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Wattentalreibn – Geier, 2.857m und Mölser Sonnenspitze, 2.489m

Die Idee zu dieser schönen Umrundung, der Wattentalreibn, entstand diesen Winter anlässlich der Schitour zum Nördlichen Klammer Schober unter herrlichem Sonneneinfluß beim Träumen während der Gipfelrast. Der Schluß, daß die Möglichkeit besteht lag nahe, da man den Geier auch vom Navistal aus als Schitour besteigen kann und eine Verbindung über die obere Knappenkuchl vom Klammer Schober aus gut sichtbar war. Bei der Vorbereitung der Schitour mußte dann festgestellt werden, daß die Umrundung schon beschrieben wurde und so muß zumindest der Titel der Tour unterscheiden.

untere Knappenkuchl – 2.175m

Von den Tourdaten her kann diese Schitour mit dem Klassiker im Karwendel nicht mithalten, sie ist nur eine Reibn „light“, aber landschaftlich eine sehr schöne und lohnende. Auch vom Anspruch, der Steilheit und Lawinengefährdung her ist sie eher zahm im Vergleich mit dem Karwendeloriginal und somit eine ideale Runde für jeden der etwas mehr – aber nicht das Extreme – möchte und die Abwechslung schätzt.

Lizumer Reckner

Wie immer bei Vorhaben im hinteren Wattental ist der Parkplatz vor dem Lager Walchen Ausgangspunkt für die Tour. Wir starteten dort kurz vor sieben Uhr an einem Traumtag und mußten die Schi zunächst bis zum Zaun der Stieralm tragen.

Aufstieg im Wald bis zum Kraftwerk

Der Aufstieg auf der eisigen Piste am Weg durch den Wald war mit einigen Rutschern durchzogen, ungeglättete Stellen mit guter Haftung gab es dort nur noch ganz am Rand – typische Frühjahrssituation dort.

Sonnenaufgang Ende März auf 1.750m

Vorbei am Kraftwerk und nach einigen hundert Metern hinein in den schönen Zirbenwald nahmen wir den Normalaufstieg zur Lizumer Hütte. Wohltuend im Wald im Frühjahr ist der Sonnenaufgang um kurz vor 6 Uhr auf etwa 1.750m.

der Straße entlang auf immer noch hohen Wänden

Unter Sonne im Wald ist die Wattentalstraße bald erreicht. Bei unserer Begehung fanden wir die Schneewächten talseits der Straße gut zur Begehung vor – kleines Training für Gratüberschreitungen obendrein.

Blick talauswärts

Der Blick taleinwärts in der Lizum war grandios, hier war von Frühjahr nichts zu erkennen, die Schneewächten standen einem dort noch bis zur Schulter. Eine Pracht war die Strecke bis zur Lizumer Hütte mit einer kleinen Naturbrücke über den Wattentalbach.

Idylle in der Wattener Lizum

Gut zwei Stunden nach dem Start erreichten wir den Aufstieg zum Geier am Talende. Größere Gruppen von Hüttengästen waren vor uns aufgestiegen und somit gab es mehrere Spuren zum Überholen.

am Plateau etwa in Aufstiegsmitte zum Geier

Der Aufstieg machte dem Autor plötzlich arg zu schaffen und er kämpfte sich mühsam zur Scharte des klassischen Aufstiegs, während alle anderen Tourengeher den Hang vor der Scharte rechts aufstiegen. Allein im letzten Hangteil mußten mehrere Verschnaufpausen her – gut, daß niemand zuschauen konnte, Britta war bereits weit voraus in der Querung der Südflanke knapp 100Hm unter dem Gipfel.

Rückblick in die Wattener Lizum

Recht abgekämpft trudelte der Autor dann am Gipfel des Geiers ein und grübelte über den plötzlichen Leistungseinbruch. Ein solches Erlebnis hatte er noch nicht oft. Im Gespräch war dann zu wenig Essen unter der Woche als wahrscheinlichste Ursache der Schluß und dieser sollte sich bei der Schitour auf den Malgrübler am Folgetag als richtig erweisen.

Blick auf die Geierscharte und dem Geier im Hintergrund

Der tiefe Griff in die Studentenfutterschachtel und die hastig verspeisten Äpfel – Standardmenü des Autors auf Bergreisen – vermochten jedoch kein Wunder zu vollbringen, aber diese Erkenntnis kam erst beim nächsten Aufstieg zu Bewußtsein.

Blick nach Südosten

Zunächst stellte sich trotz überzogenem Zeitbudget gute Stimmung aufgrund des grandiosen Erlebnisses der umliegenden Bergwelt ein und die Rast viel mit 40min etwas länger als gewöhnlich notwendig aus.

Blick auf das Kluppen- und Schmirntal

Highlight der Aussicht am Gipfel des Geiers ist zweifellos der Lizumer Reckner, der mächtige Sporn im Norden des Geiers mit seinem leichten Kletteranstieg. Dieser Gipfel könnte natürlich in die Wattentalreibn eingebaut werden, nicht aber bei dieser Erstbegehung und nicht unter Kraftmangel.

Blick nach Osten

Erkundet werden wollte hauptsächlich die Abfahrt nach Westen zum Griffjoch, das den südwestlichsten Punkt der Umrundung darstellt. Über das Griffjoch herauf führt der Anstieg auf den Geier von Navis.

Abfahrt zum Griffjoch – die abzweigende Spur sichtbar

Auf den Fotos sieht man das Griffjoch anhand der Spuren gut und abzweigend beim Staffelsee war auch eine Spur erkennbar, die scheinbar auf das Plateau oberhalb der Felsen führt und von dem wir angenommen haben, daß es sich um eine Alternative zum Griffjoch handelt. Später sollten wir den anderen Zweck dieser Spuren erkennen.

mit tollem Pulverschnee

Einigermaßen erholt und gestärkt traten wir die Abfahrt durch das westseitige Kar vom Geier an. Natürlich verfolgten wir die Spur, in der Meinung, daß sie das Griffjoch abkürze und stellten an der Felskante angekommen fest, daß kein ersichtlicher Durchschlupf mit Abfahrt in die Knappenkuchl vorhanden war und die Spur sich dort verlor.

der geheimnisvollen Spur nach…

Da der Rückweg zur Normalabfahrt (Normalaufstieg) zum Griffjoch jedoch mit einer Flachstrecke, bzw. sogar mit einem leichten Gegenhang verbunden ist entschieden wir ein paar Höhenmeter Aufstieg (etwa fünf) auf den Kopf nordseitig der Spur zu unternehmen, weil eine Spur ja nicht einfach so enden kann.

Abfahrt über den Durchlass im oberen Teil

Am Scheitel des Kopfes konnten wir erkennen, daß die Spur am Gegenhang wieder vorhanden und auf den nächsten, einigermaßen höheren Felskopf führte. Diesen wollten wir aber nicht erklimmen, da uns das Gelände dahinter nicht bekannt war. Allerdings war auch erkennbar, daß am Weg zum Gegenhang ein Durchkommen über einen komfortabel breiten Felsdurchschlupf mit unten steiler Abfahrt in die Knappenkuchl –  unserem Tiefpunkt – möglich war.

Engstelle und steilster Teil unten im Durchlass

 

Diese Abfahrt ist nur bei besten LWS-Verhältnissen zu empfehlen. Sie war noch gut befahrbar, im unteren Teil eng und möglicherweise zwei bis drei Wochen später schon aper.
Der Vorteil dieses Durchschlupfes ist die Höhe an der man den gewaltigen Hang von den Recknern und vom Tarntal herab hoch oben nordwärts in die Knappenkuchl queren kann und mit guter Fahrt am Tiefpunkt ankommt.
Die gesamte Höhe wird aber am Tiefpunkt in der Knappenkuchl auf 2.175m verloren, egal welche Route vom Geier herab.

Blick auf die untere Knappenkuchl

Die Knappenkuchl ist einer jener Plätze in unserem Touren-Aktionsradius an dem man eine Stecknadel fallen hören könnte; vergleichbar mit dem Rossloch im Karwendel. Die wunderbare Ruhe in dem unglaublich umfassen Weiß zu allen Seiten regt eine Stimmung an die man mit dem berühmten faustischen Zitat „oh Augenblick verweile!“ beschreiben könnte.

untere Knappenkuchl im Überblick

Beim Blick zurück konnten wir nun auch die Abfahrtsspur zur Aufstiegsspur auf die nächste Felsrippe nach dem Kopf, von dem aus wir die Abfahrt unternahmen, entdecken. Sie zog sich von der Felsrippe zunächst Richtung Tarntal und dann über einen prächtig aussehenden Steilhang in die Knappenkuchl herunter, sieht toll aus und ist am Bild gut sichtbar. Einstimmig beschlossen wir diese Variante bei der nächsten Reibn mit einzubauen.

Rückblick auf die Querung des Recknermassives von der unteren Knappenkuchl

Auf einem schweißtreibenden Südhang stand nach knapp 700m Abfahrt vom Geier der Aufstieg auf das Klammjoch und ein weiterer Gipfel der Reibn – die Mölser Sonnenspitze – am Programm.
Der Anstieg ist zunächst moderat steil, dann sehr flach, er beträgt kaum 200Hm bis zum Klammjoch.

das nächste Ziel in Sicht – Mölser Sonnenspitze

Eine Variante zum Klammjoch wäre die Westflanke der Mölser Sonnenspitze. Hierzu wird nicht weit nordöstlich aufgestiegen, sondern bald nordwestlich abgezweigt und der Sattel westlich vor der Mölser Sonnenspitze angepeilt. Vom Sattel sind es dann wenige Meter bis auf den Gipfel.

die beiden Klammer Schober (nördl. u. südl.)

Die Strecke bis zum Klammjoch entwickelte sich noch einmal zu einer schlappen Partie beim Verfasser. Das Essen am Geier griff noch nicht genug, sodaß er weit abgeschlagen die flachen Hänge mit einigen Rastpunkten und immer mit brennender Sonne im Genick absolvierte. Am Klammjoch mußte dann eine weitere Ration Rosinen her, die dann an der Mölser Scharte endlich zu wirken begannen.

Querung der Nordflanke der Mölser Sonnenspitze

Vom Klammjoch aus wird der schöne Nordhang der Mölser Sonnenspitze durchquert. Mit wenig Höhenverlust wird ein Aufstiegspunkt wenig unterhalb der Mölser Scharte erreicht, an dem nochmals aufgefellt wird (in unserem Fall war eine Spur gezogen, die wir mit Fellen befuhren).

Rückblick auf das Klammjoch

Zu fortgeschrittener Zeit erreichten wir die Scharte und nachdem der Autor das Aufgeben nie so richtig erlernt hat, wurde der kurze Nordanstieg zum Gipfel der Mölser Sonnenspitze in Angriff genommen. Die rd. 80Hm sind zwar rasch erreicht, jedoch mit vielen kleinen Spitzkehren und Richtungswechseln verbunden. Meist ist es dort auch ein wenig abgeblasen, dann verringert sich die Breite des Gratkammes nochmals.

Aufstieg zur Mölser Scharte, 2.379m

Vom Gipfel aus hat man nach Süden den phantastischen Blick in die inneren Tuxer und nach Norden auf den Gegenhang – das „Skispitzl“ und den Mölser Berg – ersteres auch einfach möglich in die Reibn einzubauen, zumal nur wenige Meter Aufstieg.

Nordhang Mölser Sonnenspitze

Der Nordhang der Mölser Sonnenspitze ist bei gutem Schnee traumhaft zu fahren und führt, über die Almen an Schotteben, nach der Bergstation des Schleppliftes, hinab zur Lizumerhütte und auch talauswärts.

Mölser Sonnenspitze, 2,389m

Wir setzten aber die Reibn im Mölstal fort und fuhren zunächst über den breiten Kamm zum westseitigen Sattel ab, um dann wieder leicht nach Osten zur Mölser Scharte zu gelangen, von der aus wir dann die schönen gestuften Hänge in Angriff nahmen.

Rückblick im Zoom (mit Abfahrtsspuren vom Recknermassiv)

Der Fahrweg im Mölstal wird etwa gut 500m talauswärts vom Mölser Hochleger erreicht. Dies nach toller Abfahrt über meist wenig befahrene Hänge und – spaßeshalber slalomartig  – durch einzelne Baumgruppen hindurch.

Blick auf die Abfahrt in das Mölsertal im Norden

Am Weg wird mit wenig Schiebeunterstützung die Kehre erreicht ab der die Fahrt bis zum Lager Walchen fortgesetzt wird, im Frühjahr – je nach Schneelage – mit aperer Straße über den Mölser Niederleger.

Mölser Sonnenspitze mit Querung von der Westflanke zurück zur Mölser Scharte

Mit den beiden Gipfeln des Geiers und der Mölser Sonnenspitze kommen auf der kleinen Reibn 1.840Hm Aufstieg zusammen. Durch den Lizumer Reckner und das Skispitzl könnte der Aufstieg nochmals um 160Hm auf 2.000Hm gesteigert werden.

traumhafte Hänge hinab ins Mölser Tal

Wir haben für die Wattentalreibn 7:30 Stunden gebraucht und die von uns gewählte Strecke betrug 24,7km. Sie ist in kürzerer Zeit machbar, wenn niemand einen Leistungseinbruch erleidet.

Mils, 30.03.2019

Schitour Klammspitzen, 2.515m im Wattental

Nach enormen Regenfällen und in der Höhe Schneefall durch die darauffolgende Abkühlung nach dem Heiligen Abend war die Ausgangssituation für Schitouren mit Warnstufe drei nicht gerade rosig, jedoch konnte bei entsprechend vorsichtiger Hangneigungswahl eine phantastische Schitour auf die Klammspitzen im Wattental gewagt werden.

Klammspitzen, 2.515m

Die Vorbereitung mit dem Studium der Hangneigung zeigte eindeutig, daß fast alle Hänge auf und um die Aufstiegsroute im Neigungsbereich unter 30° liegen, mit einigen kurzen – notfalls zu umgehenden – Passagen bis 35° und somit auch an eine Alleinbegehung gedacht werden konnte.

Hangneigung Klammspitzen

Zusätzlich zum Gipfel der Klammspitzen sollte die schöne Runde rund um den Mölser Berg durchgeführt werden, die ein Jahr zuvor noch als phantastische Runde im Kopf hängen blieb. Hierzu ist vom Klammjoch aus noch ein geringer Höhenunterschied von etwa 70Hm auf die Mölser Scharte zurückzulegen, also nach der Gipfelabfahrt zurück auf das Klammjoch und etwa 400m zurück unter die Nordflanke der Mölser Sonnenspitze nochmals aufzufellen.

Innerlannalm gegen 9 Uhr früh

Der Start erfolgte gegen 8:30 Uhr am Parkplatz vor dem Lager Walchen und eine detaillierte Beschreibung des Anstieges über die „Skiroute“ zum Lager Lizum unterbeleibt hier – hiefür wird einfach den gleichnamigen Wegweisern ab der Stieralm gefolgt, im Aufstieg links vom Wattenbach, vorbei am Kraftwerk über den Winterweg.

herrliche Aussichten stehen bevor – in Bildmitte im Hintergrund das Ziel, die Klammspitzen

Wolkenloser Himmel, Windstille und eine Temperatur knapp zehn Grad unter null liesen Erwartung und Stimmung auf eine tolle Schitour aufblühen.
Einzige leichte Trübung im Aufstieg zum Lager Lizum bestand in zu wenig Schnee und völliger Vereisung der Straße nach dem Waldaufstieg. Der Straße folgt man etwa einen guten Kilometer – diesmal unter wildem Geklapper und mangelhaftem Halt auf den vereisten Schneepflugbrocken seitlich der durch Schneeketten zermarterten vereisten Fahrrinnen.

Lizumer Becken

Der Lärm verstummte natürlich sofort wieder, als nach der Schießanlage die unberührten Hänge zum Schlepplift betreten wurden. In völliger Stille, fernab von jeder Inntalautobahn folgte ab dort der Kernteil der Schitour unter Spuren der gesamten Strecke als erste Begehung in den Weihnachtsfeiertagen.

Aufstieg zum Schlepplift

Im Aufstieg über den Hang „Schotteben“, den Schlepplift querend wärmte die Sonne unerwartet stark in Anbetracht des Datums auf und für die nachfolgende Strecke rund um die Nordhänge der Klammspitzen gerade richtig zum Durchhalten bis vor dem Klammjoch die Abdeckung der Route wieder endete.

genau 0,5m Schneehöhe

In dieser Abdeckung liegen die Hänge oberhalb der Mölstalstraße, die über 30° steil sind und unter denen Vorsicht geboten war. Sie präsentierten sich an diesem Tag mit einheitlicher Oberfläche ohne jegliche Windmarken und ohne jegliche Anzeichen von Triebschnee. Ein zugegeben unfachmännischer Test der Schneedecke durch ungenügendes Abgraben und Betrachtung der Schichten ließ eine seichte Überzeugung auf fehlende Schwachstellen zu, wie es auch der einwandfreie Halt im Steilen vermittelte. Weiters bot die Mölstalstraße eine gewisse Flachheit als Geländestufe.

am Ende der Querung der steilen Hänge mit Mölser Sonnenspitze

Mit solcherlei Voraussetzungen war kein mulmiges Gefühl gegeben und die Spurarbeit der etwa 500m langen Strecke wurde ohne Zwischenfall bewältigt. Ein plötzlich aufgetauchter nachfolgender Tourengeher mit Hund im Abstand von etwa fünf Gehminuten vermittelte zusätzlich Vertrauen in das Vorhaben.

gegen Süden zum Klammjoch geblickt – links Tarntaler Köpfe

Möglicherweise aufgrund der vormittäglichen Beschattung und der südöstlichen Ausrichtung des Hanges ist der Schneedeckenaufbau im Tagesverlauf dort weniger bestrahlt und daher generell weniger gleitgefährdet. Am Foto ist die Situation am flach werdenden Ende des zu querenden Hanges noch erkennbar.

die Aufstiegsrichtung der Klammspitzen

Durch unberührtes und sagenhaft beeindruckendes Gelände führt der Aufstieg bis zum Klammjoch, wobei die westlich ausgerichtete Aufstiegsrinne immer deutlicher sichtbar wurde. Die Ausrichtung des Hanges passte wunderbar mit der Warnung für Gleitschnee zusammen, die für westliche Expositionen über 2.000m Höhe nicht ausgegeben war. Also war für den Restaufstieg „nur“ (natürlich nicht unter Abschaltung des Gehirns für andere Gefahrenquellen) das Altschneeproblem zu beachten und in der schmalen Aufstiegsrinne um die 30° Neigung erschien dieses gering. Auch dieser Umstand hat die Tourenplanung beeinflusst.

am Klammjoch, 2.359m

Die Schneeverhältnisse am Klammjoch und am Rücken zum Gipfelaufbau entsprachen den Erwartungen – teilweise abgeblasen, jedoch nur die Felsköpfe mit gut fahrbaren Zwischenräumen und die Flächen windgepresst mit Triebschneeansammlungen in der nördlich gelegenen etwa vier Meter tiefen Mulde vor der kurzen steilen Flanke zum Rücken, der sich bis zum Gipfelbereich hinaufzieht.

Klammspitzen mit gesamter Aufsteigsroute ab dem Klammjoch

Mit einigen Spitzkehren gegen die aufragenden Felstürme und Steilhänge nördlich der Aufstiegsrinne (auch hier ist Vorsicht geboten, denn die Hänge erreichen gut 40° Neigung) erklimmt man einen kleinen Sattel zwischen den Klammspitzen. Im Kartenwerk ist es die am folgenden Foto gegenüberliegende Kuppe der Fotoposition. Die Lichtverhältnisse erschienen für Fotos auf der Gegenkuppe aber geeigneter.

durch die teils beschattete Rinnen führt der Aufstieg zu den Klammspitzen

Steigt man im endenden Dezember so zu den Klammspitzen an, daß der Gipfel gegen Mittag erreicht wird, befindet man sich just in einem Zeitfenster das minütlich sich ändernde Lichtsituationen hervorbringt. Grund für dieses Schauspiel ist die Abdeckung der Sonneneinstrahlung durch die genau südlich gelegenen und um 240m höheren Felsspitzen der Tarntaler Köpfe.

auf der östlichen Klammspitze mit Blick zur Kalkwand

Auf den Klammspitzen findet sich kein Gipfelkreuz und kein Steinmandl, weswegen sie auch nicht sonderlich fotogen erscheinen. Sie bieten als Ausgleich einen tollen Tiefblick über die Sonntagsrinne auf das Lizumer Becken gut 500Hm darunterliegend. Leider ist ausgerechnet dieses Foto vermasselt, da unscharf.

Blick nach Norden zum Mölser Berg

Als Ausgleich für den Tiefblick in die Lizum jedoch nachfolgend ein Foto nach Norden über die Hänge hin zum Mölser Berg.

Blick ins Navistal

Südöstlich beeindrucken die Aussichten auf den weiten Kessel des oberen Talabschlusses des Navistales.

Abfahrtsrimme und hinten Mölser Scharte

Weiter westlich kann die folgende Route der Runde eingesehen werden. Hinter der Verschneidung der Flanke der Klammspitzen mit dem darunterliegenden Gelände zur Mölser Scharte (dort wo der Schatten von der Sonnenspitze endet) wird wieder aufgefellt.

Idylle auf 2.359m

Die Abfahrt über die Rinne wechselt zwischen weichen pulverigen Partieen in der Muldung und der steilen nördlichen Flanke mit der hartgepressten südlichen Begrenzung zum Steilhang in das Becken zu den Tarntaler Köpfen hin. Ein weicher Schwung im Wechsel mit einem Harten.

mächtiger Ostgrat Mölser Sonnenspitze

Bei kurzer Rast und Auffellen am Klammjoch erspähten die alten Augen des Verfassers eine dunkle Gestalt in den Felsen der Nordflanke der Mölser Sonnenspitze, jedoch hatten sie ohne Fernglas keine Chance Einzelheiten zu erkennen. Die mittelmäßige Qualität der Handykamera kam an seine Leistungsfähigkeit, sie vermochte es nicht im Zoom bessere Details zu liefern.

Eiskarspitzen, Torspitze, Torwand

Die Entdeckung war sonderbar, die Gestalt bewegte sich hin und her, kein sichtbares Ziel ansteuernd. Ebenfalls keine Zeichen von benötigter Hilfe obwohl in Rufweite, dennoch zog sie in gewisser Weise die Aufmerksamkeit in ihren Bann bis der Tourenverlauf fortgesetzt werden mußte.

Rückblick auf Klammspitzen und Tarntaler Köpfe

Mit den Fellen ging es nun in leichtem Gefälle rasch die 400m zurück zum Aufstiegspunkt auf die Mölser Scharte. Die Steilheit des Hanges ist dort moderat und man wählt eine geschwungene Route bis zum steileren Schlußhang in fast ebener Querung zur Scharte hin.

Blick von der Mölser Scharte gen Westen

In der abgedeckten, kalten Scharte wurden zwei Tourengeher am Gipfel sichtbar, die während des Abfellens des Verfassers zwar zur Abfahrt rüsteten, nicht aber in die Mölser Scharte abfuhren sondern die Westflanke nahmen und ins Navistal abfuhren.

ein interessantes Gipfelkreuz im Westen

Bei Betrachtung der beiden kam dem Verfasser ein interessantes Gipfelkreuz ins Visier, das etwa auf gleicher Höhe wie die Mölser Scharte liegt und im Nachgang zuhause erkundet werden mußte – wie sich herausstellte der Nördliche Klammer Schober mit 2.448m. In jedem Fall bedurfte er einer näheren Erkundung.

Abfahrtsgelände von der Mölser Scharte

Die Abfahrt über die schönen abgestuften Hänge zum Mölser Hochleger hin sind Genussstrecken, aber momentan will die Routenwahl noch gut gewählt werden, möchte man Steinkontakt vermeiden (was auch gelang).

Abfahrt über Geländestufen

Es empfiehlt sich den Mölser Hochleger nicht zu direkt anzufahren sondern etwas rechtshaltend den Bach vom Mölssee zu überfahren, da er im Bereich des Hochlegers breit verästelt ist und die Querung dort nicht wünschenswert ist. Außerdem ist der Hang im Einschnitt zu steil für die herrschenden Verhältnisse.

hier etwas rechts halten und den Bach überqueren

Ab dem Hochleger führt nach einer etwa 700m langen flachen Schiebestrecke der Weg über die Rodelbahn durch den wunderschönen Kiefernwald hinab zum Lager Walchen. Ein toller Abschluß der Runde.

Bachüberquerung an steiler Hangneigung

Die neue AV-App erstmals zur Touraufzeichnung von den Almhütten am Ende des Schleppliftes bis zum Mölser Hochleger genutzt, kann sich das Ergebnis glatt sehen lassen:

Klammspitzen Aufzeichnung per App

Für die Tour benötigt man rund 5:40 Stunden, mit kurzen Aufenthalten. Der gesamte Aufstieg beträgt 1.250m.

Mils, 28.12.2018