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Schitour Hohe Warte Wintergipfel, 2.470m

Während der Gipfel der Hohen Warte im Schmirntal ein selektives Ziel darstellt, ist Ihre Namensschwester im Navis ein eher einfaches, aber ebenso ein reizvolles Ziel als Schitour auf ihren Wintergipfel. Sie liegt im Schafseitenkamm1 zwischen dem Schmirn- und Navistal.

Autor am Wintergipfel der Hohen Warte – dem „Steinmandl“

Man begeht von Navis über das Lange Tal den vielfach genannten, südwestlich gelegenen „Wintergipfel“ genauso wie den geografischen Gipfel der Hohe Warte, 2.398m (nordöstlich ab der leichten Einschartung am Kamm). Der Wintergipfel wird Silbersattel genannt und das den Silbersattel südwestlich abschließende Spitzl ist mit 2.455m (gemessen mit einer Druckmessuhr) höher als die eigentliche Hohe Warte, erscheint – zumindest bei den momentanen Schneeverhältnissen –  lohnender und bietet die bessere Übersicht über den gesamten Kamm in beide seiner Erstreckungen.

der so benannte Wintergipfel der Hohen Warte

Ausgangspunkt ist der Parkplatz beim Kirchenwirt in Navis (Gemeindeparkplatz, 2019 keine Gebühren) ab dem man gleich hinter der Kirche ins Lange Tal aufsteigen kann. Alternativ kann neben dem Weirichbach aufgestiegen werden und der dortige, kleinere Parkplatz in Anspruch genommen werden. Die Parkplätze liegen etwa 100m auseinander.

Almweg durch das Lange Tal

Zunächst geht es bei jeder Variante bergauf durch den Wald und nach etwa 20min Aufstieg treffen beide Varianten im Langen Tal aufeinander und die erste Variante benötigt durch die 600m längere Strecke etwa 8min mehr Zeit.

Bildmitte: Blasigleralm; rechts davon zur Scheibenspitze, links zur Hohen Warte

Ab der Vereinigung der Wege führt die Tour in das schöne Lange Tal hinein und passiert dabei Almen und Jagdhütten bis zur Blasigleralm, bei der rechts ins Tal auf den Hochleger und weiter auf die Scheibenspitze aufgestiegen werden kann.

Aufstieg zur Blasigleralm

Bei der Blasigleralm scheidet sich die Route zur Hohen Warte direkt an der Alm – links (östlich) führt die Tour zur Hohen Warte und zur Naviser Kreuzspitze weiter taleinwärts.

am Weg zur Stoffenalm

Oberhalb der Alm, mit ein zwei Spitzkehren den Höhenunterschied überwunden, mündet der Anstieg in den Weg zur Stoffen- und Möslalm ein und führt hoch über dem Weirichbach weiter in den weiten hinteren Talkessel.

unterhalb der Stoffenalm

Der offene Talkessel wird in wenigen Minuten über den Weg erreicht und ebenso bald darauf befindet man sich – zwischen beiden Almen – bei der Abzweigung einerseits weiter talein zur Möslalm und zur Naviser Kreuzspitze, andererseits, in Falllinie direkt weiter angestiegen, zur Hohen Warte.

Naviser Kreuzjöchl gegenüber im Osten

Die Abzweigung befindet sich bei einer auffällig ausgeformten Rinne unweit östlich der Stoffenalm, die durchstiegen wird, wobei man sich dort schon auf Höhe der Hohen Warte (geografischer Gipfel), bzw. im Kar unterhalb befindet.

über die schönen Schihänge oberhalb der Stoffenalm geht es bergan

Die Route dreht im direkten Aufstieg anschließend mehr und mehr nach rechts (westlich), steigt über leichte Geländeausformungen stetig bergauf bevor sie sich ein weiteres Mal zur direkten Falllinie wendet (südlich) und, nach einer hohen Kuppe, abermals rechts (westlich) sich wendet.

Rückblick über den Anstieg oberhalb der Stoffenalm

Nach Überschreitung der Kuppe wird im Flachteil bald ein Hüttchen sichtbar, das links liegen gelassen und die folgende Kuppe überschritten wird.

herrliches Schigelände

Mit einigen Metern Höhenverlust dreht die Route dann zum letzten hohen Aufstiegshang, der Hang zum Gratrücken, von etwa 2.150m bis auf 2.350m. Die 200Hm werden mit ein paar Serpentinen begangen.

letzte flache Passage vor dem Gipfelhang

Am Gratrücken oben muß entschieden werden, ob links (östlich) der relativ unspektakuläre geografische Gipfel der Hohen Warte bestiegen werden soll, oder rechts (westlich) der sogenannte Wintergipfel (für den keine offizielle Bezeichnung im Kartenwerk zu finden ist und der im TIRIS mit „Silbersattel 2.420m“ benannt wird) begangen wird.

Anstieg Gipfelhang zum Sattel

Klassischerweise wäre der Sattel nicht der Hochpunkt sondern die Vertiefung des Kammes darunter, die nach dem langen Nordhang im Aufstieg erreicht wird.

ein prachtvoller Tag mit bereits viel Sonne auf den Naviser Südhängen

Der Bergsteiger weiß solche – meist historischen und auch durch die Überführung der Dialektsprache bedingten – Ungenauigkeiten zu deuten. Beispielsweise hat sich bei der Recherche zu diesem Bericht ergeben, daß sowohl die Hohe Warte vor knapp 150 Jahren in der Bevölkerung eine völlig andere Bezeichnung als heute gehabt haben muß.

am Kamm mit Gehrichtung Ost zum Wintergipfel

Der verdiente altösterreichische k. u. k. Militäroffizier Carl Albrecht Sonklar, Edler von Innstädten, unter anderem Geograph und Landvermesser, hat bei seinen noch heute interessant zu lesenden Arbeiten in den Zillertaler Alpen nicht nur dem Schafseitenkamm eine exakte Benennung gegeben, sondern diesen auch ab dem Naviser Kreuzjöchl vermessen und die Gipfelerhebungen – dem imperialistischen Diktat folgend, das Urmeter war schon längst Realität – in der einst üblichen Maßeinheit W.F. (=Wiener Fuß = 12 Wiener Zoll = 0,316081 m) dokumentiert.

das Spitzl südwestlich des Silbersattels (Wintergipfel der Hohen Warte)

Dabei war er natürlich vor allem bei den weniger bekannten Erhebungen auf die Flurbezeichnungen der örtlichen Bevölkerung angewiesen, denn ein allgemein gültiges Standardwerk über alle Gipfelnamen hat es nicht gegeben.

Rückblick vom Weg zum Spitzl

Beim Studium seiner Publikation1 fallen die „SW“ (südwestlich) des Naviser Kreuzjöchls gelegenen Gipfel auf. Die „Mösellehne“ mit 7591,8 W.F. (=2.389 m) entspricht geodätisch exakt der heutigen Hohen Warte, wenn die Genauigkeit der Messinstrumente (anno 1872) und der Berechnungen der Winkel mit ins Kalkül genommen werden.

der so benannte Wintergipfel der Hohen Warte

Auf diese Weise erhalten wir auch flugs einen Namen für unsere Frage der Bezeichnung des „Wintergipfels“ der Hohen Warte.

Vermessung Schafseitenkamm durch Sonklar – darunter Ermittlung der damaligen Messgenauigkeit

Das kleine Spitzl südwestlich des Plateaus des Wintergipfels bzw. des im Tiris benannten Silbersattels zeigte bei unserer Begehung auf der Uhr eine Höhe von 2.455m (Durchschnitt zweier verschiedener Uhren). In Sonklars Tabelle über die vermessenen Höhen im Schafseitenkamm finden wir weiters die Bezeichnung „Steinmandl“ mit 7770,0  W.F., welche wiederum umgerechnet genau 2.456m entsprechen und unser Spitzl somit einmal diesen Namen getragen haben muß.

die Radlfahrertruppe am Wintergipfel der Hohen Warte

Rechnet man stichprobenartig die wichtigsten acht anderen Erhebungen im Kamm rück und setzt sie ins Verhältnis mit den Höhenangaben im TIRIS oder der AV Karte, so erhält man eine erstaunliche Genauigkeit von 0,17% oder nur 4m Abweichung im Durchschnitt der acht und erkennt somit die bemerkenswerte Arbeit vor langer Zeit.
Der Name des Wintergipfels der Hohen Warte (aber nicht des Plateaus „Silbersattel“ sondern des Spitzls südwestlich davon) war damals also „Steinmandl“ und die Bezeichnung „Mösellehne“ für die Hohe Warte hängt offensichtlich mit der Möslalm als Namensträgerin zusammen.

Olperer, Fussstein, darunter das Wildlahnertal und der Spitz ist die Schmirner Hohe Warte (Hogerspitze)

Am Silbersattel also hielten wir unsere Gipfelpause ab. Der Ausblick von ihr ist weitreichend, besonders im Süden öffnet sich ein gewaltig Bild der Zillertaler Gletscherwelt.

Bildmitte: Scheibenspitze, rechts die Schafseitenspitze

Einen tollen Tiefblick auf Obern und den Kaserer Winkel im Schmirntal bietet sich ins Tal hinab. Am Ende des Kaserer Winkels steilt ein kühnes Kar auf die Nordflanke des Kleinen Kaserer auf, das eine sehr interessante, schwere Schitour auf den Nordwestgrat und den Gipfel bietet.

toller Tiefblick nach Obern und in den Kaserer Winkel

Die beherrschenden und höchsten Erhebungen in den Tuxern, der Lizumer Reckner (2.886m) und der Geier (2.857m) finden sich im Osten der Hohen Warte zum Greifen nahe und doch sind sie gut 5,5km entfernt.

leicht rechts der Bildmitte im Kamm der Hohe Warte Gipfel, dahinter Naviser Reckner, Lizumer Reckner und Geier

Dank dem sonnenabgewandten Nordhang versprach die Abfahrt zum großen Teil in immer noch lockerem Pulverschnee zu erfolgen und dies traf auch zu.

Abfahrt über schon harte Flächen am Nordhang

Der Kammbereich präsentierte sich – wie gewöhnlich nach einer langen Schönwetterperiode – mit bereits stark umgewandelter Schneedecke, zum Glück nicht mit Bruchharsch, aber bereits ab der Hälfte verbesserte sich die Schneedecke rasch und bescherte uns bis unter die Stoffenalm ein paar tolle Schwünge.

bereits weichere Schneeverhältnisse unterhalb des Kamms

Unterhalb der Stoffenalm kann man eine raue (die wirklich blöde neue Rechtschreibung erfordert leider die Kastration des Adjektivs „rauh“) Variante über den Bachgraben bis unter die Blasigleralm abfahren, die allerdings über einen steilen Hang und durch den engen Graben mit jeder Menge Gestrüpp führt.

bärige Kulisse

Herwig hat sich diese Variante angetan, der Rest der Gruppe entschied sich mit ein paar Meter Aufstieg zum Almweg zurückzusteigen und die Normalvariante zu fahren.

Andrea, Rico, Chrissi und atemlos die Spur herab der Charly

Über den Almweg fuhren wir durch das Lange Tal hinaus und nahmen nicht die Abzweigung weiter neben dem Weirichbach, sondern den Weg weiter über eine kurze Schiebestrecke.

ein weiterer Pulverhang – diesmal mit dem Autor und dem Oliver im Hintergrund

Diese Variante hat den Vorteil, daß sie direkt zum Parkplatz bei der Pfarrkirche führt, zum Endpunkt unserer Tour. Momentan ist der Weg nach der Schiebestrecke akzeptabel zu befahren, einige kurze Strecken sind durch die Schneeräumung leider schon aper, man kann ihnen derzeit jedoch noch gut ausstellen.

Rückblick auf das schöne Lange Tal mit dem Schafseitenkamm in der Nachmittagssonne

Das Highlight und eine unbedingte Empfehlung nach der Tour ist die Einkehr beim Kirchenwirt, direkt am Parkplatz. Sein Angebot ist nicht besonders groß, aber oho! Er besticht mit originellen Suppen und das – oder besser – „die“ Schnitzel lassen keinen Hunger offen. Und dies auch noch zu wirklich kundenfreundlichen Preisen.

Der Zeitbedarf für die schöne Schitour auf den Wintergipfel der Hohen Warte betrug 4:32 Stunden incl. aller Pausen. 1.115Hm sind zu bewältigen, die Hangneigung bleibt unter 35°.

Mils, 06.01.2020

1 Sonklar, 1872: Die Zillerthaler Alpen
Anm. d. Verf.: die von Sonklar gewählte Bezeichnung für den Gebirgskamm ist eine topografisch bestimmtere als jene in der Alpenvereinseinteilung der Ostalpen (AVE1984) genannte Bezeichnung „Südgrate“

 

Schitour Mislkopf, 2.623m – von Kerschbaum, Navistal

Sonnig und hell! – lautet das Stichwort für diese tolle kurze Schitour auf den Mislkopf im vorderen Navistal.
Nach einer kurzen Waldstrecke öffnen sich schöne breite Hänge zwischen malerischen Lärchenbeständen unterhalb der Mislalm. Das Gelände oberhalb der Mislalm bis zum Kamm wird durch sanfte Kuppen und Mulden gebildet, die sowohl im Aufstieg, als auch bei der Talfahrt ein angenehm entspanntes Berggefühl vermitteln.

Mislkopf, 2.623m

Den Ausgangspunkt  bildet der Parkplatz Kerschbaum in der gleichnamigen Siedlung auf dem „Oberweg“ nach Navis. Trotz der momentan erheblichen Schneemassen befand sich der kostenlose Parkplatz auf 1.450m in hervorragend geräumtem Zustand.

Start am kostenlosen Parkplatz Kerschbaum

Bei der letzten Kurve beginnt der Waldweg zur Mislalm (laut Inschrift auf der Hütte selber „Mieslalm“). Diesem kann gefolgt werden, oder man geht auf der Straße etwa 20Hm und 200m Strecke hinab und startet in der Kurve unterhalb.
Der Unterschied besteht in der Aufstiegsstrecke durch den Wald westlich vom unscheinbaren und kaum sichtbaren Bach (oben beim Parkplatz) und im Aufstieg östlich vom Bach (Kehre unterhalb) in weitgehend freiem Gelände mit nur kurzen Passagen im Wald.
In diesem Bericht wird der Aufstieg durch den Wald beschrieben, die Abfahrt erfolgte östlich vom Bach, der eher nur ein Graben zu sein scheint, im freien Gelände.

Weg zur Mislalm

Einige Minuten nach dem Start zweigt vom Fahrweg zur Mislalm ein schmaler Steig steil ab. Er führt zunächst kurz durch dichten Wald und verliert gleich an Steilheit. Bald wird der Weg oben wieder überquert und gleich wieder in den Wald steil eingestiegen.

erste Abzweigung in den Wald nach ein paar Gehminuten

Bei einer größeren offenen Fläche tritt man wieder aus dem Wald aus. Die breite Spur verriet den offiziellen Anstieg weiter nordwärts über die freie Fläche hinweg während eine östlich abzweigende Spur das Interesse weckte, um aus dem dichten Wald herauszukommen und den östlich des Baches gelegenen Aufstieg über die Wiesenflächen zu erreichen.

erste große Freifläche (geradeaus führt der Normalanstieg zur Mislalm), die weitere beschriebene Route geht an der freien Tanne rechts weg

Lange geht es also mit wenig Höhengewinn (rechts) östlich auf dem Almweg weiter bevor der Wald plötzlich breiten Hängen weicht über die bereits ein gutes Dutzend Abfahrtsspuren gezogen wurden.
Vergeblich suchte der Autor im breiten Hang nach einer Aufstiegsspur und fand keine augenfällige.

am Weg zu den freien Almflächen

Also folgte er dem Weg etwa 500m bis zur nächsten Kehre weiter und fand dort das Ende der bereits gezogenen Einzelspur im Gewirr von Abfahrtspuren. Somit mußte er selber einen eigenen Aufstieg westwärts in Richtung Mislalm anlegen.

herrliche Almflächen unterhalb der Mislalm

Dieser kleine Umweg bot allerdings auch den Vorteil eine etwa 100m breite Gleitschneelawine einsehen zu können, die, etwa 500m östlich der Mislalm, auf halbem Weg zur Stroblalm vom Hang oberhalb abging und deren unteres Ende durchfahren werden muß, will man in der Abfahrt vom Mislkopf den schönen Hang östlich davon nutzen (was nach den vielen Abfahrtsspuren offenbar mehreren Tourengehern schon als Idee gedient hat).

Abfahrtshänge – heute durch eine Gleitschneelawine getrübt

Zwischen dieser Lawine und der Mislalm befanden sich noch zwei breite Gleitschneemäuler, weswegen die Aufstiegsrichtung westwärts zur Mislalm zurück umgelenkt wurde und der ursprüngliche Plan, östlich der Alm aufzusteigen fallen gelassen wurde.

Mislalm auf 2.018m, Blick Richtung weiterem Aufstiegsgelände

Hinter der Mislalm (2.018m) führt der Aufstieg kurz durch etwas steileres Gelände, bis eine eher flache Mulde auf den nächsten Buckel hinaufführt. Laut AV-Karte muss dies der Sommerweg sein.
Zur Vermeidung der steilen Passagen kann man auch bei der Alm etwas weiter westlich weitergehen und den Aufstieg zum Misljoch einschlagen. Diese Strecke ist im beiliegenden Kartenausschnitt strichliert eingezeichnet.

weiterer Aufstieg hinter den Almgebäuden

Der Sommerweg allerdings bietet einen schönen halbsteilen Aufstieg bis zu einer Rippe, die vom Kamm herunterzieht und nur im obersten Teil etwas steiler ist. Der Vorteil dieses Anstiegs war bei der heutigen Begehung, daß sie leeseitig recht gut verschont vom  Nordwestwind war.

felsiger Gratkopf sichtbar, rechts davon der Mislkopf

In ein paar weiten Kurven schmiegt sich der Aufstieg an das Gelände, das herrlich breite Flächen für die Abfahrt bietet. Etwa 250Hm sind in diesem Gelände nach der Mislalm zurückzulegen, bis die Rippe deutlich aufsteilt und nach oben hin schmaler wird.

Gratrücken vom Misljoch als alternative Aufstiegsroute

Am Ende der Rippe, direkt an ihrer Verschneidung mit dem Kamm vom Mislkopf ins Wipptal, führt der Anstieg auf der Westseite einer felsigen Erhebung in deren Flanke bis zum Kammkopf. Der Aufstieg ist dort über etwa 25Hm steiler als zuvor und teilweise aper. Diese Stelle ist bereits weit unten erkennbar, jedoch harmlos kurz und nicht allzu steil. Wem dies nicht behagt, der kann den alternativen Anstieg über das Misljoch nehmen.

das Gelände wird etwas steiler

Die letzte Abwechslung vor dem Gipfel besteht in einem steilen Hang nach dem Sattel am Kamm. Es gibt die Möglichkeit durch die Abfahrtsspuren direkt im steilen Teil aufzusteigen, oder nördlich davon eine Spur zu nehmen, die teilweise durch abgeblasenes steiles Wiesengelände führt.

am Gratrücken angelangt – dahinter imposant die Stubaier Alpen

Beide Varianten dürften ihre Mühen haben. Während es nicht sehr fein ist durch Abfahrtsspuren aufzusteigen findet man sich an der Alternative in rutschigem halb aperen Gelände wieder, das Rück- oder Abrutscher auslösen kann. Mir weniger Bodenproblemen dürfte es sich wohl über die Abfahrtsspuren aufsteigen lassen, wie ein Test mit einer gleichzeitig am Sattel gestarteten Gruppe zeigte.

Steilhang auf den Vorgipfelrücken

Während sich der Autor nördlich des Steilhanges über eine nicht weniger steile Partie aus rutschigen vereisten aperen Wiesenbüschel hinauf mühte kam die Dreiergruppe über den zerfahrenen Steilhang geringfügig früher an.

Gelände nach dem Vorgipfel – über kleine Mulde auf den Mislkopf

Nach diesem Teil muß noch eine flache lange Senke mit etwa drei Meter Höhenverlust durchschritten werden, bevor der Gipfelhang in moderater Steigung und etwa 60Hm beschritten wird. Das Gipfelkreuz befindet sich nochmals etwa 50m hinter der letzten Kuppe auf gleicher Höhe.

Gipfelplateau erreicht

Die gesamte Strecke bis zum Gipfel, mit Ausnahme der knappen halbe Stunde im Wald zu Beginn, liegt unter durchgehender Sonnenbestrahlung. Die Tour muß also im Frühjahr – entsprechende Schneelage vorausgesetzt – ein Schmankerl für Sonnenhungrige sein. Und eine Rast zum Sonnenbaden bei der Abfahrt auf der Mislalm die Krönung.

Rückblick auf den Vorgipfel

Am Gratverlauf östlich nach dem Mislkopf schließt der „Rauhe Kamm“ an. Er stellt den Übergang zum Pfoner Kreuzjöchl dar, das um 17m höher ist als der Mislkopf. Im Sommer ist der Rauhe Kamm begehbar, im Winter macht die Überschreitung keine Freude.

Blick Richtung „Rauher Kamm“ und Rosenjochgruppe

Gegen Norden fällt der Mislkopf steil ab und tief unten, im Gelände der Ochsenalm, führt ein phantastischer Anstieg von Pfons auf das Pfoner Kreuzjöchl. Diese Schitour ist eine außerordentlich schöne und wenig begangene, leider besteht eine grundsätzliche Voraussetzung – man muß in Oberpfons einen Parkplatz finden.

Richtung Süden in die Zillertaler Alpen – im Vordergrund der Kamm zwischen Navis und Schmirn mit vielen schönen Schitouren

Nach Süden hin ragen – wie könnte der Ausblick anders sein – die Dreitausender der Zillertaler Alpen hoch auf, alle überschattend der Olperer mit seinen 3.476m. Aber auch die niedere Kette von Naviser Kreuzjöchl, Hoher Warte, Scheibenspitze und Schafseitenspitze stellen lohnende Tourenziele dar.

Wipptal unten und die Stubaier im Hintergrund

An diesem so ganz anders verlaufenden Tag – die Vorhersage hatte einen recht bewölkten Tag mit wenig Sonnenfenstern kolportiert – erfreute ein besonderer Ausblick auf die vielen hundert Gipfel der Stubaier im Westen.

Abfahrtsgelände vom Vorgipfel aus betrachtet

Nach und nach stiegen mehrere Gruppen vom Navistal auf und für die Gipfelfotos ohne Personen musste ein paar Minuten länger im leichten kalten Wind ausgeharrt werden, bis alle vier abgefahren waren. Das ausgezeichnete Wetter dürfte doch noch so manchen angelockt haben und unter Sonne, über den herrlichen Südanstieg herrschten angenehme Temperaturen.

die einzige Spur bis jetzt…

Die Abfahrt im oberen Teil bis zur Mislalm präsentierte sich großteils in tollem Pulverschnee, weiter unten dann mit lediglich einer hauchdünnen Harschschicht, in die weiche Schwünge zu legen waren. Kurz oberhalb der Mislalm, in steileren Partien, wurde der Harschdeckel etwas stärker, sodaß ein gewisser Kraftaufwand vonnöten wurde.

Abfahrt 200m östlich der Mislalm

Dies allerdings nur in steileren Abschnitten, mit stumpfem Winkel zur Sonnenbestrahlung und dadurch gesteigerte Umwandlung und Schmelze. Auf den flachen Wiesen unterhalb der Mislalm bis zur steilen Schneise hin herrschten einwandfreie Bedingungen. Je flacher die Hänge gefahren wurden, desto weicher die Oberfläche.

freie Almflächen unterer Teil

Die schmale Schneise knapp östlich vom Bach bildet den letzten Abschnitt der Abfahrt und der hatte es in sich. Völlig zerfahren und gegen 13 Uhr immer noch recht hart gefroren liegt der etwa 130Hm messende Hang nach dem Ende der breiten Almflächen östlich über der Siedlung Kerschbaum.

zeitlose Szenen…

Anfängergleich rumpelt man abschließend über die harte und zerfurchte Buckelpiste hinab – ein krasser Gegensatz zu dem Fahrgefühl seit dem Gipfel. Solche Verhältnisse sind jene bei denen man scherzhaft bemerkt, daß man dort das Schifahren erst richtig lernen würde.

Rückblick auf die unvergessliche Abfahrt

Auf den letzten Metern verbreitert sich die Schneise wieder. Man erreicht die Höhe des Weges zur Mislalm, die einige Stunden zuvor der Tourenbeginn war. Leider kann hier der Bach nicht überquert werden, zu ungünstig ist das Gelände und ein weitläufig eingezäuntes Häuschen erschwert die Querung. Möglicherweise müßte man den Bachgraben schon etwas weiter oben queren, das gilt es bei der nächsten Tour herauszufinden.

steile Schneise mit anstrengenden Schneeverhältnissen

Der Ankunftspunkt an der Straße liegt dadurch etwas unterhalb des Parkplatzes, mit schätzungsweise 20Hm und etwa 300m Gehstrecke bis oben zum Parkplatz hinauf.

Rückblick auf den unteren Teil der schon wieder breiteren Waldabfahrtsschneise

Die Schitour führt über 1.250m auf den Gipfel und weist bei geschickter Streckenwahl großteils eine Hangneigung von unter 30° auf. Eine steilere Passage hinter der Mislalm ist kurz und wird rasch durchschritten. Ebenso jene am Steilhang vor dem Gipfel.

Ankunftspunkt leicht unterhalb des Parkplatzes

Auf den Kartenausschnitten in der Bildergalerie sind alternative Routen zur Vermeidung der steileren Passagen dargestellt.
Der Zeitbedarf betrug dreidreiviertel Stunden mit 15min Gipfelaufenthalt. Man rechne für den Aufstieg zwischen drei und dreieinhalb Stunden.

Mils, 20.01.2019

Schitour Pfoner Kreuzjöchl von Navis

Der Winter, noch nicht so richtig in die Gänge gekommen und Weihnachtstauwetter, das uns fest im Griff hält, erlaubt dem Tourenhungrigen derzeit noch nicht viele, aber eine schöne und leichte Schitour auf das Pfoner Kreuzjöchl.

Start oberhalb des Parkplatzes Grünhöfe auf gut 1.500m

Von Pfons aus ist an den Aufstieg auf das Pfoner Kreuzjöchl noch nicht zu denken, genügend Schnee liegt erst ab etwa 1.400m und deshalb kommt als Ausgangspunkt der Parkplatz Grünhöfe auf gut 1.500m in Navis in Frage (2,50.- halbtags / 3.- ganztags). Die Gewissheit auf eine ruhige Schitour war klar als gerade eine Handvoll Fahrzeuge am Parkplatz geschichtet wurden.

Aufstieg im Wald gut möglich, kaum apere Stellen

Der Almweg zur Peeralm befand sich in ausgezeichnetem Zustand hinsichtlich Schneeauflage und es kann vorweggenommen werden, daß die Abfahrt von der Seapnalm bis zum Parkplatz keinerlei Steinkontakt aufweist, so wie auch in der Alpinen Auskunft vom Vortag geschildert.

Blick Richtung Wattental, von Mölser Sonnenspitze bis zu den Recknern

Nach einigen Hundert Metern zweigt links der direkte Aufstieg zur Seapnalm durch den Wald ab. Ein LVS Checkpunkt weist den Weg bei der Abzweigung. Vier Mal wird im Waldaufstieg der Fahrweg zur Alm gekreuzt, beim letzten Mal, oberhalb der Waldgrenze, beginnt das weite, eher flache Almgelände.

Beim Aufstieg durch den recht feuchten Schnee durchnässten die Felle weitgehend, sodaß das fehlende Fellwachs bitter vermisst wurde und mehrmalige Stopps zum Entfernen der Aufstollung eingelegt werden mußte. Erst nach dem Wetterkreuz waren die Temperaturen so nieder, daß ohne Aufstollen marschiert werden konnte. Dafür allerdings waren die Felle vereist und nur durch den eher flachen Aufstieg kam es zu keinen mühseligen Abrutschern. Man sollte also auch bei einer kleinen Tour den Rucksack gewissenhaft packen.

Blick Richtung Scheibenspitze bis Schafseitenspitze

Im Aufstieg bieten sich nahe dem Talende schöne Blicke in die abschließenden Talkessel in Richtung der Naviser Sonnenspitze im Nordosten bis hin zum gemeinsamen Talabschluß des Wattentales mit Lizumer und Naviser Reckner, sowie dem Geier im Osten.

Gegen Süden braucht es eine gewisse Höhe, um das phantastische Panorama vollends einsehen zu können – beim Wetterkreuz auf 2.150m überblickt man dann den Kamm, der unter andern das Naviser Kreuzjöchl, die Scheibenspitze und die Schafseitenspitze trägt, mit den Zillertaler Giganten rund um den 13km entfernten Olperer.

Aufstieg in feuchtem Schnee, rechts die markante Naviser Sonnenspitze

Etwa eine Stunde nach dem Start, gegen die Waldgrenze hin, kann im Norden das schöne Gelände der Grünbergalm eingesehen werden. Der weite Talkessel bietet eine tolle Schitour auf die Grünbergspitze mit einem rassigen Abschlusshang unterhalb des Gipfels.

An der letzten Wegkreuzung zur Seapnalm – sozusagen an der Kuppe – erreicht man flachere Böden, über die von Norden der Wind vollflächigen Zugriff hat und ordentlich blasen kann. So auch am gestrigen Tag – die Bilder der Aufstiegspuren der beiden anderen Tourengeher an diesem Tag verraten die Tätigkeit des Nordwindes.

beim Wetterkreuz nach der letzten Querung des Weges zur Seapnalm

Mit der Orientierung des Aufstieges gibt es trotz zugewehter Spuren kaum Schwierigkeiten, da in kurzen Abständen immer wieder allerlei Markierungspflöcke, aber auch Eisenstangen die Richtung weisen.
Nach der Flachstelle nahe dem Wetterkreuz führt der Aufstieg über ein paar Meter abschüssiges Gelände zum nächsten steileren Hang heran, bevor es dahinter noch einmal etwas flacher wird. Die Hangneigung bleibt im Teil bis zum Gipfelaufbau in Summe jedoch immer unter 30°, mag es auch Stellen geben bei denen sie vielleicht geringfügig größer ist.

das Ziel leicht links Bildmitte erstmals sichtbar – die Aufstiegsspuren durch den Wind bereits zugeweht

Ein weiterer flacher Bereich wird durchschritten bevor sich der Gipfelaufbau deutlich ausprägt und die Steilheit zunimmt. Bald darauf ist die vom Pfoner Kreuzjöchl herabziehende Rippe erreicht. Sie präsentierte sich recht abgeblasen weswegen man in der Abfahrt gut beraten ist Tempo wegzunehmen und sich einen Überblick über den günstigsten Kurs hindurch zu suchen.

auf halbem Weg über die sanften Hügel der Hochfläche der Seapnalm

Der folgende zu querende Hang ist nach Meinung des Verfassers der einzig gefahrenträchtige bei entsprechender Warnstufe, er weist laut Tiris eine Maximalneigung über einen kurzen Teil des Anstieges von über 40° auf, jedoch ist dieser Teil oberhalb des Aufstieges gelegen. Die Querung selbst erfolgt unterhalb in wesentlich flacherem Gelände.
Jenseits der Querung gelangt man in einen breiten, kurzen, rinnenartigen Hang, der im Aufstieg an einem wenige Meter messenden Bereich an 35° Neigung kratzt und die durch die Lage triebschneegefährdet erscheint.

die schön gefprmte Seeblesspitze bis zur Grünbergspitze rechts

Die letzten Aufstiegsmeter bis zum Joch finden in flacherem Gelände statt. Die Schneeoberfläche war aufgrund des starken Windes mit hartgepressten Gangln durchzogen, die zwischen vereisten Parteien sich bilden konnten. Aber auch in diesem etwas unangenehmen Gelände waren Harscheisen nicht erforderlich, da die Hangneigung mäßig ist.

Querung des einzig steilen Hanges Richtung Joch

Nach dem ersten Blick auf das Arz- und Inntal folgten die letzten 40Hm zum Gipfel auf harter, vereister Oberfläche.
Der flache Gipfelbereich um das Wegkreuz am Pfoner Kreuzjöchl zeigte sich völlig schneebedeckt mit stark zugeschneitem leeseitigen Zugang zum Gipfelkreuz.

am Joch angelangt – der angekündigte Wetterumschwung von Nordwest bereits sichtbar, Windböen bis etwa 40kmh

Da der Nordwestwind unangenehm blies und bei einigen Wenigen Fotos schon die Hand einfror, fiel der Gipfelaufenthalt kurz aus. Im Lee des Gipfelzinkens konnte man sich geschützt zur Abfahrt rüsten und etwas Höhenmedizin zu sich nehmen.

Wind von Nordwest beschert einen kurzen Gipfelaufenthalt

Der Ausblick war trotz der unwirtlichen Front von Norden doch ganz passabel, vor allem von Ost bis Südwest. In Südtirol ließ sich prächtiges Wetter erahnen.

Blick gen Südwest – Rauher Kamm zum Mislkopf

Hinab über den harschen Hang bis zum Joch mit allerlei Verkrümmungen des Oberkörpers wie ein Anfänger mühte sich der Verfasser, froh, daß niemand die Wackelpartie auf den haltlosen Eisflächen und wieder bremsenden Triebschneeansammlungen mit ansah.

Blick nach Osten – von Kreuzspitze über Rosenjoch bis Grünbergspitze und Grafmartspitze

Das Vergnügen begann dann nach dem Joch in dem rinnenartigen Hang, der sich an seiner östlichen Seite im Tiefschnee toll fahren ließ. Der steile Hang danach war ebenfalls gut zu fahren und an der abgeblasenen Rippe mußte die günstigste Route für die weitere Abfahrt gewählt werden, wobei die Spuren der beiden Vorgänger hilfreich waren.

einige wenige schöne Abfahrtshänge

Die wenigen tollen Hänge waren rasch abgefahren. Zu des Verfassers Überraschung schlief der Wind innerhalb der wenigen Minuten des Abfahrtsvergnügens urplötzlich vollends ein, was nahe dem Wetterkreuz eine Jausen- und Fotopause ermöglichte und mit der wärmenden Sonneneinstrahlung durch die plötzliche Stille Weihnachtsstimmung aufkam.

Rückblick – toll war’s

Dem Weg zur Seapnalm angekommen folgt man derzeit am besten für die gesamte Abfahrt bis zum Parkplatz. Auch dieser Abstieg durch die verschneite Landschaft hat seinen Reiz.

ein toller Blick auf die hohen Gipfel im Wattental

Für die Tour benötigt man rund 5 Stunden, durch die kurzen Aufenthalte konnte sie in 4:15 durchgeführt werden. Der gesamte Aufstieg beträgt 1.150m.

Mils, 23.12.2018