Archiv der Kategorie: Touren 2014

Touren 2014 überall

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Sa Mola de s’Esclop – der große Holzschuh, 928m

Ein ungewöhnlicher Name eines Berges und bei weitem nicht „hinter’m Haus“ zu finden. Dieser Berg befindet sich auf den Balearen, auf Mallorca in der Serra de Tramuntana, ca. 25km westlich der Hauptstadt Palma de Mallorca.

Der Gipfelaufbau des Mola de s’Esclop vom Hochplateau aus

In Vorbereitung zu einer Ferienreise nach Mallorca habe ich das Internet nach Bergtouren in Mallorca durchkämmt, da ich nicht den gesamten Urlaub dem Müßiggang opfern wollte. Man sagte mir, daß es auf Mallorca einige schöne kleine Bergtouren gäbe. Mittlerweile kann ich das zurecht bestätigen.
Die Tour ist ideal mit dem Mountainbike erreichbar, eröffnet einen herrlichen Blick  auf den Südzipfel des Eilandes und die höchste südliche Erhebung.

Start der Wandertour, Blick in Richtung Mola de s’Esclop

Bedeutung hatte dieser Gipfel mit seiner außergewöhnlichen Lage und Aussicht auch für den französischen Physiker, François Arago, der im losgehenden 19. Jhdt. in Gipfelnähe eine Steinhütte errichtete, um dort seinen Meridiankreismessungen nachzugehen.

Gesamte Tour (Mountainbike- und Wanderstrecke)

Gesamte Tour (Mountainbike- und Wanderstrecke)

Es gibt zahlreiche Beschreibungen über die Tour im Internet, zumeist mit unterdurchschnittlicher Qualität hinsichtlich der begleitenden Dokumentation mit Landkarten. Ich habe die Route zur Orientierung mühsam aus dem Internet in Teilübersichten erstellt.

Wanderroute ab der Finca Pública Galatzó (strichlierter Teil auf Wandersteig)

Die Strecke ist jedoch durchwegs immer gut sichtbar. Bei der Querung des Hochplateaus, bei dem man sich in recht exakt westlicher und dann nach Süden wechselnder Richtung um den Mola herum bewegt, ist etwas Orientierungsvermögen gefragt, da der Weg an Sichtbarkeit verliert. Generell jedoch kann man die Richtung erahnen und findet sich nach einigen Hundert Metern wieder gut zurecht.

Schotterstrasse bis zur Finca

Schotterstraße bis zur Finca

Wir hatten unser Hotel in Magaluf, auf der anderen Seite des Ballermann (aber nicht minder laut des Nächtens, hier vorwiegend Engländer) und somit einen idealen Ausgangspunkt für die Bewältigung der Anreise mit dem Rad.

Ende der Mountainbikestrecke beim Vorgehöft der Finca

Ende der Mountainbikestrecke beim Vorgehöft der Finca

Um zehn Euro kann man in Mallorca ein passables Mountainbike ausleihen. Mit einem Schloß, das schwer als das Rad war, verließ ich gegen 10:30 Magaluf.

Montainbikestrecke von Magaluf bis zur Abzweigung nach Es Capdellà

Montainbikestrecke von Magaluf bis zur Abzweigung nach Es Capdellà (die strichlierte Linie wäre eine Variante mit weniger Verkehr als auf der Straße 1014

Die Strecke hatte ich über ein paar kleine Orte nahe, bzw. an der Küste geplant, da ich hier wenig Verkehr vermutete.
Santa Ponca war ein kurzer Stopp wert und der Wasservorrat im Rucksack schwand angesichts der gut über 30°C rasch dahin.

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Es geht leicht bergauf, leicht bergab dahin und mitten in Santa Ponca blickt man noch einmal auf den Strand, der fast gleich hoch mit der Straße verläuft und dann beginnt der Anstieg der knapp mehr als 900Hm.

Die Mountainbikestrecke ist bis zum Ausgangspunkt rund 25km lang und führt durch heimeligere Örtchen als die Küstendörfer, in denen die Betonklötze dominieren.
Wasser habe ich an einer Tankstelle vor Calvià nachgekauft, da ich schon ahnte, daß dieser 31. August 2014 ein zäher Tag mit der Suche nach Flüssigkeit werden würde. So sollte es sich auch einstellen.

Es Capdellà

Es Capdellà, im Hintergrund der Puig de Galatzó

Der Ausgangspunkt der Wandertour ist ein Vorgehöft der Finca Pública Galatzó, ca. 3-4km nach Es Capdellà (160 m) bei dem man das Rad zurückläßt. Ihn erreicht man indem man die Straße 1032 (Straßen sind durchwegs gut beschildert) nach einem Parkplatz linker Hand auf eine Schotterstraße verläßt und von dieser Abzweigung aus noch ca. 1km mit dem Rad zurücklegt. Ab dort ist Fahrverbot und die Wanderung beginnt.

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Die Angaben über die Streckenlänge der Wanderung schwanken in den Internetbeschreibungen zwischen 9 und 11km, die Höhenangaben sind mit einem Anstieg von ca. 750m etwas genauer.
Die Gehzeit wird mit 5 bis 6 Stunden angegeben. Ich habe vom Abstellen des Rades bis zum Gipfel recht genau 2 ½ Stunden gebraucht, muß aber dazu bemerken, daß ich nicht auf eine gute Zeit ausgerichtet war und auch einige Fotos abseits des Weges geschossen habe. Weiters war der Hauptanstieg in der heißesten Tageszeit und die stehende Luft zitterte im hinteren Talkessel vor Hitze.

die Finca Galatzo

die Finca Galatzó

Die Schotterstraße zur (früheren) Bewirtschaftung der Finca (sie ist unbewohnt) führt ca. 3-4km bis zum Talkessel. Vorbei gelangt man dabei an einem restaurierten Köhlerplatz mit Meiler und erreicht schließlich das Ende der Schotterstraße.

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Von dort geht es dann in einigen Serpentinen, immer mäßig ansteigend und nie – auch nur annähernd –  so steil als die Wanderwege beispielsweise im Karwendel, auf ein Hochplateau auf eine Höhenlage von geschätzt 780m.

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Beim hintersten Punkt des nunmehr nicht mehr tiefen Talgrundes kommt man ein eine Wegkreuzung mit Wegweiser. Die Abzweigung nach links ist die richtige, dadurch brennt die Sonne auch einmal angenehm auf die andere Körperseite und nach fünf bis zehn Minuten, vorbei an einer abgegrenzten Fläche apathisch in die Hitze starrender Langohren wird der Pfad flacher.

Anstieg zum hintersten Talboden

Anstieg zum hintersten Talboden

Knapp oberhalb der gelangweilten graubraunen Tiere erreicht man dann einen Sattel bei dem man erstmals auf das Meer im Westen blicken kann. Der Pfad ändert dort seine generelle Richtung nach Süden und man wandert, leicht ansteigend, auf das Hochplateau weiter.

Sattel vor dem Hochplateau

Sattel vor dem Hochplateau

Dort schwenkt der Weg dann in westliche Richtung und führt fast flach an das Nordende des Gipfelaufbaues des Mola heran. Am Weg dorthin erkennt man schon weit vor dem Nordende des Gipfelaufbaues linkerhand die Ruine der Caseta de s’Esclop. Weiter läßt die Route den Mola links liegen und führt an seiner Westseite dem langgezogenen Gipfelaufbau entlang.

Erste Schitour Aufstieg

Schitour zum Ferdinand – ein erster Versuch nach langer Zeit

Nach gut 30 Jahren die erste Schitour für mich, die erste für Manuel überhaupt.
Die Schi-Renntätigkeit mit der letzten Saison endgültig an den Nagel gehängt und mit viel Vorfreude auf etwas, das ich Ende der ’70er und den frühen ’80ern immer als etwas besonderes, etwas optisch zauberhaftes, erstrebenswertes empfunden habe – als ich als Jugendlicher mit meinem Bergkamerad Udo begann Schitouren zu unternehmen – gingen wir nun ans Werk.

erste Schitour Aufstieg im Halltal

erste Schitour Aufstieg im Halltal

Seinerzeit konnten wir Felle in Meterware, Gurte und Kipphebelverschlüsse bei Sport Perktold in Wattens kaufen und Mutters Nähmaschine wurde arg in Mitleidenschaft gezogen, als wir uns unsere Ausrüstung bastelten. Klebefelle waren noch lange nicht erfunden…

Gilfert, Glotzen und alle gangbaren Gipfel im Watten- und Voldertal, im Westen den Rietzer Grieskogel, bis hin zu den klassischen südlichen Sellrainer Tourengipgfel habe ich sie noch alle in guter Erinnerung – und nun wieder in bevorstehender Erwartung – während wir die letzten Tage lang im Keller die uralten Ausrüstungen restaurierten, die wir schon vor Jahren geschenkt bekommen haben und nun endlich nutzen wollen.

erste Schitour Aufstieg
Den Kleber mit Terpentinersatz und Spachtel entfernt (funktioniert übrigens einwandfrei und ich ziehe sie der alternativ beschrieben Methode des Heißluftföns nach der nunmehrigen Erfahrung jedenfalls vor), neuen Kleber mittels Colltex Transfer Tape und Wachbügeleisen aufgebracht, die uralten Felle dann gegen Aufstollen gewachst, die brutal zugerichteten Schi sowohl am Belag repariert und gewachst als auch die Kanten gefeilt (hier kam uns Ausrüstung und Wissen der Schi-Alpin-Renntätigkeit voll zugute), Bindung auf die Schuhgröße angepaßt und die Auslösestärke eingestellt; das waren die Vorbereitungen.
Nun beabsichtigten wir eine klassische Route mit leichten Anfangsbedingungen, den Glungezer, zumindest bis zur Halsmarter oder dem Ende des Schleppliftes als Teststrecke zu nehmen. Ein Blick ins Internet bestätigte die traurige Vermutung, daß es drei Tage vor Silvester 2014 noch immer nicht möglich ist mit dem Lift bis zur Halsmarter aufzusteigen. Also machten wir uns auf den Weg bis zur Tulferhütte zu fahren. Schnell nach der Talstation erkannten wir, daß zum einen wesentlich weniger Schnee als auf unserer Talseite anzutreffen war und daß die Straße ersten nicht geräumt und zweitens bei Schneefahrbahn mit Kettenpflicht ausgestattet ist. Das Fahrverbotsschild mit dem Hinweis, daß nur Anrainer erwünscht wären ließ uns dann blitzartig in unser Halltal umkehren.

erste Schitour Ankunft beim Ferdinand

erste Schitour Ankunft beim Ferdinand

Mit ausreichenden Schneeverhältnissen schon bei der Golden Gate Brücke starteten wir dann unseren Test und staunten nicht schlecht wieviel Tourengeher uns um 14:30 Uhr talauswärts fahrend begegneten.
Die Flachstrecke bis zur ersten Ladhütte kamen wir uns unter den Rodlerfamilien etwas sonderbar exotisch vor. Der Hafttest für die Felle bei der Steigung am Bettelwurfeck wurde von der alten Ausrüstung aber einwandfrei absolviert und somit wuchs das Erfolgserlebnis schlagartig.

Ausrüstung aus "Anno Schnee"

Ausrüstung aus „Anno Schnee“

Wir beschlossen bis zum Ferdinand aufzusteigen, dort die abzufellen und noch einen Sprung in St. Magdalena vorbeizuschauen, es war immerhin schon 16 Uhr und der Aufstieg hat uns 1:20 gekostet.

Abfahrt vom Ferdinand

Abfahrt vom Ferdinand

Mit stolzer Brust trafen wir dort  ein und erlebten noch eine gemütliche Runde mit Bekannten, nachdem die großen Rodlerhorden ob der bevorstehenden Dämmerung bereits talwärts gezogen waren.

Aufbruch in der fotgeschrittenen Dämmerung

Aufbruch in der fortgeschrittenen Dämmerung

Selber erwischte uns noch die Dunkelheit insofern als Manuel wegen des spärlichen Lichtes aus der Gaststube mit noch wenig Routine in den Vorderbacken der Dynafitbindung einsteigen wollte und dabei einigermaßen Probleme hatte. In Ermangelung einer eigenen Lichtquelle (haben wir im Sommerrucksack im Tale gelassen…) bedurften wir der Hilfe eines Rodlerkollegen, mit dessen Scheinwerfer die Sache dann im Nu funktionierte.

Hilfe eines Kollegen mit Lichtquelle

Hilfe eines Kollegen mit Lichtquelle

Eine nette Abfahrt stand nun bevor und die letzte Erinnerung an einen schnellen Ritt aus dem Tal war das Mountainbike mit dem wir schon lange nicht mehr im Halltal waren.

Nach dem Bettelwurfeck beim Wasserstollen

Nach dem Bettelwurfeck beim Wasserstollen

Einige Rodler überholt und verzweifelt versucht die schöne Fahrt mit einem Video einzufangen kamen wir dann beim Wasserstollen an und mußten feststellen, daß es ohne Beleuchtung auch nur mehr möglich war Fotos zu machen, kein Video.

Abfahrt beim Wasserstollen

Abfahrt beim Wasserstollen

Den Rest der dann flachen Fahrt nach der ersten Ladhütte erledigten wir dann nahezu in Schußfahrt und haben hoffentlich keine aufsteigenden Rodler erschreckt.

Mils, 28.12.2014

 

Am Hechenbergl

Hechenbergl – Hechenberg – Kirchbergerköpfl

Eine Rundtour deren anspruchsvoller Aufstieg zum Hechenbergl mit einer schönen Gratwanderung am Kamm über Hechenberg und Kirchbergerköpfl belohnt wird und in der archaischen Kranebitter Klamm zum Ausgangspunkt zurückführt.

Hechenbergl und Hechenberg Ostgipfel

Hechenbergl und Hechenberg Ostgipfel

Bene, Manuel und ich starten um 9:30 vor dem Bahnhof Kranebitten, bei dem wir um ca. 9:30 Uhr gerade noch einen Parkplatz ergattert haben.
Die ersten 300Hm steigen wir über die Mähder in moderater Steilheit den unteren Teil des Schleifwandsteiges hinauf. Noch bevor er sich etwas verflacht und der steilen Partie mit der Kette als Sicherung, zweigt linkerhand, etwas unscheinbar, der Steig zum Hechenbergl ab.

Abzweigung vom Schleifwandsteig

Abzweigung vom Schleifwandsteig

Dieser wandelt sich nach den ersten Serpentinen zu einem atemberaubend kühn ansteigenden Jägersteig, der Konzentration und Schwindelfreiheit erfordert. Zum Teil finden sich alte Seilsicherungen, die einen nicht besonders vertrauenserweckenden Eindruck machen,  jedoch großteils auf Belastungsprobe halten. Man bedarf ihrer nicht häufig, aber es gibt Stellen in denen sie recht hilfreich sind.

ein steiler Steig der Konzentration erfordert

ein steiler Steig der Konzentration erfordert

In dieser Art schlängeln sich die Serpentinen bis zum Hechenbergl auf 1.411m hinauf. Dort erkennt man, daß das Hechenbergl ein Ausläufergrat des Hechenbergmassivs ist und mit diesem mit einem schmalen Grat verbunden ist.

alte Seilsicherungen

alte Seilsicherungen

Vorbei an einem unscheinbaren Gedenktäfelchen für Franz Oppurg, einem großen Alpinisten und Everest Bezwingers der AV Sektion Wattens der, nach einem Klettertraining am Hechenberg, beim Abstieg abgestürzt ist, führt der Steig stellenweise ausgesetzt den steilen Hang empor und wechselt weiter oben dann gänzlich in die Nordseite der Ostflanke des Hechenberges.

am Hechenbergl

am Hechenbergl

Gedenktäfelchen an Franz Oppburg

Gedenktäfelchen an Franz Oppburg

Auf einer Höhe von ungefähr 1.650m verflacht sich der Hang und man erreicht den Rücken, der über wenig ausgeschnittene Zunternpartien bis zum Gipfelkreuz auf 1.757m hinaufzieht. Man nennt dieses Köpfl den Hechenberg-Ostgipfel und es gibt ein Gipfelbuch.

weiter am Steig zum Hechenberg Ostgipfel

weiter am Steig zum Hechenberg Ostgipfel

Hechenberg Ostgipfel 1.757m

Hechenberg Ostgipfel 1.757m

Anschließend geht es am sanft geformten Kamm weiter und erreicht eine Abzweigung bei der man einerseits dem Kamm folgen kann um auf den Gipfel des Hechenberg zu steigen, oder am Nordhang zur Magdeburgerhütte abzusteigen.

Kreuzung zum Hechengerg oder zur Magdeburgerhütte

Kreuzung zum Hechengerg oder zur Magdeburgerhütte

Wir wählen erstere Möglichkeit und erreichen nach ca. 15 min den Haupt-Gipfel des Hechenberg, der wiederum aus zwei Köpfen, gar nicht so unterschiedlicher Höhe besteht.
Ein Marterl ziert den niedrigeren Kopf, eine unschöne Wetterstation den höheren Kopf des Hechenberg. Die Höhe beträgt gem. AV-Karte 1.912m, es gibt kein Gipfelbuch.

der niedrigere der Hecheberghauptgipfel

der höhere der Hecheberghauptgipfel

der höhere der Hecheberghauptgipfel

Weiter geht es zum Kirchbergerköpfl, dem höchsten Punkt der Kammüberschreitung mit 1.943m. Dieses ist schnell erreicht und nach kurzer Verinnerlichung der Aussicht geht es hinab zum westlichsten Punkt der Runde, zur Magdeburgerhütte auf 1.637m.

am Kirchberger Köpfl 1.943m

am Kirchberger Köpfl 1.943m

Zurück gibt es die Möglichkeit klammauswärts orographisch rechts (im Nordhang des Hechenberg) den Schleifwandsteig, oder orographisch links, den in der AV-Karte als Steig Nr. 220 ausgewiesenen Steig zu nehmen. Wir entschieden uns dieses Mal für den Steig Nr. 220, weil wir diesen nicht kannten.
Der Schleifwandsteig ist ein landschaftlich sehr schöner Steig, der im letzten Drittel sehr  steile Flanken durchschneidet und bei dem man mit Konzentration bei der Sache sein muß. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind höchst gefragt.

Magdeburger Hütte

Magdeburger Hütte

Also nehmen wir im Abstieg durch den schönen Buchenwald in der hinteren Klamm beim Wegweiser den Weg nach links und kommen, durch die urige Landschaft, bald auf die linke Tal- oder Klammseite.

die Abzweigung zur linken Talseite

die Abzweigung zur linken Talseite

Dort zieht sich der Steig dann mit wenig Auf und mehr Ab hinaus. Eine Schöne Passage ist jene, bei der man an den Wandfüßen der mächtig aufstrebenden Kleinen Solsteinflanke entlang marschiert (versichert) und einen guten Blick auf die trennenden Grate in der Klamm hat.

an den Wandfüßen entlang...

an den Wandfüßen entlang…

letzter Teil unter den Wandfüßen

letzter Teil unter den Wandfüßen

Bei der „Nassen Wand“ entscheidet man sich ein weitere Mal, ob man schlicht durch die Klamm hinab talauswärts wandert, oder den Steig Nr. 220 folgt, der am Gasthaus Rauschbrunnen in andere Steige übergeht, oder über den man an einer weiteren Kreuzung auch weiter hinauf zur Aspachhütte steigen könnte.

an der "Nassen Wand"

an der „Nassen Wand“

Uns treibt es am letzten Novembernachmittag talauswärts über die Klamm hinunter, denn der Rückweg vom GH. Rauschbrunnen zum Auto wäre ein langer Umweg, der in Dunkelheit enden würde.

die Rinne von der Nassen Wand hinab

die Rinne von der Nassen Wand hinab

Die Rinne, die sich direkt von der Nassen Wand zum Klammboden hinunterzieht ist schnell gemeistert und wir wandern durch das staubtrockene Bachbett der Klamm eine schöne Weile die Klamm hinaus.

am Klammboden angekommen

am Klammboden angekommen

Die Kranebitter Klamm ist sehenswert, soviel kann gesagt werden. An der engsten Stelle misst sie schätzungsweise 4m und man hat links und rechts hohe Felsen neben sich deren Höhe man von unten nicht abzuschätzen vermag.

die Engstelle der Kranebitter Klamm

die Engstelle der Kranebitter Klamm

Es gibt einige schöne steil abfallende Passagen des Wasserlaufes, die versichert und leicht kletterbar sind.

versicherte Passagen

versicherte Passagen

So verläßt man dann abrupt das urige Gelände, wenn man sich in der Kurve zur Straße zum Kerschbuchhof wiederfindet. Von dort sind es einige Minuten zum Bahnhof Kranebitten zurück.

Löwenzahn am 30.11. am Ende der Kranebitter Klamm

Löwenzahn am 30.11. am Ende der Kranebitter Klamm

In Summe eine sehr lohnende anregende Tour, die nicht nur für den Bergsteiger, aber auch für den erfahrenen steigfesten Wanderer machbar ist, wenn er Trittsicherheit und Schwindelfreiheit besitzt.
Gesamt haben wir mit vielen Fotopausen 5 1/2 Stunden bei rd. 1.300m gebraucht.

Mils, 30.11.2014

Haller Zunterkopf Suedanstieg

Haller Zunterkopf Südanstieg

Ein weitgehend unbekannter Anstieg zum Haller Zunterkopf ist der Südanstieg.
Jene die ihn kennen teilen ungern die Beschreibung dieses anregenden Steiges, der sich sehr steil, kräftezehrend und im Sommer sicher als sehr heißer Anstieg zum Haller Zunterkopf hinaufschlängelt. Er ist jedoch lohnend und für den Bergsteiger nicht gefährlich. Wanderern können wir diesen Steig ausdrücklich nicht empfehlen.

generelle Ansicht Steig

generelle Ansicht Steig auf sa. 1.400m

Wir sind ihn heute über den Schützensteig und über den darüber liegenden Wald angegangen, ein Anstieg der Ortskenntnis und bergsteigerische Fähigkeiten erfordert. Wer sich dafür interessiert möge hier nachlesen: Absamer Vorberg

Wir empfehlen diesen Anstieg nicht zu nehmen, sondern den Steig zur Buchtaler Hütte und vom Katzenkopf rechts aufwärts über die Wiesenhänge, unter Umgehung der Hütte (die Hütte ist eine Privathütte und wir empfehlen, die Leute dort nicht zu stören).

kurz vor dem Einstieg im Buchenwäldchen, nicht sichtbar rechts der Bach links die Zuntern

kurz vor dem Einstieg im Buchenwäldchen, nicht sichtbar rechts der Bach links die Zuntern

Vom Katzenkopf aus geht es über den steilen Wiesenhang rechts, ganz nach oben in das hinterste sichtbare mit Wiese und Buchen bewachsene Eck der Bergwiese und dort befindet sich auch der Einstieg in den Steig. Er ist links neben einem Laubbaum bei den ein Ast abgerissen wurde (bei den Tourübersichtsfotos haben wir diese Stelle der Route mit einem X gekennzeichnet, siehe Album am Ende des Berichtes).

Einstieg links neben dem Laubbaum

Einstieg links neben dem Laubbaum

unterer Teil des Anstieges, ca. 10min nach dem Einsteig ab der Bergwiese

unterer Teil des Anstieges, ca. 10min nach dem Einsteig ab der Bergwiese

Von dort geht es nun über einen deutlich ausgeschnittenen Steig steil unter einen Felsen empor, den man nordwestlich umgeht und dann wieder nordöstlich auf dessen Kuppe steigt.

bei der Umgehung des Felsens

bei der Umgehung des Felsens

Oberhalb, auf der Kuppe, hat man schon einen guten Blick auf die weitere Route, die sich immer mehr zu einer schmäler werdenden Rippe entwickelt. Die Route erreicht bis dorthin ihre größte Steilheit.

knapp oberhalb der Kuppe der weitere Verlauf

knapp oberhalb der Kuppe der weitere Verlauf

Man kann die Verengung der Rippe, auf der man steigt, weiter oben gut erkennen und die Abbrüche links und rechts kommen immer näher. Der Steig bleibt jedoch konstant in gut begehbarem Gelände ohne Gefahr durch die Abbrüche.

Blick nach oben auf ca. 1.600m
Blick nach oben auf ca. 1.600m, die Ausformung zur Rippe befindet sich in Bildmitte

Weiter oben quert man dann flacher werdend recht weit nach links (westlich), und steigt anschließend wieder nördlich steil weiter. Knapp nach dieser Querung beginnen einige großflächige Wiesen, die man ziemlich nördlich bergauf mittig durchsteigt.

steile Wiesen im oberen Teil ab ca. 1800m

steile Wiesen im oberen Teil ab ca. 1800m

Ab diesen Wiesen führt der Steig dann durch ein komplett dichtes Zunternfeld, man kann links und rechts keine markanten Landschaftsformen mehr sehen. Die Steigrichtung dreht etwas mehr nach Nordwest. So bleibt die Route auf die letzten 100Hm.

Blick auf den Hochmahdkopf

Blick auf den Hochmahdkopf

Dieses Foto wurde am oberen Ende der Wiesen erstellt, bevor wir in den dichten Zunternbewuchs eintauchten.
Am Ende des dichten Zunternbewuchses lichtet sich der Hang und dreht auf einmal völlig überraschend nach Osten. Diesem Teil folgt man ca. 50m bevor er wieder dreht und zwar direkt nach Norden. Nach weiteren 2 min steht man vor dem Vermessungspunkt und ist am Ausstieg des Steiges ca. 200-300m östlich vom Gipfelkreuz entfernt.

der Ausstieg beim Vermessungspunkt

der Ausstieg beim Vermessungspunkt

Mils, 23.11.204

Gerschaffltal

Haller Zunterkopf über Gerschaffl und Guggermauer

Vom Parkplatz vor dem Absamer Tennisplatz aus kann man eine wunderschöne Tour über das Gerschaffl, oder Gerschaffltal zum Haller Zunterkopf unternehmen.

Aufstieg zur Guggermauer durch das Gerschaffltal

Aufstieg zur Guggermauer durch das Gerschaffltal

Uneinig ist man sich in der, dem Internet entnehmbaren Literatur über die Flurbezeichnung „Gerschaffl“, die auch als „Kaschaftltal“ publiziert wird (APK Magazin 3/2005 Seite 15). Die AV Karte, Stand 2000 erwähnt den Wald- und Felsrücken, der sich vom Heiligkreuzer Zwickel ostwärts zum Lippenkopf emporzieht Gerschaffl.
In diesem Bericht verwende ich – mangels genauerem – den Begriff Gerschaffltal für das Tal, das sich nach dem Heiligkreuzer Zwickel von einer Klamm im unteren Teil in ein naturbelassenes, wild geformtes, geologisch interessantes und nach oben hin sehr steilen Abbruch von der Guggermauer entwickelt.

Höhe Lippenkopf, Rippe zur Guggermauerhütte

Höhe Lippenkopf, Rippe zur Guggermauerhütte

Es hat seine Schönheiten nicht nur im engen begeisternden Klammteil, sondern vor allem oben, nachdem sich die, vom Haller Zunterkopf herunterschießenden Reisen wieder zu einem „Klamml“ formen. Im Aufstieg rechts die steil aufragenden Felsen im Hauptdolomit von guter Qualität und links die, von der Felsqualität her schlechten, brüchigen  Raiblerschichten (Sedimente mit einem mehrfachen Wechsel von Kalk, Dolomit, Mergel, Schieferton und Sandstein). Teilweise sind – auf Höhe Lippenkopf – in der Trennlinie der Formationen Breccien zu finden, die eindrucksvoll mit Wurzeln der Buchen umwachsen sind, dem Beutegriff des Adlers gleich.

Breccien fest umklammert

Breccien fest umklammert

Auf Höhe der Breccien findet sich eine Gruppe von mächtigen alten Buchen und hangaufwärts davon wird die Brüchigkeit der Raiblerschichten weithin sichtbar, der gesamte Buchenwald ist von jungen Abbrüchen der Felsen mit großen Brocken übersät. Die sogenannte „Thaurer Schuppe“ zieht sich von weit im Innsbrucker Westen bis nach Gnadenwald und hier in diesem Tal ist die Zusammenlagerung dieser beiden Gesteinsarten sehr schön sichtbar, steigt man doch fast exakt in der Trennungslinie hinauf.

Breccie in der Trennlinie der geolog. Formationen

Breccie in der Trennlinie der geolog. Formationen

Verlaufen kann man sich nicht, man sieht von weit unten schon das Ziel in Form von einer sehr hellen – weil brüchigen und mit jung freigelegten Felsflächen – gratartigen fast ebenen Geländerippe, die mit Zuntern bewachsen ist und sich Guggermauer nennt. „Mauer“, eine treffende Benennung sowie Fels und Zuntern ein optisch schöner Kontrast beim Aufstieg.

eindrucksvoll, ohne Worte

eindrucksvoll, ohne Worte, die Klamm die nördlich der Aufstiegsroute emporzieht

Im oberen Teil wird das „Klamml“ kletterbar, jedoch nicht mit echter Schwierigkeit behaftet, man könnte für die Schwierigkeit I+ oder II- vergeben. Imposant sind die Hänge links und rechts allemal und so kann man es sich nicht verkneifen über fast jeder der natürlichen Kaskaden ein Fotos zu schießen, um diese wilde, romantische Landschaft einzufangen.

der obere Teil des Aufstieges beginnt

der obere Teil des Aufstieges beginnt

letzter Teil des Klammls

letzter Teil des Klammls

Die obersten ca. 50Hm sind dann geprägt von schlechterer Felsqualität und der Fels wird griffärmer und kleinsplitterig. Recht oft muß man die Stellen mit bloßer Reibung überwinden, die Steilheit hält sich dabei aber in noch akzeptablen Grenzen.

fast ganz oben im schlechter werdenden Fels

fast ganz oben im schlechter werdenden Fels

Etwas unterhalb der Latschenfront der Guggermauer erblickt man linkerhand eine steigartige Öffnung der Zuntern. Dieser folgend würde man unter dem Spitz im Guggermauergrat auf gut gangbarem Gelände wahrscheinlich zur Hütte kommen, ich hielt die gleich enger werdende Gasse eher als Gamswechsel und bin ihr nicht weiter gefolgt.

die lichte Stelle in Bildmitte wäre der Normalausstieg auf den Guggermauerrücken (ganz links der Gamswechsel)

die lichte Stelle in Bildmitte wäre der Normalausstieg auf den Guggermauerrücken (ganz links der Gamswechsel)

Einige Meter oberhalb dieser Stelle fand ich dann wieder links einen Hauch von Ausstieg aus dem brüchigen steilen Abbruch unter dem Grat, folgte diesem durch überwinden des Abbruches und Erreichen des flachen Zunternwaldes und fand mich schnell wieder im Dickicht wieder.

kleinsplittriger schlechter Fels

kleinsplittriger schlechter Fels

 

am Ausstieg auf die Guggermauer (meine Variante, nicht der originale Ausstieg)

am Ausstieg auf die Guggermauer (meine Variante, nicht der originale Ausstieg)

Rein gefühlsmäßig steuerte ich, fast krabbelnd, unter massivem Zunterngehölz ca. 15 bis 20m nach oben. Aufrecht gehend hätte man keine Chance, krabbelnd jedoch war es halbwegs gut möglich.

Latschengasse nach dem Ausstieg, am Ende im Unterholz nach oben weiterzukrabbeln

Latschengasse nach dem Ausstieg, am Ende im Unterholz nach oben weiterzukrabbeln

Tatsächlich fand ich nach der kurzen Strecke den Steig von der Guggermauerhütte zum Haller Zunterkopf führt und der in der AV-Karte eingezeichnet ist. Dies war auch mein Ziel.

ein Baum mit roten Beeren, man beachte die Höhendistanz zum originalen Ausstieg im nächsten Foto

ein Baum mit roten Beeren, man beachte die Höhendistanz zum originalen Ausstieg im nächsten Foto

sichtbare Höhendistanz zum Baum mit roten Beeren

sichtbare Höhendistanz zum Baum mit roten Beeren

Angenehm ging es nun weiter und nach wenigen Metern erreichte ich eine Stelle, die mir als die eigentliche Einmündung meines Aufstieges durch das Gerschaffltal erschien. Also folgte ich ca. 10 bis 15m weit dem Zweig und fand tatsächlich den Aufstieg hinter der Abbruchkante.

das ist der originale Ausstieg

das ist der originale Ausstieg

Der Blick hinunter sagte mir aber, daß ich mit dem Ausstieg weiter unten eher die bessere Wahl getroffen habe, denn dieser Aufstieg ist noch steiler und brüchiger als der untere. Somit möchte ich jedem die kurze Krabbelei durch das Unterholz gegenüber dem höheren Ausstieg der Sicherheit wegen empfehlen.

originaler Ausstieg

originaler Ausstieg

Der nun folgende Steig ist ein kraftraubender und anregender Steig, den ich sehr genossen habe, weil er etwas herausforderndes an sich hat. Völlig auf seiner gesamter Länge führt er durch Zunterngassen und dürfte im Sommer bei Sonnenbestrahlung eine wahre Herausforderung für den Kreislauf sein. Allerdings: Vorsicht Eltern! Junges vorausstürmendes Volk muß man hier einbremsen und sollte es eher hinter sich haben. Der Steig führt an einigen Stellen direkt an eine vom Gerschaffltal nordwärts ziehende und von unten sehr imposant aufragende, gewaltige  Klamm heran und bricht senkrecht neben dem Steig mit zig Metern jäh ab. Diese stellen sieht man im Aufstieg dann, wenn man direkt vor dem Abgrund steht!

die Klamm im oberen Teil, noch nicht ganz am Klammende

die Klamm im oberen Teil, noch nicht ganz am Klammende

Ein kleines Köpfl in der Geländerippe auf halbem Weg des Steiges verspricht einen Moment des Verschnaufens und bietet, wegen eines Steilabbruches wieder genau neben dem Steig eine phantastische Sicht auf das Gerschaffltal. Umgeht man die Stelle etwas weiter im links (die Zuntern sind zu diesem Zweck weitläufig ausgeschnitten und wahrscheinlich ist das auch eine Vorarbeit zur notwendigen Verlegung des Steiges in den sicheren Bereich) und blickt zurück, dann kann man die bizarren Abbrüche – möglicherweise mit Schaudern – gut erkennen. Ein schönes Stück Landschaft, sehr zu empfehlen.

bizarre Abbruchkanten

bizarre Abbruchkanten

der Klamm oberes Ende

der Klamm oberes Ende

Ab dort bewahrt den Besucher dichter Bewuchs im weiteren Verlauf des Steiges vor den noch länger vorhandenen Steilabbrüchen zu seiner Rechten bevor sich, nach ca. 10min, die Steigrichtung noch nördlicher ändert und man zur Meisterung der letzten ca. 150Hm auf dem sanfter geneigten Platteau des Haller Zunterkopfes ankommt. Der Steig trifft oben auf den Verbindungssteig zwischen den beiden Zunterköpfen und die letzten ca. fünfzig Meter des Weges folgt man in östlicher Richtung.

ca. 100Hm unter dem Gipfel

ca. 100Hm unter dem Gipfel

Haller Zunterkopf

Haller Zunterkopf

Zur Rundwanderung kann man den Abstieg ausdehnen, es gibt die Möglichkeit entweder zum Hochmahdkopf und nach Absam abzusteigen oder, empfehlenswerter, am phantastisch schönen Grat zum Thaurer Zunterkopf und weiter über das Törl ins Halltal abzusteigen.
Beide Möglichkeiten enden am Parkplatz beim Hackl und von dort kommt man über das Frauental, zum Ausgangspunkt zurück.

links das "Köpfl" und am Rücken dahinter unsichtbar der Steig, unten die Guggermauer

links das „Köpfl“ und am Rücken dahinter unsichtbar der Steig, unten die Guggermauer (vom Thauerer Zunterkopf aus gesehen)

Für den Aufstieg vom Parkplatz bis zum Gipfel habe ich 2 ½ Stunden gebraucht, für eventuelles Orientieren rechne man 3 Stunden. Es handelt sich bis zum Erreichen des Steiges von der Guggermauer bis zum Gipfel um eine anspruchsvolle Alpinwanderung auf Schuttreisen und im felsigen Wassergerinne mit fallweise kurz notwendiger Dreipunkttechnik in den kletterbaren Passagen. Wer keine Klettererfahrung hat und sich schwer orientieren kann, soll von diesem Aufstieg Abstand nehmen und über den Steig von Thaur über den Ochsner aus zur Guggermauerhütte aufsteigen.

Mils, 16.11.2014

 

Hochpunkt In Der Weissen Reise Rechts Weiterer Tourverlauf

Absamer Vorberg

Inspiriert von einem Bericht im APK Magazin 3/2005 und der guten Bedingungen durch das stabile Wetter, gepaart dem magischen Licht des Herbstes mußte auf den Absamer Vorberg eine Runde Heimatkunde her. Besser gesagt bedeutete die Tour das „Erkunden der näheren bergsteigerischen Umgebung“, Carl Gsaller und seine Zeitgenossen pflegten ein solches Vorhaben gegen Ende des 19. Jdhts. „recognosciren“ zu nennen.

Alte Flurbezeichnungen

Alte Flurbezeichnungen

Wie immer man es auch betiteln will, der Südhang des Absamer Vorberg ist eine wilde Schönheit die, wie es  mein Bergkamerad Heinz treffend charakterisierte „nicht ohne“ ist.
In der Tat ist die teilweise enorme Steilheit des Geländes und sind die, mit langwüchsigen, bereits durch Schneefall wenige Tage zuvor niedergelegten Berggräsern bewachsenen Hänge eine nicht zu unterschätzende Herausforderung an den Besucher, der sich ehrfürchtig nähert.
Weglos war meine heutige Tour, nicht zur Nachahmung zum Sonntagsvergnügen empfohlen, vielmehr dem Spezialisten mit Gefühl für Orientierung vorbehalten.

Der "Hohe Spitz" am Weg über die Weiße Reise

Der „Hohe Spitz“ am Weg über die Weiße Reise

Das Ziel, eine Route durch die steile „Weiße Reise“ zum Hochmahdkopf zu finden habe ich nicht ganz erreicht, zu aufwendig war die Orientierungssuche vorher. Die mögliche Richtung und recht genau die Route vermochte ich jedoch von meinem Hochpunkt aus in Kopf und Bild festzuhalten und so wird es eine Frage der Zeit sein bis die Route ihre Erstbeghung? erlebt.
Allerdings bin ich Jedoch der festen Meinung, daß die Route bereits bekannt sein sollte. Im Internet konnte ich vorab noch keine Hinweise darauf finden, glaube aber, daß sich die Bergsteiger im vorigen Jahrhundert diese Möglichkeit schon weit vor mir durch den Kopf gehen lassen und in die Tat umgesetzt haben.

Der Felsrücken zwingt zum Abstieg

Der Felsrücken zwingt zum Abstieg

Wie dem auch sei, die Ursprünglichkeit und die archaische Felslandschaft im oberen Teil der weißen Reise ist phänomenal und verlangt nach Wiederholung.
Kaum verlässt man den Schützensteig an seinem Hochpunkt nach Nordwesten (übrigens eine Aktion die man sich sparen kann, wenn man schon vor der Querung einer Wasserrinne mit anschließender Rastbank gleich nordwärts steil hinaufsteigt) und ziemlich weglos durch die teils verbrannten Kiefern und langgräsrigen Wiesen bis zur „Lanser Mahd“ emporsteigt.
Oben, vom Wald befreit, findet man sich in steilem Wiesengelände und knapp unterhalb der mächtigen Felsen des Pfeiferlers wieder. Ab dort ist Improvisationstalent und Orientierungsgabe gefragt und ich mußte wiederholt meinen ungestümen Gipfelstürmerdrang zügeln, denn der Felsabbruch der sich westwärts (Richtung Buchtalerhütte) bietet, ist nicht ohne Seilkameradschaft zu meistern. Also versuchte ich mich in Geduld zu üben und stieg ca. 30 bis 40m ab und finde tatsächlich hinter einer, jäh sich wendenen Stelle ein schönes breites Abstiegsband mit einer halbwegs intakten Aluminumverseilung der frühen Buchtaler zur wild geformten Schlucht ca. 15m tiefer.

Schlucht im Rückblick am gegenüberliegenden Aufstieg zur Hütte

Schlucht im Rückblick am gegenüberliegenden Aufstieg zur Hütte, deutlich sieht man das Seil links hinten

Gleich sieht man gegenüberliegend  auch ein altes Seil in der Tiefe der Schlucht und weiß dadurch, daß der Weg zur Hütte nicht auf selber Höhenlinie weiterführt, sondern, daß man ca, 15 bis 20m aufsteigen muß, um in dem schroffen Felsgelände westwärts zur Hütte zu finden.
Die Hütte war jedoch nicht mein Ziel, es zog mich geradewegs nordwärts steil hinauf zu den Anfängen der „Weißen Reise“ in der ich dann auch ankam und die Route nicht weiter suchte.

Der Aufstieg von der Schlucht im Rückblick

Der Aufstieg von der Schlucht im Rückblick

In etwa 100Hm unter dem Punkt „Hoher Spitz“ beendete ich meine Erkundungstour, wandte mich – zwecks fotografischer Dokumentation der Routenfindung zum Hochmahdkopf –  über die Reise abwärts den Böden oberhalb der Hütte zu. Dort konnte ich von geeigneter Position mehrere gute Fotos zum Studium der richtigen Wahl der Route machen.

Hochpunkt in der Weißen Reise, rechts weiterer Tourverlauf

Hochpunkt in der Weißen Reise, rechts weiterer Tourverlauf

Route von der Weißen Reise zum Hochmahdkopf, deutlich sind die Löcher in den Zuntern zu finden

Route von der Weißen Reise zum Hochmahdkopf, deutlich sind die Löcher in den Zuntern zu finden

Die weitere Tour führte mich über einen, in meiner alten AV-Karte eingezeichneten Steig in die Klamm, die sich von der Guggermauer herunterzieht. Dieser Steig, der kaum vorhanden und nur in den Wasserrinnen, die sich vom Fröschlloch und Katzerler herunterziehen, erahnbar ist, stellt ein eigenes Erlebnis dar, das ich nicht gerade als tollen Steig empfehlen kann und werde ihn vielleicht einmal hier näher beschreiben, wenn die Laune dazu vorhanden ist.

Steig zur Klamm unter der Guggermauer

Steig zur Klamm unter der Guggermauer

Einmal in der Klamm angekommen sieht man – nach einigen zickzack artigen Passagen durch die Sträucher – dann auch den in der AV-Karte eingezeichneten Steig weiter unten recht deutlich. Er führt zum Heiligkreuzer Zwickel, wovon ich dann den linken (ostwärts) führenden Waldweg zur Kaserne und Tennisplatz genommen habe.

in der Klamm auf ca. 1.150m

in der Klamm auf ca. 1.150m

in der Klamm knapp oberhalb des Wasserfalles

in der Klamm knapp oberhalb des Wasserfalles

Ein unvergessliches Herbsterlebnis in einzigartiger Kulisse diese Rundtour.

Mils, 09.11.2014

 

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Fiechterspitze – Mittagspitze – Schneekopf

In der ausklingenden Vomperkette, über die Gipfel der Fiechterspitze – Mittagspitze – Schneekopf und auf den Spuren des Tiroler Geologen Otto Ampferers, eines großen Sohnes dieses Landes, durfte ich einen unwiederbringlich schönen Herbsttag erleben.

Mittagspitze und Fiechterspitze

Mittagspitze und Fiechterspitze

Knapp vor acht startete ich von der Karwendelrast mit gewaltigem Ausblick.

ausklingende Vomper Kette, ganz rechts die Fiechter Spitze, links der majestätische Hochnissl

ausklingende Vomper Kette, ganz rechts die Fiechterspitze, links der majestätische Hochnissl

ein schöner Herbstmorgen am Vomperberg

ein schöner Herbstmorgen am Vomperberg

Eifrig angetrieben von den tags zuvor studierten Erkenntnissen des virtuosen Geologen und Bergsteigers aus Hötting, Otto Ampferer (1875 – 1947) versuchte ich den kurzen Tag einerseits „eigenwissenschaftlich“ und auch andererseits als Training für mich zu nutzen, innerlich getrieben von einer der verbreitetesten Krankheit unserer Tage, des vermeintlichen Zeitmangels.
Wem meine nun folgenden geologischen Exkurse zu langweilig sind, der setze die Tourenbeschreibung weiter unten bei dem Link mit der Beschreibung des kletterbaren Aufstieges zur Fiechterspitze fort.

auf den Spuren von Otto Ampferer kurz unter dem Hirschkopf

auf den Spuren von Otto Ampferer kurz unter dem Hirschkopf

Schon früher fiel mir die eigenartig anmutende Topografie des Vomperjoches und des Kammes am weiteren Anstieg zur Fiechterspitze auf.
Nun entdeckte ich in den Tiefen der Nacht am Computer, ständig auf der Suche nach wissenschaftlichen Erkenntnissen im Zusammenhang mit dem Karwendel, daß just dieser Kamm ein visuelles Zeugnis der Urgeschichte darstellt, und daß mein bereits früher verspürtes inneres Gefühl der sonderbaren Ausprägung der Topografie, speziell rund um den Hirschkopf, bereits vor rund hundert Jahren ein wissenschaftlich begnadeter Landsmann schon damals in außerordentlicher Exaktheit und Tiefe erkannt und beschrieben hat.

das Vomperjoch, ein Geschichtsbuch der Karwendelgeologie

das Vomperjoch, ein Geschichtsbuch der Karwendelgeologie

Mag sein, daß man als Nichtgeologe die Tragweite des Terrains nicht erkennen muß, aber erklären kann man es sich als interessierter Naturbeobachter auch so gut wie nicht und bleibt verhaftet in seiner abgestumpften Naturbeobachtungswelt.
Dabei wäre es so einfach, wenn man die Zeichen beachten würde. Gesteinsformen die sich im Laufe von weniger als 200m am Kamm grundlegend ändern, topografische Änderungen, Gestalt, Steilheit, Zerlegungsgrad, Farbe udgl. wären alles Eindrücke die man begreifend erfassen könnte, auch ohne geologische Vorkenntnis.

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Otto Ampferers "heftig verfaltene Aptychenkalke"

Otto Ampferers „heftig verfaltene Aptychenkalke“

Kalkbreccie

Kalkbreccie

Eine Skizze des Großmeisters der Geologie des Karwendels, Otto Ampferer über den Schnitt durch das Vomper Joch (Fig. 28) mit der Erklärung über die vorherrschenden Gesteinsarten eröffnet schon ein erstes Aha-Erlebnis, warum die Gegend so inhomogen bzw. unzusammenpassend abwechselnd anmutet:

Ampferer Vomper Joch - Fiechterspitze

Ampferer Vomper Joch – Fiechterspitze

Die einzelnen Gesteinsarten kann man am Weg zum Hirschkopf und weiter zum steil aufragenden – und aus massivem Wettersteinkalk bestehenden – Gipfelaufbau der Fiechterspitze gut erkennen und auch unterscheiden und, wenn man mit einiger Phantasie zur Tat schreitet, dann kann man sich als Laie zumindest ansatzweise die „große Karwendelüberschiebung“ bei der Betrachtung der Berge um das Stanser Joch vorstellen.
Man vergleiche Fig. 28a. mit der Ansicht in der Natur:

Fiechterspitze von Osten

Fiechterspitze von Osten

Deutlich sind die verschiedenen Gesteinsarten in Ampferers Skizze zu erkennen, die wahrscheinlich von einem leicht südwestlicheren Standort aus (vom Hirschkopf) entstanden ist, als mein Foto.

Ampferer Stanser Joch

Ampferer Stanser Joch

Hier die Skizze der Überschiebung der Inntaldecke über die Lechtaldecke. Otto Ampferer beschreibt die visuellen Eindrücke in der damals – vor allem bei Wissenschaftlern – üblichen, ausdrucksstarken Art: „Vom Inntal aus macht das Stanserjoch mit seinem langen, einförmigen Rücken einen recht langweiligen Eindruck und man hat keine Ahnung von der kraftvollen und eigenartigen Berggliederung an seiner Nordseite.“

Stanserjoch oder Stanerjoch; "einer der ersten und besten Nachweise von Überschiebungen in den Alpen, dessen Bedeutung aber lange nicht voll erkannt wurde"

Stanserjoch oder Stanerjoch; „einer der ersten und besten Nachweise von Überschiebungen in den Alpen, dessen Bedeutung aber lange nicht voll erkannt wurde“

Die Nordseite des Stanser Joches sieht man hier:

der Norden vom Stanser Joch aus (Blickrichtung nordwestlich)

der Norden vom Stanser Joch aus (Blickrichtung nordwestlich)

Man kann eine Art Hochtal inmitten starr aufragender, massiver Einzelgipfel erkennen. Deutlich unterschiedlich als im angrenzenden Teil des Karwendels.

Am weiteren Weg zur Fiechterspitze beobachtet man ebenfalls einige verschiedene Formationen und Gesteinsarten, bis man dann vor dem mächtigen Turm aus Wettersteinkalk bestehend, der Fiechterspitze steht.

am Kamm zur Fiechterspitze

am Kamm zur Fiechterspitze

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geologische Trennstelle, hinten links eine Schneehöhenstange bereits für den Winter gerichtet

geologische Trennstelle (hinten links eine Schneehöhenstange bereits für den Winter gerichtet, wie mir ein gleichzeitig aufsteigender Bergkollege aus Stans verriet)

einzigartige Formationen am Kamm

einzigartige Formationen am Kamm

die Fiechterspitz, als Kopf geologisch homogener Wettersteinkalk

die Fiechterspitz, als Kopf massiver Wettersteinkalk

Sehr gut kann man hier den Unterschied des Wettersteinkalkes zu den Partnach-Schichten erkennen:

am Gipfelaufbau der Fiechterspitze; rechts Partnach-Schichten, links hoch aufragend Wettersteinkalk der Fiechterspitze

am Gipfelaufbau der Fiechterspitze; rechts Partnach-Schichten, links hoch aufragend Wettersteinkalk der Fiechterspitze

Eine Beschreibung des Aufstieges zum Gipfel kann man hier finden: Aufstieg Fiechterspitze
Einige neue Fotos sind in der Galerie.

Die Mittagspitze von der Fiechterspitze aus, weit hinten der Schneekopf und hoch oben der Gipfel des Hochnissl

Die Mittagspitze von der Fiechterspitze aus, weit hinten der Schneekopf und hoch oben der Gipfel des Hochnissl

Der weitere Verlauf der Überschreitung zur Mittagspitze und weiter zum Schneekopf ist wie folgt:

Am Ostteil der Fiechterspitze zieht sich eine breite Rinne hinunter, die man zuerst einige Minuten absteigt, bevor dann eine leichte Querung nach rechts nötig ist, ehe man weiter nach unten steigt. Die Route ist recht gut markiert, jedoch muß man die teils vergilbten Markierungen suchen. Der Abstieg ist – wie die meisten im weiteren Verlauf recht steil, jedoch nicht schwer. Wer den Aufstieg geschafft hat der hat im weiteren Verlauf der Überschreitung keine Schwierigkeiten.
(Ab dieser Scharte kann man auch die Fiechterspitze „umrunden“, denn man kommt dort auch wieder hinunter zum Hirschkopf. Ich bin den Steig zwar nicht gegangen, der Kollege, der mit mir am Gipfel der Fiechterspitze war hat diese Route zurück zum Hirschkopf aber gewählt; deutlich konnte ich ihn von der Mittagsspitze aus erkennen. Es ist also möglich die gesamte Überschreitung von Schneekopf zur Fiechterspitze von West nach Ost zu unternehmen, incl. Fiechterspitze über den westseitigen Aufstieg, aber ohne der – vielleicht für viele zu schweren – Kletterstelle am Ostrücken der Fiechterspitze. In der Bildergalerie befindet sich ein Kartenausschnitt mit der von mir vermuteten Abstiegsroute grün markiert.
Der Karwendelführer (Klier) beschreibt die Route im Aufstieg: „…bis in den sog. Schneetalgraben. In diesem gerade empor zu den Felswänden auf die schluchtartige Rinne zu, die von der Mittagsscharte herabzieht, Durch diese auf die Scharte, die durch einen kleinen Felszacken gekennzeichnet ist…“)

die originelle Trennung zwischen Fiechterspitze und Mittagspitze

die originelle Trennung zwischen Fiechterspitze und Mittagspitze

Unten kommt man zur Trennung der beiden Gipfel und auch diese ist dem aufmerksamen Beobachter eine geologische Auffälligkeit. Nach Norden zum Grat bildet ein hoch aufragender Felszacken – einem scharfen Schiffsbug gleich – und nach Süden ein sanfter Ausläufer des Trennungsgrates eine quer zur Richtung der Bergkette gerichtete Trennung. Möglicherweise ist dies jener, den Klier in der o. g. Aufstiegsroute meint.

und die Trennung nach Süden; ein Grat wird entsendet, wie so häufig im Karwendel

und die Trennung nach Süden; ein Grat wird entsendet, wie so häufig im Karwendel

Auf der anderen Seite geht es unschwierig zum Gipfel. Dieser ist schön geformt mit mehreren kurzen und längeren Graten, die zu beiden Seiten der Hauptgratrichtung steil abfallen.
Tief unten im Stallental die ab Oktober für Monate gänzlich unbeleuchtete Stallenalm.

die malerische Stallenalm teilt in den Herbst- und Wintermonaten das Schicksal von St. Magdalena im Halltal

die malerische Stallenalm teilt in den Herbst- und Wintermonaten das Schicksal von St. Magdalena im Halltal

Das Gipfelbuch aus 2003 ist ein recht kleines, auch nicht sehr dick und trotzdem ist es nicht annähernd voll. Wo seid ihr Vomper und Schwazer Bergsteiger, das nette Gipfelchen hat es nicht verdient, kaum begangen zu werden!

auf der Mittagspitze; im Hintergrund  die Hohen Tauern

auf der Mittagspitze; im Hintergrund die Hohen Tauern

Überhaupt ist die gesamte Überschreitung – um das vorwegzunehmen – eine sehr lohnende und leichte Tour, für jemand der sich im Gratklettern üben will eine tolle Runde.

Das Hochnissl Massiv mit der Marzan weit unten in der Talschlucht; Tatorte wichtiger Ampferer'scher Geologiephänomene

Das Hochnissl Massiv mit der Marzan weit unten in der Talschlucht; Tatorte wichtiger Ampferer’scher Geologiephänomene

Die Mittagsspitze wird westlich über einen, von der Fiechterspitze aus, nicht sichtbaren leichten Grat führt, der schlußendlich am Tiefpunkt zwischen ihr und dem Schneekopf ankommt. Markierungen sind vorhanden, jedoch vergilbt und manchmal spärlich an der Zahl, man muß die Augen kreisen lassen.

der Bockkarlturm nördlich der Trattenspitze, eine geologische Besonderheit die Otto Ampferer beschreibt

der Bockkarlturm nördlich der Trattenspitze, eine geologische Besonderheit die Otto Ampferer beschreibt

Ein Blick zur Halltalkette bietet einen perfekten Eindruck von der wilden Nordseite der Giganten dort, Wandhöhen bis zu 800m sind Standard.
Der Bockkarlturm ist jener pyramidenartig geformte Spitz nördlich des Grates zur Trattenspitze (im Bild von links unten aufsteigend), der im Foto schön sonnenbeleuchtet und oben abgeflacht ist. Von ihm schreibt Ampferer: „An der Südseite des Vomperloches beginnt der Wettersteinkalk seine Herrschaft erst westlich vom Sattel des Walderjoches. Hier schwingt er sich ruckartig zum hohen Bettelwurf empor. An diesem gewaltigen Gewölbe sind sowohl gegen das Inntal und Halltal als auch gegen das Vomperloch
tiefgreifende Zerreißungen zu sehen. Eine besonders verwegene Abspaltung bildet hier den
kühnen Bockkarlturm.“

Bettelwurfmassiv mit unverändert massiv und bizarr nach links (östlich) ausklingender Gleirsch-Halltalkette

Bettelwurfmassiv mit unverändert massiv und bizarr nach links (östlich) ausklingender Gleirsch-Halltalkette

Im Tiefpunkt der Route zum Schneekopf sollte man dann aufsteigen zur Gratschneide (die dort nicht so ganz eine Schneide ist) und kann dann nördlich bequem in die folgende kleine Einschartung absteigen.

diese Gratpassage sollte man ganz oben nehmen, nördlich sogar, anstelle bis zur Scharte rechts unten ab- und wieder aufzusteigen

diese Gratpassage sollte man ganz oben nehmen, nördlich sogar, anstelle bis zur Scharte rechts unten ab- und wieder aufzusteigen

Ich habe des – von Osten kommend – nicht richtig gesehen bzw. falsch eingeschätzt und bin ca. 15m zu einer kleinen Scharte in der hinabziehenden Rippe ab- und jenseits wieder aufgestiegen. Kein Beinbruch, aber oben wär’s viel schöner gewesen.

Damit hat man den wilden Grat, bei dem man sich oft weit unterhalb desselben befindet, eigentlich schon hinter sich gelassen und kann nun direkt am Grat dem Schneekopf zustreben. Die Abbrüche im Norden sind vom Grat aus zuerst flach genug, daß man ihn als zu anregend empfindet und südlich ausweichen möchte. Ein schöner letzter Aufstieg zum Gipfel des Schneekopfes liegt nun vor dem Glücklichen, der den Tag genutzt hat und diese Tour gewählt hat.

Gipfel des Schneekopf

Gipfel des Schneekopf

Ein kleines fundamentloses Holzkreuz im Steinhaufen ziert das Gipfelchen und im August dieses Jahres wurde neues Gipfelbuch aufgelegt. Der Blick zurück läßt eine Tour erahnen die wesentlich leichter ist, als man dabei annehmen möchte.

Schneekopf, Mittagspitze, Fiechterspitze (aufgenommen vom hinteren Gipfel des Schneekopfes)

Schneekopf, Mittagspitze, Fiechterspitze (aufgenommen vom hinteren Gipfel des Schneekopfes)

Der weitere Grat, die Niedernissltürme, sind dem versierten Kletterer vorbehalten und in Vorbereitung dieses Projektes habe ich einige Meter des Grates zur Erkundung genommen. Leider war schnell Schluß, da ein Steilabbruch zu einem kleinen Turm, der die weitere Sicht versperrte, ohne Sicherung im Alleingang für mich nicht Frage kommt. Das Projekt wird irgendwann, möglicherweise im nächsten Jahr weiter vertieft.

das nächste Projekt, der Abstieg vom Schneekopf zu den Niedernissltürmen

das nächste Projekt, der Abstieg vom Schneekopf zu den Niedernissltürmen

die Niedernissltürme in ihrer vollen Pracht

die Niedernissltürme in ihrer vollen Pracht

Der Abstieg vom Schneekopf folgt auf abwechselnd Wiesenflecken und Fels über eine lange Strecke der Abbruchkante zu einer Schlucht, die sich im Westen des Gipfels ins Bärental hinunterzieht.
Der gesamte Abstieg erfolgt eigentlich auf dem Südausläufer des Grates, der sich 400Hm tiefer zum Bärenkopf ausbildet. Dort hat man dann die Wahl westlich in das Bärental und weiter zur Tawald Jagdhütte, oder östlich davon über das Schneetal zu einer anderen Jagdhütte abzusteigen.

Abstieg vom Schneekopf

Abstieg vom Schneekopf

Meine Entscheidung fiel zugunsten des östlichen Abstieges, da ich diesen Steig noch nicht kannte und es muß festgestellt werden, daß dieser Steig sehr malerisch und durchaus steil durch wilde, felsdurchsetzte Zunternbestände führt, die es verdienen begangen zu werden. Einige Stellen bedürfen der Pflege und sollten ausgeschnitten werden, aber in Summe ist der Steig sehr reizvoll.

Abstiegsmöglichkeit nach Südosten zum Steig zur Waldhorb Alm oder tiefer ab der Jagdhütte

Abstiegsmöglichkeit nach Südosten zum Steig zur Waldhorb Alm oder tiefer ab der Jagdhütte

Leider habe ich die AV-Karte vorher nicht genügend studiert und war deshalb der Möglichkeit, ab der Jagdhütte, viel direkter abzusteigen nicht gewahr. Dieser Steig sollte unterhalb der Jagdhütte zum „Siberer Schlag“ führen und somit eine wesentliche Abkürzung darstellen. Neben dem wilden Schneetal verlaufend müßte es ein landschaftlich sehr schöner sein und wer darüber berichten kann ist gerne eingeladen davon mit einem Kommentar zu berichten.

Bei der Karwendelrast angekommen und das Log beendet stellte ich fest, daß der Aufstieg 1.615Hm betrug. Hinzu kommt eine Korrektur von 40Hm die ich am ersten Gipfel, der Fiechterspitze, feststellte.
Die Gehzeit betrug 6:48h, wobei hiervon eine gute halbe Stunde für die Erkundungen geologischer Beschreibungen und der Niedernissltürme mit Fernglas und AV-Führer abgezogen werden muß, die für die reine Überschreitung nicht notwendig sind.
In der Einstiegstelle der Fiechterspitze hängt nun seit neuestem ein Seil (in meinem o. g. Bericht nicht beschrieben), das bereits ein arges Gummiband ist, dem Ängstlichen jedoch einerseits ein Wegweiser, andererseits eine psychologische Hilfe sein kann.

Mils, 18.10.2014

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Bettelwurf Osteck über Fallbachkarspitze

Die Königsklasse unter den von der Südseite durchführbaren Anstiege zum Großen Bettelwurf ist zweifellos die Route über die Fallbachkarspitze auf das Bettelwurf Osteck. Sie ist dem versierten Bergsteiger vorbehalten und erfordert einiges Kletterkönnen, sowie auch Mut oder Vertrautheit mit ausgesetzten, längeren Passagen in Fels um 75° Steilheit und mehr.

am Grat zum Bettelwurf Osteck

am Grat zum Bettelwurf Osteck

Einige Jahre kokettierten wir schon mit dem Vorhaben diese Bergfahrt zu unternehmen und nach dem guten Verlauf der heurigen Saison mit mehreren Gratüberschreitungen im Karwendel wagten wir das Abenteuer. Mit von der Partie war ein weiterer Milser und Bergkollege, Thomas, ein ausgezeichneter Kletterer und ebenfalls einer, der von der Tour generell begeistert ist und sie noch nicht durchgeführt hatte.
Die Berichte, die man über diesen Anstieg im Internet recherchieren kann sind großteils recht detailliert und bieten gute Eindrücke, was einen erwartet. Wir empfehlen sie alle zu lesen, bevor man sich ernsthaft an die Aufgabe heranwagt (unter „Bettelwurf über Osteck“ gut zu googeln).

Die Fallbachkarspitze

Die Fallbachkarspitze

Unser Bericht befaßt sich weniger mit dem unteren Teil bis zur Fallbachkarspitze. Die Beschreibung dieses Teiles kann man in unserer Seite hier gut mittels der Suchfunktion finden. Wir befassen uns mehr mit dem eigentlichen Teil, den wir, bereits mehrmals auf der Fallbachkarspitze gestanden, noch nicht durchgeführt haben.
Der Vollständigkeit halber sei die Route von ganz unten kurz gestreift: vom Parkplatz bei der Sprungschanze geht es vorbei an der Wasserfassung und nach ca. 500m, vor dem Klettergarten, rechts auf unbezeichnetem Steig zur Halltaler- und Alpensöhnehütte hinauf. Bei der Alpensöhnehütte gibt es die einzige und letzte Möglichkeit Wasser zu bunkern, also nutzten wir den kurzen Umweg auf dem Steig zur Hüttenspitze.

Brunnen bei der Alpensöhnehütte

Brunnen bei der Alpensöhnehütte

Nach der Hüttenspitze, die guten Einblick in den weiteren Tourverlauf bietet, steigt man ca. 100Hm zur Wechselscharte hinab, um nordseitig der Scharte den seilversicherten Steig auf den Rücken des Gratausläufers der Fallbachkarspitze wieder aufzusteigen.

Fallbachkarspitze mit Bettelwurf-Osteck im Hintergrund links

Fallbachkarspitze mit Bettelwurf-Osteck im Hintergrund links

Auf 2/3 des Weges zur Steigmarkierung (ein Holzstab in einem Steinhaufen) zweigt rechts der Steig auf die Wechselspitze und ins Fallbachkar ab. Diesen passieren wir und nach ca. 100Hm erreichen wir am latschenbewachsenen Rücken den Steig durch die Rinne zur Fallbachkarspitze der genau hinter der Markierung links abzweigt (man kann auch den Grat zur Fallbachkarspitze nehmen, dann zweigt man nicht links auf den jüngst neu markierten Steig in die Rinne zur Scharte vor der Fallbachkarspitze auf).

Steigmarkierung auf die Fallbachkarspitze

Steigmarkierung auf die Fallbachkarspitze

Am oberen Gipfelaufbau der Fallbachkarspitze erreicht man dann eine flache, wenig geneigte größere Wiesenfläche, von der aus man östlich des sich nun weiter bietenden Aufstiegsverlauf über eine schmale Rinne zum Gipfel empor steigt (es gibt auch noch eine andere Route auf der Westseite, diese kenn wir jedoch nicht). Einige Klammern im steilsten Teil erleichtern etwas den Aufstieg. Der Ausstieg ist links (westlich) und um einen großen Felsblock herum, erreicht man den Grat und zwei Minuten später Gipfel.
Wer in der Rinne bereits Probleme hat ungesichert frei zu klettern, dem sei geraten dort umzudrehen und die Tour nicht weiter zu machen (es sei denn man unternimmt die Tour mit einem Profi der im weiteren Verlauf im Vorstieg die Sicherung übernimmt).

Gratverlauf Fallbachkarspitze zum Bettelwurf Osteck

Gratverlauf Fallbachkarspitze zum Bettelwurf Osteck

Der Grat nach der Fallbachkarspitze wird in den eingangs erwähnten Berichten im Internet wenig detailliert beschrieben. Also möchten wir hierzu ausführen, daß knapp nach dem Gipfel, nach einigen Spitzchen die man überschreitet, der weitere Verlauf der Route hauptsächlich in der dem Fallbachkar zugeneigten Ostseite zu finden ist, als auf der dem Bettelwurfkarl zugeneigten Westseite. Dies teilweise mit recht tief unter den Gratspitzen und mit Steinmännchen ausreichend gekennzeichnetem Verlauf.
Dabei ist erwähnenswert, daß das Wiesengelände so steil ist, daß es an vielen Stellen einen Fehltritt nicht verzeihen würde. Die Hänge stürzen ungemein steil ins Fallbachkar ab.
Eine interessante Stelle ist hier ein ca. 10m langes grasdurchzogenes ca. 20cm schmales Band in einer Platte mit ausreichender Griffmöglichkeit und festem Trittbereich, aber sehr ausgesetzt (leider kein Foto davon).
Teilweise ist dann wieder, immer ca. 20-30Hm unter dem Gratverlauf, ein regelrechter Steig zu erkennen, der um die einzelnen Rücken herumführt und auf der Nordseite nicht ungefährliche Passagen bietet.

Gratverlauf mit Steinmandl und Steig links, ostseitig; Passage  im Norden der Rippe mit Steilabbruch

Gratverlauf mit Steinmandl und Steig links, ostseitig; Passage im Norden der Rippe mit Steilabbruch

In dieser Manier geht es – mit wenig Höhengewinn – an den Bergkörper des Großen Bettelwurf dichter heran und erst nach ca. 30 – 40min wird der wilde Grat sanfter und verschmilzt mit dem Bergmassiv.
An dieser Stelle wird dann auch ein mächtiger Turm sichtbar, den man immer ostseitig bleibend passiert und vor dem die Route deutlich steiler wird.

kühner Turm und rechts hinten der beginnende Grat des Bettelwurf-Ostecks

kühner Turm und rechts hinten der beginnende Grat des Bettelwurf-Ostecks

Man läßt den Turm hinter sich und nach ca. 10min im Grasgelände aufwärts erreicht man den Gipfelaufbau des Bettelwurf Ostecks und wechselt links in diesen hinüber. Die Sicht ins Fallbachkar endet hier.

der Anstieg zum Grat des Ostecks

der Anstieg zum Grat des Ostecks

Weiter geht es nun in Reibungskletterei über eine harmlose, ausgewaschene Rinne hinauf. Es geht auch links davon in griffigerem, jedoch eher schuttbeladenem Fels. Unterwegs erfreuen wir uns an ungewöhnlichen Formationen westlich der Aufstiegsroute, einem riesengroßen Steinmandl gleich. An ihrem oberen Ende querten wir nach links (nordwestlich) und stiegen nun in einer kleinen Schlucht weiter.

Reibungskletterei in der ausgewaschenen Rinne

Reibungskletterei in der ausgewaschenen Rinne

Die Schlucht verengt sich deutlich und formt sich an ihrem oberen Ende zu einer Verschneidung, die man rechts, sehr bequem auf leicht griffigem Fels mit Reibung und wenig wirklichen Griffen ausgestattet, umgehen kann. Unten am Beginn der Verschneidung befindet sich eine vergilbte Pfeilmarkierung.

im oberen Teil der Verschneidung, rechts geht es stets gut voran

im oberen Teil der Verschneidung, rechts geht es stets gut voran

Wir hielten uns im weiteren Aufstieg rechts auf gut griffigem Fels, teilweise schotterdurchsetzt, bis  zu einer kleinen Scharte mit atemberaubendem Blick in das Fallbachkar und auf die gleichnamigen Türme mit den Gipfeln der Vomperkette. Von Verlassen des Grasgeländes unten bis hierher benötigten wir 20min.

Scharte vor der schwierigen Passage, Beratung wie es am besten weitergeht

Scharte vor der schwierigen Passage, man berät sich wie es am besten weitergeht

Diese kleine Scharte eröffnet nun den Blick auf den weiteren Aufstieg, des schwierigsten Teiles mit der Schlüsselpassage. Die Wortwahl „Passage“ haben wir deshalb getroffen, da dieser schwierige Teil lang ist, von unten, in seinem gesamten Verlauf, nicht einmal zur Gänze einsehbar.

die Aufstiegsroute; erster Teil und Querung gut sichtbar; oberer Teil kaum detailliert sichtbar

die Aufstiegsroute; erster Teil und Querung gut sichtbar; oberer Teil kaum detailliert sichtbar

Der untere Teil ist geprägt von einem Riss rechts einer Rinne, die wir als überraschend fest und nicht brüchig, oder splitterig wahrgenommen haben. Der Riss bietet ausreichend gute Griffe, um sicher aufzusteigen, jedoch muß man nach ca. 15m an seinem oberen Ende ca. 2-3m nach links hinausqueren (ausgesetzt mit ordentlichem Tiefblick) und kommt dabei durch die weniger griffige Rinne, bis man schlußendlich nach einem weiteren fast senkrechten Aufstieg über ca. 2-3m auf ein bequemes Podestchen kommt auf dem man sich sammeln kann.

schwierige Passage unterer Teil

schwierige Passage unterer Teil

Wer den ausgesetzten Blick nicht erträgt bleibt etwas weiter in der Wand drin – wir reden von weniger als einem Meter-, büßt jedoch den guten Standplatz ein und hat auf den nächsten paar Metern ein schwierigeres Gelände vor sich. Manuel hat es so gewählt.

am Podestchen am Ende des unteren Teiles, Manuel zu weit rechts für einen guten Stand

am Podestchen am Ende des unteren Teiles, Manuel zu weit rechts für einen guten Stand

Diesen ersten Teil schätzen wir auf knapp 20Hm und spätestens beim Rückblick zur Scharte erkennt man die Schwierigkeit von III+/IV- an, von der in den diversen Beschreibungen gesprochen wird. Das Gelände fast senkrecht, die Tritte und Griffe im oberen Teil bei der Querung eher klein, jedoch fest und ohne Dreipunktmethode an keiner Stelle begehbar.

Thomas bereits im oberen Teil der schwierigen Passage, in der griffigen festen Platte

Thomas bereits im oberen Teil der schwierigen Passage, in der griffigen festen Platte

Nun wechselte die nicht nur die Richtung, es wird nach rechts oben weitergestiegen, sondern auch die Felsqualität, im Foto gut zu sehen. Man kommt auf eine feste Platte, Rillenkalk,  die eine rissartige Störung mit guten festen Griffen und Tritten als Aufstiegshilfe und –richtung bietet. Die Steilheit setzt sich unvermindert fort und auch in der folgenden Verschneidung geht es in gleicher Manier voran.

der obere Teil der schwierigen Passage mit guten Haltepunkten

der obere Teil der schwierigen Passage mit guten Haltepunkten

Die einzige Erleichterung, die sich in der Verschneidung bietet ist mental vermeintliche Sicherheit durch den Felskörper, den man nun rechts neben sich und dem Fallbachkar hat. An eine Rücknahme der Konzentration und Angespanntheit ist jedoch erst zu denken, wenn man den oberen Ausstieg der sich verjüngenden Verschneidung überklettert hat.

Manuel am Beginn der Verschneidung, Thomas mitten drin

Manuel am Beginn der Verschneidung, Thomas mitten drin

In der Verschneidung gibt es zwar wieder die Felsbeschaffenheit die auch im unteren Teil nach der Scharte angetroffen wird, jedoch etwas brüchiger, wie man anhand des Schotters darin erkennt. Man kann nach gut 2.000Hm und der doch anstrengenden Passage hier die Wadeln ein wenig entlasten, indem die Möglichkeit besteht sich zu verspreizen, jedoch strebt man eher lieber dem Ende der Verschneidung zu.
am Beginn der Verschneidung unten gibt es einen älteren, festen Haken, der zur Sicherung von Nachsteigenden vertrauenswürdig erscheint. Schätzungsweise braucht man dafür gut 30m Seil bis zur Scharte hinunter. Wir hatten ein 50m Halbseil, Friends (dafür gibt es kaum Möglichkeiten) und genügend Sicherungsmittel mit, verwendeten es jedoch nicht.

der Ausstieg aus der Verschneidung

der Ausstieg aus der Verschneidung

Mit dem Ausstieg hat man eigentlich den Höhepunkt an Schwierigkeiten dieser gewaltig schönen Tour gemeistert, der restliche Gratverlauf ist aber dennoch für weitere knapp 10min IIer Gelände mit steilen Abstürzen zu beiden Seiten nicht ohne Konzentration zu begehen bevor man das Bettelwurf-Osteck erreicht.

Gratverlauf zum Bettelwurf-Osteck

Gratverlauf zum Bettelwurf-Osteck

Von dort sind es nochmals knapp 10min zum verdienten Gipfel des Großen Bettelwurfes. Für den gesamten Aufstieg bis zum Gipfel haben wir 5 Stunden gebraucht.

Gipfel Großer Bettelwurf

Gipfel Großer Bettelwurf

Leider hatten wir just an diesem Samstag eine Wetterstörzone in dem gerade angebrochenen stabilen Altweibersommer und deshalb sind die Fotos für all jene, die, so wie wir auch in der Vorbereitung zu dieser Tour, versuchen die Griffe und Tritte auf den Fotos zu erkennen, nicht so perfekt geworden. Wir können jedoch allen die sich mit der Frage ob ja oder nein zur Tour versichern, daß die Anzahl, Verteilung und Qualität von Griffen und Tritten über die gesamte Schlüsselpassage akzeptabel ist und, vielleicht als subjektivem Eindruck des Verfassers, nur die Querung im oberen Teil unten etwas schlechter damit ausgestattet ist.
In Summe ist jedoch bei der seilfreien Erstbegehung die Anspannung vor der Wand als solches größer, als es die Suche nach Haltepunkten in Zwangshaltung wirklich erfordert. Zu dieser Erkenntnis gelangt man aber – wie immer –  leider erst hinterher, wenn die Schwierigkeiten bereits gemeistert sind 🙂
Wie man an den Fotos erkennt gibt es durchaus die Möglichkeit an ein paar Stellen in halbwegs bequemer Haltung und sicherem Stand Aufnahmen zu machen und daher ist klar, daß die gesamte Passage nicht ununterbrochen zu durchklettern ist und man sich nicht auch einen strategischen Überblick über die nächsten Teile machen kann.

Hingewiesen sei, wie auch in anderen Beschreibungen auch, darauf, daß eine Rückkehr ab der Scharte mit einem sehr beschwerlichen Abstieg verbunden wäre und daß man sich bei der letzten schwierigen Passage nach mehr als 2.000 zurückgelegten Höhenmetern schon in einem nicht mehr taufrischen Zustand befindet. Daher empfehlen wir dringend diese Tour nicht alleine sondern mindestens mit einem oder mehreren Partnern zu unternehmen und ausreichend Sicherungsmittel dabei zu haben. Mehrere Augenpaare sehen mehr und der Austausch über Einschätzungen von schwierigen Stellen sind am Berg immer sinnvoll.
Die Aufstiegszeit mit 5 bis 6 Stunden, je nach Leistungsvermögen, sollte man in Betracht ziehen, wenn man die Startzeit wählt und das Wetter nicht als einwandfrei niederschlagsfrei über den Tagesverlauf vorausgesagt ist, denn, Nässe kann man speziell am Ende der Tour nicht brauchen.
Eine weitere Empfehlung ist es die Tour erst im Herbst zu unternehmen, da sie auf fast der gesamten Strecke nie richtig Schutz vor der Sonneneinstrahlung bietet und somit ein immenser Wasservorrat mitgeführt werden müßte. Wir haben die Erfahrung gemacht im Juli und August selbst nur auf die Fallbachkarspitze nahezu unsere gesamten Trinkvorräte verbraucht zu haben.

der obere Teil des Grates zum Bettelwurf-Osteck

der obere Teil des Grates zum Bettelwurf-Osteck

Den Abstieg vom Großen Bettelwurf wählten wir über den Klettersteig zum Kleinen Bettelwurf und direkt vom Sattel zwischen beiden zur Bettelwurfhütte. Für diesen Teil rechne man mit eineinhalb Stunden, gefolgt von weiteren gut eineinhalb Stunden von der Hütte bis zum Parkplatz zurück.
Die Suunto Vector zeichnete den gesamten Aufstieg mit 2.040Hm auf, wobei wir am Gipfel eine Höhenkorrektur von rd. 60m wegen des sich ändernden Luftdruckes verzeichneten. Also rechne man mit 2.100Hm gesamt.

Die Wettervoraussage mit der Niederschlagssimulation der ZAMG (können wir zur Tourenplanung sehr empfehlen) stimmte dieses Mal fast auf die Minute und es erwischte uns der mit 50% Wahrscheinlichkeit vorausberechnete Regen zwischen 16 und 17 Uhr in der gemütlichen Bettelwurfhütte nicht.

Aufklaren nach Kurzregen aus  dem Fenster der Bettelwurfhütte

Aufklaren nach Kurzregen aus dem Fenster der Bettelwurfhütte

Unser gelungener Tag endete diesmal allerdings erst gegen Mitternacht und mit der Stirnlampe im Abstieg. Vorher erlebten wir noch einen schönen Abend mit Freunden auf der Bettelwurfhütte bei der bedauerlichen Verabschiedung unserer beliebten Wirtsleute Robert und Gabi, die nach vielen Jahren die Hütte leider nicht mehr weiterführen können.

Ansprache den Wirtsleuten

Ansprache der Stammgäste an die Wirtsleute

Mils, 11.10.2014