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Gleirscher Fernerkogel, 3.194m – über Rosskarscharte

Alpinistisch reizvoll und im Schlussteil nicht mehr ganz so einfach präsentiert sich die Schitour auf den Gleirscher Fernerkogel generell und über die Rosskarscharte angestiegen, kommt man gleich zweimal in den Genuß von Steilaufstiegen im und knapp über dem 40° Bereich.
Die Tour von Lüsens aus entbehrt dem langen Normalaufstieg durch das schöne Gleirschtal bei genauer Vermessung nur wenig, auch der Höhenunterschied im Vergleich zum Startpunkt St. Sigmund steht dieser Variante nur kaum nach. Mehr dazu am Ende dieses Berichtes.

Da für diese Variante auf den Gleirscher Fernerkogel zwei Fahrzeuge vonnöten sind eignet sich als Treffpunkt der große Parkplatz in St. Sigmund und nach eiligem Umladen benötigt man für die Fahrt eine Etage höher (ja, etwa 120m höher!) nach Lüsens weitere 20min.

Lüsener Fernerkogel im Morgenlicht

Um sieben Uhr am Parkplatz in Lüsens gestartet sind wir Mitte April gerade noch nicht zu spät unterwegs, allerdings auch nicht zu früh, denn die südlich ausgerichtete Steilflanke auf die Rosskarscharte muß ja nicht im gefrorenen Firn begangen werden und je nach Sonneneinstrahlung sollte die Schneedecke bei der Ankunft gegen 10 Uhr genau den richtigen Zustand haben.

Sonnenaufgang über der Pforzheimerhütte

Der Anstieg in das Längental führt nach dem Holzhaus (Jugendheim in der AV-Karte) am Talende über die Längentaler Alm zum Westfalenhaus. Bei unserer Begehung gut gefroren, verlangte diese Stufe fast schon Harscheisen.
Vorbei an der Alm erreichten wir den Anstieg zum Westfalenhaus noch in völligem Schatten und erst am Hang hinauf, bei den ersten Schneestangen, tauchten wir endlich in Sonnenlicht, etwa 50Hm unterhalb der Hütte.

Aufstieg zur Pforzheimerhütte aus dem Längental

In Blickrichtung Hoher Seeblaskogel und Längentaler Weißer Kogel herrschte einiger Andrang bei dem prächtigen Frühjahrswetter. Aber auch in unsere Richtung, auf das Winnebachjoch sollten wir ab der Hütte einige Gesellschaft bekommen, da dort gegen 8:45 Uhr Aufbruchsstimmung von der Hütte angesagt war.

prachtvolles Panorama – hinten Längentaler Weißer Kogel

Die Schneeschuhwanderer machten sich auf in Richtung Schöntalspitze, die Tourengeher in unsere Richtung auf das Winnebachjoch.

Das Winnebachjoch voraus – noch sind fast 2km zurückzulegen

Das Tal zum Winnebachjoch zieht sich mit moderaten Stufen über zweieinhalb Kilometer und 500hm vom Westfalenhaus Richtung Westen und stellt den Übergang ins Ötztal dar. Gegen sein Ende hin bildet es einen beeindruckend geformten Kessel, der mit einer einzigen Spitzkehre auf das Joch überwunden wird.

Talbecken und Winnebachjoch

Der Ausblick vom Winnebachjoch ist beengt, zwischen der Flanke vom Westlichen Seeblaskogel und der gegenüberliegenden Erhebung des Gänsekragens lugt die Hohe Geige durch, über der dem Gänsekragen anschließenden Gratkette zur Wantlasscharte ragen Gamezkogel, Rofelewand und Gsallkopf durch, erstere in 16,5km, letzere Gipfel in 21km Entfernung. Ganz rechts (fast westlich) erhebt sich der massive Breite Grießkogel.

Blick vom Winnebachjoch nach Westen

Seit dem allseits reflektierenden Becken vor dem Winnebachjoch und dem fortgeschrittenen Vormittag machten uns Temperatur und Strahlung einigermaßen zu schaffen, beim weiteren Anstieg über die Südhänge zum Winnebacher Weißkogel umso mehr.

Aufstieg zur Rosskarscharte

Der Schnee wurde im stumpfen Winkel zum Sonnenstand stellenweise richtig sulzig und erschwerte die letzten 200m Aufstieg zu den ersten unteren Schrofen an der Felslinie zur Rosskarscharte unerhört. Als Lohn dafür wird am Weg zur Scharte der Blick zur Wildspitze in 30km Entfernung frei.

wir nehmen die östliche Seite des Kopfes (Pkt. 2.993m in d. AV-K) am Weisskogelferner

Recht genau auf 3.000m begann in unserem Fall der Aufstieg zur Rosskarscharte mit den Schi am Rucksack und in vorhandenen Stapfen. Abgesehen von den ersten Schritten an der Felslinie, die wie immer einen Einbruch bis zur Hüfte hervorriefen und ein paar mühevolle Meter bedeuten, befand sich der Schnee auf der sonnenexponierten Flanke noch recht gut in Schuss für den späten Vormittag, an dem wir sie erreichten.

nach der Querung etwa 10m direkt in der Flanke, dann leicht links weiter

Der Aufstieg durch die Felsen führt über ca. 60m zur Rosskarscharte hinauf. Im letzten Drittel ragte eine recht jung angebrachte Seilsicherung aus dem Schnee und ihr Verlauf bis zur Scharte – in einer völlig schneefreien Felsverschneidung gelegen – erscheint jedoch für die Winterbegehung mit Tourenschuhen wesentlich weniger geeignet als linkerhand weiter durch eine schneegefüllt Rinne mit Stapfen. Die Scharte wird somit etwa 10m links der Seilsicherung erreicht.

hier ein Eindruck über die Hangneigung – hinten Winnebacher Weißkogel

Man soll den Zeitaufwand für den Anstieg bis auf die Rosskarscharte nicht unterschätzen. Hatten wir mit drei Stunden gerechnet wurden es dann fast vier. Ohne viel Aufenthalt fellten wir auf geräumigem Platz ab, um die kurze Abfahrt zur nächsten Steilflanke oberhalb des Gleierschfernerbeckens in Angriff zu nehmen.

rechts Verseilung, links fanden wir es bequemer mit Winterausrüstung

Nach Messung auf der Uhr betrug die Abfahrt 75Hm und zugunsten des Schibelages man tut gut daran einige Meter zu „verschenken“ indem man – anders als der Autor – bei nicht weniger als drei Metern Abstand zu den Felsriffen, in der mitunter tückisch dünnen Schneeauflage keine Schrammen mit nach Hause nimmt.

Rosskarscharte; etwas weiter hinten die Ankunftsstelle nach dem verseilten Aufstieg

Zwischen einem markanten Felskopf und der unteren Begrenzung der Felsen endet die Querfahrt von der Rosskarscharte, es hieß erneut Schi auf den Rucksack und stapfen.

Blick zur nächsten Steilflanke auf den Gleirscher Fernerkogel

Der Aufstieg über die Steilstufe ist im oberen Bereich noch etwas steiler als jener zuvor und erreicht mehr als 40° Neigung. Wir nahmen ihn etwa mittig wobei die Stapfen durch die Abfahrt einer Gruppe zuvor zum Teil nicht sichtbar waren und wir eigene Stapftritte anlegten. Trotz der Mittagsstunde konnte der Hang einwandfrei begangen werden, ohne zu tief einzusinken.

am Ende der Steilflanke auf den Gleirscher Fernerkogel mit unseren Abfahrtsspuren von der Rosskarscharte im Hintergrund

Ein Rutscher durch schlampiges Stapfen hätte weitreichende Auswirkungen. Im Gegensatz zur Rosskarscharte sind im Steilhang zum Gleirscher Fernerkogel keine Felsen eingestreut, die einen tiefen Sturz verhinderten. Bei harten Verhältnissen wären beide Steilaufsteige nur mit Steigeisen zu empfehlen, unsere jedoch durften sich unbenutzt eines Ausfluges im Rucksack erfreuen.

imposante Gipfelflanke des Gleirscher Fernerkogels

Ein letztes Auffellen wird für den steilen Gipfelaufbau erforderlich. Der Sonnenbestrahlung am Vormittag weitgehend abgewandt, bzw. in sehr spitzem Winkel zur Sonneneinstrahlung gelegen bot der Gipfelhang sogar fast Pulverschneeverhältnisse.

Gipfelflanke vom Gleirscher Fernerkogel Gipfel aus betrachtet

Allerdings, bei weit über 35° Hangneigung und einer durch eher Abrutschende als -fahrende vielerorts bis auf den harten Untergrund weggerutschter Spur ist der Aufstieg über die 135m hohe Flanke auch kein großes Vergnügen. Nachdem die Schneeverhältnisse entsprechend weich waren und die weggerutschten Teile der Spur mittels einschlagen der Kanten so lala bewältigt werden konnten kam der alternative Stapfaufstieg gar nicht in Erwägung. Eine knappe halbe Stunde nahm der Nervenkitzel des Gipfelhangs trotzdem in Anspruch.

Gipfelplastik am Gleirscher Fernerkogel

Die Mühen bis zum aussichtsreichen Gipfel des Gleirscher Fernerkogels mit der kunstvollen Zier einer „Alpinplastik“ mit Mini-Gipfelkreuz waren bewältigt und der Eindruck am Gipfel phänomenal. Hat man den kunstvollen Gipfelschmuck mit faradayschem Käfig zum Schutze des Pickels ausreichend in Augenschein genommen, bezaubert der Blick in alle Richtungen.

der Nachbar – Winnebacher Weißkogel

Am gewaltigsten ist der Blick von Südost nach West.

bestechender Grat oberhalb des Längentals – links Lüsener Fernerkogel, rechts Schrankogel

In nächster Nähe im Süden der Winnebacher Weißkogel mit seiner tollen Flanke und links davon fast in einer Linie Hoher Seeblaskogel, Längentaler Weißer Kogel und der mächtige Schrankogel, rechts davon die Wilde Leck und gleich daneben in 39km Entfernung die Hohe Wilde sowie der Weißkugel und zahlreiche weitere tolle Dreitausender bis rechts im Bild die Wildspitze mit ihrem großflächigen Massiv auftaucNicht minder imposant der Blick über das lange Zwieselbachtal und weiter im Norden der Hochreichkopf und der mächtige Acherkogel.

Zwieselbachtal zu Füßen

Beim Blick nach Norden stellt sich die Frage, ob die Abfahrt zur Südlichen Sonnenwand nicht möglich sei – Berichten zufolge soll das so sein und wird Thema einer künftigen Erkundung.

linkes Bilddrittel – Südlichste Sonnenwand mit wahrscheinlicher Abfahrtsvariante über den gleichnamigen Ferner

Die Aussicht auf den Kleinen Kaserer und den Olperer gen Osten streift fast die Hohe Villerspitze im Vordergrund leicht links davon.

Hohe Villerspitze in Bildmitte, leicht rechts davon Kleiner Kaserer und Olperer in der Ferne; der mächtige Schatten des Schrammachers, rechts davon der Hochfeiler in 51km Entfernung

Die Abfahrt über die Gipfelflanke beschert einen bleibenden Eindruck. Meint man zuerst, daß die gute Schneequalität eine flüssige Fahrt zuläßt wird man bei den ersten zwei Schwüngen durch die rapide zunehmende Geschwindigkeit freiwillig etwas vorsichtiger im Ansatz des Bogenradius. Ja fast um einen Hupfer ist man bemüht, um den Radius klein zu halten. In Summe aber selbst in dem sehr zerfurchten und noch recht weichen Schnee ein tolles und kraftzehrendes Erlebnis.

zur Abfahrt gerüstet; Steilhänge entbehren nie einer gewissen Spannung

Vor der nachfolgenden Steilstufe verebbt die Kommunikation auf das Wesentliche, gilt es doch einen aufgeweichten Steilhang mit Stellen jenseits von 40° zu fahren. Schließlich ist nicht jeder ist ein Luggi, der solche Übungen tagtäglich macht und es handelt sich nicht um eine präparierte Piste deren Konsistenz gleichförmig ist. Dichteunterschiede in den abgerutschten Schichten erfordern höchste Konzentration und blitzartige Reaktionen.

ein Eindurck der Hangneigung gibt die kleine Rutschung oberhalb von Britta

Mit Routine und Gefühl gelingt jedoch die Rutschfahrt über die 60m bis zur individuell gewohnten Neigung in der man sich auf Schi noch wohlfühlt und gleichzeitig zu fotografieren vermag.

über die 40° Flanke lebt sich’s im aufgeweichten Sulz leichter durch Rutschen mit Distanzhaltung – bei diesem Dichteunterschied wedelt keiner mehr

Am Ende der Steilrinne fällt mit einem Mal die schöne Last der Tour ab und Vorfreude über eine nahezu 12km lange und landschaftlich unvergessliche Ausfahrt macht sich breit.

Rückblick auf die stolze Steilflanke

Setzt man die Ausfahrt so weit wie möglich links im Tal an und vergeudet man kaum Höhenmeter durch einen Mix aus moderater Geschwindigkeit und Höhenerhalt mit wenigen kurzen Schiebestrecken, dann erreicht man ohne große Anstrengung über die „Samerschläge“ die Pforzheimer Hütte.

die Belohnung zum Schluß – Ausfahrt durch das wunderschöne Gleirschtal

Freilich muß dieser Zwischenstopp nach dem grandiosen Erlebnis unbedingt sein – zwei leicht verständliche Gründe bestehen darauf: der Flüssigkeitsbedarf zum einen und die notwendige mentale Verarbeitung des Zugewinns an höchst positivem Erlebnis an Ort und Stelle zum anderen. Beides im Verein lädt den Autor für viele Tage auf wie nichts anderes auf der Welt es vermag, die Maximaldosis Natur eben.

die Länge des inneren Gleirschtales kommt bei der Ausfahrt gut zur Geltung

Abschließend durften wir eine wunderschöne lange und leichte Ausfahrt genießen und weil der außergewöhnliche Tag noch andauerte gab es einen zweiten Stopp mit Knödelsuppe in der netten Gleirschalm bevor wir die letzten Teilabfahrten bis knapp vor die Brücke über den Gleirschbach antraten und nach kurzer Tragestrecke das Relaisfahrzeug erreichten, um das zweite Fahrzeug in Lüsens abzuholen.

Blick talauswärts zur Peiderspitze

Die Schitour auf den Gleirscher Fernerkogel von Lüsens aus ist um knapp drei Kilometer kürzer als die Normalbegehung von St. Sigmund aus und beinhaltet lediglich um 50Hm weniger Aufstiegshöhe. Vom Zeitbedarf her ist sie eher länger einzustufen, bedingt durch mehrfaches Rüsten über die Rosskarscharte. Insofern ist sie keine wirklich kürzere Alternative, sondern eine eigenständige Tour.

Welch Erlebnis, Prost!

Sie ist ebenfalls keine Alternative zur Übernachtung in der Pforzheimerhütte – auch wenn es auf der Karte so aussieht -, da dieser Aufstieg nur knappe 900Hm beträgt.
Der Charme der Tour liegt in der Übersteigung der Rosskarscharte und dem Erlebnis einer „Runde“ unter Vermeidung wiederkehrender Eindrücke.

Gleirschtal – ohne Worte

Steigeisen unbedingt und je nach zu erwartender Schneebeschaffenheit Pickel mitzunehmen.
Der gesamte geodätische Aufstieg beträgt 1.627Hm, der Abstieg (Abfahrt) 1.747m. Wir haben für die reine Tour mit allen Pausen 7:30 Stunden bis zur Gleirschalm benötigt, in Summe vom Parkplatz St. Sigmund bis wieder nach Lüsens mit der letzten Pause auf der Gleirschalm 9:17 Stunden. Die Streckenlänge beträgt knapp 22km.

Mils, 21.04.2019

Lüsener Fernerkogel Nordgrat, 3.299m

Bereits während der Anfahrt durch Gries im Sellrain fällt der Blick sofort auf den dominierend schönen Gipfel des Lüsener Fernerkogel am Ende des Lüsenstales. Als freistehende und höchste Erhebung im Tal wird er sowohl im Sommer als auch im Winter häufig begangen und ein schöner Aufstieg im Sommer ist sein Nordgrat, der gemäßigter ist als sein Name vermuten läßt.

Manuel am Lüsener Fernerkogel

Zur alpinen Schwierigkeit dieses Anstieges sei gesagt, daß es sich großteils um leicht zu begehendes steiles Wiesengelände im unteren Teil handelt und um leichte Felskletterei im oberen Teil. Die größten Schwierigkeiten werden angetroffen bei der Begehung in Gratnähe bzw. direkt dort – und sie sind bei II anzusiedeln, jedoch nur auf einzelne Stellen begrenzt. Der  Anstieg führt in der Hauptsache durch Gelände mit der Bewertung I+. Die Wahl des Anstieges liegt im Ermessen des Begehers und die Bewertung variiert dadurch. Knapp an der Gratkante finden sich auch ein paar Stellen für die III vergeben wird.

der Lüsener Fernerkogel am frühen Morgen

In der Literatur werden mehreren Schreibweisen gepflegt, sie reichen von „Lüsener“ bis „Lisener“ und mit und ohne dem abschließenden „s“ abgeleitet von der Ortsbezeichnung Lüsens, geologische Arbeiten des frühen 20. Jhdts spricht teilweise von „Lisenz“. Die Nachforschung des Namensursprungs führt zu keinem wirklich befriedigend klaren Ergebnis. Einerseits wird eine Abwandlung von dem Lawinen bezeichnenden Wort „Lehn“ beschrieben, andererseits, in der sehr empfehlenswerten Bergsteigerdörfer-Broschüre „Alpingeschichte kurz und bündig“ von Georg Jäger, eine Abwandlung von der ursprünglichen Bezeichnung „Malusinus“ der frühen breonischen Einwohner im Sellraintal.
Weil sich vorgenannte Broschüre mit örtlicher Geschichte befaßt und diese Schreibweise wählt wurde auch in vorliegendem Bericht die Bezeichnung „Lüsener“ Fernerkogel gewählt.

die gewaltige Mauer – später unser Abstieg

Zu dritt starteten wir bei frischen Temperaturen gegen halb acht am Parkplatz in Lüsens dem schönen Talabschluß entgegen, stets die „Mauer“, den typischen Talstufensprung in den Staubaier Alpen im Blickfeld. Die Mauer mißt 1.000Hm vom Talabschluß bis zur Gletscherkante und stellt im Winter den langen mühsamen Aufstieg auf den Lüsener Ferner und etwas später am heutigen Tag, unseren Abstieg dar.

Blick auf die Nordflanke des Lüsener Fernerkogels – links im Hang (links der Bildmitte) ist es leichter

Unser Anstieg leitet uns westlich ebenso über eine Talstufe ins Längental zur Längentalalm, wo der Nordgrat direkt in Angriff genommen wird. Diese Talstufe mißt knapp 250Hm und endet bei der Alm nicht ganz auf 2.000m.
Dort wird unter der Seilbahn zum Westfalenhaus der Wandfuß über weit hinaufreichende Almrosenstauden erreicht. Ein quer zur Hangrichtung anzutreffender Steig verführt in Richtung Ostflanke des Berges und wird nur überquert, man folgt ihm nicht.

Wiesengelände bis unterhalb der ersten Felspassage

Den Einstieg durch den ersten Abbruch in die Nordflanke – unten wo es leichtere und etwas schwerere Durchschlüpfe auf den Nordgrat gibt kann man mit etwas Gefühl für das Gelände das seinige wählen und entsprechend über Wiesenbänder dorthin aufsteigen – wählten wir am äußerst westlichen Teil der Flanke, also nicht über die leichteste Route und mittlerweile unter erwärmender Sonnenbestrahlung.

wir wählen einen Durchstieg weit rechts im schwierigeren Teil des Geländes

Oberhalb der untersten Abbruchfelsen wird bis zur nächsten Felsstufe über ein langgezogenes Wiesenband aufgestiegen. Der sogenannte Nordgrat bildet sich erst weiter oben aus und dann  auch nur über kurze Teilstücke. Im gesamten müßte also eher von der Nordkante, als vom Nordgrat gesprochen werden.

kleine Kletterpassagen nach der Querung zu überwinden

Nach dem Wiesenstück beginnt das typische Gelände mit Geh- und Kletterpartien im Wechsel. Meist mit guten Griffstellen und immer im festen Fels – wir haben es am Lüsener Fernerkogel mit Alpeiner Kern-Grantigneis des Ötztal Kristallin zu tun – geht es über plattige und wieder blockige Passagen die Gratkante in feiner leichter Kletterei hinauf, auch immer wieder im Gehgelände.

Manuel im Mittelteil der untersten Felspassage

Steinmänner hin und wieder säumen den Aufstieg bis weit oben hin, wo sich die blockigen Abschnitte ausgeprägter zeigen und auch aufgrund der vorgezeichneten Kante weniger sinnhaft sind.

Abschnitt oberhalb der ersten Felspassage über Bergwiesen


Auf etwa 2.700m trafen wir an einer etwas kniffligeren Stelle auf Sven aus Ulm der mit der Stelle nicht ganz klar kam, worauf wir ihm den nötigen psychologischen Schubs angedeihen liesen und Simons helfende Hand. Über den restlichen Aufstieg hängte er sich dann bei uns an und quasselte unentwegt.

der Nordgrat wird felsiger

Ab etwa 2.600m beginnt die reine Felsstrecke mit einigen schönen Passagen. Die schönste erschien dem Verfasser der breite Gratkopf mit dem weißen Eckpfeil der gerade überklettert werden kann und einen Hauch von Gratkletterei darstellt.

einige schöne Passagen am Grat – und sie werden mehr

Durch den vernachlässigbaren Abstieg auf der hinteren Stirnseite wird das Erlebnis kaum getrübt.

Manuel und Simon folgen am Gratkopf

Im Übermut zogen wir sogar in Betracht das einladende Band auf seiner Westseite vom Schärtchen aus zu begehen, das allerdings auslief und in einer unsinnigen Fortsetzung endete.

Breiter Grieskogel und Strahlkogel rechts

Der Gratkopf bietet einen schönen Blick auf das Finale der Nordkante auf etwas erhöhter Standfläche gegenüber der Fortsetzung des Aufstieges. Atemberaubend gebautes Blockwerk auf der Südseite bildet den Restaufstieg zu einem dem Gipfelaufbau vorgelagertem Sattel.

noch nicht sehr lange ausgeapert

Der Restaufstieg von dort auf den Gipfel ist gut einsehbar und die frische Biotitgranitgneismasse in der direkten körpernahen Begegnung auch optisch schön anzusehen. Frisch – bei Millionen Jahre altem Gestein nicht im Alterssinne zu verstehen – nach Einschätzung des Verfassers weniger aufgrund von verwitterungsbedingtem Zerfall geprägt, eher nur seit ein paar Dutzend Jahrzehnten eisbefreite Gesteinsmassen. Fehlender Flechtenbewuchs bei den hellsten und daher schönsten Partien verstärkt die Vermutung. Junger Bruch einer Gratformation scheidet aufgrund von fehlenden hellen Trümmern an beiden Basisflanken aus.

Rückblick auf das Sattelchen

Dieses Rätsel und herrlich feinstrukturierte Felsfacies begleiten nach dem Sattelchen über die letzten 100Hm Aufstieg zum lange erarbeiteten und stolzen Gipfel des Lüsener Fernerkogel – ein wirklich lohnenswertes Ziel an der Begrenzung eines der größten Gletschers in den Nördlichen Stubaier Alpen.

knapp unterhalb des Gipfels

Am relative kleinem Gipfelbereich des Lüsener Fernerkogel überwältigt bei der Ankunft die Aussicht nach Süden. Alles war in dem Stubaiern an Gipfel bekannt ist kann von dort aus wunderbar eingesehen werden.

Lüsener Fernerkogel, 3.299m

Im Osten beginnend mit der Hohen Villerspitze und den dahinterliegenden Kalkkögeln bis über den Habicht, Knotenspitzen, Seespitzen, Ruderhofspitze und über die Gratabsenkung des Alpeiner Ferners in der Ferne den Sulztalferner mit den beliebtesten Gipfeln des Wilden Pfaffs und des Zuckerhütls bis hin zum mächtigen Schrankogel.

Rundblick über die Stubaier von Südosten nach Südwesten

Ebenfalls bis weit hinein in die Ötztaler Alpen reicht der Blick – selbst die immerhin 30km entfernte Wildspitze scheint zum Greifen nahe. Genau in ihrer Blickrichtung liegen im Vordergrund auch die beliebten Schitourenziele Bachfallenkopf und Längentaler Weißer Kogel.

Alpeiner Ferner und Wilder Pfaff sowie Zuckerhütl im Hintergrund

Im Westen fällt nördlich neben dem Breiten Grießkogl der Strahlkogel auf, der höchste und schönste Gipfel der Larstiggruppe und den nördlichsten, gerade noch sichtbaren Gletscher bildet der Gleirschferner.

Hoher Seeblaskogel links, Breiter Grießkogel mittig und Strahlkogel rechts

Die Gipfelrast mit der schönen Dreitausender Parade liesen wir uns eine Dreiviertelstunde kosten, bevor wir durch die Südflanke zum Rotgratferner abstiegen. Dieser Abstieg ist im Winter Schiabfahrt, im Sommer eine brüchige Angelegenheit und mit Bedacht zu begehen. Gruppen sollten nicht zu große Abstände lassen, um der Gefahr von Steinschlag vorzubeugen.

sehr vorsichtig absteigen ist hier das Gebot

Am Rotgratferner bestand eine 15cm starke Schneeauflage und zur Querung bis zum Abstieg durch die breite Rinne zur Mauer taten die Eisen gute Dienste. So ganz flach, wie vom Gipfel aus vermutet ist der Ferner nicht.

die Hangneigung ist beachtlich

Jenseits des Gletschers versperrten kleine Schrundspalten den Weg und wir stiegen etwas weiter hinab, um in das felsige Gelände unterhalb der Rotgratspitze zu gelangen. Dort konnten wir uns auch wieder der Eisen entledigen.

wieder auf festem Fels angelangt

Viel ist nicht mehr über vom Rotgratferner und die erst kürzlich ausgeaperten geschliffenen Felsen boten einen interessanten Abstieg über unverwitterte Felsoberflächen.

Rückblick auf den Lüsener Fernerkogel

Über viel Schutt im unteren Teil erreichten wir den langen Felsriegel der Mauer, die hinab in Lüsenstal führt. Obwohl diese Felsen schon viele Jahrzehnte ausgeapert sind zeigen sie erstaunlich wenig Zeichen von Verwitterung, die logischerweise nach unten hin allmählich zunehmen.

Abstiegsrinne

Wir haben nicht den Normalweg über die Mauer an die Ostseite des ehemaligen Gletschers genommen, da die direkte Variante erkundet werden sollte – die „Innere Räuhe“.

der Gletscher hat schöne Formen herausgearbeitet

Im untersten Teil braucht es dafür etwas Spürsinn, um den Abstieg durch die Felsen zwischen den Sturzbächen zu finden. Wer im Winter dort die Schitour absolviert hat, der sollte die richtigen Passagen finden. Im Zweifelsfall kommt man äußerst im Abstieg links, also westlich, leicht hinab.

glatte Partien zur Übung der Reibungskletterei

Den Abschluß bildete wie immer ein Besuch im Gasthof Lüsens von dessen Terrasse aus der Großteil der schönen Tour eingesehen werden kann.

am Ende des Schwemmkegels

Für die gesamte Tour mit allen Pausen benötigten wir in gemütlichem Tempo 9 ¾ Stunden bei 1.660Hm Auf/Abstieg.

die Tour vom Gasthaus Lüsens aus gut einzusehen

Mils, 09.09.2018

Schitour Lisenserspitz, 3.230m

Ein Klassiker von Lüsens ist die Schitour auf die Lisenserspitz, oder heute auch Lüsener Spitze genannt. Mit einem Aufstieg von 1.600m eine lange Tour und im oberen Teil am nördlichen Rand des Lisenser Ferners entlang in atemberaubender Gletscherlandschaft.

Lisenserspitze, 3.230m mit dem Lisenser Fernerkogel im Hintergrund

Zunächst allerdings muß die „Mauer“ überwunden werden. Ein mächtiger Steilhang, der vom Talabschluß in teilweise ordentlicher Steilheit 1.100Hm auf gut 2.800m hinaufzieht uns in sich schon eine kleine Schitour darstellt. Von unten betrachtet, ein gewaltiger Felsriegel, der geknackt werden möchte.

Morgenkulisse des Lisenser Fernerkogel

Die Mauer – die „Innere Räuhe“ – beginnt nach den Reisen recht steil, sie wird oben kupierter sowie der Anstieg etwas flacher und wenn sie überwunden wurde, dann kommt -trotz der anhaltend starken Windböen im oberen Teil der Mauer heute – eine positive Stimmung auf.

Aufstieg über die Mauer

Der flache Almweg von Lüsens zur Abzweigung zur Mauer war heute um 8 Uhr früh mit -10,5° kein besonders erstrebenswerter Start, jedoch mit den dicken Handschuhen ließ sich auch die leichte frontale Thermik einigermaßen in den gedanklichen Hintergrund schieben.

im unteren Teil des Aufstieges

Nach der Abzweigung schwächte die Thermik erwartungsgemäß total ab und die ersten steileren Passagen in der Mauer besorgten die nötige Heizung für den langen Aufstieg bis zum Gletscherrand.

Aufstiegsgelände unterer Teil

Zwei Trinkpausen und ab und zu ein Foto waren alle Marschunterbrechungen, die wir uns leisteten. Mit der Höhe kamen bei mir dann Bronchienreizungen der noch nicht komplett überwundenen Krankheit, die angesichts der vielen kranken Leute rundherum letzte Woche nicht mehr aufzuhalten war, hinzu, die mit anstrengendem Aushusten weggesteckt werden mußten.

bereits im oberen Teil in der Mauer

An Bergsteigern mangelte es heute nicht und manche verstanden es sich und seine Abenteuer dermaßen laut in Szene zu setzen, daß man deren Unterhaltung bereits 200Hm unterhalb mithören mußte.

Aufstieg im Schatten bis fast zur Kante oben auf 2.800m

Die unfreiwillige Zeugenschaft von gewaltigsten Abenteuern männlicher Quasseltanten konnte unser Stimmung bei dem perfekten Wetter keineswegs trüben und so erreichten wir nach knapp drei Stunden nach dem Start die Kuppe des Gletschers auf gut 2.800m.

Kante zum Gletscher bereits in Sicht

Leider hatte diese Kante wie so oft im Gebirge auch die Jochfunktion und der dort zumeist vorherrschende Jochwind begrüßte uns von Süden her noch etwas kräftiger als im oberen Teil des Aufstieges.

Rückblick auf Lüsens

Das kesselartige Kar des Lisenser Ferner, jenes das rechts abzweigt und sich zu Lisenserspitze und Lisenser Fernerkogel hinzieht war überraschend windbegünstigt. Einige Böen erreichten die einmalig sanfte Landschaft wohl, jedoch war der weitere Aufstieg zum Verzweigungspunkt zwischen Lisenser Fernerkogel und Lisenserspitz sehr gut vor dem Jochwind geschützt.

auf der Kante zum Lisenser Ferner

Wohl konnten wir die Windfahnen über dem Gipfelkreuz der Lisenserspitze erkennen, aber der Lisenser Fernerkogel – mit dem wir im Aufstieg auch kokettierten – mußte nach unserer Einschätzung heute noch weit windiger ausfallen. Also wurde der Entschluß gefaßt die Lisenserspitze als das Tagesziel zu ersteigen.

Aufstieg zur Lisenserspitze

Die Abzweigung zwischen den beiden Schitourenklassikern befindet sich recht genau auf 3.000m und der Aufstieg zu beiden unterscheidet sich nur um 68m zugunsten des höheren Lisenser Fernerkogel. Die Lisenserspitze bleibt höhenmäßig knapp darunter und der Höhenunterschied kann am Gipfel der Lisenserspitze auch eindeutig erkannt werden.

Aufstieg zum Lisenser Fernerkogel

Ein Nordhang zieht im Windschatten des heutigen Südwindes auf den Grat zur Lisenserspitze empor. Im oberen Teil ist er steil, jedoch ohne Harscheisen zu begehen.
Auf der Grathöhe zieht ein leichter Anstieg entlang der Südflanke bis unterhalb des Gipfels. In weiteren zwei Spitzkehren mit nur mehr wenigen Dutzend Höhenmetern erreicht man den großzügigen Gipfel, der vom Ferner aus wesentlich schwieriger aussieht.

Aufstieg im Nordhang zur Lisenserspitze

Die Aussicht am Gipfel der Lisenserspitze überrascht zugegebenermaßen schon, muß man sich eingestehen. Der gesamte Lisenser Ferner liegt einem einige Hundert Höhenmeter tiefer zu Füßen und die Sicht auf die zentralen Stubaier, wie der Ruderhofspitze oder den Brunnenkögeln und auch zum Schrankogel ist phänomenal.

Vorderer und Hinterer Brunnenkogel, dahinter links der Schrankogel und weiter links die Stubaier Wildspitze

Ebenso erlaubte das heutige Wetter einen tiefen Blick in die Ötztaler und mit 29km Entfernung konnte man die Wildspitze perfekt erkennen, ebenso wieder kamelhöckerartige Gipfel der Rofelewand in den Pitztalern.

Blick in die Ötztaler

Alleine am Gipfel der Lisenserspitze und etwas im windgeschützten Bereich erlebten wir ein kaum beschreibbares halbes Stündchen in der Mittagssonne. Der Aufstieg hat exakt vier Stunden gedauert.

der Lisenser Ferner, weit rechts die Ruderhofspitze, ganz rechts das Zuckerhütl, weit links der Habicht

Die Abfahrt bis zum Gletscher und bis zur Kante in die Mauer hinab erfolgte dann zu unserer besonderen Freude in weichem pulverigen Schnee.
Ab dem steilen Stück der Mauer folgten dann teilweise noch Pulverpassagen, jedoch auch zahlreiche Bereiche mit Harschdeckel. In eher steileren Hänge konnten pulverige Verhältnisse aufgefunden werden, in flacheren Bereichen eher harschige.

Abfahrt zur Kante am Ferner

Trotzdem war die Abfahrt ein tolles Erlebnis. Unten im flacheren Bereich mit Stauden durchzogen waren mittig im Hang noch sehr gute Verhältnisse vorhanden und wir erfreuten uns des Tiefschneevergnügens bis zur Loipe.

Abfahrt über die Mauer

Der Temperaturunterschied gegen 13:30 mit dem Start um 8:10 war gewaltig, die Jause auf der Terrasse in Lüsens konnte im Shirt eingenommen werden.

Panorama auf der Lisenserspitze

Für die schöne lange Tour haben wir bei 1.600m Aufstieg fünfeinviertel Stunden benötigt und dabei eine halbe Stunde am Gipfel zugebracht.

Mils, 04.03.2018

 

 

Schitour Hoher Seeblaskogel, 3.235m von Lüsens

Ob er nun Hoher Seeblaskogel oder – wie die AV-Karte ihn nennt – Seeblaskogl ohne „e“ heißt ist eigentlich egal, die Schitour auf diesen Berg ist eine besonders schöne Schitour. Sie bietet im ersten Teil eine typische Karausbildung, von unten nach oben stetig steiler werdend, im Mittelteil eine wenig ausgeprägte Steilstufe und im unteren Teil einen steilen Anstieg bis zum schön geformten Kar.

im noch flacheren Teil des Kares am Anstieg zum Hohen Seeblaskogel

im noch flacheren Teil des Kares am Anstieg zum Hohen Seeblaskogel

Im Aufstieg stellt sich die mehr als 9km lange Schitour ab Lüsens folgendermaßen dar:
Nach dem Parkplatz (4.- in Münzen am Automat) führt der Schotterweg mit mäßiger Steigung zum Fernerboden, von dem man rechts (östlich) über eine für die Stubaier A. typischen Steilstufe in Richtung Längental und Westfalenhaus verläßt. Im Tag unserer Tour (16. April 2016) mußten wir die Schi am Schotterweg ca. 15min tragen und ebenfalls ca. 10min in besagter erster Steilstufe.

Lisenser Fernerkogel, 3.299m

Lisenser Fernerkogel, 3.299m

Nach der ersten Etappe breitet sich das Längental vor den Schispitzen aus und ist wieder in mäßiger – wenn auch nun mit mehr – Steigung zu begehen.

erste Steilstufe im Rückblick

erste Steilstufe im Rückblick

An unserem Tag herrschte starker Südwind, nicht sehr kalt, aber doch so, daß man zumindest ein Stirnband gut vertrug. Schneedecke gefroren von Lüsens (Start 6:20 Uhr) bis auf 2.300m.
Christian legte mächtig Tempo im ersten Abschnitt des Längentales vor und innerhalb von ca. 45min hatten wir den eher flacheren Teil des Längentales überwunden und mit der horizontalen Strecke von 2,6km auch rd. 300Hm auf ca. 2.270m bis zur zweiten – nicht langen und nicht sehr ausgeprägten – Steilstufe im Längental.

zweite Steilstufe im Längental

zweite Steilstufe im Längental

Weiter geht es nun deutlich rechts, östlich, haltend (Wegweiser) und vom Längental abzweigend auf den unteren Teil des eigentlichen Anstieg auf den „Grünen Tatzen Ferner“.
Hier befindet man sich zwischen 2.400 und 2.500m und steuert auf den immer steiler werdenden Gletscherhang zu der zusehends rechts, nordwestlich, sichtbar wird. In diesem Teil hat sich der Gletscher bereits zurückgezogen.

im Anstieg zum Grüne Tatzen Ferner, Höhe hier ca. 2.500m

im Anstieg zum Grüne Tatzen Ferner, Höhe hier ca. 2.500m

Wir treffen eine Dreiergruppe mit einem meiner Arbeitskollegen darunter und setzen den Weg gemeinsam fort.

Rückblick von ca. 2.700m

Rückblick von ca. 2.700m

Die jungen Burschen legen mächtig vor und ich kann sie nur mehr im Gelände bildlich festhalten. Hohes Tempo im Längental unterschätze man nicht, es machte ich bei mir auf rd. 2.900m bemerkbar, ich bin ca. 20min lang richtig eingegangen und verlor den Anschluß.

den Steilhang zum Kar bald überwunden, das schön geformte Kar wird in seinen Dimensionen sichtbar

den Steilhang zum Kar bald überwunden, das schön geformte Kar wird in seinen Dimensionen sichtbar

Am Ende des Steilhanges wird es flacher. Der nun recht stetig aber wenig steil verlaufende Anstieg über den Grüne Tatzen Ferner ist nur noch von einer etwas steileren Stufe in etwa mittig unterbrochen.

im noch flacheren Teil des Kares am Anstieg zum Hohen Seeblaskogel

im noch flacheren Teil des Kares am Anstieg zum Hohen Seeblaskogel

Er führt so direkt unterhalb des Gipfels und erst eine letzte kurze Strecke mit zunehmender Steigung und ca. 100Hm Höhendifferenz bis zum Gipfel bildet den Abschluß.

letztes kleines Stück mit ca. 100Hm immer steiler werdenden Anstieges zum Gipfel

letztes kleines Stück mit ca. 100Hm immer steiler werdenden Anstieges zum Gipfel

Das Schidepot liegt am untersten Felsen, ist somit wenige Höhenmeter unterhalb des Gipfels. Eine tiefere Stelle für das Schidepot am Grat kann genauso angelegt werden und ist bei nicht optimalen Schneeverhältnissen keine schlechte Idee.

Christian mit den drei Kollegen am Gipfel

Christian mit den drei Kollegen am Gipfel

Der Anstieg zum Gipfel erforderte keine weiteren Maßnahmen (Steigeisen etc.) ist jedoch schon einigermaßen Konzentration wert, vor allem im Abstieg.
der Gipfel ist wenig ausgeprägt und bietet unserer Gruppe gerade bequem Platz. Umso mehr beeilten wir uns mit den üblichen Gipfelprozeduren, angesichts mehrerer großen Gruppen, die bereits im letzten steilen Anstieg zum Schidepot waren.

Christian und ich am Hohem Seeblaskogel, 3.235m

Christian und ich am Hohen Seeblaskogel, 3.235m

Die Aussicht war eine grandiose, jedoch eine klassische April-Aussicht mit genügend Wolken, die das Licht für die Fotos verhinderte und die Fernsicht auf ca. 15km beschränkte.
Trotzdem waren wir beeindruckt; hier ein paar imposante Gipfel, beginnend in Richtung Südost.

gegenüber im Längental die Lisenser Fernerspitze links, die Lisenser Spitze knapp rechts daneben und weiter rechts in der Kette Vorderer und Hinterer Brunnenkogel

gegenüber im Längental die Lisenser Fernerspitze links, die Lisenser Spitze knapp rechts daneben und weiter rechts in der Kette Vorderer und Hinterer Brunnenkogel

Richtung Süden:

mittig im Bild der Schrankogel

mittig im Bild der Schrankogel

Richtung Nordosten:

Blick in das Längental, im Hintergrund eher links der westlichste Teil des Karwendels

Blick in das Längental, im Hintergrund eher links der westlichste Teil des Karwendels

Richtung Westen:

links die letzten Stubaier und in Hintergrund die Ötztaler, ganz rechts unten die Winnebachseehütte und das Sulztal

links die letzten Stubaier und in Hintergrund die Ötztaler, mittig das Ötztal, ganz unten die Winnebachseehütte und das Sulztal

Richtung Nordwesten:

mittig links Breiter Grießkogel, rechts Strahlkogel

mittig links Breiter Grießkogel, rechts Strahlkogel

Da die Legionen näher kamen machten wir uns rasch auf. Die Kollegen lagerten unten beim Schidepot, eine gute Alternative bei Anstürmen auf den Gipfel.

die Musketiere beim Ausblick vom Schidepot

drei Musketiere beim Ausblick vom Schidepot

Die Abfahrt am heutigen Tag verdient kein besonderes positives Prädikat. Pappiger, schwerer Neuschnee auf ruppigem harten Deckel auf den ersten 300Hm, dann, im unteren sonnenbeschienen Steilstück ein Hauch von Firn.
Im Längental dann ausgeprägte, bremsende Firnverhältnisse um ca. 11:15 Uhr und abschließend eine Rast auf der einladenden Bank in der Längentalalm.

Der April bietet zum Abschluß der Tour noch zwei völlig unterschiedliche Ansichten und Eindrücke:

Blick Richtung Südwest zum Hohen Seeblaskogel

Blick Richtung Südwest zum Hohen Seeblaskogel

und ein Blick wie wir ihn haben wollen:

Blick Richtung Ost zur Lisenser Villerspitze

Blick Richtung Ost zur Lisenser Villerspitze mittig rechts

Den würdigen Abschluß bildeten notwendige Elektrolyttankungen mit den Kollegen im urtypischen Alpengasthof Lüsens.

Ab Lüsens sind 1.600Hm zu bezwingen. Für den Aufstieg bis zum Gipfel haben wir incl. meines Schwächelns 4 1/4 Stunden gebraucht, die Abfahrt mit teilweisem Tragen der Ausrüstung bis Lüsens und mit der 20min Rast in der Längentalalm dauerte 1 1/2 Stunden.

Mils, 16.04.2016