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Schitour Obernberger Tribulaun, 2.780m

Imposant erscheint die steile Aufstiegsrinne schon von weitem und sie ist im Frühjahr bereits am Morgen stark besonnt, wenn man sie über das Seeufer des Obernberger Sees ins Visier nimmt. Ihre östliche Ausrichtung taucht sie bereits weit vor 7 Uhr in direktes Sonnenlicht mit stumpfem Winkel, sodaß ein früher Aufstieg – wir waren mit dreiviertel sieben ab dem Parkplatz nicht zu früh – ratsam ist. Viel früher aber auch nicht, damit man sich im steilen unteren Teil nicht plagen muß.

Obernberger Tribulaun, 2.780m

Bereits am Weg zum Obernberger See konnten wir teilweise mit Schi gehen, entlang des Seeufers mußten wir bis kurz vor das Kirchlein tragen. Bald verließen wir den Weg und marschierten mit etwas Sicherheitsabstand am Ufer dem See Ende zu, vorbei an dem letzten Gebäude durch den kurzen Wald bis zur schönen freien Fläche unterhalb der Rinne.

Kleiner Tribulaun vom Parkplatz Obernberg gesehen

Etwa 700Hm des Aufstiegs können am Fuße des leicht ansteigenden Hanges zur Rinne eingesehen werden. Ob als sogenannte „Kachelstube“ die Rinne selbst, der Hang rechts davon, oder gar erst der obere Teil des Aufstiegs im Kar bezeichnet wird ist im Kartenwerk (AV/Tiris) widersprüchlich bezeichnet.

Aufstiegsrinne Obernberger Tribulaun

Der untere Hang steilt zu Rinne hin kontinuierlich auf und leitete uns auf bereits gut aufgefirnte Oberflächen, sodaß Harscheisen nicht benötigt wurden.  Zwischen den Schneerutschungen hindurch muß im Frühjahr der Aufstieg angelegt werden.

nach dem kurzen Waldstück nach dem See

Bei unserer Begehung waren die Lawinen schon Tage zuvor abgegangen, gesetzt sowie die Oberfläche mehrfach durch Schmelze angeglättet und deshalb einigermaßen bequem zu durchschreiten.

angenehmer Aufstieg am flachen Hang bis zur Rinne

Die Rinne erreicht etwa ab 1.900m gleich knapp an die 40° Neigung und führt in dieser Steilheit weiter.

es wird gleich ordentlich steil

Die Durchquerung der Lawinenstriche in Spitzkehren wurde in der Folge etwas unbequemer, weshalb wir etwa bei 2.050m beschlossen das apere Band einer Rippe rechts der Rinne zu nutzen und über Bergwiesen weiter bis unter die oben sichtbare Felswand zu steigen. Dort sollte es wieder mit Schi und Spitzkehren weitergehen.

wir queren und halten uns weiter rechts der Lawinenrutschungen

Natürlich war es angenehmer den Aufstieg mit geschulterten Schi fortzusetzen und weil die Rippe fast durchgehend aper war, kamen wir auch mit höherer Steiggeschwindigkeit voran.

bei engem Spitzkehrenaufstieg durch die Schneerutschungen entscheiden wir über das apere Band weiter aufzusteigen

Während des Aufstieges konnten wir die jahreszeitlich bereits enorme Kraft der Sonne im Nacken spüren. Gegen halb neun Uhr mußte auch der sehr sonnencremeresistente Autor einen Finger voll aus seiner kleinen Sonnencremetube nehmen. Der Schnee war bereits so aufgeweicht, daß man mit einer Masse von gut 100kg bis zu den Knien einsank und das Stapfen zum schweißtreibenden Erlebnis wurde.

oben auf 2.300m angelangt geht es wieder unter Schi weiter

Auf 2.300m, unterhalb des Felsabbruches steil ober uns, war dann auf einem leicht abgeflachten Teil Schluß mit der Stapferei. Wir konnten dort wieder die Schi anschnallen und links in die sich nach oben hin sehr breit auffächernde Rinne einsteigen.

kurze Pause und die Schi wieder abgeladen

Die Rinne büßt dort noch gar nichts von ihrer Steilheit ein, weitere 150Hm Aufstieg sind nötig, um auf flacheres Terrain zu gelangen. In diesem letzten Teil bis zum flacheren Gelände fühlt man sich beim hinunterschauen etwa wie im oberen, ruhigeren Teil eines Trichters, dem gurgelnden Schlund in der Tiefe entronnen.

Aufstieg durch den „Trichter“ – Flex spurt wieder voran

Die Höhe beträgt nun gut 2.450m und ein Richtungswechsel im Aufstieg steht nach der mächtigen absolvierten Rinne an. Mit dem Richtungswechsel tut sich der Blick auf ein phantastisch schönes Kargelände – man könnte fast sagen ein Kartal – zur Scharte zwischen dem Obernberger Tribulaun und dem Übergang zum Nördlichen Roßlauf auf.  Von unten nicht einsehbar bezaubert diese Höhenlandschaft enorm.

Rückblick, zwei Burschen folgen uns – es sollten die einzigen außer uns bleiben

Sofort erkennt der versierte Winterbergsteiger, daß der Aufstieg in der linken Karflanke auf die nächste Geländestufe sinnvoller ist, als die direkte Linie über die tiefste und schmalste Rinne am Karende.

ab etwa 2.450m wird es über das Kar wieder flacher bis zur nächsten Steilstufe

Der Aufstieg über die linke Flanke präsentiert sich in dieser großartigen Landschaft wieder etwa so steil als im oberen Teil des Trichters, immer aber angenehm bis oben hin. Der Schnee war selbst auf 2.600m bereits leicht aufgefirnt und ohne Harscheisen zu begehen.

kurz vor der nächsten Steilstufe

Die folgenden 100Hm ab einer leichten Senke bis zu der schon bald sichtbaren Scharte im Tribulaunkamm bis zum Grenzkamm mit dem Nördlichen Roßlauf waren bei unserer Begehung zwar teilweise hart, jedoch einwandfrei zu begehen.

Steilstufe oberer Teil

Dieser kurze Abschnitt beinhaltet einen kurzen Teil mit 40° Hangneigung für den, bei nicht so optimalen Bedingungen wie wir sie vorfinden durften, eventuell sogar Steigeisen erforderlich sein können.

etwa 2.650m, die letzte Hürde ist der Hang zur Scharte

Die Ausrichtung des Hanges zur Scharte befindet sich am Vormittag in eher spitzem Winkel zur Sonneneinstrahlung; und im Verein mit der Geländehöhe von immerhin 2.700m firnt es dort selbst nach 10 Uhr vormittags nur mäßig auf – genug jedoch in unserem Fall, um im Tourenmodus unter Schi komfortabel auf die aussichtsreiche Scharte zusteigen.

letzter steiler Hang (dieser könnte Steigeisen und Pickel erfordern)

Von der Scharte öffnet sich der Blick auf das jenseits liegende schöne Hochkar, von dem die Tourenpartner zu berichten wussten, daß es eine Nordabfahrt gibt. Wir waren uns einig, daß sie von uns sicher einmal erkundet werden wird, jedoch in einer nächsten Besteigung und eher gegen Ende im Hochwinter als im Frühjahr.

Evi im letzten Steilhang

Die letzten knapp 100Hm von der Scharte bis zum Gipfel des Obernberger Tribulaun vollziehen sich auf leichtem Gelände über einen sehr breiten Rücken der sehr vom Wind geprägt wird und durch äußerst hart gepressten Schnee bis zum Gipfelkreuz führt.

jenseits der Scharte die Nordabfahrt

Am Weg dorthin muß noch eine letzte Kuppe mit steiler und harter Nordflanke passiert werden – keine Schwierigkeit und nicht ausgesetzt.

letztes zu überschreitendes Köpfchen vor dem Gipfel

Dahinter ging es leicht abwärts etwa 40m zum massiven Gipfelkreuz des Obernberger Tribulaun mit seiner phantastischen Aussicht vor allem auf unsere südlichen Landesteile von den Pfunderer Bergen bis in die Dolomiten.

das Gipfelkreuz des Obernberger Tribulaun

Die ostseitig ausgerichtete Vorderfront des Kleinen- und Obernberger Tribulaun bietet eine grandiose Sicht auf Obernberg- sowie Schmirntal, auf die Tuxer Alpen und den Grenzkamm im Südosten.

Habicht im Nordwesten

Im Nordwesten kann der mächtige Habicht bestaunt werden und seine Zustiegsrichtung im Winter – die Südflanke liegt offen da.

Fernsicht bis zu den Dolomiten in 60km Entfernung

Bei besten Verhältnissen am Gipfel und ohne nennenswerten Wind verbrachten wir ein knappes halbes Stündchen am Obernberger Tribulaun, bevor die Abfahrt um 11 Uhr angetreten wurde.

Evi, Magdalena und Andi am Obernberger Tribulaun, dahinter die Zillertaler Alpen

Da am Gipfel keine windgeschützte Ecke zu finden war entzündete Flex das von ihm mitgebrachte Gedenkkerzlein in den Felsen nach der Scharte – es mögen die wenige Tage zuvor getöteten Kameraden David, Hansjörg und Jess in Frieden ruhen.

Suche nach einem windgeschützten Plätzchen

Die Abfahrt im oberen Teil bis zurück zum „Trichtereinlauf“ war mit einem Wort grandios!

Blick auf die bevorstehende Abfahrt

Beste Firnverhältnisse im obersten Teil ließen die Steilabfahrt zum Vergnügen werden und bis zum unteren Teil vor dem Trichtereinlauf genossen wir die Schwünge.

phantastische Abfahrt im oberen Teil

Ab dem Beginn des Trichters begannen die bereits sehr weichen Schneeverhältnisse dann einigermaßen anstrengend zu werden und mit zunehmender Tiefe fiel es schon schwer einen Schwung professionell auszufahren – die Dichteunterschiede im Schnee durch die Lawinenrutscher hindurch erforderten erhöhte Konzentration.

zu Beginn des Trichters ist die Schneedecke bereits tief aufgetaut

Je tiefer wir kamen desto schwerer wurde der weitgehend aufgeweichte Schnee im steilen Hang fahrbar – eine anstrengende Angelegenheit, die zu mehreren Pausen zwang.

Weiter unten besserte sich die Aufweichtiefe und über den Zustiegshang zur Rinne hatten wir nochmals gute Firnbedingungen bis hinab zum Wald.

unterer Teil der Steilrinne

Bei geschickter Wahl der Route durch den Wald und mit mäßigem Anschieben konnten wir fast bis zur Brücke zum Kirchlein fahren. Dort wurde ohnehin Schultern der Schi notwendig, da bis zum Seeanfang alles aper war.

Andi zieht seine Spur in den schweren Schnee

Die letzte kurze Abfahrt gab es dann am Almengelände nahe dem Wald wo die Sonne noch ein schmales fahrbares Band bis zu den untersten Hütten übrig gelassen hat.

Ab hier die Schi geschultert bis zu den Almenwiesen unterhalb des Sees

Für die 1.375Hm haben wir gesamt 5:40 Stunden benötigt (von/bis Parkplatz, Gipfelaufenthalt etwa 30min).

Track Obernberger Tribulaun

Die Tour erfordert geringe Lawinengefahr (man beachte die Hangneigungskarte in der Bildergalerie), sichere Spitzkehrentechnik in steilem Gelände, Harscheisen sind Bedingung, wir hatten auch Steigeisen/Pickel dabei, beides jedoch nicht benötigt. Ein früher Start, siehe oben, sichert eine schöne Schitour.

Mils, 20.04.2019

Schitour Allerleigrubenspitze und Hoher Lorenzen, 2.313m – Schitourenrunde von Obernberg

Der Hohe Lorenzen im Obernbergtal kann als Ziel trefflich über eine landschaftlich eindrucksvolle Schitourenrunde erreicht werden. Sie führt über den Kamm mit der Allerleigrubenspitze und den Koatnerberg an ihn heran und bildet damit – stets über 2.000m – eine ungemein aussichtsreiche Variante zu den Talanstiegen.

Hoher Lorenzen, 2.315m

In Obernberg gestartet (Parkplatz Almis Hotel oder anschließend links der Asphaltplatz, 1.380m) muß der Bach überquert werden, bevor auf seiner Südseite, an einem Bauernhof, direkt über die ansteigende Wiese in den Wald eingestiegen wird.

Start über die Wiese am Bauernhof nach dem Obernbergbach

Nach wenigen Minuten im Wald trifft man auf den Weg, dem von dort gut 2km gefolgt wird, ohne ihn den zahlreichen Verzweigungen zu verlassen. Die Richtung lautet Koatnerberg und erst nachdem man den Kleinen Tribulaun querab von sich findet, verläßt man den Weg nach einer Doppelkehre linkerhand auf eine freie Waldfläche zu.

Obernberger Tribulaun – er muß querab stehen bevor es im Wald weiter geht

Bereits vor der Doppelkehre besteht durch eine freie Waldschneise kurz Blickkontakt zum ersten Ziel, dem Gipfelkreuz der Allerleigrubenspitze.

das erste Ziel sichtbar – die Allerleigrubenspitze

Am bereits sichtbaren gelben Wegweiser führt der Anstieg direkt bergwärts in den dichter werdenden Wald und wieder auf weitere schöne freie Flächen. Ab diesen Flächen (etwa 1.850m) drang der Südföhn zwischen den vereinzelt stehenden Bäumen so richtig zu uns durch. Die erste Lage Windstopper wurde erforderlich, obwohl es durch den milden Wind nicht kalt war.

nach zwei Kehren führt der Anstieg in den Wald

Abermals passiert man einen Forstweg, diesmal nicht mehr geräumt aber durch die Trassierung gut erkennbar. Einige Aufstiegsminuten später wird auch schon die Baumgrenze erreicht und der freie Kamm sichtbar. Die Aufstiegsroute folgt nicht dem abgeblasenen Kamm, sondern wurde so angelegt, daß durchgehende Schneeflächen an der westlichen Flanke genutzt wurden.

Querung in die Westflanke hinauf zum Kamm

Vor einem tieferen Einschnitt in die Westflanke führt die Route auf den breiten Kamm. Dieser präsentierte sich sehr abgeblasen, zwischen den aperen Wiesen fanden sich jedoch genügend schneebedeckte Schneisen.

am sehr abgeblasenen Kamm – der Wind peitscht uns ins Gesicht

Der runden Kuppe zustrebend mußte dem starken Wind am Kamm der Kampf durch die zweite Lage, die Tourenjacke mit Kapuze angesagt werden. Die Kuppe wird in der AV-Karte als Allerleigrubenspitze ausgewiesen, das Gipfelkreuz steht allerdings 450m südlich davon entfernt auf einer kleinen aperen Graterhebung.

von links: Hoher Lorenzen, Koatnerberg, Geierskragen und Grubenkopf, darunter das Gipfelkreuz der Allerleigrubenspitze

Flach führt die Route zur Allerleigrubenspitze hin fast ein wenig abwärts. Wer den Gipfelsporn zum Kreuz besteigt wird auf der anderen Seite mit einer felsigen Flanke überrascht, die – sehr abgeblasen, aber auch sonst zu felsig – keine Abfahrt auf Schi zulässt.

Allerleigrubenspitze, 2.131m mit weiterer Runde auf den Hohen Lorenzen

Entweder man steigt einige Meter unter Schi ab oder umgeht die Gipfelerhebung unterhalb in der Westflanke. Letztere Variante ist die sinnvollere.

Kamm zum Koatnerberg

Recht flach mit wenig auf und ab geht es dem Koatnerberg zu, einer halbrunden Erhebung im Kamm, die aus der Ferne höher wirkt als sie tatsächlich ist. Geodätisch sind zwischen der Allerleigrubenspitze und dem Koatnerberg lediglich 70Hm zu bewältigen, mit den kleinen Kuppen vielleicht 100Hm. Die Entfernung von der Allerleigrubenspitze zum Hohen Lorenzen beträgt 2,4km, der Koatnerberg liegt etwa mittig zwischen beiden.

da es nicht kalt ist setzten wir die Runde fort – Kamm zum Koatnerberg

Den Koatnerberg ziert ein Mini-Gipfelkreuz das auch von der untergeordneten Bedeutung der Kuppe Zeugnis gibt. An seiner Südflanke wird die Überschreitung wieder etwas interessanter.
Mit Fellen wird sie abgefahren und hierzu ist einiges an Akrobatik nötig, vor allem, wenn die Überwächtungen recht hart vorgefunden werden und die Abfahrt ein Tanz zwischen der westlichen und östlichen Flanke wird.

Koatnerberg 2.199m

Bei der Abfahrt in das sogenannte Sattele fallen schätzungsweise 70Hm Höhenverlust an, sodaß der Aufstieg zum Hohen Lorenzen mit restlichen 185m zu Buche schlägt. Gleichzeitig ist das auch der letzte Anstieg in der Runde.

Abfahrt ins Sattele

Vom Sattle aus könnte man zu beiden Richtungen abfahren, sollte dies erforderlich sein. Der Aufstieg aber wird mit einer schönen Abfahrt über den Nordosthang des Hohen Lorenzens zur Fraderalm belohnt.

erster Felssporn nach dem Sattele

Gleich nach dem Tiefpunkt am Sattle empfiehlt sich die ostseitige Umgehung des Felssporns am beginnenden Grat, weil die Ostseite mit einer steilen Flanke beginnt, die uns fast die Verwendung von Harscheisen auferlegt hätte. Nach diesem Felssporn steigt man entlang der Almengrenze weiter, einem auffälligen Band ohne felsdurchsetzte Stellen zu.

Almgrenze am Kamm zum Hohen Lorenzen – entlang dieser wird kurz aufgestiegen bevor es am Gipfelaufbau rechts in die Rinne geht

Das Band führt in die Westflanke des Hohen Lorenzens und diese stellt während des gesamten Anstieges – wenn überhaupt – den einzig nennenswert steilen Abschnitt dar, bei dem von kritischer Hangneigung bei höherer Lawinenwarnstufe gesprochen werden kann. Es handelt sich um die letzten etwa 100Hm.

Sandjöchl 2.165m mit Geierskragen 2.309m und Grubenkopf

Am Aufstieg fallen westlich des Hohen Lorenzens die sanften Gipfel Geierskragen und Grubenkopf auf, die jenseits des Sandjöchls ähnlich hohe Erhebungen im Grenzkamm bilden wie der Hohe Lorenzen.
Die gesamte Gegend des Grenzkammes spielte in den Kriegen eine wesentliche Rolle und wer im Sommer dort wandert wird viele Zeugnisse der Ereignisse vor 100 Jahren wiederfinden. Sogar im Winter ist die Trasse der Militärstraße trotz Schneeauflage gut auszumachen.

Plateau des Hohen Lorenzens Richtung Osten geblickt

Am Ende des Aufstiegs leitet der sich von unten dramatisch zuspitzende Hang abrupt auf ein breites und flaches Gipfelplateau über und sofort fällt das riesige Gipfelkreuz in etwa 100m Entfernung ins Blickfeld.

Evi am Hohen Lorenzen

Ganz entgegen der sonstigen Neugier ob der Geschichte des Gipfelkreuzes untersuchten wir im starken Südwestwind nicht einmal das Gipfelbuch. Eiliges Abfellen und ein paar Fotos waren die wenigen Handgriffe am Gipfel des Hohen Lorenzens. Nach etwa eineinhalb Stunden im starken Wind sollte die geschützte Abfahrt über den Nordosthang endlich stattfinden.

Rückblick auf die Runde von der Allerleigrubenspitze

Vorher noch ein Blick auf das Dörfchen Gossensaß und die markante Autobahnbrücke hoch über die Dächer der Siedlung hinweg. Der Hohe Lorenzen ist nach Süden hin völlig unverdeckt von anderen Erhebungen sodaß die Erklärung für den anhaltend starken Wind auch optisch eindrucksvoll zu erleben ist. Immer wieder interessant mit welcher Akribie man sich nach den Friedensverhandlungen von St. Germain in den 1920er Jahren bemüht hat die Grenzmarkierungen zu setzen.

die Runde im Zoom

Ein eingemeißelter Punkt als Hauptmarkierung und mit jeweils einem ebenfalls eingemeißelten kurzen schwarzen Strich wurde der Luftlinienverlauf bis zur nächsten Grenzmarke vorgegeben. Dabei wurde höchster Wert darauf gelegt, daß die tirolische Seite immer etwas abgedrängter am Grat lag als die damals italienische. Deutlich kann man heute noch die unterschiedliche Machtposition der Grenzzieher spüren. Solcherlei Grenzziehung fällt auch an anderen Teilen im Grenzkamm auf.

Einfahrt in den Nordosthang

Über den Ostrücken hinab kann an verschiedenen Positionen in die windgeschützten Nordosthänge eingefahren werden. Uns erschien der Felskopf am Beginn des Gipfelaufbaus auf halbem Weg zum Flachjoch etwas zu uneinsichtig hinsichtlich seiner Umfahrbarkeit, sodaß wir den Gratrücken schon oberhalb in den Nordosthang einfahrend verließen.

Nordosthang mit Sattele

Im Nordosthang – wie kann es anders sein bei Südwestwind – fanden wir einiges an pulverigen Triebschnee vor und fuhren deshalb einzeln bis zu Haltepunkten ab. Die Abfahrten waren entsprechend angenehm, ein hochwinterliches Vergnügen.

herrliche Pulverabfahrt zum Hochleger der Fraderalm

In der Grube der Fraderalm fand sich dann auch noch richtiger Pulverschnee welcher die letzten Höhenmeter bis zur Alm zu einer genussvollen Abfahrt werden ließ.

Rückblick auf die Abfahrt im Nordosthang

Das große Almgebäude des Hochlegers der Fraderalm dürfte vom optischen Eindruck her eher beschädigt worden sein, denn durch Altersschwäche zusammengebrochen. Sehr alt erscheint es nicht – zuviel Schnee oder ein Lawinenausläufer?

prächtige Hänge vom Hohen Lorenzen herab

Nach diesen Almengebäuden beginnt eine schöne Talausfahrt, die zunächst durch einen Lärchenwald und dann am Almenweg  hinausführt. Rasch nimmt das Pulverschneevegnügen ab und es benötigte Standfestigkeit die Bremsung durch den eher feuchten Schnee am Almweg auszubalancieren.

Hochleger Fraderalm

Ein Rinnsal von Bach über den Weg muß zu diesem Datum bereits überschritten werden, zu warm ist es für eine durchgehende Schneedecke darüber. Kurz danach endet die schöne Fahrt durch den Wald in einer leichten Senke der Fraderalm.

ein wenig restlicher Pulverschnee bis zur Baumgrenze

Auf der anderen Seite des Bachs liegt der Weg eher sonnengeschützt nahe den Bäumen und dürfte wohl noch etwas besser befahrbar sein als unsere ostseitige Abfahrt.

nahe der Senke der Fraderalm

Vor der recht neu erbauten Alm werden etwa 200m Schiebestrecke, bzw. kurzzeitig der Grätschschritt nötig, um die paar Meter aus der Senke zur Alm zu überwinden. Nach der Alm bietet sich ein herrlicher Rückblick auf den Hohen Lorenzen.

Fraderalm

Hinter der Alm konnten wir eine Aufstiegs- und mehrere Abfahrtsspuren entdecken. Es dürfte sich um den Anstieg zum Karsattel und dem Kreuzjoch handeln – sicher eine schöne wenig begangene Tour und eine Sache zum Herausfinden.

phantastischer Rückblick auf den Hohen Lorenzen

Die Ausfahrt aus dem Fradertal bleibt östlich des Fraderbachs und führt an zwei weiteren Gebäuden vorbei, bevor das Tal mit einer Geländestufe zum Bach hinab aufwartet.

letzte Gebäude vor der Geländestufe

Unten führt der Weg wenige Meter oberhalb des Baches – teilweise steil mit wenige Möglichkeiten vernünftige Schwünge einzulegen – bis zum Obernbergtal  hinaus. Der Weg führt auch vorbei an einem kleinen Kraftwerk mit einer uns in ihrer Sinnhaftigkeit völlig unerklärlichen Videoüberwachungsanlage.

Obernberg, Ortsteil Frade – links unten die Brücke und das Fahrverbotsschild

Wer unten im Tal möglichst weit rechts den Hang befährt und somit Höhe spart, der kann von dort aus mit genügend Schwung über die Brücke und fast bis hinauf zu einem Fahrverbotsschild fahren, bei dem rechts in den Wiesenhang eingefahren werden kann, der mit genügend Gefälle bis zum Ausgangspunkt, dem Bauernhof am Obernbergbach, führt.

Am Ausgangspunkt angelangt – Ende der schönen Runde

Ohne Hektik, allerdings – wegen des Windes – mit nur einem kurzen Aufenthalt am Hohen Lorenzen absolvierten wir die traumhafte Runde in 4:38 Stunden (Gipfelaufenthalt 20min). Die Höhenmessung der Bergsteigeruhr zeigte 1.140Hm und die Aufzeichnung errechnete eine Gesamtstrecke von 14,8km.

Mils, 10.03.2019

Schitour Muttenkopf, 2.638m

Im hintersten Obernbergtal gelegen ist die Schitour auf den Muttenkopf – neben jener auf den Obernberger Tribulaun – nicht nur die zweit längste auf dem Kamm zum Egger Joch sondern aufgrund der Ausrichtung ihrer Hänge nach Süden auch eine sehr sonnige.

Muttenkopf, 2.638m

Nach der kalten Tour auf den Geier gestern, beschloss ich heute eine Tour mit viel Sonne zu unternehmen, um den Fingerspitzen etwas Gutes zu tun (seit der Tour auf den Morgenkogel vor gut 14 Tagen ist das Gefühl in den Mittelfingerkuppen noch nicht zufriedenstellend wiedergekehrt).

Am Weg nach Obernberg um 8:45 Uhr, der Muttenkopf (links der Bildmitte) bereits im Morgenlicht

Vom Parkplatz (Kleingeld oder kleine Scheine beim Wechselautomat) beim Gasthaus Waldesruh die Straße zum „Waldbauer“ noch ein paar Hundert Meter taleinwärts und dort rechts (östlich) ab in den prächtigen Lärchenwald auf den Weg zur Kastnerbergalm wird gestartet.

der Waldbauer – im Lärchenwald dahinter der Anstieg

Der Weg ist ein Fahrweg und daher nicht besonders steil und bei der Rückkehr von der Tour teilt man sich den Weg mit Rodlern und Fußgänger. Die AV Karte zeigt einen Steig, aber eine Abzweigung vom Weg konnte ich nicht entdecken. Wahrscheinlich ist ein Anstieg durch den Wald erst nach der zweiten Kehre, bzw. nach der Flachstelle möglich. Abfahrtsspuren konnte ich dann genug sehen.

ab der zweiten Kehre in der Sonne, hinten Obernberger Tribulaun

Nachdem es die Erstbesteigung war folgte ich dem Weg zur kleinen Kastnerbergalm. Die Kehre knapp danach ist der letzte gravierende Richtungswechsel. Ab dieser geht es beständig Richtung Westen bergauf.

oberhalb der Kastnerbergalm; Hochnebel im Süden

In der Folge wird nach einer knappen Viertelstunde ein Wegweiser erreicht, der die Verzweigung der Schitour auf den Muttenkopf mit jener auf die Rötenspitze teilt. Rechts geht es ab in Richtung Lichtsee und auch auf die Rötenspitze (nicht angeschrieben), links auf den Muttenkopf.

Verzweigung oberhalb der Kastnerbergalm

Bereits weit unterhalb der Kastnerbergalm erfolgt Mitte Jänner der Aufstieg in der Sonne, wenn die Tour knapp nach neun Uhr gestartet wird. Spätestens bei der Alm, nachdem der Wald lichter wird und die freien weißen Flächen auftauchen konnte ich mich des Windstoppers entledigen und lediglich mit einem Wintershirt weitermarschieren.

Rückblick auf die Alm nach der Verzweigung

Kein Wind, keine Wolke über mir, jedoch jenseits der Grenze ein zäher Hochnebel, der bis zur Ankunft beim Ausgangspunkt nicht weichen wollte, der sich aber auch keinen Meter weiter nach Norden ausdehnte. Eine Situation die ich selten erlebt habe.

an der Baumgrenze – im Hintergrund der Muttenkopf

In etwa auf 1.950m wird der Anstieg etwas flacher und dreht leicht nördlich in eine sehr breite kupierte Mulde, die sich zum Muttenjoch hin verjüngt und stetig steiler wird. Ab dort kann das Ziel erstmals genauer eingesehen werden. Bis zum Joch hin weist der Hang jedoch nie eine Steigung über 30° auf.

Rückblick auf die lichten Hänge Richtung Egger Joch

Der Bewuchs der schönen Landschaft endet auf rund 2.100m und vor der Spur breiten sich abwechslungsreiche Kuppen und Mulden aus. Durch die südliche Ausrichtung bleibt es sehr warm und erst am Joch konnte ich am heutigen perfekten Tag einen Hauch von Lüftl spüren.

Gelände auf ca. 2.200m

Nach dem Joch zwischen Muttenkopf und dem schroffen Gipfel des „Am hohen Kreuz“ (knapp hundert Meter höher als das Muttenjoch mit 2.398m) zieht sich der Anstieg in einem weiten Bogen weiter, um am Ende oben einer Geländekante zur Ostflanke des Gipfelaufbaues zu folgen.

mitten im Almgelände, das Muttenjoch bereits zu sehen

Ab dieser Geländekante wird es deutlich steiler und hier beginnt ein ca. 60m hoher Anstieg mit recht engen Spitzkehren in einer Hangneigung zwischen 30 und 35°. Auf entsprechende Lawinengefahr bei zweifelhaften Schneeverhältnissen ist hier besonders zu achten.

Rückblick vom Muttenjoch

Oberhalb dieses Bereiches wird der Hang allmählich wieder flacher und die restliche Strecke zum Gipfel (ca. 100Hm) stellt weniger Gefahr dar.

Steilhang vom Joch aus gesehen

Heute befand sich der Steilhang in gutem, festem Zustand, in den letzten Tagen bereits völlig zerfahren ohne entsprechend Gefahr.

nach dem Bogen kurz vor dem Steilhang

Der Gipfel selber ist recht groß, flach und bietet eine einmalige Aussicht auf die vier Tribulaune, sowie in die zentralen Stubaier, aber auch die Brennerberge und in die westlichen Zillertaler.

oberhalb des Steilhanges unterhalb des Gipfels des Muttenkopfes

Markant sind von Süden nach Norden der unvergleichliche Doppelgipfel des Pflerscher Tribulaun, weiter die Weißwandspitze gleich hinter der Pflerscher Scharte und exakt hinter dem, dem Muttenkopf knapp vorgelagerten Kreuzjöchl, der Wilde Freiger in gut 14km Entfernung.

Blick auf Pflerscher Tribulaun und rechts neben Bildmitte hinter dem vorgelagerten Kreuzjöchl auf den Wilden Freiger

Im Norden besticht der immer aktuelle Habicht mit seinem massiven Gebirgskörper, sowie der folgende Kamm bis zur Serles hinaus.

Habicht in Bildmitte

Gen Osten fallen die sanften Bergwiesen zum Egger Joch hinaus ins Auge, traumhafte Hänge mit leichten und sonnigen Schitouren.

westliche Zillertaler Alpen

Im Süden heute ganz toll herausragend aus dem Nebelkleid über Südtirol die mächtigen Gipfel der Dolomiten zu sehen (Entfernung Langkofel 62km).

Dolomitenblick vom Muttenkopf aus

An einem Tag wie dem heutigen wurde der Gipfel natürlich auch entsprechend besucht. Ein Foto mit dem Gipfelkreuz des Muttenkopf und dem formschönen Pflerscher Tribulaun ohne Bergsteiger war leider nicht möglich.

Gipfelkreuz Muttenkopf mit Pflerscher Tribulaun dahinter

Die Abfahrt über den Steilhang war auf harter Unterlage und etwas Lockerschnee darüber überraschend gut möglich.

Abfahrt über den Steilhang

Kurz unterhalb des Joches, dort wo die Hangneigung flacher wird, wandelte sich der Schnee vom leichten Harschdeckel hin zu Pulverschnee. Entsprechend fein konnte die Spur am Rande noch in unzerfahrenes Gelände gelegt werden.

Rückblick auf die Abfahrt in Pulverschnee

Mit dem Eintauchen unterhalb der Baumgrenze sammelten sich die Spuren im weiten Gelände wieder.

schöne Hänge, noch wenig zerfahren

Bei der für mich ungewissen Abfahrt durch den Wald folgte ich mit wenig Abweichung den vorhandenen Spuren und konnte sogar die abkürzende Aufstiegsspur entdecken. Diese ist sicher interessanter als den Weg zur Kastenbergalm zu nehmen.

Stimmung über den Brennerbergen

Alle Möglichkeiten durch den Wald enden jedoch wieder auf dem Weg und zwar noch vor der Flachstelle. Hinterher, bzw. weiter westlich, käme man zu weit an die Felsen der Schildköpfe.

an der Baumgrenze

Über den Weg erfolgt die Abfahrt zurück zum Ausgangspunkt und als Abschluß gab es im Gasthaus Waldesruh eine deftige Gerstensuppe mit Bier.

letzte große Almfläche bevor die Abfahrt im Wald beginnt

Der gesamte Aufstieg beträgt 1.200m und für den Aufstieg habe ich 2 3/4 Stunden benötigt. Mit 35min Gipfelrast hat die Tour gesamt knapp 4 Stunden gedauert.

Mils, 14.01.2018