stellen die 30° Hangneigung signifikant überschreiten und steilere Passagen sind recht kurz.
Auch dem Autor passierten kleine Abrutscher beim Spuren, jedoch konnte diesen mit einem beherzten festen Schritt begegnet werden, der die nötigen Millimeter Gripp in der harten Unterlage schaffte.

Nafingköpfl in Sicht

Zunächst werden beim leichten kurzen Anstieg einige kleine Geröllrinnen überwunden, die die direkte Linie etwas unterbrachen und später tauchten ein paar Felsköpfln im Gelände ober und unter dem Anstieg auf, die wenigstens für etwas bessere Sicht sorgten. Alles zusammen eine Angelegenheit von etwa 20 Minuten.

Abzweigepunkt zum Nafingköpfl

Durch eine leichte Rinne steigt man zur Scharte am Gratrücken auf und von dieser auf den wenig ausgeprägten und langgezogenen Gipfel des Nafingköpfls.
Die letzten Meter beschloss der Autor nicht westlich unterhalb zu umgehen, sondern die Schi abzuschnallen und etwa 15Hm durch Felsschrofen zum Gipfelplateau aufzusteigen.
Die bereits unten in der Querung lästigen Windböen aus Nordwest bildeten sich in Gipfelnähe zum Dauerwind aus, weshalb eine zweite Windstopperjacke nicht fehl am Platz war.

kurz vor der Scharte und dem etwas felsigen Aufstieg zum Gipfelplateau

Am gestreckten Gipfelbereich muß die höchste Erhebung richtiggehend gefunden werden, da das Nafingköpfl kein Gipfelkreuz ziert. Ein granitischer Vermessungspunkt deutet auf den Gipfel hin und dieser wurde am Nordteil des Plateaus errichtet. Das Nafingköpfl dürfte lediglich als Schitourenziel eine kleine Bedeutung haben und dann als Alternative zur Halslspitze, wenn diese gestürmt wird.

vom Gipfelplateau in Richtung des Aufstieges geblickt

Der Bezwinger des Nafingköpfls ist dem Wind völlig ausgesetzt und somit beschränkt sich der Aufenthalt auf ein paar Fotos und dem Ausrüstungswechsel auf Abfahrtsmodus. Sogar auf die Höhenmedizin wurde im Wind verzichtet.

Gipfelrast mit Genuss der Aussicht – im Hintergrund der Rastkogel links, die Halslspitze rechts

Die Abfahrt ins unstrukturierte, kaum einzuschätzende Weiß über den Gipfelhang hinunter war – wie immer bei diesen Verhältnissen – recht abenteuerlich. Abwechselnd beschleunigten die Schi auf abgewehtem Bruchharsch um dahinter in der leichten Mulde vom Triebschnee wieder rasant gebremst zu werden. Diese Abfolge wiederholte sich ein halbes Dutzend Male, bevor das Gelände gegen den Hohen Kopf hin flacher wurde und im Pulver angenehm, aber kaum ohne Anschieben zu den ersten Aufsteigern von der Weidener Hütte zum Hohen Kopf hin zu gelangen.

Abfahrt Richtung Hoher Kopf

Es wäre auch möglich steil in direkter Richtung nach Westen abzufahren und so in der Nähe der Weidener Hütte auf den Almweg zu gelangen. Die Route mehr nordwestlich abzufahren erschien aber interessanter, auch um eine längere Abfahrt durch den Wald erleben zu können.

die ersten Aufsteiger auf den Hohen Kopf

Die Waldabfahrt ermöglichte erstmals klare Kontraste bei der durchgehend diffusen Sicht. Dieser Teil der Strecke erzeugte Genuss, zumal auch genügend Neuschnee ein hochwinterliches Abfahrtsgefühl bescherte.

Abfahrt zur Waldgrenze

Auf den Almweg kommt man je nach Abfahrtsroute durch den Wald und man kann sie ohne Geländekenntnis nicht wirklich bestimmen, auch wenn man bemüht ist die schönsten Freiflächen zu nutzen.
So wird der Ankunftspunkt unten am Weg wenig planbar und zu einer Überraschung. Heute war dieser weit nördlich der Weidener Hütte bei dem markanten Haus mit dem hoch thronenden Erker, das im Aufstieg so eindrucksvoll wirkt wie es den Almenweg säumt.

Beginn der Waldabfahrt mit Rückblick auf das offene Gelände darüber

Der Rest der Abfahrt besteht aus etwa 25min Talausfahrt am Aufstiegsweg mit Gegenanstieg und ein paar untergeordneten Schiebestreckenabschnitten.

Nafingköpfl über Nafingalm

Für die Tour werden etwa 4 ½ Stunden benötigt, incl. kurzen Trinkpausen und etwa 10min am Gipfel. Dabei werden knapp 1.200Hm und etwa 8km Strecke zurückgelegt.

Mils, 02.03.2019

Schitour Wildofen, 2.553m

Kaum eine Schitour im Weertal erfreut sich einer derart abgeschiedenen Lage wie der Gipfel des Wildofens. Sein Ausgangspunkt liegt nahe jenem, von dem aus die Mehrzahl aller Touren von Innerst begangen werden und doch wird er recht wenig besucht.

Wildofen, 2.553m

Der kleine Parkplatz „beim Kraftwerk“ auf 1.120m präsentierte sich bei unserer Ankunft (die erste am Morgen) ärgerlicherweise wenig platzsparend belegt. Die einzig noch freie Parkmöglichkeit mußte mit viel Geschick und noch mehr Schräglage präzise angefahren werden. Das diesmal unvermeidbare zweite Fahrzeug wurde nach der Tour mit Hilfe von einem halben Dutzend Mander aus der versackten Lage befreit. Parkchallenge beim Kraftwerk in Innerst zum Auftakt.

Aufstieg über die Wiesenflächen nach der Brücke über den Weerbach

Hierzu sei erwähnt, daß es – vom Gegenhang im Aufstieg zum Wildofen betrachtet – möglich gewesen wäre am großen Parkplatz Innerst zu parken und einfach per Schi abzufahren. Mit einem zweiten Fahrzeug wäre nach der Tour auch kein Aufstieg auf der Straße nötig gewesen. Mit Hirn gelänge also auch der diesmal verpatzte Start, der Selbstzweifel beim Verfasser hinterlassen hat.

am rechten Bildrand beginnt der Aufstieg durch den Wald; rechte Bildhälfte Abfahrtshang zur Umgehung

Nach dem Überschreiten der Brücke über den Weerbach werden die sich linkerhand, nach einem Wirtschaftsgebäude, auftuenden freien Wiesenflächen aufgestiegen. Nach klarer Nacht befand sich der Aufstieg recht hart gefroren und teilweise mußten wir die steil angelegte Spur verlassen, um den nötigen Gripp zu bekommen.

die Wiesenflächen der Sagbergaste

Am oberen Ende der Freiflächen, nach ein paar Almengebäuden, tauchte die Spur kurz in den Wald ein, um die Straße abzukürzen. Dieser Teil über ca. 20Hm führt über viel Geschuppe des dichten Baumbestandes, ist aber erträglich.

ein toller Tag und ein schöner Aufstieg

Oberhalb beginnt eine neue schöne Freifläche, die gleichzeitig für uns den Sonnenaufgang darstellte. An malerischen Almen der Sagbergaste vorbei führt diese nächste kurze Etappe. Am oberen Ende erzwingt das Gelände dann den Almenweg zur Thagetlahnalm (über die Schreibweise dieser Alm sind sich kommerzielles Kartenwerk und Wegweiser des Tourismusverbandes wie so oft in der Heimat wieder einmal nicht einig, in diesem Bericht wird die Schreibweise der Wegweiser verwendet).

nach den letzten Gebäuden weiter auf dem Almweg

Über 2km und mäßiger Steigung, die auch etwa 150m Schiebestrecke retour enthält, folgt man nun dem Almenweg geradeaus wobei ein Abzweig und eine Kehre missachtet werden. An einer Kehre mit großem baumfreien Almgelände beginnt die schön gelegene Thagetlahnalm.

unterhalb der Thagetlahnalm mit dem Ziel, dem Wildofen im Hintergrund

Zu dieser wird in Schleifen etwa 150Hm direkt aufgestiegen wobei links und rechts jede Menge Blickfänge für die Linse auftauchen.

ohne Worte

Die Szene zum Innehalten ist der zentrale Teil der Thagetlahnalm mit dem quer stehenden Stanser Joch im Hintergrund, ein wahrlich Zeugnis von Almidylle.

Thagetlahnalm und wunderschöner Blick talauswärts

Gegenüber im Nafingtal auf gleicher Höhe (1.750m) die Fiderissalm – Meilenstein auf der Schitour zu Roßlaufspitze und Hoher Kopf.

gegenüber Fiderissalm

Vor einem schön gealterten Almgebäude aus den 20er Jahren wacht der Sepp, bis zum Kragen eingeschneit. Beides zusammen ein echter Blickfang und Zeugnis kreativen, entbehrungsreichen bäuerlichen Lebens in den Bergen.

rechts um das Almgebäude herum beginnt der Aufstieg durch den Zirbenwald

Von der Thagetlahnalm bis zum Gratkamm gibt es zwei Möglichkeiten, die sich oben an selber Stelle wieder vereinigen. Eine Möglichkeit, nach der spontanen Einteilung des Autors die „klassische“ Route durch den lichten Zirbenwald und links davon eine Möglichkeit, die in völlig freiem Gelände hochzieht. Beide Varianten unterliegen des Vormittags extremer Sonnenbestrahlung. Wir wählten die klassische Variante.

im grandiosen Zirbenwald – ein sehr schöner Aufstieg

Hinter der Alm führt die klassische Variante in leichten Schleifen zum Ansatz des Waldes empor. Im Wald wird der Anstieg steiler und ein paar Spitzkehren werden notwendig.
Die Schneeoberfläche der Aufstiegsspur war gegen halb elf Uhr vormittags teilweise noch gefroren – dort wo Bäume erst kurz vorher die Einstrahlung abgeschattet hatten – und nötigten uns zu mancher akrobatischen Einlage. Alles in allem empfanden wir diesen Anstieg aber als wunderschön.

Nafingtal und Hobarjoch rechts

Weiter oben – wie könnte es anders sein bei den frühlingshaften Temperaturen dieser Tage – durften wir uns dann auch hartnäckiger Aufstollungen erfreuen.

der Baumgrenze nahe

Hierzu wurde halt gemacht und, neben Harscheisen, von einem der größten Schätze bei Frühjahrstouren, dem Fellwachs Gebrauch gemacht. Diese Behandlung wirkte trotz sehr feuchter Felle bis zum Gipfel des Wildofens.

letzte Meter zum Gratrücken des Wildofens

Der Gratrücken, an vielen Stellen kein Rücken sondern ein aufgesteilter, nach Westen abbrechender Grat, wir etwa auf 2.100m erreicht und die beiden Aufstiegsvarianten vereinigen sich wieder. Von dort sind es noch gut 450m zum Gipfel, wobei ein Großteil des Aufstieges knapp östlich der Gratnähe verläuft, ein kleiner Teil nur direkt am Gratrücken.

Wildofen in voller Pracht

Direkt beim Erreichen des Gratrückens öffnet sich ein schöner Blick auf den Anstieg zum Poferer Jöchl westseitig gegenüber und vom Kolsassberg begangen. Diese Tour ist jener zum Wildofen um unteren Teil topographisch recht ähnlich und ebenfalls wenig besucht. Ein Tipp für den Freund der ruhigen Tuxer.

am Grat angelangt – Blick auf den Aufstieg zum Poferer Jöchl

Am Grat kam Wind bei unserer Begehung mit Böen auf und die leichte Kleidung des Anstieges mußte verstärkt werden; trotz allem ist Ende Februar noch mitten Winter.

Gratverlauf zum Wildofen

Die Aufstiegsspur auf etwa 2.200m befand sich in hartgepresstem Zustand, teilweise eingeweht und von Windgangln durchzogen, der in den letzten Tagen besonders tätig gewesen sein muß.
Kurze Gegenpassagen auf die Graterhebungen schirmten die südöstlich einfallenden Windböen etwas ab, aber aufkommende Schäfchenwolken (Altocumulus) schwächten dafür die Sonneneinstrahlung ab. Insgesamt empfanden wir den Grataufstieg als kalt.

kurz vor dem Gipfelaufbau des Wildofens

Nach dem Sattel vor dem Gipfelaufbau zum Wildofen war die Aufstiegsspur an den arg vom Wind beeinflussten Stellen nicht mehr sichtbar. Dieser Teil war der windigste bevor der Aufstieg etwas nordwestlich der Kante in eher windgeschützter Passage bis zum Schidepot führt.

man sieht den kalten Wind, Evis fest eingepackt

Zwischen Felsschuppen manövriert der Aufstieg bis zu einer auffallenden nach rechts ansteigenden Rinne unter dem Gipfelkreuz hindurch. Die Passage ist gut begehbar und für die spätere Abfahrt merkt man sich die tückischen Felsspitzen, die kaum aus dem Schnee herausstehen und doch so schadenbringend sein können.

etwa 120Hm noch im Felsgelände

Wegen dem abgeblasenen und großteils aperen Geländes der restlichen 15Hm zum Gipfel entschlossen wir das sichtlich geschützte Schidepot aufzusuchen und zu Fuß zum Gipfelkreuz aufzusteigen.

die auffällige nach rechts ansteigende Rinne bildet den Aufstieg

Ein schönes altes Holzkreuz mit sanierungsbedürftiger Gipfelbuchschachtel und zerfallenem Gipfelbuch ziert den imposanten Wildofen-Gipfel. Dem schmalen Grat gefolgt und ein paar Meter abgeklettert muß der Tourenfreund vor uns sein, denn seine Spuren im Sattel unterhalb der Abkletterstelle waren noch frisch.

die letzten Meter vor dem Gipfel

Der Gipfelaufenthalt am Wildofen dauerte nicht länger als für einen Rundblick mit Ablichtungen nötig war. Um den Windböen zu entfliehen, verbrachten  wir die Gipfelrast im Schidepot mit grandiosem Blick auf die Nordkette.

Alternativabfahrt

Das geschulte Auge erkennt vom Wildofen aus allerdings noch mehr Gipfel der anderen Karwendelketten, beispielsweise – sehr beeindruckend – die Breitgrießkarspitze und die Große Seekarspitze zwischen dem Lafatscher Joch und der Speckkarspitze, oder die Ödkarspitzen genau über dem Grat zwischen der Speckkarspitze und dem Kleinen Bettelwurf.

Evis am Wildofen

Ein weiterer grandioser Blick sind die Dreizinken- und die Grubenkarspitze im tiefen Roßloch leicht seitlich des Hundskopfes oder die Linie Huderbankspitze, Kaiserkopf bis Hochglück ober der Walderalm. Dieser schöne Reigen beginnt mit der Zugspitze und kann bis zum Stanser Joch fortgesetzt werden.

Blick zum Rastkogel

Im Südosten fällt der massive Bau des Rastkogels auf, eine sehr schöne Tour ebenfalls von Innerst und als Überschreitung vom Nafingtal mit Ausfahrt im Nurpenstal eine unvergessliche Runde.

Hirzer mit Hirzerkar im Südwesten

Für die perfekte Präsentation der Abfahrtsfotos in Pulverschnee gleich unterhalb der Grathöhe und bis hinab zur Thagetlahnalm fehlte leider die Sonne – eine hartnäckige dichte Wolkenbank hatte sich mittlerweile über Inntal und Tuxer gelegt und tauchte die Hänge in diffuses Licht. Also mußten wir ein kleines Video drehen, an dem die tolle Abfahrt sichtbar wird.

Am Ende der tollen Abfahrt über das Almgelände gelangt man wieder auf den Almweg und fährt diesen mit einer kurzen Schiebestrecke (etwa 150m lang mit geringem Höhenunterschied) bis zu den Almwiesen der Sagbergaste.

Abfahrtstraum

Weiter abwärts geht es entlang des Aufstiegs wobei wir das kurze Waldstück ausließen und über den Weg, bzw. einen steilen Hang mit weiteren Almgebäuden abfuhren, um zur letzten Freifläche hinab zum Kraftwerk zu kommen. Diese wurde dann wieder entlang des Aufstieges abgefahren.

letzter Rückblick auf Gipfel und Abfahrt

Die Aufstiegsstrecke beträgt gut 7km und der Gesamtaufstieg 1.450m. Wir haben für die gesamte Tour 4:30 Stunden benötigt; hierbei sind ca. 40min Gipfelaufenthalt und Pausen enthalten.

Mils, 24.02.2019

Schitour Großer Solstein, 2.541m

Der lange und breite Rücken des Großen Solsteins entzückt den Schitourenfreund vom Inntal aus, beispielsweise auf dem Weg über die Autobahn nach Innsbruck. Nahezu 1.000Hm beträgt die Abfahrt vom Gipfel bis zum Bachgraben, von dem ein kurzes Stück wieder zur Solnalm aufgestiegen werden muß.

Großer Solstein, 2.541m

Unternimmt man diese Schitour der Extraklasse nicht mitten im Frühjahr sondern im ausklingenden Hochwinter, dann kann man im gemuldeten Graben, der genau westlich des Gipfels hinunterzieht, auf der Abfahrt Pulverschneebedingungen vorfinden, die ein erstklassiges Abfahrtserlebnis bieten.

am Parkplatz oberhalb des Krankenhauses

Gleichzeitig kann man – zumindest bei unserer Begehung – auf dem gerade einmal 50m nördlich vom Pulverhang gelegenen Rücken bereits eine leichte Firnbildung feststellen, diese allerdings auf noch nicht tragfähigem Schmelzharschdeckel – etwas mühsamer zu befahren, eine Freude für Spezialisten wie Hilli.

der erste Blick auf das Ziel

Die Schitour auf den Großen Solstein wird im Allgemeinen als Frühjahrsschitour gehandelt. Wir konnten im Februar vom Parkplatz oberhalb des Krankenhausgeländes Mitte Februar mittels Schi die gesamte Strecke bewältigen. Nach etwa 300m aperer Straße am Puelachboden startete unsere „Winter-Tour“ – zugegeben bei fast Frühjahrsbedingungen –  auf Schi.

Aufstieg am Weg im Wald zur Solnalm

Der erste Kilometer des Weges um den Bergrücken zum Solsteinhaus herum mutet leicht bergab verlaufend an; bei der Rückfahrt stellt man jedoch fest, daß dem nicht so ist und daß er mit leichtem Anschieben gut fahrbar ist.

mehrere Stellen mit Winterschäden müssen passiert werden

Hinter einer Kurve, in der Nähe des einmündenden Weges vom Bahnhof Zirl, wird das Ziel, der Große Solstein, erstmals sichtbar. Von dort erblickt – sowohl Abstand als auch Höhenunterschied des rundlich ausgebildeten Gipfels relativ respekteinflößend.

die letzte Straßensperre passiert

Nach der Einmündung des Weges vom Bahnhof Zirl wird der Anstieg auf der Forststraße steiler. Der Winter hatte bei unserer Begehung Spuren durch mehrere der Schneelast zum Opfer gefallenen Bäumen, die quer über dem Weg lagen, hinterlassen. Zum Teil waren die Äste schon soweit abgesägt, daß man darunter hindurch konnte, eine Gruppe muß hangseitig umgangen werden.

Am Ende des Aufstieges am Weg nach ein dreiviertel Stunden

Der Bach nach der Talstation der Materialseilbahn präsentierte sich tief verschneit und nicht sichtbar unter Massen von Schnee. Oberhalb dieser freien Stelle führt die Tour, dem Normalweg folgend – steil hinauf in den lichten Wald unterhalb der Solnalm, die bald erreicht wird.

vor dem Solnwald

Der Bach nach der Talstation der Materialseilbahn präsentierte sich tief verschneit und nicht sichtbar unter Massen von Schnee. Oberhalb dieser freien Stelle führt die Tour, dem Normalweg folgend – steil hinauf in den lichten Wald unterhalb der Solnalm, die bald erreicht wird.

perfekte Bedingungen und ab dort großteils in der Sonne

Über den flacher werdenden Rücken, vorbei an einer Jagdhütte, wird nach wenigen Minuten die Solnalm erreicht. Anhand des eingeschneiten Almgebäudes (etwa 1.650m) mit dem fast 70 Jahre alten Hüttenzubau des Skiclub Zirl kann die hervorragende Schneelage des heurigen Winters eingeschätzt werden. Hier besteht auch ein wunderbar freier Blick auf das Solsteinhaus, das hoch über dem Almgelände am Sattel zum Kristental thront und auf den grandiosen langen Rücken des Großen Solsteins, der nach Westen herunterzieht.

Aufstieg im Solnwald

Hinter der Alm taucht die Normalroute des Sommers in den Wald ein und dieser wird zunächst gefolgt. Gleich nach dem Beginn des Waldes zieht vom Bachgraben eine Aufstiegsspur herauf. Dies ist der spätere Aufstieg nachdem – am jenseitigen Hang – die lange Abfahrt vom Großen Solstein absolviert wurde.

Solnalm, Erlspitze und rechts das Solsteinhaus

Dem steilen Hang im Wald weiter gefolgt geht es ohne Höhengewinn bis um eine Kurve herum, die den Einschnitt eines Bachgabens einleitet.

honorige Tourengruppe

Nachdem der tiefe Graben durchquert wurde und die gegenseitige Kurve erreicht ist, erkennt man gleich die Notwendigkeit der Abfahrt in den breiten Bachgraben, um den jenseitigen Aufstieg anzugehen.

Blick auf Aufstiegsroute (linke Hangperipherie)

Das weitere Verfolgen der Sommerroute taleinwärts würde in zu steilen Anstiegen auf der Gegenseite enden (siehe mehr Fotos hierzu in der Bildergalerie).

der tiefe Einschnitt des Bachgrabens

Alternativ muß der tiefe Einschnitt nicht ausgegangen werden, allerdings muß dann auf Fellen steiler in den Bachgraben abgefahren werden, siehe hierzu Bildergalerie.

hier beginnt die kurze Abfahrt

Der Aufstieg durch den rasch lichter werdenden Wald ist recht steil und bedingt mehrere, auch kurze aufeinanderfolgende Spitzkehren, bevor diese weiter oben gegen die Baumgrenze zu länger angelegt werden können.

Gegenaufstieg zum Solsteinhaus

Oberhalb der Baumgrenze quert die Route den steilen Hang bis zum flachen Plateau nördlich, etwa 20Hm oberhalb des Solsteinhauses und zieht hinter diesem in Richtung Erlsattel weiter.

Schnee noch kompakt und angenehm aufzusteigen

Mit phantastischem Blick auf die Gipfel der beiden beginnenden nördlich gelegenen Karwendelketten vom Sattel der Erlalm aus, kann der weitere Aufstieg auf den Großen Solstein eingesehen werden. Über die unbesonnte Nordflanke des Berges führt der Aufstieg in tadellosem Pulverschnee über den steilen Latschenhang zuerst lange westlich haltend zur schwach ausgebildeten Nordwestkante hinauf.

wir gehen es an – anstrengende restliche 700Hm liegen vor uns

Oben folgt der Aufstieg dann lange der Nordwestkante, wobei jene Spitzkehrensequenzen, die in die Nordflanke gerichtet sind teilweise durch kurze hartgepresste Abschnitte führen, an denen Harscheisen fast wünschenswert gewesen wären. Jene Spitzkehrensequenzen die in die Südrichtung führen befanden sich im Gegensatz dazu auf hartgefrorenem Schmelzharsch, bzw. sogar hartgefrorenem Firn, der nach und nach während unseres Aufstieges aufweichte.

Solsteinhaus bei der Winterruhe

Dieser Teil der Tour birgt beeindruckende Ausblicke auf die nördlichen Karwendelgipfel sowie die südwestlichen Stubaier und zieht sich über lange 500m an der Nordwestkante bis auf 2.350m hinauf.

anhaltend steiler Aufstieg

Als Highlight kann er fast über seine gesamte Länge eingesehen werden und je höher man angestiegen ist, desto imposanter erscheint seine Ausprägung – anderswo werden solch freie, fast ebenflächige Hänge „Leintuch“ genannt.

Christoph vor herrlicher Kulisse des Rigelkars

Auf etwa 2.350m, bei Erreichen der felsigeren Gipfelregion des Großen Solsteins, wendet sich die Route gen Süden und quert sozusagen den dort trichterförmig beginnenden langen Graben am obersten Ansatzpunkt in die Südflanke des Berges hinein.

Rückblick über den Aufstieg: etwa hier wird der Hang unterhalb felsigeren Geländes gequert

In dieser wird das Gipfelkreuz sichtbar und der Restaufstieg über die restlichen gut 100Hm erfolgt in wenigen weiteren Spitzkehren.

unterhalb des Gipfelbereiches

Flacher werdend leitet der abgerundete Gipfelbereich ein paar Hundert Meter bis zum Gipfelkreuz hinüber.

das Gipfelkreuz in Sicht

Vom schönen Stahlgipfelkreuz aus fällt gleich der „kleine“ Bruder, der um 96m höhere Kleine Solstein mit seiner gewaltigen Südflanke auf. Die Kollegen rätselten herum, ob der Winteraufstieg mit Schi wohl machbar wäre und sie kamen zum Schluß, daß es so sein muß.

Blick nach Osten zum Kleinen Solstein

In der Tat ist der Aufstieg an der Westkante des Kleinen Solstein im Internet nicht beschrieben und für das nächste Mal könnte dieser ein neues Highlight auf der Tour darstellen.

Blick ins Gleirschtal

Wenig andere Tourengeher wurden von uns angetroffen, am Gipfel waren wir mit einem anderen Kollegen allein. Auf der Abfahrt begegneten uns noch einige weitere, manche um die Mittagszeit erstaunlich weit unten bei der Solnalm.

Zugspitze und Außerfern

Auch der Große Solstein hält wunderbare Ausblicke bereit. Besonders eindrucksvoll sind die westlichen Gipfel der Gleirsch-Halltal-Kette und deren nördlich parallel verlaufende Brüder der Nördlichen Karwendelkette.

die Gruppe am Gipfel versammelt

Die Gipfel der 15km entfernten „Karwendelreibn“ unter dem Fernglas betrachtet tragen Schnee wie nie, lediglich der Westrücken der Westlichen Ödkarspitze, die Abfahrt zum Marxenkar, erschien ein wenig viel abgeblasen. Dieser Klassiker muß heuer unbedingt durchgeführt werden.

Blick auf das Rigelkar und im Hintergrund Seekar-, Ödkar- und Birkkarspitze

Sehr beeindruckend auch die Ansicht längs dem Inntal nach Westen und nach Nordwesten, in die Gipfel im Außerfern. Südlich gegenüber des Großen Solsteins ein Blick auf die bizarren Kalkkögel mit den Stubaiern im Hintergrund.

den Südhang vorsichtig angefangen – tadellos abzufahren aber noch etwas hart

Für jenen, der im Halltal zuhause ist und die Nordkette gut kennt tut sich eine schlängelnde Linie von Gipfeln nach Osten, die über den Verbindungsausläufer der Gleirsch-Halltal-Kette mit der Nordkette, am Roßkopf, bis zu den Bettelwürfen hin verfolgbar ist. Unsichtbar dabei bleiben die Gipfel der schönen Gratüberschreitung von den Brandjochspitzen bis zur Hohen Warte, verdeckt durch den gewaltigen Kleine Solstein mit seiner immensen Nordwand.

die Truppe beim Abfahren im Pulver gefilmt

Selbst im Februar besitzt die Sonneneinstrahlung schon genügend Energie die Schneeoberfläche auf 2.500m dermaßen zu erwärmen, daß dies bei der Abfahrt spürbar wird. In Vermutung dessen hielten wir den Gipfelaufenthalt mit einer guten halben Stunde recht kurz, bevor wir nach der Querung nach Westen den ersten Hang südwärts abfuhren. Die Abfahrt im wenig verspurten Gelände war tadellos, die Verhältnisse im bereits lange umgewandelten Schnee an der Südflanke jedoch deutlich schlechter als am folgenden westseitigen langen Hang zum Bachbett des Ehnbaches hinunter.

einzigartiger Blick auf den steilen Hang – zwei weitere Aufsteiger

Diese Abfahrt bleibt uns lange in Erinnerung, da hier großteils perfekter Pulverschnee genossen werden konnte, vorausgesetzt man fuhr eher links (südseitig) im weniger sonnenbeschienenen Teil des breiten Grabens.

ab hier beste Pulverschneebedingungen

Am der nördlichen Begrenzung des Grabens – keine 50m weiter rechts – herrschten verblüffend andere Schneebedingungen und zwar frühjahrshaft aufgefirnt mit brüchigem Harschdecke darunter. Aber auch diese Schneeart kann erfreuen, wie man an der schönen Spur von Hilli erkennen konnte.

Stoffel macht gute Figur

Die Länge des gewaltigen und auch steilen Hanges bleibt in Erinnerung. Er verjüngt sich unten zu einer ausgeprägten Rinne mit steilen Flanken als Begrenzung und einem wesentlich flacheren Auslauf als sie selbst.

Hilli geht es im Geschmier an!

Unterhalb dieser „Zwinge“ verbreitert sich der Hang wieder (etwa knapp unterhalb von 1.800m) und dort herrschte dann schon wirklich die frühjahrshafte Schneeart, der man noch einmal für einen kurzen Teil der Abfahrt zu entkommen vermag.

an der Zwinge unten

Die Abfahrt über den restlichen Hang zum Bachbett kann durch Querung in nördliche Richtung, auf ein lichtes Waldstück zu haltend, mit besserer Schneequalität als am offenen Hang, fortgesetzt werden.

Querung nach Norden

Das Ende in dieser Richtung wird durch einen Graben vom Solsteinhaus herunter gebildet, er in einem Graben endet. Dieser Graben führt hinaus zum Bachbett des Ehnbachs und zum kurzen Gegenaufstieg über etwa 60Hm Richtung Solnalm.

im Graben, kurz vor dem Ehnbach

Im engen Graben dachte wahrscheinlich ein jeder von uns vertieft über den Fall eines Lawinenabganges nach. Man hätte nicht die geringste Chance einer Flucht in diesem Einschnitt.

im Graben des Ehnbaches an der Gegenaufstiegsstelle

Der Aufstieg auf der Gegenseite ist kurz und strengt nach dem bereits erlebten merklich an. Die Aufstiegsspur kann über ein kurzes flaches Waldstück hinausgequert werden oder, zugunsten einer netteren Abfahrt, gekreuzt werden, um etwa 20Hm weiter oben in den Hang oberhalb der Solnalm zu gelangen.

im unteren Teil der Gegenaufstieg recht steil

Von dort fährt es sich fein an der Alm vorbei über die steiler werdenden Lichtungen in den Wald vor dem Ende des Fahrweges. Die sonnenbeschienenen Lichtungen ergaben am frühen Nachmittag schwierige Aufgaben an die Schifahrkünste auf, so schwer wurde der Schi im weichen Schnee gedreht.

und für heute endgültig abgefellt

Vom Bachbett talauswärts konnte unter gelegentlichem Einsatz der Stöcke sehr bequem gefahren werden.

über den Solnwald hinab

Allerdings werden an den steilen Passagen am schmalen Hohlweg die Oberschenkel noch einmal so richtig warm.

anstrengende Talausfahrt am winterlichen Hohlweg

Die Aufstiegsstrecke beträgt gut 10km und der Gesamtaufstieg 1.685m incl. Gegenanstieg bei der Abfahrt. Wir haben für die gesamte Tour 6:30 Stunden benötigt; hierbei sind ca. 50min Gipfelaufenthalt und Pausen enthalten.

Mils, 16.02.2019

Schitour Rastkogel, 2.762m – von Innerst über Weidener Hütte

Der höchste Gipfel der östlichen Tuxer Alpen, der Rastkogel, bietet mehrere schöne Aufstiege und ein echtes Schmankerl darunter ist jener mit der Gratüberschreitung von der Halslspitze aus dem Nafingtal.

Rastkogel, 2.762m – gegen Hintertux und Olperer

 

Interessant ist diese Route auch deshalb, weil sie eine Runde bildet und somit Aufstieg und Abfahrt in zwei benachbarten Tälern stattfinden – mit der Abfahrt im Nurpenstal werden die landschaftlich lohnenden Schitourenziele Roßlauf, Hoher Kopf und Nafingköpfl umrundet.

am Weg zur Weidener Hütte

Die Anreise über die Weidener Hütte im Nafingtal ist eher flach und lang und damit bestens geeignet der breiten Masse nicht das angestrebte sofort verfügbare Modeschitourenerlebnis zu bieten, nein, für die landschaftlichen Perlen in den Tiefen der Tuxer Alpen will man zunächst mit einem Hauch von Leidensfähigkeit über ein paar Stunden für das Abenteuer qualifiziert werden. Der Aufstieg über den Almenweg bis zur Nafingalm ist für den Naturfreund nicht minder interessant, aber er bietet eben kein spektakuläres Aufstiegsgelände.

Rückblick auf die Weidener Hütte

Ab der Nafingalm, vielmehr nach dem letzen Hochlegergebäude der Alm beginnt der Aufstieg über schöne, zunächst steile Westhänge (kaum jedoch deutlich über 30° Neigung) oberhalb der Baumgrenze. Nach den Richtungswechseln über Spitzkehren öffnen sich schöne Blicke talauswärts und auf das Karwendel im Norden.

Obere Nafingalm

Das Ziel, die Halslspitze, bleibt den Blicken lang verborgen, das Gipfelkreuz des Vorgipfels, der Vorhalslspitze, ist bereits am Weg zum letzten Almgebäude sichtbar (nicht zu verwechseln mit dem Nafingköpfl, weiter außerhalb im Tal).

Aufstieg zur Halslspitze

Nach etwa dreihundert Höhenmetern wird das Gelände in Gratnähe flacher und erstmals kann das noch weit entfernte Ziel, der Rastkogel, vor dem weiten Nurpenstal erblickt werden. Sonne erwischt man Anfang Februar während des Aufstieges bis zum Gratrücken über kurze Passagen.

 

erster Blickkontakt zum Rastkogel

Während des kurzen Restaufstieges auf die beiden Halslspitzen ist man ständig – jedoch vergebens – bemüht im Augenwinkel den herrlich aussehenden Grat nach Schwierigkeiten zu erkunden. So sehr der Rücken einsehbar ist, so sehr bietet er auch sichtlich Geheimnisse hinter den Gratbuckeln wodurch eine gewisse Spannung bestehen bleibt.

Gipfel der Vorhalslspitze sichtbar

Ohne Rast stürzten wir uns auf die Überschreitung des Gratrückens indem wir die etwa 50Hm tiefe Abfahrt von der Halslspitze bis zur ersten – und auch zur tiefsten – Einsattelung mit Fellen und aber mit der Bindung im Abfahrtsmodus in Angriff nahmen.

Vorhalslspitze,, 2.540m

Die kurze, wenig steile Abfahrt gelang auch entsprechend befriedigend. Es gibt hierzu in der Bildergalerie einen Schnitt mit der Gratkontur als Screenshot aus Tiris an dem man die Route über den Gratrücken – mit seinen doch beachtlichen 300Hm Restaufstieg von der Halslspitze – dargestellt findet.

Gratrücken zum Rastkogel

Auf die Einsattelung folgen ein kurzer Aufstieg, eine Flachstrecke und eine kurze, wellige Abfahrt über kaum 10Hm.

Willi in der Einsattelung nach der Abfahrt von der Halslspitze

Nach dieser Sequenz folgt ein etwas längerer Aufstieg zum Nurpensjoch (2.525m), an dem der Wegweiser im Sommer die Ziele nach Westen und Osten beschreibt. Am Nurpensjoch ist auch ein gutes Drittel der etwa 1,6km langen Strecke (Luftlinie) zum Rastkogel geschafft.

Gratverlauf nach dem Aufstieg von der ersten Einsattelung

In der Folge wechselt eine kurze Abfahrt in den Sattel, der den Sommerabstieg nach Lanersbach eröffnet, mit einem steileren Aufstieg auf eine etwas schärfere Gratpassage.

erste kurze Abfahrt

Diese kann als Schlüsselpassage bezeichnet werden. Der Aufstieg war aufgrund zu starker Vereisung in unserem Fall nicht über die steile Nordflanke möglich. Sie mußte also direkt überquert werden und dies wiederum ist nur mit dem Schi am Rucksack möglich, der Anstieg ist zu steil im Schitourenmodus.

am Nurpensjoch

Nach dem steilen Anstieg wird der Gratrücken über eine kurze Strecke breiter, jedenfalls können die Schi gleich bei der Ankunft am flachen Gratrücken wieder angeschnallt werden.

Aufstieg über die vereiste Passage nach dem Nurpensjoch

Die letzte Passage mit einem schmalen Gratstück folgt sofort nach etwa 100m. Die kurze Passage ist nun richtig schmal, jedoch sehr kurz und durch die herausstehenden Felsen kann die richtige Route gut abgeschätzt werden, denn ein halber Meter zu weit nach Süden gestiegen könnte eine unfreiwillige weite und sehr steile Abfahrt zur Folge haben, der man sich tunlichst nicht aussetzen will.

Aufstieg auf die letzte schmale Gratpassage

Nach diesem Teil am Grat sind die ausgesetzten Passagen überwunden.

Richard und Evi am schmalsten Teil des Gratrückens

Der folgende Gratrücken wird breiter und zunächst durch zwei Serpentinen mit Spitzkehren der Aufstieg bis zum nächsten einsehbaren Punkt gemeistert.

restlicher Anstieg auf den Rastkogel

Nun folgen einige Minuten auf der Nordflanke, die sich in unserem Fall nicht so hart präsentierte, daß Harscheisen vonnöten gewesen wären.
Mäßig steil leitet der Gratrücken nun an den Gipfelaufbau des Rastkogels heran, wobei ein Hauch von Graterlebnis bis unter die deutlich sichtbaren Felsen erhalten bleibt.

breiter Gratrücken zum Rastkogel

Die Gruppe, die nördlich von uns aus dem Nurpenstal herauf spurte überraschte uns am Gipfel mit Fotos von uns am Gratrücken – hiermit nochmals danke Nina!

von anderen Tourengehern wurden wir am Grat fotografiert

Eine letzte steile Passage bildet den Aufstieg über den felsendurchsetzten Vorgipfel, die von unserer Position aus zunächst steiler aussah als sie wirklich war.

letzter Abschnitt vor dem Gipfelaufbau

Allerdings kann dieser Aufstieg nur bei guten Verhältnissen empfohlen werden, denn dort nähert man sich über einige Dutzend Höhenmeter der 35° Hangneigungsgrenze. Die Alternative dafür wäre die nordseitige Querung der Felsen und der Aufstieg im Bogen, der unsere Abfahrt bildete.

steile Passage durch die felsendurchsetzte Südwestflanke

Nach dem steilen Abschnitt folgt ein überraschend flacher Restaufstieg auf den sich wenige Meter abhebenden Gipfel des Rastkogels und das flache Gipfelplateau mit dem imposant abgespannten Gipfelkreuz aus Holz wird erreicht.

flacher Gipfelanstieg nach dem Vorgipfel

Wie immer im schneereichen Winter breiten sich atemberaubend anzusehende weiße Hänge mit unzähligen Schattierungen, die so eindrucksvoll die Geländeoberfläche zeichnen vor dem Betrachter aus und die darüberliegenden Gipfel in allen Himmelsrichtungen krönen diese Schöpfung.

Hochfügen mit dem Rofan und den Brandenberger Alpen im Hintergrund

Nicht nur die gewaltigen Zillertaler Dreitausender ziehen das Auge dauerhaft auch sich, auch die von diesem Standort aus nicht so eindrucksvoll erwarteten sanfteren Brandberger Alpen im Norden rechts neben dem Rofan erscheinen geschlossen und übersichtlich, sie bezaubern des Bergfreunds Auge.

Zillertaler Alpen

Wilder Kaiser, Steinernes Meer – sehr fern und durch die hervorragende Fernsicht eindeutig erkennbar- im Osten, sowie die westlichen Tuxer und bis tief hinein die Stubaier Alpen breiten sich vor dem staunenden Betrachter aus.

Wilder Kaiser und Steinernes Meer

Eine besondere Freude war dem Autor der phänomenale Überblick über die Karwendelgruppe – dem schönsten Gebirg‘ der Welt.

östlicher Teil des Karwendels im Hintergund des Nurpenstales

Das Gipfelerlebnis ist bei langen Touren meist nur von kurzer Dauer und so muß ein immer zu kurzer Aufenthalt bei der Abfahrt beklagt werden.

Rastkogel, 2.767m (mit unserer Fotografin aus dem Nurpenstal)

Die Routensuche, vielmehr die Pulverschneesuche hilft meist ein wenig über den zu kurzen Genuß der Landschaft hinweg und es entstehen in der menschlichen Hektik wieder neue Reize, die soeben erlebtes vergessen lassen.

Abfahrt ins Unrpenstal

Vom Gipfel nordseitig begannen wir die Abfahrt bis zu uneinsehbaren Hängen, die unterhalb Felsen vermuten ließen. Also orientierten wir uns am langen steilen Gipfelhang, dem Normalanstieg, den die Gruppe aus dem Nurpenstal aufkreuzte.

der Autor bei der Abfahrt unterhalb des Gipfels

Dort und über die folgenden noch steilen Hänge hinab fanden wir hervorragende Bedingungen vor, die sich weit hinaus bis zur Hagelhütte fortsetzten – ein schwer zu beschreibend schönes Abfahrtserlebnis.

Evi am Ende einer traumhaften Pulverschneepassage

An einer Sammelstelle über die weichen Hänge hinab wollte es der Zufall, daß wir Bergsteigerkollegen Jürgen, just im Anstieg auf den Rastkogel, antrafen, dessen interessanter Bericht über eine andere Begehung des Rastkogels der Autor seinen Lesern hiermit als eine schöne Alternative ans Herz legen möchte.

Evi und Richard in einem der schönen Hänge

Nach der Hagelhütte folgt eine Strecke mit einer faszinierenden Taldurchquerung im Nurpenstal mit leichten, kurzen Schiebestrecken aufgrund der geringen Neigung.

Abfahrt zur Hagelhütte

Keine Sorge, die Armmuskeln brennen zwar, aber der Reiz der Landschaft im engen Tal läßt alle Mühsal vergessen. Von Vorteil für den Komfort der Armmuskulatur sind für diese Passage jedenfalls gut gewachste Schi mit glattem Belag.

nach der Hagelhütte zum Rastkogel zurückgeblickt

Hat man sich nach vorne und hinten sattgesehen von dem besonderen Reiz dieser Passage erreicht man die tief verschneiten, malerischen Gebäude der Obere Nurpensalm.

zeitlos schön…

Ab dort hat die Armmuskulatur Pause bis über die Wehranlage und der Brückenquerung hinaus in den unteren Teil des Nurpenstals.

Willi bei der ausfahrt zur Nurpensalm

Am Weg nach der letzten Schiebestrecke führt die Beendigung der Runde in schneller Fahrt bis zum Parkplatz Innerst zurück, vorbei an der Stallenalm, die im Aufstieg die erste der prägenden menschlichen Einrichtungen im schönen Tal wäre.

Nurpensalm

Nach gut 22km, 1.600Hm und 6:23 Stunden fand eine Reise der Extraklasse mit einem Einkehrschwung bei der Jausenstation Innerst leider viel zu früh ein Ende.

ein letzter Blick auf den Rastkogel

Man rechne für die Überschreitung von der Halslspitze bis zum Rastkogel in jedem Fall 90min ein, bei schwierigen Verhältnissen mehr.

Sie stellt die Schlüsselstrecke dar und sollte zeitlich, wie technisch nicht unterschätzt werden. Der Start in Innerst empfiehlt sich nicht später als 7:30 früh.

Mils, 09.02.2019

Schitour Mislkopf, 2.623m – von Kerschbaum, Navistal

Sonnig und hell! – lautet das Stichwort für diese tolle kurze Schitour auf den Mislkopf im vorderen Navistal.
Nach einer kurzen Waldstrecke öffnen sich schöne breite Hänge zwischen malerischen Lärchenbeständen unterhalb der Mislalm. Das Gelände oberhalb der Mislalm bis zum Kamm wird durch sanfte Kuppen und Mulden gebildet, die sowohl im Aufstieg, als auch bei der Talfahrt ein angenehm entspanntes Berggefühl vermitteln.

Mislkopf, 2.623m

Den Ausgangspunkt  bildet der Parkplatz Kerschbaum in der gleichnamigen Siedlung auf dem „Oberweg“ nach Navis. Trotz der momentan erheblichen Schneemassen befand sich der kostenlose Parkplatz auf 1.450m in hervorragend geräumtem Zustand.

Start am kostenlosen Parkplatz Kerschbaum

Bei der letzten Kurve beginnt der Waldweg zur Mislalm (laut Inschrift auf der Hütte selber „Mieslalm“). Diesem kann gefolgt werden, oder man geht auf der Straße etwa 20Hm und 200m Strecke hinab und startet in der Kurve unterhalb.
Der Unterschied besteht in der Aufstiegsstrecke durch den Wald westlich vom unscheinbaren und kaum sichtbaren Bach (oben beim Parkplatz) und im Aufstieg östlich vom Bach (Kehre unterhalb) in weitgehend freiem Gelände mit nur kurzen Passagen im Wald.
In diesem Bericht wird der Aufstieg durch den Wald beschrieben, die Abfahrt erfolgte östlich vom Bach, der eher nur ein Graben zu sein scheint, im freien Gelände.

Weg zur Mislalm

Einige Minuten nach dem Start zweigt vom Fahrweg zur Mislalm ein schmaler Steig steil ab. Er führt zunächst kurz durch dichten Wald und verliert gleich an Steilheit. Bald wird der Weg oben wieder überquert und gleich wieder in den Wald steil eingestiegen.

erste Abzweigung in den Wald nach ein paar Gehminuten

Bei einer größeren offenen Fläche tritt man wieder aus dem Wald aus. Die breite Spur verriet den offiziellen Anstieg weiter nordwärts über die freie Fläche hinweg während eine östlich abzweigende Spur das Interesse weckte, um aus dem dichten Wald herauszukommen und den östlich des Baches gelegenen Aufstieg über die Wiesenflächen zu erreichen.

erste große Freifläche (geradeaus führt der Normalanstieg zur Mislalm), die weitere beschriebene Route geht an der freien Tanne rechts weg

Lange geht es also mit wenig Höhengewinn (rechts) östlich auf dem Almweg weiter bevor der Wald plötzlich breiten Hängen weicht über die bereits ein gutes Dutzend Abfahrtsspuren gezogen wurden.
Vergeblich suchte der Autor im breiten Hang nach einer Aufstiegsspur und fand keine augenfällige.

am Weg zu den freien Almflächen

Also folgte er dem Weg etwa 500m bis zur nächsten Kehre weiter und fand dort das Ende der bereits gezogenen Einzelspur im Gewirr von Abfahrtspuren. Somit mußte er selber einen eigenen Aufstieg westwärts in Richtung Mislalm anlegen.

herrliche Almflächen unterhalb der Mislalm

Dieser kleine Umweg bot allerdings auch den Vorteil eine etwa 100m breite Gleitschneelawine einsehen zu können, die, etwa 500m östlich der Mislalm, auf halbem Weg zur Stroblalm vom Hang oberhalb abging und deren unteres Ende durchfahren werden muß, will man in der Abfahrt vom Mislkopf den schönen Hang östlich davon nutzen (was nach den vielen Abfahrtsspuren offenbar mehreren Tourengehern schon als Idee gedient hat).

Abfahrtshänge – heute durch eine Gleitschneelawine getrübt

Zwischen dieser Lawine und der Mislalm befanden sich noch zwei breite Gleitschneemäuler, weswegen die Aufstiegsrichtung westwärts zur Mislalm zurück umgelenkt wurde und der ursprüngliche Plan, östlich der Alm aufzusteigen fallen gelassen wurde.

Mislalm auf 2.018m, Blick Richtung weiterem Aufstiegsgelände

Hinter der Mislalm (2.018m) führt der Aufstieg kurz durch etwas steileres Gelände, bis eine eher flache Mulde auf den nächsten Buckel hinaufführt. Laut AV-Karte muss dies der Sommerweg sein.
Zur Vermeidung der steilen Passagen kann man auch bei der Alm etwas weiter westlich weitergehen und den Aufstieg zum Misljoch einschlagen. Diese Strecke ist im beiliegenden Kartenausschnitt strichliert eingezeichnet.

weiterer Aufstieg hinter den Almgebäuden

Der Sommerweg allerdings bietet einen schönen halbsteilen Aufstieg bis zu einer Rippe, die vom Kamm herunterzieht und nur im obersten Teil etwas steiler ist. Der Vorteil dieses Anstiegs war bei der heutigen Begehung, daß sie leeseitig recht gut verschont vom  Nordwestwind war.

felsiger Gratkopf sichtbar, rechts davon der Mislkopf

In ein paar weiten Kurven schmiegt sich der Aufstieg an das Gelände, das herrlich breite Flächen für die Abfahrt bietet. Etwa 250Hm sind in diesem Gelände nach der Mislalm zurückzulegen, bis die Rippe deutlich aufsteilt und nach oben hin schmaler wird.

Gratrücken vom Misljoch als alternative Aufstiegsroute

Am Ende der Rippe, direkt an ihrer Verschneidung mit dem Kamm vom Mislkopf ins Wipptal, führt der Anstieg auf der Westseite einer felsigen Erhebung in deren Flanke bis zum Kammkopf. Der Aufstieg ist dort über etwa 25Hm steiler als zuvor und teilweise aper. Diese Stelle ist bereits weit unten erkennbar, jedoch harmlos kurz und nicht allzu steil. Wem dies nicht behagt, der kann den alternativen Anstieg über das Misljoch nehmen.

das Gelände wird etwas steiler

Die letzte Abwechslung vor dem Gipfel besteht in einem steilen Hang nach dem Sattel am Kamm. Es gibt die Möglichkeit durch die Abfahrtsspuren direkt im steilen Teil aufzusteigen, oder nördlich davon eine Spur zu nehmen, die teilweise durch abgeblasenes steiles Wiesengelände führt.

am Gratrücken angelangt – dahinter imposant die Stubaier Alpen

Beide Varianten dürften ihre Mühen haben. Während es nicht sehr fein ist durch Abfahrtsspuren aufzusteigen findet man sich an der Alternative in rutschigem halb aperen Gelände wieder, das Rück- oder Abrutscher auslösen kann. Mir weniger Bodenproblemen dürfte es sich wohl über die Abfahrtsspuren aufsteigen lassen, wie ein Test mit einer gleichzeitig am Sattel gestarteten Gruppe zeigte.

Steilhang auf den Vorgipfelrücken

Während sich der Autor nördlich des Steilhanges über eine nicht weniger steile Partie aus rutschigen vereisten aperen Wiesenbüschel hinauf mühte kam die Dreiergruppe über den zerfahrenen Steilhang geringfügig früher an.

Gelände nach dem Vorgipfel – über kleine Mulde auf den Mislkopf

Nach diesem Teil muß noch eine flache lange Senke mit etwa drei Meter Höhenverlust durchschritten werden, bevor der Gipfelhang in moderater Steigung und etwa 60Hm beschritten wird. Das Gipfelkreuz befindet sich nochmals etwa 50m hinter der letzten Kuppe auf gleicher Höhe.

Gipfelplateau erreicht

Die gesamte Strecke bis zum Gipfel, mit Ausnahme der knappen halbe Stunde im Wald zu Beginn, liegt unter durchgehender Sonnenbestrahlung. Die Tour muß also im Frühjahr – entsprechende Schneelage vorausgesetzt – ein Schmankerl für Sonnenhungrige sein. Und eine Rast zum Sonnenbaden bei der Abfahrt auf der Mislalm die Krönung.

Rückblick auf den Vorgipfel

Am Gratverlauf östlich nach dem Mislkopf schließt der „Rauhe Kamm“ an. Er stellt den Übergang zum Pfoner Kreuzjöchl dar, das um 17m höher ist als der Mislkopf. Im Sommer ist der Rauhe Kamm begehbar, im Winter macht die Überschreitung keine Freude.

Blick Richtung „Rauher Kamm“ und Rosenjochgruppe

Gegen Norden fällt der Mislkopf steil ab und tief unten, im Gelände der Ochsenalm, führt ein phantastischer Anstieg von Pfons auf das Pfoner Kreuzjöchl. Diese Schitour ist eine außerordentlich schöne und wenig begangene, leider besteht eine grundsätzliche Voraussetzung – man muß in Oberpfons einen Parkplatz finden.

Richtung Süden in die Zillertaler Alpen – im Vordergrund der Kamm zwischen Navis und Schmirn mit vielen schönen Schitouren

Nach Süden hin ragen – wie könnte der Ausblick anders sein – die Dreitausender der Zillertaler Alpen hoch auf, alle überschattend der Olperer mit seinen 3.476m. Aber auch die niedere Kette von Naviser Kreuzjöchl, Hoher Warte, Scheibenspitze und Schafseitenspitze stellen lohnende Tourenziele dar.

Wipptal unten und die Stubaier im Hintergrund

An diesem so ganz anders verlaufenden Tag – die Vorhersage hatte einen recht bewölkten Tag mit wenig Sonnenfenstern kolportiert – erfreute ein besonderer Ausblick auf die vielen hundert Gipfel der Stubaier im Westen.

Abfahrtsgelände vom Vorgipfel aus betrachtet

Nach und nach stiegen mehrere Gruppen vom Navistal auf und für die Gipfelfotos ohne Personen musste ein paar Minuten länger im leichten kalten Wind ausgeharrt werden, bis alle vier abgefahren waren. Das ausgezeichnete Wetter dürfte doch noch so manchen angelockt haben und unter Sonne, über den herrlichen Südanstieg herrschten angenehme Temperaturen.

die einzige Spur bis jetzt…

Die Abfahrt im oberen Teil bis zur Mislalm präsentierte sich großteils in tollem Pulverschnee, weiter unten dann mit lediglich einer hauchdünnen Harschschicht, in die weiche Schwünge zu legen waren. Kurz oberhalb der Mislalm, in steileren Partien, wurde der Harschdeckel etwas stärker, sodaß ein gewisser Kraftaufwand vonnöten wurde.

Abfahrt 200m östlich der Mislalm

Dies allerdings nur in steileren Abschnitten, mit stumpfem Winkel zur Sonnenbestrahlung und dadurch gesteigerte Umwandlung und Schmelze. Auf den flachen Wiesen unterhalb der Mislalm bis zur steilen Schneise hin herrschten einwandfreie Bedingungen. Je flacher die Hänge gefahren wurden, desto weicher die Oberfläche.

freie Almflächen unterer Teil

Die schmale Schneise knapp östlich vom Bach bildet den letzten Abschnitt der Abfahrt und der hatte es in sich. Völlig zerfahren und gegen 13 Uhr immer noch recht hart gefroren liegt der etwa 130Hm messende Hang nach dem Ende der breiten Almflächen östlich über der Siedlung Kerschbaum.

zeitlose Szenen…

Anfängergleich rumpelt man abschließend über die harte und zerfurchte Buckelpiste hinab – ein krasser Gegensatz zu dem Fahrgefühl seit dem Gipfel. Solche Verhältnisse sind jene bei denen man scherzhaft bemerkt, daß man dort das Schifahren erst richtig lernen würde.

Rückblick auf die unvergessliche Abfahrt

Auf den letzten Metern verbreitert sich die Schneise wieder. Man erreicht die Höhe des Weges zur Mislalm, die einige Stunden zuvor der Tourenbeginn war. Leider kann hier der Bach nicht überquert werden, zu ungünstig ist das Gelände und ein weitläufig eingezäuntes Häuschen erschwert die Querung. Möglicherweise müßte man den Bachgraben schon etwas weiter oben queren, das gilt es bei der nächsten Tour herauszufinden.

steile Schneise mit anstrengenden Schneeverhältnissen

Der Ankunftspunkt an der Straße liegt dadurch etwas unterhalb des Parkplatzes, mit schätzungsweise 20Hm und etwa 300m Gehstrecke bis oben zum Parkplatz hinauf.

Rückblick auf den unteren Teil der schon wieder breiteren Waldabfahrtsschneise

Die Schitour führt über 1.250m auf den Gipfel und weist bei geschickter Streckenwahl großteils eine Hangneigung von unter 30° auf. Eine steilere Passage hinter der Mislalm ist kurz und wird rasch durchschritten. Ebenso jene am Steilhang vor dem Gipfel.

Ankunftspunkt leicht unterhalb des Parkplatzes

Auf den Kartenausschnitten in der Bildergalerie sind alternative Routen zur Vermeidung der steileren Passagen dargestellt.
Der Zeitbedarf betrug dreidreiviertel Stunden mit 15min Gipfelaufenthalt. Man rechne für den Aufstieg zwischen drei und dreieinhalb Stunden.

Mils, 20.01.2019

Schitour Seekarspitze, 2.646m Voldertal

Im Verein mehrerer berühmter Seekarspitzen – von Karwendel bis Achensee und sonst wo in den Alpen – stellt die Seekarspitze im Voldertal eine phantastische, eine lange und zum Abschluß eine pfiffige Schitour dar und reiht sich somit in einen erlauchten Kreis von begehenswerten Seekarspitzen in Tirol ein.

Autor auf der Seekarspitze, 19.01.2019

Einem an sich unspektakulärem Gipfel geht ein traumhafter Aufstieg durch die in den südlichen Tuxern so verbreiteten und wunderschönen Zirbenwäldern voraus und der Aufstieg zum Abschluß der langen Tour – sie ist streckenbezogen signifikant länger als die Schitour von der Karlskirche auf den Glungezer – ist keine gemähte Wiese. Der Aufstieg erfordert sichere Verhältnisse und testet die verbliebene Leistungsfähigkeit nach gut 1.000Hm Aufstieg durch das wunderschöne Tal auf den letzten 500Hm noch einmal spürbar. Die Gipfelflanke weist einige Stellen mit einer Hangneigung im Bereich von und über 35° auf und wohlüberlegt sollten die letzten 150Hm angegangen werden.

hier rechts weg Richtung Voldertalhütte

Zumeist ist der Tourenfreund im Gelände des hinteren Voldertales alleine, oder nur mit wenigen Gleichgesinnten im zufälligen Verein unterwegs. Die meisten Erholungssuchenden Tourenfreunde sind bereits spätestens bei der Vorbergalm auf den Hauptgipfel dieser Kette, den um hundert Meter höheren Malgrübler, abgebogen. Die weite und großteils wenig steile Anreise bis Steinkasern schreckt den sensationssuchenden Schitourengeher zu sehr ab, er mag beispielsweise seine Lampsenspitze oder sonstige Modeziele des Sellrains lieber wiederholt begehen, die Seekarspitze im hinteren Voldertal ist ein stiller Klassiker ohne Rummel, geschätzt von naturbegeisterten Bergsteigern.

der Tag beginnt sonnig

Ausgangspunkt der Schmankerl-Schitour auf die Seekarspitze ist der kostenlose Parkplatz in Volderwildbad. Und schon wieder muß vor der Gemeinde der Hut gezogen werden, der Parkplatz ist erstklassig geräumt und eben kostenlos (wie auch jener bei der Karlskirche).

Rückblick an Vereinigung Fußweg und Fahrweg

Nach der Anfahrt mit dem PKW über den Großvolderberg startet das phantastische Abenteuer auf etwa 1.100m Seehöhe. Wer die Anfahrt entlang der Bauernschaften und Anrainern schaumgebremst absolviert, der sichert sich des frühen Morgens am Wochenende nicht nur die Sympathie der schlafenden Bewohner; auf der geräumten, aber teilweise noch beschneiten Straße werden zusätzlich auch vermeidbare Malusstufen bei der Begegnung mit Pendlern vom Berg gespart – eine „WinWin-Situation“ also.

rechts unten die Voldertalhütte

Die klirrende Kälte dieser so schönen Wintertage Mitte Jänner 2019 sorgt zwar – vor allem bei dem mittlerweile sehr alten Autor – für klamme Finger auf den ersten Höhenmetern, aber auch für eine kristallklare Sicht in das morgendliche Kälteblau des Voldertales, das die meisten (Handy)Kameras so schön übertrieben widergeben.

Spuren ab Abzweigung „Vorberg“

Das Wettergeschenk für den kleinen Mensch in der Natur zu Beginn dieses Jahres bescherte einen völlig verschneiten Voldertalweg, der auch noch dazu richtig geräumt wurde, sodaß nicht nur der Aufstieg am Parkplatz beginnen kann sondern auch die Abfahrt, nach welcher Schitour auch immer im Voldertale, zum selben zurück. Dies soll hier anerkennend erwähnt werden.

unterhalb der Vorbergalm

Der Aufstieg nach Steinkasern vollzieht sich mehr oder weniger meist auf dem Talweg, der durch die Spuren eines Motorschlittens bis zur Abzweigung Malgrübler/Vorberg (etwa 1.460m). Von dort hatten wir an diesem wunderschönen Tag die Ehre die Spur bis auf die Seekarspitze zu ziehen. Und es sollte, an diesem Tag, auch nach der Vorbergalm keine zusätzlichen Aufstiegsspuren zu unserem Ziel mehr geben.

Vorbergalm – links über der Alm in den Wald ginge es hinauf zum Malgrübler

Die Vorbergalm (1.668m) stellt noch nicht ganz die Hälfte der Tourenlänge dar und weit nicht den halben geodätischen Aufstieg. Trotzdem fühlt man sich dort schon weit gereist angesichts der malerischen Almgebäude, die momentan in idyllischer Schneeumhüllung zu bewundern sind und in absolute Stille eingebettet ruhen. Abgerutschte Dachbeladung der Schneemassen der letzten drei Wochen beeindruckt zum Verewigen auf Bild.

die Klausböden erreicht

Der weitere Wegverlauf von der Vorbergalm zu den Klausböden weckt die unberechtigte Sorge einer beschwerlichen Abfahrt. Die Steigung dorthin erscheint im Aufstieg als zu gering für das heutzutage völlig entrückte Zeitgefühl wie schnell es auf einer Talausfahrt hinab gehen soll. Unberechtigt ist das fälschliche Gefühl deshalb, weil die geringe Steigung genügt, um mit halbwegs vernünftigem Schibelag eine durchgehend energiezufuhrlose Abfahrt zu erleben. Wer jedoch der Geißel der Zeit unterliegt mag mit so manchem „Anschupfer“ mittels Schistöcken die eine oder andere Minute eher wieder an der Vorbergalm eintreffen und zeigt sich vielleicht sogar zufrieden damit dort für sich persönlich eine unglaubliche Ersparnis wertvoller Zeit verbuchen zu dürfen.

Blick Richtung Steinkasern nach den Klausböden

Die Klausböden oder – der Autor ist sich seit jeher in der Schreibweise nicht sicher – der Klausboden, stellt eine Flachstelle im Talaufstieg dar. Die „Klause“ leuchtet dem Geschichtsinteressierten als eine Talsperre, eine Engstelle ein, die möglicherweise schon früh energetisch genutzt worden sein könnte und deshalb den treffenden Namen erhalten hat. Sie kann aber auch einfach eine geologisch, topografische Besonderheit sein, in jedem Fall aber eröffnet sie einen herrlichen Blick in den dahinter liegenden Talkessel, der mit seinem imposanten Aufsteilen zum Naviser Jöchl hin die Wende zur echten Anstrengung im Aufstieg einleitet.

Steinkasern

Der Talkessel nach den Klausböden beherbergt die Almsiedlung der Steinkasern Alm. Eine schöne Ansammlung wirklich alter und auch junger Almgebäude in schützendem ehemals felssturzträchtigem Gelände, die bei unserer Durchschreitung in einer bemerkenswerten Weise von Schnee und Eis eingeweht wurden. Von so manchem Gebäude sind lediglich nur mehr Dachausprägungen zu sehen, der Rest befindet sich fest im Griff eines beeindruckenden meterhohen hartgepressten Schneepanzers.

unser Ziel die Seekarspitze recht rechts der Bildmitte

Über das wesentlich steilere als das bisherige Gelände zur Steinkasernalm kam mehr und mehr Wind auf. Nicht daß dieser nennenswerte Stärke erreichte, aber – wie so oft bei Schitouren – reichte seine Intensität aus, daß zur Verstärkung der Oberkleidung innegehalten werden mußte. Dies obwohl der Nordanstieg im Talkessel nach Steinkasern endlich in Sonne getaucht wurde.

Seekarspitze mit Anstieg über die Südwestflanke

Eine kurze Beruhigung der Steilheit des Anstieges erfolgte in einer weit angelegten Linkskurve zu den Melkböden. Dort befindet sich der ebenso völlig durch die Schneestürme verpackte Hochleger der Steinkasernalm und die Fotos sprechen Bände über die Herrschaft, die die Stürme dort hinterlassen haben. Diese Kurve führt direkt zum Gipfelaufbau der Seekarspitze.

einmal musste einer der Hügel im Kar rechts umgangen werden

Über ein paar ernste Hügel im Zentrum des Talkessels hinweg peilten wir eine unkonventionelle Aufstiegsroute in der Südflanke der Seekarspitze an, die sich weiter oben zur Westflanke ausbildet. Spätestens am Fuß des Gipfelaufbaues mußte sich der Autor eingestehen, daß bis zum Flankenfuß ein direkter Ostanstieg auf Höhe der Steinkasernalm in kürzerer Strecke zur Gipfelflanke geführt hätte. Dies allerdings unter wesentlich schärferer Steigung über derzeit unbesonnte Steilhänge in nordwestlicher Ausrichtung, die nach den Schneefällen seit Jahresbeginn bewußt zu vermeiden waren, wie uns schien auch bei LWS2.

am unteren Teil der Gipfelflanke

Letztlich, am Fuße der Seekarspitze angelangt und noch gut 150Hm vor sich, entschieden wir uns für die Begehung der Südwestflanke, selbst wenn die Hangneigung dort stellenweise an 35° grenzt, bzw. diese über wenige Aufstiegsmeter noch überschreitet.

blick zur Naviser Sonnenspitze

Der Hang präsentierte sich großteils hartgepresst mit Windgangln großen Ausmaßes, deren Bewältigung beträchtliche Schrittweiten erforderte und aber auch die positive Seite eines sicheren Aufstieges vermittelte.
Evi übernahm bis zum Grat bravourös die Spurarbeit über den mittlerweile windfreien Hang, der angenehm bestrahlt wurde und das Ablegen von Windjacke und Stirnband erforderte.

Evi spurt in der Gipfelflanke

Dieser Schlußhang hat es nach gut 1.400m Aufstieg wirklich in sich und fordert ein letztes Mal die Kondition heraus. Eine sinnvolle Querung zum westlich ausgerichteten Gratrücken bei großer Hangneigung erschien uns als logischer Schritt, um den Aufstieg dort flacher fortzusetzen.

Anstiegsgelände aus den Melkböden (im letzten Bilddrittel der komplett eingeschneite Hochleger)

Diese Ahnung erwies sich auch als richtig. Allerdings wird am Grat zunächst das Schultern der Schi erforderlich, da er durch großblockiges und erstaunlich bodennah abgeblasenes Felsgelände führt.

ein kurzes Stück Schitragen am Gratrücken

Ein paar Dutzend Höhenmeter ließen sich aber auch noch mit angeschnalltem Schi im Tourenmodus absolvieren und in dieser Weise endete die Strecke beim kleinen Gipfelkreuz der Seekarspitze auf 2.646m.

die letzten Meter konnten im Tourenmodus begangen werden

Der immerhin dritthöchste Gipfel der östlich das Voldertal begrenzenden Kette gestattet eine wunderbare Aussicht auf die umliegenden Spitzen und Grate, deren viele der Autor in den letzten Jahren als Schitouren bestiegen und auf diesem Blog beschrieben hat.

Seekarspitze, 2.646m mit Malgrübler

Das im Osten gelegene Wattental wartet mit einer Vielzahl an malerischen Schitouren auf, ja schier der gesamte Bergkamm seiner östlichen Begrenzung ist als Schitour begehbar, vom Poferer Jöchl über den mächtigen Hirzer bis zur rassigen Torwand.

Evi auf der Seekarspitze, 2.646m

Im Süden kann das Panorama der epischen Zillertaler Alpen mit seinen hohen Dreitausendern bestaunt werden – die schönste Erscheinung bildet der Olperer.

phantastische Einsicht ins Wattental

Ein Berg, den der Tiroler Bergsteiger bestiegen haben muß, und zwar von der historisch bestimmenden Variante für die Talschaft Tux, über das Kleinod des Valsertales. Tux gehörte bis vor knapp hundert Jahren zur Gemeinde Schmirn und die Verstorbenen der Tuxer mußten über das Tuxer Joch nach Schmirn zum Friedhof gebracht werden (nach dem Winter natürlich, versteht sich). Die Begehung vom Valsertal über die Geraer Hütte entbehrt überdies dem Schirummel des Gletscherschigebietes und erfolgt klassisch vom Tal aus.

Eisenkarspitze gleich neben der Seekarspitze. dahinter die Zillertaler – sie trägt nur eine Schneestange

Im Westen begeistert die Rosenjochgruppe mit dem gleichnamigen höchsten Gipfel, dem Rosenjoch, mit beachtlichen 2.796m. Die großartige 34km lange Reise der Voldertalumrundung des Sommers führt von der ostseitigen Begrenzung des Voldertales, die die Seekarspitze beinhaltet, über den unübersehbaren Gipfels der Naviser Sonnenspitze über das Naviser Joch auf die westseitige Begrenzung des Voldertales und findet sich hier in diesem Blog beschrieben.

Grafmartpitze, Grünbergspitze, Rosenjoch von links – die westliche Umrahmung des Voldertales

Nordwärts geblickt fanden wir eine Abfolge von befahrbaren Teilhängen, die sich, hintereinander gereiht, als Experiment einer Gesamtabfahrt bis zum orografischen Ende der Klausböden handhaben lassen sollte – so unsere Einschätzung.

die Abfahrtsroute wird ausgespäht

Nach einer knappen Dreiviertelstunde starteten wir unsere Abfahrt, die zunächst mit dem felsig anmutenden Gelände bis hinab zum nördlich laufenden Kamm zum Sunntiger begann und die vom Gipfel nicht befriedigend genug einsichtig war.

eine Route ohne abschnallen oder Schi tragen tut sich auf

Den Sattel am Kamm konnten wir mit bedachter Wahl der kurzen Abfahrt auf der Ostseite erreichen (für einen genaueren Eindruck der Passagen siehe hierzu die Bildergalerie). Ein Durchschlupf zwischen den Felsblöcken führte uns dann zu einem schönen Westhang auf dem wir die ersten Schwünge im Pulvergelände ziehen konnten.

ab dem Sattel eröffnen sich tolle Hänge – allerdings muß die Route genau ausgespäht werden

Der Hang, zunächst rein Richtung Westen ausgerichtet, drehte weiter unten in nordnordwestliche Richtung, zu den Klausböden hin – perfekt für unsere Absicht.

Rückblick auf den ersten Hang unter dem Sattel

Bei häufigem Stopp und Einschätzung des Abfahrtsgeländes findet sich eine Schneise mit schönen breiten Hängen (siehe hierzu Detailfotos in der Bildergalerie).

die Hänge werden weiter und erlauben eine fast wahllose Abfahrt

Und mit gebotener Bedachtname auf Vermeidung der steilen Hänge am Ende der baumfreien Höhenzone oberhalb der traumhaften Zirbenwälder erlebt man damit eine sichere und schöne Abfahrt (siehe heirzu mehr Bilder in der Galerie).

Zum Abschluß der Abfahrt wird in die lichten Zirbenbestände eingefahren. Im Inneren des Waldes befinden sich immer wieder kleine Schneisen und Lichtungen, die ein abschließendes Vergnügen über teils steile Hänge bis zum Weg von der Vorbergalm zu den Klausböden bieten.

traumhafte Hänge im Zirbenwald stehen bevor

Mit kleiner Geschwindigkeit gepflegter Schi führt der Weg dann hinab zur Vorbergalm. Von ihr empfiehlt es sich den Hang stark nach rechts zu befahren, um unten auf den Weg zu kommen, der bei den Schneeverhältnissen dieser Tage ohne wesentliche Anschiebehilfe die nahezu 5km weit bis zum Parkplatz führt.

Vorbergalm am frühen Nachmittag

Das unvergessliche Abenteuer der Seekarspitze im Voldertal beanspruchte uns über 6:20 Stunden, wovon wir viel zu kurze 45min am besonnten und windfreien Gipfel verbracht haben.

zurück am Parkplatz Volderwildbad

Insgesamt sind bei der Schitour auf die Seekarspitze gut 12km Tourenstrecke und rd. 1.550Hm Aufstieg zu bewältigen (siehe Routenübersicht und Hangneigungskarte in der Bildergalerie).

Mils, 19.01.2019

 

 

 

 

Schitour Glungezer, 2.677m – von der Karlskirche

Selten im Winter – und in so manchem Winter gar nicht – bestehen geeignete Schneeverhältnisse, um die Schitour vom Tal aus auf den Glungezer zu unternehmen. Schneeverhältnisse, die es dem Belag erlauben nicht bei jedem Schwung im unteren Teil am Kleinvolderberg mit Maulwurfhügeln Bekanntschaft zu machen.
Über lange Zeit wurde diese Schitour als die längste Tirols gehandelt – mittlerweile gibt es weit längere.

Eingang der Glungezerhütte und Gipfelbereich mit Materialseilbahn des Bundesheers

Der Start, wie könnte es schöner sein, befindet sich in geschichtsträchtiger Umgebung bei der Karlskirche und dem Servitenkloster zu Volders an der Bundesstraßenbrücke und Abzweigung der Landesstraße nach Tulfes. Der  beeindruckende Barockbau¹ der Karlskirche (Grundsteinlegung 1620, geweiht 1654) fasziniert nicht nur vom Äußeren, der Kunstgenuss des Kuppelfreskos im Inneren kann bei einem andächtigen Besuch anlässlich der Danksagung von riskanten überstandenen Schitouren bewundert werden.

Panorama im Inntal, Mils gegenüber vor dem Halltal

In der Tat hinterläßt dieser Schitour einen bleibenden Eindruck. Alleine der Start mitten im Inntal ohne vorherigen Höhengewinn per Fahrzeug ist schon ein nicht alltäglicher.
Der Parkplatz wurde für die Zwecke des Winters extrem erweitert. Östlich der kleinen Ausbuchtung des Hanges als Parkplatz läßt, vermutlich die Gemeinde Volders, eine große Wiesenfläche zu Parkzwecken räumen –  wofür man in Zeiten wie diesen den Hut ziehen muß. Insgesamt finden am Ausgangspunkt der Tour schätzungsweise an die 80 Fahrzeuge Platz.

Durchschlupf beim Wegkreuz oberhalb der Karlskirche

Im unteren Teil der Tour wird quasi über den gesamten Kleinvolderberg aufgestiegen. Die Wiesen der Bauernschaften dort bilden schöne Abfahrtshänge die durch die Zufahrtsstraßen zu Wohnhäusern unterbrochen werden an denen recht nahe aufgestiegen wird – der heute im Pulk allgemein recht laut gewordene Tourenfreund möge sich des frühen Morgens mit seinen Unterhaltungen entsprechend zurückhalten, passiert er die Gehöfte.

Wiese hinter dem Durchschlupf mit dem Ziel im rechten Bilddrittel dem Glungezer (nebelverhangen)

Nach den ersten zwanzig Meter Aufstieg und dem Durchschlupf am Wegkreuz breitet sich das dahinter gelegene Feld leicht ansteigend aus und – auch eine Besonderheit dieser Schitour – das Gipfelziel wird sofort in umwerfender, in herausfordernder Entfernung sichtbar.
Aber nicht nur das Gipfelziel an sich, auch die Aufstiegsroute ist erkennbar und, wer sie kennt, auch die Waldschneise vor der Straße bei Windegg und das Schigebiet des Glungezers am Rücken zum Gipfel hinauf.

Aufstieg über tolle Hänge nach dem letzten Haus am Lachhofweg

Nach dem ersten Feld an der Straße (Lachhofweg) angelangt muß dieser etwa 500m in westlicher Richtung gefolgt werden, um den nächsten Aufstiegshang zu erreichen. Bei guter Schneelage kann dies unter Nutzung eines schmalen Streifens zwischen Straße und Zäunen der Anrainer, abschnittsweise leicht unbequem links oder rechts auf der erfolgen, ohne die Schi zu tragen.
Nach dem letzten Haus in Richtung Lachhof erreicht man den nächsten Hang wieder auf dem dann lange aufgestiegen werden kann, ohne abzuschnallen.
In Summe trifft es einen etwa drei bis fünfmal abzuschnallen, je nach Aufstiegsroute, Schneelage und  Salzeinsatz bei der Straßenräumung. Aus eigener Erfahrung sei jedem geraten abzuschnallen, um nasse Felle zu vermeiden.

die Freileitung wird angepeilt

Rasch wird auf den weißgetünchten Hängen an Höhe gewonnen. Das Ziel von unten von der Straße gesehen ist ein großer Strommast einer 110kV-Freileitung. Die Aufstiegsroute dorthin kann frei gewählt werden, falls es noch keine angelegte Spur gibt. Die Spitzkehre der Kleinvolderbergstraße beim Ortsteil Edenhaus wird links liegen gelassen, das spart zweimal Abschnallen.

Rückblick auf den unteren Teil am Kleinvolderberg

Beim Freileitungsmast (etwa 860m) wird das Gelände kurzzeitig etwas flacher, da die Aufstiegsrichtung hangparallel bis zum westlich gelegenen Freileitungsmast weiterführt. An dieser Stelle lohnt sich ein kurzer Rückblick über den schönen Kleinvolderberg.

Querung längs der Leitungstrasse bis zum nächsten Mast

Nach Erreichen des nächsten Freileitungsmastes zieht der Aufstieg kurz über einen steilen Hang bis zum Gehöft Platten an. Hier wird der Plattenweg überschritten, um jenseits den nächsten steileren Hang zum Tulferberg aufzusteigen. Am oberen Teil dieses Hanges verengt sich die Wiesenfläche zu einem schmalen Schlauch zwischen Waldflächen, etwa auf 1.080m. Hier lohnt ein weiterer Rückblick, die ersten 500 des gesamten 2.050m Aufstiegs liegen nun zurück.

Oberhalb des Gehöftes Platten

Ein weiterer Durchschlupf durch Besitzgrenzen am Ende der Wiesenschneise führt hinauf zur Tulferbergstraße bei Windegg. Ab hier befindet man sich schon im Schigebiet des Glungezer, auch wenn dort nicht immer eine technisch gezogene Piste besteht – worin auch einer der Reize des Schigebietes Glungezer besteht.

Hang bis zur schmalen Wiesenschneise

Nach der Tulferbergstraße bei Tulfein ist noch eine Hofzufahrt zu queren, die fallweise Abschnallen erfordert, sodann ist man dieser Unterbrechung bis zum Gipfel ledig.

schmale Wiesenschneise

Von einer Beschreibung des nun folgenden langen Aufstieges auf den Pistenflächen des Schigebietes soll hier abgesehen werden, da für den Tourenfreund damit kein Gewinn entsteht. Der Aufstieg erfolgt durchgehend am linken Rand der Pisten in Aufstiegsrichtung. Bei der Austragung von Schirennen ersetzt die Absperrung den Waldrand und der Aufstieg erfolgt mittig auf der Piste.

Piste unterhalb von Windegg

Erwähnenswert sind vielmehr die gastronomischen Angebote von Tulferhütte über das Gasthaus Halsmarter und die Tulfeinalm, die nicht nur im Aufstieg, bei den am Glungezer bekannten teilweise extremen Windbedingungen, wiewohl auch bei der Abfahrt für Labsal und bei Bedarf für warme Finger sorgen können.

vor der Tulferhütte

Ist die Bergstation des neuen Glungezerliftes „Halsmarter“ auf 1.550m erreicht kann man sich rühmen etwa die Hälfte des Anstieges zum Glungezer erreicht zu haben.
Dort trifft man mit viel mehr Schifahrern zusammen, als im unteren Teil am flachen Halsmarterlift.
Der beliebte Sessellift von Tulfes auf die Halsmarter wurde trotz keiner leichten Phase der Erneuerung als wichtiges Signal in der Region im Herbst 2018 neu erbaut und erfreut sich in den ersten Betriebswochen großer Beliebtheit. Für so manchen in der Region Ansässigen nebst dem Autor besitzt er „Kulturgutstatus“ und muß in jedem Fall erhalten bleiben, wenn auch Verständnis dafür aufgebracht werden muß, daß die technische Modernisierung von Anlagen in  der Notwendigkeit für einen Wirtschaftsbetrieb einher zu gehen hat. Nach gut 50 Jahren Dienst und dem Bekenntnis für die Zukunft hat der Glungezerlift in der Meinung des Verfassers heute Unsterblichkeit erreicht – er wurde Teil des Kulturgutes der örtlichen Bevölkerung.

Rückblick auf Windegg

Im oberen Teil des Schleppliftes, nahe der Baumgrenze bei Tulfein auf 2.000m, wich die Wolken- und Nebeleintrübung, die kurz nach dem Start für Zweifel sorgte, ob die gesamte lange Tour an diesem Tag wohl absolviert werden könnte. Der Gipfel jedoch blieb vorerst in Nebelpaketen eingepackt und  Wind kam auf, der die Temperaturen von etwa acht Grad kälter anfühlen ließ.

kurz vor Tulfein wird die Hoffnung auf Aufklaren gestärkt

Um die Ecke bei Tulfein gebogen keimte die Hoffnung auf, daß der Gipfelanstieg nach der Schaferhütte ein nebelfreier werden würde. Der Wind aus Nordwest fegte die hartnäckige Nebelbank mehr und mehr ins Voldertal weiter, es sollte aber noch mehr als eine Stunde dauern, und zwar bis zum Erreichen der Glungezerhütte, bis die Sicht ungetrübt wurde.

nach dem Schlepplift auf das Ziel geblickt – noch in großer Ferne scheint der Gipfel

Etwa auf halbem Weg von Tulfein bis zum Ende des ehemaligen Schleppliftes „Kalte Kuchl“ sind zwei Drittel des Aufstieges erreicht. Und dort steht man vor der noch immer fern scheinenden Pyramide des Glungezers. Wer will aber hier schon aufgeben?
Als leichte Strecke zum Regenerieren durch den steilen Aufstieg neben der Piste dünkt das weitere Gelände Richtung Schartenkogel. Der Weg Richtung Schartenkogel führt in einer angenehmen Kehre hinauf und quert unterhalb der letzten Meter des Schartenkogelliftes Richtung Tufleinjöchl bis vor die Schaferhütte, 2.260m.

Stimmung am Weg zum Schartenkogellift – klirrend kalt

Dort wird das Gelände des Glungezer Schigebietes wieder verlassen und Richtung Gipfel angestiegen. Bei der Begehung des Verfassers erzwang der mittlerweile recht unangenehm gewordene Nordwestwind die Überjacke und die Kapuze war willkommen.

am ersten Felsaufschwung nach Verlassen des Schigebietes

Der Aufstieg ist fast durchgehend mit Schneestangen in dichtem Abstand markiert. Am ersten Hang markieren die Schneestangen jedoch die Abfahrtsroute und der Aufstieg erfolgt links (südöstlich) davon in geringem Abstand und ohne Stangen. Nach der ersten Kuppe (etwa nach 50Hm) führt der Aufstieg wieder an die Schneestangen heran, die gleichzeitig die Abfahrtsroute markieren.

eine dichte Abfolge von Schneestangen weist den Weg – die Seilbahnstütze voraus wird angepeilt

In der Folge wird die vorletzte Stütze der Materialseilbahn des Bundesheers erreicht und der Seiltrasse etwa 5min gefolgt, bevor die Schneestangen in westliche Richtung ableiten.
Die Wendung führt auf einen fast ebenen Quergang mit einem Aufschwung am Ende, der einem, bei viel Wind, unangenehm dichte Schneeverwehungen ins Gesicht bläst, bis der Aufschwung überwunden ist.

Wegweiser unterhalb der Sonnenspitze – links geht es zur Glungezerhütte

Zum Abschluß des Winterweges – es gibt auch einen Sommerweg südlich des Tulfeinjöchls, der im Winter als Schitour auch begehbar ist – liegt der Hang von der Sonnenspitze herab nun bis zum Gipfel einsehbar als letzte kurze Prüfung vor dem Bezwinger.
Die Entscheidung zwischen der Sonnenspitze, 2.639m oder dem Glungezer, 2.677m, der nur der Glungezerhütte 2.610m kann nun getroffen werden und aufgrund der bekannten Hausstrecke und der unwirtlichen Verhältnisse entschied sich der Verfasser für die Gerstensuppe und das Bier in der Hütte, diesmal ohne Gipfel des Glungezers.

Blick auf den Glungezer, 2.677m

Hierzu muß noch die Querung etwa 50Hm unterhalb der Sonnenspitze erfolgen. Links (östlich) des Anstiegs zur Sonnenspitze befindet sich ein weitgehend eingeschneiter Wegweiser und eine Seilabgrenzung weist den Weg auf den Zugang zur Glungezerhütte am Sattel zwischen Sonnenspitze und Glungezer.
Der Übergang führt, eher flach querend, durch steiles Gelände; oberhalb die Felsschrofen der Rippe zur Sonnenspitze, unterhalb ein steiler Abhang. Die Seilsicherungen bieten im Extremfall bei Sturmwind sicheren Halt, im Normalfall bedarf man ihrer nicht.

Weg zur Hütte im Rückblick

Beim Anblick der Hütte und der Einrichtungen der Materialseilbahn waren die letzten Zweifel beseitigt, daß der Gipfel nach 4:30 Stunden Aufstieg vielleicht doch mitgemacht werden sollte. Die 67m Aufstieg von der Hütte bedeuten nicht die Welt für jemand, der schon mehrere Dutzend Male dort gestanden ist.

Sonnenspitze, 2.639m mit Biwackschachtel im Vordergrund

Die Glungezerhütte, in der Grundform und die Gaststube ein Bau des bekannten Innsbrucker Architekten Theodor Prachensky, über die Treppe hinuntergestiegen und eingetreten ist eine Hütte in der man sich unweigerlich wohlfühlt. Mag es an der Holzvertäfelung oder an der Einrichtung liegen, oder einfach an einem warmen Ort ohne Windgetöse.

die gemütliche Glungezerhütte mit ihren kleinen Fenstern

Ein dreiviertel Stündchen für Suppe und Bier neben anderen drei verbliebenen Tourengehern war schon das Maximum, das so spät am Nachmittag drin war, um bei der Abfahrt weiter unten nicht in Dunkelheit zu geraten. Also hieß es um 16:30 mit gewaltigem Panorama ins Unterland und mittlerweile kristallklarer Sicht Abschied nehmen vom zeitlosen Ort.

einer von Prachenskys Schifahrern

Die Abfahrt erfolgt wieder über die verseilte Gasse westlich unter die Sonnenspitze und dann der Aufstiegsspur folgend bis zum Akja, dann links von der Aufstiegsspur abzweigend, den Felskopf umfahrend bis hinab zur Abfahrt vom Schartenkogellift.

die Sicht zum Abfahren aufgeklart, das Ziel ist dort wo der Inn sich gegen Süden krümmt – Stimmung im Unterinntal Anfang Jänner um halb fünf abends

Am Weg nach Tulfein bezauberte noch der abendliche Blick des Inntales mit dem Abendrot über den Sellrainer Bergen.

hier verläßt die Abfahrt die Aufstiegsroute kurz nach links um den Felskopf herum

Der lange Aufstieg wird einem erst ab der Tulferhütte bewußt, wenn die Oberschenkel in schneller Abfahrt zu brennen beginnen und erst noch der Kleinvolderberg mit Tiefschnee wartet.

Abendrot über den Sellrainer Bergen

Die Bilder über die Naturabfahrt über den Kleinvolderberg bleiben grandios in Erinnerung. Selten gibt es eine solche Möglichkeit über breite Wiesen einfach querfeldein hinabzufahren, Häuser und Stadel hinter sich zu lassen.

Am oberen Teil am Kleinvolderberg – gegen das Karwendel und Halltal

Der neuerlichen parallelen Fahrt oder Tragestrecke am Lachhofweg kann bei guter Schneelage auch ausgewichen werden. Oberhalb des Hauses am Lachhofweg kann auch rechts (östlich) auf schmalem Pfad in den Wald hineingefahren werden (rechtzeitig am Hang rechts weg bevor das Gefälle nicht mehr ausreicht).

tolle Abfahrt zwischen den Häusern

Dort folgt eine kurze Schiebestrecke von etwa 50m bevor eine Kurve der Kleinvolderbergstraße erreicht wird der man talseitig der Leitschienen,  gegen den Wald, etwa 200m folgt. Nachdem der Wald endet und leicht links (westlich) ein Haus zu sehen ist wird zu diesem abgefahren, die Straße überquert und somit die gesamte Strecke auf dem Lachhofweg umfahren.

nach der Umfahrung des Lachweges; etwas links haltend nach dem Haus geht es zurück zur Aufstiegsspur

Weiter links haltend über das breite Feld führt die Abfahrtsroute zum Ausgangspunkt hinab.
Eine Gesamtübersicht und ein paar Kartenausschnitte der Tour und ein Höhenprofil befinden sich in der Bildergalerie, siehe weiter unten.

Tourabschluß auf den Glungezer mit Abendstimmung bei der Karlskirche

Für die 10,5km lange und 2.050Hm Aufstieg messende Tourenstrecke wurden inclusive Hüttenaufenthalt 6:02 Stunden benötigt, für den reinen Aufstieg mit Fotopausen 4:33 Stunden.
Die Planung beschreibt den Aufstieg mit 5:30 Stunden, siehe Höhenprofil in der Bildergalerie.

Schitour Glungezer – horizontale Länge

Die Mähr von 15 oder 16km Tourenlänge ist durch eine Kartenmessung übrigens rasch widerlegt.
Die horizontale Strecke von der Karlskirche bis zum Glungezer beträgt rund 8.500m und der geodätische Aufstieg beträgt rund 2.100m. Mit Hilfe der Winkelfunktionen errechnet sich somit ein durchschnittlicher Winkel von 13,9° und bei diesem kleinen Winkel ergibt sich halt keine Hypotenuse die länger als 8.760m wäre. Wenn man nun die Kehren im Gelände und die S-Kurve nach Tulfein berücksichtigt, dann mag sich vielleicht je nach Route eine Länge von 10.500m ergeben, niemals aber von signifikant mehr – so wie es AV-Karte und Outdooractive auch ergeben.

Mils, 12.01.2019

¹Hierzu eine Erläuterung des geschichtsbewanderten Freundes des Autors, Christian Neumann, Absam:
Die Karlskirche ist eigentlich eine Barockkirche (1620 von Guarininoni gestiftet, 1654 geweiht) und keine Rokokokirche. Die Karlskirche war „der erste barocke Zentralbau Tirols“ und  „die ursprüngliche Raumfassung wurde 1766/67 durch eine Rokokogliederung mit Stuckmarmorpilastern und Recaillekapitellen von Johann Georg Gigl ersetzt“ (zitiert aus Tavernier/Schubert, Tiroler Ausstellungsstrassen, Barock und Rokoko, 1995: ISBN 978-3-7022-2260-4). In Wikipedia und auch sonst überall wird vom Rokoko der Karlskirche gesprochen, das gilt aber eigentlich nur für die Umgestaltung, denn die Zeit des Rokoko war in etwa von 1725 bis 1785, aber die Kirche wurde 100 Jahre davor in der Frühzeit des Tiroler Barocks erbaut.

Schitour Roßlauf, 2.248m und Hoher Kopf 2.373m

Mit moderaten Hangneigungen stellen die beiden Gipfelziele eine recht sichere Sache dar, wenn nach Neuschnee mit Wind die Warnstufe drei ausgegeben wurde. Die Hangneigungen – im Tiris nachverfolgt – erreichen nirgendwo 30° oder mehr.

Roßlaufspitze, 2.448m

Der Parkplatz Innerst befand sich gegen 8:45 Uhr am Neujahrstag bis zum letzten Platz besetzt, weswegen wir  wir unterhalb längs der Straße parken mußten. Das eintägig vorausgesagte Zwischenhoch am Neujahrstag hatte offenbar sehr viele Tourenhungrige angezogen, bevor danach der Schneefall wieder einsetzen soll.

Morgenstimmung im Weertal

Der Anstieg zur Abzweigung vom Weg zur Weidener Hütte präsentierte sich heute perfekt verschneit; ohne Steinkontakt erfolgte auch die spätere Abfahrt.

Stimmung auf der Hochsinnalm

Am Weg zur Hochsinnalm verschwanden die letzten Nebelreste und in den freien Hängen nach dem Wald herrschte, bis auf thermische Brisen, Windstille.

oberhalb der Fiderissalm wird in der Fallinie über die Almböden angestiegen

Ab der Fiderissalm wird nicht mehr am Weg angestiegen, sondern direkt oberhalb der Alm auf den Wiesen geradewegs bis zum lichten Zirbenwald (siehe Hangneigungskarte mit Route eingezeichnet).

bald ist der Wald erreicht

Im Wald folgen steilere Passagen auf Flachere, insgesamt bleibt die Hangneigung jedoch unter 30° und die Stimmung nach Neuschnee ist, über den etwa 200Hm umfassenden Aufstieg im Wald einzigartig.

einige lichte und einige freie Passagen im Aufstieg

Grob 100Hm unter dem Hochleger der Fiderissalm wird das Gelände flacher und vor den Almgebäuden befindet sich eine kleine Senke. Nach den Almhütten steigt das Gelände zu beiden Tourenzielen in leichten Stufen moderat bis zum Gipfelbereich.

kurz vor den Hochleger der Fiderissalm

Zunächst kam für uns der Hohe Kopf in Frage. Die Roßlaufspitze hängten wir als zusätzliches Ziel dran indem wir bis knapp vor die Almhütten des Hochlegers abfuhren, wieder auffellten und die etwa 150Hm über sanfte Hänge aufstiegen.

nach dem Hochleger Richtung Hoher Kopf

Der Aufstieg vom Hochleger bis zum Hohen Kopf ist fast vollständig einsehbar – zumindest ist der Gipfelbereich immer im Blickfeld. Am Weg dorthin stieg der Windeinfluß kräftig an.
Dem direkten Gipfelbereich des Hohen Kopfes vorgelagert befinden sich einige kurze Passagen in Kammnähe, die – wie so häufig – auch bei unserer Begehung recht abgeweht angetroffen wurden. An diesen Stellen ist bei der Abfahrt Vorsicht zur Schonung des Schibelages nötig.

das Gipfelkreuz des Hohen Kopfes bereits sichtbar

Der Hohe Kopf hat im Gegensatz zur Roßlaufspitze den Vorteil einer kleinen Geländemulde in der es sich in deutlich windgeschützter Lage leichter Abfellen und zur Abfahrt rüsten läßt.

Starker Wind am Hohen Kopf

Zum Gipfel müssen allerdings noch ein paar Meter exponiert aufgestiegen werden, die bei Wind unangenehm ausfallen und den Gipfelaufenthalt auf die nötigen Augenblicke für ein paar Fotos verkürzen.

Evi am Hohen Kopf

Die kurze Abfahrt von rund 280Hm bis zum Hochleger empfiehlt sich nahe der Aufstiegsspur, vor allem wenn der Anstieg zur Roßlaufspitze bevorsteht. Wir fellten also wieder auf und Michael spurte durch die wunderbar verschneite Landschaft begeistert voraus.

Auffellen am Fideriss-Hochleger

Zunächst beginnt der Aufstieg sehr flach, um die Entfernung zum Gipfelrücken der Roßlaufspitze etwas zu überbrücken. Nach etwa 10min steilt der Aufstieg etwas auf und überwindet ein paar steilere Stufen. Zum Abschluß wird eine niedere Rippe überschritten an die der ebenfalls meist abgeblasene langgezogene Gipfelbereich anschließt.

herrliches Gelände voraus

Am Gipfel der Roßlaufspitze bietet sich – obwohl um rund 130m niedriger als der Hohe Kopf – ebenfalls ein toller Ausblick, diesmal, noch näher am Gilfert auf denselben und auf den gegenüberliegenden Hochleger der Nurpensalm. Kaum zu glauben, daß sich hinter dem Kamm über der ruhig schlafenden Alm jede Menge Betriebsamkeit des großen Schigebietes Hochfügen versteckt.

Michael im Gipfelbereich

Auch am Gipfel der Roßlaufspitze blies der Wind unwirtlich genug, daß wir unmittelbar nach den Fotos zur Abfahrt rüsteten. Auf den umliegenden Gipfeln, inclusive des Hohen Kopfes, zeugten hohe Schneefahnen von der neuerlichen Wetterumstellung aus Nordwest.

Roßlaufspitze, 2.448m

Die Spur über das Alplköpfl herauf sah idyllisch aus, hier gibt es wahrscheinlich ab der Hochsinnalm einen Anstieg, wie die Webseite der Gemeinde Weerberg schließen läßt, eine Beschreibung darüber konnte der Verfasser im Internet keine finden.

Blick Richtung Alplköpfl

Die Abfahrt von beiden bestiegenen Gipfeln in das Nurpenstal kürt die Schitour zur Runde und es sei die Abfahrt zur Unteren Nurpensalm eine sehr schöne sagt man im Allgemeinen.

Michael und Patricia am Roßlauf

Leider war uns diese wegen der Schneeverhältnisse und Gefahrenmuster nicht beschieden und wir konnten auch keine Abfahrtsspuren anderen Tourengeher erkennen.

schöne Pulverhänge erwarteten uns

Die Abfahrt über die leichten Hügel auf der nordwestlich ausgerichteten Aufstiegsstrecke durch den Wald bot uns aber auch einige unvergessliche Momente im Tiefschneestaub den Wald hinab.

ein Hochgenuß diese Hänge von der Roßlaufspitze herab

Nach der Fiderissalm kann man einen weiteren Hang in Falllinie bis zum Talweg abfahren, es ist nicht nötig, die Hochsinnalm mit einzubinden. Allerdings müssen dann etwa 350m Schiebestrecke überwunden werden, welche die Abfahrt über den schönen Hang aber lohnen.

Für die Tour haben wir mit kurzen Aufenthalten wegen des Windes viereinhalb Stunden benötigt, der gesamte Aufstieg betrug 1.335m.

Mils, 01.01.2019