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Figln im Halltal

Ist die Zeit der Schitouren vorbei, keimt gleich der Wunsch auf die letzten Relikte des Winters – und hier vor allem die ordentlich steilen – in einer Kombination aus Bergsteigen und Schifahren zu nutzen. Figln – eine spaßige Sache gepaart mit Nervenkitzel in steilen Rinnen.

Schnappschuss getroffen fast wie ein Gemälde Egger Lienz‘

Das Halltal bietet eine Vielzahl von Figlmöglichkeiten. Zwei wohlbekannte Klassiker und zwei eher anspruchsvollere und weniger bekannte Figltouren sollen hier vorgestellt werden.

Figln durch die Nordrinne der Wildangerspitze:

Dies ist die kürzeste der Touren, sie ist auch leichteste vom Anstieg her. Vom Eingang ins Halltal beim Hackl werden ca. zweieinhalb Stunden bis zur Wildangerspitze benötigt. Der Steig auf das Törl sei plötzlich gefährlich geworden und ist deshalb –wie plötzlich so vieles im Halltal –  gesperrt. Es wird hier nicht näher auf Sinn und Unsinn dieser Maßnahme eingegangen, im Vordergrund stehen heutzutage immer nur mehr rechtliche Aspekte, die in atemberaubender Geschwindigkeit in unser Land importiert und das Zusammenleben zunehmend unbefriedigender werden lassen.

Wildangerspitze, 2.153m

Alternativ zum gesperrten Normalaufstieg auf das Törl steht der Anstieg über die Steinbergreise zur Verfügung. Man rechne dafür ein halbes Stündchen mehr und entscheide selbst welchen man nehme. Auch über die Thaurer Alm ließe sich zum Törl aufsteigen.

Christians jungfräuliche Geräte

Vom Törl zur Wildangerspitze sollte man bei klarem Wetter auch im Mai nicht zu spät am Vormittag unterwegs sein, da der Aufstieg auf einem Südhang erfolgt. Zum figln eignet sich die Nordrinne meist aber auch etwas später am Tag, da sie weitgehend sonnengeschützt ist.

über das Lafatscher Joch zum Roßloch geblickt

Während der Rast auf dem bequemen Bankl beim Gipfelkreuzchen können tolle Aussichten gen Nord und Süd genossen werden. Im Süden das frühlingshafte Inntal von Tuxern und Stubaiern begrenzt, im Norden die Gleirsch-Halltalkette mit ihrem mächtigsten Ausläufer nach Süden, der den Roßkopf – eine besonders schöne Felsgestalt im Halltal – trägt.

prächtige Verhältnisse im Bachofenkar

Genau so schön präsentiert sich dann die Abfahrt vom kleinen Schärtchen leicht westlich unterhalb der Wildangerspitze. Christian mit seinen „originalen“ Figln und ich mit den zufällig passenden Snowblades, die eigentlich für Schischuhe gemacht sind machten uns auf zur Abfahrt.

die Figler vor der Abfahrt

Weil meine schweren Bergschuhe einen Miniabsatz zwischen der Gummizehenkappe und der Sohle haben, rastet der Klappbügel der Bindung zufällig ein und bildet deshalb eine unbeabsichtigte Einheit. Massive Schläge hält die Paarung allerdings nicht aus und darum kommt es manchmal vor, daß mir ein Snowblade davon fliegt. Und weil ich schon einmal in der Pfeis einen 200Hm Abstieg zum wieder Einfangen eines solchen Ausreißers hinter mir habe, verwende ich seither Fangriemen aus Draht (die Verwendung von „Alpindraht“ habe ich vom Absamer und Besitzer des Knappenhäusls Karl Obleitner, einem versierten Erfinder rund um das Thema figln, gelernt).

Eröffnung der Nordrinnenfiglerei

Trotz fortgeschrittener Stunde ließ sich die Nordrinne wunderbar abfahren, vor allem der steile obere Teil war gut zu befahren.

mit viel Geschick

Den Anfang eröffnete ich auf Wunsch von Christian, der ein paar Fotos schießen wollte, die auch gelungen sind. Ich blieb dann in dem mir als steilsten Bereich erschienenen Abschnitt mittig stehen und bannte seine Gleichgewichtskünste auf Fotos. Wer selbst schon einmal auf originalen Figln gestanden ist weiß wie sehr ein ausgeprägter Gleichgewichtssinn dafür notwendig ist. Da sind mir meine in etwa doppelt so langen Brettchen bei weitem lieber. Er machte seine Sache gar nicht so schlecht, stand gut auf den Aluprofilen drauf und landete nicht ein einzig Mal im Schnee.

wedelt Christian die Rinne hinab

Natürlich tat ich mich etwas leichter und vor allem die im Sommerschnee so ausgeprägten und lästigen kleinen Einbuchtungen in der Schneeoberfläche (Kryokonitlöcher bzw. Ablationsformen des Schnees) überfahren sich mit längeren Schi wesentlich besser als mit kurzen Figln.

im Mittelteil der Nordrinne

Wir konnten die gesamte Rinne bis in den tiefsten Karboden abfahren, ein letztes schmales Band an Schnee war sogar noch im latschenbewachsenen Teil der unteren Stempelreisen vorhanden. Gut 400Hm beträgt die Abfahrt bis zur Halltaler Pfeis bzw. Issanger.

Genau zehn Tage später, bei der Figltour auf die Hintere Bachofenspitze zeigt sich die Rinne bereits bis weit hinauf schneefrei.

die Nordrinne vom Bachofenkar aus 10 Tage später

 

Figln im Stempelkar mit Anstieg über Latten-/Pfeiserspitze:

Der Klassiker im Halltal und eine sehr schöne und in der Abfahrt nicht so steile Figltour führt über die Lattenspitze und weiter über den teilweise versicherten Steig zur Pfeiserspitze, sowie über den leichten Grat hinab ins Kar oberhalb des Stempeljoches, von dem aus zum Stempeljoch abgefahren wird.

erste Figlabfahrt vom Grat der Pfeiserspitze zum Stempeljoch

Der Anstieg zur Lattenspitze erfolgt im unteren Teil wie bei der vorgenannten Figltour auf die Wildangerspitze auf normalem Steige. Nach der Abzweigung des kurzen Anstieges zur Wildangerspitze muß eine meist sehr lange im Frühjahr schneegefüllte Rinne durchschritten werden. Dieses einzige Highlight des Anstieges bis zur Lattenspitze kann mit mehreren Möglichkeiten überwunden werden.

schneegefüllte Rinne im Anstieg zur Lattenspitze

Der begeisterte Schneerinnengeher schlägt sich in der Direttissima mittig der Rinne seine Stapfspur bis oben hin, der Felsgeher packt sie rechts an der aperen schrofendurchsetzten Geländewand und der ängstlichere oder ökonomisch gehende Figler schlägt – wenn sich der ängstliche traut – seine Stapfspuren die schneegefüllte Rinne im unteren steilen Teil die wenigen Meter quer zur Rinne um die äußere, fast immer apere Begrenzung in Fels und Wiesenboden aufzusteigen. Alle Arten sind möglich, die erste ist nicht wirklich gefährlich. oben ein Foto der Rinne aus dem letzten Jahr.

Schlußhang zur Lattenspitze

Nach der Lattenspitze geht es über ein paar Gratrippen weiter zur Pfeiserspitze, die mit eine Luftlinienentfernung von 270m fast in Griffweite liegt.
Der Schöne Steig dorthin ist im Frühjahr oft noch mit Restschneefeldern gefüllt wobei diese manchmal etwas Geschick erfordern gequert zu werden, ohne hüfttief einzusinken oder etwas abzurutschen.

Blick von der Pfeiserspitze in Richtung Lattenspitze

Um die Rippe zur letzten Scharte gibt es ein neues Fixseil dessen man nicht unbedingt bedarf. Der Aufstieg nach der Scharte zum Gipfelkreuz der Pfeiserspitze ist nochmals ein kleiner Klettergenuß. Das Gipfelkreuz wurde zwecks besserem Fundament vom scharfen Grat etwas weiter nördlich verlegt, was erklärt, warum die Gipfelbuchschachtel einige Meter weiter südlich am Grat befestigt ist.

die Pfeis noch im Winterschlaf

Hinab ins Kar führt der neu versicherte Steig zunächst am leichten Grat, dann durch eine zunehmend brüchigere Rinne und zum Schluß durch splitterige Türmchen bis zum Ansatz des Schnees auf der Nordseite. Eine nette Passage.

Sodann erfolgt das erste kurze Figlstück, im besten Fall bis in die Nähe der  Stempeljochscharte, im späteren Frühjahr aber nur bis zum Weg aus der Pfeis herauf.

Blick vom Stempeljoch auf die Abfahrt durch das Stempelkar

Unterhalb der Stempeljochscharte befindet sich im Lee des Felskopfes darüber meist ein fast ebener Anschnallplatz, der auch eine gute sicht über die gesamte Abfahrt bietet.
Alternativ kann bereits oberhalb, beim Normalweg angeschnallt und abgefahren werden, dieser Einstieg ist noch einen Deut steiler als der vorher beschriebene. Ich nehme diesen aber nie, da ich weiß ob nicht Stahlstifte von der Wegbefestigung herausstehen.

Rückblick auf das Stempeljoch

Die Abfahrt durch das Stempelkar ist wirklich ein Highlight, es ist breit und bis zum Ende immer einsehbar und die Spur kann nach Belieben ausgewählt werden. Hier ein Video aus dem letzten Jahr:

Halltalrunde; über Hochmahdkopf, Zunterköpfe, Latten- und Pfeiserspitze zum Stempeljoch und abgefiglt.7 Stunden, 1.800Hm#halltal #karwendel #figln

Gepostet von Bergtouren Tirol am Freitag, 26. Mai 2017

Gesamt 500Hm Figlspaß bis zur Grube über dem Issanger und bei genügend Schnee sogar in diesen noch hinein. Beide Abfahrten bei dieser Tour sind weniger steil als von der Wildangerspitze.

 

Figln in den Jochreisen im Kar des Lafatscher Roßkopfs mit Anstieg über den Kleinen Lafatscher:

Anspruchsvoller als die vorher beschriebenen Figltouren. Der Anstieg auf den Kleinen Lafatscher ist weit schöner als das Kar unter Schnee hinauf zu stapfen. Diese Figltour erfordert etwas Klettergewandtheit und etwas Einfühlungsvermögen für die Routenwahl im Abstieg zur Scharte bzw. zum Joch im Grat vom Lafatscher Roßkopf zum Kleinen Lafatscher.

ein imposanter Blick auf die Speckkarspitze

Am Eckpunkt des Grates, der vom Lafatscher Joch heraufzieht und sich fast auf Gipfelhöhe des Kleinen Lafatscher nach Westen dreht zieht der Grat zum Lafatscher Roßkopf hinunter. Der Höhenunterschied beträgt gut 100Hm.

die Einsattelung zwischen Lafatscher Roßkopf und dem Grat zum Kleinen Lafatscher

In der AV-Führerbeschreibung kommt der Aufstieg mit einer Bewertung von III- weg, ich bin jedoch der Ansicht, daß diese kräftig überzogen ist. Selbst im Abstieg käme mir vor, ich hätte nie ernsthaft klettern müssen.

der heuer noch unberührte Kleine Lafatscher, 2.636m

Die oberste schräge schuttbedeckte Platte wird mit Bedacht auf Reibung abgestiegen und in der Folge werden einige Zacken und Türmchen eher westseitig umgangen bzw. abgeklettert. Zu achten ist auf Schutt bei Tritten. Richtig ausgesetzt ist es nie. Nach meiner Einschätzung würde ich II- vergeben, bestenfalls II.

Grat zur Einsattelung in die sogleich abgestiegen wird

In der Einsattelung thront eine sehr mächtige Wechte, deren Dimensionen erst sichtbar werden, wenn man im ausgeaperten Gang zwischen ihr und der gelblichen Felswand bequem hindurch marschiert, um karseitig zum Anschnallplatz zu kommen. Schätzungsweise war die Wächte an ihrer Vorderkante 5-6m hoch.

kleinere Kletterpassagen am Grat hinab

Sich zwischen Fels und Schnee anzuschnallen war etwas mühsam, da die weggeaperten festen Schneepartien weiter außen lagen als ich die Schrittweite bemessen habe. Karls Alpindrahtfangriemen anzubringen war ganz schön anstrengend auf der schmalen Firnbank.

Rückblick auf den Grat vom Sattel aus

Nachträglich gesehen hätte ich die andere Seite der Wächte im Sattel nehmen sollen, dies wäre um einiges bequemer gewesen, weil ich dann direkt vom Grat abfahren hätte können.

die Höhe der Wechte nicht komplett erwischt, sie muß mehr als 5m hoch gewesen sein

Mit Respekt vor der übermächtigen Wechte ging es nun im Kar über die Jochreisen hinab und die Abfahrt war über ein paar alte, kleine Lawinen sehr gut möglich. Über knapp 500Hm beste Firnverhältnisse und erst in der flachen Mulde nördlich des Lafatscher Joches etwas Bremswirkung durch faulen Schnee.

gerüstet zur Abfahrt

Die Speckkarspitze gegenüber sieht aus der Perspektive in der Hälfte der Jochreisen recht imposant aus – dieser Blickwinkel mußte festgehalten werden.

der Wechte Vorderansicht

Täuschend immer die Zeit für die Abfahrten. Inclusive Rüsten für die Abfahrt habe ich bis zur Ankunft in der Senke vor dem Lafatscher Joch lediglich 20min benötigt. Die Intensivität der Erlebnisse von Natur und figln jedoch vermitteln einen wesentlich längeren Eindruck des Erlebnisses.

mitten in der Abfahrt

Die obersten 100Hm der Abfahrt dürften die Steilheit der Wildanger Nordrinne besitzen, anschließend wird es deutlich flacher.

Rückblick auf die Abfahrt über die Jochreisen

 

Figln in der Rinne zu den Bachofenspitzen und im Bachofenkar mit Anstieg auf die Hintere Bachofenspitze:

Für mich die Königstour im Halltal ist die Rinne zu den Bachofenspitzen. Sie ist lang und schwer, Klettererfahrung ist weniger erforderlich, sehr steile Aufstiege mit Steigeisen sollte man jedoch bereits absolviert haben. Die Rinne, die sich in etwa ab 2.400m leicht nordöstlich hinaufzieht trennt die beiden Bachofenspitze mit einer kleinen Einschartung östlich der schon im Bachofenkar drei markanten Felsköpfe und ist an die 150Hm hoch und unter Schnee teilweise an die 45° steil. Sie bildet auch den Sommeranstieg auf die Hintere Bachofenspitze aus dem Bachofenkar.

die Rinne zur Scharte zwischen den Bachofenspitzen

Momentan – per 31.05.2018 – liegt im Bachofenkar noch genügend Schnee für ein schätzungsweise ein bis zwei weitere Wochen durchgehenden Figlvergnüges bis knapp zum Wilde Bande Steig herab. Im Bachofenkar selber schätze ich wird man noch mindestens drei Wochen figln können.

das traumhafte Bachofenkar erwacht aus dem Winterschlaf

Die sehr steile Rinne ist beim ausapern. Ihre momentan obere Begrenzung liegt bei der Engstelle, bei der im Sommer ein beherzter Kletterschritt über die 1,50m hohe Schluchtstufe vonnöten ist, also etwa 30Hm unterhalb der Scharte. An der Engstelle darunter ist sie noch ca. 1,50m breit mit Firn gefüllt.

Abschluß im Bachofenkar

Im Aufstieg habe ich gerne die Eisen benutzt, obwohl der Aufstieg auch rechts im Felsgelände möglich gewesen wäre. Schnee vor brüchigem Fels.

die halbe Rinne erklommen

Die im Sommer ungeliebten letzten Meter vor der Scharte im Schutt blieben mir aber auch nun nicht erspart und so hantelte ich mich im rutschenden Schutt linkerhand bis zur Scharte hoch.

Abschluß der Schneeauflage in der Rinne

Der Übergang zur Hinteren Bachofenspitze ist bis auf ein 25m breites Schneefeld vor dem Gipfelaufbau bereits völlig schneefrei.

Gipfelaufbau der Hinteren Bachofenspitze

Bärige Aussichten auf die Halltal-Gleirschkette sowie den mächtigen Rosskopf und die weite Pfeis gen Süden, sowie auf den Karwendelhauptkamm sind bei gutem Wetter immer garantiert am Gipfel der Hinteren Bauchofenspitze.

Hintere Bachofenspitze, 2.668m

Diesmal aber, vielleicht wegen der klaren Sicht hinab,  hat mich auch der Blick auf die schon lange gehegte Erkundung der Hochflächen im Norden der Gleirschkette besonders fasziniert. Dieses aufgeschobene, zum Teil aus Raiblerschichten gebildete Pendant zum Mittelgebrige im Inntal muß unbedingt heuer erkundet werden.

das Vorgebirge im Hinterautal

Abgestiegen bin ich bis etwa 40m unterhalb des oben beschriebenen momentanen Schneeansatzes, also knapp über der Hälfte der Rinne. Dies um die Engstelle zu vermeiden, die mir aus einer brüchigen Schneedecke zu bestehen schien und in deren Bereich ich einen Sturz vermeiden wollte.

der breite untere Teil der Rinne

Ab der Hälfte allerdings war die Rinne gut zu befahren, sie machte Spaß und das Krascheln der Schi durch die Steinschläge war auszuhalten. Der untere Teil präsentierte sich weniger ruppig zum Fahren als der obere, weniger weiche Stellen waren zu durchfahren.

Rückblick auf die Abfahrt

Im Bachofenkar angekommen bot sich ein imposanter Rückblick auf die Abfahrt in der Rinne. Durch die rasch wechselnde Bewölkung mußte ich einige Minuten warten um die Abfahrtsspuren halbwegs fotografisch in Sonnenlicht aufnehmen zu können.

Rückblick im Bachofenkar

Die weitere Abfahrt über die beiden größeren Steilstufen im Bachofenkar war traumhaft und so konnte ich ein kleines Video nicht lassen:

Am Ende des Kares kommt man dem „offenen Bach“ (daher der Name des Kares und der Gipfel) direkt nahe. Ich realisierte erst, daß ich gerade einmal 20cm verhärteten Firn zwischen mir und dem tosenden Schmelzbach hatte, als ich die Schistöcke einrammte und der linke der beiden durch die Firndecke ins Leere und einen halben Meter tiefer in das Bachbett stieß. Wie von der Tarantel gestochen verließ ich die Schneefläche, durchnässte Bergschuhe konnte ich nicht bauchen, die Abfahrt ging ja weiter.

Blick auf die Abfahrt im Bachofenkar

Direkt am Wilde Bande Steig angekommen marschierte ich rund eine viertel Stunde taleinwärts bis knapp vor das Stempelkar, um dort noch ein durchgehendes Schneeband vom Kälberkar herunter bis zu den Stempelreisen abzufahren und um wieder am bereits beschriebenen Issanger zu landen.

traumhafte Rinne in die Stempelreisen

Diese schöne und lange Figltour bietet eine gesamte Abfahrtsstrecke über rund 900Hm, 500m im Bachofenkar und 400Hm im Stempelkar.

Rückblick auf die steile Rinne aus dem Kälberkar

in jedem Fall sollte man bei dieser Figltour Steigeisen mit dabei haben. Der Steilheit wegen.

restliche Abfahrt zum Issanger

Der Zeitbedarf vom Hackl bis zum Gipfel betrug viereinviertel Stunden, der Rückweg ist in etwas mehr als drei Stunden machbar. Der gesamte Aufstieg beträgt 1.940m.

Schnappschuß auf Werners Flieder – ein Segelfalter mit bereits abgebrochenen Hinterflügelenden

Zu jeder beschriebenen Tour gibt es noch mehr Fotos in der Galerie.

Mils, 01.06.2018

Kleiner Lafatscher – Lage per 17.05.2015

Mit dem Fernglas, von St. Magdalena aus, reizte mich die Tour auf den Kleinen Lafatscher schon gut zwei Wochen, da der Hauptgrat auch vom Tal aus schon länger recht aper erscheint.

???????????????????????????????Zusätzlich hatte ich schon lange vor, den Jägersteig vom Issanger aus zu erkunden. Er soll weit hinauf führen, bis zum obersten Teil des Weges auf das Joch (ich kann hier vorweg nehmen, daß er kurz vor dem Mutter-Gottes-Marterl wieder auf die Straße trifft).

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Nun wollte ich auch noch Zeit sparen und suchte den schon Zustieg auf der nördlichen Issbachseite, auch ein schon länger gehegter Wunsch (auch die AV-Karte zeigt Steigspuren im unteren Teil).

Jägersteig Isstal bis Marterl

Gleich nach unserer Brücke zieht ein wenig sichtbarer Steig über die Reise hinauf und begründet den Anfang des Zustieges über den Lärchenwaldrücken, in einen alten Wald hinein und bis zu besagtem Jägersteig. Der Steig ist teilweise mit blauen Punkten markiert, wahrscheinlich nicht zu jedermanns Freude, denn diese Gegend ist eigentlich ein Gebiet des Wildes und deren Heger und Pfleger wollen sicher keine Horden Bergsteiger dort haben, die alles aufscheuchen. Man verhalte sich also entsprechend von unten auf ca. 1.300m ohne großes Gejohle, bis man oben auf ca. 1.900m den offiziellen Weg zum Lafatscher Joch trifft!

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Eine Schlüsselstelle befindet sich rechts, ca. 50m nach einem auffälligen hellen Steinbrocken links des Steiges und wenn man sie nicht kennt, läuft man schnurstracks daran vorbei in Richtung zum Issbach.
Wohin der Hauptsteig führt weiß ich noch nicht, werde es aber erkunden.

hier geht es rechts ab, flacher Stein und hohe Staude markieren die Stelle

hier geht es rechts ab, flacher Stein und hohe Staude markieren die Stelle

Bei dieser Stelle, ein flacher Stein und eine hohe Staude macht sie sichtbar, geht es ca. 20m Hm geradewegs durch eine enge Zunterngasse nach oben und dann scharf links. Ich denke, daß die Anlegung des Steiges eine gewisse Tarnung sein soll.

hier oben scharf links von unten kommend

hier oben scharf links von unten kommend

Weiter kann man dann einem kleinen, landschaftlich wunderschönen Steiglein nordwestwärts folgen, daß – das Lärchenwäldchen links liegenlassend –  bis zum wenig bewachsenen Berghang führt und sich die Richtung westwärts dreht.
Von dort sieht man schon einen alten, nicht mehr viel begangenen breiteren Steig, der im weiter darüberliegenden Lärchenwald wieder verschwindet.
Diesem folgt man unschwer und im dichteren Lärchenwald oben findet man zwei Kreuzungen, wobei man immer die rechte Abzweigung nimmt.

das Lärchenwäldchen bleibt immer linker Hand

das Lärchenwäldchen bleibt immer linker Hand

So kommt man durch perfekt und breit ausgeschnittene Zunterngassen in spitzem Winkel mit dem noch breiteren Steig, der von unter der Hohen Wand von rechts herzieht zusammen.
Bis dorthin war die Steigung teilweise gering, teilweise moderat.

die spitwinkelige Einmündung in den Steig von der Hohen Wand herüber

die spitwinkelige Einmündung in den Steig von der Hohen Wand herüber

Nun folgt man dem Steig mit etwas Höhenverlust abwärts bis zu einem alten, quer über den Waldweg liegenden Baum, den man übersteigt und nach ca. 50m befindet sich die Abzweigung, bei der es rechts auf den steileren und durchwegs gut ausgeschnittenen Jägersteig zur Sache geht.
Links geht der Waldweg in wenigen Minuten zum Issanger hinunter.

Kreuzung mit weiterem Anstieg rechts, links geht es zum Issanger hinunter

Kreuzung mit weiterem Anstieg rechts, links geht es zum Issanger hinunter

Der breit angelegte Jägersteig ist toll zu gehen, es herrscht absolute Ruhe, nicht einmal die eigenen Schritte sind wahrnehmbar, da man durchwegs auf Gras unterwegs ist. Ein tolles Gefühl und man soll es bewußt aufnehmen. Wild ist gegenwärtig und wenn man sich entsprechend verhält, bekommt man möglicherweise einen Blick.

typischer Aufstieg durch den breit angelegten Steig immer auf Wiesenoberfläche

typischer Aufstieg durch den breit angelegten Steig immer auf Wiesenoberfläche

Nach zwei Querungen nach rechts, des sonst so direkt ansteigenden Steiges kommt man zu einer Schlüsselstelle, die man mit Konzentration erblickt. Es geht dort links ein sichtbarer kleinerer Steig weg, dessen Breite so schmal ist, daß die Zuntern nach 2m bereits eine scheinbare komplette Barriere bilden.

Schlüsselstelle: links den schmalen Steig als Verbindung mit dem offiziellen Weg zum Joch nehmen, rechts geht es Richtung Hochflächen über der Hohen Wand

Schlüsselstelle: links den schmalen Steig als Verbindung mit dem offiziellen Weg zum Joch nehmen, rechts geht es Richtung Hochflächen über der Hohen Wand

Rechts geht es den breiten Steig weiter, der dann weiter oben sehr steil wird und auf die offenen Flächen oberhalb der Hohen Wand führt. Die schlechtere Variante des Aufstieges, denn die Route zurück auf den Weg zum Lafatscher Joch zu finden ist nicht einfach (ich beschreibe sie hier auch nicht, da das Flächen sind, die dem Wild vorbehalten bleiben sollen).

Blick nach rechts, nicht unsere Route

Blick nach rechts, nicht unsere Route

Nun nimmt man den Abzweiger links und kommt ein paar hundert Meter recht gut voran, bis der schlecht ausgeschnittene Steig seine Tücken hat und man auf Entscheidungsstellen stößt, wo es sichtlich links und rechts gehen könnte. Auch geht es teilweise etwas hinunter, sowie die Sicht auf eine Route schwindet und das weckt Zweifel.

die vereinzelten Bäume (Lärchen) bleiben immer rechter Hand

die vereinzelten Bäume (Lärchen) bleiben immer rechter Hand

In diesem Fall darf man nicht die Nerven verlieren und umdrehen (was immer möglich wäre, zurück findet man immer) sondern muß sich nach den Sägeflächen von abgeschnittenen Zuntern orientieren (wie bei Bäumen). Mit dieser Methode kommt man gut voran, denn soweit man diese findet, weiß man, daß der Steig weiterführt.

schon recht weit oben, auch diese Lärche bleibt rechter Hand

schon recht weit oben, auch diese Lärche bleibt rechter Hand

Und er führt weiter, auf den offenen Wiesenflächen – die teilweise breiter werden – manchmal eher etwas rechts, manchmal, vor allem ganz oben, eher etwas links.
Noch bevor das große Nachdenken, wo denn der offizielle Weg sein könnte, steht man auch schon mitten auf ihm und kann sich nur wundern, daß man die ganze Zeit keinerlei Anzeichen und Sicht auf ihn  gehabt hat.

hier herauf kommt man vom schwer auffindbaren Steig und kann auch noch 10m weiter unten den Weg oben nicht ausmachen

hier herauf kommt man vom schwer auffindbaren Steig und kann auch noch 10m weiter unten den Weg oben nicht ausmachen

Knapp unterhalb des Marterls trifft man auf den Weg. Insgesamt bleibt man auf diesem Verbindungssteig drei bis viermal mit dem Rucksack in den Zuntern hängen, den Rest bückt man sich einfach entsprechend tief.
Wer keine Orientierungsgabe hat und  schnell in Panik kommt, weil er mit dem Unterholz und ohne große Aussicht nicht zurechtkommt, der nehme immer den Normalweg.

Der Weitere Anstieg zum Kleinen Lafatscher ist bekannt, ich beschreibe nur die Schneeverhältnisse.

Bis zum Steinmandl mit der größeren Wiesenfläche steigt man ohne jegliche Schneeberührung zwischen wenigen Restschneefeldern, die knapp oberhalb des Joches auftreten hindurch.
Auch der weiter verlaufende Grat ist bis rund 2.400m schneefrei und dann beginnen bei einigen Einschartungen noch harmlose ca. 5 bis 10m breite Schneefelder bei denen man ca. 20cm tief einsinkt.

auf ca. 2.500m, in Höhe des Lafatscher Roßkopfes

auf ca. 2.500m, in Höhe des Lafatscher Roßkopfes

Ab 2.500m nehmen diese zu und die Nordostseite des Grates – die Leeseite im Wintersturm – ist mächtig mit Restschneefeldern aufgebaut. Jedoch beginnt erst am Gipfelgrat, der sich ganz oben, fast auf Gipfelhöhe nach Westen wendet eine durchgehende Schneedecke mit mächtigen Wächten.

der schon sichtbare Gipfelgrat

der schon sichtbare Gipfelgrat

der Gipfelgrat

der Gipfelgrat

Ich bin die Wächten sehr tief südlich, links, sicher umgangen, da ich allein und keine Sicherungsmittel mit dabei hatte und mit dem Gschnierkar keine rasante Bekanntschaft machen wollte.
Die steilen Hänge ins Lafatscherkar hinunter sind jedoch im weichen, jedoch nicht sehr kompakten Firn sicher begehbar.

weit südlich...

weit südlich…

Auf die Bilanz des Winters könnte man gerne verzichten, das Gipfelkreuz ist oben abgebrochen (steht noch) und das gut einen dreiviertel Meter unter der Schneedecke liegende Gipfelbuch ist durch das Schmelzwasser im Plastiksack sehr weitgehend verschimmelt. Habe die Kassette ringsum etwas ausgegraben, sodaß das Schmelzwasser nicht hineinläuft.

das Gipfelkreuz des Kleinen Lafatscher am 17. Mai 2015

das Gipfelkreuz des Kleinen Lafatscher am 17. Mai 2015

tief im Schnee versteckt die Kassette mit dem Gipfelbuch

Alles zusammen dürfte also noch eine Schneedecke von gut zwei Meter Mächtigkeit am Gipfel liegen.
Ein tolles Bild, eine Erstbegehung im unberührten, tiefen Schnee. Der letzte Eintrag im GB war Anfang Dezember 2014.

Mils, 17.05.2015

 

 

Bild

Lafatscher Überschreitung

Liebe Halltalfreunde,
die beiden Lafatscher mit der Überschreitung wäre nicht fällig gewesen, denn es gibt viel anderes das fertig zu machen wäre. Da aber Manuel mit einer hartnäckigen Hustenverkühlung seit mehr als einem Monat kämpft muß ich alleine steigen und möchte nicht die fälligen Aufgaben, die wir uns gestellt haben, alleine lösen.

Die in der Folge beschriebene Runde haben wir vor ein paar Jahren in die Gegenrichtung gemacht und genauestens beschrieben (http://www.spitzentreffen.at/kleiner-und-groser-lafatscher)

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Also habe ich heute seit längerem nicht mehr begangene Gipfel ausgewählt und das ist heute die „Lafatscherrunde“, also den Großen Lafatscher und den Kleinen Lafatscher.
Allerdings nicht auf Normalwegen, sondern auf Steigen, die wir schon früher veröffentlicht haben (http://www.spitzentreffen.at/entdeckung-einiger-alter-steige-vom-gr-lafatscher-zum-issanger) und die es sehr wert sind, begangen und veröffentlicht zu werden. Einerseits sparen sie Zeit, andererseits versprechen sie Abgeschiedenheit.

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Am Weg zum Lafatscher Joch reicht eine 2011 abgegangene Mure bis zum Fahrweg und verhindert, daß man bis fast zum Joch fahren kann. Diesen Ausläufer – vom Wasserfall ausgehend – nehmen wir und an der Steilfläche knapp vor dem Wasserfall steigen wir rechts (nordöstlich) aufwärts. Die Latschen nimmt man als sehr starke Barriere wahr, wenn man jedoch dem sehr schwach ausgeprägtem Wildsteig bzw. Wassergerinne folgt, dann kommt man genau dort hin wo man hinkommen muß.

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Vielleicht schneidet jemand einmal den Steig ein bisschen aus, dann kann man mit wenig Konzentration am Ende die Querverbindung bis zum Wilde-Bande-Steig finden.

ab der Querverbindung ist die weitere Route bis hinauf zum Wilde-Bande-Steig eine leichte Übung, denn dieser Teil ist gut sichtbar und nur teilweise mit störenden Zuntern bewachsen, die den weiteren Verlauf des Steiges zur Rätselübung machen.

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Ab dem Erreichen des Wilde-Bande-Steiges gibt es einen weiteren von uns schon früher beschriebenen Steig, der dem Anstieg zum Großen Lafatscher von östlicher Seite weit mehr dienlich ist, als die Modernvariante – nach offizieller Markierung – über den Wilde-Bande-Steig bis fast zum Bachofenkar und dort fast wieder rückwärts (nordöstlich) auf den ersten Aufschwung des Anstieges. Man spart also Zeit, wie es auch schon vor 60-70 Jahren ausgeführt wurde.

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Der Anstieg dorthin ist steil, aber lohnend. Man sieht den Lohn der Mühe dann, wenn man oben auf den Normalsteig trifft und in das Bachofenkar hinabschaut.

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Der weitere Aufstieg zum Großen Lafatscher ist leicht – jedoch muß man etwas Orientierungsvermögen haben – in den einschlägigen Führern beschreiben und dort nachzulesen.

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Die Überschreitung in der West-Ost-Richtung zum Kleinen Lafatscher beginnt ab dem Gipfelgrat mit einer schluchtartigem Abstieg in recht brüchigem Gelände und man umgeht damit einen sehr brüchigen, schwer kletterbaren Gratverlauf. Der Abstieg in die südöstlich ausgerichtete Schlucht ist aber nicht schwierig.

Blick vom Gipfelgrat über den Gratverlauf bis zum Kleinen Lafatscher

Blick vom Gipfelgrat über den Gratverlauf bis zum Kleinen Lafatscher

Weitere prekäre Stellen umgeht man dann im tiefen südlichen Lafatscherkar und ab und zu erblickt man ein Steinmandl. Allerdings kann man keine gravierenden Fehler machen, denn der Grat ist recht kurz und nach dem Tiefpunkt im Grat erklimmt man über schräg zur Gehrichtung ausgerichtete Rippen wieder die Grathöhe. Wenn man zu früh wieder auf den Grat aufsteigt, dann zwingt ein Steilabbruch nochmals zum Abstieg (max. ca. 35-40Hm). weiter aber keine Schwierigkeiten.

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Ab diesem verlockend, aber falsch platzierten Steinmandl geht es ohne Überraschungen weiter.

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Am Ende der kurzen Überschreitung muß dann in die nördliche Gratseite gewechselt werden, das Gelände erscheint aber logisch dafür ausgerichtet und man empfindet es auch so. Steinmandln weisen den Weg, man sieht sie im Foto kaum, wegen des schlechten Kontrastes. Die Steinmandeln sind an diesen Stellen eher für die Überschreiter von der Gegenrichtung wichtig, denn die können die Logik und den Gratverlauf von oben nicht erkennen.

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Rückblick am Gipfel des Kleinen Lafatscher…

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Den gesamten Grat möchte man auch sehen:

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Die Einzelheiten der Überschreitung könnte man seitenweise lang beschreiben, jedoch weiß sie im Kopf nur jener, der die Überschreitung ausgeführt hat. Diese Überschreitung ist wirklich nicht schwierig (also nach UIAA unter III), allerdings ist ein gerüttelt Maß an Trittsicherheit (Schwindelfreiheit) und Orientierungsgabe sowie alpines Gespür von Voraussetzung.

Der Abstieg vom Kleinen Lafatscher zum Lafatscher Joch erfolgt problemlos auf markiertem Steig.

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Die Tour endete nicht mit dem Abstieg über den Weg zum Issjöchl und dem hinteren Halltal sondern es mußte noch ein Besuch der Bettelwurfhütte her, sowie ein Foto der beiden Lafatscher im Spätnachmittagslicht, aufgenommen am Normalabstieg von der Hütte zur zweiten Ladhütte.

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Mils, 02.08.2014

 

Kleiner und Großer Lafatscher, Überschreitung

01.07.2012: Kleiner Lafatscher und Großer Lafatscher ab Parkplatz Sprungschanze in 7:30Stunden (ohne Knappenhäusl und Magdalena Aufenthalte)

Die erste kleine Überschreitung heuer und knappe 2.000Hm in Summe.
Nach der Asphaltstraße rechts über die Bücke durch den Urwald bis zum Hirschbadsteig und über den Issanger auf das Lafatscher Joch.
Dort füllten wir am letzten Firnfeld links des Weges die Trinkflaschen. An diesem tag waren um die 27° prognostiziert und unser Trinkvorrat war am Joch bereits nur mehr der halbe.
Am Grat zum Kleinen Lafatscher herrschte eine besonders kräftige Thermik. Wenn man nicht ständig in Bewegung war, dann fühlte es sich schon recht kalt an den Nieren an, schätzungsweise blies es mit 50kmh bergauf.

So präsentiert sich der Große Bruder des kleinen Lafatscher vom Gipfelkreuz des letzteren aus gesehen:

Ein mächtiger Gipfel und die Frontalansicht des Gipfelaufbaues vermittelt – wie immer – einigen Respekt vor den vermuteten Schwierigkeiten. Ein Trugschluß, der uns schon oft vor recht einfachen Klettereien erschaudern lies, die sich dann bei der Begehung als wenig gefährlich herausgestellt haben. Daß sich dem, in diesem Fall, auch so verhält zeigt die folgende Routenbeschreibung.

 

Den Anblick des Überganges haben wir vom GK des Kl. L. aus schon recht oft gesehen, aber auch die orangebraunen Bänder die sich in der Gipfelwand des Gr. L. zweimal horizontal durchziehen und vom Gipfel des Kl. L. aus barrierenhaft aussehen. Zumindest erschienen uns diese Bänder als die Herausforderung der bevorstehenden Überschreitung. Weiters gibt es gratseitig einen deutlich erkennbaren Überhang, der sich dann auch als mächtig herausstellte und die Route nach links, südlich, eigentlich erzwingt:

Mit der grün markieren Route die wir dann genommen haben erscheinen diese Bänder nicht so schlimm, das eigene Auge aber schätzt die Situation vom Kl. L. aus schlechter ein.

Die Route ist, wenn man sie erstmalig geht eigentlich sehr logisch und besteht aus kleinen Rinnen und an den Übergängen immer auf festen hellen Fels orientiert. Es ist, so könnte man sagen die logische Route die man instinktiv wählt.
Allerdings muß man sich die Zeit nehmen innezuhalten und auszuwählen. Man möchte aber auch nicht zu lange an einem Punkt verweilen, denn die Felsoberfläche verrät, daß man sich ohne Helm eher sputen soll (wir empfehlen den Helm an dieser Stelle ausdrücklich, auch wenn bei uns kein Steinschlag auftrat, denn wenn sich mehrere Gruppen in dieser, von unten nicht einsehbaren, Route befinden, dann kann das risikoreich werden).

Bis man aber dort eintrifft wo die Markierung im Foto oben beginnt, muß macht man eine anregende leichte Gratkletterei teils im festen, teils im brüchigen Fels mit. Man erreicht schätzungsweise auf halbem Weg dann eine Scharte, an der man sich nicht so recht entscheiden kann ob links oder rechts. Der Steinmann wäre eher rechts der Scharte und da scheint auch ein Band als Weg in den Nordteil des Grates zu führen, aber wir wissen nun, daß es definitiv links über die braungefärbte kleine erdige Rinne hininter geht und unten gleich um eine Ecke sieht man dann den nächsten Steinmann.
In dieser Weise verliert man recht viel Höhe, man kommt also immer weiter nach unten und anhand der Steinmänner erreicht man einen Tiefpunkt, der zum dortigen Grat sicher 100Hm entfernt ist und ca. 150Hm vom immer einsehbaren GK des Kl. L.

vom Tiefpunkt aus geht es dann über geröllbedeckte Rippen dorthin wo die grüne Linie des Fotos beginnt.

Der Rest im oberen Teil des Gipfelaufbaues am südöstlichen Ausläufer ist leicht und ohne Kletterei zu begehen:

Hier Rückblick mit dem nun deutlich sichtbaren leichten und breiten Band über das man zum südöstlichen Ausläufer quert:

Der Weg hinten mit Gratkletterei und der „Scharte der Entscheidung“ nach dem es abwärts geht.

Am Gipfel des Großen Lafatscher

Fazit: sieht schwieriger aus als es ist, aber lohnend allemal, weil man vom Gr. L. über Schuttreisen abwärts schonender unterwegs ist als vom Kl. L..

bemerkenswerte Schneeverhältnisse Bachofenkar 1.7.12

Zu unserer Jahreszeit fanden wir am glatten Hang des Gr. L. sogar noch ein paar Firnfelder die wir nutzen konnten. Und weil es so toll war abzufigeln nahmen wir auch noch den W. Bandesteig bis ins Stempelkar und konnten fast unterbrechungsfrei bis in die Halltaler Pfeis abfigeln.